Vater­land

Deutsch­land / Polen / Ita­li­en / Frank­reich 2026, 82 min | Deut­sche Originalfassung

Paweł Paw­li­kow­ski

Nach dem Ende des Zwei­ten Welt­kriegs bege­ben sich Lite­ra­tur­no­bel­preis­trä­ger Tho­mas Mann und sei­ne Toch­ter, die Schau­spie­le­rin, Autorin und Kaba­ret­tis­tin Eri­ka, auf eine Rei­se durch ein Deutsch­land in Trüm­mern – von Frank­furt in der ame­ri­ka­ni­schen Besat­zungs­zo­ne bis ins sowje­tisch kon­trol­lier­te Wei­mar. Zum Goe­the-Jubi­lä­um wünscht man sich auf bei­den Sei­ten der inner­deut­schen Gren­ze Wor­te des Tros­tes, der Zustim­mung und der Ver­ge­bung vom größ­ten aller Erzäh­ler. Zwi­schen eupho­ri­schen Wag­ner-Erben und lite­ra­risch ver­sier­ten Gene­rä­len wird Deutsch­lands wich­tigs­ter Schrift­stel­ler hofiert und manch­mal auch beschimpft, wäh­rend das Dra­ma sei­ner eige­nen Fami­lie lei­se eska­liert. Es ist das ers­te Mal seit dem Krieg, dass Tho­mas Mann in sein Hei­mat­land zurück­kehrt, aus dem er einst ins Exil geflo­hen war. Eine Rei­se in die ver­wun­de­te deut­sche See­le, die hei­len soll – sie wird für Eri­ka und den Zau­be­rer, wie sei­ne Kin­der Tho­mas Mann oft nann­ten, zu einer Rei­se ins Innerste.

Nach dem Oscar-prä­mier­ten IDA und dem viel­fach aus­ge­zeich­ne­ten Dra­ma COLD WAR erzählt Paweł Paw­li­kow­ski in über­ra­gen­den Kino­bil­dern eine gro­ße deut­sche Fami­li­en­ge­schich­te im Tumult der Nach­kriegs­zeit. Mit zar­ter Uner­bitt­lich­keit über­blen­det VATER­LAND den Null­punkt der deut­schen Geschich­te mit dem Fina­le einer Fami­li­en­sa­ga. Eine inten­si­ve fil­mi­sche Erfah­rung, getra­gen von einem über­ra­gen­den Ensemble.

„Den bei­den Dreh­buch­au­toren Hen­drik Hand­lo­eg­ten und Pawel Paw­li­kow­ski gelingt die novel­lis­ti­sche Ver­dich­tung des Stof­fes auf den his­to­ri­schen Augen­blick. Die leicht ver­än­der­ten bio­gra­fi­schen Fak­ten sind hin­nehm­bar ange­sichts der auf­merk­sa­men, ja gera­de­zu lie­be­vol­len fik­tio­na­len ‚Betreu­ung‘ der Figu­ren, die bei­na­he so etwas wie höhe­re poe­ti­sche Wahr­haf­tig­keit erschafft. Auch sind die for­ma­len Eigen­ar­ten des Films durch die Wahl des Sujets, von Zeit und Raum mehr als gerecht­fer­tigt; sie erschei­nen nie als Manie­ris­mus, son­dern erschlie­ßen viel­mehr sinn­lich das Spe­zi­fi­sche der Epo­che. Szen­o­gra­fie und Kame­ra kre­ieren beklem­men­de Innen­räu­me – in den his­to­ri­schen Gebäu­den, aber auch in den engen Auto­mo­bi­len –, die einen unwill­kür­lich den Kopf ein­zie­hen und jeden Moment unter frei­em Him­mel her­bei­seh­nen las­sen. Die Abmi­schung der Ton­spur ist in ihrer Dis­kre­ti­on beson­ders lobens­wert. Doch vor allem das über­ra­gen­de Schau­spie­leren­sem­ble, dem man unbe­ding­te Hin­ga­be für das Pro­jekt bis in die Neben­rol­len hin­ein anmerkt, macht die­ses hand­werk­li­che Meis­ter­werk zu einem moder­nen Klas­si­ker. Eine sel­te­ne Kost­bar­keit!” (Kars­ten Essen, film​dienst​.de)