Sátánt­an­gó (Satanstan­go)

Ungarn / Deutsch­land / Schweiz 1994, 438 min, Unga­risch mit engl. UT

mit zwei Pau­sen a 15 min (137+124+177 min)

Regie: Béla Tarr 

Eine Grup­pe ver­zwei­fel­ter, in ihrer Lebens­angst erstarr­ter Men­schen ver­lässt den her­un­ter­ge­kom­me­nen Ort ihres bis­he­ri­gen Daseins, um den Ver­spre­chun­gen eines cha­ris­ma­ti­schen Man­nes zu fol­gen, der sich jedoch als fal­scher Pro­phet erweist.

„Als sein Opus magnum, SATANSTAN­GO, 1994 im Ber­li­na­le-Forum urauf­ge­führt wur­de, stan­den die sie­ben­ein­halb Stun­den Lauf­zeit auch gut­wil­li­gen Besu­chern zu Beginn als düs­te­re Dro­hung bevor. Und ja: Béla Tarrs Film war ein Exer­zi­ti­um. Mit jeder Minu­te, die er tie­fer in eine unga­ri­sche Hoff­nungs­lo­sig­keit vor­drang, die sich als eine Hoff­nungs­lo­sig­keit ver­stand, die längst jeden Win­kel die­ser Welt besetz­te, war er aber auch ein Mys­te­ri­um. Wer nur eine Stun­de über­stan­den hat­te, wäre selbst unter Todes­an­dro­hung nicht mehr aus dem Kino­ses­sel auf­ge­stan­den, so hyp­no­tisch wirk­te die Lang­sam­keit von Tarrs Erzähl­kunst.“ (Gre­gor Dotzau­er, Der Tages­spie­gel, 08.01.2026)

“Indem und wie Tarr allem sei­ne Zeit gibt und gera­de auch Dau­er, Mono­to­nie und Wie­der­ho­lung bis jen­seits der ver­meint­li­chen ‚Schmerz­gren­ze‘ zulässt, defi­niert er nicht nur die fil­mi­sche Zeit neu. Viel­mehr gelingt es ihm auch, einen als Zuschau­er in sei­ne Zeit hin­ein­zu­neh­men, so dass der zunächst unend­lich lang und lang­sam erschei­nen­de Film am Ende kür­zer als man­cher miss­lun­ge­ne Action­film wirkt.“ (Rein­hold Zwick, film​dienst​.de)

„Sátánt­an­gó ist eine Medi­ta­ti­on über die Zeit, aber auch eine Para­bel über den Nie­der­gang der Mensch­heit, zugleich ein Sinn­bild für den Kos­mos und die con­di­tio huma­na. Durch sei­ne for­ma­le Stren­ge und atmo­sphä­ri­sche Aus­drucks­kraft, sei­ne unge­wöhn­li­che, leit­mo­ti­vi­sche Erzähl­wei­se, die den Zuschau­er erfasst und nicht mehr los­lässt – über mehr als sie­ben Stun­den – ragt die­ser Film aus dem Gesamt­werk von Béla Tarr her­aus. Sátánt­an­gó ist ein Monu­ment des zeit­ge­nös­si­schen Kinos, ja der Film­ge­schich­te über­haupt.“ (Arse­nal)