Ton­ka Šibe­ni­ce (Die Gal­gen­to­ni) | Vor­film: Wis­sen Sie nicht, wo Herr Kisch ist?

ČSR 1930, 81 min, Frz. Ton­film­fas­sung mit engl. ZT

Regie: Karel Anton

nach der Erzäh­lung Die Him­mel­fahrt der Gal­gen­to­ni (1921) von Egon Erwin Kisch

Nach vie­len Jah­ren kehrt die schö­ne Ton­ka in ihr Hei­mat­dorf zurück. Doch weder das freu­di­ge Wie­der­se­hen mit ihrer Mut­ter noch die Pup­pe und die Schie­fer­ta­fel in ihrem ehe­ma­li­gen Mäd­chen­zim­mer kön­nen die Erin­ne­run­gen an ihr Leben in der Stadt ver­trei­ben. Als ein Freund ihr einen Hei­rats­an­trag macht, flüch­tet sie zurück nach Prag, wo sie als Edel­pro­sti­tu­ier­te in einem Eta­blis­se­ment arbei­tet. Vol­ler Schwer­mut ver­bringt sie mit einem ver­ur­teil­ten Ver­bre­cher des­sen letz­te Nacht in der Todes­zel­le und wird zu Ton­ka „Šibe­ni­ce“, der „Gal­gen­to­ni“. Basie­rend auf einer Erzäh­lung des „rasen­den Repor­ters“ Egon Erwin Kisch insze­niert Karel Anton ein packen­des Melo­dram, des­sen Hel­din als Pro­sti­tu­ier­te mit Herz ver­zwei­felt gegen Schein­mo­ral und Vor­ur­tei­le ankämpft. Doch Ton­kas Schick­sal liegt nicht mehr in ihren Hän­den. Lyri­sche Natur­auf­nah­men ste­hen neben expres­sio­nis­ti­scher Gefäng­nis­ma­le­rei, wäh­rend sich die über die vier Jah­res­zei­ten erstre­cken­de Geschich­te ver­dun­kelt, bis die ver­schnei­ten Gas­sen Prags sie end­gül­tig zu einem fins­te­ren Mär­chen wer­den las­sen. TON­KA ŠIBE­NI­CE wur­de als tsche­chi­sche, deut­sche und fran­zö­si­sche Ver­si­on nach­syn­chro­ni­siert und gilt heu­te als ers­ter tsche­cho­slo­wa­ki­scher Ton­film. Im Vor­pro­gramm zei­gen wir ein fil­mi­sches Feuil­le­ton von Edu­ard Schrei­ber über den „rasen­den Repor­ter“. (Micha­el Pekler)

Vor­film:

Wis­sen Sie nicht, wo Herr Kisch ist?

DDR 1985, 35mm, 14 min, DF, Regie: Edu­ard Schreiber