Camou­fla­ge (Камуфляж)

Deutsch­land 2026, 102 min, Deutsch | Ukrai­nisch mit deut­schen UT

Regie: Myky­ta Gibalenko

Als Vita­ly (22) sei­ne Mut­ter und Schwes­ter in der Ukrai­ne zurück­lässt, träumt er von einem neu­en Leben als Stu­dent in Mün­chen. Am 24.02.20222 platzt die­ser Traum. Inner­halb von einer Nacht ste­hen plötz­lich zwei har­te Rea­li­tä­ten vor sei­ner Tür: die poli­ti­sche Welt­la­ge und die eige­ne Familie.

„Fas­zi­nie­rend an CAMOU­FLA­GE ist nicht zuletzt, wie ein­dring­lich Giba­len­ko beim fil­mi­schen Abtas­ten die­ser Zer­reiß­pro­be mit Spra­che arbei­tet – und zwar sowohl mit der gespro­che­nen Spra­che als auch mit Kör­per­spra­che und Ges­ten. Dabei geht es nie nur um Inhal­te, son­dern um Spra­che in ihrer gan­zen Sinn­lich­keit, mit der man sich aus­drückt, die sich aber auch in einen ein­drückt, ins Den­ken, Füh­len und Sein. Die Kame­ra­ar­beit und Mon­ta­ge sind ruhig und geben dem exzel­len­ten Haupt­dar­stel­ler Arthur Ali­iev und sei­nen Mit­spie­le­rin­nen den nöti­gen Raum, um die vie­len Nuan­cen, Schwie­rig­kei­ten und Schön­hei­ten der Kom­mu­ni­ka­ti­on ihrer Figu­ren mit­ein­an­der und mit ihrer Umwelt zu entfalten.

Als eine Art Leit­mo­tiv fun­gie­ren Vögel. Nicht nur in den Voka­beln, mit denen Vita­ly die deut­sche Spra­che lernt (‚Gans – Gän­se‘, ‚Schwal­be – Schwal­ben‘), oder in dem Zun­gen­bre­cher, mit dem er die Aus­spra­che trai­niert. Vögel tau­chen auch sonst immer wie­der auf, etwa in einer Thea­ter­per­for­mance, an der Vita­ly in Mün­chen mit­wirkt und die sich an Aris­to­pha­nes’ Die Vögel abzu­ar­bei­ten scheint. Als flie­gen­de Krea­tu­ren, die nicht an den Erd­bo­den oder Gren­zen gebun­den sind, spie­geln sie Vita­lys Sehn­sucht nach Frei­heit und Neu­auf­bruch, die ihn aus der Woh­nung der Mut­ter fort und nach Mün­chen getrie­ben hat. Aber auch das Ver­letz­li­che sei­ner Iden­ti­tät, die ‚zug­vo­gel­haft‘ zwi­schen zwei Wel­ten aus­ge­spannt ist und vom Krieg wie von einem schar­fen Wind aus der Bahn gewor­fen zu wer­den droht, klingt in dem Motiv an. Ein ers­ter fil­mi­scher Höhen­flug ist Myky­ta Giba­len­ko damit alle­mal gelun­gen.“ (Feli­ci­tas Klei­ner, film​dienst​.de)