So 17.10.

Endlich Tacheles, OmdU

Endlich Tacheles

D 2020, 104 min, Deutsch | Hebräisch | Englisch | Polnisch mit deutschen UT

Regie: Jana Matthes, Andrea Schramm

Yaar ist ein junger jüdischer Berliner, der davon träumt, Gamedesigner zu werden. Mit dem Judentum verbindet er nichts als Opfer, die sich zur Schlachtbank führen ließen. Seinem Vater wirft er vor, am Holocaust zu leiden, den er nicht einmal selbst erlebt hat. Aus Rebellion will Yaar ein Computerspiel entwickeln: „Shoah. Als Gott schlief.“ In dem von ihm kreierten Deutschland um 1940 können Juden sich wehren, Nazis menschlich handeln. Yaars Vater ist schockiert. In seinen Freunden Sarah und Marcel findet er Mitstreiter für die Entwicklung seines Computerspiels. Yaar macht seine Oma Rina zum Vorbild für die junge Jüdin im Spiel. Ihr Gegenspieler, ein SS-Offizier, ist von einem realen Vorfahren von Marcel inspiriert. Die drei sind sich einig: die alten Rollenzuschreibungen von Tätern und Opfern stehen ihnen im Weg, und die Vergangenheit soll endlich vorbei sein! Sie reisen zusammen in Rinas Geburtsort Krakau, wo Yaar ein furchtbares Familiengeheimnis aufdeckt. Aus Spiel wird Ernst. Die drei Freunde erkennen, was die Ereignisse der Vergangenheit mit ihnen selbst zu tun haben – als Enkel der damaligen Opfer und Täter. Eine schmerzhafte Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte beginnt, die auch die Beziehung zwischen Vater und Sohn verändert.

ENDLICH TACHELES zeigt, wie sich das Trauma der Überlebenden bis in die dritte Generation frisst und stellt eine hochaktuelle Frage aus der Sicht eines 21-jährigen: Was hat der Holocaust heute noch mit mir zu tun?

„Yaars Großvater Moshe kam 1944 nach Auschwitz Birkenau. Zur gleichen Zeit wurde Georg Schramm, der Großvater der Regisseurin, als Wehrmachtssoldat im KZ Dachau stationiert. Beide Männer standen auf verschiedenen Seiten des Zauns – 71 Jahre, bevor wir Yaar zum ersten Mal trafen. Wir erzählten uns unsere Familiengeschichten und entwickelten als Enkel der Täter- und der Opfergeneration gemeinsam die Idee zu ENDLICH TACHELES.

Schnell merkten wir, dass auf Yaar ein großer Druck lastet. Die Wunden, die Yaars Großeltern als Überlebende bis an ihr Lebensende mit sich herumtragen, sind auch für deren Kinder – Yaars Eltern – noch prägend. Für die dritte Generation scheint das auf den ersten Blick nicht zu gelten. Yaars Gefühl für die Vergangenheit ist diffus. Er trägt an etwas, doch er weiß – anders als sein Vater – nicht woran. Seine Eltern und Großeltern haben kaum etwas erzählt, wovon sollte er also traumatisiert sein? In der Verdrängung der Großeltern, dem Schweigen des Vaters, genau wie in der Rebellion des Enkels zeigen sich unterschiedliche Strategien, die Vergangenheit zu verarbeiten – doch keiner kann ihr entfliehen. Das ist es, was uns an Yaars Geschichte interessiert: die Fragilität einer Sinnsuche, die Coming-of-Age-Geschichte eines jungen Mannes, der noch gar nicht weiß, was ihn umtreibt und manchmal fast zu zerstören droht. Er will es herausfinden und geht mit der Entwicklung des Computerspiels einen provokanten Weg.

In Deutschland und vielen anderen Ländern der Welt können Juden ihre Kippa nicht offen tragen, müssen Menschen in Synagogen wieder um ihr Leben fürchten. Wir als dritte Generation haben eine Verantwortung – gerade in einer Zeit in der die letzten Zeitzeugen sterben. Wir glauben, es ist Zeit für neue Formen der Erinnerung, die auch diejenigen erreichen, für die der Holocaust nur ein Kapitel im Geschichtsbuch ist.“ (Regiekommentar)

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