BUTCHER’S STAIN
Meyer Levinson-Blount, IL 2025, 26 min, Spielfilm, Omd+eU
Originalsprache: Hebräisch, Arabisch
Besetzung: Omar Sameer, Meyer Levinson-Blount, Rona Toledano
Sektion The Other Israel
In der angespannten Realität der Koexistenz möchte der Palästinenser Samir einfach nur seinen Job in einem israelischen Supermarkt machen und ein ruhiges Leben führen. Doch durch eine falsche Verdächtigung wird ihm bewusst, wie fragil seine Lage ist. Dieses fesselnde Kurzdrama, das auf einer wahren Begebenheit beruht, wurde dieses Jahr für den Oscar als bester Kurzfilm nominiert.
THE SMUGGLERS
Tony Copti, Yaniv Berman, IL 2025, 86 min, Dokumentarfilm, Omd+eU
Originalsprache: Arabisch
Sektion The Other Israel
Wo normalerweise Waffen und Drogen geschmuggelt werden, versuchen zwei Männer ihr Glück mit etwas weitaus Gefährlicherem: arabischsprachigen Büchern. Die bescheidene Geschäftsidee entwickelt sich zu einer ironischen Reise durch Sprache, Kultur und ein System, das beides still und leise untergräbt.
Eine kleine Buchhandlung in Jaffa wird zum Ausgangspunkt einer größeren Investigation. Als der Filmproduzent Tony Copti gemeinsam mit seinem Onkel Michel Alraheb in das Familienunternehmen einsteigt, gerät er in einen Konflikt um den Vertrieb arabischer Bücher – von denen viele aufgrund langjährig bestehender Auflagen nicht legal nach Israel eingeführt werden dürfen. Was als logistische Herausforderung beginnt, zeigt nach und nach ein komplexes System, mit dem der Zugang zu Sprache und Wissen begrenzt wird.
Ihre Begegnungen an Checkpoints, auf Märkten und unter Leser*innen zeichnen die Konturen einer Kultur unter Druck nach. Der Film fängt ein Paradoxon ein: eine Sprache, die tief an einem Ort verwurzelt ist, dort jedoch zunehmend aus öffentlichen Räumen und dem Bildungswesen verschwindet. Mit zurückhaltendem Humor entwerfen Tony Copti und Yaniv Berman ein vielschichtiges Porträt von Verlust, Widerstandskraft und Beharrlichkeit. Musikalische Einlagen des palästinensischen Rappers Tamer Nafar verleihen dieser Geschichte über das kulturelle Erbe und dessen fragile Weitergabe an heutige Generationen einen treibenden Rhythmus.
Hinter dem Witz des Films verbirgt sich die tiefere Botschaft über eine Kultur, die nicht nur vernachlässigt, sondern systematisch erodiert wird. Er verweist auf eine fortschreitende kulturelle Verdrängung, in der Bücher verschwinden, die Sprache an Bedeutung verliert und mit ihr ein kollektives Gedächtnis, die Erinnerung selbst. Aus dieser Perspektive betrachtet, ist Schmuggel mehr als nur eine Notlösung; er wird zu einer Form des Widerstands.
Text: Naomi Levari