Di 17.07.

USEDOM – Der freie Blick aufs Meer

Heinz Brinkmann
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USEDOM – Der freie Blick aufs Meer

Deutschland 2018, 95 min

Regie: Heinz Brinkmann

Lange, feinsandige Strände. Die Kaiserbäder Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin. Eine nicht enden wollende Promenade bis zur Mündung der Swina in Polen. Das weite Haff der Oder, der Peenestrom und das Achterwasser. Fischerdörfer hinter Mischwäldern. Seebrücken vor Strandhotels. Prachtvillen aus der Gründerzeit. Die Legende von Vineta. Schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts entdeckten Berliner Bankiers die verzaubernde Schönheit der Küsten Usedoms – und machten daraus ein geniales Geschäftsmodell. Heute zieht es alljährlich Millionen von Touristen auf die Insel. Doch die Gäste bringen nicht nur Wachstum, sondern verändern auch das Gesicht Usedoms.

Regisseur Heinz Brinkmann, der selbst aus Heringsdorf stammt, versammelt 25 Jahren nach seinem Film Usedom – Ein deutsches Inselleben neue Geschichten von Insulanern, die auf unterschiedliche Weise nach Usedom kamen und zu Gastgebern für Millionen von Urlaubern wurden. USEDOM – DER FREIE BLICK AUFS MEER beschreibt die deutsch-polnische Insel als einen Ort, an dem der europäische Gedanke des nationalen Zusammenwachsens so stark gelebt wird wie kaum anderswo. Er zeigt aber auch den immer schärfer ausgetragenen Konflikt zwischen der Bewahrung einer einzigartigen Bäderarchitektur und der Errichtung von neuen, verwechselbaren Luxus-Quartieren durch auswärtige Investoren. Ein nostalgisch-heiterer Streifzug über die berühmte Urlaubsinsel mit nachdenklichen Blicken.

USEDOM – Der freie Blick aufs Meer
Di 17.07.

Kolyma – Колыма, OmdU

Stanisław Mucha
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Kolyma – Straße der Knochen (Колыма – дорога костей)

D 2017, 86 min, russ. mit dt. UT

Regie: Stanisław Mucha                    Achtung Berlin, Bester Dokumentarfilm

Wer in der Region entlang der Kolyma-Fernstraße, die sich im Nordosten Russlands 2000 Kilometer durch die karge Landschaft zieht, durch Schnee und Eis gräbt, fördert bald etwas zu Tage. Zum einen finden sich Bodenschätze wie Gold, Platin und Uran, die seit Jahrzehnten im Tage- und Untertagebau geschürft werden. Zum anderen war die Region bis 1987 das Zentrum des sowjetisch/russischen Straflagersystems. Von den fünf Millionen, die hier für den Bergbau oder für die Errichtung der Fernstraße eingesetzt wurden, verließ der Großteil die Region nie wieder, sondern wurde in riesigen Massengräbern verscharrt. Aus diesem Grund ist die Kolyma-Fernstraße auch als „Straße der Knochen“ bekannt. Autorenfilmer Stanisław Mucha, dessen Großvater im Gulag einsaß, bereist in seinem Film die komplette Länge der Fernstraße. Auf dem Weg interviewt er junge Imbissbetreiber, die das Wort „Gulag“ mit „Gulasch“ verwechseln, aber auch ehemalige Insassen, die zum Teil sehr offen über die Morde reden, wegen derer sie verurteilt wurden. Manchmal war der Inhaftierungsgrund aber auch einfach eine unüberlegte Äußerung über den Diktator. Es liegt eine Aura des Leids über der Region, die sich auch heute noch auf die Bewohner auswirkt, sagt einer von ihnen. Die ansässigen Schüler amüsieren sich jedenfalls noch mit patriotischen Schulaufführungen, machen aber auch sehr klar, dass sie ihre Zukunft nach dem Abitur woanders sehen. Und einige, die geblieben sind, werden einfach etwas wunderlich und gehen Experimenten nach, in denen sie angeblich die Alterung mit Starkstrom umkehren können. So bedrückend die Vergangenheit der Region, die man in Moskau wahrscheinlich fast vergessen hat, auch ist, so sehr hinterlässt KOLYMA den Eindruck, dass der üblen Erinnerung ein starker und enorm kreativer Lebenswille entgegengesetzt wird, der nicht so einfach totzukriegen ist. (Christian Klose, Indiekino Magazin Juni/Juli 18)

Kolyma – Колыма, OmdU
Di 17.07.

Аритмия – Arrhytmia, OmdU

Boris Chlebnikow
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Аритмия (Arrhytmia)

Russland/ Finnland/ Deutschland 2017, 116 min, russ. mit dt. UT

Oleg ist ein junger, talentierter Sanitäter. Seine Frau Katja arbeitet als Ärztin in der Notaufnahme des Krankenhaues. Sie liebt Oleg, kann es aber nicht ertragen, dass er sich mehr um seine Patienten, als um sie kümmert. Sie möchte die Scheidung. Olegs neuer Chef ist ein kaltschnäuziger Manager, der die Effektivität der Notfalleinsätze steigern möchte und neue, strikte Regeln durchsetzen will. Was Oleg nicht im Geringsten interessiert, da er Leben zu retten hat. Und der unvermeidliche Ärger bei der Arbeit vermischt sich mit seiner persönlichen Lebenskrise. Alkoholexzessen und der Suche nach dem Sinn des Lebens müssen Katja Zwischen Notrufen, und Oleg herausfinden, was sie eigentlich noch verbindet.

„Fast wie ein Gegenstück zu Andrey Zvyagintsev LOVELESS wirkt Khlebnikovs ARRHYTMYIA, (…). Beide Filme erzählen von Ehen in der Krise, von gesellschaftlichem Druck und Konventionen, die Paare entzweien. Doch wo Zvyagintsev kalt und schonungslos filmt, seine Figuren in brillant komponierten Breitwandbildern isoliert, zeigt Khlebnikov seine beiden Hauptfiguren mit viel mehr Sympathie. Allein stilistisch ist er ihnen durch eine unruhige, mobile Handkamera viel näher, benutzt die Enge von Wohnungen und dem Rettungswagen, um Oleg und Katja nahe zu kommen, ihre heiß-kalte Beziehung anzudeuten. Größter Unterschied zwischen den Filmen ist jedoch, dass es bei Khlebnikov kaum um Russland geht. In der Nebenhandlung über Einsparungen im Gesundheitssystem könnte man zwar eine Kritik am zunehmend kapitalistischen Denken in Russland sehen, aber auch universelle Themen, wie sie in Deutschland, der Slowakei oder vielen anderen Ländern genauso gut auftreten könnten.“ (Michael Meyns, programmkino.de)

Аритмия – Arrhytmia, OmdU
Mi 18.07.

USEDOM – Der freie Blick aufs Meer

Heinz Brinkmann
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USEDOM – Der freie Blick aufs Meer

Deutschland 2018, 95 min

Regie: Heinz Brinkmann

Lange, feinsandige Strände. Die Kaiserbäder Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin. Eine nicht enden wollende Promenade bis zur Mündung der Swina in Polen. Das weite Haff der Oder, der Peenestrom und das Achterwasser. Fischerdörfer hinter Mischwäldern. Seebrücken vor Strandhotels. Prachtvillen aus der Gründerzeit. Die Legende von Vineta. Schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts entdeckten Berliner Bankiers die verzaubernde Schönheit der Küsten Usedoms – und machten daraus ein geniales Geschäftsmodell. Heute zieht es alljährlich Millionen von Touristen auf die Insel. Doch die Gäste bringen nicht nur Wachstum, sondern verändern auch das Gesicht Usedoms.

Regisseur Heinz Brinkmann, der selbst aus Heringsdorf stammt, versammelt 25 Jahren nach seinem Film Usedom – Ein deutsches Inselleben neue Geschichten von Insulanern, die auf unterschiedliche Weise nach Usedom kamen und zu Gastgebern für Millionen von Urlaubern wurden. USEDOM – DER FREIE BLICK AUFS MEER beschreibt die deutsch-polnische Insel als einen Ort, an dem der europäische Gedanke des nationalen Zusammenwachsens so stark gelebt wird wie kaum anderswo. Er zeigt aber auch den immer schärfer ausgetragenen Konflikt zwischen der Bewahrung einer einzigartigen Bäderarchitektur und der Errichtung von neuen, verwechselbaren Luxus-Quartieren durch auswärtige Investoren. Ein nostalgisch-heiterer Streifzug über die berühmte Urlaubsinsel mit nachdenklichen Blicken.

USEDOM – Der freie Blick aufs Meer
Mi 18.07.

Kolyma – Колыма, OmdU

Stanisław Mucha
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Kolyma – Straße der Knochen (Колыма – дорога костей)

D 2017, 86 min, russ. mit dt. UT

Regie: Stanisław Mucha                    Achtung Berlin, Bester Dokumentarfilm

Wer in der Region entlang der Kolyma-Fernstraße, die sich im Nordosten Russlands 2000 Kilometer durch die karge Landschaft zieht, durch Schnee und Eis gräbt, fördert bald etwas zu Tage. Zum einen finden sich Bodenschätze wie Gold, Platin und Uran, die seit Jahrzehnten im Tage- und Untertagebau geschürft werden. Zum anderen war die Region bis 1987 das Zentrum des sowjetisch/russischen Straflagersystems. Von den fünf Millionen, die hier für den Bergbau oder für die Errichtung der Fernstraße eingesetzt wurden, verließ der Großteil die Region nie wieder, sondern wurde in riesigen Massengräbern verscharrt. Aus diesem Grund ist die Kolyma-Fernstraße auch als „Straße der Knochen“ bekannt. Autorenfilmer Stanisław Mucha, dessen Großvater im Gulag einsaß, bereist in seinem Film die komplette Länge der Fernstraße. Auf dem Weg interviewt er junge Imbissbetreiber, die das Wort „Gulag“ mit „Gulasch“ verwechseln, aber auch ehemalige Insassen, die zum Teil sehr offen über die Morde reden, wegen derer sie verurteilt wurden. Manchmal war der Inhaftierungsgrund aber auch einfach eine unüberlegte Äußerung über den Diktator. Es liegt eine Aura des Leids über der Region, die sich auch heute noch auf die Bewohner auswirkt, sagt einer von ihnen. Die ansässigen Schüler amüsieren sich jedenfalls noch mit patriotischen Schulaufführungen, machen aber auch sehr klar, dass sie ihre Zukunft nach dem Abitur woanders sehen. Und einige, die geblieben sind, werden einfach etwas wunderlich und gehen Experimenten nach, in denen sie angeblich die Alterung mit Starkstrom umkehren können. So bedrückend die Vergangenheit der Region, die man in Moskau wahrscheinlich fast vergessen hat, auch ist, so sehr hinterlässt KOLYMA den Eindruck, dass der üblen Erinnerung ein starker und enorm kreativer Lebenswille entgegengesetzt wird, der nicht so einfach totzukriegen ist. (Christian Klose, Indiekino Magazin Juni/Juli 18)

Kolyma – Колыма, OmdU
Mi 18.07.

Аритмия – Arrhytmia, OmdU

Boris Chlebnikow
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Аритмия (Arrhytmia)

Russland/ Finnland/ Deutschland 2017, 116 min, russ. mit dt. UT

Oleg ist ein junger, talentierter Sanitäter. Seine Frau Katja arbeitet als Ärztin in der Notaufnahme des Krankenhaues. Sie liebt Oleg, kann es aber nicht ertragen, dass er sich mehr um seine Patienten, als um sie kümmert. Sie möchte die Scheidung. Olegs neuer Chef ist ein kaltschnäuziger Manager, der die Effektivität der Notfalleinsätze steigern möchte und neue, strikte Regeln durchsetzen will. Was Oleg nicht im Geringsten interessiert, da er Leben zu retten hat. Und der unvermeidliche Ärger bei der Arbeit vermischt sich mit seiner persönlichen Lebenskrise. Alkoholexzessen und der Suche nach dem Sinn des Lebens müssen Katja Zwischen Notrufen, und Oleg herausfinden, was sie eigentlich noch verbindet.

„Fast wie ein Gegenstück zu Andrey Zvyagintsev LOVELESS wirkt Khlebnikovs ARRHYTMYIA, (…). Beide Filme erzählen von Ehen in der Krise, von gesellschaftlichem Druck und Konventionen, die Paare entzweien. Doch wo Zvyagintsev kalt und schonungslos filmt, seine Figuren in brillant komponierten Breitwandbildern isoliert, zeigt Khlebnikov seine beiden Hauptfiguren mit viel mehr Sympathie. Allein stilistisch ist er ihnen durch eine unruhige, mobile Handkamera viel näher, benutzt die Enge von Wohnungen und dem Rettungswagen, um Oleg und Katja nahe zu kommen, ihre heiß-kalte Beziehung anzudeuten. Größter Unterschied zwischen den Filmen ist jedoch, dass es bei Khlebnikov kaum um Russland geht. In der Nebenhandlung über Einsparungen im Gesundheitssystem könnte man zwar eine Kritik am zunehmend kapitalistischen Denken in Russland sehen, aber auch universelle Themen, wie sie in Deutschland, der Slowakei oder vielen anderen Ländern genauso gut auftreten könnten.“ (Michael Meyns, programmkino.de)

Аритмия – Arrhytmia, OmdU
Do 19.07.

Kolyma – Колыма, OmdU

Stanisław Mucha
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Kolyma – Straße der Knochen (Колыма – дорога костей)

D 2017, 86 min, russ. mit dt. UT

Regie: Stanisław Mucha                    Achtung Berlin, Bester Dokumentarfilm

Wer in der Region entlang der Kolyma-Fernstraße, die sich im Nordosten Russlands 2000 Kilometer durch die karge Landschaft zieht, durch Schnee und Eis gräbt, fördert bald etwas zu Tage. Zum einen finden sich Bodenschätze wie Gold, Platin und Uran, die seit Jahrzehnten im Tage- und Untertagebau geschürft werden. Zum anderen war die Region bis 1987 das Zentrum des sowjetisch/russischen Straflagersystems. Von den fünf Millionen, die hier für den Bergbau oder für die Errichtung der Fernstraße eingesetzt wurden, verließ der Großteil die Region nie wieder, sondern wurde in riesigen Massengräbern verscharrt. Aus diesem Grund ist die Kolyma-Fernstraße auch als „Straße der Knochen“ bekannt. Autorenfilmer Stanisław Mucha, dessen Großvater im Gulag einsaß, bereist in seinem Film die komplette Länge der Fernstraße. Auf dem Weg interviewt er junge Imbissbetreiber, die das Wort „Gulag“ mit „Gulasch“ verwechseln, aber auch ehemalige Insassen, die zum Teil sehr offen über die Morde reden, wegen derer sie verurteilt wurden. Manchmal war der Inhaftierungsgrund aber auch einfach eine unüberlegte Äußerung über den Diktator. Es liegt eine Aura des Leids über der Region, die sich auch heute noch auf die Bewohner auswirkt, sagt einer von ihnen. Die ansässigen Schüler amüsieren sich jedenfalls noch mit patriotischen Schulaufführungen, machen aber auch sehr klar, dass sie ihre Zukunft nach dem Abitur woanders sehen. Und einige, die geblieben sind, werden einfach etwas wunderlich und gehen Experimenten nach, in denen sie angeblich die Alterung mit Starkstrom umkehren können. So bedrückend die Vergangenheit der Region, die man in Moskau wahrscheinlich fast vergessen hat, auch ist, so sehr hinterlässt KOLYMA den Eindruck, dass der üblen Erinnerung ein starker und enorm kreativer Lebenswille entgegengesetzt wird, der nicht so einfach totzukriegen ist. (Christian Klose, Indiekino Magazin Juni/Juli 18)

Kolyma – Колыма, OmdU
Do 19.07.

Кроткая – Die Sanfte, OmdU

Sergej Losniza
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Кроткая (Die Sanfte)

Frankreich/ Deutschland/ Litauen/ Niederlande 2017, 143 min, russ. mit dt. UT

Regie: Sergej Losniza

Eine Frau lebt alleine am Rande einer kleinen russischen Stadt. Ihr Mann ist im Gefängnis, regelmäßig schickt sie ihm Pakete. Als eines ihrer Päckchen zurückkommt, bemüht sie sich, den Grund dafür zu erfahren. Doch ihre Nachfragen bei den Behörden führen zu keinem Ergebnis. Schließlich macht sie sich auf einen langen Weg, um Klarheit zu gewinnen über das Schicksal ihres Mannes. Die Reise in die Gefängnisstadt am andere Ende Russlands ist beschwerlich. Die Menschen, denen sie begegnet, scheinen von einer tiefgehenden Lethargie geprägt zu sein. Jeder hat eine Theorie über den Lauf der Dinge parat, aber niemand scheint daran zu glauben, dass die Lage irgendwann wieder besser wird. Ihre Suche nach Antworten führt die Frau schließlich immer tiefer in einen Sumpf aus Ignoranz, Selbstsucht, Gewalt und Unmenschlichkeit, die sie stoisch erträgt. Wird sie Gerechtigkeit erfahren und ihren Mann wiedersehen?

„…Das Land ist Russland, aber es wird als geographisches und geistiges Gebiet wahrgenommen. Die Dreharbeiten fanden in Daugavpils in Lettland statt, eine kleine Stadt mit einem russischen Bevölkerungsanteil von 90%. Wir haben dort aus logistischen Gründen gefilmt: sie liegt innerhalb der EU, daher braucht man kein besonderes Visum, aber die Spuren der Zeit unter Sowjetherrschaft sind noch deutlich. Es gibt auch zwei große Gefängnisse in der Gegend, eines davon ist auch im Film zu sehen. Man findet diese Art von Gefängnissen überall in Russland. Sie wirken wie Festungen. Sie sehen seltsam aus, wie einsame, romantische Burgen, recht hübsch anzusehen in der Landschaft. Doch zugleich sind sie abstoßend, da niemand wirklich weiß, was in ihnen vorgeht. Stalin ordnete an, die Ziegelbauten weiß zu streichen, wahrscheinlich um ihnen das Aussehen von Klöstern zu verleihen (lacht). Das aus dem Film trägt den Spitznamen ‚der weiße Schwan‘. Es gibt noch ein anderes, das heißt ‚der schwarze Schwan‘. Ich beginne immer mit dem großen Ganzen und konzentriere mich später auf die feinsten Stellen, die Spitze der Nadel. Beim Filmemachen geht es darum, eine Idee zu haben, mit der dann durch die Leute, die Schauspieler, die Orte und die Gestaltung des Sets ein gutes Ergebnis erzielt wird. Hierbei ist es von enormer Wichtigkeit, trotz der Herausforderungen des tatsächlichen Filmens, seiner anfänglichen Idee treu zu bleiben.“ (Sergej Losniza im Interview)

Кроткая – Die Sanfte, OmdU
Fr 20.07.

Montags in Dresden

Sabine Michel
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Montags in Dresden

D 2017, 83 min

Regie: Sabine Michel

Sie heißen René, Sabine, Daniel – drei von Tausenden, die jeden Montag als „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ durch Dresden ziehen. Sie rufen „Wir sind das Volk!“. Sie fordern „Merkel muss weg!“. Die Regisseurin Sabine Michel hat sie über ein Jahr lang begleitet – auf ihren Demonstrationen und in ihrem Alltag. MONTAGS IN DRESDEN ist kein Film über PEGIDA, er fragt nach den privaten Gründen für das patriotische Aufbegehren, ein Film über reale und absurde Ängste der Gegenwart.

„…‘Verstehen Sie die Kritik, die es an Ihrem Film gibt?‘ – ‚Nein, aber ich finde es in Ordnung, dass der Film für manche offensichtlich eine Zumutung darstellt. Der Film löst etwas aus – im Leipziger Hauptbahnhof saßen bei der Vorführung 800 Menschen. Denn er behandelt das vielleicht wichtigste innenpolitische Thema unserer Zeit und ist immer noch der einzige Film, der sich mit diesem Thema auseinandersetzt. Aber, und das ist wichtig: Er ist kein politischer Beitrag, sondern ein künstlerischer Dokumentarfilm. Und mein Dokumentarfilm-Ethos bedeutet, dass ich den Menschen auf Augenhöhe begegnen will. Der Film ist auch ein Gesprächsangebot – und Gespräche zwischen den verschiedenen Lebenswelten finden in unserer Gesellschaft zu selten statt. (…)‘“ (Thomas Winkler im Gespräch mit Sabine Michel, Auszug, TAZ am Wochenende 14./15.04.18)

Montags in Dresden
Fr 20.07.

Kolyma – Колыма, OmdU

Stanisław Mucha
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Kolyma – Straße der Knochen (Колыма – дорога костей)

D 2017, 86 min, russ. mit dt. UT

Regie: Stanisław Mucha                    Achtung Berlin, Bester Dokumentarfilm

Wer in der Region entlang der Kolyma-Fernstraße, die sich im Nordosten Russlands 2000 Kilometer durch die karge Landschaft zieht, durch Schnee und Eis gräbt, fördert bald etwas zu Tage. Zum einen finden sich Bodenschätze wie Gold, Platin und Uran, die seit Jahrzehnten im Tage- und Untertagebau geschürft werden. Zum anderen war die Region bis 1987 das Zentrum des sowjetisch/russischen Straflagersystems. Von den fünf Millionen, die hier für den Bergbau oder für die Errichtung der Fernstraße eingesetzt wurden, verließ der Großteil die Region nie wieder, sondern wurde in riesigen Massengräbern verscharrt. Aus diesem Grund ist die Kolyma-Fernstraße auch als „Straße der Knochen“ bekannt. Autorenfilmer Stanisław Mucha, dessen Großvater im Gulag einsaß, bereist in seinem Film die komplette Länge der Fernstraße. Auf dem Weg interviewt er junge Imbissbetreiber, die das Wort „Gulag“ mit „Gulasch“ verwechseln, aber auch ehemalige Insassen, die zum Teil sehr offen über die Morde reden, wegen derer sie verurteilt wurden. Manchmal war der Inhaftierungsgrund aber auch einfach eine unüberlegte Äußerung über den Diktator. Es liegt eine Aura des Leids über der Region, die sich auch heute noch auf die Bewohner auswirkt, sagt einer von ihnen. Die ansässigen Schüler amüsieren sich jedenfalls noch mit patriotischen Schulaufführungen, machen aber auch sehr klar, dass sie ihre Zukunft nach dem Abitur woanders sehen. Und einige, die geblieben sind, werden einfach etwas wunderlich und gehen Experimenten nach, in denen sie angeblich die Alterung mit Starkstrom umkehren können. So bedrückend die Vergangenheit der Region, die man in Moskau wahrscheinlich fast vergessen hat, auch ist, so sehr hinterlässt KOLYMA den Eindruck, dass der üblen Erinnerung ein starker und enorm kreativer Lebenswille entgegengesetzt wird, der nicht so einfach totzukriegen ist. (Christian Klose, Indiekino Magazin Juni/Juli 18)

Kolyma – Колыма, OmdU
Fr 20.07.

In den Gängen

Thomas Stuber
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In den Gängen

D 2018, 125 min

Regie: Thomas Stuber

Christian ist neu im Großmarkt. Schweigend taucht er in das unbekannte Universum ein: die langen Gänge, die ewige Ordnung der Warenlager, die surreale Mechanik der Gabelstapler. Bruno, der Kollege aus der Getränkeabteilung, nimmt sich seiner an, zeigt ihm Tricks und Kniffe, wird ein väterlicher Freund. Und dann ist da noch Marion von den Süßwaren, die ihre kleinen Scherze mit Christian treibt. Als er sich in sie verliebt, fiebert der ganze Großmarkt mit. Doch Marion ist verheiratet – nicht sehr glücklich, wie es heißt. Plötzlich ist sie krankgeschrieben. Christian fällt in ein tiefes Loch. So tief, dass sein altes, elendes Leben ihn wieder einzuholen droht.

 

Mit In den Gängen öffnet Thomas Stuber den Blick für die Lebenswelt eines einfachen Angestellten in der ostdeutschen Provinz. In streng kadrierten Bildern entfaltet sich eine Choreografie von Menschen und Dingen, Realität, Sehnsucht und Traum. Alltägliches verwandelt sich in magischen Realismus, der über die zarte Liebesgeschichte hinaus vorsichtig auf das Prinzip Hoffnung verweist. (Berlinale 18)

In den Gängen
Sa 21.07.

Montags in Dresden

Sabine Michel
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Montags in Dresden

D 2017, 83 min

Regie: Sabine Michel

Sie heißen René, Sabine, Daniel – drei von Tausenden, die jeden Montag als „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ durch Dresden ziehen. Sie rufen „Wir sind das Volk!“. Sie fordern „Merkel muss weg!“. Die Regisseurin Sabine Michel hat sie über ein Jahr lang begleitet – auf ihren Demonstrationen und in ihrem Alltag. MONTAGS IN DRESDEN ist kein Film über PEGIDA, er fragt nach den privaten Gründen für das patriotische Aufbegehren, ein Film über reale und absurde Ängste der Gegenwart.

„…‘Verstehen Sie die Kritik, die es an Ihrem Film gibt?‘ – ‚Nein, aber ich finde es in Ordnung, dass der Film für manche offensichtlich eine Zumutung darstellt. Der Film löst etwas aus – im Leipziger Hauptbahnhof saßen bei der Vorführung 800 Menschen. Denn er behandelt das vielleicht wichtigste innenpolitische Thema unserer Zeit und ist immer noch der einzige Film, der sich mit diesem Thema auseinandersetzt. Aber, und das ist wichtig: Er ist kein politischer Beitrag, sondern ein künstlerischer Dokumentarfilm. Und mein Dokumentarfilm-Ethos bedeutet, dass ich den Menschen auf Augenhöhe begegnen will. Der Film ist auch ein Gesprächsangebot – und Gespräche zwischen den verschiedenen Lebenswelten finden in unserer Gesellschaft zu selten statt. (…)‘“ (Thomas Winkler im Gespräch mit Sabine Michel, Auszug, TAZ am Wochenende 14./15.04.18)

Montags in Dresden
Sa 21.07.

Kolyma – Колыма, OmdU

Stanisław Mucha
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Kolyma – Straße der Knochen (Колыма – дорога костей)

D 2017, 86 min, russ. mit dt. UT

Regie: Stanisław Mucha                    Achtung Berlin, Bester Dokumentarfilm

Wer in der Region entlang der Kolyma-Fernstraße, die sich im Nordosten Russlands 2000 Kilometer durch die karge Landschaft zieht, durch Schnee und Eis gräbt, fördert bald etwas zu Tage. Zum einen finden sich Bodenschätze wie Gold, Platin und Uran, die seit Jahrzehnten im Tage- und Untertagebau geschürft werden. Zum anderen war die Region bis 1987 das Zentrum des sowjetisch/russischen Straflagersystems. Von den fünf Millionen, die hier für den Bergbau oder für die Errichtung der Fernstraße eingesetzt wurden, verließ der Großteil die Region nie wieder, sondern wurde in riesigen Massengräbern verscharrt. Aus diesem Grund ist die Kolyma-Fernstraße auch als „Straße der Knochen“ bekannt. Autorenfilmer Stanisław Mucha, dessen Großvater im Gulag einsaß, bereist in seinem Film die komplette Länge der Fernstraße. Auf dem Weg interviewt er junge Imbissbetreiber, die das Wort „Gulag“ mit „Gulasch“ verwechseln, aber auch ehemalige Insassen, die zum Teil sehr offen über die Morde reden, wegen derer sie verurteilt wurden. Manchmal war der Inhaftierungsgrund aber auch einfach eine unüberlegte Äußerung über den Diktator. Es liegt eine Aura des Leids über der Region, die sich auch heute noch auf die Bewohner auswirkt, sagt einer von ihnen. Die ansässigen Schüler amüsieren sich jedenfalls noch mit patriotischen Schulaufführungen, machen aber auch sehr klar, dass sie ihre Zukunft nach dem Abitur woanders sehen. Und einige, die geblieben sind, werden einfach etwas wunderlich und gehen Experimenten nach, in denen sie angeblich die Alterung mit Starkstrom umkehren können. So bedrückend die Vergangenheit der Region, die man in Moskau wahrscheinlich fast vergessen hat, auch ist, so sehr hinterlässt KOLYMA den Eindruck, dass der üblen Erinnerung ein starker und enorm kreativer Lebenswille entgegengesetzt wird, der nicht so einfach totzukriegen ist. (Christian Klose, Indiekino Magazin Juni/Juli 18)

Kolyma – Колыма, OmdU
Sa 21.07.

In den Gängen

Thomas Stuber
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In den Gängen

D 2018, 125 min

Regie: Thomas Stuber

Christian ist neu im Großmarkt. Schweigend taucht er in das unbekannte Universum ein: die langen Gänge, die ewige Ordnung der Warenlager, die surreale Mechanik der Gabelstapler. Bruno, der Kollege aus der Getränkeabteilung, nimmt sich seiner an, zeigt ihm Tricks und Kniffe, wird ein väterlicher Freund. Und dann ist da noch Marion von den Süßwaren, die ihre kleinen Scherze mit Christian treibt. Als er sich in sie verliebt, fiebert der ganze Großmarkt mit. Doch Marion ist verheiratet – nicht sehr glücklich, wie es heißt. Plötzlich ist sie krankgeschrieben. Christian fällt in ein tiefes Loch. So tief, dass sein altes, elendes Leben ihn wieder einzuholen droht.

 

Mit In den Gängen öffnet Thomas Stuber den Blick für die Lebenswelt eines einfachen Angestellten in der ostdeutschen Provinz. In streng kadrierten Bildern entfaltet sich eine Choreografie von Menschen und Dingen, Realität, Sehnsucht und Traum. Alltägliches verwandelt sich in magischen Realismus, der über die zarte Liebesgeschichte hinaus vorsichtig auf das Prinzip Hoffnung verweist. (Berlinale 18)

In den Gängen
So 22.07.

Кроткая – Die Sanfte, OmdU

Sergej Losniza
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Кроткая (Die Sanfte)

Frankreich/ Deutschland/ Litauen/ Niederlande 2017, 143 min, russ. mit dt. UT

Regie: Sergej Losniza

Eine Frau lebt alleine am Rande einer kleinen russischen Stadt. Ihr Mann ist im Gefängnis, regelmäßig schickt sie ihm Pakete. Als eines ihrer Päckchen zurückkommt, bemüht sie sich, den Grund dafür zu erfahren. Doch ihre Nachfragen bei den Behörden führen zu keinem Ergebnis. Schließlich macht sie sich auf einen langen Weg, um Klarheit zu gewinnen über das Schicksal ihres Mannes. Die Reise in die Gefängnisstadt am andere Ende Russlands ist beschwerlich. Die Menschen, denen sie begegnet, scheinen von einer tiefgehenden Lethargie geprägt zu sein. Jeder hat eine Theorie über den Lauf der Dinge parat, aber niemand scheint daran zu glauben, dass die Lage irgendwann wieder besser wird. Ihre Suche nach Antworten führt die Frau schließlich immer tiefer in einen Sumpf aus Ignoranz, Selbstsucht, Gewalt und Unmenschlichkeit, die sie stoisch erträgt. Wird sie Gerechtigkeit erfahren und ihren Mann wiedersehen?

„…Das Land ist Russland, aber es wird als geographisches und geistiges Gebiet wahrgenommen. Die Dreharbeiten fanden in Daugavpils in Lettland statt, eine kleine Stadt mit einem russischen Bevölkerungsanteil von 90%. Wir haben dort aus logistischen Gründen gefilmt: sie liegt innerhalb der EU, daher braucht man kein besonderes Visum, aber die Spuren der Zeit unter Sowjetherrschaft sind noch deutlich. Es gibt auch zwei große Gefängnisse in der Gegend, eines davon ist auch im Film zu sehen. Man findet diese Art von Gefängnissen überall in Russland. Sie wirken wie Festungen. Sie sehen seltsam aus, wie einsame, romantische Burgen, recht hübsch anzusehen in der Landschaft. Doch zugleich sind sie abstoßend, da niemand wirklich weiß, was in ihnen vorgeht. Stalin ordnete an, die Ziegelbauten weiß zu streichen, wahrscheinlich um ihnen das Aussehen von Klöstern zu verleihen (lacht). Das aus dem Film trägt den Spitznamen ‚der weiße Schwan‘. Es gibt noch ein anderes, das heißt ‚der schwarze Schwan‘. Ich beginne immer mit dem großen Ganzen und konzentriere mich später auf die feinsten Stellen, die Spitze der Nadel. Beim Filmemachen geht es darum, eine Idee zu haben, mit der dann durch die Leute, die Schauspieler, die Orte und die Gestaltung des Sets ein gutes Ergebnis erzielt wird. Hierbei ist es von enormer Wichtigkeit, trotz der Herausforderungen des tatsächlichen Filmens, seiner anfänglichen Idee treu zu bleiben.“ (Sergej Losniza im Interview)

Кроткая – Die Sanfte, OmdU
So 22.07.

In den Gängen

Thomas Stuber
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In den Gängen

D 2018, 125 min

Regie: Thomas Stuber

Christian ist neu im Großmarkt. Schweigend taucht er in das unbekannte Universum ein: die langen Gänge, die ewige Ordnung der Warenlager, die surreale Mechanik der Gabelstapler. Bruno, der Kollege aus der Getränkeabteilung, nimmt sich seiner an, zeigt ihm Tricks und Kniffe, wird ein väterlicher Freund. Und dann ist da noch Marion von den Süßwaren, die ihre kleinen Scherze mit Christian treibt. Als er sich in sie verliebt, fiebert der ganze Großmarkt mit. Doch Marion ist verheiratet – nicht sehr glücklich, wie es heißt. Plötzlich ist sie krankgeschrieben. Christian fällt in ein tiefes Loch. So tief, dass sein altes, elendes Leben ihn wieder einzuholen droht.

 

Mit In den Gängen öffnet Thomas Stuber den Blick für die Lebenswelt eines einfachen Angestellten in der ostdeutschen Provinz. In streng kadrierten Bildern entfaltet sich eine Choreografie von Menschen und Dingen, Realität, Sehnsucht und Traum. Alltägliches verwandelt sich in magischen Realismus, der über die zarte Liebesgeschichte hinaus vorsichtig auf das Prinzip Hoffnung verweist. (Berlinale 18)

In den Gängen
Mo 23.07.

Montags in Dresden

Sabine Michel
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Montags in Dresden

D 2017, 83 min

Regie: Sabine Michel

Sie heißen René, Sabine, Daniel – drei von Tausenden, die jeden Montag als „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ durch Dresden ziehen. Sie rufen „Wir sind das Volk!“. Sie fordern „Merkel muss weg!“. Die Regisseurin Sabine Michel hat sie über ein Jahr lang begleitet – auf ihren Demonstrationen und in ihrem Alltag. MONTAGS IN DRESDEN ist kein Film über PEGIDA, er fragt nach den privaten Gründen für das patriotische Aufbegehren, ein Film über reale und absurde Ängste der Gegenwart.

„…‘Verstehen Sie die Kritik, die es an Ihrem Film gibt?‘ – ‚Nein, aber ich finde es in Ordnung, dass der Film für manche offensichtlich eine Zumutung darstellt. Der Film löst etwas aus – im Leipziger Hauptbahnhof saßen bei der Vorführung 800 Menschen. Denn er behandelt das vielleicht wichtigste innenpolitische Thema unserer Zeit und ist immer noch der einzige Film, der sich mit diesem Thema auseinandersetzt. Aber, und das ist wichtig: Er ist kein politischer Beitrag, sondern ein künstlerischer Dokumentarfilm. Und mein Dokumentarfilm-Ethos bedeutet, dass ich den Menschen auf Augenhöhe begegnen will. Der Film ist auch ein Gesprächsangebot – und Gespräche zwischen den verschiedenen Lebenswelten finden in unserer Gesellschaft zu selten statt. (…)‘“ (Thomas Winkler im Gespräch mit Sabine Michel, Auszug, TAZ am Wochenende 14./15.04.18)

Montags in Dresden
Mo 23.07.

Kolyma – Колыма, OmdU

Stanisław Mucha
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Kolyma – Straße der Knochen (Колыма – дорога костей)

D 2017, 86 min, russ. mit dt. UT

Regie: Stanisław Mucha                    Achtung Berlin, Bester Dokumentarfilm

Wer in der Region entlang der Kolyma-Fernstraße, die sich im Nordosten Russlands 2000 Kilometer durch die karge Landschaft zieht, durch Schnee und Eis gräbt, fördert bald etwas zu Tage. Zum einen finden sich Bodenschätze wie Gold, Platin und Uran, die seit Jahrzehnten im Tage- und Untertagebau geschürft werden. Zum anderen war die Region bis 1987 das Zentrum des sowjetisch/russischen Straflagersystems. Von den fünf Millionen, die hier für den Bergbau oder für die Errichtung der Fernstraße eingesetzt wurden, verließ der Großteil die Region nie wieder, sondern wurde in riesigen Massengräbern verscharrt. Aus diesem Grund ist die Kolyma-Fernstraße auch als „Straße der Knochen“ bekannt. Autorenfilmer Stanisław Mucha, dessen Großvater im Gulag einsaß, bereist in seinem Film die komplette Länge der Fernstraße. Auf dem Weg interviewt er junge Imbissbetreiber, die das Wort „Gulag“ mit „Gulasch“ verwechseln, aber auch ehemalige Insassen, die zum Teil sehr offen über die Morde reden, wegen derer sie verurteilt wurden. Manchmal war der Inhaftierungsgrund aber auch einfach eine unüberlegte Äußerung über den Diktator. Es liegt eine Aura des Leids über der Region, die sich auch heute noch auf die Bewohner auswirkt, sagt einer von ihnen. Die ansässigen Schüler amüsieren sich jedenfalls noch mit patriotischen Schulaufführungen, machen aber auch sehr klar, dass sie ihre Zukunft nach dem Abitur woanders sehen. Und einige, die geblieben sind, werden einfach etwas wunderlich und gehen Experimenten nach, in denen sie angeblich die Alterung mit Starkstrom umkehren können. So bedrückend die Vergangenheit der Region, die man in Moskau wahrscheinlich fast vergessen hat, auch ist, so sehr hinterlässt KOLYMA den Eindruck, dass der üblen Erinnerung ein starker und enorm kreativer Lebenswille entgegengesetzt wird, der nicht so einfach totzukriegen ist. (Christian Klose, Indiekino Magazin Juni/Juli 18)

Kolyma – Колыма, OmdU
Di 24.07.

Kolyma – Колыма, OmdU

Stanisław Mucha
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Kolyma – Straße der Knochen (Колыма – дорога костей)

D 2017, 86 min, russ. mit dt. UT

Regie: Stanisław Mucha                    Achtung Berlin, Bester Dokumentarfilm

Wer in der Region entlang der Kolyma-Fernstraße, die sich im Nordosten Russlands 2000 Kilometer durch die karge Landschaft zieht, durch Schnee und Eis gräbt, fördert bald etwas zu Tage. Zum einen finden sich Bodenschätze wie Gold, Platin und Uran, die seit Jahrzehnten im Tage- und Untertagebau geschürft werden. Zum anderen war die Region bis 1987 das Zentrum des sowjetisch/russischen Straflagersystems. Von den fünf Millionen, die hier für den Bergbau oder für die Errichtung der Fernstraße eingesetzt wurden, verließ der Großteil die Region nie wieder, sondern wurde in riesigen Massengräbern verscharrt. Aus diesem Grund ist die Kolyma-Fernstraße auch als „Straße der Knochen“ bekannt. Autorenfilmer Stanisław Mucha, dessen Großvater im Gulag einsaß, bereist in seinem Film die komplette Länge der Fernstraße. Auf dem Weg interviewt er junge Imbissbetreiber, die das Wort „Gulag“ mit „Gulasch“ verwechseln, aber auch ehemalige Insassen, die zum Teil sehr offen über die Morde reden, wegen derer sie verurteilt wurden. Manchmal war der Inhaftierungsgrund aber auch einfach eine unüberlegte Äußerung über den Diktator. Es liegt eine Aura des Leids über der Region, die sich auch heute noch auf die Bewohner auswirkt, sagt einer von ihnen. Die ansässigen Schüler amüsieren sich jedenfalls noch mit patriotischen Schulaufführungen, machen aber auch sehr klar, dass sie ihre Zukunft nach dem Abitur woanders sehen. Und einige, die geblieben sind, werden einfach etwas wunderlich und gehen Experimenten nach, in denen sie angeblich die Alterung mit Starkstrom umkehren können. So bedrückend die Vergangenheit der Region, die man in Moskau wahrscheinlich fast vergessen hat, auch ist, so sehr hinterlässt KOLYMA den Eindruck, dass der üblen Erinnerung ein starker und enorm kreativer Lebenswille entgegengesetzt wird, der nicht so einfach totzukriegen ist. (Christian Klose, Indiekino Magazin Juni/Juli 18)

Kolyma – Колыма, OmdU
Di 24.07.

Аритмия – Arrhytmia, OmdU

Boris Chlebnikow
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Аритмия (Arrhytmia)

Russland/ Finnland/ Deutschland 2017, 116 min, russ. mit dt. UT

Oleg ist ein junger, talentierter Sanitäter. Seine Frau Katja arbeitet als Ärztin in der Notaufnahme des Krankenhaues. Sie liebt Oleg, kann es aber nicht ertragen, dass er sich mehr um seine Patienten, als um sie kümmert. Sie möchte die Scheidung. Olegs neuer Chef ist ein kaltschnäuziger Manager, der die Effektivität der Notfalleinsätze steigern möchte und neue, strikte Regeln durchsetzen will. Was Oleg nicht im Geringsten interessiert, da er Leben zu retten hat. Und der unvermeidliche Ärger bei der Arbeit vermischt sich mit seiner persönlichen Lebenskrise. Alkoholexzessen und der Suche nach dem Sinn des Lebens müssen Katja Zwischen Notrufen, und Oleg herausfinden, was sie eigentlich noch verbindet.

„Fast wie ein Gegenstück zu Andrey Zvyagintsev LOVELESS wirkt Khlebnikovs ARRHYTMYIA, (…). Beide Filme erzählen von Ehen in der Krise, von gesellschaftlichem Druck und Konventionen, die Paare entzweien. Doch wo Zvyagintsev kalt und schonungslos filmt, seine Figuren in brillant komponierten Breitwandbildern isoliert, zeigt Khlebnikov seine beiden Hauptfiguren mit viel mehr Sympathie. Allein stilistisch ist er ihnen durch eine unruhige, mobile Handkamera viel näher, benutzt die Enge von Wohnungen und dem Rettungswagen, um Oleg und Katja nahe zu kommen, ihre heiß-kalte Beziehung anzudeuten. Größter Unterschied zwischen den Filmen ist jedoch, dass es bei Khlebnikov kaum um Russland geht. In der Nebenhandlung über Einsparungen im Gesundheitssystem könnte man zwar eine Kritik am zunehmend kapitalistischen Denken in Russland sehen, aber auch universelle Themen, wie sie in Deutschland, der Slowakei oder vielen anderen Ländern genauso gut auftreten könnten.“ (Michael Meyns, programmkino.de)

Аритмия – Arrhytmia, OmdU
Mi 25.07.

Manfred Krug: Feuer unter Deck

Herrmann Zschoche
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Feuer unter Deck

DDR 1979, 35mm, 91 min

Regie: Herrmann Zschoche      mit Manfred Krug und Renate Krößner

Kapitän Otto Scheidels Liebe gehört gleichermaßen einem alten Raddampfer namens „Jennissei“ und der hübschen Kellnerin Carola Schneider, genannt Caramba. Aber Carola hat es satt, den Mann mit dem Schiff zu teilen und gibt ihrem Otto mit Caramba den Laufpass. Kaum hat sich dieser von dem unerwarteten Schlag erholt, kommt der nächste: Sein Raddampfer, der letzte seiner Art, wird außer Dienst gestellt. Nun hat der arme Otto weder Frau noch Schiff. In einem tollkühnen Handstreich kapern er und seine ehemalige Mannschaft ihren alten, inzwischen umgebauten Dampfer, um unter großem persönlichen Einsatz zwei Lastkähne von einem unfreiwilligen Sandbankaufenthalt zu befreien. Dabei kommt es zu handfesten Reibereien zwischen Kapitän Otto und Caramba, die inzwischen Chefin des schwimmenden Restaurants wurde und ihr Heiligtum beim harten Havarieeinsatz in die Brüche gehen sieht. Doch dieser Piratenstreich des Kapitäns führt ihn nicht nur zur Einsicht, sondern auch wieder zu Caramba.

Manfred Krug: Feuer unter Deck
Mi 25.07.

Manfred Krug: Wie füttert man einen Esel?

Roland Oehme
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Wie füttert man einen Esel?

DDR 1973, 35mm, 94 min

Regie: Roland Oehme      mit Manfred Krug und Karla Chadimová

Fred ist Fernfahrer und wieder auf Achse mit seinem Kumpel Orje. Ein rotes Adressbüchlein begleitet Fred als wichtigstes Utensil auf der Strecke Berlin-Bukarest. Denn so findet der Herzensbrecher den Weg zur weiblichen Schönheit. Ein Unfall in Prag bremst die beiden Männer jedoch aus. Das Resultat: Orje landet im Krankenhaus und Fred hat durch seine Erste Hilfe am Unfallort ein weiteres Frauenherz gebrochen. Doch die Tschechin Jana weiß, was sie will. Aufgrund ihrer guten Kontakte wird sie schließlich Fred als Beifahrerin zugeteilt. So charmant Fred zu all seinen Liebsten ist, so bärbeißig behandelt er Jana als Kumpel. Viele Tausende Kilometer und einen dalmatinischen Zwergesel bedarf es zur Zähmung des Widerspenstigen. Das freche Roadmovie wird begleitet von beliebten Rock-Bands der 70er Jahre, wie der Claus-Renft-Combo, Shut up, Phönix, Impuls 73, Illés und der Musik von Günther Fischer.

Manfred Krug: Wie füttert man einen Esel?
Do 26.07.

Kolyma – Колыма, OmdU

Stanisław Mucha
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Kolyma – Straße der Knochen (Колыма – дорога костей)

D 2017, 86 min, russ. mit dt. UT

Regie: Stanisław Mucha                    Achtung Berlin, Bester Dokumentarfilm

Wer in der Region entlang der Kolyma-Fernstraße, die sich im Nordosten Russlands 2000 Kilometer durch die karge Landschaft zieht, durch Schnee und Eis gräbt, fördert bald etwas zu Tage. Zum einen finden sich Bodenschätze wie Gold, Platin und Uran, die seit Jahrzehnten im Tage- und Untertagebau geschürft werden. Zum anderen war die Region bis 1987 das Zentrum des sowjetisch/russischen Straflagersystems. Von den fünf Millionen, die hier für den Bergbau oder für die Errichtung der Fernstraße eingesetzt wurden, verließ der Großteil die Region nie wieder, sondern wurde in riesigen Massengräbern verscharrt. Aus diesem Grund ist die Kolyma-Fernstraße auch als „Straße der Knochen“ bekannt. Autorenfilmer Stanisław Mucha, dessen Großvater im Gulag einsaß, bereist in seinem Film die komplette Länge der Fernstraße. Auf dem Weg interviewt er junge Imbissbetreiber, die das Wort „Gulag“ mit „Gulasch“ verwechseln, aber auch ehemalige Insassen, die zum Teil sehr offen über die Morde reden, wegen derer sie verurteilt wurden. Manchmal war der Inhaftierungsgrund aber auch einfach eine unüberlegte Äußerung über den Diktator. Es liegt eine Aura des Leids über der Region, die sich auch heute noch auf die Bewohner auswirkt, sagt einer von ihnen. Die ansässigen Schüler amüsieren sich jedenfalls noch mit patriotischen Schulaufführungen, machen aber auch sehr klar, dass sie ihre Zukunft nach dem Abitur woanders sehen. Und einige, die geblieben sind, werden einfach etwas wunderlich und gehen Experimenten nach, in denen sie angeblich die Alterung mit Starkstrom umkehren können. So bedrückend die Vergangenheit der Region, die man in Moskau wahrscheinlich fast vergessen hat, auch ist, so sehr hinterlässt KOLYMA den Eindruck, dass der üblen Erinnerung ein starker und enorm kreativer Lebenswille entgegengesetzt wird, der nicht so einfach totzukriegen ist. (Christian Klose, Indiekino Magazin Juni/Juli 18)

Kolyma – Колыма, OmdU
Do 26.07.

Аритмия – Arrhytmia, OmdU

Boris Chlebnikow
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Аритмия (Arrhytmia)

Russland/ Finnland/ Deutschland 2017, 116 min, russ. mit dt. UT

Oleg ist ein junger, talentierter Sanitäter. Seine Frau Katja arbeitet als Ärztin in der Notaufnahme des Krankenhaues. Sie liebt Oleg, kann es aber nicht ertragen, dass er sich mehr um seine Patienten, als um sie kümmert. Sie möchte die Scheidung. Olegs neuer Chef ist ein kaltschnäuziger Manager, der die Effektivität der Notfalleinsätze steigern möchte und neue, strikte Regeln durchsetzen will. Was Oleg nicht im Geringsten interessiert, da er Leben zu retten hat. Und der unvermeidliche Ärger bei der Arbeit vermischt sich mit seiner persönlichen Lebenskrise. Alkoholexzessen und der Suche nach dem Sinn des Lebens müssen Katja Zwischen Notrufen, und Oleg herausfinden, was sie eigentlich noch verbindet.

„Fast wie ein Gegenstück zu Andrey Zvyagintsev LOVELESS wirkt Khlebnikovs ARRHYTMYIA, (…). Beide Filme erzählen von Ehen in der Krise, von gesellschaftlichem Druck und Konventionen, die Paare entzweien. Doch wo Zvyagintsev kalt und schonungslos filmt, seine Figuren in brillant komponierten Breitwandbildern isoliert, zeigt Khlebnikov seine beiden Hauptfiguren mit viel mehr Sympathie. Allein stilistisch ist er ihnen durch eine unruhige, mobile Handkamera viel näher, benutzt die Enge von Wohnungen und dem Rettungswagen, um Oleg und Katja nahe zu kommen, ihre heiß-kalte Beziehung anzudeuten. Größter Unterschied zwischen den Filmen ist jedoch, dass es bei Khlebnikov kaum um Russland geht. In der Nebenhandlung über Einsparungen im Gesundheitssystem könnte man zwar eine Kritik am zunehmend kapitalistischen Denken in Russland sehen, aber auch universelle Themen, wie sie in Deutschland, der Slowakei oder vielen anderen Ländern genauso gut auftreten könnten.“ (Michael Meyns, programmkino.de)

Аритмия – Arrhytmia, OmdU
Fr 27.07.

Kolyma – Колыма, OmdU

Stanisław Mucha
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Kolyma – Straße der Knochen (Колыма – дорога костей)

D 2017, 86 min, russ. mit dt. UT

Regie: Stanisław Mucha                    Achtung Berlin, Bester Dokumentarfilm

Wer in der Region entlang der Kolyma-Fernstraße, die sich im Nordosten Russlands 2000 Kilometer durch die karge Landschaft zieht, durch Schnee und Eis gräbt, fördert bald etwas zu Tage. Zum einen finden sich Bodenschätze wie Gold, Platin und Uran, die seit Jahrzehnten im Tage- und Untertagebau geschürft werden. Zum anderen war die Region bis 1987 das Zentrum des sowjetisch/russischen Straflagersystems. Von den fünf Millionen, die hier für den Bergbau oder für die Errichtung der Fernstraße eingesetzt wurden, verließ der Großteil die Region nie wieder, sondern wurde in riesigen Massengräbern verscharrt. Aus diesem Grund ist die Kolyma-Fernstraße auch als „Straße der Knochen“ bekannt. Autorenfilmer Stanisław Mucha, dessen Großvater im Gulag einsaß, bereist in seinem Film die komplette Länge der Fernstraße. Auf dem Weg interviewt er junge Imbissbetreiber, die das Wort „Gulag“ mit „Gulasch“ verwechseln, aber auch ehemalige Insassen, die zum Teil sehr offen über die Morde reden, wegen derer sie verurteilt wurden. Manchmal war der Inhaftierungsgrund aber auch einfach eine unüberlegte Äußerung über den Diktator. Es liegt eine Aura des Leids über der Region, die sich auch heute noch auf die Bewohner auswirkt, sagt einer von ihnen. Die ansässigen Schüler amüsieren sich jedenfalls noch mit patriotischen Schulaufführungen, machen aber auch sehr klar, dass sie ihre Zukunft nach dem Abitur woanders sehen. Und einige, die geblieben sind, werden einfach etwas wunderlich und gehen Experimenten nach, in denen sie angeblich die Alterung mit Starkstrom umkehren können. So bedrückend die Vergangenheit der Region, die man in Moskau wahrscheinlich fast vergessen hat, auch ist, so sehr hinterlässt KOLYMA den Eindruck, dass der üblen Erinnerung ein starker und enorm kreativer Lebenswille entgegengesetzt wird, der nicht so einfach totzukriegen ist. (Christian Klose, Indiekino Magazin Juni/Juli 18)

Kolyma – Колыма, OmdU
Fr 27.07.

Manfred Krug: Feuer unter Deck

Herrmann Zschoche
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Feuer unter Deck

DDR 1979, 35mm, 91 min

Regie: Herrmann Zschoche      mit Manfred Krug und Renate Krößner

Kapitän Otto Scheidels Liebe gehört gleichermaßen einem alten Raddampfer namens „Jennissei“ und der hübschen Kellnerin Carola Schneider, genannt Caramba. Aber Carola hat es satt, den Mann mit dem Schiff zu teilen und gibt ihrem Otto mit Caramba den Laufpass. Kaum hat sich dieser von dem unerwarteten Schlag erholt, kommt der nächste: Sein Raddampfer, der letzte seiner Art, wird außer Dienst gestellt. Nun hat der arme Otto weder Frau noch Schiff. In einem tollkühnen Handstreich kapern er und seine ehemalige Mannschaft ihren alten, inzwischen umgebauten Dampfer, um unter großem persönlichen Einsatz zwei Lastkähne von einem unfreiwilligen Sandbankaufenthalt zu befreien. Dabei kommt es zu handfesten Reibereien zwischen Kapitän Otto und Caramba, die inzwischen Chefin des schwimmenden Restaurants wurde und ihr Heiligtum beim harten Havarieeinsatz in die Brüche gehen sieht. Doch dieser Piratenstreich des Kapitäns führt ihn nicht nur zur Einsicht, sondern auch wieder zu Caramba.

Manfred Krug: Feuer unter Deck
Fr 27.07.

In den Gängen

Thomas Stuber
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In den Gängen

D 2018, 125 min

Regie: Thomas Stuber

Christian ist neu im Großmarkt. Schweigend taucht er in das unbekannte Universum ein: die langen Gänge, die ewige Ordnung der Warenlager, die surreale Mechanik der Gabelstapler. Bruno, der Kollege aus der Getränkeabteilung, nimmt sich seiner an, zeigt ihm Tricks und Kniffe, wird ein väterlicher Freund. Und dann ist da noch Marion von den Süßwaren, die ihre kleinen Scherze mit Christian treibt. Als er sich in sie verliebt, fiebert der ganze Großmarkt mit. Doch Marion ist verheiratet – nicht sehr glücklich, wie es heißt. Plötzlich ist sie krankgeschrieben. Christian fällt in ein tiefes Loch. So tief, dass sein altes, elendes Leben ihn wieder einzuholen droht.

 

Mit In den Gängen öffnet Thomas Stuber den Blick für die Lebenswelt eines einfachen Angestellten in der ostdeutschen Provinz. In streng kadrierten Bildern entfaltet sich eine Choreografie von Menschen und Dingen, Realität, Sehnsucht und Traum. Alltägliches verwandelt sich in magischen Realismus, der über die zarte Liebesgeschichte hinaus vorsichtig auf das Prinzip Hoffnung verweist. (Berlinale 18)

In den Gängen
Sa 28.07.

Кроткая – Die Sanfte, OmdU

Sergej Losniza
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Кроткая (Die Sanfte)

Frankreich/ Deutschland/ Litauen/ Niederlande 2017, 143 min, russ. mit dt. UT

Regie: Sergej Losniza

Eine Frau lebt alleine am Rande einer kleinen russischen Stadt. Ihr Mann ist im Gefängnis, regelmäßig schickt sie ihm Pakete. Als eines ihrer Päckchen zurückkommt, bemüht sie sich, den Grund dafür zu erfahren. Doch ihre Nachfragen bei den Behörden führen zu keinem Ergebnis. Schließlich macht sie sich auf einen langen Weg, um Klarheit zu gewinnen über das Schicksal ihres Mannes. Die Reise in die Gefängnisstadt am andere Ende Russlands ist beschwerlich. Die Menschen, denen sie begegnet, scheinen von einer tiefgehenden Lethargie geprägt zu sein. Jeder hat eine Theorie über den Lauf der Dinge parat, aber niemand scheint daran zu glauben, dass die Lage irgendwann wieder besser wird. Ihre Suche nach Antworten führt die Frau schließlich immer tiefer in einen Sumpf aus Ignoranz, Selbstsucht, Gewalt und Unmenschlichkeit, die sie stoisch erträgt. Wird sie Gerechtigkeit erfahren und ihren Mann wiedersehen?

„…Das Land ist Russland, aber es wird als geographisches und geistiges Gebiet wahrgenommen. Die Dreharbeiten fanden in Daugavpils in Lettland statt, eine kleine Stadt mit einem russischen Bevölkerungsanteil von 90%. Wir haben dort aus logistischen Gründen gefilmt: sie liegt innerhalb der EU, daher braucht man kein besonderes Visum, aber die Spuren der Zeit unter Sowjetherrschaft sind noch deutlich. Es gibt auch zwei große Gefängnisse in der Gegend, eines davon ist auch im Film zu sehen. Man findet diese Art von Gefängnissen überall in Russland. Sie wirken wie Festungen. Sie sehen seltsam aus, wie einsame, romantische Burgen, recht hübsch anzusehen in der Landschaft. Doch zugleich sind sie abstoßend, da niemand wirklich weiß, was in ihnen vorgeht. Stalin ordnete an, die Ziegelbauten weiß zu streichen, wahrscheinlich um ihnen das Aussehen von Klöstern zu verleihen (lacht). Das aus dem Film trägt den Spitznamen ‚der weiße Schwan‘. Es gibt noch ein anderes, das heißt ‚der schwarze Schwan‘. Ich beginne immer mit dem großen Ganzen und konzentriere mich später auf die feinsten Stellen, die Spitze der Nadel. Beim Filmemachen geht es darum, eine Idee zu haben, mit der dann durch die Leute, die Schauspieler, die Orte und die Gestaltung des Sets ein gutes Ergebnis erzielt wird. Hierbei ist es von enormer Wichtigkeit, trotz der Herausforderungen des tatsächlichen Filmens, seiner anfänglichen Idee treu zu bleiben.“ (Sergej Losniza im Interview)

Кроткая – Die Sanfte, OmdU
Sa 28.07.

Kolyma – Колыма, OmdU

Stanisław Mucha
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Kolyma – Straße der Knochen (Колыма – дорога костей)

D 2017, 86 min, russ. mit dt. UT

Regie: Stanisław Mucha                    Achtung Berlin, Bester Dokumentarfilm

Wer in der Region entlang der Kolyma-Fernstraße, die sich im Nordosten Russlands 2000 Kilometer durch die karge Landschaft zieht, durch Schnee und Eis gräbt, fördert bald etwas zu Tage. Zum einen finden sich Bodenschätze wie Gold, Platin und Uran, die seit Jahrzehnten im Tage- und Untertagebau geschürft werden. Zum anderen war die Region bis 1987 das Zentrum des sowjetisch/russischen Straflagersystems. Von den fünf Millionen, die hier für den Bergbau oder für die Errichtung der Fernstraße eingesetzt wurden, verließ der Großteil die Region nie wieder, sondern wurde in riesigen Massengräbern verscharrt. Aus diesem Grund ist die Kolyma-Fernstraße auch als „Straße der Knochen“ bekannt. Autorenfilmer Stanisław Mucha, dessen Großvater im Gulag einsaß, bereist in seinem Film die komplette Länge der Fernstraße. Auf dem Weg interviewt er junge Imbissbetreiber, die das Wort „Gulag“ mit „Gulasch“ verwechseln, aber auch ehemalige Insassen, die zum Teil sehr offen über die Morde reden, wegen derer sie verurteilt wurden. Manchmal war der Inhaftierungsgrund aber auch einfach eine unüberlegte Äußerung über den Diktator. Es liegt eine Aura des Leids über der Region, die sich auch heute noch auf die Bewohner auswirkt, sagt einer von ihnen. Die ansässigen Schüler amüsieren sich jedenfalls noch mit patriotischen Schulaufführungen, machen aber auch sehr klar, dass sie ihre Zukunft nach dem Abitur woanders sehen. Und einige, die geblieben sind, werden einfach etwas wunderlich und gehen Experimenten nach, in denen sie angeblich die Alterung mit Starkstrom umkehren können. So bedrückend die Vergangenheit der Region, die man in Moskau wahrscheinlich fast vergessen hat, auch ist, so sehr hinterlässt KOLYMA den Eindruck, dass der üblen Erinnerung ein starker und enorm kreativer Lebenswille entgegengesetzt wird, der nicht so einfach totzukriegen ist. (Christian Klose, Indiekino Magazin Juni/Juli 18)

Kolyma – Колыма, OmdU
Sa 28.07.

In den Gängen

Thomas Stuber
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In den Gängen

D 2018, 125 min

Regie: Thomas Stuber

Christian ist neu im Großmarkt. Schweigend taucht er in das unbekannte Universum ein: die langen Gänge, die ewige Ordnung der Warenlager, die surreale Mechanik der Gabelstapler. Bruno, der Kollege aus der Getränkeabteilung, nimmt sich seiner an, zeigt ihm Tricks und Kniffe, wird ein väterlicher Freund. Und dann ist da noch Marion von den Süßwaren, die ihre kleinen Scherze mit Christian treibt. Als er sich in sie verliebt, fiebert der ganze Großmarkt mit. Doch Marion ist verheiratet – nicht sehr glücklich, wie es heißt. Plötzlich ist sie krankgeschrieben. Christian fällt in ein tiefes Loch. So tief, dass sein altes, elendes Leben ihn wieder einzuholen droht.

 

Mit In den Gängen öffnet Thomas Stuber den Blick für die Lebenswelt eines einfachen Angestellten in der ostdeutschen Provinz. In streng kadrierten Bildern entfaltet sich eine Choreografie von Menschen und Dingen, Realität, Sehnsucht und Traum. Alltägliches verwandelt sich in magischen Realismus, der über die zarte Liebesgeschichte hinaus vorsichtig auf das Prinzip Hoffnung verweist. (Berlinale 18)

In den Gängen
So 29.07.

USEDOM – Der freie Blick aufs Meer

Heinz Brinkmann
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USEDOM – Der freie Blick aufs Meer

Deutschland 2018, 95 min

Regie: Heinz Brinkmann

Lange, feinsandige Strände. Die Kaiserbäder Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin. Eine nicht enden wollende Promenade bis zur Mündung der Swina in Polen. Das weite Haff der Oder, der Peenestrom und das Achterwasser. Fischerdörfer hinter Mischwäldern. Seebrücken vor Strandhotels. Prachtvillen aus der Gründerzeit. Die Legende von Vineta. Schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts entdeckten Berliner Bankiers die verzaubernde Schönheit der Küsten Usedoms – und machten daraus ein geniales Geschäftsmodell. Heute zieht es alljährlich Millionen von Touristen auf die Insel. Doch die Gäste bringen nicht nur Wachstum, sondern verändern auch das Gesicht Usedoms.

Regisseur Heinz Brinkmann, der selbst aus Heringsdorf stammt, versammelt 25 Jahren nach seinem Film Usedom – Ein deutsches Inselleben neue Geschichten von Insulanern, die auf unterschiedliche Weise nach Usedom kamen und zu Gastgebern für Millionen von Urlaubern wurden. USEDOM – DER FREIE BLICK AUFS MEER beschreibt die deutsch-polnische Insel als einen Ort, an dem der europäische Gedanke des nationalen Zusammenwachsens so stark gelebt wird wie kaum anderswo. Er zeigt aber auch den immer schärfer ausgetragenen Konflikt zwischen der Bewahrung einer einzigartigen Bäderarchitektur und der Errichtung von neuen, verwechselbaren Luxus-Quartieren durch auswärtige Investoren. Ein nostalgisch-heiterer Streifzug über die berühmte Urlaubsinsel mit nachdenklichen Blicken.

USEDOM – Der freie Blick aufs Meer
So 29.07.

Manfred Krug: Weite Straßen – Stille Liebe

Herrmann Zschoche
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Weite Straßen – Stille Liebe

DDR 1969, 35mm, 73 min

Regie: Herrmann Zschoche      mit Manfred Krug und Jutta Hoffmann

Hannes ist ein alter Hase auf seinem Fernfahrerbock. Unterwegs gabelt er einen Anhalter auf. Herb, Abiturient, Vierwochenstudent und Gelegenheitsarbeiter, wird sein Beifahrer. Mit Fragen und Phantastereien stört er Hannes in seiner Ruhe auf. Die ist gänzlich hin, als er Johanna kennen lernt. Hannes träumt schon von gemeinsamer Zukunft, als sich die junge Frau anders entscheidet. Aber da hat Hannes bereits angefangen, über sein Leben neu nachzudenken.

„Plenzdorf schrieb das Szenarium nach einer Erzählung von Lietz mit eigenen Zutaten. Ein Road-Movie zwischen Rostock und Thüringen. Krug spielt den Fernfahrer, Jaecki Schwarz einen ausgeflippten Oberschüler, Jutta Hoffmann eine Schweinezüchterin mit Kind und ohne Mann. In sie verliebt sich der wortkarge Fernfahrer. Eines Morgens am Frühstückstisch will er ihr das andeuten. Mit seinen großen Händen dreht er verlegen den Kaffeetopf hin und her. Ein schöner Einfall! Die nächste Einstellung geht über seinen Rücken. Auf der Tasse klebt ein Zettel mit dem Text, zehn kurze Sätze höchstens. Jutta kichert. Sie ist sein Typ, zierlich wie seine Frau Ottilie. Dann kommt die Stunde der Rache. Der Fernfahrer schreibt Tagebuch in einem alten Schulheft. Das hat ihm Jutta ausgeliehen. Und Krug amüsiert sich gnadenlos über ihre putzige Rechtschreibung.“ (Herrmann Zschoche in: „Sieben Sommersprossen und andere Erinnerungen“, 2002)

Manfred Krug: Weite Straßen – Stille Liebe
So 29.07.

Manfred Krug: Wie füttert man einen Esel?

Roland Oehme
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Wie füttert man einen Esel?

DDR 1973, 35mm, 94 min

Regie: Roland Oehme      mit Manfred Krug und Karla Chadimová

Fred ist Fernfahrer und wieder auf Achse mit seinem Kumpel Orje. Ein rotes Adressbüchlein begleitet Fred als wichtigstes Utensil auf der Strecke Berlin-Bukarest. Denn so findet der Herzensbrecher den Weg zur weiblichen Schönheit. Ein Unfall in Prag bremst die beiden Männer jedoch aus. Das Resultat: Orje landet im Krankenhaus und Fred hat durch seine Erste Hilfe am Unfallort ein weiteres Frauenherz gebrochen. Doch die Tschechin Jana weiß, was sie will. Aufgrund ihrer guten Kontakte wird sie schließlich Fred als Beifahrerin zugeteilt. So charmant Fred zu all seinen Liebsten ist, so bärbeißig behandelt er Jana als Kumpel. Viele Tausende Kilometer und einen dalmatinischen Zwergesel bedarf es zur Zähmung des Widerspenstigen. Das freche Roadmovie wird begleitet von beliebten Rock-Bands der 70er Jahre, wie der Claus-Renft-Combo, Shut up, Phönix, Impuls 73, Illés und der Musik von Günther Fischer.

Manfred Krug: Wie füttert man einen Esel?
Mo 30.07.

keine Vorstellung

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Di 31.07.

keine Vorstellung

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Mi 01.08.

Manfred Krug: Weite Straßen – Stille Liebe

Herrmann Zschoche
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Weite Straßen – Stille Liebe

DDR 1969, 35mm, 73 min

Regie: Herrmann Zschoche      mit Manfred Krug und Jutta Hoffmann

Hannes ist ein alter Hase auf seinem Fernfahrerbock. Unterwegs gabelt er einen Anhalter auf. Herb, Abiturient, Vierwochenstudent und Gelegenheitsarbeiter, wird sein Beifahrer. Mit Fragen und Phantastereien stört er Hannes in seiner Ruhe auf. Die ist gänzlich hin, als er Johanna kennen lernt. Hannes träumt schon von gemeinsamer Zukunft, als sich die junge Frau anders entscheidet. Aber da hat Hannes bereits angefangen, über sein Leben neu nachzudenken.

„Plenzdorf schrieb das Szenarium nach einer Erzählung von Lietz mit eigenen Zutaten. Ein Road-Movie zwischen Rostock und Thüringen. Krug spielt den Fernfahrer, Jaecki Schwarz einen ausgeflippten Oberschüler, Jutta Hoffmann eine Schweinezüchterin mit Kind und ohne Mann. In sie verliebt sich der wortkarge Fernfahrer. Eines Morgens am Frühstückstisch will er ihr das andeuten. Mit seinen großen Händen dreht er verlegen den Kaffeetopf hin und her. Ein schöner Einfall! Die nächste Einstellung geht über seinen Rücken. Auf der Tasse klebt ein Zettel mit dem Text, zehn kurze Sätze höchstens. Jutta kichert. Sie ist sein Typ, zierlich wie seine Frau Ottilie. Dann kommt die Stunde der Rache. Der Fernfahrer schreibt Tagebuch in einem alten Schulheft. Das hat ihm Jutta ausgeliehen. Und Krug amüsiert sich gnadenlos über ihre putzige Rechtschreibung.“ (Herrmann Zschoche in: „Sieben Sommersprossen und andere Erinnerungen“, 2002)

Manfred Krug: Weite Straßen – Stille Liebe
Mi 01.08.

Kolyma – Колыма, OmdU

Stanisław Mucha
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Kolyma – Straße der Knochen (Колыма – дорога костей)

D 2017, 86 min, russ. mit dt. UT

Regie: Stanisław Mucha                    Achtung Berlin, Bester Dokumentarfilm

Wer in der Region entlang der Kolyma-Fernstraße, die sich im Nordosten Russlands 2000 Kilometer durch die karge Landschaft zieht, durch Schnee und Eis gräbt, fördert bald etwas zu Tage. Zum einen finden sich Bodenschätze wie Gold, Platin und Uran, die seit Jahrzehnten im Tage- und Untertagebau geschürft werden. Zum anderen war die Region bis 1987 das Zentrum des sowjetisch/russischen Straflagersystems. Von den fünf Millionen, die hier für den Bergbau oder für die Errichtung der Fernstraße eingesetzt wurden, verließ der Großteil die Region nie wieder, sondern wurde in riesigen Massengräbern verscharrt. Aus diesem Grund ist die Kolyma-Fernstraße auch als „Straße der Knochen“ bekannt. Autorenfilmer Stanisław Mucha, dessen Großvater im Gulag einsaß, bereist in seinem Film die komplette Länge der Fernstraße. Auf dem Weg interviewt er junge Imbissbetreiber, die das Wort „Gulag“ mit „Gulasch“ verwechseln, aber auch ehemalige Insassen, die zum Teil sehr offen über die Morde reden, wegen derer sie verurteilt wurden. Manchmal war der Inhaftierungsgrund aber auch einfach eine unüberlegte Äußerung über den Diktator. Es liegt eine Aura des Leids über der Region, die sich auch heute noch auf die Bewohner auswirkt, sagt einer von ihnen. Die ansässigen Schüler amüsieren sich jedenfalls noch mit patriotischen Schulaufführungen, machen aber auch sehr klar, dass sie ihre Zukunft nach dem Abitur woanders sehen. Und einige, die geblieben sind, werden einfach etwas wunderlich und gehen Experimenten nach, in denen sie angeblich die Alterung mit Starkstrom umkehren können. So bedrückend die Vergangenheit der Region, die man in Moskau wahrscheinlich fast vergessen hat, auch ist, so sehr hinterlässt KOLYMA den Eindruck, dass der üblen Erinnerung ein starker und enorm kreativer Lebenswille entgegengesetzt wird, der nicht so einfach totzukriegen ist. (Christian Klose, Indiekino Magazin Juni/Juli 18)

Kolyma – Колыма, OmdU
Do 02.08.

Der Prinz und der Dybbuk, OmdU

Elwira Niewiera
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Der Prinz und der Dybbuk (Książę i dybuk)

D/ PL 2017, 86 min, poln. | engl. | ital. | span. mit dt. UT

Regie: Elwira Niewiera, Piotr Rosołowski

Wer war Moshe Waks, der 1904 als Sohn eines armen jüdischen Schmiedes aus der Ukraine geboren wurde und als Prinz Michał Waszyński 1965 in Italien starb? War er ein Wunderkind des Kinos, ein raffinierter Betrüger oder ein Mann, der filmische Illusion und Realität nicht auseinanderhalten konnte? Als Regisseur und Produzent von Hollywood-Filmen in Italien und Spanien schuf Waszyński über 40 Filme. Er arbeitete mit Stars wie Sophia Loren, Claudia Cardinale und Orson Welles. Seine eigentliche Obsession aber galt dem Film „Der Dybbuk“, bei dem er 1937 Regie führte. Der Film beruht auf einer alten jüdischen Legende, in der eine junge Frau von dem Geist (auf Jiddisch: Dybbuk) ihrer ersten Liebe heimgesucht wird. „Der Dybbuk“ gilt nicht nur als einer der geheimnisvollsten jiddischen Filme der Filmgeschichte, er spiegelt auch Waszyńskis ruheloses Leben mit vielen ungelüfteten Geheimnissen wider. Im Laufe der Jahre nehmen die Idee der unerwiderten Liebe und die seelische Besessenheit auch im Leben des Filmemachers eine immer größere Rolle ein. Elwira Niewiera und Piotr Rosołowski nehmen in DER PRINZ UND DER DYBBUK Waszyńskis Spur auf und folgen ihm nach Polen, in die Ukraine und die USA, nach Italien, Israel und Spanien. Für ihr faszinierendes Porträt eines menschlichen Chamäleons, das kontinuierlich Namen, Religion, Titel und Länder wechselte, wurden die beiden in Venedig mit dem Löwen für den Besten Dokumentarfilm ausgezeichnet.

 

„Ein Pressebild zum Film DER PRINZ UND DER DYBBUK führt in die Irre. Es ist schwarz-weiß und zeigt die italienische Star-Schauspielerin Sophia Loren zwischen zwei unbekannten Männern. Rechts im Bild ist Michał Waszyński, ein polnischer Regisseur und Produzent, um dessen Identität und Vergangenheit sich der Film dreht. (…) Kein Pressebild zum Film DER PRINZ UND DER DYBBUK kann stellvertretend für diesen Film oder diesen Menschen stehen, das merken wir schnell, und es ist ein großer Verdienst des Regieduos Elwira Niewiera und Piotr Rosołowski, dass sie bei ihrer dokumentarischen Detektivsuche mit Fährten und Schlaglichtern arbeiten und eine Vielzahl von filmischen Formen ohne all-erklärenden Kommentar zu einem traumwandlerischen Essay zusammenfließen lassen. (…) Endlich mal wieder Kino, atmet hingegen das cinephile Herz auf, das andauernd auf deutschen Leinwänden Fernsehen gucken muss.“ (Toby Ashraf, Indiekino Magazin Juni/Juli 18)

Der Prinz und der Dybbuk, OmdU
Do 02.08.

Kolyma – Колыма, OmdU

Stanisław Mucha
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Kolyma – Straße der Knochen (Колыма – дорога костей)

D 2017, 86 min, russ. mit dt. UT

Regie: Stanisław Mucha                    Achtung Berlin, Bester Dokumentarfilm

Wer in der Region entlang der Kolyma-Fernstraße, die sich im Nordosten Russlands 2000 Kilometer durch die karge Landschaft zieht, durch Schnee und Eis gräbt, fördert bald etwas zu Tage. Zum einen finden sich Bodenschätze wie Gold, Platin und Uran, die seit Jahrzehnten im Tage- und Untertagebau geschürft werden. Zum anderen war die Region bis 1987 das Zentrum des sowjetisch/russischen Straflagersystems. Von den fünf Millionen, die hier für den Bergbau oder für die Errichtung der Fernstraße eingesetzt wurden, verließ der Großteil die Region nie wieder, sondern wurde in riesigen Massengräbern verscharrt. Aus diesem Grund ist die Kolyma-Fernstraße auch als „Straße der Knochen“ bekannt. Autorenfilmer Stanisław Mucha, dessen Großvater im Gulag einsaß, bereist in seinem Film die komplette Länge der Fernstraße. Auf dem Weg interviewt er junge Imbissbetreiber, die das Wort „Gulag“ mit „Gulasch“ verwechseln, aber auch ehemalige Insassen, die zum Teil sehr offen über die Morde reden, wegen derer sie verurteilt wurden. Manchmal war der Inhaftierungsgrund aber auch einfach eine unüberlegte Äußerung über den Diktator. Es liegt eine Aura des Leids über der Region, die sich auch heute noch auf die Bewohner auswirkt, sagt einer von ihnen. Die ansässigen Schüler amüsieren sich jedenfalls noch mit patriotischen Schulaufführungen, machen aber auch sehr klar, dass sie ihre Zukunft nach dem Abitur woanders sehen. Und einige, die geblieben sind, werden einfach etwas wunderlich und gehen Experimenten nach, in denen sie angeblich die Alterung mit Starkstrom umkehren können. So bedrückend die Vergangenheit der Region, die man in Moskau wahrscheinlich fast vergessen hat, auch ist, so sehr hinterlässt KOLYMA den Eindruck, dass der üblen Erinnerung ein starker und enorm kreativer Lebenswille entgegengesetzt wird, der nicht so einfach totzukriegen ist. (Christian Klose, Indiekino Magazin Juni/Juli 18)

Kolyma – Колыма, OmdU
Do 02.08.

Аритмия – Arrhytmia, OmdU

Boris Chlebnikow
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Аритмия (Arrhytmia)

Russland/ Finnland/ Deutschland 2017, 116 min, russ. mit dt. UT

Oleg ist ein junger, talentierter Sanitäter. Seine Frau Katja arbeitet als Ärztin in der Notaufnahme des Krankenhaues. Sie liebt Oleg, kann es aber nicht ertragen, dass er sich mehr um seine Patienten, als um sie kümmert. Sie möchte die Scheidung. Olegs neuer Chef ist ein kaltschnäuziger Manager, der die Effektivität der Notfalleinsätze steigern möchte und neue, strikte Regeln durchsetzen will. Was Oleg nicht im Geringsten interessiert, da er Leben zu retten hat. Und der unvermeidliche Ärger bei der Arbeit vermischt sich mit seiner persönlichen Lebenskrise. Alkoholexzessen und der Suche nach dem Sinn des Lebens müssen Katja Zwischen Notrufen, und Oleg herausfinden, was sie eigentlich noch verbindet.

„Fast wie ein Gegenstück zu Andrey Zvyagintsev LOVELESS wirkt Khlebnikovs ARRHYTMYIA, (…). Beide Filme erzählen von Ehen in der Krise, von gesellschaftlichem Druck und Konventionen, die Paare entzweien. Doch wo Zvyagintsev kalt und schonungslos filmt, seine Figuren in brillant komponierten Breitwandbildern isoliert, zeigt Khlebnikov seine beiden Hauptfiguren mit viel mehr Sympathie. Allein stilistisch ist er ihnen durch eine unruhige, mobile Handkamera viel näher, benutzt die Enge von Wohnungen und dem Rettungswagen, um Oleg und Katja nahe zu kommen, ihre heiß-kalte Beziehung anzudeuten. Größter Unterschied zwischen den Filmen ist jedoch, dass es bei Khlebnikov kaum um Russland geht. In der Nebenhandlung über Einsparungen im Gesundheitssystem könnte man zwar eine Kritik am zunehmend kapitalistischen Denken in Russland sehen, aber auch universelle Themen, wie sie in Deutschland, der Slowakei oder vielen anderen Ländern genauso gut auftreten könnten.“ (Michael Meyns, programmkino.de)

Аритмия – Arrhytmia, OmdU
Fr 03.08.

Manfred Krug: Spur der Steine

Frank Beyer
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Spur der Steine

DDR 1965/66, 35mm, 134 min

Regie: Frank Beyer      mit Manfred Krug und Krystyna Stypułkowska

Auf einer Großbaustelle der DDR herrschen Planungsmängel und Materialengpässe, über die sich der Brigadier Balla mit unkonventionellen Mitteln hinwegsetzt. Das Bestreben des neuen SED-Parteisekretärs Horrath, ihn und seinen Trupp raubeiniger Zimmerleute fester ins Arbeitskollektiv einzubinden, scheitert zunächst an der Rivalität der beiden Männer um die Liebe der jungen Ingenieurin Kati Klee. Als sie von dem verheirateten Horrath schwanger wird, droht diesem der Parteiausschluss. Balla aber hält zu ihm … Anarchismus in der Planwirtschaft: Mit Anleihen bei John Sturges’ Western The Magnificient Seven (1960) verdeutlichte der Film in fesselnder „Totalvision“, wie die gemeinsamen „Aufbauleistungen“ zweier moralisch bedenklicher Außenseiter dem Parteiapparat entgleiten. Hans Helmut Prinzler, 1966: „So kritisch hat bisher kein DEFA-Film das Wirken der Partei mit ihren Widersprüchlichkeiten gezeigt.“ Bei den Arbeiterfestspielen 1966 noch positiv aufgenommen, wurde er kurz darauf bei der Kinopremiere Opfer eines inszenierten Eklats, nach weiteren gelenkten „Protesten“ binnen weniger Tage „wegen antisozialistischer Tendenzen“ aus den Kinos genommen und erst im November 1989 wiederaufgeführt. (Berlinale 2016)

Manfred Krug: Spur der Steine
Fr 03.08.

In den Gängen

Thomas Stuber
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In den Gängen

D 2018, 125 min

Regie: Thomas Stuber

Christian ist neu im Großmarkt. Schweigend taucht er in das unbekannte Universum ein: die langen Gänge, die ewige Ordnung der Warenlager, die surreale Mechanik der Gabelstapler. Bruno, der Kollege aus der Getränkeabteilung, nimmt sich seiner an, zeigt ihm Tricks und Kniffe, wird ein väterlicher Freund. Und dann ist da noch Marion von den Süßwaren, die ihre kleinen Scherze mit Christian treibt. Als er sich in sie verliebt, fiebert der ganze Großmarkt mit. Doch Marion ist verheiratet – nicht sehr glücklich, wie es heißt. Plötzlich ist sie krankgeschrieben. Christian fällt in ein tiefes Loch. So tief, dass sein altes, elendes Leben ihn wieder einzuholen droht.

 

Mit In den Gängen öffnet Thomas Stuber den Blick für die Lebenswelt eines einfachen Angestellten in der ostdeutschen Provinz. In streng kadrierten Bildern entfaltet sich eine Choreografie von Menschen und Dingen, Realität, Sehnsucht und Traum. Alltägliches verwandelt sich in magischen Realismus, der über die zarte Liebesgeschichte hinaus vorsichtig auf das Prinzip Hoffnung verweist. (Berlinale 18)

In den Gängen
Sa 04.08.

Der Prinz und der Dybbuk, OmdU

Elwira Niewiera
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Der Prinz und der Dybbuk (Książę i dybuk)

D/ PL 2017, 86 min, poln. | engl. | ital. | span. mit dt. UT

Regie: Elwira Niewiera, Piotr Rosołowski

Wer war Moshe Waks, der 1904 als Sohn eines armen jüdischen Schmiedes aus der Ukraine geboren wurde und als Prinz Michał Waszyński 1965 in Italien starb? War er ein Wunderkind des Kinos, ein raffinierter Betrüger oder ein Mann, der filmische Illusion und Realität nicht auseinanderhalten konnte? Als Regisseur und Produzent von Hollywood-Filmen in Italien und Spanien schuf Waszyński über 40 Filme. Er arbeitete mit Stars wie Sophia Loren, Claudia Cardinale und Orson Welles. Seine eigentliche Obsession aber galt dem Film „Der Dybbuk“, bei dem er 1937 Regie führte. Der Film beruht auf einer alten jüdischen Legende, in der eine junge Frau von dem Geist (auf Jiddisch: Dybbuk) ihrer ersten Liebe heimgesucht wird. „Der Dybbuk“ gilt nicht nur als einer der geheimnisvollsten jiddischen Filme der Filmgeschichte, er spiegelt auch Waszyńskis ruheloses Leben mit vielen ungelüfteten Geheimnissen wider. Im Laufe der Jahre nehmen die Idee der unerwiderten Liebe und die seelische Besessenheit auch im Leben des Filmemachers eine immer größere Rolle ein. Elwira Niewiera und Piotr Rosołowski nehmen in DER PRINZ UND DER DYBBUK Waszyńskis Spur auf und folgen ihm nach Polen, in die Ukraine und die USA, nach Italien, Israel und Spanien. Für ihr faszinierendes Porträt eines menschlichen Chamäleons, das kontinuierlich Namen, Religion, Titel und Länder wechselte, wurden die beiden in Venedig mit dem Löwen für den Besten Dokumentarfilm ausgezeichnet.

 

„Ein Pressebild zum Film DER PRINZ UND DER DYBBUK führt in die Irre. Es ist schwarz-weiß und zeigt die italienische Star-Schauspielerin Sophia Loren zwischen zwei unbekannten Männern. Rechts im Bild ist Michał Waszyński, ein polnischer Regisseur und Produzent, um dessen Identität und Vergangenheit sich der Film dreht. (…) Kein Pressebild zum Film DER PRINZ UND DER DYBBUK kann stellvertretend für diesen Film oder diesen Menschen stehen, das merken wir schnell, und es ist ein großer Verdienst des Regieduos Elwira Niewiera und Piotr Rosołowski, dass sie bei ihrer dokumentarischen Detektivsuche mit Fährten und Schlaglichtern arbeiten und eine Vielzahl von filmischen Formen ohne all-erklärenden Kommentar zu einem traumwandlerischen Essay zusammenfließen lassen. (…) Endlich mal wieder Kino, atmet hingegen das cinephile Herz auf, das andauernd auf deutschen Leinwänden Fernsehen gucken muss.“ (Toby Ashraf, Indiekino Magazin Juni/Juli 18)

Der Prinz und der Dybbuk, OmdU
Sa 04.08.

Kolyma – Колыма, OmdU

Stanisław Mucha
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Kolyma – Колыма, OmdU
Sa 04.08.

In den Gängen

Thomas Stuber
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In den Gängen

D 2018, 125 min

Regie: Thomas Stuber

Christian ist neu im Großmarkt. Schweigend taucht er in das unbekannte Universum ein: die langen Gänge, die ewige Ordnung der Warenlager, die surreale Mechanik der Gabelstapler. Bruno, der Kollege aus der Getränkeabteilung, nimmt sich seiner an, zeigt ihm Tricks und Kniffe, wird ein väterlicher Freund. Und dann ist da noch Marion von den Süßwaren, die ihre kleinen Scherze mit Christian treibt. Als er sich in sie verliebt, fiebert der ganze Großmarkt mit. Doch Marion ist verheiratet – nicht sehr glücklich, wie es heißt. Plötzlich ist sie krankgeschrieben. Christian fällt in ein tiefes Loch. So tief, dass sein altes, elendes Leben ihn wieder einzuholen droht.

 

Mit In den Gängen öffnet Thomas Stuber den Blick für die Lebenswelt eines einfachen Angestellten in der ostdeutschen Provinz. In streng kadrierten Bildern entfaltet sich eine Choreografie von Menschen und Dingen, Realität, Sehnsucht und Traum. Alltägliches verwandelt sich in magischen Realismus, der über die zarte Liebesgeschichte hinaus vorsichtig auf das Prinzip Hoffnung verweist. (Berlinale 18)

In den Gängen
So 05.08.

USEDOM – Der freie Blick aufs Meer

Heinz Brinkmann
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USEDOM – Der freie Blick aufs Meer

Deutschland 2018, 95 min

Regie: Heinz Brinkmann

Lange, feinsandige Strände. Die Kaiserbäder Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin. Eine nicht enden wollende Promenade bis zur Mündung der Swina in Polen. Das weite Haff der Oder, der Peenestrom und das Achterwasser. Fischerdörfer hinter Mischwäldern. Seebrücken vor Strandhotels. Prachtvillen aus der Gründerzeit. Die Legende von Vineta. Schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts entdeckten Berliner Bankiers die verzaubernde Schönheit der Küsten Usedoms – und machten daraus ein geniales Geschäftsmodell. Heute zieht es alljährlich Millionen von Touristen auf die Insel. Doch die Gäste bringen nicht nur Wachstum, sondern verändern auch das Gesicht Usedoms.

Regisseur Heinz Brinkmann, der selbst aus Heringsdorf stammt, versammelt 25 Jahren nach seinem Film Usedom – Ein deutsches Inselleben neue Geschichten von Insulanern, die auf unterschiedliche Weise nach Usedom kamen und zu Gastgebern für Millionen von Urlaubern wurden. USEDOM – DER FREIE BLICK AUFS MEER beschreibt die deutsch-polnische Insel als einen Ort, an dem der europäische Gedanke des nationalen Zusammenwachsens so stark gelebt wird wie kaum anderswo. Er zeigt aber auch den immer schärfer ausgetragenen Konflikt zwischen der Bewahrung einer einzigartigen Bäderarchitektur und der Errichtung von neuen, verwechselbaren Luxus-Quartieren durch auswärtige Investoren. Ein nostalgisch-heiterer Streifzug über die berühmte Urlaubsinsel mit nachdenklichen Blicken.

USEDOM – Der freie Blick aufs Meer
So 05.08.

Manfred Krug: Spur der Steine

Frank Beyer
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Spur der Steine

DDR 1965/66, 35mm, 134 min

Regie: Frank Beyer      mit Manfred Krug und Krystyna Stypułkowska

Auf einer Großbaustelle der DDR herrschen Planungsmängel und Materialengpässe, über die sich der Brigadier Balla mit unkonventionellen Mitteln hinwegsetzt. Das Bestreben des neuen SED-Parteisekretärs Horrath, ihn und seinen Trupp raubeiniger Zimmerleute fester ins Arbeitskollektiv einzubinden, scheitert zunächst an der Rivalität der beiden Männer um die Liebe der jungen Ingenieurin Kati Klee. Als sie von dem verheirateten Horrath schwanger wird, droht diesem der Parteiausschluss. Balla aber hält zu ihm … Anarchismus in der Planwirtschaft: Mit Anleihen bei John Sturges’ Western The Magnificient Seven (1960) verdeutlichte der Film in fesselnder „Totalvision“, wie die gemeinsamen „Aufbauleistungen“ zweier moralisch bedenklicher Außenseiter dem Parteiapparat entgleiten. Hans Helmut Prinzler, 1966: „So kritisch hat bisher kein DEFA-Film das Wirken der Partei mit ihren Widersprüchlichkeiten gezeigt.“ Bei den Arbeiterfestspielen 1966 noch positiv aufgenommen, wurde er kurz darauf bei der Kinopremiere Opfer eines inszenierten Eklats, nach weiteren gelenkten „Protesten“ binnen weniger Tage „wegen antisozialistischer Tendenzen“ aus den Kinos genommen und erst im November 1989 wiederaufgeführt. (Berlinale 2016)

Manfred Krug: Spur der Steine
So 05.08.

Kolyma – Колыма, OmdU

Stanisław Mucha
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Kolyma – Straße der Knochen (Колыма – дорога костей)

D 2017, 86 min, russ. mit dt. UT

Regie: Stanisław Mucha                    Achtung Berlin, Bester Dokumentarfilm

Wer in der Region entlang der Kolyma-Fernstraße, die sich im Nordosten Russlands 2000 Kilometer durch die karge Landschaft zieht, durch Schnee und Eis gräbt, fördert bald etwas zu Tage. Zum einen finden sich Bodenschätze wie Gold, Platin und Uran, die seit Jahrzehnten im Tage- und Untertagebau geschürft werden. Zum anderen war die Region bis 1987 das Zentrum des sowjetisch/russischen Straflagersystems. Von den fünf Millionen, die hier für den Bergbau oder für die Errichtung der Fernstraße eingesetzt wurden, verließ der Großteil die Region nie wieder, sondern wurde in riesigen Massengräbern verscharrt. Aus diesem Grund ist die Kolyma-Fernstraße auch als „Straße der Knochen“ bekannt. Autorenfilmer Stanisław Mucha, dessen Großvater im Gulag einsaß, bereist in seinem Film die komplette Länge der Fernstraße. Auf dem Weg interviewt er junge Imbissbetreiber, die das Wort „Gulag“ mit „Gulasch“ verwechseln, aber auch ehemalige Insassen, die zum Teil sehr offen über die Morde reden, wegen derer sie verurteilt wurden. Manchmal war der Inhaftierungsgrund aber auch einfach eine unüberlegte Äußerung über den Diktator. Es liegt eine Aura des Leids über der Region, die sich auch heute noch auf die Bewohner auswirkt, sagt einer von ihnen. Die ansässigen Schüler amüsieren sich jedenfalls noch mit patriotischen Schulaufführungen, machen aber auch sehr klar, dass sie ihre Zukunft nach dem Abitur woanders sehen. Und einige, die geblieben sind, werden einfach etwas wunderlich und gehen Experimenten nach, in denen sie angeblich die Alterung mit Starkstrom umkehren können. So bedrückend die Vergangenheit der Region, die man in Moskau wahrscheinlich fast vergessen hat, auch ist, so sehr hinterlässt KOLYMA den Eindruck, dass der üblen Erinnerung ein starker und enorm kreativer Lebenswille entgegengesetzt wird, der nicht so einfach totzukriegen ist. (Christian Klose, Indiekino Magazin Juni/Juli 18)

Kolyma – Колыма, OmdU
Mo 06.08.

keine Vorstellung

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Di 07.08.

Manfred Krug: Das Versteck

Frank Beyer
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Das Versteck

DDR 1977, 35mm, 96 min

Regie: Frank Beyer      mit Manfred Krug und Jutta Hoffmann

Max und Wanda sind seit einem Jahr geschieden. Doch Max hat die Trennung nie verarbeitet und will Wanda zurückgewinnen. Er würde von der Polizei gesucht, erklärt er, als er Wanda bittet, ihn in ihrer Wohnung zu verstecken. Wanda hat bereits einen neuen Freund, erliegt jedoch anfangs Max′ Verführungsversuchen. Ihr Freund allerdings spielt das Spiel nicht mit und zeigt den angeblich Gesuchten bei der Polizei an. Max′ Schwindel fliegt auf und Wanda erkennt, dass Max sich nicht geändert hat und egoistisch seine eigenen Ziele verfolgt.

 

„Beyer drehte 1977 Krugs letzten und schönsten DDR-Film…. DAS VERSTECK zeigt Krugs sensibelstes Spiel. Seine Partnerin ist die wunderbare Jutta Hoffmann. Krug wirkt still und wund; man spürt, in welcher Lebenslage sich der wahre Mensch befand.“ (Ch: Dieckmann, DIE ZEIT 46/2016)

 

„Manfred Krug ist rührend, wenn er, ein paar Anfangstage der Zerknirschung, den Hausmann macht und – zur eigenen Freßlust – den Koch spielt. Zur Enttäuschung der einstigen Ehefrau findet er in die Rolle des „Mackers“ zurück, der alles „organisieren“ und dadurch die Partnerin unterdrücken will. Wie Jutta Hoffmann sich – auch als Schauspielerin – gegenüber Manfred Krug behauptet, mit einer Mimik, die von einem Augenaufschlag zum andern zwischen mädchenhafter Träumerei, provozierender Frechheit und grübelnder Traurigkeit wechselt – auch dies macht den Film sehenswert.“ (Rolf Michaelis, DIE ZEIT 36/1979)

 

„So offenbart dieser Film über weite Strecken einen Schwebezustand, eine Balance besonderer Art, durchflochten von Rückblenden (…). Der Grundeinfall des Films, ein großer Komödieneinfall, bringt somit eine Fülle dichter, beziehungsreicher, leichter Szenen und Situationen zwischen zwei Personen hervor. Fast ein Gegenentwurf zu Ingmar Bergmans „Szenen einer Ehe“ – in allen fabelbestimmenden ethischen und politischen Momenten das Gegenteil, was nur von gesicherten gesellschaftlichen Positionen einer freien Persönlichkeitsentwicklung im Sozialismus möglich ist. Daher Heiterkeit, Gelöstheit, Optimismus, Produktivität, obwohl die beiden am Ende auseinandergehen, und diesmal für immer.“ (Günter Agde, Filmspiegel, Berlin/DDR, Nr. 26, 1976)

Manfred Krug: Das Versteck
Di 07.08.

Kolyma – Колыма, OmdU

Stanisław Mucha
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Kolyma – Straße der Knochen (Колыма – дорога костей)

D 2017, 86 min, russ. mit dt. UT

Regie: Stanisław Mucha                    Achtung Berlin, Bester Dokumentarfilm

Wer in der Region entlang der Kolyma-Fernstraße, die sich im Nordosten Russlands 2000 Kilometer durch die karge Landschaft zieht, durch Schnee und Eis gräbt, fördert bald etwas zu Tage. Zum einen finden sich Bodenschätze wie Gold, Platin und Uran, die seit Jahrzehnten im Tage- und Untertagebau geschürft werden. Zum anderen war die Region bis 1987 das Zentrum des sowjetisch/russischen Straflagersystems. Von den fünf Millionen, die hier für den Bergbau oder für die Errichtung der Fernstraße eingesetzt wurden, verließ der Großteil die Region nie wieder, sondern wurde in riesigen Massengräbern verscharrt. Aus diesem Grund ist die Kolyma-Fernstraße auch als „Straße der Knochen“ bekannt. Autorenfilmer Stanisław Mucha, dessen Großvater im Gulag einsaß, bereist in seinem Film die komplette Länge der Fernstraße. Auf dem Weg interviewt er junge Imbissbetreiber, die das Wort „Gulag“ mit „Gulasch“ verwechseln, aber auch ehemalige Insassen, die zum Teil sehr offen über die Morde reden, wegen derer sie verurteilt wurden. Manchmal war der Inhaftierungsgrund aber auch einfach eine unüberlegte Äußerung über den Diktator. Es liegt eine Aura des Leids über der Region, die sich auch heute noch auf die Bewohner auswirkt, sagt einer von ihnen. Die ansässigen Schüler amüsieren sich jedenfalls noch mit patriotischen Schulaufführungen, machen aber auch sehr klar, dass sie ihre Zukunft nach dem Abitur woanders sehen. Und einige, die geblieben sind, werden einfach etwas wunderlich und gehen Experimenten nach, in denen sie angeblich die Alterung mit Starkstrom umkehren können. So bedrückend die Vergangenheit der Region, die man in Moskau wahrscheinlich fast vergessen hat, auch ist, so sehr hinterlässt KOLYMA den Eindruck, dass der üblen Erinnerung ein starker und enorm kreativer Lebenswille entgegengesetzt wird, der nicht so einfach totzukriegen ist. (Christian Klose, Indiekino Magazin Juni/Juli 18)

Kolyma – Колыма, OmdU
Mi 08.08.

Kolyma – Колыма, OmdU

Stanisław Mucha
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Kolyma – Straße der Knochen (Колыма – дорога костей)

D 2017, 86 min, russ. mit dt. UT

Regie: Stanisław Mucha                    Achtung Berlin, Bester Dokumentarfilm

Wer in der Region entlang der Kolyma-Fernstraße, die sich im Nordosten Russlands 2000 Kilometer durch die karge Landschaft zieht, durch Schnee und Eis gräbt, fördert bald etwas zu Tage. Zum einen finden sich Bodenschätze wie Gold, Platin und Uran, die seit Jahrzehnten im Tage- und Untertagebau geschürft werden. Zum anderen war die Region bis 1987 das Zentrum des sowjetisch/russischen Straflagersystems. Von den fünf Millionen, die hier für den Bergbau oder für die Errichtung der Fernstraße eingesetzt wurden, verließ der Großteil die Region nie wieder, sondern wurde in riesigen Massengräbern verscharrt. Aus diesem Grund ist die Kolyma-Fernstraße auch als „Straße der Knochen“ bekannt. Autorenfilmer Stanisław Mucha, dessen Großvater im Gulag einsaß, bereist in seinem Film die komplette Länge der Fernstraße. Auf dem Weg interviewt er junge Imbissbetreiber, die das Wort „Gulag“ mit „Gulasch“ verwechseln, aber auch ehemalige Insassen, die zum Teil sehr offen über die Morde reden, wegen derer sie verurteilt wurden. Manchmal war der Inhaftierungsgrund aber auch einfach eine unüberlegte Äußerung über den Diktator. Es liegt eine Aura des Leids über der Region, die sich auch heute noch auf die Bewohner auswirkt, sagt einer von ihnen. Die ansässigen Schüler amüsieren sich jedenfalls noch mit patriotischen Schulaufführungen, machen aber auch sehr klar, dass sie ihre Zukunft nach dem Abitur woanders sehen. Und einige, die geblieben sind, werden einfach etwas wunderlich und gehen Experimenten nach, in denen sie angeblich die Alterung mit Starkstrom umkehren können. So bedrückend die Vergangenheit der Region, die man in Moskau wahrscheinlich fast vergessen hat, auch ist, so sehr hinterlässt KOLYMA den Eindruck, dass der üblen Erinnerung ein starker und enorm kreativer Lebenswille entgegengesetzt wird, der nicht so einfach totzukriegen ist. (Christian Klose, Indiekino Magazin Juni/Juli 18)

Kolyma – Колыма, OmdU
Mi 08.08.

Кроткая – Die Sanfte, OmdU

Boris Chlebnikow
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Кроткая (Die Sanfte)

Frankreich/ Deutschland/ Litauen/ Niederlande 2017, 143 min, russ. mit dt. UT

Regie: Sergej Losniza

Eine Frau lebt alleine am Rande einer kleinen russischen Stadt. Ihr Mann ist im Gefängnis, regelmäßig schickt sie ihm Pakete. Als eines ihrer Päckchen zurückkommt, bemüht sie sich, den Grund dafür zu erfahren. Doch ihre Nachfragen bei den Behörden führen zu keinem Ergebnis. Schließlich macht sie sich auf einen langen Weg, um Klarheit zu gewinnen über das Schicksal ihres Mannes. Die Reise in die Gefängnisstadt am andere Ende Russlands ist beschwerlich. Die Menschen, denen sie begegnet, scheinen von einer tiefgehenden Lethargie geprägt zu sein. Jeder hat eine Theorie über den Lauf der Dinge parat, aber niemand scheint daran zu glauben, dass die Lage irgendwann wieder besser wird. Ihre Suche nach Antworten führt die Frau schließlich immer tiefer in einen Sumpf aus Ignoranz, Selbstsucht, Gewalt und Unmenschlichkeit, die sie stoisch erträgt. Wird sie Gerechtigkeit erfahren und ihren Mann wiedersehen?

„…Das Land ist Russland, aber es wird als geographisches und geistiges Gebiet wahrgenommen. Die Dreharbeiten fanden in Daugavpils in Lettland statt, eine kleine Stadt mit einem russischen Bevölkerungsanteil von 90%. Wir haben dort aus logistischen Gründen gefilmt: sie liegt innerhalb der EU, daher braucht man kein besonderes Visum, aber die Spuren der Zeit unter Sowjetherrschaft sind noch deutlich. Es gibt auch zwei große Gefängnisse in der Gegend, eines davon ist auch im Film zu sehen. Man findet diese Art von Gefängnissen überall in Russland. Sie wirken wie Festungen. Sie sehen seltsam aus, wie einsame, romantische Burgen, recht hübsch anzusehen in der Landschaft. Doch zugleich sind sie abstoßend, da niemand wirklich weiß, was in ihnen vorgeht. Stalin ordnete an, die Ziegelbauten weiß zu streichen, wahrscheinlich um ihnen das Aussehen von Klöstern zu verleihen (lacht). Das aus dem Film trägt den Spitznamen ‚der weiße Schwan‘. Es gibt noch ein anderes, das heißt ‚der schwarze Schwan‘. Ich beginne immer mit dem großen Ganzen und konzentriere mich später auf die feinsten Stellen, die Spitze der Nadel. Beim Filmemachen geht es darum, eine Idee zu haben, mit der dann durch die Leute, die Schauspieler, die Orte und die Gestaltung des Sets ein gutes Ergebnis erzielt wird. Hierbei ist es von enormer Wichtigkeit, trotz der Herausforderungen des tatsächlichen Filmens, seiner anfänglichen Idee treu zu bleiben.“ (Sergej Losniza im Interview)

Кроткая – Die Sanfte, OmdU
Do 09.08.

Manfred Krug: Beschreibung eines Sommers

Ralf Kirsten
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Beschreibung eines Sommers

DDR 1962, 35mm, 80 min

Regie: Ralf Kirsten      mit Manfred Krug und Christel Bodenstein

Ende der 50er Jahre auf der Großbaustelle Schwedt, wo ein gigantischer Industriekomplex entsteht. Hierher, zu einem Jugendobjekt, wird Tom Breitsprecher aus Berlin delegiert. Er ist ein ausgezeichneter Ingenieur, aber seine politische Haltung und sein Privatleben lassen zu wünschen übrig. Er ist großspurig, zynisch, sein Frauenverschleiß enorm. Und hier verliebt er sich ausgerechnet in die FDJ-Sekretärin Grit, die auch noch verheiratet ist. Grit erwidert seine Liebe. Als das Verhältnis der beiden an den Tag kommt, sind die Kollegen empört, vor allem von dem unmoralischen Verhalten ihrer Genossin Grit. Für Grit und Tom aber ist diese Liebe etwas ganz neues, großes, das sie beide verändert. Sie brauchen sich, und Grit entscheidet, klare Verhältnisse zu schaffen und sich von ihrem Mann zu trennen…

Manfred Krug: Beschreibung eines Sommers
Do 09.08.

Kolyma – Колыма, OmdU

Stanisław Mucha
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Kolyma – Straße der Knochen (Колыма – дорога костей)

D 2017, 86 min, russ. mit dt. UT

Regie: Stanisław Mucha                    Achtung Berlin, Bester Dokumentarfilm

Wer in der Region entlang der Kolyma-Fernstraße, die sich im Nordosten Russlands 2000 Kilometer durch die karge Landschaft zieht, durch Schnee und Eis gräbt, fördert bald etwas zu Tage. Zum einen finden sich Bodenschätze wie Gold, Platin und Uran, die seit Jahrzehnten im Tage- und Untertagebau geschürft werden. Zum anderen war die Region bis 1987 das Zentrum des sowjetisch/russischen Straflagersystems. Von den fünf Millionen, die hier für den Bergbau oder für die Errichtung der Fernstraße eingesetzt wurden, verließ der Großteil die Region nie wieder, sondern wurde in riesigen Massengräbern verscharrt. Aus diesem Grund ist die Kolyma-Fernstraße auch als „Straße der Knochen“ bekannt. Autorenfilmer Stanisław Mucha, dessen Großvater im Gulag einsaß, bereist in seinem Film die komplette Länge der Fernstraße. Auf dem Weg interviewt er junge Imbissbetreiber, die das Wort „Gulag“ mit „Gulasch“ verwechseln, aber auch ehemalige Insassen, die zum Teil sehr offen über die Morde reden, wegen derer sie verurteilt wurden. Manchmal war der Inhaftierungsgrund aber auch einfach eine unüberlegte Äußerung über den Diktator. Es liegt eine Aura des Leids über der Region, die sich auch heute noch auf die Bewohner auswirkt, sagt einer von ihnen. Die ansässigen Schüler amüsieren sich jedenfalls noch mit patriotischen Schulaufführungen, machen aber auch sehr klar, dass sie ihre Zukunft nach dem Abitur woanders sehen. Und einige, die geblieben sind, werden einfach etwas wunderlich und gehen Experimenten nach, in denen sie angeblich die Alterung mit Starkstrom umkehren können. So bedrückend die Vergangenheit der Region, die man in Moskau wahrscheinlich fast vergessen hat, auch ist, so sehr hinterlässt KOLYMA den Eindruck, dass der üblen Erinnerung ein starker und enorm kreativer Lebenswille entgegengesetzt wird, der nicht so einfach totzukriegen ist. (Christian Klose, Indiekino Magazin Juni/Juli 18)

Kolyma – Колыма, OmdU
Fr 10.08.

Manfred Krug: Das Versteck

Frank Beyer
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Das Versteck

DDR 1977, 35mm, 96 min

Regie: Frank Beyer      mit Manfred Krug und Jutta Hoffmann

Max und Wanda sind seit einem Jahr geschieden. Doch Max hat die Trennung nie verarbeitet und will Wanda zurückgewinnen. Er würde von der Polizei gesucht, erklärt er, als er Wanda bittet, ihn in ihrer Wohnung zu verstecken. Wanda hat bereits einen neuen Freund, erliegt jedoch anfangs Max′ Verführungsversuchen. Ihr Freund allerdings spielt das Spiel nicht mit und zeigt den angeblich Gesuchten bei der Polizei an. Max′ Schwindel fliegt auf und Wanda erkennt, dass Max sich nicht geändert hat und egoistisch seine eigenen Ziele verfolgt.

 

„Beyer drehte 1977 Krugs letzten und schönsten DDR-Film…. DAS VERSTECK zeigt Krugs sensibelstes Spiel. Seine Partnerin ist die wunderbare Jutta Hoffmann. Krug wirkt still und wund; man spürt, in welcher Lebenslage sich der wahre Mensch befand.“ (Ch: Dieckmann, DIE ZEIT 46/2016)

 

„Manfred Krug ist rührend, wenn er, ein paar Anfangstage der Zerknirschung, den Hausmann macht und – zur eigenen Freßlust – den Koch spielt. Zur Enttäuschung der einstigen Ehefrau findet er in die Rolle des „Mackers“ zurück, der alles „organisieren“ und dadurch die Partnerin unterdrücken will. Wie Jutta Hoffmann sich – auch als Schauspielerin – gegenüber Manfred Krug behauptet, mit einer Mimik, die von einem Augenaufschlag zum andern zwischen mädchenhafter Träumerei, provozierender Frechheit und grübelnder Traurigkeit wechselt – auch dies macht den Film sehenswert.“ (Rolf Michaelis, DIE ZEIT 36/1979)

 

„So offenbart dieser Film über weite Strecken einen Schwebezustand, eine Balance besonderer Art, durchflochten von Rückblenden (…). Der Grundeinfall des Films, ein großer Komödieneinfall, bringt somit eine Fülle dichter, beziehungsreicher, leichter Szenen und Situationen zwischen zwei Personen hervor. Fast ein Gegenentwurf zu Ingmar Bergmans „Szenen einer Ehe“ – in allen fabelbestimmenden ethischen und politischen Momenten das Gegenteil, was nur von gesicherten gesellschaftlichen Positionen einer freien Persönlichkeitsentwicklung im Sozialismus möglich ist. Daher Heiterkeit, Gelöstheit, Optimismus, Produktivität, obwohl die beiden am Ende auseinandergehen, und diesmal für immer.“ (Günter Agde, Filmspiegel, Berlin/DDR, Nr. 26, 1976)

Manfred Krug: Das Versteck
Fr 10.08.

In den Gängen

Thomas Stuber
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In den Gängen

D 2018, 125 min

Regie: Thomas Stuber

Christian ist neu im Großmarkt. Schweigend taucht er in das unbekannte Universum ein: die langen Gänge, die ewige Ordnung der Warenlager, die surreale Mechanik der Gabelstapler. Bruno, der Kollege aus der Getränkeabteilung, nimmt sich seiner an, zeigt ihm Tricks und Kniffe, wird ein väterlicher Freund. Und dann ist da noch Marion von den Süßwaren, die ihre kleinen Scherze mit Christian treibt. Als er sich in sie verliebt, fiebert der ganze Großmarkt mit. Doch Marion ist verheiratet – nicht sehr glücklich, wie es heißt. Plötzlich ist sie krankgeschrieben. Christian fällt in ein tiefes Loch. So tief, dass sein altes, elendes Leben ihn wieder einzuholen droht.

 

Mit In den Gängen öffnet Thomas Stuber den Blick für die Lebenswelt eines einfachen Angestellten in der ostdeutschen Provinz. In streng kadrierten Bildern entfaltet sich eine Choreografie von Menschen und Dingen, Realität, Sehnsucht und Traum. Alltägliches verwandelt sich in magischen Realismus, der über die zarte Liebesgeschichte hinaus vorsichtig auf das Prinzip Hoffnung verweist. (Berlinale 18)

In den Gängen
Mi 15.08.

Manfred Krug: Beschreibung eines Sommers

Ralf Kirsten
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Beschreibung eines Sommers

DDR 1962, 35mm, 80 min

Regie: Ralf Kirsten      mit Manfred Krug und Christel Bodenstein

Ende der 50er Jahre auf der Großbaustelle Schwedt, wo ein gigantischer Industriekomplex entsteht. Hierher, zu einem Jugendobjekt, wird Tom Breitsprecher aus Berlin delegiert. Er ist ein ausgezeichneter Ingenieur, aber seine politische Haltung und sein Privatleben lassen zu wünschen übrig. Er ist großspurig, zynisch, sein Frauenverschleiß enorm. Und hier verliebt er sich ausgerechnet in die FDJ-Sekretärin Grit, die auch noch verheiratet ist. Grit erwidert seine Liebe. Als das Verhältnis der beiden an den Tag kommt, sind die Kollegen empört, vor allem von dem unmoralischen Verhalten ihrer Genossin Grit. Für Grit und Tom aber ist diese Liebe etwas ganz neues, großes, das sie beide verändert. Sie brauchen sich, und Grit entscheidet, klare Verhältnisse zu schaffen und sich von ihrem Mann zu trennen…

Manfred Krug: Beschreibung eines Sommers
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