THE LAST SPY

Katha­ri­na Otto-Bern­stein, US/DE 2025, 106 min, Doku­men­tar­film, OmdU
Ori­gi­nal­spra­che: Eng­lisch, Deutsch

Sek­ti­on KINO FERMISHED

Im Alter von 102 Jah­ren gewährt der ehe­ma­li­ge CIA-Funk­tio­när Peter Sichel einen sel­te­nen Ein­blick in das Inners­te der US-Geheim­diens­te. Von Nazi-Deutsch­land bis zum Ber­lin des Kal­ten Krie­ges erzählt er von Ent­schei­dun­gen mit glo­ba­ler Bedeu­tung – und vom Preis, der im Namen der Demo­kra­tie gezahlt wur­de. Eine Erin­ne­rung dar­an, dass die Ver­gan­gen­heit näher liegt, als wir glauben.

Als die CIA Sichels Memoi­ren mit umfang­rei­chen Schwärzun­gen ver­sah, lösch­ten sie sei­ne Geschich­te damit nicht aus. In THE LAST SPY ergreift er nun selbst das Wort. Sein Leben umspannt ein gan­zes Jahr­hun­dert vol­ler Umbrü­che: die Flucht vor den Natio­nal­so­zia­lis­ten, den Auf­bau der ame­ri­ka­ni­schen Nach­rich­ten­diens­te in ihren Anfangs­jah­ren, den Kampf gegen den Faschis­mus und die ver­deck­ten Kon­flik­te des Kal­ten Krie­ges.
In (West)Berlin befand sich Sichel mit­ten an einem his­to­ri­schen Brenn­punkt, wo Ideo­lo­gie, Stra­te­gie und Säbel­ras­seln auf­ein­an­der­tra­fen. Wenn er von sei­ner Spio­na­ge­tä­tig­keit erzählt, glo­ri­fi­ziert er sie nicht, son­dern hin­ter­fragt sie. Nüch­tern reflek­tiert er das insta­bi­le Gleich­ge­wicht zwi­schen dem Schutz der Demo­kra­tie und ihrer Aus­höh­lung – und dar­über, wie Geheim­dienst­ar­beit ent­glei­sen kann, wenn sie von Eitel­keit, Hybris und poli­ti­scher Selbst­über­schät­zung ange­trie­ben wird.

Regis­seu­rin Katha­ri­na Otto-Bern­stein führt Sichel noch ein­mal in jene geo­po­li­ti­schen Stür­me zurück, durch die er einst selbst navi­gier­te. Der Film kon­fron­tiert die ver­deck­ten Ope­ra­tio­nen, ris­kan­ten Stra­te­gien und unum­kehr­ba­ren Ent­schei­dun­gen, die in der gegen­wär­ti­gen Welt und der aktu­el­len Geheim­dienst­ar­beit nach­hal­len. THE LAST SPY wird so zu einer Aus­ein­an­der­set­zung mit der Logik der Macht – und zur Mah­nung dar­an, wie nah die Ver­gan­gen­heit uns in Wirk­lich­keit ist.

Text: Nao­mi Levari