Wir haben in unserem Kino schon verschiedene Tasteninstrumente begrüßt und wieder verabschiedet. Zwei oder drei Klaviere, den ausrangierten Stutzflügel vom Gorki Theater oder den hellen Mignon, der vermutlich aus dem einstigen jugoslawischen Kulturinstitut stammte. Dann gab es noch das als „Kinoorgel“ präsentierte Harmonium mit zusätzlicher Pedalklaviatur, ein wirklich selten großes Exemplar aus einer Friedhofshalle. Bei diesem hatte schon während der ersten Vorstellung ein Hänger, also ein unfreiwilliger Dauerton, den Organisten zum Abbruch seiner Begleitung gezwungen. Sein harmonischer Wechsel zum nebenan stehenden Flügel, wurde vom Publikum überwiegend als lang vorbereite Slapstickeinlage interpretiert. Uns dagegen stand der Angstschweiß im Gesicht. Entsprechend seiner Herkunft wurde das widerspenstige und als nicht mehr reparabel geltende Harmonium von uns schließlich im offenen Lagerfeuer kremiert.
Das beständigste Instrument unserer kinomusikalischen Beziehungsgeschichte, der Flügel mit dem Aufkleber „Volkseigentum – Rat der Stadt Freiberg“ (Stadttheater) begleitet uns nun schon seit 22 Jahren. Doch egal ob aus einem Theater, Kulturinstitut oder Krematorium kommend, „man muss ein Instrument auch in Würde sterben lassen“ hatte die empfehlenswerte Klavierbauerin Sylvia Klessen aus dem Laden von nebenan schon vor vielen Jahren auch über diesen Flügel gesagt. Wir werden seine von Jürgen Kurz in vielen Vorstellungen virtuos zur Stärke erhobene Naturstimmung nicht vergessen! Wir denken an die vielen unglaublichen Präparationen des Instruments, an die Lust am Spiel mit dem Ungenügenden. Doch nach einem unverzeihlichen, blöden Stimmungsversuch durch einen übereifrigen und übergriffigen Pianisten steht unser altes Piano wirklich vor dem Ende.
Es ist Zeit, Abschied zu nehmen! Wir bahren den restlos verschlissenen und abgespielten Flügel deshalb am 8. Juli noch einmal im Foyer oder vor den Toren des Kinos auf. Eine letzte Nutzung als Flügelbar ist angedacht: Prost, Tschüss und Ahoi!
Und kein Abschied ohne Neubeginn!
Als erstes Kino in Deutschland wurden wir von Medienboard Berlin Brandenburg und der Filmförderungsanstalt beim Kauf eines neuen Instruments unterstützt. Wir danken den Förderern und einem privaten Spender ganz herzlich für ihre mutige Hilfe!
Am neuen Flügel, einem Yamaha GB1 aus dem Pianohaus George, wird Eunice Martins zur Premierenvorstellung am Mittwoch, 8. Juli die Komödie SAXOPHON SUSI aus dem Jahr 1928 begleiten. Wir starten an dem Abend nicht nur mit einem neuen Instrument, sondern auch mit einer ganz wunderbaren, von Brigitte Mayr, Michael Omasta, Michael Pekler und Ralph Eue kuratierten Reihe, es geht um tschechoslowakisches Kino, also um das slowakische und das tschechische. Das neue Instrument und das neue Programm waren als Träume eben noch IN WEITER FERNE und sind plötzlich SO NAH!