Michal Kowakowski, DE/AT 2025, 102 min, Dokumentarfilm, ohne Dialog
Sektion Wettbewerb Dokumentarfilm
Eine essayistische Montage aus tausenden Filmausschnitten untersucht, wie das Kino die Shoah über Jahrzehnte hinweg dargestellt und visuell geprägt hat – und stellt Fragen danach, was diese Bilder zeigen können, was sie verdecken und wie sie den Weg in unser kollektives Gedächtnis fanden.
Aus mehr als 3.000 Spiel- und Fernsehfilmen montiert Holofiction ein dichtes Geflecht wiederkehrender Bilder, Motive und Erzählmuster. Züge, Gesichter, Gewalt: Was sich über Jahrzehnte ins kollektive Gedächtnis eingeschrieben hat, wird hier sichtbar gemacht und zugleich hinterfragt.
Der Film folgt einem essayistischen Ansatz und tritt in einen kritischen Dialog mit der Geschichte seiner eigenen Bilder – zwischen Ikonisierung und Klischee, Erinnerung und Reproduktion. Inspiriert von der vom SHOAH-Regisseur Claude Lanzmanns formulierten Skepsis gegenüber der Darstellbarkeit der Shoah, untersucht Holofiction die Möglichkeiten und Grenzen fiktionalen Erzählens. Dabei entsteht ein ebenso beeindruckendes wie bewusst distanziertes Werk, das weniger emotional als analytisch in die Bilder eindringt – und gerade darin einen Raum für Reflexion über die Verantwortung von Bildern und die Konstruktion historischer Erinnerung öffnet.
Text: Arkadij Khaet