SAXO­PHON SUSI  am Mitt­woch, 08. Juli um 20 Uhr – am Flü­gel live beglei­tet von Euni­ce Mar­tins | Prost, Tschüss und Ahoi – Zur Pre­mie­re unse­res neu­en Flügels

Wir haben in unse­rem Kino schon ver­schie­de­ne Tas­ten­in­stru­men­te begrüßt und wie­der ver­ab­schie­det. Zwei oder drei Kla­vie­re, den aus­ran­gier­ten Stutz­flü­gel vom Gor­ki Thea­ter oder den hel­len Mignon, der ver­mut­lich aus dem eins­ti­gen jugo­sla­wi­schen Kul­tur­in­sti­tut stamm­te. Dann gab es noch das als „Kino­or­gel“ prä­sen­tier­te Har­mo­ni­um mit zusätz­li­cher Pedal­kla­via­tur, ein wirk­lich sel­ten gro­ßes Exem­plar aus einer Fried­hofs­hal­le. Bei die­sem hat­te schon wäh­rend der ers­ten Vor­stel­lung ein Hän­ger, also ein unfrei­wil­li­ger Dau­er­ton, den Orga­nis­ten zum Abbruch sei­ner Beglei­tung gezwun­gen. Sein har­mo­ni­scher Wech­sel zum neben­an ste­hen­den Flü­gel, wur­de vom Publi­kum über­wie­gend als lang vor­be­rei­te Slap­stick­ein­la­ge inter­pre­tiert. Uns dage­gen stand der Angst­schweiß im Gesicht. Ent­spre­chend sei­ner Her­kunft wur­de das wider­spens­ti­ge und als nicht mehr repa­ra­bel gel­ten­de Har­mo­ni­um von uns schließ­lich im offe­nen Lager­feu­er kremiert.

Das bestän­digs­te Instru­ment unse­rer kino­mu­si­ka­li­schen Bezie­hungs­ge­schich­te, der Flü­gel mit dem Auf­kle­ber „Volks­ei­gen­tum – Rat der Stadt Frei­berg“ (Stadt­thea­ter) beglei­tet uns nun schon seit 22 Jah­ren. Doch egal ob aus einem Thea­ter, Kul­tur­in­sti­tut oder Kre­ma­to­ri­um kom­mend, „man muss ein Instru­ment auch in Wür­de ster­ben las­sen“ hat­te die emp­feh­lens­wer­te Kla­vier­baue­rin Syl­via Kles­sen aus dem Laden von neben­an schon vor vie­len Jah­ren auch über die­sen Flü­gel gesagt. Wir wer­den sei­ne von Jür­gen Kurz in vie­len Vor­stel­lun­gen vir­tu­os zur Stär­ke erho­be­ne Natur­stim­mung nicht ver­ges­sen! Wir den­ken an die vie­len unglaub­li­chen Prä­pa­ra­tio­nen des Instru­ments, an die Lust am Spiel mit dem Unge­nü­gen­den. Doch nach einem unver­zeih­li­chen, blö­den Stim­mungs­ver­such durch einen über­eif­ri­gen und über­grif­fi­gen Pia­nis­ten steht unser altes Pia­no wirk­lich vor dem Ende.

Es ist Zeit, Abschied zu neh­men! Wir bah­ren den rest­los ver­schlis­se­nen und abge­spiel­ten Flü­gel des­halb am 8. Juli noch ein­mal im Foy­er oder vor den Toren des Kinos auf. Eine letz­te Nut­zung als Flü­gel­bar ist ange­dacht: Prost, Tschüss und Ahoi!

Und kein Abschied ohne Neubeginn!

Als ers­tes Kino in Deutsch­land wur­den wir von Medi­en­board Ber­lin Bran­den­burg und der Film­för­de­rungs­an­stalt beim Kauf eines neu­en Instru­ments unter­stützt. Wir dan­ken den För­de­rern und einem pri­va­ten Spen­der ganz herz­lich für ihre muti­ge Hilfe!

Am neu­en Flü­gel, einem Yama­ha GB1 aus dem Pia­no­haus Geor­ge, wird Euni­ce Mar­tins zur Pre­mie­ren­vor­stel­lung am Mitt­woch, 8. Juli die Komö­die SAXO­PHON SUSI aus dem Jahr 1928 beglei­ten. Wir star­ten an dem Abend nicht nur mit einem neu­en Instru­ment, son­dern auch mit einer ganz wun­der­ba­ren, von Bri­git­te Mayr, Micha­el Omasta, Micha­el Pek­ler und Ralph Eue kura­tier­ten Rei­he, es geht um tsche­cho­slo­wa­ki­sches Kino, also um das slo­wa­ki­sche und das tsche­chi­sche. Das neue Instru­ment und das neue Pro­gramm waren als Träu­me eben noch IN WEI­TER FER­NE und sind plötz­lich SO NAH!