Traces (Слiди)

Ukrai­ne / Polen 2026, 85 min, Ukrai­nisch mit deut­schen UT

Regie: Ali­sa Kovalenko

Wie haben Sie die sechs Frau­en aus­ge­wählt, die in TRACES von ihren Erleb­nis­sen berich­ten?

- Es sind alles Mit­glie­der von Sema, mit denen ich zuvor schon viel gespro­chen hat­te. Es gab ein ver­trau­ens­vol­les Ver­hält­nis. Sie alle woll­ten ihr Gesicht zei­gen und ihre Geschich­te tei­len. Galy­na aus Butscha kann­te eini­ge Frau­en, die die Fol­ter nicht über­lebt haben. Des­halb woll­te sie auch für die­se Frau­en spre­chen. Iry­na sah den Film als Mög­lich­keit, den Feind zu bekämp­fen. Für sie ist er ein Schwert. Allen geht es dar­um, Bewei­se zu sam­meln, die nie­mand ver­leug­nen kann.

Sexua­li­sier­te Gewalt ist ein Kriegs­ver­bre­chen. Haben Sie Hoff­nung, dass rus­si­sche Täter dafür jemals vor Gericht gestellt wer­den?

- Gerech­tig­keit ist ein lang­sa­mes Pferd, aber ohne die­ses Pferd wür­de sich die­se Welt in ein dunk­les Loch ver­wan­deln. Des­halb müs­sen wir an die­ses lang­sa­me Pferd glau­ben und es unter­stüt­zen. In die­sem Alb­traum-Zir­kus, in dem Kriegs­ver­bre­cher über rote Tep­pi­che lau­fen, müs­sen wir an unse­ren Wer­ten fest­hal­ten und wei­ter für Gerech­tig­keit kämp­fen. Wir haben kei­ne ande­re Wahl. (…) 

War es für Sie trotz der beschrie­be­nen Schwie­rig­kei­ten auch eine heil­sa­me Erfah­rung, den Film zu dre­hen?

- Auf jeden Fall. Die Frau­en bei ihrem Hei­lungs­pro­zess zu beglei­ten, hat­te für mich eine the­ra­peu­ti­sche und ermu­ti­gen­de Wir­kung. TRACES ist ja nicht nur ein Film über Trau­ma­ta und Opfer, son­dern auch ein Film über Wür­de und Hoff­nung.“ (Inter­view mit Ali­sa Kova­len­ko, Der Tages­spie­gel 18.02.2026)