ČSSR 1966, 93 min, Tschechisch mit deutschen UT
Regie: Jiří Menzel
Während im Hintergrund der Zweite Weltkrieg tobt, steht der junge Eisenbahn-Angestellte Milos mit seiner Männlichkeit auf Kriegsfuß. Er sei ein Mann, erklärt er nach der lang ersehnten, aber unerquicklich verlaufenen ersten Nacht mit der Zugbegleiterin Masa, doch sobald er es beweisen müsse, sei er keiner mehr. Das Problem, vorzeitige Ejakulation, wiegt schwer: Einen versuchten Suizid im Bordell und eine fragwürdige psychiatrische Diagnose später, macht Milos unverhofft die Bekanntschaft einer erfahrenen Partisanin mit dem sprechenden Namen Viktoria Freie. Über Nacht „zum Mann“ geworden, besitzt er ein neues – leider nur allzu trügerisches – Gefühl der Unverwundbarkeit und schließt sich einer Aktion der Widerstandsbewegung an.
Ostre sledované vlaky, das Spielfilmdebüt von Jiří Menzel, wurde 1968 mit einem Oscar als bester internationaler Film ausgezeichnet. Die literarische Vorlage zu dieser Tragikomödie aus der Provinz stammt von Bohumil Hrabal, dessen satirisch-verschmitzte Erzählungen vielen Regisseuren der tschechoslowakischen Neuen Welle als wichtige Inspirationsquelle diente. So beispielsweise auch Ivan Passers Kurzfilm Fádní odpoledne, den wir im Vorprogramm zeigen. (Michael Omasta)
Vorfilm:
FÁDNÍ ODPOLEDNE / EIN FADER NACHMITTAG
ČSSR 1964, 14 min, OmeU, R: Ivan Passer
„Ivan Passers Kurzfilm EIN FADER NACHMITTAG zeigte auf den ersten Blick nicht mehr als eine sonntägliche Kneipe mit kartenspielenden Frauen, trinkenden Männern, einem unwirschen Wirt und einem jungen Burschen, der ein Buch liest und deshalb argwöhnisch beäugt wird. Und doch öffnete sich mit diesen impressionistischen Bildern ein kleines Welttheater.“ (Ralf Schenk, Filmdienst 01.09.1998)