Di 21.09.

Grenzland (Pogranicze), OmdU

Andreas Voigt
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Grenzland

Deutschland / Polen 2020, 100 min, Englisch | Deutsch | Polnisch mit deutschen UT

Regie: Andreas Voigt

Eine Reise entlang der Oder und der Neiße, entlang der deutsch polnischen Grenze. Begegnungen auf beiden Seiten der Flüsse. Erkundungen. Geschichten vom Rand – doch aus der Mitte Europas. Arbeit, Heimat, Liebe. Menschen, ihre Geschichte und ihre Landschaft. Im Süden Niederschlesien – dort, wo Polen Deutschland und Tschechien einander treffen, in der Mitte das flache Land an der Oder, im Norden, das Stettiner Haff. Eine Reise im Grenzland.

Bewegungen und Geschichten im Grenzland zwischen Polen und Deutschland – mit seinem neuen Film knüpft Andreas Voigt thematisch an seine Arbeit Grenzland – Eine Reise von 1992 an.

„Das aufgeladene Wort ‚Heimat‘ treibt sein (Un-)wesen in den Köpfen und Herzen der Leute: was sie einmal war und was aus ihr geworden ist! Sicher, in der täglichen Agenda hat das nicht oberste Priorität. Aber wie Menschen dieses Wort besetzen und wie das wiederum ihre Haltungen strukturiert, das bestimmt auch, wie sie sich selbst den Geschmack des Lebens im Hier und Jetzt von Europa zusammenreimen.“ (Ralph Eue, DOK Leipzig 2020)

Di 21.09.

Garagenvolk (Гаражане), OmdU

Natalija Yefimkina
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Garagenvolk (Гаражане)

D 2020, 95 min, russische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Natalija Yefimkina

Im post-sowjetischen Russland gibt es ein Phänomen abseits von Eisfischen, Matrojschkas und Wodka: Die Garagensiedlung. Von außen unwirtliche Blechhütten bieten sie einer Vielzahl von Russen – vorwiegend Männern ein Refugium. Nach eigenem Gusto und abseits aller Regeln, mit Erfindungskraft und Zähigkeit entstehen auf wenigen Quadratmeter alternative Lebensräume. Schrottsammler Ilja nutzt die Garage als Produktionsstätte, Roman für seine Wachtelzucht, Pavel schnitzt kunstfertig Heiligenfiguren und Viktor hat die seine in jahrzehntelanger Arbeit um vier unterirdische Stockwerke ergänzt. Hier gibt es alles, und alles scheint möglich. Die Garagen sind Ausdruck eines Rückzugs ins Private, eine Flucht vor dem Alltag. Hinter dem Polarkreis, in einer rauen Gegend, in der ein Bergbaukonzern der einzige Arbeitgeber ist, bleibt die Garage die letzte Möglichkeit zur Selbstverwirklichung – und kommt so viel fältig daher, wie die Träume ihrer Besitzer.

„Viele der Persönlichkeiten hier werden im Gedächtnis bleiben: der wackere Viktor, der nicht mehr lange zu leben hat, die Mitglieder der Rockband, die sich trennt, weil eigentlich alle hier wegwollen, oder der Wachtelzüchter Roman, der von einer Partnerin träumt. Manchmal wirkt die ganze Szenerie wie eine Theaterkulisse mit inszenierten Tableaus. Dann sehen die Garagen von Weitem aus wie merkwürdig dekorierte Puppenstuben. Jede stellt eine eigene kleine Welt dar, eine wahr gewordene Zukunftsvision. Zusammen bilden sie lauter kleine, isolierte Waben eines großen Ganzen, jede steht für einen einzelnen Menschen. Zusammen, aber nicht gemeinsam, haben sie all das gestaltet, und zwar aus einem unstillbaren Drang zur Betätigung, um etwas zu schaffen, was zu ihnen gehört. Aus all ihren Geschichten, Gesprächen und Erlebnissen ergibt sich ein kaleidoskopartiges, sehr interessantes Bild von Russland und den Menschen, die jenseits des Polarkreises leben und nicht viel mehr als ihre Träume haben.“ (Gaby Sikorski, programmkino.de)

„Die Garagen erscheinen als Zufluchtsorte. Sie sind die Orte derjenigen, die, allen Widrigkeiten zum Trotz, bleiben wollen: die Garage als Heimat. Was für eine schnoddrig-schöne Metapher.” (Jens Balkenborg, epd-film.de)

Di 21.09.

1986, OmdU

Lothar Herzog
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1986

D 2019, 77 min, Russisch | Belarussisch mit deutschen UT

 Filmfest Hof 2019 – Beste Regie

Regie: Lothar Herzog

Elena ist Studentin in Minsk. Sie hat eine intensive, aber zunehmend zerstörerische Liebesbeziehung mit Viktor. Als ihr Vater verhaftet wird, muss sie, um seine illegalen Geschäfte weiterzuführen, immer wieder in die gesperrte Zone von Tschernobyl fahren. Sie ist fasziniert von der trügerischen Schönheit; doch bald scheint ihr Leben kontaminiert von einer zerstörerischen Kraft.

„1986 spielt in der Gegenwart, in Weißrussland, zwischen der Metropole Minsk und dem Südosten des Landes, wo an der Grenze zur Ukraine jene Zone liegt, die nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl jahrelang verstrahlt und unbewohnbar war. 1986 geschah das Unglück, als Weißrussland noch Teil der Sowjetunion war. Inzwischen ist das Land unabhängig und sucht zwischen den Einflusssphären Russlands und der EU nach seiner Rolle. So ähnlich wie Elena, eine junge Studentin, die gelangweilt in Vorlesungen sitzt, in denen die wirtschaftliche Stärke ihres Heimatlandes beschworen wird. Die Wirklichkeit – das weiß Elena trotz ihres jungen Alters längst – sieht anders aus, gerade für jemand, der wie sie aus einfachen Verhältnissen kommt. Ihr Vater ist am System gescheitert, ist wegen Steuerschulden im Gefängnis. Nun ist es an Elena, Geld aufzutreiben, viel mehr Geld, als auf legalem Weg möglich ist. So überredet sie die Partner ihres Vaters, dass sie fortan mit dem Laster des Vaters in die Zone fahren darf, um von dort Altmetall abzuholen und gewinnbringend zu verkaufen. (…)

Weniger linear als assoziativ wird Elenas Leben gezeigt, teils abrupt zwischen Minsk und der Zone, zwischen Stadt und Land hin und her gesprungen. Vielsagende Kontraste entstehen dadurch, Bilder von einem Land, das sich einerseits der globalen Moderne annähert, andererseits noch in ländlichen Strukturen verhaftet geblieben ist.“ (Michael Meyns, programmkino.de)

Mi 22.09.

1986, OmdU

Lothar Herzog
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1986

D 2019, 77 min, Russisch | Belarussisch mit deutschen UT

 Filmfest Hof 2019 – Beste Regie

Regie: Lothar Herzog

Elena ist Studentin in Minsk. Sie hat eine intensive, aber zunehmend zerstörerische Liebesbeziehung mit Viktor. Als ihr Vater verhaftet wird, muss sie, um seine illegalen Geschäfte weiterzuführen, immer wieder in die gesperrte Zone von Tschernobyl fahren. Sie ist fasziniert von der trügerischen Schönheit; doch bald scheint ihr Leben kontaminiert von einer zerstörerischen Kraft.

„1986 spielt in der Gegenwart, in Weißrussland, zwischen der Metropole Minsk und dem Südosten des Landes, wo an der Grenze zur Ukraine jene Zone liegt, die nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl jahrelang verstrahlt und unbewohnbar war. 1986 geschah das Unglück, als Weißrussland noch Teil der Sowjetunion war. Inzwischen ist das Land unabhängig und sucht zwischen den Einflusssphären Russlands und der EU nach seiner Rolle. So ähnlich wie Elena, eine junge Studentin, die gelangweilt in Vorlesungen sitzt, in denen die wirtschaftliche Stärke ihres Heimatlandes beschworen wird. Die Wirklichkeit – das weiß Elena trotz ihres jungen Alters längst – sieht anders aus, gerade für jemand, der wie sie aus einfachen Verhältnissen kommt. Ihr Vater ist am System gescheitert, ist wegen Steuerschulden im Gefängnis. Nun ist es an Elena, Geld aufzutreiben, viel mehr Geld, als auf legalem Weg möglich ist. So überredet sie die Partner ihres Vaters, dass sie fortan mit dem Laster des Vaters in die Zone fahren darf, um von dort Altmetall abzuholen und gewinnbringend zu verkaufen. (…)

Weniger linear als assoziativ wird Elenas Leben gezeigt, teils abrupt zwischen Minsk und der Zone, zwischen Stadt und Land hin und her gesprungen. Vielsagende Kontraste entstehen dadurch, Bilder von einem Land, das sich einerseits der globalen Moderne annähert, andererseits noch in ländlichen Strukturen verhaftet geblieben ist.“ (Michael Meyns, programmkino.de)

1986, OmdU
Mi 22.09.

Filmreihe HeimKindheit: LIEVALLEEN mit Gästen

Peter Wawerzinek & Steffen Sebastian
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Lievalleen

D 2019, 91 min, deutsche Originalfassung

zu Gast: Beate Runge (Protag.) und Sebastian Steffen (Regie)

Regie: Peter Wawerzinek, Steffen Sebastian           Rostock 1957. Die Eltern vom Schriftsteller Peter Wawerzinek und seiner Schwester Beate flüchten nach Westdeutschland, lassen beide Kinder allein in der Wohnung zurück. Dort erklären die Eltern ihre Kinder für tot. Peter kommt in die Obhut zweier Kinderheime, mit 11 Jahren wird er adoptiert. Seine Schwester Beate wird als nichtentwicklungsfähig eingeschätzt, in eine Psychiatrie weggesteckt. 15 Jahre vergehen, ehe Bruder und Schwester wieder zusammenkommen. Eine späte Suche nach der Mutter, der Kindheit beginnt.

„Die vielen Leser von ‚Rabenliebe‘ kennen Peter Wawerzineks dramatische Kindheit: Als er drei Jahre alt war, wurde er zusammen mit seiner ein Jahr jüngeren Schwester allein in der Rostocker Wohnung zurückgelassen, die Mutter ging in den Westen und kümmerte sich nie wieder um die beiden Kinder. Die Geschwister wurden getrennt, Peter kam in mehrere Kinderheime, wurde mehrfach adoptiert und bekam von seinen Adoptiveltern seinen Nachnamen Wawerzinek. (…)

Tatsächlich geht LIEVALLEEN über die Geschichte des Waisenkindes Peter hinaus. Im Spiel lässt er Begegnungen mit Frauen aufleben: Kirsten Hartung spielt eine Köchin, die ihn adoptieren wollte, und eine Halbschwester, die später auf ganz andere Art unter der kaltherzigen Mutter litt. Vor der Kamera trifft sich Wawerzinek mit seiner Schwester, die er erst als Jugendlicher wiedertraf, und mit seiner Heimerzieherin, die ihm zur Fast-Mutter wurde. Erika Banhardt, die Ende der 50er-Jahre noch eine junge Erzieherin gewesen sein muss, inzwischen aber verstorben ist, kommt zu Peter Wawerzinek zum Picknick in den ‚Gespensterwald‘ – es ist übrigens nicht ihr erster Filmauftritt. Sie wurde 1988 von Helke Misselwitz im denkwürdigen Vorwendefilm WINTER ADÉ porträtiert.“ (Torsten Wahl, BLZ 11.02.20)

Filmreihe HeimKindheit: LIEVALLEEN mit Gästen
Mi 22.09.

Garagenvolk (Гаражане), OmdU

Natalija Yefimkina
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Garagenvolk (Гаражане)

D 2020, 95 min, russische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Natalija Yefimkina

Im post-sowjetischen Russland gibt es ein Phänomen abseits von Eisfischen, Matrojschkas und Wodka: Die Garagensiedlung. Von außen unwirtliche Blechhütten bieten sie einer Vielzahl von Russen – vorwiegend Männern ein Refugium. Nach eigenem Gusto und abseits aller Regeln, mit Erfindungskraft und Zähigkeit entstehen auf wenigen Quadratmeter alternative Lebensräume. Schrottsammler Ilja nutzt die Garage als Produktionsstätte, Roman für seine Wachtelzucht, Pavel schnitzt kunstfertig Heiligenfiguren und Viktor hat die seine in jahrzehntelanger Arbeit um vier unterirdische Stockwerke ergänzt. Hier gibt es alles, und alles scheint möglich. Die Garagen sind Ausdruck eines Rückzugs ins Private, eine Flucht vor dem Alltag. Hinter dem Polarkreis, in einer rauen Gegend, in der ein Bergbaukonzern der einzige Arbeitgeber ist, bleibt die Garage die letzte Möglichkeit zur Selbstverwirklichung – und kommt so viel fältig daher, wie die Träume ihrer Besitzer.

„Viele der Persönlichkeiten hier werden im Gedächtnis bleiben: der wackere Viktor, der nicht mehr lange zu leben hat, die Mitglieder der Rockband, die sich trennt, weil eigentlich alle hier wegwollen, oder der Wachtelzüchter Roman, der von einer Partnerin träumt. Manchmal wirkt die ganze Szenerie wie eine Theaterkulisse mit inszenierten Tableaus. Dann sehen die Garagen von Weitem aus wie merkwürdig dekorierte Puppenstuben. Jede stellt eine eigene kleine Welt dar, eine wahr gewordene Zukunftsvision. Zusammen bilden sie lauter kleine, isolierte Waben eines großen Ganzen, jede steht für einen einzelnen Menschen. Zusammen, aber nicht gemeinsam, haben sie all das gestaltet, und zwar aus einem unstillbaren Drang zur Betätigung, um etwas zu schaffen, was zu ihnen gehört. Aus all ihren Geschichten, Gesprächen und Erlebnissen ergibt sich ein kaleidoskopartiges, sehr interessantes Bild von Russland und den Menschen, die jenseits des Polarkreises leben und nicht viel mehr als ihre Träume haben.“ (Gaby Sikorski, programmkino.de)

„Die Garagen erscheinen als Zufluchtsorte. Sie sind die Orte derjenigen, die, allen Widrigkeiten zum Trotz, bleiben wollen: die Garage als Heimat. Was für eine schnoddrig-schöne Metapher.” (Jens Balkenborg, epd-film.de)

Do 23.09.

ZOiS Forum: BALABANOWS BANDITEN zur Aktualität des russischen Kultfilms БРАТ / BROTHER Film + Gespräch

Aleksej Balabanow
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БРАТ (BROTHER / DER BRUDER)

RUS 1997, 100 min, OmeU

am Do, 23.09. um 18 Uhr, anschließend Publikumsgespräch mit Michael Rochlitz (Universität Bremen) und Julia Langbein (ZOiS)

in Kooperation mit dem Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien (ZOiS)

Regie: Aleksej Balabanow

Aleksej Balabanows Film BRAT / DER BRUDER aus dem Jahr 1997 gilt bis heute in Russland als Kultfilm. Der von der russischen Schauspiellegende Sergej Bodrow Jr. gespielte BRAT sucht in einer skrupellosen Gesellschaft im St. Petersburg der 1990er Jahre seine Bestimmung. Der Film wirft nicht nur Fragen über die nationale Identitätsbildung in Russland auf, sondern auch über die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Folgen des Machtvakuums, das die ersten postsowjetischen Jahre prägte.

Im Anschluss an die Filmvorführung wollen Michael Rochlitz (Prof. für Volkswirtschaftslehre, insb. Institutionellen Wandel, an der Uni Bremen) und Julia Langbein (Leiterin des Forschungsschwerpunkts „Politische Ökonomie und Integration“ am ZOiS) gemeinsam mit dem Publikum darüber diskutieren, welches Bild der „wilden 1990er“ der Film vermittelt und wie sich das in BRAT thematisierte Machtvakuum dieser Zeit bis heute auf Rechtsstaatlichkeit in Russland auswirkt.

ZOiS Forum: BALABANOWS BANDITEN zur Aktualität des russischen Kultfilms БРАТ / BROTHER Film + Gespräch
Do 23.09.

Garagenvolk (Гаражане), OmdU

Natalija Yefimkina
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Garagenvolk (Гаражане)

D 2020, 95 min, russische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Natalija Yefimkina

Im post-sowjetischen Russland gibt es ein Phänomen abseits von Eisfischen, Matrojschkas und Wodka: Die Garagensiedlung. Von außen unwirtliche Blechhütten bieten sie einer Vielzahl von Russen – vorwiegend Männern ein Refugium. Nach eigenem Gusto und abseits aller Regeln, mit Erfindungskraft und Zähigkeit entstehen auf wenigen Quadratmeter alternative Lebensräume. Schrottsammler Ilja nutzt die Garage als Produktionsstätte, Roman für seine Wachtelzucht, Pavel schnitzt kunstfertig Heiligenfiguren und Viktor hat die seine in jahrzehntelanger Arbeit um vier unterirdische Stockwerke ergänzt. Hier gibt es alles, und alles scheint möglich. Die Garagen sind Ausdruck eines Rückzugs ins Private, eine Flucht vor dem Alltag. Hinter dem Polarkreis, in einer rauen Gegend, in der ein Bergbaukonzern der einzige Arbeitgeber ist, bleibt die Garage die letzte Möglichkeit zur Selbstverwirklichung – und kommt so viel fältig daher, wie die Träume ihrer Besitzer.

„Viele der Persönlichkeiten hier werden im Gedächtnis bleiben: der wackere Viktor, der nicht mehr lange zu leben hat, die Mitglieder der Rockband, die sich trennt, weil eigentlich alle hier wegwollen, oder der Wachtelzüchter Roman, der von einer Partnerin träumt. Manchmal wirkt die ganze Szenerie wie eine Theaterkulisse mit inszenierten Tableaus. Dann sehen die Garagen von Weitem aus wie merkwürdig dekorierte Puppenstuben. Jede stellt eine eigene kleine Welt dar, eine wahr gewordene Zukunftsvision. Zusammen bilden sie lauter kleine, isolierte Waben eines großen Ganzen, jede steht für einen einzelnen Menschen. Zusammen, aber nicht gemeinsam, haben sie all das gestaltet, und zwar aus einem unstillbaren Drang zur Betätigung, um etwas zu schaffen, was zu ihnen gehört. Aus all ihren Geschichten, Gesprächen und Erlebnissen ergibt sich ein kaleidoskopartiges, sehr interessantes Bild von Russland und den Menschen, die jenseits des Polarkreises leben und nicht viel mehr als ihre Träume haben.“ (Gaby Sikorski, programmkino.de)

„Die Garagen erscheinen als Zufluchtsorte. Sie sind die Orte derjenigen, die, allen Widrigkeiten zum Trotz, bleiben wollen: die Garage als Heimat. Was für eine schnoddrig-schöne Metapher.” (Jens Balkenborg, epd-film.de)

Fr 24.09.

Gunda

Wiktor Kossakowski
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Gunda

Norwegen / USA 2020, 93 min, ohne Dialog

Regie: Wiktor Kossakowski

In glänzend schwarz-weißen Kamerafahrten erkundet GUNDA das Leben seiner Hauptfiguren, immer aus ihrer Augenhöhe und in respektvoller Distanz, die zugleich intime Nähe zu den Tieren schafft: Wann bietet sich schon die Zeit und Gelegenheit, einer Gruppe Ferkel und ihrer Mutter in Ruhe dabei zuschauen zu können, wie sie durch das Unterholz streifen? Wie oft kommt es vor, dass man einem Schwein tief in die Augen blicken kann, jede Borste auf seiner Stirn wahrnimmt, gemeinsam einen kurzen Augenblick bei ihm voller Wärme verweilt? GUNDA ist kein Film nur für Stadtkinder, um „den Bauernhof“ und seine Bewohner zu vermitteln, ebenso wie er kein aktivistischer Film über Vegetarismus ist, der den Weg zur gegenseitigen Achtung über schockierende Szenen von Schlachtungen und Folter wählt. Stattdessen lässt GUNDA sich auf die Tiere als seine Gegenüber ein, als Lebewesen mit eigenem Wahrnehmen und Fühlen, eigenen Gedanken und Träumen, die wir für einen kurzen Moment vielleicht teilen können. (Lars Dolkemeyer, kino-zeit.de)

Fr 24.09.

1986, OmdU

Lothar Herzog
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1986

D 2019, 77 min, Russisch | Belarussisch mit deutschen UT

 Filmfest Hof 2019 – Beste Regie

Regie: Lothar Herzog

Elena ist Studentin in Minsk. Sie hat eine intensive, aber zunehmend zerstörerische Liebesbeziehung mit Viktor. Als ihr Vater verhaftet wird, muss sie, um seine illegalen Geschäfte weiterzuführen, immer wieder in die gesperrte Zone von Tschernobyl fahren. Sie ist fasziniert von der trügerischen Schönheit; doch bald scheint ihr Leben kontaminiert von einer zerstörerischen Kraft.

„1986 spielt in der Gegenwart, in Weißrussland, zwischen der Metropole Minsk und dem Südosten des Landes, wo an der Grenze zur Ukraine jene Zone liegt, die nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl jahrelang verstrahlt und unbewohnbar war. 1986 geschah das Unglück, als Weißrussland noch Teil der Sowjetunion war. Inzwischen ist das Land unabhängig und sucht zwischen den Einflusssphären Russlands und der EU nach seiner Rolle. So ähnlich wie Elena, eine junge Studentin, die gelangweilt in Vorlesungen sitzt, in denen die wirtschaftliche Stärke ihres Heimatlandes beschworen wird. Die Wirklichkeit – das weiß Elena trotz ihres jungen Alters längst – sieht anders aus, gerade für jemand, der wie sie aus einfachen Verhältnissen kommt. Ihr Vater ist am System gescheitert, ist wegen Steuerschulden im Gefängnis. Nun ist es an Elena, Geld aufzutreiben, viel mehr Geld, als auf legalem Weg möglich ist. So überredet sie die Partner ihres Vaters, dass sie fortan mit dem Laster des Vaters in die Zone fahren darf, um von dort Altmetall abzuholen und gewinnbringend zu verkaufen. (…)

Weniger linear als assoziativ wird Elenas Leben gezeigt, teils abrupt zwischen Minsk und der Zone, zwischen Stadt und Land hin und her gesprungen. Vielsagende Kontraste entstehen dadurch, Bilder von einem Land, das sich einerseits der globalen Moderne annähert, andererseits noch in ländlichen Strukturen verhaftet geblieben ist.“ (Michael Meyns, programmkino.de)

Fr 24.09.

Garagenvolk (Гаражане), OmdU

Natalija Yefimkina
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Garagenvolk (Гаражане)

D 2020, 95 min, russische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Natalija Yefimkina

Im post-sowjetischen Russland gibt es ein Phänomen abseits von Eisfischen, Matrojschkas und Wodka: Die Garagensiedlung. Von außen unwirtliche Blechhütten bieten sie einer Vielzahl von Russen – vorwiegend Männern ein Refugium. Nach eigenem Gusto und abseits aller Regeln, mit Erfindungskraft und Zähigkeit entstehen auf wenigen Quadratmeter alternative Lebensräume. Schrottsammler Ilja nutzt die Garage als Produktionsstätte, Roman für seine Wachtelzucht, Pavel schnitzt kunstfertig Heiligenfiguren und Viktor hat die seine in jahrzehntelanger Arbeit um vier unterirdische Stockwerke ergänzt. Hier gibt es alles, und alles scheint möglich. Die Garagen sind Ausdruck eines Rückzugs ins Private, eine Flucht vor dem Alltag. Hinter dem Polarkreis, in einer rauen Gegend, in der ein Bergbaukonzern der einzige Arbeitgeber ist, bleibt die Garage die letzte Möglichkeit zur Selbstverwirklichung – und kommt so viel fältig daher, wie die Träume ihrer Besitzer.

„Viele der Persönlichkeiten hier werden im Gedächtnis bleiben: der wackere Viktor, der nicht mehr lange zu leben hat, die Mitglieder der Rockband, die sich trennt, weil eigentlich alle hier wegwollen, oder der Wachtelzüchter Roman, der von einer Partnerin träumt. Manchmal wirkt die ganze Szenerie wie eine Theaterkulisse mit inszenierten Tableaus. Dann sehen die Garagen von Weitem aus wie merkwürdig dekorierte Puppenstuben. Jede stellt eine eigene kleine Welt dar, eine wahr gewordene Zukunftsvision. Zusammen bilden sie lauter kleine, isolierte Waben eines großen Ganzen, jede steht für einen einzelnen Menschen. Zusammen, aber nicht gemeinsam, haben sie all das gestaltet, und zwar aus einem unstillbaren Drang zur Betätigung, um etwas zu schaffen, was zu ihnen gehört. Aus all ihren Geschichten, Gesprächen und Erlebnissen ergibt sich ein kaleidoskopartiges, sehr interessantes Bild von Russland und den Menschen, die jenseits des Polarkreises leben und nicht viel mehr als ihre Träume haben.“ (Gaby Sikorski, programmkino.de)

„Die Garagen erscheinen als Zufluchtsorte. Sie sind die Orte derjenigen, die, allen Widrigkeiten zum Trotz, bleiben wollen: die Garage als Heimat. Was für eine schnoddrig-schöne Metapher.” (Jens Balkenborg, epd-film.de)

Garagenvolk (Гаражане), OmdU
Fr 24.09.

Der Masseur (Śniegu Już Nigdy Nie Będzie), OmdU

Małgorzata Szumowska & Michał Englert
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Der Masseur (Śniegu Już Nigdy Nie Będzie)

Polen / Deutschland 2020, 113 min, polnische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Małgorzata Szumowska, Michał Englert

Aus dem Nebel scheint er zu kommen, geht mit bestimmten Schritten durch den Wald, überquert Brücken und schließlich die Grenze zwischen der Ukraine und Polen. Dabei trägt Zhenia sein Arbeitsutensil mit sich herum: Eine Massageliege. Einige Zeit später betritt er eine von Mauern und Wachpersonal beschützte Siedlung in einem Vorort Warschaus, in der die neureichen Polens in einförmigen Einfamilienhäusern leben und ihren Wohlstand genießen sollten. Doch genauso wenig wie dies den Bewohnern von Vorstädten in Amerika, Frankreich oder anderen Ländern der westlichen Welt gelingen mag (zumindest im Kino nicht), gelingt es den polnischen Familien. Redlich bemühen sie sich, alle Ingredienzien des westlichen Lebensstils zu präsentieren, von überdimensionalen Fernsehern, über glitzernde Küchen, bis zu ausladenden Couchgarnituren, doch glücklich wirken sie in dieser Umgebung nicht. Zumindest für kurze Zeit soll eine Massage von Zhenia Abhilfe schaffen, doch bald werden die Wünsche von Klientin wie der gelangweilten Hausfrau Maria, der Witwe Ewa, die sich mit Drogen beruhigen will oder einem krebskranken Mann und seiner Frau expliziter. Unverhohlen machen sie den gut gebauten, aber schweigsamen Zhenia an, dessen Hände fast spirituelle Fähigkeiten zu haben scheinen. Unter der Massage geraten seine Patienten in Hypnose, traumartige Sequenzen lassen ihre Phantasien mit Zhenias Erinnerungen an seine Kindheit in Tschernobyl verschwimmen. (…) Die Sehnsucht nach Sinn, nach Spiritualität, scheint sich dabei durch den mysteriösen Zhenia zu erfüllen, doch der hat in den Augen weiter Teile der polnischen Gesellschaft schwerwiegende Makel: Er ist Fremder und möglicherweise auch noch homosexuell.

Einmal mehr erweist sich Małgorzata Szumowska auch in NEVER GONNA SNOW AGAIN als scharfe Beobachterin der Entwicklungen ihrer Heimat, die sie diesmal nicht mehr so speziell zeigt wie etwa noch in IM NAMEN DES… oder DIE MASKE, sondern in universellere Gefilde überhöht, die andeuten, dass sich Polen im Guten wie im Schlechten zunehmend zu einem westlichen Land entwickelt. (Michael Meyns, programmkino.de)

Sa 25.09.

Gunda

Wiktor Kossakowski
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Gunda

Norwegen / USA 2020, 93 min, ohne Dialog

Regie: Wiktor Kossakowski

In glänzend schwarz-weißen Kamerafahrten erkundet GUNDA das Leben seiner Hauptfiguren, immer aus ihrer Augenhöhe und in respektvoller Distanz, die zugleich intime Nähe zu den Tieren schafft: Wann bietet sich schon die Zeit und Gelegenheit, einer Gruppe Ferkel und ihrer Mutter in Ruhe dabei zuschauen zu können, wie sie durch das Unterholz streifen? Wie oft kommt es vor, dass man einem Schwein tief in die Augen blicken kann, jede Borste auf seiner Stirn wahrnimmt, gemeinsam einen kurzen Augenblick bei ihm voller Wärme verweilt? GUNDA ist kein Film nur für Stadtkinder, um „den Bauernhof“ und seine Bewohner zu vermitteln, ebenso wie er kein aktivistischer Film über Vegetarismus ist, der den Weg zur gegenseitigen Achtung über schockierende Szenen von Schlachtungen und Folter wählt. Stattdessen lässt GUNDA sich auf die Tiere als seine Gegenüber ein, als Lebewesen mit eigenem Wahrnehmen und Fühlen, eigenen Gedanken und Träumen, die wir für einen kurzen Moment vielleicht teilen können. (Lars Dolkemeyer, kino-zeit.de)

Sa 25.09.

1986, OmdU

Lothar Herzog
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1986

D 2019, 77 min, Russisch | Belarussisch mit deutschen UT

 Filmfest Hof 2019 – Beste Regie

Regie: Lothar Herzog

Elena ist Studentin in Minsk. Sie hat eine intensive, aber zunehmend zerstörerische Liebesbeziehung mit Viktor. Als ihr Vater verhaftet wird, muss sie, um seine illegalen Geschäfte weiterzuführen, immer wieder in die gesperrte Zone von Tschernobyl fahren. Sie ist fasziniert von der trügerischen Schönheit; doch bald scheint ihr Leben kontaminiert von einer zerstörerischen Kraft.

„1986 spielt in der Gegenwart, in Weißrussland, zwischen der Metropole Minsk und dem Südosten des Landes, wo an der Grenze zur Ukraine jene Zone liegt, die nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl jahrelang verstrahlt und unbewohnbar war. 1986 geschah das Unglück, als Weißrussland noch Teil der Sowjetunion war. Inzwischen ist das Land unabhängig und sucht zwischen den Einflusssphären Russlands und der EU nach seiner Rolle. So ähnlich wie Elena, eine junge Studentin, die gelangweilt in Vorlesungen sitzt, in denen die wirtschaftliche Stärke ihres Heimatlandes beschworen wird. Die Wirklichkeit – das weiß Elena trotz ihres jungen Alters längst – sieht anders aus, gerade für jemand, der wie sie aus einfachen Verhältnissen kommt. Ihr Vater ist am System gescheitert, ist wegen Steuerschulden im Gefängnis. Nun ist es an Elena, Geld aufzutreiben, viel mehr Geld, als auf legalem Weg möglich ist. So überredet sie die Partner ihres Vaters, dass sie fortan mit dem Laster des Vaters in die Zone fahren darf, um von dort Altmetall abzuholen und gewinnbringend zu verkaufen. (…)

Weniger linear als assoziativ wird Elenas Leben gezeigt, teils abrupt zwischen Minsk und der Zone, zwischen Stadt und Land hin und her gesprungen. Vielsagende Kontraste entstehen dadurch, Bilder von einem Land, das sich einerseits der globalen Moderne annähert, andererseits noch in ländlichen Strukturen verhaftet geblieben ist.“ (Michael Meyns, programmkino.de)

1986, OmdU
Sa 25.09.

Garagenvolk (Гаражане), OmdU

Natalija Yefimkina
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Garagenvolk (Гаражане)

D 2020, 95 min, russische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Natalija Yefimkina

Im post-sowjetischen Russland gibt es ein Phänomen abseits von Eisfischen, Matrojschkas und Wodka: Die Garagensiedlung. Von außen unwirtliche Blechhütten bieten sie einer Vielzahl von Russen – vorwiegend Männern ein Refugium. Nach eigenem Gusto und abseits aller Regeln, mit Erfindungskraft und Zähigkeit entstehen auf wenigen Quadratmeter alternative Lebensräume. Schrottsammler Ilja nutzt die Garage als Produktionsstätte, Roman für seine Wachtelzucht, Pavel schnitzt kunstfertig Heiligenfiguren und Viktor hat die seine in jahrzehntelanger Arbeit um vier unterirdische Stockwerke ergänzt. Hier gibt es alles, und alles scheint möglich. Die Garagen sind Ausdruck eines Rückzugs ins Private, eine Flucht vor dem Alltag. Hinter dem Polarkreis, in einer rauen Gegend, in der ein Bergbaukonzern der einzige Arbeitgeber ist, bleibt die Garage die letzte Möglichkeit zur Selbstverwirklichung – und kommt so viel fältig daher, wie die Träume ihrer Besitzer.

„Viele der Persönlichkeiten hier werden im Gedächtnis bleiben: der wackere Viktor, der nicht mehr lange zu leben hat, die Mitglieder der Rockband, die sich trennt, weil eigentlich alle hier wegwollen, oder der Wachtelzüchter Roman, der von einer Partnerin träumt. Manchmal wirkt die ganze Szenerie wie eine Theaterkulisse mit inszenierten Tableaus. Dann sehen die Garagen von Weitem aus wie merkwürdig dekorierte Puppenstuben. Jede stellt eine eigene kleine Welt dar, eine wahr gewordene Zukunftsvision. Zusammen bilden sie lauter kleine, isolierte Waben eines großen Ganzen, jede steht für einen einzelnen Menschen. Zusammen, aber nicht gemeinsam, haben sie all das gestaltet, und zwar aus einem unstillbaren Drang zur Betätigung, um etwas zu schaffen, was zu ihnen gehört. Aus all ihren Geschichten, Gesprächen und Erlebnissen ergibt sich ein kaleidoskopartiges, sehr interessantes Bild von Russland und den Menschen, die jenseits des Polarkreises leben und nicht viel mehr als ihre Träume haben.“ (Gaby Sikorski, programmkino.de)

„Die Garagen erscheinen als Zufluchtsorte. Sie sind die Orte derjenigen, die, allen Widrigkeiten zum Trotz, bleiben wollen: die Garage als Heimat. Was für eine schnoddrig-schöne Metapher.” (Jens Balkenborg, epd-film.de)

Sa 25.09.

Der Masseur (Śniegu Już Nigdy Nie Będzie), OmdU

Małgorzata Szumowska & Michał Englert
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Der Masseur (Śniegu Już Nigdy Nie Będzie)

Polen / Deutschland 2020, 113 min, polnische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Małgorzata Szumowska, Michał Englert

Aus dem Nebel scheint er zu kommen, geht mit bestimmten Schritten durch den Wald, überquert Brücken und schließlich die Grenze zwischen der Ukraine und Polen. Dabei trägt Zhenia sein Arbeitsutensil mit sich herum: Eine Massageliege. Einige Zeit später betritt er eine von Mauern und Wachpersonal beschützte Siedlung in einem Vorort Warschaus, in der die neureichen Polens in einförmigen Einfamilienhäusern leben und ihren Wohlstand genießen sollten. Doch genauso wenig wie dies den Bewohnern von Vorstädten in Amerika, Frankreich oder anderen Ländern der westlichen Welt gelingen mag (zumindest im Kino nicht), gelingt es den polnischen Familien. Redlich bemühen sie sich, alle Ingredienzien des westlichen Lebensstils zu präsentieren, von überdimensionalen Fernsehern, über glitzernde Küchen, bis zu ausladenden Couchgarnituren, doch glücklich wirken sie in dieser Umgebung nicht. Zumindest für kurze Zeit soll eine Massage von Zhenia Abhilfe schaffen, doch bald werden die Wünsche von Klientin wie der gelangweilten Hausfrau Maria, der Witwe Ewa, die sich mit Drogen beruhigen will oder einem krebskranken Mann und seiner Frau expliziter. Unverhohlen machen sie den gut gebauten, aber schweigsamen Zhenia an, dessen Hände fast spirituelle Fähigkeiten zu haben scheinen. Unter der Massage geraten seine Patienten in Hypnose, traumartige Sequenzen lassen ihre Phantasien mit Zhenias Erinnerungen an seine Kindheit in Tschernobyl verschwimmen. (…) Die Sehnsucht nach Sinn, nach Spiritualität, scheint sich dabei durch den mysteriösen Zhenia zu erfüllen, doch der hat in den Augen weiter Teile der polnischen Gesellschaft schwerwiegende Makel: Er ist Fremder und möglicherweise auch noch homosexuell.

Einmal mehr erweist sich Małgorzata Szumowska auch in NEVER GONNA SNOW AGAIN als scharfe Beobachterin der Entwicklungen ihrer Heimat, die sie diesmal nicht mehr so speziell zeigt wie etwa noch in IM NAMEN DES… oder DIE MASKE, sondern in universellere Gefilde überhöht, die andeuten, dass sich Polen im Guten wie im Schlechten zunehmend zu einem westlichen Land entwickelt. (Michael Meyns, programmkino.de)

Der Masseur (Śniegu Już Nigdy Nie Będzie), OmdU
So 26.09.

Über Deutschland

Bernhard Sallmann
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Über Deutschland

Essayistischer Dokumentarfilm nach dem Text „Über Deutschland – О Германии“ von Marina Zwetajewa

Deutschland 2021, 80 min, deutsche Originalfassung

(nach Bedarf mit russischen UT!!!)

am 31.08. Deutschland-Premiere in Anwesenheit des Regisseurs

Regie: Bernhard Sallmann

Die 17jährige Russin Marina Zwetajewa verbringt den Sommer 1910 im Sanatoriumsort Loschwitz bei Dresden. Im Russland des Kriegskommunismus erinnert sie 1919 diese Zeit und überblendet sie in ihrem Text „Über Deutschland“ mit einem Lobpreis der deutschen Kultur. Sie ist auf dem Sprung, eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts zu werden. Der Film denkt mit Zwetajewas Text als Hauptstimme Varianten von und über Deutschland.

„Der Film ist im März 2020 gedreht. Er blickt mit seiner Hauptfigur in eine vom Winter ausgelaugte Vorfrühlingslandschaft mit wenig Kontur und Farbe. Am 11. März 2020 stuft die WHO die Verbreitung des neuartigen Coronavirus als Pandemie ein, das öffentliche Leben wird weitgehend stillgelegt. Von unten aufsteigend, mischt sich ungewöhnlich leises Verkehrsrauschen auf der Tonspur mit ersten Vogelstimmen, die ihr Revier für den Sommer markieren. Auch das erzeugt eine eigenartige Resonanz mit dem Text. Sein Fluchtpunkt ist ein Luftkurort, gleichzeitig werden ‚Miasmen‘ erwähnt, krankheitsverursachende Materie. Die schwärmerisch fliegende Seele ist an die Festungen der Bürger gebunden. Der Film findet im heutigen Dresden die Artefakte deutscher Schwärmereien vor, Dresdner Barock und Romantik, in Skulpturen gehauene und gegossene Mischwesen (der „Kentaur Chiron“, die „Stürmischen Wogen“), in Heine Ausgaben Illustrationen von Dichtern und Wanderern, die zu Undine, Poseidon, zum Meer und zum Fluss sprechen. Vermitteltes, gefiltertes Schwarm-Material, das Zwetajewa zur Verfügung stand, heute blickt die Sprecherin auf ein Freiluftmuseum und auf die Home Offices, die sich in Dr. Lahmanns ehemaligem physiatrischen Sanatorium befinden mögen. Reizvoller Stillstand, von oben betrachtet.“ (Jan Künemund, 13.03.2021)

 

So 26.09.

Filmreihe HeimKindheit: SABINE KLEIST, SIEBEN JAHRE…

Helmut Dziuba
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75 Jahre DEFA

Sabine Kleist, 7 Jahre…

DDR 1982, 35mm, 73 min

Regie: Helmut Dziuba

Seit dem Unfalltod ihrer Eltern lebt Sabine im Heim. Als die Erzieherin Edith, die ihr zur zweiten Mutter geworden ist, wegen der Geburt ihres eigenen Kindes ihre Arbeit aufgibt, läuft Sabine aus dem Heim weg. Zwei Tage und zwei Nächte ist sie in Berlin unterwegs, sucht Kontakte zu anderen Menschen. Sie gerät in einen Zirkus, an einen pensionierten Arbeiterveteranen, auf eine Dampferfahrt und in eine Kirche. Sie sucht Anschluß, hilft auch anderen – zum Beispiel einem kleinen polnischen Jungen, der seine Eltern aus den Augen verloren hat. Und sie begreift, daß die Beziehungen, die sie knüpft nicht von Dauer sein können. Sie geht zurück ins Heim, das sie als ihr Zuhause erkennt. (Das zweite Leben der Filmstadt Babelsberg. DEFA-Spielfilme 1946-1992)

„Der Film zeigt seine Hauptfigur als eine Rebellin, die um Liebe und einen Platz in der Gesellschaft kämpft. In einer Reihe von Episoden nimmt sie Kontakt mit anderen auf: Kindern auf einem Dampfer, russischen Soldaten am Alexanderplatz, Blasmusikern auf einem Begräbnis, FDJ-Pionieren oder Familien beim Baden. Die oft witzigen Episoden kippen ins Nachdenkliche, wenn das Waisenkind Sabine auf seine eigene Einsamkeit zurückverwiesen wird. Die Perspektive des Kindes, von der Kameraführung und der zerrissenen Musik Christian Steyers getragen, vermittelt ein Kaleidoskop des Alltags im Ostberlin der 1980er Jahre.“ (dhm.de)

Filmreihe HeimKindheit: SABINE KLEIST, SIEBEN JAHRE…
So 26.09.

Filmreihe HeimKindheit: HEIM DEFA-Kurzfilmprogramm

Petra Tschörtner u.a.
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75 Jahre DEFA

HEIM – DEFA KURZFILMPROGRAMM

DDR 1977/1990, ca. 76 min

Muss man Liebe lernen? Dass es vor allem um das Zulassen und Zeigen derselben geht, demonstrieren die drei ganz unterschiedlichen Kurzfilme des DEFA Programms.

IHRE KINDER, DDR 1977, 26 min, R: Armin Georgi  Porträt der Heimleiterin und Erzieherin Annemarie Morawe im Kinderheim in Bernburg/Saale.

MUSS MAN LIEBE LERNEN?, DDR 1977, 35mm, 24 min, R: Vasco Filipov

Monika aus dem Kinderheim Jenny Marx hat von ihren Eltern keine Liebe erfahren. Nun ist sie selbst fast erwachsen und will den Verlust mit der überstürzten Gründung einer eigenen Familie ausgleichen. Ihr Erzieherin bremst, doch die junge Frau ist bereits schwanger.

HEIM, DDR 1978/1990, 26 min, R: Angelika Andrees, Petra Tschörtner

Jugendliche aus einem Kinderheim in Mecklenburg berichten von prekären Familienverhältnissen und häuslicher Gewalt. Viele sind Kinder von alkoholkranken Eltern, und manche von ihnen sind selbst gefährdet. Offen sprechen sie über das, was hinter ihnen liegt, und über ihre Hoffnung auf ein schöneres Leben. Mit einer Party zum Beginn der Sommerferien endet nicht nur das Schuljahr – ein ganzer Jahrgang nimmt Abschied vom Heim. Der Film konnte erst 1990 nach der Wende uraufgeführt werden. (Berlinale 2019)

Filmreihe HeimKindheit: HEIM DEFA-Kurzfilmprogramm
So 26.09.

Filmreihe HeimKindheit: WINTER ADÉ

Helke Misselwitz
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75 Jahre DEFA

Winter Adé

DDR 1988, 35mm, 115 min

Regie: Helke Misselwitz

Eine Bahnreise quer durch die DDR, im letzten Jahr ihres Bestehens: Auf ihrer Fahrt von der Industrie- und Bergarbeiterstadt Zwickau in Sachsen, aus deren Nähe Helke Misselwitz stammt, in den Norden, bis an die Ostsee, trifft die Regisseurin Frauen verschiedenen Alters und unterschiedlicher sozialer Prägung. Eine von ihnen ist Banni, die ehemalige Erzieherin von Peter Wawerzinek, dem Autor des Buchs „Rabenliebe“ und des Films LIEVALLEEN.

Filmreihe HeimKindheit: WINTER ADÉ
Mo 27.09.

1986, OmdU

Lothar Herzog
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1986

D 2019, 77 min, Russisch | Belarussisch mit deutschen UT

 Filmfest Hof 2019 – Beste Regie

Regie: Lothar Herzog

Elena ist Studentin in Minsk. Sie hat eine intensive, aber zunehmend zerstörerische Liebesbeziehung mit Viktor. Als ihr Vater verhaftet wird, muss sie, um seine illegalen Geschäfte weiterzuführen, immer wieder in die gesperrte Zone von Tschernobyl fahren. Sie ist fasziniert von der trügerischen Schönheit; doch bald scheint ihr Leben kontaminiert von einer zerstörerischen Kraft.

„1986 spielt in der Gegenwart, in Weißrussland, zwischen der Metropole Minsk und dem Südosten des Landes, wo an der Grenze zur Ukraine jene Zone liegt, die nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl jahrelang verstrahlt und unbewohnbar war. 1986 geschah das Unglück, als Weißrussland noch Teil der Sowjetunion war. Inzwischen ist das Land unabhängig und sucht zwischen den Einflusssphären Russlands und der EU nach seiner Rolle. So ähnlich wie Elena, eine junge Studentin, die gelangweilt in Vorlesungen sitzt, in denen die wirtschaftliche Stärke ihres Heimatlandes beschworen wird. Die Wirklichkeit – das weiß Elena trotz ihres jungen Alters längst – sieht anders aus, gerade für jemand, der wie sie aus einfachen Verhältnissen kommt. Ihr Vater ist am System gescheitert, ist wegen Steuerschulden im Gefängnis. Nun ist es an Elena, Geld aufzutreiben, viel mehr Geld, als auf legalem Weg möglich ist. So überredet sie die Partner ihres Vaters, dass sie fortan mit dem Laster des Vaters in die Zone fahren darf, um von dort Altmetall abzuholen und gewinnbringend zu verkaufen. (…)

Weniger linear als assoziativ wird Elenas Leben gezeigt, teils abrupt zwischen Minsk und der Zone, zwischen Stadt und Land hin und her gesprungen. Vielsagende Kontraste entstehen dadurch, Bilder von einem Land, das sich einerseits der globalen Moderne annähert, andererseits noch in ländlichen Strukturen verhaftet geblieben ist.“ (Michael Meyns, programmkino.de)

1986, OmdU
Mo 27.09.

Garagenvolk (Гаражане), OmdU

Natalija Yefimkina
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Garagenvolk (Гаражане)

D 2020, 95 min, russische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Natalija Yefimkina

Im post-sowjetischen Russland gibt es ein Phänomen abseits von Eisfischen, Matrojschkas und Wodka: Die Garagensiedlung. Von außen unwirtliche Blechhütten bieten sie einer Vielzahl von Russen – vorwiegend Männern ein Refugium. Nach eigenem Gusto und abseits aller Regeln, mit Erfindungskraft und Zähigkeit entstehen auf wenigen Quadratmeter alternative Lebensräume. Schrottsammler Ilja nutzt die Garage als Produktionsstätte, Roman für seine Wachtelzucht, Pavel schnitzt kunstfertig Heiligenfiguren und Viktor hat die seine in jahrzehntelanger Arbeit um vier unterirdische Stockwerke ergänzt. Hier gibt es alles, und alles scheint möglich. Die Garagen sind Ausdruck eines Rückzugs ins Private, eine Flucht vor dem Alltag. Hinter dem Polarkreis, in einer rauen Gegend, in der ein Bergbaukonzern der einzige Arbeitgeber ist, bleibt die Garage die letzte Möglichkeit zur Selbstverwirklichung – und kommt so viel fältig daher, wie die Träume ihrer Besitzer.

„Viele der Persönlichkeiten hier werden im Gedächtnis bleiben: der wackere Viktor, der nicht mehr lange zu leben hat, die Mitglieder der Rockband, die sich trennt, weil eigentlich alle hier wegwollen, oder der Wachtelzüchter Roman, der von einer Partnerin träumt. Manchmal wirkt die ganze Szenerie wie eine Theaterkulisse mit inszenierten Tableaus. Dann sehen die Garagen von Weitem aus wie merkwürdig dekorierte Puppenstuben. Jede stellt eine eigene kleine Welt dar, eine wahr gewordene Zukunftsvision. Zusammen bilden sie lauter kleine, isolierte Waben eines großen Ganzen, jede steht für einen einzelnen Menschen. Zusammen, aber nicht gemeinsam, haben sie all das gestaltet, und zwar aus einem unstillbaren Drang zur Betätigung, um etwas zu schaffen, was zu ihnen gehört. Aus all ihren Geschichten, Gesprächen und Erlebnissen ergibt sich ein kaleidoskopartiges, sehr interessantes Bild von Russland und den Menschen, die jenseits des Polarkreises leben und nicht viel mehr als ihre Träume haben.“ (Gaby Sikorski, programmkino.de)

„Die Garagen erscheinen als Zufluchtsorte. Sie sind die Orte derjenigen, die, allen Widrigkeiten zum Trotz, bleiben wollen: die Garage als Heimat. Was für eine schnoddrig-schöne Metapher.” (Jens Balkenborg, epd-film.de)

Garagenvolk (Гаражане), OmdU
Mo 27.09.

Bad Luck Banging or Loony Porn (Babardeală cu bucluc sau porno balamuc), OmdU

Radu Jude
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Bad Luck Banging or Loony Porn (Babardeală cu bucluc sau porno balamuc)                                              Goldener Bär 2021

Rumänien/ L/ CZ/ KH 2021, 106 min, rumänische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Radu Jude

Lustvoll, zügellos, explizit: Emi und ihr Mann haben großartigen und ausschweifenden Sex. Leider auch auf Video. Ihr sehr privater Pornofilm gerät irgendwie ins Internet und geht viral. Weil Emi eine Lehrerin an einer renommierten Schule ist, haben darüber sehr viele Leute eine Meinung. Wahrheitsgrad egal, Begründung überflüssig. Von moralisch empört über aggressiv anklagend bis vulgär beleidigend ist alles dabei. Emi muss antreten zu einem Elternabend der besonderen Art. Sie macht sich auf den Weg durch die groteske Alltagsbrutalität auf den Straßen von Bukarest. Über diesen Porno möchte seltsamerweise niemand einen Shitstorm verbreiten. In der Hoffnung auf eine Verbündete stattet Emi der Schuldirektorin einen Besuch ab – doch weit gefehlt. Man muss doch den Eltern die Gelegenheit zur Aussprache geben. Doch die „Debatte“ gerät zum Tribunal – über konsensualen Sex, Pornografie, die Nazis, Wahrheit, Bildungstheorie und vieles mehr. Emi verlebt einen wahrlich schrillen Abend zwischen archaischen Affekten und manischem Meinungsfuror. Die Lehrerin wird plötzlich nicht nur für ihr Sexleben verantwortlich gemacht, sondern auch für die rumänische Geschichte des 20. Jahrhunderts, die Psychologie der Kinder im Allgemeinen und für die Emanzipation sowieso natürlich auch. Die Moral der Elternschicht? Man ist sich einig, dass man in Kürze bald wieder anderer Meinung sein wird. Ein Goldener Bär für ein überwältigendes Meisterwerk: BAD LUCK BANGING OR LOONY PORN von Radu Jude ist glückliches Fragment, Enzyklopädie unserer Zeit und die gnadenlose Versuchsanordnung einer völlig zersplitterten Gemeinschaft, die nur noch in der Feindseligkeit zusammenfinden kann. Radu Jude treibt den Irrwitz auf die Spitze und lässt uns erahnen, zu welch bitterböser Farce unsere Zeit geworden ist, die man den Untergang der Demokratie nennen könnte. Eine filmische Erfahrung zwischen totaler Finsternis und grell erleuchteter Humorzone.

BAD LUCK BANGING OR LOONY PORN ist bestimmt kein perfekter Film — zu deutlich trägt er (nicht ohne Stolz) das Skizzenhafte und Improvisierte, das auch seinen Zeitpunkt des Entstehens im Sommer 2020 inmitten einer Pandemie nicht schamvoll verschweigt, sondern vielmehr geschickt mit einbaut, vor sich her und stellt es aus. Einen ‚Entwurf für einen populären Film‘ nennt Radu Jude selbst diesen räudigen Bastard von einem Film — und trifft damit genau das Lebensgefühl vieler Menschen zu Zeiten einer Pandemie: Es ist gerade nicht die Zeit für das über alles erhabene Meisterwerk. Zu brüchig und fragil ist diese Welt gerade geworden, zu fragwürdig sind ihre Grundlagen, zu morsch ihre Pfeiler, auf denen sie eigentlich ruhen sollte. Und wenn diese Welt gerade in ihre Bestandteile zerfällt, dann sind Improvisation und Wut auf die bestehenden Verhältnisse sicherlich nicht die schlechtesten Begleiter in dem anstehenden Überlebenskampf. Denn wie anders lässt sich dem Wahnsinn der Welt da draußen sonst noch begegnen? Und vermutlich liegt gerade hierin die große Meisterschaft dieses wüsten Films — dies zu erkennen und so unverblümt, wild und frei auf die ‚Leinwand‘ zu bringen. Selbst wenn diese wie im Falle der gerade stattfindenden Online-Berlinale nur aus einem kleinen Computerscreen besteht. Radu Judes Film besitzt jedenfalls die Kraft, dies für eine Stunde und 46 Minuten vergessen zu machen.“ (Joachim Kurz, kino-zeit.de)

„Radu Judes Berlinale-Gewinner über das Verhältnis von Pornos und posttotalitärer Gesellschaft lässt sich auch vor dem Hintergrund dieser besessenen Formensuche verstehen: als streckenweise wild montierter ‚Skizzenfilm‘ (Radu Jude), eine symbolische Demaskierung unter Corona-Bedingungen.“ (Katja Nicodemus, DIE ZEIT Nr. 11/2021)

 

Di 28.09.

1986, OmdU

Lothar Herzog
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1986

D 2019, 77 min, Russisch | Belarussisch mit deutschen UT

 Filmfest Hof 2019 – Beste Regie

Regie: Lothar Herzog

Elena ist Studentin in Minsk. Sie hat eine intensive, aber zunehmend zerstörerische Liebesbeziehung mit Viktor. Als ihr Vater verhaftet wird, muss sie, um seine illegalen Geschäfte weiterzuführen, immer wieder in die gesperrte Zone von Tschernobyl fahren. Sie ist fasziniert von der trügerischen Schönheit; doch bald scheint ihr Leben kontaminiert von einer zerstörerischen Kraft.

„1986 spielt in der Gegenwart, in Weißrussland, zwischen der Metropole Minsk und dem Südosten des Landes, wo an der Grenze zur Ukraine jene Zone liegt, die nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl jahrelang verstrahlt und unbewohnbar war. 1986 geschah das Unglück, als Weißrussland noch Teil der Sowjetunion war. Inzwischen ist das Land unabhängig und sucht zwischen den Einflusssphären Russlands und der EU nach seiner Rolle. So ähnlich wie Elena, eine junge Studentin, die gelangweilt in Vorlesungen sitzt, in denen die wirtschaftliche Stärke ihres Heimatlandes beschworen wird. Die Wirklichkeit – das weiß Elena trotz ihres jungen Alters längst – sieht anders aus, gerade für jemand, der wie sie aus einfachen Verhältnissen kommt. Ihr Vater ist am System gescheitert, ist wegen Steuerschulden im Gefängnis. Nun ist es an Elena, Geld aufzutreiben, viel mehr Geld, als auf legalem Weg möglich ist. So überredet sie die Partner ihres Vaters, dass sie fortan mit dem Laster des Vaters in die Zone fahren darf, um von dort Altmetall abzuholen und gewinnbringend zu verkaufen. (…)

Weniger linear als assoziativ wird Elenas Leben gezeigt, teils abrupt zwischen Minsk und der Zone, zwischen Stadt und Land hin und her gesprungen. Vielsagende Kontraste entstehen dadurch, Bilder von einem Land, das sich einerseits der globalen Moderne annähert, andererseits noch in ländlichen Strukturen verhaftet geblieben ist.“ (Michael Meyns, programmkino.de)

Di 28.09.

Garagenvolk (Гаражане), OmdU

Natalija Yefimkina
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Garagenvolk (Гаражане)

D 2020, 95 min, russische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Natalija Yefimkina

Im post-sowjetischen Russland gibt es ein Phänomen abseits von Eisfischen, Matrojschkas und Wodka: Die Garagensiedlung. Von außen unwirtliche Blechhütten bieten sie einer Vielzahl von Russen – vorwiegend Männern ein Refugium. Nach eigenem Gusto und abseits aller Regeln, mit Erfindungskraft und Zähigkeit entstehen auf wenigen Quadratmeter alternative Lebensräume. Schrottsammler Ilja nutzt die Garage als Produktionsstätte, Roman für seine Wachtelzucht, Pavel schnitzt kunstfertig Heiligenfiguren und Viktor hat die seine in jahrzehntelanger Arbeit um vier unterirdische Stockwerke ergänzt. Hier gibt es alles, und alles scheint möglich. Die Garagen sind Ausdruck eines Rückzugs ins Private, eine Flucht vor dem Alltag. Hinter dem Polarkreis, in einer rauen Gegend, in der ein Bergbaukonzern der einzige Arbeitgeber ist, bleibt die Garage die letzte Möglichkeit zur Selbstverwirklichung – und kommt so viel fältig daher, wie die Träume ihrer Besitzer.

„Viele der Persönlichkeiten hier werden im Gedächtnis bleiben: der wackere Viktor, der nicht mehr lange zu leben hat, die Mitglieder der Rockband, die sich trennt, weil eigentlich alle hier wegwollen, oder der Wachtelzüchter Roman, der von einer Partnerin träumt. Manchmal wirkt die ganze Szenerie wie eine Theaterkulisse mit inszenierten Tableaus. Dann sehen die Garagen von Weitem aus wie merkwürdig dekorierte Puppenstuben. Jede stellt eine eigene kleine Welt dar, eine wahr gewordene Zukunftsvision. Zusammen bilden sie lauter kleine, isolierte Waben eines großen Ganzen, jede steht für einen einzelnen Menschen. Zusammen, aber nicht gemeinsam, haben sie all das gestaltet, und zwar aus einem unstillbaren Drang zur Betätigung, um etwas zu schaffen, was zu ihnen gehört. Aus all ihren Geschichten, Gesprächen und Erlebnissen ergibt sich ein kaleidoskopartiges, sehr interessantes Bild von Russland und den Menschen, die jenseits des Polarkreises leben und nicht viel mehr als ihre Träume haben.“ (Gaby Sikorski, programmkino.de)

„Die Garagen erscheinen als Zufluchtsorte. Sie sind die Orte derjenigen, die, allen Widrigkeiten zum Trotz, bleiben wollen: die Garage als Heimat. Was für eine schnoddrig-schöne Metapher.” (Jens Balkenborg, epd-film.de)

Garagenvolk (Гаражане), OmdU
Di 28.09.

Bad Luck Banging or Loony Porn (Babardeală cu bucluc sau porno balamuc), OmdU

Radu Jude
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Bad Luck Banging or Loony Porn (Babardeală cu bucluc sau porno balamuc)                                              Goldener Bär 2021

Rumänien/ L/ CZ/ KH 2021, 106 min, rumänische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Radu Jude

Lustvoll, zügellos, explizit: Emi und ihr Mann haben großartigen und ausschweifenden Sex. Leider auch auf Video. Ihr sehr privater Pornofilm gerät irgendwie ins Internet und geht viral. Weil Emi eine Lehrerin an einer renommierten Schule ist, haben darüber sehr viele Leute eine Meinung. Wahrheitsgrad egal, Begründung überflüssig. Von moralisch empört über aggressiv anklagend bis vulgär beleidigend ist alles dabei. Emi muss antreten zu einem Elternabend der besonderen Art. Sie macht sich auf den Weg durch die groteske Alltagsbrutalität auf den Straßen von Bukarest. Über diesen Porno möchte seltsamerweise niemand einen Shitstorm verbreiten. In der Hoffnung auf eine Verbündete stattet Emi der Schuldirektorin einen Besuch ab – doch weit gefehlt. Man muss doch den Eltern die Gelegenheit zur Aussprache geben. Doch die „Debatte“ gerät zum Tribunal – über konsensualen Sex, Pornografie, die Nazis, Wahrheit, Bildungstheorie und vieles mehr. Emi verlebt einen wahrlich schrillen Abend zwischen archaischen Affekten und manischem Meinungsfuror. Die Lehrerin wird plötzlich nicht nur für ihr Sexleben verantwortlich gemacht, sondern auch für die rumänische Geschichte des 20. Jahrhunderts, die Psychologie der Kinder im Allgemeinen und für die Emanzipation sowieso natürlich auch. Die Moral der Elternschicht? Man ist sich einig, dass man in Kürze bald wieder anderer Meinung sein wird. Ein Goldener Bär für ein überwältigendes Meisterwerk: BAD LUCK BANGING OR LOONY PORN von Radu Jude ist glückliches Fragment, Enzyklopädie unserer Zeit und die gnadenlose Versuchsanordnung einer völlig zersplitterten Gemeinschaft, die nur noch in der Feindseligkeit zusammenfinden kann. Radu Jude treibt den Irrwitz auf die Spitze und lässt uns erahnen, zu welch bitterböser Farce unsere Zeit geworden ist, die man den Untergang der Demokratie nennen könnte. Eine filmische Erfahrung zwischen totaler Finsternis und grell erleuchteter Humorzone.

BAD LUCK BANGING OR LOONY PORN ist bestimmt kein perfekter Film — zu deutlich trägt er (nicht ohne Stolz) das Skizzenhafte und Improvisierte, das auch seinen Zeitpunkt des Entstehens im Sommer 2020 inmitten einer Pandemie nicht schamvoll verschweigt, sondern vielmehr geschickt mit einbaut, vor sich her und stellt es aus. Einen ‚Entwurf für einen populären Film‘ nennt Radu Jude selbst diesen räudigen Bastard von einem Film — und trifft damit genau das Lebensgefühl vieler Menschen zu Zeiten einer Pandemie: Es ist gerade nicht die Zeit für das über alles erhabene Meisterwerk. Zu brüchig und fragil ist diese Welt gerade geworden, zu fragwürdig sind ihre Grundlagen, zu morsch ihre Pfeiler, auf denen sie eigentlich ruhen sollte. Und wenn diese Welt gerade in ihre Bestandteile zerfällt, dann sind Improvisation und Wut auf die bestehenden Verhältnisse sicherlich nicht die schlechtesten Begleiter in dem anstehenden Überlebenskampf. Denn wie anders lässt sich dem Wahnsinn der Welt da draußen sonst noch begegnen? Und vermutlich liegt gerade hierin die große Meisterschaft dieses wüsten Films — dies zu erkennen und so unverblümt, wild und frei auf die ‚Leinwand‘ zu bringen. Selbst wenn diese wie im Falle der gerade stattfindenden Online-Berlinale nur aus einem kleinen Computerscreen besteht. Radu Judes Film besitzt jedenfalls die Kraft, dies für eine Stunde und 46 Minuten vergessen zu machen.“ (Joachim Kurz, kino-zeit.de)

„Radu Judes Berlinale-Gewinner über das Verhältnis von Pornos und posttotalitärer Gesellschaft lässt sich auch vor dem Hintergrund dieser besessenen Formensuche verstehen: als streckenweise wild montierter ‚Skizzenfilm‘ (Radu Jude), eine symbolische Demaskierung unter Corona-Bedingungen.“ (Katja Nicodemus, DIE ZEIT Nr. 11/2021)

 

Mi 29.09.

Filmreihe HeimKindheit: KLEINSTHEIM in Anwesenheit der Filmemacher Stefan Kolbe und Chris Wright

Chris Wright & Stefan Kolbe
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Kleinstheim

D 2010, 87 min

zu Gast: Stefan Kolbe und Chris Wright (Regie)

Regie: Stefan Kolbe und Chris Wright

Der Boden der Magdeburger Börde ist schwarz und fruchtbar. Dort steht eine Schlossburg und oben drin leben sieben Teenager und ihre Erzieher. Kleinstheim nennen sie es. Das Leben bewegt sich zwischen Schule und Chat, Liebe und Amt. Ein Jahr vergeht und die Welt wächst mit. Es geht um das Ausloten des eigenen Platzes an diesem Ort, in dieser Zeit. Nicht um die Eltern, und dann doch immer. Ein Film über das Erwachsenwerden, kein Heimfilm.

„Wright und Kolbe begleiten die Sieben ein ganzes Jahr lang mit der Kamera. (…) Sensationslüstern hätten sie ihren Film aufbauen können, in den Wunden bohren, die Tränen im Bild einfangen. Doch sie haben einen anderen Weg gewählt, der KLEINSTHEIM zu einem Stück großartigen, empathischen und vor allem realen Kino macht. Sie fragen wenig und wenn dann nur ganz sanft, keiner wird gedrängt zu sprechen oder sich zu offenbaren. Die Kinder und Jugendlichen behalten stets ihre Würde, viel mehr ist den meisten auch nicht geblieben. Trotzdem schafft der Film die Abwesenheit der Familie und der Eltern stets einzufangen, denn die Kamera nimmt den leeren Platz ein, den diese Menschen geschaffen haben. Stets beobachtet sie auf Distanz und versucht in der wunderschönen Landschaft rund um das Schloss Bilder für das Unaussprechliche zu finden. Der Film erfühlt auf einer manchmal schmerzhaft viszeralen Ebene das Innenleben seiner ProtagonistInnen, anstatt es einfach nur abzubilden.“ (Beatrice Behn)

Filmreihe HeimKindheit: KLEINSTHEIM in Anwesenheit der Filmemacher Stefan Kolbe und Chris Wright
Mi 29.09.

Garagenvolk (Гаражане), OmdU

Natalija Yefimkina
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Garagenvolk (Гаражане)

D 2020, 95 min, russische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Natalija Yefimkina

Im post-sowjetischen Russland gibt es ein Phänomen abseits von Eisfischen, Matrojschkas und Wodka: Die Garagensiedlung. Von außen unwirtliche Blechhütten bieten sie einer Vielzahl von Russen – vorwiegend Männern ein Refugium. Nach eigenem Gusto und abseits aller Regeln, mit Erfindungskraft und Zähigkeit entstehen auf wenigen Quadratmeter alternative Lebensräume. Schrottsammler Ilja nutzt die Garage als Produktionsstätte, Roman für seine Wachtelzucht, Pavel schnitzt kunstfertig Heiligenfiguren und Viktor hat die seine in jahrzehntelanger Arbeit um vier unterirdische Stockwerke ergänzt. Hier gibt es alles, und alles scheint möglich. Die Garagen sind Ausdruck eines Rückzugs ins Private, eine Flucht vor dem Alltag. Hinter dem Polarkreis, in einer rauen Gegend, in der ein Bergbaukonzern der einzige Arbeitgeber ist, bleibt die Garage die letzte Möglichkeit zur Selbstverwirklichung – und kommt so viel fältig daher, wie die Träume ihrer Besitzer.

„Viele der Persönlichkeiten hier werden im Gedächtnis bleiben: der wackere Viktor, der nicht mehr lange zu leben hat, die Mitglieder der Rockband, die sich trennt, weil eigentlich alle hier wegwollen, oder der Wachtelzüchter Roman, der von einer Partnerin träumt. Manchmal wirkt die ganze Szenerie wie eine Theaterkulisse mit inszenierten Tableaus. Dann sehen die Garagen von Weitem aus wie merkwürdig dekorierte Puppenstuben. Jede stellt eine eigene kleine Welt dar, eine wahr gewordene Zukunftsvision. Zusammen bilden sie lauter kleine, isolierte Waben eines großen Ganzen, jede steht für einen einzelnen Menschen. Zusammen, aber nicht gemeinsam, haben sie all das gestaltet, und zwar aus einem unstillbaren Drang zur Betätigung, um etwas zu schaffen, was zu ihnen gehört. Aus all ihren Geschichten, Gesprächen und Erlebnissen ergibt sich ein kaleidoskopartiges, sehr interessantes Bild von Russland und den Menschen, die jenseits des Polarkreises leben und nicht viel mehr als ihre Träume haben.“ (Gaby Sikorski, programmkino.de)

„Die Garagen erscheinen als Zufluchtsorte. Sie sind die Orte derjenigen, die, allen Widrigkeiten zum Trotz, bleiben wollen: die Garage als Heimat. Was für eine schnoddrig-schöne Metapher.” (Jens Balkenborg, epd-film.de)

Garagenvolk (Гаражане), OmdU
Do 30.09.

Das Glück zu leben (A létezés eufóriája / The Euphoria Of Being), OmdU

Réka Szabó
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Das Glück zu leben (A létezés eufóriája / The Euphoria Of Being)

HU 2019, 83 min, ungarische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Réka Szabó

Angeregt durch die im Jahre 2005 erschienene Autobiografie mit dem Titel „Anima rerum (Die Seele der Dinge)“ der 1925 geborenen ungarischen Jüdin Éva Pusztai-Fahidi nimmt die Budapester Choreographin Réka Szabó, die künstlerische Leiterin eines der bedeutendsten Ensembles für zeitgenössischen Tanz ihres Landes ist, Kontakt mit der Holocaust-Überlebenden auf und überzeugt diese davon, deren Lebensgeschichte in Form eines Tanzstückes auf die Bühne zu bringen. Allerdings soll die mittlerweile hochbetagte Dame gemeinsam mit der jungen Tänzerin Emese Cuhorka die Performance bewältigen. Und das erweist sich im kommenden Zeitraum der Proben nicht nur als körperlich herausfordernder Prozess, sondern auch als psychisch schmerzende Reise in die Vergangenheit.

Insgesamt 49 Verwandte von Éva Pusztai-Fahidi fielen dem Rassenwahn und dem Terror der Nationalsozialisten zum Opfer. Sie überlebte als einzige einer Familie, die 1936 zum Katholizismus konvertierte, die Vernichtungslager und kehrte schwer traumatisiert zurück. Doch reden konnte sie im Ungarn der Nachkriegszeit über das Erlebte nicht. Vielmehr schloss sie sich den ungarischen Kommunisten an, lebte in Budapest und vermied jede Erinnerung an die Vergangenheit. Erst mit dem Fall des Eisernen Vorhangs begann ihre Erinnerungsarbeit, die durch einen Besuch in Stadtallendorf angestoßen wurde, dem Standort des KZ-Außenlagers Münchmühle, in dem sie überlebte. Und dieser Auslöser brachte sie schließlich dazu, über das Erlebte und Erlittene nicht nur zu sprechen, sondern auch ein Buch zu schreiben. (…)

Seit den Probearbeiten im Jahre 2015 ist die Tanzperformance mit dem Titel Sea Lavender 77 mal aufgeführt worden, in Budapest ebenso wie in Wien und Berlin. THE EUPHORIA OF BEING ist aber weitaus mehr als ein Film über die Entstehungszeit dieses außergewöhnlichen Tanzprojekts — der Film ist ebenso biographisches Fragment, Beobachtung einer Trauerarbeit und Studie über Kreativität als Form der Traumabewältigung sowie ein Werk über eine Freundschaft über Generationen hinweg und gegen das Vergessen. (Joachim Kurz, kino-zeit.de)

Das Glück zu leben (A létezés eufóriája / The Euphoria Of Being), OmdU
Do 30.09.

Garagenvolk (Гаражане), OmdU

Natalija Yefimkina
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Garagenvolk (Гаражане)

D 2020, 95 min, russische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Natalija Yefimkina

Im post-sowjetischen Russland gibt es ein Phänomen abseits von Eisfischen, Matrojschkas und Wodka: Die Garagensiedlung. Von außen unwirtliche Blechhütten bieten sie einer Vielzahl von Russen – vorwiegend Männern ein Refugium. Nach eigenem Gusto und abseits aller Regeln, mit Erfindungskraft und Zähigkeit entstehen auf wenigen Quadratmeter alternative Lebensräume. Schrottsammler Ilja nutzt die Garage als Produktionsstätte, Roman für seine Wachtelzucht, Pavel schnitzt kunstfertig Heiligenfiguren und Viktor hat die seine in jahrzehntelanger Arbeit um vier unterirdische Stockwerke ergänzt. Hier gibt es alles, und alles scheint möglich. Die Garagen sind Ausdruck eines Rückzugs ins Private, eine Flucht vor dem Alltag. Hinter dem Polarkreis, in einer rauen Gegend, in der ein Bergbaukonzern der einzige Arbeitgeber ist, bleibt die Garage die letzte Möglichkeit zur Selbstverwirklichung – und kommt so viel fältig daher, wie die Träume ihrer Besitzer.

„Viele der Persönlichkeiten hier werden im Gedächtnis bleiben: der wackere Viktor, der nicht mehr lange zu leben hat, die Mitglieder der Rockband, die sich trennt, weil eigentlich alle hier wegwollen, oder der Wachtelzüchter Roman, der von einer Partnerin träumt. Manchmal wirkt die ganze Szenerie wie eine Theaterkulisse mit inszenierten Tableaus. Dann sehen die Garagen von Weitem aus wie merkwürdig dekorierte Puppenstuben. Jede stellt eine eigene kleine Welt dar, eine wahr gewordene Zukunftsvision. Zusammen bilden sie lauter kleine, isolierte Waben eines großen Ganzen, jede steht für einen einzelnen Menschen. Zusammen, aber nicht gemeinsam, haben sie all das gestaltet, und zwar aus einem unstillbaren Drang zur Betätigung, um etwas zu schaffen, was zu ihnen gehört. Aus all ihren Geschichten, Gesprächen und Erlebnissen ergibt sich ein kaleidoskopartiges, sehr interessantes Bild von Russland und den Menschen, die jenseits des Polarkreises leben und nicht viel mehr als ihre Träume haben.“ (Gaby Sikorski, programmkino.de)

„Die Garagen erscheinen als Zufluchtsorte. Sie sind die Orte derjenigen, die, allen Widrigkeiten zum Trotz, bleiben wollen: die Garage als Heimat. Was für eine schnoddrig-schöne Metapher.” (Jens Balkenborg, epd-film.de)

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