ČSSR 1964, 94 min, OmeU
Regie: Zbyněk Brynych
Prag, 1941. Der jüdische Arzt Dr. Braun darf während der deutschen Besatzung nicht mehr praktizieren und arbeitet als Archivar von beschlagnahmten Kaffeetassen, Klavieren und Wanduhren. Eines Tages bittet ihn sein Nachbar um Hilfe: Dessen Cousin hat sich dem Widerstand angeschlossen und mit einer Schusswunde bei ihm Zuflucht gefunden. Mit einfachsten Mitteln gelingt dem zögerlichen Braun die rettende Operation, doch der der Verletzte braucht dringend Morphium – für Braun der Beginn einer Odyssee durch die besetzte Stadt.
A PÁTÝ JEZDEC JE STRACH ist ein herausragendes Werk der Neuen Welle und zugleich einer der eindrucksvollsten Filme von Zbyněk Brynych, der sich in seinen Filmen (u.a. TRANSPORT AUS DEM PARADIES) wiederholt mit dem Nationalsozialismus und dem Holocaust auseinandersetzte. „Von Natur aus bin ich Optimist, aber nicht mehr, was mich selbst betrifft“, monologisiert Braun in seiner fast leer geräumten Wohnung, bevor er sich auf den Weg macht. Dass seine Menschlichkeit über die Angst siegt, bedeutet jedoch nicht, dass Braun nun der Gefahr mutig ins Auge sehen würde. Im Gegenteil machen nahezu menschenleere Straßen, eine surreale Atmosphäre und die verstörenden Kameraperspektiven von Jan Kališ den Terror unmittelbar spürbar. Schrill läutende Telefone und plötzliche Stille sorgen ebenso für Beklemmung wie der enervierende Score des Komponisten Jiří Sternwald. (Michael Pekler)