Cenzor­ka – 107 Mothers (Цензорка)

SK/ CZ/ UA 2021, 93 min, Rus­sisch | Ukrai­nisch mit deut­schen UT

Regie: Peter Kerekes

Ley­sa lan­det nach einem Eifer­suchts­dra­ma im Knast. Schwan­ger tritt sie die Haft­stra­fe an, bringt den Sohn im Frau­en­gefäng­nis von Odes­sa zur Welt, in dem Müt­ter und Kin­der bis zum 3. Lebens­jahr zusam­men sein kön­nen. Ley­sa lebt in einer Welt, die nur von Frau­en bevöl­kert ist. Wäre da nicht die Far­be der Uni­form, wäre es schwer zu sagen, wer Gefan­ge­ne, wer Wäch­te­rin ist. Klar ist aller­dings: Humor spielt in die­sem Frau­en­knast eine wich­ti­ge Rolle.

„Die Nähe und Mensch­lich­keit wie auch die for­ma­le Kon­se­quenz machen die Stär­ke die­ses berüh­ren­den, aber nie sen­ti­men­ta­len Dra­mas aus.“ (Tere­sa Vena, NZZ am Sonntag) 

„Mit 107 MOTHERS ver­bin­det Peter Kere­kes meis­ter­haft Authen­ti­sches mit Insze­nier­tem. Sein Film nähert sich respekt­voll den Lebens­rea­li­tä­ten der inhaf­tier­ten Frau­en an und zeich­net ein ein­fühl­sa­mes Por­trät vom Gefäng­nis­all­tag.“ (Doris Senn, arttv)

„Iry­na arbei­tet in einem Frau­en­gefäng­nis, in dem auch Müt­ter mit Kin­dern unter­ge­bracht sind. Sie ist Auf­se­he­rin, Ver­trau­te und Freun­din, aber auch Beam­tin mit dem Auf­trag, Stra­fen zu voll­zie­hen. Iry­na lebt allei­ne in einer Dienst­woh­nung auf dem Gefäng­nis­ge­län­de und ver­bringt die Näch­te damit, den Kühl­schrank zu durch­fors­ten und Lie­bes­brie­fe zu lesen, die ihre Insas­sin­nen erhal­ten, was auch zu ihrem Job gehört.

Auf der ande­ren Sei­te die­ses Mikro­kos­mos leben die Müt­ter mit ihren Kin­dern. Ihr Leben liegt in Trüm­mern. Die Frau­en haben unter­schied­li­che Schick­sa­le und eine unge­wis­se Zukunft. Das Ein­zi­ge, das sie über Was­ser hält, ist die Bezie­hung zu ihren Klei­nen: ein paar Stun­den geneh­mig­tes Glück jeden Tag. Von den vie­len Geschich­ten der Frau­en im Gefäng­nis 74 hat mich die von Ley­sa am meis­ten inspi­riert. Sie hat ihren Mann aus Eifer­sucht ermor­det und kam in die Straf­an­stalt, schwan­ger mit dem gemein­sa­men Kind, des­sen Geburt auch den Beginn des Films markiert.

Fast alle Figu­ren spie­len sich selbst. Wir haben für die­sen Film meh­re­re Jah­re in einem Gefäng­nis mit Häft­lin­gen ver­bracht und ver­sucht, ihnen nahe­zu­kom­men und sie nicht als pas­si­ve Objek­te dar­zu­stel­len, son­dern als teil­neh­men­de Indi­vi­du­en. Da die meis­ten Gefan­ge­nen auf ihre beding­te Ent­las­sung war­te­ten oder jeder­zeit in eine ande­re Ein­rich­tung hät­ten ver­legt wer­den kön­nen, beschloss ich, eine pro­fes­sio­nel­le Schau­spie­le­rin für die Rol­le der Ley­sa zu enga­gie­ren. Denn ich wuss­te, dass die Dreh­ar­bei­ten lan­ge dau­ern wür­den und konn­te nicht ris­kie­ren, mei­ne Haupt­dar­stel­le­rin zu ver­lie­ren. Mary­na, die Ley­sa spielt, war bei allen vor­be­rei­ten­den Gesprä­chen dabei und ver­brach­te viel Zeit mit den Insas­sin­nen. Ich woll­te nicht, dass sie deren Ver­hal­ten nach­ahmt, son­dern viel­mehr, dass sie ihnen zuhört und ver­sucht, sie zu ver­ste­hen. Für mich war ent­schei­dend, dass sie sich in die inhaf­tier­ten Frau­en ein­füh­len und ihren Schick­sa­len und Gedan­ken nahe­kom­men konn­te. Ich woll­te auch, dass der Film ein authen­ti­sches kol­lek­ti­ves Lebens­bild der ver­ur­teil­ten Müt­ter ver­mit­telt, nicht nur durch ihre Gesprä­che mit Iry­na, son­dern auch durch die stil­len Sze­nen: die Ein­sam­keit, die sie emp­fin­den, wenn ihnen die Kin­der weg­ge­nom­men wer­den; die Glücks­mo­men­te, wenn die Frau­en kurz ver­ges­sen, dass sie im Gefäng­nis sind.

Ich glau­be, dass die Bezie­hung der Frau­en zu mir von Neu­gier­de geprägt war. Ich habe sie nur beob­ach­tet und ihnen zuge­hört, und das, was sie bereit waren, mit mir zu tei­len, im Film wie­der­ge­ben.“ (Director’s State­ment)