Ein eindrückliches Panorama des letzten Jahrhunderts deutscher Geschichte in einem Haus an einem märkischen See: Schauplatz für Geschichten und Lebenswege der wechselnden Besitzer und ihrer Schicksale, die miteinander verwoben und von monumentalen historischen Ereignissen geprägt sind. Die Bewohner erleben die Weimarer Republik, das Dritte Reich, den Krieg und dessen Ende, die DDR und die Wendezeit, während sie auf der Suche nach Heimat und einem Ort der Zugehörigkeit sind.
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Österreich 2026, 122 min, Deutsch, tw. Englisch | Rumänisch mit deutschen UT
Regie: Sebastian Brameshuber
Ein Roadmovie über die Schönheit und den Zauber alltäglicher Begegnungen: Bobby fährt immer wieder dieselbe Strecke zwischen Wien und Salzburg. Er nimmt Menschen mit, eigentlich um Benzinkosten zu sparen. Gemeinsam teilen sie ein Stück Weg und für einen kurzen Moment auch ihr Leben. Im Auto kommen sie ins Gespräch über Liebe und Krieg, Familie und Erinnerung, Herkunft und Zukunft. Ein junger Soldat, ein Supermarktlehrling, ein Wissenschaftler, eine queere Frau kurz vor ihrer Hochzeit – flüchtige Augenblicke, aus denen ein Mosaik der Gegenwart entsteht. Auch Bobby erzählt: von seinem Leben, vom Älterwerden und von einem Freund, der in Salzburg im Koma liegt – der Grund für seine Fahrten. Während draußen Berge, Wälder und Brücken vorbeiziehen, verändert sich mit den Jahreszeiten das Licht. Bobby fährt weiter, aber in eine andere Richtung…
LONDON ist ein leiser, tröstlicher Film zwischen Dokumentarischem und Fiktion. Die Autobahn wird zum Ort der Begegnung, an dem Fremde einander zuhören und unsere Gegenwart für einen Augenblick erfahrbar wird. In beunruhigenden Zeiten erzählt der Film von der Möglichkeit, dass Nähe und Solidarität dort entstehen, wo Menschen ein Stück des Weges miteinander zurücklegen.
„In einer Zeit, in der Trennendes in den Vordergrund gerückt ist, wollte ich einen Film machen, der betont, was wir gemeinsam haben.“(Sebastian Brameshuber)
epd film 4/5 Sterne “Bobby Sommer ist das zentrale Kraftfeld des Films. Er bewegt Menschen dazu, sich zu öffnen. Der Wehrdienstleistende Paul äußert Zweifel an einem möglichen Kriegseinsatz. In den Dialogen gibt auch Bobby viel von sich preis: von seiner Zeit in London, der Rückkehr als langhaariger Gammler (in den Augen seines Vaters), der Vergangenheit als Musiker und der Begeisterung für Orson Welles und dessen Film »Der dritte Mann«. Mit dem Alter kommen Akzeptanz und Gelassenheit, versichert Bobby einer queeren Aktivistin aus dem ehemaligen Jugoslawien. Aber: »This is not endless, you know, this life.«“ https://www.epd-film.de/filmkritiken/london
critic.de “Dennoch hat der Film insgesamt etwas Tröstliches, fast Utopisches. Dabei sind in ihm all die Konflikte und Bruchlinien, die uns im diskursiven Alltag umgeben, enthalten. Es geht in den Gesprächen im Auto – mal direkt, mal indirekt, im Ungesagten – um Migration, um wirtschaftliche Zwänge, um alte und neue Kriege, um die Last der […] klobigen nationalsozialistischen Vergangenheit und so weiter. Es geht um all dies, außerdem – nicht im Abstrakten, sondern vermittelt über individuelle Lebenswege – über ein jeweils einzigartiges Leben, Lieben, Sterben.“ https://www.critic.de/film/london-19962/
Perlentaucher “Es macht Spaß zuzuschauen, wie allein durch Sprache Nichtanwesendes wuchtig präsent wird, wie etwa ein verdruckster Lehrlingsjunge die üppige Auslage der Wursttheke seines Lehrbetriebs reproduziert oder ein Amerikaner (der Filmemacher Ted Fendt) Bobby von den landschafts- und blickformenden Ambitionen des nationalsozialistischen Autobahnbaus berichtet: “Das was wir sehen, sehen wir, weil die Nazis wollten, dass wir es sehen.” Ein Film voller schöner Sätze – und doch ohne jeglichen Willen zu Weisheit und Ratgebertum.“ https://www.perlentaucher.de/im-kino/filmkritik-zu-london-von-sebastian-brameshuber.html
Kino-Zeit 4/5 Sterne “All dies geschieht in fast permanenter automobiler Bewegung, der Unort Autobahn, die Unzeit des Reisens als Bewegung von einem Ausgangspunkt zu einem Endziel wird zu einem Vakuum, einem Zwischenraum, einer Zwischenzeit, in der wahrhafte Begegnungen von Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft und Wesensart möglich sind. […] London ist ein Film, der von seinem Publikum ein gewisses Maß an Geduld einfordert und der gleichzeitig viel zu geben vermag für jene, die sich auf die scheinbare Monotonie einlassen, die sich wie die Passagiere im Film der Dauer ergeben, sich zurücklehnen und das Zuhören ebenso lernen wie das Sprechen und das sich Offenbaren.“ https://www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/london-2026
Eine berührende und zugleich heitere Paargeschichte voller Wortwitz, leiser Melancholie und zärtlicher Momente. Basierend auf dem gleichnamigen Bestseller von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder, der im August 2026 im Hanser Verlag neu aufgelegt wird, erzählen sie über zwei Menschen, die nach vier Jahrzehnten Jahren Ehe entdecken, dass es für Veränderungen nie zu spät ist.
Seit seiner Pensionierung meckert Harry nur noch rum, trinkt Weizenbier und pflegt seinen Rittersporn. Findet Lore. Sie klammert sich an ihren Job als Bibliothekarin, organisiert peinliche Lesungen und verehrt ihre Dichter wie Propheten. Findet Harry. Für ein altes Ehepaar reden die beiden erstaunlich viel – und meinen doch meistens etwas anderes. Als Tochter Julia zum dritten Mal heiraten will, ist der Streit programmiert und doch nur die Spitze des Eisbergs. In vierzig Jahren Ehe sammelt sich einiges an. Unter der Oberfläche brodelt es: unausgesprochene Fragen, alte Eifersucht, der Streit um Harrys Phlegma und um den Sinn eines Hochdruckreinigers. Während Harry seinen Garten hegt, träumt Lore von einem anderen Leben, von Reisen, von Aufbruch. Sie fühlt sich kraftlos und fragt sich immer dringlicher: War das schon alles? Welche Chancen hat sie verpasst? Ist es mit über sechzig zu spät für einen Neuanfang? Harry trinkt sein Bier, raucht, schweigt. Und bemerkt doch ihre Not. (Pandora)
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Österreich 2026, 122 min, Deutsch, tw. Englisch | Rumänisch mit deutschen UT
Regie: Sebastian Brameshuber
Ein Roadmovie über die Schönheit und den Zauber alltäglicher Begegnungen: Bobby fährt immer wieder dieselbe Strecke zwischen Wien und Salzburg. Er nimmt Menschen mit, eigentlich um Benzinkosten zu sparen. Gemeinsam teilen sie ein Stück Weg und für einen kurzen Moment auch ihr Leben. Im Auto kommen sie ins Gespräch über Liebe und Krieg, Familie und Erinnerung, Herkunft und Zukunft. Ein junger Soldat, ein Supermarktlehrling, ein Wissenschaftler, eine queere Frau kurz vor ihrer Hochzeit – flüchtige Augenblicke, aus denen ein Mosaik der Gegenwart entsteht. Auch Bobby erzählt: von seinem Leben, vom Älterwerden und von einem Freund, der in Salzburg im Koma liegt – der Grund für seine Fahrten. Während draußen Berge, Wälder und Brücken vorbeiziehen, verändert sich mit den Jahreszeiten das Licht. Bobby fährt weiter, aber in eine andere Richtung…
LONDON ist ein leiser, tröstlicher Film zwischen Dokumentarischem und Fiktion. Die Autobahn wird zum Ort der Begegnung, an dem Fremde einander zuhören und unsere Gegenwart für einen Augenblick erfahrbar wird. In beunruhigenden Zeiten erzählt der Film von der Möglichkeit, dass Nähe und Solidarität dort entstehen, wo Menschen ein Stück des Weges miteinander zurücklegen.
„In einer Zeit, in der Trennendes in den Vordergrund gerückt ist, wollte ich einen Film machen, der betont, was wir gemeinsam haben.“(Sebastian Brameshuber)
epd film 4/5 Sterne “Bobby Sommer ist das zentrale Kraftfeld des Films. Er bewegt Menschen dazu, sich zu öffnen. Der Wehrdienstleistende Paul äußert Zweifel an einem möglichen Kriegseinsatz. In den Dialogen gibt auch Bobby viel von sich preis: von seiner Zeit in London, der Rückkehr als langhaariger Gammler (in den Augen seines Vaters), der Vergangenheit als Musiker und der Begeisterung für Orson Welles und dessen Film »Der dritte Mann«. Mit dem Alter kommen Akzeptanz und Gelassenheit, versichert Bobby einer queeren Aktivistin aus dem ehemaligen Jugoslawien. Aber: »This is not endless, you know, this life.«“ https://www.epd-film.de/filmkritiken/london
critic.de “Dennoch hat der Film insgesamt etwas Tröstliches, fast Utopisches. Dabei sind in ihm all die Konflikte und Bruchlinien, die uns im diskursiven Alltag umgeben, enthalten. Es geht in den Gesprächen im Auto – mal direkt, mal indirekt, im Ungesagten – um Migration, um wirtschaftliche Zwänge, um alte und neue Kriege, um die Last der […] klobigen nationalsozialistischen Vergangenheit und so weiter. Es geht um all dies, außerdem – nicht im Abstrakten, sondern vermittelt über individuelle Lebenswege – über ein jeweils einzigartiges Leben, Lieben, Sterben.“ https://www.critic.de/film/london-19962/
Perlentaucher “Es macht Spaß zuzuschauen, wie allein durch Sprache Nichtanwesendes wuchtig präsent wird, wie etwa ein verdruckster Lehrlingsjunge die üppige Auslage der Wursttheke seines Lehrbetriebs reproduziert oder ein Amerikaner (der Filmemacher Ted Fendt) Bobby von den landschafts- und blickformenden Ambitionen des nationalsozialistischen Autobahnbaus berichtet: “Das was wir sehen, sehen wir, weil die Nazis wollten, dass wir es sehen.” Ein Film voller schöner Sätze – und doch ohne jeglichen Willen zu Weisheit und Ratgebertum.“ https://www.perlentaucher.de/im-kino/filmkritik-zu-london-von-sebastian-brameshuber.html
Kino-Zeit 4/5 Sterne “All dies geschieht in fast permanenter automobiler Bewegung, der Unort Autobahn, die Unzeit des Reisens als Bewegung von einem Ausgangspunkt zu einem Endziel wird zu einem Vakuum, einem Zwischenraum, einer Zwischenzeit, in der wahrhafte Begegnungen von Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft und Wesensart möglich sind. […] London ist ein Film, der von seinem Publikum ein gewisses Maß an Geduld einfordert und der gleichzeitig viel zu geben vermag für jene, die sich auf die scheinbare Monotonie einlassen, die sich wie die Passagiere im Film der Dauer ergeben, sich zurücklehnen und das Zuhören ebenso lernen wie das Sprechen und das sich Offenbaren.“ https://www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/london-2026
Ein eindrückliches Panorama des letzten Jahrhunderts deutscher Geschichte in einem Haus an einem märkischen See: Schauplatz für Geschichten und Lebenswege der wechselnden Besitzer und ihrer Schicksale, die miteinander verwoben und von monumentalen historischen Ereignissen geprägt sind. Die Bewohner erleben die Weimarer Republik, das Dritte Reich, den Krieg und dessen Ende, die DDR und die Wendezeit, während sie auf der Suche nach Heimat und einem Ort der Zugehörigkeit sind.
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Eine berührende und zugleich heitere Paargeschichte voller Wortwitz, leiser Melancholie und zärtlicher Momente. Basierend auf dem gleichnamigen Bestseller von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder, der im August 2026 im Hanser Verlag neu aufgelegt wird, erzählen sie über zwei Menschen, die nach vier Jahrzehnten Jahren Ehe entdecken, dass es für Veränderungen nie zu spät ist.
Seit seiner Pensionierung meckert Harry nur noch rum, trinkt Weizenbier und pflegt seinen Rittersporn. Findet Lore. Sie klammert sich an ihren Job als Bibliothekarin, organisiert peinliche Lesungen und verehrt ihre Dichter wie Propheten. Findet Harry. Für ein altes Ehepaar reden die beiden erstaunlich viel – und meinen doch meistens etwas anderes. Als Tochter Julia zum dritten Mal heiraten will, ist der Streit programmiert und doch nur die Spitze des Eisbergs. In vierzig Jahren Ehe sammelt sich einiges an. Unter der Oberfläche brodelt es: unausgesprochene Fragen, alte Eifersucht, der Streit um Harrys Phlegma und um den Sinn eines Hochdruckreinigers. Während Harry seinen Garten hegt, träumt Lore von einem anderen Leben, von Reisen, von Aufbruch. Sie fühlt sich kraftlos und fragt sich immer dringlicher: War das schon alles? Welche Chancen hat sie verpasst? Ist es mit über sechzig zu spät für einen Neuanfang? Harry trinkt sein Bier, raucht, schweigt. Und bemerkt doch ihre Not. (Pandora)
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Lesung, Screening & Gespräch mit Anna Schapiro und Evgenia Gostrer
veranstaltet von der Filmuniversität Babelsberg anlässlich der Bildungs- und Aktionswochen gegen Antisemitismus 2026
Bis wann ist man Gast, ab wann ist man Zuhause? Wie lassen sich Erinnerungen konservieren, die nicht die eigenen sind? An diesem Nachmittag treffen zwei künstlerische Positionen aufeinander, die sich auf unterschiedliche Weise mit sowjetisch-jüdischer Familiengeschichte, Migration und Erinnerung beschäftigen. Anna Schapiro liest aus ihrem gerade erschienenen Debütroman “Fühlen Sie sich wie zu Hause, aber vergessen Sie dabei nicht, dass Sie zu Gast sind”. Ausgangspunkt ist die Beerdigung der Großmutter der Erzählerin. Sie reist zu den verstreuten Mitgliedern ihrer Familie, über die sie bisher vor allem Geschichten hörte. Nun erzählen sie selber: von Borschtsch, vom Lager, von der Liebe. Im Anschluss zeigen wir KIRSCHKNOCHEN (2021), einen dokumentarischen Animationsfilm von Evgenia Gostrer. Gostrer war 14 Jahre alt, als sie Mitte der 1990er-Jahre mit ihrer Familie als „Kontingentflüchtlinge“ aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland kam. Aus heutiger Perspektive blickt sie auf diese Zeit zurück und sucht das Gespräch mit ihren Eltern: Was hat sie dazu bewogen, ihre bisherige Heimat zu verlassen? Was bedeutete der Neuanfang in Deutschland?
Nach dem Kernprogramm folgt ein moderiertes Gespräch zwischen Anna Schapiro und Evgenia Gostrer.
Die Veranstaltung findet im Rahmen der Bildungs- und Aktionswochen gegen Antisemitismus statt, einem Projekt der Amadeu Antonio Stiftung und des Anne Frank Zentrums. Organisiert wird sie von einer studentischen Initiative der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF.
Ein eindrückliches Panorama des letzten Jahrhunderts deutscher Geschichte in einem Haus an einem märkischen See: Schauplatz für Geschichten und Lebenswege der wechselnden Besitzer und ihrer Schicksale, die miteinander verwoben und von monumentalen historischen Ereignissen geprägt sind. Die Bewohner erleben die Weimarer Republik, das Dritte Reich, den Krieg und dessen Ende, die DDR und die Wendezeit, während sie auf der Suche nach Heimat und einem Ort der Zugehörigkeit sind.
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Regie: Sebastian Brameshuber
Ein Roadmovie über die Schönheit und den Zauber alltäglicher Begegnungen: Bobby fährt immer wieder dieselbe Strecke zwischen Wien und Salzburg. Er nimmt Menschen mit, eigentlich um Benzinkosten zu sparen. Gemeinsam teilen sie ein Stück Weg und für einen kurzen Moment auch ihr Leben. Im Auto kommen sie ins Gespräch über Liebe und Krieg, Familie und Erinnerung, Herkunft und Zukunft. Ein junger Soldat, ein Supermarktlehrling, ein Wissenschaftler, eine queere Frau kurz vor ihrer Hochzeit – flüchtige Augenblicke, aus denen ein Mosaik der Gegenwart entsteht. Auch Bobby erzählt: von seinem Leben, vom Älterwerden und von einem Freund, der in Salzburg im Koma liegt – der Grund für seine Fahrten. Während draußen Berge, Wälder und Brücken vorbeiziehen, verändert sich mit den Jahreszeiten das Licht. Bobby fährt weiter, aber in eine andere Richtung…
LONDON ist ein leiser, tröstlicher Film zwischen Dokumentarischem und Fiktion. Die Autobahn wird zum Ort der Begegnung, an dem Fremde einander zuhören und unsere Gegenwart für einen Augenblick erfahrbar wird. In beunruhigenden Zeiten erzählt der Film von der Möglichkeit, dass Nähe und Solidarität dort entstehen, wo Menschen ein Stück des Weges miteinander zurücklegen.
„In einer Zeit, in der Trennendes in den Vordergrund gerückt ist, wollte ich einen Film machen, der betont, was wir gemeinsam haben.“(Sebastian Brameshuber)
epd film 4/5 Sterne “Bobby Sommer ist das zentrale Kraftfeld des Films. Er bewegt Menschen dazu, sich zu öffnen. Der Wehrdienstleistende Paul äußert Zweifel an einem möglichen Kriegseinsatz. In den Dialogen gibt auch Bobby viel von sich preis: von seiner Zeit in London, der Rückkehr als langhaariger Gammler (in den Augen seines Vaters), der Vergangenheit als Musiker und der Begeisterung für Orson Welles und dessen Film »Der dritte Mann«. Mit dem Alter kommen Akzeptanz und Gelassenheit, versichert Bobby einer queeren Aktivistin aus dem ehemaligen Jugoslawien. Aber: »This is not endless, you know, this life.«“ https://www.epd-film.de/filmkritiken/london
critic.de “Dennoch hat der Film insgesamt etwas Tröstliches, fast Utopisches. Dabei sind in ihm all die Konflikte und Bruchlinien, die uns im diskursiven Alltag umgeben, enthalten. Es geht in den Gesprächen im Auto – mal direkt, mal indirekt, im Ungesagten – um Migration, um wirtschaftliche Zwänge, um alte und neue Kriege, um die Last der […] klobigen nationalsozialistischen Vergangenheit und so weiter. Es geht um all dies, außerdem – nicht im Abstrakten, sondern vermittelt über individuelle Lebenswege – über ein jeweils einzigartiges Leben, Lieben, Sterben.“ https://www.critic.de/film/london-19962/
Perlentaucher “Es macht Spaß zuzuschauen, wie allein durch Sprache Nichtanwesendes wuchtig präsent wird, wie etwa ein verdruckster Lehrlingsjunge die üppige Auslage der Wursttheke seines Lehrbetriebs reproduziert oder ein Amerikaner (der Filmemacher Ted Fendt) Bobby von den landschafts- und blickformenden Ambitionen des nationalsozialistischen Autobahnbaus berichtet: “Das was wir sehen, sehen wir, weil die Nazis wollten, dass wir es sehen.” Ein Film voller schöner Sätze – und doch ohne jeglichen Willen zu Weisheit und Ratgebertum.“ https://www.perlentaucher.de/im-kino/filmkritik-zu-london-von-sebastian-brameshuber.html
Kino-Zeit 4/5 Sterne “All dies geschieht in fast permanenter automobiler Bewegung, der Unort Autobahn, die Unzeit des Reisens als Bewegung von einem Ausgangspunkt zu einem Endziel wird zu einem Vakuum, einem Zwischenraum, einer Zwischenzeit, in der wahrhafte Begegnungen von Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft und Wesensart möglich sind. […] London ist ein Film, der von seinem Publikum ein gewisses Maß an Geduld einfordert und der gleichzeitig viel zu geben vermag für jene, die sich auf die scheinbare Monotonie einlassen, die sich wie die Passagiere im Film der Dauer ergeben, sich zurücklehnen und das Zuhören ebenso lernen wie das Sprechen und das sich Offenbaren.“ https://www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/london-2026
Eine berührende und zugleich heitere Paargeschichte voller Wortwitz, leiser Melancholie und zärtlicher Momente. Basierend auf dem gleichnamigen Bestseller von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder, der im August 2026 im Hanser Verlag neu aufgelegt wird, erzählen sie über zwei Menschen, die nach vier Jahrzehnten Jahren Ehe entdecken, dass es für Veränderungen nie zu spät ist.
Seit seiner Pensionierung meckert Harry nur noch rum, trinkt Weizenbier und pflegt seinen Rittersporn. Findet Lore. Sie klammert sich an ihren Job als Bibliothekarin, organisiert peinliche Lesungen und verehrt ihre Dichter wie Propheten. Findet Harry. Für ein altes Ehepaar reden die beiden erstaunlich viel – und meinen doch meistens etwas anderes. Als Tochter Julia zum dritten Mal heiraten will, ist der Streit programmiert und doch nur die Spitze des Eisbergs. In vierzig Jahren Ehe sammelt sich einiges an. Unter der Oberfläche brodelt es: unausgesprochene Fragen, alte Eifersucht, der Streit um Harrys Phlegma und um den Sinn eines Hochdruckreinigers. Während Harry seinen Garten hegt, träumt Lore von einem anderen Leben, von Reisen, von Aufbruch. Sie fühlt sich kraftlos und fragt sich immer dringlicher: War das schon alles? Welche Chancen hat sie verpasst? Ist es mit über sechzig zu spät für einen Neuanfang? Harry trinkt sein Bier, raucht, schweigt. Und bemerkt doch ihre Not. (Pandora)
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Ein eindrückliches Panorama des letzten Jahrhunderts deutscher Geschichte in einem Haus an einem märkischen See: Schauplatz für Geschichten und Lebenswege der wechselnden Besitzer und ihrer Schicksale, die miteinander verwoben und von monumentalen historischen Ereignissen geprägt sind. Die Bewohner erleben die Weimarer Republik, das Dritte Reich, den Krieg und dessen Ende, die DDR und die Wendezeit, während sie auf der Suche nach Heimat und einem Ort der Zugehörigkeit sind.
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Regie: Sebastian Brameshuber
Ein Roadmovie über die Schönheit und den Zauber alltäglicher Begegnungen: Bobby fährt immer wieder dieselbe Strecke zwischen Wien und Salzburg. Er nimmt Menschen mit, eigentlich um Benzinkosten zu sparen. Gemeinsam teilen sie ein Stück Weg und für einen kurzen Moment auch ihr Leben. Im Auto kommen sie ins Gespräch über Liebe und Krieg, Familie und Erinnerung, Herkunft und Zukunft. Ein junger Soldat, ein Supermarktlehrling, ein Wissenschaftler, eine queere Frau kurz vor ihrer Hochzeit – flüchtige Augenblicke, aus denen ein Mosaik der Gegenwart entsteht. Auch Bobby erzählt: von seinem Leben, vom Älterwerden und von einem Freund, der in Salzburg im Koma liegt – der Grund für seine Fahrten. Während draußen Berge, Wälder und Brücken vorbeiziehen, verändert sich mit den Jahreszeiten das Licht. Bobby fährt weiter, aber in eine andere Richtung…
LONDON ist ein leiser, tröstlicher Film zwischen Dokumentarischem und Fiktion. Die Autobahn wird zum Ort der Begegnung, an dem Fremde einander zuhören und unsere Gegenwart für einen Augenblick erfahrbar wird. In beunruhigenden Zeiten erzählt der Film von der Möglichkeit, dass Nähe und Solidarität dort entstehen, wo Menschen ein Stück des Weges miteinander zurücklegen.
„In einer Zeit, in der Trennendes in den Vordergrund gerückt ist, wollte ich einen Film machen, der betont, was wir gemeinsam haben.“(Sebastian Brameshuber)
epd film 4/5 Sterne “Bobby Sommer ist das zentrale Kraftfeld des Films. Er bewegt Menschen dazu, sich zu öffnen. Der Wehrdienstleistende Paul äußert Zweifel an einem möglichen Kriegseinsatz. In den Dialogen gibt auch Bobby viel von sich preis: von seiner Zeit in London, der Rückkehr als langhaariger Gammler (in den Augen seines Vaters), der Vergangenheit als Musiker und der Begeisterung für Orson Welles und dessen Film »Der dritte Mann«. Mit dem Alter kommen Akzeptanz und Gelassenheit, versichert Bobby einer queeren Aktivistin aus dem ehemaligen Jugoslawien. Aber: »This is not endless, you know, this life.«“ https://www.epd-film.de/filmkritiken/london
critic.de “Dennoch hat der Film insgesamt etwas Tröstliches, fast Utopisches. Dabei sind in ihm all die Konflikte und Bruchlinien, die uns im diskursiven Alltag umgeben, enthalten. Es geht in den Gesprächen im Auto – mal direkt, mal indirekt, im Ungesagten – um Migration, um wirtschaftliche Zwänge, um alte und neue Kriege, um die Last der […] klobigen nationalsozialistischen Vergangenheit und so weiter. Es geht um all dies, außerdem – nicht im Abstrakten, sondern vermittelt über individuelle Lebenswege – über ein jeweils einzigartiges Leben, Lieben, Sterben.“ https://www.critic.de/film/london-19962/
Perlentaucher “Es macht Spaß zuzuschauen, wie allein durch Sprache Nichtanwesendes wuchtig präsent wird, wie etwa ein verdruckster Lehrlingsjunge die üppige Auslage der Wursttheke seines Lehrbetriebs reproduziert oder ein Amerikaner (der Filmemacher Ted Fendt) Bobby von den landschafts- und blickformenden Ambitionen des nationalsozialistischen Autobahnbaus berichtet: “Das was wir sehen, sehen wir, weil die Nazis wollten, dass wir es sehen.” Ein Film voller schöner Sätze – und doch ohne jeglichen Willen zu Weisheit und Ratgebertum.“ https://www.perlentaucher.de/im-kino/filmkritik-zu-london-von-sebastian-brameshuber.html
Kino-Zeit 4/5 Sterne “All dies geschieht in fast permanenter automobiler Bewegung, der Unort Autobahn, die Unzeit des Reisens als Bewegung von einem Ausgangspunkt zu einem Endziel wird zu einem Vakuum, einem Zwischenraum, einer Zwischenzeit, in der wahrhafte Begegnungen von Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft und Wesensart möglich sind. […] London ist ein Film, der von seinem Publikum ein gewisses Maß an Geduld einfordert und der gleichzeitig viel zu geben vermag für jene, die sich auf die scheinbare Monotonie einlassen, die sich wie die Passagiere im Film der Dauer ergeben, sich zurücklehnen und das Zuhören ebenso lernen wie das Sprechen und das sich Offenbaren.“ https://www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/london-2026
Eine berührende und zugleich heitere Paargeschichte voller Wortwitz, leiser Melancholie und zärtlicher Momente. Basierend auf dem gleichnamigen Bestseller von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder, der im August 2026 im Hanser Verlag neu aufgelegt wird, erzählen sie über zwei Menschen, die nach vier Jahrzehnten Jahren Ehe entdecken, dass es für Veränderungen nie zu spät ist.
Seit seiner Pensionierung meckert Harry nur noch rum, trinkt Weizenbier und pflegt seinen Rittersporn. Findet Lore. Sie klammert sich an ihren Job als Bibliothekarin, organisiert peinliche Lesungen und verehrt ihre Dichter wie Propheten. Findet Harry. Für ein altes Ehepaar reden die beiden erstaunlich viel – und meinen doch meistens etwas anderes. Als Tochter Julia zum dritten Mal heiraten will, ist der Streit programmiert und doch nur die Spitze des Eisbergs. In vierzig Jahren Ehe sammelt sich einiges an. Unter der Oberfläche brodelt es: unausgesprochene Fragen, alte Eifersucht, der Streit um Harrys Phlegma und um den Sinn eines Hochdruckreinigers. Während Harry seinen Garten hegt, träumt Lore von einem anderen Leben, von Reisen, von Aufbruch. Sie fühlt sich kraftlos und fragt sich immer dringlicher: War das schon alles? Welche Chancen hat sie verpasst? Ist es mit über sechzig zu spät für einen Neuanfang? Harry trinkt sein Bier, raucht, schweigt. Und bemerkt doch ihre Not. (Pandora)
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Ein eindrückliches Panorama des letzten Jahrhunderts deutscher Geschichte in einem Haus an einem märkischen See: Schauplatz für Geschichten und Lebenswege der wechselnden Besitzer und ihrer Schicksale, die miteinander verwoben und von monumentalen historischen Ereignissen geprägt sind. Die Bewohner erleben die Weimarer Republik, das Dritte Reich, den Krieg und dessen Ende, die DDR und die Wendezeit, während sie auf der Suche nach Heimat und einem Ort der Zugehörigkeit sind.
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Österreich 2026, 122 min, Deutsch, tw. Englisch | Rumänisch mit deutschen UT
Regie: Sebastian Brameshuber
Ein Roadmovie über die Schönheit und den Zauber alltäglicher Begegnungen: Bobby fährt immer wieder dieselbe Strecke zwischen Wien und Salzburg. Er nimmt Menschen mit, eigentlich um Benzinkosten zu sparen. Gemeinsam teilen sie ein Stück Weg und für einen kurzen Moment auch ihr Leben. Im Auto kommen sie ins Gespräch über Liebe und Krieg, Familie und Erinnerung, Herkunft und Zukunft. Ein junger Soldat, ein Supermarktlehrling, ein Wissenschaftler, eine queere Frau kurz vor ihrer Hochzeit – flüchtige Augenblicke, aus denen ein Mosaik der Gegenwart entsteht. Auch Bobby erzählt: von seinem Leben, vom Älterwerden und von einem Freund, der in Salzburg im Koma liegt – der Grund für seine Fahrten. Während draußen Berge, Wälder und Brücken vorbeiziehen, verändert sich mit den Jahreszeiten das Licht. Bobby fährt weiter, aber in eine andere Richtung…
LONDON ist ein leiser, tröstlicher Film zwischen Dokumentarischem und Fiktion. Die Autobahn wird zum Ort der Begegnung, an dem Fremde einander zuhören und unsere Gegenwart für einen Augenblick erfahrbar wird. In beunruhigenden Zeiten erzählt der Film von der Möglichkeit, dass Nähe und Solidarität dort entstehen, wo Menschen ein Stück des Weges miteinander zurücklegen.
„In einer Zeit, in der Trennendes in den Vordergrund gerückt ist, wollte ich einen Film machen, der betont, was wir gemeinsam haben.“(Sebastian Brameshuber)
epd film 4/5 Sterne “Bobby Sommer ist das zentrale Kraftfeld des Films. Er bewegt Menschen dazu, sich zu öffnen. Der Wehrdienstleistende Paul äußert Zweifel an einem möglichen Kriegseinsatz. In den Dialogen gibt auch Bobby viel von sich preis: von seiner Zeit in London, der Rückkehr als langhaariger Gammler (in den Augen seines Vaters), der Vergangenheit als Musiker und der Begeisterung für Orson Welles und dessen Film »Der dritte Mann«. Mit dem Alter kommen Akzeptanz und Gelassenheit, versichert Bobby einer queeren Aktivistin aus dem ehemaligen Jugoslawien. Aber: »This is not endless, you know, this life.«“ https://www.epd-film.de/filmkritiken/london
critic.de “Dennoch hat der Film insgesamt etwas Tröstliches, fast Utopisches. Dabei sind in ihm all die Konflikte und Bruchlinien, die uns im diskursiven Alltag umgeben, enthalten. Es geht in den Gesprächen im Auto – mal direkt, mal indirekt, im Ungesagten – um Migration, um wirtschaftliche Zwänge, um alte und neue Kriege, um die Last der […] klobigen nationalsozialistischen Vergangenheit und so weiter. Es geht um all dies, außerdem – nicht im Abstrakten, sondern vermittelt über individuelle Lebenswege – über ein jeweils einzigartiges Leben, Lieben, Sterben.“ https://www.critic.de/film/london-19962/
Perlentaucher “Es macht Spaß zuzuschauen, wie allein durch Sprache Nichtanwesendes wuchtig präsent wird, wie etwa ein verdruckster Lehrlingsjunge die üppige Auslage der Wursttheke seines Lehrbetriebs reproduziert oder ein Amerikaner (der Filmemacher Ted Fendt) Bobby von den landschafts- und blickformenden Ambitionen des nationalsozialistischen Autobahnbaus berichtet: “Das was wir sehen, sehen wir, weil die Nazis wollten, dass wir es sehen.” Ein Film voller schöner Sätze – und doch ohne jeglichen Willen zu Weisheit und Ratgebertum.“ https://www.perlentaucher.de/im-kino/filmkritik-zu-london-von-sebastian-brameshuber.html
Kino-Zeit 4/5 Sterne “All dies geschieht in fast permanenter automobiler Bewegung, der Unort Autobahn, die Unzeit des Reisens als Bewegung von einem Ausgangspunkt zu einem Endziel wird zu einem Vakuum, einem Zwischenraum, einer Zwischenzeit, in der wahrhafte Begegnungen von Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft und Wesensart möglich sind. […] London ist ein Film, der von seinem Publikum ein gewisses Maß an Geduld einfordert und der gleichzeitig viel zu geben vermag für jene, die sich auf die scheinbare Monotonie einlassen, die sich wie die Passagiere im Film der Dauer ergeben, sich zurücklehnen und das Zuhören ebenso lernen wie das Sprechen und das sich Offenbaren.“ https://www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/london-2026
Eine berührende und zugleich heitere Paargeschichte voller Wortwitz, leiser Melancholie und zärtlicher Momente. Basierend auf dem gleichnamigen Bestseller von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder, der im August 2026 im Hanser Verlag neu aufgelegt wird, erzählen sie über zwei Menschen, die nach vier Jahrzehnten Jahren Ehe entdecken, dass es für Veränderungen nie zu spät ist.
Seit seiner Pensionierung meckert Harry nur noch rum, trinkt Weizenbier und pflegt seinen Rittersporn. Findet Lore. Sie klammert sich an ihren Job als Bibliothekarin, organisiert peinliche Lesungen und verehrt ihre Dichter wie Propheten. Findet Harry. Für ein altes Ehepaar reden die beiden erstaunlich viel – und meinen doch meistens etwas anderes. Als Tochter Julia zum dritten Mal heiraten will, ist der Streit programmiert und doch nur die Spitze des Eisbergs. In vierzig Jahren Ehe sammelt sich einiges an. Unter der Oberfläche brodelt es: unausgesprochene Fragen, alte Eifersucht, der Streit um Harrys Phlegma und um den Sinn eines Hochdruckreinigers. Während Harry seinen Garten hegt, träumt Lore von einem anderen Leben, von Reisen, von Aufbruch. Sie fühlt sich kraftlos und fragt sich immer dringlicher: War das schon alles? Welche Chancen hat sie verpasst? Ist es mit über sechzig zu spät für einen Neuanfang? Harry trinkt sein Bier, raucht, schweigt. Und bemerkt doch ihre Not. (Pandora)
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Ein eindrückliches Panorama des letzten Jahrhunderts deutscher Geschichte in einem Haus an einem märkischen See: Schauplatz für Geschichten und Lebenswege der wechselnden Besitzer und ihrer Schicksale, die miteinander verwoben und von monumentalen historischen Ereignissen geprägt sind. Die Bewohner erleben die Weimarer Republik, das Dritte Reich, den Krieg und dessen Ende, die DDR und die Wendezeit, während sie auf der Suche nach Heimat und einem Ort der Zugehörigkeit sind.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Österreich 2026, 122 min, Deutsch, tw. Englisch | Rumänisch mit deutschen UT
Regie: Sebastian Brameshuber
Ein Roadmovie über die Schönheit und den Zauber alltäglicher Begegnungen: Bobby fährt immer wieder dieselbe Strecke zwischen Wien und Salzburg. Er nimmt Menschen mit, eigentlich um Benzinkosten zu sparen. Gemeinsam teilen sie ein Stück Weg und für einen kurzen Moment auch ihr Leben. Im Auto kommen sie ins Gespräch über Liebe und Krieg, Familie und Erinnerung, Herkunft und Zukunft. Ein junger Soldat, ein Supermarktlehrling, ein Wissenschaftler, eine queere Frau kurz vor ihrer Hochzeit – flüchtige Augenblicke, aus denen ein Mosaik der Gegenwart entsteht. Auch Bobby erzählt: von seinem Leben, vom Älterwerden und von einem Freund, der in Salzburg im Koma liegt – der Grund für seine Fahrten. Während draußen Berge, Wälder und Brücken vorbeiziehen, verändert sich mit den Jahreszeiten das Licht. Bobby fährt weiter, aber in eine andere Richtung…
LONDON ist ein leiser, tröstlicher Film zwischen Dokumentarischem und Fiktion. Die Autobahn wird zum Ort der Begegnung, an dem Fremde einander zuhören und unsere Gegenwart für einen Augenblick erfahrbar wird. In beunruhigenden Zeiten erzählt der Film von der Möglichkeit, dass Nähe und Solidarität dort entstehen, wo Menschen ein Stück des Weges miteinander zurücklegen.
„In einer Zeit, in der Trennendes in den Vordergrund gerückt ist, wollte ich einen Film machen, der betont, was wir gemeinsam haben.“(Sebastian Brameshuber)
epd film 4/5 Sterne “Bobby Sommer ist das zentrale Kraftfeld des Films. Er bewegt Menschen dazu, sich zu öffnen. Der Wehrdienstleistende Paul äußert Zweifel an einem möglichen Kriegseinsatz. In den Dialogen gibt auch Bobby viel von sich preis: von seiner Zeit in London, der Rückkehr als langhaariger Gammler (in den Augen seines Vaters), der Vergangenheit als Musiker und der Begeisterung für Orson Welles und dessen Film »Der dritte Mann«. Mit dem Alter kommen Akzeptanz und Gelassenheit, versichert Bobby einer queeren Aktivistin aus dem ehemaligen Jugoslawien. Aber: »This is not endless, you know, this life.«“ https://www.epd-film.de/filmkritiken/london
critic.de “Dennoch hat der Film insgesamt etwas Tröstliches, fast Utopisches. Dabei sind in ihm all die Konflikte und Bruchlinien, die uns im diskursiven Alltag umgeben, enthalten. Es geht in den Gesprächen im Auto – mal direkt, mal indirekt, im Ungesagten – um Migration, um wirtschaftliche Zwänge, um alte und neue Kriege, um die Last der […] klobigen nationalsozialistischen Vergangenheit und so weiter. Es geht um all dies, außerdem – nicht im Abstrakten, sondern vermittelt über individuelle Lebenswege – über ein jeweils einzigartiges Leben, Lieben, Sterben.“ https://www.critic.de/film/london-19962/
Perlentaucher “Es macht Spaß zuzuschauen, wie allein durch Sprache Nichtanwesendes wuchtig präsent wird, wie etwa ein verdruckster Lehrlingsjunge die üppige Auslage der Wursttheke seines Lehrbetriebs reproduziert oder ein Amerikaner (der Filmemacher Ted Fendt) Bobby von den landschafts- und blickformenden Ambitionen des nationalsozialistischen Autobahnbaus berichtet: “Das was wir sehen, sehen wir, weil die Nazis wollten, dass wir es sehen.” Ein Film voller schöner Sätze – und doch ohne jeglichen Willen zu Weisheit und Ratgebertum.“ https://www.perlentaucher.de/im-kino/filmkritik-zu-london-von-sebastian-brameshuber.html
Kino-Zeit 4/5 Sterne “All dies geschieht in fast permanenter automobiler Bewegung, der Unort Autobahn, die Unzeit des Reisens als Bewegung von einem Ausgangspunkt zu einem Endziel wird zu einem Vakuum, einem Zwischenraum, einer Zwischenzeit, in der wahrhafte Begegnungen von Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft und Wesensart möglich sind. […] London ist ein Film, der von seinem Publikum ein gewisses Maß an Geduld einfordert und der gleichzeitig viel zu geben vermag für jene, die sich auf die scheinbare Monotonie einlassen, die sich wie die Passagiere im Film der Dauer ergeben, sich zurücklehnen und das Zuhören ebenso lernen wie das Sprechen und das sich Offenbaren.“ https://www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/london-2026
Eine berührende und zugleich heitere Paargeschichte voller Wortwitz, leiser Melancholie und zärtlicher Momente. Basierend auf dem gleichnamigen Bestseller von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder, der im August 2026 im Hanser Verlag neu aufgelegt wird, erzählen sie über zwei Menschen, die nach vier Jahrzehnten Jahren Ehe entdecken, dass es für Veränderungen nie zu spät ist.
Seit seiner Pensionierung meckert Harry nur noch rum, trinkt Weizenbier und pflegt seinen Rittersporn. Findet Lore. Sie klammert sich an ihren Job als Bibliothekarin, organisiert peinliche Lesungen und verehrt ihre Dichter wie Propheten. Findet Harry. Für ein altes Ehepaar reden die beiden erstaunlich viel – und meinen doch meistens etwas anderes. Als Tochter Julia zum dritten Mal heiraten will, ist der Streit programmiert und doch nur die Spitze des Eisbergs. In vierzig Jahren Ehe sammelt sich einiges an. Unter der Oberfläche brodelt es: unausgesprochene Fragen, alte Eifersucht, der Streit um Harrys Phlegma und um den Sinn eines Hochdruckreinigers. Während Harry seinen Garten hegt, träumt Lore von einem anderen Leben, von Reisen, von Aufbruch. Sie fühlt sich kraftlos und fragt sich immer dringlicher: War das schon alles? Welche Chancen hat sie verpasst? Ist es mit über sechzig zu spät für einen Neuanfang? Harry trinkt sein Bier, raucht, schweigt. Und bemerkt doch ihre Not. (Pandora)
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Ein eindrückliches Panorama des letzten Jahrhunderts deutscher Geschichte in einem Haus an einem märkischen See: Schauplatz für Geschichten und Lebenswege der wechselnden Besitzer und ihrer Schicksale, die miteinander verwoben und von monumentalen historischen Ereignissen geprägt sind. Die Bewohner erleben die Weimarer Republik, das Dritte Reich, den Krieg und dessen Ende, die DDR und die Wendezeit, während sie auf der Suche nach Heimat und einem Ort der Zugehörigkeit sind.
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Eine abenteuerliche Schnitzeljagd durch Wiens morbide Schauplätze, opulente Kostüme und spektakuläre Kino-Bilder von Kameramann Martin Gschlacht. Ein exzentrischer Tanz der Vampire im Dreivierteltakt.
Zwischen Irr-Sinn und Aber-Witz: DIE BLUTGRÄFIN von Kultregisseurin Ulrike Ottinger ist die Mutter aller Kinofeste, ein groteskes Gelage grandioser Grande Dames, die nach dem roten Elixier des Lebens streben und auf der Umlaufbahn der Deutungen absolut uneinholbar sind. Ein exzellentes, spielfreudiges Ensemble in einer federleichten Vampirkomödie, die schon jetzt unsterblich ist.
“…Ottinger findet souverän jene Tonlage zwischen queerem Spektakel, heidnischem Bildersturm und Hochkultur-Persiflage, die immer schon einen wichtigen Strang in ihrem großen und beeindruckenden Werk ausgemacht hat. Elfriede Jelinek hat ihr aus Freundschaft bei den Dialogen ein wenig unter den Schreibarm gegriffen und damit einige großartige Details zu einem Film beigesteuert, den man nicht zuletzt als eine Urkunde der Verbundenheit dieser beiden so unterschiedlichen Städte Berlin und Wien sehen kann.“(Bert Rebhandl, tipBerlin)
Eine berührende und zugleich heitere Paargeschichte voller Wortwitz, leiser Melancholie und zärtlicher Momente. Basierend auf dem gleichnamigen Bestseller von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder, der im August 2026 im Hanser Verlag neu aufgelegt wird, erzählen sie über zwei Menschen, die nach vier Jahrzehnten Jahren Ehe entdecken, dass es für Veränderungen nie zu spät ist.
Seit seiner Pensionierung meckert Harry nur noch rum, trinkt Weizenbier und pflegt seinen Rittersporn. Findet Lore. Sie klammert sich an ihren Job als Bibliothekarin, organisiert peinliche Lesungen und verehrt ihre Dichter wie Propheten. Findet Harry. Für ein altes Ehepaar reden die beiden erstaunlich viel – und meinen doch meistens etwas anderes. Als Tochter Julia zum dritten Mal heiraten will, ist der Streit programmiert und doch nur die Spitze des Eisbergs. In vierzig Jahren Ehe sammelt sich einiges an. Unter der Oberfläche brodelt es: unausgesprochene Fragen, alte Eifersucht, der Streit um Harrys Phlegma und um den Sinn eines Hochdruckreinigers. Während Harry seinen Garten hegt, träumt Lore von einem anderen Leben, von Reisen, von Aufbruch. Sie fühlt sich kraftlos und fragt sich immer dringlicher: War das schon alles? Welche Chancen hat sie verpasst? Ist es mit über sechzig zu spät für einen Neuanfang? Harry trinkt sein Bier, raucht, schweigt. Und bemerkt doch ihre Not. (Pandora)
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Ein eindrückliches Panorama des letzten Jahrhunderts deutscher Geschichte in einem Haus an einem märkischen See: Schauplatz für Geschichten und Lebenswege der wechselnden Besitzer und ihrer Schicksale, die miteinander verwoben und von monumentalen historischen Ereignissen geprägt sind. Die Bewohner erleben die Weimarer Republik, das Dritte Reich, den Krieg und dessen Ende, die DDR und die Wendezeit, während sie auf der Suche nach Heimat und einem Ort der Zugehörigkeit sind.
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Eine abenteuerliche Schnitzeljagd durch Wiens morbide Schauplätze, opulente Kostüme und spektakuläre Kino-Bilder von Kameramann Martin Gschlacht. Ein exzentrischer Tanz der Vampire im Dreivierteltakt.
Zwischen Irr-Sinn und Aber-Witz: DIE BLUTGRÄFIN von Kultregisseurin Ulrike Ottinger ist die Mutter aller Kinofeste, ein groteskes Gelage grandioser Grande Dames, die nach dem roten Elixier des Lebens streben und auf der Umlaufbahn der Deutungen absolut uneinholbar sind. Ein exzellentes, spielfreudiges Ensemble in einer federleichten Vampirkomödie, die schon jetzt unsterblich ist.
“…Ottinger findet souverän jene Tonlage zwischen queerem Spektakel, heidnischem Bildersturm und Hochkultur-Persiflage, die immer schon einen wichtigen Strang in ihrem großen und beeindruckenden Werk ausgemacht hat. Elfriede Jelinek hat ihr aus Freundschaft bei den Dialogen ein wenig unter den Schreibarm gegriffen und damit einige großartige Details zu einem Film beigesteuert, den man nicht zuletzt als eine Urkunde der Verbundenheit dieser beiden so unterschiedlichen Städte Berlin und Wien sehen kann.“(Bert Rebhandl, tipBerlin)
Eine berührende und zugleich heitere Paargeschichte voller Wortwitz, leiser Melancholie und zärtlicher Momente. Basierend auf dem gleichnamigen Bestseller von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder, der im August 2026 im Hanser Verlag neu aufgelegt wird, erzählen sie über zwei Menschen, die nach vier Jahrzehnten Jahren Ehe entdecken, dass es für Veränderungen nie zu spät ist.
Seit seiner Pensionierung meckert Harry nur noch rum, trinkt Weizenbier und pflegt seinen Rittersporn. Findet Lore. Sie klammert sich an ihren Job als Bibliothekarin, organisiert peinliche Lesungen und verehrt ihre Dichter wie Propheten. Findet Harry. Für ein altes Ehepaar reden die beiden erstaunlich viel – und meinen doch meistens etwas anderes. Als Tochter Julia zum dritten Mal heiraten will, ist der Streit programmiert und doch nur die Spitze des Eisbergs. In vierzig Jahren Ehe sammelt sich einiges an. Unter der Oberfläche brodelt es: unausgesprochene Fragen, alte Eifersucht, der Streit um Harrys Phlegma und um den Sinn eines Hochdruckreinigers. Während Harry seinen Garten hegt, träumt Lore von einem anderen Leben, von Reisen, von Aufbruch. Sie fühlt sich kraftlos und fragt sich immer dringlicher: War das schon alles? Welche Chancen hat sie verpasst? Ist es mit über sechzig zu spät für einen Neuanfang? Harry trinkt sein Bier, raucht, schweigt. Und bemerkt doch ihre Not. (Pandora)
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Ein eindrückliches Panorama des letzten Jahrhunderts deutscher Geschichte in einem Haus an einem märkischen See: Schauplatz für Geschichten und Lebenswege der wechselnden Besitzer und ihrer Schicksale, die miteinander verwoben und von monumentalen historischen Ereignissen geprägt sind. Die Bewohner erleben die Weimarer Republik, das Dritte Reich, den Krieg und dessen Ende, die DDR und die Wendezeit, während sie auf der Suche nach Heimat und einem Ort der Zugehörigkeit sind.
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Eine abenteuerliche Schnitzeljagd durch Wiens morbide Schauplätze, opulente Kostüme und spektakuläre Kino-Bilder von Kameramann Martin Gschlacht. Ein exzentrischer Tanz der Vampire im Dreivierteltakt.
Zwischen Irr-Sinn und Aber-Witz: DIE BLUTGRÄFIN von Kultregisseurin Ulrike Ottinger ist die Mutter aller Kinofeste, ein groteskes Gelage grandioser Grande Dames, die nach dem roten Elixier des Lebens streben und auf der Umlaufbahn der Deutungen absolut uneinholbar sind. Ein exzellentes, spielfreudiges Ensemble in einer federleichten Vampirkomödie, die schon jetzt unsterblich ist.
“…Ottinger findet souverän jene Tonlage zwischen queerem Spektakel, heidnischem Bildersturm und Hochkultur-Persiflage, die immer schon einen wichtigen Strang in ihrem großen und beeindruckenden Werk ausgemacht hat. Elfriede Jelinek hat ihr aus Freundschaft bei den Dialogen ein wenig unter den Schreibarm gegriffen und damit einige großartige Details zu einem Film beigesteuert, den man nicht zuletzt als eine Urkunde der Verbundenheit dieser beiden so unterschiedlichen Städte Berlin und Wien sehen kann.“(Bert Rebhandl, tipBerlin)
So. 01.11.
15:00 Uhr
Das geträumte Abenteuer (Мечтаното приключение)
D/ F/ BG/ AT 2026, 164 min, Bulgarisch mit deutschen UT
Regie: Valeska Grisebach
Die Archäologin Veska ist für ein Ausgrabungsprojekt in ihre Heimatstadt Svilengrad zurückgekehrt, in die Grenzregion zwischen Bulgarien, Griechenland und der Türkei. Überraschend trifft sie auf Said, einen alten Bekannten aus den Rhodopen, den undurchsichtige Geschäfte nach Svilengrad geführt haben. Saids Auto ist gestohlen worden, und Veska lädt ihn ein, den Tag mit ihr auf der Ausgrabungsstätte zu verbringen. Es ist ein glücklicher Tag voller Vertrautheit, ein Tag wie ein Versprechen. Am nächsten Morgen ist Said verschwunden. Veska folgt den Spuren Saids und dringt dabei immer tiefer in die verborgenen Schichten und Verhältnisse der Stadt und ihrer Menschen vor – Geschichten aus der Zeit des großen Umbruchs in den 90er Jahren, von Freiheit und geplatzten Träumen, Gewalt und schnellem Geld. Was hat Said mit Iliya zu tun, dem mächtigen Mann im Hintergrund, bei dem alle Fäden zusammenzulaufen scheinen? Veska ist gezwungen, sich ihren eigenen Erinnerungen zu stellen. Unterstützt von ihren Freundinnen und Freunden aus Svilengrad, beginnt sie, ihre eigene Geschichte zu schreiben.
„‘Show, don’t tell‘ lautet ein viel zitierter Grundsatz des Filmemachens und irgendwie vollbringt Valeska Grisebach das Kunststück, das bei ihr Zeigen und Erzählen ein und dasselbe ist. In dieser Hinsicht ist DAS GETRÄUMTE ABENTEUER der perfekte Film. Keine Szene in den knapp unter drei Stunden Laufzeit ist überflüssig, es gibt keine Einstellung oder Dialogzeile, die nicht behutsam immer mehr Nuancen des Lebens bei Svilengrad und von Veskas eigener Vergangenheit freilegt, ohne dabei je gewollt oder überladen zu wirken. Manchmal geht das mit Veskas Angriffslust einher, manchmal mit hintergründigem Humor, aber immer mit ungebremster Neugier auf die Geschichten, die an diesem Ort nicht einmal vergraben, sondern für jeden, der hinsehen will, offen sichtbar auf der Erde liegen.“ (Katrin Doerksen, kino-zeit.de)
Ein eindrückliches Panorama des letzten Jahrhunderts deutscher Geschichte in einem Haus an einem märkischen See: Schauplatz für Geschichten und Lebenswege der wechselnden Besitzer und ihrer Schicksale, die miteinander verwoben und von monumentalen historischen Ereignissen geprägt sind. Die Bewohner erleben die Weimarer Republik, das Dritte Reich, den Krieg und dessen Ende, die DDR und die Wendezeit, während sie auf der Suche nach Heimat und einem Ort der Zugehörigkeit sind.
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Eine abenteuerliche Schnitzeljagd durch Wiens morbide Schauplätze, opulente Kostüme und spektakuläre Kino-Bilder von Kameramann Martin Gschlacht. Ein exzentrischer Tanz der Vampire im Dreivierteltakt.
Zwischen Irr-Sinn und Aber-Witz: DIE BLUTGRÄFIN von Kultregisseurin Ulrike Ottinger ist die Mutter aller Kinofeste, ein groteskes Gelage grandioser Grande Dames, die nach dem roten Elixier des Lebens streben und auf der Umlaufbahn der Deutungen absolut uneinholbar sind. Ein exzellentes, spielfreudiges Ensemble in einer federleichten Vampirkomödie, die schon jetzt unsterblich ist.
“…Ottinger findet souverän jene Tonlage zwischen queerem Spektakel, heidnischem Bildersturm und Hochkultur-Persiflage, die immer schon einen wichtigen Strang in ihrem großen und beeindruckenden Werk ausgemacht hat. Elfriede Jelinek hat ihr aus Freundschaft bei den Dialogen ein wenig unter den Schreibarm gegriffen und damit einige großartige Details zu einem Film beigesteuert, den man nicht zuletzt als eine Urkunde der Verbundenheit dieser beiden so unterschiedlichen Städte Berlin und Wien sehen kann.“(Bert Rebhandl, tipBerlin)
Deutschland 2026, 102 min, Deutsch | Ukrainisch mit deutschen UT
Regie: Mykyta Gibalenko
Als Vitaly (22) seine Mutter und Schwester in der Ukraine zurücklässt, träumt er von einem neuen Leben als Student in München. Am 24.02.2022 platzt dieser Traum. Innerhalb von einer Nacht stehen plötzlich zwei harte Realitäten vor seiner Tür: die politische Weltlage und die eigene Familie.
„Faszinierend an CAMOUFLAGE ist nicht zuletzt, wie eindringlich Gibalenko beim filmischen Abtasten dieser Zerreißprobe mit Sprache arbeitet – und zwar sowohl mit der gesprochenen Sprache als auch mit Körpersprache und Gesten. Dabei geht es nie nur um Inhalte, sondern um Sprache in ihrer ganzen Sinnlichkeit, mit der man sich ausdrückt, die sich aber auch in einen eindrückt, ins Denken, Fühlen und Sein. Die Kameraarbeit und Montage sind ruhig und geben dem exzellenten Hauptdarsteller Arthur Aliiev und seinen Mitspielerinnen den nötigen Raum, um die vielen Nuancen, Schwierigkeiten und Schönheiten der Kommunikation ihrer Figuren miteinander und mit ihrer Umwelt zu entfalten.
Als eine Art Leitmotiv fungieren Vögel. Nicht nur in den Vokabeln, mit denen Vitaly die deutsche Sprache lernt (‚Gans – Gänse‘, ‚Schwalbe – Schwalben‘), oder in dem Zungenbrecher, mit dem er die Aussprache trainiert. Vögel tauchen auch sonst immer wieder auf, etwa in einer Theaterperformance, an der Vitaly in München mitwirkt und die sich an Aristophanes’ Die Vögel abzuarbeiten scheint. Als fliegende Kreaturen, die nicht an den Erdboden oder Grenzen gebunden sind, spiegeln sie Vitalys Sehnsucht nach Freiheit und Neuaufbruch, die ihn aus der Wohnung der Mutter fort und nach München getrieben hat. Aber auch das Verletzliche seiner Identität, die ‚zugvogelhaft‘ zwischen zwei Welten ausgespannt ist und vom Krieg wie von einem scharfen Wind aus der Bahn geworfen zu werden droht, klingt in dem Motiv an. Ein erster filmischer Höhenflug ist Mykyta Gibalenko damit allemal gelungen.“(Felicitas Kleiner, filmdienst.de)
Eine abenteuerliche Schnitzeljagd durch Wiens morbide Schauplätze, opulente Kostüme und spektakuläre Kino-Bilder von Kameramann Martin Gschlacht. Ein exzentrischer Tanz der Vampire im Dreivierteltakt.
Zwischen Irr-Sinn und Aber-Witz: DIE BLUTGRÄFIN von Kultregisseurin Ulrike Ottinger ist die Mutter aller Kinofeste, ein groteskes Gelage grandioser Grande Dames, die nach dem roten Elixier des Lebens streben und auf der Umlaufbahn der Deutungen absolut uneinholbar sind. Ein exzellentes, spielfreudiges Ensemble in einer federleichten Vampirkomödie, die schon jetzt unsterblich ist.
“…Ottinger findet souverän jene Tonlage zwischen queerem Spektakel, heidnischem Bildersturm und Hochkultur-Persiflage, die immer schon einen wichtigen Strang in ihrem großen und beeindruckenden Werk ausgemacht hat. Elfriede Jelinek hat ihr aus Freundschaft bei den Dialogen ein wenig unter den Schreibarm gegriffen und damit einige großartige Details zu einem Film beigesteuert, den man nicht zuletzt als eine Urkunde der Verbundenheit dieser beiden so unterschiedlichen Städte Berlin und Wien sehen kann.“(Bert Rebhandl, tipBerlin)
Ein eindrückliches Panorama des letzten Jahrhunderts deutscher Geschichte in einem Haus an einem märkischen See: Schauplatz für Geschichten und Lebenswege der wechselnden Besitzer und ihrer Schicksale, die miteinander verwoben und von monumentalen historischen Ereignissen geprägt sind. Die Bewohner erleben die Weimarer Republik, das Dritte Reich, den Krieg und dessen Ende, die DDR und die Wendezeit, während sie auf der Suche nach Heimat und einem Ort der Zugehörigkeit sind.
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Deutschland 2026, 102 min, Deutsch | Ukrainisch mit deutschen UT
Regie: Mykyta Gibalenko
Als Vitaly (22) seine Mutter und Schwester in der Ukraine zurücklässt, träumt er von einem neuen Leben als Student in München. Am 24.02.2022 platzt dieser Traum. Innerhalb von einer Nacht stehen plötzlich zwei harte Realitäten vor seiner Tür: die politische Weltlage und die eigene Familie.
„Faszinierend an CAMOUFLAGE ist nicht zuletzt, wie eindringlich Gibalenko beim filmischen Abtasten dieser Zerreißprobe mit Sprache arbeitet – und zwar sowohl mit der gesprochenen Sprache als auch mit Körpersprache und Gesten. Dabei geht es nie nur um Inhalte, sondern um Sprache in ihrer ganzen Sinnlichkeit, mit der man sich ausdrückt, die sich aber auch in einen eindrückt, ins Denken, Fühlen und Sein. Die Kameraarbeit und Montage sind ruhig und geben dem exzellenten Hauptdarsteller Arthur Aliiev und seinen Mitspielerinnen den nötigen Raum, um die vielen Nuancen, Schwierigkeiten und Schönheiten der Kommunikation ihrer Figuren miteinander und mit ihrer Umwelt zu entfalten.
Als eine Art Leitmotiv fungieren Vögel. Nicht nur in den Vokabeln, mit denen Vitaly die deutsche Sprache lernt (‚Gans – Gänse‘, ‚Schwalbe – Schwalben‘), oder in dem Zungenbrecher, mit dem er die Aussprache trainiert. Vögel tauchen auch sonst immer wieder auf, etwa in einer Theaterperformance, an der Vitaly in München mitwirkt und die sich an Aristophanes’ Die Vögel abzuarbeiten scheint. Als fliegende Kreaturen, die nicht an den Erdboden oder Grenzen gebunden sind, spiegeln sie Vitalys Sehnsucht nach Freiheit und Neuaufbruch, die ihn aus der Wohnung der Mutter fort und nach München getrieben hat. Aber auch das Verletzliche seiner Identität, die ‚zugvogelhaft‘ zwischen zwei Welten ausgespannt ist und vom Krieg wie von einem scharfen Wind aus der Bahn geworfen zu werden droht, klingt in dem Motiv an. Ein erster filmischer Höhenflug ist Mykyta Gibalenko damit allemal gelungen.“(Felicitas Kleiner, filmdienst.de)
Eine abenteuerliche Schnitzeljagd durch Wiens morbide Schauplätze, opulente Kostüme und spektakuläre Kino-Bilder von Kameramann Martin Gschlacht. Ein exzentrischer Tanz der Vampire im Dreivierteltakt.
Zwischen Irr-Sinn und Aber-Witz: DIE BLUTGRÄFIN von Kultregisseurin Ulrike Ottinger ist die Mutter aller Kinofeste, ein groteskes Gelage grandioser Grande Dames, die nach dem roten Elixier des Lebens streben und auf der Umlaufbahn der Deutungen absolut uneinholbar sind. Ein exzellentes, spielfreudiges Ensemble in einer federleichten Vampirkomödie, die schon jetzt unsterblich ist.
“…Ottinger findet souverän jene Tonlage zwischen queerem Spektakel, heidnischem Bildersturm und Hochkultur-Persiflage, die immer schon einen wichtigen Strang in ihrem großen und beeindruckenden Werk ausgemacht hat. Elfriede Jelinek hat ihr aus Freundschaft bei den Dialogen ein wenig unter den Schreibarm gegriffen und damit einige großartige Details zu einem Film beigesteuert, den man nicht zuletzt als eine Urkunde der Verbundenheit dieser beiden so unterschiedlichen Städte Berlin und Wien sehen kann.“(Bert Rebhandl, tipBerlin)
Ein eindrückliches Panorama des letzten Jahrhunderts deutscher Geschichte in einem Haus an einem märkischen See: Schauplatz für Geschichten und Lebenswege der wechselnden Besitzer und ihrer Schicksale, die miteinander verwoben und von monumentalen historischen Ereignissen geprägt sind. Die Bewohner erleben die Weimarer Republik, das Dritte Reich, den Krieg und dessen Ende, die DDR und die Wendezeit, während sie auf der Suche nach Heimat und einem Ort der Zugehörigkeit sind.
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Deutschland 2026, 102 min, Deutsch | Ukrainisch mit deutschen UT
Regie: Mykyta Gibalenko
Als Vitaly (22) seine Mutter und Schwester in der Ukraine zurücklässt, träumt er von einem neuen Leben als Student in München. Am 24.02.2022 platzt dieser Traum. Innerhalb von einer Nacht stehen plötzlich zwei harte Realitäten vor seiner Tür: die politische Weltlage und die eigene Familie.
„Faszinierend an CAMOUFLAGE ist nicht zuletzt, wie eindringlich Gibalenko beim filmischen Abtasten dieser Zerreißprobe mit Sprache arbeitet – und zwar sowohl mit der gesprochenen Sprache als auch mit Körpersprache und Gesten. Dabei geht es nie nur um Inhalte, sondern um Sprache in ihrer ganzen Sinnlichkeit, mit der man sich ausdrückt, die sich aber auch in einen eindrückt, ins Denken, Fühlen und Sein. Die Kameraarbeit und Montage sind ruhig und geben dem exzellenten Hauptdarsteller Arthur Aliiev und seinen Mitspielerinnen den nötigen Raum, um die vielen Nuancen, Schwierigkeiten und Schönheiten der Kommunikation ihrer Figuren miteinander und mit ihrer Umwelt zu entfalten.
Als eine Art Leitmotiv fungieren Vögel. Nicht nur in den Vokabeln, mit denen Vitaly die deutsche Sprache lernt (‚Gans – Gänse‘, ‚Schwalbe – Schwalben‘), oder in dem Zungenbrecher, mit dem er die Aussprache trainiert. Vögel tauchen auch sonst immer wieder auf, etwa in einer Theaterperformance, an der Vitaly in München mitwirkt und die sich an Aristophanes’ Die Vögel abzuarbeiten scheint. Als fliegende Kreaturen, die nicht an den Erdboden oder Grenzen gebunden sind, spiegeln sie Vitalys Sehnsucht nach Freiheit und Neuaufbruch, die ihn aus der Wohnung der Mutter fort und nach München getrieben hat. Aber auch das Verletzliche seiner Identität, die ‚zugvogelhaft‘ zwischen zwei Welten ausgespannt ist und vom Krieg wie von einem scharfen Wind aus der Bahn geworfen zu werden droht, klingt in dem Motiv an. Ein erster filmischer Höhenflug ist Mykyta Gibalenko damit allemal gelungen.“(Felicitas Kleiner, filmdienst.de)
Eine abenteuerliche Schnitzeljagd durch Wiens morbide Schauplätze, opulente Kostüme und spektakuläre Kino-Bilder von Kameramann Martin Gschlacht. Ein exzentrischer Tanz der Vampire im Dreivierteltakt.
Zwischen Irr-Sinn und Aber-Witz: DIE BLUTGRÄFIN von Kultregisseurin Ulrike Ottinger ist die Mutter aller Kinofeste, ein groteskes Gelage grandioser Grande Dames, die nach dem roten Elixier des Lebens streben und auf der Umlaufbahn der Deutungen absolut uneinholbar sind. Ein exzellentes, spielfreudiges Ensemble in einer federleichten Vampirkomödie, die schon jetzt unsterblich ist.
“…Ottinger findet souverän jene Tonlage zwischen queerem Spektakel, heidnischem Bildersturm und Hochkultur-Persiflage, die immer schon einen wichtigen Strang in ihrem großen und beeindruckenden Werk ausgemacht hat. Elfriede Jelinek hat ihr aus Freundschaft bei den Dialogen ein wenig unter den Schreibarm gegriffen und damit einige großartige Details zu einem Film beigesteuert, den man nicht zuletzt als eine Urkunde der Verbundenheit dieser beiden so unterschiedlichen Städte Berlin und Wien sehen kann.“(Bert Rebhandl, tipBerlin)
Ein eindrückliches Panorama des letzten Jahrhunderts deutscher Geschichte in einem Haus an einem märkischen See: Schauplatz für Geschichten und Lebenswege der wechselnden Besitzer und ihrer Schicksale, die miteinander verwoben und von monumentalen historischen Ereignissen geprägt sind. Die Bewohner erleben die Weimarer Republik, das Dritte Reich, den Krieg und dessen Ende, die DDR und die Wendezeit, während sie auf der Suche nach Heimat und einem Ort der Zugehörigkeit sind.
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“…Ottinger findet souverän jene Tonlage zwischen queerem Spektakel, heidnischem Bildersturm und Hochkultur-Persiflage, die immer schon einen wichtigen Strang in ihrem großen und beeindruckenden Werk ausgemacht hat. Elfriede Jelinek hat ihr aus Freundschaft bei den Dialogen ein wenig unter den Schreibarm gegriffen und damit einige großartige Details zu einem Film beigesteuert, den man nicht zuletzt als eine Urkunde der Verbundenheit dieser beiden so unterschiedlichen Städte Berlin und Wien sehen kann.“(Bert Rebhandl, tipBerlin)
Über fünf Jahre dokumentiert Pepa Lubojacki vier Familienmitglieder, allen voran Bruder David, der alkoholabhängig und ohne Obdach ist. In einer hochpersönlichen, tagebuchartigen Collage unternimmt Lubojacki den Versuch, die Wurzeln generationenübergreifenden Unglücks freizulegen, das seinen Ausdruck immer wieder in schweren Suchterkrankungen findet. Dabei verschmelzen Textskulpturen, Langzeitbeobachtung, Synthie-Beats und mit KI animierte Fotografien aus der Kindheit zu einer markant-verspielten, schonungslosen und doch liebenden Offenlegung. IF PIGEONS TURNED TO GOLD ist Kapitulation und Hoffnungsschimmer gleichermaßen, Kraftakt und Lösungsprozess. Pepa Lubojacki bringt die Vergangenheit zum Sprechen und schafft auf diese Weise einen Kontext, der David und die ebenfalls suchtkranken Cousins dem richtenden Urteil der Außenwelt entzieht – und auch deren Ignoranz. In der behutsamen Begegnung werden sie für einen Moment erneut zu einsamen Kindern. Weniger auf der Suche nach Schuld als nach Heilung, steht am Ende die Möglichkeit einer Transformation, versinnbildlicht im verfallenen Haus des Vaters, das Pepa in einen geschützten Ort verwandelt: Home, I’m coming. (Carolin Weidner, Berlinale Forum 2026)
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“Der mit dem Caligari-Preis ausgezeichnete Film legt die Ambivalenz einer medial überformten Gegenwart offen, in der Sichtbarkeit Anerkennung verspricht, aber kaum Schutzräume kennt. Das eindringliche Porträt einer Geschwisterbeziehung entpuppt sich zugleich als vielschichtige Reflexion über die Möglichkeiten und Grenzen filmischer Vermittlung.”Filmdienst
“If Pigeons Turned to Goldist kein Film über David und sein Alkoholproblem, sondern über die Situation, unbedingt helfen zu wollen und es nicht zu können, und über all die Dinge, die man tut, um das nicht wahrhaben zu müssen: von quälenden Selbstbefragungen bis zur Idee, ein dokumentarisches Porträt zu machen und dafür Kinderfotografien per KI zu animieren.” critic.de
“Es ist der große Zauber dieses collageartigen, stilistisch so zugänglichen Filmes, nicht nur mit der Scham zu brechen, sondern dem geächteten Bild von Obdachlosen und Suchtkranken einen Gegenentwurf aus Anteilnahme, Mitgefühl und Fürsorge entgegenzustellen. Lubojackis erklärtes Ziel ist es, den Zuschauer einzuladen, es ihr gleichzutun, mit „brutaler Ehrlichkeit“ hinzuschauen, weil es Leben retten kann. Denn ‘wären Tauben aus Gold, würden sie die Straßen dekorieren und wären den anderen Vögeln ebenbürtig. Sie würden nicht die Bänke vollscheißen, Müll fressen und vor der Realität flüchten. Sie würden die Straßen zum Glänzen bringen.’ ”Berliner Filmfestivals
Frankreich / Deutschland / Lettland 2026. 141 min, russische Originalfassung mit deutschen UT
Regie: Andrey Zvyagintsev
Russland, 2022: Firmenchef Gleb gerät von allen Seiten unter Druck. Einerseits quält ihn der Verdacht, dass seine Frau ihn betrügt, andererseits soll er ein Kontingent der Belegschaft für den Krieg stellen. Er will saubere Hände behalten, doch der Kampf um die Kontrolle droht ihm zu entgleiten.
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„Der Krieg ist dabei von Anfang an präsent, auch wenn Zvyagintsev ihn fast nie direkt zeigt. Militärplakate hängen an Hausfassaden, Panzer rollen auf Zügen durch die Stadt, junge Männer verschwinden an die Front. Der Krieg ist wie ein permanentes Hintergrundrauschen, das längst Teil des Alltags geworden ist. Niemand diskutiert darüber wirklich. Niemand scheint überrascht oder empört. Gerade diese Normalisierung macht MINOTAUR unangenehm präzise deutlich. (…) Der titelgebende Mythos bleibt im Hintergrund, zieht sich aber unterschwellig durch den gesamten Film. Wie im antiken Mythos werden auch hier Menschen geopfert, um ein System am Leben zu halten. Die vierzehn Mitarbeiter, die Gleb an die Front schicken soll, sind kein Zufall. Zvyagintsev verbindet diese Opferbereitschaft mit einem Staat, der seine eigenen Bürger verschlingt und gleichzeitig jede Verantwortung von sich weist. Dabei beeindruckt vor allem, wie konsequent MINOTAUR jede Form von Hoffnung verweigert. Der Film glaubt nicht an schnelle Veränderungen oder moralische Erlösung. Stattdessen zeigt er eine Gesellschaft, die sich längst mit ihrer eigenen Kälte arrangiert hat. Das mag streckenweise schwer auszuhalten sein, doch gerade diese Konsequenz macht den Film so kraftvoll. (…) Vor allen Dingen ist er ein Film, der weit über seine konkrete politische Situation hinausreicht. Er erzählt von einer Gesellschaft, in der Menschen ihre Menschlichkeit Stück für Stück gegen Stabilität, Wohlstand und Selbstschutz eingetauscht haben – und erkennt darin eine Tragödie.“(Mia Pflüger, kino-zeit.de)
„Ihre ersten beiden Filme waren noch weit von der Politik entfernt. Die folgenden vier, darunter MINOTAURUS, befassen sich dagegen mit der Lage in Russland. Obwohl sie nicht mehr dort leben, kehren sie immer wieder zur Analyse der russischen Gesellschaft zurück. Wie blicken Sie heute auf Russland und die Welt? -Seit LEVIATHAN stehen meine Filme tatsächlich in einem konkreten politischen Kontext. Die Politik ist in unser Leben eingedrungen, und wir können uns ihr nicht mehr entziehen. (…) Die Menschen im heutigen Russland sind apathisch und leben unter dem Joch der Zensur. Sie haben Angst, sind orientierungslos, und die sozialen Netzwerke funktionieren immer schlechter. Der Kampf gegen den Fortschritt läuft ebenso auf Hochtouren wie die Propagandamaschinerie. Alle versuchen, die Augen zu verschließen. Denn mit jedem Tag stehen sie tiefer in der Schuld der Wahrheit, und es wird immer beängstigender, ihr ins Auge zu sehen – Russland wirkt inzwischen wie ein Ungeheuer. Die europäische Zivilisation ruht auf drei Säulen: der Vernunft, dem Logos der alten Griechen; der Gerechtigkeit, dem römischen Recht; und der christlichen Nächstenliebe. Wenn sich unsere Vorstellungen von Vernunft und Gerechtigkeit vor unseren Augen verändern und neue Regeln uns geradewegs in den Zusammenbruch führen, müssen wir uns auf Nächstenliebe besinnen. (…)
Da Dreharbeiten in Russland nicht infrage kamen: Warum fiel Ihre Wahl auf Lettland? -Ich wusste, dass sich die russische Vergangenheit in Lettland noch an der Architektur ablesen lässt. Die sowjetischen Großwohnsiedlungen Rigas gleichen denen in den Vororten russischer Städte. Die Rigaer Altstadt hingegen sieht aus wie jede andere europäische Stadt und kann deshalb nicht als Russland dienen. Eine der zentralen Sequenzen des Films spielt jedoch in der Wohnung des Fotografen Anton, im siebten Stock eines Wohnblocks. Ich war sicher, dass wir einen solchen Ort in Riga finden würden. Außerdem brauchten wir außerhalb der Stadt ein Haus für das Ehepaar. Die Villen rund um Riga besitzen allerdings eine ganz eigene architektonische Färbung und unterscheiden sich etwas von denen im Moskauer Umland. Doch wir hatten Glück: Nicht weit von Riga fanden wir ein ebenerdiges Haus in europäischer Bauweise, wie es auch in der Umgebung russischer Städte stehen könnte. Die Handlung ist in einer mittelgroßen russischen Provinzstadt angesiedelt, für die wir sogar einen Namen erfunden haben: Krasnoborsk. Die benötigten Innenräume fanden wir in Riga ohne Schwierigkeiten. (…) Die Außenaufnahmen entstanden also in einer Rigaer Großwohnsiedlung; die Wohnung selbst war ein eigens errichteter Studiobau.
Konnten Sie für diesen Film wieder mit Ihrer gewohnten Crew arbeiten? -Ja, zum Glück. Obwohl wir heute über die ganze Welt verstreut leben, konnten wir fast alle wieder zusammenbringen. Andrey Dergachev etwa, der seit DIE VERBANNUNG bei all meinen Filmen für den Ton verantwortlich ist, lebt in Kanada. Andrey Ponkratov, seit DIE VERBANNUNG mein Szenenbildner, und Masha Slavina, die bereits am Szenenbild von LOVELESS mitgewirkt hatte, leben in den Vereinigten Staaten. Mikhail Krichman, der Kameramann all meiner Filme, lebt in London. Auch mein Koautor Simon Lyashenko wohnt nicht mehr in Russland. Ich selbst bin in Frankreich, ebenso wie mein Komponist Evgueni Galperine. Mit ihm hatte ich bereits bei LOVELESS gearbeitet, und sein Talent hat mich sehr beeindruckt. Für diesen Film wollte ich nur sehr wenig Musik, eigentlich fast gar keine. Es gibt eine beinahe zwanzigminütige Szene ohne Dialog. Natürlich hätte ich versucht sein können, dort Musik einzusetzen. Doch ich nahm mir vor, dieser Versuchung nicht nachzugeben. Und es ist mir durchaus gelungen – auch wenn darüber letztlich das Publikum entscheidet. Unverzichtbar erschienen mir nur die Musik im Vorspann und jene, die die letzten Bilder begleitet.“(Gespräch mit Andrey Zvyagintsev, Presseheft MUBI)
Eine abenteuerliche Schnitzeljagd durch Wiens morbide Schauplätze, opulente Kostüme und spektakuläre Kino-Bilder von Kameramann Martin Gschlacht. Ein exzentrischer Tanz der Vampire im Dreivierteltakt.
Zwischen Irr-Sinn und Aber-Witz: DIE BLUTGRÄFIN von Kultregisseurin Ulrike Ottinger ist die Mutter aller Kinofeste, ein groteskes Gelage grandioser Grande Dames, die nach dem roten Elixier des Lebens streben und auf der Umlaufbahn der Deutungen absolut uneinholbar sind. Ein exzellentes, spielfreudiges Ensemble in einer federleichten Vampirkomödie, die schon jetzt unsterblich ist.
“…Ottinger findet souverän jene Tonlage zwischen queerem Spektakel, heidnischem Bildersturm und Hochkultur-Persiflage, die immer schon einen wichtigen Strang in ihrem großen und beeindruckenden Werk ausgemacht hat. Elfriede Jelinek hat ihr aus Freundschaft bei den Dialogen ein wenig unter den Schreibarm gegriffen und damit einige großartige Details zu einem Film beigesteuert, den man nicht zuletzt als eine Urkunde der Verbundenheit dieser beiden so unterschiedlichen Städte Berlin und Wien sehen kann.“(Bert Rebhandl, tipBerlin)
Über fünf Jahre dokumentiert Pepa Lubojacki vier Familienmitglieder, allen voran Bruder David, der alkoholabhängig und ohne Obdach ist. In einer hochpersönlichen, tagebuchartigen Collage unternimmt Lubojacki den Versuch, die Wurzeln generationenübergreifenden Unglücks freizulegen, das seinen Ausdruck immer wieder in schweren Suchterkrankungen findet. Dabei verschmelzen Textskulpturen, Langzeitbeobachtung, Synthie-Beats und mit KI animierte Fotografien aus der Kindheit zu einer markant-verspielten, schonungslosen und doch liebenden Offenlegung. IF PIGEONS TURNED TO GOLD ist Kapitulation und Hoffnungsschimmer gleichermaßen, Kraftakt und Lösungsprozess. Pepa Lubojacki bringt die Vergangenheit zum Sprechen und schafft auf diese Weise einen Kontext, der David und die ebenfalls suchtkranken Cousins dem richtenden Urteil der Außenwelt entzieht – und auch deren Ignoranz. In der behutsamen Begegnung werden sie für einen Moment erneut zu einsamen Kindern. Weniger auf der Suche nach Schuld als nach Heilung, steht am Ende die Möglichkeit einer Transformation, versinnbildlicht im verfallenen Haus des Vaters, das Pepa in einen geschützten Ort verwandelt: Home, I’m coming. (Carolin Weidner, Berlinale Forum 2026)
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“Der mit dem Caligari-Preis ausgezeichnete Film legt die Ambivalenz einer medial überformten Gegenwart offen, in der Sichtbarkeit Anerkennung verspricht, aber kaum Schutzräume kennt. Das eindringliche Porträt einer Geschwisterbeziehung entpuppt sich zugleich als vielschichtige Reflexion über die Möglichkeiten und Grenzen filmischer Vermittlung.”Filmdienst
“If Pigeons Turned to Goldist kein Film über David und sein Alkoholproblem, sondern über die Situation, unbedingt helfen zu wollen und es nicht zu können, und über all die Dinge, die man tut, um das nicht wahrhaben zu müssen: von quälenden Selbstbefragungen bis zur Idee, ein dokumentarisches Porträt zu machen und dafür Kinderfotografien per KI zu animieren.” critic.de
“Es ist der große Zauber dieses collageartigen, stilistisch so zugänglichen Filmes, nicht nur mit der Scham zu brechen, sondern dem geächteten Bild von Obdachlosen und Suchtkranken einen Gegenentwurf aus Anteilnahme, Mitgefühl und Fürsorge entgegenzustellen. Lubojackis erklärtes Ziel ist es, den Zuschauer einzuladen, es ihr gleichzutun, mit „brutaler Ehrlichkeit“ hinzuschauen, weil es Leben retten kann. Denn ‘wären Tauben aus Gold, würden sie die Straßen dekorieren und wären den anderen Vögeln ebenbürtig. Sie würden nicht die Bänke vollscheißen, Müll fressen und vor der Realität flüchten. Sie würden die Straßen zum Glänzen bringen.’ ”Berliner Filmfestivals
Frankreich / Deutschland / Lettland 2026. 141 min, russische Originalfassung mit deutschen UT
Regie: Andrey Zvyagintsev
Russland, 2022: Firmenchef Gleb gerät von allen Seiten unter Druck. Einerseits quält ihn der Verdacht, dass seine Frau ihn betrügt, andererseits soll er ein Kontingent der Belegschaft für den Krieg stellen. Er will saubere Hände behalten, doch der Kampf um die Kontrolle droht ihm zu entgleiten.
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„Der Krieg ist dabei von Anfang an präsent, auch wenn Zvyagintsev ihn fast nie direkt zeigt. Militärplakate hängen an Hausfassaden, Panzer rollen auf Zügen durch die Stadt, junge Männer verschwinden an die Front. Der Krieg ist wie ein permanentes Hintergrundrauschen, das längst Teil des Alltags geworden ist. Niemand diskutiert darüber wirklich. Niemand scheint überrascht oder empört. Gerade diese Normalisierung macht MINOTAUR unangenehm präzise deutlich. (…) Der titelgebende Mythos bleibt im Hintergrund, zieht sich aber unterschwellig durch den gesamten Film. Wie im antiken Mythos werden auch hier Menschen geopfert, um ein System am Leben zu halten. Die vierzehn Mitarbeiter, die Gleb an die Front schicken soll, sind kein Zufall. Zvyagintsev verbindet diese Opferbereitschaft mit einem Staat, der seine eigenen Bürger verschlingt und gleichzeitig jede Verantwortung von sich weist. Dabei beeindruckt vor allem, wie konsequent MINOTAUR jede Form von Hoffnung verweigert. Der Film glaubt nicht an schnelle Veränderungen oder moralische Erlösung. Stattdessen zeigt er eine Gesellschaft, die sich längst mit ihrer eigenen Kälte arrangiert hat. Das mag streckenweise schwer auszuhalten sein, doch gerade diese Konsequenz macht den Film so kraftvoll. (…) Vor allen Dingen ist er ein Film, der weit über seine konkrete politische Situation hinausreicht. Er erzählt von einer Gesellschaft, in der Menschen ihre Menschlichkeit Stück für Stück gegen Stabilität, Wohlstand und Selbstschutz eingetauscht haben – und erkennt darin eine Tragödie.“(Mia Pflüger, kino-zeit.de)
„Ihre ersten beiden Filme waren noch weit von der Politik entfernt. Die folgenden vier, darunter MINOTAURUS, befassen sich dagegen mit der Lage in Russland. Obwohl sie nicht mehr dort leben, kehren sie immer wieder zur Analyse der russischen Gesellschaft zurück. Wie blicken Sie heute auf Russland und die Welt? -Seit LEVIATHAN stehen meine Filme tatsächlich in einem konkreten politischen Kontext. Die Politik ist in unser Leben eingedrungen, und wir können uns ihr nicht mehr entziehen. (…) Die Menschen im heutigen Russland sind apathisch und leben unter dem Joch der Zensur. Sie haben Angst, sind orientierungslos, und die sozialen Netzwerke funktionieren immer schlechter. Der Kampf gegen den Fortschritt läuft ebenso auf Hochtouren wie die Propagandamaschinerie. Alle versuchen, die Augen zu verschließen. Denn mit jedem Tag stehen sie tiefer in der Schuld der Wahrheit, und es wird immer beängstigender, ihr ins Auge zu sehen – Russland wirkt inzwischen wie ein Ungeheuer. Die europäische Zivilisation ruht auf drei Säulen: der Vernunft, dem Logos der alten Griechen; der Gerechtigkeit, dem römischen Recht; und der christlichen Nächstenliebe. Wenn sich unsere Vorstellungen von Vernunft und Gerechtigkeit vor unseren Augen verändern und neue Regeln uns geradewegs in den Zusammenbruch führen, müssen wir uns auf Nächstenliebe besinnen. (…)
Da Dreharbeiten in Russland nicht infrage kamen: Warum fiel Ihre Wahl auf Lettland? -Ich wusste, dass sich die russische Vergangenheit in Lettland noch an der Architektur ablesen lässt. Die sowjetischen Großwohnsiedlungen Rigas gleichen denen in den Vororten russischer Städte. Die Rigaer Altstadt hingegen sieht aus wie jede andere europäische Stadt und kann deshalb nicht als Russland dienen. Eine der zentralen Sequenzen des Films spielt jedoch in der Wohnung des Fotografen Anton, im siebten Stock eines Wohnblocks. Ich war sicher, dass wir einen solchen Ort in Riga finden würden. Außerdem brauchten wir außerhalb der Stadt ein Haus für das Ehepaar. Die Villen rund um Riga besitzen allerdings eine ganz eigene architektonische Färbung und unterscheiden sich etwas von denen im Moskauer Umland. Doch wir hatten Glück: Nicht weit von Riga fanden wir ein ebenerdiges Haus in europäischer Bauweise, wie es auch in der Umgebung russischer Städte stehen könnte. Die Handlung ist in einer mittelgroßen russischen Provinzstadt angesiedelt, für die wir sogar einen Namen erfunden haben: Krasnoborsk. Die benötigten Innenräume fanden wir in Riga ohne Schwierigkeiten. (…) Die Außenaufnahmen entstanden also in einer Rigaer Großwohnsiedlung; die Wohnung selbst war ein eigens errichteter Studiobau.
Konnten Sie für diesen Film wieder mit Ihrer gewohnten Crew arbeiten? -Ja, zum Glück. Obwohl wir heute über die ganze Welt verstreut leben, konnten wir fast alle wieder zusammenbringen. Andrey Dergachev etwa, der seit DIE VERBANNUNG bei all meinen Filmen für den Ton verantwortlich ist, lebt in Kanada. Andrey Ponkratov, seit DIE VERBANNUNG mein Szenenbildner, und Masha Slavina, die bereits am Szenenbild von LOVELESS mitgewirkt hatte, leben in den Vereinigten Staaten. Mikhail Krichman, der Kameramann all meiner Filme, lebt in London. Auch mein Koautor Simon Lyashenko wohnt nicht mehr in Russland. Ich selbst bin in Frankreich, ebenso wie mein Komponist Evgueni Galperine. Mit ihm hatte ich bereits bei LOVELESS gearbeitet, und sein Talent hat mich sehr beeindruckt. Für diesen Film wollte ich nur sehr wenig Musik, eigentlich fast gar keine. Es gibt eine beinahe zwanzigminütige Szene ohne Dialog. Natürlich hätte ich versucht sein können, dort Musik einzusetzen. Doch ich nahm mir vor, dieser Versuchung nicht nachzugeben. Und es ist mir durchaus gelungen – auch wenn darüber letztlich das Publikum entscheidet. Unverzichtbar erschienen mir nur die Musik im Vorspann und jene, die die letzten Bilder begleitet.“(Gespräch mit Andrey Zvyagintsev, Presseheft MUBI)
Eine berührende und zugleich heitere Paargeschichte voller Wortwitz, leiser Melancholie und zärtlicher Momente. Basierend auf dem gleichnamigen Bestseller von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder, der im August 2026 im Hanser Verlag neu aufgelegt wird, erzählen sie über zwei Menschen, die nach vier Jahrzehnten Jahren Ehe entdecken, dass es für Veränderungen nie zu spät ist.
Seit seiner Pensionierung meckert Harry nur noch rum, trinkt Weizenbier und pflegt seinen Rittersporn. Findet Lore. Sie klammert sich an ihren Job als Bibliothekarin, organisiert peinliche Lesungen und verehrt ihre Dichter wie Propheten. Findet Harry. Für ein altes Ehepaar reden die beiden erstaunlich viel – und meinen doch meistens etwas anderes. Als Tochter Julia zum dritten Mal heiraten will, ist der Streit programmiert und doch nur die Spitze des Eisbergs. In vierzig Jahren Ehe sammelt sich einiges an. Unter der Oberfläche brodelt es: unausgesprochene Fragen, alte Eifersucht, der Streit um Harrys Phlegma und um den Sinn eines Hochdruckreinigers. Während Harry seinen Garten hegt, träumt Lore von einem anderen Leben, von Reisen, von Aufbruch. Sie fühlt sich kraftlos und fragt sich immer dringlicher: War das schon alles? Welche Chancen hat sie verpasst? Ist es mit über sechzig zu spät für einen Neuanfang? Harry trinkt sein Bier, raucht, schweigt. Und bemerkt doch ihre Not. (Pandora)
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Deutschland 2026, 102 min, Deutsch | Ukrainisch mit deutschen UT
Regie: Mykyta Gibalenko
Als Vitaly (22) seine Mutter und Schwester in der Ukraine zurücklässt, träumt er von einem neuen Leben als Student in München. Am 24.02.2022 platzt dieser Traum. Innerhalb von einer Nacht stehen plötzlich zwei harte Realitäten vor seiner Tür: die politische Weltlage und die eigene Familie.
„Faszinierend an CAMOUFLAGE ist nicht zuletzt, wie eindringlich Gibalenko beim filmischen Abtasten dieser Zerreißprobe mit Sprache arbeitet – und zwar sowohl mit der gesprochenen Sprache als auch mit Körpersprache und Gesten. Dabei geht es nie nur um Inhalte, sondern um Sprache in ihrer ganzen Sinnlichkeit, mit der man sich ausdrückt, die sich aber auch in einen eindrückt, ins Denken, Fühlen und Sein. Die Kameraarbeit und Montage sind ruhig und geben dem exzellenten Hauptdarsteller Arthur Aliiev und seinen Mitspielerinnen den nötigen Raum, um die vielen Nuancen, Schwierigkeiten und Schönheiten der Kommunikation ihrer Figuren miteinander und mit ihrer Umwelt zu entfalten.
Als eine Art Leitmotiv fungieren Vögel. Nicht nur in den Vokabeln, mit denen Vitaly die deutsche Sprache lernt (‚Gans – Gänse‘, ‚Schwalbe – Schwalben‘), oder in dem Zungenbrecher, mit dem er die Aussprache trainiert. Vögel tauchen auch sonst immer wieder auf, etwa in einer Theaterperformance, an der Vitaly in München mitwirkt und die sich an Aristophanes’ Die Vögel abzuarbeiten scheint. Als fliegende Kreaturen, die nicht an den Erdboden oder Grenzen gebunden sind, spiegeln sie Vitalys Sehnsucht nach Freiheit und Neuaufbruch, die ihn aus der Wohnung der Mutter fort und nach München getrieben hat. Aber auch das Verletzliche seiner Identität, die ‚zugvogelhaft‘ zwischen zwei Welten ausgespannt ist und vom Krieg wie von einem scharfen Wind aus der Bahn geworfen zu werden droht, klingt in dem Motiv an. Ein erster filmischer Höhenflug ist Mykyta Gibalenko damit allemal gelungen.“(Felicitas Kleiner, filmdienst.de)
Eine abenteuerliche Schnitzeljagd durch Wiens morbide Schauplätze, opulente Kostüme und spektakuläre Kino-Bilder von Kameramann Martin Gschlacht. Ein exzentrischer Tanz der Vampire im Dreivierteltakt.
Zwischen Irr-Sinn und Aber-Witz: DIE BLUTGRÄFIN von Kultregisseurin Ulrike Ottinger ist die Mutter aller Kinofeste, ein groteskes Gelage grandioser Grande Dames, die nach dem roten Elixier des Lebens streben und auf der Umlaufbahn der Deutungen absolut uneinholbar sind. Ein exzellentes, spielfreudiges Ensemble in einer federleichten Vampirkomödie, die schon jetzt unsterblich ist.
“…Ottinger findet souverän jene Tonlage zwischen queerem Spektakel, heidnischem Bildersturm und Hochkultur-Persiflage, die immer schon einen wichtigen Strang in ihrem großen und beeindruckenden Werk ausgemacht hat. Elfriede Jelinek hat ihr aus Freundschaft bei den Dialogen ein wenig unter den Schreibarm gegriffen und damit einige großartige Details zu einem Film beigesteuert, den man nicht zuletzt als eine Urkunde der Verbundenheit dieser beiden so unterschiedlichen Städte Berlin und Wien sehen kann.“(Bert Rebhandl, tipBerlin)
Frankreich / Deutschland / Lettland 2026. 141 min, russische Originalfassung mit deutschen UT
Regie: Andrey Zvyagintsev
Russland, 2022: Firmenchef Gleb gerät von allen Seiten unter Druck. Einerseits quält ihn der Verdacht, dass seine Frau ihn betrügt, andererseits soll er ein Kontingent der Belegschaft für den Krieg stellen. Er will saubere Hände behalten, doch der Kampf um die Kontrolle droht ihm zu entgleiten.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
„Der Krieg ist dabei von Anfang an präsent, auch wenn Zvyagintsev ihn fast nie direkt zeigt. Militärplakate hängen an Hausfassaden, Panzer rollen auf Zügen durch die Stadt, junge Männer verschwinden an die Front. Der Krieg ist wie ein permanentes Hintergrundrauschen, das längst Teil des Alltags geworden ist. Niemand diskutiert darüber wirklich. Niemand scheint überrascht oder empört. Gerade diese Normalisierung macht MINOTAUR unangenehm präzise deutlich. (…) Der titelgebende Mythos bleibt im Hintergrund, zieht sich aber unterschwellig durch den gesamten Film. Wie im antiken Mythos werden auch hier Menschen geopfert, um ein System am Leben zu halten. Die vierzehn Mitarbeiter, die Gleb an die Front schicken soll, sind kein Zufall. Zvyagintsev verbindet diese Opferbereitschaft mit einem Staat, der seine eigenen Bürger verschlingt und gleichzeitig jede Verantwortung von sich weist. Dabei beeindruckt vor allem, wie konsequent MINOTAUR jede Form von Hoffnung verweigert. Der Film glaubt nicht an schnelle Veränderungen oder moralische Erlösung. Stattdessen zeigt er eine Gesellschaft, die sich längst mit ihrer eigenen Kälte arrangiert hat. Das mag streckenweise schwer auszuhalten sein, doch gerade diese Konsequenz macht den Film so kraftvoll. (…) Vor allen Dingen ist er ein Film, der weit über seine konkrete politische Situation hinausreicht. Er erzählt von einer Gesellschaft, in der Menschen ihre Menschlichkeit Stück für Stück gegen Stabilität, Wohlstand und Selbstschutz eingetauscht haben – und erkennt darin eine Tragödie.“(Mia Pflüger, kino-zeit.de)
„Ihre ersten beiden Filme waren noch weit von der Politik entfernt. Die folgenden vier, darunter MINOTAURUS, befassen sich dagegen mit der Lage in Russland. Obwohl sie nicht mehr dort leben, kehren sie immer wieder zur Analyse der russischen Gesellschaft zurück. Wie blicken Sie heute auf Russland und die Welt? -Seit LEVIATHAN stehen meine Filme tatsächlich in einem konkreten politischen Kontext. Die Politik ist in unser Leben eingedrungen, und wir können uns ihr nicht mehr entziehen. (…) Die Menschen im heutigen Russland sind apathisch und leben unter dem Joch der Zensur. Sie haben Angst, sind orientierungslos, und die sozialen Netzwerke funktionieren immer schlechter. Der Kampf gegen den Fortschritt läuft ebenso auf Hochtouren wie die Propagandamaschinerie. Alle versuchen, die Augen zu verschließen. Denn mit jedem Tag stehen sie tiefer in der Schuld der Wahrheit, und es wird immer beängstigender, ihr ins Auge zu sehen – Russland wirkt inzwischen wie ein Ungeheuer. Die europäische Zivilisation ruht auf drei Säulen: der Vernunft, dem Logos der alten Griechen; der Gerechtigkeit, dem römischen Recht; und der christlichen Nächstenliebe. Wenn sich unsere Vorstellungen von Vernunft und Gerechtigkeit vor unseren Augen verändern und neue Regeln uns geradewegs in den Zusammenbruch führen, müssen wir uns auf Nächstenliebe besinnen. (…)
Da Dreharbeiten in Russland nicht infrage kamen: Warum fiel Ihre Wahl auf Lettland? -Ich wusste, dass sich die russische Vergangenheit in Lettland noch an der Architektur ablesen lässt. Die sowjetischen Großwohnsiedlungen Rigas gleichen denen in den Vororten russischer Städte. Die Rigaer Altstadt hingegen sieht aus wie jede andere europäische Stadt und kann deshalb nicht als Russland dienen. Eine der zentralen Sequenzen des Films spielt jedoch in der Wohnung des Fotografen Anton, im siebten Stock eines Wohnblocks. Ich war sicher, dass wir einen solchen Ort in Riga finden würden. Außerdem brauchten wir außerhalb der Stadt ein Haus für das Ehepaar. Die Villen rund um Riga besitzen allerdings eine ganz eigene architektonische Färbung und unterscheiden sich etwas von denen im Moskauer Umland. Doch wir hatten Glück: Nicht weit von Riga fanden wir ein ebenerdiges Haus in europäischer Bauweise, wie es auch in der Umgebung russischer Städte stehen könnte. Die Handlung ist in einer mittelgroßen russischen Provinzstadt angesiedelt, für die wir sogar einen Namen erfunden haben: Krasnoborsk. Die benötigten Innenräume fanden wir in Riga ohne Schwierigkeiten. (…) Die Außenaufnahmen entstanden also in einer Rigaer Großwohnsiedlung; die Wohnung selbst war ein eigens errichteter Studiobau.
Konnten Sie für diesen Film wieder mit Ihrer gewohnten Crew arbeiten? -Ja, zum Glück. Obwohl wir heute über die ganze Welt verstreut leben, konnten wir fast alle wieder zusammenbringen. Andrey Dergachev etwa, der seit DIE VERBANNUNG bei all meinen Filmen für den Ton verantwortlich ist, lebt in Kanada. Andrey Ponkratov, seit DIE VERBANNUNG mein Szenenbildner, und Masha Slavina, die bereits am Szenenbild von LOVELESS mitgewirkt hatte, leben in den Vereinigten Staaten. Mikhail Krichman, der Kameramann all meiner Filme, lebt in London. Auch mein Koautor Simon Lyashenko wohnt nicht mehr in Russland. Ich selbst bin in Frankreich, ebenso wie mein Komponist Evgueni Galperine. Mit ihm hatte ich bereits bei LOVELESS gearbeitet, und sein Talent hat mich sehr beeindruckt. Für diesen Film wollte ich nur sehr wenig Musik, eigentlich fast gar keine. Es gibt eine beinahe zwanzigminütige Szene ohne Dialog. Natürlich hätte ich versucht sein können, dort Musik einzusetzen. Doch ich nahm mir vor, dieser Versuchung nicht nachzugeben. Und es ist mir durchaus gelungen – auch wenn darüber letztlich das Publikum entscheidet. Unverzichtbar erschienen mir nur die Musik im Vorspann und jene, die die letzten Bilder begleitet.“(Gespräch mit Andrey Zvyagintsev, Presseheft MUBI)
So. 08.11.
15:00 Uhr
Das geträumte Abenteuer (Мечтаното приключение)
D/ F/ BG/ AT 2026, 164 min, Bulgarisch mit deutschen UT
Regie: Valeska Grisebach
Die Archäologin Veska ist für ein Ausgrabungsprojekt in ihre Heimatstadt Svilengrad zurückgekehrt, in die Grenzregion zwischen Bulgarien, Griechenland und der Türkei. Überraschend trifft sie auf Said, einen alten Bekannten aus den Rhodopen, den undurchsichtige Geschäfte nach Svilengrad geführt haben. Saids Auto ist gestohlen worden, und Veska lädt ihn ein, den Tag mit ihr auf der Ausgrabungsstätte zu verbringen. Es ist ein glücklicher Tag voller Vertrautheit, ein Tag wie ein Versprechen. Am nächsten Morgen ist Said verschwunden. Veska folgt den Spuren Saids und dringt dabei immer tiefer in die verborgenen Schichten und Verhältnisse der Stadt und ihrer Menschen vor – Geschichten aus der Zeit des großen Umbruchs in den 90er Jahren, von Freiheit und geplatzten Träumen, Gewalt und schnellem Geld. Was hat Said mit Iliya zu tun, dem mächtigen Mann im Hintergrund, bei dem alle Fäden zusammenzulaufen scheinen? Veska ist gezwungen, sich ihren eigenen Erinnerungen zu stellen. Unterstützt von ihren Freundinnen und Freunden aus Svilengrad, beginnt sie, ihre eigene Geschichte zu schreiben.
„‘Show, don’t tell‘ lautet ein viel zitierter Grundsatz des Filmemachens und irgendwie vollbringt Valeska Grisebach das Kunststück, das bei ihr Zeigen und Erzählen ein und dasselbe ist. In dieser Hinsicht ist DAS GETRÄUMTE ABENTEUER der perfekte Film. Keine Szene in den knapp unter drei Stunden Laufzeit ist überflüssig, es gibt keine Einstellung oder Dialogzeile, die nicht behutsam immer mehr Nuancen des Lebens bei Svilengrad und von Veskas eigener Vergangenheit freilegt, ohne dabei je gewollt oder überladen zu wirken. Manchmal geht das mit Veskas Angriffslust einher, manchmal mit hintergründigem Humor, aber immer mit ungebremster Neugier auf die Geschichten, die an diesem Ort nicht einmal vergraben, sondern für jeden, der hinsehen will, offen sichtbar auf der Erde liegen.“ (Katrin Doerksen, kino-zeit.de)
Eine abenteuerliche Schnitzeljagd durch Wiens morbide Schauplätze, opulente Kostüme und spektakuläre Kino-Bilder von Kameramann Martin Gschlacht. Ein exzentrischer Tanz der Vampire im Dreivierteltakt.
Zwischen Irr-Sinn und Aber-Witz: DIE BLUTGRÄFIN von Kultregisseurin Ulrike Ottinger ist die Mutter aller Kinofeste, ein groteskes Gelage grandioser Grande Dames, die nach dem roten Elixier des Lebens streben und auf der Umlaufbahn der Deutungen absolut uneinholbar sind. Ein exzellentes, spielfreudiges Ensemble in einer federleichten Vampirkomödie, die schon jetzt unsterblich ist.
“…Ottinger findet souverän jene Tonlage zwischen queerem Spektakel, heidnischem Bildersturm und Hochkultur-Persiflage, die immer schon einen wichtigen Strang in ihrem großen und beeindruckenden Werk ausgemacht hat. Elfriede Jelinek hat ihr aus Freundschaft bei den Dialogen ein wenig unter den Schreibarm gegriffen und damit einige großartige Details zu einem Film beigesteuert, den man nicht zuletzt als eine Urkunde der Verbundenheit dieser beiden so unterschiedlichen Städte Berlin und Wien sehen kann.“(Bert Rebhandl, tipBerlin)
Frankreich / Deutschland / Lettland 2026. 141 min, russische Originalfassung mit deutschen UT
Regie: Andrey Zvyagintsev
Russland, 2022: Firmenchef Gleb gerät von allen Seiten unter Druck. Einerseits quält ihn der Verdacht, dass seine Frau ihn betrügt, andererseits soll er ein Kontingent der Belegschaft für den Krieg stellen. Er will saubere Hände behalten, doch der Kampf um die Kontrolle droht ihm zu entgleiten.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
„Der Krieg ist dabei von Anfang an präsent, auch wenn Zvyagintsev ihn fast nie direkt zeigt. Militärplakate hängen an Hausfassaden, Panzer rollen auf Zügen durch die Stadt, junge Männer verschwinden an die Front. Der Krieg ist wie ein permanentes Hintergrundrauschen, das längst Teil des Alltags geworden ist. Niemand diskutiert darüber wirklich. Niemand scheint überrascht oder empört. Gerade diese Normalisierung macht MINOTAUR unangenehm präzise deutlich. (…) Der titelgebende Mythos bleibt im Hintergrund, zieht sich aber unterschwellig durch den gesamten Film. Wie im antiken Mythos werden auch hier Menschen geopfert, um ein System am Leben zu halten. Die vierzehn Mitarbeiter, die Gleb an die Front schicken soll, sind kein Zufall. Zvyagintsev verbindet diese Opferbereitschaft mit einem Staat, der seine eigenen Bürger verschlingt und gleichzeitig jede Verantwortung von sich weist. Dabei beeindruckt vor allem, wie konsequent MINOTAUR jede Form von Hoffnung verweigert. Der Film glaubt nicht an schnelle Veränderungen oder moralische Erlösung. Stattdessen zeigt er eine Gesellschaft, die sich längst mit ihrer eigenen Kälte arrangiert hat. Das mag streckenweise schwer auszuhalten sein, doch gerade diese Konsequenz macht den Film so kraftvoll. (…) Vor allen Dingen ist er ein Film, der weit über seine konkrete politische Situation hinausreicht. Er erzählt von einer Gesellschaft, in der Menschen ihre Menschlichkeit Stück für Stück gegen Stabilität, Wohlstand und Selbstschutz eingetauscht haben – und erkennt darin eine Tragödie.“(Mia Pflüger, kino-zeit.de)
„Ihre ersten beiden Filme waren noch weit von der Politik entfernt. Die folgenden vier, darunter MINOTAURUS, befassen sich dagegen mit der Lage in Russland. Obwohl sie nicht mehr dort leben, kehren sie immer wieder zur Analyse der russischen Gesellschaft zurück. Wie blicken Sie heute auf Russland und die Welt? -Seit LEVIATHAN stehen meine Filme tatsächlich in einem konkreten politischen Kontext. Die Politik ist in unser Leben eingedrungen, und wir können uns ihr nicht mehr entziehen. (…) Die Menschen im heutigen Russland sind apathisch und leben unter dem Joch der Zensur. Sie haben Angst, sind orientierungslos, und die sozialen Netzwerke funktionieren immer schlechter. Der Kampf gegen den Fortschritt läuft ebenso auf Hochtouren wie die Propagandamaschinerie. Alle versuchen, die Augen zu verschließen. Denn mit jedem Tag stehen sie tiefer in der Schuld der Wahrheit, und es wird immer beängstigender, ihr ins Auge zu sehen – Russland wirkt inzwischen wie ein Ungeheuer. Die europäische Zivilisation ruht auf drei Säulen: der Vernunft, dem Logos der alten Griechen; der Gerechtigkeit, dem römischen Recht; und der christlichen Nächstenliebe. Wenn sich unsere Vorstellungen von Vernunft und Gerechtigkeit vor unseren Augen verändern und neue Regeln uns geradewegs in den Zusammenbruch führen, müssen wir uns auf Nächstenliebe besinnen. (…)
Da Dreharbeiten in Russland nicht infrage kamen: Warum fiel Ihre Wahl auf Lettland? -Ich wusste, dass sich die russische Vergangenheit in Lettland noch an der Architektur ablesen lässt. Die sowjetischen Großwohnsiedlungen Rigas gleichen denen in den Vororten russischer Städte. Die Rigaer Altstadt hingegen sieht aus wie jede andere europäische Stadt und kann deshalb nicht als Russland dienen. Eine der zentralen Sequenzen des Films spielt jedoch in der Wohnung des Fotografen Anton, im siebten Stock eines Wohnblocks. Ich war sicher, dass wir einen solchen Ort in Riga finden würden. Außerdem brauchten wir außerhalb der Stadt ein Haus für das Ehepaar. Die Villen rund um Riga besitzen allerdings eine ganz eigene architektonische Färbung und unterscheiden sich etwas von denen im Moskauer Umland. Doch wir hatten Glück: Nicht weit von Riga fanden wir ein ebenerdiges Haus in europäischer Bauweise, wie es auch in der Umgebung russischer Städte stehen könnte. Die Handlung ist in einer mittelgroßen russischen Provinzstadt angesiedelt, für die wir sogar einen Namen erfunden haben: Krasnoborsk. Die benötigten Innenräume fanden wir in Riga ohne Schwierigkeiten. (…) Die Außenaufnahmen entstanden also in einer Rigaer Großwohnsiedlung; die Wohnung selbst war ein eigens errichteter Studiobau.
Konnten Sie für diesen Film wieder mit Ihrer gewohnten Crew arbeiten? -Ja, zum Glück. Obwohl wir heute über die ganze Welt verstreut leben, konnten wir fast alle wieder zusammenbringen. Andrey Dergachev etwa, der seit DIE VERBANNUNG bei all meinen Filmen für den Ton verantwortlich ist, lebt in Kanada. Andrey Ponkratov, seit DIE VERBANNUNG mein Szenenbildner, und Masha Slavina, die bereits am Szenenbild von LOVELESS mitgewirkt hatte, leben in den Vereinigten Staaten. Mikhail Krichman, der Kameramann all meiner Filme, lebt in London. Auch mein Koautor Simon Lyashenko wohnt nicht mehr in Russland. Ich selbst bin in Frankreich, ebenso wie mein Komponist Evgueni Galperine. Mit ihm hatte ich bereits bei LOVELESS gearbeitet, und sein Talent hat mich sehr beeindruckt. Für diesen Film wollte ich nur sehr wenig Musik, eigentlich fast gar keine. Es gibt eine beinahe zwanzigminütige Szene ohne Dialog. Natürlich hätte ich versucht sein können, dort Musik einzusetzen. Doch ich nahm mir vor, dieser Versuchung nicht nachzugeben. Und es ist mir durchaus gelungen – auch wenn darüber letztlich das Publikum entscheidet. Unverzichtbar erschienen mir nur die Musik im Vorspann und jene, die die letzten Bilder begleitet.“(Gespräch mit Andrey Zvyagintsev, Presseheft MUBI)
Eine abenteuerliche Schnitzeljagd durch Wiens morbide Schauplätze, opulente Kostüme und spektakuläre Kino-Bilder von Kameramann Martin Gschlacht. Ein exzentrischer Tanz der Vampire im Dreivierteltakt.
Zwischen Irr-Sinn und Aber-Witz: DIE BLUTGRÄFIN von Kultregisseurin Ulrike Ottinger ist die Mutter aller Kinofeste, ein groteskes Gelage grandioser Grande Dames, die nach dem roten Elixier des Lebens streben und auf der Umlaufbahn der Deutungen absolut uneinholbar sind. Ein exzellentes, spielfreudiges Ensemble in einer federleichten Vampirkomödie, die schon jetzt unsterblich ist.
“…Ottinger findet souverän jene Tonlage zwischen queerem Spektakel, heidnischem Bildersturm und Hochkultur-Persiflage, die immer schon einen wichtigen Strang in ihrem großen und beeindruckenden Werk ausgemacht hat. Elfriede Jelinek hat ihr aus Freundschaft bei den Dialogen ein wenig unter den Schreibarm gegriffen und damit einige großartige Details zu einem Film beigesteuert, den man nicht zuletzt als eine Urkunde der Verbundenheit dieser beiden so unterschiedlichen Städte Berlin und Wien sehen kann.“(Bert Rebhandl, tipBerlin)
Mo. 09.11.
19:00 Uhr
DEFA-Stiftung präsentiert: „Nie wieder leb ich zu auf eine Wende“ – DEFA-Dokumentarfilme von Thomas Kuschel aus der Wendezeit
– anschließend Gespräch mit Thomas Kuschel (Regie) | Moderation: Mirko Wiermann (DEFA-Stiftung)
Am 9. November vor 37 Jahren fand mit der Öffnung der deutsch-deutschen Mauer eines der zentralen Ereignisse der jüngeren europäischen Geschichte statt. Anlässlich dieses bedeutsamen Datums präsentiert die DEFA-Stiftung ein Programm mit drei Kurz-Dokumentarfilmen, die Regisseur Thomas Kuschel 1989 und 1990 realisierte und die sich um den Mauerfall herum bewegen, das Davor und das Danach abstecken sowie anhand von Einzelschicksalen Hintergründe und Folgen der Umbrüche des Herbsts 1989 hinterfragen. DER STOFF ZUM LEBEN porträtiert Mario, einen 26-jährigen Brigadier im Chemiefaserwerk Premnitz, der in seinem Betrieb als Vorbild agiert, sich aber zugleich sehr kritisch gegenüber Problemen der Versorgungslage und Wohnsituation sowie der „Schönfärberei“ durch Parteigenossen äußert. Der im Frühjahr 1989 produzierte Film lässt den wachsenden Unmut erahnen, der in die Umwälzungen der Wendezeit münden sollte. In LIEBE NINA… befragt Kuschel die 28-jährige Fotografin Nina, die in Moskau Journalismus studiert hat, bei der Freien Welt arbeitet – und die am 7. Oktober 1989 am Rande einer friedlichen Demonstration von Volkspolizeikräften brutal misshandelt wurde. Der staatlich sanktionierte Übergriff und seine gesundheitlichen Folgen setzen bei Nina einen Reflexionsprozess in Gang, der ihr bisheriges Weltbild fundamental infrage stellt. Am 27. Juni 1990 um 8.02 Uhr läuft in den Zwickauer Sachsenring Automobilwerken DER LETZTE TRABBI des Modells P 601 vom Band, die Produktion endet nach 34 Jahren und 5,2 Millionen hergestellten Fahrzeugen. Thomas Kuschel beobachtet die letzten Arbeitstage, interviewt Werktätige und Führungspersonal und fängt die zwischen Enttäuschung, Ratlosigkeit und Hoffnung schwankende Stimmung am Ende einer Ära ein. (Mirko Wiermann, DEFA-Stiftung)
DER STOFF ZUM LEBEN, 1989, 35mm, 23 min, R: Thomas Kuschel
Frankreich / Deutschland / Lettland 2026. 141 min, russische Originalfassung mit deutschen UT
Regie: Andrey Zvyagintsev
Russland, 2022: Firmenchef Gleb gerät von allen Seiten unter Druck. Einerseits quält ihn der Verdacht, dass seine Frau ihn betrügt, andererseits soll er ein Kontingent der Belegschaft für den Krieg stellen. Er will saubere Hände behalten, doch der Kampf um die Kontrolle droht ihm zu entgleiten.
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„Der Krieg ist dabei von Anfang an präsent, auch wenn Zvyagintsev ihn fast nie direkt zeigt. Militärplakate hängen an Hausfassaden, Panzer rollen auf Zügen durch die Stadt, junge Männer verschwinden an die Front. Der Krieg ist wie ein permanentes Hintergrundrauschen, das längst Teil des Alltags geworden ist. Niemand diskutiert darüber wirklich. Niemand scheint überrascht oder empört. Gerade diese Normalisierung macht MINOTAUR unangenehm präzise deutlich. (…) Der titelgebende Mythos bleibt im Hintergrund, zieht sich aber unterschwellig durch den gesamten Film. Wie im antiken Mythos werden auch hier Menschen geopfert, um ein System am Leben zu halten. Die vierzehn Mitarbeiter, die Gleb an die Front schicken soll, sind kein Zufall. Zvyagintsev verbindet diese Opferbereitschaft mit einem Staat, der seine eigenen Bürger verschlingt und gleichzeitig jede Verantwortung von sich weist. Dabei beeindruckt vor allem, wie konsequent MINOTAUR jede Form von Hoffnung verweigert. Der Film glaubt nicht an schnelle Veränderungen oder moralische Erlösung. Stattdessen zeigt er eine Gesellschaft, die sich längst mit ihrer eigenen Kälte arrangiert hat. Das mag streckenweise schwer auszuhalten sein, doch gerade diese Konsequenz macht den Film so kraftvoll. (…) Vor allen Dingen ist er ein Film, der weit über seine konkrete politische Situation hinausreicht. Er erzählt von einer Gesellschaft, in der Menschen ihre Menschlichkeit Stück für Stück gegen Stabilität, Wohlstand und Selbstschutz eingetauscht haben – und erkennt darin eine Tragödie.“(Mia Pflüger, kino-zeit.de)
„Ihre ersten beiden Filme waren noch weit von der Politik entfernt. Die folgenden vier, darunter MINOTAURUS, befassen sich dagegen mit der Lage in Russland. Obwohl sie nicht mehr dort leben, kehren sie immer wieder zur Analyse der russischen Gesellschaft zurück. Wie blicken Sie heute auf Russland und die Welt? -Seit LEVIATHAN stehen meine Filme tatsächlich in einem konkreten politischen Kontext. Die Politik ist in unser Leben eingedrungen, und wir können uns ihr nicht mehr entziehen. (…) Die Menschen im heutigen Russland sind apathisch und leben unter dem Joch der Zensur. Sie haben Angst, sind orientierungslos, und die sozialen Netzwerke funktionieren immer schlechter. Der Kampf gegen den Fortschritt läuft ebenso auf Hochtouren wie die Propagandamaschinerie. Alle versuchen, die Augen zu verschließen. Denn mit jedem Tag stehen sie tiefer in der Schuld der Wahrheit, und es wird immer beängstigender, ihr ins Auge zu sehen – Russland wirkt inzwischen wie ein Ungeheuer. Die europäische Zivilisation ruht auf drei Säulen: der Vernunft, dem Logos der alten Griechen; der Gerechtigkeit, dem römischen Recht; und der christlichen Nächstenliebe. Wenn sich unsere Vorstellungen von Vernunft und Gerechtigkeit vor unseren Augen verändern und neue Regeln uns geradewegs in den Zusammenbruch führen, müssen wir uns auf Nächstenliebe besinnen. (…)
Da Dreharbeiten in Russland nicht infrage kamen: Warum fiel Ihre Wahl auf Lettland? -Ich wusste, dass sich die russische Vergangenheit in Lettland noch an der Architektur ablesen lässt. Die sowjetischen Großwohnsiedlungen Rigas gleichen denen in den Vororten russischer Städte. Die Rigaer Altstadt hingegen sieht aus wie jede andere europäische Stadt und kann deshalb nicht als Russland dienen. Eine der zentralen Sequenzen des Films spielt jedoch in der Wohnung des Fotografen Anton, im siebten Stock eines Wohnblocks. Ich war sicher, dass wir einen solchen Ort in Riga finden würden. Außerdem brauchten wir außerhalb der Stadt ein Haus für das Ehepaar. Die Villen rund um Riga besitzen allerdings eine ganz eigene architektonische Färbung und unterscheiden sich etwas von denen im Moskauer Umland. Doch wir hatten Glück: Nicht weit von Riga fanden wir ein ebenerdiges Haus in europäischer Bauweise, wie es auch in der Umgebung russischer Städte stehen könnte. Die Handlung ist in einer mittelgroßen russischen Provinzstadt angesiedelt, für die wir sogar einen Namen erfunden haben: Krasnoborsk. Die benötigten Innenräume fanden wir in Riga ohne Schwierigkeiten. (…) Die Außenaufnahmen entstanden also in einer Rigaer Großwohnsiedlung; die Wohnung selbst war ein eigens errichteter Studiobau.
Konnten Sie für diesen Film wieder mit Ihrer gewohnten Crew arbeiten? -Ja, zum Glück. Obwohl wir heute über die ganze Welt verstreut leben, konnten wir fast alle wieder zusammenbringen. Andrey Dergachev etwa, der seit DIE VERBANNUNG bei all meinen Filmen für den Ton verantwortlich ist, lebt in Kanada. Andrey Ponkratov, seit DIE VERBANNUNG mein Szenenbildner, und Masha Slavina, die bereits am Szenenbild von LOVELESS mitgewirkt hatte, leben in den Vereinigten Staaten. Mikhail Krichman, der Kameramann all meiner Filme, lebt in London. Auch mein Koautor Simon Lyashenko wohnt nicht mehr in Russland. Ich selbst bin in Frankreich, ebenso wie mein Komponist Evgueni Galperine. Mit ihm hatte ich bereits bei LOVELESS gearbeitet, und sein Talent hat mich sehr beeindruckt. Für diesen Film wollte ich nur sehr wenig Musik, eigentlich fast gar keine. Es gibt eine beinahe zwanzigminütige Szene ohne Dialog. Natürlich hätte ich versucht sein können, dort Musik einzusetzen. Doch ich nahm mir vor, dieser Versuchung nicht nachzugeben. Und es ist mir durchaus gelungen – auch wenn darüber letztlich das Publikum entscheidet. Unverzichtbar erschienen mir nur die Musik im Vorspann und jene, die die letzten Bilder begleitet.“(Gespräch mit Andrey Zvyagintsev, Presseheft MUBI)
Di. 10.11.
18:00 Uhr
Die Männer der Vereinten Kraft
– Der unbekannte Film | Filmreihe des Förderkreises Film Berlin-Brandenburg | im Anschluss Gespräch mit Kerstin Bastian (Regie) | Moderation: Frank Burkhard Habel
An der damaligen HFF „Konrad Wolf“ in Potsdam-Babelsberg drehte die Regiestudentin Kerstin Bastian ihren Hauptprüfungsfilm über die Brigade „Vereinte Kraft“ in einem Berliner Heizkraftwerk zwischen dem Rücktritt von Egon Krenz Anfang Dezember 1989 und dem Neujahrstag 1990. Es gelang ihr, in Gesprächen viel von der brisanten Atmosphäre dieser Zeit einzufangen. „Bastian zeigt sowohl die Unsicherheit als auch die Bodenständigkeit der Männer inmitten des sich abzeichnenden Zusammenbruchs der DDR“, schrieb der Filmkurator Florian Wüst, der den verschollenen Film vor einem Jahr wiederentdeckte. Die Filmemacherin bringt sich selbst mit ein und führt u.a. Gespräche mit dem Brigadeleiter Wilhelm Päch, der früher z.B. als Volkspolizist und DEFA-Dramaturg („Die Russen kommen“) geschasst wurde und als Arbeiter eine neue Bestimmung fand.
Frankreich / Deutschland / Lettland 2026. 141 min, russische Originalfassung mit deutschen UT
Regie: Andrey Zvyagintsev
Russland, 2022: Firmenchef Gleb gerät von allen Seiten unter Druck. Einerseits quält ihn der Verdacht, dass seine Frau ihn betrügt, andererseits soll er ein Kontingent der Belegschaft für den Krieg stellen. Er will saubere Hände behalten, doch der Kampf um die Kontrolle droht ihm zu entgleiten.
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„Der Krieg ist dabei von Anfang an präsent, auch wenn Zvyagintsev ihn fast nie direkt zeigt. Militärplakate hängen an Hausfassaden, Panzer rollen auf Zügen durch die Stadt, junge Männer verschwinden an die Front. Der Krieg ist wie ein permanentes Hintergrundrauschen, das längst Teil des Alltags geworden ist. Niemand diskutiert darüber wirklich. Niemand scheint überrascht oder empört. Gerade diese Normalisierung macht MINOTAUR unangenehm präzise deutlich. (…) Der titelgebende Mythos bleibt im Hintergrund, zieht sich aber unterschwellig durch den gesamten Film. Wie im antiken Mythos werden auch hier Menschen geopfert, um ein System am Leben zu halten. Die vierzehn Mitarbeiter, die Gleb an die Front schicken soll, sind kein Zufall. Zvyagintsev verbindet diese Opferbereitschaft mit einem Staat, der seine eigenen Bürger verschlingt und gleichzeitig jede Verantwortung von sich weist. Dabei beeindruckt vor allem, wie konsequent MINOTAUR jede Form von Hoffnung verweigert. Der Film glaubt nicht an schnelle Veränderungen oder moralische Erlösung. Stattdessen zeigt er eine Gesellschaft, die sich längst mit ihrer eigenen Kälte arrangiert hat. Das mag streckenweise schwer auszuhalten sein, doch gerade diese Konsequenz macht den Film so kraftvoll. (…) Vor allen Dingen ist er ein Film, der weit über seine konkrete politische Situation hinausreicht. Er erzählt von einer Gesellschaft, in der Menschen ihre Menschlichkeit Stück für Stück gegen Stabilität, Wohlstand und Selbstschutz eingetauscht haben – und erkennt darin eine Tragödie.“(Mia Pflüger, kino-zeit.de)
„Ihre ersten beiden Filme waren noch weit von der Politik entfernt. Die folgenden vier, darunter MINOTAURUS, befassen sich dagegen mit der Lage in Russland. Obwohl sie nicht mehr dort leben, kehren sie immer wieder zur Analyse der russischen Gesellschaft zurück. Wie blicken Sie heute auf Russland und die Welt? -Seit LEVIATHAN stehen meine Filme tatsächlich in einem konkreten politischen Kontext. Die Politik ist in unser Leben eingedrungen, und wir können uns ihr nicht mehr entziehen. (…) Die Menschen im heutigen Russland sind apathisch und leben unter dem Joch der Zensur. Sie haben Angst, sind orientierungslos, und die sozialen Netzwerke funktionieren immer schlechter. Der Kampf gegen den Fortschritt läuft ebenso auf Hochtouren wie die Propagandamaschinerie. Alle versuchen, die Augen zu verschließen. Denn mit jedem Tag stehen sie tiefer in der Schuld der Wahrheit, und es wird immer beängstigender, ihr ins Auge zu sehen – Russland wirkt inzwischen wie ein Ungeheuer. Die europäische Zivilisation ruht auf drei Säulen: der Vernunft, dem Logos der alten Griechen; der Gerechtigkeit, dem römischen Recht; und der christlichen Nächstenliebe. Wenn sich unsere Vorstellungen von Vernunft und Gerechtigkeit vor unseren Augen verändern und neue Regeln uns geradewegs in den Zusammenbruch führen, müssen wir uns auf Nächstenliebe besinnen. (…)
Da Dreharbeiten in Russland nicht infrage kamen: Warum fiel Ihre Wahl auf Lettland? -Ich wusste, dass sich die russische Vergangenheit in Lettland noch an der Architektur ablesen lässt. Die sowjetischen Großwohnsiedlungen Rigas gleichen denen in den Vororten russischer Städte. Die Rigaer Altstadt hingegen sieht aus wie jede andere europäische Stadt und kann deshalb nicht als Russland dienen. Eine der zentralen Sequenzen des Films spielt jedoch in der Wohnung des Fotografen Anton, im siebten Stock eines Wohnblocks. Ich war sicher, dass wir einen solchen Ort in Riga finden würden. Außerdem brauchten wir außerhalb der Stadt ein Haus für das Ehepaar. Die Villen rund um Riga besitzen allerdings eine ganz eigene architektonische Färbung und unterscheiden sich etwas von denen im Moskauer Umland. Doch wir hatten Glück: Nicht weit von Riga fanden wir ein ebenerdiges Haus in europäischer Bauweise, wie es auch in der Umgebung russischer Städte stehen könnte. Die Handlung ist in einer mittelgroßen russischen Provinzstadt angesiedelt, für die wir sogar einen Namen erfunden haben: Krasnoborsk. Die benötigten Innenräume fanden wir in Riga ohne Schwierigkeiten. (…) Die Außenaufnahmen entstanden also in einer Rigaer Großwohnsiedlung; die Wohnung selbst war ein eigens errichteter Studiobau.
Konnten Sie für diesen Film wieder mit Ihrer gewohnten Crew arbeiten? -Ja, zum Glück. Obwohl wir heute über die ganze Welt verstreut leben, konnten wir fast alle wieder zusammenbringen. Andrey Dergachev etwa, der seit DIE VERBANNUNG bei all meinen Filmen für den Ton verantwortlich ist, lebt in Kanada. Andrey Ponkratov, seit DIE VERBANNUNG mein Szenenbildner, und Masha Slavina, die bereits am Szenenbild von LOVELESS mitgewirkt hatte, leben in den Vereinigten Staaten. Mikhail Krichman, der Kameramann all meiner Filme, lebt in London. Auch mein Koautor Simon Lyashenko wohnt nicht mehr in Russland. Ich selbst bin in Frankreich, ebenso wie mein Komponist Evgueni Galperine. Mit ihm hatte ich bereits bei LOVELESS gearbeitet, und sein Talent hat mich sehr beeindruckt. Für diesen Film wollte ich nur sehr wenig Musik, eigentlich fast gar keine. Es gibt eine beinahe zwanzigminütige Szene ohne Dialog. Natürlich hätte ich versucht sein können, dort Musik einzusetzen. Doch ich nahm mir vor, dieser Versuchung nicht nachzugeben. Und es ist mir durchaus gelungen – auch wenn darüber letztlich das Publikum entscheidet. Unverzichtbar erschienen mir nur die Musik im Vorspann und jene, die die letzten Bilder begleitet.“(Gespräch mit Andrey Zvyagintsev, Presseheft MUBI)
Mi. 11.11.
10:00 Uhr
Spatzenkino – Klingende Geschichten
– nur mit Voranmeldung! | reservierung@spatzenkino.de | Service-Telefon 449 47 50
Weißt du eigentlich, wie lieb ich dich hab? – Das Lied des Windes
Das Schilfrohr pfeift im Wind und der kleine braune Hase möchte gerne mitpfeifen. Doch das ist nicht so leicht. Regie: Steve Moltzen, AUS/D 2014, Zeichentrickfilm, 10 Min.
Dornröschen war ein schönes Kind
Wer kennt das Dornröschenlied? Das Singspiel der Puppen auf der Leinwand lädt zum Mitsingen ein. Regie: Katja Georgie, DDR 1987, Puppentrickfilm, 5 Min.
Kleine Prinzessin – Ich will eine Trompete
Tröööööt! Laut trompetet die kleine Prinzessin mit dem Trichter durchs Schloss. Leider sind nicht alle von ihrer Musik begeistert. Regie: Edward Forster, GB 2007, Zeichentrickfilm, 7 Min.
Eine abenteuerliche Schnitzeljagd durch Wiens morbide Schauplätze, opulente Kostüme und spektakuläre Kino-Bilder von Kameramann Martin Gschlacht. Ein exzentrischer Tanz der Vampire im Dreivierteltakt.
Zwischen Irr-Sinn und Aber-Witz: DIE BLUTGRÄFIN von Kultregisseurin Ulrike Ottinger ist die Mutter aller Kinofeste, ein groteskes Gelage grandioser Grande Dames, die nach dem roten Elixier des Lebens streben und auf der Umlaufbahn der Deutungen absolut uneinholbar sind. Ein exzellentes, spielfreudiges Ensemble in einer federleichten Vampirkomödie, die schon jetzt unsterblich ist.
“…Ottinger findet souverän jene Tonlage zwischen queerem Spektakel, heidnischem Bildersturm und Hochkultur-Persiflage, die immer schon einen wichtigen Strang in ihrem großen und beeindruckenden Werk ausgemacht hat. Elfriede Jelinek hat ihr aus Freundschaft bei den Dialogen ein wenig unter den Schreibarm gegriffen und damit einige großartige Details zu einem Film beigesteuert, den man nicht zuletzt als eine Urkunde der Verbundenheit dieser beiden so unterschiedlichen Städte Berlin und Wien sehen kann.“(Bert Rebhandl, tipBerlin)
Über fünf Jahre dokumentiert Pepa Lubojacki vier Familienmitglieder, allen voran Bruder David, der alkoholabhängig und ohne Obdach ist. In einer hochpersönlichen, tagebuchartigen Collage unternimmt Lubojacki den Versuch, die Wurzeln generationenübergreifenden Unglücks freizulegen, das seinen Ausdruck immer wieder in schweren Suchterkrankungen findet. Dabei verschmelzen Textskulpturen, Langzeitbeobachtung, Synthie-Beats und mit KI animierte Fotografien aus der Kindheit zu einer markant-verspielten, schonungslosen und doch liebenden Offenlegung. IF PIGEONS TURNED TO GOLD ist Kapitulation und Hoffnungsschimmer gleichermaßen, Kraftakt und Lösungsprozess. Pepa Lubojacki bringt die Vergangenheit zum Sprechen und schafft auf diese Weise einen Kontext, der David und die ebenfalls suchtkranken Cousins dem richtenden Urteil der Außenwelt entzieht – und auch deren Ignoranz. In der behutsamen Begegnung werden sie für einen Moment erneut zu einsamen Kindern. Weniger auf der Suche nach Schuld als nach Heilung, steht am Ende die Möglichkeit einer Transformation, versinnbildlicht im verfallenen Haus des Vaters, das Pepa in einen geschützten Ort verwandelt: Home, I’m coming. (Carolin Weidner, Berlinale Forum 2026)
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“Der mit dem Caligari-Preis ausgezeichnete Film legt die Ambivalenz einer medial überformten Gegenwart offen, in der Sichtbarkeit Anerkennung verspricht, aber kaum Schutzräume kennt. Das eindringliche Porträt einer Geschwisterbeziehung entpuppt sich zugleich als vielschichtige Reflexion über die Möglichkeiten und Grenzen filmischer Vermittlung.”Filmdienst
“If Pigeons Turned to Goldist kein Film über David und sein Alkoholproblem, sondern über die Situation, unbedingt helfen zu wollen und es nicht zu können, und über all die Dinge, die man tut, um das nicht wahrhaben zu müssen: von quälenden Selbstbefragungen bis zur Idee, ein dokumentarisches Porträt zu machen und dafür Kinderfotografien per KI zu animieren.” critic.de
“Es ist der große Zauber dieses collageartigen, stilistisch so zugänglichen Filmes, nicht nur mit der Scham zu brechen, sondern dem geächteten Bild von Obdachlosen und Suchtkranken einen Gegenentwurf aus Anteilnahme, Mitgefühl und Fürsorge entgegenzustellen. Lubojackis erklärtes Ziel ist es, den Zuschauer einzuladen, es ihr gleichzutun, mit „brutaler Ehrlichkeit“ hinzuschauen, weil es Leben retten kann. Denn ‘wären Tauben aus Gold, würden sie die Straßen dekorieren und wären den anderen Vögeln ebenbürtig. Sie würden nicht die Bänke vollscheißen, Müll fressen und vor der Realität flüchten. Sie würden die Straßen zum Glänzen bringen.’ ”Berliner Filmfestivals
Frankreich / Deutschland / Lettland 2026. 141 min, russische Originalfassung mit deutschen UT
Regie: Andrey Zvyagintsev
Russland, 2022: Firmenchef Gleb gerät von allen Seiten unter Druck. Einerseits quält ihn der Verdacht, dass seine Frau ihn betrügt, andererseits soll er ein Kontingent der Belegschaft für den Krieg stellen. Er will saubere Hände behalten, doch der Kampf um die Kontrolle droht ihm zu entgleiten.
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„Der Krieg ist dabei von Anfang an präsent, auch wenn Zvyagintsev ihn fast nie direkt zeigt. Militärplakate hängen an Hausfassaden, Panzer rollen auf Zügen durch die Stadt, junge Männer verschwinden an die Front. Der Krieg ist wie ein permanentes Hintergrundrauschen, das längst Teil des Alltags geworden ist. Niemand diskutiert darüber wirklich. Niemand scheint überrascht oder empört. Gerade diese Normalisierung macht MINOTAUR unangenehm präzise deutlich. (…) Der titelgebende Mythos bleibt im Hintergrund, zieht sich aber unterschwellig durch den gesamten Film. Wie im antiken Mythos werden auch hier Menschen geopfert, um ein System am Leben zu halten. Die vierzehn Mitarbeiter, die Gleb an die Front schicken soll, sind kein Zufall. Zvyagintsev verbindet diese Opferbereitschaft mit einem Staat, der seine eigenen Bürger verschlingt und gleichzeitig jede Verantwortung von sich weist. Dabei beeindruckt vor allem, wie konsequent MINOTAUR jede Form von Hoffnung verweigert. Der Film glaubt nicht an schnelle Veränderungen oder moralische Erlösung. Stattdessen zeigt er eine Gesellschaft, die sich längst mit ihrer eigenen Kälte arrangiert hat. Das mag streckenweise schwer auszuhalten sein, doch gerade diese Konsequenz macht den Film so kraftvoll. (…) Vor allen Dingen ist er ein Film, der weit über seine konkrete politische Situation hinausreicht. Er erzählt von einer Gesellschaft, in der Menschen ihre Menschlichkeit Stück für Stück gegen Stabilität, Wohlstand und Selbstschutz eingetauscht haben – und erkennt darin eine Tragödie.“(Mia Pflüger, kino-zeit.de)
„Ihre ersten beiden Filme waren noch weit von der Politik entfernt. Die folgenden vier, darunter MINOTAURUS, befassen sich dagegen mit der Lage in Russland. Obwohl sie nicht mehr dort leben, kehren sie immer wieder zur Analyse der russischen Gesellschaft zurück. Wie blicken Sie heute auf Russland und die Welt? -Seit LEVIATHAN stehen meine Filme tatsächlich in einem konkreten politischen Kontext. Die Politik ist in unser Leben eingedrungen, und wir können uns ihr nicht mehr entziehen. (…) Die Menschen im heutigen Russland sind apathisch und leben unter dem Joch der Zensur. Sie haben Angst, sind orientierungslos, und die sozialen Netzwerke funktionieren immer schlechter. Der Kampf gegen den Fortschritt läuft ebenso auf Hochtouren wie die Propagandamaschinerie. Alle versuchen, die Augen zu verschließen. Denn mit jedem Tag stehen sie tiefer in der Schuld der Wahrheit, und es wird immer beängstigender, ihr ins Auge zu sehen – Russland wirkt inzwischen wie ein Ungeheuer. Die europäische Zivilisation ruht auf drei Säulen: der Vernunft, dem Logos der alten Griechen; der Gerechtigkeit, dem römischen Recht; und der christlichen Nächstenliebe. Wenn sich unsere Vorstellungen von Vernunft und Gerechtigkeit vor unseren Augen verändern und neue Regeln uns geradewegs in den Zusammenbruch führen, müssen wir uns auf Nächstenliebe besinnen. (…)
Da Dreharbeiten in Russland nicht infrage kamen: Warum fiel Ihre Wahl auf Lettland? -Ich wusste, dass sich die russische Vergangenheit in Lettland noch an der Architektur ablesen lässt. Die sowjetischen Großwohnsiedlungen Rigas gleichen denen in den Vororten russischer Städte. Die Rigaer Altstadt hingegen sieht aus wie jede andere europäische Stadt und kann deshalb nicht als Russland dienen. Eine der zentralen Sequenzen des Films spielt jedoch in der Wohnung des Fotografen Anton, im siebten Stock eines Wohnblocks. Ich war sicher, dass wir einen solchen Ort in Riga finden würden. Außerdem brauchten wir außerhalb der Stadt ein Haus für das Ehepaar. Die Villen rund um Riga besitzen allerdings eine ganz eigene architektonische Färbung und unterscheiden sich etwas von denen im Moskauer Umland. Doch wir hatten Glück: Nicht weit von Riga fanden wir ein ebenerdiges Haus in europäischer Bauweise, wie es auch in der Umgebung russischer Städte stehen könnte. Die Handlung ist in einer mittelgroßen russischen Provinzstadt angesiedelt, für die wir sogar einen Namen erfunden haben: Krasnoborsk. Die benötigten Innenräume fanden wir in Riga ohne Schwierigkeiten. (…) Die Außenaufnahmen entstanden also in einer Rigaer Großwohnsiedlung; die Wohnung selbst war ein eigens errichteter Studiobau.
Konnten Sie für diesen Film wieder mit Ihrer gewohnten Crew arbeiten? -Ja, zum Glück. Obwohl wir heute über die ganze Welt verstreut leben, konnten wir fast alle wieder zusammenbringen. Andrey Dergachev etwa, der seit DIE VERBANNUNG bei all meinen Filmen für den Ton verantwortlich ist, lebt in Kanada. Andrey Ponkratov, seit DIE VERBANNUNG mein Szenenbildner, und Masha Slavina, die bereits am Szenenbild von LOVELESS mitgewirkt hatte, leben in den Vereinigten Staaten. Mikhail Krichman, der Kameramann all meiner Filme, lebt in London. Auch mein Koautor Simon Lyashenko wohnt nicht mehr in Russland. Ich selbst bin in Frankreich, ebenso wie mein Komponist Evgueni Galperine. Mit ihm hatte ich bereits bei LOVELESS gearbeitet, und sein Talent hat mich sehr beeindruckt. Für diesen Film wollte ich nur sehr wenig Musik, eigentlich fast gar keine. Es gibt eine beinahe zwanzigminütige Szene ohne Dialog. Natürlich hätte ich versucht sein können, dort Musik einzusetzen. Doch ich nahm mir vor, dieser Versuchung nicht nachzugeben. Und es ist mir durchaus gelungen – auch wenn darüber letztlich das Publikum entscheidet. Unverzichtbar erschienen mir nur die Musik im Vorspann und jene, die die letzten Bilder begleitet.“(Gespräch mit Andrey Zvyagintsev, Presseheft MUBI)
Eine berührende und zugleich heitere Paargeschichte voller Wortwitz, leiser Melancholie und zärtlicher Momente. Basierend auf dem gleichnamigen Bestseller von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder, der im August 2026 im Hanser Verlag neu aufgelegt wird, erzählen sie über zwei Menschen, die nach vier Jahrzehnten Jahren Ehe entdecken, dass es für Veränderungen nie zu spät ist.
Seit seiner Pensionierung meckert Harry nur noch rum, trinkt Weizenbier und pflegt seinen Rittersporn. Findet Lore. Sie klammert sich an ihren Job als Bibliothekarin, organisiert peinliche Lesungen und verehrt ihre Dichter wie Propheten. Findet Harry. Für ein altes Ehepaar reden die beiden erstaunlich viel – und meinen doch meistens etwas anderes. Als Tochter Julia zum dritten Mal heiraten will, ist der Streit programmiert und doch nur die Spitze des Eisbergs. In vierzig Jahren Ehe sammelt sich einiges an. Unter der Oberfläche brodelt es: unausgesprochene Fragen, alte Eifersucht, der Streit um Harrys Phlegma und um den Sinn eines Hochdruckreinigers. Während Harry seinen Garten hegt, träumt Lore von einem anderen Leben, von Reisen, von Aufbruch. Sie fühlt sich kraftlos und fragt sich immer dringlicher: War das schon alles? Welche Chancen hat sie verpasst? Ist es mit über sechzig zu spät für einen Neuanfang? Harry trinkt sein Bier, raucht, schweigt. Und bemerkt doch ihre Not. (Pandora)
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“…Ottinger findet souverän jene Tonlage zwischen queerem Spektakel, heidnischem Bildersturm und Hochkultur-Persiflage, die immer schon einen wichtigen Strang in ihrem großen und beeindruckenden Werk ausgemacht hat. Elfriede Jelinek hat ihr aus Freundschaft bei den Dialogen ein wenig unter den Schreibarm gegriffen und damit einige großartige Details zu einem Film beigesteuert, den man nicht zuletzt als eine Urkunde der Verbundenheit dieser beiden so unterschiedlichen Städte Berlin und Wien sehen kann.“(Bert Rebhandl, tipBerlin)
Italien / Deutschland 2025, 98 min, italienische Originalfassung mit deutschen UT
Regie: Francesco Sossai
Carlobianchi und Doriano, zwei mittellose Fünfzigjährige, sind besessen von der Idee des letzten Glases. Als sie auf einer Nachtfahrt durch die venetische Ebene zufällig dem schüchternen Architekturstudenten Giulio begegnen, beginnt ein chaotischer Roadtrip voller schlechter Ratschläge, Rauschzustände und unerwarteter Freundschaften.
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„So befreit und betrunken Carlobianchi und Doriano durchs Leben mäandern, so ungezwungen erzählt Sossai auch. Ansatzlos fügt er Erzählungen oder Erinnerungen ein, lässt das Duo bald die Polizei, die eine Kontrolle durchführen will, abhängen, nach einem Restaurant suchen, in dem sie einst die besten Schnecken genossen, oder sich gegenüber dem adeligen Besitzer eines renovierungsbedürftigen Landschlosses als Architekten ausgeben. Ganz eigenen Reiz entwickelt LE CITTÀ DI PIANURA dabei auch durch den Dreh auf analogem Super 16mm Film. Mit den verwaschenen Farben und der leichten Körnung sind die Bilder ungleich haptischer als gestochen scharfe Digitalbilder. Gleichzeitig passt diese Ästhetik ebenso wie die alkoholgeschwängerten, sich an der amerikanischen Folk-Musik orientierenden Songs des aus Treviso stammenden Singer-Songwriters Krano auch bestens zu den wenig glamourösen und sehr alltäglichen Protagonisten. (…) Mögen Carlobianchi und Doriano in ihrer Ziellosigkeit dabei auch an die Protagonisten von Federico Fellins VITELLONI / DIE MÜSSIGGÄNGER (1953) erinnern und Sossai auch mit einer Hubschrauberszene Fellinis LA DOLCE VITA (1960) seine Reverenz erweisen, so steht LE CITTÀ DI PIANURA insgesamt doch vor allem in der Tradition der frühen Filmen Jim Jarmuschs und Aki Kaurismäkis. Nicht nur die Protagonisten und der melancholische Blick auf eine triste Welt verbindet diese Reise durch Norditalien mit den Filmen der US-Indie-Ikone und des Finnen, sondern auch die Arbeit mit der Musik und die auf klassische Plotpoints verzichtende, undramatische Erzählweise, durch die dieses Roadmovie seine bezaubernde und befreiende Kraft entwickelt.“(Walter Gasperi, film-netz.com)
Frankreich / Deutschland / Lettland 2026. 141 min, russische Originalfassung mit deutschen UT
Regie: Andrey Zvyagintsev
Russland, 2022: Firmenchef Gleb gerät von allen Seiten unter Druck. Einerseits quält ihn der Verdacht, dass seine Frau ihn betrügt, andererseits soll er ein Kontingent der Belegschaft für den Krieg stellen. Er will saubere Hände behalten, doch der Kampf um die Kontrolle droht ihm zu entgleiten.
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„Der Krieg ist dabei von Anfang an präsent, auch wenn Zvyagintsev ihn fast nie direkt zeigt. Militärplakate hängen an Hausfassaden, Panzer rollen auf Zügen durch die Stadt, junge Männer verschwinden an die Front. Der Krieg ist wie ein permanentes Hintergrundrauschen, das längst Teil des Alltags geworden ist. Niemand diskutiert darüber wirklich. Niemand scheint überrascht oder empört. Gerade diese Normalisierung macht MINOTAUR unangenehm präzise deutlich. (…) Der titelgebende Mythos bleibt im Hintergrund, zieht sich aber unterschwellig durch den gesamten Film. Wie im antiken Mythos werden auch hier Menschen geopfert, um ein System am Leben zu halten. Die vierzehn Mitarbeiter, die Gleb an die Front schicken soll, sind kein Zufall. Zvyagintsev verbindet diese Opferbereitschaft mit einem Staat, der seine eigenen Bürger verschlingt und gleichzeitig jede Verantwortung von sich weist. Dabei beeindruckt vor allem, wie konsequent MINOTAUR jede Form von Hoffnung verweigert. Der Film glaubt nicht an schnelle Veränderungen oder moralische Erlösung. Stattdessen zeigt er eine Gesellschaft, die sich längst mit ihrer eigenen Kälte arrangiert hat. Das mag streckenweise schwer auszuhalten sein, doch gerade diese Konsequenz macht den Film so kraftvoll. (…) Vor allen Dingen ist er ein Film, der weit über seine konkrete politische Situation hinausreicht. Er erzählt von einer Gesellschaft, in der Menschen ihre Menschlichkeit Stück für Stück gegen Stabilität, Wohlstand und Selbstschutz eingetauscht haben – und erkennt darin eine Tragödie.“(Mia Pflüger, kino-zeit.de)
„Ihre ersten beiden Filme waren noch weit von der Politik entfernt. Die folgenden vier, darunter MINOTAURUS, befassen sich dagegen mit der Lage in Russland. Obwohl sie nicht mehr dort leben, kehren sie immer wieder zur Analyse der russischen Gesellschaft zurück. Wie blicken Sie heute auf Russland und die Welt? -Seit LEVIATHAN stehen meine Filme tatsächlich in einem konkreten politischen Kontext. Die Politik ist in unser Leben eingedrungen, und wir können uns ihr nicht mehr entziehen. (…) Die Menschen im heutigen Russland sind apathisch und leben unter dem Joch der Zensur. Sie haben Angst, sind orientierungslos, und die sozialen Netzwerke funktionieren immer schlechter. Der Kampf gegen den Fortschritt läuft ebenso auf Hochtouren wie die Propagandamaschinerie. Alle versuchen, die Augen zu verschließen. Denn mit jedem Tag stehen sie tiefer in der Schuld der Wahrheit, und es wird immer beängstigender, ihr ins Auge zu sehen – Russland wirkt inzwischen wie ein Ungeheuer. Die europäische Zivilisation ruht auf drei Säulen: der Vernunft, dem Logos der alten Griechen; der Gerechtigkeit, dem römischen Recht; und der christlichen Nächstenliebe. Wenn sich unsere Vorstellungen von Vernunft und Gerechtigkeit vor unseren Augen verändern und neue Regeln uns geradewegs in den Zusammenbruch führen, müssen wir uns auf Nächstenliebe besinnen. (…)
Da Dreharbeiten in Russland nicht infrage kamen: Warum fiel Ihre Wahl auf Lettland? -Ich wusste, dass sich die russische Vergangenheit in Lettland noch an der Architektur ablesen lässt. Die sowjetischen Großwohnsiedlungen Rigas gleichen denen in den Vororten russischer Städte. Die Rigaer Altstadt hingegen sieht aus wie jede andere europäische Stadt und kann deshalb nicht als Russland dienen. Eine der zentralen Sequenzen des Films spielt jedoch in der Wohnung des Fotografen Anton, im siebten Stock eines Wohnblocks. Ich war sicher, dass wir einen solchen Ort in Riga finden würden. Außerdem brauchten wir außerhalb der Stadt ein Haus für das Ehepaar. Die Villen rund um Riga besitzen allerdings eine ganz eigene architektonische Färbung und unterscheiden sich etwas von denen im Moskauer Umland. Doch wir hatten Glück: Nicht weit von Riga fanden wir ein ebenerdiges Haus in europäischer Bauweise, wie es auch in der Umgebung russischer Städte stehen könnte. Die Handlung ist in einer mittelgroßen russischen Provinzstadt angesiedelt, für die wir sogar einen Namen erfunden haben: Krasnoborsk. Die benötigten Innenräume fanden wir in Riga ohne Schwierigkeiten. (…) Die Außenaufnahmen entstanden also in einer Rigaer Großwohnsiedlung; die Wohnung selbst war ein eigens errichteter Studiobau.
Konnten Sie für diesen Film wieder mit Ihrer gewohnten Crew arbeiten? -Ja, zum Glück. Obwohl wir heute über die ganze Welt verstreut leben, konnten wir fast alle wieder zusammenbringen. Andrey Dergachev etwa, der seit DIE VERBANNUNG bei all meinen Filmen für den Ton verantwortlich ist, lebt in Kanada. Andrey Ponkratov, seit DIE VERBANNUNG mein Szenenbildner, und Masha Slavina, die bereits am Szenenbild von LOVELESS mitgewirkt hatte, leben in den Vereinigten Staaten. Mikhail Krichman, der Kameramann all meiner Filme, lebt in London. Auch mein Koautor Simon Lyashenko wohnt nicht mehr in Russland. Ich selbst bin in Frankreich, ebenso wie mein Komponist Evgueni Galperine. Mit ihm hatte ich bereits bei LOVELESS gearbeitet, und sein Talent hat mich sehr beeindruckt. Für diesen Film wollte ich nur sehr wenig Musik, eigentlich fast gar keine. Es gibt eine beinahe zwanzigminütige Szene ohne Dialog. Natürlich hätte ich versucht sein können, dort Musik einzusetzen. Doch ich nahm mir vor, dieser Versuchung nicht nachzugeben. Und es ist mir durchaus gelungen – auch wenn darüber letztlich das Publikum entscheidet. Unverzichtbar erschienen mir nur die Musik im Vorspann und jene, die die letzten Bilder begleitet.“(Gespräch mit Andrey Zvyagintsev, Presseheft MUBI)
Eine berührende und zugleich heitere Paargeschichte voller Wortwitz, leiser Melancholie und zärtlicher Momente. Basierend auf dem gleichnamigen Bestseller von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder, der im August 2026 im Hanser Verlag neu aufgelegt wird, erzählen sie über zwei Menschen, die nach vier Jahrzehnten Jahren Ehe entdecken, dass es für Veränderungen nie zu spät ist.
Seit seiner Pensionierung meckert Harry nur noch rum, trinkt Weizenbier und pflegt seinen Rittersporn. Findet Lore. Sie klammert sich an ihren Job als Bibliothekarin, organisiert peinliche Lesungen und verehrt ihre Dichter wie Propheten. Findet Harry. Für ein altes Ehepaar reden die beiden erstaunlich viel – und meinen doch meistens etwas anderes. Als Tochter Julia zum dritten Mal heiraten will, ist der Streit programmiert und doch nur die Spitze des Eisbergs. In vierzig Jahren Ehe sammelt sich einiges an. Unter der Oberfläche brodelt es: unausgesprochene Fragen, alte Eifersucht, der Streit um Harrys Phlegma und um den Sinn eines Hochdruckreinigers. Während Harry seinen Garten hegt, träumt Lore von einem anderen Leben, von Reisen, von Aufbruch. Sie fühlt sich kraftlos und fragt sich immer dringlicher: War das schon alles? Welche Chancen hat sie verpasst? Ist es mit über sechzig zu spät für einen Neuanfang? Harry trinkt sein Bier, raucht, schweigt. Und bemerkt doch ihre Not. (Pandora)
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Eine abenteuerliche Schnitzeljagd durch Wiens morbide Schauplätze, opulente Kostüme und spektakuläre Kino-Bilder von Kameramann Martin Gschlacht. Ein exzentrischer Tanz der Vampire im Dreivierteltakt.
Zwischen Irr-Sinn und Aber-Witz: DIE BLUTGRÄFIN von Kultregisseurin Ulrike Ottinger ist die Mutter aller Kinofeste, ein groteskes Gelage grandioser Grande Dames, die nach dem roten Elixier des Lebens streben und auf der Umlaufbahn der Deutungen absolut uneinholbar sind. Ein exzellentes, spielfreudiges Ensemble in einer federleichten Vampirkomödie, die schon jetzt unsterblich ist.
“…Ottinger findet souverän jene Tonlage zwischen queerem Spektakel, heidnischem Bildersturm und Hochkultur-Persiflage, die immer schon einen wichtigen Strang in ihrem großen und beeindruckenden Werk ausgemacht hat. Elfriede Jelinek hat ihr aus Freundschaft bei den Dialogen ein wenig unter den Schreibarm gegriffen und damit einige großartige Details zu einem Film beigesteuert, den man nicht zuletzt als eine Urkunde der Verbundenheit dieser beiden so unterschiedlichen Städte Berlin und Wien sehen kann.“(Bert Rebhandl, tipBerlin)
Italien / Deutschland 2025, 98 min, italienische Originalfassung mit deutschen UT
Regie: Francesco Sossai
Carlobianchi und Doriano, zwei mittellose Fünfzigjährige, sind besessen von der Idee des letzten Glases. Als sie auf einer Nachtfahrt durch die venetische Ebene zufällig dem schüchternen Architekturstudenten Giulio begegnen, beginnt ein chaotischer Roadtrip voller schlechter Ratschläge, Rauschzustände und unerwarteter Freundschaften.
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„So befreit und betrunken Carlobianchi und Doriano durchs Leben mäandern, so ungezwungen erzählt Sossai auch. Ansatzlos fügt er Erzählungen oder Erinnerungen ein, lässt das Duo bald die Polizei, die eine Kontrolle durchführen will, abhängen, nach einem Restaurant suchen, in dem sie einst die besten Schnecken genossen, oder sich gegenüber dem adeligen Besitzer eines renovierungsbedürftigen Landschlosses als Architekten ausgeben. Ganz eigenen Reiz entwickelt LE CITTÀ DI PIANURA dabei auch durch den Dreh auf analogem Super 16mm Film. Mit den verwaschenen Farben und der leichten Körnung sind die Bilder ungleich haptischer als gestochen scharfe Digitalbilder. Gleichzeitig passt diese Ästhetik ebenso wie die alkoholgeschwängerten, sich an der amerikanischen Folk-Musik orientierenden Songs des aus Treviso stammenden Singer-Songwriters Krano auch bestens zu den wenig glamourösen und sehr alltäglichen Protagonisten. (…) Mögen Carlobianchi und Doriano in ihrer Ziellosigkeit dabei auch an die Protagonisten von Federico Fellins VITELLONI / DIE MÜSSIGGÄNGER (1953) erinnern und Sossai auch mit einer Hubschrauberszene Fellinis LA DOLCE VITA (1960) seine Reverenz erweisen, so steht LE CITTÀ DI PIANURA insgesamt doch vor allem in der Tradition der frühen Filmen Jim Jarmuschs und Aki Kaurismäkis. Nicht nur die Protagonisten und der melancholische Blick auf eine triste Welt verbindet diese Reise durch Norditalien mit den Filmen der US-Indie-Ikone und des Finnen, sondern auch die Arbeit mit der Musik und die auf klassische Plotpoints verzichtende, undramatische Erzählweise, durch die dieses Roadmovie seine bezaubernde und befreiende Kraft entwickelt.“(Walter Gasperi, film-netz.com)
Frankreich / Deutschland / Lettland 2026. 141 min, russische Originalfassung mit deutschen UT
Regie: Andrey Zvyagintsev
Russland, 2022: Firmenchef Gleb gerät von allen Seiten unter Druck. Einerseits quält ihn der Verdacht, dass seine Frau ihn betrügt, andererseits soll er ein Kontingent der Belegschaft für den Krieg stellen. Er will saubere Hände behalten, doch der Kampf um die Kontrolle droht ihm zu entgleiten.
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„Der Krieg ist dabei von Anfang an präsent, auch wenn Zvyagintsev ihn fast nie direkt zeigt. Militärplakate hängen an Hausfassaden, Panzer rollen auf Zügen durch die Stadt, junge Männer verschwinden an die Front. Der Krieg ist wie ein permanentes Hintergrundrauschen, das längst Teil des Alltags geworden ist. Niemand diskutiert darüber wirklich. Niemand scheint überrascht oder empört. Gerade diese Normalisierung macht MINOTAUR unangenehm präzise deutlich. (…) Der titelgebende Mythos bleibt im Hintergrund, zieht sich aber unterschwellig durch den gesamten Film. Wie im antiken Mythos werden auch hier Menschen geopfert, um ein System am Leben zu halten. Die vierzehn Mitarbeiter, die Gleb an die Front schicken soll, sind kein Zufall. Zvyagintsev verbindet diese Opferbereitschaft mit einem Staat, der seine eigenen Bürger verschlingt und gleichzeitig jede Verantwortung von sich weist. Dabei beeindruckt vor allem, wie konsequent MINOTAUR jede Form von Hoffnung verweigert. Der Film glaubt nicht an schnelle Veränderungen oder moralische Erlösung. Stattdessen zeigt er eine Gesellschaft, die sich längst mit ihrer eigenen Kälte arrangiert hat. Das mag streckenweise schwer auszuhalten sein, doch gerade diese Konsequenz macht den Film so kraftvoll. (…) Vor allen Dingen ist er ein Film, der weit über seine konkrete politische Situation hinausreicht. Er erzählt von einer Gesellschaft, in der Menschen ihre Menschlichkeit Stück für Stück gegen Stabilität, Wohlstand und Selbstschutz eingetauscht haben – und erkennt darin eine Tragödie.“(Mia Pflüger, kino-zeit.de)
„Ihre ersten beiden Filme waren noch weit von der Politik entfernt. Die folgenden vier, darunter MINOTAURUS, befassen sich dagegen mit der Lage in Russland. Obwohl sie nicht mehr dort leben, kehren sie immer wieder zur Analyse der russischen Gesellschaft zurück. Wie blicken Sie heute auf Russland und die Welt? -Seit LEVIATHAN stehen meine Filme tatsächlich in einem konkreten politischen Kontext. Die Politik ist in unser Leben eingedrungen, und wir können uns ihr nicht mehr entziehen. (…) Die Menschen im heutigen Russland sind apathisch und leben unter dem Joch der Zensur. Sie haben Angst, sind orientierungslos, und die sozialen Netzwerke funktionieren immer schlechter. Der Kampf gegen den Fortschritt läuft ebenso auf Hochtouren wie die Propagandamaschinerie. Alle versuchen, die Augen zu verschließen. Denn mit jedem Tag stehen sie tiefer in der Schuld der Wahrheit, und es wird immer beängstigender, ihr ins Auge zu sehen – Russland wirkt inzwischen wie ein Ungeheuer. Die europäische Zivilisation ruht auf drei Säulen: der Vernunft, dem Logos der alten Griechen; der Gerechtigkeit, dem römischen Recht; und der christlichen Nächstenliebe. Wenn sich unsere Vorstellungen von Vernunft und Gerechtigkeit vor unseren Augen verändern und neue Regeln uns geradewegs in den Zusammenbruch führen, müssen wir uns auf Nächstenliebe besinnen. (…)
Da Dreharbeiten in Russland nicht infrage kamen: Warum fiel Ihre Wahl auf Lettland? -Ich wusste, dass sich die russische Vergangenheit in Lettland noch an der Architektur ablesen lässt. Die sowjetischen Großwohnsiedlungen Rigas gleichen denen in den Vororten russischer Städte. Die Rigaer Altstadt hingegen sieht aus wie jede andere europäische Stadt und kann deshalb nicht als Russland dienen. Eine der zentralen Sequenzen des Films spielt jedoch in der Wohnung des Fotografen Anton, im siebten Stock eines Wohnblocks. Ich war sicher, dass wir einen solchen Ort in Riga finden würden. Außerdem brauchten wir außerhalb der Stadt ein Haus für das Ehepaar. Die Villen rund um Riga besitzen allerdings eine ganz eigene architektonische Färbung und unterscheiden sich etwas von denen im Moskauer Umland. Doch wir hatten Glück: Nicht weit von Riga fanden wir ein ebenerdiges Haus in europäischer Bauweise, wie es auch in der Umgebung russischer Städte stehen könnte. Die Handlung ist in einer mittelgroßen russischen Provinzstadt angesiedelt, für die wir sogar einen Namen erfunden haben: Krasnoborsk. Die benötigten Innenräume fanden wir in Riga ohne Schwierigkeiten. (…) Die Außenaufnahmen entstanden also in einer Rigaer Großwohnsiedlung; die Wohnung selbst war ein eigens errichteter Studiobau.
Konnten Sie für diesen Film wieder mit Ihrer gewohnten Crew arbeiten? -Ja, zum Glück. Obwohl wir heute über die ganze Welt verstreut leben, konnten wir fast alle wieder zusammenbringen. Andrey Dergachev etwa, der seit DIE VERBANNUNG bei all meinen Filmen für den Ton verantwortlich ist, lebt in Kanada. Andrey Ponkratov, seit DIE VERBANNUNG mein Szenenbildner, und Masha Slavina, die bereits am Szenenbild von LOVELESS mitgewirkt hatte, leben in den Vereinigten Staaten. Mikhail Krichman, der Kameramann all meiner Filme, lebt in London. Auch mein Koautor Simon Lyashenko wohnt nicht mehr in Russland. Ich selbst bin in Frankreich, ebenso wie mein Komponist Evgueni Galperine. Mit ihm hatte ich bereits bei LOVELESS gearbeitet, und sein Talent hat mich sehr beeindruckt. Für diesen Film wollte ich nur sehr wenig Musik, eigentlich fast gar keine. Es gibt eine beinahe zwanzigminütige Szene ohne Dialog. Natürlich hätte ich versucht sein können, dort Musik einzusetzen. Doch ich nahm mir vor, dieser Versuchung nicht nachzugeben. Und es ist mir durchaus gelungen – auch wenn darüber letztlich das Publikum entscheidet. Unverzichtbar erschienen mir nur die Musik im Vorspann und jene, die die letzten Bilder begleitet.“(Gespräch mit Andrey Zvyagintsev, Presseheft MUBI)
Eine berührende und zugleich heitere Paargeschichte voller Wortwitz, leiser Melancholie und zärtlicher Momente. Basierend auf dem gleichnamigen Bestseller von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder, der im August 2026 im Hanser Verlag neu aufgelegt wird, erzählen sie über zwei Menschen, die nach vier Jahrzehnten Jahren Ehe entdecken, dass es für Veränderungen nie zu spät ist.
Seit seiner Pensionierung meckert Harry nur noch rum, trinkt Weizenbier und pflegt seinen Rittersporn. Findet Lore. Sie klammert sich an ihren Job als Bibliothekarin, organisiert peinliche Lesungen und verehrt ihre Dichter wie Propheten. Findet Harry. Für ein altes Ehepaar reden die beiden erstaunlich viel – und meinen doch meistens etwas anderes. Als Tochter Julia zum dritten Mal heiraten will, ist der Streit programmiert und doch nur die Spitze des Eisbergs. In vierzig Jahren Ehe sammelt sich einiges an. Unter der Oberfläche brodelt es: unausgesprochene Fragen, alte Eifersucht, der Streit um Harrys Phlegma und um den Sinn eines Hochdruckreinigers. Während Harry seinen Garten hegt, träumt Lore von einem anderen Leben, von Reisen, von Aufbruch. Sie fühlt sich kraftlos und fragt sich immer dringlicher: War das schon alles? Welche Chancen hat sie verpasst? Ist es mit über sechzig zu spät für einen Neuanfang? Harry trinkt sein Bier, raucht, schweigt. Und bemerkt doch ihre Not. (Pandora)
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Eine abenteuerliche Schnitzeljagd durch Wiens morbide Schauplätze, opulente Kostüme und spektakuläre Kino-Bilder von Kameramann Martin Gschlacht. Ein exzentrischer Tanz der Vampire im Dreivierteltakt.
Zwischen Irr-Sinn und Aber-Witz: DIE BLUTGRÄFIN von Kultregisseurin Ulrike Ottinger ist die Mutter aller Kinofeste, ein groteskes Gelage grandioser Grande Dames, die nach dem roten Elixier des Lebens streben und auf der Umlaufbahn der Deutungen absolut uneinholbar sind. Ein exzellentes, spielfreudiges Ensemble in einer federleichten Vampirkomödie, die schon jetzt unsterblich ist.
“…Ottinger findet souverän jene Tonlage zwischen queerem Spektakel, heidnischem Bildersturm und Hochkultur-Persiflage, die immer schon einen wichtigen Strang in ihrem großen und beeindruckenden Werk ausgemacht hat. Elfriede Jelinek hat ihr aus Freundschaft bei den Dialogen ein wenig unter den Schreibarm gegriffen und damit einige großartige Details zu einem Film beigesteuert, den man nicht zuletzt als eine Urkunde der Verbundenheit dieser beiden so unterschiedlichen Städte Berlin und Wien sehen kann.“(Bert Rebhandl, tipBerlin)
Italien / Deutschland 2025, 98 min, italienische Originalfassung mit deutschen UT
Regie: Francesco Sossai
Carlobianchi und Doriano, zwei mittellose Fünfzigjährige, sind besessen von der Idee des letzten Glases. Als sie auf einer Nachtfahrt durch die venetische Ebene zufällig dem schüchternen Architekturstudenten Giulio begegnen, beginnt ein chaotischer Roadtrip voller schlechter Ratschläge, Rauschzustände und unerwarteter Freundschaften.
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„So befreit und betrunken Carlobianchi und Doriano durchs Leben mäandern, so ungezwungen erzählt Sossai auch. Ansatzlos fügt er Erzählungen oder Erinnerungen ein, lässt das Duo bald die Polizei, die eine Kontrolle durchführen will, abhängen, nach einem Restaurant suchen, in dem sie einst die besten Schnecken genossen, oder sich gegenüber dem adeligen Besitzer eines renovierungsbedürftigen Landschlosses als Architekten ausgeben. Ganz eigenen Reiz entwickelt LE CITTÀ DI PIANURA dabei auch durch den Dreh auf analogem Super 16mm Film. Mit den verwaschenen Farben und der leichten Körnung sind die Bilder ungleich haptischer als gestochen scharfe Digitalbilder. Gleichzeitig passt diese Ästhetik ebenso wie die alkoholgeschwängerten, sich an der amerikanischen Folk-Musik orientierenden Songs des aus Treviso stammenden Singer-Songwriters Krano auch bestens zu den wenig glamourösen und sehr alltäglichen Protagonisten. (…) Mögen Carlobianchi und Doriano in ihrer Ziellosigkeit dabei auch an die Protagonisten von Federico Fellins VITELLONI / DIE MÜSSIGGÄNGER (1953) erinnern und Sossai auch mit einer Hubschrauberszene Fellinis LA DOLCE VITA (1960) seine Reverenz erweisen, so steht LE CITTÀ DI PIANURA insgesamt doch vor allem in der Tradition der frühen Filmen Jim Jarmuschs und Aki Kaurismäkis. Nicht nur die Protagonisten und der melancholische Blick auf eine triste Welt verbindet diese Reise durch Norditalien mit den Filmen der US-Indie-Ikone und des Finnen, sondern auch die Arbeit mit der Musik und die auf klassische Plotpoints verzichtende, undramatische Erzählweise, durch die dieses Roadmovie seine bezaubernde und befreiende Kraft entwickelt.“(Walter Gasperi, film-netz.com)
Frankreich / Deutschland / Lettland 2026. 141 min, russische Originalfassung mit deutschen UT
Regie: Andrey Zvyagintsev
Russland, 2022: Firmenchef Gleb gerät von allen Seiten unter Druck. Einerseits quält ihn der Verdacht, dass seine Frau ihn betrügt, andererseits soll er ein Kontingent der Belegschaft für den Krieg stellen. Er will saubere Hände behalten, doch der Kampf um die Kontrolle droht ihm zu entgleiten.
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„Der Krieg ist dabei von Anfang an präsent, auch wenn Zvyagintsev ihn fast nie direkt zeigt. Militärplakate hängen an Hausfassaden, Panzer rollen auf Zügen durch die Stadt, junge Männer verschwinden an die Front. Der Krieg ist wie ein permanentes Hintergrundrauschen, das längst Teil des Alltags geworden ist. Niemand diskutiert darüber wirklich. Niemand scheint überrascht oder empört. Gerade diese Normalisierung macht MINOTAUR unangenehm präzise deutlich. (…) Der titelgebende Mythos bleibt im Hintergrund, zieht sich aber unterschwellig durch den gesamten Film. Wie im antiken Mythos werden auch hier Menschen geopfert, um ein System am Leben zu halten. Die vierzehn Mitarbeiter, die Gleb an die Front schicken soll, sind kein Zufall. Zvyagintsev verbindet diese Opferbereitschaft mit einem Staat, der seine eigenen Bürger verschlingt und gleichzeitig jede Verantwortung von sich weist. Dabei beeindruckt vor allem, wie konsequent MINOTAUR jede Form von Hoffnung verweigert. Der Film glaubt nicht an schnelle Veränderungen oder moralische Erlösung. Stattdessen zeigt er eine Gesellschaft, die sich längst mit ihrer eigenen Kälte arrangiert hat. Das mag streckenweise schwer auszuhalten sein, doch gerade diese Konsequenz macht den Film so kraftvoll. (…) Vor allen Dingen ist er ein Film, der weit über seine konkrete politische Situation hinausreicht. Er erzählt von einer Gesellschaft, in der Menschen ihre Menschlichkeit Stück für Stück gegen Stabilität, Wohlstand und Selbstschutz eingetauscht haben – und erkennt darin eine Tragödie.“(Mia Pflüger, kino-zeit.de)
„Ihre ersten beiden Filme waren noch weit von der Politik entfernt. Die folgenden vier, darunter MINOTAURUS, befassen sich dagegen mit der Lage in Russland. Obwohl sie nicht mehr dort leben, kehren sie immer wieder zur Analyse der russischen Gesellschaft zurück. Wie blicken Sie heute auf Russland und die Welt? -Seit LEVIATHAN stehen meine Filme tatsächlich in einem konkreten politischen Kontext. Die Politik ist in unser Leben eingedrungen, und wir können uns ihr nicht mehr entziehen. (…) Die Menschen im heutigen Russland sind apathisch und leben unter dem Joch der Zensur. Sie haben Angst, sind orientierungslos, und die sozialen Netzwerke funktionieren immer schlechter. Der Kampf gegen den Fortschritt läuft ebenso auf Hochtouren wie die Propagandamaschinerie. Alle versuchen, die Augen zu verschließen. Denn mit jedem Tag stehen sie tiefer in der Schuld der Wahrheit, und es wird immer beängstigender, ihr ins Auge zu sehen – Russland wirkt inzwischen wie ein Ungeheuer. Die europäische Zivilisation ruht auf drei Säulen: der Vernunft, dem Logos der alten Griechen; der Gerechtigkeit, dem römischen Recht; und der christlichen Nächstenliebe. Wenn sich unsere Vorstellungen von Vernunft und Gerechtigkeit vor unseren Augen verändern und neue Regeln uns geradewegs in den Zusammenbruch führen, müssen wir uns auf Nächstenliebe besinnen. (…)
Da Dreharbeiten in Russland nicht infrage kamen: Warum fiel Ihre Wahl auf Lettland? -Ich wusste, dass sich die russische Vergangenheit in Lettland noch an der Architektur ablesen lässt. Die sowjetischen Großwohnsiedlungen Rigas gleichen denen in den Vororten russischer Städte. Die Rigaer Altstadt hingegen sieht aus wie jede andere europäische Stadt und kann deshalb nicht als Russland dienen. Eine der zentralen Sequenzen des Films spielt jedoch in der Wohnung des Fotografen Anton, im siebten Stock eines Wohnblocks. Ich war sicher, dass wir einen solchen Ort in Riga finden würden. Außerdem brauchten wir außerhalb der Stadt ein Haus für das Ehepaar. Die Villen rund um Riga besitzen allerdings eine ganz eigene architektonische Färbung und unterscheiden sich etwas von denen im Moskauer Umland. Doch wir hatten Glück: Nicht weit von Riga fanden wir ein ebenerdiges Haus in europäischer Bauweise, wie es auch in der Umgebung russischer Städte stehen könnte. Die Handlung ist in einer mittelgroßen russischen Provinzstadt angesiedelt, für die wir sogar einen Namen erfunden haben: Krasnoborsk. Die benötigten Innenräume fanden wir in Riga ohne Schwierigkeiten. (…) Die Außenaufnahmen entstanden also in einer Rigaer Großwohnsiedlung; die Wohnung selbst war ein eigens errichteter Studiobau.
Konnten Sie für diesen Film wieder mit Ihrer gewohnten Crew arbeiten? -Ja, zum Glück. Obwohl wir heute über die ganze Welt verstreut leben, konnten wir fast alle wieder zusammenbringen. Andrey Dergachev etwa, der seit DIE VERBANNUNG bei all meinen Filmen für den Ton verantwortlich ist, lebt in Kanada. Andrey Ponkratov, seit DIE VERBANNUNG mein Szenenbildner, und Masha Slavina, die bereits am Szenenbild von LOVELESS mitgewirkt hatte, leben in den Vereinigten Staaten. Mikhail Krichman, der Kameramann all meiner Filme, lebt in London. Auch mein Koautor Simon Lyashenko wohnt nicht mehr in Russland. Ich selbst bin in Frankreich, ebenso wie mein Komponist Evgueni Galperine. Mit ihm hatte ich bereits bei LOVELESS gearbeitet, und sein Talent hat mich sehr beeindruckt. Für diesen Film wollte ich nur sehr wenig Musik, eigentlich fast gar keine. Es gibt eine beinahe zwanzigminütige Szene ohne Dialog. Natürlich hätte ich versucht sein können, dort Musik einzusetzen. Doch ich nahm mir vor, dieser Versuchung nicht nachzugeben. Und es ist mir durchaus gelungen – auch wenn darüber letztlich das Publikum entscheidet. Unverzichtbar erschienen mir nur die Musik im Vorspann und jene, die die letzten Bilder begleitet.“(Gespräch mit Andrey Zvyagintsev, Presseheft MUBI)
Frankreich / Deutschland / Lettland 2026. 141 min, russische Originalfassung mit deutschen UT
Regie: Andrey Zvyagintsev
Russland, 2022: Firmenchef Gleb gerät von allen Seiten unter Druck. Einerseits quält ihn der Verdacht, dass seine Frau ihn betrügt, andererseits soll er ein Kontingent der Belegschaft für den Krieg stellen. Er will saubere Hände behalten, doch der Kampf um die Kontrolle droht ihm zu entgleiten.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
„Der Krieg ist dabei von Anfang an präsent, auch wenn Zvyagintsev ihn fast nie direkt zeigt. Militärplakate hängen an Hausfassaden, Panzer rollen auf Zügen durch die Stadt, junge Männer verschwinden an die Front. Der Krieg ist wie ein permanentes Hintergrundrauschen, das längst Teil des Alltags geworden ist. Niemand diskutiert darüber wirklich. Niemand scheint überrascht oder empört. Gerade diese Normalisierung macht MINOTAUR unangenehm präzise deutlich. (…) Der titelgebende Mythos bleibt im Hintergrund, zieht sich aber unterschwellig durch den gesamten Film. Wie im antiken Mythos werden auch hier Menschen geopfert, um ein System am Leben zu halten. Die vierzehn Mitarbeiter, die Gleb an die Front schicken soll, sind kein Zufall. Zvyagintsev verbindet diese Opferbereitschaft mit einem Staat, der seine eigenen Bürger verschlingt und gleichzeitig jede Verantwortung von sich weist. Dabei beeindruckt vor allem, wie konsequent MINOTAUR jede Form von Hoffnung verweigert. Der Film glaubt nicht an schnelle Veränderungen oder moralische Erlösung. Stattdessen zeigt er eine Gesellschaft, die sich längst mit ihrer eigenen Kälte arrangiert hat. Das mag streckenweise schwer auszuhalten sein, doch gerade diese Konsequenz macht den Film so kraftvoll. (…) Vor allen Dingen ist er ein Film, der weit über seine konkrete politische Situation hinausreicht. Er erzählt von einer Gesellschaft, in der Menschen ihre Menschlichkeit Stück für Stück gegen Stabilität, Wohlstand und Selbstschutz eingetauscht haben – und erkennt darin eine Tragödie.“(Mia Pflüger, kino-zeit.de)
„Ihre ersten beiden Filme waren noch weit von der Politik entfernt. Die folgenden vier, darunter MINOTAURUS, befassen sich dagegen mit der Lage in Russland. Obwohl sie nicht mehr dort leben, kehren sie immer wieder zur Analyse der russischen Gesellschaft zurück. Wie blicken Sie heute auf Russland und die Welt? -Seit LEVIATHAN stehen meine Filme tatsächlich in einem konkreten politischen Kontext. Die Politik ist in unser Leben eingedrungen, und wir können uns ihr nicht mehr entziehen. (…) Die Menschen im heutigen Russland sind apathisch und leben unter dem Joch der Zensur. Sie haben Angst, sind orientierungslos, und die sozialen Netzwerke funktionieren immer schlechter. Der Kampf gegen den Fortschritt läuft ebenso auf Hochtouren wie die Propagandamaschinerie. Alle versuchen, die Augen zu verschließen. Denn mit jedem Tag stehen sie tiefer in der Schuld der Wahrheit, und es wird immer beängstigender, ihr ins Auge zu sehen – Russland wirkt inzwischen wie ein Ungeheuer. Die europäische Zivilisation ruht auf drei Säulen: der Vernunft, dem Logos der alten Griechen; der Gerechtigkeit, dem römischen Recht; und der christlichen Nächstenliebe. Wenn sich unsere Vorstellungen von Vernunft und Gerechtigkeit vor unseren Augen verändern und neue Regeln uns geradewegs in den Zusammenbruch führen, müssen wir uns auf Nächstenliebe besinnen. (…)
Da Dreharbeiten in Russland nicht infrage kamen: Warum fiel Ihre Wahl auf Lettland? -Ich wusste, dass sich die russische Vergangenheit in Lettland noch an der Architektur ablesen lässt. Die sowjetischen Großwohnsiedlungen Rigas gleichen denen in den Vororten russischer Städte. Die Rigaer Altstadt hingegen sieht aus wie jede andere europäische Stadt und kann deshalb nicht als Russland dienen. Eine der zentralen Sequenzen des Films spielt jedoch in der Wohnung des Fotografen Anton, im siebten Stock eines Wohnblocks. Ich war sicher, dass wir einen solchen Ort in Riga finden würden. Außerdem brauchten wir außerhalb der Stadt ein Haus für das Ehepaar. Die Villen rund um Riga besitzen allerdings eine ganz eigene architektonische Färbung und unterscheiden sich etwas von denen im Moskauer Umland. Doch wir hatten Glück: Nicht weit von Riga fanden wir ein ebenerdiges Haus in europäischer Bauweise, wie es auch in der Umgebung russischer Städte stehen könnte. Die Handlung ist in einer mittelgroßen russischen Provinzstadt angesiedelt, für die wir sogar einen Namen erfunden haben: Krasnoborsk. Die benötigten Innenräume fanden wir in Riga ohne Schwierigkeiten. (…) Die Außenaufnahmen entstanden also in einer Rigaer Großwohnsiedlung; die Wohnung selbst war ein eigens errichteter Studiobau.
Konnten Sie für diesen Film wieder mit Ihrer gewohnten Crew arbeiten? -Ja, zum Glück. Obwohl wir heute über die ganze Welt verstreut leben, konnten wir fast alle wieder zusammenbringen. Andrey Dergachev etwa, der seit DIE VERBANNUNG bei all meinen Filmen für den Ton verantwortlich ist, lebt in Kanada. Andrey Ponkratov, seit DIE VERBANNUNG mein Szenenbildner, und Masha Slavina, die bereits am Szenenbild von LOVELESS mitgewirkt hatte, leben in den Vereinigten Staaten. Mikhail Krichman, der Kameramann all meiner Filme, lebt in London. Auch mein Koautor Simon Lyashenko wohnt nicht mehr in Russland. Ich selbst bin in Frankreich, ebenso wie mein Komponist Evgueni Galperine. Mit ihm hatte ich bereits bei LOVELESS gearbeitet, und sein Talent hat mich sehr beeindruckt. Für diesen Film wollte ich nur sehr wenig Musik, eigentlich fast gar keine. Es gibt eine beinahe zwanzigminütige Szene ohne Dialog. Natürlich hätte ich versucht sein können, dort Musik einzusetzen. Doch ich nahm mir vor, dieser Versuchung nicht nachzugeben. Und es ist mir durchaus gelungen – auch wenn darüber letztlich das Publikum entscheidet. Unverzichtbar erschienen mir nur die Musik im Vorspann und jene, die die letzten Bilder begleitet.“(Gespräch mit Andrey Zvyagintsev, Presseheft MUBI)
So. 15.11.
17:00 Uhr
Ja milujem, ty miluješ (Ich liebe, du liebst / I Love, You Love) | Vorfilm: Učenie (Learning)
, OmeU – IN WEITER FERNE, SO NAH! | mit Vorfilm und Einführung
Da der kleinwüchsige Bahnpostarbeiter Pišta keine Frau findet, gibt er sich hemmungslos dem Alkohol hin. Als sein Freund Vinco, ein stattlicher Macho, verunglückt und die schwangere Viera hinterlässt, kümmert er sich liebevoll um die ‚Witwe‘. Oh ja, er hat sie schon immer insgeheim verehrt und ist sogar bereit, für ihre Gegenliebe dem Alkohol zu entsagen. Als er jedoch rückfällig wird, wirft auch sie ihn hinaus.
Zwischen Paketstapeln, Bahnhofskneipen und Wohnungen am Stadtrand entfaltet Ja milujem, ty miluješ ein komisch-trauriges Universum aus Witz, Poesie und vielen skurrilen Entgleisungen. Und die Liebe, von der hier die Rede ist, meint weniger die große romantische Wallung, als das elementare Bedürfnis, einem anderen Menschen nahe zu sein.
Der zärtliche Blick Dusan Hanaks auf die Habenichtse am Rand der Gesellschaft war der Zensur so unheimlich, dass der 1980 gedrehte Film fast ein Jahrzehnt unter Verschluss blieb, bevor er 1989 in Berlin den Silbernen Bären für die beste Regie gewann. (Ralph Eue)
VORFILM:
Učenie (Learning)
ČSSR 1965, 15 min, Slowakisch mit engl. UT
Regie: Dušan Hanák
Der Film porträtiert junge Friseur-Lehrlinge und thematisiert ihren Einstieg ins Berufs- und Erwachsenenleben.
Italien / Deutschland 2025, 98 min, italienische Originalfassung mit deutschen UT
Regie: Francesco Sossai
Carlobianchi und Doriano, zwei mittellose Fünfzigjährige, sind besessen von der Idee des letzten Glases. Als sie auf einer Nachtfahrt durch die venetische Ebene zufällig dem schüchternen Architekturstudenten Giulio begegnen, beginnt ein chaotischer Roadtrip voller schlechter Ratschläge, Rauschzustände und unerwarteter Freundschaften.
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„So befreit und betrunken Carlobianchi und Doriano durchs Leben mäandern, so ungezwungen erzählt Sossai auch. Ansatzlos fügt er Erzählungen oder Erinnerungen ein, lässt das Duo bald die Polizei, die eine Kontrolle durchführen will, abhängen, nach einem Restaurant suchen, in dem sie einst die besten Schnecken genossen, oder sich gegenüber dem adeligen Besitzer eines renovierungsbedürftigen Landschlosses als Architekten ausgeben. Ganz eigenen Reiz entwickelt LE CITTÀ DI PIANURA dabei auch durch den Dreh auf analogem Super 16mm Film. Mit den verwaschenen Farben und der leichten Körnung sind die Bilder ungleich haptischer als gestochen scharfe Digitalbilder. Gleichzeitig passt diese Ästhetik ebenso wie die alkoholgeschwängerten, sich an der amerikanischen Folk-Musik orientierenden Songs des aus Treviso stammenden Singer-Songwriters Krano auch bestens zu den wenig glamourösen und sehr alltäglichen Protagonisten. (…) Mögen Carlobianchi und Doriano in ihrer Ziellosigkeit dabei auch an die Protagonisten von Federico Fellins VITELLONI / DIE MÜSSIGGÄNGER (1953) erinnern und Sossai auch mit einer Hubschrauberszene Fellinis LA DOLCE VITA (1960) seine Reverenz erweisen, so steht LE CITTÀ DI PIANURA insgesamt doch vor allem in der Tradition der frühen Filmen Jim Jarmuschs und Aki Kaurismäkis. Nicht nur die Protagonisten und der melancholische Blick auf eine triste Welt verbindet diese Reise durch Norditalien mit den Filmen der US-Indie-Ikone und des Finnen, sondern auch die Arbeit mit der Musik und die auf klassische Plotpoints verzichtende, undramatische Erzählweise, durch die dieses Roadmovie seine bezaubernde und befreiende Kraft entwickelt.“(Walter Gasperi, film-netz.com)
Eine abenteuerliche Schnitzeljagd durch Wiens morbide Schauplätze, opulente Kostüme und spektakuläre Kino-Bilder von Kameramann Martin Gschlacht. Ein exzentrischer Tanz der Vampire im Dreivierteltakt.
Zwischen Irr-Sinn und Aber-Witz: DIE BLUTGRÄFIN von Kultregisseurin Ulrike Ottinger ist die Mutter aller Kinofeste, ein groteskes Gelage grandioser Grande Dames, die nach dem roten Elixier des Lebens streben und auf der Umlaufbahn der Deutungen absolut uneinholbar sind. Ein exzellentes, spielfreudiges Ensemble in einer federleichten Vampirkomödie, die schon jetzt unsterblich ist.
“…Ottinger findet souverän jene Tonlage zwischen queerem Spektakel, heidnischem Bildersturm und Hochkultur-Persiflage, die immer schon einen wichtigen Strang in ihrem großen und beeindruckenden Werk ausgemacht hat. Elfriede Jelinek hat ihr aus Freundschaft bei den Dialogen ein wenig unter den Schreibarm gegriffen und damit einige großartige Details zu einem Film beigesteuert, den man nicht zuletzt als eine Urkunde der Verbundenheit dieser beiden so unterschiedlichen Städte Berlin und Wien sehen kann.“(Bert Rebhandl, tipBerlin)
Italien / Deutschland 2025, 98 min, italienische Originalfassung mit deutschen UT
Regie: Francesco Sossai
Carlobianchi und Doriano, zwei mittellose Fünfzigjährige, sind besessen von der Idee des letzten Glases. Als sie auf einer Nachtfahrt durch die venetische Ebene zufällig dem schüchternen Architekturstudenten Giulio begegnen, beginnt ein chaotischer Roadtrip voller schlechter Ratschläge, Rauschzustände und unerwarteter Freundschaften.
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„So befreit und betrunken Carlobianchi und Doriano durchs Leben mäandern, so ungezwungen erzählt Sossai auch. Ansatzlos fügt er Erzählungen oder Erinnerungen ein, lässt das Duo bald die Polizei, die eine Kontrolle durchführen will, abhängen, nach einem Restaurant suchen, in dem sie einst die besten Schnecken genossen, oder sich gegenüber dem adeligen Besitzer eines renovierungsbedürftigen Landschlosses als Architekten ausgeben. Ganz eigenen Reiz entwickelt LE CITTÀ DI PIANURA dabei auch durch den Dreh auf analogem Super 16mm Film. Mit den verwaschenen Farben und der leichten Körnung sind die Bilder ungleich haptischer als gestochen scharfe Digitalbilder. Gleichzeitig passt diese Ästhetik ebenso wie die alkoholgeschwängerten, sich an der amerikanischen Folk-Musik orientierenden Songs des aus Treviso stammenden Singer-Songwriters Krano auch bestens zu den wenig glamourösen und sehr alltäglichen Protagonisten. (…) Mögen Carlobianchi und Doriano in ihrer Ziellosigkeit dabei auch an die Protagonisten von Federico Fellins VITELLONI / DIE MÜSSIGGÄNGER (1953) erinnern und Sossai auch mit einer Hubschrauberszene Fellinis LA DOLCE VITA (1960) seine Reverenz erweisen, so steht LE CITTÀ DI PIANURA insgesamt doch vor allem in der Tradition der frühen Filmen Jim Jarmuschs und Aki Kaurismäkis. Nicht nur die Protagonisten und der melancholische Blick auf eine triste Welt verbindet diese Reise durch Norditalien mit den Filmen der US-Indie-Ikone und des Finnen, sondern auch die Arbeit mit der Musik und die auf klassische Plotpoints verzichtende, undramatische Erzählweise, durch die dieses Roadmovie seine bezaubernde und befreiende Kraft entwickelt.“(Walter Gasperi, film-netz.com)
Mo. 16.11.
18:00 Uhr
Zmluva s diablom (Vertrag mit dem Teufel / A Pact with the Devil)
, OmeU – IN WEITER FERNE, SO NAH! | Einführung: Olaf Moeller
Aufruhr in der Abiturklasse: Ein übler Streich bringt fünf Abiturientinnen eines slowakischen Gymnasiums in Verruf. Jemand hat einen „Vertrag mit dem Teufel” fabriziert, ein auf altes Pergament geschriebenes und angeblich mit Blut unterzeichnetes Schriftstück. Darin verpflichten sich die fünf Mädchen scheinbar, noch vor der Matura ihre Unschuld zu verlieren. Das Papier gerät in die Hände der Lehrerschaft, und die Empörung ist groß. Die Schülerinnen beteuern, nichts damit zu tun zu haben, doch niemand glaubt ihnen: weder die Schulleitung noch die eigenen Eltern. Aus Trotz beschließen Marcela, Ája, Olina und ihre Freundinnen daraufhin, den Pakt tatsächlich zu erfüllen und genau das zu tun, was man ihnen ohnehin unterstellt. Ihre Versuche geraten meist unbeholfen und komisch – an einer Stelle aber führen sie fast in die Katastrophe.
Jozef Zachar inszenierte das Drehbuch des Dramatikers Ivan Bukovčan als bittersüße Komödie. Sie nimmt die sprühende Vitalität der Mädchen aus dem Schussfeld und nimmt stattdessen die Doppelmoral einer Gesellschaft spättisch ins Visier, die von Sittlichkeit spricht und Misstrauen meint. Die jungen Darstellerinnen Ivana Karbanová, Zuzana Kocúriková und Sylvia Turbová spielen mit frecher Unbekümmertheit. Ihnen gegenüber steht eine Riege prominenter Nebendarsteller, darunter Vladimír Menšík, Jaromír Hanzlík und Marián Labuda. Die Musik stammt von Zdeněk Liška. (Ralph Eue)
Frankreich / Deutschland / Lettland 2026. 141 min, russische Originalfassung mit deutschen UT
Regie: Andrey Zvyagintsev
Russland, 2022: Firmenchef Gleb gerät von allen Seiten unter Druck. Einerseits quält ihn der Verdacht, dass seine Frau ihn betrügt, andererseits soll er ein Kontingent der Belegschaft für den Krieg stellen. Er will saubere Hände behalten, doch der Kampf um die Kontrolle droht ihm zu entgleiten.
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„Der Krieg ist dabei von Anfang an präsent, auch wenn Zvyagintsev ihn fast nie direkt zeigt. Militärplakate hängen an Hausfassaden, Panzer rollen auf Zügen durch die Stadt, junge Männer verschwinden an die Front. Der Krieg ist wie ein permanentes Hintergrundrauschen, das längst Teil des Alltags geworden ist. Niemand diskutiert darüber wirklich. Niemand scheint überrascht oder empört. Gerade diese Normalisierung macht MINOTAUR unangenehm präzise deutlich. (…) Der titelgebende Mythos bleibt im Hintergrund, zieht sich aber unterschwellig durch den gesamten Film. Wie im antiken Mythos werden auch hier Menschen geopfert, um ein System am Leben zu halten. Die vierzehn Mitarbeiter, die Gleb an die Front schicken soll, sind kein Zufall. Zvyagintsev verbindet diese Opferbereitschaft mit einem Staat, der seine eigenen Bürger verschlingt und gleichzeitig jede Verantwortung von sich weist. Dabei beeindruckt vor allem, wie konsequent MINOTAUR jede Form von Hoffnung verweigert. Der Film glaubt nicht an schnelle Veränderungen oder moralische Erlösung. Stattdessen zeigt er eine Gesellschaft, die sich längst mit ihrer eigenen Kälte arrangiert hat. Das mag streckenweise schwer auszuhalten sein, doch gerade diese Konsequenz macht den Film so kraftvoll. (…) Vor allen Dingen ist er ein Film, der weit über seine konkrete politische Situation hinausreicht. Er erzählt von einer Gesellschaft, in der Menschen ihre Menschlichkeit Stück für Stück gegen Stabilität, Wohlstand und Selbstschutz eingetauscht haben – und erkennt darin eine Tragödie.“(Mia Pflüger, kino-zeit.de)
„Ihre ersten beiden Filme waren noch weit von der Politik entfernt. Die folgenden vier, darunter MINOTAURUS, befassen sich dagegen mit der Lage in Russland. Obwohl sie nicht mehr dort leben, kehren sie immer wieder zur Analyse der russischen Gesellschaft zurück. Wie blicken Sie heute auf Russland und die Welt? -Seit LEVIATHAN stehen meine Filme tatsächlich in einem konkreten politischen Kontext. Die Politik ist in unser Leben eingedrungen, und wir können uns ihr nicht mehr entziehen. (…) Die Menschen im heutigen Russland sind apathisch und leben unter dem Joch der Zensur. Sie haben Angst, sind orientierungslos, und die sozialen Netzwerke funktionieren immer schlechter. Der Kampf gegen den Fortschritt läuft ebenso auf Hochtouren wie die Propagandamaschinerie. Alle versuchen, die Augen zu verschließen. Denn mit jedem Tag stehen sie tiefer in der Schuld der Wahrheit, und es wird immer beängstigender, ihr ins Auge zu sehen – Russland wirkt inzwischen wie ein Ungeheuer. Die europäische Zivilisation ruht auf drei Säulen: der Vernunft, dem Logos der alten Griechen; der Gerechtigkeit, dem römischen Recht; und der christlichen Nächstenliebe. Wenn sich unsere Vorstellungen von Vernunft und Gerechtigkeit vor unseren Augen verändern und neue Regeln uns geradewegs in den Zusammenbruch führen, müssen wir uns auf Nächstenliebe besinnen. (…)
Da Dreharbeiten in Russland nicht infrage kamen: Warum fiel Ihre Wahl auf Lettland? -Ich wusste, dass sich die russische Vergangenheit in Lettland noch an der Architektur ablesen lässt. Die sowjetischen Großwohnsiedlungen Rigas gleichen denen in den Vororten russischer Städte. Die Rigaer Altstadt hingegen sieht aus wie jede andere europäische Stadt und kann deshalb nicht als Russland dienen. Eine der zentralen Sequenzen des Films spielt jedoch in der Wohnung des Fotografen Anton, im siebten Stock eines Wohnblocks. Ich war sicher, dass wir einen solchen Ort in Riga finden würden. Außerdem brauchten wir außerhalb der Stadt ein Haus für das Ehepaar. Die Villen rund um Riga besitzen allerdings eine ganz eigene architektonische Färbung und unterscheiden sich etwas von denen im Moskauer Umland. Doch wir hatten Glück: Nicht weit von Riga fanden wir ein ebenerdiges Haus in europäischer Bauweise, wie es auch in der Umgebung russischer Städte stehen könnte. Die Handlung ist in einer mittelgroßen russischen Provinzstadt angesiedelt, für die wir sogar einen Namen erfunden haben: Krasnoborsk. Die benötigten Innenräume fanden wir in Riga ohne Schwierigkeiten. (…) Die Außenaufnahmen entstanden also in einer Rigaer Großwohnsiedlung; die Wohnung selbst war ein eigens errichteter Studiobau.
Konnten Sie für diesen Film wieder mit Ihrer gewohnten Crew arbeiten? -Ja, zum Glück. Obwohl wir heute über die ganze Welt verstreut leben, konnten wir fast alle wieder zusammenbringen. Andrey Dergachev etwa, der seit DIE VERBANNUNG bei all meinen Filmen für den Ton verantwortlich ist, lebt in Kanada. Andrey Ponkratov, seit DIE VERBANNUNG mein Szenenbildner, und Masha Slavina, die bereits am Szenenbild von LOVELESS mitgewirkt hatte, leben in den Vereinigten Staaten. Mikhail Krichman, der Kameramann all meiner Filme, lebt in London. Auch mein Koautor Simon Lyashenko wohnt nicht mehr in Russland. Ich selbst bin in Frankreich, ebenso wie mein Komponist Evgueni Galperine. Mit ihm hatte ich bereits bei LOVELESS gearbeitet, und sein Talent hat mich sehr beeindruckt. Für diesen Film wollte ich nur sehr wenig Musik, eigentlich fast gar keine. Es gibt eine beinahe zwanzigminütige Szene ohne Dialog. Natürlich hätte ich versucht sein können, dort Musik einzusetzen. Doch ich nahm mir vor, dieser Versuchung nicht nachzugeben. Und es ist mir durchaus gelungen – auch wenn darüber letztlich das Publikum entscheidet. Unverzichtbar erschienen mir nur die Musik im Vorspann und jene, die die letzten Bilder begleitet.“(Gespräch mit Andrey Zvyagintsev, Presseheft MUBI)
Eine abenteuerliche Schnitzeljagd durch Wiens morbide Schauplätze, opulente Kostüme und spektakuläre Kino-Bilder von Kameramann Martin Gschlacht. Ein exzentrischer Tanz der Vampire im Dreivierteltakt.
Zwischen Irr-Sinn und Aber-Witz: DIE BLUTGRÄFIN von Kultregisseurin Ulrike Ottinger ist die Mutter aller Kinofeste, ein groteskes Gelage grandioser Grande Dames, die nach dem roten Elixier des Lebens streben und auf der Umlaufbahn der Deutungen absolut uneinholbar sind. Ein exzellentes, spielfreudiges Ensemble in einer federleichten Vampirkomödie, die schon jetzt unsterblich ist.
“…Ottinger findet souverän jene Tonlage zwischen queerem Spektakel, heidnischem Bildersturm und Hochkultur-Persiflage, die immer schon einen wichtigen Strang in ihrem großen und beeindruckenden Werk ausgemacht hat. Elfriede Jelinek hat ihr aus Freundschaft bei den Dialogen ein wenig unter den Schreibarm gegriffen und damit einige großartige Details zu einem Film beigesteuert, den man nicht zuletzt als eine Urkunde der Verbundenheit dieser beiden so unterschiedlichen Städte Berlin und Wien sehen kann.“(Bert Rebhandl, tipBerlin)
Frankreich / Deutschland / Lettland 2026. 141 min, russische Originalfassung mit deutschen UT
Regie: Andrey Zvyagintsev
Russland, 2022: Firmenchef Gleb gerät von allen Seiten unter Druck. Einerseits quält ihn der Verdacht, dass seine Frau ihn betrügt, andererseits soll er ein Kontingent der Belegschaft für den Krieg stellen. Er will saubere Hände behalten, doch der Kampf um die Kontrolle droht ihm zu entgleiten.
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„Der Krieg ist dabei von Anfang an präsent, auch wenn Zvyagintsev ihn fast nie direkt zeigt. Militärplakate hängen an Hausfassaden, Panzer rollen auf Zügen durch die Stadt, junge Männer verschwinden an die Front. Der Krieg ist wie ein permanentes Hintergrundrauschen, das längst Teil des Alltags geworden ist. Niemand diskutiert darüber wirklich. Niemand scheint überrascht oder empört. Gerade diese Normalisierung macht MINOTAUR unangenehm präzise deutlich. (…) Der titelgebende Mythos bleibt im Hintergrund, zieht sich aber unterschwellig durch den gesamten Film. Wie im antiken Mythos werden auch hier Menschen geopfert, um ein System am Leben zu halten. Die vierzehn Mitarbeiter, die Gleb an die Front schicken soll, sind kein Zufall. Zvyagintsev verbindet diese Opferbereitschaft mit einem Staat, der seine eigenen Bürger verschlingt und gleichzeitig jede Verantwortung von sich weist. Dabei beeindruckt vor allem, wie konsequent MINOTAUR jede Form von Hoffnung verweigert. Der Film glaubt nicht an schnelle Veränderungen oder moralische Erlösung. Stattdessen zeigt er eine Gesellschaft, die sich längst mit ihrer eigenen Kälte arrangiert hat. Das mag streckenweise schwer auszuhalten sein, doch gerade diese Konsequenz macht den Film so kraftvoll. (…) Vor allen Dingen ist er ein Film, der weit über seine konkrete politische Situation hinausreicht. Er erzählt von einer Gesellschaft, in der Menschen ihre Menschlichkeit Stück für Stück gegen Stabilität, Wohlstand und Selbstschutz eingetauscht haben – und erkennt darin eine Tragödie.“(Mia Pflüger, kino-zeit.de)
„Ihre ersten beiden Filme waren noch weit von der Politik entfernt. Die folgenden vier, darunter MINOTAURUS, befassen sich dagegen mit der Lage in Russland. Obwohl sie nicht mehr dort leben, kehren sie immer wieder zur Analyse der russischen Gesellschaft zurück. Wie blicken Sie heute auf Russland und die Welt? -Seit LEVIATHAN stehen meine Filme tatsächlich in einem konkreten politischen Kontext. Die Politik ist in unser Leben eingedrungen, und wir können uns ihr nicht mehr entziehen. (…) Die Menschen im heutigen Russland sind apathisch und leben unter dem Joch der Zensur. Sie haben Angst, sind orientierungslos, und die sozialen Netzwerke funktionieren immer schlechter. Der Kampf gegen den Fortschritt läuft ebenso auf Hochtouren wie die Propagandamaschinerie. Alle versuchen, die Augen zu verschließen. Denn mit jedem Tag stehen sie tiefer in der Schuld der Wahrheit, und es wird immer beängstigender, ihr ins Auge zu sehen – Russland wirkt inzwischen wie ein Ungeheuer. Die europäische Zivilisation ruht auf drei Säulen: der Vernunft, dem Logos der alten Griechen; der Gerechtigkeit, dem römischen Recht; und der christlichen Nächstenliebe. Wenn sich unsere Vorstellungen von Vernunft und Gerechtigkeit vor unseren Augen verändern und neue Regeln uns geradewegs in den Zusammenbruch führen, müssen wir uns auf Nächstenliebe besinnen. (…)
Da Dreharbeiten in Russland nicht infrage kamen: Warum fiel Ihre Wahl auf Lettland? -Ich wusste, dass sich die russische Vergangenheit in Lettland noch an der Architektur ablesen lässt. Die sowjetischen Großwohnsiedlungen Rigas gleichen denen in den Vororten russischer Städte. Die Rigaer Altstadt hingegen sieht aus wie jede andere europäische Stadt und kann deshalb nicht als Russland dienen. Eine der zentralen Sequenzen des Films spielt jedoch in der Wohnung des Fotografen Anton, im siebten Stock eines Wohnblocks. Ich war sicher, dass wir einen solchen Ort in Riga finden würden. Außerdem brauchten wir außerhalb der Stadt ein Haus für das Ehepaar. Die Villen rund um Riga besitzen allerdings eine ganz eigene architektonische Färbung und unterscheiden sich etwas von denen im Moskauer Umland. Doch wir hatten Glück: Nicht weit von Riga fanden wir ein ebenerdiges Haus in europäischer Bauweise, wie es auch in der Umgebung russischer Städte stehen könnte. Die Handlung ist in einer mittelgroßen russischen Provinzstadt angesiedelt, für die wir sogar einen Namen erfunden haben: Krasnoborsk. Die benötigten Innenräume fanden wir in Riga ohne Schwierigkeiten. (…) Die Außenaufnahmen entstanden also in einer Rigaer Großwohnsiedlung; die Wohnung selbst war ein eigens errichteter Studiobau.
Konnten Sie für diesen Film wieder mit Ihrer gewohnten Crew arbeiten? -Ja, zum Glück. Obwohl wir heute über die ganze Welt verstreut leben, konnten wir fast alle wieder zusammenbringen. Andrey Dergachev etwa, der seit DIE VERBANNUNG bei all meinen Filmen für den Ton verantwortlich ist, lebt in Kanada. Andrey Ponkratov, seit DIE VERBANNUNG mein Szenenbildner, und Masha Slavina, die bereits am Szenenbild von LOVELESS mitgewirkt hatte, leben in den Vereinigten Staaten. Mikhail Krichman, der Kameramann all meiner Filme, lebt in London. Auch mein Koautor Simon Lyashenko wohnt nicht mehr in Russland. Ich selbst bin in Frankreich, ebenso wie mein Komponist Evgueni Galperine. Mit ihm hatte ich bereits bei LOVELESS gearbeitet, und sein Talent hat mich sehr beeindruckt. Für diesen Film wollte ich nur sehr wenig Musik, eigentlich fast gar keine. Es gibt eine beinahe zwanzigminütige Szene ohne Dialog. Natürlich hätte ich versucht sein können, dort Musik einzusetzen. Doch ich nahm mir vor, dieser Versuchung nicht nachzugeben. Und es ist mir durchaus gelungen – auch wenn darüber letztlich das Publikum entscheidet. Unverzichtbar erschienen mir nur die Musik im Vorspann und jene, die die letzten Bilder begleitet.“(Gespräch mit Andrey Zvyagintsev, Presseheft MUBI)
Italien / Deutschland 2025, 98 min, italienische Originalfassung mit deutschen UT
Regie: Francesco Sossai
Carlobianchi und Doriano, zwei mittellose Fünfzigjährige, sind besessen von der Idee des letzten Glases. Als sie auf einer Nachtfahrt durch die venetische Ebene zufällig dem schüchternen Architekturstudenten Giulio begegnen, beginnt ein chaotischer Roadtrip voller schlechter Ratschläge, Rauschzustände und unerwarteter Freundschaften.
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„So befreit und betrunken Carlobianchi und Doriano durchs Leben mäandern, so ungezwungen erzählt Sossai auch. Ansatzlos fügt er Erzählungen oder Erinnerungen ein, lässt das Duo bald die Polizei, die eine Kontrolle durchführen will, abhängen, nach einem Restaurant suchen, in dem sie einst die besten Schnecken genossen, oder sich gegenüber dem adeligen Besitzer eines renovierungsbedürftigen Landschlosses als Architekten ausgeben. Ganz eigenen Reiz entwickelt LE CITTÀ DI PIANURA dabei auch durch den Dreh auf analogem Super 16mm Film. Mit den verwaschenen Farben und der leichten Körnung sind die Bilder ungleich haptischer als gestochen scharfe Digitalbilder. Gleichzeitig passt diese Ästhetik ebenso wie die alkoholgeschwängerten, sich an der amerikanischen Folk-Musik orientierenden Songs des aus Treviso stammenden Singer-Songwriters Krano auch bestens zu den wenig glamourösen und sehr alltäglichen Protagonisten. (…) Mögen Carlobianchi und Doriano in ihrer Ziellosigkeit dabei auch an die Protagonisten von Federico Fellins VITELLONI / DIE MÜSSIGGÄNGER (1953) erinnern und Sossai auch mit einer Hubschrauberszene Fellinis LA DOLCE VITA (1960) seine Reverenz erweisen, so steht LE CITTÀ DI PIANURA insgesamt doch vor allem in der Tradition der frühen Filmen Jim Jarmuschs und Aki Kaurismäkis. Nicht nur die Protagonisten und der melancholische Blick auf eine triste Welt verbindet diese Reise durch Norditalien mit den Filmen der US-Indie-Ikone und des Finnen, sondern auch die Arbeit mit der Musik und die auf klassische Plotpoints verzichtende, undramatische Erzählweise, durch die dieses Roadmovie seine bezaubernde und befreiende Kraft entwickelt.“(Walter Gasperi, film-netz.com)
Eine abenteuerliche Schnitzeljagd durch Wiens morbide Schauplätze, opulente Kostüme und spektakuläre Kino-Bilder von Kameramann Martin Gschlacht. Ein exzentrischer Tanz der Vampire im Dreivierteltakt.
Zwischen Irr-Sinn und Aber-Witz: DIE BLUTGRÄFIN von Kultregisseurin Ulrike Ottinger ist die Mutter aller Kinofeste, ein groteskes Gelage grandioser Grande Dames, die nach dem roten Elixier des Lebens streben und auf der Umlaufbahn der Deutungen absolut uneinholbar sind. Ein exzellentes, spielfreudiges Ensemble in einer federleichten Vampirkomödie, die schon jetzt unsterblich ist.
“…Ottinger findet souverän jene Tonlage zwischen queerem Spektakel, heidnischem Bildersturm und Hochkultur-Persiflage, die immer schon einen wichtigen Strang in ihrem großen und beeindruckenden Werk ausgemacht hat. Elfriede Jelinek hat ihr aus Freundschaft bei den Dialogen ein wenig unter den Schreibarm gegriffen und damit einige großartige Details zu einem Film beigesteuert, den man nicht zuletzt als eine Urkunde der Verbundenheit dieser beiden so unterschiedlichen Städte Berlin und Wien sehen kann.“(Bert Rebhandl, tipBerlin)
Frankreich / Deutschland / Lettland 2026. 141 min, russische Originalfassung mit deutschen UT
Regie: Andrey Zvyagintsev
Russland, 2022: Firmenchef Gleb gerät von allen Seiten unter Druck. Einerseits quält ihn der Verdacht, dass seine Frau ihn betrügt, andererseits soll er ein Kontingent der Belegschaft für den Krieg stellen. Er will saubere Hände behalten, doch der Kampf um die Kontrolle droht ihm zu entgleiten.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
„Der Krieg ist dabei von Anfang an präsent, auch wenn Zvyagintsev ihn fast nie direkt zeigt. Militärplakate hängen an Hausfassaden, Panzer rollen auf Zügen durch die Stadt, junge Männer verschwinden an die Front. Der Krieg ist wie ein permanentes Hintergrundrauschen, das längst Teil des Alltags geworden ist. Niemand diskutiert darüber wirklich. Niemand scheint überrascht oder empört. Gerade diese Normalisierung macht MINOTAUR unangenehm präzise deutlich. (…) Der titelgebende Mythos bleibt im Hintergrund, zieht sich aber unterschwellig durch den gesamten Film. Wie im antiken Mythos werden auch hier Menschen geopfert, um ein System am Leben zu halten. Die vierzehn Mitarbeiter, die Gleb an die Front schicken soll, sind kein Zufall. Zvyagintsev verbindet diese Opferbereitschaft mit einem Staat, der seine eigenen Bürger verschlingt und gleichzeitig jede Verantwortung von sich weist. Dabei beeindruckt vor allem, wie konsequent MINOTAUR jede Form von Hoffnung verweigert. Der Film glaubt nicht an schnelle Veränderungen oder moralische Erlösung. Stattdessen zeigt er eine Gesellschaft, die sich längst mit ihrer eigenen Kälte arrangiert hat. Das mag streckenweise schwer auszuhalten sein, doch gerade diese Konsequenz macht den Film so kraftvoll. (…) Vor allen Dingen ist er ein Film, der weit über seine konkrete politische Situation hinausreicht. Er erzählt von einer Gesellschaft, in der Menschen ihre Menschlichkeit Stück für Stück gegen Stabilität, Wohlstand und Selbstschutz eingetauscht haben – und erkennt darin eine Tragödie.“(Mia Pflüger, kino-zeit.de)
„Ihre ersten beiden Filme waren noch weit von der Politik entfernt. Die folgenden vier, darunter MINOTAURUS, befassen sich dagegen mit der Lage in Russland. Obwohl sie nicht mehr dort leben, kehren sie immer wieder zur Analyse der russischen Gesellschaft zurück. Wie blicken Sie heute auf Russland und die Welt? -Seit LEVIATHAN stehen meine Filme tatsächlich in einem konkreten politischen Kontext. Die Politik ist in unser Leben eingedrungen, und wir können uns ihr nicht mehr entziehen. (…) Die Menschen im heutigen Russland sind apathisch und leben unter dem Joch der Zensur. Sie haben Angst, sind orientierungslos, und die sozialen Netzwerke funktionieren immer schlechter. Der Kampf gegen den Fortschritt läuft ebenso auf Hochtouren wie die Propagandamaschinerie. Alle versuchen, die Augen zu verschließen. Denn mit jedem Tag stehen sie tiefer in der Schuld der Wahrheit, und es wird immer beängstigender, ihr ins Auge zu sehen – Russland wirkt inzwischen wie ein Ungeheuer. Die europäische Zivilisation ruht auf drei Säulen: der Vernunft, dem Logos der alten Griechen; der Gerechtigkeit, dem römischen Recht; und der christlichen Nächstenliebe. Wenn sich unsere Vorstellungen von Vernunft und Gerechtigkeit vor unseren Augen verändern und neue Regeln uns geradewegs in den Zusammenbruch führen, müssen wir uns auf Nächstenliebe besinnen. (…)
Da Dreharbeiten in Russland nicht infrage kamen: Warum fiel Ihre Wahl auf Lettland? -Ich wusste, dass sich die russische Vergangenheit in Lettland noch an der Architektur ablesen lässt. Die sowjetischen Großwohnsiedlungen Rigas gleichen denen in den Vororten russischer Städte. Die Rigaer Altstadt hingegen sieht aus wie jede andere europäische Stadt und kann deshalb nicht als Russland dienen. Eine der zentralen Sequenzen des Films spielt jedoch in der Wohnung des Fotografen Anton, im siebten Stock eines Wohnblocks. Ich war sicher, dass wir einen solchen Ort in Riga finden würden. Außerdem brauchten wir außerhalb der Stadt ein Haus für das Ehepaar. Die Villen rund um Riga besitzen allerdings eine ganz eigene architektonische Färbung und unterscheiden sich etwas von denen im Moskauer Umland. Doch wir hatten Glück: Nicht weit von Riga fanden wir ein ebenerdiges Haus in europäischer Bauweise, wie es auch in der Umgebung russischer Städte stehen könnte. Die Handlung ist in einer mittelgroßen russischen Provinzstadt angesiedelt, für die wir sogar einen Namen erfunden haben: Krasnoborsk. Die benötigten Innenräume fanden wir in Riga ohne Schwierigkeiten. (…) Die Außenaufnahmen entstanden also in einer Rigaer Großwohnsiedlung; die Wohnung selbst war ein eigens errichteter Studiobau.
Konnten Sie für diesen Film wieder mit Ihrer gewohnten Crew arbeiten? -Ja, zum Glück. Obwohl wir heute über die ganze Welt verstreut leben, konnten wir fast alle wieder zusammenbringen. Andrey Dergachev etwa, der seit DIE VERBANNUNG bei all meinen Filmen für den Ton verantwortlich ist, lebt in Kanada. Andrey Ponkratov, seit DIE VERBANNUNG mein Szenenbildner, und Masha Slavina, die bereits am Szenenbild von LOVELESS mitgewirkt hatte, leben in den Vereinigten Staaten. Mikhail Krichman, der Kameramann all meiner Filme, lebt in London. Auch mein Koautor Simon Lyashenko wohnt nicht mehr in Russland. Ich selbst bin in Frankreich, ebenso wie mein Komponist Evgueni Galperine. Mit ihm hatte ich bereits bei LOVELESS gearbeitet, und sein Talent hat mich sehr beeindruckt. Für diesen Film wollte ich nur sehr wenig Musik, eigentlich fast gar keine. Es gibt eine beinahe zwanzigminütige Szene ohne Dialog. Natürlich hätte ich versucht sein können, dort Musik einzusetzen. Doch ich nahm mir vor, dieser Versuchung nicht nachzugeben. Und es ist mir durchaus gelungen – auch wenn darüber letztlich das Publikum entscheidet. Unverzichtbar erschienen mir nur die Musik im Vorspann und jene, die die letzten Bilder begleitet.“(Gespräch mit Andrey Zvyagintsev, Presseheft MUBI)
Italien / Deutschland 2025, 98 min, italienische Originalfassung mit deutschen UT
Regie: Francesco Sossai
Carlobianchi und Doriano, zwei mittellose Fünfzigjährige, sind besessen von der Idee des letzten Glases. Als sie auf einer Nachtfahrt durch die venetische Ebene zufällig dem schüchternen Architekturstudenten Giulio begegnen, beginnt ein chaotischer Roadtrip voller schlechter Ratschläge, Rauschzustände und unerwarteter Freundschaften.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
„So befreit und betrunken Carlobianchi und Doriano durchs Leben mäandern, so ungezwungen erzählt Sossai auch. Ansatzlos fügt er Erzählungen oder Erinnerungen ein, lässt das Duo bald die Polizei, die eine Kontrolle durchführen will, abhängen, nach einem Restaurant suchen, in dem sie einst die besten Schnecken genossen, oder sich gegenüber dem adeligen Besitzer eines renovierungsbedürftigen Landschlosses als Architekten ausgeben. Ganz eigenen Reiz entwickelt LE CITTÀ DI PIANURA dabei auch durch den Dreh auf analogem Super 16mm Film. Mit den verwaschenen Farben und der leichten Körnung sind die Bilder ungleich haptischer als gestochen scharfe Digitalbilder. Gleichzeitig passt diese Ästhetik ebenso wie die alkoholgeschwängerten, sich an der amerikanischen Folk-Musik orientierenden Songs des aus Treviso stammenden Singer-Songwriters Krano auch bestens zu den wenig glamourösen und sehr alltäglichen Protagonisten. (…) Mögen Carlobianchi und Doriano in ihrer Ziellosigkeit dabei auch an die Protagonisten von Federico Fellins VITELLONI / DIE MÜSSIGGÄNGER (1953) erinnern und Sossai auch mit einer Hubschrauberszene Fellinis LA DOLCE VITA (1960) seine Reverenz erweisen, so steht LE CITTÀ DI PIANURA insgesamt doch vor allem in der Tradition der frühen Filmen Jim Jarmuschs und Aki Kaurismäkis. Nicht nur die Protagonisten und der melancholische Blick auf eine triste Welt verbindet diese Reise durch Norditalien mit den Filmen der US-Indie-Ikone und des Finnen, sondern auch die Arbeit mit der Musik und die auf klassische Plotpoints verzichtende, undramatische Erzählweise, durch die dieses Roadmovie seine bezaubernde und befreiende Kraft entwickelt.“(Walter Gasperi, film-netz.com)
Italien / Deutschland 2025, 98 min, italienische Originalfassung mit deutschen UT
Regie: Francesco Sossai
Carlobianchi und Doriano, zwei mittellose Fünfzigjährige, sind besessen von der Idee des letzten Glases. Als sie auf einer Nachtfahrt durch die venetische Ebene zufällig dem schüchternen Architekturstudenten Giulio begegnen, beginnt ein chaotischer Roadtrip voller schlechter Ratschläge, Rauschzustände und unerwarteter Freundschaften.
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„So befreit und betrunken Carlobianchi und Doriano durchs Leben mäandern, so ungezwungen erzählt Sossai auch. Ansatzlos fügt er Erzählungen oder Erinnerungen ein, lässt das Duo bald die Polizei, die eine Kontrolle durchführen will, abhängen, nach einem Restaurant suchen, in dem sie einst die besten Schnecken genossen, oder sich gegenüber dem adeligen Besitzer eines renovierungsbedürftigen Landschlosses als Architekten ausgeben. Ganz eigenen Reiz entwickelt LE CITTÀ DI PIANURA dabei auch durch den Dreh auf analogem Super 16mm Film. Mit den verwaschenen Farben und der leichten Körnung sind die Bilder ungleich haptischer als gestochen scharfe Digitalbilder. Gleichzeitig passt diese Ästhetik ebenso wie die alkoholgeschwängerten, sich an der amerikanischen Folk-Musik orientierenden Songs des aus Treviso stammenden Singer-Songwriters Krano auch bestens zu den wenig glamourösen und sehr alltäglichen Protagonisten. (…) Mögen Carlobianchi und Doriano in ihrer Ziellosigkeit dabei auch an die Protagonisten von Federico Fellins VITELLONI / DIE MÜSSIGGÄNGER (1953) erinnern und Sossai auch mit einer Hubschrauberszene Fellinis LA DOLCE VITA (1960) seine Reverenz erweisen, so steht LE CITTÀ DI PIANURA insgesamt doch vor allem in der Tradition der frühen Filmen Jim Jarmuschs und Aki Kaurismäkis. Nicht nur die Protagonisten und der melancholische Blick auf eine triste Welt verbindet diese Reise durch Norditalien mit den Filmen der US-Indie-Ikone und des Finnen, sondern auch die Arbeit mit der Musik und die auf klassische Plotpoints verzichtende, undramatische Erzählweise, durch die dieses Roadmovie seine bezaubernde und befreiende Kraft entwickelt.“(Walter Gasperi, film-netz.com)
Eine berührende und zugleich heitere Paargeschichte voller Wortwitz, leiser Melancholie und zärtlicher Momente. Basierend auf dem gleichnamigen Bestseller von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder, der im August 2026 im Hanser Verlag neu aufgelegt wird, erzählen sie über zwei Menschen, die nach vier Jahrzehnten Jahren Ehe entdecken, dass es für Veränderungen nie zu spät ist.
Seit seiner Pensionierung meckert Harry nur noch rum, trinkt Weizenbier und pflegt seinen Rittersporn. Findet Lore. Sie klammert sich an ihren Job als Bibliothekarin, organisiert peinliche Lesungen und verehrt ihre Dichter wie Propheten. Findet Harry. Für ein altes Ehepaar reden die beiden erstaunlich viel – und meinen doch meistens etwas anderes. Als Tochter Julia zum dritten Mal heiraten will, ist der Streit programmiert und doch nur die Spitze des Eisbergs. In vierzig Jahren Ehe sammelt sich einiges an. Unter der Oberfläche brodelt es: unausgesprochene Fragen, alte Eifersucht, der Streit um Harrys Phlegma und um den Sinn eines Hochdruckreinigers. Während Harry seinen Garten hegt, träumt Lore von einem anderen Leben, von Reisen, von Aufbruch. Sie fühlt sich kraftlos und fragt sich immer dringlicher: War das schon alles? Welche Chancen hat sie verpasst? Ist es mit über sechzig zu spät für einen Neuanfang? Harry trinkt sein Bier, raucht, schweigt. Und bemerkt doch ihre Not. (Pandora)
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Frankreich / Deutschland / Lettland 2026. 141 min, russische Originalfassung mit deutschen UT
Regie: Andrey Zvyagintsev
Russland, 2022: Firmenchef Gleb gerät von allen Seiten unter Druck. Einerseits quält ihn der Verdacht, dass seine Frau ihn betrügt, andererseits soll er ein Kontingent der Belegschaft für den Krieg stellen. Er will saubere Hände behalten, doch der Kampf um die Kontrolle droht ihm zu entgleiten.
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„Der Krieg ist dabei von Anfang an präsent, auch wenn Zvyagintsev ihn fast nie direkt zeigt. Militärplakate hängen an Hausfassaden, Panzer rollen auf Zügen durch die Stadt, junge Männer verschwinden an die Front. Der Krieg ist wie ein permanentes Hintergrundrauschen, das längst Teil des Alltags geworden ist. Niemand diskutiert darüber wirklich. Niemand scheint überrascht oder empört. Gerade diese Normalisierung macht MINOTAUR unangenehm präzise deutlich. (…) Der titelgebende Mythos bleibt im Hintergrund, zieht sich aber unterschwellig durch den gesamten Film. Wie im antiken Mythos werden auch hier Menschen geopfert, um ein System am Leben zu halten. Die vierzehn Mitarbeiter, die Gleb an die Front schicken soll, sind kein Zufall. Zvyagintsev verbindet diese Opferbereitschaft mit einem Staat, der seine eigenen Bürger verschlingt und gleichzeitig jede Verantwortung von sich weist. Dabei beeindruckt vor allem, wie konsequent MINOTAUR jede Form von Hoffnung verweigert. Der Film glaubt nicht an schnelle Veränderungen oder moralische Erlösung. Stattdessen zeigt er eine Gesellschaft, die sich längst mit ihrer eigenen Kälte arrangiert hat. Das mag streckenweise schwer auszuhalten sein, doch gerade diese Konsequenz macht den Film so kraftvoll. (…) Vor allen Dingen ist er ein Film, der weit über seine konkrete politische Situation hinausreicht. Er erzählt von einer Gesellschaft, in der Menschen ihre Menschlichkeit Stück für Stück gegen Stabilität, Wohlstand und Selbstschutz eingetauscht haben – und erkennt darin eine Tragödie.“(Mia Pflüger, kino-zeit.de)
„Ihre ersten beiden Filme waren noch weit von der Politik entfernt. Die folgenden vier, darunter MINOTAURUS, befassen sich dagegen mit der Lage in Russland. Obwohl sie nicht mehr dort leben, kehren sie immer wieder zur Analyse der russischen Gesellschaft zurück. Wie blicken Sie heute auf Russland und die Welt? -Seit LEVIATHAN stehen meine Filme tatsächlich in einem konkreten politischen Kontext. Die Politik ist in unser Leben eingedrungen, und wir können uns ihr nicht mehr entziehen. (…) Die Menschen im heutigen Russland sind apathisch und leben unter dem Joch der Zensur. Sie haben Angst, sind orientierungslos, und die sozialen Netzwerke funktionieren immer schlechter. Der Kampf gegen den Fortschritt läuft ebenso auf Hochtouren wie die Propagandamaschinerie. Alle versuchen, die Augen zu verschließen. Denn mit jedem Tag stehen sie tiefer in der Schuld der Wahrheit, und es wird immer beängstigender, ihr ins Auge zu sehen – Russland wirkt inzwischen wie ein Ungeheuer. Die europäische Zivilisation ruht auf drei Säulen: der Vernunft, dem Logos der alten Griechen; der Gerechtigkeit, dem römischen Recht; und der christlichen Nächstenliebe. Wenn sich unsere Vorstellungen von Vernunft und Gerechtigkeit vor unseren Augen verändern und neue Regeln uns geradewegs in den Zusammenbruch führen, müssen wir uns auf Nächstenliebe besinnen. (…)
Da Dreharbeiten in Russland nicht infrage kamen: Warum fiel Ihre Wahl auf Lettland? -Ich wusste, dass sich die russische Vergangenheit in Lettland noch an der Architektur ablesen lässt. Die sowjetischen Großwohnsiedlungen Rigas gleichen denen in den Vororten russischer Städte. Die Rigaer Altstadt hingegen sieht aus wie jede andere europäische Stadt und kann deshalb nicht als Russland dienen. Eine der zentralen Sequenzen des Films spielt jedoch in der Wohnung des Fotografen Anton, im siebten Stock eines Wohnblocks. Ich war sicher, dass wir einen solchen Ort in Riga finden würden. Außerdem brauchten wir außerhalb der Stadt ein Haus für das Ehepaar. Die Villen rund um Riga besitzen allerdings eine ganz eigene architektonische Färbung und unterscheiden sich etwas von denen im Moskauer Umland. Doch wir hatten Glück: Nicht weit von Riga fanden wir ein ebenerdiges Haus in europäischer Bauweise, wie es auch in der Umgebung russischer Städte stehen könnte. Die Handlung ist in einer mittelgroßen russischen Provinzstadt angesiedelt, für die wir sogar einen Namen erfunden haben: Krasnoborsk. Die benötigten Innenräume fanden wir in Riga ohne Schwierigkeiten. (…) Die Außenaufnahmen entstanden also in einer Rigaer Großwohnsiedlung; die Wohnung selbst war ein eigens errichteter Studiobau.
Konnten Sie für diesen Film wieder mit Ihrer gewohnten Crew arbeiten? -Ja, zum Glück. Obwohl wir heute über die ganze Welt verstreut leben, konnten wir fast alle wieder zusammenbringen. Andrey Dergachev etwa, der seit DIE VERBANNUNG bei all meinen Filmen für den Ton verantwortlich ist, lebt in Kanada. Andrey Ponkratov, seit DIE VERBANNUNG mein Szenenbildner, und Masha Slavina, die bereits am Szenenbild von LOVELESS mitgewirkt hatte, leben in den Vereinigten Staaten. Mikhail Krichman, der Kameramann all meiner Filme, lebt in London. Auch mein Koautor Simon Lyashenko wohnt nicht mehr in Russland. Ich selbst bin in Frankreich, ebenso wie mein Komponist Evgueni Galperine. Mit ihm hatte ich bereits bei LOVELESS gearbeitet, und sein Talent hat mich sehr beeindruckt. Für diesen Film wollte ich nur sehr wenig Musik, eigentlich fast gar keine. Es gibt eine beinahe zwanzigminütige Szene ohne Dialog. Natürlich hätte ich versucht sein können, dort Musik einzusetzen. Doch ich nahm mir vor, dieser Versuchung nicht nachzugeben. Und es ist mir durchaus gelungen – auch wenn darüber letztlich das Publikum entscheidet. Unverzichtbar erschienen mir nur die Musik im Vorspann und jene, die die letzten Bilder begleitet.“(Gespräch mit Andrey Zvyagintsev, Presseheft MUBI)
Italien / Deutschland 2025, 98 min, italienische Originalfassung mit deutschen UT
Regie: Francesco Sossai
Carlobianchi und Doriano, zwei mittellose Fünfzigjährige, sind besessen von der Idee des letzten Glases. Als sie auf einer Nachtfahrt durch die venetische Ebene zufällig dem schüchternen Architekturstudenten Giulio begegnen, beginnt ein chaotischer Roadtrip voller schlechter Ratschläge, Rauschzustände und unerwarteter Freundschaften.
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„So befreit und betrunken Carlobianchi und Doriano durchs Leben mäandern, so ungezwungen erzählt Sossai auch. Ansatzlos fügt er Erzählungen oder Erinnerungen ein, lässt das Duo bald die Polizei, die eine Kontrolle durchführen will, abhängen, nach einem Restaurant suchen, in dem sie einst die besten Schnecken genossen, oder sich gegenüber dem adeligen Besitzer eines renovierungsbedürftigen Landschlosses als Architekten ausgeben. Ganz eigenen Reiz entwickelt LE CITTÀ DI PIANURA dabei auch durch den Dreh auf analogem Super 16mm Film. Mit den verwaschenen Farben und der leichten Körnung sind die Bilder ungleich haptischer als gestochen scharfe Digitalbilder. Gleichzeitig passt diese Ästhetik ebenso wie die alkoholgeschwängerten, sich an der amerikanischen Folk-Musik orientierenden Songs des aus Treviso stammenden Singer-Songwriters Krano auch bestens zu den wenig glamourösen und sehr alltäglichen Protagonisten. (…) Mögen Carlobianchi und Doriano in ihrer Ziellosigkeit dabei auch an die Protagonisten von Federico Fellins VITELLONI / DIE MÜSSIGGÄNGER (1953) erinnern und Sossai auch mit einer Hubschrauberszene Fellinis LA DOLCE VITA (1960) seine Reverenz erweisen, so steht LE CITTÀ DI PIANURA insgesamt doch vor allem in der Tradition der frühen Filmen Jim Jarmuschs und Aki Kaurismäkis. Nicht nur die Protagonisten und der melancholische Blick auf eine triste Welt verbindet diese Reise durch Norditalien mit den Filmen der US-Indie-Ikone und des Finnen, sondern auch die Arbeit mit der Musik und die auf klassische Plotpoints verzichtende, undramatische Erzählweise, durch die dieses Roadmovie seine bezaubernde und befreiende Kraft entwickelt.“(Walter Gasperi, film-netz.com)
Frankreich / Deutschland / Lettland 2026. 141 min, russische Originalfassung mit deutschen UT
Regie: Andrey Zvyagintsev
Russland, 2022: Firmenchef Gleb gerät von allen Seiten unter Druck. Einerseits quält ihn der Verdacht, dass seine Frau ihn betrügt, andererseits soll er ein Kontingent der Belegschaft für den Krieg stellen. Er will saubere Hände behalten, doch der Kampf um die Kontrolle droht ihm zu entgleiten.
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„Der Krieg ist dabei von Anfang an präsent, auch wenn Zvyagintsev ihn fast nie direkt zeigt. Militärplakate hängen an Hausfassaden, Panzer rollen auf Zügen durch die Stadt, junge Männer verschwinden an die Front. Der Krieg ist wie ein permanentes Hintergrundrauschen, das längst Teil des Alltags geworden ist. Niemand diskutiert darüber wirklich. Niemand scheint überrascht oder empört. Gerade diese Normalisierung macht MINOTAUR unangenehm präzise deutlich. (…) Der titelgebende Mythos bleibt im Hintergrund, zieht sich aber unterschwellig durch den gesamten Film. Wie im antiken Mythos werden auch hier Menschen geopfert, um ein System am Leben zu halten. Die vierzehn Mitarbeiter, die Gleb an die Front schicken soll, sind kein Zufall. Zvyagintsev verbindet diese Opferbereitschaft mit einem Staat, der seine eigenen Bürger verschlingt und gleichzeitig jede Verantwortung von sich weist. Dabei beeindruckt vor allem, wie konsequent MINOTAUR jede Form von Hoffnung verweigert. Der Film glaubt nicht an schnelle Veränderungen oder moralische Erlösung. Stattdessen zeigt er eine Gesellschaft, die sich längst mit ihrer eigenen Kälte arrangiert hat. Das mag streckenweise schwer auszuhalten sein, doch gerade diese Konsequenz macht den Film so kraftvoll. (…) Vor allen Dingen ist er ein Film, der weit über seine konkrete politische Situation hinausreicht. Er erzählt von einer Gesellschaft, in der Menschen ihre Menschlichkeit Stück für Stück gegen Stabilität, Wohlstand und Selbstschutz eingetauscht haben – und erkennt darin eine Tragödie.“(Mia Pflüger, kino-zeit.de)
„Ihre ersten beiden Filme waren noch weit von der Politik entfernt. Die folgenden vier, darunter MINOTAURUS, befassen sich dagegen mit der Lage in Russland. Obwohl sie nicht mehr dort leben, kehren sie immer wieder zur Analyse der russischen Gesellschaft zurück. Wie blicken Sie heute auf Russland und die Welt? -Seit LEVIATHAN stehen meine Filme tatsächlich in einem konkreten politischen Kontext. Die Politik ist in unser Leben eingedrungen, und wir können uns ihr nicht mehr entziehen. (…) Die Menschen im heutigen Russland sind apathisch und leben unter dem Joch der Zensur. Sie haben Angst, sind orientierungslos, und die sozialen Netzwerke funktionieren immer schlechter. Der Kampf gegen den Fortschritt läuft ebenso auf Hochtouren wie die Propagandamaschinerie. Alle versuchen, die Augen zu verschließen. Denn mit jedem Tag stehen sie tiefer in der Schuld der Wahrheit, und es wird immer beängstigender, ihr ins Auge zu sehen – Russland wirkt inzwischen wie ein Ungeheuer. Die europäische Zivilisation ruht auf drei Säulen: der Vernunft, dem Logos der alten Griechen; der Gerechtigkeit, dem römischen Recht; und der christlichen Nächstenliebe. Wenn sich unsere Vorstellungen von Vernunft und Gerechtigkeit vor unseren Augen verändern und neue Regeln uns geradewegs in den Zusammenbruch führen, müssen wir uns auf Nächstenliebe besinnen. (…)
Da Dreharbeiten in Russland nicht infrage kamen: Warum fiel Ihre Wahl auf Lettland? -Ich wusste, dass sich die russische Vergangenheit in Lettland noch an der Architektur ablesen lässt. Die sowjetischen Großwohnsiedlungen Rigas gleichen denen in den Vororten russischer Städte. Die Rigaer Altstadt hingegen sieht aus wie jede andere europäische Stadt und kann deshalb nicht als Russland dienen. Eine der zentralen Sequenzen des Films spielt jedoch in der Wohnung des Fotografen Anton, im siebten Stock eines Wohnblocks. Ich war sicher, dass wir einen solchen Ort in Riga finden würden. Außerdem brauchten wir außerhalb der Stadt ein Haus für das Ehepaar. Die Villen rund um Riga besitzen allerdings eine ganz eigene architektonische Färbung und unterscheiden sich etwas von denen im Moskauer Umland. Doch wir hatten Glück: Nicht weit von Riga fanden wir ein ebenerdiges Haus in europäischer Bauweise, wie es auch in der Umgebung russischer Städte stehen könnte. Die Handlung ist in einer mittelgroßen russischen Provinzstadt angesiedelt, für die wir sogar einen Namen erfunden haben: Krasnoborsk. Die benötigten Innenräume fanden wir in Riga ohne Schwierigkeiten. (…) Die Außenaufnahmen entstanden also in einer Rigaer Großwohnsiedlung; die Wohnung selbst war ein eigens errichteter Studiobau.
Konnten Sie für diesen Film wieder mit Ihrer gewohnten Crew arbeiten? -Ja, zum Glück. Obwohl wir heute über die ganze Welt verstreut leben, konnten wir fast alle wieder zusammenbringen. Andrey Dergachev etwa, der seit DIE VERBANNUNG bei all meinen Filmen für den Ton verantwortlich ist, lebt in Kanada. Andrey Ponkratov, seit DIE VERBANNUNG mein Szenenbildner, und Masha Slavina, die bereits am Szenenbild von LOVELESS mitgewirkt hatte, leben in den Vereinigten Staaten. Mikhail Krichman, der Kameramann all meiner Filme, lebt in London. Auch mein Koautor Simon Lyashenko wohnt nicht mehr in Russland. Ich selbst bin in Frankreich, ebenso wie mein Komponist Evgueni Galperine. Mit ihm hatte ich bereits bei LOVELESS gearbeitet, und sein Talent hat mich sehr beeindruckt. Für diesen Film wollte ich nur sehr wenig Musik, eigentlich fast gar keine. Es gibt eine beinahe zwanzigminütige Szene ohne Dialog. Natürlich hätte ich versucht sein können, dort Musik einzusetzen. Doch ich nahm mir vor, dieser Versuchung nicht nachzugeben. Und es ist mir durchaus gelungen – auch wenn darüber letztlich das Publikum entscheidet. Unverzichtbar erschienen mir nur die Musik im Vorspann und jene, die die letzten Bilder begleitet.“(Gespräch mit Andrey Zvyagintsev, Presseheft MUBI)
Eine abenteuerliche Schnitzeljagd durch Wiens morbide Schauplätze, opulente Kostüme und spektakuläre Kino-Bilder von Kameramann Martin Gschlacht. Ein exzentrischer Tanz der Vampire im Dreivierteltakt.
Zwischen Irr-Sinn und Aber-Witz: DIE BLUTGRÄFIN von Kultregisseurin Ulrike Ottinger ist die Mutter aller Kinofeste, ein groteskes Gelage grandioser Grande Dames, die nach dem roten Elixier des Lebens streben und auf der Umlaufbahn der Deutungen absolut uneinholbar sind. Ein exzellentes, spielfreudiges Ensemble in einer federleichten Vampirkomödie, die schon jetzt unsterblich ist.
“…Ottinger findet souverän jene Tonlage zwischen queerem Spektakel, heidnischem Bildersturm und Hochkultur-Persiflage, die immer schon einen wichtigen Strang in ihrem großen und beeindruckenden Werk ausgemacht hat. Elfriede Jelinek hat ihr aus Freundschaft bei den Dialogen ein wenig unter den Schreibarm gegriffen und damit einige großartige Details zu einem Film beigesteuert, den man nicht zuletzt als eine Urkunde der Verbundenheit dieser beiden so unterschiedlichen Städte Berlin und Wien sehen kann.“(Bert Rebhandl, tipBerlin)
Eine abenteuerliche Schnitzeljagd durch Wiens morbide Schauplätze, opulente Kostüme und spektakuläre Kino-Bilder von Kameramann Martin Gschlacht. Ein exzentrischer Tanz der Vampire im Dreivierteltakt.
Zwischen Irr-Sinn und Aber-Witz: DIE BLUTGRÄFIN von Kultregisseurin Ulrike Ottinger ist die Mutter aller Kinofeste, ein groteskes Gelage grandioser Grande Dames, die nach dem roten Elixier des Lebens streben und auf der Umlaufbahn der Deutungen absolut uneinholbar sind. Ein exzellentes, spielfreudiges Ensemble in einer federleichten Vampirkomödie, die schon jetzt unsterblich ist.
“…Ottinger findet souverän jene Tonlage zwischen queerem Spektakel, heidnischem Bildersturm und Hochkultur-Persiflage, die immer schon einen wichtigen Strang in ihrem großen und beeindruckenden Werk ausgemacht hat. Elfriede Jelinek hat ihr aus Freundschaft bei den Dialogen ein wenig unter den Schreibarm gegriffen und damit einige großartige Details zu einem Film beigesteuert, den man nicht zuletzt als eine Urkunde der Verbundenheit dieser beiden so unterschiedlichen Städte Berlin und Wien sehen kann.“(Bert Rebhandl, tipBerlin)
Eine berührende und zugleich heitere Paargeschichte voller Wortwitz, leiser Melancholie und zärtlicher Momente. Basierend auf dem gleichnamigen Bestseller von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder, der im August 2026 im Hanser Verlag neu aufgelegt wird, erzählen sie über zwei Menschen, die nach vier Jahrzehnten Jahren Ehe entdecken, dass es für Veränderungen nie zu spät ist.
Seit seiner Pensionierung meckert Harry nur noch rum, trinkt Weizenbier und pflegt seinen Rittersporn. Findet Lore. Sie klammert sich an ihren Job als Bibliothekarin, organisiert peinliche Lesungen und verehrt ihre Dichter wie Propheten. Findet Harry. Für ein altes Ehepaar reden die beiden erstaunlich viel – und meinen doch meistens etwas anderes. Als Tochter Julia zum dritten Mal heiraten will, ist der Streit programmiert und doch nur die Spitze des Eisbergs. In vierzig Jahren Ehe sammelt sich einiges an. Unter der Oberfläche brodelt es: unausgesprochene Fragen, alte Eifersucht, der Streit um Harrys Phlegma und um den Sinn eines Hochdruckreinigers. Während Harry seinen Garten hegt, träumt Lore von einem anderen Leben, von Reisen, von Aufbruch. Sie fühlt sich kraftlos und fragt sich immer dringlicher: War das schon alles? Welche Chancen hat sie verpasst? Ist es mit über sechzig zu spät für einen Neuanfang? Harry trinkt sein Bier, raucht, schweigt. Und bemerkt doch ihre Not. (Pandora)
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Ein Prager Gymnasium kurz vor der Matura. Die Abiturienten fürchten ihren pedantischen Mathematiklehrer Kleč und verehren den verständigen Professor Donát. Der begabte Jan Šimon findet neben dem Lernen Zeit für Sport und für die Schülerin Marta. Sein Zimmergenosse Karel Kafka dagegen müht sich nächtelang vergeblich mit Zahlen ab. Auf einem Klassenausflug eskaliert der Konflikt mit Kleč, der Šimon von der Schule werfen lassen will. Als Kafka durch die Mathematikprüfung fällt, greift er zu Šimons Revolver. Beim Versuch, ihm die Waffe zu entwinden, wird Kleč angeschossen. Am Krankenbett verändert sich das Verhältnis zwischen Lehrer und Schülern grundlegend.
PŘED MATURITOU ist das Regiedebüt von Vladislav Vančura. Er war Arzt, erster Vorsitzender der Avantgardevereinigung Devětsil und einer der eigenwilligsten Prosaautoren der tschechischen Moderne. An seiner Seite stand mit Svatopluk Innemann ein erfahrener Routinier des Unterhaltungsfilms, für den die Arbeit einen zweiten künstlerischen Höhepunkt markierte. Aus dieser ungewöhnlichen Allianz entstand ein frühes Tonfilmdrama. Es verbindet den Elan eines Jugendfilms mit einem für die Zeit erstaunlich schonungslosen Blick auf Leistungsdruck, Verzweiflung und autoritäre Pädagogik. Jindřich Plachta legt den gefürchteten Kleč nicht als Karikatur an, sondern als Mann, dessen Strenge die eigene Verletzlichkeit verbirgt.
Der Film startete am 9. September 1932 in den Prager Kinos Kotva und Lucerna und lief dort jeweils fünf Wochen. Die Zensur gab ihn ausgerechnet für Jugendliche nicht frei, also für jenes Publikum, von dem er erzählt. Vančura inszenierte danach noch vier weitere Filme, darunter die avantgardistischen Experimente NA SLUNEČNÍ STRANĚ und MARIJKA NEVĚRNICE, bevor er 1942 von den nationalsozialistischen Besatzern hingerichtet wurde. Größere Bekanntheit erlangte sein Name im Kino später durch Verfilmungen seiner Romane, allen voran František Vláčils MARKETA LAZAROVÁ (1967). (Ralph Eue)
Do. 26.11.
20:00 Uhr
Dědictví aneb Kurvahošigutntag (Die Erbschaft / The Inheritance or Fuckoffguysgoodday)
ČSFR 1992, 120 min, Tschechisch mit deutschen UT
Regie: Věra Chytilová
Bohuš ist der größte Taugenichts eines mährischen Dorfes. Er lebt in den Tag hinein, verbringt seine Abende in der Dorfkneipe und wirbt dort um die Gunst der Wirtin Vlasta. Eines Tages taucht ein Herr im Anzug auf und will ihn sprechen. Die Saufkumpane des Taugenichts halten den Fremden sofort für einen Geheimpolizisten. Der entpuppt sich jedoch als Anwalt mit einer unglaublichen Nachricht: Bohuš hat ein Vermögen geerbt. Über Nacht wird aus dem Dorftrottel ein Millionär, der die neue Freiheit des Geldes mit vollen Händen auskostet und eine aberwitzige Idee nach der anderen umsetzt.
Das Drehbuch schrieben Chytilová und Bolek Polívka, der auch die Hauptrolle spielt. Polívka, der in Tschechien vor allem als Pantomime, Clown und Theatermann bekannt ist, spielt den Bohuš mit derber Wucht und überraschender Gutmütigkeit. Schon der nahezu unaussprechliche Titel – eine Mischung aus tschechischem Fluch und verballhorntem „Guten Tag“ – gibt den Ton vor.
Dědictví aneb Kurvahošigutntag entstand kurz nach der Samtenen Revolution. Damals galt der Film vielen als bloße Kommerzkomödie. Kritik und Publikum rümpften die Nase über die Vulgarität und grotesken Überzeichnungen des Films.
Erst im Rückblick zeigte sich, wie hellsichtig Chytilová die Wendejahre erfasst hatte: als Moralstück über die Fähigkeit von Geld, tief in die DNA nicht nur einzelner Menschen, sondern einer ganzen Gesellschaft einzudringen.
Heute zählt der Film zu den stärksten Arbeiten ihres Spätwerks. (Ralph Eue)
Frankreich / Deutschland / Lettland 2026. 141 min, russische Originalfassung mit deutschen UT
Regie: Andrey Zvyagintsev
Russland, 2022: Firmenchef Gleb gerät von allen Seiten unter Druck. Einerseits quält ihn der Verdacht, dass seine Frau ihn betrügt, andererseits soll er ein Kontingent der Belegschaft für den Krieg stellen. Er will saubere Hände behalten, doch der Kampf um die Kontrolle droht ihm zu entgleiten.
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„Der Krieg ist dabei von Anfang an präsent, auch wenn Zvyagintsev ihn fast nie direkt zeigt. Militärplakate hängen an Hausfassaden, Panzer rollen auf Zügen durch die Stadt, junge Männer verschwinden an die Front. Der Krieg ist wie ein permanentes Hintergrundrauschen, das längst Teil des Alltags geworden ist. Niemand diskutiert darüber wirklich. Niemand scheint überrascht oder empört. Gerade diese Normalisierung macht MINOTAUR unangenehm präzise deutlich. (…) Der titelgebende Mythos bleibt im Hintergrund, zieht sich aber unterschwellig durch den gesamten Film. Wie im antiken Mythos werden auch hier Menschen geopfert, um ein System am Leben zu halten. Die vierzehn Mitarbeiter, die Gleb an die Front schicken soll, sind kein Zufall. Zvyagintsev verbindet diese Opferbereitschaft mit einem Staat, der seine eigenen Bürger verschlingt und gleichzeitig jede Verantwortung von sich weist. Dabei beeindruckt vor allem, wie konsequent MINOTAUR jede Form von Hoffnung verweigert. Der Film glaubt nicht an schnelle Veränderungen oder moralische Erlösung. Stattdessen zeigt er eine Gesellschaft, die sich längst mit ihrer eigenen Kälte arrangiert hat. Das mag streckenweise schwer auszuhalten sein, doch gerade diese Konsequenz macht den Film so kraftvoll. (…) Vor allen Dingen ist er ein Film, der weit über seine konkrete politische Situation hinausreicht. Er erzählt von einer Gesellschaft, in der Menschen ihre Menschlichkeit Stück für Stück gegen Stabilität, Wohlstand und Selbstschutz eingetauscht haben – und erkennt darin eine Tragödie.“(Mia Pflüger, kino-zeit.de)
„Ihre ersten beiden Filme waren noch weit von der Politik entfernt. Die folgenden vier, darunter MINOTAURUS, befassen sich dagegen mit der Lage in Russland. Obwohl sie nicht mehr dort leben, kehren sie immer wieder zur Analyse der russischen Gesellschaft zurück. Wie blicken Sie heute auf Russland und die Welt? -Seit LEVIATHAN stehen meine Filme tatsächlich in einem konkreten politischen Kontext. Die Politik ist in unser Leben eingedrungen, und wir können uns ihr nicht mehr entziehen. (…) Die Menschen im heutigen Russland sind apathisch und leben unter dem Joch der Zensur. Sie haben Angst, sind orientierungslos, und die sozialen Netzwerke funktionieren immer schlechter. Der Kampf gegen den Fortschritt läuft ebenso auf Hochtouren wie die Propagandamaschinerie. Alle versuchen, die Augen zu verschließen. Denn mit jedem Tag stehen sie tiefer in der Schuld der Wahrheit, und es wird immer beängstigender, ihr ins Auge zu sehen – Russland wirkt inzwischen wie ein Ungeheuer. Die europäische Zivilisation ruht auf drei Säulen: der Vernunft, dem Logos der alten Griechen; der Gerechtigkeit, dem römischen Recht; und der christlichen Nächstenliebe. Wenn sich unsere Vorstellungen von Vernunft und Gerechtigkeit vor unseren Augen verändern und neue Regeln uns geradewegs in den Zusammenbruch führen, müssen wir uns auf Nächstenliebe besinnen. (…)
Da Dreharbeiten in Russland nicht infrage kamen: Warum fiel Ihre Wahl auf Lettland? -Ich wusste, dass sich die russische Vergangenheit in Lettland noch an der Architektur ablesen lässt. Die sowjetischen Großwohnsiedlungen Rigas gleichen denen in den Vororten russischer Städte. Die Rigaer Altstadt hingegen sieht aus wie jede andere europäische Stadt und kann deshalb nicht als Russland dienen. Eine der zentralen Sequenzen des Films spielt jedoch in der Wohnung des Fotografen Anton, im siebten Stock eines Wohnblocks. Ich war sicher, dass wir einen solchen Ort in Riga finden würden. Außerdem brauchten wir außerhalb der Stadt ein Haus für das Ehepaar. Die Villen rund um Riga besitzen allerdings eine ganz eigene architektonische Färbung und unterscheiden sich etwas von denen im Moskauer Umland. Doch wir hatten Glück: Nicht weit von Riga fanden wir ein ebenerdiges Haus in europäischer Bauweise, wie es auch in der Umgebung russischer Städte stehen könnte. Die Handlung ist in einer mittelgroßen russischen Provinzstadt angesiedelt, für die wir sogar einen Namen erfunden haben: Krasnoborsk. Die benötigten Innenräume fanden wir in Riga ohne Schwierigkeiten. (…) Die Außenaufnahmen entstanden also in einer Rigaer Großwohnsiedlung; die Wohnung selbst war ein eigens errichteter Studiobau.
Konnten Sie für diesen Film wieder mit Ihrer gewohnten Crew arbeiten? -Ja, zum Glück. Obwohl wir heute über die ganze Welt verstreut leben, konnten wir fast alle wieder zusammenbringen. Andrey Dergachev etwa, der seit DIE VERBANNUNG bei all meinen Filmen für den Ton verantwortlich ist, lebt in Kanada. Andrey Ponkratov, seit DIE VERBANNUNG mein Szenenbildner, und Masha Slavina, die bereits am Szenenbild von LOVELESS mitgewirkt hatte, leben in den Vereinigten Staaten. Mikhail Krichman, der Kameramann all meiner Filme, lebt in London. Auch mein Koautor Simon Lyashenko wohnt nicht mehr in Russland. Ich selbst bin in Frankreich, ebenso wie mein Komponist Evgueni Galperine. Mit ihm hatte ich bereits bei LOVELESS gearbeitet, und sein Talent hat mich sehr beeindruckt. Für diesen Film wollte ich nur sehr wenig Musik, eigentlich fast gar keine. Es gibt eine beinahe zwanzigminütige Szene ohne Dialog. Natürlich hätte ich versucht sein können, dort Musik einzusetzen. Doch ich nahm mir vor, dieser Versuchung nicht nachzugeben. Und es ist mir durchaus gelungen – auch wenn darüber letztlich das Publikum entscheidet. Unverzichtbar erschienen mir nur die Musik im Vorspann und jene, die die letzten Bilder begleitet.“(Gespräch mit Andrey Zvyagintsev, Presseheft MUBI)
Frankreich / Deutschland / Lettland 2026. 141 min, russische Originalfassung mit deutschen UT
Regie: Andrey Zvyagintsev
Russland, 2022: Firmenchef Gleb gerät von allen Seiten unter Druck. Einerseits quält ihn der Verdacht, dass seine Frau ihn betrügt, andererseits soll er ein Kontingent der Belegschaft für den Krieg stellen. Er will saubere Hände behalten, doch der Kampf um die Kontrolle droht ihm zu entgleiten.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
„Der Krieg ist dabei von Anfang an präsent, auch wenn Zvyagintsev ihn fast nie direkt zeigt. Militärplakate hängen an Hausfassaden, Panzer rollen auf Zügen durch die Stadt, junge Männer verschwinden an die Front. Der Krieg ist wie ein permanentes Hintergrundrauschen, das längst Teil des Alltags geworden ist. Niemand diskutiert darüber wirklich. Niemand scheint überrascht oder empört. Gerade diese Normalisierung macht MINOTAUR unangenehm präzise deutlich. (…) Der titelgebende Mythos bleibt im Hintergrund, zieht sich aber unterschwellig durch den gesamten Film. Wie im antiken Mythos werden auch hier Menschen geopfert, um ein System am Leben zu halten. Die vierzehn Mitarbeiter, die Gleb an die Front schicken soll, sind kein Zufall. Zvyagintsev verbindet diese Opferbereitschaft mit einem Staat, der seine eigenen Bürger verschlingt und gleichzeitig jede Verantwortung von sich weist. Dabei beeindruckt vor allem, wie konsequent MINOTAUR jede Form von Hoffnung verweigert. Der Film glaubt nicht an schnelle Veränderungen oder moralische Erlösung. Stattdessen zeigt er eine Gesellschaft, die sich längst mit ihrer eigenen Kälte arrangiert hat. Das mag streckenweise schwer auszuhalten sein, doch gerade diese Konsequenz macht den Film so kraftvoll. (…) Vor allen Dingen ist er ein Film, der weit über seine konkrete politische Situation hinausreicht. Er erzählt von einer Gesellschaft, in der Menschen ihre Menschlichkeit Stück für Stück gegen Stabilität, Wohlstand und Selbstschutz eingetauscht haben – und erkennt darin eine Tragödie.“(Mia Pflüger, kino-zeit.de)
„Ihre ersten beiden Filme waren noch weit von der Politik entfernt. Die folgenden vier, darunter MINOTAURUS, befassen sich dagegen mit der Lage in Russland. Obwohl sie nicht mehr dort leben, kehren sie immer wieder zur Analyse der russischen Gesellschaft zurück. Wie blicken Sie heute auf Russland und die Welt? -Seit LEVIATHAN stehen meine Filme tatsächlich in einem konkreten politischen Kontext. Die Politik ist in unser Leben eingedrungen, und wir können uns ihr nicht mehr entziehen. (…) Die Menschen im heutigen Russland sind apathisch und leben unter dem Joch der Zensur. Sie haben Angst, sind orientierungslos, und die sozialen Netzwerke funktionieren immer schlechter. Der Kampf gegen den Fortschritt läuft ebenso auf Hochtouren wie die Propagandamaschinerie. Alle versuchen, die Augen zu verschließen. Denn mit jedem Tag stehen sie tiefer in der Schuld der Wahrheit, und es wird immer beängstigender, ihr ins Auge zu sehen – Russland wirkt inzwischen wie ein Ungeheuer. Die europäische Zivilisation ruht auf drei Säulen: der Vernunft, dem Logos der alten Griechen; der Gerechtigkeit, dem römischen Recht; und der christlichen Nächstenliebe. Wenn sich unsere Vorstellungen von Vernunft und Gerechtigkeit vor unseren Augen verändern und neue Regeln uns geradewegs in den Zusammenbruch führen, müssen wir uns auf Nächstenliebe besinnen. (…)
Da Dreharbeiten in Russland nicht infrage kamen: Warum fiel Ihre Wahl auf Lettland? -Ich wusste, dass sich die russische Vergangenheit in Lettland noch an der Architektur ablesen lässt. Die sowjetischen Großwohnsiedlungen Rigas gleichen denen in den Vororten russischer Städte. Die Rigaer Altstadt hingegen sieht aus wie jede andere europäische Stadt und kann deshalb nicht als Russland dienen. Eine der zentralen Sequenzen des Films spielt jedoch in der Wohnung des Fotografen Anton, im siebten Stock eines Wohnblocks. Ich war sicher, dass wir einen solchen Ort in Riga finden würden. Außerdem brauchten wir außerhalb der Stadt ein Haus für das Ehepaar. Die Villen rund um Riga besitzen allerdings eine ganz eigene architektonische Färbung und unterscheiden sich etwas von denen im Moskauer Umland. Doch wir hatten Glück: Nicht weit von Riga fanden wir ein ebenerdiges Haus in europäischer Bauweise, wie es auch in der Umgebung russischer Städte stehen könnte. Die Handlung ist in einer mittelgroßen russischen Provinzstadt angesiedelt, für die wir sogar einen Namen erfunden haben: Krasnoborsk. Die benötigten Innenräume fanden wir in Riga ohne Schwierigkeiten. (…) Die Außenaufnahmen entstanden also in einer Rigaer Großwohnsiedlung; die Wohnung selbst war ein eigens errichteter Studiobau.
Konnten Sie für diesen Film wieder mit Ihrer gewohnten Crew arbeiten? -Ja, zum Glück. Obwohl wir heute über die ganze Welt verstreut leben, konnten wir fast alle wieder zusammenbringen. Andrey Dergachev etwa, der seit DIE VERBANNUNG bei all meinen Filmen für den Ton verantwortlich ist, lebt in Kanada. Andrey Ponkratov, seit DIE VERBANNUNG mein Szenenbildner, und Masha Slavina, die bereits am Szenenbild von LOVELESS mitgewirkt hatte, leben in den Vereinigten Staaten. Mikhail Krichman, der Kameramann all meiner Filme, lebt in London. Auch mein Koautor Simon Lyashenko wohnt nicht mehr in Russland. Ich selbst bin in Frankreich, ebenso wie mein Komponist Evgueni Galperine. Mit ihm hatte ich bereits bei LOVELESS gearbeitet, und sein Talent hat mich sehr beeindruckt. Für diesen Film wollte ich nur sehr wenig Musik, eigentlich fast gar keine. Es gibt eine beinahe zwanzigminütige Szene ohne Dialog. Natürlich hätte ich versucht sein können, dort Musik einzusetzen. Doch ich nahm mir vor, dieser Versuchung nicht nachzugeben. Und es ist mir durchaus gelungen – auch wenn darüber letztlich das Publikum entscheidet. Unverzichtbar erschienen mir nur die Musik im Vorspann und jene, die die letzten Bilder begleitet.“(Gespräch mit Andrey Zvyagintsev, Presseheft MUBI)
Italien / Deutschland 2025, 98 min, italienische Originalfassung mit deutschen UT
Regie: Francesco Sossai
Carlobianchi und Doriano, zwei mittellose Fünfzigjährige, sind besessen von der Idee des letzten Glases. Als sie auf einer Nachtfahrt durch die venetische Ebene zufällig dem schüchternen Architekturstudenten Giulio begegnen, beginnt ein chaotischer Roadtrip voller schlechter Ratschläge, Rauschzustände und unerwarteter Freundschaften.
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„So befreit und betrunken Carlobianchi und Doriano durchs Leben mäandern, so ungezwungen erzählt Sossai auch. Ansatzlos fügt er Erzählungen oder Erinnerungen ein, lässt das Duo bald die Polizei, die eine Kontrolle durchführen will, abhängen, nach einem Restaurant suchen, in dem sie einst die besten Schnecken genossen, oder sich gegenüber dem adeligen Besitzer eines renovierungsbedürftigen Landschlosses als Architekten ausgeben. Ganz eigenen Reiz entwickelt LE CITTÀ DI PIANURA dabei auch durch den Dreh auf analogem Super 16mm Film. Mit den verwaschenen Farben und der leichten Körnung sind die Bilder ungleich haptischer als gestochen scharfe Digitalbilder. Gleichzeitig passt diese Ästhetik ebenso wie die alkoholgeschwängerten, sich an der amerikanischen Folk-Musik orientierenden Songs des aus Treviso stammenden Singer-Songwriters Krano auch bestens zu den wenig glamourösen und sehr alltäglichen Protagonisten. (…) Mögen Carlobianchi und Doriano in ihrer Ziellosigkeit dabei auch an die Protagonisten von Federico Fellins VITELLONI / DIE MÜSSIGGÄNGER (1953) erinnern und Sossai auch mit einer Hubschrauberszene Fellinis LA DOLCE VITA (1960) seine Reverenz erweisen, so steht LE CITTÀ DI PIANURA insgesamt doch vor allem in der Tradition der frühen Filmen Jim Jarmuschs und Aki Kaurismäkis. Nicht nur die Protagonisten und der melancholische Blick auf eine triste Welt verbindet diese Reise durch Norditalien mit den Filmen der US-Indie-Ikone und des Finnen, sondern auch die Arbeit mit der Musik und die auf klassische Plotpoints verzichtende, undramatische Erzählweise, durch die dieses Roadmovie seine bezaubernde und befreiende Kraft entwickelt.“(Walter Gasperi, film-netz.com)
Italien / Deutschland 2025, 98 min, italienische Originalfassung mit deutschen UT
Regie: Francesco Sossai
Carlobianchi und Doriano, zwei mittellose Fünfzigjährige, sind besessen von der Idee des letzten Glases. Als sie auf einer Nachtfahrt durch die venetische Ebene zufällig dem schüchternen Architekturstudenten Giulio begegnen, beginnt ein chaotischer Roadtrip voller schlechter Ratschläge, Rauschzustände und unerwarteter Freundschaften.
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„So befreit und betrunken Carlobianchi und Doriano durchs Leben mäandern, so ungezwungen erzählt Sossai auch. Ansatzlos fügt er Erzählungen oder Erinnerungen ein, lässt das Duo bald die Polizei, die eine Kontrolle durchführen will, abhängen, nach einem Restaurant suchen, in dem sie einst die besten Schnecken genossen, oder sich gegenüber dem adeligen Besitzer eines renovierungsbedürftigen Landschlosses als Architekten ausgeben. Ganz eigenen Reiz entwickelt LE CITTÀ DI PIANURA dabei auch durch den Dreh auf analogem Super 16mm Film. Mit den verwaschenen Farben und der leichten Körnung sind die Bilder ungleich haptischer als gestochen scharfe Digitalbilder. Gleichzeitig passt diese Ästhetik ebenso wie die alkoholgeschwängerten, sich an der amerikanischen Folk-Musik orientierenden Songs des aus Treviso stammenden Singer-Songwriters Krano auch bestens zu den wenig glamourösen und sehr alltäglichen Protagonisten. (…) Mögen Carlobianchi und Doriano in ihrer Ziellosigkeit dabei auch an die Protagonisten von Federico Fellins VITELLONI / DIE MÜSSIGGÄNGER (1953) erinnern und Sossai auch mit einer Hubschrauberszene Fellinis LA DOLCE VITA (1960) seine Reverenz erweisen, so steht LE CITTÀ DI PIANURA insgesamt doch vor allem in der Tradition der frühen Filmen Jim Jarmuschs und Aki Kaurismäkis. Nicht nur die Protagonisten und der melancholische Blick auf eine triste Welt verbindet diese Reise durch Norditalien mit den Filmen der US-Indie-Ikone und des Finnen, sondern auch die Arbeit mit der Musik und die auf klassische Plotpoints verzichtende, undramatische Erzählweise, durch die dieses Roadmovie seine bezaubernde und befreiende Kraft entwickelt.“(Walter Gasperi, film-netz.com)
Mi. 02.12.
10:00 Uhr
Spatzenkino – Tierisches Fest
– nur mit Voranmeldung! | reservierung@spatzenkino.de | Service-Telefon 449 47 50
Findus beschließt seinen Namenstag zu feiern. Pettersson und die Hühner sind natürlich auch dabei. Das Fest läuft allerdings anders als geplant. Regie: Dirk Hampel, Mirko Dreiling, Benjamin Lorenzo, S/D 2021, Zeichentrickfilm, 12 Min.
Die Weihnachtsgans Auguste
Der Vater bringt eine lebende Gans als Weihnachtsbraten nach Hause. Doch Auguste erobert die Herzen der Kinder und das Festessen ist in Gefahr! Regie: Günter Rätz, DDR 1985, Puppentrickfilm, 20 Min.
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