Jánošík (Lie­be, Frei­heit und Verrat)

ČSR 1935, 78 min, OmeU

Mar­tin Fričs Ver­fil­mung von 1935 holt den legen­dä­ren slo­wa­ki­schen Räu­ber­haupt­mann Juraj Jánošík aus dem Bereich natio­na­ler Mythen in die Are­na des popu­lä­ren Kinos – und schafft dabei etwas Drit­tes: eine Figur, die sozia­le Empö­rung, Frei­heits­drang und gemein­sa­mes tsche­cho­slo­wa­ki­sches Selbst­ver­ständ­nis bün­delt. Als fil­mi­scher Brü­cken­schlag ver­edelt das Werk ein slo­wa­ki­sches Natio­nal­the­ma mit der tech­ni­schen Bril­lanz der Pra­ger Filmindustrie.

Paľo Bie­lik ver­leiht der Figur Jánošík eine phy­si­sche Prä­senz, die das Hel­di­sche erdet und zugleich mit einer fast tän­ze­ri­schen Leich­tig­keit auf­lädt. Beson­de­re Erwäh­nung ver­dient die Kame­ra­ar­beit von Fer­di­nand Pečen­ka: Sei­ne dyna­mi­schen Auf­nah­men fan­gen die wil­de Schön­heit der Mala Fatra nicht bloß als Kulis­se ein, son­dern machen die Natur zum Mit­spie­ler des sozia­len Auf­be­geh­rens. In der Ver­bin­dung von volks­lied­haf­ter Lyrik und moder­ner, rhyth­mi­scher Mon­ta­ge ent­stand ein Werk, das weit über das Gen­re des Hei­mat­films hin­aus­weist. Der Erfolg gab der Pro­duk­ti­on recht: Nach der Urauf­füh­rung in Prag wur­de Jánošík im Som­mer 1936 zu den Film­fest­spie­len von Vene­dig ein­ge­la­den. Der inter­na­tio­na­le Durch­bruch war tri­um­phal – der Film wur­de in 32 Län­der ver­kauft und gilt bis heu­te als ein frü­her Höhe­punkt des tsche­cho­slo­wa­ki­schen Kinos, in dem sich visu­el­le Opu­lenz und poli­ti­scher Geist eben­bür­tig begeg­nen. (Lin­da Söffker)