ČSR 1929, 75 min, stumm mit Livemusikbegleitung
live von den beiden Prager Musikern Ian Mikyska (Elektronik) und Vojta Drnek (Akkordeon) begleitet!
Regie: Carl Junghans
Ein sozialkritisches Drama, das thematisch auf den Roman Der Mörder von Émile Zola rekurriert, dabei fast ohne Zwischentitel auskommt und für seine ausgefeilte Filmsprache wie avancierte Schnitttechnik berühmt wurde. TAKOVÝ JE ŽIVOT erzählt das Schicksal einer namenlosen Prager Waschfrau, die in Demut tagtäglich ihrer beschwerlichen Arbeit nachgeht. Ihr Mann, ein Kohleschaufler mit Hang zu Alkohol und Handgreiflichkeiten, wird entlassen, weil er zu spät kommt; ihre Tochter, ein Manikür-Mädchen, verliert ihre Stellung, weil sie einem feinen Herrn nicht gefällig sein will. Nun ist es allein an ihr, der ausgezehrten, alten Wäscherin, die Familie durchzubringen.
Der Film ist das Werk eines Solitärs, denn der ehemalige Berliner Filmkritiker Carl Junghans zeichnete dabei für Regie, Drehbuch, Schnitt und Produktion verantwortlich. „Junghans ist ein Dichter; ein Dichter in Bildern“, zeigte sich etwa Fritz Rosenfeld von der Wiener Arbeiter-Zeitung begeistert. „Nichts ist platt an diesem Film vom platten Alltag. Weil hier ein Mensch den Alltag sieht, der die großen Leiden der Menschen fühlt und ihre kleinen Schwächen kennt.“ In der der Hauptrolle fasziniert Vera Baranovskaja, die Titelheldin des Pudovkin-Klassikers Mutter. (Michael Omasta)
Zur Musik-Begleitung:
Mikyska bewegt sich zwischen zeitgenössischer Komposition, Feldaufnahmen und Elektronik und schafft meditative, mikrotonal grundierte Klangräume; Drnek zählt zu den profiliertesten Jazz-Akkordeonisten seiner Generation und lotet dabei unkonventionelle Spieltechniken und harmonische Zwischentöne aus. Gemeinsam verspricht ihr Auftritt eine eigenständige, atmosphärisch dichte Antwort auf den Stummfilmklassiker.