DEFA-Stif­tung prä­sen­tiert | Unse­re bösen Kinder

Deutsch­land 1992/93, 83 min, deut­sche Originalfassung

Regie: Karl Heinz Lotz

Weih­nach­ten in Ber­lin 1991. Es ist kei­ne Fami­li­en­idyl­le, die Regis­seur Karl Heinz Lotz in sei­nem Doku­men­tar­film UNSE­RE BÖSEN KIN­DER fest­hält. David, der drei­zehn­jäh­ri­ge Adop­tiv­sohn des Regis­seurs, hat sich zum Stra­ßen­kind ent­wi­ckelt und ver­schwin­det immer wie­der von zu Hau­se. Lotz ver­sucht zu ver­ste­hen, folgt David mit der Kame­ra in des­sen Welt und lernt dabei wei­te­re Stra­ßen­kin­der ken­nen. Er gibt ihnen Raum vor der Kame­ra, fragt unbe­hol­fen, oft naiv, und macht die eige­ne Hilf­lo­sig­keit als Vater und Erwach­se­ner spür­bar. Neben den Inter­view­si­tua­tio­nen streift die Kame­ra durch ein Land, das sich im Auf­lö­sungs­pro­zess befin­det, und schafft so schwarz-wei­ße und vor allem ver­lo­ren anmu­ten­de Bil­der­wel­ten, die der emo­tio­na­len Schief­la­ge zwi­schen Eltern und der neu­en Genera­ti­on Aus­druck ver­lei­hen. (Dia­na Klu­ge, DEFA-Filmverleih)

Karl Heinz Lotz stu­diert 1971 Regie an der Hoch­schu­le für Film und Fern­se­hen in Pots­dam-Babels­berg. Der Kin­der­film DER DICKE UND ICH (1980) wird sei­ne ers­te Regie­ar­beit. Sein zwei­ter Film JUN­GE LEU­TE IN DER STADT (1985) über das Ber­li­ner Leben der spä­ten 1920er-Jah­re wur­de von der DEFA-Stif­tung 2022 digi­tal restau­riert. Von sei­nen viel­fäl­ti­gen Regie­ar­bei­ten sei noch der Kin­der­film RÜCK­WÄRTS­LAU­FEN KANN ICH AUCH (1989/90) her­vor­ge­ho­ben, in dem er sich ein­fühl­sam mit Men­schen mit Behin­de­rung aus­ein­an­der­setzt und ein­dring­lich mehr Teil­ha­be an der Gesell­schaft für sie ein­for­dert. Bei UNSE­RE BÖSEN KIN­DER ist er neben der Regie auch für das Dreh­buch sowie die Pro­duk­ti­on verantwortlich.