ČSFR 1992, 120 min, Tschechisch mit deutschen UT
Regie: Věra Chytilová
Bohuš ist der größte Taugenichts eines mährischen Dorfes. Er lebt in den Tag hinein, verbringt seine Abende in der Dorfkneipe und wirbt dort um die Gunst der Wirtin Vlasta. Eines Tages taucht ein Herr im Anzug auf und will ihn sprechen. Die Saufkumpane des Taugenichts halten den Fremden sofort für einen Geheimpolizisten. Der entpuppt sich jedoch als Anwalt mit einer unglaublichen Nachricht: Bohuš hat ein Vermögen geerbt. Über Nacht wird aus dem Dorftrottel ein Millionär, der die neue Freiheit des Geldes mit vollen Händen auskostet und eine aberwitzige Idee nach der anderen umsetzt.
Das Drehbuch schrieben Chytilová und Bolek Polívka, der auch die Hauptrolle spielt. Polívka, der in Tschechien vor allem als Pantomime, Clown und Theatermann bekannt ist, spielt den Bohuš mit derber Wucht und überraschender Gutmütigkeit. Schon der nahezu unaussprechliche Titel – eine Mischung aus tschechischem Fluch und verballhorntem „Guten Tag“ – gibt den Ton vor.
Dědictví aneb Kurvahošigutntag entstand kurz nach der Samtenen Revolution. Damals galt der Film vielen als bloße Kommerzkomödie. Kritik und Publikum rümpften die Nase über die Vulgarität und grotesken Überzeichnungen des Films.
Erst im Rückblick zeigte sich, wie hellsichtig Chytilová die Wendejahre erfasst hatte: als Moralstück über die Fähigkeit von Geld, tief in die DNA nicht nur einzelner Menschen, sondern einer ganzen Gesellschaft einzudringen.
Heute zählt der Film zu den stärksten Arbeiten ihres Spätwerks. (Ralph Eue)