Před matu­ri­tou (Vor dem Abitur / Befo­re Graduation)

ČSR 1932, 95 min, OmeU

Ein Pra­ger Gym­na­si­um kurz vor der Matu­ra. Die Abitu­ri­en­ten fürch­ten ihren pedan­ti­schen Mathe­ma­tik­leh­rer Kleč und ver­eh­ren den ver­stän­di­gen Pro­fes­sor Donát. Der begab­te Jan Šimon fin­det neben dem Ler­nen Zeit für Sport und für die Schü­le­rin Mar­ta. Sein Zim­mer­ge­nos­se Karel Kaf­ka dage­gen müht sich näch­te­lang ver­geb­lich mit Zah­len ab. Auf einem Klas­sen­aus­flug eska­liert der Kon­flikt mit Kleč, der Šimon von der Schu­le wer­fen las­sen will. Als Kaf­ka durch die Mathe­ma­tik­prü­fung fällt, greift er zu Šimons Revol­ver. Beim Ver­such, ihm die Waf­fe zu ent­win­den, wird Kleč ange­schos­sen. Am Kran­ken­bett ver­än­dert sich das Ver­hält­nis zwi­schen Leh­rer und Schü­lern grundlegend.

PŘED MATU­RI­TOU ist das Regie­de­büt von Vla­dis­lav Vanču­ra. Er war Arzt, ers­ter Vor­sit­zen­der der Avant­gar­de­ver­ei­ni­gung Devět­sil und einer der eigen­wil­ligs­ten Pro­sa­au­to­ren der tsche­chi­schen Moder­ne. An sei­ner Sei­te stand mit Svat­o­pluk Inne­mann ein erfah­re­ner Rou­ti­nier des Unter­hal­tungs­films, für den die Arbeit einen zwei­ten künst­le­ri­schen Höhe­punkt mar­kier­te. Aus die­ser unge­wöhn­li­chen Alli­anz ent­stand ein frü­hes Ton­film­dra­ma. Es ver­bin­det den Elan eines Jugend­films mit einem für die Zeit erstaun­lich scho­nungs­lo­sen Blick auf Leis­tungs­druck, Ver­zweif­lung und auto­ri­tä­re Päd­ago­gik. Jin­dřich Plach­ta legt den gefürch­te­ten Kleč nicht als Kari­ka­tur an, son­dern als Mann, des­sen Stren­ge die eige­ne Ver­letz­lich­keit verbirgt.

Der Film star­te­te am 9. Sep­tem­ber 1932 in den Pra­ger Kinos Kot­va und Lucer­na und lief dort jeweils fünf Wochen. Die Zen­sur gab ihn aus­ge­rech­net für Jugend­li­che nicht frei, also für jenes Publi­kum, von dem er erzählt. Vanču­ra insze­nier­te danach noch vier wei­te­re Fil­me, dar­un­ter die avant­gar­dis­ti­schen Expe­ri­men­te NA SLU­N­EČNÍ STRANĚ und MARI­J­KA NEVĚR­NICE, bevor er 1942 von den natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Besat­zern hin­ge­rich­tet wur­de. Grö­ße­re Bekannt­heit erlang­te sein Name im Kino spä­ter durch Ver­fil­mun­gen sei­ner Roma­ne, allen vor­an Fran­tišek Vlá­čils MAR­KE­TA LAZA­RO­VÁ (1967). (Ralph Eue)