DEFA-Stif­tung prä­sen­tiert: „Nie wie­der leb ich zu auf eine Wen­de“ – DEFA-Doku­men­tar­fil­me von Tho­mas Kuschel aus der Wendezeit

Am 9. Novem­ber vor 37 Jah­ren fand mit der Öff­nung der deutsch-deut­schen Mau­er eines der zen­tra­len Ereig­nis­se der jün­ge­ren euro­päi­schen Geschich­te statt. Anläss­lich die­ses bedeut­sa­men Datums prä­sen­tiert die DEFA-Stif­tung ein Pro­gramm mit drei Kurz-Doku­men­tar­fil­men, die Regis­seur Tho­mas Kuschel 1989 und 1990 rea­li­sier­te und die sich um den Mau­er­fall her­um bewe­gen, das Davor und das Danach abste­cken sowie anhand von Ein­zel­schick­sa­len Hin­ter­grün­de und Fol­gen der Umbrü­che des Herbsts 1989 hin­ter­fra­gen. DER STOFF ZUM LEBEN por­trä­tiert Mario, einen 26-jäh­ri­gen Bri­ga­dier im Che­mie­fa­s­er­werk Prem­nitz, der in sei­nem Betrieb als Vor­bild agiert, sich aber zugleich sehr kri­tisch gegen­über Pro­ble­men der Ver­sor­gungs­la­ge und Wohn­si­tua­ti­on sowie der „Schön­fär­be­rei“ durch Par­tei­ge­nos­sen äußert. Der im Früh­jahr 1989 pro­du­zier­te Film lässt den wach­sen­den Unmut erah­nen, der in die Umwäl­zun­gen der Wen­de­zeit mün­den soll­te. In LIE­BE NINA… befragt Kuschel die 28-jäh­ri­ge Foto­gra­fin Nina, die in Mos­kau Jour­na­lis­mus stu­diert hat, bei der Frei­en Welt arbei­tet – und die am 7. Okto­ber 1989 am Ran­de einer fried­li­chen Demons­tra­ti­on von Volks­po­li­zei­kräf­ten bru­tal miss­han­delt wur­de. Der staat­lich sank­tio­nier­te Über­griff und sei­ne gesund­heit­li­chen Fol­gen set­zen bei Nina einen Refle­xi­ons­pro­zess in Gang, der ihr bis­he­ri­ges Welt­bild fun­da­men­tal infra­ge stellt. Am 27. Juni 1990 um 8.02 Uhr läuft in den Zwi­ckau­er Sach­sen­ring Auto­mo­bil­wer­ken DER LETZ­TE TRAB­BI des Modells P 601 vom Band, die Pro­duk­ti­on endet nach 34 Jah­ren und 5,2 Mil­lio­nen her­ge­stell­ten Fahr­zeu­gen. Tho­mas Kuschel beob­ach­tet die letz­ten Arbeits­ta­ge, inter­viewt Werk­tä­ti­ge und Füh­rungs­per­so­nal und fängt die zwi­schen Ent­täu­schung, Rat­lo­sig­keit und Hoff­nung schwan­ken­de Stim­mung am Ende einer Ära ein. (Mir­ko Wier­mann, DEFA-Stiftung)

DER STOFF ZUM LEBEN, 1989, 35mm, 23 min, R: Tho­mas Kuschel

LIE­BE NINA…, 1990, 35mm, 26 min, R: Tho­mas Kuschel

DER LETZ­TE TRAB­BI, 1990, 29 min, R: Tho­mas Kuschel