Poto­pa (Die Flut / Flood)

Termine

Slo­wa­kei / Tsche­chi­en / Polen / Bel­gi­en 2025, 102 min, OmeU

Regie: Mar­tin Gonda

Die Tsche­cho­slo­wa­kei im Jahr 1984. Die fünf­zehn­jäh­ri­ge Mara lebt mit ihrem ver­wit­we­ten Vater Alex­an­der im Dorf Rus­ké im äußers­ten Osten des Lan­des. Sie träumt davon, Pilo­tin zu wer­den. Doch Alex­an­der, ein rus­si­ni­scher Bau­er, will sei­ne Toch­ter nicht zie­hen las­sen und besteht dar­auf, dass sie den Hof wei­ter­führt. Über dem Tal schwebt da bereits das Urteil der Behör­den: Für einen neu­en Stau­see sol­len die Dör­fer der Gegend geflu­tet wer­den. Mara fälscht die Unter­schrift des Vaters und wird an der Flie­ger­schu­le ange­nom­men. Als die­ser nach einem Schlag­an­fall teil­wei­se gelähmt ist, kehrt sie zu ihm zurück, in ein Dorf, das sich lang­sam leert.

In sei­nem Spiel­film­de­büt ver­legt Mar­tin Gon­da ein wenig bekann­tes Kapi­tel tsche­cho­slo­wa­ki­scher Geschich­te in den inti­men Rah­men einer Rumpf­fa­mi­lie. Gon­da erin­nert sich an die ver­schwun­de­nen Sied­lun­gen noch aus sei­ner Kind­heit. Der Gene­ra­tio­nen­kon­flikt zwi­schen dem Wunsch nach Auf­bruch und der Bin­dung an das Land der Vor­fah­ren wird zum dra­ma­ti­schen Kern. Kame­ra­mann Oli­ver Záhla­va fängt die Land­schaft ohne nost­al­gi­sche Ver­klä­rung ein, als Ort der Her­kunft und zugleich als Raum, der Stück für Stück ver­lo­ren geht. Hin­zu kommt die Mehr­spra­chig­keit der Figu­ren und der lei­se Druck einer Staats­macht, die über Köp­fe hin­weg ent­schei­det. So ent­steht ein genau­es Por­trät einer Min­der­heit, deren Welt im wahrs­ten Sinn des Wor­tes der Unter­gang bevorsteht.

POTO­PA wur­de als slo­wa­ki­scher Bei­trag für den Oscar als bes­ter inter­na­tio­na­ler Film ein­ge­reicht und beschließt die Retro­spek­ti­ve IN WEI­TER FER­NE, SO NAH! als Aus­blick in die Gegen­wart. Er zeigt, wie das jun­ge slo­wa­ki­sche Kino die Bruch­li­ni­en der eige­nen Geschich­te neu befragt. (Ralph Eue)