Kárho­z­at (Ver­damm­nis)

Ungarn 1988, 35mm, 116 min, Unga­risch mit deut­schen UT

Regie: Béla Tarr

In einer her­un­ter­ge­kom­me­nen Indus­trie­stadt ver­liebt sich der unglück­li­che Ein­zel­gän­ger Kar­rer in eine Barsän­ge­rin und gerät zuneh­mend in einen Stru­del aus zwie­lich­ti­gen Geschäf­ten und destruk­ti­ven Gefühlen.

“VER­DAMM­NIS, sie­ben Jah­re vor SATANSTAN­GO ent­stan­den, eben­falls in Schwarz­weiß, eben­falls ein Wel­ten-Tei­ler im Film­fest-Forum, ist mit 110 Minu­ten ver­gleich­wei­se kurz – und führt doch in die­sel­be Bil­der- und Gefühls­welt, in jenen Mix aus Dos­to­jew­ski und Tar­kow­ski, dem Tarr sein Unver­wech­sel­ba­res hin­zu­fügt: den unauf­hör­li­chen Regen, unter dem jed­we­der Asphalt davon­zu­schwem­men scheint über einer sich auf­wöl­ben­den Erde; die som­nam­bu­len Arme­leu­te­näch­te vol­ler Tanz und Gesang; die unend­lich lang­sa­men Kame­ra­fahr­ten ent­lang an wie aus­ge­wei­det erschei­nen­den Behau­sun­gen, in denen reg­los Men­schen ste­hen. Es gibt in VER­DAMM­NIS eine ‚tita­nik-bar‘, wie sie nah-öst­li­cher und nah-ver­gan­ge­ner nicht denk­bar wäre und in der man am liebs­ten einen Tisch auf Lebens­zeit buchen wür­de; und es gibt in die­sem Film ein unver­geß­lich stum­mes Anein­an­der­sto­ßen der Geschlech­ter und ein gro­ßes, dunk­les Allein­blei­ben. Manch­mal hebt eine Geschich­te an, eine Intri­ge, eine Denun­zia­ti­on, aber Vor­sicht, wahr­schein­lich macht sich Bela Tarr nur über die übli­chen Mecha­nis­men lus­tig, sich – im Kino, im Leben – die Zeit zu ver­trei­ben.“ (Jan Schulz-Oja­la, Der Tages­spie­gel, 03.04.1998)