MARCH CARES­SES // MÄRZMANDELN

JFBB Sek­ti­on: BRUCH ODER KON­TI­NUI­TÄT? “ANTI­ZIO­NIS­MUS” UND ANTI­SE­MI­TIS­MUS IM SOZIA­LIS­MUS UND DANACH

MARCH CARES­SES // MÄRZ­MAN­DELN
Radosław Piwo­war­ski, PL 1989, 89 Min, Spiel­film, OmU (Eng­lisch + Deutsch)
Sprach­fas­sung: Polnisch


In einem pol­ni­schen Pro­vinz­nest Ende der 1960er-Jah­re mer­ken die Jugend­li­chen zuneh­mend, wie die Pro­pa­gan­da in der Par­tei­zei­tung von ihrem All­tag abweicht. Als anti­se­mi­ti­sche Kam­pa­gnen auch ihren Ort errei­chen, dringt die Poli­tik unmit­tel­bar in ihr Leben ein und zwingt sie zu Grundsatz-Entscheidungen.

Wäh­rend in War­schau pro­tes­tie­ren­de Stu­die­ren­de ver­prü­gelt und die sog. „Zio­nis­ten“ als Rädels­füh­rer ange­schwärzt wer­den, scheint es in der fik­ti­ven Klein­stadt Lub­lim ruhig zu sein. Doch unter der Ober­flä­che bro­delt es – Nach­wuchs-Repor­ter Tomek will kei­ne Pro­pa­gan­da-Arti­kel für die Schul­zei­tung mehr schrei­ben, die geheim­nis­vol­le Ola ver­sucht ihrem prü­geln­den Vater zu ent­kom­men und Mar­cyś wird Opfer der Het­ze, wel­che auch hier jüdi­sche Mitbürger*innen ins Exil treibt.

Piwo­war­ski nutz­te die Wen­de­zeit, um lan­ge ver­dräng­te his­to­ri­sche Fak­ten einem brei­ten, vor allem jugend­li­chen Publi­kum zu ver­mit­teln. Mit einem jun­gen Ensem­ble aus Debüt- Schauspieler*innen ver­ar­bei­te­te er per­sön­li­che Erleb­nis­se sei­ner Schul­zeit in einem Com­ing-of-Age-Dra­ma und ver­pack­te die Kom­ple­xi­tät der dama­li­gen Ereig­nis­se in eine span­nen­de Hand­lung und prä­gnan­te Bil­der. Typi­sche The­men der Ado­les­zenz wie Lie­be und Genera­tio­nen­kon­flik­te tref­fen dabei auf kom­mu­nis­ti­sche Ideo­lo­gie, die in alle Tei­le der Gesell­schaft eindringt.

Text: Rai­ner Mende