Alberto Herskovits, Bengt Bok, SE 2025, 82 min, Dokumentarfilm, Omd+eU
Originalsprache: Schwedisch
Sektion Nordic Jewish Focus
Ein sensibles Portrait von vier Überlebenden: Eva, Elisabeth, Livia und Mimi sind Freundinnen, seit sie als Sechzehnjährige am selben Tag im KZ Auschwitz ankamen. Der Film begleitet die heute um die Neunzigjährigen zwischen ihrem aktiven Leben in Stockholm, den immer präsenten Erinnerungen und Gesprächen über die aktuelle Situation. Das geliebte Bridgespielen ist nicht nur Zeitvertreib, sondern zentrale Lebenshilfe.
In Schweden haben sie nach der Shoah ihr Leben neu aufgebaut und Familien mit vielen Kindern und Enkeln gegründet – „Meine Rache an Hitler“, wie Mimi sagt. Im hohen Alter sind sie bewundernswert aktiv und an der Welt interessiert. Doch Nachrichten wie die vom Terroranschlag der Hamas am 7. Oktober 2023 holen Erinnerungen hervor, die sie nie losgelassen haben. Darüber zu sprechen fällt ihnen mit der Enkelgeneration leichter als mit den eigenen Kindern. Der Film begleitet sie bei Gesprächen und öffentlichen Auftritten, bei denen sie als einige der letzten Überlebenden sprechen. Man versteht: Das erlebte Trauma ist nicht „verarbeitet“, was immer das heißt. Viele Erinnerungen sind so gigantisch und unfassbar, dass die Frauen noch Jahrzehnte später vergeblich versuchen, sie zu verstehen und sich selbst wundern, wie sie überleben konnten.
Eine Überlebensstrategie in den Jahren danach war und ist das Bridgespielen. Sie spielen zu viert, mit anderen Partner*innen und allein am Computer, und der Effekt ist therapeutisch: Das Spiel lenkt die Aufmerksamkeit aufs Hier und Jetzt, zwingt zur Konzentration und beruhigt die Nerven.
Text: Susanne Stern