Vorfilm: GEWINNER NEISSE PUBLIKUMSPREIS KURZFILM
MARTWE TANGO (TOTENTANGO)
Polen 2025, 16 min, Polnisch mit engl. UT
Regie: Jan Seraphim
Stefan ist Leichenbestatter und hört bei der Arbeit gern Musik. Sie macht ihn glücklich und das Leben erträglich. Eines Tages findet er auf einem Trödelmarkt eine Tango-Schallplatte, die Tote auferweckt. Entdeckt Stefan jetzt das Tanzen? (NFF 2026)
Hauptfilm: aus der Sektion POLSKI BLUES
KUMOTRY / GEFÄHRTINNEN / DOUBLE TROUBLE
Polen / Deutschland 2025, 70 min, dok., Polnisch | Rumänisch mit deutschen + engl. UT
Regie: Emilia Śniegoska
In einem polnischen Dorf im Nordosten Rumäniens führen Hanka und Bronka ein ruhiges, arbeitsames Leben. Die Ehemänner sind verstorben, die Kinder leben im Ausland. Unzertrennlich und mit unerschütterlichem Humor meistern die beiden Frauen ihren Alltag. Als der Ukraine-Krieg auch in ihre Ruhe und Abgeschiedenheit eindringt, schleicht sich Angst ein, die Kinder sind besorgt. Sollen sie das Dorf und einander verlassen oder bleiben – trotz des Risikos? (NFF 2026)
„Als ich Hanka und Bronka zum ersten Mal traf, wusste ich sofort, dass ich einen Film über sie machen muss. Ihr Dorf erinnerte mich stark an das Dorf meiner Großmutter, das ich als Kind kannte und das heute kaum wiederzuerkennen ist. Mit dem Film konnten wir die Welt von Hanka und Bronka, Teil der seit über 200 Jahren in Rumänien lebenden polnischen Minderheit, festhalten, bevor sie ebenfalls verschwindet. Über Jahre kehrten wir immer wieder mit der Kamera zurück, um eine Welt zu entdecken, die eine fast metaphysische Ebene und zeitlose Weisheit in sich trägt. Obwohl die Geschichte an einem spezifischen Ort spielt und Hanka und Bronka einen nur in Pleşa gesprochenen Dialekt verwenden, wollte ich den Film universell halten – damit auch andere diese für mich so wichtige Begegnung erleben können.“ (Emilia Śniegoska)
„Ländliche Gemeinschaften weltweit schrumpfen allmählich. Viele Dörfer sind zwar noch bewohnt, doch ihre Zukunft ist ungewiss. Kaum ein Thema ist für Dokumentarfilmer daher fesselnder als Orte und Lebensweisen, die bald verschwinden könnten. Für ihr Langfilmdebüt KUMOTRY / DOUBLE TROUBLE richtet Emilia Śniegowska den Blick auf die Bukowina, eine kulturell vielfältige Region zwischen Mittel- und Osteuropa. Als Heimat zahlreicher ethnischer und sprachlicher Minderheiten ist sie ein Ort, der von sich überschneidenden Identitäten und Geschichten geprägt ist. Zu diesen Gemeinschaften gehört die polnische Minderheit, deren Alltag durch die Freundschaft zweier älterer Frauen im Dorf Pleșa beleuchtet wird. Hanka und Bronka sind Witwen, die zudem mit dem allmählichen Verschwinden der Welt konfrontiert sind, die sie einst kannten. (…) Die Kinder und übrigen Verwandten der Frauen sind längst fortgezogen und tauchen im Film nicht auf. Stattdessen wirken die Toten präsenter als die Lebenden. (…) Śniegowska versucht nicht, die Monotonie des Landlebens zu kaschieren. Stattdessen bringt sie Momente der Leichtigkeit ein durch ein Quartett musizierender Hirten, die wie beiläufig durch den Film ziehen. Ihre Präsenz verleiht dem Werk eine fast folkloristische Note und lässt die Grenze zwischen dokumentarischer Beobachtung und Erzählung sanft verschwimmen. Was DOUBLE TROUBLE besonders berührend macht, ist seine Zurückhaltung. Anstatt auf Tränen zu zielen, lädt der Film das Publikum mit Wärme und Geduld in die Welt der Protagonistinnen ein. Er bietet eine stille Reflexion über Freundschaft, das Älterwerden und das Gefühl der Zugehörigkeit. Ohne große Worte zu machen, zeigt Śniegowska, wie Kameradschaft im Alter Einsamkeit lindern und Trost spenden kann. Scharfsinnig und zutiefst menschlich ist DOUBLE TROUBLE ein beeindruckendes Debüt.“ (Giuseppe Sedia, kino-mania.net)
Das 24. Neiße Festival findet vom 25.–30.2027 statt.