Mi 24.04.

Der Funktionär

Andreas Goldstein
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Der Funktionär (AT: Bilder meines Vaters)

Deutschland 2018, 72 min

Regie: Andreas Goldstein

„Als mein Vater zwei Jahre alt war, überfiel das deutsche Heer Belgien, der 1. Weltkrieg begann. Als er sechs war, brach das Kaiserreich zusammen. Mit siebzehn sah er vor dem Fenster der elterlichen Wohnung einen erschossenen Arbeiter auf der Straße liegen. Er trat in den kommunistischen Jugendverband und später in die kommunistische Partei ein. Nach 1933 illegale Arbeit, bis ´45 in Berlin. Dann machte er im sozialistischen Deutschland Karriere, Abstürze inbegriffen. Schließlich verschwand das Land. Seitdem er tot ist, erscheint mein Vater in meinen Träumen.
Die Not diese Geschichten zu erzählen erwächst nicht aus der Vergangenheit, sondern aus der Gegenwart. Heute werde die Konflikte der DDR dramatisiert und durchweg auf den Gegensatz von Freiheitswillen und Repression reduziert.  Sie bilden dabei weniger die DDR ab, als vielmehr eine Gegenwart, die sich selbst legitimieren muss und nun in diesen Erzählungen als Erlösung erscheinen kann.
Von einem Kommunisten erwartet man, im Gegensatz zu einem Bankdirektor, Ideale. Und dass er an ihnen scheitert, besser noch zugrunde geht. Schicksale die man einem Bankdirektor nicht verzeihen würde. Der gute Kommunist ist eine tragische Figur, der beste eine Leiche.“ (Andreas Goldstein)

Der Funktionär
Mi 24.04.

KOPFBAHNHOF LEIPZIG – Doppelprogramm: Der große Bahnhof

Werner Schmidutz
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KOPFBAHNHOF LEIPZIG – Doppelprogramm:

DER GROSSE BAHNHOF ◄

DDR (Filmuniversität Babelsberg) 1962, 22 min, R: Werner Schmidutz

Porträt des Leipziger Hauptbahnhofs. Von den ersten Morgenstunden bis in die Nacht.

KOPFBAHNHOF LEIPZIG – Doppelprogramm: Der große Bahnhof
Mi 24.04.

KOPFBAHNHOF LEIPZIG – Doppelprogramm: Am Ende der Schienen zu Gast: Klaus Schmutzer (Produzent)

Marian Kiss & Andreas Honneger
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KOPFBAHNHOF LEIPZIG – Doppelprogramm:

AM ENDE DER SCHIENEN ◄, D 1993, 53 min

R: Marian Kiss, Andreas Honneger – zu Gast: Klaus Schmutzer (Produzent)

Am Ende der Schienen befindet sich der größte Kopfbahnhof Europas, der 2015 sein 100-jähriges Jubiläum feiert. Sein Umbau nach 1990 fällt zusammen mit dem Ende der DDR und der ebenso brachialen Umgestaltung des Ostens, die in diesem feinsinnigen Essay mit leiser Wehmut, doch ohne jede Larmoyanz reflektiert wird.

Zwei fiktive Figuren, eine Reisende und ein Kellner, erinnern sich in den prachtvollen Räumen des historischen Wartesaals im damaligen Mitropa-Restaurant an die großen Tage und den Alltag des Bahnhofs, der sich wie das ganze Land in Abwicklung befindet. (Grit Lemke, DOK Leipzig 2015)

KOPFBAHNHOF LEIPZIG – Doppelprogramm: Am Ende der Schienen zu Gast: Klaus Schmutzer (Produzent)
Mi 24.04.

Айка – Ayka, OmdU

Sergej Dworzewoj
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Айка (Ayka)                             Hauptpreis Filmfestival Cottbus 18

RUS/ D/ PL/ KZ/ CHN 2018, 100 min, russische Originalfassung mit dt. UT

Regie: Sergej Dworzewoj

Ayka, eine junge Kirgisin, arbeitet in Moskau. Ayka lebt ein Leben im Abgrund, stets verfolgt von der Notwendigkeit, sich das Überleben zu sichern. Weil sie ihr gerade geborenes Kind nicht ernähren kann, lässt sie ihren Sohn im Krankenhaus zurück und flieht – zurück in eine rohe Welt, in der sie niemals mehr als die Gejagte ihrer bloßen Existenz sein kann. Unter dem gnadenlosen Druck, Geld aufzutreiben, um ihre Schulden zu begleichen, will Ayka auch noch die letzte Grenze überschreiten. Sie muss sich einer existentiellen Entscheidung stellen. Für ihr herausragendes Spiel wurde die Schauspielerin Samal Jesljamowa in Cannes mit dem Preis als Beste Darstellerin ausgezeichnet. Es gelingt ein kraftvolles Stück Kino voller Ehrlichkeit und das faszinierende Porträt einer unglaublich starken Frauenfigur.

„Es begann mit einer trockenen Zeitungsstatistik: ‚Im Jahr 2010 wurden in Moskauer Geburtskliniken 248 Babys von Müttern aus Kirgisistan aufgegeben.‘ Ich stand lange Zeit unter Schock, nachdem ich das gelesen hatte: Wie kann das sein? Was könnte der Grund dafür sein, dass kirgisische Mütter ihre Babys freiwillig massenhaft aufgeben und in einem fremden Land zurücklassen? Was könnte sie zu einer solchen Tat zwingen, die für jede Frau, aber erst recht für Frauen aus den so sehr familienorientierten Kulturen Zentralasiens, unnatürlich ist? Mir wurde klar, dass ich einen Film darüber machen musste: einen Film über ein kirgisisches Mädchen, das sein neugeborenes Kind auf einer Moskauer Entbindungsstation verlässt, und die Umstände, die zu dieser Entscheidung geführt haben. Tatsache ist jedoch, dass es in diesem Film um uns alle geht: um das, was passiert, wenn die Beziehungen zwischen einem Menschen und seiner Umwelt so extrem werden, dass er oder sie moralisch zu verfallen beginnt.“ (Regiekommentar)

Айка – Ayka, OmdU
Do 25.04.

Der Funktionär

Andreas Goldstein
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Der Funktionär (AT: Bilder meines Vaters)

Deutschland 2018, 72 min

Regie: Andreas Goldstein

„Als mein Vater zwei Jahre alt war, überfiel das deutsche Heer Belgien, der 1. Weltkrieg begann. Als er sechs war, brach das Kaiserreich zusammen. Mit siebzehn sah er vor dem Fenster der elterlichen Wohnung einen erschossenen Arbeiter auf der Straße liegen. Er trat in den kommunistischen Jugendverband und später in die kommunistische Partei ein. Nach 1933 illegale Arbeit, bis ´45 in Berlin. Dann machte er im sozialistischen Deutschland Karriere, Abstürze inbegriffen. Schließlich verschwand das Land. Seitdem er tot ist, erscheint mein Vater in meinen Träumen.
Die Not diese Geschichten zu erzählen erwächst nicht aus der Vergangenheit, sondern aus der Gegenwart. Heute werde die Konflikte der DDR dramatisiert und durchweg auf den Gegensatz von Freiheitswillen und Repression reduziert.  Sie bilden dabei weniger die DDR ab, als vielmehr eine Gegenwart, die sich selbst legitimieren muss und nun in diesen Erzählungen als Erlösung erscheinen kann.
Von einem Kommunisten erwartet man, im Gegensatz zu einem Bankdirektor, Ideale. Und dass er an ihnen scheitert, besser noch zugrunde geht. Schicksale die man einem Bankdirektor nicht verzeihen würde. Der gute Kommunist ist eine tragische Figur, der beste eine Leiche.“ (Andreas Goldstein)

Der Funktionär
Do 25.04.

Айка – Ayka, OmdU

Sergej Dworzewoj
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Айка (Ayka)                             Hauptpreis Filmfestival Cottbus 18

RUS/ D/ PL/ KZ/ CHN 2018, 100 min, russische Originalfassung mit dt. UT

Regie: Sergej Dworzewoj

Ayka, eine junge Kirgisin, arbeitet in Moskau. Ayka lebt ein Leben im Abgrund, stets verfolgt von der Notwendigkeit, sich das Überleben zu sichern. Weil sie ihr gerade geborenes Kind nicht ernähren kann, lässt sie ihren Sohn im Krankenhaus zurück und flieht – zurück in eine rohe Welt, in der sie niemals mehr als die Gejagte ihrer bloßen Existenz sein kann. Unter dem gnadenlosen Druck, Geld aufzutreiben, um ihre Schulden zu begleichen, will Ayka auch noch die letzte Grenze überschreiten. Sie muss sich einer existentiellen Entscheidung stellen. Für ihr herausragendes Spiel wurde die Schauspielerin Samal Jesljamowa in Cannes mit dem Preis als Beste Darstellerin ausgezeichnet. Es gelingt ein kraftvolles Stück Kino voller Ehrlichkeit und das faszinierende Porträt einer unglaublich starken Frauenfigur.

„Es begann mit einer trockenen Zeitungsstatistik: ‚Im Jahr 2010 wurden in Moskauer Geburtskliniken 248 Babys von Müttern aus Kirgisistan aufgegeben.‘ Ich stand lange Zeit unter Schock, nachdem ich das gelesen hatte: Wie kann das sein? Was könnte der Grund dafür sein, dass kirgisische Mütter ihre Babys freiwillig massenhaft aufgeben und in einem fremden Land zurücklassen? Was könnte sie zu einer solchen Tat zwingen, die für jede Frau, aber erst recht für Frauen aus den so sehr familienorientierten Kulturen Zentralasiens, unnatürlich ist? Mir wurde klar, dass ich einen Film darüber machen musste: einen Film über ein kirgisisches Mädchen, das sein neugeborenes Kind auf einer Moskauer Entbindungsstation verlässt, und die Umstände, die zu dieser Entscheidung geführt haben. Tatsache ist jedoch, dass es in diesem Film um uns alle geht: um das, was passiert, wenn die Beziehungen zwischen einem Menschen und seiner Umwelt so extrem werden, dass er oder sie moralisch zu verfallen beginnt.“ (Regiekommentar)

Айка – Ayka, OmdU
Do 25.04.

Лето – Leto / Sommer, OmdU

Kirill Serebrennikow
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Лето (Leto / Sommer)

Russland / Frankreich 2018, 128 min, russische Originalfassung mit deutschen Untertiteln

Regie: Kirill Serebrennikow

Leningrad, ein Sommer zu Beginn der 1980er. Während Alben von Lou Reed und David Bowie heimlich die Besitzer wechseln, brodelt die Underground-Rockszene. Mike und seine Frau Natascha lernen den charismatischen Musiker Viktor Zoi kennen. Ihre unbändige Leidenschaft für die Musik verbindet sie schnell zu einer eigenwilligen Dreieckskonstellation. Als Teil einer neuen Musikbewegung werden sie trotz staatlich kontrollierter Konzerte das Schicksal des Rock ’n‘ Rolls in der Sowjetunion verändern.

Nach der wahren Geschichte um die legendäre russische Rockband Kino fängt LETO das Lebensgefühl einer sich nach Freiheit sehnenden Generation kurz vor der Perestroika ein. Mit verspielter Bilderwelt und pulsierendem Soundtrack von Talking Heads, Iggy Pop bis zu Blondie gelingt Kirill Serebrennikow ein mitreißendes und leichtfüßiges Zeitbild einer Jugend zwischen Rebellion und dem Leben unter Zensur. (weltkino)

„Mike Naumenko (einst Kopf der Band „Zoopark“) ebnet dem jungen Viktor Zoi den Weg in die Leningrader Musikszene, während sich zwischen Viktor und Mikes Frau Natasha eine Romanze anbahnt. Dass Viktor Zoi später zu einer Legende der sowjetischen Rockgeschichte werden sollte, zum Idol einer ganzen Generation, bis heute verehrt und umjubelt, davon ist in LETO noch keine Rede. Aber erahnen lässt sich die unbändige Kreativkraft des jungen Zoi, der intuitiv den richtigen Ton trifft (…). Serebrennikov erzählt in bestechenden Schwarz-Weiβ-Bildern von der Aufbruchsstimmung einer ganzen Generation, die vor Zorn und Leidenschaft zu platzen scheint und – noch namenlos – Gorbatschows Perestroika-Politik herbeisehnt. Und damit ist LETO weitaus mehr, als lediglich die gekonnte Verknüpfung einer komplizierten Liebesgeschichte mit einem berauschenden Soundtrack.“ (Maja Ellmenreich, deutschlandfunk, 10.05.18)

„Serebrennikov balanciert seinen Film gut, er umschifft die Hürden aller Filme über hedonistische KünstlerInnen, die irgendwann in ihrem eigenen Saft baden gehen und sich vollends entleeren. Doch das ist hier nicht der Fall. Im Gegenteil: Unter der sanften Melancholie zeigt sich ein treffsicherer Scharfsinn, der ganz wie die Liedtexte der 1980er-Jahre-Punks nie eindeutig ausdrückt, was er sagen will und doch Bände spricht.“ (B. Behn, kino-zeit.de)

Лето – Leto / Sommer, OmdU
Fr 26.04.

Der Funktionär

Andreas Goldstein
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Der Funktionär (AT: Bilder meines Vaters)

Deutschland 2018, 72 min

Regie: Andreas Goldstein

„Als mein Vater zwei Jahre alt war, überfiel das deutsche Heer Belgien, der 1. Weltkrieg begann. Als er sechs war, brach das Kaiserreich zusammen. Mit siebzehn sah er vor dem Fenster der elterlichen Wohnung einen erschossenen Arbeiter auf der Straße liegen. Er trat in den kommunistischen Jugendverband und später in die kommunistische Partei ein. Nach 1933 illegale Arbeit, bis ´45 in Berlin. Dann machte er im sozialistischen Deutschland Karriere, Abstürze inbegriffen. Schließlich verschwand das Land. Seitdem er tot ist, erscheint mein Vater in meinen Träumen.
Die Not diese Geschichten zu erzählen erwächst nicht aus der Vergangenheit, sondern aus der Gegenwart. Heute werde die Konflikte der DDR dramatisiert und durchweg auf den Gegensatz von Freiheitswillen und Repression reduziert.  Sie bilden dabei weniger die DDR ab, als vielmehr eine Gegenwart, die sich selbst legitimieren muss und nun in diesen Erzählungen als Erlösung erscheinen kann.
Von einem Kommunisten erwartet man, im Gegensatz zu einem Bankdirektor, Ideale. Und dass er an ihnen scheitert, besser noch zugrunde geht. Schicksale die man einem Bankdirektor nicht verzeihen würde. Der gute Kommunist ist eine tragische Figur, der beste eine Leiche.“ (Andreas Goldstein)

Der Funktionär
Fr 26.04.

Айка – Ayka, OmdU

Sergej Dworzewoj
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Айка (Ayka)                             Hauptpreis Filmfestival Cottbus 18

RUS/ D/ PL/ KZ/ CHN 2018, 100 min, russische Originalfassung mit dt. UT

Regie: Sergej Dworzewoj

Ayka, eine junge Kirgisin, arbeitet in Moskau. Ayka lebt ein Leben im Abgrund, stets verfolgt von der Notwendigkeit, sich das Überleben zu sichern. Weil sie ihr gerade geborenes Kind nicht ernähren kann, lässt sie ihren Sohn im Krankenhaus zurück und flieht – zurück in eine rohe Welt, in der sie niemals mehr als die Gejagte ihrer bloßen Existenz sein kann. Unter dem gnadenlosen Druck, Geld aufzutreiben, um ihre Schulden zu begleichen, will Ayka auch noch die letzte Grenze überschreiten. Sie muss sich einer existentiellen Entscheidung stellen. Für ihr herausragendes Spiel wurde die Schauspielerin Samal Jesljamowa in Cannes mit dem Preis als Beste Darstellerin ausgezeichnet. Es gelingt ein kraftvolles Stück Kino voller Ehrlichkeit und das faszinierende Porträt einer unglaublich starken Frauenfigur.

„Es begann mit einer trockenen Zeitungsstatistik: ‚Im Jahr 2010 wurden in Moskauer Geburtskliniken 248 Babys von Müttern aus Kirgisistan aufgegeben.‘ Ich stand lange Zeit unter Schock, nachdem ich das gelesen hatte: Wie kann das sein? Was könnte der Grund dafür sein, dass kirgisische Mütter ihre Babys freiwillig massenhaft aufgeben und in einem fremden Land zurücklassen? Was könnte sie zu einer solchen Tat zwingen, die für jede Frau, aber erst recht für Frauen aus den so sehr familienorientierten Kulturen Zentralasiens, unnatürlich ist? Mir wurde klar, dass ich einen Film darüber machen musste: einen Film über ein kirgisisches Mädchen, das sein neugeborenes Kind auf einer Moskauer Entbindungsstation verlässt, und die Umstände, die zu dieser Entscheidung geführt haben. Tatsache ist jedoch, dass es in diesem Film um uns alle geht: um das, was passiert, wenn die Beziehungen zwischen einem Menschen und seiner Umwelt so extrem werden, dass er oder sie moralisch zu verfallen beginnt.“ (Regiekommentar)

Айка – Ayka, OmdU
Fr 26.04.

Лето – Leto / Sommer, OmdU

Kirill Serebrennikow
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Лето (Leto / Sommer)

Russland / Frankreich 2018, 128 min, russische Originalfassung mit deutschen Untertiteln

Regie: Kirill Serebrennikow

Leningrad, ein Sommer zu Beginn der 1980er. Während Alben von Lou Reed und David Bowie heimlich die Besitzer wechseln, brodelt die Underground-Rockszene. Mike und seine Frau Natascha lernen den charismatischen Musiker Viktor Zoi kennen. Ihre unbändige Leidenschaft für die Musik verbindet sie schnell zu einer eigenwilligen Dreieckskonstellation. Als Teil einer neuen Musikbewegung werden sie trotz staatlich kontrollierter Konzerte das Schicksal des Rock ’n‘ Rolls in der Sowjetunion verändern.

Nach der wahren Geschichte um die legendäre russische Rockband Kino fängt LETO das Lebensgefühl einer sich nach Freiheit sehnenden Generation kurz vor der Perestroika ein. Mit verspielter Bilderwelt und pulsierendem Soundtrack von Talking Heads, Iggy Pop bis zu Blondie gelingt Kirill Serebrennikow ein mitreißendes und leichtfüßiges Zeitbild einer Jugend zwischen Rebellion und dem Leben unter Zensur. (weltkino)

„Mike Naumenko (einst Kopf der Band „Zoopark“) ebnet dem jungen Viktor Zoi den Weg in die Leningrader Musikszene, während sich zwischen Viktor und Mikes Frau Natasha eine Romanze anbahnt. Dass Viktor Zoi später zu einer Legende der sowjetischen Rockgeschichte werden sollte, zum Idol einer ganzen Generation, bis heute verehrt und umjubelt, davon ist in LETO noch keine Rede. Aber erahnen lässt sich die unbändige Kreativkraft des jungen Zoi, der intuitiv den richtigen Ton trifft (…). Serebrennikov erzählt in bestechenden Schwarz-Weiβ-Bildern von der Aufbruchsstimmung einer ganzen Generation, die vor Zorn und Leidenschaft zu platzen scheint und – noch namenlos – Gorbatschows Perestroika-Politik herbeisehnt. Und damit ist LETO weitaus mehr, als lediglich die gekonnte Verknüpfung einer komplizierten Liebesgeschichte mit einem berauschenden Soundtrack.“ (Maja Ellmenreich, deutschlandfunk, 10.05.18)

„Serebrennikov balanciert seinen Film gut, er umschifft die Hürden aller Filme über hedonistische KünstlerInnen, die irgendwann in ihrem eigenen Saft baden gehen und sich vollends entleeren. Doch das ist hier nicht der Fall. Im Gegenteil: Unter der sanften Melancholie zeigt sich ein treffsicherer Scharfsinn, der ganz wie die Liedtexte der 1980er-Jahre-Punks nie eindeutig ausdrückt, was er sagen will und doch Bände spricht.“ (B. Behn, kino-zeit.de)

Лето – Leto / Sommer, OmdU
Sa 27.04.

Spreeland. Fontane

Bernhard Sallmann
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Spreeland. Fontane

D 2018, 79 min

Regie: Bernhard Sallmann

Trotz oder wegen allen Rummels zum Fontanejahr, ein Schriftsteller lässt sich weiter nur durch die Beschäftigung mit seinem OEuvre entdecken. Für SPREELAND FONTANE wählte Bernhard Sallmann zeitgenössische märkische Landschaften und Töne als Echoraum für die sorgsam ausgewählten Texte des Autors. Sein Film ist anregende Herausforderung zur Auseinandersetzung mit Fontane und der Welt damals und heute.

Spreeland. Fontane
Sa 27.04.

Vom Lokführer, der die Liebe suchte… (The Bra), ohne Dialog

Veit Helmer
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Vom Lokführer, der die Liebe suchte… (The Bra)

Deutschland / Aserbaidschan 2018, 90 min, ohne Dialog

Regie: Veit Helmer

Ein Güterzug rollt durch eine weite Graslandschaft, die sich vor den kaukasischen Bergen entlangzieht. Am Steuer: Nurlan, der Lokführer. Tagein, tagaus lenkt er seinen Zug durch einen dicht besiedelten Vorort Bakus, in dem die Schienen so dicht an die Häuser grenzen, dass Nurlan quasi durch die Vorzimmer und Gärten der Bewohner fährt. Auf seinem täglichen Weg passiert er teetrinkende Männer ebenso wie Frauen, die ihre Wäsche in den sanften Wind hängen. Sobald sich der Zug nähert, bläst der kleine Waisenjunge Aziz in eine Pfeife und die Bewohner des Vorortes bringen sich und ihre Habseligkeiten schnell in Sicherheit. Doch das gelingt nicht immer. Nurlan hat schon so einiges von seiner Lokomotive gepflückt: Hühnerfedern, Spielzeugbälle oder auch Bettbezüge. Am letzten Arbeitstag vor der Pensionierung verheddert sich ein besonderes Abschiedsgeschenk an Nurlans Lok: ein traumhaft schöner, blauer Spitzen-BH. Nurlan nimmt ihn nach seiner Schicht kurzerhand mit in sein Heimatdorf in den Bergen. Seine Neugier ist geweckt: Wem nur mag das kleine Stück Stoff gehören? Getrieben von Einsamkeit beschließt Nurlan, die Suche nach der Besitzerin des Büstenhalters aufzunehmen.

VOM LOKFÜHRER, DER DIE LIEBE SUCHTE… ist eine mit viel Feingefühl und unbeschwert erzählte Geschichte von der Suche nach Liebe. Erneut zieht es Regisseur Veit Helmer in die Berglandschaft Aserbaidschans. In seiner meisterhaft phantasievollen Bildsprache wird er seinem Ruf als moderner Märchenerzähler gerecht und inszeniert die Geschichte VOM LOKFÜHRER, DER DIE LIEBE SUCHTE… als atmosphärische Komödie, die ganz ohne Dialoge auskommt und uns gerade dadurch in ihren Bann zieht.

www.vom-lokfuehrer-der-die-liebe-suchte.de

Vom Lokführer, der die Liebe suchte… (The Bra), ohne Dialog
Sa 27.04.

Der Funktionär

Andreas Goldstein
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Der Funktionär (AT: Bilder meines Vaters)

Deutschland 2018, 72 min

Regie: Andreas Goldstein

„Als mein Vater zwei Jahre alt war, überfiel das deutsche Heer Belgien, der 1. Weltkrieg begann. Als er sechs war, brach das Kaiserreich zusammen. Mit siebzehn sah er vor dem Fenster der elterlichen Wohnung einen erschossenen Arbeiter auf der Straße liegen. Er trat in den kommunistischen Jugendverband und später in die kommunistische Partei ein. Nach 1933 illegale Arbeit, bis ´45 in Berlin. Dann machte er im sozialistischen Deutschland Karriere, Abstürze inbegriffen. Schließlich verschwand das Land. Seitdem er tot ist, erscheint mein Vater in meinen Träumen.
Die Not diese Geschichten zu erzählen erwächst nicht aus der Vergangenheit, sondern aus der Gegenwart. Heute werde die Konflikte der DDR dramatisiert und durchweg auf den Gegensatz von Freiheitswillen und Repression reduziert.  Sie bilden dabei weniger die DDR ab, als vielmehr eine Gegenwart, die sich selbst legitimieren muss und nun in diesen Erzählungen als Erlösung erscheinen kann.
Von einem Kommunisten erwartet man, im Gegensatz zu einem Bankdirektor, Ideale. Und dass er an ihnen scheitert, besser noch zugrunde geht. Schicksale die man einem Bankdirektor nicht verzeihen würde. Der gute Kommunist ist eine tragische Figur, der beste eine Leiche.“ (Andreas Goldstein)

Der Funktionär
Sa 27.04.

Айка – Ayka, OmdU

Sergej Dworzewoj
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Айка (Ayka)                             Hauptpreis Filmfestival Cottbus 18

RUS/ D/ PL/ KZ/ CHN 2018, 100 min, russische Originalfassung mit dt. UT

Regie: Sergej Dworzewoj

Ayka, eine junge Kirgisin, arbeitet in Moskau. Ayka lebt ein Leben im Abgrund, stets verfolgt von der Notwendigkeit, sich das Überleben zu sichern. Weil sie ihr gerade geborenes Kind nicht ernähren kann, lässt sie ihren Sohn im Krankenhaus zurück und flieht – zurück in eine rohe Welt, in der sie niemals mehr als die Gejagte ihrer bloßen Existenz sein kann. Unter dem gnadenlosen Druck, Geld aufzutreiben, um ihre Schulden zu begleichen, will Ayka auch noch die letzte Grenze überschreiten. Sie muss sich einer existentiellen Entscheidung stellen. Für ihr herausragendes Spiel wurde die Schauspielerin Samal Jesljamowa in Cannes mit dem Preis als Beste Darstellerin ausgezeichnet. Es gelingt ein kraftvolles Stück Kino voller Ehrlichkeit und das faszinierende Porträt einer unglaublich starken Frauenfigur.

„Es begann mit einer trockenen Zeitungsstatistik: ‚Im Jahr 2010 wurden in Moskauer Geburtskliniken 248 Babys von Müttern aus Kirgisistan aufgegeben.‘ Ich stand lange Zeit unter Schock, nachdem ich das gelesen hatte: Wie kann das sein? Was könnte der Grund dafür sein, dass kirgisische Mütter ihre Babys freiwillig massenhaft aufgeben und in einem fremden Land zurücklassen? Was könnte sie zu einer solchen Tat zwingen, die für jede Frau, aber erst recht für Frauen aus den so sehr familienorientierten Kulturen Zentralasiens, unnatürlich ist? Mir wurde klar, dass ich einen Film darüber machen musste: einen Film über ein kirgisisches Mädchen, das sein neugeborenes Kind auf einer Moskauer Entbindungsstation verlässt, und die Umstände, die zu dieser Entscheidung geführt haben. Tatsache ist jedoch, dass es in diesem Film um uns alle geht: um das, was passiert, wenn die Beziehungen zwischen einem Menschen und seiner Umwelt so extrem werden, dass er oder sie moralisch zu verfallen beginnt.“ (Regiekommentar)

Айка – Ayka, OmdU
Sa 27.04.

Twarz – Die Maske, OmdU

Małgorzata Szumowska
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Twarz (Die Maske)                                           

Silberner Bär 2018 – Großer Preis der Jury

Polen 2018, 91 min, polnische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Małgorzata Szumowska

Jacek liebt Heavy Metal, die Spritztouren mit seinem Auto und seinen Hund. Er genießt das Dasein als cooler Außenseiter in einem ansonsten eher spießigen Umfeld. In der Nähe seines Heimatortes an der polnisch-deutschen Grenze soll die größte Jesusstatue der Welt entstehen, und auch Jacek arbeitet auf der Großbaustelle. Doch ein schwerer Arbeitsunfall lässt ihn entstellt zurück. Unter reger Anteilnahme der polnischen Öffentlichkeit wird daraufhin die erste Gesichtstransplantation im Land vollzogen. Jacek wird als Nationalheld und Märtyrer gefeiert, die Jesusstatue wird höher und höher, aber er selbst erkennt sich nicht mehr im Spiegel wieder. Während sein Konterfei zur Maske wird, zeigen die Menschen um ihn herum ihr wahres Gesicht…

“Die Handlung bringt zwei wahre Begebenheiten aus den vergangenen Jahren miteinander in Verbindung, die man als Kuriosa abhaken könnte, würden sie nicht im von Minderwertigkeitskomplexen beseelten Nachwende-Polen als welthistorisch bedeutsame Heldentaten gefeiert: der Bau der weltgrößten Jesus-Statue im Städtchen Świebodzin, die sich wie ein Mahnmal des schlechten Geschmacks von der Landschaft abhebt, und die erste Gesichtstransplantation, die je in Europa gelang. Der junge, ziemlich prollige, langhaarige Metallica-Fan Jacek arbeitet mit am Bau des Christus-Monstrums. Die Großfamilie, aus der er stammt, steht für das derb-slawische Elend, das jeder kennt, der aus dem Osten kommt, und das die Deutschen wegen der zum Ausdruck kommenden Seelentiefe ja so mögen: die Wodka-Abstürze am Küchentisch, restalkoholisierte Kirchenbesuche, hysterisch-fröhliche Xenophobie, der frühzeitige Verfall der Männer, die unerträgliche Religiosität der Mütter, der Schlager- und Heavy-Metal-Kitsch, die Fleischberge zum Abendessen, die Kuschelrock-Liebe der jungen Frauen, die so gut wie nichts anhaben, und so weiter. (…)

Man kann Twarz natürlich vordergründig als Parabel auf die Verlogenheit, den Opportunismus, die Bigotterie der polnischen Provinz interpretieren (und dies auch zu Recht), aber wie immer bei Szumowska erschöpft sich der Film gerade nicht in billiger Gesellschaftskritik, nicht in Opferkult und rechthaberischen Gewissheiten. Dafür sorgt schon ihr Hang zu grotesken, heiteren, auch brutal-burlesken Szenen. Sie gibt damit auch – und vielleicht sogar gerade – jenen, die sich vom Heimkehrer kaltherzig abwenden, ein Gesicht. Der Entstellte war vor seinem Schicksalsschlag doch nie besser als das Dorfvolk, erst als Gefallener wird er zum Homo sacer, zum Verbannten und Heiligen in einem. Die Bildränder haben eine geringe Tiefenschärfe, was dem Film etwas Märchenhaftes gibt. Die Unschärfe ist Programm, stellt die Wahrnehmung auf die Probe, und das ist natürlich völlig plausibel, weil am Ende nicht mehr zu sagen ist, wer in diesem Dorf als Wiederauferstandener gilt: der in den Himmel ragende Beton-Jesus oder der von den Ärzten Zusammengeflickte. Stückwerk sind sie beide, lädierte Heilande, der Zuschauer gerät in die Rolle des ungläubigen Thomas und ist begeistert.” (Adam Soboczynski, DIE ZEIT Nr. 10/2018)

Twarz – Die Maske, OmdU
So 28.04.

Der Funktionär

Andreas Goldstein
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Der Funktionär (AT: Bilder meines Vaters)

Deutschland 2018, 72 min

Regie: Andreas Goldstein

„Als mein Vater zwei Jahre alt war, überfiel das deutsche Heer Belgien, der 1. Weltkrieg begann. Als er sechs war, brach das Kaiserreich zusammen. Mit siebzehn sah er vor dem Fenster der elterlichen Wohnung einen erschossenen Arbeiter auf der Straße liegen. Er trat in den kommunistischen Jugendverband und später in die kommunistische Partei ein. Nach 1933 illegale Arbeit, bis ´45 in Berlin. Dann machte er im sozialistischen Deutschland Karriere, Abstürze inbegriffen. Schließlich verschwand das Land. Seitdem er tot ist, erscheint mein Vater in meinen Träumen.
Die Not diese Geschichten zu erzählen erwächst nicht aus der Vergangenheit, sondern aus der Gegenwart. Heute werde die Konflikte der DDR dramatisiert und durchweg auf den Gegensatz von Freiheitswillen und Repression reduziert.  Sie bilden dabei weniger die DDR ab, als vielmehr eine Gegenwart, die sich selbst legitimieren muss und nun in diesen Erzählungen als Erlösung erscheinen kann.
Von einem Kommunisten erwartet man, im Gegensatz zu einem Bankdirektor, Ideale. Und dass er an ihnen scheitert, besser noch zugrunde geht. Schicksale die man einem Bankdirektor nicht verzeihen würde. Der gute Kommunist ist eine tragische Figur, der beste eine Leiche.“ (Andreas Goldstein)

Der Funktionär
So 28.04.

Айка – Ayka, OmdU

Sergej Dworzewoj
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Айка (Ayka)                             Hauptpreis Filmfestival Cottbus 18

RUS/ D/ PL/ KZ/ CHN 2018, 100 min, russische Originalfassung mit dt. UT

Regie: Sergej Dworzewoj

Ayka, eine junge Kirgisin, arbeitet in Moskau. Ayka lebt ein Leben im Abgrund, stets verfolgt von der Notwendigkeit, sich das Überleben zu sichern. Weil sie ihr gerade geborenes Kind nicht ernähren kann, lässt sie ihren Sohn im Krankenhaus zurück und flieht – zurück in eine rohe Welt, in der sie niemals mehr als die Gejagte ihrer bloßen Existenz sein kann. Unter dem gnadenlosen Druck, Geld aufzutreiben, um ihre Schulden zu begleichen, will Ayka auch noch die letzte Grenze überschreiten. Sie muss sich einer existentiellen Entscheidung stellen. Für ihr herausragendes Spiel wurde die Schauspielerin Samal Jesljamowa in Cannes mit dem Preis als Beste Darstellerin ausgezeichnet. Es gelingt ein kraftvolles Stück Kino voller Ehrlichkeit und das faszinierende Porträt einer unglaublich starken Frauenfigur.

„Es begann mit einer trockenen Zeitungsstatistik: ‚Im Jahr 2010 wurden in Moskauer Geburtskliniken 248 Babys von Müttern aus Kirgisistan aufgegeben.‘ Ich stand lange Zeit unter Schock, nachdem ich das gelesen hatte: Wie kann das sein? Was könnte der Grund dafür sein, dass kirgisische Mütter ihre Babys freiwillig massenhaft aufgeben und in einem fremden Land zurücklassen? Was könnte sie zu einer solchen Tat zwingen, die für jede Frau, aber erst recht für Frauen aus den so sehr familienorientierten Kulturen Zentralasiens, unnatürlich ist? Mir wurde klar, dass ich einen Film darüber machen musste: einen Film über ein kirgisisches Mädchen, das sein neugeborenes Kind auf einer Moskauer Entbindungsstation verlässt, und die Umstände, die zu dieser Entscheidung geführt haben. Tatsache ist jedoch, dass es in diesem Film um uns alle geht: um das, was passiert, wenn die Beziehungen zwischen einem Menschen und seiner Umwelt so extrem werden, dass er oder sie moralisch zu verfallen beginnt.“ (Regiekommentar)

Айка – Ayka, OmdU
So 28.04.

filmPolska OBERSCHLESIEN: Perlen eines Rosenkranzes – Paciorki jednego różańca, DF mit Einführung

Kazimierz Kutz
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filmPolska Oberschlesien zwischen Tradition & Moderne

Paciorki jednego różańca (Perlen eines Rosenkranzes)

Polen 1980, 35mm, 106 min, Deutsche Fassung

Einführung: Kornel Miglus (Leiter des Festivals filmPOLSKA)

Regie: Kazimierz Kutz

Eine alte Bergbausiedlung soll den wie Pilze aus dem Boden schießenden Plattenbauten weichen. Aber Habryka, pensionierter Bergmann, weigert sich, sein altes Zuhause, wo sein Vater gestorben ist, seine Söhne geboren wurden und er zwei Kriege miterlebt hat, zu verlassen. Das letzte Werk der „Schlesischen Trilogie“ von Kazimierz Kutz spielt in der jüngeren Vergangenheit der polnischen Geschichte. Seine lebhafte Polemik mit der Moderne ist ein wahres, obwohl ironisches, Ja-Wort zur oberschlesischen Heimat.

Eine Kooperationsveranstaltung des Polnischen Instituts Berlin, des FilmFestivals Cottbus, des Kulturreferats für Oberschlesien bei der Stiftung Haus Oberschlesien und des Deutschen Kulturforums östliches Europa.

filmPolska OBERSCHLESIEN: Perlen eines Rosenkranzes – Paciorki jednego różańca, DF mit Einführung
So 28.04.

filmPolska OBERSCHLESIEN: Angelus, OmdU mit Einführung

Lech Majewski
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filmPolska Oberschlesien zwischen Tradition & Moderne

Angelus

Polen 2001, 104 min, polnische Originalfassung mit dt. UT

Einführung: Dr. Vasco Kretschmann (Kulturreferent für Oberschlesien am Oberschlesischen Landesmuseum)

Regie: Lech Majewski

Frei von klassischen, narrativen Formen zeichnet Majewski die Region Oberschlesien im Fadenkreuz der vielen Kulturen und politischen Strömungen des 20. Jahrhunderts als einen märchenhaften Bilderbogen voller Wunder, bevölkert ebenso von Adolf Hitler wie auch von der Heiligen Barbara und den Schutzengeln.

Eine Kooperationsveranstaltung des Polnischen Instituts Berlin, des FilmFestivals Cottbus, des Kulturreferats für Oberschlesien bei der Stiftung Haus Oberschlesien und des Deutschen Kulturforums östliches Europa.

filmPolska OBERSCHLESIEN: Angelus, OmdU mit Einführung
Mo 29.04.

Der Funktionär

Andreas Goldstein
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Der Funktionär (AT: Bilder meines Vaters)

Deutschland 2018, 72 min

Regie: Andreas Goldstein

„Als mein Vater zwei Jahre alt war, überfiel das deutsche Heer Belgien, der 1. Weltkrieg begann. Als er sechs war, brach das Kaiserreich zusammen. Mit siebzehn sah er vor dem Fenster der elterlichen Wohnung einen erschossenen Arbeiter auf der Straße liegen. Er trat in den kommunistischen Jugendverband und später in die kommunistische Partei ein. Nach 1933 illegale Arbeit, bis ´45 in Berlin. Dann machte er im sozialistischen Deutschland Karriere, Abstürze inbegriffen. Schließlich verschwand das Land. Seitdem er tot ist, erscheint mein Vater in meinen Träumen.
Die Not diese Geschichten zu erzählen erwächst nicht aus der Vergangenheit, sondern aus der Gegenwart. Heute werde die Konflikte der DDR dramatisiert und durchweg auf den Gegensatz von Freiheitswillen und Repression reduziert.  Sie bilden dabei weniger die DDR ab, als vielmehr eine Gegenwart, die sich selbst legitimieren muss und nun in diesen Erzählungen als Erlösung erscheinen kann.
Von einem Kommunisten erwartet man, im Gegensatz zu einem Bankdirektor, Ideale. Und dass er an ihnen scheitert, besser noch zugrunde geht. Schicksale die man einem Bankdirektor nicht verzeihen würde. Der gute Kommunist ist eine tragische Figur, der beste eine Leiche.“ (Andreas Goldstein)

Der Funktionär
Mo 29.04.

Айка – Ayka, OmdU

Sergej Dworzewoj
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Айка (Ayka)                             Hauptpreis Filmfestival Cottbus 18

RUS/ D/ PL/ KZ/ CHN 2018, 100 min, russische Originalfassung mit dt. UT

Regie: Sergej Dworzewoj

Ayka, eine junge Kirgisin, arbeitet in Moskau. Ayka lebt ein Leben im Abgrund, stets verfolgt von der Notwendigkeit, sich das Überleben zu sichern. Weil sie ihr gerade geborenes Kind nicht ernähren kann, lässt sie ihren Sohn im Krankenhaus zurück und flieht – zurück in eine rohe Welt, in der sie niemals mehr als die Gejagte ihrer bloßen Existenz sein kann. Unter dem gnadenlosen Druck, Geld aufzutreiben, um ihre Schulden zu begleichen, will Ayka auch noch die letzte Grenze überschreiten. Sie muss sich einer existentiellen Entscheidung stellen. Für ihr herausragendes Spiel wurde die Schauspielerin Samal Jesljamowa in Cannes mit dem Preis als Beste Darstellerin ausgezeichnet. Es gelingt ein kraftvolles Stück Kino voller Ehrlichkeit und das faszinierende Porträt einer unglaublich starken Frauenfigur.

„Es begann mit einer trockenen Zeitungsstatistik: ‚Im Jahr 2010 wurden in Moskauer Geburtskliniken 248 Babys von Müttern aus Kirgisistan aufgegeben.‘ Ich stand lange Zeit unter Schock, nachdem ich das gelesen hatte: Wie kann das sein? Was könnte der Grund dafür sein, dass kirgisische Mütter ihre Babys freiwillig massenhaft aufgeben und in einem fremden Land zurücklassen? Was könnte sie zu einer solchen Tat zwingen, die für jede Frau, aber erst recht für Frauen aus den so sehr familienorientierten Kulturen Zentralasiens, unnatürlich ist? Mir wurde klar, dass ich einen Film darüber machen musste: einen Film über ein kirgisisches Mädchen, das sein neugeborenes Kind auf einer Moskauer Entbindungsstation verlässt, und die Umstände, die zu dieser Entscheidung geführt haben. Tatsache ist jedoch, dass es in diesem Film um uns alle geht: um das, was passiert, wenn die Beziehungen zwischen einem Menschen und seiner Umwelt so extrem werden, dass er oder sie moralisch zu verfallen beginnt.“ (Regiekommentar)

Айка – Ayka, OmdU
Mo 29.04.

Twarz – Die Maske, OmdU

Małgorzata Szumowska
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Twarz (Die Maske)                                           

Silberner Bär 2018 – Großer Preis der Jury

Polen 2018, 91 min, polnische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Małgorzata Szumowska

Jacek liebt Heavy Metal, die Spritztouren mit seinem Auto und seinen Hund. Er genießt das Dasein als cooler Außenseiter in einem ansonsten eher spießigen Umfeld. In der Nähe seines Heimatortes an der polnisch-deutschen Grenze soll die größte Jesusstatue der Welt entstehen, und auch Jacek arbeitet auf der Großbaustelle. Doch ein schwerer Arbeitsunfall lässt ihn entstellt zurück. Unter reger Anteilnahme der polnischen Öffentlichkeit wird daraufhin die erste Gesichtstransplantation im Land vollzogen. Jacek wird als Nationalheld und Märtyrer gefeiert, die Jesusstatue wird höher und höher, aber er selbst erkennt sich nicht mehr im Spiegel wieder. Während sein Konterfei zur Maske wird, zeigen die Menschen um ihn herum ihr wahres Gesicht…

“Die Handlung bringt zwei wahre Begebenheiten aus den vergangenen Jahren miteinander in Verbindung, die man als Kuriosa abhaken könnte, würden sie nicht im von Minderwertigkeitskomplexen beseelten Nachwende-Polen als welthistorisch bedeutsame Heldentaten gefeiert: der Bau der weltgrößten Jesus-Statue im Städtchen Świebodzin, die sich wie ein Mahnmal des schlechten Geschmacks von der Landschaft abhebt, und die erste Gesichtstransplantation, die je in Europa gelang. Der junge, ziemlich prollige, langhaarige Metallica-Fan Jacek arbeitet mit am Bau des Christus-Monstrums. Die Großfamilie, aus der er stammt, steht für das derb-slawische Elend, das jeder kennt, der aus dem Osten kommt, und das die Deutschen wegen der zum Ausdruck kommenden Seelentiefe ja so mögen: die Wodka-Abstürze am Küchentisch, restalkoholisierte Kirchenbesuche, hysterisch-fröhliche Xenophobie, der frühzeitige Verfall der Männer, die unerträgliche Religiosität der Mütter, der Schlager- und Heavy-Metal-Kitsch, die Fleischberge zum Abendessen, die Kuschelrock-Liebe der jungen Frauen, die so gut wie nichts anhaben, und so weiter. (…)

Man kann Twarz natürlich vordergründig als Parabel auf die Verlogenheit, den Opportunismus, die Bigotterie der polnischen Provinz interpretieren (und dies auch zu Recht), aber wie immer bei Szumowska erschöpft sich der Film gerade nicht in billiger Gesellschaftskritik, nicht in Opferkult und rechthaberischen Gewissheiten. Dafür sorgt schon ihr Hang zu grotesken, heiteren, auch brutal-burlesken Szenen. Sie gibt damit auch – und vielleicht sogar gerade – jenen, die sich vom Heimkehrer kaltherzig abwenden, ein Gesicht. Der Entstellte war vor seinem Schicksalsschlag doch nie besser als das Dorfvolk, erst als Gefallener wird er zum Homo sacer, zum Verbannten und Heiligen in einem. Die Bildränder haben eine geringe Tiefenschärfe, was dem Film etwas Märchenhaftes gibt. Die Unschärfe ist Programm, stellt die Wahrnehmung auf die Probe, und das ist natürlich völlig plausibel, weil am Ende nicht mehr zu sagen ist, wer in diesem Dorf als Wiederauferstandener gilt: der in den Himmel ragende Beton-Jesus oder der von den Ärzten Zusammengeflickte. Stückwerk sind sie beide, lädierte Heilande, der Zuschauer gerät in die Rolle des ungläubigen Thomas und ist begeistert.” (Adam Soboczynski, DIE ZEIT Nr. 10/2018)

Twarz – Die Maske, OmdU
Di 30.04.

Der Funktionär

Andreas Goldstein
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Der Funktionär (AT: Bilder meines Vaters)

Deutschland 2018, 72 min

Regie: Andreas Goldstein

„Als mein Vater zwei Jahre alt war, überfiel das deutsche Heer Belgien, der 1. Weltkrieg begann. Als er sechs war, brach das Kaiserreich zusammen. Mit siebzehn sah er vor dem Fenster der elterlichen Wohnung einen erschossenen Arbeiter auf der Straße liegen. Er trat in den kommunistischen Jugendverband und später in die kommunistische Partei ein. Nach 1933 illegale Arbeit, bis ´45 in Berlin. Dann machte er im sozialistischen Deutschland Karriere, Abstürze inbegriffen. Schließlich verschwand das Land. Seitdem er tot ist, erscheint mein Vater in meinen Träumen.
Die Not diese Geschichten zu erzählen erwächst nicht aus der Vergangenheit, sondern aus der Gegenwart. Heute werde die Konflikte der DDR dramatisiert und durchweg auf den Gegensatz von Freiheitswillen und Repression reduziert.  Sie bilden dabei weniger die DDR ab, als vielmehr eine Gegenwart, die sich selbst legitimieren muss und nun in diesen Erzählungen als Erlösung erscheinen kann.
Von einem Kommunisten erwartet man, im Gegensatz zu einem Bankdirektor, Ideale. Und dass er an ihnen scheitert, besser noch zugrunde geht. Schicksale die man einem Bankdirektor nicht verzeihen würde. Der gute Kommunist ist eine tragische Figur, der beste eine Leiche.“ (Andreas Goldstein)

Der Funktionär
Di 30.04.

Айка – Ayka, OmdU

Sergej Dworzewoj
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Айка (Ayka)                             Hauptpreis Filmfestival Cottbus 18

RUS/ D/ PL/ KZ/ CHN 2018, 100 min, russische Originalfassung mit dt. UT

Regie: Sergej Dworzewoj

Ayka, eine junge Kirgisin, arbeitet in Moskau. Ayka lebt ein Leben im Abgrund, stets verfolgt von der Notwendigkeit, sich das Überleben zu sichern. Weil sie ihr gerade geborenes Kind nicht ernähren kann, lässt sie ihren Sohn im Krankenhaus zurück und flieht – zurück in eine rohe Welt, in der sie niemals mehr als die Gejagte ihrer bloßen Existenz sein kann. Unter dem gnadenlosen Druck, Geld aufzutreiben, um ihre Schulden zu begleichen, will Ayka auch noch die letzte Grenze überschreiten. Sie muss sich einer existentiellen Entscheidung stellen. Für ihr herausragendes Spiel wurde die Schauspielerin Samal Jesljamowa in Cannes mit dem Preis als Beste Darstellerin ausgezeichnet. Es gelingt ein kraftvolles Stück Kino voller Ehrlichkeit und das faszinierende Porträt einer unglaublich starken Frauenfigur.

„Es begann mit einer trockenen Zeitungsstatistik: ‚Im Jahr 2010 wurden in Moskauer Geburtskliniken 248 Babys von Müttern aus Kirgisistan aufgegeben.‘ Ich stand lange Zeit unter Schock, nachdem ich das gelesen hatte: Wie kann das sein? Was könnte der Grund dafür sein, dass kirgisische Mütter ihre Babys freiwillig massenhaft aufgeben und in einem fremden Land zurücklassen? Was könnte sie zu einer solchen Tat zwingen, die für jede Frau, aber erst recht für Frauen aus den so sehr familienorientierten Kulturen Zentralasiens, unnatürlich ist? Mir wurde klar, dass ich einen Film darüber machen musste: einen Film über ein kirgisisches Mädchen, das sein neugeborenes Kind auf einer Moskauer Entbindungsstation verlässt, und die Umstände, die zu dieser Entscheidung geführt haben. Tatsache ist jedoch, dass es in diesem Film um uns alle geht: um das, was passiert, wenn die Beziehungen zwischen einem Menschen und seiner Umwelt so extrem werden, dass er oder sie moralisch zu verfallen beginnt.“ (Regiekommentar)

Di 30.04.

Twarz – Die Maske, OmdU

Małgorzata Szumowska
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Twarz (Die Maske)                                           

Silberner Bär 2018 – Großer Preis der Jury

Polen 2018, 91 min, polnische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Małgorzata Szumowska

Jacek liebt Heavy Metal, die Spritztouren mit seinem Auto und seinen Hund. Er genießt das Dasein als cooler Außenseiter in einem ansonsten eher spießigen Umfeld. In der Nähe seines Heimatortes an der polnisch-deutschen Grenze soll die größte Jesusstatue der Welt entstehen, und auch Jacek arbeitet auf der Großbaustelle. Doch ein schwerer Arbeitsunfall lässt ihn entstellt zurück. Unter reger Anteilnahme der polnischen Öffentlichkeit wird daraufhin die erste Gesichtstransplantation im Land vollzogen. Jacek wird als Nationalheld und Märtyrer gefeiert, die Jesusstatue wird höher und höher, aber er selbst erkennt sich nicht mehr im Spiegel wieder. Während sein Konterfei zur Maske wird, zeigen die Menschen um ihn herum ihr wahres Gesicht…

“Die Handlung bringt zwei wahre Begebenheiten aus den vergangenen Jahren miteinander in Verbindung, die man als Kuriosa abhaken könnte, würden sie nicht im von Minderwertigkeitskomplexen beseelten Nachwende-Polen als welthistorisch bedeutsame Heldentaten gefeiert: der Bau der weltgrößten Jesus-Statue im Städtchen Świebodzin, die sich wie ein Mahnmal des schlechten Geschmacks von der Landschaft abhebt, und die erste Gesichtstransplantation, die je in Europa gelang. Der junge, ziemlich prollige, langhaarige Metallica-Fan Jacek arbeitet mit am Bau des Christus-Monstrums. Die Großfamilie, aus der er stammt, steht für das derb-slawische Elend, das jeder kennt, der aus dem Osten kommt, und das die Deutschen wegen der zum Ausdruck kommenden Seelentiefe ja so mögen: die Wodka-Abstürze am Küchentisch, restalkoholisierte Kirchenbesuche, hysterisch-fröhliche Xenophobie, der frühzeitige Verfall der Männer, die unerträgliche Religiosität der Mütter, der Schlager- und Heavy-Metal-Kitsch, die Fleischberge zum Abendessen, die Kuschelrock-Liebe der jungen Frauen, die so gut wie nichts anhaben, und so weiter. (…)

Man kann Twarz natürlich vordergründig als Parabel auf die Verlogenheit, den Opportunismus, die Bigotterie der polnischen Provinz interpretieren (und dies auch zu Recht), aber wie immer bei Szumowska erschöpft sich der Film gerade nicht in billiger Gesellschaftskritik, nicht in Opferkult und rechthaberischen Gewissheiten. Dafür sorgt schon ihr Hang zu grotesken, heiteren, auch brutal-burlesken Szenen. Sie gibt damit auch – und vielleicht sogar gerade – jenen, die sich vom Heimkehrer kaltherzig abwenden, ein Gesicht. Der Entstellte war vor seinem Schicksalsschlag doch nie besser als das Dorfvolk, erst als Gefallener wird er zum Homo sacer, zum Verbannten und Heiligen in einem. Die Bildränder haben eine geringe Tiefenschärfe, was dem Film etwas Märchenhaftes gibt. Die Unschärfe ist Programm, stellt die Wahrnehmung auf die Probe, und das ist natürlich völlig plausibel, weil am Ende nicht mehr zu sagen ist, wer in diesem Dorf als Wiederauferstandener gilt: der in den Himmel ragende Beton-Jesus oder der von den Ärzten Zusammengeflickte. Stückwerk sind sie beide, lädierte Heilande, der Zuschauer gerät in die Rolle des ungläubigen Thomas und ist begeistert.” (Adam Soboczynski, DIE ZEIT Nr. 10/2018)

Twarz – Die Maske, OmdU
Mi 15.05.

Турксиб – стальной путь (Turksib – Die Stahlstraße), stumm mit Livemusikbegleitung!

Wiktor Turin
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Турксибстальной путь (Turksib – Die Stahlstraße) ◄

SU 1929, 35mm, 61 min, stumm mit Livemusikbegleitung!

Live: Chris Hinze (Labor); Ulrich Miller (Stimme/ Akkordeon/ Schlagzeug) und Klaus Kürvers (Kontrabass)

Regie: Wiktor Turin

TURKSIB ist nicht nur ein avantgardistischer Film, sondern auch einer der zentralen russischen Dokumentarfilme der späten Stummfilmzeit, dessen Ende er gleichsam markiert. Turin schildert den Bau der gleichnamigen Eisenbahnstrecke von Turkmenien und Kasachstan nach Sibirien, mit dem 1927 begonnen wurde. Die direkte Verbindung, die durch diesen Bau ermöglicht wurde, sollte die großen Reichtümer der Länder erschließen und einen regen Warentausch bewirken. (…) Aus Propagandagründen wurde TURKSIB bereits vor der Bahnlinie, deren Bau der Film eigentlich dokumentieren sollte, fertig gestellt – was ihn zum Zwitter zwischen abbildendem Zeugnis und werbendem Appell macht. (KunstKulturQuartier)

Турксиб – стальной путь (Turksib – Die Stahlstraße), stumm mit Livemusikbegleitung!
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