Lebens­an­sich­ten eines Huhns (Hen)

Deutsch­land / Griechenland/​ Ungarn 2026, 96 min, OmdU

Regie: Györ­gy Pálfi 

Am Anfang war das Ei. Oder doch das Huhn? Für die exis­ten­zi­ells­te aller Fra­gen bleibt auf einer Hüh­ner­farm wenig Zeit. Es ist das Los des flau­schi­gen Feder­viehs, dass es los muss – direkt nach dem Schlüp­fen über Fabrik­lauf­bän­der und Auto­bah­nen – und nicht sel­ten im Sup­pen­topf endet. Der Zufall will es, dass auf einem grie­chi­schen Hüh­ner­hof ein schwarz gefie­der­tes und beson­ders klu­ges Hühn­chen eines Tages ent­schlüpft und los­zieht in die gro­ße, wei­te Welt. Nach einem Tank­stel­len-Ren­dez­vous mit einem hung­ri­gen Fuchs nutzt es eine Mit­fahr­ge­le­gen­heit mit einem Lkw. Doch ein Hund ver­schleppt das reni­ten­te Feder­tier auf den Hin­ter­hof eines her­un­ter­ge­kom­me­nen Restau­rants. Des­sen altern­der Besit­zer steht nur schein­bar bes­ser da, denn der Laden läuft nicht mehr und schlecht gelaun­te Schmugg­ler gehen ein und aus. Für das Huhn beginnt ein neu­er Lebens­ab­schnitt: Es beweist sich in der Hüh­ner­stall-Hier­ar­chie, zankt mit Puten, gewinnt das Herz des Hahns und erschließt neu­es Ter­rain auf der Suche nach einem Brut­platz. Dabei stol­pert es in die kri­mi­nel­len Ver­stri­ckun­gen der dort leben­den Fami­lie, die ihrer­seits ums Über­le­ben kämpft. Und dabei den Küken­wunsch der uner­schro­cke­nen Hen­ne unwei­ger­lich durchkreuzt.

„Regis­seur Györ­gy Pál­fi insze­niert hier kei­ne nied­li­che Tier­ge­schich­te, auch wenn gera­de die Sze­nen, in denen die Tie­re ver­mensch­licht wer­den, durch­aus komisch sind: der Auf­tritt des Hahns unter einem schmal­zi­gen Lie­bes­lied, das Huhn als cle­ve­re Aus­bre­cher­kö­ni­gin. Das Huhn und sein Schick­sal sind viel­mehr die Trä­ger einer Geschich­te, die im Kern mehr über Mensch­lich­keit als vom Kör­ner­pi­cken erzählt. Über Aus­beu­tung, Ent­frem­dung und Gewalt im Umgang mit soge­nann­ten Nutz­tie­ren und in unse­rer mensch­li­chen Gesell­schaft und die unge­bro­che­ne Hoff­nung und den Drang nach einem bes­se­ren Leben. Das ist fein­sin­nig und auch fil­misch beein­dru­ckend umge­setzt. Acht Hüh­ner­dar­stel­le­rin­nen und zwei Häh­ne wur­den eigens für den Film trai­niert.“ (Cla­ris­sa Lempp, indie​ki​no​.de)