Sa 25.01.

Der Himmel über Berlin

Wim Wenders
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Der Himmel über Berlin

D/ F 1987, 127 min

Regie: Wim Wenders

Die Engel Damiel und Cassiel wandern durch das geteilte Berlin, beobachten die Menschen und lauschen ihren Gedanken. Als Damiel sich in die Trapezkünstlerin Marion verliebt, erwächst in ihm das Verlangen, selbst Mensch zu werden. Er gibt seine Unsterblichkeit auf, um das zu erleben, was Engeln vorenthalten bleibt: die irdische Existenz und die sinnliche Erfahrung des Menschseins…

Der Himmel über Berlin
Sa 25.01.

Swimmingpool am Golan, tw. OmdU

Esther Zimmering
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Swimmingpool am Golan

D 2018, 88 min, Deutsch | tw. Englisch, Hebräisch mit deutschen UT

Regie: Esther Zimmering

Die Lebenswege der jüdisch-deutschen Familie Zimmering, deren Mitglieder an der Gründung zweier Staaten, der DDR und Israels, entscheidend mitgewirkt haben. Lizzi entkam 1939 knapp dem Holocaust. In England begegnete sie dem FDJ-Mitbegründer Josef Zimmering und heiratete ihn. 1945 kehrten sie zurück nach Ostdeutschland, in die Sowjetische Besatzungszone, und bauten dort die DDR zusammen auf. Im Gegensatz zu Lizzi gelang ihrer Cousine Lore die Flucht nach Palästina. Dort heiratete sie den Zionisten Max Zimels, der als Gesandter für die Jewish Agency in Berlin noch Tausende von Juden nach Palästina retten konnte. Sie waren Mitbegründer Israels und lebten im Kibbuz Kfar Szold, nahe dem Golan. Die Filmemacherin Esther Zimmering begibt sich in Berlin und Israel auf die Suche nach den großen Ideen, denen ihre Vorfahren gefolgt sind, und stößt auf unterschwellige Konflikte und Geheimnisse. Sowohl auf israelischer als auch auf ostdeutscher Seite tauchen merkwürdige und politisch brisante Lücken in den Legenden der Familie auf, für die sich Esther immer intensiver interessiert.

„SWIMMINGPOOL AM GOLAN ist Esther Zimmerings erster eigener Film als Autorin und Regisseurin. Ein Jahrzehnt lang hat sie daran gearbeitet, der Geschichte ihrer Familie väterlicherseits filmisch nachzugehen. Das Ergebnis ist ein gradliniges, unprätentiöses Stück Dokumentarfilmkino, das bei aller persönlichen Beteiligung der Regisseurin erfrischend unsentimental bleibt. Eine Art Schlüsselfrage entwickelt sich erst nach und nach: Wie konnte es sein, fragt die Autorin sich irgendwann, dass ihre Großmutter Lizzi, die 1939 nach England fliehen konnte, und deren Kusine Lore, die zur selben Zeit nach Palästina ging, sich so ganz und gar aus den Augen verloren? Obwohl doch beide einander zuvor so eng verbunden gewesen waren wie zwei Schwestern? Esther Zimmering vermutet ein profundes weltanschauliches Zerwürfnis zwischen den Frauen. Großmutter Lizzi hatte in England den Kommunisten Josef Zimmering kennengelernt und geheiratet. Dort, im britischen Exil, wurde nicht nur Esthers Vater geboren, sondern auch, unter Beteiligung der Zimmerings, die FDJ gegründet. Nach dem Krieg war es keine Frage für die Großeltern Zimmering, nach Deutschland zurückzukehren und dort den Sozialismus mit aufzubauen.

Kusine Lore dagegen hatte sich bereits in den dreißiger Jahren in einer zionistischen Jugendorganisation engagiert, bekam ein Visum für Palästina, zog in einen Kibbuz und heiratete einen zionistischen Funktionär. (…) Interessanterweise hat sich anscheinend in der Verwandtschaft die politische Disposition auf beiden Seiten weitervererbt. So wie sich bei den Berliner Zimmerings die sozialistisch bzw. links orientierte Haltung offenbar über mehrere Generationen erhalten hat, so sind die Nachkommen von Kusine Lore immer noch Zionisten.“ (Katharina Granzin, TAZ 22.11.19)

Swimmingpool am Golan, tw. OmdU
Sa 25.01.

Gundermann Revier

Grit Lemke
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Gundermann Revier

D 2019, 97 min, deutsche Originalfassung

Regie: Grit Lemke

Das Lausitzer Revier und die einstige „sozialistische Wohnstadt“ Hoyerswerda bilden den Hintergrund für die Biografie von Gerhard Gundermann, Rockpoet, Baggerfahrer und „Stimme des Ostens“. Wie in einem Brennspiegel bündeln sich in der Region und in seinem Werk globale Fragen: Heimat und Industrie, das Ende der Arbeit, Utopie und individuelle Verantwortung. Eine Lehrerin, seine ersten Wegbegleiter aus der Brigade Feuerstein, sein Tontechniker und enger Mitarbeiter kommen ebenso zu Wort wie die Silly-Musiker Uwe Hassbecker und Ritchie Barton, Andy Wieczorek von der Band „Seilschaft“ und Conny Gundermann. Der Bürgerchor Hoyerswerda singt Gundermann und führt ihn in die Gegenwart des Reviers, das sich neu erfinden muss. Poetische Reflexionen einer Ich-Erzählerin, die in Hoyerswerda mit Gundermann aufwuchs, und metaphorische Bilder einer umgebrochenen Landschaft und Stadt führen durch den Film. Sie treten in einen Dialog mit Gundermann in weitgehend unbekannten Archivaufnahmen, Texten und Musik. Ein Film über einen von denen, „die die welt nicht retten können aber möchten / mit viel zu kurzen messern in viel zu langen nächten“.

„Dramaturgisch schlüssig führt Lemke einen filmischen Dialog mit dem einstigen guten Freund und Wegbegleiter aus frühen Tagen in der DDR-Vorzeigesiedlung Hoyerswerda, genannt ‚Hoywoy‘. Im Niemandsland, am Ende der Welt, wie es Gundermann in einem Lied besang, war eine Stadt der Arbeiter und der jungen Leute entstanden. Hier lernten sich beide – der Liedermacher Gundermann und die künftige Kulturanthropologin Lemke – kennen und verstanden sich als Geschwister im Geiste; beide fanden die Idee einer künftigen Gesellschaft, die sich von überkommenen Maßstäben emanzipiert, vernünftig: ‚Sozialismus ist das Gegenteil von Egoismus‘, lautete ihre Hoffnung. Der Film, dessen poetischer Kommentartext von Lemke selbst gesprochen wird, beurteilt diese Hoffnung nicht von ihrem Ende her, geht also nicht von ihrer Pervertierung und dem Scheitern des Experiments aus, sondern weist darauf hin, dass es einst gute Gründe dafür gab, die Vision einer besseren Welt zu entwickeln und umzusetzen. Von diesem Ideal ging durchaus nicht nur für naive Geister eine gewaltige Strahlkraft aus.“ (Ralf Schenk, filmdienst.de)

„Die Fremdbestimmung des Ostens, sein Ausverkauf nach der Wende, aber auch die Euphorie des Neuanfangs gepaart mit der Leere, die die Einheit zum Teil hinterließ, sind Themen des Films. ‚Wo sollen wir hin, wo bleiben wir?‘, singt Gundermann dazu. Auch wenn ein Hauch Ostalgie über dem Film schwebt, so spiegelt Lemke mit GUNDERMANN REVIER ein Lebensgefühl, was viele Menschen auch 30 Jahre nach dem Mauerfall nachvollziehen können. Dafür zeichnet sie die Welt, die Gundermann so prägte: Hoyerswerda mit seinen Plattenbauten und die großen Baggergebiete. Die Landschaft ist karg, das Leben ist schön. Für GUNDERMANN REVIER wühlt sich die Filmemacherin durch Berge von Archivmaterial. Und es ist beeindruckend, den großen schlaksigen Mann auf dem Bagger zu sehen und im Kreise seiner Freunde und Musikerkollegen. (…) Wenn man vorne einen Baum reinsteckt und hinten eine ,Superillu’ rauskommt, dann muss man sich schon fragen, was hier nicht stimmt‘, kritisiert er die auf Profit ausgerichtete Gesellschaft in einem seiner vielen Talkshow-Auftritte, in denen er sich auch für seine Stasi-Vergangenheit rechtfertigen muss. Das ist unterhaltsam und erhellend und gibt in einer Zeit, in der die Unzufriedenheit vieler Menschen wächst, vielleicht eine Idee davon, wie der Osten tickt.” (Claudia Euen, Sächsische Zeitung 04.11.19)

Gundermann Revier
Sa 25.01.

Папа, сдохни (Why Don’t You Just Die!), OmdU

Kirill Sokolow
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Папа, сдохни (Why Don’t You Just Die!)

RUS 2019, 99 min, russische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Kirill Sokolow

Eine erbarmungslose Kammerspiel-Achterbahnfahrt voll greller Splatter-Action, blutiger In-Fights und jeder Menge schwarzem Humor. Ein Apartment, vier Personen — ein Polizist und schlimmster Vater der Welt, seine verärgerte Schauspielertochter, ein aufbrausender Jungspund und ein betrogener Kollege — jeder von ihren hat einen triftigen Grund zur Rache …

“Wendungsreiches Regiedebüt aus Russland: Tarantino trifft ‘Tom und Jerry’ trifft Jan Švankmajer” (film-rezensionen.de)

“Schön schwarzhumorig im Erzählton sprengt WHY DON’T YOU JUST DIE! genüsslich alle Grenzen des guten Geschmacks. Mit originellen Inszenierungsideen holen Regisseur Kirill Sokolov und sein Kameramann alles aus ihrem begrenzten Setting heraus und liefern eine bitterböse Farce im Geiste des Slapsticks.” (fantasyfilmfest.com)

Папа, сдохни (Why Don’t You Just Die!), OmdU
So 26.01.

Heimat ist ein Raum aus Zeit

Thomas Heise
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Heimat ist ein Raum aus Zeit

D/ AT 2019, 218 min, deutsche Originalfassung

Regie: Thomas Heise

Was bleibt? Biografien hinterlassen Spuren. Die Zeitläufte auch. Wie sich das eine zum anderen verhält untersucht Thomas Heise in Heimat ist ein Raum aus Zeit. Der Film folgt den biografischen Spuren einer zerrissenen Familie über das ausgehende 19. und das folgende 20. Jahrhundert hinweg. Es geht um Menschen, die einst zufällig zueinander fanden, dann einander verloren. Deren verbliebene Kinder und Enkel jetzt verschwinden. Es geht um Sprechen und Schweigen. Erste Liebe und verschwundenes Glück. Väter, Mütter, Söhne, Brüder, Affären, Verletzung und Glück in wechselnden Landschaften, die verschiedene, einander durchwuchernde Spuren von Zeiten in sich tragen.

„Über 218 eindringliche Minuten hinweg werden in fünf Kapitel mehr als 100 Jahre Familien- und Zeitgeschichte zu einer Collage verwoben, beginnend vom Ersten Weltkrieg bis zum Ende der DDR. Es geht um die Großeltern, die Eltern, den Bruder, um Ausgesprochenes und Verschwiegenes zwischen den Generationen. Oder, wie Heise sagt: ‚Das Material des Films ist das Übriggebliebene meiner Familie, Reste. Die, von denen ich weiß, deren Umstände ich erlebt oder anders erfahren habe. Reste, die Geschichte spiegeln, Geschichte, die auch meine ist.‘“ (Claus Löser, BLZ 9./10.02.19)

„‘-Ist die DDR überhaupt heute ein Thema?‘ ‚-Das ist ein Thema. Das ist genau der Punkt: Es wurde nur behauptet, es sei eben kein Thema. Jetzt spuren wir die Ergebnisse dieser Vereinigung deutlicher und merken, dass auch die Geschichte komplett verschwunden ist. Wenn es um die Betrachtung von Geschichte geht, geht die linear bis zur Bundesrepublik und der Osten ist daran ein Pickel. Den drückt man aus. Nur der Mauerfall ist interessant. Heiner Müller beschrieb das so – im Rahmen der Modernisierung müssen die unproduktiven Teile abgestoßen werden. Ein bisschen erzählt der Film das auch.“ (Interviewauszug, Thomas Heise im Gespräch mit Barbara Wurm, TAZ 9./10.02.19)

„Keine Interviews, keine Zeitzeugen, natürlich nicht. Keine Simulationen von Objektivität. Wer aus der DDR kommt, misstraut ihnen ohnehin. HEIMAT IST EIN RAUM AUS ZEIT ist eine Meditation aus Bildern und Gedanken, der die Zeit doppelt zurückgibt, die er sich nimmt.“ (Kerstin Decker, Der Tagespiegel)

„Es lässt sich an HEIMAT IST EIN RAUM AUS ZEIT studieren, wie wenige filmische Mittel man braucht, wenn man sie einzusetzen weiß: Ton und Bild, in die richtige Form gebracht durch Montage. Die Szene etwa, die von der Deportation der Wiener Großmutter-Familie erzählt, ist atemberaubend – von einer dramaturgischen Intensität, die einem die Unfassbarkeit des Holocaust konkret werden lässt.“ (Matthias Dell, spiegel.de)

Heimat ist ein Raum aus Zeit
So 26.01.

Swimmingpool am Golan, tw. OmdU

Esther Zimmering
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Swimmingpool am Golan

D 2018, 88 min, Deutsch | tw. Englisch, Hebräisch mit deutschen UT

Regie: Esther Zimmering

Die Lebenswege der jüdisch-deutschen Familie Zimmering, deren Mitglieder an der Gründung zweier Staaten, der DDR und Israels, entscheidend mitgewirkt haben. Lizzi entkam 1939 knapp dem Holocaust. In England begegnete sie dem FDJ-Mitbegründer Josef Zimmering und heiratete ihn. 1945 kehrten sie zurück nach Ostdeutschland, in die Sowjetische Besatzungszone, und bauten dort die DDR zusammen auf. Im Gegensatz zu Lizzi gelang ihrer Cousine Lore die Flucht nach Palästina. Dort heiratete sie den Zionisten Max Zimels, der als Gesandter für die Jewish Agency in Berlin noch Tausende von Juden nach Palästina retten konnte. Sie waren Mitbegründer Israels und lebten im Kibbuz Kfar Szold, nahe dem Golan. Die Filmemacherin Esther Zimmering begibt sich in Berlin und Israel auf die Suche nach den großen Ideen, denen ihre Vorfahren gefolgt sind, und stößt auf unterschwellige Konflikte und Geheimnisse. Sowohl auf israelischer als auch auf ostdeutscher Seite tauchen merkwürdige und politisch brisante Lücken in den Legenden der Familie auf, für die sich Esther immer intensiver interessiert.

„SWIMMINGPOOL AM GOLAN ist Esther Zimmerings erster eigener Film als Autorin und Regisseurin. Ein Jahrzehnt lang hat sie daran gearbeitet, der Geschichte ihrer Familie väterlicherseits filmisch nachzugehen. Das Ergebnis ist ein gradliniges, unprätentiöses Stück Dokumentarfilmkino, das bei aller persönlichen Beteiligung der Regisseurin erfrischend unsentimental bleibt. Eine Art Schlüsselfrage entwickelt sich erst nach und nach: Wie konnte es sein, fragt die Autorin sich irgendwann, dass ihre Großmutter Lizzi, die 1939 nach England fliehen konnte, und deren Kusine Lore, die zur selben Zeit nach Palästina ging, sich so ganz und gar aus den Augen verloren? Obwohl doch beide einander zuvor so eng verbunden gewesen waren wie zwei Schwestern? Esther Zimmering vermutet ein profundes weltanschauliches Zerwürfnis zwischen den Frauen. Großmutter Lizzi hatte in England den Kommunisten Josef Zimmering kennengelernt und geheiratet. Dort, im britischen Exil, wurde nicht nur Esthers Vater geboren, sondern auch, unter Beteiligung der Zimmerings, die FDJ gegründet. Nach dem Krieg war es keine Frage für die Großeltern Zimmering, nach Deutschland zurückzukehren und dort den Sozialismus mit aufzubauen.

Kusine Lore dagegen hatte sich bereits in den dreißiger Jahren in einer zionistischen Jugendorganisation engagiert, bekam ein Visum für Palästina, zog in einen Kibbuz und heiratete einen zionistischen Funktionär. (…) Interessanterweise hat sich anscheinend in der Verwandtschaft die politische Disposition auf beiden Seiten weitervererbt. So wie sich bei den Berliner Zimmerings die sozialistisch bzw. links orientierte Haltung offenbar über mehrere Generationen erhalten hat, so sind die Nachkommen von Kusine Lore immer noch Zionisten.“ (Katharina Granzin, TAZ 22.11.19)

Swimmingpool am Golan, tw. OmdU
So 26.01.

Папа, сдохни (Why Don’t You Just Die!), OmdU

Kirill Sokolow
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Папа, сдохни (Why Don’t You Just Die!)

RUS 2019, 99 min, russische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Kirill Sokolow

Eine erbarmungslose Kammerspiel-Achterbahnfahrt voll greller Splatter-Action, blutiger In-Fights und jeder Menge schwarzem Humor. Ein Apartment, vier Personen — ein Polizist und schlimmster Vater der Welt, seine verärgerte Schauspielertochter, ein aufbrausender Jungspund und ein betrogener Kollege — jeder von ihren hat einen triftigen Grund zur Rache …

“Wendungsreiches Regiedebüt aus Russland: Tarantino trifft ‘Tom und Jerry’ trifft Jan Švankmajer” (film-rezensionen.de)

“Schön schwarzhumorig im Erzählton sprengt WHY DON’T YOU JUST DIE! genüsslich alle Grenzen des guten Geschmacks. Mit originellen Inszenierungsideen holen Regisseur Kirill Sokolov und sein Kameramann alles aus ihrem begrenzten Setting heraus und liefern eine bitterböse Farce im Geiste des Slapsticks.” (fantasyfilmfest.com)

Папа, сдохни (Why Don’t You Just Die!), OmdU
Mo 27.01.

geschlossene Veranstaltung

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Di 28.01.

Schönheit & Vergänglichkeit

Annekatrin Hendel
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Schönheit & Vergänglichkeit

Deutschland 2019, 79 min, deutsche Originalfassung

Regie: Annekatrin Hendel

Schon vor dem Mauerfall porträtiert der gelernte Fotograf Sven Marquardt, heute auch durch sein markantes Aussehen als Türsteher des legendären Technoclub Berghain weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt, die subkulturelle Ost-Berliner Szene in ausdrucksstarken Schwarz-Weiß-Fotografien. Nach 25 Jahren Unterbrechung seines künstlerischen Schaffens erfindet sich Marquardt inzwischen noch einmal neu und erlangt mit seinen Ausstellungen, Publikationen und Auftragsarbeiten Weltruhm. Nacht, Rausch, Exzess und Dunkelheit strahlen seine Werke aus, obwohl sie meist bei Tageslicht entstehen.

SCHÖNHEIT & VERGÄNGLICHKEIT erzählt von drei Freunden mit einer gemeinsamen Jugend, deren Werdegang geprägt ist von ihrem künstlerischen Blick auf die Welt, von Radikalität und Offenheit. Aber es ist auch ein Film über die unbedingte Sehnsucht nach Individualität und Unangepasstheit, Rebellion, Älterwerden, Liebe und Freundschaft in ganz unterschiedlichen Werte-Systemen. Und es ist ein Berlin-Film. Robert Paris` großartige Stadt-Ansichten erzählen vom Wandel der Stadt, vom eigenwilligen Charme menschenleerer Straßen, vernagelter Türen und blinder Fenster.

„So ist es jetzt, mehr als dreißig Jahre nach dem Mauerfall, Zeit für meinen Film. Über Leute, die so alt sind wie ich, Leute aus der letzten Erwachsenen-Generation der DDR. Es geht um drei Freunde: Allen voran Sven Marquardt, der mich mit seinen Arbeiten voller Schönheit, Leid und Leidenschaft faszinierte wie kein anderer Fotograf. Und es geht um zwei seiner Modelle, die ebenso eigenständige Künstler waren und sind: Dominique „Dome“ Hollenstein und Robert Paris. Sie prägten ein Lebensgefühl, das den Prenzlauer Berg über die deutschen Grenzen hinaus bis heute legendär macht. Erst als Punks, eingebunden in ihren großen, hermetischen Ostberliner Freundeskreis, später mit Werken, die selbst in der DDR-Subkultur noch speziell waren. Berühmt wird Marquardt als Türsteher des legendären Technoclub Berghain. Dabei galt er bereits vorher, mit Mitte Zwanzig schon als Ausnahme-Künstler. (…) Seine Porträts zeichnete eine Mischung aus inszenierter Schönheit, Selbstbewusstsein, Erotik und Verfall aus. Mit welcher Wucht er nach langer Pause die Kamera jetzt wieder in die Hand genommen hat, motivierte mich zu diesem Film.“ (Annekatrin Hendel)

Schönheit & Vergänglichkeit
Di 28.01.

Swimmingpool am Golan, tw. OmdU

Esther Zimmering
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Swimmingpool am Golan

D 2018, 88 min, Deutsch | tw. Englisch, Hebräisch mit deutschen UT

Regie: Esther Zimmering

Die Lebenswege der jüdisch-deutschen Familie Zimmering, deren Mitglieder an der Gründung zweier Staaten, der DDR und Israels, entscheidend mitgewirkt haben. Lizzi entkam 1939 knapp dem Holocaust. In England begegnete sie dem FDJ-Mitbegründer Josef Zimmering und heiratete ihn. 1945 kehrten sie zurück nach Ostdeutschland, in die Sowjetische Besatzungszone, und bauten dort die DDR zusammen auf. Im Gegensatz zu Lizzi gelang ihrer Cousine Lore die Flucht nach Palästina. Dort heiratete sie den Zionisten Max Zimels, der als Gesandter für die Jewish Agency in Berlin noch Tausende von Juden nach Palästina retten konnte. Sie waren Mitbegründer Israels und lebten im Kibbuz Kfar Szold, nahe dem Golan. Die Filmemacherin Esther Zimmering begibt sich in Berlin und Israel auf die Suche nach den großen Ideen, denen ihre Vorfahren gefolgt sind, und stößt auf unterschwellige Konflikte und Geheimnisse. Sowohl auf israelischer als auch auf ostdeutscher Seite tauchen merkwürdige und politisch brisante Lücken in den Legenden der Familie auf, für die sich Esther immer intensiver interessiert.

„SWIMMINGPOOL AM GOLAN ist Esther Zimmerings erster eigener Film als Autorin und Regisseurin. Ein Jahrzehnt lang hat sie daran gearbeitet, der Geschichte ihrer Familie väterlicherseits filmisch nachzugehen. Das Ergebnis ist ein gradliniges, unprätentiöses Stück Dokumentarfilmkino, das bei aller persönlichen Beteiligung der Regisseurin erfrischend unsentimental bleibt. Eine Art Schlüsselfrage entwickelt sich erst nach und nach: Wie konnte es sein, fragt die Autorin sich irgendwann, dass ihre Großmutter Lizzi, die 1939 nach England fliehen konnte, und deren Kusine Lore, die zur selben Zeit nach Palästina ging, sich so ganz und gar aus den Augen verloren? Obwohl doch beide einander zuvor so eng verbunden gewesen waren wie zwei Schwestern? Esther Zimmering vermutet ein profundes weltanschauliches Zerwürfnis zwischen den Frauen. Großmutter Lizzi hatte in England den Kommunisten Josef Zimmering kennengelernt und geheiratet. Dort, im britischen Exil, wurde nicht nur Esthers Vater geboren, sondern auch, unter Beteiligung der Zimmerings, die FDJ gegründet. Nach dem Krieg war es keine Frage für die Großeltern Zimmering, nach Deutschland zurückzukehren und dort den Sozialismus mit aufzubauen.

Kusine Lore dagegen hatte sich bereits in den dreißiger Jahren in einer zionistischen Jugendorganisation engagiert, bekam ein Visum für Palästina, zog in einen Kibbuz und heiratete einen zionistischen Funktionär. (…) Interessanterweise hat sich anscheinend in der Verwandtschaft die politische Disposition auf beiden Seiten weitervererbt. So wie sich bei den Berliner Zimmerings die sozialistisch bzw. links orientierte Haltung offenbar über mehrere Generationen erhalten hat, so sind die Nachkommen von Kusine Lore immer noch Zionisten.“ (Katharina Granzin, TAZ 22.11.19)

Swimmingpool am Golan, tw. OmdU
Di 28.01.

Gundermann Revier

Grit Lemke
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Gundermann Revier

D 2019, 97 min, deutsche Originalfassung

Regie: Grit Lemke

Das Lausitzer Revier und die einstige „sozialistische Wohnstadt“ Hoyerswerda bilden den Hintergrund für die Biografie von Gerhard Gundermann, Rockpoet, Baggerfahrer und „Stimme des Ostens“. Wie in einem Brennspiegel bündeln sich in der Region und in seinem Werk globale Fragen: Heimat und Industrie, das Ende der Arbeit, Utopie und individuelle Verantwortung. Eine Lehrerin, seine ersten Wegbegleiter aus der Brigade Feuerstein, sein Tontechniker und enger Mitarbeiter kommen ebenso zu Wort wie die Silly-Musiker Uwe Hassbecker und Ritchie Barton, Andy Wieczorek von der Band „Seilschaft“ und Conny Gundermann. Der Bürgerchor Hoyerswerda singt Gundermann und führt ihn in die Gegenwart des Reviers, das sich neu erfinden muss. Poetische Reflexionen einer Ich-Erzählerin, die in Hoyerswerda mit Gundermann aufwuchs, und metaphorische Bilder einer umgebrochenen Landschaft und Stadt führen durch den Film. Sie treten in einen Dialog mit Gundermann in weitgehend unbekannten Archivaufnahmen, Texten und Musik. Ein Film über einen von denen, „die die welt nicht retten können aber möchten / mit viel zu kurzen messern in viel zu langen nächten“.

„Dramaturgisch schlüssig führt Lemke einen filmischen Dialog mit dem einstigen guten Freund und Wegbegleiter aus frühen Tagen in der DDR-Vorzeigesiedlung Hoyerswerda, genannt ‚Hoywoy‘. Im Niemandsland, am Ende der Welt, wie es Gundermann in einem Lied besang, war eine Stadt der Arbeiter und der jungen Leute entstanden. Hier lernten sich beide – der Liedermacher Gundermann und die künftige Kulturanthropologin Lemke – kennen und verstanden sich als Geschwister im Geiste; beide fanden die Idee einer künftigen Gesellschaft, die sich von überkommenen Maßstäben emanzipiert, vernünftig: ‚Sozialismus ist das Gegenteil von Egoismus‘, lautete ihre Hoffnung. Der Film, dessen poetischer Kommentartext von Lemke selbst gesprochen wird, beurteilt diese Hoffnung nicht von ihrem Ende her, geht also nicht von ihrer Pervertierung und dem Scheitern des Experiments aus, sondern weist darauf hin, dass es einst gute Gründe dafür gab, die Vision einer besseren Welt zu entwickeln und umzusetzen. Von diesem Ideal ging durchaus nicht nur für naive Geister eine gewaltige Strahlkraft aus.“ (Ralf Schenk, filmdienst.de)

„Die Fremdbestimmung des Ostens, sein Ausverkauf nach der Wende, aber auch die Euphorie des Neuanfangs gepaart mit der Leere, die die Einheit zum Teil hinterließ, sind Themen des Films. ‚Wo sollen wir hin, wo bleiben wir?‘, singt Gundermann dazu. Auch wenn ein Hauch Ostalgie über dem Film schwebt, so spiegelt Lemke mit GUNDERMANN REVIER ein Lebensgefühl, was viele Menschen auch 30 Jahre nach dem Mauerfall nachvollziehen können. Dafür zeichnet sie die Welt, die Gundermann so prägte: Hoyerswerda mit seinen Plattenbauten und die großen Baggergebiete. Die Landschaft ist karg, das Leben ist schön. Für GUNDERMANN REVIER wühlt sich die Filmemacherin durch Berge von Archivmaterial. Und es ist beeindruckend, den großen schlaksigen Mann auf dem Bagger zu sehen und im Kreise seiner Freunde und Musikerkollegen. (…) Wenn man vorne einen Baum reinsteckt und hinten eine ,Superillu’ rauskommt, dann muss man sich schon fragen, was hier nicht stimmt‘, kritisiert er die auf Profit ausgerichtete Gesellschaft in einem seiner vielen Talkshow-Auftritte, in denen er sich auch für seine Stasi-Vergangenheit rechtfertigen muss. Das ist unterhaltsam und erhellend und gibt in einer Zeit, in der die Unzufriedenheit vieler Menschen wächst, vielleicht eine Idee davon, wie der Osten tickt.” (Claudia Euen, Sächsische Zeitung 04.11.19)

Gundermann Revier
Mi 29.01.

Schönheit & Vergänglichkeit

Annekatrin Hendel
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Schönheit & Vergänglichkeit

Deutschland 2019, 79 min, deutsche Originalfassung

Regie: Annekatrin Hendel

Schon vor dem Mauerfall porträtiert der gelernte Fotograf Sven Marquardt, heute auch durch sein markantes Aussehen als Türsteher des legendären Technoclub Berghain weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt, die subkulturelle Ost-Berliner Szene in ausdrucksstarken Schwarz-Weiß-Fotografien. Nach 25 Jahren Unterbrechung seines künstlerischen Schaffens erfindet sich Marquardt inzwischen noch einmal neu und erlangt mit seinen Ausstellungen, Publikationen und Auftragsarbeiten Weltruhm. Nacht, Rausch, Exzess und Dunkelheit strahlen seine Werke aus, obwohl sie meist bei Tageslicht entstehen.

SCHÖNHEIT & VERGÄNGLICHKEIT erzählt von drei Freunden mit einer gemeinsamen Jugend, deren Werdegang geprägt ist von ihrem künstlerischen Blick auf die Welt, von Radikalität und Offenheit. Aber es ist auch ein Film über die unbedingte Sehnsucht nach Individualität und Unangepasstheit, Rebellion, Älterwerden, Liebe und Freundschaft in ganz unterschiedlichen Werte-Systemen. Und es ist ein Berlin-Film. Robert Paris` großartige Stadt-Ansichten erzählen vom Wandel der Stadt, vom eigenwilligen Charme menschenleerer Straßen, vernagelter Türen und blinder Fenster.

„So ist es jetzt, mehr als dreißig Jahre nach dem Mauerfall, Zeit für meinen Film. Über Leute, die so alt sind wie ich, Leute aus der letzten Erwachsenen-Generation der DDR. Es geht um drei Freunde: Allen voran Sven Marquardt, der mich mit seinen Arbeiten voller Schönheit, Leid und Leidenschaft faszinierte wie kein anderer Fotograf. Und es geht um zwei seiner Modelle, die ebenso eigenständige Künstler waren und sind: Dominique „Dome“ Hollenstein und Robert Paris. Sie prägten ein Lebensgefühl, das den Prenzlauer Berg über die deutschen Grenzen hinaus bis heute legendär macht. Erst als Punks, eingebunden in ihren großen, hermetischen Ostberliner Freundeskreis, später mit Werken, die selbst in der DDR-Subkultur noch speziell waren. Berühmt wird Marquardt als Türsteher des legendären Technoclub Berghain. Dabei galt er bereits vorher, mit Mitte Zwanzig schon als Ausnahme-Künstler. (…) Seine Porträts zeichnete eine Mischung aus inszenierter Schönheit, Selbstbewusstsein, Erotik und Verfall aus. Mit welcher Wucht er nach langer Pause die Kamera jetzt wieder in die Hand genommen hat, motivierte mich zu diesem Film.“ (Annekatrin Hendel)

Schönheit & Vergänglichkeit
Mi 29.01.

Swimmingpool am Golan, tw. OmdU

Esther Zimmering
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Swimmingpool am Golan

D 2018, 88 min, Deutsch | tw. Englisch, Hebräisch mit deutschen UT

Regie: Esther Zimmering

Die Lebenswege der jüdisch-deutschen Familie Zimmering, deren Mitglieder an der Gründung zweier Staaten, der DDR und Israels, entscheidend mitgewirkt haben. Lizzi entkam 1939 knapp dem Holocaust. In England begegnete sie dem FDJ-Mitbegründer Josef Zimmering und heiratete ihn. 1945 kehrten sie zurück nach Ostdeutschland, in die Sowjetische Besatzungszone, und bauten dort die DDR zusammen auf. Im Gegensatz zu Lizzi gelang ihrer Cousine Lore die Flucht nach Palästina. Dort heiratete sie den Zionisten Max Zimels, der als Gesandter für die Jewish Agency in Berlin noch Tausende von Juden nach Palästina retten konnte. Sie waren Mitbegründer Israels und lebten im Kibbuz Kfar Szold, nahe dem Golan. Die Filmemacherin Esther Zimmering begibt sich in Berlin und Israel auf die Suche nach den großen Ideen, denen ihre Vorfahren gefolgt sind, und stößt auf unterschwellige Konflikte und Geheimnisse. Sowohl auf israelischer als auch auf ostdeutscher Seite tauchen merkwürdige und politisch brisante Lücken in den Legenden der Familie auf, für die sich Esther immer intensiver interessiert.

„SWIMMINGPOOL AM GOLAN ist Esther Zimmerings erster eigener Film als Autorin und Regisseurin. Ein Jahrzehnt lang hat sie daran gearbeitet, der Geschichte ihrer Familie väterlicherseits filmisch nachzugehen. Das Ergebnis ist ein gradliniges, unprätentiöses Stück Dokumentarfilmkino, das bei aller persönlichen Beteiligung der Regisseurin erfrischend unsentimental bleibt. Eine Art Schlüsselfrage entwickelt sich erst nach und nach: Wie konnte es sein, fragt die Autorin sich irgendwann, dass ihre Großmutter Lizzi, die 1939 nach England fliehen konnte, und deren Kusine Lore, die zur selben Zeit nach Palästina ging, sich so ganz und gar aus den Augen verloren? Obwohl doch beide einander zuvor so eng verbunden gewesen waren wie zwei Schwestern? Esther Zimmering vermutet ein profundes weltanschauliches Zerwürfnis zwischen den Frauen. Großmutter Lizzi hatte in England den Kommunisten Josef Zimmering kennengelernt und geheiratet. Dort, im britischen Exil, wurde nicht nur Esthers Vater geboren, sondern auch, unter Beteiligung der Zimmerings, die FDJ gegründet. Nach dem Krieg war es keine Frage für die Großeltern Zimmering, nach Deutschland zurückzukehren und dort den Sozialismus mit aufzubauen.

Kusine Lore dagegen hatte sich bereits in den dreißiger Jahren in einer zionistischen Jugendorganisation engagiert, bekam ein Visum für Palästina, zog in einen Kibbuz und heiratete einen zionistischen Funktionär. (…) Interessanterweise hat sich anscheinend in der Verwandtschaft die politische Disposition auf beiden Seiten weitervererbt. So wie sich bei den Berliner Zimmerings die sozialistisch bzw. links orientierte Haltung offenbar über mehrere Generationen erhalten hat, so sind die Nachkommen von Kusine Lore immer noch Zionisten.“ (Katharina Granzin, TAZ 22.11.19)

Swimmingpool am Golan, tw. OmdU
Mi 29.01.

Gundermann Revier

Grit Lemke
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Gundermann Revier

D 2019, 97 min, deutsche Originalfassung

Regie: Grit Lemke

Das Lausitzer Revier und die einstige „sozialistische Wohnstadt“ Hoyerswerda bilden den Hintergrund für die Biografie von Gerhard Gundermann, Rockpoet, Baggerfahrer und „Stimme des Ostens“. Wie in einem Brennspiegel bündeln sich in der Region und in seinem Werk globale Fragen: Heimat und Industrie, das Ende der Arbeit, Utopie und individuelle Verantwortung. Eine Lehrerin, seine ersten Wegbegleiter aus der Brigade Feuerstein, sein Tontechniker und enger Mitarbeiter kommen ebenso zu Wort wie die Silly-Musiker Uwe Hassbecker und Ritchie Barton, Andy Wieczorek von der Band „Seilschaft“ und Conny Gundermann. Der Bürgerchor Hoyerswerda singt Gundermann und führt ihn in die Gegenwart des Reviers, das sich neu erfinden muss. Poetische Reflexionen einer Ich-Erzählerin, die in Hoyerswerda mit Gundermann aufwuchs, und metaphorische Bilder einer umgebrochenen Landschaft und Stadt führen durch den Film. Sie treten in einen Dialog mit Gundermann in weitgehend unbekannten Archivaufnahmen, Texten und Musik. Ein Film über einen von denen, „die die welt nicht retten können aber möchten / mit viel zu kurzen messern in viel zu langen nächten“.

„Dramaturgisch schlüssig führt Lemke einen filmischen Dialog mit dem einstigen guten Freund und Wegbegleiter aus frühen Tagen in der DDR-Vorzeigesiedlung Hoyerswerda, genannt ‚Hoywoy‘. Im Niemandsland, am Ende der Welt, wie es Gundermann in einem Lied besang, war eine Stadt der Arbeiter und der jungen Leute entstanden. Hier lernten sich beide – der Liedermacher Gundermann und die künftige Kulturanthropologin Lemke – kennen und verstanden sich als Geschwister im Geiste; beide fanden die Idee einer künftigen Gesellschaft, die sich von überkommenen Maßstäben emanzipiert, vernünftig: ‚Sozialismus ist das Gegenteil von Egoismus‘, lautete ihre Hoffnung. Der Film, dessen poetischer Kommentartext von Lemke selbst gesprochen wird, beurteilt diese Hoffnung nicht von ihrem Ende her, geht also nicht von ihrer Pervertierung und dem Scheitern des Experiments aus, sondern weist darauf hin, dass es einst gute Gründe dafür gab, die Vision einer besseren Welt zu entwickeln und umzusetzen. Von diesem Ideal ging durchaus nicht nur für naive Geister eine gewaltige Strahlkraft aus.“ (Ralf Schenk, filmdienst.de)

„Die Fremdbestimmung des Ostens, sein Ausverkauf nach der Wende, aber auch die Euphorie des Neuanfangs gepaart mit der Leere, die die Einheit zum Teil hinterließ, sind Themen des Films. ‚Wo sollen wir hin, wo bleiben wir?‘, singt Gundermann dazu. Auch wenn ein Hauch Ostalgie über dem Film schwebt, so spiegelt Lemke mit GUNDERMANN REVIER ein Lebensgefühl, was viele Menschen auch 30 Jahre nach dem Mauerfall nachvollziehen können. Dafür zeichnet sie die Welt, die Gundermann so prägte: Hoyerswerda mit seinen Plattenbauten und die großen Baggergebiete. Die Landschaft ist karg, das Leben ist schön. Für GUNDERMANN REVIER wühlt sich die Filmemacherin durch Berge von Archivmaterial. Und es ist beeindruckend, den großen schlaksigen Mann auf dem Bagger zu sehen und im Kreise seiner Freunde und Musikerkollegen. (…) Wenn man vorne einen Baum reinsteckt und hinten eine ,Superillu’ rauskommt, dann muss man sich schon fragen, was hier nicht stimmt‘, kritisiert er die auf Profit ausgerichtete Gesellschaft in einem seiner vielen Talkshow-Auftritte, in denen er sich auch für seine Stasi-Vergangenheit rechtfertigen muss. Das ist unterhaltsam und erhellend und gibt in einer Zeit, in der die Unzufriedenheit vieler Menschen wächst, vielleicht eine Idee davon, wie der Osten tickt.” (Claudia Euen, Sächsische Zeitung 04.11.19)

Gundermann Revier
Do 30.01.

Gundermann Revier

Grit Lemke
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Gundermann Revier

D 2019, 97 min, deutsche Originalfassung

Regie: Grit Lemke

Das Lausitzer Revier und die einstige „sozialistische Wohnstadt“ Hoyerswerda bilden den Hintergrund für die Biografie von Gerhard Gundermann, Rockpoet, Baggerfahrer und „Stimme des Ostens“. Wie in einem Brennspiegel bündeln sich in der Region und in seinem Werk globale Fragen: Heimat und Industrie, das Ende der Arbeit, Utopie und individuelle Verantwortung. Eine Lehrerin, seine ersten Wegbegleiter aus der Brigade Feuerstein, sein Tontechniker und enger Mitarbeiter kommen ebenso zu Wort wie die Silly-Musiker Uwe Hassbecker und Ritchie Barton, Andy Wieczorek von der Band „Seilschaft“ und Conny Gundermann. Der Bürgerchor Hoyerswerda singt Gundermann und führt ihn in die Gegenwart des Reviers, das sich neu erfinden muss. Poetische Reflexionen einer Ich-Erzählerin, die in Hoyerswerda mit Gundermann aufwuchs, und metaphorische Bilder einer umgebrochenen Landschaft und Stadt führen durch den Film. Sie treten in einen Dialog mit Gundermann in weitgehend unbekannten Archivaufnahmen, Texten und Musik. Ein Film über einen von denen, „die die welt nicht retten können aber möchten / mit viel zu kurzen messern in viel zu langen nächten“.

„Dramaturgisch schlüssig führt Lemke einen filmischen Dialog mit dem einstigen guten Freund und Wegbegleiter aus frühen Tagen in der DDR-Vorzeigesiedlung Hoyerswerda, genannt ‚Hoywoy‘. Im Niemandsland, am Ende der Welt, wie es Gundermann in einem Lied besang, war eine Stadt der Arbeiter und der jungen Leute entstanden. Hier lernten sich beide – der Liedermacher Gundermann und die künftige Kulturanthropologin Lemke – kennen und verstanden sich als Geschwister im Geiste; beide fanden die Idee einer künftigen Gesellschaft, die sich von überkommenen Maßstäben emanzipiert, vernünftig: ‚Sozialismus ist das Gegenteil von Egoismus‘, lautete ihre Hoffnung. Der Film, dessen poetischer Kommentartext von Lemke selbst gesprochen wird, beurteilt diese Hoffnung nicht von ihrem Ende her, geht also nicht von ihrer Pervertierung und dem Scheitern des Experiments aus, sondern weist darauf hin, dass es einst gute Gründe dafür gab, die Vision einer besseren Welt zu entwickeln und umzusetzen. Von diesem Ideal ging durchaus nicht nur für naive Geister eine gewaltige Strahlkraft aus.“ (Ralf Schenk, filmdienst.de)

„Die Fremdbestimmung des Ostens, sein Ausverkauf nach der Wende, aber auch die Euphorie des Neuanfangs gepaart mit der Leere, die die Einheit zum Teil hinterließ, sind Themen des Films. ‚Wo sollen wir hin, wo bleiben wir?‘, singt Gundermann dazu. Auch wenn ein Hauch Ostalgie über dem Film schwebt, so spiegelt Lemke mit GUNDERMANN REVIER ein Lebensgefühl, was viele Menschen auch 30 Jahre nach dem Mauerfall nachvollziehen können. Dafür zeichnet sie die Welt, die Gundermann so prägte: Hoyerswerda mit seinen Plattenbauten und die großen Baggergebiete. Die Landschaft ist karg, das Leben ist schön. Für GUNDERMANN REVIER wühlt sich die Filmemacherin durch Berge von Archivmaterial. Und es ist beeindruckend, den großen schlaksigen Mann auf dem Bagger zu sehen und im Kreise seiner Freunde und Musikerkollegen. (…) Wenn man vorne einen Baum reinsteckt und hinten eine ,Superillu’ rauskommt, dann muss man sich schon fragen, was hier nicht stimmt‘, kritisiert er die auf Profit ausgerichtete Gesellschaft in einem seiner vielen Talkshow-Auftritte, in denen er sich auch für seine Stasi-Vergangenheit rechtfertigen muss. Das ist unterhaltsam und erhellend und gibt in einer Zeit, in der die Unzufriedenheit vieler Menschen wächst, vielleicht eine Idee davon, wie der Osten tickt.” (Claudia Euen, Sächsische Zeitung 04.11.19)

Gundermann Revier
Do 30.01.

Swimmingpool am Golan, tw. OmdU

Esther Zimmering
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Swimmingpool am Golan

D 2018, 88 min, Deutsch | tw. Englisch, Hebräisch mit deutschen UT

Regie: Esther Zimmering

Die Lebenswege der jüdisch-deutschen Familie Zimmering, deren Mitglieder an der Gründung zweier Staaten, der DDR und Israels, entscheidend mitgewirkt haben. Lizzi entkam 1939 knapp dem Holocaust. In England begegnete sie dem FDJ-Mitbegründer Josef Zimmering und heiratete ihn. 1945 kehrten sie zurück nach Ostdeutschland, in die Sowjetische Besatzungszone, und bauten dort die DDR zusammen auf. Im Gegensatz zu Lizzi gelang ihrer Cousine Lore die Flucht nach Palästina. Dort heiratete sie den Zionisten Max Zimels, der als Gesandter für die Jewish Agency in Berlin noch Tausende von Juden nach Palästina retten konnte. Sie waren Mitbegründer Israels und lebten im Kibbuz Kfar Szold, nahe dem Golan. Die Filmemacherin Esther Zimmering begibt sich in Berlin und Israel auf die Suche nach den großen Ideen, denen ihre Vorfahren gefolgt sind, und stößt auf unterschwellige Konflikte und Geheimnisse. Sowohl auf israelischer als auch auf ostdeutscher Seite tauchen merkwürdige und politisch brisante Lücken in den Legenden der Familie auf, für die sich Esther immer intensiver interessiert.

„SWIMMINGPOOL AM GOLAN ist Esther Zimmerings erster eigener Film als Autorin und Regisseurin. Ein Jahrzehnt lang hat sie daran gearbeitet, der Geschichte ihrer Familie väterlicherseits filmisch nachzugehen. Das Ergebnis ist ein gradliniges, unprätentiöses Stück Dokumentarfilmkino, das bei aller persönlichen Beteiligung der Regisseurin erfrischend unsentimental bleibt. Eine Art Schlüsselfrage entwickelt sich erst nach und nach: Wie konnte es sein, fragt die Autorin sich irgendwann, dass ihre Großmutter Lizzi, die 1939 nach England fliehen konnte, und deren Kusine Lore, die zur selben Zeit nach Palästina ging, sich so ganz und gar aus den Augen verloren? Obwohl doch beide einander zuvor so eng verbunden gewesen waren wie zwei Schwestern? Esther Zimmering vermutet ein profundes weltanschauliches Zerwürfnis zwischen den Frauen. Großmutter Lizzi hatte in England den Kommunisten Josef Zimmering kennengelernt und geheiratet. Dort, im britischen Exil, wurde nicht nur Esthers Vater geboren, sondern auch, unter Beteiligung der Zimmerings, die FDJ gegründet. Nach dem Krieg war es keine Frage für die Großeltern Zimmering, nach Deutschland zurückzukehren und dort den Sozialismus mit aufzubauen.

Kusine Lore dagegen hatte sich bereits in den dreißiger Jahren in einer zionistischen Jugendorganisation engagiert, bekam ein Visum für Palästina, zog in einen Kibbuz und heiratete einen zionistischen Funktionär. (…) Interessanterweise hat sich anscheinend in der Verwandtschaft die politische Disposition auf beiden Seiten weitervererbt. So wie sich bei den Berliner Zimmerings die sozialistisch bzw. links orientierte Haltung offenbar über mehrere Generationen erhalten hat, so sind die Nachkommen von Kusine Lore immer noch Zionisten.“ (Katharina Granzin, TAZ 22.11.19)

Swimmingpool am Golan, tw. OmdU
Do 30.01.

Папа, сдохни (Why Don’t You Just Die!), OmdU

Kirill Sokolow
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Папа, сдохни (Why Don’t You Just Die!)

RUS 2019, 99 min, russische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Kirill Sokolow

Eine erbarmungslose Kammerspiel-Achterbahnfahrt voll greller Splatter-Action, blutiger In-Fights und jeder Menge schwarzem Humor. Ein Apartment, vier Personen — ein Polizist und schlimmster Vater der Welt, seine verärgerte Schauspielertochter, ein aufbrausender Jungspund und ein betrogener Kollege — jeder von ihren hat einen triftigen Grund zur Rache …

“Wendungsreiches Regiedebüt aus Russland: Tarantino trifft ‘Tom und Jerry’ trifft Jan Švankmajer” (film-rezensionen.de)

“Schön schwarzhumorig im Erzählton sprengt WHY DON’T YOU JUST DIE! genüsslich alle Grenzen des guten Geschmacks. Mit originellen Inszenierungsideen holen Regisseur Kirill Sokolov und sein Kameramann alles aus ihrem begrenzten Setting heraus und liefern eine bitterböse Farce im Geiste des Slapsticks.” (fantasyfilmfest.com)

Папа, сдохни (Why Don’t You Just Die!), OmdU
Fr 31.01.

Gundermann Revier

Grit Lemke
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Gundermann Revier

D 2019, 97 min, deutsche Originalfassung

Regie: Grit Lemke

Das Lausitzer Revier und die einstige „sozialistische Wohnstadt“ Hoyerswerda bilden den Hintergrund für die Biografie von Gerhard Gundermann, Rockpoet, Baggerfahrer und „Stimme des Ostens“. Wie in einem Brennspiegel bündeln sich in der Region und in seinem Werk globale Fragen: Heimat und Industrie, das Ende der Arbeit, Utopie und individuelle Verantwortung. Eine Lehrerin, seine ersten Wegbegleiter aus der Brigade Feuerstein, sein Tontechniker und enger Mitarbeiter kommen ebenso zu Wort wie die Silly-Musiker Uwe Hassbecker und Ritchie Barton, Andy Wieczorek von der Band „Seilschaft“ und Conny Gundermann. Der Bürgerchor Hoyerswerda singt Gundermann und führt ihn in die Gegenwart des Reviers, das sich neu erfinden muss. Poetische Reflexionen einer Ich-Erzählerin, die in Hoyerswerda mit Gundermann aufwuchs, und metaphorische Bilder einer umgebrochenen Landschaft und Stadt führen durch den Film. Sie treten in einen Dialog mit Gundermann in weitgehend unbekannten Archivaufnahmen, Texten und Musik. Ein Film über einen von denen, „die die welt nicht retten können aber möchten / mit viel zu kurzen messern in viel zu langen nächten“.

„Dramaturgisch schlüssig führt Lemke einen filmischen Dialog mit dem einstigen guten Freund und Wegbegleiter aus frühen Tagen in der DDR-Vorzeigesiedlung Hoyerswerda, genannt ‚Hoywoy‘. Im Niemandsland, am Ende der Welt, wie es Gundermann in einem Lied besang, war eine Stadt der Arbeiter und der jungen Leute entstanden. Hier lernten sich beide – der Liedermacher Gundermann und die künftige Kulturanthropologin Lemke – kennen und verstanden sich als Geschwister im Geiste; beide fanden die Idee einer künftigen Gesellschaft, die sich von überkommenen Maßstäben emanzipiert, vernünftig: ‚Sozialismus ist das Gegenteil von Egoismus‘, lautete ihre Hoffnung. Der Film, dessen poetischer Kommentartext von Lemke selbst gesprochen wird, beurteilt diese Hoffnung nicht von ihrem Ende her, geht also nicht von ihrer Pervertierung und dem Scheitern des Experiments aus, sondern weist darauf hin, dass es einst gute Gründe dafür gab, die Vision einer besseren Welt zu entwickeln und umzusetzen. Von diesem Ideal ging durchaus nicht nur für naive Geister eine gewaltige Strahlkraft aus.“ (Ralf Schenk, filmdienst.de)

„Die Fremdbestimmung des Ostens, sein Ausverkauf nach der Wende, aber auch die Euphorie des Neuanfangs gepaart mit der Leere, die die Einheit zum Teil hinterließ, sind Themen des Films. ‚Wo sollen wir hin, wo bleiben wir?‘, singt Gundermann dazu. Auch wenn ein Hauch Ostalgie über dem Film schwebt, so spiegelt Lemke mit GUNDERMANN REVIER ein Lebensgefühl, was viele Menschen auch 30 Jahre nach dem Mauerfall nachvollziehen können. Dafür zeichnet sie die Welt, die Gundermann so prägte: Hoyerswerda mit seinen Plattenbauten und die großen Baggergebiete. Die Landschaft ist karg, das Leben ist schön. Für GUNDERMANN REVIER wühlt sich die Filmemacherin durch Berge von Archivmaterial. Und es ist beeindruckend, den großen schlaksigen Mann auf dem Bagger zu sehen und im Kreise seiner Freunde und Musikerkollegen. (…) Wenn man vorne einen Baum reinsteckt und hinten eine ,Superillu’ rauskommt, dann muss man sich schon fragen, was hier nicht stimmt‘, kritisiert er die auf Profit ausgerichtete Gesellschaft in einem seiner vielen Talkshow-Auftritte, in denen er sich auch für seine Stasi-Vergangenheit rechtfertigen muss. Das ist unterhaltsam und erhellend und gibt in einer Zeit, in der die Unzufriedenheit vieler Menschen wächst, vielleicht eine Idee davon, wie der Osten tickt.” (Claudia Euen, Sächsische Zeitung 04.11.19)

Gundermann Revier
Fr 31.01.

Swimmingpool am Golan, tw. OmdU

Esther Zimmering
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Swimmingpool am Golan

D 2018, 88 min, Deutsch | tw. Englisch, Hebräisch mit deutschen UT

Regie: Esther Zimmering

Die Lebenswege der jüdisch-deutschen Familie Zimmering, deren Mitglieder an der Gründung zweier Staaten, der DDR und Israels, entscheidend mitgewirkt haben. Lizzi entkam 1939 knapp dem Holocaust. In England begegnete sie dem FDJ-Mitbegründer Josef Zimmering und heiratete ihn. 1945 kehrten sie zurück nach Ostdeutschland, in die Sowjetische Besatzungszone, und bauten dort die DDR zusammen auf. Im Gegensatz zu Lizzi gelang ihrer Cousine Lore die Flucht nach Palästina. Dort heiratete sie den Zionisten Max Zimels, der als Gesandter für die Jewish Agency in Berlin noch Tausende von Juden nach Palästina retten konnte. Sie waren Mitbegründer Israels und lebten im Kibbuz Kfar Szold, nahe dem Golan. Die Filmemacherin Esther Zimmering begibt sich in Berlin und Israel auf die Suche nach den großen Ideen, denen ihre Vorfahren gefolgt sind, und stößt auf unterschwellige Konflikte und Geheimnisse. Sowohl auf israelischer als auch auf ostdeutscher Seite tauchen merkwürdige und politisch brisante Lücken in den Legenden der Familie auf, für die sich Esther immer intensiver interessiert.

„SWIMMINGPOOL AM GOLAN ist Esther Zimmerings erster eigener Film als Autorin und Regisseurin. Ein Jahrzehnt lang hat sie daran gearbeitet, der Geschichte ihrer Familie väterlicherseits filmisch nachzugehen. Das Ergebnis ist ein gradliniges, unprätentiöses Stück Dokumentarfilmkino, das bei aller persönlichen Beteiligung der Regisseurin erfrischend unsentimental bleibt. Eine Art Schlüsselfrage entwickelt sich erst nach und nach: Wie konnte es sein, fragt die Autorin sich irgendwann, dass ihre Großmutter Lizzi, die 1939 nach England fliehen konnte, und deren Kusine Lore, die zur selben Zeit nach Palästina ging, sich so ganz und gar aus den Augen verloren? Obwohl doch beide einander zuvor so eng verbunden gewesen waren wie zwei Schwestern? Esther Zimmering vermutet ein profundes weltanschauliches Zerwürfnis zwischen den Frauen. Großmutter Lizzi hatte in England den Kommunisten Josef Zimmering kennengelernt und geheiratet. Dort, im britischen Exil, wurde nicht nur Esthers Vater geboren, sondern auch, unter Beteiligung der Zimmerings, die FDJ gegründet. Nach dem Krieg war es keine Frage für die Großeltern Zimmering, nach Deutschland zurückzukehren und dort den Sozialismus mit aufzubauen.

Kusine Lore dagegen hatte sich bereits in den dreißiger Jahren in einer zionistischen Jugendorganisation engagiert, bekam ein Visum für Palästina, zog in einen Kibbuz und heiratete einen zionistischen Funktionär. (…) Interessanterweise hat sich anscheinend in der Verwandtschaft die politische Disposition auf beiden Seiten weitervererbt. So wie sich bei den Berliner Zimmerings die sozialistisch bzw. links orientierte Haltung offenbar über mehrere Generationen erhalten hat, so sind die Nachkommen von Kusine Lore immer noch Zionisten.“ (Katharina Granzin, TAZ 22.11.19)

Swimmingpool am Golan, tw. OmdU
Fr 31.01.

Папа, сдохни (Why Don’t You Just Die!), OmdU

Kirill Sokolow
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Папа, сдохни (Why Don’t You Just Die!)

RUS 2019, 99 min, russische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Kirill Sokolow

Eine erbarmungslose Kammerspiel-Achterbahnfahrt voll greller Splatter-Action, blutiger In-Fights und jeder Menge schwarzem Humor. Ein Apartment, vier Personen — ein Polizist und schlimmster Vater der Welt, seine verärgerte Schauspielertochter, ein aufbrausender Jungspund und ein betrogener Kollege — jeder von ihren hat einen triftigen Grund zur Rache …

“Wendungsreiches Regiedebüt aus Russland: Tarantino trifft ‘Tom und Jerry’ trifft Jan Švankmajer” (film-rezensionen.de)

“Schön schwarzhumorig im Erzählton sprengt WHY DON’T YOU JUST DIE! genüsslich alle Grenzen des guten Geschmacks. Mit originellen Inszenierungsideen holen Regisseur Kirill Sokolov und sein Kameramann alles aus ihrem begrenzten Setting heraus und liefern eine bitterböse Farce im Geiste des Slapsticks.” (fantasyfilmfest.com)

Папа, сдохни (Why Don’t You Just Die!), OmdU
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