HIM­MEL IM BRUN­NEN | Gesich­ter und Stim­men: Le Joli Mai / Der schö­ne Mai

Termine

Frank­reich 1963, 163 min, OmeU, R: Chris Mar­ker, Pierre Lhomme

Im Auf­trag zum 50. Jah­res­tag der Okto­ber­re­vo­lu­ti­on ent­stan­den, stellt 235 000 000 eine monu­men­ta­le visu­el­le Sym­pho­nie dar, die das pri­va­te Glück der Men­schen und die Schön­heit des Lan­des in den Mit­tel­punkt rückt, wäh­rend Poli­tik und mili­tä­ri­sche Stär­ke die­ses Bild rah­men. Um die Ein­heit und Viel­falt des Viel­völ­ker­staats fil­misch wie­der­zu­ge­ben, nah­men vier Teams in ver­schie­de­nen sowje­ti­schen Repu­bli­ken den All­tag der Bürger:innen aller Alters­grup­pen auf. Das Mate­ri­al wur­de in Riga zu einer von Opti­mis­mus getra­ge­nen lyri­schen Alle­go­rie eines mensch­li­chen Lebens­wegs mon­tiert. Die Film­mu­sik kom­po­nier­te Rai­monds Pauls, einer der bekann­tes­ten Jazz- und Unter­hal­tungs­kom­po­nis­ten der Sowjet­zeit und bis heu­te eine prä­gen­de Figur der let­ti­schen Kul­tur. Im Gegen­satz dazu befra­gen Chris Mar­ker und Pierre Lhom­me Pari­ser und Pari­se­rin­nen zu ihrem pri­va­ten und öffent­li­chen Leben sowie zu ihrer Wahr­neh­mung des eige­nen Lan­des im Mai 1962, kurz nach dem Ende des Alge­ri­en­kriegs. Die Gegen­über­stel­lung der bei­den Fil­me zeigt zwei unter­schied­li­che Zugän­ge zur fil­mi­schen Dar­stel­lung der Gesell­schaft unter unter­schied­li­chen poli­ti­schen Sys­te­men: Wäh­rend 235 000 000 auf Sprech­text ver­zich­tet, ent­steht sei­ne ideo­lo­gi­sche Dimen­si­on weni­ger durch Wor­te als durch die Aus­wahl der Bil­der. LE JOLI MAI hin­ge­gen lässt die Men­schen selbst zu Wort kom­men und schafft ein frag­men­ta­ri­sches, aber viel­stim­mi­ges Doku­ment der fran­zö­si­schen Gesell­schaft zu Beginn der 1960er Jah­re. Trotz der unter­schied­li­chen Pro­duk­ti­ons­be­din­gun­gen sind bei­de Fil­me vom tie­fen Huma­nis­mus ihrer Autoren geprägt und zeu­gen von dem Ver­such, das Leben ihrer Zeit sicht­bar zu machen. (Nadež­da Fedorova)