René

Tsche­chi­sche Repu­blik 2008, 83 min, Tsche­chisch mit engl. UT

Regie: Hele­na Treštíková

Als die Doku­men­tar­fil­me­rin (und kurz­zei­ti­ge Kul­tur­mi­nis­te­rin Tsche­chi­ens) Hele­na Třeš­tí­ko­vá 1989 begann, den 17-jäh­ri­gen René in einer Jugend­straf­an­stalt zu fil­men, wuss­te sie nicht, dass das der Anfang einer zwan­zig­jäh­ri­gen Beglei­tung sein wür­de. René gilt bis heu­te als eines der prä­gnan­tes­ten Bei­spie­le für das Gen­re der fil­mi­schen Langzeitbeobachtung.

Die Regis­seu­rin doku­men­tiert dar­in das Leben eines jun­gen Man­nes, der zwi­schen kur­zen Pha­sen der Frei­heit und lan­gen Haft­stra­fen pen­delt, und spie­gelt dabei die tief­grei­fen­den gesell­schaft­li­chen Umbrü­che Tsche­chi­ens wider. Wäh­rend Renés Kör­per zuneh­mend von Täto­wie­run­gen gezeich­net wird, die wie eine eige­ne Spra­che von sei­nem Wider­stand erzäh­len, zeu­gen Fern­seh­bil­der, die in Renés Zel­le drin­gen von beweg­ten Zei­ten drau­ßen: von der Wen­de 1989, von der Abspal­tung der Slo­wa­kei und vom EU-Bei­tritt bei­der Län­der am 1. Mai 2004.

Die his­to­ri­sche Dyna­mik steht im kras­sen Gegen­satz zur bio­gra­fi­schen Sta­gna­ti­on des Prot­ago­nis­ten, der ein hoch­in­tel­li­gen­ter und krea­ti­ver, oft aber auch destruk­ti­ver Part­ner für die Regis­seu­rin ist. Die Art ihrer Beob­ach­tung könn­te man unbe­irr­bar nen­nen, denn sie lässt auch dann nicht ab von die­sem Pro­jekt, als René sie wäh­rend einer sei­ner Frei­las­sun­gen bestiehlt. Das Werk wur­de 2008 mit dem Euro­päi­schen Doku­men­tar­film­preis aus­ge­zeich­net. (Lin­da Söffker)