Made in EU (Направено в ЕС)

Bul­ga­ri­en / Deutsch­land / Tsche­chi­en 2024, 108 min, Bul­ga­risch mit deut­schen UT

Regie: Ste­phan Komandarev 

März 2020. Iva arbei­tet in einer Tex­til­fa­brik im länd­li­chen Bul­ga­ri­en, wo sie täg­lich „Made in EU“-Etiketten in Klei­dung näht, wäh­rend sie selbst kaum über die Run­den kommt. Seit Wochen lei­det sie an einer mys­te­riö­sen Krank­heit, doch ihr Wunsch nach einer Krank­schrei­bung bleibt unge­hört. Als schließ­lich ein posi­ti­ver Covid-Test bestä­tigt, dass Iva der ers­te offi­zi­ell regis­trier­te Fall ihrer Klein­stadt ist, ent­fes­selt sich eine Wel­le der Angst, Gerüch­te und Schuld­zu­wei­sun­gen. Obwohl Iva ihre Hei­mat­stadt seit Jah­ren nicht ver­las­sen hat, wird sie zur Ziel­schei­be kol­lek­ti­ver Panik. Arbeit­ge­ber, Kolleg:innen, Nach­barn – selbst ihr eige­ner Sohn begin­nen, sich von ihr abzu­wen­den. Je mehr Men­schen an der Krank­heit ster­ben, des­to stär­ker wird sie öffent­lich an den Pran­ger gestellt.

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„Der bul­ga­ri­sche Regis­seur wirft ein Schlag­licht auf pre­kä­re Arbeits­be­din­gun­gen und man­geln­de Sicher­heits­kon­zep­te in Bul­ga­ri­ens Tex­til­in­dus­trie, in der vor allem Frau­en für Hun­ger­löh­ne arbei­ten. Koman­darev, des­sen Film vom wah­ren Fall einer wäh­rend der Pan­de­mie zum Sün­den­bock gemach­ten Nähe­rin inspi­riert ist, recher­chier­te inten­siv und setzt neben dem Cast auch auf Laiendarsteller*innen aus dem durch die Tex­til­in­dus­trie gepräg­ten Dreh­ort Rudo­zem sowie auf lan­ge, mit Hand­ka­me­ra gefilm­te Sze­nen. Eti­ket­ten mit der Auf­schrift „Made in EU“, die Iva und ihre Kolleg*innen in Klei­dungs­stü­cke nähen, rah­men die Hand­lung des Spiel­films, des­sen Fabrik­auf­nah­men doku­men­ta­risch anmu­ten. Dass die Rea­li­tät bul­ga­ri­scher Tex­til­fa­bri­ken nicht den Stan­dards ent­spricht, die Kund*innen aus Nord- oder West­eu­ro­pa übli­cher­wei­se mit dem gleich­na­mi­gen Label ver­bin­den, zeigt MADE IN EU ein­drück­lich.“ (Ste­fa­nie Borow­sky, indie​ki​no​.de)

„Ähn­lich der sozi­al­rea­lis­ti­schen Fil­me von Ken Loach oder Sté­pha­ne Bri­zé geht auch Ste­phan Koman­darev in MADE IN EU vor, zeigt die Struk­tu­ren auf, die eine Frau wie Iva dazu zwin­gen, trotz Krank­heit zu arbei­ten, geht aber auch wei­ter: Ivas Sohn Micho ist im Inter­net aktiv, pos­tet Vide­os über sein Leben, ver­folgt daher aus ers­ter Hand, wie sei­ne Mut­ter online dif­fa­miert wird, wie aus kur­zen Clips ver­fäl­schen­de Ankla­gen wer­den, wie die Medi­en­öf­fent­lich­keit funk­tio­niert. Ein wenig kur­so­risch wirkt das zwar manch­mal, etwas zu sche­ma­tisch die Pro­ble­me und Vor­wür­fe, denen sich Iva aus­ge­setzt sieht. Doch immer wie­der zeigt Koman­de­rev mit klei­nen, bei­läu­fi­gen Sze­nen, wie das Sys­tem funk­tio­niert, wie hier mal ein Regie­rungs­mit­ar­bei­ter mit klei­nen Geschen­ken beein­flusst wird, wie dort ein Vor­ur­teil bestä­tigt wird.“ (Micha­el Meyns, pro​gramm​ki​no​.de)