Eine Sternschnuppe erfüllt Findus seinen Wunsch: Er möchte so groß sein wie Pettersson. Ob das eine gute Idee ist? Regie: Jörgen Lerdam, Anders Sörensen, S/D 2006, Zeichentrickfilm, 12 Min.
Die Raupe und die Henne
Die Henne staunt, als die Raupe sich plötzlich verpuppt. Doch bald schlüpft ein farbenfroher Schmetterling aus dem Kokon. Regie: Michela Donini, Katya Rinaldi, I 2014, Legetrick, 10 Min.
Tilli Klapperzahn
Tilli Klapperzahn ist zum ersten Mal alleine zu Hause. Aber eigentlich ist sie gar nicht allein: Der lustige Schlumpsi ist ja da. Regie: Elisa Klement, D 2018, Realfilm, 12 Min.
Japan 2025, 174 min, japanische Originalfassung mit deutschen UT
Regie: Sang-il Lee
Nagasaki, 1964 – Nach dem Tod seines Vaters, dem Anführer einer Yakuza-Bande, wird der 14-jährige Kikuo von einem berühmten Kabuki-Schauspieler unter seine Fittiche genommen. Zusammen mit dem einzigen Sohn des Schauspielers, Shunsuke, beschließt er, sich dieser traditionellen Theaterform zu widmen. Über Jahrzehnte hinweg wachsen und entwickeln sich die beiden jungen Männer gemeinsam weiter. Von der Schauspielschule bis zu den größten Bühnen, inmitten von Skandalen und Ruhm, Brüderlichkeit und Verrat… Jedoch kann nur einer von ihnen zum größten Meister der Kabuki-Kunst werden.
Das historische Drama, das als erster japanischer Film eine Oscar®-Nominierung in der Kategorie „Bestes Make-up und Hairstyling“ erhalten hat, ist ein mehrere Jahrzehnte umfassendes epochales Meisterwerk. Mitreißend, bildgewaltig und zugleich sinnlich erzählt der Film die Geschichte zweier Ausnahmekünstler, die sich ab Mitte der sechziger Jahre in der traditionellen Theaterform Kabuki behaupten wollen und dabei unerwartete Hürden überwinden müssen. Nur einer von ihnen wird zum größten Meister seiner Kunst mit dem Ehrentitel „Kokuhō“ (Nationalschatz).
„Der Film über die ineinander verflochtenen Karrieren zweier Kabuki-Schauspieler avancierte am japanischen Box Office zum Dauerbrenner und ist inzwischen der erfolgreichste einheimische Realfilm aller Zeiten. (…) Umso erstaunlicher ist das, als KOKUHO – THE MASTER OF KABUKI kein bisschen den Versuch unternimmt, die mehrere Jahrhunderte alte Kunst mit modernen Sehgewohnheiten zu vermitteln. Lee Sang-il hat gerade keine hippe neue Sonezaki-Adaption, zum Beispiel in Manga-Optik, gedreht, sondern ein elegantes, episches Charakterdrama, in dem sich die Geschichte von Tokubei und Ohatsu auf komplexe Weise in den Lebensläufen zweier Schauspieler bricht: Über mehrere Jahrzehnte hinweg stehen Kikuo und Shunsuke gemeinsam auf der Bühne, mal spielt Kikuo Tokubei und Shunsuke Ohatsu und mal andersrum. Der gemeinsame Liebestod ist für die beiden keine Option, und doch geraten sie immer mehr in den Bann der berühmten Rollen, die sie verkörpern.
Gleichzeitig ist der Film, der auf einem Roman Shuichi Yoshidas basiert, eine filmische Verbeugung vor der Kunst des Kabuki selbst. Geduldig und mit viel Liebe für szenische und gestische Details, aber auch mit einem Auge für die Sorgfalt, die in das exaltierte Kabuki-Makeup einfließt, stellt Lee Sang-il eine ganze Reihe von Kabuki-Performances und auch – teils knochenharte – Proben nach. Zum Selbstzweck verkommen solche Passagen freilich nie, vielmehr gelingt es dem Regisseur immer wieder, durch geschickte Parallelmontagen das Bühnengeschehen mit der Erzählgegenwart um Kikuo und Shunsuke zu verknüpfen. Insofern ist KOKUHO – THE MASTER OF KABUKI der Idealfall einer Begegnung zweier Künste, die sich nicht gegenseitig erdrücken, sondern einander in respektvoller Manier zur Geltung bringen. Kino und Kabuki verbinden sich in Lee Sang-ils Film zu etwas Eigenem, Drittem. Dass das Ergebnis auch noch ein großes Publikum begeistert, ist ein kleines Wunder.“ (Lukas Förster, Trigon Magazin, 18.12.2025)
SK/ CZ/ UA 2021, 93 min, Russisch | Ukrainisch mit deutschen UT
Regie: Peter Kerekes
Leysa landet nach einem Eifersuchtsdrama im Knast. Schwanger tritt sie die Haftstrafe an, bringt den Sohn im Frauengefängnis von Odessa zur Welt, in dem Mütter und Kinder bis zum 3. Lebensjahr zusammen sein können. Leysa lebt in einer Welt, die nur von Frauen bevölkert ist. Wäre da nicht die Farbe der Uniform, wäre es schwer zu sagen, wer Gefangene, wer Wächterin ist. Klar ist allerdings: Humor spielt in diesem Frauenknast eine wichtige Rolle.
„Die Nähe und Menschlichkeit wie auch die formale Konsequenz machen die Stärke dieses berührenden, aber nie sentimentalen Dramas aus.“ (Teresa Vena, NZZ am Sonntag)
„Mit 107 MOTHERS verbindet Peter Kerekes meisterhaft Authentisches mit Inszeniertem. Sein Film nähert sich respektvoll den Lebensrealitäten der inhaftierten Frauen an und zeichnet ein einfühlsames Porträt vom Gefängnisalltag.“ (Doris Senn, arttv)
„Iryna arbeitet in einem Frauengefängnis, in dem auch Mütter mit Kindern untergebracht sind. Sie ist Aufseherin, Vertraute und Freundin, aber auch Beamtin mit dem Auftrag, Strafen zu vollziehen. Iryna lebt alleine in einer Dienstwohnung auf dem Gefängnisgelände und verbringt die Nächte damit, den Kühlschrank zu durchforsten und Liebesbriefe zu lesen, die ihre Insassinnen erhalten, was auch zu ihrem Job gehört.
Auf der anderen Seite dieses Mikrokosmos leben die Mütter mit ihren Kindern. Ihr Leben liegt in Trümmern. Die Frauen haben unterschiedliche Schicksale und eine ungewisse Zukunft. Das Einzige, das sie über Wasser hält, ist die Beziehung zu ihren Kleinen: ein paar Stunden genehmigtes Glück jeden Tag. Von den vielen Geschichten der Frauen im Gefängnis 74 hat mich die von Leysa am meisten inspiriert. Sie hat ihren Mann aus Eifersucht ermordet und kam in die Strafanstalt, schwanger mit dem gemeinsamen Kind, dessen Geburt auch den Beginn des Films markiert.
Fast alle Figuren spielen sich selbst. Wir haben für diesen Film mehrere Jahre in einem Gefängnis mit Häftlingen verbracht und versucht, ihnen nahezukommen und sie nicht als passive Objekte darzustellen, sondern als teilnehmende Individuen. Da die meisten Gefangenen auf ihre bedingte Entlassung warteten oder jederzeit in eine andere Einrichtung hätten verlegt werden können, beschloss ich, eine professionelle Schauspielerin für die Rolle der Leysa zu engagieren. Denn ich wusste, dass die Dreharbeiten lange dauern würden und konnte nicht riskieren, meine Hauptdarstellerin zu verlieren. Maryna, die Leysa spielt, war bei allen vorbereitenden Gesprächen dabei und verbrachte viel Zeit mit den Insassinnen. Ich wollte nicht, dass sie deren Verhalten nachahmt, sondern vielmehr, dass sie ihnen zuhört und versucht, sie zu verstehen. Für mich war entscheidend, dass sie sich in die inhaftierten Frauen einfühlen und ihren Schicksalen und Gedanken nahekommen konnte. Ich wollte auch, dass der Film ein authentisches kollektives Lebensbild der verurteilten Mütter vermittelt, nicht nur durch ihre Gespräche mit Iryna, sondern auch durch die stillen Szenen: die Einsamkeit, die sie empfinden, wenn ihnen die Kinder weggenommen werden; die Glücksmomente, wenn die Frauen kurz vergessen, dass sie im Gefängnis sind.
Ich glaube, dass die Beziehung der Frauen zu mir von Neugierde geprägt war. Ich habe sie nur beobachtet und ihnen zugehört, und das, was sie bereit waren, mit mir zu teilen, im Film wiedergeben.“ (Director’s Statement)
Do. 16.04.
20:00 Uhr
The Art and Life of Margo Ovcharenko
, OmdU – in Anwesenheit der Regisseurin Lika Avruzki mit anschließendem Gespräch
Israel 2024, 92 min, Ukrainisch | Russisch | Englisch mit deutschen UT
Regie: Lika Avruzki
Margo Ovcharenko avancierte mit 20 Jahren zum Star der Porträtfotografie. Die gebürtige Ukrainerin verbrachte einen Großteil ihres Lebens in Russland. Die Dokumentation beginnt 2012 auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, nachdem ihre Werke, die weibliche Sexualität und Selbstermächtigung thematisieren, bereits in renommierten Ausstellungen weltweit gezeigt wurden. Über einen Zeitraum von zwölf Jahren zeichnet der Film die sich wandelnde Beziehung zwischen der Ukraine und Russland und deren Auswirkungen auf die Kunstwelt und Margos persönlichen Werdegang nach. Die Erzählung nimmt 2021 eine dramatische Wendung, als Margo dauerhaft nach Kiew zieht, um sich wieder mit ihren ukrainischen Wurzeln zu verbinden. Ihre Pläne werden durch die russische Invasion im Februar 2022 zunichtegemacht, die sie zur Flüchtling macht.
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Deutschland 2026, 200 min, Deutsch | Ukrainisch | Litauisch | Belarusisch | Russisch | Rumänisch mit deutschen UT
Regie: Volker Koepp
„Strom, alleine immer kann ich dich lieben nur …“ (Johannes Bobrowski: Sarmatische Zeit)
Der Fluss Chronos, antiker Name der Memel, durchfließt die Region Sarmatien. Ihm folgt Volker Koepp auf der Suche nach den Schicksalen der Menschen, die an diesen Ufern leben – und kehrt dabei immer wieder zu jenen zurück, die seine früheren Filme geprägt haben. Doch „Chronos – Fluss der Zeit“ ist auch das Porträt einer Region im Wandel. Über fünf Jahre dauerten die Dreharbeiten. Die russische Invasion der Ukraine, die Covid-19-Pandemie prägen das Erleben genauso wie sowjetische Vergangenheit und die Narben, die der Holocaust in den Gemeinschaften hinterlassen hat.
Auf den Spuren der Gedichte von Johannes Bobrowski drehte Volker Koepp 1972 seinen ersten Film im historischen Landschaftsraum östlich der Weichsel zwischen Ostsee und Schwarzem Meer, in der Spätantike „Sarmatien“ genannt. Eine Welt, die nach dem Zweiten Weltkrieg zum sowjetischen Imperium gehörte. Später drehte Koepp in dieser Gegend mit „Kalte Heimat“ (1994), „Herr Zwilling und Frau Zuckermann“ (1998) oder „In Sarmatien“ (2013) einen ganzen Zyklus von Filmen. Es ging um Begegnungen mit Menschen, ihrem Alltag, ihren von politischen Umbrüchen geprägten Biografien, um nationalsozialistischen Terror, die Ermordung der Juden, stalinistische Verfolgung und Hoffnungen auf gesellschaftliche Veränderungen. „Chronos – Fluss der Zeit“ fügt diesen Geschichten ein neues, entscheidendes Kapitel hinzu – als filmische Montage, in der sich Vergangenheit und Gegenwart fragmentarisch verbinden.
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Volker Koepp: Bemerkungen zu „Chronos – Fluss der Zeit“
Zur Vorstellung dieses Filmprojekts schrieb ich 2019: Auf unsere Drehreise für einen Film sind wir 2012 in die Ukraine aufgebrochen, nach Odessa, an die Küste des Schwarzen Meeres. Nach einigen Wochen kamen wir in der russischen Oblast Kaliningrad an, im früheren Nördlichen Ostpreussen. Unterwegs drehten wir in den ukrainischen Städten Uman, Czernowitz und Lemberg, im polnischen Lublin, im belorussischen Hrodno, in Litauen und schließlich in Kaliningrad/Königsberg und in Sowjetsk/Tilsit. An der Ostsee, in Swjetlogorsk/Rauschen und auf der Kurischen Nehrung beendeten wir unsere Dreharbeiten. Der Film hieß: In Sarmatien.
Bevor ich Filme machte, las ich Gedichte. 1963 fand ich ein Buch: Sarmatische Zeit stand in roter Schrift auf dem schmalen schwarzen Leinenband zu lesen. Der Dichter: Johannes Bobrowski. Ich fand das Land Sarmatien im Brockhaus von 1898 in einer Karte aus der Spätantike verzeichnet. Östlich der Weichsel reicht dort Sarmatia vom Oceanus Sarmaticus, der Ostsee, bis hinunter ans Pontus Euxinus, ans Schwarzen Meer. Der Fluss Chronos der Antike ist die Memel der Gegenwart (litauisch: Nemunas, belorussisch: Nemon und im heute zu Russland gehörenden Kaliningrader Gebiet: Neman).
Bobrowski sagt: Strom, alleine immer kann ich dich lieben nur …
Seit 1972 bin ich für Filme neben meinen Dreharbeiten zwischen Elbe und Oder, wie etwa in Wittstock, auch in Sarmatien unterwegs. Ich erzählte vom Leben der Menschen in ihren Landschaften. Ich traf Überlebende nach Hitlers Völkermord an den Juden und Stalins Terror in der Ukraine. Von Biografien also, die geprägt waren von politischen und geografischen Umbrüchen und den Zeitenwenden im elenden 20. Jahrhundert. Und dann, bei den Jüngeren, auch des 21 Jahrhunderts. Hoffnungen, die nach dem scheinbaren Ende des Kalten Krieges vor dreißig Jahren aufkamen, sind durch die Entwicklungen in allerletzter Zeit wieder verflogen. Vielerorts erleben wir so etwas wie eine Hinwendung zu autoritären und antidemokratischen Strukturen. Den Versuchen also, Geschichte vergessen zu machen.
Bobrowski: Leute, ihr redet: Vergessen — es möcht der Holunder sterben an eurer Vergesslichkeit…
Als der Film In Sarmatien in den Kinos war, brachte Russland mit Annexion der Krim im Jahr 2014 den Krieg zurück in die Mitte Europas. Ein Achselzucken ist da nicht erlaubt. Es ist Zeit, mit Chronos noch einmal zu meinen sarmatischen Orten aufzubrechen. Die Menschen, die ich bei früheren Dreharbeiten kennenlernte, sind mir stets nah geblieben. Wir werden auf unserer Drehreise das Leben von manchen von ihnen weiter begleiten können. Und neue Menschen kennenlernen.
Jetzt ist das Jahr 2026 Chronos – Fluss der Zeit ist ein ungewolltes „Langzeitprojekt“. Die Dreharbeiten begannen im Jahr 2020 und sollten 2021 beendet sein. Zuerst brachte die Pandemie ungezählte Verzögerungen und Unterbrechungen. Manche der geplanten Drehorte im Kaliningrader Gebiet waren nun gar nicht mehr zu erreichbar. Die russischen Kinder und Frauen und Freunde aus früheren Filmen waren nun wie verschollen. Die politischen Entwicklungen in der Mitte Europas wurden immer bedrohlicher. Die Frauen in Belarus. Dann das Unfassbare: die Ausweitung des russischen Krieges auf die gesamte Ukraine. Auf Odessa, Uman, Lemberg und Czernowitz. Schreckensbilder über Jahre. Zum Drehen in die Ukraine, nach Czernowitz, fuhr ich mit einem Smartphon. Schließlich reichten die Arbeiten am Film bis in die Gegenwart des Jahres 2026. Seit Beginn des Krieges nach der Annexion der Krim sind nun bald 12 Jahre vergangen. Der tägliche Schrecken der russischen Kriegsverbrechen im Fernsehen. Die Hoffnung, dass Ende des Krieges zu erleben, hat sich nicht erfüllt.
SK/ CZ/ UA 2021, 93 min, Russisch | Ukrainisch mit deutschen UT
Regie: Peter Kerekes
Leysa landet nach einem Eifersuchtsdrama im Knast. Schwanger tritt sie die Haftstrafe an, bringt den Sohn im Frauengefängnis von Odessa zur Welt, in dem Mütter und Kinder bis zum 3. Lebensjahr zusammen sein können. Leysa lebt in einer Welt, die nur von Frauen bevölkert ist. Wäre da nicht die Farbe der Uniform, wäre es schwer zu sagen, wer Gefangene, wer Wächterin ist. Klar ist allerdings: Humor spielt in diesem Frauenknast eine wichtige Rolle.
„Die Nähe und Menschlichkeit wie auch die formale Konsequenz machen die Stärke dieses berührenden, aber nie sentimentalen Dramas aus.“ (Teresa Vena, NZZ am Sonntag)
„Mit 107 MOTHERS verbindet Peter Kerekes meisterhaft Authentisches mit Inszeniertem. Sein Film nähert sich respektvoll den Lebensrealitäten der inhaftierten Frauen an und zeichnet ein einfühlsames Porträt vom Gefängnisalltag.“ (Doris Senn, arttv)
„Iryna arbeitet in einem Frauengefängnis, in dem auch Mütter mit Kindern untergebracht sind. Sie ist Aufseherin, Vertraute und Freundin, aber auch Beamtin mit dem Auftrag, Strafen zu vollziehen. Iryna lebt alleine in einer Dienstwohnung auf dem Gefängnisgelände und verbringt die Nächte damit, den Kühlschrank zu durchforsten und Liebesbriefe zu lesen, die ihre Insassinnen erhalten, was auch zu ihrem Job gehört.
Auf der anderen Seite dieses Mikrokosmos leben die Mütter mit ihren Kindern. Ihr Leben liegt in Trümmern. Die Frauen haben unterschiedliche Schicksale und eine ungewisse Zukunft. Das Einzige, das sie über Wasser hält, ist die Beziehung zu ihren Kleinen: ein paar Stunden genehmigtes Glück jeden Tag. Von den vielen Geschichten der Frauen im Gefängnis 74 hat mich die von Leysa am meisten inspiriert. Sie hat ihren Mann aus Eifersucht ermordet und kam in die Strafanstalt, schwanger mit dem gemeinsamen Kind, dessen Geburt auch den Beginn des Films markiert.
Fast alle Figuren spielen sich selbst. Wir haben für diesen Film mehrere Jahre in einem Gefängnis mit Häftlingen verbracht und versucht, ihnen nahezukommen und sie nicht als passive Objekte darzustellen, sondern als teilnehmende Individuen. Da die meisten Gefangenen auf ihre bedingte Entlassung warteten oder jederzeit in eine andere Einrichtung hätten verlegt werden können, beschloss ich, eine professionelle Schauspielerin für die Rolle der Leysa zu engagieren. Denn ich wusste, dass die Dreharbeiten lange dauern würden und konnte nicht riskieren, meine Hauptdarstellerin zu verlieren. Maryna, die Leysa spielt, war bei allen vorbereitenden Gesprächen dabei und verbrachte viel Zeit mit den Insassinnen. Ich wollte nicht, dass sie deren Verhalten nachahmt, sondern vielmehr, dass sie ihnen zuhört und versucht, sie zu verstehen. Für mich war entscheidend, dass sie sich in die inhaftierten Frauen einfühlen und ihren Schicksalen und Gedanken nahekommen konnte. Ich wollte auch, dass der Film ein authentisches kollektives Lebensbild der verurteilten Mütter vermittelt, nicht nur durch ihre Gespräche mit Iryna, sondern auch durch die stillen Szenen: die Einsamkeit, die sie empfinden, wenn ihnen die Kinder weggenommen werden; die Glücksmomente, wenn die Frauen kurz vergessen, dass sie im Gefängnis sind.
Ich glaube, dass die Beziehung der Frauen zu mir von Neugierde geprägt war. Ich habe sie nur beobachtet und ihnen zugehört, und das, was sie bereit waren, mit mir zu teilen, im Film wiedergeben.“ (Director’s Statement)
AT/ I/ SK/ HR/ CZ 2024, 99 min, Italienisch | Friaulisch mit deutschen UT
Regie: Peter Kerekes
Luciana, eine neapolitanische Astrologin, verspricht ihren Kunden eine Methode, mit der sie ihre Wünsche wahr werden lassen können: Alles, was sie tun müssen, ist eine Geburtstagsreise an einen genau bestimmten Ort zu unternehmen, um unter einem neuen Himmel ein neues Ich zu finden. Ob Taipeh, Beirut oder ein nahegelegenes Dorf, während dieser Geburtstagsreisen erfahren die Protagonisten unerwartete Veränderungen. Und finden dabei schließlich heraus was ihr wahrer Herzenswunsch ist.
„Lucianas Büro ist ein Ort der Wunder. Hier vertrauen sich ihr Fremde an, teilen ihre tiefsten Wünsche und Sorgen. Und Luciana? Sie lässt ihre riesige Lupe über alte Buchseiten kreisen, um bald die perfekten Koordinaten für den spirituellen Neuanfang zu finden. Peter Kerekes wird in seinem neuen Film nicht weniger als ein Zeuge psychomagischer Akte. Denn die neapolitanische Astrologin vermag es nicht nur, Ratsuchenden das perfekte Geburtstagsdomizil zu errechnen – mit ihrer direkten Art zielt sie treffsicher in persönliche Dramen. (…) WISHING ON A STAR ist eine charmante Konsultation, die sich kühn den großen Fragen des Lebens stellt.“ (Carolin Weidner, DOK Leipzig 2024)
„Mit feinem Gespür für Absurditäten und einer atmosphärischen Bildsprache entführt WISHING ON A STAR in eine Welt voller skurriler Begegnungen. Verspielt, melancholisch und träumerisch erinnert er an das italienische Kino der 1960er Jahre.“ (Ines Ingerle, Crossing Europe 2025)
Deutschland 2026, 200 min, Deutsch | Ukrainisch | Litauisch | Belarusisch | Russisch | Rumänisch mit deutschen UT
Regie: Volker Koepp
„Strom, alleine immer kann ich dich lieben nur …“ (Johannes Bobrowski: Sarmatische Zeit)
Der Fluss Chronos, antiker Name der Memel, durchfließt die Region Sarmatien. Ihm folgt Volker Koepp auf der Suche nach den Schicksalen der Menschen, die an diesen Ufern leben – und kehrt dabei immer wieder zu jenen zurück, die seine früheren Filme geprägt haben. Doch „Chronos – Fluss der Zeit“ ist auch das Porträt einer Region im Wandel. Über fünf Jahre dauerten die Dreharbeiten. Die russische Invasion der Ukraine, die Covid-19-Pandemie prägen das Erleben genauso wie sowjetische Vergangenheit und die Narben, die der Holocaust in den Gemeinschaften hinterlassen hat.
Auf den Spuren der Gedichte von Johannes Bobrowski drehte Volker Koepp 1972 seinen ersten Film im historischen Landschaftsraum östlich der Weichsel zwischen Ostsee und Schwarzem Meer, in der Spätantike „Sarmatien“ genannt. Eine Welt, die nach dem Zweiten Weltkrieg zum sowjetischen Imperium gehörte. Später drehte Koepp in dieser Gegend mit „Kalte Heimat“ (1994), „Herr Zwilling und Frau Zuckermann“ (1998) oder „In Sarmatien“ (2013) einen ganzen Zyklus von Filmen. Es ging um Begegnungen mit Menschen, ihrem Alltag, ihren von politischen Umbrüchen geprägten Biografien, um nationalsozialistischen Terror, die Ermordung der Juden, stalinistische Verfolgung und Hoffnungen auf gesellschaftliche Veränderungen. „Chronos – Fluss der Zeit“ fügt diesen Geschichten ein neues, entscheidendes Kapitel hinzu – als filmische Montage, in der sich Vergangenheit und Gegenwart fragmentarisch verbinden.
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Volker Koepp: Bemerkungen zu „Chronos – Fluss der Zeit“
Zur Vorstellung dieses Filmprojekts schrieb ich 2019: Auf unsere Drehreise für einen Film sind wir 2012 in die Ukraine aufgebrochen, nach Odessa, an die Küste des Schwarzen Meeres. Nach einigen Wochen kamen wir in der russischen Oblast Kaliningrad an, im früheren Nördlichen Ostpreussen. Unterwegs drehten wir in den ukrainischen Städten Uman, Czernowitz und Lemberg, im polnischen Lublin, im belorussischen Hrodno, in Litauen und schließlich in Kaliningrad/Königsberg und in Sowjetsk/Tilsit. An der Ostsee, in Swjetlogorsk/Rauschen und auf der Kurischen Nehrung beendeten wir unsere Dreharbeiten. Der Film hieß: In Sarmatien.
Bevor ich Filme machte, las ich Gedichte. 1963 fand ich ein Buch: Sarmatische Zeit stand in roter Schrift auf dem schmalen schwarzen Leinenband zu lesen. Der Dichter: Johannes Bobrowski. Ich fand das Land Sarmatien im Brockhaus von 1898 in einer Karte aus der Spätantike verzeichnet. Östlich der Weichsel reicht dort Sarmatia vom Oceanus Sarmaticus, der Ostsee, bis hinunter ans Pontus Euxinus, ans Schwarzen Meer. Der Fluss Chronos der Antike ist die Memel der Gegenwart (litauisch: Nemunas, belorussisch: Nemon und im heute zu Russland gehörenden Kaliningrader Gebiet: Neman).
Bobrowski sagt: Strom, alleine immer kann ich dich lieben nur …
Seit 1972 bin ich für Filme neben meinen Dreharbeiten zwischen Elbe und Oder, wie etwa in Wittstock, auch in Sarmatien unterwegs. Ich erzählte vom Leben der Menschen in ihren Landschaften. Ich traf Überlebende nach Hitlers Völkermord an den Juden und Stalins Terror in der Ukraine. Von Biografien also, die geprägt waren von politischen und geografischen Umbrüchen und den Zeitenwenden im elenden 20. Jahrhundert. Und dann, bei den Jüngeren, auch des 21 Jahrhunderts. Hoffnungen, die nach dem scheinbaren Ende des Kalten Krieges vor dreißig Jahren aufkamen, sind durch die Entwicklungen in allerletzter Zeit wieder verflogen. Vielerorts erleben wir so etwas wie eine Hinwendung zu autoritären und antidemokratischen Strukturen. Den Versuchen also, Geschichte vergessen zu machen.
Bobrowski: Leute, ihr redet: Vergessen — es möcht der Holunder sterben an eurer Vergesslichkeit…
Als der Film In Sarmatien in den Kinos war, brachte Russland mit Annexion der Krim im Jahr 2014 den Krieg zurück in die Mitte Europas. Ein Achselzucken ist da nicht erlaubt. Es ist Zeit, mit Chronos noch einmal zu meinen sarmatischen Orten aufzubrechen. Die Menschen, die ich bei früheren Dreharbeiten kennenlernte, sind mir stets nah geblieben. Wir werden auf unserer Drehreise das Leben von manchen von ihnen weiter begleiten können. Und neue Menschen kennenlernen.
Jetzt ist das Jahr 2026 Chronos – Fluss der Zeit ist ein ungewolltes „Langzeitprojekt“. Die Dreharbeiten begannen im Jahr 2020 und sollten 2021 beendet sein. Zuerst brachte die Pandemie ungezählte Verzögerungen und Unterbrechungen. Manche der geplanten Drehorte im Kaliningrader Gebiet waren nun gar nicht mehr zu erreichbar. Die russischen Kinder und Frauen und Freunde aus früheren Filmen waren nun wie verschollen. Die politischen Entwicklungen in der Mitte Europas wurden immer bedrohlicher. Die Frauen in Belarus. Dann das Unfassbare: die Ausweitung des russischen Krieges auf die gesamte Ukraine. Auf Odessa, Uman, Lemberg und Czernowitz. Schreckensbilder über Jahre. Zum Drehen in die Ukraine, nach Czernowitz, fuhr ich mit einem Smartphon. Schließlich reichten die Arbeiten am Film bis in die Gegenwart des Jahres 2026. Seit Beginn des Krieges nach der Annexion der Krim sind nun bald 12 Jahre vergangen. Der tägliche Schrecken der russischen Kriegsverbrechen im Fernsehen. Die Hoffnung, dass Ende des Krieges zu erleben, hat sich nicht erfüllt.
SK/ CZ/ UA 2021, 93 min, Russisch | Ukrainisch mit deutschen UT
Regie: Peter Kerekes
Leysa landet nach einem Eifersuchtsdrama im Knast. Schwanger tritt sie die Haftstrafe an, bringt den Sohn im Frauengefängnis von Odessa zur Welt, in dem Mütter und Kinder bis zum 3. Lebensjahr zusammen sein können. Leysa lebt in einer Welt, die nur von Frauen bevölkert ist. Wäre da nicht die Farbe der Uniform, wäre es schwer zu sagen, wer Gefangene, wer Wächterin ist. Klar ist allerdings: Humor spielt in diesem Frauenknast eine wichtige Rolle.
„Die Nähe und Menschlichkeit wie auch die formale Konsequenz machen die Stärke dieses berührenden, aber nie sentimentalen Dramas aus.“ (Teresa Vena, NZZ am Sonntag)
„Mit 107 MOTHERS verbindet Peter Kerekes meisterhaft Authentisches mit Inszeniertem. Sein Film nähert sich respektvoll den Lebensrealitäten der inhaftierten Frauen an und zeichnet ein einfühlsames Porträt vom Gefängnisalltag.“ (Doris Senn, arttv)
„Iryna arbeitet in einem Frauengefängnis, in dem auch Mütter mit Kindern untergebracht sind. Sie ist Aufseherin, Vertraute und Freundin, aber auch Beamtin mit dem Auftrag, Strafen zu vollziehen. Iryna lebt alleine in einer Dienstwohnung auf dem Gefängnisgelände und verbringt die Nächte damit, den Kühlschrank zu durchforsten und Liebesbriefe zu lesen, die ihre Insassinnen erhalten, was auch zu ihrem Job gehört.
Auf der anderen Seite dieses Mikrokosmos leben die Mütter mit ihren Kindern. Ihr Leben liegt in Trümmern. Die Frauen haben unterschiedliche Schicksale und eine ungewisse Zukunft. Das Einzige, das sie über Wasser hält, ist die Beziehung zu ihren Kleinen: ein paar Stunden genehmigtes Glück jeden Tag. Von den vielen Geschichten der Frauen im Gefängnis 74 hat mich die von Leysa am meisten inspiriert. Sie hat ihren Mann aus Eifersucht ermordet und kam in die Strafanstalt, schwanger mit dem gemeinsamen Kind, dessen Geburt auch den Beginn des Films markiert.
Fast alle Figuren spielen sich selbst. Wir haben für diesen Film mehrere Jahre in einem Gefängnis mit Häftlingen verbracht und versucht, ihnen nahezukommen und sie nicht als passive Objekte darzustellen, sondern als teilnehmende Individuen. Da die meisten Gefangenen auf ihre bedingte Entlassung warteten oder jederzeit in eine andere Einrichtung hätten verlegt werden können, beschloss ich, eine professionelle Schauspielerin für die Rolle der Leysa zu engagieren. Denn ich wusste, dass die Dreharbeiten lange dauern würden und konnte nicht riskieren, meine Hauptdarstellerin zu verlieren. Maryna, die Leysa spielt, war bei allen vorbereitenden Gesprächen dabei und verbrachte viel Zeit mit den Insassinnen. Ich wollte nicht, dass sie deren Verhalten nachahmt, sondern vielmehr, dass sie ihnen zuhört und versucht, sie zu verstehen. Für mich war entscheidend, dass sie sich in die inhaftierten Frauen einfühlen und ihren Schicksalen und Gedanken nahekommen konnte. Ich wollte auch, dass der Film ein authentisches kollektives Lebensbild der verurteilten Mütter vermittelt, nicht nur durch ihre Gespräche mit Iryna, sondern auch durch die stillen Szenen: die Einsamkeit, die sie empfinden, wenn ihnen die Kinder weggenommen werden; die Glücksmomente, wenn die Frauen kurz vergessen, dass sie im Gefängnis sind.
Ich glaube, dass die Beziehung der Frauen zu mir von Neugierde geprägt war. Ich habe sie nur beobachtet und ihnen zugehört, und das, was sie bereit waren, mit mir zu teilen, im Film wiedergeben.“ (Director’s Statement)
AT/ I/ SK/ HR/ CZ 2024, 99 min, Italienisch | Friaulisch mit deutschen UT
Regie: Peter Kerekes
Luciana, eine neapolitanische Astrologin, verspricht ihren Kunden eine Methode, mit der sie ihre Wünsche wahr werden lassen können: Alles, was sie tun müssen, ist eine Geburtstagsreise an einen genau bestimmten Ort zu unternehmen, um unter einem neuen Himmel ein neues Ich zu finden. Ob Taipeh, Beirut oder ein nahegelegenes Dorf, während dieser Geburtstagsreisen erfahren die Protagonisten unerwartete Veränderungen. Und finden dabei schließlich heraus was ihr wahrer Herzenswunsch ist.
„Lucianas Büro ist ein Ort der Wunder. Hier vertrauen sich ihr Fremde an, teilen ihre tiefsten Wünsche und Sorgen. Und Luciana? Sie lässt ihre riesige Lupe über alte Buchseiten kreisen, um bald die perfekten Koordinaten für den spirituellen Neuanfang zu finden. Peter Kerekes wird in seinem neuen Film nicht weniger als ein Zeuge psychomagischer Akte. Denn die neapolitanische Astrologin vermag es nicht nur, Ratsuchenden das perfekte Geburtstagsdomizil zu errechnen – mit ihrer direkten Art zielt sie treffsicher in persönliche Dramen. (…) WISHING ON A STAR ist eine charmante Konsultation, die sich kühn den großen Fragen des Lebens stellt.“ (Carolin Weidner, DOK Leipzig 2024)
„Mit feinem Gespür für Absurditäten und einer atmosphärischen Bildsprache entführt WISHING ON A STAR in eine Welt voller skurriler Begegnungen. Verspielt, melancholisch und träumerisch erinnert er an das italienische Kino der 1960er Jahre.“ (Ines Ingerle, Crossing Europe 2025)
Japan 2025, 174 min, japanische Originalfassung mit deutschen UT
Regie: Sang-il Lee
Nagasaki, 1964 – Nach dem Tod seines Vaters, dem Anführer einer Yakuza-Bande, wird der 14-jährige Kikuo von einem berühmten Kabuki-Schauspieler unter seine Fittiche genommen. Zusammen mit dem einzigen Sohn des Schauspielers, Shunsuke, beschließt er, sich dieser traditionellen Theaterform zu widmen. Über Jahrzehnte hinweg wachsen und entwickeln sich die beiden jungen Männer gemeinsam weiter. Von der Schauspielschule bis zu den größten Bühnen, inmitten von Skandalen und Ruhm, Brüderlichkeit und Verrat… Jedoch kann nur einer von ihnen zum größten Meister der Kabuki-Kunst werden.
Das historische Drama, das als erster japanischer Film eine Oscar®-Nominierung in der Kategorie „Bestes Make-up und Hairstyling“ erhalten hat, ist ein mehrere Jahrzehnte umfassendes epochales Meisterwerk. Mitreißend, bildgewaltig und zugleich sinnlich erzählt der Film die Geschichte zweier Ausnahmekünstler, die sich ab Mitte der sechziger Jahre in der traditionellen Theaterform Kabuki behaupten wollen und dabei unerwartete Hürden überwinden müssen. Nur einer von ihnen wird zum größten Meister seiner Kunst mit dem Ehrentitel „Kokuhō“ (Nationalschatz).
„Der Film über die ineinander verflochtenen Karrieren zweier Kabuki-Schauspieler avancierte am japanischen Box Office zum Dauerbrenner und ist inzwischen der erfolgreichste einheimische Realfilm aller Zeiten. (…) Umso erstaunlicher ist das, als KOKUHO – THE MASTER OF KABUKI kein bisschen den Versuch unternimmt, die mehrere Jahrhunderte alte Kunst mit modernen Sehgewohnheiten zu vermitteln. Lee Sang-il hat gerade keine hippe neue Sonezaki-Adaption, zum Beispiel in Manga-Optik, gedreht, sondern ein elegantes, episches Charakterdrama, in dem sich die Geschichte von Tokubei und Ohatsu auf komplexe Weise in den Lebensläufen zweier Schauspieler bricht: Über mehrere Jahrzehnte hinweg stehen Kikuo und Shunsuke gemeinsam auf der Bühne, mal spielt Kikuo Tokubei und Shunsuke Ohatsu und mal andersrum. Der gemeinsame Liebestod ist für die beiden keine Option, und doch geraten sie immer mehr in den Bann der berühmten Rollen, die sie verkörpern.
Gleichzeitig ist der Film, der auf einem Roman Shuichi Yoshidas basiert, eine filmische Verbeugung vor der Kunst des Kabuki selbst. Geduldig und mit viel Liebe für szenische und gestische Details, aber auch mit einem Auge für die Sorgfalt, die in das exaltierte Kabuki-Makeup einfließt, stellt Lee Sang-il eine ganze Reihe von Kabuki-Performances und auch – teils knochenharte – Proben nach. Zum Selbstzweck verkommen solche Passagen freilich nie, vielmehr gelingt es dem Regisseur immer wieder, durch geschickte Parallelmontagen das Bühnengeschehen mit der Erzählgegenwart um Kikuo und Shunsuke zu verknüpfen. Insofern ist KOKUHO – THE MASTER OF KABUKI der Idealfall einer Begegnung zweier Künste, die sich nicht gegenseitig erdrücken, sondern einander in respektvoller Manier zur Geltung bringen. Kino und Kabuki verbinden sich in Lee Sang-ils Film zu etwas Eigenem, Drittem. Dass das Ergebnis auch noch ein großes Publikum begeistert, ist ein kleines Wunder.“ (Lukas Förster, Trigon Magazin, 18.12.2025)
Deutschland 2026, 200 min, Deutsch | Ukrainisch | Litauisch | Belarusisch | Russisch | Rumänisch mit deutschen UT
Regie: Volker Koepp
„Strom, alleine immer kann ich dich lieben nur …“ (Johannes Bobrowski: Sarmatische Zeit)
Der Fluss Chronos, antiker Name der Memel, durchfließt die Region Sarmatien. Ihm folgt Volker Koepp auf der Suche nach den Schicksalen der Menschen, die an diesen Ufern leben – und kehrt dabei immer wieder zu jenen zurück, die seine früheren Filme geprägt haben. Doch „Chronos – Fluss der Zeit“ ist auch das Porträt einer Region im Wandel. Über fünf Jahre dauerten die Dreharbeiten. Die russische Invasion der Ukraine, die Covid-19-Pandemie prägen das Erleben genauso wie sowjetische Vergangenheit und die Narben, die der Holocaust in den Gemeinschaften hinterlassen hat.
Auf den Spuren der Gedichte von Johannes Bobrowski drehte Volker Koepp 1972 seinen ersten Film im historischen Landschaftsraum östlich der Weichsel zwischen Ostsee und Schwarzem Meer, in der Spätantike „Sarmatien“ genannt. Eine Welt, die nach dem Zweiten Weltkrieg zum sowjetischen Imperium gehörte. Später drehte Koepp in dieser Gegend mit „Kalte Heimat“ (1994), „Herr Zwilling und Frau Zuckermann“ (1998) oder „In Sarmatien“ (2013) einen ganzen Zyklus von Filmen. Es ging um Begegnungen mit Menschen, ihrem Alltag, ihren von politischen Umbrüchen geprägten Biografien, um nationalsozialistischen Terror, die Ermordung der Juden, stalinistische Verfolgung und Hoffnungen auf gesellschaftliche Veränderungen. „Chronos – Fluss der Zeit“ fügt diesen Geschichten ein neues, entscheidendes Kapitel hinzu – als filmische Montage, in der sich Vergangenheit und Gegenwart fragmentarisch verbinden.
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Volker Koepp: Bemerkungen zu „Chronos – Fluss der Zeit“
Zur Vorstellung dieses Filmprojekts schrieb ich 2019: Auf unsere Drehreise für einen Film sind wir 2012 in die Ukraine aufgebrochen, nach Odessa, an die Küste des Schwarzen Meeres. Nach einigen Wochen kamen wir in der russischen Oblast Kaliningrad an, im früheren Nördlichen Ostpreussen. Unterwegs drehten wir in den ukrainischen Städten Uman, Czernowitz und Lemberg, im polnischen Lublin, im belorussischen Hrodno, in Litauen und schließlich in Kaliningrad/Königsberg und in Sowjetsk/Tilsit. An der Ostsee, in Swjetlogorsk/Rauschen und auf der Kurischen Nehrung beendeten wir unsere Dreharbeiten. Der Film hieß: In Sarmatien.
Bevor ich Filme machte, las ich Gedichte. 1963 fand ich ein Buch: Sarmatische Zeit stand in roter Schrift auf dem schmalen schwarzen Leinenband zu lesen. Der Dichter: Johannes Bobrowski. Ich fand das Land Sarmatien im Brockhaus von 1898 in einer Karte aus der Spätantike verzeichnet. Östlich der Weichsel reicht dort Sarmatia vom Oceanus Sarmaticus, der Ostsee, bis hinunter ans Pontus Euxinus, ans Schwarzen Meer. Der Fluss Chronos der Antike ist die Memel der Gegenwart (litauisch: Nemunas, belorussisch: Nemon und im heute zu Russland gehörenden Kaliningrader Gebiet: Neman).
Bobrowski sagt: Strom, alleine immer kann ich dich lieben nur …
Seit 1972 bin ich für Filme neben meinen Dreharbeiten zwischen Elbe und Oder, wie etwa in Wittstock, auch in Sarmatien unterwegs. Ich erzählte vom Leben der Menschen in ihren Landschaften. Ich traf Überlebende nach Hitlers Völkermord an den Juden und Stalins Terror in der Ukraine. Von Biografien also, die geprägt waren von politischen und geografischen Umbrüchen und den Zeitenwenden im elenden 20. Jahrhundert. Und dann, bei den Jüngeren, auch des 21 Jahrhunderts. Hoffnungen, die nach dem scheinbaren Ende des Kalten Krieges vor dreißig Jahren aufkamen, sind durch die Entwicklungen in allerletzter Zeit wieder verflogen. Vielerorts erleben wir so etwas wie eine Hinwendung zu autoritären und antidemokratischen Strukturen. Den Versuchen also, Geschichte vergessen zu machen.
Bobrowski: Leute, ihr redet: Vergessen — es möcht der Holunder sterben an eurer Vergesslichkeit…
Als der Film In Sarmatien in den Kinos war, brachte Russland mit Annexion der Krim im Jahr 2014 den Krieg zurück in die Mitte Europas. Ein Achselzucken ist da nicht erlaubt. Es ist Zeit, mit Chronos noch einmal zu meinen sarmatischen Orten aufzubrechen. Die Menschen, die ich bei früheren Dreharbeiten kennenlernte, sind mir stets nah geblieben. Wir werden auf unserer Drehreise das Leben von manchen von ihnen weiter begleiten können. Und neue Menschen kennenlernen.
Jetzt ist das Jahr 2026 Chronos – Fluss der Zeit ist ein ungewolltes „Langzeitprojekt“. Die Dreharbeiten begannen im Jahr 2020 und sollten 2021 beendet sein. Zuerst brachte die Pandemie ungezählte Verzögerungen und Unterbrechungen. Manche der geplanten Drehorte im Kaliningrader Gebiet waren nun gar nicht mehr zu erreichbar. Die russischen Kinder und Frauen und Freunde aus früheren Filmen waren nun wie verschollen. Die politischen Entwicklungen in der Mitte Europas wurden immer bedrohlicher. Die Frauen in Belarus. Dann das Unfassbare: die Ausweitung des russischen Krieges auf die gesamte Ukraine. Auf Odessa, Uman, Lemberg und Czernowitz. Schreckensbilder über Jahre. Zum Drehen in die Ukraine, nach Czernowitz, fuhr ich mit einem Smartphon. Schließlich reichten die Arbeiten am Film bis in die Gegenwart des Jahres 2026. Seit Beginn des Krieges nach der Annexion der Krim sind nun bald 12 Jahre vergangen. Der tägliche Schrecken der russischen Kriegsverbrechen im Fernsehen. Die Hoffnung, dass Ende des Krieges zu erleben, hat sich nicht erfüllt.
AT/ I/ SK/ HR/ CZ 2024, 99 min, Italienisch | Friaulisch mit deutschen UT
Regie: Peter Kerekes
Luciana, eine neapolitanische Astrologin, verspricht ihren Kunden eine Methode, mit der sie ihre Wünsche wahr werden lassen können: Alles, was sie tun müssen, ist eine Geburtstagsreise an einen genau bestimmten Ort zu unternehmen, um unter einem neuen Himmel ein neues Ich zu finden. Ob Taipeh, Beirut oder ein nahegelegenes Dorf, während dieser Geburtstagsreisen erfahren die Protagonisten unerwartete Veränderungen. Und finden dabei schließlich heraus was ihr wahrer Herzenswunsch ist.
„Lucianas Büro ist ein Ort der Wunder. Hier vertrauen sich ihr Fremde an, teilen ihre tiefsten Wünsche und Sorgen. Und Luciana? Sie lässt ihre riesige Lupe über alte Buchseiten kreisen, um bald die perfekten Koordinaten für den spirituellen Neuanfang zu finden. Peter Kerekes wird in seinem neuen Film nicht weniger als ein Zeuge psychomagischer Akte. Denn die neapolitanische Astrologin vermag es nicht nur, Ratsuchenden das perfekte Geburtstagsdomizil zu errechnen – mit ihrer direkten Art zielt sie treffsicher in persönliche Dramen. (…) WISHING ON A STAR ist eine charmante Konsultation, die sich kühn den großen Fragen des Lebens stellt.“ (Carolin Weidner, DOK Leipzig 2024)
„Mit feinem Gespür für Absurditäten und einer atmosphärischen Bildsprache entführt WISHING ON A STAR in eine Welt voller skurriler Begegnungen. Verspielt, melancholisch und träumerisch erinnert er an das italienische Kino der 1960er Jahre.“ (Ines Ingerle, Crossing Europe 2025)
Sowjetunion, 1937: Tausende von Briefen von Häftlingen, die vom Regime zu Unrecht beschuldigt wurden, werden in einer Gefängniszelle verbrannt. Einer erreicht trotz aller Widrigkeiten seinen Bestimmungsort, den Schreibtisch des neu ernannten örtlichen Staatsanwalts Alexander Kornjew.
Kornjew setzt alles daran, den Gefangenen, ein Opfer von Agenten der Geheimpolizei NKWD, zu treffen. Der junge Staatsanwalt, ein engagierter Bolschewik mit Integrität, vermutet ein falsches Spiel. Sein Streben nach Gerechtigkeit führt ihn bis zum Büro des Generalstaatsanwalts in Moskau. Im Zeitalter der großen stalinistischen Säuberungen ist dies der Sturz eines Mannes in die Korridore eines totalitären Regimes, das diesen Namen nicht trägt.
Bei dem Historiendrama handelt es sich um eine Verfilmung des gleichnamigen Romans von Georgi Demidow (1908–1987).
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„Nach dem Besuch bei Stepanow erlebt Kornew das kafkaeske Gefüge der Generalstaatsanwaltschaft, wo er schließlich auf Wyschinksi trifft. Sein Weg zu ihm und zurück erzählt Loznitsa anhand der Bahnfahrten – und er schafft es mit einem mitunter aufreizend langsamen Handlungstempo meisterhaft, ein zentrales Wesensmerkmal der Repression im Totalitarismus herauszuarbeiten: nämlich jenes des Wartens. (…) Das Wartenlassen als Foltermethode bürokratischer Diktaturen ist so intensiv spürbar, als erlitte man es selbst. Auch merkt man dem idealistischen Staatsanwalt bei jedem Gespräch die Angst an, es könne, was er sagt, gegen ihn verwendet werden. Dass er trotzdem nicht sieht, was wir heute wissen – darin liegt die Tragik dieses herausragenden Kammerspiels. Dass es mit russischen Exilschauspielern gedreht wurde und in Russland nicht in die Kinos kommt, spricht Bände.“ (Felix Müller, Berliner Morgenpost 18.12.2025)
„Wie und warum sollten wir uns heute mit dem diktatorischen System des Sowjetkommunismus auseinandersetzen? Diese Frage beantwortet der ukrainische Regisseur Sergeï Loznitsa mit seinem Film Zwei Staatsanwälte, der zunächst auf die Bedrohung durch Russland Bezug zu nehmen scheint, aber darüber hinaus auch auf die zyklisch wiederkehrenden Diktaturbestrebungen aller Art verweist“ (arte.tv)
„Der Film ist trotz der Zeit, in der er spielt, also kein reiner Blick in die Vergangenheit, sondern heutzutage relevanter als es einem lieb wäre. Loznitsa bietet mit seinem Werk keine Lösung oder Hoffnung – stattdessen hat er vielmehr eine eindrückliche Warnung geschaffen.“ (SPOT)
SK/ CZ/ UA 2021, 93 min, Russisch | Ukrainisch mit deutschen UT
Regie: Peter Kerekes
Leysa landet nach einem Eifersuchtsdrama im Knast. Schwanger tritt sie die Haftstrafe an, bringt den Sohn im Frauengefängnis von Odessa zur Welt, in dem Mütter und Kinder bis zum 3. Lebensjahr zusammen sein können. Leysa lebt in einer Welt, die nur von Frauen bevölkert ist. Wäre da nicht die Farbe der Uniform, wäre es schwer zu sagen, wer Gefangene, wer Wächterin ist. Klar ist allerdings: Humor spielt in diesem Frauenknast eine wichtige Rolle.
„Die Nähe und Menschlichkeit wie auch die formale Konsequenz machen die Stärke dieses berührenden, aber nie sentimentalen Dramas aus.“ (Teresa Vena, NZZ am Sonntag)
„Mit 107 MOTHERS verbindet Peter Kerekes meisterhaft Authentisches mit Inszeniertem. Sein Film nähert sich respektvoll den Lebensrealitäten der inhaftierten Frauen an und zeichnet ein einfühlsames Porträt vom Gefängnisalltag.“ (Doris Senn, arttv)
„Iryna arbeitet in einem Frauengefängnis, in dem auch Mütter mit Kindern untergebracht sind. Sie ist Aufseherin, Vertraute und Freundin, aber auch Beamtin mit dem Auftrag, Strafen zu vollziehen. Iryna lebt alleine in einer Dienstwohnung auf dem Gefängnisgelände und verbringt die Nächte damit, den Kühlschrank zu durchforsten und Liebesbriefe zu lesen, die ihre Insassinnen erhalten, was auch zu ihrem Job gehört.
Auf der anderen Seite dieses Mikrokosmos leben die Mütter mit ihren Kindern. Ihr Leben liegt in Trümmern. Die Frauen haben unterschiedliche Schicksale und eine ungewisse Zukunft. Das Einzige, das sie über Wasser hält, ist die Beziehung zu ihren Kleinen: ein paar Stunden genehmigtes Glück jeden Tag. Von den vielen Geschichten der Frauen im Gefängnis 74 hat mich die von Leysa am meisten inspiriert. Sie hat ihren Mann aus Eifersucht ermordet und kam in die Strafanstalt, schwanger mit dem gemeinsamen Kind, dessen Geburt auch den Beginn des Films markiert.
Fast alle Figuren spielen sich selbst. Wir haben für diesen Film mehrere Jahre in einem Gefängnis mit Häftlingen verbracht und versucht, ihnen nahezukommen und sie nicht als passive Objekte darzustellen, sondern als teilnehmende Individuen. Da die meisten Gefangenen auf ihre bedingte Entlassung warteten oder jederzeit in eine andere Einrichtung hätten verlegt werden können, beschloss ich, eine professionelle Schauspielerin für die Rolle der Leysa zu engagieren. Denn ich wusste, dass die Dreharbeiten lange dauern würden und konnte nicht riskieren, meine Hauptdarstellerin zu verlieren. Maryna, die Leysa spielt, war bei allen vorbereitenden Gesprächen dabei und verbrachte viel Zeit mit den Insassinnen. Ich wollte nicht, dass sie deren Verhalten nachahmt, sondern vielmehr, dass sie ihnen zuhört und versucht, sie zu verstehen. Für mich war entscheidend, dass sie sich in die inhaftierten Frauen einfühlen und ihren Schicksalen und Gedanken nahekommen konnte. Ich wollte auch, dass der Film ein authentisches kollektives Lebensbild der verurteilten Mütter vermittelt, nicht nur durch ihre Gespräche mit Iryna, sondern auch durch die stillen Szenen: die Einsamkeit, die sie empfinden, wenn ihnen die Kinder weggenommen werden; die Glücksmomente, wenn die Frauen kurz vergessen, dass sie im Gefängnis sind.
Ich glaube, dass die Beziehung der Frauen zu mir von Neugierde geprägt war. Ich habe sie nur beobachtet und ihnen zugehört, und das, was sie bereit waren, mit mir zu teilen, im Film wiedergeben.“ (Director’s Statement)
AT/ I/ SK/ HR/ CZ 2024, 99 min, Italienisch | Friaulisch mit deutschen UT
Regie: Peter Kerekes
Luciana, eine neapolitanische Astrologin, verspricht ihren Kunden eine Methode, mit der sie ihre Wünsche wahr werden lassen können: Alles, was sie tun müssen, ist eine Geburtstagsreise an einen genau bestimmten Ort zu unternehmen, um unter einem neuen Himmel ein neues Ich zu finden. Ob Taipeh, Beirut oder ein nahegelegenes Dorf, während dieser Geburtstagsreisen erfahren die Protagonisten unerwartete Veränderungen. Und finden dabei schließlich heraus was ihr wahrer Herzenswunsch ist.
„Lucianas Büro ist ein Ort der Wunder. Hier vertrauen sich ihr Fremde an, teilen ihre tiefsten Wünsche und Sorgen. Und Luciana? Sie lässt ihre riesige Lupe über alte Buchseiten kreisen, um bald die perfekten Koordinaten für den spirituellen Neuanfang zu finden. Peter Kerekes wird in seinem neuen Film nicht weniger als ein Zeuge psychomagischer Akte. Denn die neapolitanische Astrologin vermag es nicht nur, Ratsuchenden das perfekte Geburtstagsdomizil zu errechnen – mit ihrer direkten Art zielt sie treffsicher in persönliche Dramen. (…) WISHING ON A STAR ist eine charmante Konsultation, die sich kühn den großen Fragen des Lebens stellt.“ (Carolin Weidner, DOK Leipzig 2024)
„Mit feinem Gespür für Absurditäten und einer atmosphärischen Bildsprache entführt WISHING ON A STAR in eine Welt voller skurriler Begegnungen. Verspielt, melancholisch und träumerisch erinnert er an das italienische Kino der 1960er Jahre.“ (Ines Ingerle, Crossing Europe 2025)
SK/ CZ/ UA 2021, 93 min, Russisch | Ukrainisch mit deutschen UT
Regie: Peter Kerekes
Leysa landet nach einem Eifersuchtsdrama im Knast. Schwanger tritt sie die Haftstrafe an, bringt den Sohn im Frauengefängnis von Odessa zur Welt, in dem Mütter und Kinder bis zum 3. Lebensjahr zusammen sein können. Leysa lebt in einer Welt, die nur von Frauen bevölkert ist. Wäre da nicht die Farbe der Uniform, wäre es schwer zu sagen, wer Gefangene, wer Wächterin ist. Klar ist allerdings: Humor spielt in diesem Frauenknast eine wichtige Rolle.
„Die Nähe und Menschlichkeit wie auch die formale Konsequenz machen die Stärke dieses berührenden, aber nie sentimentalen Dramas aus.“ (Teresa Vena, NZZ am Sonntag)
„Mit 107 MOTHERS verbindet Peter Kerekes meisterhaft Authentisches mit Inszeniertem. Sein Film nähert sich respektvoll den Lebensrealitäten der inhaftierten Frauen an und zeichnet ein einfühlsames Porträt vom Gefängnisalltag.“ (Doris Senn, arttv)
„Iryna arbeitet in einem Frauengefängnis, in dem auch Mütter mit Kindern untergebracht sind. Sie ist Aufseherin, Vertraute und Freundin, aber auch Beamtin mit dem Auftrag, Strafen zu vollziehen. Iryna lebt alleine in einer Dienstwohnung auf dem Gefängnisgelände und verbringt die Nächte damit, den Kühlschrank zu durchforsten und Liebesbriefe zu lesen, die ihre Insassinnen erhalten, was auch zu ihrem Job gehört.
Auf der anderen Seite dieses Mikrokosmos leben die Mütter mit ihren Kindern. Ihr Leben liegt in Trümmern. Die Frauen haben unterschiedliche Schicksale und eine ungewisse Zukunft. Das Einzige, das sie über Wasser hält, ist die Beziehung zu ihren Kleinen: ein paar Stunden genehmigtes Glück jeden Tag. Von den vielen Geschichten der Frauen im Gefängnis 74 hat mich die von Leysa am meisten inspiriert. Sie hat ihren Mann aus Eifersucht ermordet und kam in die Strafanstalt, schwanger mit dem gemeinsamen Kind, dessen Geburt auch den Beginn des Films markiert.
Fast alle Figuren spielen sich selbst. Wir haben für diesen Film mehrere Jahre in einem Gefängnis mit Häftlingen verbracht und versucht, ihnen nahezukommen und sie nicht als passive Objekte darzustellen, sondern als teilnehmende Individuen. Da die meisten Gefangenen auf ihre bedingte Entlassung warteten oder jederzeit in eine andere Einrichtung hätten verlegt werden können, beschloss ich, eine professionelle Schauspielerin für die Rolle der Leysa zu engagieren. Denn ich wusste, dass die Dreharbeiten lange dauern würden und konnte nicht riskieren, meine Hauptdarstellerin zu verlieren. Maryna, die Leysa spielt, war bei allen vorbereitenden Gesprächen dabei und verbrachte viel Zeit mit den Insassinnen. Ich wollte nicht, dass sie deren Verhalten nachahmt, sondern vielmehr, dass sie ihnen zuhört und versucht, sie zu verstehen. Für mich war entscheidend, dass sie sich in die inhaftierten Frauen einfühlen und ihren Schicksalen und Gedanken nahekommen konnte. Ich wollte auch, dass der Film ein authentisches kollektives Lebensbild der verurteilten Mütter vermittelt, nicht nur durch ihre Gespräche mit Iryna, sondern auch durch die stillen Szenen: die Einsamkeit, die sie empfinden, wenn ihnen die Kinder weggenommen werden; die Glücksmomente, wenn die Frauen kurz vergessen, dass sie im Gefängnis sind.
Ich glaube, dass die Beziehung der Frauen zu mir von Neugierde geprägt war. Ich habe sie nur beobachtet und ihnen zugehört, und das, was sie bereit waren, mit mir zu teilen, im Film wiedergeben.“ (Director’s Statement)
Regie: Pavol Pekarčík, Ivan Ostrochovský, Peter Kerekes
Drei Männer sind die Helden dieses außergewöhnlichen Films. Alle haben sie in den 80er Jahren terroristische Anschläge gegen das Regime in der Tschechoslowakei geplant oder durchgeführt und saßen dafür mehrere Jahre im Gefängnis. Stano wollte eine Tribüne der kommunistischen Partei in die Luft sprengen, Fero plante einen Anschlag auf den langjährigen Staatspräsidenten Gustáv Husák. Vladimír hat Plakatwände gesprengt und Protestflyer vom Himmel regnen lassen. Im Film rekonstruieren die Männer ihre Aktionen. Zugleich geben sie preis, was ihr Leben heute ausmacht. Stano sucht eine Frau, Fero lebt mit seiner Frau und zwei jugendlichen Söhnen zusammen, denen er beibringt, wie man Bomben baut und ein Fluchtauto steuert. Vladimír trainiert eine junge Frau, die er in Selbstverteidigung und Widerstand schult. Ihr sonderbares Verhältnis ist sexuell aufgeladen und vereint zwei wütende Außenseiter, immer bereit, den Kampf aufzunehmen. Auf doppelbödig-humorvolle Weise lässt der Film die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen, zwischen Heroismus und Dummheit. Lakonisch und mit leiser Ironie erzählt der Film eine Geschichte von Menschen zwischen Totalitarismus und Rebellion. (Gabriela Seidel-Hollaender, Berlinale Forum 2014)
„ZAMATOVÍ TERORISTI ist visuell beeindruckend: Der Kameramann Martin Kollar filmt helle Innenräume und sonnige Landschaften mit einem präzisen Sinn für Geometrie. Dank der schelmischen und unbeschwerten Erzählweise geraten auch potenziell trockene Themen des Films zu einem reizvollen Triptychon von Charakterskizzen. In einigen Szenen verschwimmen die Grenzen zwischen Reportage und Inszenierung, zum Beispiel wenn es um Bednars erfolglose Versuche geht, Kontakt zu einer früheren Geliebten aufzunehmen, oder um Hucin und seiner jungen Praktikantin, die sich bei einem Lügendetektortest unangenehm nahekommen. Dieser nicht ganz ernsthafte Umgang mit der Wahrheit mag Dokumentarfilm-Puristen irritieren, aber er verleiht diesen tragikomischen Erzählungen von Widerstand, Unverwüstlichkeit und unerschütterlichem Mut Charme und Humor.“ (Stephen Dalton, Hollywood Reporter, 08.07.2013)
AT/ I/ SK/ HR/ CZ 2024, 99 min, Italienisch | Friaulisch mit deutschen UT
Regie: Peter Kerekes
Luciana, eine neapolitanische Astrologin, verspricht ihren Kunden eine Methode, mit der sie ihre Wünsche wahr werden lassen können: Alles, was sie tun müssen, ist eine Geburtstagsreise an einen genau bestimmten Ort zu unternehmen, um unter einem neuen Himmel ein neues Ich zu finden. Ob Taipeh, Beirut oder ein nahegelegenes Dorf, während dieser Geburtstagsreisen erfahren die Protagonisten unerwartete Veränderungen. Und finden dabei schließlich heraus was ihr wahrer Herzenswunsch ist.
„Lucianas Büro ist ein Ort der Wunder. Hier vertrauen sich ihr Fremde an, teilen ihre tiefsten Wünsche und Sorgen. Und Luciana? Sie lässt ihre riesige Lupe über alte Buchseiten kreisen, um bald die perfekten Koordinaten für den spirituellen Neuanfang zu finden. Peter Kerekes wird in seinem neuen Film nicht weniger als ein Zeuge psychomagischer Akte. Denn die neapolitanische Astrologin vermag es nicht nur, Ratsuchenden das perfekte Geburtstagsdomizil zu errechnen – mit ihrer direkten Art zielt sie treffsicher in persönliche Dramen. (…) WISHING ON A STAR ist eine charmante Konsultation, die sich kühn den großen Fragen des Lebens stellt.“ (Carolin Weidner, DOK Leipzig 2024)
„Mit feinem Gespür für Absurditäten und einer atmosphärischen Bildsprache entführt WISHING ON A STAR in eine Welt voller skurriler Begegnungen. Verspielt, melancholisch und träumerisch erinnert er an das italienische Kino der 1960er Jahre.“ (Ines Ingerle, Crossing Europe 2025)
SK/ CZ/ UA 2021, 93 min, Russisch | Ukrainisch mit deutschen UT
Regie: Peter Kerekes
Leysa landet nach einem Eifersuchtsdrama im Knast. Schwanger tritt sie die Haftstrafe an, bringt den Sohn im Frauengefängnis von Odessa zur Welt, in dem Mütter und Kinder bis zum 3. Lebensjahr zusammen sein können. Leysa lebt in einer Welt, die nur von Frauen bevölkert ist. Wäre da nicht die Farbe der Uniform, wäre es schwer zu sagen, wer Gefangene, wer Wächterin ist. Klar ist allerdings: Humor spielt in diesem Frauenknast eine wichtige Rolle.
„Die Nähe und Menschlichkeit wie auch die formale Konsequenz machen die Stärke dieses berührenden, aber nie sentimentalen Dramas aus.“ (Teresa Vena, NZZ am Sonntag)
„Mit 107 MOTHERS verbindet Peter Kerekes meisterhaft Authentisches mit Inszeniertem. Sein Film nähert sich respektvoll den Lebensrealitäten der inhaftierten Frauen an und zeichnet ein einfühlsames Porträt vom Gefängnisalltag.“ (Doris Senn, arttv)
„Iryna arbeitet in einem Frauengefängnis, in dem auch Mütter mit Kindern untergebracht sind. Sie ist Aufseherin, Vertraute und Freundin, aber auch Beamtin mit dem Auftrag, Strafen zu vollziehen. Iryna lebt alleine in einer Dienstwohnung auf dem Gefängnisgelände und verbringt die Nächte damit, den Kühlschrank zu durchforsten und Liebesbriefe zu lesen, die ihre Insassinnen erhalten, was auch zu ihrem Job gehört.
Auf der anderen Seite dieses Mikrokosmos leben die Mütter mit ihren Kindern. Ihr Leben liegt in Trümmern. Die Frauen haben unterschiedliche Schicksale und eine ungewisse Zukunft. Das Einzige, das sie über Wasser hält, ist die Beziehung zu ihren Kleinen: ein paar Stunden genehmigtes Glück jeden Tag. Von den vielen Geschichten der Frauen im Gefängnis 74 hat mich die von Leysa am meisten inspiriert. Sie hat ihren Mann aus Eifersucht ermordet und kam in die Strafanstalt, schwanger mit dem gemeinsamen Kind, dessen Geburt auch den Beginn des Films markiert.
Fast alle Figuren spielen sich selbst. Wir haben für diesen Film mehrere Jahre in einem Gefängnis mit Häftlingen verbracht und versucht, ihnen nahezukommen und sie nicht als passive Objekte darzustellen, sondern als teilnehmende Individuen. Da die meisten Gefangenen auf ihre bedingte Entlassung warteten oder jederzeit in eine andere Einrichtung hätten verlegt werden können, beschloss ich, eine professionelle Schauspielerin für die Rolle der Leysa zu engagieren. Denn ich wusste, dass die Dreharbeiten lange dauern würden und konnte nicht riskieren, meine Hauptdarstellerin zu verlieren. Maryna, die Leysa spielt, war bei allen vorbereitenden Gesprächen dabei und verbrachte viel Zeit mit den Insassinnen. Ich wollte nicht, dass sie deren Verhalten nachahmt, sondern vielmehr, dass sie ihnen zuhört und versucht, sie zu verstehen. Für mich war entscheidend, dass sie sich in die inhaftierten Frauen einfühlen und ihren Schicksalen und Gedanken nahekommen konnte. Ich wollte auch, dass der Film ein authentisches kollektives Lebensbild der verurteilten Mütter vermittelt, nicht nur durch ihre Gespräche mit Iryna, sondern auch durch die stillen Szenen: die Einsamkeit, die sie empfinden, wenn ihnen die Kinder weggenommen werden; die Glücksmomente, wenn die Frauen kurz vergessen, dass sie im Gefängnis sind.
Ich glaube, dass die Beziehung der Frauen zu mir von Neugierde geprägt war. Ich habe sie nur beobachtet und ihnen zugehört, und das, was sie bereit waren, mit mir zu teilen, im Film wiedergeben.“ (Director’s Statement)
Japan 2025, 174 min, japanische Originalfassung mit deutschen UT
Regie: Sang-il Lee
Nagasaki, 1964 – Nach dem Tod seines Vaters, dem Anführer einer Yakuza-Bande, wird der 14-jährige Kikuo von einem berühmten Kabuki-Schauspieler unter seine Fittiche genommen. Zusammen mit dem einzigen Sohn des Schauspielers, Shunsuke, beschließt er, sich dieser traditionellen Theaterform zu widmen. Über Jahrzehnte hinweg wachsen und entwickeln sich die beiden jungen Männer gemeinsam weiter. Von der Schauspielschule bis zu den größten Bühnen, inmitten von Skandalen und Ruhm, Brüderlichkeit und Verrat… Jedoch kann nur einer von ihnen zum größten Meister der Kabuki-Kunst werden.
Das historische Drama, das als erster japanischer Film eine Oscar®-Nominierung in der Kategorie „Bestes Make-up und Hairstyling“ erhalten hat, ist ein mehrere Jahrzehnte umfassendes epochales Meisterwerk. Mitreißend, bildgewaltig und zugleich sinnlich erzählt der Film die Geschichte zweier Ausnahmekünstler, die sich ab Mitte der sechziger Jahre in der traditionellen Theaterform Kabuki behaupten wollen und dabei unerwartete Hürden überwinden müssen. Nur einer von ihnen wird zum größten Meister seiner Kunst mit dem Ehrentitel „Kokuhō“ (Nationalschatz).
„Der Film über die ineinander verflochtenen Karrieren zweier Kabuki-Schauspieler avancierte am japanischen Box Office zum Dauerbrenner und ist inzwischen der erfolgreichste einheimische Realfilm aller Zeiten. (…) Umso erstaunlicher ist das, als KOKUHO – THE MASTER OF KABUKI kein bisschen den Versuch unternimmt, die mehrere Jahrhunderte alte Kunst mit modernen Sehgewohnheiten zu vermitteln. Lee Sang-il hat gerade keine hippe neue Sonezaki-Adaption, zum Beispiel in Manga-Optik, gedreht, sondern ein elegantes, episches Charakterdrama, in dem sich die Geschichte von Tokubei und Ohatsu auf komplexe Weise in den Lebensläufen zweier Schauspieler bricht: Über mehrere Jahrzehnte hinweg stehen Kikuo und Shunsuke gemeinsam auf der Bühne, mal spielt Kikuo Tokubei und Shunsuke Ohatsu und mal andersrum. Der gemeinsame Liebestod ist für die beiden keine Option, und doch geraten sie immer mehr in den Bann der berühmten Rollen, die sie verkörpern.
Gleichzeitig ist der Film, der auf einem Roman Shuichi Yoshidas basiert, eine filmische Verbeugung vor der Kunst des Kabuki selbst. Geduldig und mit viel Liebe für szenische und gestische Details, aber auch mit einem Auge für die Sorgfalt, die in das exaltierte Kabuki-Makeup einfließt, stellt Lee Sang-il eine ganze Reihe von Kabuki-Performances und auch – teils knochenharte – Proben nach. Zum Selbstzweck verkommen solche Passagen freilich nie, vielmehr gelingt es dem Regisseur immer wieder, durch geschickte Parallelmontagen das Bühnengeschehen mit der Erzählgegenwart um Kikuo und Shunsuke zu verknüpfen. Insofern ist KOKUHO – THE MASTER OF KABUKI der Idealfall einer Begegnung zweier Künste, die sich nicht gegenseitig erdrücken, sondern einander in respektvoller Manier zur Geltung bringen. Kino und Kabuki verbinden sich in Lee Sang-ils Film zu etwas Eigenem, Drittem. Dass das Ergebnis auch noch ein großes Publikum begeistert, ist ein kleines Wunder.“ (Lukas Förster, Trigon Magazin, 18.12.2025)
Deutschland 2026, 200 min, Deutsch | Ukrainisch | Litauisch | Belarusisch | Russisch | Rumänisch mit deutschen UT
Regie: Volker Koepp
„Strom, alleine immer kann ich dich lieben nur …“ (Johannes Bobrowski: Sarmatische Zeit)
Der Fluss Chronos, antiker Name der Memel, durchfließt die Region Sarmatien. Ihm folgt Volker Koepp auf der Suche nach den Schicksalen der Menschen, die an diesen Ufern leben – und kehrt dabei immer wieder zu jenen zurück, die seine früheren Filme geprägt haben. Doch „Chronos – Fluss der Zeit“ ist auch das Porträt einer Region im Wandel. Über fünf Jahre dauerten die Dreharbeiten. Die russische Invasion der Ukraine, die Covid-19-Pandemie prägen das Erleben genauso wie sowjetische Vergangenheit und die Narben, die der Holocaust in den Gemeinschaften hinterlassen hat.
Auf den Spuren der Gedichte von Johannes Bobrowski drehte Volker Koepp 1972 seinen ersten Film im historischen Landschaftsraum östlich der Weichsel zwischen Ostsee und Schwarzem Meer, in der Spätantike „Sarmatien“ genannt. Eine Welt, die nach dem Zweiten Weltkrieg zum sowjetischen Imperium gehörte. Später drehte Koepp in dieser Gegend mit „Kalte Heimat“ (1994), „Herr Zwilling und Frau Zuckermann“ (1998) oder „In Sarmatien“ (2013) einen ganzen Zyklus von Filmen. Es ging um Begegnungen mit Menschen, ihrem Alltag, ihren von politischen Umbrüchen geprägten Biografien, um nationalsozialistischen Terror, die Ermordung der Juden, stalinistische Verfolgung und Hoffnungen auf gesellschaftliche Veränderungen. „Chronos – Fluss der Zeit“ fügt diesen Geschichten ein neues, entscheidendes Kapitel hinzu – als filmische Montage, in der sich Vergangenheit und Gegenwart fragmentarisch verbinden.
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Volker Koepp: Bemerkungen zu „Chronos – Fluss der Zeit“
Zur Vorstellung dieses Filmprojekts schrieb ich 2019: Auf unsere Drehreise für einen Film sind wir 2012 in die Ukraine aufgebrochen, nach Odessa, an die Küste des Schwarzen Meeres. Nach einigen Wochen kamen wir in der russischen Oblast Kaliningrad an, im früheren Nördlichen Ostpreussen. Unterwegs drehten wir in den ukrainischen Städten Uman, Czernowitz und Lemberg, im polnischen Lublin, im belorussischen Hrodno, in Litauen und schließlich in Kaliningrad/Königsberg und in Sowjetsk/Tilsit. An der Ostsee, in Swjetlogorsk/Rauschen und auf der Kurischen Nehrung beendeten wir unsere Dreharbeiten. Der Film hieß: In Sarmatien.
Bevor ich Filme machte, las ich Gedichte. 1963 fand ich ein Buch: Sarmatische Zeit stand in roter Schrift auf dem schmalen schwarzen Leinenband zu lesen. Der Dichter: Johannes Bobrowski. Ich fand das Land Sarmatien im Brockhaus von 1898 in einer Karte aus der Spätantike verzeichnet. Östlich der Weichsel reicht dort Sarmatia vom Oceanus Sarmaticus, der Ostsee, bis hinunter ans Pontus Euxinus, ans Schwarzen Meer. Der Fluss Chronos der Antike ist die Memel der Gegenwart (litauisch: Nemunas, belorussisch: Nemon und im heute zu Russland gehörenden Kaliningrader Gebiet: Neman).
Bobrowski sagt: Strom, alleine immer kann ich dich lieben nur …
Seit 1972 bin ich für Filme neben meinen Dreharbeiten zwischen Elbe und Oder, wie etwa in Wittstock, auch in Sarmatien unterwegs. Ich erzählte vom Leben der Menschen in ihren Landschaften. Ich traf Überlebende nach Hitlers Völkermord an den Juden und Stalins Terror in der Ukraine. Von Biografien also, die geprägt waren von politischen und geografischen Umbrüchen und den Zeitenwenden im elenden 20. Jahrhundert. Und dann, bei den Jüngeren, auch des 21 Jahrhunderts. Hoffnungen, die nach dem scheinbaren Ende des Kalten Krieges vor dreißig Jahren aufkamen, sind durch die Entwicklungen in allerletzter Zeit wieder verflogen. Vielerorts erleben wir so etwas wie eine Hinwendung zu autoritären und antidemokratischen Strukturen. Den Versuchen also, Geschichte vergessen zu machen.
Bobrowski: Leute, ihr redet: Vergessen — es möcht der Holunder sterben an eurer Vergesslichkeit…
Als der Film In Sarmatien in den Kinos war, brachte Russland mit Annexion der Krim im Jahr 2014 den Krieg zurück in die Mitte Europas. Ein Achselzucken ist da nicht erlaubt. Es ist Zeit, mit Chronos noch einmal zu meinen sarmatischen Orten aufzubrechen. Die Menschen, die ich bei früheren Dreharbeiten kennenlernte, sind mir stets nah geblieben. Wir werden auf unserer Drehreise das Leben von manchen von ihnen weiter begleiten können. Und neue Menschen kennenlernen.
Jetzt ist das Jahr 2026 Chronos – Fluss der Zeit ist ein ungewolltes „Langzeitprojekt“. Die Dreharbeiten begannen im Jahr 2020 und sollten 2021 beendet sein. Zuerst brachte die Pandemie ungezählte Verzögerungen und Unterbrechungen. Manche der geplanten Drehorte im Kaliningrader Gebiet waren nun gar nicht mehr zu erreichbar. Die russischen Kinder und Frauen und Freunde aus früheren Filmen waren nun wie verschollen. Die politischen Entwicklungen in der Mitte Europas wurden immer bedrohlicher. Die Frauen in Belarus. Dann das Unfassbare: die Ausweitung des russischen Krieges auf die gesamte Ukraine. Auf Odessa, Uman, Lemberg und Czernowitz. Schreckensbilder über Jahre. Zum Drehen in die Ukraine, nach Czernowitz, fuhr ich mit einem Smartphon. Schließlich reichten die Arbeiten am Film bis in die Gegenwart des Jahres 2026. Seit Beginn des Krieges nach der Annexion der Krim sind nun bald 12 Jahre vergangen. Der tägliche Schrecken der russischen Kriegsverbrechen im Fernsehen. Die Hoffnung, dass Ende des Krieges zu erleben, hat sich nicht erfüllt.
AT/ I/ SK/ HR/ CZ 2024, 99 min, Italienisch | Friaulisch mit deutschen UT
Regie: Peter Kerekes
Luciana, eine neapolitanische Astrologin, verspricht ihren Kunden eine Methode, mit der sie ihre Wünsche wahr werden lassen können: Alles, was sie tun müssen, ist eine Geburtstagsreise an einen genau bestimmten Ort zu unternehmen, um unter einem neuen Himmel ein neues Ich zu finden. Ob Taipeh, Beirut oder ein nahegelegenes Dorf, während dieser Geburtstagsreisen erfahren die Protagonisten unerwartete Veränderungen. Und finden dabei schließlich heraus was ihr wahrer Herzenswunsch ist.
„Lucianas Büro ist ein Ort der Wunder. Hier vertrauen sich ihr Fremde an, teilen ihre tiefsten Wünsche und Sorgen. Und Luciana? Sie lässt ihre riesige Lupe über alte Buchseiten kreisen, um bald die perfekten Koordinaten für den spirituellen Neuanfang zu finden. Peter Kerekes wird in seinem neuen Film nicht weniger als ein Zeuge psychomagischer Akte. Denn die neapolitanische Astrologin vermag es nicht nur, Ratsuchenden das perfekte Geburtstagsdomizil zu errechnen – mit ihrer direkten Art zielt sie treffsicher in persönliche Dramen. (…) WISHING ON A STAR ist eine charmante Konsultation, die sich kühn den großen Fragen des Lebens stellt.“ (Carolin Weidner, DOK Leipzig 2024)
„Mit feinem Gespür für Absurditäten und einer atmosphärischen Bildsprache entführt WISHING ON A STAR in eine Welt voller skurriler Begegnungen. Verspielt, melancholisch und träumerisch erinnert er an das italienische Kino der 1960er Jahre.“ (Ines Ingerle, Crossing Europe 2025)
Deutschland 2026, 200 min, Deutsch | Ukrainisch | Litauisch | Belarusisch | Russisch | Rumänisch mit deutschen UT
Regie: Volker Koepp
„Strom, alleine immer kann ich dich lieben nur …“ (Johannes Bobrowski: Sarmatische Zeit)
Der Fluss Chronos, antiker Name der Memel, durchfließt die Region Sarmatien. Ihm folgt Volker Koepp auf der Suche nach den Schicksalen der Menschen, die an diesen Ufern leben – und kehrt dabei immer wieder zu jenen zurück, die seine früheren Filme geprägt haben. Doch „Chronos – Fluss der Zeit“ ist auch das Porträt einer Region im Wandel. Über fünf Jahre dauerten die Dreharbeiten. Die russische Invasion der Ukraine, die Covid-19-Pandemie prägen das Erleben genauso wie sowjetische Vergangenheit und die Narben, die der Holocaust in den Gemeinschaften hinterlassen hat.
Auf den Spuren der Gedichte von Johannes Bobrowski drehte Volker Koepp 1972 seinen ersten Film im historischen Landschaftsraum östlich der Weichsel zwischen Ostsee und Schwarzem Meer, in der Spätantike „Sarmatien“ genannt. Eine Welt, die nach dem Zweiten Weltkrieg zum sowjetischen Imperium gehörte. Später drehte Koepp in dieser Gegend mit „Kalte Heimat“ (1994), „Herr Zwilling und Frau Zuckermann“ (1998) oder „In Sarmatien“ (2013) einen ganzen Zyklus von Filmen. Es ging um Begegnungen mit Menschen, ihrem Alltag, ihren von politischen Umbrüchen geprägten Biografien, um nationalsozialistischen Terror, die Ermordung der Juden, stalinistische Verfolgung und Hoffnungen auf gesellschaftliche Veränderungen. „Chronos – Fluss der Zeit“ fügt diesen Geschichten ein neues, entscheidendes Kapitel hinzu – als filmische Montage, in der sich Vergangenheit und Gegenwart fragmentarisch verbinden.
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Volker Koepp: Bemerkungen zu „Chronos – Fluss der Zeit“
Zur Vorstellung dieses Filmprojekts schrieb ich 2019: Auf unsere Drehreise für einen Film sind wir 2012 in die Ukraine aufgebrochen, nach Odessa, an die Küste des Schwarzen Meeres. Nach einigen Wochen kamen wir in der russischen Oblast Kaliningrad an, im früheren Nördlichen Ostpreussen. Unterwegs drehten wir in den ukrainischen Städten Uman, Czernowitz und Lemberg, im polnischen Lublin, im belorussischen Hrodno, in Litauen und schließlich in Kaliningrad/Königsberg und in Sowjetsk/Tilsit. An der Ostsee, in Swjetlogorsk/Rauschen und auf der Kurischen Nehrung beendeten wir unsere Dreharbeiten. Der Film hieß: In Sarmatien.
Bevor ich Filme machte, las ich Gedichte. 1963 fand ich ein Buch: Sarmatische Zeit stand in roter Schrift auf dem schmalen schwarzen Leinenband zu lesen. Der Dichter: Johannes Bobrowski. Ich fand das Land Sarmatien im Brockhaus von 1898 in einer Karte aus der Spätantike verzeichnet. Östlich der Weichsel reicht dort Sarmatia vom Oceanus Sarmaticus, der Ostsee, bis hinunter ans Pontus Euxinus, ans Schwarzen Meer. Der Fluss Chronos der Antike ist die Memel der Gegenwart (litauisch: Nemunas, belorussisch: Nemon und im heute zu Russland gehörenden Kaliningrader Gebiet: Neman).
Bobrowski sagt: Strom, alleine immer kann ich dich lieben nur …
Seit 1972 bin ich für Filme neben meinen Dreharbeiten zwischen Elbe und Oder, wie etwa in Wittstock, auch in Sarmatien unterwegs. Ich erzählte vom Leben der Menschen in ihren Landschaften. Ich traf Überlebende nach Hitlers Völkermord an den Juden und Stalins Terror in der Ukraine. Von Biografien also, die geprägt waren von politischen und geografischen Umbrüchen und den Zeitenwenden im elenden 20. Jahrhundert. Und dann, bei den Jüngeren, auch des 21 Jahrhunderts. Hoffnungen, die nach dem scheinbaren Ende des Kalten Krieges vor dreißig Jahren aufkamen, sind durch die Entwicklungen in allerletzter Zeit wieder verflogen. Vielerorts erleben wir so etwas wie eine Hinwendung zu autoritären und antidemokratischen Strukturen. Den Versuchen also, Geschichte vergessen zu machen.
Bobrowski: Leute, ihr redet: Vergessen — es möcht der Holunder sterben an eurer Vergesslichkeit…
Als der Film In Sarmatien in den Kinos war, brachte Russland mit Annexion der Krim im Jahr 2014 den Krieg zurück in die Mitte Europas. Ein Achselzucken ist da nicht erlaubt. Es ist Zeit, mit Chronos noch einmal zu meinen sarmatischen Orten aufzubrechen. Die Menschen, die ich bei früheren Dreharbeiten kennenlernte, sind mir stets nah geblieben. Wir werden auf unserer Drehreise das Leben von manchen von ihnen weiter begleiten können. Und neue Menschen kennenlernen.
Jetzt ist das Jahr 2026 Chronos – Fluss der Zeit ist ein ungewolltes „Langzeitprojekt“. Die Dreharbeiten begannen im Jahr 2020 und sollten 2021 beendet sein. Zuerst brachte die Pandemie ungezählte Verzögerungen und Unterbrechungen. Manche der geplanten Drehorte im Kaliningrader Gebiet waren nun gar nicht mehr zu erreichbar. Die russischen Kinder und Frauen und Freunde aus früheren Filmen waren nun wie verschollen. Die politischen Entwicklungen in der Mitte Europas wurden immer bedrohlicher. Die Frauen in Belarus. Dann das Unfassbare: die Ausweitung des russischen Krieges auf die gesamte Ukraine. Auf Odessa, Uman, Lemberg und Czernowitz. Schreckensbilder über Jahre. Zum Drehen in die Ukraine, nach Czernowitz, fuhr ich mit einem Smartphon. Schließlich reichten die Arbeiten am Film bis in die Gegenwart des Jahres 2026. Seit Beginn des Krieges nach der Annexion der Krim sind nun bald 12 Jahre vergangen. Der tägliche Schrecken der russischen Kriegsverbrechen im Fernsehen. Die Hoffnung, dass Ende des Krieges zu erleben, hat sich nicht erfüllt.
SK/ CZ/ UA 2021, 93 min, Russisch | Ukrainisch mit deutschen UT
Regie: Peter Kerekes
Leysa landet nach einem Eifersuchtsdrama im Knast. Schwanger tritt sie die Haftstrafe an, bringt den Sohn im Frauengefängnis von Odessa zur Welt, in dem Mütter und Kinder bis zum 3. Lebensjahr zusammen sein können. Leysa lebt in einer Welt, die nur von Frauen bevölkert ist. Wäre da nicht die Farbe der Uniform, wäre es schwer zu sagen, wer Gefangene, wer Wächterin ist. Klar ist allerdings: Humor spielt in diesem Frauenknast eine wichtige Rolle.
„Die Nähe und Menschlichkeit wie auch die formale Konsequenz machen die Stärke dieses berührenden, aber nie sentimentalen Dramas aus.“ (Teresa Vena, NZZ am Sonntag)
„Mit 107 MOTHERS verbindet Peter Kerekes meisterhaft Authentisches mit Inszeniertem. Sein Film nähert sich respektvoll den Lebensrealitäten der inhaftierten Frauen an und zeichnet ein einfühlsames Porträt vom Gefängnisalltag.“ (Doris Senn, arttv)
„Iryna arbeitet in einem Frauengefängnis, in dem auch Mütter mit Kindern untergebracht sind. Sie ist Aufseherin, Vertraute und Freundin, aber auch Beamtin mit dem Auftrag, Strafen zu vollziehen. Iryna lebt alleine in einer Dienstwohnung auf dem Gefängnisgelände und verbringt die Nächte damit, den Kühlschrank zu durchforsten und Liebesbriefe zu lesen, die ihre Insassinnen erhalten, was auch zu ihrem Job gehört.
Auf der anderen Seite dieses Mikrokosmos leben die Mütter mit ihren Kindern. Ihr Leben liegt in Trümmern. Die Frauen haben unterschiedliche Schicksale und eine ungewisse Zukunft. Das Einzige, das sie über Wasser hält, ist die Beziehung zu ihren Kleinen: ein paar Stunden genehmigtes Glück jeden Tag. Von den vielen Geschichten der Frauen im Gefängnis 74 hat mich die von Leysa am meisten inspiriert. Sie hat ihren Mann aus Eifersucht ermordet und kam in die Strafanstalt, schwanger mit dem gemeinsamen Kind, dessen Geburt auch den Beginn des Films markiert.
Fast alle Figuren spielen sich selbst. Wir haben für diesen Film mehrere Jahre in einem Gefängnis mit Häftlingen verbracht und versucht, ihnen nahezukommen und sie nicht als passive Objekte darzustellen, sondern als teilnehmende Individuen. Da die meisten Gefangenen auf ihre bedingte Entlassung warteten oder jederzeit in eine andere Einrichtung hätten verlegt werden können, beschloss ich, eine professionelle Schauspielerin für die Rolle der Leysa zu engagieren. Denn ich wusste, dass die Dreharbeiten lange dauern würden und konnte nicht riskieren, meine Hauptdarstellerin zu verlieren. Maryna, die Leysa spielt, war bei allen vorbereitenden Gesprächen dabei und verbrachte viel Zeit mit den Insassinnen. Ich wollte nicht, dass sie deren Verhalten nachahmt, sondern vielmehr, dass sie ihnen zuhört und versucht, sie zu verstehen. Für mich war entscheidend, dass sie sich in die inhaftierten Frauen einfühlen und ihren Schicksalen und Gedanken nahekommen konnte. Ich wollte auch, dass der Film ein authentisches kollektives Lebensbild der verurteilten Mütter vermittelt, nicht nur durch ihre Gespräche mit Iryna, sondern auch durch die stillen Szenen: die Einsamkeit, die sie empfinden, wenn ihnen die Kinder weggenommen werden; die Glücksmomente, wenn die Frauen kurz vergessen, dass sie im Gefängnis sind.
Ich glaube, dass die Beziehung der Frauen zu mir von Neugierde geprägt war. Ich habe sie nur beobachtet und ihnen zugehört, und das, was sie bereit waren, mit mir zu teilen, im Film wiedergeben.“ (Director’s Statement)
AT/ I/ SK/ HR/ CZ 2024, 99 min, Italienisch | Friaulisch mit deutschen UT
Regie: Peter Kerekes
Luciana, eine neapolitanische Astrologin, verspricht ihren Kunden eine Methode, mit der sie ihre Wünsche wahr werden lassen können: Alles, was sie tun müssen, ist eine Geburtstagsreise an einen genau bestimmten Ort zu unternehmen, um unter einem neuen Himmel ein neues Ich zu finden. Ob Taipeh, Beirut oder ein nahegelegenes Dorf, während dieser Geburtstagsreisen erfahren die Protagonisten unerwartete Veränderungen. Und finden dabei schließlich heraus was ihr wahrer Herzenswunsch ist.
„Lucianas Büro ist ein Ort der Wunder. Hier vertrauen sich ihr Fremde an, teilen ihre tiefsten Wünsche und Sorgen. Und Luciana? Sie lässt ihre riesige Lupe über alte Buchseiten kreisen, um bald die perfekten Koordinaten für den spirituellen Neuanfang zu finden. Peter Kerekes wird in seinem neuen Film nicht weniger als ein Zeuge psychomagischer Akte. Denn die neapolitanische Astrologin vermag es nicht nur, Ratsuchenden das perfekte Geburtstagsdomizil zu errechnen – mit ihrer direkten Art zielt sie treffsicher in persönliche Dramen. (…) WISHING ON A STAR ist eine charmante Konsultation, die sich kühn den großen Fragen des Lebens stellt.“ (Carolin Weidner, DOK Leipzig 2024)
„Mit feinem Gespür für Absurditäten und einer atmosphärischen Bildsprache entführt WISHING ON A STAR in eine Welt voller skurriler Begegnungen. Verspielt, melancholisch und träumerisch erinnert er an das italienische Kino der 1960er Jahre.“ (Ines Ingerle, Crossing Europe 2025)
SK/ CZ/ UA 2021, 93 min, Russisch | Ukrainisch mit deutschen UT
Regie: Peter Kerekes
Leysa landet nach einem Eifersuchtsdrama im Knast. Schwanger tritt sie die Haftstrafe an, bringt den Sohn im Frauengefängnis von Odessa zur Welt, in dem Mütter und Kinder bis zum 3. Lebensjahr zusammen sein können. Leysa lebt in einer Welt, die nur von Frauen bevölkert ist. Wäre da nicht die Farbe der Uniform, wäre es schwer zu sagen, wer Gefangene, wer Wächterin ist. Klar ist allerdings: Humor spielt in diesem Frauenknast eine wichtige Rolle.
„Die Nähe und Menschlichkeit wie auch die formale Konsequenz machen die Stärke dieses berührenden, aber nie sentimentalen Dramas aus.“ (Teresa Vena, NZZ am Sonntag)
„Mit 107 MOTHERS verbindet Peter Kerekes meisterhaft Authentisches mit Inszeniertem. Sein Film nähert sich respektvoll den Lebensrealitäten der inhaftierten Frauen an und zeichnet ein einfühlsames Porträt vom Gefängnisalltag.“ (Doris Senn, arttv)
„Iryna arbeitet in einem Frauengefängnis, in dem auch Mütter mit Kindern untergebracht sind. Sie ist Aufseherin, Vertraute und Freundin, aber auch Beamtin mit dem Auftrag, Strafen zu vollziehen. Iryna lebt alleine in einer Dienstwohnung auf dem Gefängnisgelände und verbringt die Nächte damit, den Kühlschrank zu durchforsten und Liebesbriefe zu lesen, die ihre Insassinnen erhalten, was auch zu ihrem Job gehört.
Auf der anderen Seite dieses Mikrokosmos leben die Mütter mit ihren Kindern. Ihr Leben liegt in Trümmern. Die Frauen haben unterschiedliche Schicksale und eine ungewisse Zukunft. Das Einzige, das sie über Wasser hält, ist die Beziehung zu ihren Kleinen: ein paar Stunden genehmigtes Glück jeden Tag. Von den vielen Geschichten der Frauen im Gefängnis 74 hat mich die von Leysa am meisten inspiriert. Sie hat ihren Mann aus Eifersucht ermordet und kam in die Strafanstalt, schwanger mit dem gemeinsamen Kind, dessen Geburt auch den Beginn des Films markiert.
Fast alle Figuren spielen sich selbst. Wir haben für diesen Film mehrere Jahre in einem Gefängnis mit Häftlingen verbracht und versucht, ihnen nahezukommen und sie nicht als passive Objekte darzustellen, sondern als teilnehmende Individuen. Da die meisten Gefangenen auf ihre bedingte Entlassung warteten oder jederzeit in eine andere Einrichtung hätten verlegt werden können, beschloss ich, eine professionelle Schauspielerin für die Rolle der Leysa zu engagieren. Denn ich wusste, dass die Dreharbeiten lange dauern würden und konnte nicht riskieren, meine Hauptdarstellerin zu verlieren. Maryna, die Leysa spielt, war bei allen vorbereitenden Gesprächen dabei und verbrachte viel Zeit mit den Insassinnen. Ich wollte nicht, dass sie deren Verhalten nachahmt, sondern vielmehr, dass sie ihnen zuhört und versucht, sie zu verstehen. Für mich war entscheidend, dass sie sich in die inhaftierten Frauen einfühlen und ihren Schicksalen und Gedanken nahekommen konnte. Ich wollte auch, dass der Film ein authentisches kollektives Lebensbild der verurteilten Mütter vermittelt, nicht nur durch ihre Gespräche mit Iryna, sondern auch durch die stillen Szenen: die Einsamkeit, die sie empfinden, wenn ihnen die Kinder weggenommen werden; die Glücksmomente, wenn die Frauen kurz vergessen, dass sie im Gefängnis sind.
Ich glaube, dass die Beziehung der Frauen zu mir von Neugierde geprägt war. Ich habe sie nur beobachtet und ihnen zugehört, und das, was sie bereit waren, mit mir zu teilen, im Film wiedergeben.“ (Director’s Statement)
AT/ I/ SK/ HR/ CZ 2024, 99 min, Italienisch | Friaulisch mit deutschen UT
Regie: Peter Kerekes
Luciana, eine neapolitanische Astrologin, verspricht ihren Kunden eine Methode, mit der sie ihre Wünsche wahr werden lassen können: Alles, was sie tun müssen, ist eine Geburtstagsreise an einen genau bestimmten Ort zu unternehmen, um unter einem neuen Himmel ein neues Ich zu finden. Ob Taipeh, Beirut oder ein nahegelegenes Dorf, während dieser Geburtstagsreisen erfahren die Protagonisten unerwartete Veränderungen. Und finden dabei schließlich heraus was ihr wahrer Herzenswunsch ist.
„Lucianas Büro ist ein Ort der Wunder. Hier vertrauen sich ihr Fremde an, teilen ihre tiefsten Wünsche und Sorgen. Und Luciana? Sie lässt ihre riesige Lupe über alte Buchseiten kreisen, um bald die perfekten Koordinaten für den spirituellen Neuanfang zu finden. Peter Kerekes wird in seinem neuen Film nicht weniger als ein Zeuge psychomagischer Akte. Denn die neapolitanische Astrologin vermag es nicht nur, Ratsuchenden das perfekte Geburtstagsdomizil zu errechnen – mit ihrer direkten Art zielt sie treffsicher in persönliche Dramen. (…) WISHING ON A STAR ist eine charmante Konsultation, die sich kühn den großen Fragen des Lebens stellt.“ (Carolin Weidner, DOK Leipzig 2024)
„Mit feinem Gespür für Absurditäten und einer atmosphärischen Bildsprache entführt WISHING ON A STAR in eine Welt voller skurriler Begegnungen. Verspielt, melancholisch und träumerisch erinnert er an das italienische Kino der 1960er Jahre.“ (Ines Ingerle, Crossing Europe 2025)
Japan 2025, 174 min, japanische Originalfassung mit deutschen UT
Regie: Sang-il Lee
Nagasaki, 1964 – Nach dem Tod seines Vaters, dem Anführer einer Yakuza-Bande, wird der 14-jährige Kikuo von einem berühmten Kabuki-Schauspieler unter seine Fittiche genommen. Zusammen mit dem einzigen Sohn des Schauspielers, Shunsuke, beschließt er, sich dieser traditionellen Theaterform zu widmen. Über Jahrzehnte hinweg wachsen und entwickeln sich die beiden jungen Männer gemeinsam weiter. Von der Schauspielschule bis zu den größten Bühnen, inmitten von Skandalen und Ruhm, Brüderlichkeit und Verrat… Jedoch kann nur einer von ihnen zum größten Meister der Kabuki-Kunst werden.
Das historische Drama, das als erster japanischer Film eine Oscar®-Nominierung in der Kategorie „Bestes Make-up und Hairstyling“ erhalten hat, ist ein mehrere Jahrzehnte umfassendes epochales Meisterwerk. Mitreißend, bildgewaltig und zugleich sinnlich erzählt der Film die Geschichte zweier Ausnahmekünstler, die sich ab Mitte der sechziger Jahre in der traditionellen Theaterform Kabuki behaupten wollen und dabei unerwartete Hürden überwinden müssen. Nur einer von ihnen wird zum größten Meister seiner Kunst mit dem Ehrentitel „Kokuhō“ (Nationalschatz).
„Der Film über die ineinander verflochtenen Karrieren zweier Kabuki-Schauspieler avancierte am japanischen Box Office zum Dauerbrenner und ist inzwischen der erfolgreichste einheimische Realfilm aller Zeiten. (…) Umso erstaunlicher ist das, als KOKUHO – THE MASTER OF KABUKI kein bisschen den Versuch unternimmt, die mehrere Jahrhunderte alte Kunst mit modernen Sehgewohnheiten zu vermitteln. Lee Sang-il hat gerade keine hippe neue Sonezaki-Adaption, zum Beispiel in Manga-Optik, gedreht, sondern ein elegantes, episches Charakterdrama, in dem sich die Geschichte von Tokubei und Ohatsu auf komplexe Weise in den Lebensläufen zweier Schauspieler bricht: Über mehrere Jahrzehnte hinweg stehen Kikuo und Shunsuke gemeinsam auf der Bühne, mal spielt Kikuo Tokubei und Shunsuke Ohatsu und mal andersrum. Der gemeinsame Liebestod ist für die beiden keine Option, und doch geraten sie immer mehr in den Bann der berühmten Rollen, die sie verkörpern.
Gleichzeitig ist der Film, der auf einem Roman Shuichi Yoshidas basiert, eine filmische Verbeugung vor der Kunst des Kabuki selbst. Geduldig und mit viel Liebe für szenische und gestische Details, aber auch mit einem Auge für die Sorgfalt, die in das exaltierte Kabuki-Makeup einfließt, stellt Lee Sang-il eine ganze Reihe von Kabuki-Performances und auch – teils knochenharte – Proben nach. Zum Selbstzweck verkommen solche Passagen freilich nie, vielmehr gelingt es dem Regisseur immer wieder, durch geschickte Parallelmontagen das Bühnengeschehen mit der Erzählgegenwart um Kikuo und Shunsuke zu verknüpfen. Insofern ist KOKUHO – THE MASTER OF KABUKI der Idealfall einer Begegnung zweier Künste, die sich nicht gegenseitig erdrücken, sondern einander in respektvoller Manier zur Geltung bringen. Kino und Kabuki verbinden sich in Lee Sang-ils Film zu etwas Eigenem, Drittem. Dass das Ergebnis auch noch ein großes Publikum begeistert, ist ein kleines Wunder.“ (Lukas Förster, Trigon Magazin, 18.12.2025)
Deutschland 2026, 200 min, Deutsch | Ukrainisch | Litauisch | Belarusisch | Russisch | Rumänisch mit deutschen UT
Regie: Volker Koepp
„Strom, alleine immer kann ich dich lieben nur …“ (Johannes Bobrowski: Sarmatische Zeit)
Der Fluss Chronos, antiker Name der Memel, durchfließt die Region Sarmatien. Ihm folgt Volker Koepp auf der Suche nach den Schicksalen der Menschen, die an diesen Ufern leben – und kehrt dabei immer wieder zu jenen zurück, die seine früheren Filme geprägt haben. Doch „Chronos – Fluss der Zeit“ ist auch das Porträt einer Region im Wandel. Über fünf Jahre dauerten die Dreharbeiten. Die russische Invasion der Ukraine, die Covid-19-Pandemie prägen das Erleben genauso wie sowjetische Vergangenheit und die Narben, die der Holocaust in den Gemeinschaften hinterlassen hat.
Auf den Spuren der Gedichte von Johannes Bobrowski drehte Volker Koepp 1972 seinen ersten Film im historischen Landschaftsraum östlich der Weichsel zwischen Ostsee und Schwarzem Meer, in der Spätantike „Sarmatien“ genannt. Eine Welt, die nach dem Zweiten Weltkrieg zum sowjetischen Imperium gehörte. Später drehte Koepp in dieser Gegend mit „Kalte Heimat“ (1994), „Herr Zwilling und Frau Zuckermann“ (1998) oder „In Sarmatien“ (2013) einen ganzen Zyklus von Filmen. Es ging um Begegnungen mit Menschen, ihrem Alltag, ihren von politischen Umbrüchen geprägten Biografien, um nationalsozialistischen Terror, die Ermordung der Juden, stalinistische Verfolgung und Hoffnungen auf gesellschaftliche Veränderungen. „Chronos – Fluss der Zeit“ fügt diesen Geschichten ein neues, entscheidendes Kapitel hinzu – als filmische Montage, in der sich Vergangenheit und Gegenwart fragmentarisch verbinden.
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Volker Koepp: Bemerkungen zu „Chronos – Fluss der Zeit“
Zur Vorstellung dieses Filmprojekts schrieb ich 2019: Auf unsere Drehreise für einen Film sind wir 2012 in die Ukraine aufgebrochen, nach Odessa, an die Küste des Schwarzen Meeres. Nach einigen Wochen kamen wir in der russischen Oblast Kaliningrad an, im früheren Nördlichen Ostpreussen. Unterwegs drehten wir in den ukrainischen Städten Uman, Czernowitz und Lemberg, im polnischen Lublin, im belorussischen Hrodno, in Litauen und schließlich in Kaliningrad/Königsberg und in Sowjetsk/Tilsit. An der Ostsee, in Swjetlogorsk/Rauschen und auf der Kurischen Nehrung beendeten wir unsere Dreharbeiten. Der Film hieß: In Sarmatien.
Bevor ich Filme machte, las ich Gedichte. 1963 fand ich ein Buch: Sarmatische Zeit stand in roter Schrift auf dem schmalen schwarzen Leinenband zu lesen. Der Dichter: Johannes Bobrowski. Ich fand das Land Sarmatien im Brockhaus von 1898 in einer Karte aus der Spätantike verzeichnet. Östlich der Weichsel reicht dort Sarmatia vom Oceanus Sarmaticus, der Ostsee, bis hinunter ans Pontus Euxinus, ans Schwarzen Meer. Der Fluss Chronos der Antike ist die Memel der Gegenwart (litauisch: Nemunas, belorussisch: Nemon und im heute zu Russland gehörenden Kaliningrader Gebiet: Neman).
Bobrowski sagt: Strom, alleine immer kann ich dich lieben nur …
Seit 1972 bin ich für Filme neben meinen Dreharbeiten zwischen Elbe und Oder, wie etwa in Wittstock, auch in Sarmatien unterwegs. Ich erzählte vom Leben der Menschen in ihren Landschaften. Ich traf Überlebende nach Hitlers Völkermord an den Juden und Stalins Terror in der Ukraine. Von Biografien also, die geprägt waren von politischen und geografischen Umbrüchen und den Zeitenwenden im elenden 20. Jahrhundert. Und dann, bei den Jüngeren, auch des 21 Jahrhunderts. Hoffnungen, die nach dem scheinbaren Ende des Kalten Krieges vor dreißig Jahren aufkamen, sind durch die Entwicklungen in allerletzter Zeit wieder verflogen. Vielerorts erleben wir so etwas wie eine Hinwendung zu autoritären und antidemokratischen Strukturen. Den Versuchen also, Geschichte vergessen zu machen.
Bobrowski: Leute, ihr redet: Vergessen — es möcht der Holunder sterben an eurer Vergesslichkeit…
Als der Film In Sarmatien in den Kinos war, brachte Russland mit Annexion der Krim im Jahr 2014 den Krieg zurück in die Mitte Europas. Ein Achselzucken ist da nicht erlaubt. Es ist Zeit, mit Chronos noch einmal zu meinen sarmatischen Orten aufzubrechen. Die Menschen, die ich bei früheren Dreharbeiten kennenlernte, sind mir stets nah geblieben. Wir werden auf unserer Drehreise das Leben von manchen von ihnen weiter begleiten können. Und neue Menschen kennenlernen.
Jetzt ist das Jahr 2026 Chronos – Fluss der Zeit ist ein ungewolltes „Langzeitprojekt“. Die Dreharbeiten begannen im Jahr 2020 und sollten 2021 beendet sein. Zuerst brachte die Pandemie ungezählte Verzögerungen und Unterbrechungen. Manche der geplanten Drehorte im Kaliningrader Gebiet waren nun gar nicht mehr zu erreichbar. Die russischen Kinder und Frauen und Freunde aus früheren Filmen waren nun wie verschollen. Die politischen Entwicklungen in der Mitte Europas wurden immer bedrohlicher. Die Frauen in Belarus. Dann das Unfassbare: die Ausweitung des russischen Krieges auf die gesamte Ukraine. Auf Odessa, Uman, Lemberg und Czernowitz. Schreckensbilder über Jahre. Zum Drehen in die Ukraine, nach Czernowitz, fuhr ich mit einem Smartphon. Schließlich reichten die Arbeiten am Film bis in die Gegenwart des Jahres 2026. Seit Beginn des Krieges nach der Annexion der Krim sind nun bald 12 Jahre vergangen. Der tägliche Schrecken der russischen Kriegsverbrechen im Fernsehen. Die Hoffnung, dass Ende des Krieges zu erleben, hat sich nicht erfüllt.
AT/ I/ SK/ HR/ CZ 2024, 99 min, Italienisch | Friaulisch mit deutschen UT
Regie: Peter Kerekes
Luciana, eine neapolitanische Astrologin, verspricht ihren Kunden eine Methode, mit der sie ihre Wünsche wahr werden lassen können: Alles, was sie tun müssen, ist eine Geburtstagsreise an einen genau bestimmten Ort zu unternehmen, um unter einem neuen Himmel ein neues Ich zu finden. Ob Taipeh, Beirut oder ein nahegelegenes Dorf, während dieser Geburtstagsreisen erfahren die Protagonisten unerwartete Veränderungen. Und finden dabei schließlich heraus was ihr wahrer Herzenswunsch ist.
„Lucianas Büro ist ein Ort der Wunder. Hier vertrauen sich ihr Fremde an, teilen ihre tiefsten Wünsche und Sorgen. Und Luciana? Sie lässt ihre riesige Lupe über alte Buchseiten kreisen, um bald die perfekten Koordinaten für den spirituellen Neuanfang zu finden. Peter Kerekes wird in seinem neuen Film nicht weniger als ein Zeuge psychomagischer Akte. Denn die neapolitanische Astrologin vermag es nicht nur, Ratsuchenden das perfekte Geburtstagsdomizil zu errechnen – mit ihrer direkten Art zielt sie treffsicher in persönliche Dramen. (…) WISHING ON A STAR ist eine charmante Konsultation, die sich kühn den großen Fragen des Lebens stellt.“ (Carolin Weidner, DOK Leipzig 2024)
„Mit feinem Gespür für Absurditäten und einer atmosphärischen Bildsprache entführt WISHING ON A STAR in eine Welt voller skurriler Begegnungen. Verspielt, melancholisch und träumerisch erinnert er an das italienische Kino der 1960er Jahre.“ (Ines Ingerle, Crossing Europe 2025)
SK/ CZ/ UA 2021, 93 min, Russisch | Ukrainisch mit deutschen UT
Regie: Peter Kerekes
Leysa landet nach einem Eifersuchtsdrama im Knast. Schwanger tritt sie die Haftstrafe an, bringt den Sohn im Frauengefängnis von Odessa zur Welt, in dem Mütter und Kinder bis zum 3. Lebensjahr zusammen sein können. Leysa lebt in einer Welt, die nur von Frauen bevölkert ist. Wäre da nicht die Farbe der Uniform, wäre es schwer zu sagen, wer Gefangene, wer Wächterin ist. Klar ist allerdings: Humor spielt in diesem Frauenknast eine wichtige Rolle.
„Die Nähe und Menschlichkeit wie auch die formale Konsequenz machen die Stärke dieses berührenden, aber nie sentimentalen Dramas aus.“ (Teresa Vena, NZZ am Sonntag)
„Mit 107 MOTHERS verbindet Peter Kerekes meisterhaft Authentisches mit Inszeniertem. Sein Film nähert sich respektvoll den Lebensrealitäten der inhaftierten Frauen an und zeichnet ein einfühlsames Porträt vom Gefängnisalltag.“ (Doris Senn, arttv)
„Iryna arbeitet in einem Frauengefängnis, in dem auch Mütter mit Kindern untergebracht sind. Sie ist Aufseherin, Vertraute und Freundin, aber auch Beamtin mit dem Auftrag, Strafen zu vollziehen. Iryna lebt alleine in einer Dienstwohnung auf dem Gefängnisgelände und verbringt die Nächte damit, den Kühlschrank zu durchforsten und Liebesbriefe zu lesen, die ihre Insassinnen erhalten, was auch zu ihrem Job gehört.
Auf der anderen Seite dieses Mikrokosmos leben die Mütter mit ihren Kindern. Ihr Leben liegt in Trümmern. Die Frauen haben unterschiedliche Schicksale und eine ungewisse Zukunft. Das Einzige, das sie über Wasser hält, ist die Beziehung zu ihren Kleinen: ein paar Stunden genehmigtes Glück jeden Tag. Von den vielen Geschichten der Frauen im Gefängnis 74 hat mich die von Leysa am meisten inspiriert. Sie hat ihren Mann aus Eifersucht ermordet und kam in die Strafanstalt, schwanger mit dem gemeinsamen Kind, dessen Geburt auch den Beginn des Films markiert.
Fast alle Figuren spielen sich selbst. Wir haben für diesen Film mehrere Jahre in einem Gefängnis mit Häftlingen verbracht und versucht, ihnen nahezukommen und sie nicht als passive Objekte darzustellen, sondern als teilnehmende Individuen. Da die meisten Gefangenen auf ihre bedingte Entlassung warteten oder jederzeit in eine andere Einrichtung hätten verlegt werden können, beschloss ich, eine professionelle Schauspielerin für die Rolle der Leysa zu engagieren. Denn ich wusste, dass die Dreharbeiten lange dauern würden und konnte nicht riskieren, meine Hauptdarstellerin zu verlieren. Maryna, die Leysa spielt, war bei allen vorbereitenden Gesprächen dabei und verbrachte viel Zeit mit den Insassinnen. Ich wollte nicht, dass sie deren Verhalten nachahmt, sondern vielmehr, dass sie ihnen zuhört und versucht, sie zu verstehen. Für mich war entscheidend, dass sie sich in die inhaftierten Frauen einfühlen und ihren Schicksalen und Gedanken nahekommen konnte. Ich wollte auch, dass der Film ein authentisches kollektives Lebensbild der verurteilten Mütter vermittelt, nicht nur durch ihre Gespräche mit Iryna, sondern auch durch die stillen Szenen: die Einsamkeit, die sie empfinden, wenn ihnen die Kinder weggenommen werden; die Glücksmomente, wenn die Frauen kurz vergessen, dass sie im Gefängnis sind.
Ich glaube, dass die Beziehung der Frauen zu mir von Neugierde geprägt war. Ich habe sie nur beobachtet und ihnen zugehört, und das, was sie bereit waren, mit mir zu teilen, im Film wiedergeben.“ (Director’s Statement)
AT/ I/ SK/ HR/ CZ 2024, 99 min, Italienisch | Friaulisch mit deutschen UT
Regie: Peter Kerekes
Luciana, eine neapolitanische Astrologin, verspricht ihren Kunden eine Methode, mit der sie ihre Wünsche wahr werden lassen können: Alles, was sie tun müssen, ist eine Geburtstagsreise an einen genau bestimmten Ort zu unternehmen, um unter einem neuen Himmel ein neues Ich zu finden. Ob Taipeh, Beirut oder ein nahegelegenes Dorf, während dieser Geburtstagsreisen erfahren die Protagonisten unerwartete Veränderungen. Und finden dabei schließlich heraus was ihr wahrer Herzenswunsch ist.
„Lucianas Büro ist ein Ort der Wunder. Hier vertrauen sich ihr Fremde an, teilen ihre tiefsten Wünsche und Sorgen. Und Luciana? Sie lässt ihre riesige Lupe über alte Buchseiten kreisen, um bald die perfekten Koordinaten für den spirituellen Neuanfang zu finden. Peter Kerekes wird in seinem neuen Film nicht weniger als ein Zeuge psychomagischer Akte. Denn die neapolitanische Astrologin vermag es nicht nur, Ratsuchenden das perfekte Geburtstagsdomizil zu errechnen – mit ihrer direkten Art zielt sie treffsicher in persönliche Dramen. (…) WISHING ON A STAR ist eine charmante Konsultation, die sich kühn den großen Fragen des Lebens stellt.“ (Carolin Weidner, DOK Leipzig 2024)
„Mit feinem Gespür für Absurditäten und einer atmosphärischen Bildsprache entführt WISHING ON A STAR in eine Welt voller skurriler Begegnungen. Verspielt, melancholisch und träumerisch erinnert er an das italienische Kino der 1960er Jahre.“ (Ines Ingerle, Crossing Europe 2025)
Polen / Deutschland 2025, 97 min, Polnisch | Englisch | Chinesisch | Arabisch | Romanes mit deutschen + engl. UT
Regie: Arjun Talwar
Eine Straße in der Warschauer Innenstadt ist das Herzstück dieses humorvollen, sehr persönlichen Porträts Polens. Der Filmemacher Arjun Talwar ist vor mehr als zehn Jahren immigriert, hat aber immer noch Schwierigkeiten, in diese Welt zu passen. Die Ulica Wilcza, in der er lebt, macht es ihm nicht gerade leicht. Um seine Integration voranzutreiben und in der Hoffnung, dabei sein eigenes Fremdheitsgefühl zu überwinden, beginnt er, seine Nachbarn zu filmen und seine Beziehungen zu ihnen auf die Probe zu stellen. Mithilfe seiner Freundin Mo, ebenfalls eine migrantische Filmemacherin, entdeckt Arjun verborgene Geheimnisse der Straßen und ihrer Bewohner*innen. Er lernt Menschen kennen, die wie er zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen imaginierter und echter Heimat leben. Wie ein unsichtbares Band verbindet die Straße sie alle und spendet Trost in der Melancholie des Alltags. Entlang dieses kilometerlangen Bandes entsteht ein Bild des modernen Europas, ein Kaleidoskop von Widersprüchen und Ängsten. Einem Land, das oft als homogen, abweisend und politisch rechts wahrgenommen wird, wird hier von einem ausländischen Filmemacher der Spiegel vorgehalten. (Berlinale 2025)
“Dem Filmemacher, der sich trotz langer Anwesenheit in Polen noch immer als ein geduldeter Gast fühlt, öffnen sich Türen und Herzen seiner Nachbarn. Es entblättert sich ein niemals beschönigender, aber doch stets offener Blick auf eine in steter Bewegung befindliche Gesellschaft, von der chinesischen Imbissbuden-Betreiberin über alteingesessene Handwerker bis zur quirligen Roma-Familie. Die abstrakte Vokabel ‘Heimat’ wird zur sinnlichen, stets in Veränderung begriffenen Erfahrung”. (Claus Löser, BLZ 06./07.09.25)
“Von der polnischen Kultur fasziniert, lässt sich Arjun Talwar in Warschau nieder. Zehn Jahre lang lebt er in derselben Straße und beobachtet seine Nachbarn, Postboten, Ladenbesitzer und migrationskritische Demos. Mit seinem ergreifenden Dokumentarfilm LETTERS FROM WOLF STREET wirft Arjun Talwar im Stile Buster Keatons einen wohlwollenden Blick auf sein Leben in Polen.” (Arte)
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SK/ CZ/ UA 2021, 93 min, Russisch | Ukrainisch mit deutschen UT
Regie: Peter Kerekes
Leysa landet nach einem Eifersuchtsdrama im Knast. Schwanger tritt sie die Haftstrafe an, bringt den Sohn im Frauengefängnis von Odessa zur Welt, in dem Mütter und Kinder bis zum 3. Lebensjahr zusammen sein können. Leysa lebt in einer Welt, die nur von Frauen bevölkert ist. Wäre da nicht die Farbe der Uniform, wäre es schwer zu sagen, wer Gefangene, wer Wächterin ist. Klar ist allerdings: Humor spielt in diesem Frauenknast eine wichtige Rolle.
„Die Nähe und Menschlichkeit wie auch die formale Konsequenz machen die Stärke dieses berührenden, aber nie sentimentalen Dramas aus.“ (Teresa Vena, NZZ am Sonntag)
„Mit 107 MOTHERS verbindet Peter Kerekes meisterhaft Authentisches mit Inszeniertem. Sein Film nähert sich respektvoll den Lebensrealitäten der inhaftierten Frauen an und zeichnet ein einfühlsames Porträt vom Gefängnisalltag.“ (Doris Senn, arttv)
„Iryna arbeitet in einem Frauengefängnis, in dem auch Mütter mit Kindern untergebracht sind. Sie ist Aufseherin, Vertraute und Freundin, aber auch Beamtin mit dem Auftrag, Strafen zu vollziehen. Iryna lebt alleine in einer Dienstwohnung auf dem Gefängnisgelände und verbringt die Nächte damit, den Kühlschrank zu durchforsten und Liebesbriefe zu lesen, die ihre Insassinnen erhalten, was auch zu ihrem Job gehört.
Auf der anderen Seite dieses Mikrokosmos leben die Mütter mit ihren Kindern. Ihr Leben liegt in Trümmern. Die Frauen haben unterschiedliche Schicksale und eine ungewisse Zukunft. Das Einzige, das sie über Wasser hält, ist die Beziehung zu ihren Kleinen: ein paar Stunden genehmigtes Glück jeden Tag. Von den vielen Geschichten der Frauen im Gefängnis 74 hat mich die von Leysa am meisten inspiriert. Sie hat ihren Mann aus Eifersucht ermordet und kam in die Strafanstalt, schwanger mit dem gemeinsamen Kind, dessen Geburt auch den Beginn des Films markiert.
Fast alle Figuren spielen sich selbst. Wir haben für diesen Film mehrere Jahre in einem Gefängnis mit Häftlingen verbracht und versucht, ihnen nahezukommen und sie nicht als passive Objekte darzustellen, sondern als teilnehmende Individuen. Da die meisten Gefangenen auf ihre bedingte Entlassung warteten oder jederzeit in eine andere Einrichtung hätten verlegt werden können, beschloss ich, eine professionelle Schauspielerin für die Rolle der Leysa zu engagieren. Denn ich wusste, dass die Dreharbeiten lange dauern würden und konnte nicht riskieren, meine Hauptdarstellerin zu verlieren. Maryna, die Leysa spielt, war bei allen vorbereitenden Gesprächen dabei und verbrachte viel Zeit mit den Insassinnen. Ich wollte nicht, dass sie deren Verhalten nachahmt, sondern vielmehr, dass sie ihnen zuhört und versucht, sie zu verstehen. Für mich war entscheidend, dass sie sich in die inhaftierten Frauen einfühlen und ihren Schicksalen und Gedanken nahekommen konnte. Ich wollte auch, dass der Film ein authentisches kollektives Lebensbild der verurteilten Mütter vermittelt, nicht nur durch ihre Gespräche mit Iryna, sondern auch durch die stillen Szenen: die Einsamkeit, die sie empfinden, wenn ihnen die Kinder weggenommen werden; die Glücksmomente, wenn die Frauen kurz vergessen, dass sie im Gefängnis sind.
Ich glaube, dass die Beziehung der Frauen zu mir von Neugierde geprägt war. Ich habe sie nur beobachtet und ihnen zugehört, und das, was sie bereit waren, mit mir zu teilen, im Film wiedergeben.“ (Director’s Statement)
SK/ CZ/ UA 2021, 93 min, Russisch | Ukrainisch mit deutschen UT
Regie: Peter Kerekes
Leysa landet nach einem Eifersuchtsdrama im Knast. Schwanger tritt sie die Haftstrafe an, bringt den Sohn im Frauengefängnis von Odessa zur Welt, in dem Mütter und Kinder bis zum 3. Lebensjahr zusammen sein können. Leysa lebt in einer Welt, die nur von Frauen bevölkert ist. Wäre da nicht die Farbe der Uniform, wäre es schwer zu sagen, wer Gefangene, wer Wächterin ist. Klar ist allerdings: Humor spielt in diesem Frauenknast eine wichtige Rolle.
„Die Nähe und Menschlichkeit wie auch die formale Konsequenz machen die Stärke dieses berührenden, aber nie sentimentalen Dramas aus.“ (Teresa Vena, NZZ am Sonntag)
„Mit 107 MOTHERS verbindet Peter Kerekes meisterhaft Authentisches mit Inszeniertem. Sein Film nähert sich respektvoll den Lebensrealitäten der inhaftierten Frauen an und zeichnet ein einfühlsames Porträt vom Gefängnisalltag.“ (Doris Senn, arttv)
„Iryna arbeitet in einem Frauengefängnis, in dem auch Mütter mit Kindern untergebracht sind. Sie ist Aufseherin, Vertraute und Freundin, aber auch Beamtin mit dem Auftrag, Strafen zu vollziehen. Iryna lebt alleine in einer Dienstwohnung auf dem Gefängnisgelände und verbringt die Nächte damit, den Kühlschrank zu durchforsten und Liebesbriefe zu lesen, die ihre Insassinnen erhalten, was auch zu ihrem Job gehört.
Auf der anderen Seite dieses Mikrokosmos leben die Mütter mit ihren Kindern. Ihr Leben liegt in Trümmern. Die Frauen haben unterschiedliche Schicksale und eine ungewisse Zukunft. Das Einzige, das sie über Wasser hält, ist die Beziehung zu ihren Kleinen: ein paar Stunden genehmigtes Glück jeden Tag. Von den vielen Geschichten der Frauen im Gefängnis 74 hat mich die von Leysa am meisten inspiriert. Sie hat ihren Mann aus Eifersucht ermordet und kam in die Strafanstalt, schwanger mit dem gemeinsamen Kind, dessen Geburt auch den Beginn des Films markiert.
Fast alle Figuren spielen sich selbst. Wir haben für diesen Film mehrere Jahre in einem Gefängnis mit Häftlingen verbracht und versucht, ihnen nahezukommen und sie nicht als passive Objekte darzustellen, sondern als teilnehmende Individuen. Da die meisten Gefangenen auf ihre bedingte Entlassung warteten oder jederzeit in eine andere Einrichtung hätten verlegt werden können, beschloss ich, eine professionelle Schauspielerin für die Rolle der Leysa zu engagieren. Denn ich wusste, dass die Dreharbeiten lange dauern würden und konnte nicht riskieren, meine Hauptdarstellerin zu verlieren. Maryna, die Leysa spielt, war bei allen vorbereitenden Gesprächen dabei und verbrachte viel Zeit mit den Insassinnen. Ich wollte nicht, dass sie deren Verhalten nachahmt, sondern vielmehr, dass sie ihnen zuhört und versucht, sie zu verstehen. Für mich war entscheidend, dass sie sich in die inhaftierten Frauen einfühlen und ihren Schicksalen und Gedanken nahekommen konnte. Ich wollte auch, dass der Film ein authentisches kollektives Lebensbild der verurteilten Mütter vermittelt, nicht nur durch ihre Gespräche mit Iryna, sondern auch durch die stillen Szenen: die Einsamkeit, die sie empfinden, wenn ihnen die Kinder weggenommen werden; die Glücksmomente, wenn die Frauen kurz vergessen, dass sie im Gefängnis sind.
Ich glaube, dass die Beziehung der Frauen zu mir von Neugierde geprägt war. Ich habe sie nur beobachtet und ihnen zugehört, und das, was sie bereit waren, mit mir zu teilen, im Film wiedergeben.“ (Director’s Statement)
AT/ I/ SK/ HR/ CZ 2024, 99 min, Italienisch | Friaulisch mit deutschen UT
Regie: Peter Kerekes
Luciana, eine neapolitanische Astrologin, verspricht ihren Kunden eine Methode, mit der sie ihre Wünsche wahr werden lassen können: Alles, was sie tun müssen, ist eine Geburtstagsreise an einen genau bestimmten Ort zu unternehmen, um unter einem neuen Himmel ein neues Ich zu finden. Ob Taipeh, Beirut oder ein nahegelegenes Dorf, während dieser Geburtstagsreisen erfahren die Protagonisten unerwartete Veränderungen. Und finden dabei schließlich heraus was ihr wahrer Herzenswunsch ist.
„Lucianas Büro ist ein Ort der Wunder. Hier vertrauen sich ihr Fremde an, teilen ihre tiefsten Wünsche und Sorgen. Und Luciana? Sie lässt ihre riesige Lupe über alte Buchseiten kreisen, um bald die perfekten Koordinaten für den spirituellen Neuanfang zu finden. Peter Kerekes wird in seinem neuen Film nicht weniger als ein Zeuge psychomagischer Akte. Denn die neapolitanische Astrologin vermag es nicht nur, Ratsuchenden das perfekte Geburtstagsdomizil zu errechnen – mit ihrer direkten Art zielt sie treffsicher in persönliche Dramen. (…) WISHING ON A STAR ist eine charmante Konsultation, die sich kühn den großen Fragen des Lebens stellt.“ (Carolin Weidner, DOK Leipzig 2024)
„Mit feinem Gespür für Absurditäten und einer atmosphärischen Bildsprache entführt WISHING ON A STAR in eine Welt voller skurriler Begegnungen. Verspielt, melancholisch und träumerisch erinnert er an das italienische Kino der 1960er Jahre.“ (Ines Ingerle, Crossing Europe 2025)
Japan 2025, 174 min, japanische Originalfassung mit deutschen UT
Regie: Sang-il Lee
Nagasaki, 1964 – Nach dem Tod seines Vaters, dem Anführer einer Yakuza-Bande, wird der 14-jährige Kikuo von einem berühmten Kabuki-Schauspieler unter seine Fittiche genommen. Zusammen mit dem einzigen Sohn des Schauspielers, Shunsuke, beschließt er, sich dieser traditionellen Theaterform zu widmen. Über Jahrzehnte hinweg wachsen und entwickeln sich die beiden jungen Männer gemeinsam weiter. Von der Schauspielschule bis zu den größten Bühnen, inmitten von Skandalen und Ruhm, Brüderlichkeit und Verrat… Jedoch kann nur einer von ihnen zum größten Meister der Kabuki-Kunst werden.
Das historische Drama, das als erster japanischer Film eine Oscar®-Nominierung in der Kategorie „Bestes Make-up und Hairstyling“ erhalten hat, ist ein mehrere Jahrzehnte umfassendes epochales Meisterwerk. Mitreißend, bildgewaltig und zugleich sinnlich erzählt der Film die Geschichte zweier Ausnahmekünstler, die sich ab Mitte der sechziger Jahre in der traditionellen Theaterform Kabuki behaupten wollen und dabei unerwartete Hürden überwinden müssen. Nur einer von ihnen wird zum größten Meister seiner Kunst mit dem Ehrentitel „Kokuhō“ (Nationalschatz).
„Der Film über die ineinander verflochtenen Karrieren zweier Kabuki-Schauspieler avancierte am japanischen Box Office zum Dauerbrenner und ist inzwischen der erfolgreichste einheimische Realfilm aller Zeiten. (…) Umso erstaunlicher ist das, als KOKUHO – THE MASTER OF KABUKI kein bisschen den Versuch unternimmt, die mehrere Jahrhunderte alte Kunst mit modernen Sehgewohnheiten zu vermitteln. Lee Sang-il hat gerade keine hippe neue Sonezaki-Adaption, zum Beispiel in Manga-Optik, gedreht, sondern ein elegantes, episches Charakterdrama, in dem sich die Geschichte von Tokubei und Ohatsu auf komplexe Weise in den Lebensläufen zweier Schauspieler bricht: Über mehrere Jahrzehnte hinweg stehen Kikuo und Shunsuke gemeinsam auf der Bühne, mal spielt Kikuo Tokubei und Shunsuke Ohatsu und mal andersrum. Der gemeinsame Liebestod ist für die beiden keine Option, und doch geraten sie immer mehr in den Bann der berühmten Rollen, die sie verkörpern.
Gleichzeitig ist der Film, der auf einem Roman Shuichi Yoshidas basiert, eine filmische Verbeugung vor der Kunst des Kabuki selbst. Geduldig und mit viel Liebe für szenische und gestische Details, aber auch mit einem Auge für die Sorgfalt, die in das exaltierte Kabuki-Makeup einfließt, stellt Lee Sang-il eine ganze Reihe von Kabuki-Performances und auch – teils knochenharte – Proben nach. Zum Selbstzweck verkommen solche Passagen freilich nie, vielmehr gelingt es dem Regisseur immer wieder, durch geschickte Parallelmontagen das Bühnengeschehen mit der Erzählgegenwart um Kikuo und Shunsuke zu verknüpfen. Insofern ist KOKUHO – THE MASTER OF KABUKI der Idealfall einer Begegnung zweier Künste, die sich nicht gegenseitig erdrücken, sondern einander in respektvoller Manier zur Geltung bringen. Kino und Kabuki verbinden sich in Lee Sang-ils Film zu etwas Eigenem, Drittem. Dass das Ergebnis auch noch ein großes Publikum begeistert, ist ein kleines Wunder.“ (Lukas Förster, Trigon Magazin, 18.12.2025)
AT/ I/ SK/ HR/ CZ 2024, 99 min, Italienisch | Friaulisch mit deutschen UT
Regie: Peter Kerekes
Luciana, eine neapolitanische Astrologin, verspricht ihren Kunden eine Methode, mit der sie ihre Wünsche wahr werden lassen können: Alles, was sie tun müssen, ist eine Geburtstagsreise an einen genau bestimmten Ort zu unternehmen, um unter einem neuen Himmel ein neues Ich zu finden. Ob Taipeh, Beirut oder ein nahegelegenes Dorf, während dieser Geburtstagsreisen erfahren die Protagonisten unerwartete Veränderungen. Und finden dabei schließlich heraus was ihr wahrer Herzenswunsch ist.
„Lucianas Büro ist ein Ort der Wunder. Hier vertrauen sich ihr Fremde an, teilen ihre tiefsten Wünsche und Sorgen. Und Luciana? Sie lässt ihre riesige Lupe über alte Buchseiten kreisen, um bald die perfekten Koordinaten für den spirituellen Neuanfang zu finden. Peter Kerekes wird in seinem neuen Film nicht weniger als ein Zeuge psychomagischer Akte. Denn die neapolitanische Astrologin vermag es nicht nur, Ratsuchenden das perfekte Geburtstagsdomizil zu errechnen – mit ihrer direkten Art zielt sie treffsicher in persönliche Dramen. (…) WISHING ON A STAR ist eine charmante Konsultation, die sich kühn den großen Fragen des Lebens stellt.“ (Carolin Weidner, DOK Leipzig 2024)
„Mit feinem Gespür für Absurditäten und einer atmosphärischen Bildsprache entführt WISHING ON A STAR in eine Welt voller skurriler Begegnungen. Verspielt, melancholisch und träumerisch erinnert er an das italienische Kino der 1960er Jahre.“ (Ines Ingerle, Crossing Europe 2025)
66 Sommer im Leben eines slowakischen Freibads. Hier, im alten Schwimmbad von Košice, zog auch die Geschichte ihre Bahnen. In einem Kaleidoskop, das Ereignisse aus 66 Jahren bündelt, wird nicht nur die Geschichte der Badeanstalt rekonstruiert, sondern auch die Mittel- und Osteuropas. Von den Bombardements im Zweiten Weltkrieg über die russische Okkupation bis zum Zusammenbruch des Kommunismus. Und zwischendrin und drum herum nehmen die kleinen persönlichen Dramen, Liebesgeschichten und Glücksmomente ihren Lauf. Das Schwimmbad als Kristallisationspunkt von Fernweh, als Strandersatz, als Ort der Kommunikation, des Flirts und der Verführung. All das erzählt Peter Kerekes mit großer Leichtigkeit und ironischem Augenzwinkern. (DokFest München 2004)
“Céhácko, das öffentliche Schwimmbad in Košice als Spiegel der Zeit zwischen 1936 und 2002, die Protagonisten erzählen von Anpassung und Unterordnung, von Verfolgung durch die Nazis, der Bombardierung während des zweiten Weltkriegs und dem Einmarsch der Russen 1968. Die Bademode damals und heute wird diskutiert, die Anziehung der Geschlechter, die Spiele im Wasser. Geschichten oder Geschichte? – der Filmemacher sagt, die geht hier ohnedies baden.“ (Crossing Europe 2004
Militärköche – sie kommen in keinem Geschichtsbuch vor und haben den Lauf der Geschichte mitbeeinflusst. COOKING HISTORY blickt anhand der Erinnerungen und persönlichen Schicksale dieser Menschen hinter die Kulissen der so genannten „großen Geschichtsschreibung“ und eröffnet einen neuen Blickwinkel auf die europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts.
„In vielen Sprachen bedeutet das Wort ‚Zunge‘ nicht nur den Muskel, den wir zum Schmecken benutzen, sondern auch die Sprache, die wir sprechen. Der Geschmack und die Sprache. Beide stellen die Grundlage unserer Nationalkultur dar. Sowohl die Sprache als auch der Geschmack bilden sich bereits in der Kindheit heraus. Es ist nicht überraschend, dass wir von einer Muttersprache und von Mutters Küche sprechen. Beide sind das Resultat einer langen kulturellen Entwicklung, beeinflusst durch geographische Bedingungen und historische Gegebenheiten. (…) Gehässigkeit zwischen den Nationen wird auch in Gehässigkeit gegenüber Landesküchen reflektiert. Es gibt etwas wie den Nationalismus der Geschmäcker, eingefleischt im Unterbewusstsein unserer Geschmackszellen. Wir mögen fremdes Essen nicht, einfach weil wir den Fremden nicht vertrauen; wir scheuen nicht davor ab, unsere ‚Nationalgerichte‘ zu Landessymbolen zu erheben und sind bereit, diese jederzeit zu verteidigen. Jedes Land versucht, sein Sprachterritorium aufrecht zu erhalten und manchmal sogar auszuweiten. Die Invasionen fremder Länder haben unseren Wortschatz um neue Wörter und unsere Speisekarte um neue Gerichte bereichert. In unserem Film wird in sieben Sprachen gekocht. Ich hoffe, der Film wird nach dem Geschmack der Betrachter sein.“ (Director’s Statement)
„Kochen und Kriegshandlungen, so Kerekes, haben viel gemeinsam: Strategie, Timing, ein Gefühl für Mengenverhältnisse bei den eingesetzten Basismaterialien und nicht zuletzt die Taktik des Würzens. Essenszubereitung für die Armee ist eine Metapher für die Schlacht.“ (Ralph Eue, DOK-Leipzig 2009)
„Was für eine schräge Idee. Und was für ein ebenso verrückter Film. (…) COOKING HISTORY ist grausam und komisch zugleich, er zeigt große Geschichte und kleine Anekdoten, verschmitzt inszeniert und mit einer ganzen Reihe außergewöhnlichen Zutaten abgeschmeckt. (…) Die Absurdität des Krieges und seine Grausamkeit, die erstaunlich heiteren Erinnerungen an Zeiten der Not und des Tötens, ironisch eingestreute Rezepte für ganze Kompanien von Soldaten, die stets mit der Angabe ‚…und eine Prise Salz‘ enden und inszenierte Szenen, die manchmal schon fast an Monty-Python-Gags erinnern, formen ein ungewöhnliches Puzzle, in dem Peter Kerekes zusammendenkt, was man so bislang noch nirgendwo anders sah: Nicht nur Liebe geht durch den Magen, sondern auch der Krieg.“ (Joachim Kurz, kino-zeit.de)
Mi. 06.05.
10:00 Uhr
Spatzenkino – Zusammen unterwegs
– nur mit Voranmeldung! | reservierung@spatzenkino.de | Service-Telefon 449 47 50
Gemeinsam mit seinem Vater bringt der kleine Eisbär Lars einen verirrten Schmetterling zurück in die Tropen. Dort freut sich besonders das Nilpferd Hippo über ihren Besuch. Regie: Thilo Graf Rothkirch, D 2003, Zeichentrickfilm, 25 Min.
Ringelgasse 19: Als sie auf einer einsamen Insel waren
Der Hof der Ringelgasse 19 steht unter Wasser. Perfekt, finden die Kinder, und erobern zusammen eine einsame Insel. Regie: Andreas Strozyk, D 2012, Zeichentrickfilm, 7 Min.
Mi. 06.05.
16:30 Uhr
SHOOTING
, OmdU + OmeU – JFBB Jüdisches Filmfestival Berlin Brandenburg
Ein ebenso kluger und sensibler wie verstörender Dokumentarfilm, der die Schnittstellen von Kino, Krieg und Macht in Israel untersucht. Netalie Brauns Film ist zugleich ästhetisch eindrucksvoll und intellektuell provokant. Bedeutung hat er nicht nur für den Nahen Osten, sondern für jede Gesellschaft, die bereit ist, sich ihren eigenen moralischen Widersprüchen zu stellen.
Mi. 06.05.
18:30 Uhr
KNOW HOPE
, OmdU + OmeU – JFBB Jüdisches Filmfestival Berlin Brandenburg
Während die Wirklichkeit in Israel und Palästina zunehmend zersplittert, verwandelt der Street-Art-Künstler Know Hope den öffentlichen Raum in einen Schauplatz des Widerstands. Seine poetischen, von Empathie getragenen Interventionen spüren den Bruchlinien zwischen persönlichem Schmerz und kollektivem Trauma nach.
Michal Kowakowski, DE/AT 2025, 102 min, Dokumentarfilm, ohne Dialog
Eine essayistische Montage aus tausenden Filmausschnitten untersucht, wie das Kino die Shoah über Jahrzehnte hinweg dargestellt und visuell geprägt hat – und stellt Fragen danach, was diese Bilder zeigen können, was sie verdecken und wie sie den Weg in unser kollektives Gedächtnis fanden.
Do. 07.05.
18:00 Uhr
DAVID – STORIES OF HONOUR AND SHAME
, OmeU | 35mm – JFBB Jüdisches Filmfestival Berlin Brandenburg
Im Zweiten Weltkrieg verbündete sich Finnland zeitweise mit Nazi-Deutschland. Der Dokumentarfilm erzählt die Geschichte der finnischen Juden und Jüdinnen zu dieser Zeit – eine Geschichte, über deren Widersprüche in Finnland nach dem Zweiten Weltkrieg nur ungerne geredet wurde und die auch den Hintergrund für den Spielfilm NEVER ALONE bildet.
Do. 07.05.
20:00 Uhr
NEVER ALONE
, OmdU + OmeU – JFBB Jüdisches Filmfestival Berlin Brandenburg
Klaus Härö, FI/EE/SE/DE/AT 2024, 85 min, Spielfilm, Omd+eU Originalsprache: Finnisch, Schwedisch, Deutsch, Hebräisch Besetzung: Ville Virtanen, Nina Hukkinen, Rony Herman
Europa im Zweiten Weltkrieg: Finnland steht während der ersten Kriegsjahre an der Seite Nazi-Deutschlands. Doch der finnische Ministerpräsident verweigert die von Deutschland geforderte Ausweisung der finnischen Jüdinnen und Juden. Doch was passiert mit denjenigen, die vor der Nazi-Herrschaft nach Finnland geflohen waren? Der Geschäftsmann Abraham Stiller setzt sich für die Geflüchteten ein, aber es gelingt ihm nicht, alle zu retten.
Fr. 08.05.
18:00 Uhr
Double Feature: SILA + ON THIN ICE
, OmdU + OmeU – JFBB Jüdisches Filmfestival Berlin Brandenburg
SILA Bissan Tibi, IL 2025, 25 min, Omd+eU Originalsprache: Arabisch Besetzung: Miriam Mora, Mohammed Gazawi
Das einsame Leben eines jungen palästinensischen Mädchens, das auf den sengend heißen Straßen Süßigkeiten verkaufen muss, um für ihre Familie zu sorgen, gerät aus den Fugen, als ein gleichaltriger Konkurrent in ihr Revier eindringt. Jeder Gedanke daran, anderen zu vertrauen, wird zu einem gefährlichen Spiel mit den harten Gesetzen der Straße.
ON THIN ICE
Udi Kalinsky, Irit Hod, IL 2026, 72 min, Dokumentarfilm, Omd+eU
Originalsprache: Hebräisch, Arabisch
Aya, eine 19-jährige Eishockeyspielerin, träumt davon, für Israel anzutreten. Ihr Onkel Ayoub hält das für einen Verrat an den syrischen Wurzeln der Familie. Zwei Beispiele aus der drusischen Community in Israel, einer Gemeinschaft, die in der augenblicklichen Situation zunehmend zwischen die Fronten gerät. Eine Langzeitbeobachtung.
Fr. 08.05.
20:30 Uhr
Double Feature: BUTCHER’S STAIN + THE SMUGGLERS
, OmdU + OmeU – JFBB Jüdisches Filmfestival Berlin Brandenburg
In der angespannten Realität der Koexistenz möchte der Palästinenser Samir einfach nur seinen Job in einem israelischen Supermarkt machen und ein ruhiges Leben führen. Doch durch eine falsche Verdächtigung wird ihm bewusst, wie fragil seine Lage ist. Dieses fesselnde Kurzdrama, das auf einer wahren Begebenheit beruht, wurde dieses Jahr für den Oscar als bester Kurzfilm nominiert.
THE SMUGGLERS Tony Copti, Yaniv Berman, IL 2025, 86 min, Dokumentarfilm, Omd+eU Originalsprache: Arabisch
Wo normalerweise Waffen und Drogen geschmuggelt werden, versuchen zwei Männer ihr Glück mit etwas weitaus Gefährlicherem: arabischsprachigen Büchern. Die bescheidene Geschäftsidee entwickelt sich zu einer ironischen Reise durch Sprache, Kultur und ein System, das beides still und leise untergräbt.
Sa. 09.05.
16:00 Uhr
SALOMEA
, OmeU – JFBB Jüdisches Filmfestival Berlin Brandenburg
Miriam Pfeiffer, DE 2025, 60 min, Dokumentarfilm, OmeU Originalsprache: Deutsch
Salomea Genin kehrte in den 1950er-Jahren aus dem australischen Exil nach Ostberlin zurück, um die DDR mit aufzubauen. Doch dort wurde die begeisterte Kommunistin als Jüdin mit Skepsis aufgenommen. Ein Erfahrungsbericht zwischen politischer Leidenschaft und Ideologie, Traumata und Tabus, Argwohn und Ausgrenzung.
Sa. 09.05.
18:00 Uhr
THE BIG CHIEF
, OmdU + OmeU – JFBB Jüdisches Filmfestival Berlin Brandenburg
Plötzlich auf der falschen Seite der Geschichte: Leopold Trepper, Mitbegründer des europaweiten kommunistischen Anti-Nazi-Widerstands- und Spionage-Netzwerks „Die Rote Kapelle“, agierte während des Zweiten Weltkriegs von Frankreich aus. Ende der 1960er-Jahre wurde er im sozialistischen Polen im Hausarrest festgesetzt. Fesselnde Zwischen-den-Stühlen-Biografie.
Sa. 09.05.
20:00 Uhr
THE LAST SPY
, OmdU – JFBB Jüdisches Filmfestival Berlin Brandenburg
Im Alter von 102 Jahren gewährt der ehemalige CIA-Funktionär Peter Sichel einen seltenen Einblick in das Innerste der US-Geheimdienste. Von Nazi-Deutschland bis zum Berlin des Kalten Krieges erzählt er von Entscheidungen mit globaler Bedeutung – und vom Preis, der im Namen der Demokratie gezahlt wurde. Eine Erinnerung daran, dass die Vergangenheit näher liegt, als wir glauben.
So. 10.05.
16:00 Uhr
THE BRIDGEPLAYERS
, OmdU + OmeU – JFBB Jüdisches Filmfestival Berlin Brandenburg
Ein sensibles Portrait von vier Überlebenden: Eva, Elisabeth, Livia und Mimi sind Freundinnen, seit sie als Sechzehnjährige am selben Tag im KZ Auschwitz ankamen. Der Film begleitet die heute um die Neunzigjährigen zwischen ihrem aktiven Leben in Stockholm, den immer präsenten Erinnerungen und Gesprächen über die aktuelle Situation. Das geliebte Bridgespielen ist nicht nur Zeitvertreib, sondern zentrale Lebenshilfe.
So. 10.05.
18:00 Uhr
HOTEL BERLIN
, OmdU | 16mm – Filmgespräch mit Lea Wohl von Haselberg und Knut Elstermann | JFBB Jüdisches Filmfestival Berlin Brandenburg
Peter Godfrey, US 1945, 98 min, Spielfilm OmdU, 16mm Originalsprache: Englisch Besetzung: Faye Emerson, Helmut Dantine, Raymond Massey
Nach einer Romanvorlage von Vicky Baum erzählt der Film von einem Hotel in Berlin kurz vor Kriegsende: Die Stadt liegt in Trümmern und der Zufall hat ganz unterschiedliche Menschen zusammengewürfelt, die sehr verschieden zum Regime stehen …
Mo. 11.05.
19:00 Uhr
DEFA-Stiftung präsentiert | Unsere bösen Kinder
– zu Gast: Regisseur Karl Heinz Lotz | Moderation: Diana Kluge (DEFA-Filmverleih)
Weihnachten in Berlin 1991. Es ist keine Familienidylle, die Regisseur Karl Heinz Lotz in seinem Dokumentarfilm UNSERE BÖSEN KINDER festhält. David, der dreizehnjährige Adoptivsohn des Regisseurs, hat sich zum Straßenkind entwickelt und verschwindet immer wieder von zu Hause. Lotz versucht zu verstehen, folgt David mit der Kamera in dessen Welt und lernt dabei weitere Straßenkinder kennen. Er gibt ihnen Raum vor der Kamera, fragt unbeholfen, oft naiv, und macht die eigene Hilflosigkeit als Vater und Erwachsener spürbar. Neben den Interviewsituationen streift die Kamera durch ein Land, das sich im Auflösungsprozess befindet, und schafft so schwarz-weiße und vor allem verloren anmutende Bilderwelten, die der emotionalen Schieflage zwischen Eltern und der neuen Generation Ausdruck verleihen. (Diana Kluge, DEFA-Filmverleih)
Karl Heinz Lotz studiert 1971 Regie an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg. Der Kinderfilm DER DICKE UND ICH (1980) wird seine erste Regiearbeit. Sein zweiter Film JUNGE LEUTE IN DER STADT (1985) über das Berliner Leben der späten 1920er-Jahre wurde von der DEFA-Stiftung 2022 digital restauriert. Von seinen vielfältigen Regiearbeiten sei noch der Kinderfilm RÜCKWÄRTSLAUFEN KANN ICH AUCH (1989/90) hervorgehoben, in dem er sich einfühlsam mit Menschen mit Behinderung auseinandersetzt und eindringlich mehr Teilhabe an der Gesellschaft für sie einfordert. Bei UNSERE BÖSEN KINDER ist er neben der Regie auch für das Drehbuch sowie die Produktion verantwortlich.
Mi. 03.06.
10:00 Uhr
Spatzenkino – Michel und Ida aus Lönneberga
– nur mit Voranmeldung! | reservierung@spatzenkino.de | Service-Telefon 449 47 50
Zeichentrick-Verfilmung des Kinderbuchklassikers von Astrid Lindgren
Michel möchte seiner Mutter eine Freude machen und hängt nachts klebrige Fliegenfänger in der Küche auf. So ein Pech, dass ausgerechnet sein Vater darin hängen bleibt! Also landet Michel wieder einmal im Tischlerschuppen und schnitzt Holzmännchen. Seine kleine Schwester Ida beneidet ihn darum und möchte zu gerne auch einen Unfug anstellen. Regie: Per Ahlin, AliciaJaworski, Björk & Lasse Persson, S 2013, Zeichentrickfilm, 32 Min.