Mi 19.09.

Slnko v sieti – Sonne im Netz, OmdU (die 1968er im Osten)

Štefan Uher
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Generation Černý Petr – die 68er im Osten

Slnko v sieti (Sonne im Netz)

CSSR 1962, 95 min, slowakisch mit deutschen UT

Regie: Štefan Uher

„Dieser Film, der als Beginn der ‚Neuen Welle‘ tschechoslowakischer Filmkunst gilt, versucht mit lyrisch-psychologischer Sensibilität die Innenweiten des Sichtbaren erspürbar zu machen.“ (Hans-Joachim Schlegel)

Im Mittelpunkt steht ein junges Paar, dessen Liebe auf die Probe gestellt wird, als Oldřich zum Arbeiten in ein Sommercamp muss. Während der Trennung machen sowohl er als auch seine Freundin Bela neue amouröse Bekanntschaften. Regisseur Štefan Uher beweist eine große Sensibilität für Stimmungen und Atmosphäre, besonders in der grandiosen Sequenz um die titelgebende Sonnenfinsternis. (Deutsches Filminstitut)

„Štefan Uher bringt in seinem Film SONNE IM NETZ ein neues Thema ein, den Reifeprozess junger Menschen, bei dessen Gestaltung jetzt der Hauptakzent im Emotionalen liegt. Dieser Film schildert einfache Alltagssituationen, die mit Hilfe der Komposition zu einem komplexen, vieldeutigen künstlerischen Ganzen gestaltet werden. Uher nutzt dabei die wiederentdeckte filmische und semantische Wirkung der Symbole und Allegorien, der poetischen Erzählweise. Diese neue Filmsprache mit ihren vieldeutigen Interpretationsmöglichkeiten konnte natürlich dem wachsamen Blick der auf Reinheit und Orthodoxie bedachten Ideologiewächter nicht entgehen. Sie interpretierten bestimmte Passagen von Uhers Film auf ihre Art und unterstellten ihm versteckte Anspielungen: In der Figur der blinden Mutter meinten sie eine Anspielung auf die Blindheit der KP entdecken zu können. Dabei ging es Štefan Uher um eine überzeitliche Parabel und nicht um zeitgenössische politische Aktualität“. (Andrej Obuch, in: H-J. Schlegel, Filmkultur im Umbruch. Beispiel Slowakei, 1993)

Slnko v sieti – Sonne im Netz, OmdU (die 1968er im Osten)
Mi 19.09.

Seestück

Volker Koepp
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Seestück

D 2018, 135 min, deutsche Originalfassung, zum Teil mit dt. UT

Regie: Volker Koepp

Die Ostsee in ihren jahreszeitlichen Stimmungen, das helle Licht und die Luftspiegelungen, die Wolken am hohen Himmel, die Vögel im Sturm über den Wellen. Vor der magischen Naturkulisse begegnen wir Menschen, die an den Rändern der Ostseeländer leben: auf der Insel Usedom und an den polnischen Stränden, an den baltischen Küsten und den nördlichen Schären in Schweden. Fischer und Wissenschaftler, Seeleute und junge Menschen erzählen von ihrem Leben im Einklang mit der alle verbindenden Meereslandschaft, von ihrer Arbeit, ihren Erinnerungen und Hoffnungen. Sie entwerfen aber auch das Bild eines Alltags, in dem ökologische Probleme, politische Ost-West-Konflikte und nationale Egoismen allgegenwärtig sind.

Mit SEESTÜCK schließt Volker Koepp einen filmischen Zyklus ab, den er mit BERLIN-STETTIN (2010) begann. In diesem Film mischte der Regisseur in seine Beschreibung ostdeutscher Film- und Lebensräume erstmals auch autobiografische Bezüge. IN SARMATIEN (2013) erweiterte den Blick auf die Region östlich der Weichsel und zwischen dem Schwarzen Meer und der Ostsee. Mit LANDSTÜCK (2016) kehrte Koepp in die Uckermark nördlich Berlins zurück. SEESTÜCK – ein Film über die Ostsee, über das Leben am Meer und mit dem Meer – schließt den Reigen nun ab. Wie in den Filmen zuvor spiegeln sich hier die Bögen der Historie in den privaten Lebensläufen der Gegenwart. Auch für die kleine Ostsee gilt: Landschaftsbild ist Weltbild.

Seestück
Do 20.09.

Familie Brasch

Annekatrin Hendel
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Familie Brasch

D 2018, 103 min

Regie: Annekatrin Hendel              

In den Jahren nach 1945 sind die Braschs eine perfekte Funktionärsfamilie, die in der sowjetisch besetzten Zone den deutschen Traum vom Sozialismus lebt: Horst Brasch, ein leidenschaftlicher Antifaschist und jüdischer Katholik, baut die DDR mit auf, obwohl seine Frau Gerda darin nie heimisch wird. Sohn Thomas wird zum Literaturstar, er träumt wie sein Vater von einer gerechteren Welt, steht aber wie seine jüngeren Brüder Peter und Klaus dem real existierenden Sozialismus kritisch gegenüber. 1968 bricht in der DDR wie überall der Generationenkonflikt auf. Vater Brasch liefert den rebellierenden Sohn Thomas an die Behörden aus – und leitet damit auch das Ende der eigenen Karriere ein.

Regisseurin Annekatrin Hendel porträtiert in ihrem neuen Film drei Generationen Brasch, die die Spannungen der Geschichte innerhalb der eigenen Familie austragen – zwischen Ost und West, Kunst und Politik, Kommunismus und Religion, Liebe und Verrat, Utopie und Selbstzerstörung. Sie trifft die einzige Überlebende des Clans, Marion Brasch, sowie zahlreiche Vertraute, Geliebte und Freunde, unter ihnen die Schauspielerin Katharina Thalbach, der Dichter Christoph Hein, die Liedermacherin Bettina Wegner und der Künstler Florian Havemann.

Familie Brasch
Do 20.09.

Seestück

Volker Koepp
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Seestück

D 2018, 135 min, deutsche Originalfassung, zum Teil mit dt. UT

Regie: Volker Koepp

Die Ostsee in ihren jahreszeitlichen Stimmungen, das helle Licht und die Luftspiegelungen, die Wolken am hohen Himmel, die Vögel im Sturm über den Wellen. Vor der magischen Naturkulisse begegnen wir Menschen, die an den Rändern der Ostseeländer leben: auf der Insel Usedom und an den polnischen Stränden, an den baltischen Küsten und den nördlichen Schären in Schweden. Fischer und Wissenschaftler, Seeleute und junge Menschen erzählen von ihrem Leben im Einklang mit der alle verbindenden Meereslandschaft, von ihrer Arbeit, ihren Erinnerungen und Hoffnungen. Sie entwerfen aber auch das Bild eines Alltags, in dem ökologische Probleme, politische Ost-West-Konflikte und nationale Egoismen allgegenwärtig sind.

Mit SEESTÜCK schließt Volker Koepp einen filmischen Zyklus ab, den er mit BERLIN-STETTIN (2010) begann. In diesem Film mischte der Regisseur in seine Beschreibung ostdeutscher Film- und Lebensräume erstmals auch autobiografische Bezüge. IN SARMATIEN (2013) erweiterte den Blick auf die Region östlich der Weichsel und zwischen dem Schwarzen Meer und der Ostsee. Mit LANDSTÜCK (2016) kehrte Koepp in die Uckermark nördlich Berlins zurück. SEESTÜCK – ein Film über die Ostsee, über das Leben am Meer und mit dem Meer – schließt den Reigen nun ab. Wie in den Filmen zuvor spiegeln sich hier die Bögen der Historie in den privaten Lebensläufen der Gegenwart. Auch für die kleine Ostsee gilt: Landschaftsbild ist Weltbild.

Seestück
Fr 21.09.

Familie Brasch

Annekatrin Hendel
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Familie Brasch

D 2018, 103 min

Regie: Annekatrin Hendel              

In den Jahren nach 1945 sind die Braschs eine perfekte Funktionärsfamilie, die in der sowjetisch besetzten Zone den deutschen Traum vom Sozialismus lebt: Horst Brasch, ein leidenschaftlicher Antifaschist und jüdischer Katholik, baut die DDR mit auf, obwohl seine Frau Gerda darin nie heimisch wird. Sohn Thomas wird zum Literaturstar, er träumt wie sein Vater von einer gerechteren Welt, steht aber wie seine jüngeren Brüder Peter und Klaus dem real existierenden Sozialismus kritisch gegenüber. 1968 bricht in der DDR wie überall der Generationenkonflikt auf. Vater Brasch liefert den rebellierenden Sohn Thomas an die Behörden aus – und leitet damit auch das Ende der eigenen Karriere ein.

Regisseurin Annekatrin Hendel porträtiert in ihrem neuen Film drei Generationen Brasch, die die Spannungen der Geschichte innerhalb der eigenen Familie austragen – zwischen Ost und West, Kunst und Politik, Kommunismus und Religion, Liebe und Verrat, Utopie und Selbstzerstörung. Sie trifft die einzige Überlebende des Clans, Marion Brasch, sowie zahlreiche Vertraute, Geliebte und Freunde, unter ihnen die Schauspielerin Katharina Thalbach, der Dichter Christoph Hein, die Liedermacherin Bettina Wegner und der Künstler Florian Havemann.

Familie Brasch
Fr 21.09.

Seestück

Volker Koepp
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Seestück

D 2018, 135 min, deutsche Originalfassung, zum Teil mit dt. UT

Regie: Volker Koepp

Die Ostsee in ihren jahreszeitlichen Stimmungen, das helle Licht und die Luftspiegelungen, die Wolken am hohen Himmel, die Vögel im Sturm über den Wellen. Vor der magischen Naturkulisse begegnen wir Menschen, die an den Rändern der Ostseeländer leben: auf der Insel Usedom und an den polnischen Stränden, an den baltischen Küsten und den nördlichen Schären in Schweden. Fischer und Wissenschaftler, Seeleute und junge Menschen erzählen von ihrem Leben im Einklang mit der alle verbindenden Meereslandschaft, von ihrer Arbeit, ihren Erinnerungen und Hoffnungen. Sie entwerfen aber auch das Bild eines Alltags, in dem ökologische Probleme, politische Ost-West-Konflikte und nationale Egoismen allgegenwärtig sind.

Mit SEESTÜCK schließt Volker Koepp einen filmischen Zyklus ab, den er mit BERLIN-STETTIN (2010) begann. In diesem Film mischte der Regisseur in seine Beschreibung ostdeutscher Film- und Lebensräume erstmals auch autobiografische Bezüge. IN SARMATIEN (2013) erweiterte den Blick auf die Region östlich der Weichsel und zwischen dem Schwarzen Meer und der Ostsee. Mit LANDSTÜCK (2016) kehrte Koepp in die Uckermark nördlich Berlins zurück. SEESTÜCK – ein Film über die Ostsee, über das Leben am Meer und mit dem Meer – schließt den Reigen nun ab. Wie in den Filmen zuvor spiegeln sich hier die Bögen der Historie in den privaten Lebensläufen der Gegenwart. Auch für die kleine Ostsee gilt: Landschaftsbild ist Weltbild.

Seestück
Fr 21.09.

Donbass (Донбас / Донбасc), OmdU

Sergej Losniza
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Donbass (Донбас / Донбасc)

D/ F/ UA/ RO/ NL 2018, 121 min, russ. | ukr. mit dt. UT

Regie: Sergej Losniza             Kamera: Oleg Mutu

Der Donbass. Ostukraine. Ein Land zerfällt. Eine Welt kollabiert. Weltbilder zerbrechen. Aus der Vogelperspektive der Geschichte sehen wir den namenlosen Kampf der Global Player. Aber wie sieht es da unten aus, am Boden, bei den Menschen, die jeden Tag in diesem Inferno überstehen müssen? Wie überleben die Menschen? Wie überlebt die Menschlichkeit?

„Gleich die erste Szene zeigt eine Maskenbildnerin, die eine Laiendarstellerin für eine Filmszene schminkt, in der ein Angriff auf einen Bus nachgestellt wird. Immer wieder wird Loznitsa im Folgenden mit kleinen, selbstreflexiven Momenten den Filmapparat andeuten, lässt mal einen Kameramann im Bild erscheinen, mal Figuren sich selbst mit Handys filmen. Sehen wir einen Krieg? Oder einen Film? Einen Film über Krieg? Oder einen Krieg nach Drehbuch? Scheint Loznitsa zu fragen und damit anzudeuten, dass dieser meist so verwirrend und undurchschaubar wirkende Konflikt vielleicht gar nicht so konfus abläuft, dass vielleicht vielmehr nach einem zumindest losen Drehbuch geplant wird, Unruhe und Chaos in der Region zu stiften. Welche Ziele damit verbunden sein mögen, lässt Loznitsa offen, er beschreibt in DONBASS eine Welt des Chaos, die durch den Krieg in Korruption und Anarchie abzudriften droht.“ (Micheal Meyns, programmkino.de)

„Propaganda ist, wenn man etwas erfindet. Ich habe aber in meinem Film nichts erfunden. Es gibt echte Amateuraufnahmen von den Szenen im Film. Er zeigt also die Wahrheit. Außerdem ist es mir wichtig, dass ich keinen Film aus Sichtweise der ukrainischen oder der russischen Regierung gemacht habe. Ich präsentiere lediglich meine Sichtweise auf diesen Krieg. (…) Dieser Film ist ungemütlich und unakzeptabel für beide Seiten dieses Kriegs. Schon komisch, wenn ich dafür als Propagandist bezeichnet werde. Denn wenn mein Film Propaganda ist, dann ist die Realität Propaganda.“ (Sergej Losniza im Interview mit Steffen Dobbert, zeit.de)

„(…) Auch in DONBASS wirkt die Kamera scheinbar unbeteiligt, aber eigentlich ist die strenge Formsprache, die IM NEBEL (2012) noch so offensichtlich prägte, hier nur subtiler ausgeformt. Sergei Loznitsa hat sie transformiert in virtuose Plansequenzen ohne Schnitt, die ein hohes Maß an gestalterischer Disziplin verlangen. Trotz der chaotischen Verhältnisse, die DONBASS zeigt, strahlt der Film dadurch eine eiskalte Energie aus, die das Geschehen wegen der scheinbaren Ungerührtheit des Beobachtenden zeitweise noch schwerer erträglich machen. In Wahrheit aber schaut Sergei Loznitsa wieder nur ganz genau hin, ohne sentimentale dramaturgische Elemente, die seinen Film leichter verdaulich machen würden. Der Krieg ist in DONBASS kaum direkt zu sehen, und doch starrt man ihm hier laufend unmittelbar in die hässliche Fratze. Das ist anstrengend. Und absolut brillant.“ (Oliver Kaever, zeit.de)

Donbass (Донбас / Донбасc), OmdU
Sa 22.09.

Familie Brasch

Annekatrin Hendel
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Familie Brasch

D 2018, 103 min

Regie: Annekatrin Hendel              

In den Jahren nach 1945 sind die Braschs eine perfekte Funktionärsfamilie, die in der sowjetisch besetzten Zone den deutschen Traum vom Sozialismus lebt: Horst Brasch, ein leidenschaftlicher Antifaschist und jüdischer Katholik, baut die DDR mit auf, obwohl seine Frau Gerda darin nie heimisch wird. Sohn Thomas wird zum Literaturstar, er träumt wie sein Vater von einer gerechteren Welt, steht aber wie seine jüngeren Brüder Peter und Klaus dem real existierenden Sozialismus kritisch gegenüber. 1968 bricht in der DDR wie überall der Generationenkonflikt auf. Vater Brasch liefert den rebellierenden Sohn Thomas an die Behörden aus – und leitet damit auch das Ende der eigenen Karriere ein.

Regisseurin Annekatrin Hendel porträtiert in ihrem neuen Film drei Generationen Brasch, die die Spannungen der Geschichte innerhalb der eigenen Familie austragen – zwischen Ost und West, Kunst und Politik, Kommunismus und Religion, Liebe und Verrat, Utopie und Selbstzerstörung. Sie trifft die einzige Überlebende des Clans, Marion Brasch, sowie zahlreiche Vertraute, Geliebte und Freunde, unter ihnen die Schauspielerin Katharina Thalbach, der Dichter Christoph Hein, die Liedermacherin Bettina Wegner und der Künstler Florian Havemann.

Familie Brasch
Sa 22.09.

Seestück

Volker Koepp
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Seestück

D 2018, 135 min, deutsche Originalfassung, zum Teil mit dt. UT

Regie: Volker Koepp

Die Ostsee in ihren jahreszeitlichen Stimmungen, das helle Licht und die Luftspiegelungen, die Wolken am hohen Himmel, die Vögel im Sturm über den Wellen. Vor der magischen Naturkulisse begegnen wir Menschen, die an den Rändern der Ostseeländer leben: auf der Insel Usedom und an den polnischen Stränden, an den baltischen Küsten und den nördlichen Schären in Schweden. Fischer und Wissenschaftler, Seeleute und junge Menschen erzählen von ihrem Leben im Einklang mit der alle verbindenden Meereslandschaft, von ihrer Arbeit, ihren Erinnerungen und Hoffnungen. Sie entwerfen aber auch das Bild eines Alltags, in dem ökologische Probleme, politische Ost-West-Konflikte und nationale Egoismen allgegenwärtig sind.

Mit SEESTÜCK schließt Volker Koepp einen filmischen Zyklus ab, den er mit BERLIN-STETTIN (2010) begann. In diesem Film mischte der Regisseur in seine Beschreibung ostdeutscher Film- und Lebensräume erstmals auch autobiografische Bezüge. IN SARMATIEN (2013) erweiterte den Blick auf die Region östlich der Weichsel und zwischen dem Schwarzen Meer und der Ostsee. Mit LANDSTÜCK (2016) kehrte Koepp in die Uckermark nördlich Berlins zurück. SEESTÜCK – ein Film über die Ostsee, über das Leben am Meer und mit dem Meer – schließt den Reigen nun ab. Wie in den Filmen zuvor spiegeln sich hier die Bögen der Historie in den privaten Lebensläufen der Gegenwart. Auch für die kleine Ostsee gilt: Landschaftsbild ist Weltbild.

Seestück
Sa 22.09.

Donbass (Донбас / Донбасc), OmdU

Sergej Losniza
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Donbass (Донбас / Донбасc)

D/ F/ UA/ RO/ NL 2018, 121 min, russ. | ukr. mit dt. UT

Regie: Sergej Losniza             Kamera: Oleg Mutu

Der Donbass. Ostukraine. Ein Land zerfällt. Eine Welt kollabiert. Weltbilder zerbrechen. Aus der Vogelperspektive der Geschichte sehen wir den namenlosen Kampf der Global Player. Aber wie sieht es da unten aus, am Boden, bei den Menschen, die jeden Tag in diesem Inferno überstehen müssen? Wie überleben die Menschen? Wie überlebt die Menschlichkeit?

„Gleich die erste Szene zeigt eine Maskenbildnerin, die eine Laiendarstellerin für eine Filmszene schminkt, in der ein Angriff auf einen Bus nachgestellt wird. Immer wieder wird Loznitsa im Folgenden mit kleinen, selbstreflexiven Momenten den Filmapparat andeuten, lässt mal einen Kameramann im Bild erscheinen, mal Figuren sich selbst mit Handys filmen. Sehen wir einen Krieg? Oder einen Film? Einen Film über Krieg? Oder einen Krieg nach Drehbuch? Scheint Loznitsa zu fragen und damit anzudeuten, dass dieser meist so verwirrend und undurchschaubar wirkende Konflikt vielleicht gar nicht so konfus abläuft, dass vielleicht vielmehr nach einem zumindest losen Drehbuch geplant wird, Unruhe und Chaos in der Region zu stiften. Welche Ziele damit verbunden sein mögen, lässt Loznitsa offen, er beschreibt in DONBASS eine Welt des Chaos, die durch den Krieg in Korruption und Anarchie abzudriften droht.“ (Micheal Meyns, programmkino.de)

„Propaganda ist, wenn man etwas erfindet. Ich habe aber in meinem Film nichts erfunden. Es gibt echte Amateuraufnahmen von den Szenen im Film. Er zeigt also die Wahrheit. Außerdem ist es mir wichtig, dass ich keinen Film aus Sichtweise der ukrainischen oder der russischen Regierung gemacht habe. Ich präsentiere lediglich meine Sichtweise auf diesen Krieg. (…) Dieser Film ist ungemütlich und unakzeptabel für beide Seiten dieses Kriegs. Schon komisch, wenn ich dafür als Propagandist bezeichnet werde. Denn wenn mein Film Propaganda ist, dann ist die Realität Propaganda.“ (Sergej Losniza im Interview mit Steffen Dobbert, zeit.de)

„(…) Auch in DONBASS wirkt die Kamera scheinbar unbeteiligt, aber eigentlich ist die strenge Formsprache, die IM NEBEL (2012) noch so offensichtlich prägte, hier nur subtiler ausgeformt. Sergei Loznitsa hat sie transformiert in virtuose Plansequenzen ohne Schnitt, die ein hohes Maß an gestalterischer Disziplin verlangen. Trotz der chaotischen Verhältnisse, die DONBASS zeigt, strahlt der Film dadurch eine eiskalte Energie aus, die das Geschehen wegen der scheinbaren Ungerührtheit des Beobachtenden zeitweise noch schwerer erträglich machen. In Wahrheit aber schaut Sergei Loznitsa wieder nur ganz genau hin, ohne sentimentale dramaturgische Elemente, die seinen Film leichter verdaulich machen würden. Der Krieg ist in DONBASS kaum direkt zu sehen, und doch starrt man ihm hier laufend unmittelbar in die hässliche Fratze. Das ist anstrengend. Und absolut brillant.“ (Oliver Kaever, zeit.de)

Donbass (Донбас / Донбасc), OmdU
So 23.09.

Familie Brasch

Annekatrin Hendel
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Familie Brasch

D 2018, 103 min

Regie: Annekatrin Hendel              

In den Jahren nach 1945 sind die Braschs eine perfekte Funktionärsfamilie, die in der sowjetisch besetzten Zone den deutschen Traum vom Sozialismus lebt: Horst Brasch, ein leidenschaftlicher Antifaschist und jüdischer Katholik, baut die DDR mit auf, obwohl seine Frau Gerda darin nie heimisch wird. Sohn Thomas wird zum Literaturstar, er träumt wie sein Vater von einer gerechteren Welt, steht aber wie seine jüngeren Brüder Peter und Klaus dem real existierenden Sozialismus kritisch gegenüber. 1968 bricht in der DDR wie überall der Generationenkonflikt auf. Vater Brasch liefert den rebellierenden Sohn Thomas an die Behörden aus – und leitet damit auch das Ende der eigenen Karriere ein.

Regisseurin Annekatrin Hendel porträtiert in ihrem neuen Film drei Generationen Brasch, die die Spannungen der Geschichte innerhalb der eigenen Familie austragen – zwischen Ost und West, Kunst und Politik, Kommunismus und Religion, Liebe und Verrat, Utopie und Selbstzerstörung. Sie trifft die einzige Überlebende des Clans, Marion Brasch, sowie zahlreiche Vertraute, Geliebte und Freunde, unter ihnen die Schauspielerin Katharina Thalbach, der Dichter Christoph Hein, die Liedermacherin Bettina Wegner und der Künstler Florian Havemann.

Familie Brasch
So 23.09.

Jan Palach und Ryszard Siwiec. Protest, Trauer und Propaganda – Kurzfilme (die 1968er im Osten)

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Generation Černý Petr – die 68er im Osten

JAN PALACH und RYSZARD SIWIEC. PROTEST, TRAUER und PROPAGANDA – Kurzfilme

CSSR / DDR / PL 1967-1991, ca 72 min

…Eines Freundes Freund zu sein (… быть другу другом!)

DDR 1968, 8 min, R: Heinz Thiel           Das Zitat im Vorspann ist Programm: „Jeder Mensch, der die Freiheit liebt, schuldet der Roten Armee mehr als er jemals bezahlen kann“ (Ernest Hemmingway) sic! Von Jubel begrüßt, kehren siegreiche Sowjetsoldaten von ihrem Einsatz in der CSSR zurück. Kinder, Blumen, Freudentränen, Potsdam taumelt vor Freude. Und die trotzig strammen NVA Waffenbrüder erinnern mit Schnauzbart und traditionellen Uniformen deutlich an vergangene Zeiten!

 

Alle Studenten in die Sowjetunion (Studenti vše v Sovĕkském svazu) , CSSR 1967, 5 min, R: Jiři Bystřičan

Amateuraufnahmen des Ferienjobs Jan Palachs und seiner Kommilitonen der Wirtschaftsuniversität Prag in der Sowjetunion. Es handelt sich um die einzigen Filmaufnahmen, in denen Jan Palach vor seiner Tat zu sehen ist.

 

Schweigen (Ticho) , CSSR 1969, 11 min, ohne Dialog, R: Milan Peer

Milan Peers Requiem für Jan Palach heißt Ticho (Schweigen/Stille). Hier spielt kein großes Orchester, dröhnt kein Militärchor. Lediglich Bohdan Mikolášek flüstert zur Gitarre. Still liegt die Stadt und begleitet den Sarg. Am Wenzelsplatz winken ausgeschaltet die Ampeln.

 

Hear my Cry (Usłyszcie mój krzyk!) , PL 1991, 48 min, OmeU

Regie: Maciej Drygas                     Der 59-jährige Buchhalter Ryszard Siwiec war am 8. September 1968 bei einer monumentalen Erntedankfeier die erste Person in Europa, die sich aus politischem Protest selbst verbrannte. (…) Während wenig später Jan Palach in Prag aufgrund seiner Selbstverbrennung zum Volkshelden wurde, erregte Siwiec‘ Opfer keinerlei Aufsehen. Sein Protest wurde vertuscht und als Tat eines „Wahnsinnigen“ abgetan. Erst 1991 wird mit HÖRT MEINEN SCHREI bekannt was ihn wirklich dazu bewegte. (goEast 2018)

Jan Palach und Ryszard Siwiec. Protest, Trauer und Propaganda – Kurzfilme (die 1968er im Osten)
So 23.09.

Seestück

Volker Koepp
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Seestück

D 2018, 135 min, deutsche Originalfassung, zum Teil mit dt. UT

Regie: Volker Koepp

Die Ostsee in ihren jahreszeitlichen Stimmungen, das helle Licht und die Luftspiegelungen, die Wolken am hohen Himmel, die Vögel im Sturm über den Wellen. Vor der magischen Naturkulisse begegnen wir Menschen, die an den Rändern der Ostseeländer leben: auf der Insel Usedom und an den polnischen Stränden, an den baltischen Küsten und den nördlichen Schären in Schweden. Fischer und Wissenschaftler, Seeleute und junge Menschen erzählen von ihrem Leben im Einklang mit der alle verbindenden Meereslandschaft, von ihrer Arbeit, ihren Erinnerungen und Hoffnungen. Sie entwerfen aber auch das Bild eines Alltags, in dem ökologische Probleme, politische Ost-West-Konflikte und nationale Egoismen allgegenwärtig sind.

Mit SEESTÜCK schließt Volker Koepp einen filmischen Zyklus ab, den er mit BERLIN-STETTIN (2010) begann. In diesem Film mischte der Regisseur in seine Beschreibung ostdeutscher Film- und Lebensräume erstmals auch autobiografische Bezüge. IN SARMATIEN (2013) erweiterte den Blick auf die Region östlich der Weichsel und zwischen dem Schwarzen Meer und der Ostsee. Mit LANDSTÜCK (2016) kehrte Koepp in die Uckermark nördlich Berlins zurück. SEESTÜCK – ein Film über die Ostsee, über das Leben am Meer und mit dem Meer – schließt den Reigen nun ab. Wie in den Filmen zuvor spiegeln sich hier die Bögen der Historie in den privaten Lebensläufen der Gegenwart. Auch für die kleine Ostsee gilt: Landschaftsbild ist Weltbild.

So 23.09.

Kolyma – Колыма, OmdU

Stanisław Mucha
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Kolyma – Straße der Knochen (Колыма – дорога костей)

D 2017, 86 min, russ. mit dt. UT

Regie: Stanisław Mucha                    Achtung Berlin, Bester Dokumentarfilm

Wer in der Region entlang der Kolyma-Fernstraße, die sich im Nordosten Russlands 2000 Kilometer durch die karge Landschaft zieht, durch Schnee und Eis gräbt, fördert bald etwas zu Tage. Zum einen finden sich Bodenschätze wie Gold, Platin und Uran, die seit Jahrzehnten im Tage- und Untertagebau geschürft werden. Zum anderen war die Region bis 1987 das Zentrum des sowjetisch/russischen Straflagersystems. Von den fünf Millionen, die hier für den Bergbau oder für die Errichtung der Fernstraße eingesetzt wurden, verließ der Großteil die Region nie wieder, sondern wurde in riesigen Massengräbern verscharrt. Aus diesem Grund ist die Kolyma-Fernstraße auch als „Straße der Knochen“ bekannt. Autorenfilmer Stanisław Mucha, dessen Großvater im Gulag einsaß, bereist in seinem Film die komplette Länge der Fernstraße. Auf dem Weg interviewt er junge Imbissbetreiber, die das Wort „Gulag“ mit „Gulasch“ verwechseln, aber auch ehemalige Insassen, die zum Teil sehr offen über die Morde reden, wegen derer sie verurteilt wurden. Manchmal war der Inhaftierungsgrund aber auch einfach eine unüberlegte Äußerung über den Diktator. Es liegt eine Aura des Leids über der Region, die sich auch heute noch auf die Bewohner auswirkt, sagt einer von ihnen. Die ansässigen Schüler amüsieren sich jedenfalls noch mit patriotischen Schulaufführungen, machen aber auch sehr klar, dass sie ihre Zukunft nach dem Abitur woanders sehen. Und einige, die geblieben sind, werden einfach etwas wunderlich und gehen Experimenten nach, in denen sie angeblich die Alterung mit Starkstrom umkehren können. So bedrückend die Vergangenheit der Region, die man in Moskau wahrscheinlich fast vergessen hat, auch ist, so sehr hinterlässt KOLYMA den Eindruck, dass der üblen Erinnerung ein starker und enorm kreativer Lebenswille entgegengesetzt wird, der nicht so einfach totzukriegen ist. (Christian Klose, Indiekino Magazin Juni/Juli 18)

Kolyma – Колыма, OmdU
Mo 24.09.

Familie Brasch

Annekatrin Hendel
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Familie Brasch

D 2018, 103 min

Regie: Annekatrin Hendel              

In den Jahren nach 1945 sind die Braschs eine perfekte Funktionärsfamilie, die in der sowjetisch besetzten Zone den deutschen Traum vom Sozialismus lebt: Horst Brasch, ein leidenschaftlicher Antifaschist und jüdischer Katholik, baut die DDR mit auf, obwohl seine Frau Gerda darin nie heimisch wird. Sohn Thomas wird zum Literaturstar, er träumt wie sein Vater von einer gerechteren Welt, steht aber wie seine jüngeren Brüder Peter und Klaus dem real existierenden Sozialismus kritisch gegenüber. 1968 bricht in der DDR wie überall der Generationenkonflikt auf. Vater Brasch liefert den rebellierenden Sohn Thomas an die Behörden aus – und leitet damit auch das Ende der eigenen Karriere ein.

Regisseurin Annekatrin Hendel porträtiert in ihrem neuen Film drei Generationen Brasch, die die Spannungen der Geschichte innerhalb der eigenen Familie austragen – zwischen Ost und West, Kunst und Politik, Kommunismus und Religion, Liebe und Verrat, Utopie und Selbstzerstörung. Sie trifft die einzige Überlebende des Clans, Marion Brasch, sowie zahlreiche Vertraute, Geliebte und Freunde, unter ihnen die Schauspielerin Katharina Thalbach, der Dichter Christoph Hein, die Liedermacherin Bettina Wegner und der Künstler Florian Havemann.

Familie Brasch
Mo 24.09.

Seestück

Volker Koepp
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Seestück

D 2018, 135 min, deutsche Originalfassung, zum Teil mit dt. UT

Regie: Volker Koepp

Die Ostsee in ihren jahreszeitlichen Stimmungen, das helle Licht und die Luftspiegelungen, die Wolken am hohen Himmel, die Vögel im Sturm über den Wellen. Vor der magischen Naturkulisse begegnen wir Menschen, die an den Rändern der Ostseeländer leben: auf der Insel Usedom und an den polnischen Stränden, an den baltischen Küsten und den nördlichen Schären in Schweden. Fischer und Wissenschaftler, Seeleute und junge Menschen erzählen von ihrem Leben im Einklang mit der alle verbindenden Meereslandschaft, von ihrer Arbeit, ihren Erinnerungen und Hoffnungen. Sie entwerfen aber auch das Bild eines Alltags, in dem ökologische Probleme, politische Ost-West-Konflikte und nationale Egoismen allgegenwärtig sind.

Mit SEESTÜCK schließt Volker Koepp einen filmischen Zyklus ab, den er mit BERLIN-STETTIN (2010) begann. In diesem Film mischte der Regisseur in seine Beschreibung ostdeutscher Film- und Lebensräume erstmals auch autobiografische Bezüge. IN SARMATIEN (2013) erweiterte den Blick auf die Region östlich der Weichsel und zwischen dem Schwarzen Meer und der Ostsee. Mit LANDSTÜCK (2016) kehrte Koepp in die Uckermark nördlich Berlins zurück. SEESTÜCK – ein Film über die Ostsee, über das Leben am Meer und mit dem Meer – schließt den Reigen nun ab. Wie in den Filmen zuvor spiegeln sich hier die Bögen der Historie in den privaten Lebensläufen der Gegenwart. Auch für die kleine Ostsee gilt: Landschaftsbild ist Weltbild.

Seestück
Di 25.09.

Die Träume der 100-Jährigen. Kurzfilme, OmU (die 1968er im Osten)

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Generation Černý Petr – die 68er im Osten

DIE TRÄUME DER 100-JÄHRIGEN – Kurzfilme

SU (Litauen) / CSSR 1965/73, ca. 89 min, OmU

Wir zeigen:

 

DER ALTE MANN UND DIE ERDE (SENIS IR ŽEMĖ) 

Litauische SSR 1965, 20 min, OmU, R: Robertas Verba

Verbas Debüt war laut Živilė Pipinytė der stilistische Eisbrecher gegen die Sowjetideologie. Die Archaischen Ansichten des Anupras, Denker vom Land, wurden zum Symbol einer ethnisch-kulturellen litauischen Identität. (goEast 18)

„Robertas Verba setzte dabei mit Filmen wie der ALTE MANN UND DIE ERDE oder DIE TRÄUME DER HUNDERTJÄHRIGEN Akzente für eine spezifische Linie des litauischen Dokumentarfilms, (…). Es geht hier übrigens nicht um ‚nostalgische‘ Abbilder einer Bedrohten Wirklichkeit. Für das Bemühen um einen kreativen Umgang mit dieser Wirklichkeit spricht auch die Tatsache, dass diese Filme immer wieder die Spezifik des Rhythmus und der Erzählweisen, die innere Realität dieser Volkskultur zu ‚übersetzen‘ versuchen und damit ein stilistisch unverwechselbares ‚Klima‘ litauischer Dokumentarfilme schaffen“. (Hans-Joachim Schlegel, in: „Die Dokumentarfilme der Baltischen Sowjetrepubliken. Eine Retrospektive“, Nyon 1987)

 

DIE TRÄUME DER 100-JÄHRIGEN (ŠIMTAMEČIŲ GODOS)

Litauische SSR 1969, 17 min, OmU, R: Robertas Verba

Hundertjährige erinnern sich an ihr Leben.

“Paradoxerweise gaben die Filmemacher vor, einen Spielfilm zu Lenins 100. Geburtstag drehen zu wollen. Es war der einfachste Weg, um alte litauische Leute filmen zu dürfen (manche von ihnen tatsächlich hundert Jahre alt). DIE TRÄUME DER HUNDERTJÄHRIGEN erfüllte sogar den Vorsatz der sowjetischen Zensur, den Fokus auf Werktätige, statt auf die Intelligenzija zu richten: die Hundertjährigen im Film sind allesamt einfache Landmenschen. Dennoch missfiel der linientreuen Kritik die Darstellung von ‚unansehnlichen‘ Charakteren (ein Verstoß gegen den sowjetischen Kult der Jugend und Sportlichkeit) und den ‚mangelnden Optimismus‘“. (Elena Jasiūnaitė, Karlovy Vary Filmfestival 2018)

 

EINE REISE DURCH NEBLIGE WIESEN (KELIONĖ ŪKŲ LANKOMISA) 

Litauische SSR 1973, 10 min, OmU, R: Henrikas Šablevičius

Archaisch-ländliches Litauen vs. Modern-industrialisierte Sowjetunion. Ein Kultur-Clash, vorgeführt an der Eisenbahn. Demontage der alten Schmalspurbahn „Siaurukas“. (goEast 18)

 

RESPICE FINEM, CSSR 1967, 15 min, 35mm, R: Jan Špáta

Ein Film über alleinstehende Witwen, die in Dorfgemeinden die letzten Jahre ihres Lebens allein verbringen müssen; sie warten auf den Tod und fürchten sich vorm Sterben.

„Den Blick auf die rührenden Heldinnen, in dem sich die Kamera in der Hauptsache auf ihre Gesichter und Hände konzentriert, begleitet Špáta mit Zwischenschnitten auf die Umgebung, auf die kleinen Zimmer, Höfe, Ställe, zu den Häuschen führenden Pfade, auf den Hund, der im Bedarfsfalle als flinker Bote zum Sohn seiner Herrin eilt und ihn herbeiholt, es ist ein Blick auf die letzten Meter des menschlichen Lebens. Und aus diesen Gesichtern, Händen und wenigen winzigen sorgfältig ausgewählten Kleinigkeiten stellt Špáta einige Menschenporträts zusammen, die ungemein wirksam und ausdrucksvoll, filmisch sauber sind, erzählt mit dem zurückhaltenden Interesse eines guten Dokumentaristen, ruhig, ohne Pathos, ohne Bemühung um jeden Preis rührend zu erscheinen. (…) Die alten Frauen, die wir auf der Filmleinwand defilieren sehen, sind nicht beliebige alte Frauen, sondern Frauen aus Gebirgsdörfern in Böhmen des Jahres 1968, Frauen vom Lande, das so viele Veränderungen, Irrtümer und Unwetter durchmachen musste.“ (Drahomíra Olivová, Kurzfilmtage Oberhausen 1968)

 

EIN MENSCH VERLÄSST UNS (ODCHÁDZA ČLOVEK) 

CSSR 1968, 27 min, OmdU, R: Martin Slivka

Martin Slivka, slowakischer Meisterregisseur des ethnologischen Films, dokumentiert hier slawisch-orthodoxe Begräbnisriten in einem bulgarischen Dorf und begleitet die archaischen Bilder mit einem weitgehend auf Bibelzitaten beruhenden Kommentartext. Nach der Okkupation der CSSR wurde der Film auf Intervention des bulgarischen Konsuls in Bratislava als „religiöse Propaganda“ und „pessimistisch-düstere“ Darstellung des bulgarischen Dorfes verboten und erst 1990 auf dem Nyoner Festival International de Cinéma wiederentdeckt und ausgezeichnet. (goEast 07)

Die Träume der 100-Jährigen. Kurzfilme, OmU (die 1968er im Osten)
Di 25.09.

Seestück

Volker Koepp
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Seestück

D 2018, 135 min, deutsche Originalfassung, zum Teil mit dt. UT

Regie: Volker Koepp

Die Ostsee in ihren jahreszeitlichen Stimmungen, das helle Licht und die Luftspiegelungen, die Wolken am hohen Himmel, die Vögel im Sturm über den Wellen. Vor der magischen Naturkulisse begegnen wir Menschen, die an den Rändern der Ostseeländer leben: auf der Insel Usedom und an den polnischen Stränden, an den baltischen Küsten und den nördlichen Schären in Schweden. Fischer und Wissenschaftler, Seeleute und junge Menschen erzählen von ihrem Leben im Einklang mit der alle verbindenden Meereslandschaft, von ihrer Arbeit, ihren Erinnerungen und Hoffnungen. Sie entwerfen aber auch das Bild eines Alltags, in dem ökologische Probleme, politische Ost-West-Konflikte und nationale Egoismen allgegenwärtig sind.

Mit SEESTÜCK schließt Volker Koepp einen filmischen Zyklus ab, den er mit BERLIN-STETTIN (2010) begann. In diesem Film mischte der Regisseur in seine Beschreibung ostdeutscher Film- und Lebensräume erstmals auch autobiografische Bezüge. IN SARMATIEN (2013) erweiterte den Blick auf die Region östlich der Weichsel und zwischen dem Schwarzen Meer und der Ostsee. Mit LANDSTÜCK (2016) kehrte Koepp in die Uckermark nördlich Berlins zurück. SEESTÜCK – ein Film über die Ostsee, über das Leben am Meer und mit dem Meer – schließt den Reigen nun ab. Wie in den Filmen zuvor spiegeln sich hier die Bögen der Historie in den privaten Lebensläufen der Gegenwart. Auch für die kleine Ostsee gilt: Landschaftsbild ist Weltbild.

Seestück
Mi 26.09.

Familie Brasch

Annekatrin Hendel
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Familie Brasch

D 2018, 103 min

Regie: Annekatrin Hendel              

In den Jahren nach 1945 sind die Braschs eine perfekte Funktionärsfamilie, die in der sowjetisch besetzten Zone den deutschen Traum vom Sozialismus lebt: Horst Brasch, ein leidenschaftlicher Antifaschist und jüdischer Katholik, baut die DDR mit auf, obwohl seine Frau Gerda darin nie heimisch wird. Sohn Thomas wird zum Literaturstar, er träumt wie sein Vater von einer gerechteren Welt, steht aber wie seine jüngeren Brüder Peter und Klaus dem real existierenden Sozialismus kritisch gegenüber. 1968 bricht in der DDR wie überall der Generationenkonflikt auf. Vater Brasch liefert den rebellierenden Sohn Thomas an die Behörden aus – und leitet damit auch das Ende der eigenen Karriere ein.

Regisseurin Annekatrin Hendel porträtiert in ihrem neuen Film drei Generationen Brasch, die die Spannungen der Geschichte innerhalb der eigenen Familie austragen – zwischen Ost und West, Kunst und Politik, Kommunismus und Religion, Liebe und Verrat, Utopie und Selbstzerstörung. Sie trifft die einzige Überlebende des Clans, Marion Brasch, sowie zahlreiche Vertraute, Geliebte und Freunde, unter ihnen die Schauspielerin Katharina Thalbach, der Dichter Christoph Hein, die Liedermacherin Bettina Wegner und der Künstler Florian Havemann.

Familie Brasch
Mi 26.09.

Seestück

Volker Koepp
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Seestück

D 2018, 135 min, deutsche Originalfassung, zum Teil mit dt. UT

Regie: Volker Koepp

Die Ostsee in ihren jahreszeitlichen Stimmungen, das helle Licht und die Luftspiegelungen, die Wolken am hohen Himmel, die Vögel im Sturm über den Wellen. Vor der magischen Naturkulisse begegnen wir Menschen, die an den Rändern der Ostseeländer leben: auf der Insel Usedom und an den polnischen Stränden, an den baltischen Küsten und den nördlichen Schären in Schweden. Fischer und Wissenschaftler, Seeleute und junge Menschen erzählen von ihrem Leben im Einklang mit der alle verbindenden Meereslandschaft, von ihrer Arbeit, ihren Erinnerungen und Hoffnungen. Sie entwerfen aber auch das Bild eines Alltags, in dem ökologische Probleme, politische Ost-West-Konflikte und nationale Egoismen allgegenwärtig sind.

Mit SEESTÜCK schließt Volker Koepp einen filmischen Zyklus ab, den er mit BERLIN-STETTIN (2010) begann. In diesem Film mischte der Regisseur in seine Beschreibung ostdeutscher Film- und Lebensräume erstmals auch autobiografische Bezüge. IN SARMATIEN (2013) erweiterte den Blick auf die Region östlich der Weichsel und zwischen dem Schwarzen Meer und der Ostsee. Mit LANDSTÜCK (2016) kehrte Koepp in die Uckermark nördlich Berlins zurück. SEESTÜCK – ein Film über die Ostsee, über das Leben am Meer und mit dem Meer – schließt den Reigen nun ab. Wie in den Filmen zuvor spiegeln sich hier die Bögen der Historie in den privaten Lebensläufen der Gegenwart. Auch für die kleine Ostsee gilt: Landschaftsbild ist Weltbild.

Seestück
Do 27.09.

Seestück

Volker Koepp
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Seestück

D 2018, 135 min, deutsche Originalfassung, zum Teil mit dt. UT

Regie: Volker Koepp

Die Ostsee in ihren jahreszeitlichen Stimmungen, das helle Licht und die Luftspiegelungen, die Wolken am hohen Himmel, die Vögel im Sturm über den Wellen. Vor der magischen Naturkulisse begegnen wir Menschen, die an den Rändern der Ostseeländer leben: auf der Insel Usedom und an den polnischen Stränden, an den baltischen Küsten und den nördlichen Schären in Schweden. Fischer und Wissenschaftler, Seeleute und junge Menschen erzählen von ihrem Leben im Einklang mit der alle verbindenden Meereslandschaft, von ihrer Arbeit, ihren Erinnerungen und Hoffnungen. Sie entwerfen aber auch das Bild eines Alltags, in dem ökologische Probleme, politische Ost-West-Konflikte und nationale Egoismen allgegenwärtig sind.

Mit SEESTÜCK schließt Volker Koepp einen filmischen Zyklus ab, den er mit BERLIN-STETTIN (2010) begann. In diesem Film mischte der Regisseur in seine Beschreibung ostdeutscher Film- und Lebensräume erstmals auch autobiografische Bezüge. IN SARMATIEN (2013) erweiterte den Blick auf die Region östlich der Weichsel und zwischen dem Schwarzen Meer und der Ostsee. Mit LANDSTÜCK (2016) kehrte Koepp in die Uckermark nördlich Berlins zurück. SEESTÜCK – ein Film über die Ostsee, über das Leben am Meer und mit dem Meer – schließt den Reigen nun ab. Wie in den Filmen zuvor spiegeln sich hier die Bögen der Historie in den privaten Lebensläufen der Gegenwart. Auch für die kleine Ostsee gilt: Landschaftsbild ist Weltbild.

Seestück
Do 27.09.

Nachlass

Christoph Hübner, Gabriele Voss
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Nachlass

D 2017, 108 min

Regie: Christoph Hübner und Gabriele Voss

Sieben Kinder und Enkel von NS-Tätern, Wehrmachtsangehörigen und Holocaust-Überlebenden erzählen in NACHLASS davon, wie Unausgesprochenes, Schuldgefühle und Traumata die Beziehungen zu ihren Vätern und Großvätern geprägt haben und wie befreiend die Auseinandersetzung mit diesem Vermächtnis für sie ist. Das Schweigen der Väter brechen die Kinder und Enkel.

Die 68er gelten als die Generation, die den Eltern die Verstrickung in die Untaten der Nationalsozialisten vorgeworfen hat. Aber die Elterngeneration hat größtenteils geschwiegen und ihr Trauma, ein Täter, Mittäter oder Mitläufer zu sein, über dieses Schweigen an die nächsten Generationen weitergegeben. Die Kinder der Täter, die 68er, haben als Antwort auf das Schweigen der Väter eine institutionalisierte Erinnerungskultur für die Verbrechen und die Opfer des Nationalsozialismus aufgebaut. Die Enkel holen die Geschichte der Täter heute in die Familien zurück. Wie kann es sein, dass geachtete und geliebte Großväter, die das Land nach dem Krieg wieder aufgebaut haben zwischen 39 und 45 unzählige wehrlose Menschen aus rassistischen und ideologischen Gründen ermordet haben?

Angesichts des wieder mehr in unsere Wahrnehmung rückenden Rassismus in Deutschland und weltweit, zahllosen durch Gewalt traumatisierten Bürgerkriegsflüchtlingen und von der AFD initiierten Bagatellisierungsversuchen der NS-Zeit, sind diese Fragen hoch aktuell.

Nachlass
Fr 28.09.

Seestück

Volker Koepp
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Seestück

D 2018, 135 min, deutsche Originalfassung, zum Teil mit dt. UT

Regie: Volker Koepp

Die Ostsee in ihren jahreszeitlichen Stimmungen, das helle Licht und die Luftspiegelungen, die Wolken am hohen Himmel, die Vögel im Sturm über den Wellen. Vor der magischen Naturkulisse begegnen wir Menschen, die an den Rändern der Ostseeländer leben: auf der Insel Usedom und an den polnischen Stränden, an den baltischen Küsten und den nördlichen Schären in Schweden. Fischer und Wissenschaftler, Seeleute und junge Menschen erzählen von ihrem Leben im Einklang mit der alle verbindenden Meereslandschaft, von ihrer Arbeit, ihren Erinnerungen und Hoffnungen. Sie entwerfen aber auch das Bild eines Alltags, in dem ökologische Probleme, politische Ost-West-Konflikte und nationale Egoismen allgegenwärtig sind.

Mit SEESTÜCK schließt Volker Koepp einen filmischen Zyklus ab, den er mit BERLIN-STETTIN (2010) begann. In diesem Film mischte der Regisseur in seine Beschreibung ostdeutscher Film- und Lebensräume erstmals auch autobiografische Bezüge. IN SARMATIEN (2013) erweiterte den Blick auf die Region östlich der Weichsel und zwischen dem Schwarzen Meer und der Ostsee. Mit LANDSTÜCK (2016) kehrte Koepp in die Uckermark nördlich Berlins zurück. SEESTÜCK – ein Film über die Ostsee, über das Leben am Meer und mit dem Meer – schließt den Reigen nun ab. Wie in den Filmen zuvor spiegeln sich hier die Bögen der Historie in den privaten Lebensläufen der Gegenwart. Auch für die kleine Ostsee gilt: Landschaftsbild ist Weltbild.

Seestück
Fr 28.09.

Wenn es keine Musik gäbe – Jugendporträts Generation 1968. Kurzfilme (die 1968er im Osten)

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Generation Černý Petr – die 68er im Osten

WENN ES KEINE MUSIK GÄBE. Jugendporträts Generation 1968 – Kurzfilme

DDR / SU (Estland) / CSSR 1963/68, ca. 96 min

Wir zeigen:

BARFUSS UND OHNE HUT , DDR 1964, 24 min, R: Jürgen Böttcher

Prerow an der Ostsee, Sommer 1964. Jugendliche, im Urlaub, im Wasser und am Strand herumtollend, redend, sich abends um den Gitarristen und Sänger scharend, sich gegenseitig bewundernd, miteinander gehend, sich liebend – da sind Momente reinen Glücks, fast paradiesisch, versammelt. (Spurensuche, DDR-Dokumentationsfilme im Abseits, 2007)

 

511 PAREMAT FOTOT MARSIST (DIE BESTEN 511 FOTOS VON MARS), Estnische SSR 1968, 15 min, ohne Dialog, R: Andres Sööt

Das Objektiv auf die hauptstädtischen Kaffeehäuser gerichtet, fand Sööt – den Mars. „Ziellos herumhängende Jugendliche“ fixierte er dort, die „Sinnlosigkeit des Seins“ reflektierend. Jazzig coole Sozialkritik. (goEast 18)

„Ein wirklicher Durchbruch zu einem Dokumentarfilm im eigentlichen Sinne zeichnet sich erst in den sechziger Jahren ab. Zunächst vor allem – und das scheint ein estnisches Spezifikum zu sein – im Fernsehen, das neu aufgebaut wurde (…) Doch es bleibt nicht bei journalistisch orientierten Reportagefilmen. Als neue Themen tauchen ‚Mensch‘ und ‚Natur‘ auf. Der ‚einfache Mensch‘ mit ausgeprägter Individualität und ohne die sonst obligatorischen ‚Orden‘. Und bereits auch der Konflikt von Stadt und Land, von städtischer Entfremdung und noch möglichem Einklang mit der Natur. In DIE 511 BESTEN FOTOS VOM MARS fixiert Andres Sööt schon 1968 ein kritisches Bild einer skeptischen, entfremdeten Stadtjugend in den Kaffeehäusern von Tallinn. Als Ende der sechziger Jahre die Studioleitung derlei kritisch-engagiertes Engagement zurücknehmen will, ziehen sich Andres Sööt und einige seiner Kollegen zeitweise wieder ins Fernsehen zurück.“ (Hans-Joachim Schlegel, in: „Die Dokumentarfilme der Baltischen Sowjetrepubliken. Eine Retrospektive“, Nyon 1987)

SOMMERGÄSTE BEI MAJAKOWSKI , DDR 1967, 23 min

R: Volker Koepp, Alexander Ziebell

„Eine ‚abenteuerliche‘, erfrischend unbefangene Sommerreise in die georgische Heimat des Dichters, die eigentlich von freigeistig sozialistischem Esprit nur so strotzt…“ (Jörn Seidel, DOK Leipzig 2004)

„Wir sind nach Georgien gefahren und haben versucht, Majakowskis Geburtsort zu finden. Haben das auch geschafft. Es war eine ganz abenteuerliche Reise mit AK 16 Kamera. Das war so ein DDR Produkt mit Tageslichtspulen und einem Motor. Wir hatten zwei Taschen mit. In einer war die Kamera, in der anderen das Filmmaterial. Wir waren zweieinhalb Monate unterwegs. Wir sind nach Georgien gekommen ohne Begleitung aus Moskau, was ziemlich ungewöhnlich war. (…) Die Lebensgefährtin von Majakowskij, Lilja Brik, hat uns unterstützt.” (Volker Koepp)

 WETTBEWERB I. WENN ES KEINE BLASMUSIK GÄBE (KONKURS I. KDYBY TY MUZIKY NEBYLY), CSSR 1963, 34 min, OmdU, R: Miloš Forman

Burschen üben in zwei rivalisierenden Blasmusikkapellen für einen Wettbewerb, um sich ihr Hobby, Motorradrennen für Amateure, leisten zu können. Der eine Kapellmeister ist jung und enthusiastisch, der andere versucht seiner Band mit autoritären Methoden den Weg zum musikalischen Erfolg zu ebnen. Jan Vostrcil, der Darsteller des Vaters in ČERNÝ PETR, wird in der Rolle des autoritären Leaders zur eigentlichen Hauptfigur.

 

Wenn es keine Musik gäbe – Jugendporträts Generation 1968. Kurzfilme (die 1968er im Osten)
Fr 28.09.

Kolyma – Колыма, OmdU

Stanisław Mucha
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Kolyma – Straße der Knochen (Колыма – дорога костей)

D 2017, 86 min, russ. mit dt. UT

Regie: Stanisław Mucha                    Achtung Berlin, Bester Dokumentarfilm

Wer in der Region entlang der Kolyma-Fernstraße, die sich im Nordosten Russlands 2000 Kilometer durch die karge Landschaft zieht, durch Schnee und Eis gräbt, fördert bald etwas zu Tage. Zum einen finden sich Bodenschätze wie Gold, Platin und Uran, die seit Jahrzehnten im Tage- und Untertagebau geschürft werden. Zum anderen war die Region bis 1987 das Zentrum des sowjetisch/russischen Straflagersystems. Von den fünf Millionen, die hier für den Bergbau oder für die Errichtung der Fernstraße eingesetzt wurden, verließ der Großteil die Region nie wieder, sondern wurde in riesigen Massengräbern verscharrt. Aus diesem Grund ist die Kolyma-Fernstraße auch als „Straße der Knochen“ bekannt. Autorenfilmer Stanisław Mucha, dessen Großvater im Gulag einsaß, bereist in seinem Film die komplette Länge der Fernstraße. Auf dem Weg interviewt er junge Imbissbetreiber, die das Wort „Gulag“ mit „Gulasch“ verwechseln, aber auch ehemalige Insassen, die zum Teil sehr offen über die Morde reden, wegen derer sie verurteilt wurden. Manchmal war der Inhaftierungsgrund aber auch einfach eine unüberlegte Äußerung über den Diktator. Es liegt eine Aura des Leids über der Region, die sich auch heute noch auf die Bewohner auswirkt, sagt einer von ihnen. Die ansässigen Schüler amüsieren sich jedenfalls noch mit patriotischen Schulaufführungen, machen aber auch sehr klar, dass sie ihre Zukunft nach dem Abitur woanders sehen. Und einige, die geblieben sind, werden einfach etwas wunderlich und gehen Experimenten nach, in denen sie angeblich die Alterung mit Starkstrom umkehren können. So bedrückend die Vergangenheit der Region, die man in Moskau wahrscheinlich fast vergessen hat, auch ist, so sehr hinterlässt KOLYMA den Eindruck, dass der üblen Erinnerung ein starker und enorm kreativer Lebenswille entgegengesetzt wird, der nicht so einfach totzukriegen ist. (Christian Klose, Indiekino Magazin Juni/Juli 18)

Kolyma – Колыма, OmdU
Sa 29.09.

Nachlass

Christoph Hübner, Gabriele Voss
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Nachlass

D 2017, 108 min

Regie: Christoph Hübner und Gabriele Voss

Sieben Kinder und Enkel von NS-Tätern, Wehrmachtsangehörigen und Holocaust-Überlebenden erzählen in NACHLASS davon, wie Unausgesprochenes, Schuldgefühle und Traumata die Beziehungen zu ihren Vätern und Großvätern geprägt haben und wie befreiend die Auseinandersetzung mit diesem Vermächtnis für sie ist. Das Schweigen der Väter brechen die Kinder und Enkel.

Die 68er gelten als die Generation, die den Eltern die Verstrickung in die Untaten der Nationalsozialisten vorgeworfen hat. Aber die Elterngeneration hat größtenteils geschwiegen und ihr Trauma, ein Täter, Mittäter oder Mitläufer zu sein, über dieses Schweigen an die nächsten Generationen weitergegeben. Die Kinder der Täter, die 68er, haben als Antwort auf das Schweigen der Väter eine institutionalisierte Erinnerungskultur für die Verbrechen und die Opfer des Nationalsozialismus aufgebaut. Die Enkel holen die Geschichte der Täter heute in die Familien zurück. Wie kann es sein, dass geachtete und geliebte Großväter, die das Land nach dem Krieg wieder aufgebaut haben zwischen 39 und 45 unzählige wehrlose Menschen aus rassistischen und ideologischen Gründen ermordet haben?

Angesichts des wieder mehr in unsere Wahrnehmung rückenden Rassismus in Deutschland und weltweit, zahllosen durch Gewalt traumatisierten Bürgerkriegsflüchtlingen und von der AFD initiierten Bagatellisierungsversuchen der NS-Zeit, sind diese Fragen hoch aktuell.

Nachlass
Sa 29.09.

Familie Brasch

Annekatrin Hendel
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Familie Brasch

D 2018, 103 min

Regie: Annekatrin Hendel              

In den Jahren nach 1945 sind die Braschs eine perfekte Funktionärsfamilie, die in der sowjetisch besetzten Zone den deutschen Traum vom Sozialismus lebt: Horst Brasch, ein leidenschaftlicher Antifaschist und jüdischer Katholik, baut die DDR mit auf, obwohl seine Frau Gerda darin nie heimisch wird. Sohn Thomas wird zum Literaturstar, er träumt wie sein Vater von einer gerechteren Welt, steht aber wie seine jüngeren Brüder Peter und Klaus dem real existierenden Sozialismus kritisch gegenüber. 1968 bricht in der DDR wie überall der Generationenkonflikt auf. Vater Brasch liefert den rebellierenden Sohn Thomas an die Behörden aus – und leitet damit auch das Ende der eigenen Karriere ein.

Regisseurin Annekatrin Hendel porträtiert in ihrem neuen Film drei Generationen Brasch, die die Spannungen der Geschichte innerhalb der eigenen Familie austragen – zwischen Ost und West, Kunst und Politik, Kommunismus und Religion, Liebe und Verrat, Utopie und Selbstzerstörung. Sie trifft die einzige Überlebende des Clans, Marion Brasch, sowie zahlreiche Vertraute, Geliebte und Freunde, unter ihnen die Schauspielerin Katharina Thalbach, der Dichter Christoph Hein, die Liedermacherin Bettina Wegner und der Künstler Florian Havemann.

Familie Brasch
Sa 29.09.

Seestück

Volker Koepp
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Seestück

D 2018, 135 min, deutsche Originalfassung, zum Teil mit dt. UT

Regie: Volker Koepp

Die Ostsee in ihren jahreszeitlichen Stimmungen, das helle Licht und die Luftspiegelungen, die Wolken am hohen Himmel, die Vögel im Sturm über den Wellen. Vor der magischen Naturkulisse begegnen wir Menschen, die an den Rändern der Ostseeländer leben: auf der Insel Usedom und an den polnischen Stränden, an den baltischen Küsten und den nördlichen Schären in Schweden. Fischer und Wissenschaftler, Seeleute und junge Menschen erzählen von ihrem Leben im Einklang mit der alle verbindenden Meereslandschaft, von ihrer Arbeit, ihren Erinnerungen und Hoffnungen. Sie entwerfen aber auch das Bild eines Alltags, in dem ökologische Probleme, politische Ost-West-Konflikte und nationale Egoismen allgegenwärtig sind.

Mit SEESTÜCK schließt Volker Koepp einen filmischen Zyklus ab, den er mit BERLIN-STETTIN (2010) begann. In diesem Film mischte der Regisseur in seine Beschreibung ostdeutscher Film- und Lebensräume erstmals auch autobiografische Bezüge. IN SARMATIEN (2013) erweiterte den Blick auf die Region östlich der Weichsel und zwischen dem Schwarzen Meer und der Ostsee. Mit LANDSTÜCK (2016) kehrte Koepp in die Uckermark nördlich Berlins zurück. SEESTÜCK – ein Film über die Ostsee, über das Leben am Meer und mit dem Meer – schließt den Reigen nun ab. Wie in den Filmen zuvor spiegeln sich hier die Bögen der Historie in den privaten Lebensläufen der Gegenwart. Auch für die kleine Ostsee gilt: Landschaftsbild ist Weltbild.

Seestück
Sa 29.09.

Donbass (Донбас / Донбасc), OmdU

Sergej Losniza
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Donbass (Донбас / Донбасc)

D/ F/ UA/ RO/ NL 2018, 121 min, russ. | ukr. mit dt. UT

Regie: Sergej Losniza             Kamera: Oleg Mutu

Der Donbass. Ostukraine. Ein Land zerfällt. Eine Welt kollabiert. Weltbilder zerbrechen. Aus der Vogelperspektive der Geschichte sehen wir den namenlosen Kampf der Global Player. Aber wie sieht es da unten aus, am Boden, bei den Menschen, die jeden Tag in diesem Inferno überstehen müssen? Wie überleben die Menschen? Wie überlebt die Menschlichkeit?

„Gleich die erste Szene zeigt eine Maskenbildnerin, die eine Laiendarstellerin für eine Filmszene schminkt, in der ein Angriff auf einen Bus nachgestellt wird. Immer wieder wird Loznitsa im Folgenden mit kleinen, selbstreflexiven Momenten den Filmapparat andeuten, lässt mal einen Kameramann im Bild erscheinen, mal Figuren sich selbst mit Handys filmen. Sehen wir einen Krieg? Oder einen Film? Einen Film über Krieg? Oder einen Krieg nach Drehbuch? Scheint Loznitsa zu fragen und damit anzudeuten, dass dieser meist so verwirrend und undurchschaubar wirkende Konflikt vielleicht gar nicht so konfus abläuft, dass vielleicht vielmehr nach einem zumindest losen Drehbuch geplant wird, Unruhe und Chaos in der Region zu stiften. Welche Ziele damit verbunden sein mögen, lässt Loznitsa offen, er beschreibt in DONBASS eine Welt des Chaos, die durch den Krieg in Korruption und Anarchie abzudriften droht.“ (Micheal Meyns, programmkino.de)

„Propaganda ist, wenn man etwas erfindet. Ich habe aber in meinem Film nichts erfunden. Es gibt echte Amateuraufnahmen von den Szenen im Film. Er zeigt also die Wahrheit. Außerdem ist es mir wichtig, dass ich keinen Film aus Sichtweise der ukrainischen oder der russischen Regierung gemacht habe. Ich präsentiere lediglich meine Sichtweise auf diesen Krieg. (…) Dieser Film ist ungemütlich und unakzeptabel für beide Seiten dieses Kriegs. Schon komisch, wenn ich dafür als Propagandist bezeichnet werde. Denn wenn mein Film Propaganda ist, dann ist die Realität Propaganda.“ (Sergej Losniza im Interview mit Steffen Dobbert, zeit.de)

„(…) Auch in DONBASS wirkt die Kamera scheinbar unbeteiligt, aber eigentlich ist die strenge Formsprache, die IM NEBEL (2012) noch so offensichtlich prägte, hier nur subtiler ausgeformt. Sergei Loznitsa hat sie transformiert in virtuose Plansequenzen ohne Schnitt, die ein hohes Maß an gestalterischer Disziplin verlangen. Trotz der chaotischen Verhältnisse, die DONBASS zeigt, strahlt der Film dadurch eine eiskalte Energie aus, die das Geschehen wegen der scheinbaren Ungerührtheit des Beobachtenden zeitweise noch schwerer erträglich machen. In Wahrheit aber schaut Sergei Loznitsa wieder nur ganz genau hin, ohne sentimentale dramaturgische Elemente, die seinen Film leichter verdaulich machen würden. Der Krieg ist in DONBASS kaum direkt zu sehen, und doch starrt man ihm hier laufend unmittelbar in die hässliche Fratze. Das ist anstrengend. Und absolut brillant.“ (Oliver Kaever, zeit.de)

Donbass (Донбас / Донбасc), OmdU
So 30.09.

Nachlass

Christoph Hübner, Gabriele Voss
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Nachlass

D 2017, 108 min

Regie: Christoph Hübner und Gabriele Voss

Sieben Kinder und Enkel von NS-Tätern, Wehrmachtsangehörigen und Holocaust-Überlebenden erzählen in NACHLASS davon, wie Unausgesprochenes, Schuldgefühle und Traumata die Beziehungen zu ihren Vätern und Großvätern geprägt haben und wie befreiend die Auseinandersetzung mit diesem Vermächtnis für sie ist. Das Schweigen der Väter brechen die Kinder und Enkel.

Die 68er gelten als die Generation, die den Eltern die Verstrickung in die Untaten der Nationalsozialisten vorgeworfen hat. Aber die Elterngeneration hat größtenteils geschwiegen und ihr Trauma, ein Täter, Mittäter oder Mitläufer zu sein, über dieses Schweigen an die nächsten Generationen weitergegeben. Die Kinder der Täter, die 68er, haben als Antwort auf das Schweigen der Väter eine institutionalisierte Erinnerungskultur für die Verbrechen und die Opfer des Nationalsozialismus aufgebaut. Die Enkel holen die Geschichte der Täter heute in die Familien zurück. Wie kann es sein, dass geachtete und geliebte Großväter, die das Land nach dem Krieg wieder aufgebaut haben zwischen 39 und 45 unzählige wehrlose Menschen aus rassistischen und ideologischen Gründen ermordet haben?

Angesichts des wieder mehr in unsere Wahrnehmung rückenden Rassismus in Deutschland und weltweit, zahllosen durch Gewalt traumatisierten Bürgerkriegsflüchtlingen und von der AFD initiierten Bagatellisierungsversuchen der NS-Zeit, sind diese Fragen hoch aktuell.

Nachlass
So 30.09.

Familie Brasch

Annekatrin Hendel
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Familie Brasch

D 2018, 103 min

Regie: Annekatrin Hendel              

In den Jahren nach 1945 sind die Braschs eine perfekte Funktionärsfamilie, die in der sowjetisch besetzten Zone den deutschen Traum vom Sozialismus lebt: Horst Brasch, ein leidenschaftlicher Antifaschist und jüdischer Katholik, baut die DDR mit auf, obwohl seine Frau Gerda darin nie heimisch wird. Sohn Thomas wird zum Literaturstar, er träumt wie sein Vater von einer gerechteren Welt, steht aber wie seine jüngeren Brüder Peter und Klaus dem real existierenden Sozialismus kritisch gegenüber. 1968 bricht in der DDR wie überall der Generationenkonflikt auf. Vater Brasch liefert den rebellierenden Sohn Thomas an die Behörden aus – und leitet damit auch das Ende der eigenen Karriere ein.

Regisseurin Annekatrin Hendel porträtiert in ihrem neuen Film drei Generationen Brasch, die die Spannungen der Geschichte innerhalb der eigenen Familie austragen – zwischen Ost und West, Kunst und Politik, Kommunismus und Religion, Liebe und Verrat, Utopie und Selbstzerstörung. Sie trifft die einzige Überlebende des Clans, Marion Brasch, sowie zahlreiche Vertraute, Geliebte und Freunde, unter ihnen die Schauspielerin Katharina Thalbach, der Dichter Christoph Hein, die Liedermacherin Bettina Wegner und der Künstler Florian Havemann.

Familie Brasch
So 30.09.

Seestück

Volker Koepp
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Seestück

D 2018, 135 min, deutsche Originalfassung, zum Teil mit dt. UT

Regie: Volker Koepp

Die Ostsee in ihren jahreszeitlichen Stimmungen, das helle Licht und die Luftspiegelungen, die Wolken am hohen Himmel, die Vögel im Sturm über den Wellen. Vor der magischen Naturkulisse begegnen wir Menschen, die an den Rändern der Ostseeländer leben: auf der Insel Usedom und an den polnischen Stränden, an den baltischen Küsten und den nördlichen Schären in Schweden. Fischer und Wissenschaftler, Seeleute und junge Menschen erzählen von ihrem Leben im Einklang mit der alle verbindenden Meereslandschaft, von ihrer Arbeit, ihren Erinnerungen und Hoffnungen. Sie entwerfen aber auch das Bild eines Alltags, in dem ökologische Probleme, politische Ost-West-Konflikte und nationale Egoismen allgegenwärtig sind.

Mit SEESTÜCK schließt Volker Koepp einen filmischen Zyklus ab, den er mit BERLIN-STETTIN (2010) begann. In diesem Film mischte der Regisseur in seine Beschreibung ostdeutscher Film- und Lebensräume erstmals auch autobiografische Bezüge. IN SARMATIEN (2013) erweiterte den Blick auf die Region östlich der Weichsel und zwischen dem Schwarzen Meer und der Ostsee. Mit LANDSTÜCK (2016) kehrte Koepp in die Uckermark nördlich Berlins zurück. SEESTÜCK – ein Film über die Ostsee, über das Leben am Meer und mit dem Meer – schließt den Reigen nun ab. Wie in den Filmen zuvor spiegeln sich hier die Bögen der Historie in den privaten Lebensläufen der Gegenwart. Auch für die kleine Ostsee gilt: Landschaftsbild ist Weltbild.

Seestück
So 30.09.

Donbass (Донбас / Донбасc), OmdU

Sergej Losniza
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Donbass (Донбас / Донбасc)

D/ F/ UA/ RO/ NL 2018, 121 min, russ. | ukr. mit dt. UT

Regie: Sergej Losniza             Kamera: Oleg Mutu

Der Donbass. Ostukraine. Ein Land zerfällt. Eine Welt kollabiert. Weltbilder zerbrechen. Aus der Vogelperspektive der Geschichte sehen wir den namenlosen Kampf der Global Player. Aber wie sieht es da unten aus, am Boden, bei den Menschen, die jeden Tag in diesem Inferno überstehen müssen? Wie überleben die Menschen? Wie überlebt die Menschlichkeit?

„Gleich die erste Szene zeigt eine Maskenbildnerin, die eine Laiendarstellerin für eine Filmszene schminkt, in der ein Angriff auf einen Bus nachgestellt wird. Immer wieder wird Loznitsa im Folgenden mit kleinen, selbstreflexiven Momenten den Filmapparat andeuten, lässt mal einen Kameramann im Bild erscheinen, mal Figuren sich selbst mit Handys filmen. Sehen wir einen Krieg? Oder einen Film? Einen Film über Krieg? Oder einen Krieg nach Drehbuch? Scheint Loznitsa zu fragen und damit anzudeuten, dass dieser meist so verwirrend und undurchschaubar wirkende Konflikt vielleicht gar nicht so konfus abläuft, dass vielleicht vielmehr nach einem zumindest losen Drehbuch geplant wird, Unruhe und Chaos in der Region zu stiften. Welche Ziele damit verbunden sein mögen, lässt Loznitsa offen, er beschreibt in DONBASS eine Welt des Chaos, die durch den Krieg in Korruption und Anarchie abzudriften droht.“ (Micheal Meyns, programmkino.de)

„Propaganda ist, wenn man etwas erfindet. Ich habe aber in meinem Film nichts erfunden. Es gibt echte Amateuraufnahmen von den Szenen im Film. Er zeigt also die Wahrheit. Außerdem ist es mir wichtig, dass ich keinen Film aus Sichtweise der ukrainischen oder der russischen Regierung gemacht habe. Ich präsentiere lediglich meine Sichtweise auf diesen Krieg. (…) Dieser Film ist ungemütlich und unakzeptabel für beide Seiten dieses Kriegs. Schon komisch, wenn ich dafür als Propagandist bezeichnet werde. Denn wenn mein Film Propaganda ist, dann ist die Realität Propaganda.“ (Sergej Losniza im Interview mit Steffen Dobbert, zeit.de)

„(…) Auch in DONBASS wirkt die Kamera scheinbar unbeteiligt, aber eigentlich ist die strenge Formsprache, die IM NEBEL (2012) noch so offensichtlich prägte, hier nur subtiler ausgeformt. Sergei Loznitsa hat sie transformiert in virtuose Plansequenzen ohne Schnitt, die ein hohes Maß an gestalterischer Disziplin verlangen. Trotz der chaotischen Verhältnisse, die DONBASS zeigt, strahlt der Film dadurch eine eiskalte Energie aus, die das Geschehen wegen der scheinbaren Ungerührtheit des Beobachtenden zeitweise noch schwerer erträglich machen. In Wahrheit aber schaut Sergei Loznitsa wieder nur ganz genau hin, ohne sentimentale dramaturgische Elemente, die seinen Film leichter verdaulich machen würden. Der Krieg ist in DONBASS kaum direkt zu sehen, und doch starrt man ihm hier laufend unmittelbar in die hässliche Fratze. Das ist anstrengend. Und absolut brillant.“ (Oliver Kaever, zeit.de)

Donbass (Донбас / Донбасc), OmdU
Do 04.10.

Bilder einer alten Welt. Kurzfilme (die 1968er im Osten)

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Generation Černý Petr – die 68er im Osten

BILDER EINER ALTEN WELT – Kurzfilme

SU (Litauen) / CSSR 1966/72, ca. 98 min

Wir zeigen:

BILDER EINER ALTEN WELT (OBRAZY STARÉHO SVETA)

CSSR 1972, 65 min, OmeU, R: Dušan Hanák

Einfache Helden. Ihre Gesichter sprechen Bände. Ihre Bauernhände sind voller Schwielen. Die Haut von Falten zerfurcht, der Mund zahnlos. Sie haben ihr Leben lang hart gearbeitet. Nun trinken sie, um ihre Schmerzen zu lindern. Singen mit brüchiger Stimme. Besuchen die Gräber ihrer Angehörigen. Träumen von den Weiten des Weltalls. Menschen am Ende ihres Weges, fernab der Städte. Auf sich gestellt. Bodenständig. Altersweise.

Hanáks Filmpoem – nach der Fertigstellung in seiner Heimat jahrelang verboten – zeigt eine faszinierende archaische Welt. Eine Welt, die man heute wohl selbst in den abgelegensten Winkeln der Slowakei nicht mehr findet, und Menschen, die aus einer unendlich fernen Zeit zu kommen scheinen. Die beeindruckende Schwarzweiß-Collage aus Fotos und Filmsequenzen findet ihr Äquivalent auf der Tonebene. Haydn, Volkslieder, Kirchenglocken, Alltags-Geräusche. (DOK.fest München 2005)

„1972, als sich in unserem Lande bereits Apathie ausgebreitet hatte und die Menschen manipuliert worden waren, fand ich, was manchem vielleicht paradox scheinen mag, tatsächliche Kreativität und innere Freiheit bei gesellschaftlich ignorierten alten Menschen in abgelegenen Bergdörfern und Einödhöfen der Orava bzw. in Liptov. Die innere Autonomie und Vitalität dieser Menschen faszinierte mich. Trotz aller sozialen Dürftigkeit lebten sie mit sich selbst und mit der Natur in tatsächlicher Harmonie. (…) Am Schneidetisch wurde mir auch klar, warum ich im tristen Klima der ‚Konsolidierung‘ genau diesen Film über tatsächliche menschliche Werte drehen musste, die von ‚normalisierten‘ Bürgern und der ‚konsolidierten‘ Gesellschaft verdrängt worden waren. Ja, und diese Dimension der BILDER EINER ALTEN WELT blieb auch den Zensoren nicht verborgen, die schlichtweg behaupteten, diese dokumentarisch fixierte Lebenswirklichkeit könne es in der sozialistischen Slowakei gar nicht geben.“ (Dušan Hanák im Gespräch mit H-J.Schlegel, 1990)

„Hanáks BILDER EINER ALTEN WELT passten nicht zu den offiziösen Losungen einer ‚aufblühenden sozialistischen Gesellschaft‘, weil es hier um Outsider geht, um Menschen, die sich zum Preis großer Opfer ihre eigene Identität wahren. Die Ideologiewächter brachten das Schlagwort von der ‚Ästhetik des Häßlichen‘ auf, mit dem man dann auch das Verbot von Dušan Hanáks Spielfilm ICH LIEBE, DU LIEBST (1980) begründete.“ (Andrej Obuch, in: H-J. Schlegel, Filmkultur im Umbruch. Beispiel Slowakei, 1993)

 

LAIKAS EINA PER MIESTĄ (DIE ZEIT GEHT DURCH DIE STADT)

Litauische SSR 1966, 20 min, ohne Dialog, R: Almantas Grikevičius

„Reflexion nationaler Geschichte im erweiterten gesellschaftlichen Kontext versuchen zahlreiche Kompilationsfilme, die vor allem den historischen Einschnitt einer neuen Gesellschaftsordnung beschreiben. (…) Dazu gehört Almantas Grikevičius‘ Versuch, in DIE ZEIT GEHT DURCH DIE STADT völlig ohne Kommentar, allein durch die – außerhalb Litauens schwer zu dechiffrierende – Bedeutung architektonischer Bildzeichen die Geschichte von Vilnius zu erzählen.“ (Hans-Joachim Schlegel, Nyon 1987)

DAS VERZAUBERTE TAL (ZAKLIATA DOLINA)

CSSR 1966, 13 min, OmdU, R: Štefan Kamenický

„DAS VERZAUBERTE TAL ist seiner äußeren Form nach ein rein dokumentarischer Bericht von einem Tal im entlegensten Zipfel der Slowakei. Doch bald spürt man, dass die dokumentarische Form des Films nur eine Form ist, eine äußere Schale, die einen Kern voller beunruhigender Spannungen umschließt. Denn man befindet sich im Niemandsland auf dieselbe Weise wie in Bunuels LAS HURDES (1932). Der Regisseur hat es vermocht, mit Hilfe der Kameralinse die hoffnungslose Situation der Menschen nüchtern und sachlich einzufangen und trotzdem einen sozusagen lautlosen Schrei nicht nur nach sozialer Verbesserung, sondern auch nach einer menschlich reineren und politisch ehrlicheren Welt zu formen. Hier wurden dem Publikum in wirklich konzentrierter Form die Spannungen offenbart, die vor nicht allzu langer Zeit das tschechoslowakische Tauwetter zum entscheidenden Durchbruch und zum endgültigen Sieg führten.“ (Borge Trolle, Nordsjaelland, 13.04.1968)

 

Bilder einer alten Welt. Kurzfilme (die 1968er im Osten)
Di 09.10.

Мне двадцать лет (I Am Twenty / Ich bin zwanzig Jahre alt) , OmeU

Marlen Chuzijew
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Generation Černý Petr – die 68er im Osten

Мне двадцать лет (I Am Twenty / Ich bin zwanzig Jahre alt)

SU 1965, 164 min, russ. Originalfassung mit engl. UT

Regie: Marlen Chuzijew

Drei vom Militärdienst heimkehrende Freunde aus einem Moskauer Arbeiterbezirk versuchen, im zivilen Alltagsleben Fuß zu fassen. Sergej tut sich schwer und sucht vergeblich Rat bei seinem im Krieg gefallenen Vater. In einer geträumten Schlüsselszene erklärt der Geist des Vaters, er könne keine Ratschläge erteilen, wie das Leben zu meistern sei, denn er war zum Zeitpunkt des Todes noch jünger als der 20-jährige Sohn. Der Film thematisiert in Form eines imposanten epischen Zeitbildes über die urbane Jugend der Tauwetterära deren Kluft zur Kriegsgeneration und gibt Einblick in das reiche Kulturleben jener Jahre. Sergejs Freunde werden von zwei späteren Filmregisseuren gespielt, und in Gastauftritten sind Andrej Tarkowski, Andrej Kontschalowskij und Jewgenij Jewtuschenko zu sehen. (Helmut Pflügl, filmarchiv.at)

„Moskau war immer ein wichtiger Bezugspunkt im sowjetischen Filmschaffen, schon in den 1920er Jahren, dort aber zumeist als pulsierende, moderne, den Fortschritt symbolisierende Stadt. Über allen Stadtszenen in MNE 20 LET weht dagegen der Atem der Freiheit und Unbeschwertheit. Moskau wirkt hier wie die Hauptstadt eines wahrlich glückversprechenden Kommunismus, der den Menschen nicht beengt und ihn unbeobachtet jeden Winkel der Stadt erkunden lässt. Doch bevor Chuzijews Entwurf hätte Schule machen können, sorgten die konservativen Kräfte im ZK für ein sofortiges Verbot. Überhöhung der Nichtigkeit des Alltäglichen (бытовщина) warfen sie den Filmemachern vor. Kurz darauf geißelte der damalige KP-Chef Nikita Chruschtschow bei einer gleichsam stalinistischen Intellektuellenschelte im Kreml am 8. März 1963 Chuzijews Film. Die Protagonisten hätten nichts gemein mit ‚unserer herausragenden Jugend. […] Diese Figuren sind nicht die Art von Menschen, auf die unsere Gesellschaft sich verlassen kann. Sie sind keine Kämpfer, gestalten die Welt nicht um. Sie sind moralisch kranke Menschen‘.

So kam der 1962 unter dem Titel ЗАСТАВА ИЛЬИЧА / DIE PFORTE DES ILJITSCH vollendete Film jahrelang nicht zur Aufführung; Chuzijew erklärte sich schließlich bereit, Kernszenen neu zu drehen und ihrem Gehalt nach zu verändern.“ (Gaby Babić, Gary Vanisian, dekoder.org)

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