DDR 1962, 35mm, 87 min, deutsche Originalfassung
Regie: Carl Balhaus
Unter den circa 730 Spielfilmen, die die DEFA in der Zeit ihres Bestehens zwischen 1946 und 1992 produzierte, lassen sich neben den kanonischen viele weniger bekannte, oftmals aber umso beeindruckendere Werke ausmachen. Hierzu zählt der in mehrerlei Hinsicht herausragende MORD OHNE SÜHNE, den Carl Balhaus im Jahr 1961 inszenierte. Basierend auf dem 1958 erschienenen Roman „Im Namen des Volkes?“ von Theo Harych, thematisiert MORD OHNE SÜHNE einen realen Justizmord, der sich in der Zeit der Weimarer Republik im Mecklenburgischen ereignete.
Der ehemalige polnische Kriegsgefangene und Landarbeiter Jakubowski wird verdächtigt, das Kind seiner Lebensgefährtin ermordet zu haben. Obwohl Oberlandjäger Lippert, der Jakubowski eingangs verhaftete, die Unschuld des Angeklagten eindeutig nachweisen kann, unternimmt der voreingenommene Justizapparat alles, den fälschlich angeklagten Polen dennoch zum Tode zu verurteilen.
Neben der expressiven Bildgestaltung von Kamera-Debütant Peter Krause besticht der Film durch die Leistungen von Günther Simon, dessen Darstellung des Oberlandjägers Lippert eine vielschichtige Figur hervorbringt, sowie von Wojciech Siemion, der als Jakubowski eine ebenso eindrucksvolle wie berührende Charakterstudie liefert. Des Weiteren brillieren in einprägsamen Nebenrollen Manja Behrens, Wilhelm Koch-Hooge, Horst Schönemann und Fred Delmare. Für Regisseur Balhaus wurde MORD OHNE SÜHNE die letzte seiner insgesamt acht Regiearbeiten im DEFA-Studio.
Lange Zeit war der Film im DEFA-Filmverleih nicht mehr verfügbar. Wir freuen uns, MORD OHNE SÜHNE nun mittels einer aus der Filmuniversität Babelsberg übernommenen 35mm-Kopie wieder präsentieren zu können. (Mirko Wiermann)