Slowenien / Italien / Kroatien / Serbien 2025, 89 min, slowenische Originalfassung mit deutschen UT
Regie: Urška Djukić
Die 16-jährige Lucija tritt dem Mädchenchor ihrer katholischen Schule bei. Dort lernt sie die zwei Jahre ältere Ana Maria kennen und schließt Freundschaft mit dem selbstbewussten, beliebten Mädchen. Als der ganze Chor im Sommer auf ein intensives Probenwochenende nach Italien fährt, kommt es zu Spannungen zwischen den beiden: Die introvertierte, behütet aufgewachsene Lucija verguckt sich in einen attraktiven Bauarbeiter, mit Hilfe von Ana Maria beginnt sie zugleich ihre Sexualität zu entdecken. Es sind Tage, die nicht nur die noch frische Freundschaft der beiden, sondern auch Lucijas Glauben und Werte infrage stellen…
„Perfekt fängt der Film eine Art jugendliche, schweifende Aufmerksamkeit ein. Abgelenkt, unkonzentriert und gleichzeitig hochaufmerksam. (…) Mit großer Selbstsicherheit und völligem Vertrauen zu ihren Zuschauer*innen erzählt Urška Djukićs von Momenten, in denen die erwachsene Lucia beginnt, Gestalt anzunehmen. LITTLE TROUBLE GIRLS ist reduziert und opulent zugleich und eine Freude.“ (Hendrike Bake, indiekino.de)
„Der Film wirkt sehr persönlich; man hat das Gefühl, dass er auf intimen Erfahrungen basiert. Gleichzeitig enthält er viele christliche Elemente: das Kloster, Nonnen und eine konservative Familiendynamik. Wie persönlich ist diese Geschichte und was waren Ausgangspunkte für deinen Ansatz?
– Ich fing damit an, mich mit der weiblichen Stimme auseinanderzusetzen, die im Laufe der Geschichte so oft zum Schweigen gebracht wurde. Das führte mich zu der schwierigen Beziehung zu Sexualität, Sünde und Schuldgefühlen. Anhand einer sensiblen jungen Frau, die von gesellschaftlichen Konventionen der Sündhaftigkeit geprägt ist, wollte ich mich damit beschäftigen, wie junge Menschen ihre innere Kraft finden. Diese Schuldgefühle, die mit natürlichen Instinkten einhergehen, habe ich persönlich während meiner Kindheit erlebt. Obwohl meine Familie nicht streng religiös war, erzog mich meine Mutter nach traditionellen katholischen Vorstellungen davon, wie ein ‚braves Mädchen‘ zu sein hat. Später wurde mir klar, dass diese Vorstellungen, die vielen Generationen von Mädchen, einschließlich meiner eigenen, aufgezwungen wurden – insbesondere die über Körperbild, Scham und Sexualität – starr und unbeholfen sind. Mit LITTLE TROUBLE GIRLS wollte ich die Geheimnisse der Sinne als Werkzeuge erforschen, die uns helfen uns selbst besser zu verstehen. Ich glaube, dass das lange bestehende Tabu rund um Sexualität dazu geführt hat, dass wir immer noch nicht in der Lage sind, ihr Potenzial vollständig zu verstehen oder zu nutzen. (…)
Der Ton ist ein äußerst wichtiges Element des Films. Der Film beginnt mit einem Geräusch – genauer gesagt mit Atmen – und dann mit einem scheinbar abstrakten Bild.
– Ja, die Einleitung ist der Atem, der dich mit deinem Körper verbindet. Der Film beginnt mit einer alten Illustration der Wunde Christi, die einer Vulva ähnelt. Diese Illustrationen haben mich schon immer fasziniert. Das Bild stammt aus einem kleinen Gebetbuch aus dem 14. Jahrhundert, das für die Herzogin Juta von Luxemburg angefertigt wurde. Um die Wunde herum sind die Folter und Bestrafungsinstrumente Christi dargestellt, die seinen Widerstand gegen das herrschende System symbolisieren. Gleichzeitig ähnelt dieses geheimnisvolle Bild metaphorisch einer Vulva, die, wie Gustave Courbet bekanntermaßen sagte, der Ursprung von allem ist. Dieses Bild führt dich nach innen – durch Schmerz führt es dich in den Körper, wo unser Wesen wohnt…
Was vor allem auffällt, ist die Zärtlichkeit. Vor allem die Zärtlichkeit und Zerbrechlichkeit deiner Hauptfigur, die diesen Ausdruck aufrichtiger Verwunderung hat; sie empfindet alles sehr intensiv, will wissen, ist offen für die Verbindung mit der Welt; und doch hat sie immer noch Angst davor.
– Zärtlichkeit war ein wichtiges Konzept bei der Entstehung dieses Films. An einem Punkt habe ich dieses Wort gesagt: ZÄRTLICHKEIT zu jedem Beteiligten – dass dies das Wort ist, das unsere Arbeit leitet. Es mag idealistisch klingen, aber ich glaube, dass Zärtlichkeit in dieser Welt Härte überwinden kann – sie ist stärker.“ (Interview mit Regisseurin Urška Djukić, geführt von Ana Šturm)