So 08.12.

Heimat ist ein Raum aus Zeit

Thomas Heise
Mehr infos Schliessen

Heimat ist ein Raum aus Zeit

D/ AT 2019, 218 min, deutsche Originalfassung

Regie: Thomas Heise

Was bleibt? Biografien hinterlassen Spuren. Die Zeitläufte auch. Wie sich das eine zum anderen verhält untersucht Thomas Heise in Heimat ist ein Raum aus Zeit. Der Film folgt den biografischen Spuren einer zerrissenen Familie über das ausgehende 19. und das folgende 20. Jahrhundert hinweg. Es geht um Menschen, die einst zufällig zueinander fanden, dann einander verloren. Deren verbliebene Kinder und Enkel jetzt verschwinden. Es geht um Sprechen und Schweigen. Erste Liebe und verschwundenes Glück. Väter, Mütter, Söhne, Brüder, Affären, Verletzung und Glück in wechselnden Landschaften, die verschiedene, einander durchwuchernde Spuren von Zeiten in sich tragen.

„Über 218 eindringliche Minuten hinweg werden in fünf Kapitel mehr als 100 Jahre Familien- und Zeitgeschichte zu einer Collage verwoben, beginnend vom Ersten Weltkrieg bis zum Ende der DDR. Es geht um die Großeltern, die Eltern, den Bruder, um Ausgesprochenes und Verschwiegenes zwischen den Generationen. Oder, wie Heise sagt: ‚Das Material des Films ist das Übriggebliebene meiner Familie, Reste. Die, von denen ich weiß, deren Umstände ich erlebt oder anders erfahren habe. Reste, die Geschichte spiegeln, Geschichte, die auch meine ist.‘“ (Claus Löser, BLZ 9./10.02.19)

„‘-Ist die DDR überhaupt heute ein Thema?‘ ‚-Das ist ein Thema. Das ist genau der Punkt: Es wurde nur behauptet, es sei eben kein Thema. Jetzt spuren wir die Ergebnisse dieser Vereinigung deutlicher und merken, dass auch die Geschichte komplett verschwunden ist. Wenn es um die Betrachtung von Geschichte geht, geht die linear bis zur Bundesrepublik und der Osten ist daran ein Pickel. Den drückt man aus. Nur der Mauerfall ist interessant. Heiner Müller beschrieb das so – im Rahmen der Modernisierung müssen die unproduktiven Teile abgestoßen werden. Ein bisschen erzählt der Film das auch.“ (Interviewauszug, Thomas Heise im Gespräch mit Barbara Wurm, TAZ 9./10.02.19)

„Keine Interviews, keine Zeitzeugen, natürlich nicht. Keine Simulationen von Objektivität. Wer aus der DDR kommt, misstraut ihnen ohnehin. HEIMAT IST EIN RAUM AUS ZEIT ist eine Meditation aus Bildern und Gedanken, der die Zeit doppelt zurückgibt, die er sich nimmt.“ (Kerstin Decker, Der Tagespiegel)

„Es lässt sich an HEIMAT IST EIN RAUM AUS ZEIT studieren, wie wenige filmische Mittel man braucht, wenn man sie einzusetzen weiß: Ton und Bild, in die richtige Form gebracht durch Montage. Die Szene etwa, die von der Deportation der Wiener Großmutter-Familie erzählt, ist atemberaubend – von einer dramaturgischen Intensität, die einem die Unfassbarkeit des Holocaust konkret werden lässt.“ (Matthias Dell, spiegel.de)

Heimat ist ein Raum aus Zeit
So 08.12.

Havelland. Fontane

Bernhard Sallmann
Mehr infos Schliessen

Havelland. Fontane

Deutschland 2019, 109 min, deutsche Originalfassung

Regie: Bernhard Sallmann

Mit HAVELLAND. FONTANE schließt Bernhard Sallmann seine 2016 begonnene vierteilige Serie zu Theodor Fontanes (1819-1898) Reisereportagen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ ab.

Während die ersten drei Filme zum ODER-, RHIN- und SPREELAND Erkundungen des ländlichen Raums sind, ist in HAVELLAND auch die Verschmelzung einer Flusslandschaft mit dem Großraum Berlin-Potsdam ein zentrales Thema. Fontane legt die Grundlagen der Entstehung der Mark frei und schildert das Ringen der naturreligiösen wendischen Kultur mit der aus dem Westen andrängenden christlichen im 12. Jahrhundert. Er schildert an vielen Beispielen die Austauschverhältnisse der Mark mit der rasch wachsenden Großstadt: Orte industrieller (Ziegelbrennen in Glindow) und landwirtschaftlicher Produktion (Obstanbau in Werder) werden geschildert und in der präzis kadrierten Filmfotografie mit ihrer heutigen Gestalt konfrontiert. In den gemäldehaften und lang verweilenden Tableaus entsteht ein Resonanzraum, der Zeiten, Orte und verblüffende Geschichten amalgamiert.

„Die Kunst seiner Fotografie zeigt sich vor allem darin, dass er nicht einfach perfekte, fast schon gemäldehafte Kompositionen findet, sondern dass er immer wieder Motive entdeckt, die auf mehrere Zeiten gleichzeitig verweisen.“ (ZITTY)

Sallmann bebildert nicht, er schafft eigenwillige Assoziationsräume. Ist von Erdbeeren, süßen Kirschen und Aprikosen die Rede, zeigt er ein von Plastikplanen überstülptes Feld. Zum Text über eine Akazie, den ‚schönen Baum‘, montiert er die Totale eines Heizkraftwerks. Wenn Fontane von der gotischen Kirche in Werder schwärmt, ist eine moderne Ufervilla aus Glas und Beton zu sehen. Die Gegenwart überschreibt die Vergangenheit. Nichts bleibt, wie es war.“ (Ralf Schenk, BLZ 04.11.19)

„Ein Film von genauso schöner Schlichtheit wie sein Titel“ (Jonas Nestroy)

„Das letzte Bild hält lange an. Zwei Einstellungen … zeigen eine Schleuse, in der links ein Schleppkahn, rechts zwei Sportboote auf ihre Durchschleusung warten, während sich am Horizont eine abschiedsrote Sonne überm Havelufer versenkt. Ekstase heißt der Kahn …  Ein Bild, das noch einmal die Pole heraufbeschwört, zwischen denen sich Film, Text und Bild bewegen: von der konkreten Zeit des Kinoraums und der abstrakten von Geschichte, von Landschaft und den Gesellschaften, die sie überschreiben, Gegenwart und Abwesenheit. Von Übereinstimmung und Differenz. Ein nüchternes Bild, das zugleich voller Affekte ist. Ein Abschiedsbild, das zugleich ein Aufbruchsbild ist. Ein Bild, das verlischt und bleibt, ein Filmzyklus, der zu Ende geht und bleiben wird.“ (Sebastian Markt, Tangentiale A3/Z1)

 

Havelland. Fontane
So 08.12.

Schönheit & Vergänglichkeit

Annekatrin Hendel
Mehr infos Schliessen

Schönheit & Vergänglichkeit

Deutschland 2019, 79 min, deutsche Originalfassung

Regie: Annekatrin Hendel

Schon vor dem Mauerfall porträtiert der gelernte Fotograf Sven Marquardt, heute auch durch sein markantes Aussehen als Türsteher des legendären Technoclub Berghain weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt, die subkulturelle Ost-Berliner Szene in ausdrucksstarken Schwarz-Weiß-Fotografien. Nach 25 Jahren Unterbrechung seines künstlerischen Schaffens erfindet sich Marquardt inzwischen noch einmal neu und erlangt mit seinen Ausstellungen, Publikationen und Auftragsarbeiten Weltruhm. Nacht, Rausch, Exzess und Dunkelheit strahlen seine Werke aus, obwohl sie meist bei Tageslicht entstehen.

SCHÖNHEIT & VERGÄNGLICHKEIT erzählt von drei Freunden mit einer gemeinsamen Jugend, deren Werdegang geprägt ist von ihrem künstlerischen Blick auf die Welt, von Radikalität und Offenheit. Aber es ist auch ein Film über die unbedingte Sehnsucht nach Individualität und Unangepasstheit, Rebellion, Älterwerden, Liebe und Freundschaft in ganz unterschiedlichen Werte-Systemen. Und es ist ein Berlin-Film. Robert Paris` großartige Stadt-Ansichten erzählen vom Wandel der Stadt, vom eigenwilligen Charme menschenleerer Straßen, vernagelter Türen und blinder Fenster.

„So ist es jetzt, mehr als dreißig Jahre nach dem Mauerfall, Zeit für meinen Film. Über Leute, die so alt sind wie ich, Leute aus der letzten Erwachsenen-Generation der DDR. Es geht um drei Freunde: Allen voran Sven Marquardt, der mich mit seinen Arbeiten voller Schönheit, Leid und Leidenschaft faszinierte wie kein anderer Fotograf. Und es geht um zwei seiner Modelle, die ebenso eigenständige Künstler waren und sind: Dominique „Dome“ Hollenstein und Robert Paris. Sie prägten ein Lebensgefühl, das den Prenzlauer Berg über die deutschen Grenzen hinaus bis heute legendär macht. Erst als Punks, eingebunden in ihren großen, hermetischen Ostberliner Freundeskreis, später mit Werken, die selbst in der DDR-Subkultur noch speziell waren. Berühmt wird Marquardt als Türsteher des legendären Technoclub Berghain. Dabei galt er bereits vorher, mit Mitte Zwanzig schon als Ausnahme-Künstler. (…) Seine Porträts zeichnete eine Mischung aus inszenierter Schönheit, Selbstbewusstsein, Erotik und Verfall aus. Mit welcher Wucht er nach langer Pause die Kamera jetzt wieder in die Hand genommen hat, motivierte mich zu diesem Film.“ (Annekatrin Hendel)

Schönheit & Vergänglichkeit
So 08.12.

Was gewesen wäre

Florian Koerner
Mehr infos Schliessen

Was gewesen wäre

Deutschland 2019, 90 min

Regie: Florian Koerner

Die erste gemeinsame Reise ist in der Paarbeziehung so etwas wie die Nagelprobe. Für Astrid und Paul gilt das noch mehr als für andere, denn die beiden sind schon Ende vierzig und erst seit zwei Monaten zusammen. Ihr Ziel ist Budapest – man wohnt standesgemäß im „Gellert“, dem traditionsreichen Luxushotel. Und dort trifft die Ärztin Astrid ganz unerwartet auf ihre Jugendliebe Julius, mit dem sie zu DDR-Zeiten ebenfalls in Budapest war. Julius ist mit seinem Halbbruder Sascha in Budapest – beide betreiben eine Galerie in Hamburg. Auf einer Künstlerparty bei Berlin, die sie mit ihrer Freundin Jana besuchte, verknallten sich Astrid und Julius. Er war so etwas wie ein Exot, weil Sascha im Westen lebte. Später flüchtete Jana nach West-Berlin, dann holte Sascha Julian über Jugoslawien nach Hamburg. Astrid blieb in der DDR zurück. Das Wiedersehen mit Julius weckt alte Erinnerungen und stellt schließlich auch die Beziehung zu Paul infrage. (Gaby Sikorski, programmkino.de)

Was gewesen wäre
Mo 09.12.

Land des Honigs – Медена земја, OmdU

Tamara Kotevska & Ljubomir Stefanov
Mehr infos Schliessen

Медена земја (Land des Honigs)

Makedonien 2019, 85 min, OmdU

Regie: Tamara Kotevska, Ljubomir Stefanov

Hatidze Muratova lebt im nordmazedonischen Gebirge, wo sie als Imkerin eine wilde Bienenzucht betreut. Ab und an bricht Muratova in die vergleichsweise hektische mazedonische Hauptstadt Skopje auf, um den geernteten Honig auf dem Markt zu verkaufen, die meiste Zeit verbringt sie aber in der ursprünglichen Natur, in der sie aufgewachsen ist. Das harte, doch idyllische Leben ändert sich, als Muratova und ihre Mutter neue Nachbarn bekommen. Die nomadische Großfamilie von Hussein Sam bringt einige Nutztiere und reichlich Lärm mit. Anders als Muratova sehen die Neuen den Honig vor allem als profitables Verkaufsgut. (programmkino.de)

„Poetisch verdichtet das Regieduo Ljubomir Stefanov und Tamara Kotevska das rund 400 Stunden umfassende Filmmaterial zu einem intensiven Drama, das viel mehr ist als nur Porträt einer Bienenzüchterin. Zwischen Beobachtung und Metaphorik begleiten sie Hatidze durch Höhen und Tiefen. In ihrer Welt entscheiden die Bienen, wer am Ende bleiben darf.“ (Julia Weigl, DOK Leipzig 2019)

Land des Honigs – Медена земја, OmdU
Mo 09.12.

Schönheit & Vergänglichkeit

Annekatrin Hendel
Mehr infos Schliessen

Schönheit & Vergänglichkeit

Deutschland 2019, 79 min, deutsche Originalfassung

Regie: Annekatrin Hendel

Schon vor dem Mauerfall porträtiert der gelernte Fotograf Sven Marquardt, heute auch durch sein markantes Aussehen als Türsteher des legendären Technoclub Berghain weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt, die subkulturelle Ost-Berliner Szene in ausdrucksstarken Schwarz-Weiß-Fotografien. Nach 25 Jahren Unterbrechung seines künstlerischen Schaffens erfindet sich Marquardt inzwischen noch einmal neu und erlangt mit seinen Ausstellungen, Publikationen und Auftragsarbeiten Weltruhm. Nacht, Rausch, Exzess und Dunkelheit strahlen seine Werke aus, obwohl sie meist bei Tageslicht entstehen.

SCHÖNHEIT & VERGÄNGLICHKEIT erzählt von drei Freunden mit einer gemeinsamen Jugend, deren Werdegang geprägt ist von ihrem künstlerischen Blick auf die Welt, von Radikalität und Offenheit. Aber es ist auch ein Film über die unbedingte Sehnsucht nach Individualität und Unangepasstheit, Rebellion, Älterwerden, Liebe und Freundschaft in ganz unterschiedlichen Werte-Systemen. Und es ist ein Berlin-Film. Robert Paris` großartige Stadt-Ansichten erzählen vom Wandel der Stadt, vom eigenwilligen Charme menschenleerer Straßen, vernagelter Türen und blinder Fenster.

„So ist es jetzt, mehr als dreißig Jahre nach dem Mauerfall, Zeit für meinen Film. Über Leute, die so alt sind wie ich, Leute aus der letzten Erwachsenen-Generation der DDR. Es geht um drei Freunde: Allen voran Sven Marquardt, der mich mit seinen Arbeiten voller Schönheit, Leid und Leidenschaft faszinierte wie kein anderer Fotograf. Und es geht um zwei seiner Modelle, die ebenso eigenständige Künstler waren und sind: Dominique „Dome“ Hollenstein und Robert Paris. Sie prägten ein Lebensgefühl, das den Prenzlauer Berg über die deutschen Grenzen hinaus bis heute legendär macht. Erst als Punks, eingebunden in ihren großen, hermetischen Ostberliner Freundeskreis, später mit Werken, die selbst in der DDR-Subkultur noch speziell waren. Berühmt wird Marquardt als Türsteher des legendären Technoclub Berghain. Dabei galt er bereits vorher, mit Mitte Zwanzig schon als Ausnahme-Künstler. (…) Seine Porträts zeichnete eine Mischung aus inszenierter Schönheit, Selbstbewusstsein, Erotik und Verfall aus. Mit welcher Wucht er nach langer Pause die Kamera jetzt wieder in die Hand genommen hat, motivierte mich zu diesem Film.“ (Annekatrin Hendel)

Schönheit & Vergänglichkeit
Mo 09.12.

Havelland. Fontane

Bernhard Sallmann
Mehr infos Schliessen

Havelland. Fontane

Deutschland 2019, 109 min, deutsche Originalfassung

Regie: Bernhard Sallmann

Mit HAVELLAND. FONTANE schließt Bernhard Sallmann seine 2016 begonnene vierteilige Serie zu Theodor Fontanes (1819-1898) Reisereportagen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ ab.

Während die ersten drei Filme zum ODER-, RHIN- und SPREELAND Erkundungen des ländlichen Raums sind, ist in HAVELLAND auch die Verschmelzung einer Flusslandschaft mit dem Großraum Berlin-Potsdam ein zentrales Thema. Fontane legt die Grundlagen der Entstehung der Mark frei und schildert das Ringen der naturreligiösen wendischen Kultur mit der aus dem Westen andrängenden christlichen im 12. Jahrhundert. Er schildert an vielen Beispielen die Austauschverhältnisse der Mark mit der rasch wachsenden Großstadt: Orte industrieller (Ziegelbrennen in Glindow) und landwirtschaftlicher Produktion (Obstanbau in Werder) werden geschildert und in der präzis kadrierten Filmfotografie mit ihrer heutigen Gestalt konfrontiert. In den gemäldehaften und lang verweilenden Tableaus entsteht ein Resonanzraum, der Zeiten, Orte und verblüffende Geschichten amalgamiert.

„Die Kunst seiner Fotografie zeigt sich vor allem darin, dass er nicht einfach perfekte, fast schon gemäldehafte Kompositionen findet, sondern dass er immer wieder Motive entdeckt, die auf mehrere Zeiten gleichzeitig verweisen.“ (ZITTY)

Sallmann bebildert nicht, er schafft eigenwillige Assoziationsräume. Ist von Erdbeeren, süßen Kirschen und Aprikosen die Rede, zeigt er ein von Plastikplanen überstülptes Feld. Zum Text über eine Akazie, den ‚schönen Baum‘, montiert er die Totale eines Heizkraftwerks. Wenn Fontane von der gotischen Kirche in Werder schwärmt, ist eine moderne Ufervilla aus Glas und Beton zu sehen. Die Gegenwart überschreibt die Vergangenheit. Nichts bleibt, wie es war.“ (Ralf Schenk, BLZ 04.11.19)

„Ein Film von genauso schöner Schlichtheit wie sein Titel“ (Jonas Nestroy)

„Das letzte Bild hält lange an. Zwei Einstellungen … zeigen eine Schleuse, in der links ein Schleppkahn, rechts zwei Sportboote auf ihre Durchschleusung warten, während sich am Horizont eine abschiedsrote Sonne überm Havelufer versenkt. Ekstase heißt der Kahn …  Ein Bild, das noch einmal die Pole heraufbeschwört, zwischen denen sich Film, Text und Bild bewegen: von der konkreten Zeit des Kinoraums und der abstrakten von Geschichte, von Landschaft und den Gesellschaften, die sie überschreiben, Gegenwart und Abwesenheit. Von Übereinstimmung und Differenz. Ein nüchternes Bild, das zugleich voller Affekte ist. Ein Abschiedsbild, das zugleich ein Aufbruchsbild ist. Ein Bild, das verlischt und bleibt, ein Filmzyklus, der zu Ende geht und bleiben wird.“ (Sebastian Markt, Tangentiale A3/Z1)

 

Havelland. Fontane
Di 10.12.

Havelland. Fontane

Bernhard Sallmann
Mehr infos Schliessen

Havelland. Fontane

Deutschland 2019, 109 min, deutsche Originalfassung

Regie: Bernhard Sallmann

Mit HAVELLAND. FONTANE schließt Bernhard Sallmann seine 2016 begonnene vierteilige Serie zu Theodor Fontanes (1819-1898) Reisereportagen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ ab.

Während die ersten drei Filme zum ODER-, RHIN- und SPREELAND Erkundungen des ländlichen Raums sind, ist in HAVELLAND auch die Verschmelzung einer Flusslandschaft mit dem Großraum Berlin-Potsdam ein zentrales Thema. Fontane legt die Grundlagen der Entstehung der Mark frei und schildert das Ringen der naturreligiösen wendischen Kultur mit der aus dem Westen andrängenden christlichen im 12. Jahrhundert. Er schildert an vielen Beispielen die Austauschverhältnisse der Mark mit der rasch wachsenden Großstadt: Orte industrieller (Ziegelbrennen in Glindow) und landwirtschaftlicher Produktion (Obstanbau in Werder) werden geschildert und in der präzis kadrierten Filmfotografie mit ihrer heutigen Gestalt konfrontiert. In den gemäldehaften und lang verweilenden Tableaus entsteht ein Resonanzraum, der Zeiten, Orte und verblüffende Geschichten amalgamiert.

„Die Kunst seiner Fotografie zeigt sich vor allem darin, dass er nicht einfach perfekte, fast schon gemäldehafte Kompositionen findet, sondern dass er immer wieder Motive entdeckt, die auf mehrere Zeiten gleichzeitig verweisen.“ (ZITTY)

Sallmann bebildert nicht, er schafft eigenwillige Assoziationsräume. Ist von Erdbeeren, süßen Kirschen und Aprikosen die Rede, zeigt er ein von Plastikplanen überstülptes Feld. Zum Text über eine Akazie, den ‚schönen Baum‘, montiert er die Totale eines Heizkraftwerks. Wenn Fontane von der gotischen Kirche in Werder schwärmt, ist eine moderne Ufervilla aus Glas und Beton zu sehen. Die Gegenwart überschreibt die Vergangenheit. Nichts bleibt, wie es war.“ (Ralf Schenk, BLZ 04.11.19)

„Ein Film von genauso schöner Schlichtheit wie sein Titel“ (Jonas Nestroy)

„Das letzte Bild hält lange an. Zwei Einstellungen … zeigen eine Schleuse, in der links ein Schleppkahn, rechts zwei Sportboote auf ihre Durchschleusung warten, während sich am Horizont eine abschiedsrote Sonne überm Havelufer versenkt. Ekstase heißt der Kahn …  Ein Bild, das noch einmal die Pole heraufbeschwört, zwischen denen sich Film, Text und Bild bewegen: von der konkreten Zeit des Kinoraums und der abstrakten von Geschichte, von Landschaft und den Gesellschaften, die sie überschreiben, Gegenwart und Abwesenheit. Von Übereinstimmung und Differenz. Ein nüchternes Bild, das zugleich voller Affekte ist. Ein Abschiedsbild, das zugleich ein Aufbruchsbild ist. Ein Bild, das verlischt und bleibt, ein Filmzyklus, der zu Ende geht und bleiben wird.“ (Sebastian Markt, Tangentiale A3/Z1)

 

Havelland. Fontane
Di 10.12.

Schönheit & Vergänglichkeit – mit Gästen und Filmgespräch (Vorbestellung empfohlen) in Kooperation mit der Robert Havemann Gesellschaft e.V.

Annekatrin Hendel
Mehr infos Schliessen

Schönheit & Vergänglichkeit

Deutschland 2019, 79 min, deutsche Originalfassung

im Anschluss Filmgespräch mit der Regisseurin Annekatrin Hendel und Autor und Galerist Henryk Gericke

eine Veranstaltung in Kooperation mit der Robert Havemann Gesellschaft e.V.

 

zum Film:

Regie: Annekatrin Hendel

Schon vor dem Mauerfall porträtiert der gelernte Fotograf Sven Marquardt, heute auch durch sein markantes Aussehen als Türsteher des legendären Technoclub Berghain weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt, die subkulturelle Ost-Berliner Szene in ausdrucksstarken Schwarz-Weiß-Fotografien. Nach 25 Jahren Unterbrechung seines künstlerischen Schaffens erfindet sich Marquardt inzwischen noch einmal neu und erlangt mit seinen Ausstellungen, Publikationen und Auftragsarbeiten Weltruhm. Nacht, Rausch, Exzess und Dunkelheit strahlen seine Werke aus, obwohl sie meist bei Tageslicht entstehen.

SCHÖNHEIT & VERGÄNGLICHKEIT erzählt von drei Freunden mit einer gemeinsamen Jugend, deren Werdegang geprägt ist von ihrem künstlerischen Blick auf die Welt, von Radikalität und Offenheit. Aber es ist auch ein Film über die unbedingte Sehnsucht nach Individualität und Unangepasstheit, Rebellion, Älterwerden, Liebe und Freundschaft in ganz unterschiedlichen Werte-Systemen. Und es ist ein Berlin-Film. Robert Paris` großartige Stadt-Ansichten erzählen vom Wandel der Stadt, vom eigenwilligen Charme menschenleerer Straßen, vernagelter Türen und blinder Fenster.

„So ist es jetzt, mehr als dreißig Jahre nach dem Mauerfall, Zeit für meinen Film. Über Leute, die so alt sind wie ich, Leute aus der letzten Erwachsenen-Generation der DDR. Es geht um drei Freunde: Allen voran Sven Marquardt, der mich mit seinen Arbeiten voller Schönheit, Leid und Leidenschaft faszinierte wie kein anderer Fotograf. Und es geht um zwei seiner Modelle, die ebenso eigenständige Künstler waren und sind: Dominique „Dome“ Hollenstein und Robert Paris. Sie prägten ein Lebensgefühl, das den Prenzlauer Berg über die deutschen Grenzen hinaus bis heute legendär macht. Erst als Punks, eingebunden in ihren großen, hermetischen Ostberliner Freundeskreis, später mit Werken, die selbst in der DDR-Subkultur noch speziell waren. Berühmt wird Marquardt als Türsteher des legendären Technoclub Berghain. Dabei galt er bereits vorher, mit Mitte Zwanzig schon als Ausnahme-Künstler. (…) Seine Porträts zeichnete eine Mischung aus inszenierter Schönheit, Selbstbewusstsein, Erotik und Verfall aus. Mit welcher Wucht er nach langer Pause die Kamera jetzt wieder in die Hand genommen hat, motivierte mich zu diesem Film.“ (Annekatrin Hendel)

 

zu den Gästen:

ANNEKATRIN HENDEL, geboren in Berlin. Nach Designstudium, freiberuflicher Arbeit als Szenenbildnerin für Theater und Film, gründet sie 2004 die Filmproduktionsfirma IT WORKS! Medien GmbH und produziert dort erfolg-reich Filme. Seit 2011 führt die mehrfache Grimme-Preisträgerin auch selbst Regie unter anderem bei: FAMILIE BRASCH, FASSBINDER, ANDERSON, VATERLANDSVERRÄTER, FLAKE. Annekatrin Hendel ist Mitglied des Vorstandes der Deutschen Filmakademie und hat 2 Kinder

HENRYK GERICKE, geb. 1964 in Berlin. Schriftsteller, Herausgeber, Galerist, Kurator. Anfang der achtziger Jahre Sänger der Ostberliner Punkband The Leistungsleichen.1984-1990 Herausgeberillegaler Editionen in der DDR. 1990 Mitbegründer des Berliner Verlages Druckhaus Galrev. Seit 1993 freier Autor. 2004 Alfred-Döblin-Stipendium der Akademie der Künste Berlin.Div. Bücher und Veröffentlichungen sowie zahlreiche Beiträge zum Thema Subkultur in der DDR. Mitorganisator der Ausstellungen „too much future – Punk in der DDR“ (2005-2008), „In Grenzen Frei – Modesubkultur in der DDR“ (2009), Mitherausgeber des gleichnamigen Buches – sowie „Poesie des Untergrunds – Die Literaten- und Künstlerszene in Ostberlin 1979-89“ (2009-2010) und weitere mehr. 2006 Autor des Kinofilms „too much future – Punk in der DDR“.Von 2010 bis 2015 Betreiber der Staatsgalerie Prenzlauer Berg. 2016 Herausgabe der Compilation „Ende vom Lied – East German Underground Sound 1979-1989“, erschienen zur Ausstellung „Gegenstimmen“ im Gropiusbau.Seit 1996 unter dem Zweitnamen Nic Sleazy als DJ aktiv. Ab 2018 Mitherausgeber der Vinyl-Editionen „Iron Curtain Radio“ (Major Label) und „Tapetopia“ (Play Loud Rec.). Seit 1996 unterdem Zweitnamen Nic Sleazy als DJ aktiv. Lebt in Berlin

 

Schönheit & Vergänglichkeit – mit Gästen und Filmgespräch (Vorbestellung empfohlen) in Kooperation mit der Robert Havemann Gesellschaft e.V.
Mi 11.12.

Land des Honigs – Медена земја, OmdU

Tamara Kotevska & Ljubomir Stefanov
Mehr infos Schliessen

Медена земја (Land des Honigs)

Makedonien 2019, 85 min, OmdU

Regie: Tamara Kotevska, Ljubomir Stefanov

Hatidze Muratova lebt im nordmazedonischen Gebirge, wo sie als Imkerin eine wilde Bienenzucht betreut. Ab und an bricht Muratova in die vergleichsweise hektische mazedonische Hauptstadt Skopje auf, um den geernteten Honig auf dem Markt zu verkaufen, die meiste Zeit verbringt sie aber in der ursprünglichen Natur, in der sie aufgewachsen ist. Das harte, doch idyllische Leben ändert sich, als Muratova und ihre Mutter neue Nachbarn bekommen. Die nomadische Großfamilie von Hussein Sam bringt einige Nutztiere und reichlich Lärm mit. Anders als Muratova sehen die Neuen den Honig vor allem als profitables Verkaufsgut. (programmkino.de)

„Poetisch verdichtet das Regieduo Ljubomir Stefanov und Tamara Kotevska das rund 400 Stunden umfassende Filmmaterial zu einem intensiven Drama, das viel mehr ist als nur Porträt einer Bienenzüchterin. Zwischen Beobachtung und Metaphorik begleiten sie Hatidze durch Höhen und Tiefen. In ihrer Welt entscheiden die Bienen, wer am Ende bleiben darf.“ (Julia Weigl, DOK Leipzig 2019)

Land des Honigs – Медена земја, OmdU
Mi 11.12.

Prenzlauer Berg – Reigen in Anwesenheit des Regisseurs Jörg Foth

Jörg Foth
Mehr infos Schliessen

Prenzlauer Berg – Reigen

Deutschland 1990-94/2019, 100 min

am Mi, 11. Dezember um 19 Uhr in Anwesenheit des Regisseurs

Regie: Jörg Foth                        Eine filmische Langzeitbeobachtung im Kiez.

In den ersten drei Jahre nach der Wende drehte ich einen Dokumentarfilm über Leute, die zwischen Prenzlauer Allee und Greifswalder Straße wohnen. … Wir fingen an mit der Ausrufung der Republik Utopia in der Nacht vom 3. Oktober 1990 auf dem Kollwitzplatz und hörten Ende 1993 mit den Dreharbeiten auf. Je länger wir gedreht hatten und je mehr Gespräche ich geführt hatte, desto mehr war mir klar geworden, es geht nicht um diese drei Jahre nach dem Mauerfall. … Alles was dem Wort Prenzlauer Berg angeheftet, angedichtet, in die Schuhe geschoben wird und womit der Bezirk in Stadtmagazinen von München bis Hamburg vermarktet wird als touristische Sensation, war mir egal. Ich wollte zeigen, dass das ein ganz normales Stück Stadt ist, wo Menschen leben mit ganz individuellen Lebenswegen. (Jörg Foth, in: Durchgangzimmer Prenzlauer Berg, 2012)

„Der Prenzlauer Berg liegt aufgebrochen, wie ein Dauerpatient zur Langzeitoperation. Absperrungen, Umleitungen, Kettengerassel, Manövergebrüll. Armeen modernster Minimaschinen greifen seine Straßen an. Unter allem Pflaster überraschend heller Meeresstrand, eine Wanderdüne durch alle Zeiten und Melodien. Unablässig stehen Immobilienhändler auf den Straßen, zeigen mit dem Finger auf Fenster und Fassaden und fotografieren was sie begehren oder verschachern. Fremde graben bis in die Nacht und ziehen nie gesehenen Kabel ein.“ (O-Ton, Juni 1991)

Prenzlauer Berg – Reigen in Anwesenheit des Regisseurs Jörg Foth
Mi 11.12.

Schönheit & Vergänglichkeit

Annekatrin Hendel
Mehr infos Schliessen

Schönheit & Vergänglichkeit

Deutschland 2019, 79 min, deutsche Originalfassung

Regie: Annekatrin Hendel

Schon vor dem Mauerfall porträtiert der gelernte Fotograf Sven Marquardt, heute auch durch sein markantes Aussehen als Türsteher des legendären Technoclub Berghain weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt, die subkulturelle Ost-Berliner Szene in ausdrucksstarken Schwarz-Weiß-Fotografien. Nach 25 Jahren Unterbrechung seines künstlerischen Schaffens erfindet sich Marquardt inzwischen noch einmal neu und erlangt mit seinen Ausstellungen, Publikationen und Auftragsarbeiten Weltruhm. Nacht, Rausch, Exzess und Dunkelheit strahlen seine Werke aus, obwohl sie meist bei Tageslicht entstehen.

SCHÖNHEIT & VERGÄNGLICHKEIT erzählt von drei Freunden mit einer gemeinsamen Jugend, deren Werdegang geprägt ist von ihrem künstlerischen Blick auf die Welt, von Radikalität und Offenheit. Aber es ist auch ein Film über die unbedingte Sehnsucht nach Individualität und Unangepasstheit, Rebellion, Älterwerden, Liebe und Freundschaft in ganz unterschiedlichen Werte-Systemen. Und es ist ein Berlin-Film. Robert Paris` großartige Stadt-Ansichten erzählen vom Wandel der Stadt, vom eigenwilligen Charme menschenleerer Straßen, vernagelter Türen und blinder Fenster.

„So ist es jetzt, mehr als dreißig Jahre nach dem Mauerfall, Zeit für meinen Film. Über Leute, die so alt sind wie ich, Leute aus der letzten Erwachsenen-Generation der DDR. Es geht um drei Freunde: Allen voran Sven Marquardt, der mich mit seinen Arbeiten voller Schönheit, Leid und Leidenschaft faszinierte wie kein anderer Fotograf. Und es geht um zwei seiner Modelle, die ebenso eigenständige Künstler waren und sind: Dominique „Dome“ Hollenstein und Robert Paris. Sie prägten ein Lebensgefühl, das den Prenzlauer Berg über die deutschen Grenzen hinaus bis heute legendär macht. Erst als Punks, eingebunden in ihren großen, hermetischen Ostberliner Freundeskreis, später mit Werken, die selbst in der DDR-Subkultur noch speziell waren. Berühmt wird Marquardt als Türsteher des legendären Technoclub Berghain. Dabei galt er bereits vorher, mit Mitte Zwanzig schon als Ausnahme-Künstler. (…) Seine Porträts zeichnete eine Mischung aus inszenierter Schönheit, Selbstbewusstsein, Erotik und Verfall aus. Mit welcher Wucht er nach langer Pause die Kamera jetzt wieder in die Hand genommen hat, motivierte mich zu diesem Film.“ (Annekatrin Hendel)

Schönheit & Vergänglichkeit
Do 12.12.

Havelland. Fontane

Bernhard Sallmann
Mehr infos Schliessen

Havelland. Fontane

Deutschland 2019, 109 min, deutsche Originalfassung

Regie: Bernhard Sallmann

Mit HAVELLAND. FONTANE schließt Bernhard Sallmann seine 2016 begonnene vierteilige Serie zu Theodor Fontanes (1819-1898) Reisereportagen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ ab.

Während die ersten drei Filme zum ODER-, RHIN- und SPREELAND Erkundungen des ländlichen Raums sind, ist in HAVELLAND auch die Verschmelzung einer Flusslandschaft mit dem Großraum Berlin-Potsdam ein zentrales Thema. Fontane legt die Grundlagen der Entstehung der Mark frei und schildert das Ringen der naturreligiösen wendischen Kultur mit der aus dem Westen andrängenden christlichen im 12. Jahrhundert. Er schildert an vielen Beispielen die Austauschverhältnisse der Mark mit der rasch wachsenden Großstadt: Orte industrieller (Ziegelbrennen in Glindow) und landwirtschaftlicher Produktion (Obstanbau in Werder) werden geschildert und in der präzis kadrierten Filmfotografie mit ihrer heutigen Gestalt konfrontiert. In den gemäldehaften und lang verweilenden Tableaus entsteht ein Resonanzraum, der Zeiten, Orte und verblüffende Geschichten amalgamiert.

„Die Kunst seiner Fotografie zeigt sich vor allem darin, dass er nicht einfach perfekte, fast schon gemäldehafte Kompositionen findet, sondern dass er immer wieder Motive entdeckt, die auf mehrere Zeiten gleichzeitig verweisen.“ (ZITTY)

Sallmann bebildert nicht, er schafft eigenwillige Assoziationsräume. Ist von Erdbeeren, süßen Kirschen und Aprikosen die Rede, zeigt er ein von Plastikplanen überstülptes Feld. Zum Text über eine Akazie, den ‚schönen Baum‘, montiert er die Totale eines Heizkraftwerks. Wenn Fontane von der gotischen Kirche in Werder schwärmt, ist eine moderne Ufervilla aus Glas und Beton zu sehen. Die Gegenwart überschreibt die Vergangenheit. Nichts bleibt, wie es war.“ (Ralf Schenk, BLZ 04.11.19)

„Ein Film von genauso schöner Schlichtheit wie sein Titel“ (Jonas Nestroy)

„Das letzte Bild hält lange an. Zwei Einstellungen … zeigen eine Schleuse, in der links ein Schleppkahn, rechts zwei Sportboote auf ihre Durchschleusung warten, während sich am Horizont eine abschiedsrote Sonne überm Havelufer versenkt. Ekstase heißt der Kahn …  Ein Bild, das noch einmal die Pole heraufbeschwört, zwischen denen sich Film, Text und Bild bewegen: von der konkreten Zeit des Kinoraums und der abstrakten von Geschichte, von Landschaft und den Gesellschaften, die sie überschreiben, Gegenwart und Abwesenheit. Von Übereinstimmung und Differenz. Ein nüchternes Bild, das zugleich voller Affekte ist. Ein Abschiedsbild, das zugleich ein Aufbruchsbild ist. Ein Bild, das verlischt und bleibt, ein Filmzyklus, der zu Ende geht und bleiben wird.“ (Sebastian Markt, Tangentiale A3/Z1)

 

Havelland. Fontane
Do 12.12.

Schönheit & Vergänglichkeit

Annekatrin Hendel
Mehr infos Schliessen

Schönheit & Vergänglichkeit

Deutschland 2019, 79 min, deutsche Originalfassung

Regie: Annekatrin Hendel

Schon vor dem Mauerfall porträtiert der gelernte Fotograf Sven Marquardt, heute auch durch sein markantes Aussehen als Türsteher des legendären Technoclub Berghain weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt, die subkulturelle Ost-Berliner Szene in ausdrucksstarken Schwarz-Weiß-Fotografien. Nach 25 Jahren Unterbrechung seines künstlerischen Schaffens erfindet sich Marquardt inzwischen noch einmal neu und erlangt mit seinen Ausstellungen, Publikationen und Auftragsarbeiten Weltruhm. Nacht, Rausch, Exzess und Dunkelheit strahlen seine Werke aus, obwohl sie meist bei Tageslicht entstehen.

SCHÖNHEIT & VERGÄNGLICHKEIT erzählt von drei Freunden mit einer gemeinsamen Jugend, deren Werdegang geprägt ist von ihrem künstlerischen Blick auf die Welt, von Radikalität und Offenheit. Aber es ist auch ein Film über die unbedingte Sehnsucht nach Individualität und Unangepasstheit, Rebellion, Älterwerden, Liebe und Freundschaft in ganz unterschiedlichen Werte-Systemen. Und es ist ein Berlin-Film. Robert Paris` großartige Stadt-Ansichten erzählen vom Wandel der Stadt, vom eigenwilligen Charme menschenleerer Straßen, vernagelter Türen und blinder Fenster.

„So ist es jetzt, mehr als dreißig Jahre nach dem Mauerfall, Zeit für meinen Film. Über Leute, die so alt sind wie ich, Leute aus der letzten Erwachsenen-Generation der DDR. Es geht um drei Freunde: Allen voran Sven Marquardt, der mich mit seinen Arbeiten voller Schönheit, Leid und Leidenschaft faszinierte wie kein anderer Fotograf. Und es geht um zwei seiner Modelle, die ebenso eigenständige Künstler waren und sind: Dominique „Dome“ Hollenstein und Robert Paris. Sie prägten ein Lebensgefühl, das den Prenzlauer Berg über die deutschen Grenzen hinaus bis heute legendär macht. Erst als Punks, eingebunden in ihren großen, hermetischen Ostberliner Freundeskreis, später mit Werken, die selbst in der DDR-Subkultur noch speziell waren. Berühmt wird Marquardt als Türsteher des legendären Technoclub Berghain. Dabei galt er bereits vorher, mit Mitte Zwanzig schon als Ausnahme-Künstler. (…) Seine Porträts zeichnete eine Mischung aus inszenierter Schönheit, Selbstbewusstsein, Erotik und Verfall aus. Mit welcher Wucht er nach langer Pause die Kamera jetzt wieder in die Hand genommen hat, motivierte mich zu diesem Film.“ (Annekatrin Hendel)

Schönheit & Vergänglichkeit
Do 12.12.

Bis dann, mein Sohn (Di jiu tian chang / So Long, My Son), OmdU

Wang Xiaoshuai
Mehr infos Schliessen

Bis dann, mein Sohn (Di jiu tian chang / So Long, My Son)

China 2018, 185 min, Mandarin mit deutschen Untertiteln

Silberner Bär 2019 für die beste Darstellerin: Yong Mei

Silberner Bär 2019 für den besten Darsteller: Wang Jingchun

Regie: Wang Xiaoshuai

SO LONG, MY SON erzählt in episch-melancholischer Weise vom Leben mit Verlust und von der Gegenwart der Vergangenheit. Die Eltern Liu Yaojun und Wang Liyun verlieren an einem grauen Tag ihren Sohn Yingying, verlassen kurz darauf ihre Heimat und adoptieren einen Jungen, um die Leerstelle zu füllen, die der tote Sohn hinterlassen hat. Yaojun und Liyun ziehen sich von allen zurück, brechen mit der Gemeinschaft, die sie all die Jahre in der Fabrik umgab. Sie lassen die Freunde hinter sich, die nicht wissen, wie den beiden zu helfen wäre, und die mit ihrem eigenen Leben ringen. Sie alle führen nun ein Leben zwischen kollektiver Vergangenheit und individuellem Lebensweg – ohne dass sich das eine vom anderen trennen ließe. ‚Wie könnten alte Freunde die guten Zeiten der Vergangenheit vergessen‘, heißt es in dem Lied ‚Auld Lang Syne‘ (auf Deutsch ‚Ewige Freundschaft‘). Es strukturiert als Streichquartett und Lied den ersten Teil des Films, markiert die Sprünge zwischen Gegenwart und Vorgeschichte. Später kehrt die Melodie wieder, bricht jedoch nach den ersten Tönen ab. Die Erinnerung ist unerträglich geworden. (F. Tietke, TAZ)

„SO LONG, MY SON thematisiert die Ein-Kind-Politik, die Folgen der Kulturrevolution und Zwangsabtreibungen. Wang Xiaoshuai berührt ganz universelle Gefühle wie Verlust, Trauer, Vergebung. ‚Mein Fokus war das Gefühl. Das Gefühl sollte die Geschichte erzählen. Davon, wie Menschen mit Verletzungen umgehen. Wie können sie vergeben, sich wieder in die Augen sehen? Chinas Kino braucht solche Filme, die chinesische Gesellschaft braucht solche Geschichte.‘“ (V. Morasch, TAZ 15.02.19)

Bis dann, mein Sohn (Di jiu tian chang / So Long, My Son), OmdU
Fr 13.12.

День победы (Tag des Sieges), OmdU

Sergej Losniza
Mehr infos Schliessen

День победы (Tag des Sieges)

D 2018, 94 min, OmdU

Regie: Sergej Losniza

Jedes Jahr am 9. Mai füllt sich das Gelände des Sowjetischen Ehrenmals im Berliner Treptower Park mit feiernden Menschen. Sie sind festlich gekleidet, nicht wenige tragen die Uniform der sowjetischen Armee. Viele halten Fahnen, Transparente, Poster. Kränze und Blumen werden niedergelegt, man singt und tanzt, isst und trinkt – ein ausgelassenes Volksfest. Man feiert den Tag des Sieges der Sowjetunion über Nazi-Deutschland. Der Film dokumentiert die Feierlichkeiten zum „Tag des Sieges“ im Berliner Treptower Park im 72. Jahr nach dem Sieg im Großen Vaterländischen Krieg.

„DEN POBEDY– mit für Sergej Loznitsa typisch langen, präzis kadrierten Einstellungen, ohne Off-Kommentar, dafür mit filigraner Tonmontage – beobachtet das Treiben am 9. Mai 2017 im Treptower Park. (…) Dass das aktuelle Ritual einen ungehemmteren Umgang mit dem Heldentum pflegt, ist nur ein Aspekt der Feierlichkeiten, der leichtes Unbehagen bereitet. Dazu kommt eine brisante Mischung von Besucher*innen, die die eigentlichen Akteure des Geschehens sind. Stalin als dem obersten Helden wird auf einem kleinen Wägelchen gedankt, das von zwei niedlichen Hunden gezogen wird – was zunächst schlicht skurril ist. Doch die geschmückten Haustiere oder die in Soldatenuniform gesteckten kleinen Kinder sind es nicht, die irritieren. (…) Bedenklich wird das Ganze, wenn der Hügel vor dem Soldatendenkmal und damit das Festbild von Männern mit schwarzen Lederjacken (zwischen neomilitant ausrasiert und ultraorthodox langbärtig) dominiert wird und das etablierte Sowjetfahnenmeer von Flaggen ganz anderer Couleur überladen wird – jenen der Russischen Föderation, der ‚Donezker Republik‘ oder direkt der ‚Nachtwölfe‘. Das Auftreten des berüchtigten Bikerklubs und seiner Fans hat so hohen Krimeroberer-Patriotismus-Faktor, dass die vorgebliche Antifaschismus-Message des Festtages endgültig ad absurdum geführt wird. (…)

Immer wieder sucht die Kamera Erholung von diesem ideologischen Kauderwelsch und findet sie in der Detailbetrachtung des Ehrendenkmals. Doch auch hier kreiert Loznitsa Textpassagen und Bilder mit historischer Ambivalenz und einem Selbstaussagewert, der erst bei längerem Hinsehen erkenntlich wird – und bis zuletzt Sache des Betrachters bleibt. Wir müssen hinsehen, wir sollen nachdenken, wir dürfen streiten. In diesem Sinne ist VICTORY DAY eine bewusst streitbare Einladung, das Gestern im Heute zu reflektieren. Ein Film auf hoch intellektuellem wie auch formal hohem Niveau.“ (Barbara Wurm, taz.de)

День победы (Tag des Sieges), OmdU
Fr 13.12.

Schönheit & Vergänglichkeit

Annekatrin Hendel
Mehr infos Schliessen

Schönheit & Vergänglichkeit

Deutschland 2019, 79 min, deutsche Originalfassung

Regie: Annekatrin Hendel

Schon vor dem Mauerfall porträtiert der gelernte Fotograf Sven Marquardt, heute auch durch sein markantes Aussehen als Türsteher des legendären Technoclub Berghain weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt, die subkulturelle Ost-Berliner Szene in ausdrucksstarken Schwarz-Weiß-Fotografien. Nach 25 Jahren Unterbrechung seines künstlerischen Schaffens erfindet sich Marquardt inzwischen noch einmal neu und erlangt mit seinen Ausstellungen, Publikationen und Auftragsarbeiten Weltruhm. Nacht, Rausch, Exzess und Dunkelheit strahlen seine Werke aus, obwohl sie meist bei Tageslicht entstehen.

SCHÖNHEIT & VERGÄNGLICHKEIT erzählt von drei Freunden mit einer gemeinsamen Jugend, deren Werdegang geprägt ist von ihrem künstlerischen Blick auf die Welt, von Radikalität und Offenheit. Aber es ist auch ein Film über die unbedingte Sehnsucht nach Individualität und Unangepasstheit, Rebellion, Älterwerden, Liebe und Freundschaft in ganz unterschiedlichen Werte-Systemen. Und es ist ein Berlin-Film. Robert Paris` großartige Stadt-Ansichten erzählen vom Wandel der Stadt, vom eigenwilligen Charme menschenleerer Straßen, vernagelter Türen und blinder Fenster.

„So ist es jetzt, mehr als dreißig Jahre nach dem Mauerfall, Zeit für meinen Film. Über Leute, die so alt sind wie ich, Leute aus der letzten Erwachsenen-Generation der DDR. Es geht um drei Freunde: Allen voran Sven Marquardt, der mich mit seinen Arbeiten voller Schönheit, Leid und Leidenschaft faszinierte wie kein anderer Fotograf. Und es geht um zwei seiner Modelle, die ebenso eigenständige Künstler waren und sind: Dominique „Dome“ Hollenstein und Robert Paris. Sie prägten ein Lebensgefühl, das den Prenzlauer Berg über die deutschen Grenzen hinaus bis heute legendär macht. Erst als Punks, eingebunden in ihren großen, hermetischen Ostberliner Freundeskreis, später mit Werken, die selbst in der DDR-Subkultur noch speziell waren. Berühmt wird Marquardt als Türsteher des legendären Technoclub Berghain. Dabei galt er bereits vorher, mit Mitte Zwanzig schon als Ausnahme-Künstler. (…) Seine Porträts zeichnete eine Mischung aus inszenierter Schönheit, Selbstbewusstsein, Erotik und Verfall aus. Mit welcher Wucht er nach langer Pause die Kamera jetzt wieder in die Hand genommen hat, motivierte mich zu diesem Film.“ (Annekatrin Hendel)

Schönheit & Vergänglichkeit
Fr 13.12.

Bis dann, mein Sohn (Di jiu tian chang / So Long, My Son), OmdU

Wang Xiaoshuai
Mehr infos Schliessen

Bis dann, mein Sohn (Di jiu tian chang / So Long, My Son)

China 2018, 185 min, Mandarin mit deutschen Untertiteln

Silberner Bär 2019 für die beste Darstellerin: Yong Mei

Silberner Bär 2019 für den besten Darsteller: Wang Jingchun

Regie: Wang Xiaoshuai

SO LONG, MY SON erzählt in episch-melancholischer Weise vom Leben mit Verlust und von der Gegenwart der Vergangenheit. Die Eltern Liu Yaojun und Wang Liyun verlieren an einem grauen Tag ihren Sohn Yingying, verlassen kurz darauf ihre Heimat und adoptieren einen Jungen, um die Leerstelle zu füllen, die der tote Sohn hinterlassen hat. Yaojun und Liyun ziehen sich von allen zurück, brechen mit der Gemeinschaft, die sie all die Jahre in der Fabrik umgab. Sie lassen die Freunde hinter sich, die nicht wissen, wie den beiden zu helfen wäre, und die mit ihrem eigenen Leben ringen. Sie alle führen nun ein Leben zwischen kollektiver Vergangenheit und individuellem Lebensweg – ohne dass sich das eine vom anderen trennen ließe. ‚Wie könnten alte Freunde die guten Zeiten der Vergangenheit vergessen‘, heißt es in dem Lied ‚Auld Lang Syne‘ (auf Deutsch ‚Ewige Freundschaft‘). Es strukturiert als Streichquartett und Lied den ersten Teil des Films, markiert die Sprünge zwischen Gegenwart und Vorgeschichte. Später kehrt die Melodie wieder, bricht jedoch nach den ersten Tönen ab. Die Erinnerung ist unerträglich geworden. (F. Tietke, TAZ)

„SO LONG, MY SON thematisiert die Ein-Kind-Politik, die Folgen der Kulturrevolution und Zwangsabtreibungen. Wang Xiaoshuai berührt ganz universelle Gefühle wie Verlust, Trauer, Vergebung. ‚Mein Fokus war das Gefühl. Das Gefühl sollte die Geschichte erzählen. Davon, wie Menschen mit Verletzungen umgehen. Wie können sie vergeben, sich wieder in die Augen sehen? Chinas Kino braucht solche Filme, die chinesische Gesellschaft braucht solche Geschichte.‘“ (V. Morasch, TAZ 15.02.19)

Bis dann, mein Sohn (Di jiu tian chang / So Long, My Son), OmdU
Sa 14.12.

Land des Honigs – Медена земја, OmdU

Tamara Kotevska & Ljubomir Stefanov
Mehr infos Schliessen

Медена земја (Land des Honigs)

Makedonien 2019, 85 min, OmdU

Regie: Tamara Kotevska, Ljubomir Stefanov

Hatidze Muratova lebt im nordmazedonischen Gebirge, wo sie als Imkerin eine wilde Bienenzucht betreut. Ab und an bricht Muratova in die vergleichsweise hektische mazedonische Hauptstadt Skopje auf, um den geernteten Honig auf dem Markt zu verkaufen, die meiste Zeit verbringt sie aber in der ursprünglichen Natur, in der sie aufgewachsen ist. Das harte, doch idyllische Leben ändert sich, als Muratova und ihre Mutter neue Nachbarn bekommen. Die nomadische Großfamilie von Hussein Sam bringt einige Nutztiere und reichlich Lärm mit. Anders als Muratova sehen die Neuen den Honig vor allem als profitables Verkaufsgut. (programmkino.de)

„Poetisch verdichtet das Regieduo Ljubomir Stefanov und Tamara Kotevska das rund 400 Stunden umfassende Filmmaterial zu einem intensiven Drama, das viel mehr ist als nur Porträt einer Bienenzüchterin. Zwischen Beobachtung und Metaphorik begleiten sie Hatidze durch Höhen und Tiefen. In ihrer Welt entscheiden die Bienen, wer am Ende bleiben darf.“ (Julia Weigl, DOK Leipzig 2019)

Land des Honigs – Медена земја, OmdU
Sa 14.12.

Heimat ist ein Raum aus Zeit

Thomas Heise
Mehr infos Schliessen

Heimat ist ein Raum aus Zeit

D/ AT 2019, 218 min, deutsche Originalfassung

Regie: Thomas Heise

Was bleibt? Biografien hinterlassen Spuren. Die Zeitläufte auch. Wie sich das eine zum anderen verhält untersucht Thomas Heise in Heimat ist ein Raum aus Zeit. Der Film folgt den biografischen Spuren einer zerrissenen Familie über das ausgehende 19. und das folgende 20. Jahrhundert hinweg. Es geht um Menschen, die einst zufällig zueinander fanden, dann einander verloren. Deren verbliebene Kinder und Enkel jetzt verschwinden. Es geht um Sprechen und Schweigen. Erste Liebe und verschwundenes Glück. Väter, Mütter, Söhne, Brüder, Affären, Verletzung und Glück in wechselnden Landschaften, die verschiedene, einander durchwuchernde Spuren von Zeiten in sich tragen.

„Über 218 eindringliche Minuten hinweg werden in fünf Kapitel mehr als 100 Jahre Familien- und Zeitgeschichte zu einer Collage verwoben, beginnend vom Ersten Weltkrieg bis zum Ende der DDR. Es geht um die Großeltern, die Eltern, den Bruder, um Ausgesprochenes und Verschwiegenes zwischen den Generationen. Oder, wie Heise sagt: ‚Das Material des Films ist das Übriggebliebene meiner Familie, Reste. Die, von denen ich weiß, deren Umstände ich erlebt oder anders erfahren habe. Reste, die Geschichte spiegeln, Geschichte, die auch meine ist.‘“ (Claus Löser, BLZ 9./10.02.19)

„‘-Ist die DDR überhaupt heute ein Thema?‘ ‚-Das ist ein Thema. Das ist genau der Punkt: Es wurde nur behauptet, es sei eben kein Thema. Jetzt spuren wir die Ergebnisse dieser Vereinigung deutlicher und merken, dass auch die Geschichte komplett verschwunden ist. Wenn es um die Betrachtung von Geschichte geht, geht die linear bis zur Bundesrepublik und der Osten ist daran ein Pickel. Den drückt man aus. Nur der Mauerfall ist interessant. Heiner Müller beschrieb das so – im Rahmen der Modernisierung müssen die unproduktiven Teile abgestoßen werden. Ein bisschen erzählt der Film das auch.“ (Interviewauszug, Thomas Heise im Gespräch mit Barbara Wurm, TAZ 9./10.02.19)

„Keine Interviews, keine Zeitzeugen, natürlich nicht. Keine Simulationen von Objektivität. Wer aus der DDR kommt, misstraut ihnen ohnehin. HEIMAT IST EIN RAUM AUS ZEIT ist eine Meditation aus Bildern und Gedanken, der die Zeit doppelt zurückgibt, die er sich nimmt.“ (Kerstin Decker, Der Tagespiegel)

„Es lässt sich an HEIMAT IST EIN RAUM AUS ZEIT studieren, wie wenige filmische Mittel man braucht, wenn man sie einzusetzen weiß: Ton und Bild, in die richtige Form gebracht durch Montage. Die Szene etwa, die von der Deportation der Wiener Großmutter-Familie erzählt, ist atemberaubend – von einer dramaturgischen Intensität, die einem die Unfassbarkeit des Holocaust konkret werden lässt.“ (Matthias Dell, spiegel.de)

Heimat ist ein Raum aus Zeit
Sa 14.12.

Schönheit & Vergänglichkeit

Annekatrin Hendel
Mehr infos Schliessen

Schönheit & Vergänglichkeit

Deutschland 2019, 79 min, deutsche Originalfassung

Regie: Annekatrin Hendel

Schon vor dem Mauerfall porträtiert der gelernte Fotograf Sven Marquardt, heute auch durch sein markantes Aussehen als Türsteher des legendären Technoclub Berghain weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt, die subkulturelle Ost-Berliner Szene in ausdrucksstarken Schwarz-Weiß-Fotografien. Nach 25 Jahren Unterbrechung seines künstlerischen Schaffens erfindet sich Marquardt inzwischen noch einmal neu und erlangt mit seinen Ausstellungen, Publikationen und Auftragsarbeiten Weltruhm. Nacht, Rausch, Exzess und Dunkelheit strahlen seine Werke aus, obwohl sie meist bei Tageslicht entstehen.

SCHÖNHEIT & VERGÄNGLICHKEIT erzählt von drei Freunden mit einer gemeinsamen Jugend, deren Werdegang geprägt ist von ihrem künstlerischen Blick auf die Welt, von Radikalität und Offenheit. Aber es ist auch ein Film über die unbedingte Sehnsucht nach Individualität und Unangepasstheit, Rebellion, Älterwerden, Liebe und Freundschaft in ganz unterschiedlichen Werte-Systemen. Und es ist ein Berlin-Film. Robert Paris` großartige Stadt-Ansichten erzählen vom Wandel der Stadt, vom eigenwilligen Charme menschenleerer Straßen, vernagelter Türen und blinder Fenster.

„So ist es jetzt, mehr als dreißig Jahre nach dem Mauerfall, Zeit für meinen Film. Über Leute, die so alt sind wie ich, Leute aus der letzten Erwachsenen-Generation der DDR. Es geht um drei Freunde: Allen voran Sven Marquardt, der mich mit seinen Arbeiten voller Schönheit, Leid und Leidenschaft faszinierte wie kein anderer Fotograf. Und es geht um zwei seiner Modelle, die ebenso eigenständige Künstler waren und sind: Dominique „Dome“ Hollenstein und Robert Paris. Sie prägten ein Lebensgefühl, das den Prenzlauer Berg über die deutschen Grenzen hinaus bis heute legendär macht. Erst als Punks, eingebunden in ihren großen, hermetischen Ostberliner Freundeskreis, später mit Werken, die selbst in der DDR-Subkultur noch speziell waren. Berühmt wird Marquardt als Türsteher des legendären Technoclub Berghain. Dabei galt er bereits vorher, mit Mitte Zwanzig schon als Ausnahme-Künstler. (…) Seine Porträts zeichnete eine Mischung aus inszenierter Schönheit, Selbstbewusstsein, Erotik und Verfall aus. Mit welcher Wucht er nach langer Pause die Kamera jetzt wieder in die Hand genommen hat, motivierte mich zu diesem Film.“ (Annekatrin Hendel)

Schönheit & Vergänglichkeit
Sa 14.12.

Bis dann, mein Sohn (Di jiu tian chang / So Long, My Son), OmdU

Wang Xiaoshuai
Mehr infos Schliessen

Bis dann, mein Sohn (Di jiu tian chang / So Long, My Son)

China 2018, 185 min, Mandarin mit deutschen Untertiteln

Silberner Bär 2019 für die beste Darstellerin: Yong Mei

Silberner Bär 2019 für den besten Darsteller: Wang Jingchun

Regie: Wang Xiaoshuai

SO LONG, MY SON erzählt in episch-melancholischer Weise vom Leben mit Verlust und von der Gegenwart der Vergangenheit. Die Eltern Liu Yaojun und Wang Liyun verlieren an einem grauen Tag ihren Sohn Yingying, verlassen kurz darauf ihre Heimat und adoptieren einen Jungen, um die Leerstelle zu füllen, die der tote Sohn hinterlassen hat. Yaojun und Liyun ziehen sich von allen zurück, brechen mit der Gemeinschaft, die sie all die Jahre in der Fabrik umgab. Sie lassen die Freunde hinter sich, die nicht wissen, wie den beiden zu helfen wäre, und die mit ihrem eigenen Leben ringen. Sie alle führen nun ein Leben zwischen kollektiver Vergangenheit und individuellem Lebensweg – ohne dass sich das eine vom anderen trennen ließe. ‚Wie könnten alte Freunde die guten Zeiten der Vergangenheit vergessen‘, heißt es in dem Lied ‚Auld Lang Syne‘ (auf Deutsch ‚Ewige Freundschaft‘). Es strukturiert als Streichquartett und Lied den ersten Teil des Films, markiert die Sprünge zwischen Gegenwart und Vorgeschichte. Später kehrt die Melodie wieder, bricht jedoch nach den ersten Tönen ab. Die Erinnerung ist unerträglich geworden. (F. Tietke, TAZ)

„SO LONG, MY SON thematisiert die Ein-Kind-Politik, die Folgen der Kulturrevolution und Zwangsabtreibungen. Wang Xiaoshuai berührt ganz universelle Gefühle wie Verlust, Trauer, Vergebung. ‚Mein Fokus war das Gefühl. Das Gefühl sollte die Geschichte erzählen. Davon, wie Menschen mit Verletzungen umgehen. Wie können sie vergeben, sich wieder in die Augen sehen? Chinas Kino braucht solche Filme, die chinesische Gesellschaft braucht solche Geschichte.‘“ (V. Morasch, TAZ 15.02.19)

Bis dann, mein Sohn (Di jiu tian chang / So Long, My Son), OmdU
So 15.12.

Havelland. Fontane

Bernhard Sallmann
Mehr infos Schliessen

Havelland. Fontane

Deutschland 2019, 109 min, deutsche Originalfassung

Regie: Bernhard Sallmann

Mit HAVELLAND. FONTANE schließt Bernhard Sallmann seine 2016 begonnene vierteilige Serie zu Theodor Fontanes (1819-1898) Reisereportagen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ ab.

Während die ersten drei Filme zum ODER-, RHIN- und SPREELAND Erkundungen des ländlichen Raums sind, ist in HAVELLAND auch die Verschmelzung einer Flusslandschaft mit dem Großraum Berlin-Potsdam ein zentrales Thema. Fontane legt die Grundlagen der Entstehung der Mark frei und schildert das Ringen der naturreligiösen wendischen Kultur mit der aus dem Westen andrängenden christlichen im 12. Jahrhundert. Er schildert an vielen Beispielen die Austauschverhältnisse der Mark mit der rasch wachsenden Großstadt: Orte industrieller (Ziegelbrennen in Glindow) und landwirtschaftlicher Produktion (Obstanbau in Werder) werden geschildert und in der präzis kadrierten Filmfotografie mit ihrer heutigen Gestalt konfrontiert. In den gemäldehaften und lang verweilenden Tableaus entsteht ein Resonanzraum, der Zeiten, Orte und verblüffende Geschichten amalgamiert.

„Die Kunst seiner Fotografie zeigt sich vor allem darin, dass er nicht einfach perfekte, fast schon gemäldehafte Kompositionen findet, sondern dass er immer wieder Motive entdeckt, die auf mehrere Zeiten gleichzeitig verweisen.“ (ZITTY)

Sallmann bebildert nicht, er schafft eigenwillige Assoziationsräume. Ist von Erdbeeren, süßen Kirschen und Aprikosen die Rede, zeigt er ein von Plastikplanen überstülptes Feld. Zum Text über eine Akazie, den ‚schönen Baum‘, montiert er die Totale eines Heizkraftwerks. Wenn Fontane von der gotischen Kirche in Werder schwärmt, ist eine moderne Ufervilla aus Glas und Beton zu sehen. Die Gegenwart überschreibt die Vergangenheit. Nichts bleibt, wie es war.“ (Ralf Schenk, BLZ 04.11.19)

„Ein Film von genauso schöner Schlichtheit wie sein Titel“ (Jonas Nestroy)

„Das letzte Bild hält lange an. Zwei Einstellungen … zeigen eine Schleuse, in der links ein Schleppkahn, rechts zwei Sportboote auf ihre Durchschleusung warten, während sich am Horizont eine abschiedsrote Sonne überm Havelufer versenkt. Ekstase heißt der Kahn …  Ein Bild, das noch einmal die Pole heraufbeschwört, zwischen denen sich Film, Text und Bild bewegen: von der konkreten Zeit des Kinoraums und der abstrakten von Geschichte, von Landschaft und den Gesellschaften, die sie überschreiben, Gegenwart und Abwesenheit. Von Übereinstimmung und Differenz. Ein nüchternes Bild, das zugleich voller Affekte ist. Ein Abschiedsbild, das zugleich ein Aufbruchsbild ist. Ein Bild, das verlischt und bleibt, ein Filmzyklus, der zu Ende geht und bleiben wird.“ (Sebastian Markt, Tangentiale A3/Z1)

 

Havelland. Fontane
So 15.12.

Bis dann, mein Sohn (Di jiu tian chang / So Long, My Son), OmdU

Wang Xiaoshuai
Mehr infos Schliessen

Bis dann, mein Sohn (Di jiu tian chang / So Long, My Son)

China 2018, 185 min, Mandarin mit deutschen Untertiteln

Silberner Bär 2019 für die beste Darstellerin: Yong Mei

Silberner Bär 2019 für den besten Darsteller: Wang Jingchun

Regie: Wang Xiaoshuai

SO LONG, MY SON erzählt in episch-melancholischer Weise vom Leben mit Verlust und von der Gegenwart der Vergangenheit. Die Eltern Liu Yaojun und Wang Liyun verlieren an einem grauen Tag ihren Sohn Yingying, verlassen kurz darauf ihre Heimat und adoptieren einen Jungen, um die Leerstelle zu füllen, die der tote Sohn hinterlassen hat. Yaojun und Liyun ziehen sich von allen zurück, brechen mit der Gemeinschaft, die sie all die Jahre in der Fabrik umgab. Sie lassen die Freunde hinter sich, die nicht wissen, wie den beiden zu helfen wäre, und die mit ihrem eigenen Leben ringen. Sie alle führen nun ein Leben zwischen kollektiver Vergangenheit und individuellem Lebensweg – ohne dass sich das eine vom anderen trennen ließe. ‚Wie könnten alte Freunde die guten Zeiten der Vergangenheit vergessen‘, heißt es in dem Lied ‚Auld Lang Syne‘ (auf Deutsch ‚Ewige Freundschaft‘). Es strukturiert als Streichquartett und Lied den ersten Teil des Films, markiert die Sprünge zwischen Gegenwart und Vorgeschichte. Später kehrt die Melodie wieder, bricht jedoch nach den ersten Tönen ab. Die Erinnerung ist unerträglich geworden. (F. Tietke, TAZ)

„SO LONG, MY SON thematisiert die Ein-Kind-Politik, die Folgen der Kulturrevolution und Zwangsabtreibungen. Wang Xiaoshuai berührt ganz universelle Gefühle wie Verlust, Trauer, Vergebung. ‚Mein Fokus war das Gefühl. Das Gefühl sollte die Geschichte erzählen. Davon, wie Menschen mit Verletzungen umgehen. Wie können sie vergeben, sich wieder in die Augen sehen? Chinas Kino braucht solche Filme, die chinesische Gesellschaft braucht solche Geschichte.‘“ (V. Morasch, TAZ 15.02.19)

Bis dann, mein Sohn (Di jiu tian chang / So Long, My Son), OmdU
So 15.12.

Schönheit & Vergänglichkeit

Annekatrin Hendel
Mehr infos Schliessen

Schönheit & Vergänglichkeit

Deutschland 2019, 79 min, deutsche Originalfassung

Regie: Annekatrin Hendel

Schon vor dem Mauerfall porträtiert der gelernte Fotograf Sven Marquardt, heute auch durch sein markantes Aussehen als Türsteher des legendären Technoclub Berghain weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt, die subkulturelle Ost-Berliner Szene in ausdrucksstarken Schwarz-Weiß-Fotografien. Nach 25 Jahren Unterbrechung seines künstlerischen Schaffens erfindet sich Marquardt inzwischen noch einmal neu und erlangt mit seinen Ausstellungen, Publikationen und Auftragsarbeiten Weltruhm. Nacht, Rausch, Exzess und Dunkelheit strahlen seine Werke aus, obwohl sie meist bei Tageslicht entstehen.

SCHÖNHEIT & VERGÄNGLICHKEIT erzählt von drei Freunden mit einer gemeinsamen Jugend, deren Werdegang geprägt ist von ihrem künstlerischen Blick auf die Welt, von Radikalität und Offenheit. Aber es ist auch ein Film über die unbedingte Sehnsucht nach Individualität und Unangepasstheit, Rebellion, Älterwerden, Liebe und Freundschaft in ganz unterschiedlichen Werte-Systemen. Und es ist ein Berlin-Film. Robert Paris` großartige Stadt-Ansichten erzählen vom Wandel der Stadt, vom eigenwilligen Charme menschenleerer Straßen, vernagelter Türen und blinder Fenster.

„So ist es jetzt, mehr als dreißig Jahre nach dem Mauerfall, Zeit für meinen Film. Über Leute, die so alt sind wie ich, Leute aus der letzten Erwachsenen-Generation der DDR. Es geht um drei Freunde: Allen voran Sven Marquardt, der mich mit seinen Arbeiten voller Schönheit, Leid und Leidenschaft faszinierte wie kein anderer Fotograf. Und es geht um zwei seiner Modelle, die ebenso eigenständige Künstler waren und sind: Dominique „Dome“ Hollenstein und Robert Paris. Sie prägten ein Lebensgefühl, das den Prenzlauer Berg über die deutschen Grenzen hinaus bis heute legendär macht. Erst als Punks, eingebunden in ihren großen, hermetischen Ostberliner Freundeskreis, später mit Werken, die selbst in der DDR-Subkultur noch speziell waren. Berühmt wird Marquardt als Türsteher des legendären Technoclub Berghain. Dabei galt er bereits vorher, mit Mitte Zwanzig schon als Ausnahme-Künstler. (…) Seine Porträts zeichnete eine Mischung aus inszenierter Schönheit, Selbstbewusstsein, Erotik und Verfall aus. Mit welcher Wucht er nach langer Pause die Kamera jetzt wieder in die Hand genommen hat, motivierte mich zu diesem Film.“ (Annekatrin Hendel)

Schönheit & Vergänglichkeit
So 15.12.

Was gewesen wäre

Florian Koerner
Mehr infos Schliessen

Was gewesen wäre

Deutschland 2019, 90 min

Regie: Florian Koerner

Die erste gemeinsame Reise ist in der Paarbeziehung so etwas wie die Nagelprobe. Für Astrid und Paul gilt das noch mehr als für andere, denn die beiden sind schon Ende vierzig und erst seit zwei Monaten zusammen. Ihr Ziel ist Budapest – man wohnt standesgemäß im „Gellert“, dem traditionsreichen Luxushotel. Und dort trifft die Ärztin Astrid ganz unerwartet auf ihre Jugendliebe Julius, mit dem sie zu DDR-Zeiten ebenfalls in Budapest war. Julius ist mit seinem Halbbruder Sascha in Budapest – beide betreiben eine Galerie in Hamburg. Auf einer Künstlerparty bei Berlin, die sie mit ihrer Freundin Jana besuchte, verknallten sich Astrid und Julius. Er war so etwas wie ein Exot, weil Sascha im Westen lebte. Später flüchtete Jana nach West-Berlin, dann holte Sascha Julian über Jugoslawien nach Hamburg. Astrid blieb in der DDR zurück. Das Wiedersehen mit Julius weckt alte Erinnerungen und stellt schließlich auch die Beziehung zu Paul infrage. (Gaby Sikorski, programmkino.de)

Was gewesen wäre
Mo 16.12.

Land des Honigs – Медена земја, OmdU

Tamara Kotevska & Ljubomir Stefanov
Mehr infos Schliessen

Медена земја (Land des Honigs)

Makedonien 2019, 85 min, OmdU

Regie: Tamara Kotevska, Ljubomir Stefanov

Hatidze Muratova lebt im nordmazedonischen Gebirge, wo sie als Imkerin eine wilde Bienenzucht betreut. Ab und an bricht Muratova in die vergleichsweise hektische mazedonische Hauptstadt Skopje auf, um den geernteten Honig auf dem Markt zu verkaufen, die meiste Zeit verbringt sie aber in der ursprünglichen Natur, in der sie aufgewachsen ist. Das harte, doch idyllische Leben ändert sich, als Muratova und ihre Mutter neue Nachbarn bekommen. Die nomadische Großfamilie von Hussein Sam bringt einige Nutztiere und reichlich Lärm mit. Anders als Muratova sehen die Neuen den Honig vor allem als profitables Verkaufsgut. (programmkino.de)

„Poetisch verdichtet das Regieduo Ljubomir Stefanov und Tamara Kotevska das rund 400 Stunden umfassende Filmmaterial zu einem intensiven Drama, das viel mehr ist als nur Porträt einer Bienenzüchterin. Zwischen Beobachtung und Metaphorik begleiten sie Hatidze durch Höhen und Tiefen. In ihrer Welt entscheiden die Bienen, wer am Ende bleiben darf.“ (Julia Weigl, DOK Leipzig 2019)

Land des Honigs – Медена земја, OmdU
Mo 16.12.

Schönheit & Vergänglichkeit

Annekatrin Hendel
Mehr infos Schliessen

Schönheit & Vergänglichkeit

Deutschland 2019, 79 min, deutsche Originalfassung

Regie: Annekatrin Hendel

Schon vor dem Mauerfall porträtiert der gelernte Fotograf Sven Marquardt, heute auch durch sein markantes Aussehen als Türsteher des legendären Technoclub Berghain weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt, die subkulturelle Ost-Berliner Szene in ausdrucksstarken Schwarz-Weiß-Fotografien. Nach 25 Jahren Unterbrechung seines künstlerischen Schaffens erfindet sich Marquardt inzwischen noch einmal neu und erlangt mit seinen Ausstellungen, Publikationen und Auftragsarbeiten Weltruhm. Nacht, Rausch, Exzess und Dunkelheit strahlen seine Werke aus, obwohl sie meist bei Tageslicht entstehen.

SCHÖNHEIT & VERGÄNGLICHKEIT erzählt von drei Freunden mit einer gemeinsamen Jugend, deren Werdegang geprägt ist von ihrem künstlerischen Blick auf die Welt, von Radikalität und Offenheit. Aber es ist auch ein Film über die unbedingte Sehnsucht nach Individualität und Unangepasstheit, Rebellion, Älterwerden, Liebe und Freundschaft in ganz unterschiedlichen Werte-Systemen. Und es ist ein Berlin-Film. Robert Paris` großartige Stadt-Ansichten erzählen vom Wandel der Stadt, vom eigenwilligen Charme menschenleerer Straßen, vernagelter Türen und blinder Fenster.

„So ist es jetzt, mehr als dreißig Jahre nach dem Mauerfall, Zeit für meinen Film. Über Leute, die so alt sind wie ich, Leute aus der letzten Erwachsenen-Generation der DDR. Es geht um drei Freunde: Allen voran Sven Marquardt, der mich mit seinen Arbeiten voller Schönheit, Leid und Leidenschaft faszinierte wie kein anderer Fotograf. Und es geht um zwei seiner Modelle, die ebenso eigenständige Künstler waren und sind: Dominique „Dome“ Hollenstein und Robert Paris. Sie prägten ein Lebensgefühl, das den Prenzlauer Berg über die deutschen Grenzen hinaus bis heute legendär macht. Erst als Punks, eingebunden in ihren großen, hermetischen Ostberliner Freundeskreis, später mit Werken, die selbst in der DDR-Subkultur noch speziell waren. Berühmt wird Marquardt als Türsteher des legendären Technoclub Berghain. Dabei galt er bereits vorher, mit Mitte Zwanzig schon als Ausnahme-Künstler. (…) Seine Porträts zeichnete eine Mischung aus inszenierter Schönheit, Selbstbewusstsein, Erotik und Verfall aus. Mit welcher Wucht er nach langer Pause die Kamera jetzt wieder in die Hand genommen hat, motivierte mich zu diesem Film.“ (Annekatrin Hendel)

Schönheit & Vergänglichkeit
Mo 16.12.

Gott existiert, ihr Name ist Petrunya – Господ постои, името и е Петрунија, OmdU

Teona Strugar Mitevska
Mehr infos Schliessen

Gott existiert, ihr Name ist Petrunya – Господ постои, името и е Петрунија

MK/ B/ SLO/ HR/ F 2019, 100 min, OmdU

Regie: Teona Strugar Mitevska

„Sag ihnen, du bist 24!“, rät die Mutter, als sie ihre Tochter wieder einmal zu einem Vorstellungsgespräch schickt. Doch Petrunya ist 31 und hat dazu noch eine Wissenschaft studiert, die in Mazedonien niemand braucht: Geschichte. So sitzt sie vor dem potenziellen Arbeitgeber, einem Fabrikbesitzer, der von oben herab auf ihr geblümtes Kleid schaut und sie zu dick und zu alt findet. Auf dem Heimweg – den Job hat sie natürlich nicht bekommen – springt Petrunya ins kalte Wasser.

Es ist Dreikönigstag, und wie jedes Jahr tauchen die jungen Männer der Stadt nach dem Heiligen Kreuz, das der Priester in den eisigen Fluss wirft. Doch diesmal ist Petrunya die Schnellste und hält die Trophäe in die TV-Kameras. Die Hölle bricht los, und ihre vermeintliche Heldentat ist ein waschechter Skandal. Aber Petrunya hält das Kreuz fest. Sie hat es gewonnen und wird es nicht aufgeben.

GOTT EXISTIERT, IHR NAME IST PETRUNYA feierte seine Weltpremiere im Wettbewerb der Berlinale 2019 und gewann dort den Preis der Ökumenischen Jury sowie den Gilde Filmpreis. Auf dem Internationalen Frauenfilmfestival Dortmund / Köln 2019 wurde der Film mit dem Hauptpreis ausgezeichnet.

„Petrunija ist 32 Jahre alt, ledig, arbeitslos. (…) Als der Tag, an dem dieser Film spielt, beginnt, hätte sie einen Job als Näherin bekommen können. Der Polizeichef von Štip fragt Petrunija, ob sie gläubig sei. Sie kommt mit einer Gegenfrage: ‚Sind Sie schwul?‘ Private Fragen werde sie nicht beantworten. … die junge Frau hat eher zufällig das Kreuz ergattert, das der Priester traditionell am Dreikönigstag in den kalten Fluss wirft. (…) Der Pope will es zurück, Männer ziehen lärmend vor die Polizeistation, weil es ihnen zustünde, eine Reporterin entdeckt ihre Chance, sich mit dem Thema aus der Provinz zu profilieren. Der Clou der Inszenierung besteht darin, dass Petrunija ruhig bleibt, während die Aufregung um sie wächst. (…) Was entscheidend für den Film spricht, ist der Humor, mit dem er das aktuelle Thema behandelt. (…) Er handelt von Männern, die Tradition mit Gesetz verwechseln. Die Heldin ist eine ganz normale Frau mit Kummerspeck, die selbst über ihr Leben bestimmen will. Sie erkennt, dass sie es kann.“ (Cornelia Geißler, BLZ 11.02.19)

„Doch so leicht macht es Petrunya den Männern nicht… Ruhig verteidigt sie ihre Position, ihr Recht auf das Kreuz, das ihr gar nicht aus religiösen Gründen wichtig ist. Vor allem ist es ein Symbol für das Versprechen auf Glück; Glück das Petrunya als Frau in einer patriarchalischen Gesellschaft bislang kaum vergönnt war. Einfach macht es sich auch Regisseurin Mitevska nicht. Statt einem grotesken, sarkastischen Ton zu folgen, der kein gutes Haar an der Kirche und dem Patriarchat lässt, beschreibt sie differenziert und ambivalent eine Gesellschaft, die noch keinen rechten Weg gefunden hat, ihre langen Tradition mit der Moderne zu versöhnen und deren Status quo nun von einer ebenso mutigen wie willensstarken Frau auf die Probe gestellt wird.“ (Michael Meyns, TAZ 12.02.19)

Gott existiert, ihr Name ist Petrunya – Господ постои, името и е Петрунија, OmdU
Di 17.12.

Havelland. Fontane

Bernhard Sallmann
Mehr infos Schliessen

Havelland. Fontane

Deutschland 2019, 109 min, deutsche Originalfassung

Regie: Bernhard Sallmann

Mit HAVELLAND. FONTANE schließt Bernhard Sallmann seine 2016 begonnene vierteilige Serie zu Theodor Fontanes (1819-1898) Reisereportagen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ ab.

Während die ersten drei Filme zum ODER-, RHIN- und SPREELAND Erkundungen des ländlichen Raums sind, ist in HAVELLAND auch die Verschmelzung einer Flusslandschaft mit dem Großraum Berlin-Potsdam ein zentrales Thema. Fontane legt die Grundlagen der Entstehung der Mark frei und schildert das Ringen der naturreligiösen wendischen Kultur mit der aus dem Westen andrängenden christlichen im 12. Jahrhundert. Er schildert an vielen Beispielen die Austauschverhältnisse der Mark mit der rasch wachsenden Großstadt: Orte industrieller (Ziegelbrennen in Glindow) und landwirtschaftlicher Produktion (Obstanbau in Werder) werden geschildert und in der präzis kadrierten Filmfotografie mit ihrer heutigen Gestalt konfrontiert. In den gemäldehaften und lang verweilenden Tableaus entsteht ein Resonanzraum, der Zeiten, Orte und verblüffende Geschichten amalgamiert.

„Die Kunst seiner Fotografie zeigt sich vor allem darin, dass er nicht einfach perfekte, fast schon gemäldehafte Kompositionen findet, sondern dass er immer wieder Motive entdeckt, die auf mehrere Zeiten gleichzeitig verweisen.“ (ZITTY)

Sallmann bebildert nicht, er schafft eigenwillige Assoziationsräume. Ist von Erdbeeren, süßen Kirschen und Aprikosen die Rede, zeigt er ein von Plastikplanen überstülptes Feld. Zum Text über eine Akazie, den ‚schönen Baum‘, montiert er die Totale eines Heizkraftwerks. Wenn Fontane von der gotischen Kirche in Werder schwärmt, ist eine moderne Ufervilla aus Glas und Beton zu sehen. Die Gegenwart überschreibt die Vergangenheit. Nichts bleibt, wie es war.“ (Ralf Schenk, BLZ 04.11.19)

„Ein Film von genauso schöner Schlichtheit wie sein Titel“ (Jonas Nestroy)

„Das letzte Bild hält lange an. Zwei Einstellungen … zeigen eine Schleuse, in der links ein Schleppkahn, rechts zwei Sportboote auf ihre Durchschleusung warten, während sich am Horizont eine abschiedsrote Sonne überm Havelufer versenkt. Ekstase heißt der Kahn …  Ein Bild, das noch einmal die Pole heraufbeschwört, zwischen denen sich Film, Text und Bild bewegen: von der konkreten Zeit des Kinoraums und der abstrakten von Geschichte, von Landschaft und den Gesellschaften, die sie überschreiben, Gegenwart und Abwesenheit. Von Übereinstimmung und Differenz. Ein nüchternes Bild, das zugleich voller Affekte ist. Ein Abschiedsbild, das zugleich ein Aufbruchsbild ist. Ein Bild, das verlischt und bleibt, ein Filmzyklus, der zu Ende geht und bleiben wird.“ (Sebastian Markt, Tangentiale A3/Z1)

 

Havelland. Fontane
Di 17.12.

Schönheit & Vergänglichkeit

Annekatrin Hendel
Mehr infos Schliessen

Schönheit & Vergänglichkeit

Deutschland 2019, 79 min, deutsche Originalfassung

Regie: Annekatrin Hendel

Schon vor dem Mauerfall porträtiert der gelernte Fotograf Sven Marquardt, heute auch durch sein markantes Aussehen als Türsteher des legendären Technoclub Berghain weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt, die subkulturelle Ost-Berliner Szene in ausdrucksstarken Schwarz-Weiß-Fotografien. Nach 25 Jahren Unterbrechung seines künstlerischen Schaffens erfindet sich Marquardt inzwischen noch einmal neu und erlangt mit seinen Ausstellungen, Publikationen und Auftragsarbeiten Weltruhm. Nacht, Rausch, Exzess und Dunkelheit strahlen seine Werke aus, obwohl sie meist bei Tageslicht entstehen.

SCHÖNHEIT & VERGÄNGLICHKEIT erzählt von drei Freunden mit einer gemeinsamen Jugend, deren Werdegang geprägt ist von ihrem künstlerischen Blick auf die Welt, von Radikalität und Offenheit. Aber es ist auch ein Film über die unbedingte Sehnsucht nach Individualität und Unangepasstheit, Rebellion, Älterwerden, Liebe und Freundschaft in ganz unterschiedlichen Werte-Systemen. Und es ist ein Berlin-Film. Robert Paris` großartige Stadt-Ansichten erzählen vom Wandel der Stadt, vom eigenwilligen Charme menschenleerer Straßen, vernagelter Türen und blinder Fenster.

„So ist es jetzt, mehr als dreißig Jahre nach dem Mauerfall, Zeit für meinen Film. Über Leute, die so alt sind wie ich, Leute aus der letzten Erwachsenen-Generation der DDR. Es geht um drei Freunde: Allen voran Sven Marquardt, der mich mit seinen Arbeiten voller Schönheit, Leid und Leidenschaft faszinierte wie kein anderer Fotograf. Und es geht um zwei seiner Modelle, die ebenso eigenständige Künstler waren und sind: Dominique „Dome“ Hollenstein und Robert Paris. Sie prägten ein Lebensgefühl, das den Prenzlauer Berg über die deutschen Grenzen hinaus bis heute legendär macht. Erst als Punks, eingebunden in ihren großen, hermetischen Ostberliner Freundeskreis, später mit Werken, die selbst in der DDR-Subkultur noch speziell waren. Berühmt wird Marquardt als Türsteher des legendären Technoclub Berghain. Dabei galt er bereits vorher, mit Mitte Zwanzig schon als Ausnahme-Künstler. (…) Seine Porträts zeichnete eine Mischung aus inszenierter Schönheit, Selbstbewusstsein, Erotik und Verfall aus. Mit welcher Wucht er nach langer Pause die Kamera jetzt wieder in die Hand genommen hat, motivierte mich zu diesem Film.“ (Annekatrin Hendel)

Schönheit & Vergänglichkeit
Di 17.12.

Bis dann, mein Sohn (Di jiu tian chang / So Long, My Son), OmdU

Wang Xiaoshuai
Mehr infos Schliessen

Bis dann, mein Sohn (Di jiu tian chang / So Long, My Son)

China 2018, 185 min, Mandarin mit deutschen Untertiteln

Silberner Bär 2019 für die beste Darstellerin: Yong Mei

Silberner Bär 2019 für den besten Darsteller: Wang Jingchun

Regie: Wang Xiaoshuai

SO LONG, MY SON erzählt in episch-melancholischer Weise vom Leben mit Verlust und von der Gegenwart der Vergangenheit. Die Eltern Liu Yaojun und Wang Liyun verlieren an einem grauen Tag ihren Sohn Yingying, verlassen kurz darauf ihre Heimat und adoptieren einen Jungen, um die Leerstelle zu füllen, die der tote Sohn hinterlassen hat. Yaojun und Liyun ziehen sich von allen zurück, brechen mit der Gemeinschaft, die sie all die Jahre in der Fabrik umgab. Sie lassen die Freunde hinter sich, die nicht wissen, wie den beiden zu helfen wäre, und die mit ihrem eigenen Leben ringen. Sie alle führen nun ein Leben zwischen kollektiver Vergangenheit und individuellem Lebensweg – ohne dass sich das eine vom anderen trennen ließe. ‚Wie könnten alte Freunde die guten Zeiten der Vergangenheit vergessen‘, heißt es in dem Lied ‚Auld Lang Syne‘ (auf Deutsch ‚Ewige Freundschaft‘). Es strukturiert als Streichquartett und Lied den ersten Teil des Films, markiert die Sprünge zwischen Gegenwart und Vorgeschichte. Später kehrt die Melodie wieder, bricht jedoch nach den ersten Tönen ab. Die Erinnerung ist unerträglich geworden. (F. Tietke, TAZ)

„SO LONG, MY SON thematisiert die Ein-Kind-Politik, die Folgen der Kulturrevolution und Zwangsabtreibungen. Wang Xiaoshuai berührt ganz universelle Gefühle wie Verlust, Trauer, Vergebung. ‚Mein Fokus war das Gefühl. Das Gefühl sollte die Geschichte erzählen. Davon, wie Menschen mit Verletzungen umgehen. Wie können sie vergeben, sich wieder in die Augen sehen? Chinas Kino braucht solche Filme, die chinesische Gesellschaft braucht solche Geschichte.‘“ (V. Morasch, TAZ 15.02.19)

Bis dann, mein Sohn (Di jiu tian chang / So Long, My Son), OmdU
Mi 18.12.

Havelland. Fontane

Bernhard Sallmann
Mehr infos Schliessen

Havelland. Fontane

Deutschland 2019, 109 min, deutsche Originalfassung

Regie: Bernhard Sallmann

Mit HAVELLAND. FONTANE schließt Bernhard Sallmann seine 2016 begonnene vierteilige Serie zu Theodor Fontanes (1819-1898) Reisereportagen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ ab.

Während die ersten drei Filme zum ODER-, RHIN- und SPREELAND Erkundungen des ländlichen Raums sind, ist in HAVELLAND auch die Verschmelzung einer Flusslandschaft mit dem Großraum Berlin-Potsdam ein zentrales Thema. Fontane legt die Grundlagen der Entstehung der Mark frei und schildert das Ringen der naturreligiösen wendischen Kultur mit der aus dem Westen andrängenden christlichen im 12. Jahrhundert. Er schildert an vielen Beispielen die Austauschverhältnisse der Mark mit der rasch wachsenden Großstadt: Orte industrieller (Ziegelbrennen in Glindow) und landwirtschaftlicher Produktion (Obstanbau in Werder) werden geschildert und in der präzis kadrierten Filmfotografie mit ihrer heutigen Gestalt konfrontiert. In den gemäldehaften und lang verweilenden Tableaus entsteht ein Resonanzraum, der Zeiten, Orte und verblüffende Geschichten amalgamiert.

„Die Kunst seiner Fotografie zeigt sich vor allem darin, dass er nicht einfach perfekte, fast schon gemäldehafte Kompositionen findet, sondern dass er immer wieder Motive entdeckt, die auf mehrere Zeiten gleichzeitig verweisen.“ (ZITTY)

Sallmann bebildert nicht, er schafft eigenwillige Assoziationsräume. Ist von Erdbeeren, süßen Kirschen und Aprikosen die Rede, zeigt er ein von Plastikplanen überstülptes Feld. Zum Text über eine Akazie, den ‚schönen Baum‘, montiert er die Totale eines Heizkraftwerks. Wenn Fontane von der gotischen Kirche in Werder schwärmt, ist eine moderne Ufervilla aus Glas und Beton zu sehen. Die Gegenwart überschreibt die Vergangenheit. Nichts bleibt, wie es war.“ (Ralf Schenk, BLZ 04.11.19)

„Ein Film von genauso schöner Schlichtheit wie sein Titel“ (Jonas Nestroy)

„Das letzte Bild hält lange an. Zwei Einstellungen … zeigen eine Schleuse, in der links ein Schleppkahn, rechts zwei Sportboote auf ihre Durchschleusung warten, während sich am Horizont eine abschiedsrote Sonne überm Havelufer versenkt. Ekstase heißt der Kahn …  Ein Bild, das noch einmal die Pole heraufbeschwört, zwischen denen sich Film, Text und Bild bewegen: von der konkreten Zeit des Kinoraums und der abstrakten von Geschichte, von Landschaft und den Gesellschaften, die sie überschreiben, Gegenwart und Abwesenheit. Von Übereinstimmung und Differenz. Ein nüchternes Bild, das zugleich voller Affekte ist. Ein Abschiedsbild, das zugleich ein Aufbruchsbild ist. Ein Bild, das verlischt und bleibt, ein Filmzyklus, der zu Ende geht und bleiben wird.“ (Sebastian Markt, Tangentiale A3/Z1)

 

Mi 18.12.

Schönheit & Vergänglichkeit

Annekatrin Hendel
Mehr infos Schliessen

Schönheit & Vergänglichkeit

Deutschland 2019, 79 min, deutsche Originalfassung

Regie: Annekatrin Hendel

Schon vor dem Mauerfall porträtiert der gelernte Fotograf Sven Marquardt, heute auch durch sein markantes Aussehen als Türsteher des legendären Technoclub Berghain weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt, die subkulturelle Ost-Berliner Szene in ausdrucksstarken Schwarz-Weiß-Fotografien. Nach 25 Jahren Unterbrechung seines künstlerischen Schaffens erfindet sich Marquardt inzwischen noch einmal neu und erlangt mit seinen Ausstellungen, Publikationen und Auftragsarbeiten Weltruhm. Nacht, Rausch, Exzess und Dunkelheit strahlen seine Werke aus, obwohl sie meist bei Tageslicht entstehen.

SCHÖNHEIT & VERGÄNGLICHKEIT erzählt von drei Freunden mit einer gemeinsamen Jugend, deren Werdegang geprägt ist von ihrem künstlerischen Blick auf die Welt, von Radikalität und Offenheit. Aber es ist auch ein Film über die unbedingte Sehnsucht nach Individualität und Unangepasstheit, Rebellion, Älterwerden, Liebe und Freundschaft in ganz unterschiedlichen Werte-Systemen. Und es ist ein Berlin-Film. Robert Paris` großartige Stadt-Ansichten erzählen vom Wandel der Stadt, vom eigenwilligen Charme menschenleerer Straßen, vernagelter Türen und blinder Fenster.

„So ist es jetzt, mehr als dreißig Jahre nach dem Mauerfall, Zeit für meinen Film. Über Leute, die so alt sind wie ich, Leute aus der letzten Erwachsenen-Generation der DDR. Es geht um drei Freunde: Allen voran Sven Marquardt, der mich mit seinen Arbeiten voller Schönheit, Leid und Leidenschaft faszinierte wie kein anderer Fotograf. Und es geht um zwei seiner Modelle, die ebenso eigenständige Künstler waren und sind: Dominique „Dome“ Hollenstein und Robert Paris. Sie prägten ein Lebensgefühl, das den Prenzlauer Berg über die deutschen Grenzen hinaus bis heute legendär macht. Erst als Punks, eingebunden in ihren großen, hermetischen Ostberliner Freundeskreis, später mit Werken, die selbst in der DDR-Subkultur noch speziell waren. Berühmt wird Marquardt als Türsteher des legendären Technoclub Berghain. Dabei galt er bereits vorher, mit Mitte Zwanzig schon als Ausnahme-Künstler. (…) Seine Porträts zeichnete eine Mischung aus inszenierter Schönheit, Selbstbewusstsein, Erotik und Verfall aus. Mit welcher Wucht er nach langer Pause die Kamera jetzt wieder in die Hand genommen hat, motivierte mich zu diesem Film.“ (Annekatrin Hendel)

Schönheit & Vergänglichkeit
Mi 18.12.

Bis dann, mein Sohn (Di jiu tian chang / So Long, My Son), OmdU

Wang Xiaoshuai
Mehr infos Schliessen

Bis dann, mein Sohn (Di jiu tian chang / So Long, My Son)

China 2018, 185 min, Mandarin mit deutschen Untertiteln

Silberner Bär 2019 für die beste Darstellerin: Yong Mei

Silberner Bär 2019 für den besten Darsteller: Wang Jingchun

Regie: Wang Xiaoshuai

SO LONG, MY SON erzählt in episch-melancholischer Weise vom Leben mit Verlust und von der Gegenwart der Vergangenheit. Die Eltern Liu Yaojun und Wang Liyun verlieren an einem grauen Tag ihren Sohn Yingying, verlassen kurz darauf ihre Heimat und adoptieren einen Jungen, um die Leerstelle zu füllen, die der tote Sohn hinterlassen hat. Yaojun und Liyun ziehen sich von allen zurück, brechen mit der Gemeinschaft, die sie all die Jahre in der Fabrik umgab. Sie lassen die Freunde hinter sich, die nicht wissen, wie den beiden zu helfen wäre, und die mit ihrem eigenen Leben ringen. Sie alle führen nun ein Leben zwischen kollektiver Vergangenheit und individuellem Lebensweg – ohne dass sich das eine vom anderen trennen ließe. ‚Wie könnten alte Freunde die guten Zeiten der Vergangenheit vergessen‘, heißt es in dem Lied ‚Auld Lang Syne‘ (auf Deutsch ‚Ewige Freundschaft‘). Es strukturiert als Streichquartett und Lied den ersten Teil des Films, markiert die Sprünge zwischen Gegenwart und Vorgeschichte. Später kehrt die Melodie wieder, bricht jedoch nach den ersten Tönen ab. Die Erinnerung ist unerträglich geworden. (F. Tietke, TAZ)

„SO LONG, MY SON thematisiert die Ein-Kind-Politik, die Folgen der Kulturrevolution und Zwangsabtreibungen. Wang Xiaoshuai berührt ganz universelle Gefühle wie Verlust, Trauer, Vergebung. ‚Mein Fokus war das Gefühl. Das Gefühl sollte die Geschichte erzählen. Davon, wie Menschen mit Verletzungen umgehen. Wie können sie vergeben, sich wieder in die Augen sehen? Chinas Kino braucht solche Filme, die chinesische Gesellschaft braucht solche Geschichte.‘“ (V. Morasch, TAZ 15.02.19)

Bis dann, mein Sohn (Di jiu tian chang / So Long, My Son), OmdU
Do 19.12.

Land des Honigs – Медена земја, OmdU

Tamara Kotevska & Ljubomir Stefanov
Mehr infos Schliessen

Медена земја (Land des Honigs)

Makedonien 2019, 85 min, OmdU

Regie: Tamara Kotevska, Ljubomir Stefanov

Hatidze Muratova lebt im nordmazedonischen Gebirge, wo sie als Imkerin eine wilde Bienenzucht betreut. Ab und an bricht Muratova in die vergleichsweise hektische mazedonische Hauptstadt Skopje auf, um den geernteten Honig auf dem Markt zu verkaufen, die meiste Zeit verbringt sie aber in der ursprünglichen Natur, in der sie aufgewachsen ist. Das harte, doch idyllische Leben ändert sich, als Muratova und ihre Mutter neue Nachbarn bekommen. Die nomadische Großfamilie von Hussein Sam bringt einige Nutztiere und reichlich Lärm mit. Anders als Muratova sehen die Neuen den Honig vor allem als profitables Verkaufsgut. (programmkino.de)

„Poetisch verdichtet das Regieduo Ljubomir Stefanov und Tamara Kotevska das rund 400 Stunden umfassende Filmmaterial zu einem intensiven Drama, das viel mehr ist als nur Porträt einer Bienenzüchterin. Zwischen Beobachtung und Metaphorik begleiten sie Hatidze durch Höhen und Tiefen. In ihrer Welt entscheiden die Bienen, wer am Ende bleiben darf.“ (Julia Weigl, DOK Leipzig 2019)

Land des Honigs – Медена земја, OmdU
Do 19.12.

Schönheit & Vergänglichkeit

Annekatrin Hendel
Mehr infos Schliessen

Schönheit & Vergänglichkeit

Deutschland 2019, 79 min, deutsche Originalfassung

Regie: Annekatrin Hendel

Schon vor dem Mauerfall porträtiert der gelernte Fotograf Sven Marquardt, heute auch durch sein markantes Aussehen als Türsteher des legendären Technoclub Berghain weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt, die subkulturelle Ost-Berliner Szene in ausdrucksstarken Schwarz-Weiß-Fotografien. Nach 25 Jahren Unterbrechung seines künstlerischen Schaffens erfindet sich Marquardt inzwischen noch einmal neu und erlangt mit seinen Ausstellungen, Publikationen und Auftragsarbeiten Weltruhm. Nacht, Rausch, Exzess und Dunkelheit strahlen seine Werke aus, obwohl sie meist bei Tageslicht entstehen.

SCHÖNHEIT & VERGÄNGLICHKEIT erzählt von drei Freunden mit einer gemeinsamen Jugend, deren Werdegang geprägt ist von ihrem künstlerischen Blick auf die Welt, von Radikalität und Offenheit. Aber es ist auch ein Film über die unbedingte Sehnsucht nach Individualität und Unangepasstheit, Rebellion, Älterwerden, Liebe und Freundschaft in ganz unterschiedlichen Werte-Systemen. Und es ist ein Berlin-Film. Robert Paris` großartige Stadt-Ansichten erzählen vom Wandel der Stadt, vom eigenwilligen Charme menschenleerer Straßen, vernagelter Türen und blinder Fenster.

„So ist es jetzt, mehr als dreißig Jahre nach dem Mauerfall, Zeit für meinen Film. Über Leute, die so alt sind wie ich, Leute aus der letzten Erwachsenen-Generation der DDR. Es geht um drei Freunde: Allen voran Sven Marquardt, der mich mit seinen Arbeiten voller Schönheit, Leid und Leidenschaft faszinierte wie kein anderer Fotograf. Und es geht um zwei seiner Modelle, die ebenso eigenständige Künstler waren und sind: Dominique „Dome“ Hollenstein und Robert Paris. Sie prägten ein Lebensgefühl, das den Prenzlauer Berg über die deutschen Grenzen hinaus bis heute legendär macht. Erst als Punks, eingebunden in ihren großen, hermetischen Ostberliner Freundeskreis, später mit Werken, die selbst in der DDR-Subkultur noch speziell waren. Berühmt wird Marquardt als Türsteher des legendären Technoclub Berghain. Dabei galt er bereits vorher, mit Mitte Zwanzig schon als Ausnahme-Künstler. (…) Seine Porträts zeichnete eine Mischung aus inszenierter Schönheit, Selbstbewusstsein, Erotik und Verfall aus. Mit welcher Wucht er nach langer Pause die Kamera jetzt wieder in die Hand genommen hat, motivierte mich zu diesem Film.“ (Annekatrin Hendel)

Schönheit & Vergänglichkeit
Do 19.12.

Bis dann, mein Sohn (Di jiu tian chang / So Long, My Son), OmdU

Wang Xiaoshuai
Mehr infos Schliessen

Bis dann, mein Sohn (Di jiu tian chang / So Long, My Son)

China 2018, 185 min, Mandarin mit deutschen Untertiteln

Silberner Bär 2019 für die beste Darstellerin: Yong Mei

Silberner Bär 2019 für den besten Darsteller: Wang Jingchun

Regie: Wang Xiaoshuai

SO LONG, MY SON erzählt in episch-melancholischer Weise vom Leben mit Verlust und von der Gegenwart der Vergangenheit. Die Eltern Liu Yaojun und Wang Liyun verlieren an einem grauen Tag ihren Sohn Yingying, verlassen kurz darauf ihre Heimat und adoptieren einen Jungen, um die Leerstelle zu füllen, die der tote Sohn hinterlassen hat. Yaojun und Liyun ziehen sich von allen zurück, brechen mit der Gemeinschaft, die sie all die Jahre in der Fabrik umgab. Sie lassen die Freunde hinter sich, die nicht wissen, wie den beiden zu helfen wäre, und die mit ihrem eigenen Leben ringen. Sie alle führen nun ein Leben zwischen kollektiver Vergangenheit und individuellem Lebensweg – ohne dass sich das eine vom anderen trennen ließe. ‚Wie könnten alte Freunde die guten Zeiten der Vergangenheit vergessen‘, heißt es in dem Lied ‚Auld Lang Syne‘ (auf Deutsch ‚Ewige Freundschaft‘). Es strukturiert als Streichquartett und Lied den ersten Teil des Films, markiert die Sprünge zwischen Gegenwart und Vorgeschichte. Später kehrt die Melodie wieder, bricht jedoch nach den ersten Tönen ab. Die Erinnerung ist unerträglich geworden. (F. Tietke, TAZ)

„SO LONG, MY SON thematisiert die Ein-Kind-Politik, die Folgen der Kulturrevolution und Zwangsabtreibungen. Wang Xiaoshuai berührt ganz universelle Gefühle wie Verlust, Trauer, Vergebung. ‚Mein Fokus war das Gefühl. Das Gefühl sollte die Geschichte erzählen. Davon, wie Menschen mit Verletzungen umgehen. Wie können sie vergeben, sich wieder in die Augen sehen? Chinas Kino braucht solche Filme, die chinesische Gesellschaft braucht solche Geschichte.‘“ (V. Morasch, TAZ 15.02.19)

Bis dann, mein Sohn (Di jiu tian chang / So Long, My Son), OmdU
Fr 20.12.

TOOMAPÄEV – Kurzfilmprogramm: Стакановец – Bestarbeiter Glasig, mit Livemusikbegleitung!

Mehr infos Schliessen

TOOMAPÄEV – Kurzfilmprogramm

Wir zeigen:

СТАКАНОВЕЦ / BESTARBEITER GLASIG

Sowjetische Animation 1980er Jahre, 10 min, stumm

am präparierten Flügel live begleitet von Jürgen Kurz

Bestarbeiter Biber kennt keinen Alkohol am Arbeitsplatz. Doch Kollege Wolf überredet den frisch Ausgezeichneten beim Betriebsvergnügen zum Saufen und das Unglück nimmt seinen Lauf.

 

KIHNU MEES / DIE MÄNNER VON DER INSEL KIHNU ◄

Estnische SSR 1986, 51 min, OmdU

Regie: Mark Soosaar         Silberne Taube, Leipzig 1987

Die Insel Kihnu in der Bucht von Riga: Auf Grund der Insellage blieben hier traditionelle Strukturen und baltische Volkskultur erhalten. Das änderte sich, als die zentralistische Regierung die Eingliederung der Landwirtschaft Kihnus in eine größere Kolchose auf dem Festland beschloss. Da geriet die „heile Welt“ aus den Fugen: die Arbeit war plötzlich nicht mehr selbstbestimmt, die Versorgung drohte streckenweise zusammenzubrechen. Der engagierte Dokumentarfilm aus der SSR Estland spiegelt diesen Prozess, dessen Endstationen Landflucht und Alkoholismus sind; mit geisterhaften Bildern werden die Zerstörung der vermeintlichen Idylle und die tiefe soziale und psychische Bedrohung der entwurzelten Inselleute wie in einem Albtraum festgehalten. (Filmdienst)

„Der Film beginnt mit einer ironisch akzentuierten Episode: Inselbewohner von Kihnu sind in die ‚weißsteinerne‘ Hauptstadt gekommen, um hier eine Vorstellung zu geben. Um zu tanzen und zu singen. Unter Kristall-Lüstern. Vor einem herausgeputzten großstädtischen Publikum im Saale. Beringte Hände halten eine teure, ausländische Videokamera. Diese Kamera ist auf unsere Kihnu-Leute gerichtet, die ihre einfachen Tänze und Lieder vortragen… Nein, irgendetwas stimmt hier nicht… Mark Soosaar tastet das eine und andere Zuschauergesicht ab und erfasst dabei die Falschheit herablassendener Liebeswürdigkeit. (…) Ein scharfer Schnitt vom hauptstädtischen Saal auf einen rennenden Hammel, auf dessen Rücken ein maskierter Junge sitzt. Der Junge fällt ins Gras und seine Maske unter die Hufe des Hammels.

… Aus dem Eis ragen Karosserien von Autos und Traktoren, die deren Fahrer im betrunkenen Zustand haben absaufen lassen: Ein Beleg für die Gründe, warum die Lieder und Tänze nicht mehr das sind, was sie waren – Trunksucht.

(…) Mark Soosaars Film lässt sich nicht nacherzählen. Man muss ihn sich anschauen. In diesem Film gibt es keine einzige leere, überflüssige Einstellung. Jede Landschaft, jede Mise-en-scène, und jedes Detail, jedes Lied, jeder Ton und jedes Wort ist dramaturgisch genau kalkuliert. Alles ist ‚unter Spannung‘. Alles trifft ins Schwarze. Bin hin zu den Farbtönen.

Mark Soosaars Talent steht in voller Blüte. Seltsam, dass er keine Spielfilme dreht. Denn seine Filme bewegen sich stets auf der Grenzlinie von Spiel- und Nichtspielfilm, die Sergej Eisenstein, Robert Flaherty, John Cassavetes und Lionel Rogosin so überaus aktiv anzog und kühne Filme voller Lebenskraft inspirierte. Viele streben zu dieser Grenzlinie, die aber leider nicht für alle erreichbar ist. (…)“ (Sowjetskaja Estonija, Tallin, 23.05.1987)

TAM 4500 ◄

Montenegro 2017, 23 min, OmeU

Regie: Momir Matović

Nur wer der Armut nicht entfliehen konnte, lebt heute noch in den montenegrinischen Bergen. Risto Baćović, 62 Jahre alt, besitzt wenigstens einen längst totgesagten, klapprigen LKW. Natürlich hilft Risto, wenn irgendetwas transportiert werden muss, auch wenn die Sache mit dem alten, kaputten Ding aussichtslos scheint. Eine neue Geschichte von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen oder ein Lob der Einfachheit.

In seinen Filmen portraitiert der 1951 geborene montenegrinische Kult-Dokumentarist Momir Matović Menschen, die sich dem Rhythmus der Landschaft anpassen. Er filmt im karstigen Hinterland der faszinierenden, aber trotzigen „Schwarzen Berge“, die von ihren Bewohnern zum Überleben vor allem eins abfordern: Geduld. Genauso geduldig beobachtet Matović seine Protagonisten, die nicht nur einer übermächtigen Natur gegenüberstehen, sondern auch den Zeitläuften der Geschichte: Wertewandel, Gentrifizierung und Landflucht hinterlassen ihre Spuren. Traditionen und Symbole verschwinden, und auch die Menschen gehen. (Filmfestival Cottbus 2019)

 

TOOMAPÄEV – Kurzfilmprogramm: Стакановец – Bestarbeiter Glasig, mit Livemusikbegleitung!
Fr 20.12.

TOOMAPÄEV – Kurzfilmprogramm: Kihnu mees – Die Männer von der Insel Kihnu, OmdU

Mark Soosaar
Mehr infos Schliessen

TOOMAPÄEV – Kurzfilmprogramm

Wir zeigen:

СТАКАНОВЕЦ / BESTARBEITER GLASIG

Sowjetische Animation 1980er Jahre, 10 min, stumm

am präparierten Flügel live begleitet von Jürgen Kurz

Bestarbeiter Biber kennt keinen Alkohol am Arbeitsplatz. Doch Kollege Wolf überredet den frisch Ausgezeichneten beim Betriebsvergnügen zum Saufen und das Unglück nimmt seinen Lauf.

 

KIHNU MEES / DIE MÄNNER VON DER INSEL KIHNU ◄

Estnische SSR 1986, 51 min, OmdU

Regie: Mark Soosaar         Silberne Taube, Leipzig 1987

Die Insel Kihnu in der Bucht von Riga: Auf Grund der Insellage blieben hier traditionelle Strukturen und baltische Volkskultur erhalten. Das änderte sich, als die zentralistische Regierung die Eingliederung der Landwirtschaft Kihnus in eine größere Kolchose auf dem Festland beschloss. Da geriet die „heile Welt“ aus den Fugen: die Arbeit war plötzlich nicht mehr selbstbestimmt, die Versorgung drohte streckenweise zusammenzubrechen. Der engagierte Dokumentarfilm aus der SSR Estland spiegelt diesen Prozess, dessen Endstationen Landflucht und Alkoholismus sind; mit geisterhaften Bildern werden die Zerstörung der vermeintlichen Idylle und die tiefe soziale und psychische Bedrohung der entwurzelten Inselleute wie in einem Albtraum festgehalten. (Filmdienst)

„Der Film beginnt mit einer ironisch akzentuierten Episode: Inselbewohner von Kihnu sind in die ‚weißsteinerne‘ Hauptstadt gekommen, um hier eine Vorstellung zu geben. Um zu tanzen und zu singen. Unter Kristall-Lüstern. Vor einem herausgeputzten großstädtischen Publikum im Saale. Beringte Hände halten eine teure, ausländische Videokamera. Diese Kamera ist auf unsere Kihnu-Leute gerichtet, die ihre einfachen Tänze und Lieder vortragen… Nein, irgendetwas stimmt hier nicht… Mark Soosaar tastet das eine und andere Zuschauergesicht ab und erfasst dabei die Falschheit herablassendener Liebeswürdigkeit. (…) Ein scharfer Schnitt vom hauptstädtischen Saal auf einen rennenden Hammel, auf dessen Rücken ein maskierter Junge sitzt. Der Junge fällt ins Gras und seine Maske unter die Hufe des Hammels.

… Aus dem Eis ragen Karosserien von Autos und Traktoren, die deren Fahrer im betrunkenen Zustand haben absaufen lassen: Ein Beleg für die Gründe, warum die Lieder und Tänze nicht mehr das sind, was sie waren – Trunksucht.

(…) Mark Soosaars Film lässt sich nicht nacherzählen. Man muss ihn sich anschauen. In diesem Film gibt es keine einzige leere, überflüssige Einstellung. Jede Landschaft, jede Mise-en-scène, und jedes Detail, jedes Lied, jeder Ton und jedes Wort ist dramaturgisch genau kalkuliert. Alles ist ‚unter Spannung‘. Alles trifft ins Schwarze. Bin hin zu den Farbtönen.

Mark Soosaars Talent steht in voller Blüte. Seltsam, dass er keine Spielfilme dreht. Denn seine Filme bewegen sich stets auf der Grenzlinie von Spiel- und Nichtspielfilm, die Sergej Eisenstein, Robert Flaherty, John Cassavetes und Lionel Rogosin so überaus aktiv anzog und kühne Filme voller Lebenskraft inspirierte. Viele streben zu dieser Grenzlinie, die aber leider nicht für alle erreichbar ist. (…)“ (Sowjetskaja Estonija, Tallin, 23.05.1987)

TAM 4500 ◄

Montenegro 2017, 23 min, OmeU

Regie: Momir Matović

Nur wer der Armut nicht entfliehen konnte, lebt heute noch in den montenegrinischen Bergen. Risto Baćović, 62 Jahre alt, besitzt wenigstens einen längst totgesagten, klapprigen LKW. Natürlich hilft Risto, wenn irgendetwas transportiert werden muss, auch wenn die Sache mit dem alten, kaputten Ding aussichtslos scheint. Eine neue Geschichte von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen oder ein Lob der Einfachheit.

In seinen Filmen portraitiert der 1951 geborene montenegrinische Kult-Dokumentarist Momir Matović Menschen, die sich dem Rhythmus der Landschaft anpassen. Er filmt im karstigen Hinterland der faszinierenden, aber trotzigen „Schwarzen Berge“, die von ihren Bewohnern zum Überleben vor allem eins abfordern: Geduld. Genauso geduldig beobachtet Matović seine Protagonisten, die nicht nur einer übermächtigen Natur gegenüberstehen, sondern auch den Zeitläuften der Geschichte: Wertewandel, Gentrifizierung und Landflucht hinterlassen ihre Spuren. Traditionen und Symbole verschwinden, und auch die Menschen gehen. (Filmfestival Cottbus 2019)

 

TOOMAPÄEV – Kurzfilmprogramm: Kihnu mees – Die Männer von der Insel Kihnu, OmdU
Fr 20.12.

TOOMAPÄEV – Kurzfilmprogramm: TAM 4500, OmeU

Momir Matović
Mehr infos Schliessen

TOOMAPÄEV – Kurzfilmprogramm

Wir zeigen:

СТАКАНОВЕЦ / BESTARBEITER GLASIG

Sowjetische Animation 1980er Jahre, 10 min, stumm

am präparierten Flügel live begleitet von Jürgen Kurz

Bestarbeiter Biber kennt keinen Alkohol am Arbeitsplatz. Doch Kollege Wolf überredet den frisch Ausgezeichneten beim Betriebsvergnügen zum Saufen und das Unglück nimmt seinen Lauf.

 

KIHNU MEES / DIE MÄNNER VON DER INSEL KIHNU ◄

Estnische SSR 1986, 51 min, OmdU

Regie: Mark Soosaar         Silberne Taube, Leipzig 1987

Die Insel Kihnu in der Bucht von Riga: Auf Grund der Insellage blieben hier traditionelle Strukturen und baltische Volkskultur erhalten. Das änderte sich, als die zentralistische Regierung die Eingliederung der Landwirtschaft Kihnus in eine größere Kolchose auf dem Festland beschloss. Da geriet die „heile Welt“ aus den Fugen: die Arbeit war plötzlich nicht mehr selbstbestimmt, die Versorgung drohte streckenweise zusammenzubrechen. Der engagierte Dokumentarfilm aus der SSR Estland spiegelt diesen Prozess, dessen Endstationen Landflucht und Alkoholismus sind; mit geisterhaften Bildern werden die Zerstörung der vermeintlichen Idylle und die tiefe soziale und psychische Bedrohung der entwurzelten Inselleute wie in einem Albtraum festgehalten. (Filmdienst)

„Der Film beginnt mit einer ironisch akzentuierten Episode: Inselbewohner von Kihnu sind in die ‚weißsteinerne‘ Hauptstadt gekommen, um hier eine Vorstellung zu geben. Um zu tanzen und zu singen. Unter Kristall-Lüstern. Vor einem herausgeputzten großstädtischen Publikum im Saale. Beringte Hände halten eine teure, ausländische Videokamera. Diese Kamera ist auf unsere Kihnu-Leute gerichtet, die ihre einfachen Tänze und Lieder vortragen… Nein, irgendetwas stimmt hier nicht… Mark Soosaar tastet das eine und andere Zuschauergesicht ab und erfasst dabei die Falschheit herablassendener Liebeswürdigkeit. (…) Ein scharfer Schnitt vom hauptstädtischen Saal auf einen rennenden Hammel, auf dessen Rücken ein maskierter Junge sitzt. Der Junge fällt ins Gras und seine Maske unter die Hufe des Hammels.

… Aus dem Eis ragen Karosserien von Autos und Traktoren, die deren Fahrer im betrunkenen Zustand haben absaufen lassen: Ein Beleg für die Gründe, warum die Lieder und Tänze nicht mehr das sind, was sie waren – Trunksucht.

(…) Mark Soosaars Film lässt sich nicht nacherzählen. Man muss ihn sich anschauen. In diesem Film gibt es keine einzige leere, überflüssige Einstellung. Jede Landschaft, jede Mise-en-scène, und jedes Detail, jedes Lied, jeder Ton und jedes Wort ist dramaturgisch genau kalkuliert. Alles ist ‚unter Spannung‘. Alles trifft ins Schwarze. Bin hin zu den Farbtönen.

Mark Soosaars Talent steht in voller Blüte. Seltsam, dass er keine Spielfilme dreht. Denn seine Filme bewegen sich stets auf der Grenzlinie von Spiel- und Nichtspielfilm, die Sergej Eisenstein, Robert Flaherty, John Cassavetes und Lionel Rogosin so überaus aktiv anzog und kühne Filme voller Lebenskraft inspirierte. Viele streben zu dieser Grenzlinie, die aber leider nicht für alle erreichbar ist. (…)“ (Sowjetskaja Estonija, Tallin, 23.05.1987)

TAM 4500 ◄

Montenegro 2017, 23 min, OmeU

Regie: Momir Matović

Nur wer der Armut nicht entfliehen konnte, lebt heute noch in den montenegrinischen Bergen. Risto Baćović, 62 Jahre alt, besitzt wenigstens einen längst totgesagten, klapprigen LKW. Natürlich hilft Risto, wenn irgendetwas transportiert werden muss, auch wenn die Sache mit dem alten, kaputten Ding aussichtslos scheint. Eine neue Geschichte von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen oder ein Lob der Einfachheit.

In seinen Filmen portraitiert der 1951 geborene montenegrinische Kult-Dokumentarist Momir Matović Menschen, die sich dem Rhythmus der Landschaft anpassen. Er filmt im karstigen Hinterland der faszinierenden, aber trotzigen „Schwarzen Berge“, die von ihren Bewohnern zum Überleben vor allem eins abfordern: Geduld. Genauso geduldig beobachtet Matović seine Protagonisten, die nicht nur einer übermächtigen Natur gegenüberstehen, sondern auch den Zeitläuften der Geschichte: Wertewandel, Gentrifizierung und Landflucht hinterlassen ihre Spuren. Traditionen und Symbole verschwinden, und auch die Menschen gehen. (Filmfestival Cottbus 2019)

 

TOOMAPÄEV – Kurzfilmprogramm: TAM 4500, OmeU
Sa 21.12.

Betriebsferien – С НОВЫМ ГОДОМ!

Mehr infos Schliessen
So 22.12.

Betriebsferien – С НОВЫМ ГОДОМ!

Mehr infos Schliessen
Mo 23.12.

Betriebsferien – С НОВЫМ ГОДОМ!

Mehr infos Schliessen
Di 24.12.

Betriebsferien – С НОВЫМ ГОДОМ!

Mehr infos Schliessen
Mi 25.12.

Betriebsferien – С НОВЫМ ГОДОМ!

Mehr infos Schliessen
Do 26.12.

Betriebsferien – С НОВЫМ ГОДОМ!

Mehr infos Schliessen
Fr 27.12.

Betriebsferien – С НОВЫМ ГОДОМ!

Mehr infos Schliessen
Sa 28.12.

Betriebsferien – С НОВЫМ ГОДОМ!

Mehr infos Schliessen
So 29.12.

Betriebsferien – С НОВЫМ ГОДОМ!

Mehr infos Schliessen
Mo 30.12.

Betriebsferien – С НОВЫМ ГОДОМ!

Mehr infos Schliessen
Di 31.12.

Betriebsferien – С НОВЫМ ГОДОМ!

Mehr infos Schliessen
Mi 01.01.

Betriebsferien – С НОВЫМ ГОДОМ!

Mehr infos Schliessen
For a better user experience, please switch your device to portrait mode.