White Snail (Белая улитка)

Öster­reich / Deutsch­land 2025, 115 min, Rus­sisch | Bela­ru­sisch | Eng­lisch | Man­da­rin mit deut­schen UT

Regie: Elsa Krem­ser, Levin Peter

Masha, ein bela­ru­si­sches Model, träumt von einer Kar­rie­re in Chi­na. Misha arbei­tet in einer Mins­ker Lei­chen­hal­le und erweckt die Toten in sei­nen Ölge­mäl­den zum Leben. Die bei­den Außen­sei­ter füh­len sich auf unge­wöhn­li­che Wei­se von­ein­an­der ange­zo­gen und strei­fen gemein­sam durch die war­men Som­mer­näch­te. Misha eröff­net Masha eine unbe­kann­te Welt, die ihr Gefühl von Schön­heit und Sterb­lich­keit auf die Pro­be stellt. WHITE SNAIL ist die fra­gi­le Lie­bes­ge­schich­te zwei­er Außen­sei­ter, die erken­nen, dass sie nicht allei­ne auf der Welt sind.

“WHITE SNAIL lebt von sei­nem doku­men­ta­ri­schen Ant­litz und der sinn­haf­ten bild­li­chen Sym­bo­lik. Eben­so lang­sam wie sich Schne­cken durch ihre Welt bewe­gen, so ruhig und gemäch­lich ent­wi­ckelt sich die Ver­bin­dung der bei­den Haupt­cha­rak­te­re in die­sem unkon­ven­tio­nel­len, dring­li­chen Mix aus Dra­ma und Roman­ze.“ (Björn Schnei­der, film​starts​.de)

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„(…) Die ers­te Beson­der­heit die­ses Films besteht dar­in, dass er zum größ­ten Teil in Bela­rus gedreht wur­de. Wel­che Umstän­de haben zum Dreh in die­sem Land geführt? – EK: WHITE SNAIL hat eine lan­ge Gene­se. Vor zehn Jah­ren war ich mit mei­nem Diplom­film auf einem Fes­ti­val in Minsk, wo mir der Maler Mikhail Sen­kov, unser Haupt­dar­stel­ler, vor­ge­stellt wur­de. Ich habe ihn in einer Patho­lo­gie ken­nen­ge­lernt, wo ich die ers­te Lei­che in mei­nem Leben gese­hen habe – ein Sui­zid-Opfer. Direkt danach sind wir zu sei­ner Woh­nung, die bis oben­hin mit Ölge­mäl­den voll­ge­stellt war. Auf einem Gemäl­de war eine jun­ge Frau als Tote dar­ge­stellt, jedoch mit ganz wachen Augen. Er erklär­te mir, dass die­se Frau einen Selbst­mord­ver­such über­lebt hat­te und er mit ihr in Kon­takt stand. Das war der Aus­gangs­punkt und es hat uns nicht mehr losgelassen. (…)

Wie hat sich Bela­rus als Dreh­ort erwie­sen? – EK: Das Pro­jekt ist in sei­ner Ur-Idee fast zehn Jah­re alt. In Bela­rus hat sich in die­ser Zeit viel ver­än­dert. Das hat unser Pro­jekt immer wie­der neu in Fra­ge gestellt und den Film auf eine Art ver­än­dert. Wir haben an unse­rer Geschich­te fest­hal­ten, weil aus die­ser Regi­on kaum noch Geschich­ten zu uns gelan­gen. Den Groß­teil haben wir in Bela­rus gedreht, ein­zel­ne Loca­ti­ons haben wir dann aber auch in Lett­land gedreht.| – LP: Wir hat­ten eine unglaub­lich offe­ne, moti­vier­te Crew vor Ort. Leu­te, die das Kino lie­ben und mal auf ganz ande­re Art arbei­ten konnten.

Wie sehr stell­te eure unkon­ven­tio­nel­le Arbeits­wei­se auch eine Her­aus­for­de­rung dar? – EK: Man muss sagen, dass die dor­ti­ge Inde­pen­dent-Film­sze­ne auf unkon­ven­tio­nel­le Arbeits­wei­sen ange­wie­sen ist. Unge­wöhn­li­cher war es für die Team­mit­glie­der aus der EU, weil sie einen gewis­sen „Arthouse-Stan­dard“ gewohnt sind. Was wir dort ent­wor­fen haben, war für vie­le Betei­lig­te eine Erfah­rung von Null an.|– LP: Her­aus­for­dernd war gewiss, dass wir so viel on loca­ti­on gedreht haben. Wir woll­ten viel auf der Stra­ße dre­hen, haben Kom­par­se­rie immer so ver­stan­den, dass wir von einem Land, aus dem es so weni­ge Bil­der gibt, etwas zei­gen woll­ten. Es war uns wich­tig, so viel wie mög­lich über das ech­te Leben dort mitzunehmen.

War WHITE SNAIL zunächst eine urba­ne Erzäh­lung, in die die Natur erst spä­ter ein­ge­flos­sen ist? – EK: Die Natur war schon sehr früh ein Teil der Erzäh­lung, weil sie in Bela­rus sehr wich­tig ist. Vie­les im Film beruht auf den Bio­gra­fien von Masha und Misha, der Rest auf unse­ren per­sön­li­chen Erleb­nis­sen im Zuge unse­rer Ent­de­ckungs­rei­se über die­se zehn Jah­re hin­weg. Am Land fin­det man alte Dör­fer, wo es Seher:innen gibt, wo scha­ma­ni­sche Ritua­le statt­fin­den, die wir auch am eige­nen Kör­per aus­ge­tes­tet haben. So sind wir zu die­sen Orten und Geschich­ten gekommen. (…)

Im Span­nungs­feld Stadt und Natur ist auch der Umgang mit dem Licht sehr inter­es­sant. Wel­che Rol­le kommt dabei dem künst­li­chen, bun­ten Licht vom Han­dy, von den Stadt- und Dis­co­lich­tern als wesent­li­chen ästhe­ti­schen Momen­ten zu? – LP: Für uns stand fest, dass wir gegen das Kli­schee arbei­ten müs­sen, weil wir selbst über­rascht waren, mit wel­cher Idee von Minsk wir unse­re ers­te Rei­se ange­tre­ten hat­ten. Wir hat­ten uns Tris­tesse und Plat­ten­bau­ten vor­ge­stellt. Wir waren erstaunt, wel­che wil­den Far­ben dort die Näch­te bestimm­ten, auch die Archi­tek­tur ist sehr aben­teu­er­lich, weil alles neben­ein­an­der exis­tiert. Es gibt nach chi­ne­si­schem Vor­bild gebau­te Tra­ban­ten­sied­lun­gen, die sehr futu­ris­tisch aus­schau­en, Malls, die extrem bunt beleuch­tet sind.|  – EK: Die Moder­ni­tät der Stadt hat uns beein­druckt, Minsk ist kli­nisch sau­ber, modern durch­ge­plant. Das hat unse­re Ver­wen­dung des Lichts bestimmt, aber auch der Umstand, dass Licht dort in jeden Win­kel dringt und es kei­nen nicht aus­ge­leuch­te­ten Raum gibt.

(Karin Schie­fer | AUS­TRI­AN FILMS im Gespräch mit Elsa Krem­ser und Levin Peter)