23. Nei­ße Film­fes­ti­val zu Gast: KUM­O­TRY / GEFÄHR­TIN­NEN / DOU­BLE TROU­BLE mit Vor­film MART­WE TAN­GO / TOTENTANGO

Vor­film: GEWIN­NER NEIS­SE PUBLI­KUMS­PREIS KURZFILM

MART­WE TAN­GO (TOTENTAN­GO)

Polen 2025, 16 min, Pol­nisch mit engl. UT

Regie: Jan Seraphim 

Ste­fan ist Lei­chen­be­stat­ter und hört bei der Arbeit gern Musik. Sie macht ihn glück­lich und das Leben erträg­lich. Eines Tages fin­det er auf einem Trö­del­markt eine Tan­go-Schall­plat­te, die Tote auf­er­weckt. Ent­deckt Ste­fan jetzt das Tan­zen? (NFF 2026)

Haupt­film: aus der Sek­ti­on POL­SKI BLUES

KUM­O­TRY / GEFÄHR­TIN­NEN / DOU­BLE TROUBLE

Polen / Deutsch­land 2025, 70 min, dok., Pol­nisch | Rumä­nisch mit deut­schen + engl. UT

Regie: Emi­lia Śniegoska 

 In einem pol­ni­schen Dorf im Nord­os­ten Rumä­ni­ens füh­ren Hanka und Bron­ka ein ruhi­ges, arbeit­sa­mes Leben. Die Ehe­män­ner sind ver­stor­ben, die Kin­der leben im Aus­land. Unzer­trenn­lich und mit uner­schüt­ter­li­chem Humor meis­tern die bei­den Frau­en ihren All­tag. Als der Ukrai­ne-Krieg auch in ihre Ruhe und Abge­schie­den­heit ein­dringt, schleicht sich Angst ein, die Kin­der sind besorgt. Sol­len sie das Dorf und ein­an­der ver­las­sen oder blei­ben – trotz des Risi­kos? (NFF 2026)

„Als ich Hanka und Bron­ka zum ers­ten Mal traf, wuss­te ich sofort, dass ich einen Film über sie machen muss. Ihr Dorf erin­ner­te mich stark an das Dorf mei­ner Groß­mutter, das ich als Kind kann­te und das heu­te kaum wie­der­zu­er­ken­nen ist. Mit dem Film konn­ten wir die Welt von Hanka und Bron­ka, Teil der seit über 200 Jah­ren in Rumä­ni­en leben­den pol­ni­schen Min­der­heit, fest­hal­ten, bevor sie eben­falls ver­schwin­det. Über Jah­re kehr­ten wir immer wie­der mit der Kame­ra zurück, um eine Welt zu ent­de­cken, die eine fast meta­phy­si­sche Ebe­ne und zeit­lo­se Weis­heit in sich trägt. Obwohl die Geschich­te an einem spe­zi­fi­schen Ort spielt und Hanka und Bron­ka einen nur in Pleşa gespro­che­nen Dia­lekt ver­wen­den, woll­te ich den Film uni­ver­sell hal­ten – damit auch ande­re die­se für mich so wich­ti­ge Begeg­nung erle­ben kön­nen.“ (Emi­lia Śniegoska)

„Länd­li­che Gemein­schaf­ten welt­weit schrump­fen all­mäh­lich. Vie­le Dör­fer sind zwar noch bewohnt, doch ihre Zukunft ist unge­wiss. Kaum ein The­ma ist für Doku­men­tar­fil­mer daher fes­seln­der als Orte und Lebens­wei­sen, die bald ver­schwin­den könn­ten. Für ihr Lang­film­de­büt KUM­O­TRY / DOU­BLE TROU­BLE rich­tet Emi­lia Śnie­gow­s­ka den Blick auf die Buko­wi­na, eine kul­tu­rell viel­fäl­ti­ge Regi­on zwi­schen Mit­tel- und Ost­eu­ro­pa. Als Hei­mat zahl­rei­cher eth­ni­scher und sprach­li­cher Min­der­hei­ten ist sie ein Ort, der von sich über­schnei­den­den Iden­ti­tä­ten und Geschich­ten geprägt ist. Zu die­sen Gemein­schaf­ten gehört die pol­ni­sche Min­der­heit, deren All­tag durch die Freund­schaft zwei­er älte­rer Frau­en im Dorf Pleșa beleuch­tet wird. Hanka und Bron­ka sind Wit­wen, die zudem mit dem all­mäh­li­chen Ver­schwin­den der Welt kon­fron­tiert sind, die sie einst kann­ten. (…) Die Kin­der und übri­gen Ver­wand­ten der Frau­en sind längst fort­ge­zo­gen und tau­chen im Film nicht auf. Statt­des­sen wir­ken die Toten prä­sen­ter als die Leben­den. (…) Śnie­gow­s­ka ver­sucht nicht, die Mono­to­nie des Land­le­bens zu kaschie­ren. Statt­des­sen bringt sie Momen­te der Leich­tig­keit ein durch ein Quar­tett musi­zie­ren­der Hir­ten, die wie bei­läu­fig durch den Film zie­hen. Ihre Prä­senz ver­leiht dem Werk eine fast folk­lo­ris­ti­sche Note und lässt die Gren­ze zwi­schen doku­men­ta­ri­scher Beob­ach­tung und Erzäh­lung sanft ver­schwim­men. Was DOU­BLE TROU­BLE beson­ders berüh­rend macht, ist sei­ne Zurück­hal­tung. Anstatt auf Trä­nen zu zie­len, lädt der Film das Publi­kum mit Wär­me und Geduld in die Welt der Prot­ago­nis­tin­nen ein. Er bie­tet eine stil­le Refle­xi­on über Freund­schaft, das Älter­wer­den und das Gefühl der Zuge­hö­rig­keit. Ohne gro­ße Wor­te zu machen, zeigt Śnie­gow­s­ka, wie Kame­rad­schaft im Alter Ein­sam­keit lin­dern und Trost spen­den kann. Scharf­sin­nig und zutiefst mensch­lich ist DOU­BLE TROU­BLE ein beein­dru­cken­des Debüt.“ (Giu­sep­pe Sedia, kino​-mania​.net)

Das 24. Nei­ße Fes­ti­val fin­det vom 25.–30.2027 statt.

https://​www​.neis​se​film​fes​ti​val​.net