Fr 24.05.

Свидетели Путина (Putins Zeugen / Putin’s Witnesses), OmdU

Witalij Manskij
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Свидетели Путина (Putins Zeugen / Putin’s Witnesses)

Lettland / Schweiz / Tschechische Republik 2018, 102 min, russ. Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Witalij Manskij

Die Filmereignisse beginnen am 31. Dezember 1999, als Russland mit dem Interimspräsidenten bekannt wurde. Der Film gründet auf einmaligen und rein dokumentarischen Aussagen über die wahren Ursachen und Folgen der „Operation Nachfolger“, wodurch Russland den Präsidenten erhielt, der heute noch das Land regiert. Die Protagonisten des Films sind Michail Gorbatschow, Boris Jelzin, Wladimir Putin, Witalij Manskij und die russische Nation, die – wie immer – stille Zeugin ihres eigenen Schicksals ist.

„Eine schwerwiegende und weit fortgeschrittene Erkrankung erfordert eine Diagnose und eine Untersuchung der Krankheitsgeschichte. Dies war meine Überlegung bei den Vorbereitungsarbeiten für einen Film über die Ereignisse, die der unerwarteten Resignation des russischen Präsidenten Boris Jelzin und dem Beginn der ‹Operation Nachfolger› vorausgingen. Ich war Zeuge von und Mitbeteiligter an dieser Operation, die Wladimir Putin auf den Moskauer Thron setzte. Mein Erlebnisbericht ist äußerst wichtig. Nicht nur für die russische Gesellschaft – mit dem Ziel, sie von einer weit fortgeschrittenen Krankheit zu heilen –, sondern auch für andere Länder, damit diese ihre Freiheit nicht verlieren.“ (Witalij Manskij)

“In Putin’s Witnesses wird deutlich, dass der Dauerherrscher von Anfang an ein Meister der psychologischen Manipulation der Massen war. Eine seiner schärfsten Waffen dabei: eine auf einem Auge blinde Vergangenheitspolitik.” («Der Standard»)

„Regisseur Witalij Manskij, der zurzeit im selbst auferlegten Exil in Lettland lebt, zeigt ein sehr persönliches und mutiges Werk. Er zeichnet das Bild einer manipulierten Nation, ohne sich selbst als kritischen Denker auszuschließen. (…) Was bleibt, ist ein einsichtiger Manskij. Dessen krasses Eingeständnis macht den Film herausragend: ‚Der Film spiegelt den Preis wider, den ich zahlen muss, weil ich völlig naiv annahm, dass ich nur ein Zeuge war‘, sagt er im Off. ‚Doch die stillschweigende Einwilligung macht aus Zeugen Komplizen.‘“ (Ana Matijssevic, srf Kultur, 4.10.2018)

Свидетели Путина (Putins Zeugen / Putin’s Witnesses), OmdU
Fr 24.05.

PARTISAN Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz 1992-2017

Lutz Pehnert & Matthias Ehlert & Adama Ulrich
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PARTISAN Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz 1992-2017

Deutschland 2018, 130 min

Regie: Lutz Pehnert, Matthias Ehlert, Adama Ulrich

In einer Gesellschaft, die sich zunehmend gegenüber neuen Denkweisen und ästhetischen Grenzüberschreitungen abschottet, sagt Frank Castorf, sei das Theater der letzte Partisan. Als Regisseur und Intendant hat Castorf die Berliner Volksbühne seit Anfang der 1990er Jahre zu solch einem Ort des Aufbruchs und der Avantgarde werden lassen. Mit der radikalen Reaktion auf gesellschaftliche Umbrüche und der Erprobung neuer Theatermittel wurde die Volksbühne zum wichtigsten Theater Deutschlands mit großer internationaler Strahlkraft. Der Film begleitet Castorf bei seiner Abschiedsinszenierung an der Volksbühne, dem „Faust“, und wirft zugleich einen Blick in den Maschinenraum dieser Theaterfabrik. Mitstreiter wie Sophie Rois, Herbert Fritsch oder Alexander Scheer erzählen von den speziellen Arbeitszusammenhängen an diesem Haus, in News-Flashbacks werden besondere Momente der letzten 25 Jahre wieder lebendig.

 

PARTISAN Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz 1992-2017
Fr 24.05.

Macht das alles einen Sinn? – Und wenn Ja – warum dauert es so lange?

Andreas Wilcke
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Macht das alles einen Sinn? – Und wenn Ja – warum dauert es so lange?

Deutschland 2019, 102 min

Regie: Andreas Wilcke

Zwischen schick sanierten Alt- und futuristisch anmutenden Neubauten, die mit Klamottenläden, Youth Hostels, Sushiläden und Galerien bestückt sind, reckt sich ein graues kolossartiges Ungetüm in betörender Hässlichkeit wie eine Festung ´gen Himmel. – Die Volksbühne. Dieses Haus, dessen Bau im Jahr 1915 von den Spendengroschen der SPD-Mitglieder finanziert wurde, um ein Theater zu schaffen, in dem Arbeiter ihre eigenen Stücke realisieren konnten, entwickelte im Verlauf der darauffolgenden Jahre eine ganz eigene Dynamik und erfand unter Regisseuren wie Piscator, Marquard, Besson das Theater immer wieder neu. Diese Tradition aufnehmend haben Frank Castorf und sein Kostüm- und Bühnenbildner Bert Neumann in der Volksbühne ein Vierteljahrhundert lang einen Mikrokosmos erschaffen, der vielen als identitätsstiftende Trutzburg, als renitente Insel im immer schicker und monotoner werdenden Zentrum der Hauptstadt galt. Die von ihnen verantworteten Marathoninszenierungen waren wahre Assoziationsorgien, die dem oft ohnehin epischen Charakter des Stückes bzw. der Romanvorlage anderes historisches Material einverleibten (getreu dem von Heiner Müller geprägten Motto: „Theater heißt – mit den Toten reden“) und dem Zuschauer alles abverlangten. Getragen wurden diese Abende von den 230 Mitarbeitern des Theaters aus den verschiedensten Gewerken: u.a. der Technik, der Maske, der eigenen Schneiderei und der eigenen Holz- und Metallwerkstätten, der Requisite sowie dem Ensemble. Als diese sich in einem offenen Brief an die Medien wandten, da sie ihre Arbeitsplätze unter dem von der Politik neu installierten Intendanten bedroht sahen, war das der Startschuss für meinen Film. Ich wollte anhand der letzten Spielzeit untersuchen, was es auf sich hat mit dem Mythos Volksbühne, und wollte mit der Kamera dabei sein, wenn sich diese Theatermenschen noch einmal zusammenraufen, um ein letztes Feuerwerk im Angesicht einer ungewissen Zukunft zu entzünden. (Andreas Wilcke)

http://www.machtdasallessinn.com

Macht das alles einen Sinn? – Und wenn Ja – warum dauert es so lange?
Sa 25.05.

Лето (Leto / Sommer), OmdU

Kirill Serebrennikow
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Лето (Leto / Sommer)

Russland / Frankreich 2018, 128 min, russische Originalfassung mit deutschen Untertiteln

Regie: Kirill Serebrennikow

Leningrad, ein Sommer zu Beginn der 1980er. Während Alben von Lou Reed und David Bowie heimlich die Besitzer wechseln, brodelt die Underground-Rockszene. Mike und seine Frau Natascha lernen den charismatischen Musiker Viktor Zoi kennen. Ihre unbändige Leidenschaft für die Musik verbindet sie schnell zu einer eigenwilligen Dreieckskonstellation. Als Teil einer neuen Musikbewegung werden sie trotz staatlich kontrollierter Konzerte das Schicksal des Rock ’n‘ Rolls in der Sowjetunion verändern.

Nach der wahren Geschichte um die legendäre russische Rockband Kino fängt LETO das Lebensgefühl einer sich nach Freiheit sehnenden Generation kurz vor der Perestroika ein. Mit verspielter Bilderwelt und pulsierendem Soundtrack von Talking Heads, Iggy Pop bis zu Blondie gelingt Kirill Serebrennikow ein mitreißendes und leichtfüßiges Zeitbild einer Jugend zwischen Rebellion und dem Leben unter Zensur. (weltkino)

„Mike Naumenko (einst Kopf der Band „Zoopark“) ebnet dem jungen Viktor Zoi den Weg in die Leningrader Musikszene, während sich zwischen Viktor und Mikes Frau Natasha eine Romanze anbahnt. Dass Viktor Zoi später zu einer Legende der sowjetischen Rockgeschichte werden sollte, zum Idol einer ganzen Generation, bis heute verehrt und umjubelt, davon ist in LETO noch keine Rede. Aber erahnen lässt sich die unbändige Kreativkraft des jungen Zoi, der intuitiv den richtigen Ton trifft (…). Serebrennikov erzählt in bestechenden Schwarz-Weiβ-Bildern von der Aufbruchsstimmung einer ganzen Generation, die vor Zorn und Leidenschaft zu platzen scheint und – noch namenlos – Gorbatschows Perestroika-Politik herbeisehnt. Und damit ist LETO weitaus mehr, als lediglich die gekonnte Verknüpfung einer komplizierten Liebesgeschichte mit einem berauschenden Soundtrack.“ (Maja Ellmenreich, deutschlandfunk, 10.05.18)

„Serebrennikov balanciert seinen Film gut, er umschifft die Hürden aller Filme über hedonistische KünstlerInnen, die irgendwann in ihrem eigenen Saft baden gehen und sich vollends entleeren. Doch das ist hier nicht der Fall. Im Gegenteil: Unter der sanften Melancholie zeigt sich ein treffsicherer Scharfsinn, der ganz wie die Liedtexte der 1980er-Jahre-Punks nie eindeutig ausdrückt, was er sagen will und doch Bände spricht.“ (B. Behn, kino-zeit.de)

Лето (Leto / Sommer), OmdU
Sa 25.05.

Айка – Ayka, OmdU

Sergej Dworzewoj
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Айка (Ayka)                             Hauptpreis Filmfestival Cottbus 18

RUS/ D/ PL/ KZ/ CHN 2018, 100 min, russische Originalfassung mit dt. UT

Regie: Sergej Dworzewoj

Ayka, eine junge Kirgisin, arbeitet in Moskau. Ayka lebt ein Leben im Abgrund, stets verfolgt von der Notwendigkeit, sich das Überleben zu sichern. Weil sie ihr gerade geborenes Kind nicht ernähren kann, lässt sie ihren Sohn im Krankenhaus zurück und flieht – zurück in eine rohe Welt, in der sie niemals mehr als die Gejagte ihrer bloßen Existenz sein kann. Unter dem gnadenlosen Druck, Geld aufzutreiben, um ihre Schulden zu begleichen, will Ayka auch noch die letzte Grenze überschreiten. Sie muss sich einer existentiellen Entscheidung stellen. Für ihr herausragendes Spiel wurde die Schauspielerin Samal Jesljamowa in Cannes mit dem Preis als Beste Darstellerin ausgezeichnet. Es gelingt ein kraftvolles Stück Kino voller Ehrlichkeit und das faszinierende Porträt einer unglaublich starken Frauenfigur.

„Es begann mit einer trockenen Zeitungsstatistik: ‚Im Jahr 2010 wurden in Moskauer Geburtskliniken 248 Babys von Müttern aus Kirgisistan aufgegeben.‘ Ich stand lange Zeit unter Schock, nachdem ich das gelesen hatte: Wie kann das sein? Was könnte der Grund dafür sein, dass kirgisische Mütter ihre Babys freiwillig massenhaft aufgeben und in einem fremden Land zurücklassen? Was könnte sie zu einer solchen Tat zwingen, die für jede Frau, aber erst recht für Frauen aus den so sehr familienorientierten Kulturen Zentralasiens, unnatürlich ist? Mir wurde klar, dass ich einen Film darüber machen musste: einen Film über ein kirgisisches Mädchen, das sein neugeborenes Kind auf einer Moskauer Entbindungsstation verlässt, und die Umstände, die zu dieser Entscheidung geführt haben. Tatsache ist jedoch, dass es in diesem Film um uns alle geht: um das, was passiert, wenn die Beziehungen zwischen einem Menschen und seiner Umwelt so extrem werden, dass er oder sie moralisch zu verfallen beginnt.“ (Regiekommentar)

Айка – Ayka, OmdU
Sa 25.05.

Macht das alles einen Sinn? – Und wenn Ja – warum dauert es so lange?

Andreas Wilcke
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Macht das alles einen Sinn? – Und wenn Ja – warum dauert es so lange?

Deutschland 2019, 102 min

Regie: Andreas Wilcke

Zwischen schick sanierten Alt- und futuristisch anmutenden Neubauten, die mit Klamottenläden, Youth Hostels, Sushiläden und Galerien bestückt sind, reckt sich ein graues kolossartiges Ungetüm in betörender Hässlichkeit wie eine Festung ´gen Himmel. – Die Volksbühne. Dieses Haus, dessen Bau im Jahr 1915 von den Spendengroschen der SPD-Mitglieder finanziert wurde, um ein Theater zu schaffen, in dem Arbeiter ihre eigenen Stücke realisieren konnten, entwickelte im Verlauf der darauffolgenden Jahre eine ganz eigene Dynamik und erfand unter Regisseuren wie Piscator, Marquard, Besson das Theater immer wieder neu. Diese Tradition aufnehmend haben Frank Castorf und sein Kostüm- und Bühnenbildner Bert Neumann in der Volksbühne ein Vierteljahrhundert lang einen Mikrokosmos erschaffen, der vielen als identitätsstiftende Trutzburg, als renitente Insel im immer schicker und monotoner werdenden Zentrum der Hauptstadt galt. Die von ihnen verantworteten Marathoninszenierungen waren wahre Assoziationsorgien, die dem oft ohnehin epischen Charakter des Stückes bzw. der Romanvorlage anderes historisches Material einverleibten (getreu dem von Heiner Müller geprägten Motto: „Theater heißt – mit den Toten reden“) und dem Zuschauer alles abverlangten. Getragen wurden diese Abende von den 230 Mitarbeitern des Theaters aus den verschiedensten Gewerken: u.a. der Technik, der Maske, der eigenen Schneiderei und der eigenen Holz- und Metallwerkstätten, der Requisite sowie dem Ensemble. Als diese sich in einem offenen Brief an die Medien wandten, da sie ihre Arbeitsplätze unter dem von der Politik neu installierten Intendanten bedroht sahen, war das der Startschuss für meinen Film. Ich wollte anhand der letzten Spielzeit untersuchen, was es auf sich hat mit dem Mythos Volksbühne, und wollte mit der Kamera dabei sein, wenn sich diese Theatermenschen noch einmal zusammenraufen, um ein letztes Feuerwerk im Angesicht einer ungewissen Zukunft zu entzünden. (Andreas Wilcke)

http://www.machtdasallessinn.com

Macht das alles einen Sinn? – Und wenn Ja – warum dauert es so lange?
Sa 25.05.

Свидетели Путина (Putins Zeugen / Putin’s Witnesses), OmdU

Witalij Manskij
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Свидетели Путина (Putins Zeugen / Putin’s Witnesses)

Lettland / Schweiz / Tschechische Republik 2018, 102 min, russ. Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Witalij Manskij

Die Filmereignisse beginnen am 31. Dezember 1999, als Russland mit dem Interimspräsidenten bekannt wurde. Der Film gründet auf einmaligen und rein dokumentarischen Aussagen über die wahren Ursachen und Folgen der „Operation Nachfolger“, wodurch Russland den Präsidenten erhielt, der heute noch das Land regiert. Die Protagonisten des Films sind Michail Gorbatschow, Boris Jelzin, Wladimir Putin, Witalij Manskij und die russische Nation, die – wie immer – stille Zeugin ihres eigenen Schicksals ist.

„Eine schwerwiegende und weit fortgeschrittene Erkrankung erfordert eine Diagnose und eine Untersuchung der Krankheitsgeschichte. Dies war meine Überlegung bei den Vorbereitungsarbeiten für einen Film über die Ereignisse, die der unerwarteten Resignation des russischen Präsidenten Boris Jelzin und dem Beginn der ‹Operation Nachfolger› vorausgingen. Ich war Zeuge von und Mitbeteiligter an dieser Operation, die Wladimir Putin auf den Moskauer Thron setzte. Mein Erlebnisbericht ist äußerst wichtig. Nicht nur für die russische Gesellschaft – mit dem Ziel, sie von einer weit fortgeschrittenen Krankheit zu heilen –, sondern auch für andere Länder, damit diese ihre Freiheit nicht verlieren.“ (Witalij Manskij)

“In Putin’s Witnesses wird deutlich, dass der Dauerherrscher von Anfang an ein Meister der psychologischen Manipulation der Massen war. Eine seiner schärfsten Waffen dabei: eine auf einem Auge blinde Vergangenheitspolitik.” («Der Standard»)

„Regisseur Witalij Manskij, der zurzeit im selbst auferlegten Exil in Lettland lebt, zeigt ein sehr persönliches und mutiges Werk. Er zeichnet das Bild einer manipulierten Nation, ohne sich selbst als kritischen Denker auszuschließen. (…) Was bleibt, ist ein einsichtiger Manskij. Dessen krasses Eingeständnis macht den Film herausragend: ‚Der Film spiegelt den Preis wider, den ich zahlen muss, weil ich völlig naiv annahm, dass ich nur ein Zeuge war‘, sagt er im Off. ‚Doch die stillschweigende Einwilligung macht aus Zeugen Komplizen.‘“ (Ana Matijssevic, srf Kultur, 4.10.2018)

Свидетели Путина (Putins Zeugen / Putin’s Witnesses), OmdU
So 26.05.

Лето (Leto / Sommer), OmdU

Kirill Serebrennikow
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Лето (Leto / Sommer)

Russland / Frankreich 2018, 128 min, russische Originalfassung mit deutschen Untertiteln

Regie: Kirill Serebrennikow

Leningrad, ein Sommer zu Beginn der 1980er. Während Alben von Lou Reed und David Bowie heimlich die Besitzer wechseln, brodelt die Underground-Rockszene. Mike und seine Frau Natascha lernen den charismatischen Musiker Viktor Zoi kennen. Ihre unbändige Leidenschaft für die Musik verbindet sie schnell zu einer eigenwilligen Dreieckskonstellation. Als Teil einer neuen Musikbewegung werden sie trotz staatlich kontrollierter Konzerte das Schicksal des Rock ’n‘ Rolls in der Sowjetunion verändern.

Nach der wahren Geschichte um die legendäre russische Rockband Kino fängt LETO das Lebensgefühl einer sich nach Freiheit sehnenden Generation kurz vor der Perestroika ein. Mit verspielter Bilderwelt und pulsierendem Soundtrack von Talking Heads, Iggy Pop bis zu Blondie gelingt Kirill Serebrennikow ein mitreißendes und leichtfüßiges Zeitbild einer Jugend zwischen Rebellion und dem Leben unter Zensur. (weltkino)

„Mike Naumenko (einst Kopf der Band „Zoopark“) ebnet dem jungen Viktor Zoi den Weg in die Leningrader Musikszene, während sich zwischen Viktor und Mikes Frau Natasha eine Romanze anbahnt. Dass Viktor Zoi später zu einer Legende der sowjetischen Rockgeschichte werden sollte, zum Idol einer ganzen Generation, bis heute verehrt und umjubelt, davon ist in LETO noch keine Rede. Aber erahnen lässt sich die unbändige Kreativkraft des jungen Zoi, der intuitiv den richtigen Ton trifft (…). Serebrennikov erzählt in bestechenden Schwarz-Weiβ-Bildern von der Aufbruchsstimmung einer ganzen Generation, die vor Zorn und Leidenschaft zu platzen scheint und – noch namenlos – Gorbatschows Perestroika-Politik herbeisehnt. Und damit ist LETO weitaus mehr, als lediglich die gekonnte Verknüpfung einer komplizierten Liebesgeschichte mit einem berauschenden Soundtrack.“ (Maja Ellmenreich, deutschlandfunk, 10.05.18)

„Serebrennikov balanciert seinen Film gut, er umschifft die Hürden aller Filme über hedonistische KünstlerInnen, die irgendwann in ihrem eigenen Saft baden gehen und sich vollends entleeren. Doch das ist hier nicht der Fall. Im Gegenteil: Unter der sanften Melancholie zeigt sich ein treffsicherer Scharfsinn, der ganz wie die Liedtexte der 1980er-Jahre-Punks nie eindeutig ausdrückt, was er sagen will und doch Bände spricht.“ (B. Behn, kino-zeit.de)

Лето (Leto / Sommer), OmdU
So 26.05.

Айка – Ayka, OmdU

Sergej Dworzewoj
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Айка (Ayka)                             Hauptpreis Filmfestival Cottbus 18

RUS/ D/ PL/ KZ/ CHN 2018, 100 min, russische Originalfassung mit dt. UT

Regie: Sergej Dworzewoj

Ayka, eine junge Kirgisin, arbeitet in Moskau. Ayka lebt ein Leben im Abgrund, stets verfolgt von der Notwendigkeit, sich das Überleben zu sichern. Weil sie ihr gerade geborenes Kind nicht ernähren kann, lässt sie ihren Sohn im Krankenhaus zurück und flieht – zurück in eine rohe Welt, in der sie niemals mehr als die Gejagte ihrer bloßen Existenz sein kann. Unter dem gnadenlosen Druck, Geld aufzutreiben, um ihre Schulden zu begleichen, will Ayka auch noch die letzte Grenze überschreiten. Sie muss sich einer existentiellen Entscheidung stellen. Für ihr herausragendes Spiel wurde die Schauspielerin Samal Jesljamowa in Cannes mit dem Preis als Beste Darstellerin ausgezeichnet. Es gelingt ein kraftvolles Stück Kino voller Ehrlichkeit und das faszinierende Porträt einer unglaublich starken Frauenfigur.

„Es begann mit einer trockenen Zeitungsstatistik: ‚Im Jahr 2010 wurden in Moskauer Geburtskliniken 248 Babys von Müttern aus Kirgisistan aufgegeben.‘ Ich stand lange Zeit unter Schock, nachdem ich das gelesen hatte: Wie kann das sein? Was könnte der Grund dafür sein, dass kirgisische Mütter ihre Babys freiwillig massenhaft aufgeben und in einem fremden Land zurücklassen? Was könnte sie zu einer solchen Tat zwingen, die für jede Frau, aber erst recht für Frauen aus den so sehr familienorientierten Kulturen Zentralasiens, unnatürlich ist? Mir wurde klar, dass ich einen Film darüber machen musste: einen Film über ein kirgisisches Mädchen, das sein neugeborenes Kind auf einer Moskauer Entbindungsstation verlässt, und die Umstände, die zu dieser Entscheidung geführt haben. Tatsache ist jedoch, dass es in diesem Film um uns alle geht: um das, was passiert, wenn die Beziehungen zwischen einem Menschen und seiner Umwelt so extrem werden, dass er oder sie moralisch zu verfallen beginnt.“ (Regiekommentar)

Айка – Ayka, OmdU
So 26.05.

Macht das alles einen Sinn? – Und wenn Ja – warum dauert es so lange?

Andreas Wilcke
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Macht das alles einen Sinn? – Und wenn Ja – warum dauert es so lange?

Deutschland 2019, 102 min

Regie: Andreas Wilcke

Zwischen schick sanierten Alt- und futuristisch anmutenden Neubauten, die mit Klamottenläden, Youth Hostels, Sushiläden und Galerien bestückt sind, reckt sich ein graues kolossartiges Ungetüm in betörender Hässlichkeit wie eine Festung ´gen Himmel. – Die Volksbühne. Dieses Haus, dessen Bau im Jahr 1915 von den Spendengroschen der SPD-Mitglieder finanziert wurde, um ein Theater zu schaffen, in dem Arbeiter ihre eigenen Stücke realisieren konnten, entwickelte im Verlauf der darauffolgenden Jahre eine ganz eigene Dynamik und erfand unter Regisseuren wie Piscator, Marquard, Besson das Theater immer wieder neu. Diese Tradition aufnehmend haben Frank Castorf und sein Kostüm- und Bühnenbildner Bert Neumann in der Volksbühne ein Vierteljahrhundert lang einen Mikrokosmos erschaffen, der vielen als identitätsstiftende Trutzburg, als renitente Insel im immer schicker und monotoner werdenden Zentrum der Hauptstadt galt. Die von ihnen verantworteten Marathoninszenierungen waren wahre Assoziationsorgien, die dem oft ohnehin epischen Charakter des Stückes bzw. der Romanvorlage anderes historisches Material einverleibten (getreu dem von Heiner Müller geprägten Motto: „Theater heißt – mit den Toten reden“) und dem Zuschauer alles abverlangten. Getragen wurden diese Abende von den 230 Mitarbeitern des Theaters aus den verschiedensten Gewerken: u.a. der Technik, der Maske, der eigenen Schneiderei und der eigenen Holz- und Metallwerkstätten, der Requisite sowie dem Ensemble. Als diese sich in einem offenen Brief an die Medien wandten, da sie ihre Arbeitsplätze unter dem von der Politik neu installierten Intendanten bedroht sahen, war das der Startschuss für meinen Film. Ich wollte anhand der letzten Spielzeit untersuchen, was es auf sich hat mit dem Mythos Volksbühne, und wollte mit der Kamera dabei sein, wenn sich diese Theatermenschen noch einmal zusammenraufen, um ein letztes Feuerwerk im Angesicht einer ungewissen Zukunft zu entzünden. (Andreas Wilcke)

http://www.machtdasallessinn.com

Macht das alles einen Sinn? – Und wenn Ja – warum dauert es so lange?
So 26.05.

Свидетели Путина (Putins Zeugen / Putin’s Witnesses), OmdU

Witalij Manskij
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Свидетели Путина (Putins Zeugen / Putin’s Witnesses)

Lettland / Schweiz / Tschechische Republik 2018, 102 min, russ. Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Witalij Manskij

Die Filmereignisse beginnen am 31. Dezember 1999, als Russland mit dem Interimspräsidenten bekannt wurde. Der Film gründet auf einmaligen und rein dokumentarischen Aussagen über die wahren Ursachen und Folgen der „Operation Nachfolger“, wodurch Russland den Präsidenten erhielt, der heute noch das Land regiert. Die Protagonisten des Films sind Michail Gorbatschow, Boris Jelzin, Wladimir Putin, Witalij Manskij und die russische Nation, die – wie immer – stille Zeugin ihres eigenen Schicksals ist.

„Eine schwerwiegende und weit fortgeschrittene Erkrankung erfordert eine Diagnose und eine Untersuchung der Krankheitsgeschichte. Dies war meine Überlegung bei den Vorbereitungsarbeiten für einen Film über die Ereignisse, die der unerwarteten Resignation des russischen Präsidenten Boris Jelzin und dem Beginn der ‹Operation Nachfolger› vorausgingen. Ich war Zeuge von und Mitbeteiligter an dieser Operation, die Wladimir Putin auf den Moskauer Thron setzte. Mein Erlebnisbericht ist äußerst wichtig. Nicht nur für die russische Gesellschaft – mit dem Ziel, sie von einer weit fortgeschrittenen Krankheit zu heilen –, sondern auch für andere Länder, damit diese ihre Freiheit nicht verlieren.“ (Witalij Manskij)

“In Putin’s Witnesses wird deutlich, dass der Dauerherrscher von Anfang an ein Meister der psychologischen Manipulation der Massen war. Eine seiner schärfsten Waffen dabei: eine auf einem Auge blinde Vergangenheitspolitik.” («Der Standard»)

„Regisseur Witalij Manskij, der zurzeit im selbst auferlegten Exil in Lettland lebt, zeigt ein sehr persönliches und mutiges Werk. Er zeichnet das Bild einer manipulierten Nation, ohne sich selbst als kritischen Denker auszuschließen. (…) Was bleibt, ist ein einsichtiger Manskij. Dessen krasses Eingeständnis macht den Film herausragend: ‚Der Film spiegelt den Preis wider, den ich zahlen muss, weil ich völlig naiv annahm, dass ich nur ein Zeuge war‘, sagt er im Off. ‚Doch die stillschweigende Einwilligung macht aus Zeugen Komplizen.‘“ (Ana Matijssevic, srf Kultur, 4.10.2018)

Свидетели Путина (Putins Zeugen / Putin’s Witnesses), OmdU
Mo 27.05.

Spreeland. Fontane

Bernhard Sallmann
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Spreeland. Fontane

D 2018, 79 min

Regie: Bernhard Sallmann

Trotz oder wegen allen Rummels zum Fontanejahr, ein Schriftsteller lässt sich weiter nur durch die Beschäftigung mit seinem OEuvre entdecken. Für SPREELAND FONTANE wählte Bernhard Sallmann zeitgenössische märkische Landschaften und Töne als Echoraum für die sorgsam ausgewählten Texte des Autors. Sein Film ist anregende Herausforderung zur Auseinandersetzung mit Fontane und der Welt damals und heute.

Spreeland. Fontane
Mo 27.05.

Свидетели Путина (Putins Zeugen / Putin’s Witnesses), OmdU

Witalij Manskij
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Lettland / Schweiz / Tschechische Republik 2018, 102 min, russ. Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Witalij Manskij

Die Filmereignisse beginnen am 31. Dezember 1999, als Russland mit dem Interimspräsidenten bekannt wurde. Der Film gründet auf einmaligen und rein dokumentarischen Aussagen über die wahren Ursachen und Folgen der „Operation Nachfolger“, wodurch Russland den Präsidenten erhielt, der heute noch das Land regiert. Die Protagonisten des Films sind Michail Gorbatschow, Boris Jelzin, Wladimir Putin, Witalij Manskij und die russische Nation, die – wie immer – stille Zeugin ihres eigenen Schicksals ist.

„Eine schwerwiegende und weit fortgeschrittene Erkrankung erfordert eine Diagnose und eine Untersuchung der Krankheitsgeschichte. Dies war meine Überlegung bei den Vorbereitungsarbeiten für einen Film über die Ereignisse, die der unerwarteten Resignation des russischen Präsidenten Boris Jelzin und dem Beginn der ‹Operation Nachfolger› vorausgingen. Ich war Zeuge von und Mitbeteiligter an dieser Operation, die Wladimir Putin auf den Moskauer Thron setzte. Mein Erlebnisbericht ist äußerst wichtig. Nicht nur für die russische Gesellschaft – mit dem Ziel, sie von einer weit fortgeschrittenen Krankheit zu heilen –, sondern auch für andere Länder, damit diese ihre Freiheit nicht verlieren.“ (Witalij Manskij)

“In Putin’s Witnesses wird deutlich, dass der Dauerherrscher von Anfang an ein Meister der psychologischen Manipulation der Massen war. Eine seiner schärfsten Waffen dabei: eine auf einem Auge blinde Vergangenheitspolitik.” («Der Standard»)

„Regisseur Witalij Manskij, der zurzeit im selbst auferlegten Exil in Lettland lebt, zeigt ein sehr persönliches und mutiges Werk. Er zeichnet das Bild einer manipulierten Nation, ohne sich selbst als kritischen Denker auszuschließen. (…) Was bleibt, ist ein einsichtiger Manskij. Dessen krasses Eingeständnis macht den Film herausragend: ‚Der Film spiegelt den Preis wider, den ich zahlen muss, weil ich völlig naiv annahm, dass ich nur ein Zeuge war‘, sagt er im Off. ‚Doch die stillschweigende Einwilligung macht aus Zeugen Komplizen.‘“ (Ana Matijssevic, srf Kultur, 4.10.2018)

Свидетели Путина (Putins Zeugen / Putin’s Witnesses), OmdU
Mo 27.05.

Macht das alles einen Sinn? – Und wenn Ja – warum dauert es so lange?

Andreas Wilcke
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Macht das alles einen Sinn? – Und wenn Ja – warum dauert es so lange?

Deutschland 2019, 102 min

Regie: Andreas Wilcke

Zwischen schick sanierten Alt- und futuristisch anmutenden Neubauten, die mit Klamottenläden, Youth Hostels, Sushiläden und Galerien bestückt sind, reckt sich ein graues kolossartiges Ungetüm in betörender Hässlichkeit wie eine Festung ´gen Himmel. – Die Volksbühne. Dieses Haus, dessen Bau im Jahr 1915 von den Spendengroschen der SPD-Mitglieder finanziert wurde, um ein Theater zu schaffen, in dem Arbeiter ihre eigenen Stücke realisieren konnten, entwickelte im Verlauf der darauffolgenden Jahre eine ganz eigene Dynamik und erfand unter Regisseuren wie Piscator, Marquard, Besson das Theater immer wieder neu. Diese Tradition aufnehmend haben Frank Castorf und sein Kostüm- und Bühnenbildner Bert Neumann in der Volksbühne ein Vierteljahrhundert lang einen Mikrokosmos erschaffen, der vielen als identitätsstiftende Trutzburg, als renitente Insel im immer schicker und monotoner werdenden Zentrum der Hauptstadt galt. Die von ihnen verantworteten Marathoninszenierungen waren wahre Assoziationsorgien, die dem oft ohnehin epischen Charakter des Stückes bzw. der Romanvorlage anderes historisches Material einverleibten (getreu dem von Heiner Müller geprägten Motto: „Theater heißt – mit den Toten reden“) und dem Zuschauer alles abverlangten. Getragen wurden diese Abende von den 230 Mitarbeitern des Theaters aus den verschiedensten Gewerken: u.a. der Technik, der Maske, der eigenen Schneiderei und der eigenen Holz- und Metallwerkstätten, der Requisite sowie dem Ensemble. Als diese sich in einem offenen Brief an die Medien wandten, da sie ihre Arbeitsplätze unter dem von der Politik neu installierten Intendanten bedroht sahen, war das der Startschuss für meinen Film. Ich wollte anhand der letzten Spielzeit untersuchen, was es auf sich hat mit dem Mythos Volksbühne, und wollte mit der Kamera dabei sein, wenn sich diese Theatermenschen noch einmal zusammenraufen, um ein letztes Feuerwerk im Angesicht einer ungewissen Zukunft zu entzünden. (Andreas Wilcke)

Macht das alles einen Sinn? – Und wenn Ja – warum dauert es so lange?
Di 28.05.

Spreeland. Fontane

Bernhard Sallmann
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Spreeland. Fontane

D 2018, 79 min

Regie: Bernhard Sallmann

Trotz oder wegen allen Rummels zum Fontanejahr, ein Schriftsteller lässt sich weiter nur durch die Beschäftigung mit seinem OEuvre entdecken. Für SPREELAND FONTANE wählte Bernhard Sallmann zeitgenössische märkische Landschaften und Töne als Echoraum für die sorgsam ausgewählten Texte des Autors. Sein Film ist anregende Herausforderung zur Auseinandersetzung mit Fontane und der Welt damals und heute.

Spreeland. Fontane
Di 28.05.

Свидетели Путина (Putins Zeugen / Putin’s Witnesses), OmdU

Witalij Manskij
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Свидетели Путина (Putins Zeugen / Putin’s Witnesses)

Lettland / Schweiz / Tschechische Republik 2018, 102 min, russ. Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Witalij Manskij

Die Filmereignisse beginnen am 31. Dezember 1999, als Russland mit dem Interimspräsidenten bekannt wurde. Der Film gründet auf einmaligen und rein dokumentarischen Aussagen über die wahren Ursachen und Folgen der „Operation Nachfolger“, wodurch Russland den Präsidenten erhielt, der heute noch das Land regiert. Die Protagonisten des Films sind Michail Gorbatschow, Boris Jelzin, Wladimir Putin, Witalij Manskij und die russische Nation, die – wie immer – stille Zeugin ihres eigenen Schicksals ist.

„Eine schwerwiegende und weit fortgeschrittene Erkrankung erfordert eine Diagnose und eine Untersuchung der Krankheitsgeschichte. Dies war meine Überlegung bei den Vorbereitungsarbeiten für einen Film über die Ereignisse, die der unerwarteten Resignation des russischen Präsidenten Boris Jelzin und dem Beginn der ‹Operation Nachfolger› vorausgingen. Ich war Zeuge von und Mitbeteiligter an dieser Operation, die Wladimir Putin auf den Moskauer Thron setzte. Mein Erlebnisbericht ist äußerst wichtig. Nicht nur für die russische Gesellschaft – mit dem Ziel, sie von einer weit fortgeschrittenen Krankheit zu heilen –, sondern auch für andere Länder, damit diese ihre Freiheit nicht verlieren.“ (Witalij Manskij)

“In Putin’s Witnesses wird deutlich, dass der Dauerherrscher von Anfang an ein Meister der psychologischen Manipulation der Massen war. Eine seiner schärfsten Waffen dabei: eine auf einem Auge blinde Vergangenheitspolitik.” («Der Standard»)

„Regisseur Witalij Manskij, der zurzeit im selbst auferlegten Exil in Lettland lebt, zeigt ein sehr persönliches und mutiges Werk. Er zeichnet das Bild einer manipulierten Nation, ohne sich selbst als kritischen Denker auszuschließen. (…) Was bleibt, ist ein einsichtiger Manskij. Dessen krasses Eingeständnis macht den Film herausragend: ‚Der Film spiegelt den Preis wider, den ich zahlen muss, weil ich völlig naiv annahm, dass ich nur ein Zeuge war‘, sagt er im Off. ‚Doch die stillschweigende Einwilligung macht aus Zeugen Komplizen.‘“ (Ana Matijssevic, srf Kultur, 4.10.2018)

Свидетели Путина (Putins Zeugen / Putin’s Witnesses), OmdU
Di 28.05.

Macht das alles einen Sinn? – Und wenn Ja – warum dauert es so lange?

Andreas Wilcke
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Macht das alles einen Sinn? – Und wenn Ja – warum dauert es so lange?

Deutschland 2019, 102 min

Regie: Andreas Wilcke

Zwischen schick sanierten Alt- und futuristisch anmutenden Neubauten, die mit Klamottenläden, Youth Hostels, Sushiläden und Galerien bestückt sind, reckt sich ein graues kolossartiges Ungetüm in betörender Hässlichkeit wie eine Festung ´gen Himmel. – Die Volksbühne. Dieses Haus, dessen Bau im Jahr 1915 von den Spendengroschen der SPD-Mitglieder finanziert wurde, um ein Theater zu schaffen, in dem Arbeiter ihre eigenen Stücke realisieren konnten, entwickelte im Verlauf der darauffolgenden Jahre eine ganz eigene Dynamik und erfand unter Regisseuren wie Piscator, Marquard, Besson das Theater immer wieder neu. Diese Tradition aufnehmend haben Frank Castorf und sein Kostüm- und Bühnenbildner Bert Neumann in der Volksbühne ein Vierteljahrhundert lang einen Mikrokosmos erschaffen, der vielen als identitätsstiftende Trutzburg, als renitente Insel im immer schicker und monotoner werdenden Zentrum der Hauptstadt galt. Die von ihnen verantworteten Marathoninszenierungen waren wahre Assoziationsorgien, die dem oft ohnehin epischen Charakter des Stückes bzw. der Romanvorlage anderes historisches Material einverleibten (getreu dem von Heiner Müller geprägten Motto: „Theater heißt – mit den Toten reden“) und dem Zuschauer alles abverlangten. Getragen wurden diese Abende von den 230 Mitarbeitern des Theaters aus den verschiedensten Gewerken: u.a. der Technik, der Maske, der eigenen Schneiderei und der eigenen Holz- und Metallwerkstätten, der Requisite sowie dem Ensemble. Als diese sich in einem offenen Brief an die Medien wandten, da sie ihre Arbeitsplätze unter dem von der Politik neu installierten Intendanten bedroht sahen, war das der Startschuss für meinen Film. Ich wollte anhand der letzten Spielzeit untersuchen, was es auf sich hat mit dem Mythos Volksbühne, und wollte mit der Kamera dabei sein, wenn sich diese Theatermenschen noch einmal zusammenraufen, um ein letztes Feuerwerk im Angesicht einer ungewissen Zukunft zu entzünden. (Andreas Wilcke)

http://www.machtdasallessinn.com

Macht das alles einen Sinn? – Und wenn Ja – warum dauert es so lange?
Mi 29.05.

Свидетели Путина (Putins Zeugen / Putin’s Witnesses), OmdU

Witalij Manskij
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Свидетели Путина (Putins Zeugen / Putin’s Witnesses)

Lettland / Schweiz / Tschechische Republik 2018, 102 min, russ. Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Witalij Manskij

Die Filmereignisse beginnen am 31. Dezember 1999, als Russland mit dem Interimspräsidenten bekannt wurde. Der Film gründet auf einmaligen und rein dokumentarischen Aussagen über die wahren Ursachen und Folgen der „Operation Nachfolger“, wodurch Russland den Präsidenten erhielt, der heute noch das Land regiert. Die Protagonisten des Films sind Michail Gorbatschow, Boris Jelzin, Wladimir Putin, Witalij Manskij und die russische Nation, die – wie immer – stille Zeugin ihres eigenen Schicksals ist.

„Eine schwerwiegende und weit fortgeschrittene Erkrankung erfordert eine Diagnose und eine Untersuchung der Krankheitsgeschichte. Dies war meine Überlegung bei den Vorbereitungsarbeiten für einen Film über die Ereignisse, die der unerwarteten Resignation des russischen Präsidenten Boris Jelzin und dem Beginn der ‹Operation Nachfolger› vorausgingen. Ich war Zeuge von und Mitbeteiligter an dieser Operation, die Wladimir Putin auf den Moskauer Thron setzte. Mein Erlebnisbericht ist äußerst wichtig. Nicht nur für die russische Gesellschaft – mit dem Ziel, sie von einer weit fortgeschrittenen Krankheit zu heilen –, sondern auch für andere Länder, damit diese ihre Freiheit nicht verlieren.“ (Witalij Manskij)

“In Putin’s Witnesses wird deutlich, dass der Dauerherrscher von Anfang an ein Meister der psychologischen Manipulation der Massen war. Eine seiner schärfsten Waffen dabei: eine auf einem Auge blinde Vergangenheitspolitik.” («Der Standard»)

„Regisseur Witalij Manskij, der zurzeit im selbst auferlegten Exil in Lettland lebt, zeigt ein sehr persönliches und mutiges Werk. Er zeichnet das Bild einer manipulierten Nation, ohne sich selbst als kritischen Denker auszuschließen. (…) Was bleibt, ist ein einsichtiger Manskij. Dessen krasses Eingeständnis macht den Film herausragend: ‚Der Film spiegelt den Preis wider, den ich zahlen muss, weil ich völlig naiv annahm, dass ich nur ein Zeuge war‘, sagt er im Off. ‚Doch die stillschweigende Einwilligung macht aus Zeugen Komplizen.‘“ (Ana Matijssevic, srf Kultur, 4.10.2018)

 

Свидетели Путина (Putins Zeugen / Putin’s Witnesses), OmdU
Mi 29.05.

Kurische Nehrung, OmdU (Volker Koepp – Werkschau zum 75.) – Premiere der digital restaurierter Fassung in Anwesenheit des Regisseurs

Volker Koepp
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Kurische Nehrung

D 2001, 91 min, russ.| deutsch mit deutschen UT

Regie: Volker Koepp

Wolkentreiben über die Dünen hinaus aufs Meer. Ihre Schatten wandern über den Sand. Der Wind faucht ins Mikrophon. Die Menschen suchen nach ihrem kleinen Glück. Die Orte des Films liegen beiderseits der Grenze, zwischen den Dünen. Nidden, das litauische Nida und Rossitten, russisch: Рыбачий. Seit dem 19. Jahrhundert wird die Kurische Nehrung und das Fischerdorf Nidden von Reisenden, Malern und Schriftstellern entdeckt. Wilhelm von Humboldt, dem ohne die Kurische Nehrung ein wunderbares Bild in der Seele fehlen würde. Lovis Corinth und Max Pechstein. Thomas Mann, der sich in Nidden ein Sommerhaus baut. Nach dem Krieg muss Litauen Sowjetrepublik werden. Doch anders als im russischen Teil der Nehrung bleiben hier einige Deutsche in ihren Heimatorten. Menschen wie die Rentnerin Renate, die 1961 einen russischen Matrosen geheiratet hat und in eigensinnig schönem Deutsch aus ihrem Leben erzählt. In Rossitten werden wie überall im nördlichen Ostpreußen nach 1945 die übriggebliebenen Deutschen abtransportiert und verschiedene Nationalitäten aus der Sowjetunion angesiedelt, wie der russische Filmvorführer, dem gerade seine Arbeit abhandengekommen ist oder der Fischer mit seiner Frau, die verliebt im Gartenlokal sitzen und sich ein zweites Kind wünschen. Allen gemein ist der trotzige Optimismus mit dem sie dem Leben entgegentreten. Keine Maske, sondern der Ausdruck einer Ganzheit von Mensch und Landschaft.

Kurische Nehrung, OmdU (Volker Koepp – Werkschau zum 75.) – Premiere der digital restaurierter Fassung in Anwesenheit des Regisseurs
Do 30.05.

Orangentage – Uzly a pomeranče, DF (Kinder & Familienfilm)

Ivan Pokorný
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Orangentage – Uzly a pomeranče (Kinder & Familienfilm)

Deutschland / Slowakei / Tschechien 2018, 90 min, deutsche Fassung

Regie: Ivan Pokorný

ORANGENTAGE erzählt von Verletzungen, aber auch dem Duft von Orangen, von Tapferkeit, Verantwortung und der ersten Liebe – mit einem Wort: vom Erwachsenwerden. Pferde spielen eine große Rolle, sie symbolisieren die Ungestümtheit und stehen für die Wehmut, angesichts der endenden Kindheit. Eine unterhaltsame und berührende Geschichte frei von Sentimentalität.

Die Liebe zu einem Mädchen, das nach Orangen duftet, die schwierige Beziehung zum Vater, die zärtliche Fürsorge gegenüber der kleinen Schwester und eine Herde Pferde – das ist die Welt von Darek: seine Geschichte über glückliches aber auch schmerzhaftes Heranwachsen in der Abgeschiedenheit des Lausitzer Berglandes. Die Pferde sind keine kostbaren Champions, sondern geschwächte Wesen, die Pflege und Liebe brauchen. Doch auch das reicht nicht aus, um sie zu retten. Dies erfährt Darek am Ende seiner Ferien, die zugleich das Ende seiner Kindheit darstellen. Aber wie sooft ist ein Ende eben auch immer ein Neuanfang.

Die gleichnamige Buchvorlage von Iva Procházková wurde 2012 mit dem LUCHS Kinder- und Jugendbuchpreis von ZEIT und Radio Bremen ausgezeichnet.

Orangentage – Uzly a pomeranče, DF (Kinder & Familienfilm)
Do 30.05.

Der Funktionär

Andreas Goldstein
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Der Funktionär (AT: Bilder meines Vaters)

Deutschland 2018, 72 min

Regie: Andreas Goldstein

„Als mein Vater zwei Jahre alt war, überfiel das deutsche Heer Belgien, der 1. Weltkrieg begann. Als er sechs war, brach das Kaiserreich zusammen. Mit siebzehn sah er vor dem Fenster der elterlichen Wohnung einen erschossenen Arbeiter auf der Straße liegen. Er trat in den kommunistischen Jugendverband und später in die kommunistische Partei ein. Nach 1933 illegale Arbeit, bis ´45 in Berlin. Dann machte er im sozialistischen Deutschland Karriere, Abstürze inbegriffen. Schließlich verschwand das Land. Seitdem er tot ist, erscheint mein Vater in meinen Träumen.
Die Not diese Geschichten zu erzählen erwächst nicht aus der Vergangenheit, sondern aus der Gegenwart. Heute werde die Konflikte der DDR dramatisiert und durchweg auf den Gegensatz von Freiheitswillen und Repression reduziert.  Sie bilden dabei weniger die DDR ab, als vielmehr eine Gegenwart, die sich selbst legitimieren muss und nun in diesen Erzählungen als Erlösung erscheinen kann.
Von einem Kommunisten erwartet man, im Gegensatz zu einem Bankdirektor, Ideale. Und dass er an ihnen scheitert, besser noch zugrunde geht. Schicksale die man einem Bankdirektor nicht verzeihen würde. Der gute Kommunist ist eine tragische Figur, der beste eine Leiche.“ (Andreas Goldstein)

Der Funktionär
Do 30.05.

Macht das alles einen Sinn? – Und wenn Ja – warum dauert es so lange?

Andreas Wilcke
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Macht das alles einen Sinn? – Und wenn Ja – warum dauert es so lange?

Deutschland 2019, 102 min

Regie: Andreas Wilcke

Zwischen schick sanierten Alt- und futuristisch anmutenden Neubauten, die mit Klamottenläden, Youth Hostels, Sushiläden und Galerien bestückt sind, reckt sich ein graues kolossartiges Ungetüm in betörender Hässlichkeit wie eine Festung ´gen Himmel. – Die Volksbühne. Dieses Haus, dessen Bau im Jahr 1915 von den Spendengroschen der SPD-Mitglieder finanziert wurde, um ein Theater zu schaffen, in dem Arbeiter ihre eigenen Stücke realisieren konnten, entwickelte im Verlauf der darauffolgenden Jahre eine ganz eigene Dynamik und erfand unter Regisseuren wie Piscator, Marquard, Besson das Theater immer wieder neu. Diese Tradition aufnehmend haben Frank Castorf und sein Kostüm- und Bühnenbildner Bert Neumann in der Volksbühne ein Vierteljahrhundert lang einen Mikrokosmos erschaffen, der vielen als identitätsstiftende Trutzburg, als renitente Insel im immer schicker und monotoner werdenden Zentrum der Hauptstadt galt. Die von ihnen verantworteten Marathoninszenierungen waren wahre Assoziationsorgien, die dem oft ohnehin epischen Charakter des Stückes bzw. der Romanvorlage anderes historisches Material einverleibten (getreu dem von Heiner Müller geprägten Motto: „Theater heißt – mit den Toten reden“) und dem Zuschauer alles abverlangten. Getragen wurden diese Abende von den 230 Mitarbeitern des Theaters aus den verschiedensten Gewerken: u.a. der Technik, der Maske, der eigenen Schneiderei und der eigenen Holz- und Metallwerkstätten, der Requisite sowie dem Ensemble. Als diese sich in einem offenen Brief an die Medien wandten, da sie ihre Arbeitsplätze unter dem von der Politik neu installierten Intendanten bedroht sahen, war das der Startschuss für meinen Film. Ich wollte anhand der letzten Spielzeit untersuchen, was es auf sich hat mit dem Mythos Volksbühne, und wollte mit der Kamera dabei sein, wenn sich diese Theatermenschen noch einmal zusammenraufen, um ein letztes Feuerwerk im Angesicht einer ungewissen Zukunft zu entzünden. (Andreas Wilcke)

http://www.machtdasallessinn.com

Do 30.05.

Mir ist es egal, wenn wir als Barbaren in die Geschichte eingehen, OmdU

Radu Jude
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Îmi este indiferent dacă în istorie vom intra ca barbari

(Mir ist es egal, wenn wir als Barbaren in die Geschichte eingehen)

RO/ BG/ D/ F/ CZ 2018, 138 min, rumänische Originalfassung mit dt. UT

Regie: Radu Jude           Karlovy Vary IFF 2018 – Grand Prix Crystal Globe

Die junge Regisseurin Mariana Marin plant eine groß angelegte, radikale Theateraufführung zu Rumäniens Beteiligung am Holocaust. Unter General Antonescu wurde der massive Antisemitismus in der rumänischen Gesellschaft zur offiziellen Vernichtungspolitik erklärt, seine Rolle und die seiner Regierung im Zweiten Weltkrieg wird aber bis heute glorifiziert. Vom damaligen Massenmord will niemand mehr etwas wissen. Mit einem Reenactment der damaligen Ereignisse soll das Theaterstück das Publikum aufrütteln, doch bereits vor der Premiere zeigen sich zahlreiche Probleme: es gibt Unmut unter den Komparsen, ein Abgesandter der Stadtregierung möchte das Stück zensieren und auch in Marianas Privatleben läuft nicht alles glatt. Die als Weckruf konzipierte Performance gerät Schritt für Schritt zur Farce… Radu Judes neuer Spielfilm findet einen ganz eigenen Ton für ein schwieriges Thema: die selektive Erinnerungspolitik im heutigen Europa. Zwischen Realität und Fiktion, zwischen dem Blick in moralische Abgründe und einer ironischen Leichtigkeit gelingt ihm eine facettenreiche Reflexion über Geschichtsvergessenheit. Ein Film, der auch das Scheitern von politischer Kunst thematisiert – und dabei als politisches Kunstwerk brilliert.

Die rumänische Schauspielerin Ioana Iacob stellt sich in der ersten Szene des Films als Schauspielerin Ioana Iacob vor, die im Film die Regisseurin Mariana Marin darstellen wird. Sie schaut dabei offen in die Handkamera und wünscht viel Spaß beim Filmschauen. Willkommen im epischen Theater! (…) Detailreich entwickelt der (reale) Regisseur Radu Jude die Geschichte von Marianas Theaterprojekt und verwebt sie originell mit Vergangenheit und Gegenwart. (…) Einige der Laienschauspieler sehen Antonescu noch heute als Held. Von dem Diktator stammt auch das Zitat, das hier zum Filmtitel wurde. Immer wieder gibt es im Film Diskussionen über Wahrheit und Schuld. So überzeugt das Reenactment. Die Gespräche zwischen Schauspielern, Produzenten, Schaulustigen und Regisseurin zeigen die aktuelle Spannung, die die Auseinandersetzung mit diesem dunklen Kapitel rumänischer Geschichte beinhaltet. Manchmal löst sie sich im Lachen. Am Ende entlädt sie sich in einem fulminanten Finale, das Fragen aufwirft. Vergangenheitsbewältigung kommt an kein Ende. Sie muss stetig aktualisiert werden, weil das Vergangene eben nicht vergangen ist. (epd-film)

„Beinahe jedes Land bringt zumindest eine Kinostimme hervor, die sich zum Chronisten der verdrängten Geschichte emporhebt. Mal aus eigenem Antrieb, mal von der Kritik in diese Rolle gesteckt, erzählen diese Filmemacher andere Geschichten; jene von Außenseitern, von Grausamkeiten hinter Staatslügen, vom beschämten Schweigen über den Verbrechen der Geschichte. Für Rumänien, ein Land dessen turbulente Geschichte nicht mal im Ansatz zur Ruhe gekommen ist, hat sich in seinen letzten fünf Arbeiten Radu Jude als solch ein Chronist etabliert.“ (Patrick Holzapfel)

Mir ist es egal, wenn wir als Barbaren in die Geschichte eingehen, OmdU
Fr 31.05.

Orangentage – Uzly a pomeranče, DF (Kinder & Familienfilm)

Ivan Pokorný
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Orangentage – Uzly a pomeranče (Kinder & Familienfilm)

Deutschland / Slowakei / Tschechien 2018, 90 min, deutsche Fassung

Regie: Ivan Pokorný

ORANGENTAGE erzählt von Verletzungen, aber auch dem Duft von Orangen, von Tapferkeit, Verantwortung und der ersten Liebe – mit einem Wort: vom Erwachsenwerden. Pferde spielen eine große Rolle, sie symbolisieren die Ungestümtheit und stehen für die Wehmut, angesichts der endenden Kindheit. Eine unterhaltsame und berührende Geschichte frei von Sentimentalität.

Die Liebe zu einem Mädchen, das nach Orangen duftet, die schwierige Beziehung zum Vater, die zärtliche Fürsorge gegenüber der kleinen Schwester und eine Herde Pferde – das ist die Welt von Darek: seine Geschichte über glückliches aber auch schmerzhaftes Heranwachsen in der Abgeschiedenheit des Lausitzer Berglandes. Die Pferde sind keine kostbaren Champions, sondern geschwächte Wesen, die Pflege und Liebe brauchen. Doch auch das reicht nicht aus, um sie zu retten. Dies erfährt Darek am Ende seiner Ferien, die zugleich das Ende seiner Kindheit darstellen. Aber wie sooft ist ein Ende eben auch immer ein Neuanfang.

Die gleichnamige Buchvorlage von Iva Procházková wurde 2012 mit dem LUCHS Kinder- und Jugendbuchpreis von ZEIT und Radio Bremen ausgezeichnet.

Orangentage – Uzly a pomeranče, DF (Kinder & Familienfilm)
Fr 31.05.

Der Funktionär

Andreas Goldstein
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Der Funktionär (AT: Bilder meines Vaters)

Deutschland 2018, 72 min

Regie: Andreas Goldstein

„Als mein Vater zwei Jahre alt war, überfiel das deutsche Heer Belgien, der 1. Weltkrieg begann. Als er sechs war, brach das Kaiserreich zusammen. Mit siebzehn sah er vor dem Fenster der elterlichen Wohnung einen erschossenen Arbeiter auf der Straße liegen. Er trat in den kommunistischen Jugendverband und später in die kommunistische Partei ein. Nach 1933 illegale Arbeit, bis ´45 in Berlin. Dann machte er im sozialistischen Deutschland Karriere, Abstürze inbegriffen. Schließlich verschwand das Land. Seitdem er tot ist, erscheint mein Vater in meinen Träumen.
Die Not diese Geschichten zu erzählen erwächst nicht aus der Vergangenheit, sondern aus der Gegenwart. Heute werde die Konflikte der DDR dramatisiert und durchweg auf den Gegensatz von Freiheitswillen und Repression reduziert.  Sie bilden dabei weniger die DDR ab, als vielmehr eine Gegenwart, die sich selbst legitimieren muss und nun in diesen Erzählungen als Erlösung erscheinen kann.
Von einem Kommunisten erwartet man, im Gegensatz zu einem Bankdirektor, Ideale. Und dass er an ihnen scheitert, besser noch zugrunde geht. Schicksale die man einem Bankdirektor nicht verzeihen würde. Der gute Kommunist ist eine tragische Figur, der beste eine Leiche.“ (Andreas Goldstein)

Der Funktionär
Fr 31.05.

Macht das alles einen Sinn? – Und wenn Ja – warum dauert es so lange?

Andreas Wilcke
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Macht das alles einen Sinn? – Und wenn Ja – warum dauert es so lange?

Deutschland 2019, 102 min

Regie: Andreas Wilcke

Zwischen schick sanierten Alt- und futuristisch anmutenden Neubauten, die mit Klamottenläden, Youth Hostels, Sushiläden und Galerien bestückt sind, reckt sich ein graues kolossartiges Ungetüm in betörender Hässlichkeit wie eine Festung ´gen Himmel. – Die Volksbühne. Dieses Haus, dessen Bau im Jahr 1915 von den Spendengroschen der SPD-Mitglieder finanziert wurde, um ein Theater zu schaffen, in dem Arbeiter ihre eigenen Stücke realisieren konnten, entwickelte im Verlauf der darauffolgenden Jahre eine ganz eigene Dynamik und erfand unter Regisseuren wie Piscator, Marquard, Besson das Theater immer wieder neu. Diese Tradition aufnehmend haben Frank Castorf und sein Kostüm- und Bühnenbildner Bert Neumann in der Volksbühne ein Vierteljahrhundert lang einen Mikrokosmos erschaffen, der vielen als identitätsstiftende Trutzburg, als renitente Insel im immer schicker und monotoner werdenden Zentrum der Hauptstadt galt. Die von ihnen verantworteten Marathoninszenierungen waren wahre Assoziationsorgien, die dem oft ohnehin epischen Charakter des Stückes bzw. der Romanvorlage anderes historisches Material einverleibten (getreu dem von Heiner Müller geprägten Motto: „Theater heißt – mit den Toten reden“) und dem Zuschauer alles abverlangten. Getragen wurden diese Abende von den 230 Mitarbeitern des Theaters aus den verschiedensten Gewerken: u.a. der Technik, der Maske, der eigenen Schneiderei und der eigenen Holz- und Metallwerkstätten, der Requisite sowie dem Ensemble. Als diese sich in einem offenen Brief an die Medien wandten, da sie ihre Arbeitsplätze unter dem von der Politik neu installierten Intendanten bedroht sahen, war das der Startschuss für meinen Film. Ich wollte anhand der letzten Spielzeit untersuchen, was es auf sich hat mit dem Mythos Volksbühne, und wollte mit der Kamera dabei sein, wenn sich diese Theatermenschen noch einmal zusammenraufen, um ein letztes Feuerwerk im Angesicht einer ungewissen Zukunft zu entzünden. (Andreas Wilcke)

http://www.machtdasallessinn.com

 

Macht das alles einen Sinn? – Und wenn Ja – warum dauert es so lange?
Fr 31.05.

Mir ist es egal, wenn wir als Barbaren in die Geschichte eingehen, OmdU

Radu Jude
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Îmi este indiferent dacă în istorie vom intra ca barbari

(Mir ist es egal, wenn wir als Barbaren in die Geschichte eingehen)

RO/ BG/ D/ F/ CZ 2018, 138 min, rumänische Originalfassung mit dt. UT

Regie: Radu Jude           Karlovy Vary IFF 2018 – Grand Prix Crystal Globe

Die junge Regisseurin Mariana Marin plant eine groß angelegte, radikale Theateraufführung zu Rumäniens Beteiligung am Holocaust. Unter General Antonescu wurde der massive Antisemitismus in der rumänischen Gesellschaft zur offiziellen Vernichtungspolitik erklärt, seine Rolle und die seiner Regierung im Zweiten Weltkrieg wird aber bis heute glorifiziert. Vom damaligen Massenmord will niemand mehr etwas wissen. Mit einem Reenactment der damaligen Ereignisse soll das Theaterstück das Publikum aufrütteln, doch bereits vor der Premiere zeigen sich zahlreiche Probleme: es gibt Unmut unter den Komparsen, ein Abgesandter der Stadtregierung möchte das Stück zensieren und auch in Marianas Privatleben läuft nicht alles glatt. Die als Weckruf konzipierte Performance gerät Schritt für Schritt zur Farce… Radu Judes neuer Spielfilm findet einen ganz eigenen Ton für ein schwieriges Thema: die selektive Erinnerungspolitik im heutigen Europa. Zwischen Realität und Fiktion, zwischen dem Blick in moralische Abgründe und einer ironischen Leichtigkeit gelingt ihm eine facettenreiche Reflexion über Geschichtsvergessenheit. Ein Film, der auch das Scheitern von politischer Kunst thematisiert – und dabei als politisches Kunstwerk brilliert.

Die rumänische Schauspielerin Ioana Iacob stellt sich in der ersten Szene des Films als Schauspielerin Ioana Iacob vor, die im Film die Regisseurin Mariana Marin darstellen wird. Sie schaut dabei offen in die Handkamera und wünscht viel Spaß beim Filmschauen. Willkommen im epischen Theater! (…) Detailreich entwickelt der (reale) Regisseur Radu Jude die Geschichte von Marianas Theaterprojekt und verwebt sie originell mit Vergangenheit und Gegenwart. (…) Einige der Laienschauspieler sehen Antonescu noch heute als Held. Von dem Diktator stammt auch das Zitat, das hier zum Filmtitel wurde. Immer wieder gibt es im Film Diskussionen über Wahrheit und Schuld. So überzeugt das Reenactment. Die Gespräche zwischen Schauspielern, Produzenten, Schaulustigen und Regisseurin zeigen die aktuelle Spannung, die die Auseinandersetzung mit diesem dunklen Kapitel rumänischer Geschichte beinhaltet. Manchmal löst sie sich im Lachen. Am Ende entlädt sie sich in einem fulminanten Finale, das Fragen aufwirft. Vergangenheitsbewältigung kommt an kein Ende. Sie muss stetig aktualisiert werden, weil das Vergangene eben nicht vergangen ist. (epd-film)

„Beinahe jedes Land bringt zumindest eine Kinostimme hervor, die sich zum Chronisten der verdrängten Geschichte emporhebt. Mal aus eigenem Antrieb, mal von der Kritik in diese Rolle gesteckt, erzählen diese Filmemacher andere Geschichten; jene von Außenseitern, von Grausamkeiten hinter Staatslügen, vom beschämten Schweigen über den Verbrechen der Geschichte. Für Rumänien, ein Land dessen turbulente Geschichte nicht mal im Ansatz zur Ruhe gekommen ist, hat sich in seinen letzten fünf Arbeiten Radu Jude als solch ein Chronist etabliert.“ (Patrick Holzapfel)

Mir ist es egal, wenn wir als Barbaren in die Geschichte eingehen, OmdU
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