GOYA – ODER DER ARGE WEG DER ERKENNTNIS

JFBB Sek­ti­on: BRUCH ODER KON­TI­NUI­TÄT? “ANTI­ZIO­NIS­MUS” UND ANTI­SE­MI­TIS­MUS IM SOZIA­LIS­MUS UND DANACH

GOYA – ODER DER ARGE WEG DER ERKENNT­NIS
Kon­rad Wolf, DDR/SU 1971, 135 min, Spiel­film, OF
Sprach­fas­sung: Deutsch

Goya hat es zum Hof­ma­ler gebracht. Doch das ange­neh­me Leben macht ihn blind für die Miss­stän­de im spa­ni­schen König­reich, wo die Inqui­si­ti­on wütet. Ein kos­tü­mier­ter Gegen­warts­film über das Ver­hält­nis von Kunst und Macht und über Erfah­run­gen poli­ti­scher Gewalt. Die Par­al­le­len zwi­schen dem Hei­li­gen Tri­bu­nal und den Schau­pro­zes­sen der Sta­lin-Zeit sind nicht zufällig.

Goya wird als Zuschau­er zu einem Ver­hör vor dem Hei­li­gen Tri­bu­nal gela­den. Dort erlebt er ein maka­bres Schau­spiel, bei dem die Ange­klag­ten sich selbst bezich­ti­gen, schul­dig beken­nen oder als Ketzer*innen ver­brannt wer­den. Sein ‘arger Weg der Erkennt­nis‘ beginnt. Seit 1963 arbei­te­ten Kon­rad Wolf und Angel Wagen­stein (Dreh­buch) an der Ver­fil­mung von Lion Feucht­wan­gers Roman „Goya oder Der arge Weg der Erkennt­nis“. Er erzählt die Geschich­te eines Künst­lers, der sich vom Ange­pass­ten zum Rebel­len wan­delt, den nicht die Ideo­lo­gie treibt, son­dern die Wahr­haf­tig­keit. Kon­rad Wolf war als Prä­si­dent der Aka­de­mie der Küns­te (Ost) nicht nur die Fra­ge ver­traut, wie weit ein Künst­ler Die­ner der Macht sein darf, auch sei­ne eige­ne Jugend war durch die sta­li­nis­ti­schen Schau­pro­zes­se der 1930er Jah­re geprägt. Er und sein Bru­der Mar­kus hat­ten den „Gro­ßen Ter­ror“ – die Sta­li­nis­ti­schen Säu­be­run­gen zwi­schen 1936 und 1938 – in Mos­kau erlebt, die Angst um den eige­nen Vater Fried­rich Wolf, das Ver­schwin­den vie­ler Ver­trau­ter. 1952 tref­fen die in die DDR zurück­ge­kehr­ten Wolfs die Nach­rich­ten vom Schau­pro­zess gegen Rudolf Sláns­ký aber­mals hart. Unter den Hin­ge­rich­te­ten war Fried­rich Wolfs Freund Otto Katz. Wie gefähr­det war der Vater? Mar­kus notier­te nach der Auf­füh­rung von GOYA: „Die Aus­ein­an­der­set­zung mit der Inqui­si­ti­on mag man­chen zu den­ken geben, aber es ist kei­ne her­ein­ge­mansch­te Aktua­li­sie­rung, son­dern es sind eben Fra­gen, mit denen sich jede Epo­che so oder so zu quä­len hat.“

Text: Lisa Schoß