DAVID – STO­RIES OF HONOUR AND SHAME

Taru Mäkelä, FI 1997, 98 min, Doku­men­tar­film, OmeU, 35mm
Ori­gi­nal­spra­che: Finnisch

Sek­ti­on Nor­dic Jewish Focus

Im Zwei­ten Welt­krieg ver­bün­de­te sich Finn­land zeit­wei­se mit Nazi-Deutsch­land. Der Doku­men­tar­film erzählt die Geschich­te der fin­ni­schen Juden und Jüdin­nen zu die­ser Zeit – eine Geschich­te, über deren Wider­sprü­che in Finn­land nach dem Zwei­ten Welt­krieg nur unger­ne gere­det wur­de und die auch den Hin­ter­grund für den Spiel­film NEVER ALO­NE bil­det. Gezeigt auf 35 mm.

Basie­rend auf Gesprä­chen mit Zeitzeug_​innen und bis damals größ­ten­teils unver­öf­fent­lich­ten Archiv­auf­nah­men, reflek­tiert der 1997 ent­stan­de­ne Doku­men­tar­film die Stel­lung der Jüdin­nen und Juden in Finn­land wäh­rend der fin­nisch-deut­schen „Waf­fen­brü­der­schaft“ im Kampf gegen die Sowjet­uni­on. Vom poli­ti­schen Druck aus Deutsch­land, die Jüdin­nen und Juden in den siche­ren Tod aus­zu­lie­fern, und der Wei­ge­rung der fin­ni­schen Regie­rung, dies zu tun. Von den vor den Nazis nach Finn­land Geflüch­te­ten, von denen eini­ge dann doch depor­tiert wur­den, angeb­lich „nur“ Kri­mi­nel­le. Doch der jüngs­te von ihnen ist 18 Mona­te alt, in den Depor­ta­ti­ons­lis­ten mit der Berufs­be­zeich­nung „Kind“ gelis­tet. Von Juden, die als Sol­da­ten in der fin­ni­schen Armee mit Deutsch­land kämpf­ten. Von einer Feld­syn­ago­ge auf fin­nisch-deut­scher Sei­te. Und von dem Erwa­chen von Hoff­nung aber auch neu­en Ängs­ten, als sich Finn­land schließ­lich von Deutsch­land los­sag­te, was zum Lapp­land-Krieg zwi­schen den bei­den frü­he­ren Ver­bün­de­ten führ­te.
Inten­si­ver Doku­men­tar­film über einen Teil euro­päi­scher Geschich­te und jüdi­scher Erfah­rung, die inter­na­tio­nal nur wenig bekannt sind. Und die im Geschichts­be­wusst­sein Finn­lands bis heu­te Leer­stel­len hin­ter­lässt: eine Erfah­rung zwi­schen Hoff­nung und Todes­angst, eine Diplo­ma­tie im Schlin­ger­kurs zwi­schen dem Druck all­mäch­ti­ger Nach­barn, ethi­scher Ver­pflich­tung und Antisemitismus.

Text: Bernd Buder