So 17.02.

Gundermann

Andreas Dresen
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Gundermann

Deutschland 2018, 127 min

Regie: Andreas Dresen

GUNDERMANN erzählt von einem Baggerfahrer, der Lieder schreibt. Der ein Poet ist, ein Clown und ein Idealist. Der träumt und hofft und liebt und kämpft. Ein Spitzel, der bespitzelt wird. Ein Weltverbesserer, der es nicht besser weiß. Ein Zerrissener. GUNDERMANN ist Liebes- und Musikfilm, Drama über Schuld und Verstrickung, eine Geschichte vom Verdrängen und Sich-Stellen. GUNDERMANN ist ein Film über Heimat. Er blickt noch einmal neu auf ein verschwundenes Land. Es ist nicht zu spät dafür. Es ist an der Zeit. (Pandora)

Gundermann
So 17.02.

Johanna D’Arc of Mongolia , OmdU (Berlinale 89)

Ulrike Ottinger
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Johanna DArc of Mongolia                                 Berlinale 89

BRD 1989, DCP, 168 min, OmdU

Regie: Ulrike Ottinger

„Die Stadt kommt näher. Die hellglänzenden weißen Filzjurten mit den kragenförmigen Rauchöffnungen stehen auf Wagen, die von zweiundzwanzig Ochsen in zwei Reihen zu je elf Ochsen gezogen werden. Die Stadt rückt in breiter Front immer näher. Ein Reiter löst sich von der wandernden Stadt und kommt in schnellem Trab auf die Karawane zu.“ (Drehbuchauszug)

Der Film schildert, was geschieht, wenn zwei extrem unterschiedliche Kulturen einander begegnen. Die Geschichte beginnt in der Transsibirischen Eisenbahn, die seit 100 Jahren unsere europäische Zivilisation durch die rohe Wildnis der sibirischen Tundra und Taiga transportiert: Ein rollendes Miniaturmuseum, vollgestopft mit westlichem Luxus. Man reiste mit Ballsälen und Tanzorchestern, mit Kirchen-Waggon und eingebauter Orgel. Luxus-Suiten und Salonwagen, Bibliotheks-, Speise- und Küchen-Waggons beherbergten alles, was die große Gesellschaft damals von einem First-Class-Hotel erwartete. Der große Mythos der Transsibirischen beruht jedoch nicht nur auf der Geschichte der gekrönten Häupter und des ewig reisenden Corps diplomatique. Es gab auch die Holzbänke der 3. Klasse-Abteile, auf denen Jäger, Abenteurer, Soldaten, arme Bauern und vor Pogromen fliehende jüdische Familien dicht gedrängt nebeneinandersaßen. In dieser Atmosphäre begegnen sich die vier Protagonistinnen.

„Ulrike Ottingers Transsibirische, der Spielraum für den ersten Teil ihres Films JOHANNA D’ARC OF MONGOLIA, ist eine Antiquität auf Rädern. In solchen Zügen reiste man früher nach Marienbad, Karlsbad oder Baden Salza […] Die Eisenbahn ist Metapher für den ständig wechselnden Blickpunkt und die Empfehlung an den Zuschauer, sich auf standpunktlosen Relativismus einzustellen […] Es ist ein Film, der sich nach Osten bewegt, mit Figuren, wie wir sie seit den Dreißigern nicht mehr auf der Leinwand gesehen haben. Als Bilderfundus war diese Richtung tabu. Wer traute sich schon, einen sowjetischen General mit einer Lermontowschen oder einer Puschkinschen Aura auszustatten und seine Ordensketten als Dekorationsmoment in Betracht zu ziehen. Niemand kam auf die Idee, den unzeitgemäßen Stil einer georgischen Damencombo zu imaginieren. Kein Musicalstar vom Broadway ist nach 1945 in der Transsibirischen gereist, aber diese Fanny Ziegfeld ist ein treffendes Bild, denn der Eiserne Vorhang ist ein Theaterterminus, und lange Zeit war er allenfalls für Kulturaustausch durchlässig […]“ (Frieda Grafe, Süddeutsche Zeitung, 3.4.1989)

„Ulrike Ottinger hat mit diesem Film ein Fest für die Augen, ein ‚lukullisches‘ Filmtheater inszeniert, bei dem man nicht verwundert wäre, wenn auch noch die Gerüche (beispielsweise beim Schwenk in die dritte Wagenklasse mit Knoblauch, Speck und Ziegenböcken) Einzug ins Kino gehalten hätten.“ (Renate Schumacher, Film und Fernsehen, 8/89)

Johanna D’Arc of Mongolia , OmdU (Berlinale 89)
So 17.02.

Winter Adé (Berlinale 89)

Helke Misselwitz
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Winter Adé ◄                                                            Berlinale 89

DDR 1988, 35mm, 115 min

Regie: Helke Misselwitz

Eine Bahnreise quer durch die DDR, im letzten Jahr ihres Bestehens: Auf ihrer Fahrt von der Industrie- und Bergarbeiterstadt Zwickau in Sachsen, aus deren Nähe Helke Misselwitz stammt, in den Norden, bis an die Ostsee, trifft die Regisseurin Frauen verschiedenen Alters und unterschiedlicher sozialer Prägung. Einige der Begegnungen sind verabredet, andere ergeben sich aus improvisierten Situationen. Die Landschaften und Architekturen Ostdeutschlands, gefilmt in strengem Schwarzweiß, bilden den Hintergrund.

„Die Dokumentaristen aus der DDR befleissigen sich einer pragmatischeren Methode, Menschen zu porträtieren. Das soziale System gibt die Folie ab, vor der die Menschen agieren, ihre Wünsche äussern, ihre Zukunft planen. Helke Misselwitz zeigt in WINTER ADÉ Frauen aus der DDR, die, selbst wenn sie scheitern, im gesellschaftlichen Netz dieses Staates aufgefangen werden. (…) sie stehen für den Alltag in einem immer noch wenig bekannten deutschen Land, dessen Menschen ihre Lebenskraft aus einer anderen Sinngebung schöpfen müssen als die der Bundesrepublik.“ (Neue Zürcher Zeitung, 02.03.89)

„Wolltest du einen Film über Frauen für Frauen drehen? (…)“

– „Die einzige öffentlichen Orte, wo Männer und Frauen getrennt hingehen, sind sanitäre Einrichtungen, Toiletten und Umkleideräume in Bädern und Turnhallen. Ich kenne kein Kino, wo das praktiziert würde, was ja Voraussetzung für deine Frage wäre. Ich verstehe die Ironie, die in deiner Frage liegt. Männern stellt man auch nicht die Frage, ob sie Filme über Männer für Männer machen. Es ist schon bedenklich, wie vehement wir uns immer feministischer Unterstellungen zu erwehren haben. Als ob es da gar nichts für uns zu lernen gäbe. Ich staune oft, wie selbstgefällig Männer, aber auch Frauen, auf die gesetzlichen Grundlagen verweisen, die doch lediglich Voraussetzung sind für menschliche Emanzipation, für einen Prozeß, dessen Ende überhaupt nicht absehbar ist. (…)“ (Aus: Frauenschicksale. Helke Misselwitz im Gespräch mit Elke Schieber, in: Film und Fernsehen 7/1989)

Winter Adé (Berlinale 89)
So 17.02.

Ariel, OmdU (Berlinale 89)

Aki Kaurismäki
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Ariel                                                                        Berlinale 89

FIN 1988, DCP, 74 min, OmdU

Regie: Aki Kaurismäki

Ein Bergwerk wird gesprengt. Taisto Kasurinen verlässt Lappland, als die Mine in der sein Vater und er arbeiten, geschlossen wird. Sein Vater erschießt sich. Taisto steigt in einen amerikanischen Straßenkreuzer und fährt tausende Meilen mit offenem Verdeck nach Helsinki. Dort verliert er sein Geld, findet eine Frau, kommt ins Gefängnis und bricht wieder aus.

„ARIEL ist eine Liebesgeschichte, die in einer finnischen Realität stattfindet, die substantieller ist als die abgehobene Fröhlichkeit von Fernsehshows, Statussymbolen wie Firmenwagen, Börsenspekulation, oder Überlegungen darüber, ob finnische Männer schlecht gekleidet sind oder nicht. ARIEL ist Kaurismäki pur – fast eine Bestandsaufnahme der wichtigsten Figuren und Themen seiner bisherigen Arbeit, die jetzt eindeutig ein Stadium der Reife erreicht hat. Was früher jungenhaft und launisch wirkte, ist jetzt tiefgehend und komplex und hält auch genauerer Prüfung stand. (…)

Obgleich die eindringliche und komplexe Darstellung des Alltags ARIEL zu Kaurismäkis ernstestem Film macht, ist er gleichzeitig seine beste Komödie. (…) Kaurismäkis immenser Idealismus und das dazugehörige Maß an Verachtung haben sich verwandelt in eine wahre Liebe zu den Menschen. Dies liegt zum Teil an seinen verfeinerten Ausdrucksmöglichkeiten, zum Teil an seiner persönlichen Entwicklung. ARIEL ist ein bewegend schöner Film.“ (Helena Ylänen, in: Heisingen Sanomat, Helsinki, 22.10. 1988)

„Ich kann nicht gerade behaupten, daß ich die Berliner Filmfestspiele mag – aber das Forum ist etwas anders. Das Publikum im Forum hat die Witze und den ‚tieferen Sinn‘ meiner Filme (falls sie überhaupt einen haben, woran ich selber zweifele) verstanden. Sie müssen sowieso irgendeine Sorte Masochisten sein, um die Filme sehen zu wollen. Das Bier in Berlin ist nicht besonders gut, und es dauert eine Ewigkeit, bis man endlich eines hat. Glücklicherweise haben sie in der Stadt auch noch andere Getränke. Kurzum: Das Filmforum Berlin ist ein Stück geistige Heimat für mich.“ („Wie es mir im Forum erging“, Aki Kaurismäki, 1989, in: W. Jacobsen, Berlinale 1951-1990, Stiftung Deutsche Kinemathek 1990)

„‘… Moskau war für mich das schlimmste Erlebnis meines Lebens. Eine Woche lang saß ich im Hotel ‚Rossia‘ in einer Bar neben einem Berioska-Laden, wo man all diese hübschen Souvenirs kaufen kann und jede Menge Alkohol. Am Ende des Festivals kam ein Mann zu mir und sagte: ‚Aki, du hast für ARIEL einen Preis bekommen.‘ ‚Du hast den Preis nicht selbst entgegengenommen? – ‚Nein, Ich fühlte mich zu elend.“ (Thomas Knauf im Gespräch mit Aki Kaurismäki in: Film und Fernsehen 6/90)

Ariel, OmdU (Berlinale 89)
Mo 18.02.

Zimna wojna – Cold War. Der Breitengrad der Liebe, OmdU

Pawel Pawlikowski
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Zimna wojna (Cold War – Der Breitengrad der Liebe)

PL/ GB/ F 2018, 89 min, OmdU

Regie: Paweł Pawlikowski

Während des polnischen Wiederaufbaus ist der begabte Komponist Wiktor auf der Suche nach traditionellen Melodien für ein neues Tanz- und Musik-Ensemble. Unter seinen Studentinnen ist auch die Sängerin Zula. Schön, hinreißend und energiegeladen ist Zula schon bald der Mittelpunkt des Ensembles und die beiden verlieben sich ineinander. Ihre brennende Leidenschaft scheint keine Grenzen zu kennen. Doch als das Repertoire des Ensembles zunehmend politisiert wird, nutzt Wiktor einen Auftritt in Ostberlin, um in den Westen zu fliehen. Zula bleibt der verabredeten Flucht fern und doch führt das Schicksal die beiden Liebenden Jahre später erneut zueinander. (Neue Visionen)

„Von Ort zu Ort werden die Liebenden getrieben und von einer Klangwelt in die nächste. Aber weder Volksmusik noch Jazz, weder Chanson noch Rock ’n‘ Roll werden zur Heimat. COLD WAR ist auch eine Studie des Exils, in dem Wiktor zur Mittelmäßigkeit schrumpft und Zula ihre Liebe fast verliert. Das alles ist verführerisch schön, in erlesen komponierten, sehr coolen Schwarz-Weiß-Bildern fotografiert, die COLD WAR schon jetzt wie einen Klassiker wirken lassen.“ (Martina Knoben, SZ 22.11.18)

Zimna wojna – Cold War. Der Breitengrad der Liebe, OmdU
Mo 18.02.

Chris the Swiss, OmdU

Anja Kofmel
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Chris the Swiss

Schweiz / Kroatien / Deutschland / Finnland 2018, 90 min

Deutsch | Schweizerdeutsch | Spanisch | Englisch mit deutschen Untertiteln

Regie: Anja Kofmel

Anfang der 90er Jahre: Die Jugoslawienkriege hatten begonnen. Junge Männer aus ganz Europa nahmen teil. Am 7. Januar 1992 wurde in Kroatien ein Schweizer Journalist in der Uniform einer internationalen Söldnergruppe tot aufgefunden. Zwanzig Jahre später erforscht seine Cousine, die Regisseurin Anja Kofmel, die Hintergründe, um zu verstehen, warum diese Männer vom Krieg so fasziniert sind.

„CHRIS THE SWISS ist einer der Höhepunkte der Semaine de la Critique. Anja Kofmel präsentiert einen animierten Dokumentarfilm, der in seiner Schönheit außergewöhnlich ist und durch seine Dunkelheit beunruhigt und erschreckt.“ (Aurore Garot, Toute la culture)

„Es ist eine aufregende Untersuchung, eine Reflexion über die Schrecken des Krieges, ein Thriller, eine Initiationsreise, durchsetzt mit Animationssequenzen von beängstigender Schönheit.“ (Cécile Mury, Télérama)

Chris the Swiss, OmdU
Mo 18.02.

Adam und Evelyn

Andreas Goldstein
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Adam und Evelyn

D 2018, 95 min

Regie: Andreas Goldstein

ADAM UND EVELYN erzählt die Geschichte eines Paares von August bis Winter 1989. Sie beginnt in der ostdeutschen Provinz. Weil Adam Evelyn betrügt, reist Evelyn ohne ihn in den Urlaub nach Ungarn. Adam reist hinterher. Als Ungarn die Grenzen nach Österreich öffnet, will Evelyn über die Grenze. Adam landet wider Willen im Westen.

„(…) was ich und wir nicht wollten, war eine Dramatisierung. Also was ich in Filmen sehe über die Geschichte, ist, dass im Grunde Historisches dramatisiert wird. Das entspricht aber nicht meiner historischen Erfahrung, weil die Leute ihr Leben leben, und dahinter bewegen sich die Dinge, und da bewegt sich die Geschichte, und das ist nicht deckungsgleich.

Was mir eben an dem Roman so gut gefallen hat, das Lakonische der Figuren, die ganz unaufgeregt und mit viel mehr Zweifeln und großer Skepsis. Was übrigens ein Charakteristikum der DDR-Leute war, was man heute völlig vergisst, ist eigentlich eine extreme Skepsis, und die sehe ich eigentlich in diesen Filmen nicht mehr, und das fand ich in dem Roman ganz wunderbar, und das war wichtig, das in den Film zu übersetzen und zu retten.

(…) Ja, das ist die Skepsis. Ich meine, es ist auch eine Kritik an Adam. Das habe ich erst sehr spät verstanden. Am Anfang war die Identifikation größer, dann habe ich verstanden, dass es aber auch eine Kritik ist an einem Nischendasein, was sich nicht aufrechterhalten lässt, und Adam hat ein Gespür vielleicht für das Kommende, weil wenn wir über diese Zeit reden, das war ein wichtiger Punkt oder des Interesses am Stoff, zu verstehen, dass natürlich der Sommer ´89 nicht nur das Ende der DDR war, sondern auch eine Zeitenwende, im Grunde auch das Ende der alten Bundesrepublik, und das war in dem Augenblick aber nicht zu wissen.

(Andreas Goldstein im Gespräch mit Patrick Wellinski, deutschlandfunkkultur.de, 08.09.18)

Adam und Evelyn
Di 19.02.

Zimna wojna – Cold War. Der Breitengrad der Liebe, OmdU

Pawel Pawlikowski
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Zimna wojna (Cold War – Der Breitengrad der Liebe)

PL/ GB/ F 2018, 89 min, OmdU

Regie: Paweł Pawlikowski

Während des polnischen Wiederaufbaus ist der begabte Komponist Wiktor auf der Suche nach traditionellen Melodien für ein neues Tanz- und Musik-Ensemble. Unter seinen Studentinnen ist auch die Sängerin Zula. Schön, hinreißend und energiegeladen ist Zula schon bald der Mittelpunkt des Ensembles und die beiden verlieben sich ineinander. Ihre brennende Leidenschaft scheint keine Grenzen zu kennen. Doch als das Repertoire des Ensembles zunehmend politisiert wird, nutzt Wiktor einen Auftritt in Ostberlin, um in den Westen zu fliehen. Zula bleibt der verabredeten Flucht fern und doch führt das Schicksal die beiden Liebenden Jahre später erneut zueinander. (Neue Visionen)

„Von Ort zu Ort werden die Liebenden getrieben und von einer Klangwelt in die nächste. Aber weder Volksmusik noch Jazz, weder Chanson noch Rock ’n‘ Roll werden zur Heimat. COLD WAR ist auch eine Studie des Exils, in dem Wiktor zur Mittelmäßigkeit schrumpft und Zula ihre Liebe fast verliert. Das alles ist verführerisch schön, in erlesen komponierten, sehr coolen Schwarz-Weiß-Bildern fotografiert, die COLD WAR schon jetzt wie einen Klassiker wirken lassen.“ (Martina Knoben, SZ 22.11.18)

Zimna wojna – Cold War. Der Breitengrad der Liebe, OmdU
Di 19.02.

Chris the Swiss, OmdU

Anja Kofmel
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Chris the Swiss

Schweiz / Kroatien / Deutschland / Finnland 2018, 90 min

Deutsch | Schweizerdeutsch | Spanisch | Englisch mit deutschen Untertiteln

Regie: Anja Kofmel

Anfang der 90er Jahre: Die Jugoslawienkriege hatten begonnen. Junge Männer aus ganz Europa nahmen teil. Am 7. Januar 1992 wurde in Kroatien ein Schweizer Journalist in der Uniform einer internationalen Söldnergruppe tot aufgefunden. Zwanzig Jahre später erforscht seine Cousine, die Regisseurin Anja Kofmel, die Hintergründe, um zu verstehen, warum diese Männer vom Krieg so fasziniert sind.

„CHRIS THE SWISS ist einer der Höhepunkte der Semaine de la Critique. Anja Kofmel präsentiert einen animierten Dokumentarfilm, der in seiner Schönheit außergewöhnlich ist und durch seine Dunkelheit beunruhigt und erschreckt.“ (Aurore Garot, Toute la culture)

„Es ist eine aufregende Untersuchung, eine Reflexion über die Schrecken des Krieges, ein Thriller, eine Initiationsreise, durchsetzt mit Animationssequenzen von beängstigender Schönheit.“ (Cécile Mury, Télérama)

Chris the Swiss, OmdU
Di 19.02.

Adam und Evelyn

Andreas Goldstein
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Adam und Evelyn

D 2018, 95 min

Regie: Andreas Goldstein

ADAM UND EVELYN erzählt die Geschichte eines Paares von August bis Winter 1989. Sie beginnt in der ostdeutschen Provinz. Weil Adam Evelyn betrügt, reist Evelyn ohne ihn in den Urlaub nach Ungarn. Adam reist hinterher. Als Ungarn die Grenzen nach Österreich öffnet, will Evelyn über die Grenze. Adam landet wider Willen im Westen.

„(…) was ich und wir nicht wollten, war eine Dramatisierung. Also was ich in Filmen sehe über die Geschichte, ist, dass im Grunde Historisches dramatisiert wird. Das entspricht aber nicht meiner historischen Erfahrung, weil die Leute ihr Leben leben, und dahinter bewegen sich die Dinge, und da bewegt sich die Geschichte, und das ist nicht deckungsgleich.

Was mir eben an dem Roman so gut gefallen hat, das Lakonische der Figuren, die ganz unaufgeregt und mit viel mehr Zweifeln und großer Skepsis. Was übrigens ein Charakteristikum der DDR-Leute war, was man heute völlig vergisst, ist eigentlich eine extreme Skepsis, und die sehe ich eigentlich in diesen Filmen nicht mehr, und das fand ich in dem Roman ganz wunderbar, und das war wichtig, das in den Film zu übersetzen und zu retten.

(…) Ja, das ist die Skepsis. Ich meine, es ist auch eine Kritik an Adam. Das habe ich erst sehr spät verstanden. Am Anfang war die Identifikation größer, dann habe ich verstanden, dass es aber auch eine Kritik ist an einem Nischendasein, was sich nicht aufrechterhalten lässt, und Adam hat ein Gespür vielleicht für das Kommende, weil wenn wir über diese Zeit reden, das war ein wichtiger Punkt oder des Interesses am Stoff, zu verstehen, dass natürlich der Sommer ´89 nicht nur das Ende der DDR war, sondern auch eine Zeitenwende, im Grunde auch das Ende der alten Bundesrepublik, und das war in dem Augenblick aber nicht zu wissen.

(Andreas Goldstein im Gespräch mit Patrick Wellinski, deutschlandfunkkultur.de, 08.09.18)

Adam und Evelyn
Mi 20.02.

Kurzer Film über die Liebe – Krótki film o miłości, DF (Berlinale 89)              

Krzysztof Kieślowski 
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Krótki film o miłości (Kurzer Film über die Liebe) ◄                       Berlinale 89

PL 1988, 35mm, 82 min, Deutsche Fassung

Regie: Krzysztof Kieślowski

Der neunzehnjährige Tomek arbeitet bei der Post und wohnt bei der Mutter seines Freundes, der verreist ist. Seit langem beobachtet er abends durchs Fernglas eine attraktive Frau im Wohnblock gegenüber, die sehr viele Männerbekanntschaften hat. Er sieht sie oft in intimen Situationen und richtet seinen ganzen Tagesplan nach ihr aus. Als sie letztendlich erfährt, dass Tomek sie seit langem durchs Fernglas beobachtet, macht sie sich über ihn lustig und provoziert ihn. Einer ihrer Bekannten schlägt Tomek zusammen. Der junge Mann fühlt sich von ihrem Verhalten so verletzt, dass er versucht, sich das Leben zu nehmen. Erst dann begreift die Frau die Intensität seiner Gefühle und beginnt an die echte Liebe zu glauben, obwohl ihr dieses Gefühl bislang fremd war.

„Die Fabel des Films ist schnell skizziert, sein Inhalt aber geht weit über das hinaus, woran uns das intellektuell arme Kino der letzten sieben Jahre in Polen gewöhnt hat. (…) Dem ausgezeichneten Drehbuch – von der Idee, über den Aufbau bis hin zu seinem literarischen Wert (die fehlerfreien Dialoge!) – steht der Film in seiner reifen, man könnte sogar sagen klassischen Form nicht nach. Kieslowski konnte schon immer gut erzählen. Die statisch angelegte Handlung, die sich auf zwei Interieurs und nur wenige Fragmente der Außenwelt beschränkt, ist so spannend erzählt, daß man jedes neue Bild mit dem größten Interesse erwartet. (…)“ (Oskar Sobafiski, in: Film, Nr. 49, Warschau 1988)

Kurzer Film über die Liebe – Krótki film o miłości, DF (Berlinale 89)              
Mi 20.02.

Die kleine Vera – Маленькая Вера, DF (Berlinale 1989)

Wassilij Pitschul
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Маленькая Вера (Die kleine Vera)                     Berlinale 89

SU 1988, 35mm, 136 min, Deutsche Fassung

Regie: Wassilij Pitschul

„KLEINE VERA, das ist das Gegenbild des großen sozialistischen Kinos, das mit seinen Figuren Sinn produziert wie mit Milchkühen Milch.“ A.Kilb

Es ist nicht leicht, jung zu sein. Vera ist 17 und kann der Aussicht, Telefonistin zu werden, nicht viel abgewinnen. Mit ihrer Clique schaut sie sich westliche Videoclips an, dann vagabundiert sie im Minirock und mit blondierten Strähnen im Haar durch Straßen und Eiscafés. Rockmusik, Videos und Schlägereien sind die Fluchtwege aus der muffigen Enge des Spießermilieus, in der es außer Familie und Arbeit, Depressionen und Alkohol nicht viel gibt. Wir müssen weg von hier, sagt Andrej, der unglücklich in Vera verliebt ist. Wohin, fragt Vera, ohne eine Miene zu verziehen. (…)“. (Stefan Reinecke, die tageszeitung, 21.02.1989)

„(…) In diesem naturalistisch-hysterischen sowjetischen Film (mit ‚ungarischem Sozialtemperament‘) tritt das melodramatische Moment deutlich hervor. Der Regisseur siedelte die Helden in seiner Heimatstadt an. Maria Chmelik, seine Frau – die ‚Tochter aus einem guten (Moskauer Schriftsteller-)Hause‘, lieferte mit ihrem Drehbuch ein dramaturgisches Gerüst aus Fertigteilen – von Shakespeare bis zu den Erfolgsmustern sowjetischer Massenliteratur. Diese ‚Mixture‘ stieß so manchen ‚Wertungsprofi‘ in den Chefetagen Moskauer Filmgewaltiger und Kritiker vor den Kopf, ja DIE KLEINE VERA provozierte zunächst eine neue Verbotssituation, auf die im Filmverband (April 1988) mit der Diskussion ‚Für welche Freiheit haben wir gekämpft?‘ reagiert wurde. Aber der Verleih nutzte diese angeheizte Atmosphäre munter kommerziell aus und startete den Film (für 3 Rubel) in Eisenbahnzügen – auf Video.“ (Berlinale 1989)

Die kleine Vera – Маленькая Вера, DF (Berlinale 1989)
Do 21.02.

keine Vorstellung

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Fr 22.02.

Zimna wojna – Cold War. Der Breitengrad der Liebe, OmdU

Pawel Pawlikowski
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Zimna wojna (Cold War – Der Breitengrad der Liebe)

PL/ GB/ F 2018, 89 min, OmdU

Regie: Paweł Pawlikowski

Während des polnischen Wiederaufbaus ist der begabte Komponist Wiktor auf der Suche nach traditionellen Melodien für ein neues Tanz- und Musik-Ensemble. Unter seinen Studentinnen ist auch die Sängerin Zula. Schön, hinreißend und energiegeladen ist Zula schon bald der Mittelpunkt des Ensembles und die beiden verlieben sich ineinander. Ihre brennende Leidenschaft scheint keine Grenzen zu kennen. Doch als das Repertoire des Ensembles zunehmend politisiert wird, nutzt Wiktor einen Auftritt in Ostberlin, um in den Westen zu fliehen. Zula bleibt der verabredeten Flucht fern und doch führt das Schicksal die beiden Liebenden Jahre später erneut zueinander. (Neue Visionen)

„Von Ort zu Ort werden die Liebenden getrieben und von einer Klangwelt in die nächste. Aber weder Volksmusik noch Jazz, weder Chanson noch Rock ’n‘ Roll werden zur Heimat. COLD WAR ist auch eine Studie des Exils, in dem Wiktor zur Mittelmäßigkeit schrumpft und Zula ihre Liebe fast verliert. Das alles ist verführerisch schön, in erlesen komponierten, sehr coolen Schwarz-Weiß-Bildern fotografiert, die COLD WAR schon jetzt wie einen Klassiker wirken lassen.“ (Martina Knoben, SZ 22.11.18)

Zimna wojna – Cold War. Der Breitengrad der Liebe, OmdU
Fr 22.02.

Adam und Evelyn

Andreas Goldstein
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Adam und Evelyn

D 2018, 95 min

Regie: Andreas Goldstein

ADAM UND EVELYN erzählt die Geschichte eines Paares von August bis Winter 1989. Sie beginnt in der ostdeutschen Provinz. Weil Adam Evelyn betrügt, reist Evelyn ohne ihn in den Urlaub nach Ungarn. Adam reist hinterher. Als Ungarn die Grenzen nach Österreich öffnet, will Evelyn über die Grenze. Adam landet wider Willen im Westen.

„(…) was ich und wir nicht wollten, war eine Dramatisierung. Also was ich in Filmen sehe über die Geschichte, ist, dass im Grunde Historisches dramatisiert wird. Das entspricht aber nicht meiner historischen Erfahrung, weil die Leute ihr Leben leben, und dahinter bewegen sich die Dinge, und da bewegt sich die Geschichte, und das ist nicht deckungsgleich.

Was mir eben an dem Roman so gut gefallen hat, das Lakonische der Figuren, die ganz unaufgeregt und mit viel mehr Zweifeln und großer Skepsis. Was übrigens ein Charakteristikum der DDR-Leute war, was man heute völlig vergisst, ist eigentlich eine extreme Skepsis, und die sehe ich eigentlich in diesen Filmen nicht mehr, und das fand ich in dem Roman ganz wunderbar, und das war wichtig, das in den Film zu übersetzen und zu retten.

(…) Ja, das ist die Skepsis. Ich meine, es ist auch eine Kritik an Adam. Das habe ich erst sehr spät verstanden. Am Anfang war die Identifikation größer, dann habe ich verstanden, dass es aber auch eine Kritik ist an einem Nischendasein, was sich nicht aufrechterhalten lässt, und Adam hat ein Gespür vielleicht für das Kommende, weil wenn wir über diese Zeit reden, das war ein wichtiger Punkt oder des Interesses am Stoff, zu verstehen, dass natürlich der Sommer ´89 nicht nur das Ende der DDR war, sondern auch eine Zeitenwende, im Grunde auch das Ende der alten Bundesrepublik, und das war in dem Augenblick aber nicht zu wissen.

(Andreas Goldstein im Gespräch mit Patrick Wellinski, deutschlandfunkkultur.de, 08.09.18)

Adam und Evelyn
Fr 22.02.

Лето – Leto / Sommer, OmdU

Kirill Serebrennikow
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Лето (Leto / Sommer)

Russland / Frankreich 2018, 128 min, russische Originalfassung mit deutschen Untertiteln

Regie: Kirill Serebrennikow

Leningrad, ein Sommer zu Beginn der 1980er. Während Alben von Lou Reed und David Bowie heimlich die Besitzer wechseln, brodelt die Underground-Rockszene. Mike und seine Frau Natascha lernen den charismatischen Musiker Viktor Zoi kennen. Ihre unbändige Leidenschaft für die Musik verbindet sie schnell zu einer eigenwilligen Dreieckskonstellation. Als Teil einer neuen Musikbewegung werden sie trotz staatlich kontrollierter Konzerte das Schicksal des Rock ’n‘ Rolls in der Sowjetunion verändern.

Nach der wahren Geschichte um die legendäre russische Rockband Kino fängt LETO das Lebensgefühl einer sich nach Freiheit sehnenden Generation kurz vor der Perestroika ein. Mit verspielter Bilderwelt und pulsierendem Soundtrack von Talking Heads, Iggy Pop bis zu Blondie gelingt Kirill Serebrennikow ein mitreißendes und leichtfüßiges Zeitbild einer Jugend zwischen Rebellion und dem Leben unter Zensur. (weltkino)

„Mike Naumenko (einst Kopf der Band „Zoopark“) ebnet dem jungen Viktor Zoi den Weg in die Leningrader Musikszene, während sich zwischen Viktor und Mikes Frau Natasha eine Romanze anbahnt. Dass Viktor Zoi später zu einer Legende der sowjetischen Rockgeschichte werden sollte, zum Idol einer ganzen Generation, bis heute verehrt und umjubelt, davon ist in LETO noch keine Rede. Aber erahnen lässt sich die unbändige Kreativkraft des jungen Zoi, der intuitiv den richtigen Ton trifft (…). Serebrennikov erzählt in bestechenden Schwarz-Weiβ-Bildern von der Aufbruchsstimmung einer ganzen Generation, die vor Zorn und Leidenschaft zu platzen scheint und – noch namenlos – Gorbatschows Perestroika-Politik herbeisehnt. Und damit ist LETO weitaus mehr, als lediglich die gekonnte Verknüpfung einer komplizierten Liebesgeschichte mit einem berauschenden Soundtrack.“ (Maja Ellmenreich, deutschlandfunk, 10.05.18)

„Serebrennikov balanciert seinen Film gut, er umschifft die Hürden aller Filme über hedonistische KünstlerInnen, die irgendwann in ihrem eigenen Saft baden gehen und sich vollends entleeren. Doch das ist hier nicht der Fall. Im Gegenteil: Unter der sanften Melancholie zeigt sich ein treffsicherer Scharfsinn, der ganz wie die Liedtexte der 1980er-Jahre-Punks nie eindeutig ausdrückt, was er sagen will und doch Bände spricht.“ (B. Behn, kino-zeit.de)

Лето – Leto / Sommer, OmdU
Sa 23.02.

Zimna wojna – Cold War. Der Breitengrad der Liebe, OmdU

Pawel Pawlikowski
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Zimna wojna (Cold War – Der Breitengrad der Liebe)

PL/ GB/ F 2018, 89 min, OmdU

Regie: Paweł Pawlikowski

Während des polnischen Wiederaufbaus ist der begabte Komponist Wiktor auf der Suche nach traditionellen Melodien für ein neues Tanz- und Musik-Ensemble. Unter seinen Studentinnen ist auch die Sängerin Zula. Schön, hinreißend und energiegeladen ist Zula schon bald der Mittelpunkt des Ensembles und die beiden verlieben sich ineinander. Ihre brennende Leidenschaft scheint keine Grenzen zu kennen. Doch als das Repertoire des Ensembles zunehmend politisiert wird, nutzt Wiktor einen Auftritt in Ostberlin, um in den Westen zu fliehen. Zula bleibt der verabredeten Flucht fern und doch führt das Schicksal die beiden Liebenden Jahre später erneut zueinander. (Neue Visionen)

„Von Ort zu Ort werden die Liebenden getrieben und von einer Klangwelt in die nächste. Aber weder Volksmusik noch Jazz, weder Chanson noch Rock ’n‘ Roll werden zur Heimat. COLD WAR ist auch eine Studie des Exils, in dem Wiktor zur Mittelmäßigkeit schrumpft und Zula ihre Liebe fast verliert. Das alles ist verführerisch schön, in erlesen komponierten, sehr coolen Schwarz-Weiß-Bildern fotografiert, die COLD WAR schon jetzt wie einen Klassiker wirken lassen.“ (Martina Knoben, SZ 22.11.18)

Zimna wojna – Cold War. Der Breitengrad der Liebe, OmdU
Sa 23.02.

Adam und Evelyn

Andreas Goldstein
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Adam und Evelyn

D 2018, 95 min

Regie: Andreas Goldstein

ADAM UND EVELYN erzählt die Geschichte eines Paares von August bis Winter 1989. Sie beginnt in der ostdeutschen Provinz. Weil Adam Evelyn betrügt, reist Evelyn ohne ihn in den Urlaub nach Ungarn. Adam reist hinterher. Als Ungarn die Grenzen nach Österreich öffnet, will Evelyn über die Grenze. Adam landet wider Willen im Westen.

„(…) was ich und wir nicht wollten, war eine Dramatisierung. Also was ich in Filmen sehe über die Geschichte, ist, dass im Grunde Historisches dramatisiert wird. Das entspricht aber nicht meiner historischen Erfahrung, weil die Leute ihr Leben leben, und dahinter bewegen sich die Dinge, und da bewegt sich die Geschichte, und das ist nicht deckungsgleich.

Was mir eben an dem Roman so gut gefallen hat, das Lakonische der Figuren, die ganz unaufgeregt und mit viel mehr Zweifeln und großer Skepsis. Was übrigens ein Charakteristikum der DDR-Leute war, was man heute völlig vergisst, ist eigentlich eine extreme Skepsis, und die sehe ich eigentlich in diesen Filmen nicht mehr, und das fand ich in dem Roman ganz wunderbar, und das war wichtig, das in den Film zu übersetzen und zu retten.

(…) Ja, das ist die Skepsis. Ich meine, es ist auch eine Kritik an Adam. Das habe ich erst sehr spät verstanden. Am Anfang war die Identifikation größer, dann habe ich verstanden, dass es aber auch eine Kritik ist an einem Nischendasein, was sich nicht aufrechterhalten lässt, und Adam hat ein Gespür vielleicht für das Kommende, weil wenn wir über diese Zeit reden, das war ein wichtiger Punkt oder des Interesses am Stoff, zu verstehen, dass natürlich der Sommer ´89 nicht nur das Ende der DDR war, sondern auch eine Zeitenwende, im Grunde auch das Ende der alten Bundesrepublik, und das war in dem Augenblick aber nicht zu wissen.

(Andreas Goldstein im Gespräch mit Patrick Wellinski, deutschlandfunkkultur.de, 08.09.18)

Adam und Evelyn
Sa 23.02.

Лето – Leto / Sommer, OmdU

Kirill Serebrennikow
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Лето (Leto / Sommer)

Russland / Frankreich 2018, 128 min, russische Originalfassung mit deutschen Untertiteln

Regie: Kirill Serebrennikow

Leningrad, ein Sommer zu Beginn der 1980er. Während Alben von Lou Reed und David Bowie heimlich die Besitzer wechseln, brodelt die Underground-Rockszene. Mike und seine Frau Natascha lernen den charismatischen Musiker Viktor Zoi kennen. Ihre unbändige Leidenschaft für die Musik verbindet sie schnell zu einer eigenwilligen Dreieckskonstellation. Als Teil einer neuen Musikbewegung werden sie trotz staatlich kontrollierter Konzerte das Schicksal des Rock ’n‘ Rolls in der Sowjetunion verändern.

Nach der wahren Geschichte um die legendäre russische Rockband Kino fängt LETO das Lebensgefühl einer sich nach Freiheit sehnenden Generation kurz vor der Perestroika ein. Mit verspielter Bilderwelt und pulsierendem Soundtrack von Talking Heads, Iggy Pop bis zu Blondie gelingt Kirill Serebrennikow ein mitreißendes und leichtfüßiges Zeitbild einer Jugend zwischen Rebellion und dem Leben unter Zensur. (weltkino)

„Mike Naumenko (einst Kopf der Band „Zoopark“) ebnet dem jungen Viktor Zoi den Weg in die Leningrader Musikszene, während sich zwischen Viktor und Mikes Frau Natasha eine Romanze anbahnt. Dass Viktor Zoi später zu einer Legende der sowjetischen Rockgeschichte werden sollte, zum Idol einer ganzen Generation, bis heute verehrt und umjubelt, davon ist in LETO noch keine Rede. Aber erahnen lässt sich die unbändige Kreativkraft des jungen Zoi, der intuitiv den richtigen Ton trifft (…). Serebrennikov erzählt in bestechenden Schwarz-Weiβ-Bildern von der Aufbruchsstimmung einer ganzen Generation, die vor Zorn und Leidenschaft zu platzen scheint und – noch namenlos – Gorbatschows Perestroika-Politik herbeisehnt. Und damit ist LETO weitaus mehr, als lediglich die gekonnte Verknüpfung einer komplizierten Liebesgeschichte mit einem berauschenden Soundtrack.“ (Maja Ellmenreich, deutschlandfunk, 10.05.18)

„Serebrennikov balanciert seinen Film gut, er umschifft die Hürden aller Filme über hedonistische KünstlerInnen, die irgendwann in ihrem eigenen Saft baden gehen und sich vollends entleeren. Doch das ist hier nicht der Fall. Im Gegenteil: Unter der sanften Melancholie zeigt sich ein treffsicherer Scharfsinn, der ganz wie die Liedtexte der 1980er-Jahre-Punks nie eindeutig ausdrückt, was er sagen will und doch Bände spricht.“ (B. Behn, kino-zeit.de)

Лето – Leto / Sommer, OmdU
So 24.02.

Gundermann

Andreas Dresen
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Gundermann

Deutschland 2018, 127 min

Regie: Andreas Dresen

GUNDERMANN erzählt von einem Baggerfahrer, der Lieder schreibt. Der ein Poet ist, ein Clown und ein Idealist. Der träumt und hofft und liebt und kämpft. Ein Spitzel, der bespitzelt wird. Ein Weltverbesserer, der es nicht besser weiß. Ein Zerrissener. GUNDERMANN ist Liebes- und Musikfilm, Drama über Schuld und Verstrickung, eine Geschichte vom Verdrängen und Sich-Stellen. GUNDERMANN ist ein Film über Heimat. Er blickt noch einmal neu auf ein verschwundenes Land. Es ist nicht zu spät dafür. Es ist an der Zeit. (Pandora)

Gundermann
So 24.02.

Adam und Evelyn

Andreas Goldstein
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Adam und Evelyn

D 2018, 95 min

Regie: Andreas Goldstein

ADAM UND EVELYN erzählt die Geschichte eines Paares von August bis Winter 1989. Sie beginnt in der ostdeutschen Provinz. Weil Adam Evelyn betrügt, reist Evelyn ohne ihn in den Urlaub nach Ungarn. Adam reist hinterher. Als Ungarn die Grenzen nach Österreich öffnet, will Evelyn über die Grenze. Adam landet wider Willen im Westen.

„(…) was ich und wir nicht wollten, war eine Dramatisierung. Also was ich in Filmen sehe über die Geschichte, ist, dass im Grunde Historisches dramatisiert wird. Das entspricht aber nicht meiner historischen Erfahrung, weil die Leute ihr Leben leben, und dahinter bewegen sich die Dinge, und da bewegt sich die Geschichte, und das ist nicht deckungsgleich.

Was mir eben an dem Roman so gut gefallen hat, das Lakonische der Figuren, die ganz unaufgeregt und mit viel mehr Zweifeln und großer Skepsis. Was übrigens ein Charakteristikum der DDR-Leute war, was man heute völlig vergisst, ist eigentlich eine extreme Skepsis, und die sehe ich eigentlich in diesen Filmen nicht mehr, und das fand ich in dem Roman ganz wunderbar, und das war wichtig, das in den Film zu übersetzen und zu retten.

(…) Ja, das ist die Skepsis. Ich meine, es ist auch eine Kritik an Adam. Das habe ich erst sehr spät verstanden. Am Anfang war die Identifikation größer, dann habe ich verstanden, dass es aber auch eine Kritik ist an einem Nischendasein, was sich nicht aufrechterhalten lässt, und Adam hat ein Gespür vielleicht für das Kommende, weil wenn wir über diese Zeit reden, das war ein wichtiger Punkt oder des Interesses am Stoff, zu verstehen, dass natürlich der Sommer ´89 nicht nur das Ende der DDR war, sondern auch eine Zeitenwende, im Grunde auch das Ende der alten Bundesrepublik, und das war in dem Augenblick aber nicht zu wissen.

(Andreas Goldstein im Gespräch mit Patrick Wellinski, deutschlandfunkkultur.de, 08.09.18)

Adam und Evelyn
So 24.02.

Zimna wojna – Cold War. Der Breitengrad der Liebe, OmdU

Pawel Pawlikowski
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Zimna wojna (Cold War – Der Breitengrad der Liebe)

PL/ GB/ F 2018, 89 min, OmdU

Regie: Paweł Pawlikowski

Während des polnischen Wiederaufbaus ist der begabte Komponist Wiktor auf der Suche nach traditionellen Melodien für ein neues Tanz- und Musik-Ensemble. Unter seinen Studentinnen ist auch die Sängerin Zula. Schön, hinreißend und energiegeladen ist Zula schon bald der Mittelpunkt des Ensembles und die beiden verlieben sich ineinander. Ihre brennende Leidenschaft scheint keine Grenzen zu kennen. Doch als das Repertoire des Ensembles zunehmend politisiert wird, nutzt Wiktor einen Auftritt in Ostberlin, um in den Westen zu fliehen. Zula bleibt der verabredeten Flucht fern und doch führt das Schicksal die beiden Liebenden Jahre später erneut zueinander. (Neue Visionen)

„Von Ort zu Ort werden die Liebenden getrieben und von einer Klangwelt in die nächste. Aber weder Volksmusik noch Jazz, weder Chanson noch Rock ’n‘ Roll werden zur Heimat. COLD WAR ist auch eine Studie des Exils, in dem Wiktor zur Mittelmäßigkeit schrumpft und Zula ihre Liebe fast verliert. Das alles ist verführerisch schön, in erlesen komponierten, sehr coolen Schwarz-Weiß-Bildern fotografiert, die COLD WAR schon jetzt wie einen Klassiker wirken lassen.“ (Martina Knoben, SZ 22.11.18)

Zimna wojna – Cold War. Der Breitengrad der Liebe, OmdU
Mo 25.02.

Лето – Leto / Sommer, OmdU

Pawel Pawlikowski
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Лето (Leto / Sommer)

Russland / Frankreich 2018, 128 min, russische Originalfassung mit deutschen Untertiteln

Regie: Kirill Serebrennikow

Leningrad, ein Sommer zu Beginn der 1980er. Während Alben von Lou Reed und David Bowie heimlich die Besitzer wechseln, brodelt die Underground-Rockszene. Mike und seine Frau Natascha lernen den charismatischen Musiker Viktor Zoi kennen. Ihre unbändige Leidenschaft für die Musik verbindet sie schnell zu einer eigenwilligen Dreieckskonstellation. Als Teil einer neuen Musikbewegung werden sie trotz staatlich kontrollierter Konzerte das Schicksal des Rock ’n‘ Rolls in der Sowjetunion verändern.

Nach der wahren Geschichte um die legendäre russische Rockband Kino fängt LETO das Lebensgefühl einer sich nach Freiheit sehnenden Generation kurz vor der Perestroika ein. Mit verspielter Bilderwelt und pulsierendem Soundtrack von Talking Heads, Iggy Pop bis zu Blondie gelingt Kirill Serebrennikow ein mitreißendes und leichtfüßiges Zeitbild einer Jugend zwischen Rebellion und dem Leben unter Zensur. (weltkino)

„Mike Naumenko (einst Kopf der Band „Zoopark“) ebnet dem jungen Viktor Zoi den Weg in die Leningrader Musikszene, während sich zwischen Viktor und Mikes Frau Natasha eine Romanze anbahnt. Dass Viktor Zoi später zu einer Legende der sowjetischen Rockgeschichte werden sollte, zum Idol einer ganzen Generation, bis heute verehrt und umjubelt, davon ist in LETO noch keine Rede. Aber erahnen lässt sich die unbändige Kreativkraft des jungen Zoi, der intuitiv den richtigen Ton trifft (…). Serebrennikov erzählt in bestechenden Schwarz-Weiβ-Bildern von der Aufbruchsstimmung einer ganzen Generation, die vor Zorn und Leidenschaft zu platzen scheint und – noch namenlos – Gorbatschows Perestroika-Politik herbeisehnt. Und damit ist LETO weitaus mehr, als lediglich die gekonnte Verknüpfung einer komplizierten Liebesgeschichte mit einem berauschenden Soundtrack.“ (Maja Ellmenreich, deutschlandfunk, 10.05.18)

„Serebrennikov balanciert seinen Film gut, er umschifft die Hürden aller Filme über hedonistische KünstlerInnen, die irgendwann in ihrem eigenen Saft baden gehen und sich vollends entleeren. Doch das ist hier nicht der Fall. Im Gegenteil: Unter der sanften Melancholie zeigt sich ein treffsicherer Scharfsinn, der ganz wie die Liedtexte der 1980er-Jahre-Punks nie eindeutig ausdrückt, was er sagen will und doch Bände spricht.“ (B. Behn, kino-zeit.de)

Лето – Leto / Sommer, OmdU
Mo 25.02.

Donbass (Донбас / Донбасc), OmdU

Sergej Losniza
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Donbass (Донбас / Донбасc)

D/ F/ UA/ RO/ NL 2018, 121 min, russ. | ukr. mit dt. UT

Regie: Sergej Losniza             Kamera: Oleg Mutu

Der Donbass. Ostukraine. Ein Land zerfällt. Eine Welt kollabiert. Weltbilder zerbrechen. Aus der Vogelperspektive der Geschichte sehen wir den namenlosen Kampf der Global Player. Aber wie sieht es da unten aus, am Boden, bei den Menschen, die jeden Tag in diesem Inferno überstehen müssen? Wie überleben die Menschen? Wie überlebt die Menschlichkeit?

„Gleich die erste Szene zeigt eine Maskenbildnerin, die eine Laiendarstellerin für eine Filmszene schminkt, in der ein Angriff auf einen Bus nachgestellt wird. Immer wieder wird Loznitsa im Folgenden mit kleinen, selbstreflexiven Momenten den Filmapparat andeuten, lässt mal einen Kameramann im Bild erscheinen, mal Figuren sich selbst mit Handys filmen. Sehen wir einen Krieg? Oder einen Film? Einen Film über Krieg? Oder einen Krieg nach Drehbuch? Scheint Loznitsa zu fragen und damit anzudeuten, dass dieser meist so verwirrend und undurchschaubar wirkende Konflikt vielleicht gar nicht so konfus abläuft, dass vielleicht vielmehr nach einem zumindest losen Drehbuch geplant wird, Unruhe und Chaos in der Region zu stiften. Welche Ziele damit verbunden sein mögen, lässt Loznitsa offen, er beschreibt in DONBASS eine Welt des Chaos, die durch den Krieg in Korruption und Anarchie abzudriften droht.“ (Micheal Meyns, programmkino.de)

„Propaganda ist, wenn man etwas erfindet. Ich habe aber in meinem Film nichts erfunden. Es gibt echte Amateuraufnahmen von den Szenen im Film. Er zeigt also die Wahrheit. Außerdem ist es mir wichtig, dass ich keinen Film aus Sichtweise der ukrainischen oder der russischen Regierung gemacht habe. Ich präsentiere lediglich meine Sichtweise auf diesen Krieg. (…) Dieser Film ist ungemütlich und unakzeptabel für beide Seiten dieses Kriegs. Schon komisch, wenn ich dafür als Propagandist bezeichnet werde. Denn wenn mein Film Propaganda ist, dann ist die Realität Propaganda.“ (Sergej Losniza im Interview mit Steffen Dobbert, zeit.de)

„(…) Auch in DONBASS wirkt die Kamera scheinbar unbeteiligt, aber eigentlich ist die strenge Formsprache, die IM NEBEL (2012) noch so offensichtlich prägte, hier nur subtiler ausgeformt. Sergei Loznitsa hat sie transformiert in virtuose Plansequenzen ohne Schnitt, die ein hohes Maß an gestalterischer Disziplin verlangen. Trotz der chaotischen Verhältnisse, die DONBASS zeigt, strahlt der Film dadurch eine eiskalte Energie aus, die das Geschehen wegen der scheinbaren Ungerührtheit des Beobachtenden zeitweise noch schwerer erträglich machen. In Wahrheit aber schaut Sergei Loznitsa wieder nur ganz genau hin, ohne sentimentale dramaturgische Elemente, die seinen Film leichter verdaulich machen würden. Der Krieg ist in DONBASS kaum direkt zu sehen, und doch starrt man ihm hier laufend unmittelbar in die hässliche Fratze. Das ist anstrengend. Und absolut brillant.“ (Oliver Kaever, zeit.de)

Donbass (Донбас / Донбасc), OmdU
Di 26.02.

Лето – Leto / Sommer, OmdU

Kirill Serebrennikow
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Лето (Leto / Sommer)

Russland / Frankreich 2018, 128 min, russische Originalfassung mit deutschen Untertiteln

Regie: Kirill Serebrennikow

Leningrad, ein Sommer zu Beginn der 1980er. Während Alben von Lou Reed und David Bowie heimlich die Besitzer wechseln, brodelt die Underground-Rockszene. Mike und seine Frau Natascha lernen den charismatischen Musiker Viktor Zoi kennen. Ihre unbändige Leidenschaft für die Musik verbindet sie schnell zu einer eigenwilligen Dreieckskonstellation. Als Teil einer neuen Musikbewegung werden sie trotz staatlich kontrollierter Konzerte das Schicksal des Rock ’n‘ Rolls in der Sowjetunion verändern.

Nach der wahren Geschichte um die legendäre russische Rockband Kino fängt LETO das Lebensgefühl einer sich nach Freiheit sehnenden Generation kurz vor der Perestroika ein. Mit verspielter Bilderwelt und pulsierendem Soundtrack von Talking Heads, Iggy Pop bis zu Blondie gelingt Kirill Serebrennikow ein mitreißendes und leichtfüßiges Zeitbild einer Jugend zwischen Rebellion und dem Leben unter Zensur. (weltkino)

„Mike Naumenko (einst Kopf der Band „Zoopark“) ebnet dem jungen Viktor Zoi den Weg in die Leningrader Musikszene, während sich zwischen Viktor und Mikes Frau Natasha eine Romanze anbahnt. Dass Viktor Zoi später zu einer Legende der sowjetischen Rockgeschichte werden sollte, zum Idol einer ganzen Generation, bis heute verehrt und umjubelt, davon ist in LETO noch keine Rede. Aber erahnen lässt sich die unbändige Kreativkraft des jungen Zoi, der intuitiv den richtigen Ton trifft (…). Serebrennikov erzählt in bestechenden Schwarz-Weiβ-Bildern von der Aufbruchsstimmung einer ganzen Generation, die vor Zorn und Leidenschaft zu platzen scheint und – noch namenlos – Gorbatschows Perestroika-Politik herbeisehnt. Und damit ist LETO weitaus mehr, als lediglich die gekonnte Verknüpfung einer komplizierten Liebesgeschichte mit einem berauschenden Soundtrack.“ (Maja Ellmenreich, deutschlandfunk, 10.05.18)

„Serebrennikov balanciert seinen Film gut, er umschifft die Hürden aller Filme über hedonistische KünstlerInnen, die irgendwann in ihrem eigenen Saft baden gehen und sich vollends entleeren. Doch das ist hier nicht der Fall. Im Gegenteil: Unter der sanften Melancholie zeigt sich ein treffsicherer Scharfsinn, der ganz wie die Liedtexte der 1980er-Jahre-Punks nie eindeutig ausdrückt, was er sagen will und doch Bände spricht.“ (B. Behn, kino-zeit.de)

Лето – Leto / Sommer, OmdU
Di 26.02.

Donbass (Донбас / Донбасc), OmdU

Sergej Losniza
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Donbass (Донбас / Донбасc)

D/ F/ UA/ RO/ NL 2018, 121 min, russ. | ukr. mit dt. UT

Regie: Sergej Losniza             Kamera: Oleg Mutu

Der Donbass. Ostukraine. Ein Land zerfällt. Eine Welt kollabiert. Weltbilder zerbrechen. Aus der Vogelperspektive der Geschichte sehen wir den namenlosen Kampf der Global Player. Aber wie sieht es da unten aus, am Boden, bei den Menschen, die jeden Tag in diesem Inferno überstehen müssen? Wie überleben die Menschen? Wie überlebt die Menschlichkeit?

„Gleich die erste Szene zeigt eine Maskenbildnerin, die eine Laiendarstellerin für eine Filmszene schminkt, in der ein Angriff auf einen Bus nachgestellt wird. Immer wieder wird Loznitsa im Folgenden mit kleinen, selbstreflexiven Momenten den Filmapparat andeuten, lässt mal einen Kameramann im Bild erscheinen, mal Figuren sich selbst mit Handys filmen. Sehen wir einen Krieg? Oder einen Film? Einen Film über Krieg? Oder einen Krieg nach Drehbuch? Scheint Loznitsa zu fragen und damit anzudeuten, dass dieser meist so verwirrend und undurchschaubar wirkende Konflikt vielleicht gar nicht so konfus abläuft, dass vielleicht vielmehr nach einem zumindest losen Drehbuch geplant wird, Unruhe und Chaos in der Region zu stiften. Welche Ziele damit verbunden sein mögen, lässt Loznitsa offen, er beschreibt in DONBASS eine Welt des Chaos, die durch den Krieg in Korruption und Anarchie abzudriften droht.“ (Micheal Meyns, programmkino.de)

„Propaganda ist, wenn man etwas erfindet. Ich habe aber in meinem Film nichts erfunden. Es gibt echte Amateuraufnahmen von den Szenen im Film. Er zeigt also die Wahrheit. Außerdem ist es mir wichtig, dass ich keinen Film aus Sichtweise der ukrainischen oder der russischen Regierung gemacht habe. Ich präsentiere lediglich meine Sichtweise auf diesen Krieg. (…) Dieser Film ist ungemütlich und unakzeptabel für beide Seiten dieses Kriegs. Schon komisch, wenn ich dafür als Propagandist bezeichnet werde. Denn wenn mein Film Propaganda ist, dann ist die Realität Propaganda.“ (Sergej Losniza im Interview mit Steffen Dobbert, zeit.de)

„(…) Auch in DONBASS wirkt die Kamera scheinbar unbeteiligt, aber eigentlich ist die strenge Formsprache, die IM NEBEL (2012) noch so offensichtlich prägte, hier nur subtiler ausgeformt. Sergei Loznitsa hat sie transformiert in virtuose Plansequenzen ohne Schnitt, die ein hohes Maß an gestalterischer Disziplin verlangen. Trotz der chaotischen Verhältnisse, die DONBASS zeigt, strahlt der Film dadurch eine eiskalte Energie aus, die das Geschehen wegen der scheinbaren Ungerührtheit des Beobachtenden zeitweise noch schwerer erträglich machen. In Wahrheit aber schaut Sergei Loznitsa wieder nur ganz genau hin, ohne sentimentale dramaturgische Elemente, die seinen Film leichter verdaulich machen würden. Der Krieg ist in DONBASS kaum direkt zu sehen, und doch starrt man ihm hier laufend unmittelbar in die hässliche Fratze. Das ist anstrengend. Und absolut brillant.“ (Oliver Kaever, zeit.de)

Donbass (Донбас / Донбасc), OmdU
Mi 27.02.

Лето – Leto / Sommer, OmdU

Kirill Serebrennikow
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Лето (Leto / Sommer)

Russland / Frankreich 2018, 128 min, russische Originalfassung mit deutschen Untertiteln

Regie: Kirill Serebrennikow

Leningrad, ein Sommer zu Beginn der 1980er. Während Alben von Lou Reed und David Bowie heimlich die Besitzer wechseln, brodelt die Underground-Rockszene. Mike und seine Frau Natascha lernen den charismatischen Musiker Viktor Zoi kennen. Ihre unbändige Leidenschaft für die Musik verbindet sie schnell zu einer eigenwilligen Dreieckskonstellation. Als Teil einer neuen Musikbewegung werden sie trotz staatlich kontrollierter Konzerte das Schicksal des Rock ’n‘ Rolls in der Sowjetunion verändern.

Nach der wahren Geschichte um die legendäre russische Rockband Kino fängt LETO das Lebensgefühl einer sich nach Freiheit sehnenden Generation kurz vor der Perestroika ein. Mit verspielter Bilderwelt und pulsierendem Soundtrack von Talking Heads, Iggy Pop bis zu Blondie gelingt Kirill Serebrennikow ein mitreißendes und leichtfüßiges Zeitbild einer Jugend zwischen Rebellion und dem Leben unter Zensur. (weltkino)

„Mike Naumenko (einst Kopf der Band „Zoopark“) ebnet dem jungen Viktor Zoi den Weg in die Leningrader Musikszene, während sich zwischen Viktor und Mikes Frau Natasha eine Romanze anbahnt. Dass Viktor Zoi später zu einer Legende der sowjetischen Rockgeschichte werden sollte, zum Idol einer ganzen Generation, bis heute verehrt und umjubelt, davon ist in LETO noch keine Rede. Aber erahnen lässt sich die unbändige Kreativkraft des jungen Zoi, der intuitiv den richtigen Ton trifft (…). Serebrennikov erzählt in bestechenden Schwarz-Weiβ-Bildern von der Aufbruchsstimmung einer ganzen Generation, die vor Zorn und Leidenschaft zu platzen scheint und – noch namenlos – Gorbatschows Perestroika-Politik herbeisehnt. Und damit ist LETO weitaus mehr, als lediglich die gekonnte Verknüpfung einer komplizierten Liebesgeschichte mit einem berauschenden Soundtrack.“ (Maja Ellmenreich, deutschlandfunk, 10.05.18)

„Serebrennikov balanciert seinen Film gut, er umschifft die Hürden aller Filme über hedonistische KünstlerInnen, die irgendwann in ihrem eigenen Saft baden gehen und sich vollends entleeren. Doch das ist hier nicht der Fall. Im Gegenteil: Unter der sanften Melancholie zeigt sich ein treffsicherer Scharfsinn, der ganz wie die Liedtexte der 1980er-Jahre-Punks nie eindeutig ausdrückt, was er sagen will und doch Bände spricht.“ (B. Behn, kino-zeit.de)

Лето – Leto / Sommer, OmdU
Mi 27.02.

Donbass (Донбас / Донбасc), OmdU

Sergej Losniza
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Donbass (Донбас / Донбасc)

D/ F/ UA/ RO/ NL 2018, 121 min, russ. | ukr. mit dt. UT

Regie: Sergej Losniza             Kamera: Oleg Mutu

Der Donbass. Ostukraine. Ein Land zerfällt. Eine Welt kollabiert. Weltbilder zerbrechen. Aus der Vogelperspektive der Geschichte sehen wir den namenlosen Kampf der Global Player. Aber wie sieht es da unten aus, am Boden, bei den Menschen, die jeden Tag in diesem Inferno überstehen müssen? Wie überleben die Menschen? Wie überlebt die Menschlichkeit?

„Gleich die erste Szene zeigt eine Maskenbildnerin, die eine Laiendarstellerin für eine Filmszene schminkt, in der ein Angriff auf einen Bus nachgestellt wird. Immer wieder wird Loznitsa im Folgenden mit kleinen, selbstreflexiven Momenten den Filmapparat andeuten, lässt mal einen Kameramann im Bild erscheinen, mal Figuren sich selbst mit Handys filmen. Sehen wir einen Krieg? Oder einen Film? Einen Film über Krieg? Oder einen Krieg nach Drehbuch? Scheint Loznitsa zu fragen und damit anzudeuten, dass dieser meist so verwirrend und undurchschaubar wirkende Konflikt vielleicht gar nicht so konfus abläuft, dass vielleicht vielmehr nach einem zumindest losen Drehbuch geplant wird, Unruhe und Chaos in der Region zu stiften. Welche Ziele damit verbunden sein mögen, lässt Loznitsa offen, er beschreibt in DONBASS eine Welt des Chaos, die durch den Krieg in Korruption und Anarchie abzudriften droht.“ (Micheal Meyns, programmkino.de)

„Propaganda ist, wenn man etwas erfindet. Ich habe aber in meinem Film nichts erfunden. Es gibt echte Amateuraufnahmen von den Szenen im Film. Er zeigt also die Wahrheit. Außerdem ist es mir wichtig, dass ich keinen Film aus Sichtweise der ukrainischen oder der russischen Regierung gemacht habe. Ich präsentiere lediglich meine Sichtweise auf diesen Krieg. (…) Dieser Film ist ungemütlich und unakzeptabel für beide Seiten dieses Kriegs. Schon komisch, wenn ich dafür als Propagandist bezeichnet werde. Denn wenn mein Film Propaganda ist, dann ist die Realität Propaganda.“ (Sergej Losniza im Interview mit Steffen Dobbert, zeit.de)

„(…) Auch in DONBASS wirkt die Kamera scheinbar unbeteiligt, aber eigentlich ist die strenge Formsprache, die IM NEBEL (2012) noch so offensichtlich prägte, hier nur subtiler ausgeformt. Sergei Loznitsa hat sie transformiert in virtuose Plansequenzen ohne Schnitt, die ein hohes Maß an gestalterischer Disziplin verlangen. Trotz der chaotischen Verhältnisse, die DONBASS zeigt, strahlt der Film dadurch eine eiskalte Energie aus, die das Geschehen wegen der scheinbaren Ungerührtheit des Beobachtenden zeitweise noch schwerer erträglich machen. In Wahrheit aber schaut Sergei Loznitsa wieder nur ganz genau hin, ohne sentimentale dramaturgische Elemente, die seinen Film leichter verdaulich machen würden. Der Krieg ist in DONBASS kaum direkt zu sehen, und doch starrt man ihm hier laufend unmittelbar in die hässliche Fratze. Das ist anstrengend. Und absolut brillant.“ (Oliver Kaever, zeit.de)

Donbass (Донбас / Донбасc), OmdU
Do 28.02.

Chris the Swiss, OmdU

Anja Kofmel
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Chris the Swiss

Schweiz / Kroatien / Deutschland / Finnland 2018, 90 min

Deutsch | Schweizerdeutsch | Spanisch | Englisch mit deutschen Untertiteln

Regie: Anja Kofmel

Anfang der 90er Jahre: Die Jugoslawienkriege hatten begonnen. Junge Männer aus ganz Europa nahmen teil. Am 7. Januar 1992 wurde in Kroatien ein Schweizer Journalist in der Uniform einer internationalen Söldnergruppe tot aufgefunden. Zwanzig Jahre später erforscht seine Cousine, die Regisseurin Anja Kofmel, die Hintergründe, um zu verstehen, warum diese Männer vom Krieg so fasziniert sind.

„CHRIS THE SWISS ist einer der Höhepunkte der Semaine de la Critique. Anja Kofmel präsentiert einen animierten Dokumentarfilm, der in seiner Schönheit außergewöhnlich ist und durch seine Dunkelheit beunruhigt und erschreckt.“ (Aurore Garot, Toute la culture)

„Es ist eine aufregende Untersuchung, eine Reflexion über die Schrecken des Krieges, ein Thriller, eine Initiationsreise, durchsetzt mit Animationssequenzen von beängstigender Schönheit.“ (Cécile Mury, Télérama)

Chris the Swiss, OmdU
Do 28.02.

Hotel Jugoslavija, OmdU

Nicolas Wagnières
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Hotel Jugoslavija

Schweiz 2018, 78 min, Französisch | Serbisch mit deutschen UT

Regie: Nicolas Wagnières

Das Hotel Jugoslavija, ein mystisches Gebäude, erbaut zu Beginn der 70er Jahre in Novi Beograd in Jugoslawien, war ein Symbol und Zeuge verschiedener Momente, die die ehemalige Republik Jugoslawien geformt haben: von Tito bis Milosevic, vom Sozialismus bis zum Nationalismus, den Bombardierungen der NATO bis zum korrupten Liberalismus. – Es spukt heute immer noch im Belgrader Stadtbild wie ein Spiegel, der einem Serbien vorgehalten wird, das neue Orientierungspunkte sucht. Der Regisseur – der mütterlicherseits jugoslawischen Ursprungs ist, doch in der Schweiz geboren wurde und dort lebt – lädt ein zu einer Reise durch die Epochen und Räume dieses Gebäudes und schafft eine einzigartige Raum-Zeit-Struktur, aus der eine Form kollektiver Bewusstlosigkeit sowie ein Teil seiner eigenen Identität zum Vorschein kommt.

Hotel Jugoslavija, OmdU
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