Do 09.07.

Nationalstraße – Národní třída, OmdU

Štěpán Altrichter
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Nationalstraße (Národní třída)

CZ/ D 2019, 91 min, Tschechische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Štěpán Altrichter      nach dem gleichnamigen Roman von Jaroslav Rudiš

Er ist ein Kind der Vorstadt und die Faust rutscht ihm gerne mal aus. Seine Klappe ist gigantisch und sein Spitzname ist nicht ironisch gemeint: Vandam. Wie Jean-Claude van Damme. Vandam hat seine Neubau-Siedlung nie verlassen und darauf ist er stolz. Sein Leben scheint ein bisschen aus der Zeit gefallen – doch globale Entwicklungen halten sich nicht an Stadtgrenzen. Immobilien-Haie haben es auf seine Lieblingskneipe abgesehen. Auf sein Revier, seine Heimat, sein Zuhause, auch wenn von seiner Familie nichts mehr übriggeblieben ist. Jetzt soll die Kneipe abgerissen und das Grundstück neu bebaut werden. Aber das ist noch nicht alles: Die Kneipe gehört einer Frau, die er liebt. Irgendwie. Heimlich. Und ein wenig breitbeinig. Lucka heißt sie. Lucka und die Kneipe sind wie ein Licht im Dunkeln für ihn – auch wenn er das so nie sagen würde. Aber ein Krieger ist ein Krieger und kämpft für das, was ihm heilig ist.

„Vandam ist nicht immer einfach, ein ambivalenter Typ. Ein Schläger. Ein Bürger, der Wut in sich hat. Gleichzeitig ein Mensch voller Leidenschaft, Suche nach Gerechtigkeit, nach Liebe. Einer, der sagt, was er meint und der sein Wort hält. Nicht gut, nicht schlecht. Ich wollte einen Film machen, der das Leben so zeigt, wie es ist: uneindeutig. Tragisch. Romantisch. Traurig. Und lustig! Nicht schwarz und weiß. So wie das Leben selbst.“ (Štěpán Altrichter)

„Vandam ist ein trauriger Held. Ich habe ihn mal in einer Prager Kneipe getroffen und war fasziniert von seiner brachialen, aber auch sehr poetischen Sprache. Wir haben viel Bier getrunken. Er erzählte mir Geschichten aus seinem Leben. Alles ziemlich düster, alles nicht einfach, aber er mit viel Humor. Ich hoffe, das haben wir auch in den Film übertragen.“ (Jaroslav Rudiš)

„Nun gibt es aber auch gravierende Unterschiede zwischen Roman und Film, die dazu führen, dass der filmische Vandam dem Publikum regelrecht sympathisch wird. Der Glatzkopf prügelt sich zwar, aber seine Brutalität als Schläger bleibt im Film zum Glück ausgespart. Vandam verpasst auch der Kneipenbesitzerin Lucka, die er gerne zu seiner Frau machen würde, keine Ohrfeigen wie der Wirtin Sylva aus dem Buch. Lucka ist noch jung, attraktiv, alle die prolligen Äußerungen Sylvas sind ihr sorgsam ausradiert worden. Vieles ist auf einmal merkwürdig geglättet zu einer nicht mehr ganz neu wirkenden Geschichte über Gentrifizierung und die Machtlosigkeit der Männer, die ihre Stammkneipe verlieren, weil sie den Stadtentwicklern und Investoren weder zeitgemäß noch lukrativ erscheint.

Es wäre vielleicht mal interessant, grundsätzliche Überlegungen anzustellen zur manchmal ausgeprägten Bereitschaft von Romanautoren und -autorinnen, ihr eigenes Werk für ein Drehbuch abzuändern. Rudiš, der mit Altrichter das Drehbuch verfasste, lässt Vandam darin plötzlich genau die gut gemeinten Dinge tun, die er im Roman zu seinem eigenen Bedauern unterlässt. Dort sind es Vandams Versäumnisse und sein selbstgerechtes dumpfes Fehlverhalten, die die Leserschaft glauben lassen, er hätte sich um einen Haufen Chancen gebracht.“ (Bianca Piringer, kino-zeit.de)

Nationalstraße – Národní třída, OmdU
Do 09.07.

Siberia, OmdU

Abel Ferrara
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Siberia

Italien / Deutschland / Mexiko 2020, 91 min, OmdU

Regie: Abel Ferrara

Clint ist ein vom Leben gezeichneter Mann. Um endlich seinen inneren Frieden zu finden, hat er sich in eine einsame Hütte in den verschneiten Bergen zurückgezogen. Dort betreibt er ein kleines Café, in das sich nur selten Reisende oder Einheimische verirren. Aber selbst in der Abgeschiedenheit findet Clint keine Ruhe. Eines schicksalhaften Abends bricht er mit seinem Hundeschlitten auf, getrieben von der Hoffnung, sein wahres Ich zu finden. Eine Reise durch seine Träume, Erinnerungen und Fantasien beginnt.

„Ob man Ferrara auf diesem chaotischen Weg in ein beunruhigtes Inneres begleitet oder SIBERIA als selbstverliebten Mumpitz abqualifiziert, hängt von der Bereitwilligkeit ab, sich auf eher experimentelle, von Publikumserwartungen ungetrübte Erzählmuster einzulassen. Dass das zentrale männliche Ego immer wieder um die Themen Sex und Gewalt kreist, gilt es gleichfalls zu verkraften. Aber ehrlich gesagt, tut es das bei Ferrara nicht immer? Und liegt das Faszinierende seiner Werke nicht gerade in der schonungslosen Selbstentblößung ihrer höchst zweifelhaften und oft verzweifelten Helden? Diesen peinlichen, erbärmlichen, durchschnittlichen, uns so ähnlichen Sinnsuchern.“ (Alexandra Seitz, BLZ 25.02.2020)

Fr 10.07.

Nationalstraße – Národní třída, OmdU

Štěpán Altrichter
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Nationalstraße (Národní třída)

CZ/ D 2019, 91 min, Tschechische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Štěpán Altrichter      nach dem gleichnamigen Roman von Jaroslav Rudiš

Er ist ein Kind der Vorstadt und die Faust rutscht ihm gerne mal aus. Seine Klappe ist gigantisch und sein Spitzname ist nicht ironisch gemeint: Vandam. Wie Jean-Claude van Damme. Vandam hat seine Neubau-Siedlung nie verlassen und darauf ist er stolz. Sein Leben scheint ein bisschen aus der Zeit gefallen – doch globale Entwicklungen halten sich nicht an Stadtgrenzen. Immobilien-Haie haben es auf seine Lieblingskneipe abgesehen. Auf sein Revier, seine Heimat, sein Zuhause, auch wenn von seiner Familie nichts mehr übriggeblieben ist. Jetzt soll die Kneipe abgerissen und das Grundstück neu bebaut werden. Aber das ist noch nicht alles: Die Kneipe gehört einer Frau, die er liebt. Irgendwie. Heimlich. Und ein wenig breitbeinig. Lucka heißt sie. Lucka und die Kneipe sind wie ein Licht im Dunkeln für ihn – auch wenn er das so nie sagen würde. Aber ein Krieger ist ein Krieger und kämpft für das, was ihm heilig ist.

„Vandam ist nicht immer einfach, ein ambivalenter Typ. Ein Schläger. Ein Bürger, der Wut in sich hat. Gleichzeitig ein Mensch voller Leidenschaft, Suche nach Gerechtigkeit, nach Liebe. Einer, der sagt, was er meint und der sein Wort hält. Nicht gut, nicht schlecht. Ich wollte einen Film machen, der das Leben so zeigt, wie es ist: uneindeutig. Tragisch. Romantisch. Traurig. Und lustig! Nicht schwarz und weiß. So wie das Leben selbst.“ (Štěpán Altrichter)

„Vandam ist ein trauriger Held. Ich habe ihn mal in einer Prager Kneipe getroffen und war fasziniert von seiner brachialen, aber auch sehr poetischen Sprache. Wir haben viel Bier getrunken. Er erzählte mir Geschichten aus seinem Leben. Alles ziemlich düster, alles nicht einfach, aber er mit viel Humor. Ich hoffe, das haben wir auch in den Film übertragen.“ (Jaroslav Rudiš)

„Nun gibt es aber auch gravierende Unterschiede zwischen Roman und Film, die dazu führen, dass der filmische Vandam dem Publikum regelrecht sympathisch wird. Der Glatzkopf prügelt sich zwar, aber seine Brutalität als Schläger bleibt im Film zum Glück ausgespart. Vandam verpasst auch der Kneipenbesitzerin Lucka, die er gerne zu seiner Frau machen würde, keine Ohrfeigen wie der Wirtin Sylva aus dem Buch. Lucka ist noch jung, attraktiv, alle die prolligen Äußerungen Sylvas sind ihr sorgsam ausradiert worden. Vieles ist auf einmal merkwürdig geglättet zu einer nicht mehr ganz neu wirkenden Geschichte über Gentrifizierung und die Machtlosigkeit der Männer, die ihre Stammkneipe verlieren, weil sie den Stadtentwicklern und Investoren weder zeitgemäß noch lukrativ erscheint.

Es wäre vielleicht mal interessant, grundsätzliche Überlegungen anzustellen zur manchmal ausgeprägten Bereitschaft von Romanautoren und -autorinnen, ihr eigenes Werk für ein Drehbuch abzuändern. Rudiš, der mit Altrichter das Drehbuch verfasste, lässt Vandam darin plötzlich genau die gut gemeinten Dinge tun, die er im Roman zu seinem eigenen Bedauern unterlässt. Dort sind es Vandams Versäumnisse und sein selbstgerechtes dumpfes Fehlverhalten, die die Leserschaft glauben lassen, er hätte sich um einen Haufen Chancen gebracht.“ (Bianca Piringer, kino-zeit.de)

Nationalstraße – Národní třída, OmdU
Fr 10.07.

Siberia, OmdU

Abel Ferrara
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Siberia

Italien / Deutschland / Mexiko 2020, 91 min, OmdU

Regie: Abel Ferrara

Clint ist ein vom Leben gezeichneter Mann. Um endlich seinen inneren Frieden zu finden, hat er sich in eine einsame Hütte in den verschneiten Bergen zurückgezogen. Dort betreibt er ein kleines Café, in das sich nur selten Reisende oder Einheimische verirren. Aber selbst in der Abgeschiedenheit findet Clint keine Ruhe. Eines schicksalhaften Abends bricht er mit seinem Hundeschlitten auf, getrieben von der Hoffnung, sein wahres Ich zu finden. Eine Reise durch seine Träume, Erinnerungen und Fantasien beginnt.

„Ob man Ferrara auf diesem chaotischen Weg in ein beunruhigtes Inneres begleitet oder SIBERIA als selbstverliebten Mumpitz abqualifiziert, hängt von der Bereitwilligkeit ab, sich auf eher experimentelle, von Publikumserwartungen ungetrübte Erzählmuster einzulassen. Dass das zentrale männliche Ego immer wieder um die Themen Sex und Gewalt kreist, gilt es gleichfalls zu verkraften. Aber ehrlich gesagt, tut es das bei Ferrara nicht immer? Und liegt das Faszinierende seiner Werke nicht gerade in der schonungslosen Selbstentblößung ihrer höchst zweifelhaften und oft verzweifelten Helden? Diesen peinlichen, erbärmlichen, durchschnittlichen, uns so ähnlichen Sinnsuchern.“ (Alexandra Seitz, BLZ 25.02.2020)

Sa 11.07.

Nationalstraße – Národní třída, OmdU

Štěpán Altrichter
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Nationalstraße (Národní třída)

CZ/ D 2019, 91 min, Tschechische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Štěpán Altrichter      nach dem gleichnamigen Roman von Jaroslav Rudiš

Er ist ein Kind der Vorstadt und die Faust rutscht ihm gerne mal aus. Seine Klappe ist gigantisch und sein Spitzname ist nicht ironisch gemeint: Vandam. Wie Jean-Claude van Damme. Vandam hat seine Neubau-Siedlung nie verlassen und darauf ist er stolz. Sein Leben scheint ein bisschen aus der Zeit gefallen – doch globale Entwicklungen halten sich nicht an Stadtgrenzen. Immobilien-Haie haben es auf seine Lieblingskneipe abgesehen. Auf sein Revier, seine Heimat, sein Zuhause, auch wenn von seiner Familie nichts mehr übriggeblieben ist. Jetzt soll die Kneipe abgerissen und das Grundstück neu bebaut werden. Aber das ist noch nicht alles: Die Kneipe gehört einer Frau, die er liebt. Irgendwie. Heimlich. Und ein wenig breitbeinig. Lucka heißt sie. Lucka und die Kneipe sind wie ein Licht im Dunkeln für ihn – auch wenn er das so nie sagen würde. Aber ein Krieger ist ein Krieger und kämpft für das, was ihm heilig ist.

„Vandam ist nicht immer einfach, ein ambivalenter Typ. Ein Schläger. Ein Bürger, der Wut in sich hat. Gleichzeitig ein Mensch voller Leidenschaft, Suche nach Gerechtigkeit, nach Liebe. Einer, der sagt, was er meint und der sein Wort hält. Nicht gut, nicht schlecht. Ich wollte einen Film machen, der das Leben so zeigt, wie es ist: uneindeutig. Tragisch. Romantisch. Traurig. Und lustig! Nicht schwarz und weiß. So wie das Leben selbst.“ (Štěpán Altrichter)

„Vandam ist ein trauriger Held. Ich habe ihn mal in einer Prager Kneipe getroffen und war fasziniert von seiner brachialen, aber auch sehr poetischen Sprache. Wir haben viel Bier getrunken. Er erzählte mir Geschichten aus seinem Leben. Alles ziemlich düster, alles nicht einfach, aber er mit viel Humor. Ich hoffe, das haben wir auch in den Film übertragen.“ (Jaroslav Rudiš)

„Nun gibt es aber auch gravierende Unterschiede zwischen Roman und Film, die dazu führen, dass der filmische Vandam dem Publikum regelrecht sympathisch wird. Der Glatzkopf prügelt sich zwar, aber seine Brutalität als Schläger bleibt im Film zum Glück ausgespart. Vandam verpasst auch der Kneipenbesitzerin Lucka, die er gerne zu seiner Frau machen würde, keine Ohrfeigen wie der Wirtin Sylva aus dem Buch. Lucka ist noch jung, attraktiv, alle die prolligen Äußerungen Sylvas sind ihr sorgsam ausradiert worden. Vieles ist auf einmal merkwürdig geglättet zu einer nicht mehr ganz neu wirkenden Geschichte über Gentrifizierung und die Machtlosigkeit der Männer, die ihre Stammkneipe verlieren, weil sie den Stadtentwicklern und Investoren weder zeitgemäß noch lukrativ erscheint.

Es wäre vielleicht mal interessant, grundsätzliche Überlegungen anzustellen zur manchmal ausgeprägten Bereitschaft von Romanautoren und -autorinnen, ihr eigenes Werk für ein Drehbuch abzuändern. Rudiš, der mit Altrichter das Drehbuch verfasste, lässt Vandam darin plötzlich genau die gut gemeinten Dinge tun, die er im Roman zu seinem eigenen Bedauern unterlässt. Dort sind es Vandams Versäumnisse und sein selbstgerechtes dumpfes Fehlverhalten, die die Leserschaft glauben lassen, er hätte sich um einen Haufen Chancen gebracht.“ (Bianca Piringer, kino-zeit.de)

Nationalstraße – Národní třída, OmdU
Sa 11.07.

Siberia, OmdU

Abel Ferrara
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Siberia

Italien / Deutschland / Mexiko 2020, 91 min, OmdU

Regie: Abel Ferrara

Clint ist ein vom Leben gezeichneter Mann. Um endlich seinen inneren Frieden zu finden, hat er sich in eine einsame Hütte in den verschneiten Bergen zurückgezogen. Dort betreibt er ein kleines Café, in das sich nur selten Reisende oder Einheimische verirren. Aber selbst in der Abgeschiedenheit findet Clint keine Ruhe. Eines schicksalhaften Abends bricht er mit seinem Hundeschlitten auf, getrieben von der Hoffnung, sein wahres Ich zu finden. Eine Reise durch seine Träume, Erinnerungen und Fantasien beginnt.

„Ob man Ferrara auf diesem chaotischen Weg in ein beunruhigtes Inneres begleitet oder SIBERIA als selbstverliebten Mumpitz abqualifiziert, hängt von der Bereitwilligkeit ab, sich auf eher experimentelle, von Publikumserwartungen ungetrübte Erzählmuster einzulassen. Dass das zentrale männliche Ego immer wieder um die Themen Sex und Gewalt kreist, gilt es gleichfalls zu verkraften. Aber ehrlich gesagt, tut es das bei Ferrara nicht immer? Und liegt das Faszinierende seiner Werke nicht gerade in der schonungslosen Selbstentblößung ihrer höchst zweifelhaften und oft verzweifelten Helden? Diesen peinlichen, erbärmlichen, durchschnittlichen, uns so ähnlichen Sinnsuchern.“ (Alexandra Seitz, BLZ 25.02.2020)

Siberia, OmdU
So 12.07.

Wagenknecht

Sandra Kaudelka
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Wagenknecht

D 2020, 100 min, deutsche Originalfassung

Regie: Sandra Kaudelka

Der Terminkalender von Sahra Wagenknecht platzt aus allen Nähten. Zum Arbeitsalltag der populären Linken-Politikerin gehören Interviews und Krisengespräche, Pressekonferenzen und Fotoshootings. Ein Leben mit Beifall und Bewunderung, aber auch extremem Druck und Zweifeln – ja sogar Intrigen und offenen Anfeindungen. Wagenknechts stärkster Antrieb ist der Kampf gegen das Erstarken der Neuen Rechten in Parlament und Gesellschaft. Regisseurin Sandra Kaudelka hat die Politikerin über zwei Jahre mit der Kamera begleitet und zeigt sie bei öffentlichen Auftritten, bei Besprechungen mit den engsten Mitarbeitern und in privaten Momenten. Eine dichte Beobachtung in einer nervenaufreibenden Zeit: Im Frühjahr 2017, ein halbes Jahr vor der Bundestagswahl, besteht noch die Möglichkeit, dass die Linke erstmals Teil der Bundesregierung werden könnte; Anfang 2019 kündigt Wagenknecht ihren Rückzug aus der Spitzenpolitik als Folge von Erschöpfung an.

WAGENKNECHT ist ein vielschichtiger Film über politische Machtmechanismen, den engagierten Kampf für die eigenen Überzeugungen, über ein Leben mit und in der Politik – und den gesundheitlichen Preis, den es dafür allzu oft zu zahlen gilt.

„Dramaturgisch ist der Rückzug Wagenknecht aus ihrem Amt fraglos ein Glücksfall für Sandra Kaudelka und ihre Dokumentation. Ein organischer Bogen ergibt sich dadurch von selbst, an dem entlang Momente des Politikeralltags stehen. Viele Interviews mit großen und kleinen Medien sind das, viele Fahrten im Auto, von Veranstaltung zu Veranstaltung. Vom Bundestag zum Bahnhof, wenige Momente mit ihrem Ehemann Oskar Lafontaine, der immer mal wiederauftaucht, aber in dieser Politiker-Beziehung eindeutig nur noch die zweite Geige spielt.

Ein klassischer Porträtfilm ist WAGENKNECHT nicht, Rückblicke auf Karriere und Leben gibt es kaum, eine Einordnung von Wagenknechts politischen Ansichten und Haltungen findet nicht statt. Kaudelka bleibt ganz im Moment, beobachtet, versucht auch die Absurdität des politischen Geschäfts anzudeuten, wenn etwa ein Fotograf zur Bebilderung eines Artikels für die Bunte gerne ein Foto auf einer Picknickdecke hätten, ein Anliegen, das Wagenknecht und ihr Pressesprecher abzublocken wissen.

So interessant der Blick hinter die Kulissen des Politikbetriebs auch oft ist: Wagenknecht ist nach Jahrzehnten der Erfahrung vielleicht schon zu professionell, um wirkliche Blicke hinter die Fassade zuzulassen. So streng ihr Äußeres wirkt, so sehr versucht sie auch ihr Bild in der Öffentlichkeit zu kontrollieren, denn auch wenn sie Sandra Kaudelka augenscheinlich viel Raum zum Filmen gegeben hat: am Ende zeigt WAGENKNECHT ein Bild der Politikerin, das ganz im Sinne von Sahra Wagenknecht ist.“ (Michael Meyns, programmkino.de)

Wagenknecht
So 12.07.

Siberia, OmdU

Abel Ferrara
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Siberia

Italien / Deutschland / Mexiko 2020, 91 min, OmdU

Regie: Abel Ferrara

Clint ist ein vom Leben gezeichneter Mann. Um endlich seinen inneren Frieden zu finden, hat er sich in eine einsame Hütte in den verschneiten Bergen zurückgezogen. Dort betreibt er ein kleines Café, in das sich nur selten Reisende oder Einheimische verirren. Aber selbst in der Abgeschiedenheit findet Clint keine Ruhe. Eines schicksalhaften Abends bricht er mit seinem Hundeschlitten auf, getrieben von der Hoffnung, sein wahres Ich zu finden. Eine Reise durch seine Träume, Erinnerungen und Fantasien beginnt.

„Ob man Ferrara auf diesem chaotischen Weg in ein beunruhigtes Inneres begleitet oder SIBERIA als selbstverliebten Mumpitz abqualifiziert, hängt von der Bereitwilligkeit ab, sich auf eher experimentelle, von Publikumserwartungen ungetrübte Erzählmuster einzulassen. Dass das zentrale männliche Ego immer wieder um die Themen Sex und Gewalt kreist, gilt es gleichfalls zu verkraften. Aber ehrlich gesagt, tut es das bei Ferrara nicht immer? Und liegt das Faszinierende seiner Werke nicht gerade in der schonungslosen Selbstentblößung ihrer höchst zweifelhaften und oft verzweifelten Helden? Diesen peinlichen, erbärmlichen, durchschnittlichen, uns so ähnlichen Sinnsuchern.“ (Alexandra Seitz, BLZ 25.02.2020)

Siberia, OmdU
Mo 13.07.

Wagenknecht

Sandra Kaudelka
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Wagenknecht

D 2020, 100 min, deutsche Originalfassung

Regie: Sandra Kaudelka

Der Terminkalender von Sahra Wagenknecht platzt aus allen Nähten. Zum Arbeitsalltag der populären Linken-Politikerin gehören Interviews und Krisengespräche, Pressekonferenzen und Fotoshootings. Ein Leben mit Beifall und Bewunderung, aber auch extremem Druck und Zweifeln – ja sogar Intrigen und offenen Anfeindungen. Wagenknechts stärkster Antrieb ist der Kampf gegen das Erstarken der Neuen Rechten in Parlament und Gesellschaft. Regisseurin Sandra Kaudelka hat die Politikerin über zwei Jahre mit der Kamera begleitet und zeigt sie bei öffentlichen Auftritten, bei Besprechungen mit den engsten Mitarbeitern und in privaten Momenten. Eine dichte Beobachtung in einer nervenaufreibenden Zeit: Im Frühjahr 2017, ein halbes Jahr vor der Bundestagswahl, besteht noch die Möglichkeit, dass die Linke erstmals Teil der Bundesregierung werden könnte; Anfang 2019 kündigt Wagenknecht ihren Rückzug aus der Spitzenpolitik als Folge von Erschöpfung an.

WAGENKNECHT ist ein vielschichtiger Film über politische Machtmechanismen, den engagierten Kampf für die eigenen Überzeugungen, über ein Leben mit und in der Politik – und den gesundheitlichen Preis, den es dafür allzu oft zu zahlen gilt.

„Dramaturgisch ist der Rückzug Wagenknecht aus ihrem Amt fraglos ein Glücksfall für Sandra Kaudelka und ihre Dokumentation. Ein organischer Bogen ergibt sich dadurch von selbst, an dem entlang Momente des Politikeralltags stehen. Viele Interviews mit großen und kleinen Medien sind das, viele Fahrten im Auto, von Veranstaltung zu Veranstaltung. Vom Bundestag zum Bahnhof, wenige Momente mit ihrem Ehemann Oskar Lafontaine, der immer mal wiederauftaucht, aber in dieser Politiker-Beziehung eindeutig nur noch die zweite Geige spielt.

Ein klassischer Porträtfilm ist WAGENKNECHT nicht, Rückblicke auf Karriere und Leben gibt es kaum, eine Einordnung von Wagenknechts politischen Ansichten und Haltungen findet nicht statt. Kaudelka bleibt ganz im Moment, beobachtet, versucht auch die Absurdität des politischen Geschäfts anzudeuten, wenn etwa ein Fotograf zur Bebilderung eines Artikels für die Bunte gerne ein Foto auf einer Picknickdecke hätten, ein Anliegen, das Wagenknecht und ihr Pressesprecher abzublocken wissen.

So interessant der Blick hinter die Kulissen des Politikbetriebs auch oft ist: Wagenknecht ist nach Jahrzehnten der Erfahrung vielleicht schon zu professionell, um wirkliche Blicke hinter die Fassade zuzulassen. So streng ihr Äußeres wirkt, so sehr versucht sie auch ihr Bild in der Öffentlichkeit zu kontrollieren, denn auch wenn sie Sandra Kaudelka augenscheinlich viel Raum zum Filmen gegeben hat: am Ende zeigt WAGENKNECHT ein Bild der Politikerin, das ganz im Sinne von Sahra Wagenknecht ist.“ (Michael Meyns, programmkino.de)

Wagenknecht
Mo 13.07.

Nationalstraße – Národní třída, OmdU

Štěpán Altrichter
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Nationalstraße (Národní třída)

CZ/ D 2019, 91 min, Tschechische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Štěpán Altrichter      nach dem gleichnamigen Roman von Jaroslav Rudiš

Er ist ein Kind der Vorstadt und die Faust rutscht ihm gerne mal aus. Seine Klappe ist gigantisch und sein Spitzname ist nicht ironisch gemeint: Vandam. Wie Jean-Claude van Damme. Vandam hat seine Neubau-Siedlung nie verlassen und darauf ist er stolz. Sein Leben scheint ein bisschen aus der Zeit gefallen – doch globale Entwicklungen halten sich nicht an Stadtgrenzen. Immobilien-Haie haben es auf seine Lieblingskneipe abgesehen. Auf sein Revier, seine Heimat, sein Zuhause, auch wenn von seiner Familie nichts mehr übriggeblieben ist. Jetzt soll die Kneipe abgerissen und das Grundstück neu bebaut werden. Aber das ist noch nicht alles: Die Kneipe gehört einer Frau, die er liebt. Irgendwie. Heimlich. Und ein wenig breitbeinig. Lucka heißt sie. Lucka und die Kneipe sind wie ein Licht im Dunkeln für ihn – auch wenn er das so nie sagen würde. Aber ein Krieger ist ein Krieger und kämpft für das, was ihm heilig ist.

„Vandam ist nicht immer einfach, ein ambivalenter Typ. Ein Schläger. Ein Bürger, der Wut in sich hat. Gleichzeitig ein Mensch voller Leidenschaft, Suche nach Gerechtigkeit, nach Liebe. Einer, der sagt, was er meint und der sein Wort hält. Nicht gut, nicht schlecht. Ich wollte einen Film machen, der das Leben so zeigt, wie es ist: uneindeutig. Tragisch. Romantisch. Traurig. Und lustig! Nicht schwarz und weiß. So wie das Leben selbst.“ (Štěpán Altrichter)

„Vandam ist ein trauriger Held. Ich habe ihn mal in einer Prager Kneipe getroffen und war fasziniert von seiner brachialen, aber auch sehr poetischen Sprache. Wir haben viel Bier getrunken. Er erzählte mir Geschichten aus seinem Leben. Alles ziemlich düster, alles nicht einfach, aber er mit viel Humor. Ich hoffe, das haben wir auch in den Film übertragen.“ (Jaroslav Rudiš)

„Nun gibt es aber auch gravierende Unterschiede zwischen Roman und Film, die dazu führen, dass der filmische Vandam dem Publikum regelrecht sympathisch wird. Der Glatzkopf prügelt sich zwar, aber seine Brutalität als Schläger bleibt im Film zum Glück ausgespart. Vandam verpasst auch der Kneipenbesitzerin Lucka, die er gerne zu seiner Frau machen würde, keine Ohrfeigen wie der Wirtin Sylva aus dem Buch. Lucka ist noch jung, attraktiv, alle die prolligen Äußerungen Sylvas sind ihr sorgsam ausradiert worden. Vieles ist auf einmal merkwürdig geglättet zu einer nicht mehr ganz neu wirkenden Geschichte über Gentrifizierung und die Machtlosigkeit der Männer, die ihre Stammkneipe verlieren, weil sie den Stadtentwicklern und Investoren weder zeitgemäß noch lukrativ erscheint.

Es wäre vielleicht mal interessant, grundsätzliche Überlegungen anzustellen zur manchmal ausgeprägten Bereitschaft von Romanautoren und -autorinnen, ihr eigenes Werk für ein Drehbuch abzuändern. Rudiš, der mit Altrichter das Drehbuch verfasste, lässt Vandam darin plötzlich genau die gut gemeinten Dinge tun, die er im Roman zu seinem eigenen Bedauern unterlässt. Dort sind es Vandams Versäumnisse und sein selbstgerechtes dumpfes Fehlverhalten, die die Leserschaft glauben lassen, er hätte sich um einen Haufen Chancen gebracht.“ (Bianca Piringer, kino-zeit.de)

Di 14.07.

KEHRAUS – DEFA Kurzfilmprogramm: KEHRAUS

Gerd Kroske
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KEHRAUS – DEFA KURZFILMPROGRAMM

KEHRAUS, D 1990, 35mm, 27 min, Regie: Gerd Kroske

1990, KEHRAUS nachts auf den Straßen von Leipzig: Straßenkehrer räumen weg, was keiner mehr braucht. Neben vielem anderen Müll, auch abgenutzte Wahlplakate. Endzeitstimmung macht sich breit. Das was nach der DDR kommen soll, klingt vielversprechend, ist aber noch nicht fassbar. Die drei Straßenkehrer Gabi, Henry und Stefan schwankten in ihren Lebensläufen schon immer zwischen den Polen: Kinderheim, Knast, Gelegenheitsarbeiten bei der Stadtreinigung. Illusionslos, aber mit scharfem Blick für ihre Umgebung, lassen die Straßenkehrer nur eine Gewissheit gelten: Dreck wird es immer geben.

FRANK, DDR 1990, 35mm, 48 min, Regie: Hans Wintgen

Frank K., 22 Jahre, wegen Diebstahls persönlichen und „sozialistischen Eigentums“ zu vier Jahren Haft verurteilt. Das Gefängnis ist für ihn Ort der Zerstörung von Selbstbewusstsein: Angst ist in ihm, auch ein Fünkchen Hoffnung. Die Filmemacher begleiten Frank während der Haft, befragen ihn nach Zukunftswünschen, nach seinen Vorstellungen über die politischen Veränderungen „draußen“, die er vor allem über das Fernsehen miterlebt. Im März 1990 wird er nach zweieinhalb Jahren vorzeitig aus der Berliner Strafvollzugsanstalt Rummelsburg entlassen.

KEHRAUS – DEFA Kurzfilmprogramm: KEHRAUS
Di 14.07.

KEHRAUS – DEFA Kurzfilmprogramm: FRANK

Hans Wintgen
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KEHRAUS – DEFA KURZFILMPROGRAMM

KEHRAUS, D 1990, 35mm, 27 min, Regie: Gerd Kroske

1990, KEHRAUS nachts auf den Straßen von Leipzig: Straßenkehrer räumen weg, was keiner mehr braucht. Neben vielem anderen Müll, auch abgenutzte Wahlplakate. Endzeitstimmung macht sich breit. Das was nach der DDR kommen soll, klingt vielversprechend, ist aber noch nicht fassbar. Die drei Straßenkehrer Gabi, Henry und Stefan schwankten in ihren Lebensläufen schon immer zwischen den Polen: Kinderheim, Knast, Gelegenheitsarbeiten bei der Stadtreinigung. Illusionslos, aber mit scharfem Blick für ihre Umgebung, lassen die Straßenkehrer nur eine Gewissheit gelten: Dreck wird es immer geben.

FRANK, DDR 1990, 35mm, 48 min, Regie: Hans Wintgen

Frank K., 22 Jahre, wegen Diebstahls persönlichen und „sozialistischen Eigentums“ zu vier Jahren Haft verurteilt. Das Gefängnis ist für ihn Ort der Zerstörung von Selbstbewusstsein: Angst ist in ihm, auch ein Fünkchen Hoffnung. Die Filmemacher begleiten Frank während der Haft, befragen ihn nach Zukunftswünschen, nach seinen Vorstellungen über die politischen Veränderungen „draußen“, die er vor allem über das Fernsehen miterlebt. Im März 1990 wird er nach zweieinhalb Jahren vorzeitig aus der Berliner Strafvollzugsanstalt Rummelsburg entlassen.

KEHRAUS – DEFA Kurzfilmprogramm: FRANK
Di 14.07.

Siberia, OmdU

Abel Ferrara
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Siberia

Italien / Deutschland / Mexiko 2020, 91 min, OmdU

Regie: Abel Ferrara

Clint ist ein vom Leben gezeichneter Mann. Um endlich seinen inneren Frieden zu finden, hat er sich in eine einsame Hütte in den verschneiten Bergen zurückgezogen. Dort betreibt er ein kleines Café, in das sich nur selten Reisende oder Einheimische verirren. Aber selbst in der Abgeschiedenheit findet Clint keine Ruhe. Eines schicksalhaften Abends bricht er mit seinem Hundeschlitten auf, getrieben von der Hoffnung, sein wahres Ich zu finden. Eine Reise durch seine Träume, Erinnerungen und Fantasien beginnt.

„Ob man Ferrara auf diesem chaotischen Weg in ein beunruhigtes Inneres begleitet oder SIBERIA als selbstverliebten Mumpitz abqualifiziert, hängt von der Bereitwilligkeit ab, sich auf eher experimentelle, von Publikumserwartungen ungetrübte Erzählmuster einzulassen. Dass das zentrale männliche Ego immer wieder um die Themen Sex und Gewalt kreist, gilt es gleichfalls zu verkraften. Aber ehrlich gesagt, tut es das bei Ferrara nicht immer? Und liegt das Faszinierende seiner Werke nicht gerade in der schonungslosen Selbstentblößung ihrer höchst zweifelhaften und oft verzweifelten Helden? Diesen peinlichen, erbärmlichen, durchschnittlichen, uns so ähnlichen Sinnsuchern.“ (Alexandra Seitz, BLZ 25.02.2020)

Siberia, OmdU
Mi 15.07.

Nationalstraße – Národní třída, OmdU

Štěpán Altrichter
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Nationalstraße (Národní třída)

CZ/ D 2019, 91 min, Tschechische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Štěpán Altrichter      nach dem gleichnamigen Roman von Jaroslav Rudiš

Er ist ein Kind der Vorstadt und die Faust rutscht ihm gerne mal aus. Seine Klappe ist gigantisch und sein Spitzname ist nicht ironisch gemeint: Vandam. Wie Jean-Claude van Damme. Vandam hat seine Neubau-Siedlung nie verlassen und darauf ist er stolz. Sein Leben scheint ein bisschen aus der Zeit gefallen – doch globale Entwicklungen halten sich nicht an Stadtgrenzen. Immobilien-Haie haben es auf seine Lieblingskneipe abgesehen. Auf sein Revier, seine Heimat, sein Zuhause, auch wenn von seiner Familie nichts mehr übriggeblieben ist. Jetzt soll die Kneipe abgerissen und das Grundstück neu bebaut werden. Aber das ist noch nicht alles: Die Kneipe gehört einer Frau, die er liebt. Irgendwie. Heimlich. Und ein wenig breitbeinig. Lucka heißt sie. Lucka und die Kneipe sind wie ein Licht im Dunkeln für ihn – auch wenn er das so nie sagen würde. Aber ein Krieger ist ein Krieger und kämpft für das, was ihm heilig ist.

„Vandam ist nicht immer einfach, ein ambivalenter Typ. Ein Schläger. Ein Bürger, der Wut in sich hat. Gleichzeitig ein Mensch voller Leidenschaft, Suche nach Gerechtigkeit, nach Liebe. Einer, der sagt, was er meint und der sein Wort hält. Nicht gut, nicht schlecht. Ich wollte einen Film machen, der das Leben so zeigt, wie es ist: uneindeutig. Tragisch. Romantisch. Traurig. Und lustig! Nicht schwarz und weiß. So wie das Leben selbst.“ (Štěpán Altrichter)

„Vandam ist ein trauriger Held. Ich habe ihn mal in einer Prager Kneipe getroffen und war fasziniert von seiner brachialen, aber auch sehr poetischen Sprache. Wir haben viel Bier getrunken. Er erzählte mir Geschichten aus seinem Leben. Alles ziemlich düster, alles nicht einfach, aber er mit viel Humor. Ich hoffe, das haben wir auch in den Film übertragen.“ (Jaroslav Rudiš)

„Nun gibt es aber auch gravierende Unterschiede zwischen Roman und Film, die dazu führen, dass der filmische Vandam dem Publikum regelrecht sympathisch wird. Der Glatzkopf prügelt sich zwar, aber seine Brutalität als Schläger bleibt im Film zum Glück ausgespart. Vandam verpasst auch der Kneipenbesitzerin Lucka, die er gerne zu seiner Frau machen würde, keine Ohrfeigen wie der Wirtin Sylva aus dem Buch. Lucka ist noch jung, attraktiv, alle die prolligen Äußerungen Sylvas sind ihr sorgsam ausradiert worden. Vieles ist auf einmal merkwürdig geglättet zu einer nicht mehr ganz neu wirkenden Geschichte über Gentrifizierung und die Machtlosigkeit der Männer, die ihre Stammkneipe verlieren, weil sie den Stadtentwicklern und Investoren weder zeitgemäß noch lukrativ erscheint.

Es wäre vielleicht mal interessant, grundsätzliche Überlegungen anzustellen zur manchmal ausgeprägten Bereitschaft von Romanautoren und -autorinnen, ihr eigenes Werk für ein Drehbuch abzuändern. Rudiš, der mit Altrichter das Drehbuch verfasste, lässt Vandam darin plötzlich genau die gut gemeinten Dinge tun, die er im Roman zu seinem eigenen Bedauern unterlässt. Dort sind es Vandams Versäumnisse und sein selbstgerechtes dumpfes Fehlverhalten, die die Leserschaft glauben lassen, er hätte sich um einen Haufen Chancen gebracht.“ (Bianca Piringer, kino-zeit.de)

Nationalstraße – Národní třída, OmdU
Mi 15.07.

Siberia, OmdU

Abel Ferrara
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Siberia

Italien / Deutschland / Mexiko 2020, 91 min, OmdU

Regie: Abel Ferrara

Clint ist ein vom Leben gezeichneter Mann. Um endlich seinen inneren Frieden zu finden, hat er sich in eine einsame Hütte in den verschneiten Bergen zurückgezogen. Dort betreibt er ein kleines Café, in das sich nur selten Reisende oder Einheimische verirren. Aber selbst in der Abgeschiedenheit findet Clint keine Ruhe. Eines schicksalhaften Abends bricht er mit seinem Hundeschlitten auf, getrieben von der Hoffnung, sein wahres Ich zu finden. Eine Reise durch seine Träume, Erinnerungen und Fantasien beginnt.

„Ob man Ferrara auf diesem chaotischen Weg in ein beunruhigtes Inneres begleitet oder SIBERIA als selbstverliebten Mumpitz abqualifiziert, hängt von der Bereitwilligkeit ab, sich auf eher experimentelle, von Publikumserwartungen ungetrübte Erzählmuster einzulassen. Dass das zentrale männliche Ego immer wieder um die Themen Sex und Gewalt kreist, gilt es gleichfalls zu verkraften. Aber ehrlich gesagt, tut es das bei Ferrara nicht immer? Und liegt das Faszinierende seiner Werke nicht gerade in der schonungslosen Selbstentblößung ihrer höchst zweifelhaften und oft verzweifelten Helden? Diesen peinlichen, erbärmlichen, durchschnittlichen, uns so ähnlichen Sinnsuchern.“ (Alexandra Seitz, BLZ 25.02.2020)

Siberia, OmdU
Do 16.07.

Wagenknecht

Sandra Kaudelka
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Wagenknecht

D 2020, 100 min, deutsche Originalfassung

Regie: Sandra Kaudelka

Der Terminkalender von Sahra Wagenknecht platzt aus allen Nähten. Zum Arbeitsalltag der populären Linken-Politikerin gehören Interviews und Krisengespräche, Pressekonferenzen und Fotoshootings. Ein Leben mit Beifall und Bewunderung, aber auch extremem Druck und Zweifeln – ja sogar Intrigen und offenen Anfeindungen. Wagenknechts stärkster Antrieb ist der Kampf gegen das Erstarken der Neuen Rechten in Parlament und Gesellschaft. Regisseurin Sandra Kaudelka hat die Politikerin über zwei Jahre mit der Kamera begleitet und zeigt sie bei öffentlichen Auftritten, bei Besprechungen mit den engsten Mitarbeitern und in privaten Momenten. Eine dichte Beobachtung in einer nervenaufreibenden Zeit: Im Frühjahr 2017, ein halbes Jahr vor der Bundestagswahl, besteht noch die Möglichkeit, dass die Linke erstmals Teil der Bundesregierung werden könnte; Anfang 2019 kündigt Wagenknecht ihren Rückzug aus der Spitzenpolitik als Folge von Erschöpfung an.

WAGENKNECHT ist ein vielschichtiger Film über politische Machtmechanismen, den engagierten Kampf für die eigenen Überzeugungen, über ein Leben mit und in der Politik – und den gesundheitlichen Preis, den es dafür allzu oft zu zahlen gilt.

„Dramaturgisch ist der Rückzug Wagenknecht aus ihrem Amt fraglos ein Glücksfall für Sandra Kaudelka und ihre Dokumentation. Ein organischer Bogen ergibt sich dadurch von selbst, an dem entlang Momente des Politikeralltags stehen. Viele Interviews mit großen und kleinen Medien sind das, viele Fahrten im Auto, von Veranstaltung zu Veranstaltung. Vom Bundestag zum Bahnhof, wenige Momente mit ihrem Ehemann Oskar Lafontaine, der immer mal wiederauftaucht, aber in dieser Politiker-Beziehung eindeutig nur noch die zweite Geige spielt.

Ein klassischer Porträtfilm ist WAGENKNECHT nicht, Rückblicke auf Karriere und Leben gibt es kaum, eine Einordnung von Wagenknechts politischen Ansichten und Haltungen findet nicht statt. Kaudelka bleibt ganz im Moment, beobachtet, versucht auch die Absurdität des politischen Geschäfts anzudeuten, wenn etwa ein Fotograf zur Bebilderung eines Artikels für die Bunte gerne ein Foto auf einer Picknickdecke hätten, ein Anliegen, das Wagenknecht und ihr Pressesprecher abzublocken wissen.

So interessant der Blick hinter die Kulissen des Politikbetriebs auch oft ist: Wagenknecht ist nach Jahrzehnten der Erfahrung vielleicht schon zu professionell, um wirkliche Blicke hinter die Fassade zuzulassen. So streng ihr Äußeres wirkt, so sehr versucht sie auch ihr Bild in der Öffentlichkeit zu kontrollieren, denn auch wenn sie Sandra Kaudelka augenscheinlich viel Raum zum Filmen gegeben hat: am Ende zeigt WAGENKNECHT ein Bild der Politikerin, das ganz im Sinne von Sahra Wagenknecht ist.“ (Michael Meyns, programmkino.de)

Wagenknecht
Do 16.07.

MÄRKISCHE TRILOGIE Teil II+III: Märkische Heide, märkischer Sand

Volker Koepp
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Märkische Trilogie Teil II+III

DDR/ D 1990-1991, 35mm, ca. 127 min

Filmprogramm:

MÄRKISCHE HEIDE, MÄRKISCHER SAND, 1990, 53 min, R: Volker Koepp

Der Film dokumentiert Gespräche in Zehdenick/Havel wenige Wochen vor den ersten freien Wahlen im Frühjahr 1990. Hoffnungen und Sorgen bei Geschäftsleuten, Arbeiterinnen, jungen Leuten.

MÄRKISCHE GESELLSCHAFT mbH, 1991, 74 min, R: Volker Koepp

Die politischen Veränderungen der Nachwendezeit erreichen die Provinz: Währungsunion, Wiedervereinigung. Die Russen ziehen ab, die D-Mark kommt. Ein Ende mit unsicherem Neuanfang.

„Wenn die Revolution die Provinz erreicht, wird sie gemächlicher, reservierter, auf Normalmaß zurückgestutzt. Denn hier ist der Alltag viel zu mächtig, um sich von revolutionären Phrasen vertreiben zu lassen. In den beiden Nachwende-Teilen seiner ‚Märkischen Trilogie‘, in MÄRKISCHE HEIDE, MÄRKISCHER SAND (1990) und MÄRKISCHE GESELLSCHAFT mbH (1991), betrachtet Volker Koepp mit seinem Kameramann Thomas Plenert das märkische Zehdenick, die kleinen Orte im märkischen Sand, Menschen auf den Straßen, in den Kneipen, Fabriken, Geschäften. Die Plakate in den leeren Russen-Kasernen. Frauen am Band der Schnapsfabrik. Ziegeleiarbeiter an den heißen Öfen. Ein junger Mann, der tagein, tagaus kästenweise Flaschen zerschlägt, Sinnbild der Vergeblichkeit. Revolution in der Provinz, niemand sonst hat es so festgehalten, die Lächerlichkeiten, die Kleinheiten, den Alltag trotz allem, eine einsame alte Frau mit einem Protestplakat, eine Versammlung in einem Hinterzimmer, eifrige Propagandisten der CDU, die Mühe haben, auf einem Wahlzettel herauszufinden, wofür sie eigentlich sind. Koepp und Plenert registrieren, in schönen Schwarzweiß-Aufnahmen, fragen, haben Distanz und Verständnis.“

(Heidemarie Hecht, Schwarzweiß und Farbe, DEFA-Dokumentarfilme 1946-92)

MÄRKISCHE TRILOGIE Teil II+III: Märkische Heide, märkischer Sand
Do 16.07.

MÄRKISCHE TRILOGIE Teil II+III: Märkische Gesellschaft mbH

Volker Koepp
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Märkische Trilogie Teil II+III

DDR/ D 1990-1991, 35mm, ca. 127 min

Filmprogramm:

MÄRKISCHE HEIDE, MÄRKISCHER SAND, 1990, 53 min, R: Volker Koepp

Der Film dokumentiert Gespräche in Zehdenick/Havel wenige Wochen vor den ersten freien Wahlen im Frühjahr 1990. Hoffnungen und Sorgen bei Geschäftsleuten, Arbeiterinnen, jungen Leuten.

MÄRKISCHE GESELLSCHAFT mbH, 1991, 74 min, R: Volker Koepp

Die politischen Veränderungen der Nachwendezeit erreichen die Provinz: Währungsunion, Wiedervereinigung. Die Russen ziehen ab, die D-Mark kommt. Ein Ende mit unsicherem Neuanfang.

„Wenn die Revolution die Provinz erreicht, wird sie gemächlicher, reservierter, auf Normalmaß zurückgestutzt. Denn hier ist der Alltag viel zu mächtig, um sich von revolutionären Phrasen vertreiben zu lassen. In den beiden Nachwende-Teilen seiner ‚Märkischen Trilogie‘, in MÄRKISCHE HEIDE, MÄRKISCHER SAND (1990) und MÄRKISCHE GESELLSCHAFT mbH (1991), betrachtet Volker Koepp mit seinem Kameramann Thomas Plenert das märkische Zehdenick, die kleinen Orte im märkischen Sand, Menschen auf den Straßen, in den Kneipen, Fabriken, Geschäften. Die Plakate in den leeren Russen-Kasernen. Frauen am Band der Schnapsfabrik. Ziegeleiarbeiter an den heißen Öfen. Ein junger Mann, der tagein, tagaus kästenweise Flaschen zerschlägt, Sinnbild der Vergeblichkeit. Revolution in der Provinz, niemand sonst hat es so festgehalten, die Lächerlichkeiten, die Kleinheiten, den Alltag trotz allem, eine einsame alte Frau mit einem Protestplakat, eine Versammlung in einem Hinterzimmer, eifrige Propagandisten der CDU, die Mühe haben, auf einem Wahlzettel herauszufinden, wofür sie eigentlich sind. Koepp und Plenert registrieren, in schönen Schwarzweiß-Aufnahmen, fragen, haben Distanz und Verständnis.“

(Heidemarie Hecht, Schwarzweiß und Farbe, DEFA-Dokumentarfilme 1946-92)

MÄRKISCHE TRILOGIE Teil II+III: Märkische Gesellschaft mbH
Fr 17.07.

Nationalstraße – Národní třída, OmdU

Štěpán Altrichter
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Nationalstraße (Národní třída)

CZ/ D 2019, 91 min, Tschechische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Štěpán Altrichter      nach dem gleichnamigen Roman von Jaroslav Rudiš

Er ist ein Kind der Vorstadt und die Faust rutscht ihm gerne mal aus. Seine Klappe ist gigantisch und sein Spitzname ist nicht ironisch gemeint: Vandam. Wie Jean-Claude van Damme. Vandam hat seine Neubau-Siedlung nie verlassen und darauf ist er stolz. Sein Leben scheint ein bisschen aus der Zeit gefallen – doch globale Entwicklungen halten sich nicht an Stadtgrenzen. Immobilien-Haie haben es auf seine Lieblingskneipe abgesehen. Auf sein Revier, seine Heimat, sein Zuhause, auch wenn von seiner Familie nichts mehr übriggeblieben ist. Jetzt soll die Kneipe abgerissen und das Grundstück neu bebaut werden. Aber das ist noch nicht alles: Die Kneipe gehört einer Frau, die er liebt. Irgendwie. Heimlich. Und ein wenig breitbeinig. Lucka heißt sie. Lucka und die Kneipe sind wie ein Licht im Dunkeln für ihn – auch wenn er das so nie sagen würde. Aber ein Krieger ist ein Krieger und kämpft für das, was ihm heilig ist.

„Vandam ist nicht immer einfach, ein ambivalenter Typ. Ein Schläger. Ein Bürger, der Wut in sich hat. Gleichzeitig ein Mensch voller Leidenschaft, Suche nach Gerechtigkeit, nach Liebe. Einer, der sagt, was er meint und der sein Wort hält. Nicht gut, nicht schlecht. Ich wollte einen Film machen, der das Leben so zeigt, wie es ist: uneindeutig. Tragisch. Romantisch. Traurig. Und lustig! Nicht schwarz und weiß. So wie das Leben selbst.“ (Štěpán Altrichter)

„Vandam ist ein trauriger Held. Ich habe ihn mal in einer Prager Kneipe getroffen und war fasziniert von seiner brachialen, aber auch sehr poetischen Sprache. Wir haben viel Bier getrunken. Er erzählte mir Geschichten aus seinem Leben. Alles ziemlich düster, alles nicht einfach, aber er mit viel Humor. Ich hoffe, das haben wir auch in den Film übertragen.“ (Jaroslav Rudiš)

„Nun gibt es aber auch gravierende Unterschiede zwischen Roman und Film, die dazu führen, dass der filmische Vandam dem Publikum regelrecht sympathisch wird. Der Glatzkopf prügelt sich zwar, aber seine Brutalität als Schläger bleibt im Film zum Glück ausgespart. Vandam verpasst auch der Kneipenbesitzerin Lucka, die er gerne zu seiner Frau machen würde, keine Ohrfeigen wie der Wirtin Sylva aus dem Buch. Lucka ist noch jung, attraktiv, alle die prolligen Äußerungen Sylvas sind ihr sorgsam ausradiert worden. Vieles ist auf einmal merkwürdig geglättet zu einer nicht mehr ganz neu wirkenden Geschichte über Gentrifizierung und die Machtlosigkeit der Männer, die ihre Stammkneipe verlieren, weil sie den Stadtentwicklern und Investoren weder zeitgemäß noch lukrativ erscheint.

Es wäre vielleicht mal interessant, grundsätzliche Überlegungen anzustellen zur manchmal ausgeprägten Bereitschaft von Romanautoren und -autorinnen, ihr eigenes Werk für ein Drehbuch abzuändern. Rudiš, der mit Altrichter das Drehbuch verfasste, lässt Vandam darin plötzlich genau die gut gemeinten Dinge tun, die er im Roman zu seinem eigenen Bedauern unterlässt. Dort sind es Vandams Versäumnisse und sein selbstgerechtes dumpfes Fehlverhalten, die die Leserschaft glauben lassen, er hätte sich um einen Haufen Chancen gebracht.“ (Bianca Piringer, kino-zeit.de)

Nationalstraße – Národní třída, OmdU
Fr 17.07.

Siberia, OmdU

Abel Ferrara
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Siberia

Italien / Deutschland / Mexiko 2020, 91 min, OmdU

Regie: Abel Ferrara

Clint ist ein vom Leben gezeichneter Mann. Um endlich seinen inneren Frieden zu finden, hat er sich in eine einsame Hütte in den verschneiten Bergen zurückgezogen. Dort betreibt er ein kleines Café, in das sich nur selten Reisende oder Einheimische verirren. Aber selbst in der Abgeschiedenheit findet Clint keine Ruhe. Eines schicksalhaften Abends bricht er mit seinem Hundeschlitten auf, getrieben von der Hoffnung, sein wahres Ich zu finden. Eine Reise durch seine Träume, Erinnerungen und Fantasien beginnt.

„Ob man Ferrara auf diesem chaotischen Weg in ein beunruhigtes Inneres begleitet oder SIBERIA als selbstverliebten Mumpitz abqualifiziert, hängt von der Bereitwilligkeit ab, sich auf eher experimentelle, von Publikumserwartungen ungetrübte Erzählmuster einzulassen. Dass das zentrale männliche Ego immer wieder um die Themen Sex und Gewalt kreist, gilt es gleichfalls zu verkraften. Aber ehrlich gesagt, tut es das bei Ferrara nicht immer? Und liegt das Faszinierende seiner Werke nicht gerade in der schonungslosen Selbstentblößung ihrer höchst zweifelhaften und oft verzweifelten Helden? Diesen peinlichen, erbärmlichen, durchschnittlichen, uns so ähnlichen Sinnsuchern.“ (Alexandra Seitz, BLZ 25.02.2020)

Siberia, OmdU
Sa 18.07.

Nationalstraße – Národní třída, OmdU

Štěpán Altrichter
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Nationalstraße (Národní třída)

CZ/ D 2019, 91 min, Tschechische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Štěpán Altrichter      nach dem gleichnamigen Roman von Jaroslav Rudiš

Er ist ein Kind der Vorstadt und die Faust rutscht ihm gerne mal aus. Seine Klappe ist gigantisch und sein Spitzname ist nicht ironisch gemeint: Vandam. Wie Jean-Claude van Damme. Vandam hat seine Neubau-Siedlung nie verlassen und darauf ist er stolz. Sein Leben scheint ein bisschen aus der Zeit gefallen – doch globale Entwicklungen halten sich nicht an Stadtgrenzen. Immobilien-Haie haben es auf seine Lieblingskneipe abgesehen. Auf sein Revier, seine Heimat, sein Zuhause, auch wenn von seiner Familie nichts mehr übriggeblieben ist. Jetzt soll die Kneipe abgerissen und das Grundstück neu bebaut werden. Aber das ist noch nicht alles: Die Kneipe gehört einer Frau, die er liebt. Irgendwie. Heimlich. Und ein wenig breitbeinig. Lucka heißt sie. Lucka und die Kneipe sind wie ein Licht im Dunkeln für ihn – auch wenn er das so nie sagen würde. Aber ein Krieger ist ein Krieger und kämpft für das, was ihm heilig ist.

„Vandam ist nicht immer einfach, ein ambivalenter Typ. Ein Schläger. Ein Bürger, der Wut in sich hat. Gleichzeitig ein Mensch voller Leidenschaft, Suche nach Gerechtigkeit, nach Liebe. Einer, der sagt, was er meint und der sein Wort hält. Nicht gut, nicht schlecht. Ich wollte einen Film machen, der das Leben so zeigt, wie es ist: uneindeutig. Tragisch. Romantisch. Traurig. Und lustig! Nicht schwarz und weiß. So wie das Leben selbst.“ (Štěpán Altrichter)

„Vandam ist ein trauriger Held. Ich habe ihn mal in einer Prager Kneipe getroffen und war fasziniert von seiner brachialen, aber auch sehr poetischen Sprache. Wir haben viel Bier getrunken. Er erzählte mir Geschichten aus seinem Leben. Alles ziemlich düster, alles nicht einfach, aber er mit viel Humor. Ich hoffe, das haben wir auch in den Film übertragen.“ (Jaroslav Rudiš)

„Nun gibt es aber auch gravierende Unterschiede zwischen Roman und Film, die dazu führen, dass der filmische Vandam dem Publikum regelrecht sympathisch wird. Der Glatzkopf prügelt sich zwar, aber seine Brutalität als Schläger bleibt im Film zum Glück ausgespart. Vandam verpasst auch der Kneipenbesitzerin Lucka, die er gerne zu seiner Frau machen würde, keine Ohrfeigen wie der Wirtin Sylva aus dem Buch. Lucka ist noch jung, attraktiv, alle die prolligen Äußerungen Sylvas sind ihr sorgsam ausradiert worden. Vieles ist auf einmal merkwürdig geglättet zu einer nicht mehr ganz neu wirkenden Geschichte über Gentrifizierung und die Machtlosigkeit der Männer, die ihre Stammkneipe verlieren, weil sie den Stadtentwicklern und Investoren weder zeitgemäß noch lukrativ erscheint.

Es wäre vielleicht mal interessant, grundsätzliche Überlegungen anzustellen zur manchmal ausgeprägten Bereitschaft von Romanautoren und -autorinnen, ihr eigenes Werk für ein Drehbuch abzuändern. Rudiš, der mit Altrichter das Drehbuch verfasste, lässt Vandam darin plötzlich genau die gut gemeinten Dinge tun, die er im Roman zu seinem eigenen Bedauern unterlässt. Dort sind es Vandams Versäumnisse und sein selbstgerechtes dumpfes Fehlverhalten, die die Leserschaft glauben lassen, er hätte sich um einen Haufen Chancen gebracht.“ (Bianca Piringer, kino-zeit.de)

Nationalstraße – Národní třída, OmdU
Sa 18.07.

Siberia, OmdU

Abel Ferrara
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Siberia

Italien / Deutschland / Mexiko 2020, 91 min, OmdU

Regie: Abel Ferrara

Clint ist ein vom Leben gezeichneter Mann. Um endlich seinen inneren Frieden zu finden, hat er sich in eine einsame Hütte in den verschneiten Bergen zurückgezogen. Dort betreibt er ein kleines Café, in das sich nur selten Reisende oder Einheimische verirren. Aber selbst in der Abgeschiedenheit findet Clint keine Ruhe. Eines schicksalhaften Abends bricht er mit seinem Hundeschlitten auf, getrieben von der Hoffnung, sein wahres Ich zu finden. Eine Reise durch seine Träume, Erinnerungen und Fantasien beginnt.

„Ob man Ferrara auf diesem chaotischen Weg in ein beunruhigtes Inneres begleitet oder SIBERIA als selbstverliebten Mumpitz abqualifiziert, hängt von der Bereitwilligkeit ab, sich auf eher experimentelle, von Publikumserwartungen ungetrübte Erzählmuster einzulassen. Dass das zentrale männliche Ego immer wieder um die Themen Sex und Gewalt kreist, gilt es gleichfalls zu verkraften. Aber ehrlich gesagt, tut es das bei Ferrara nicht immer? Und liegt das Faszinierende seiner Werke nicht gerade in der schonungslosen Selbstentblößung ihrer höchst zweifelhaften und oft verzweifelten Helden? Diesen peinlichen, erbärmlichen, durchschnittlichen, uns so ähnlichen Sinnsuchern.“ (Alexandra Seitz, BLZ 25.02.2020)

Siberia, OmdU
So 19.07.

Wagenknecht

Sandra Kaudelka
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Wagenknecht

D 2020, 100 min, deutsche Originalfassung

Regie: Sandra Kaudelka

Der Terminkalender von Sahra Wagenknecht platzt aus allen Nähten. Zum Arbeitsalltag der populären Linken-Politikerin gehören Interviews und Krisengespräche, Pressekonferenzen und Fotoshootings. Ein Leben mit Beifall und Bewunderung, aber auch extremem Druck und Zweifeln – ja sogar Intrigen und offenen Anfeindungen. Wagenknechts stärkster Antrieb ist der Kampf gegen das Erstarken der Neuen Rechten in Parlament und Gesellschaft. Regisseurin Sandra Kaudelka hat die Politikerin über zwei Jahre mit der Kamera begleitet und zeigt sie bei öffentlichen Auftritten, bei Besprechungen mit den engsten Mitarbeitern und in privaten Momenten. Eine dichte Beobachtung in einer nervenaufreibenden Zeit: Im Frühjahr 2017, ein halbes Jahr vor der Bundestagswahl, besteht noch die Möglichkeit, dass die Linke erstmals Teil der Bundesregierung werden könnte; Anfang 2019 kündigt Wagenknecht ihren Rückzug aus der Spitzenpolitik als Folge von Erschöpfung an.

WAGENKNECHT ist ein vielschichtiger Film über politische Machtmechanismen, den engagierten Kampf für die eigenen Überzeugungen, über ein Leben mit und in der Politik – und den gesundheitlichen Preis, den es dafür allzu oft zu zahlen gilt.

„Dramaturgisch ist der Rückzug Wagenknecht aus ihrem Amt fraglos ein Glücksfall für Sandra Kaudelka und ihre Dokumentation. Ein organischer Bogen ergibt sich dadurch von selbst, an dem entlang Momente des Politikeralltags stehen. Viele Interviews mit großen und kleinen Medien sind das, viele Fahrten im Auto, von Veranstaltung zu Veranstaltung. Vom Bundestag zum Bahnhof, wenige Momente mit ihrem Ehemann Oskar Lafontaine, der immer mal wiederauftaucht, aber in dieser Politiker-Beziehung eindeutig nur noch die zweite Geige spielt.

Ein klassischer Porträtfilm ist WAGENKNECHT nicht, Rückblicke auf Karriere und Leben gibt es kaum, eine Einordnung von Wagenknechts politischen Ansichten und Haltungen findet nicht statt. Kaudelka bleibt ganz im Moment, beobachtet, versucht auch die Absurdität des politischen Geschäfts anzudeuten, wenn etwa ein Fotograf zur Bebilderung eines Artikels für die Bunte gerne ein Foto auf einer Picknickdecke hätten, ein Anliegen, das Wagenknecht und ihr Pressesprecher abzublocken wissen.

So interessant der Blick hinter die Kulissen des Politikbetriebs auch oft ist: Wagenknecht ist nach Jahrzehnten der Erfahrung vielleicht schon zu professionell, um wirkliche Blicke hinter die Fassade zuzulassen. So streng ihr Äußeres wirkt, so sehr versucht sie auch ihr Bild in der Öffentlichkeit zu kontrollieren, denn auch wenn sie Sandra Kaudelka augenscheinlich viel Raum zum Filmen gegeben hat: am Ende zeigt WAGENKNECHT ein Bild der Politikerin, das ganz im Sinne von Sahra Wagenknecht ist.“ (Michael Meyns, programmkino.de)

So 19.07.

Nationalstraße – Národní třída, OmdU

Štěpán Altrichter
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Nationalstraße (Národní třída)

CZ/ D 2019, 91 min, Tschechische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Štěpán Altrichter      nach dem gleichnamigen Roman von Jaroslav Rudiš

Er ist ein Kind der Vorstadt und die Faust rutscht ihm gerne mal aus. Seine Klappe ist gigantisch und sein Spitzname ist nicht ironisch gemeint: Vandam. Wie Jean-Claude van Damme. Vandam hat seine Neubau-Siedlung nie verlassen und darauf ist er stolz. Sein Leben scheint ein bisschen aus der Zeit gefallen – doch globale Entwicklungen halten sich nicht an Stadtgrenzen. Immobilien-Haie haben es auf seine Lieblingskneipe abgesehen. Auf sein Revier, seine Heimat, sein Zuhause, auch wenn von seiner Familie nichts mehr übriggeblieben ist. Jetzt soll die Kneipe abgerissen und das Grundstück neu bebaut werden. Aber das ist noch nicht alles: Die Kneipe gehört einer Frau, die er liebt. Irgendwie. Heimlich. Und ein wenig breitbeinig. Lucka heißt sie. Lucka und die Kneipe sind wie ein Licht im Dunkeln für ihn – auch wenn er das so nie sagen würde. Aber ein Krieger ist ein Krieger und kämpft für das, was ihm heilig ist.

„Vandam ist nicht immer einfach, ein ambivalenter Typ. Ein Schläger. Ein Bürger, der Wut in sich hat. Gleichzeitig ein Mensch voller Leidenschaft, Suche nach Gerechtigkeit, nach Liebe. Einer, der sagt, was er meint und der sein Wort hält. Nicht gut, nicht schlecht. Ich wollte einen Film machen, der das Leben so zeigt, wie es ist: uneindeutig. Tragisch. Romantisch. Traurig. Und lustig! Nicht schwarz und weiß. So wie das Leben selbst.“ (Štěpán Altrichter)

„Vandam ist ein trauriger Held. Ich habe ihn mal in einer Prager Kneipe getroffen und war fasziniert von seiner brachialen, aber auch sehr poetischen Sprache. Wir haben viel Bier getrunken. Er erzählte mir Geschichten aus seinem Leben. Alles ziemlich düster, alles nicht einfach, aber er mit viel Humor. Ich hoffe, das haben wir auch in den Film übertragen.“ (Jaroslav Rudiš)

„Nun gibt es aber auch gravierende Unterschiede zwischen Roman und Film, die dazu führen, dass der filmische Vandam dem Publikum regelrecht sympathisch wird. Der Glatzkopf prügelt sich zwar, aber seine Brutalität als Schläger bleibt im Film zum Glück ausgespart. Vandam verpasst auch der Kneipenbesitzerin Lucka, die er gerne zu seiner Frau machen würde, keine Ohrfeigen wie der Wirtin Sylva aus dem Buch. Lucka ist noch jung, attraktiv, alle die prolligen Äußerungen Sylvas sind ihr sorgsam ausradiert worden. Vieles ist auf einmal merkwürdig geglättet zu einer nicht mehr ganz neu wirkenden Geschichte über Gentrifizierung und die Machtlosigkeit der Männer, die ihre Stammkneipe verlieren, weil sie den Stadtentwicklern und Investoren weder zeitgemäß noch lukrativ erscheint.

Es wäre vielleicht mal interessant, grundsätzliche Überlegungen anzustellen zur manchmal ausgeprägten Bereitschaft von Romanautoren und -autorinnen, ihr eigenes Werk für ein Drehbuch abzuändern. Rudiš, der mit Altrichter das Drehbuch verfasste, lässt Vandam darin plötzlich genau die gut gemeinten Dinge tun, die er im Roman zu seinem eigenen Bedauern unterlässt. Dort sind es Vandams Versäumnisse und sein selbstgerechtes dumpfes Fehlverhalten, die die Leserschaft glauben lassen, er hätte sich um einen Haufen Chancen gebracht.“ (Bianca Piringer, kino-zeit.de)

Mo 20.07.

Wagenknecht

Sandra Kaudelka
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Wagenknecht

D 2020, 100 min, deutsche Originalfassung

Regie: Sandra Kaudelka

Der Terminkalender von Sahra Wagenknecht platzt aus allen Nähten. Zum Arbeitsalltag der populären Linken-Politikerin gehören Interviews und Krisengespräche, Pressekonferenzen und Fotoshootings. Ein Leben mit Beifall und Bewunderung, aber auch extremem Druck und Zweifeln – ja sogar Intrigen und offenen Anfeindungen. Wagenknechts stärkster Antrieb ist der Kampf gegen das Erstarken der Neuen Rechten in Parlament und Gesellschaft. Regisseurin Sandra Kaudelka hat die Politikerin über zwei Jahre mit der Kamera begleitet und zeigt sie bei öffentlichen Auftritten, bei Besprechungen mit den engsten Mitarbeitern und in privaten Momenten. Eine dichte Beobachtung in einer nervenaufreibenden Zeit: Im Frühjahr 2017, ein halbes Jahr vor der Bundestagswahl, besteht noch die Möglichkeit, dass die Linke erstmals Teil der Bundesregierung werden könnte; Anfang 2019 kündigt Wagenknecht ihren Rückzug aus der Spitzenpolitik als Folge von Erschöpfung an.

WAGENKNECHT ist ein vielschichtiger Film über politische Machtmechanismen, den engagierten Kampf für die eigenen Überzeugungen, über ein Leben mit und in der Politik – und den gesundheitlichen Preis, den es dafür allzu oft zu zahlen gilt.

„Dramaturgisch ist der Rückzug Wagenknecht aus ihrem Amt fraglos ein Glücksfall für Sandra Kaudelka und ihre Dokumentation. Ein organischer Bogen ergibt sich dadurch von selbst, an dem entlang Momente des Politikeralltags stehen. Viele Interviews mit großen und kleinen Medien sind das, viele Fahrten im Auto, von Veranstaltung zu Veranstaltung. Vom Bundestag zum Bahnhof, wenige Momente mit ihrem Ehemann Oskar Lafontaine, der immer mal wiederauftaucht, aber in dieser Politiker-Beziehung eindeutig nur noch die zweite Geige spielt.

Ein klassischer Porträtfilm ist WAGENKNECHT nicht, Rückblicke auf Karriere und Leben gibt es kaum, eine Einordnung von Wagenknechts politischen Ansichten und Haltungen findet nicht statt. Kaudelka bleibt ganz im Moment, beobachtet, versucht auch die Absurdität des politischen Geschäfts anzudeuten, wenn etwa ein Fotograf zur Bebilderung eines Artikels für die Bunte gerne ein Foto auf einer Picknickdecke hätten, ein Anliegen, das Wagenknecht und ihr Pressesprecher abzublocken wissen.

So interessant der Blick hinter die Kulissen des Politikbetriebs auch oft ist: Wagenknecht ist nach Jahrzehnten der Erfahrung vielleicht schon zu professionell, um wirkliche Blicke hinter die Fassade zuzulassen. So streng ihr Äußeres wirkt, so sehr versucht sie auch ihr Bild in der Öffentlichkeit zu kontrollieren, denn auch wenn sie Sandra Kaudelka augenscheinlich viel Raum zum Filmen gegeben hat: am Ende zeigt WAGENKNECHT ein Bild der Politikerin, das ganz im Sinne von Sahra Wagenknecht ist.“ (Michael Meyns, programmkino.de)

Wagenknecht
Mo 20.07.

Nationalstraße – Národní třída, OmdU

Štěpán Altrichter
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Nationalstraße (Národní třída)

CZ/ D 2019, 91 min, Tschechische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Štěpán Altrichter      nach dem gleichnamigen Roman von Jaroslav Rudiš

Er ist ein Kind der Vorstadt und die Faust rutscht ihm gerne mal aus. Seine Klappe ist gigantisch und sein Spitzname ist nicht ironisch gemeint: Vandam. Wie Jean-Claude van Damme. Vandam hat seine Neubau-Siedlung nie verlassen und darauf ist er stolz. Sein Leben scheint ein bisschen aus der Zeit gefallen – doch globale Entwicklungen halten sich nicht an Stadtgrenzen. Immobilien-Haie haben es auf seine Lieblingskneipe abgesehen. Auf sein Revier, seine Heimat, sein Zuhause, auch wenn von seiner Familie nichts mehr übriggeblieben ist. Jetzt soll die Kneipe abgerissen und das Grundstück neu bebaut werden. Aber das ist noch nicht alles: Die Kneipe gehört einer Frau, die er liebt. Irgendwie. Heimlich. Und ein wenig breitbeinig. Lucka heißt sie. Lucka und die Kneipe sind wie ein Licht im Dunkeln für ihn – auch wenn er das so nie sagen würde. Aber ein Krieger ist ein Krieger und kämpft für das, was ihm heilig ist.

„Vandam ist nicht immer einfach, ein ambivalenter Typ. Ein Schläger. Ein Bürger, der Wut in sich hat. Gleichzeitig ein Mensch voller Leidenschaft, Suche nach Gerechtigkeit, nach Liebe. Einer, der sagt, was er meint und der sein Wort hält. Nicht gut, nicht schlecht. Ich wollte einen Film machen, der das Leben so zeigt, wie es ist: uneindeutig. Tragisch. Romantisch. Traurig. Und lustig! Nicht schwarz und weiß. So wie das Leben selbst.“ (Štěpán Altrichter)

„Vandam ist ein trauriger Held. Ich habe ihn mal in einer Prager Kneipe getroffen und war fasziniert von seiner brachialen, aber auch sehr poetischen Sprache. Wir haben viel Bier getrunken. Er erzählte mir Geschichten aus seinem Leben. Alles ziemlich düster, alles nicht einfach, aber er mit viel Humor. Ich hoffe, das haben wir auch in den Film übertragen.“ (Jaroslav Rudiš)

„Nun gibt es aber auch gravierende Unterschiede zwischen Roman und Film, die dazu führen, dass der filmische Vandam dem Publikum regelrecht sympathisch wird. Der Glatzkopf prügelt sich zwar, aber seine Brutalität als Schläger bleibt im Film zum Glück ausgespart. Vandam verpasst auch der Kneipenbesitzerin Lucka, die er gerne zu seiner Frau machen würde, keine Ohrfeigen wie der Wirtin Sylva aus dem Buch. Lucka ist noch jung, attraktiv, alle die prolligen Äußerungen Sylvas sind ihr sorgsam ausradiert worden. Vieles ist auf einmal merkwürdig geglättet zu einer nicht mehr ganz neu wirkenden Geschichte über Gentrifizierung und die Machtlosigkeit der Männer, die ihre Stammkneipe verlieren, weil sie den Stadtentwicklern und Investoren weder zeitgemäß noch lukrativ erscheint.

Es wäre vielleicht mal interessant, grundsätzliche Überlegungen anzustellen zur manchmal ausgeprägten Bereitschaft von Romanautoren und -autorinnen, ihr eigenes Werk für ein Drehbuch abzuändern. Rudiš, der mit Altrichter das Drehbuch verfasste, lässt Vandam darin plötzlich genau die gut gemeinten Dinge tun, die er im Roman zu seinem eigenen Bedauern unterlässt. Dort sind es Vandams Versäumnisse und sein selbstgerechtes dumpfes Fehlverhalten, die die Leserschaft glauben lassen, er hätte sich um einen Haufen Chancen gebracht.“ (Bianca Piringer, kino-zeit.de)

Di 21.07.

Wagenknecht

Sandra Kaudelka
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Wagenknecht

D 2020, 100 min, deutsche Originalfassung

Regie: Sandra Kaudelka

Der Terminkalender von Sahra Wagenknecht platzt aus allen Nähten. Zum Arbeitsalltag der populären Linken-Politikerin gehören Interviews und Krisengespräche, Pressekonferenzen und Fotoshootings. Ein Leben mit Beifall und Bewunderung, aber auch extremem Druck und Zweifeln – ja sogar Intrigen und offenen Anfeindungen. Wagenknechts stärkster Antrieb ist der Kampf gegen das Erstarken der Neuen Rechten in Parlament und Gesellschaft. Regisseurin Sandra Kaudelka hat die Politikerin über zwei Jahre mit der Kamera begleitet und zeigt sie bei öffentlichen Auftritten, bei Besprechungen mit den engsten Mitarbeitern und in privaten Momenten. Eine dichte Beobachtung in einer nervenaufreibenden Zeit: Im Frühjahr 2017, ein halbes Jahr vor der Bundestagswahl, besteht noch die Möglichkeit, dass die Linke erstmals Teil der Bundesregierung werden könnte; Anfang 2019 kündigt Wagenknecht ihren Rückzug aus der Spitzenpolitik als Folge von Erschöpfung an.

WAGENKNECHT ist ein vielschichtiger Film über politische Machtmechanismen, den engagierten Kampf für die eigenen Überzeugungen, über ein Leben mit und in der Politik – und den gesundheitlichen Preis, den es dafür allzu oft zu zahlen gilt.

„Dramaturgisch ist der Rückzug Wagenknecht aus ihrem Amt fraglos ein Glücksfall für Sandra Kaudelka und ihre Dokumentation. Ein organischer Bogen ergibt sich dadurch von selbst, an dem entlang Momente des Politikeralltags stehen. Viele Interviews mit großen und kleinen Medien sind das, viele Fahrten im Auto, von Veranstaltung zu Veranstaltung. Vom Bundestag zum Bahnhof, wenige Momente mit ihrem Ehemann Oskar Lafontaine, der immer mal wiederauftaucht, aber in dieser Politiker-Beziehung eindeutig nur noch die zweite Geige spielt.

Ein klassischer Porträtfilm ist WAGENKNECHT nicht, Rückblicke auf Karriere und Leben gibt es kaum, eine Einordnung von Wagenknechts politischen Ansichten und Haltungen findet nicht statt. Kaudelka bleibt ganz im Moment, beobachtet, versucht auch die Absurdität des politischen Geschäfts anzudeuten, wenn etwa ein Fotograf zur Bebilderung eines Artikels für die Bunte gerne ein Foto auf einer Picknickdecke hätten, ein Anliegen, das Wagenknecht und ihr Pressesprecher abzublocken wissen.

So interessant der Blick hinter die Kulissen des Politikbetriebs auch oft ist: Wagenknecht ist nach Jahrzehnten der Erfahrung vielleicht schon zu professionell, um wirkliche Blicke hinter die Fassade zuzulassen. So streng ihr Äußeres wirkt, so sehr versucht sie auch ihr Bild in der Öffentlichkeit zu kontrollieren, denn auch wenn sie Sandra Kaudelka augenscheinlich viel Raum zum Filmen gegeben hat: am Ende zeigt WAGENKNECHT ein Bild der Politikerin, das ganz im Sinne von Sahra Wagenknecht ist.“ (Michael Meyns, programmkino.de)

Wagenknecht
Di 21.07.

Nationalstraße – Národní třída, OmdU

Štěpán Altrichter
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Nationalstraße (Národní třída)

CZ/ D 2019, 91 min, Tschechische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Štěpán Altrichter      nach dem gleichnamigen Roman von Jaroslav Rudiš

Er ist ein Kind der Vorstadt und die Faust rutscht ihm gerne mal aus. Seine Klappe ist gigantisch und sein Spitzname ist nicht ironisch gemeint: Vandam. Wie Jean-Claude van Damme. Vandam hat seine Neubau-Siedlung nie verlassen und darauf ist er stolz. Sein Leben scheint ein bisschen aus der Zeit gefallen – doch globale Entwicklungen halten sich nicht an Stadtgrenzen. Immobilien-Haie haben es auf seine Lieblingskneipe abgesehen. Auf sein Revier, seine Heimat, sein Zuhause, auch wenn von seiner Familie nichts mehr übriggeblieben ist. Jetzt soll die Kneipe abgerissen und das Grundstück neu bebaut werden. Aber das ist noch nicht alles: Die Kneipe gehört einer Frau, die er liebt. Irgendwie. Heimlich. Und ein wenig breitbeinig. Lucka heißt sie. Lucka und die Kneipe sind wie ein Licht im Dunkeln für ihn – auch wenn er das so nie sagen würde. Aber ein Krieger ist ein Krieger und kämpft für das, was ihm heilig ist.

„Vandam ist nicht immer einfach, ein ambivalenter Typ. Ein Schläger. Ein Bürger, der Wut in sich hat. Gleichzeitig ein Mensch voller Leidenschaft, Suche nach Gerechtigkeit, nach Liebe. Einer, der sagt, was er meint und der sein Wort hält. Nicht gut, nicht schlecht. Ich wollte einen Film machen, der das Leben so zeigt, wie es ist: uneindeutig. Tragisch. Romantisch. Traurig. Und lustig! Nicht schwarz und weiß. So wie das Leben selbst.“ (Štěpán Altrichter)

„Vandam ist ein trauriger Held. Ich habe ihn mal in einer Prager Kneipe getroffen und war fasziniert von seiner brachialen, aber auch sehr poetischen Sprache. Wir haben viel Bier getrunken. Er erzählte mir Geschichten aus seinem Leben. Alles ziemlich düster, alles nicht einfach, aber er mit viel Humor. Ich hoffe, das haben wir auch in den Film übertragen.“ (Jaroslav Rudiš)

„Nun gibt es aber auch gravierende Unterschiede zwischen Roman und Film, die dazu führen, dass der filmische Vandam dem Publikum regelrecht sympathisch wird. Der Glatzkopf prügelt sich zwar, aber seine Brutalität als Schläger bleibt im Film zum Glück ausgespart. Vandam verpasst auch der Kneipenbesitzerin Lucka, die er gerne zu seiner Frau machen würde, keine Ohrfeigen wie der Wirtin Sylva aus dem Buch. Lucka ist noch jung, attraktiv, alle die prolligen Äußerungen Sylvas sind ihr sorgsam ausradiert worden. Vieles ist auf einmal merkwürdig geglättet zu einer nicht mehr ganz neu wirkenden Geschichte über Gentrifizierung und die Machtlosigkeit der Männer, die ihre Stammkneipe verlieren, weil sie den Stadtentwicklern und Investoren weder zeitgemäß noch lukrativ erscheint.

Es wäre vielleicht mal interessant, grundsätzliche Überlegungen anzustellen zur manchmal ausgeprägten Bereitschaft von Romanautoren und -autorinnen, ihr eigenes Werk für ein Drehbuch abzuändern. Rudiš, der mit Altrichter das Drehbuch verfasste, lässt Vandam darin plötzlich genau die gut gemeinten Dinge tun, die er im Roman zu seinem eigenen Bedauern unterlässt. Dort sind es Vandams Versäumnisse und sein selbstgerechtes dumpfes Fehlverhalten, die die Leserschaft glauben lassen, er hätte sich um einen Haufen Chancen gebracht.“ (Bianca Piringer, kino-zeit.de)

Nationalstraße – Národní třída, OmdU
Mi 22.07.

Tir na nOg – in Anwesenheit des Regisseurs Jörg Foth VORBESTELLUNG EMPFOHLEN!

Jörg Foth
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Tir na nOg

D 1994, 16mm, 90 min

in Anwesenheit des Regisseurs Jörg Foth

Regie: Jörg Foth           Tír na nÓg, übersetzt etwa „Land der ewigen Jugend“, ist ein Ort der irischen Mythologie. Ende des letzten Jahrhunderts war für 15.000 deutsche Auswanderer Irland dieser Sehnsuchtsort. Regisseur Jörg Foth hat fünf Familien an der Westküste besucht. Die einen zog der Traum vom eigenen Grund und Boden; die anderen der Wunsch nach Unabhängigkeit, wieder andere trieb die Enttäuschung über die verlorenen Träume der 68er auf die grüne Insel. (Indiekino)

„Der Westen Deutschlands, das war in den 1960er Jahren aus jugendlicher Sicht: Aufbegehren und Beat-Club, Ostermarsch und Flower Power und die immer klarer werdende Absage der 1964er Gammler und 1967er Hippies an ihren Still- und Wohlstandsstaat. In jener Street Fighting Time war eine linke Veränderbarkeit der Welt nicht nur wie in der DDR monotone Feiertagsfloskel und unerschütterliches Selbstbestätigungszitat, hier wurde sie geträumt und von vielen unter 30 auch gewagt. Hessische Rebellionen, schwäbische Blumen und linke Zirkel Niedersachsens verbanden die ProtagonistInnen dieses Films miteinander, um das Selbstvertrauen ihrer Generation zu bewahren. Und die vermeintliche Greifbarkeit einer Utopie. Sie blieben Forever young.“ (Jörg Foth, Tangentiale A3Z2 Startband)

Vollständiger Tangentiale-Text:

TIR NA NOG_Zeitunsgseite_A3_00_kleiner

Tir na nOg – in Anwesenheit des Regisseurs Jörg Foth VORBESTELLUNG EMPFOHLEN!
Do 23.07.

Schwarze Milch, OmdU

Uisenma Borchu
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Schwarze Milch

Deutschland 2020, 91 min, OmdU

Regie: Uisenma Borchu

In der mongolischen Wüste Gobi verbringen zwei Schwestern die ersten Jahre ihrer Kindheit gemeinsam, dann werden sie getrennt. Die Eine wächst in Deutschland auf, während die Andere in der Mongolei bleibt und dort das traditionelle Leben der Nomaden lebt. Doch auch noch Jahre später sehnen sich die beiden Schwestern nacheinander. Es kommt zu einem emotionalen Wiedersehen in der Wüste. Zwei Welten treffen aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten, zwei Menschen, die einander brauchen, aber nicht wissen, wie sie miteinander umgehen sollen. Wird die frühere Vertrautheit die Kluft überwinden können? Es ist eine Suche nach Anerkennung und Liebe, manifestiert als Kampf der Kulturen…

Uisenma Borchu gelingt es, ein authentisches, fast dokumentarisches Bild des Lebens von Nomaden in der Wüste zu zeichnen und zugleich einen visuell und erzählerisch außergewöhnlichen Spielfilm mit eigenständiger Handschrift zu schaffen, ein Werk der Kunst – oft atemlos, immer atemberaubend, radikal und sinnlich.

„Ich habe in meinem Film versucht, die Kraft der Frau auszudrücken. Die Milch, die durch unsere Brust fließt, ist so etwas Starkes. Sie bedeutet Leben. Und solange sie im Körper der Frau ist, also in der Dunkelheit, ist sie schwarz. Die Kraft ist da, aber man sieht sie nicht. Und man übersieht sie auch gern. In unserer Gesellschaft wird die Stärke übersehen, die eine Frau in sich trägt.“ (Uisenma Borchu in Gespräch mit Carolin Weidner, TAZ 25.02.20)

„SCHWARZE MILCH ist ein rauer und schöner Film, dessen sinnliche Wucht sich aber nie gänzlich überträgt. Nachhallend ist dieses stolze Portrait einer Frau und ihrer Suche nach Geborgenheit und Freiheit dennoch. Ebenso wie die Erkenntnis des Films, dass sich Heimat letztendlich vielleicht nur im eigenen Körper, in jedem Fall aber nicht abseits von ihm finden lässt.“ (Lucia Wiedergrün, kino-zeit.de)

Schwarze Milch, OmdU
Do 23.07.

Als wir tanzten – And Then We Danced / Da chven vitsek’vet, OmdU

Levan Akin
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Als wir tanzten (And Then We Danced / და ჩვენ ვიცეკვეთ))

Schweden / Georgien/ Frankreich 2019, 113 min, Georgische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Levan Akin

Der fröhlich-verträumte Merab ist ein leidenschaftlicher Tänzer, doch etwas zu weich, findet sein Trainer. Im traditionellen georgischen Tanz verkörpern die Männer schliesslich Stärke. Als eines Tages der so mysteriöse wie begabte Tänzer Irakli im Unterricht auftaucht, zieht dieser nicht nur die Aufmerksamkeit des Trainers auf sich. Während Merab und Irakli um einen begehrten Platz im Staatsballett konkurrieren, keimt zwischen den beiden eine Zuneigung auf, die immer schwerer zu unterdrücken wird. (zff.com)

„Als wir tanzten funktioniert einerseits durch einen sublimen Realismus und andererseits über die heimlichen, viel sagenden Blicke des famosen Hauptdarstellers Levan Gelbakhiani, der in den Tanzdarbietungen schlichtweg hinreißt und auch sonst mit ebenso nuanciertem, unaufdringlich-authentischen Spiel begeistert wie einst Timothée Chalamet in Call Me By Your Name. Auch ist es, wie schon in Luca Guadagninos Film(en), die eindringliche Inszenierung von Körperlichkeit, die zum dramaturgischen Brennpunkt avanciert. Dies passiert mittels großartiger Tanzsequenzen; Tänzen, in denen sich die inneren Aufrühre des Protagonisten deutlich widerspiegeln und zu desperaten, hoffnungsvollen und schlussendlich befreienden Ausdrucks- und Kommunikationsakten werden.” (Nathanael Brohammer, programmkino.de)

“In Georgien sind bei Protesten gegen einen Film über die Liebe zweier schwuler Tänzer 27 Menschen festgenommen worden. Zwei Polizisten seien verletzt worden, als sie die Premiere des Dramas AND THEN WE DANCED (ALS WIR TANZTEN) schützten, teilte das Innenministerium in der Hauptstadt Tiflis mit. Gegner des Films riefen nach Berichten georgischer Medien vor Kinos ‚Schande‘ und setzten Feuerwerk ein. Der Film des schwedischen Regisseurs Levan Akin wurde in fünf unter Polizeischutz stehenden Kinos in Georgien gezeigt. Nach Angaben der Organisatoren waren alle Tickets im Vorfeld ausverkauft. (…) AND THEN WE DANCED feierte in diesem Jahr bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes Premiere. (…) Zu den Protesten hatten Nationalisten aufgerufen. Sie behaupteten, der Film verstoße gegen georgische Traditionen. Außerdem gebe es im Nationaltheater keine schwulen Tänzer. Die Orthodoxe Kirche in dem Land bezeichnete das Liebesdrama als inakzeptabel, distanzierte sich Berichten zufolge aber von Gewalt.“ (spiegel.de)

Als wir tanzten – And Then We Danced / Da chven vitsek’vet, OmdU
Fr 24.07.

Schwarze Milch, OmdU

Uisenma Borchu
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Schwarze Milch

Deutschland 2020, 91 min, OmdU

Regie: Uisenma Borchu

In der mongolischen Wüste Gobi verbringen zwei Schwestern die ersten Jahre ihrer Kindheit gemeinsam, dann werden sie getrennt. Die Eine wächst in Deutschland auf, während die Andere in der Mongolei bleibt und dort das traditionelle Leben der Nomaden lebt. Doch auch noch Jahre später sehnen sich die beiden Schwestern nacheinander. Es kommt zu einem emotionalen Wiedersehen in der Wüste. Zwei Welten treffen aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten, zwei Menschen, die einander brauchen, aber nicht wissen, wie sie miteinander umgehen sollen. Wird die frühere Vertrautheit die Kluft überwinden können? Es ist eine Suche nach Anerkennung und Liebe, manifestiert als Kampf der Kulturen…

Uisenma Borchu gelingt es, ein authentisches, fast dokumentarisches Bild des Lebens von Nomaden in der Wüste zu zeichnen und zugleich einen visuell und erzählerisch außergewöhnlichen Spielfilm mit eigenständiger Handschrift zu schaffen, ein Werk der Kunst – oft atemlos, immer atemberaubend, radikal und sinnlich.

„Ich habe in meinem Film versucht, die Kraft der Frau auszudrücken. Die Milch, die durch unsere Brust fließt, ist so etwas Starkes. Sie bedeutet Leben. Und solange sie im Körper der Frau ist, also in der Dunkelheit, ist sie schwarz. Die Kraft ist da, aber man sieht sie nicht. Und man übersieht sie auch gern. In unserer Gesellschaft wird die Stärke übersehen, die eine Frau in sich trägt.“ (Uisenma Borchu in Gespräch mit Carolin Weidner, TAZ 25.02.20)

„SCHWARZE MILCH ist ein rauer und schöner Film, dessen sinnliche Wucht sich aber nie gänzlich überträgt. Nachhallend ist dieses stolze Portrait einer Frau und ihrer Suche nach Geborgenheit und Freiheit dennoch. Ebenso wie die Erkenntnis des Films, dass sich Heimat letztendlich vielleicht nur im eigenen Körper, in jedem Fall aber nicht abseits von ihm finden lässt.“ (Lucia Wiedergrün, kino-zeit.de)

Fr 24.07.

Als wir tanzten – And Then We Danced / Da chven vitsek’vet, OmdU

Levan Akin
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Als wir tanzten (And Then We Danced / და ჩვენ ვიცეკვეთ))

Schweden / Georgien/ Frankreich 2019, 113 min, Georgische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Levan Akin

Der fröhlich-verträumte Merab ist ein leidenschaftlicher Tänzer, doch etwas zu weich, findet sein Trainer. Im traditionellen georgischen Tanz verkörpern die Männer schliesslich Stärke. Als eines Tages der so mysteriöse wie begabte Tänzer Irakli im Unterricht auftaucht, zieht dieser nicht nur die Aufmerksamkeit des Trainers auf sich. Während Merab und Irakli um einen begehrten Platz im Staatsballett konkurrieren, keimt zwischen den beiden eine Zuneigung auf, die immer schwerer zu unterdrücken wird. (zff.com)

„Als wir tanzten funktioniert einerseits durch einen sublimen Realismus und andererseits über die heimlichen, viel sagenden Blicke des famosen Hauptdarstellers Levan Gelbakhiani, der in den Tanzdarbietungen schlichtweg hinreißt und auch sonst mit ebenso nuanciertem, unaufdringlich-authentischen Spiel begeistert wie einst Timothée Chalamet in Call Me By Your Name. Auch ist es, wie schon in Luca Guadagninos Film(en), die eindringliche Inszenierung von Körperlichkeit, die zum dramaturgischen Brennpunkt avanciert. Dies passiert mittels großartiger Tanzsequenzen; Tänzen, in denen sich die inneren Aufrühre des Protagonisten deutlich widerspiegeln und zu desperaten, hoffnungsvollen und schlussendlich befreienden Ausdrucks- und Kommunikationsakten werden.” (Nathanael Brohammer, programmkino.de)

“In Georgien sind bei Protesten gegen einen Film über die Liebe zweier schwuler Tänzer 27 Menschen festgenommen worden. Zwei Polizisten seien verletzt worden, als sie die Premiere des Dramas AND THEN WE DANCED (ALS WIR TANZTEN) schützten, teilte das Innenministerium in der Hauptstadt Tiflis mit. Gegner des Films riefen nach Berichten georgischer Medien vor Kinos ‚Schande‘ und setzten Feuerwerk ein. Der Film des schwedischen Regisseurs Levan Akin wurde in fünf unter Polizeischutz stehenden Kinos in Georgien gezeigt. Nach Angaben der Organisatoren waren alle Tickets im Vorfeld ausverkauft. (…) AND THEN WE DANCED feierte in diesem Jahr bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes Premiere. (…) Zu den Protesten hatten Nationalisten aufgerufen. Sie behaupteten, der Film verstoße gegen georgische Traditionen. Außerdem gebe es im Nationaltheater keine schwulen Tänzer. Die Orthodoxe Kirche in dem Land bezeichnete das Liebesdrama als inakzeptabel, distanzierte sich Berichten zufolge aber von Gewalt.“ (spiegel.de)

Als wir tanzten – And Then We Danced / Da chven vitsek’vet, OmdU
Sa 25.07.

Wagenknecht

Sandra Kaudelka
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Wagenknecht

D 2020, 100 min, deutsche Originalfassung

Regie: Sandra Kaudelka

Der Terminkalender von Sahra Wagenknecht platzt aus allen Nähten. Zum Arbeitsalltag der populären Linken-Politikerin gehören Interviews und Krisengespräche, Pressekonferenzen und Fotoshootings. Ein Leben mit Beifall und Bewunderung, aber auch extremem Druck und Zweifeln – ja sogar Intrigen und offenen Anfeindungen. Wagenknechts stärkster Antrieb ist der Kampf gegen das Erstarken der Neuen Rechten in Parlament und Gesellschaft. Regisseurin Sandra Kaudelka hat die Politikerin über zwei Jahre mit der Kamera begleitet und zeigt sie bei öffentlichen Auftritten, bei Besprechungen mit den engsten Mitarbeitern und in privaten Momenten. Eine dichte Beobachtung in einer nervenaufreibenden Zeit: Im Frühjahr 2017, ein halbes Jahr vor der Bundestagswahl, besteht noch die Möglichkeit, dass die Linke erstmals Teil der Bundesregierung werden könnte; Anfang 2019 kündigt Wagenknecht ihren Rückzug aus der Spitzenpolitik als Folge von Erschöpfung an.

WAGENKNECHT ist ein vielschichtiger Film über politische Machtmechanismen, den engagierten Kampf für die eigenen Überzeugungen, über ein Leben mit und in der Politik – und den gesundheitlichen Preis, den es dafür allzu oft zu zahlen gilt.

„Dramaturgisch ist der Rückzug Wagenknecht aus ihrem Amt fraglos ein Glücksfall für Sandra Kaudelka und ihre Dokumentation. Ein organischer Bogen ergibt sich dadurch von selbst, an dem entlang Momente des Politikeralltags stehen. Viele Interviews mit großen und kleinen Medien sind das, viele Fahrten im Auto, von Veranstaltung zu Veranstaltung. Vom Bundestag zum Bahnhof, wenige Momente mit ihrem Ehemann Oskar Lafontaine, der immer mal wiederauftaucht, aber in dieser Politiker-Beziehung eindeutig nur noch die zweite Geige spielt.

Ein klassischer Porträtfilm ist WAGENKNECHT nicht, Rückblicke auf Karriere und Leben gibt es kaum, eine Einordnung von Wagenknechts politischen Ansichten und Haltungen findet nicht statt. Kaudelka bleibt ganz im Moment, beobachtet, versucht auch die Absurdität des politischen Geschäfts anzudeuten, wenn etwa ein Fotograf zur Bebilderung eines Artikels für die Bunte gerne ein Foto auf einer Picknickdecke hätten, ein Anliegen, das Wagenknecht und ihr Pressesprecher abzublocken wissen.

So interessant der Blick hinter die Kulissen des Politikbetriebs auch oft ist: Wagenknecht ist nach Jahrzehnten der Erfahrung vielleicht schon zu professionell, um wirkliche Blicke hinter die Fassade zuzulassen. So streng ihr Äußeres wirkt, so sehr versucht sie auch ihr Bild in der Öffentlichkeit zu kontrollieren, denn auch wenn sie Sandra Kaudelka augenscheinlich viel Raum zum Filmen gegeben hat: am Ende zeigt WAGENKNECHT ein Bild der Politikerin, das ganz im Sinne von Sahra Wagenknecht ist.“ (Michael Meyns, programmkino.de)

Wagenknecht
Sa 25.07.

Schwarze Milch, OmdU

Uisenma Borchu
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Schwarze Milch

Deutschland 2020, 91 min, OmdU

Regie: Uisenma Borchu

In der mongolischen Wüste Gobi verbringen zwei Schwestern die ersten Jahre ihrer Kindheit gemeinsam, dann werden sie getrennt. Die Eine wächst in Deutschland auf, während die Andere in der Mongolei bleibt und dort das traditionelle Leben der Nomaden lebt. Doch auch noch Jahre später sehnen sich die beiden Schwestern nacheinander. Es kommt zu einem emotionalen Wiedersehen in der Wüste. Zwei Welten treffen aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten, zwei Menschen, die einander brauchen, aber nicht wissen, wie sie miteinander umgehen sollen. Wird die frühere Vertrautheit die Kluft überwinden können? Es ist eine Suche nach Anerkennung und Liebe, manifestiert als Kampf der Kulturen…

Uisenma Borchu gelingt es, ein authentisches, fast dokumentarisches Bild des Lebens von Nomaden in der Wüste zu zeichnen und zugleich einen visuell und erzählerisch außergewöhnlichen Spielfilm mit eigenständiger Handschrift zu schaffen, ein Werk der Kunst – oft atemlos, immer atemberaubend, radikal und sinnlich.

„Ich habe in meinem Film versucht, die Kraft der Frau auszudrücken. Die Milch, die durch unsere Brust fließt, ist so etwas Starkes. Sie bedeutet Leben. Und solange sie im Körper der Frau ist, also in der Dunkelheit, ist sie schwarz. Die Kraft ist da, aber man sieht sie nicht. Und man übersieht sie auch gern. In unserer Gesellschaft wird die Stärke übersehen, die eine Frau in sich trägt.“ (Uisenma Borchu in Gespräch mit Carolin Weidner, TAZ 25.02.20)

„SCHWARZE MILCH ist ein rauer und schöner Film, dessen sinnliche Wucht sich aber nie gänzlich überträgt. Nachhallend ist dieses stolze Portrait einer Frau und ihrer Suche nach Geborgenheit und Freiheit dennoch. Ebenso wie die Erkenntnis des Films, dass sich Heimat letztendlich vielleicht nur im eigenen Körper, in jedem Fall aber nicht abseits von ihm finden lässt.“ (Lucia Wiedergrün, kino-zeit.de)

Schwarze Milch, OmdU
Sa 25.07.

Als wir tanzten – And Then We Danced / Da chven vitsek’vet, OmdU

Levan Akin
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Als wir tanzten (And Then We Danced / და ჩვენ ვიცეკვეთ))

Schweden / Georgien/ Frankreich 2019, 113 min, Georgische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Levan Akin

Der fröhlich-verträumte Merab ist ein leidenschaftlicher Tänzer, doch etwas zu weich, findet sein Trainer. Im traditionellen georgischen Tanz verkörpern die Männer schliesslich Stärke. Als eines Tages der so mysteriöse wie begabte Tänzer Irakli im Unterricht auftaucht, zieht dieser nicht nur die Aufmerksamkeit des Trainers auf sich. Während Merab und Irakli um einen begehrten Platz im Staatsballett konkurrieren, keimt zwischen den beiden eine Zuneigung auf, die immer schwerer zu unterdrücken wird. (zff.com)

„Als wir tanzten funktioniert einerseits durch einen sublimen Realismus und andererseits über die heimlichen, viel sagenden Blicke des famosen Hauptdarstellers Levan Gelbakhiani, der in den Tanzdarbietungen schlichtweg hinreißt und auch sonst mit ebenso nuanciertem, unaufdringlich-authentischen Spiel begeistert wie einst Timothée Chalamet in Call Me By Your Name. Auch ist es, wie schon in Luca Guadagninos Film(en), die eindringliche Inszenierung von Körperlichkeit, die zum dramaturgischen Brennpunkt avanciert. Dies passiert mittels großartiger Tanzsequenzen; Tänzen, in denen sich die inneren Aufrühre des Protagonisten deutlich widerspiegeln und zu desperaten, hoffnungsvollen und schlussendlich befreienden Ausdrucks- und Kommunikationsakten werden.” (Nathanael Brohammer, programmkino.de)

“In Georgien sind bei Protesten gegen einen Film über die Liebe zweier schwuler Tänzer 27 Menschen festgenommen worden. Zwei Polizisten seien verletzt worden, als sie die Premiere des Dramas AND THEN WE DANCED (ALS WIR TANZTEN) schützten, teilte das Innenministerium in der Hauptstadt Tiflis mit. Gegner des Films riefen nach Berichten georgischer Medien vor Kinos ‚Schande‘ und setzten Feuerwerk ein. Der Film des schwedischen Regisseurs Levan Akin wurde in fünf unter Polizeischutz stehenden Kinos in Georgien gezeigt. Nach Angaben der Organisatoren waren alle Tickets im Vorfeld ausverkauft. (…) AND THEN WE DANCED feierte in diesem Jahr bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes Premiere. (…) Zu den Protesten hatten Nationalisten aufgerufen. Sie behaupteten, der Film verstoße gegen georgische Traditionen. Außerdem gebe es im Nationaltheater keine schwulen Tänzer. Die Orthodoxe Kirche in dem Land bezeichnete das Liebesdrama als inakzeptabel, distanzierte sich Berichten zufolge aber von Gewalt.“ (spiegel.de)

Als wir tanzten – And Then We Danced / Da chven vitsek’vet, OmdU
So 26.07.

Wagenknecht

Sandra Kaudelka
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Wagenknecht

D 2020, 100 min, deutsche Originalfassung

Regie: Sandra Kaudelka

Der Terminkalender von Sahra Wagenknecht platzt aus allen Nähten. Zum Arbeitsalltag der populären Linken-Politikerin gehören Interviews und Krisengespräche, Pressekonferenzen und Fotoshootings. Ein Leben mit Beifall und Bewunderung, aber auch extremem Druck und Zweifeln – ja sogar Intrigen und offenen Anfeindungen. Wagenknechts stärkster Antrieb ist der Kampf gegen das Erstarken der Neuen Rechten in Parlament und Gesellschaft. Regisseurin Sandra Kaudelka hat die Politikerin über zwei Jahre mit der Kamera begleitet und zeigt sie bei öffentlichen Auftritten, bei Besprechungen mit den engsten Mitarbeitern und in privaten Momenten. Eine dichte Beobachtung in einer nervenaufreibenden Zeit: Im Frühjahr 2017, ein halbes Jahr vor der Bundestagswahl, besteht noch die Möglichkeit, dass die Linke erstmals Teil der Bundesregierung werden könnte; Anfang 2019 kündigt Wagenknecht ihren Rückzug aus der Spitzenpolitik als Folge von Erschöpfung an.

WAGENKNECHT ist ein vielschichtiger Film über politische Machtmechanismen, den engagierten Kampf für die eigenen Überzeugungen, über ein Leben mit und in der Politik – und den gesundheitlichen Preis, den es dafür allzu oft zu zahlen gilt.

„Dramaturgisch ist der Rückzug Wagenknecht aus ihrem Amt fraglos ein Glücksfall für Sandra Kaudelka und ihre Dokumentation. Ein organischer Bogen ergibt sich dadurch von selbst, an dem entlang Momente des Politikeralltags stehen. Viele Interviews mit großen und kleinen Medien sind das, viele Fahrten im Auto, von Veranstaltung zu Veranstaltung. Vom Bundestag zum Bahnhof, wenige Momente mit ihrem Ehemann Oskar Lafontaine, der immer mal wiederauftaucht, aber in dieser Politiker-Beziehung eindeutig nur noch die zweite Geige spielt.

Ein klassischer Porträtfilm ist WAGENKNECHT nicht, Rückblicke auf Karriere und Leben gibt es kaum, eine Einordnung von Wagenknechts politischen Ansichten und Haltungen findet nicht statt. Kaudelka bleibt ganz im Moment, beobachtet, versucht auch die Absurdität des politischen Geschäfts anzudeuten, wenn etwa ein Fotograf zur Bebilderung eines Artikels für die Bunte gerne ein Foto auf einer Picknickdecke hätten, ein Anliegen, das Wagenknecht und ihr Pressesprecher abzublocken wissen.

So interessant der Blick hinter die Kulissen des Politikbetriebs auch oft ist: Wagenknecht ist nach Jahrzehnten der Erfahrung vielleicht schon zu professionell, um wirkliche Blicke hinter die Fassade zuzulassen. So streng ihr Äußeres wirkt, so sehr versucht sie auch ihr Bild in der Öffentlichkeit zu kontrollieren, denn auch wenn sie Sandra Kaudelka augenscheinlich viel Raum zum Filmen gegeben hat: am Ende zeigt WAGENKNECHT ein Bild der Politikerin, das ganz im Sinne von Sahra Wagenknecht ist.“ (Michael Meyns, programmkino.de)

So 26.07.

Schwarze Milch, OmdU

Uisenma Borchu
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Schwarze Milch

Deutschland 2020, 91 min, OmdU

Regie: Uisenma Borchu

In der mongolischen Wüste Gobi verbringen zwei Schwestern die ersten Jahre ihrer Kindheit gemeinsam, dann werden sie getrennt. Die Eine wächst in Deutschland auf, während die Andere in der Mongolei bleibt und dort das traditionelle Leben der Nomaden lebt. Doch auch noch Jahre später sehnen sich die beiden Schwestern nacheinander. Es kommt zu einem emotionalen Wiedersehen in der Wüste. Zwei Welten treffen aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten, zwei Menschen, die einander brauchen, aber nicht wissen, wie sie miteinander umgehen sollen. Wird die frühere Vertrautheit die Kluft überwinden können? Es ist eine Suche nach Anerkennung und Liebe, manifestiert als Kampf der Kulturen…

Uisenma Borchu gelingt es, ein authentisches, fast dokumentarisches Bild des Lebens von Nomaden in der Wüste zu zeichnen und zugleich einen visuell und erzählerisch außergewöhnlichen Spielfilm mit eigenständiger Handschrift zu schaffen, ein Werk der Kunst – oft atemlos, immer atemberaubend, radikal und sinnlich.

„Ich habe in meinem Film versucht, die Kraft der Frau auszudrücken. Die Milch, die durch unsere Brust fließt, ist so etwas Starkes. Sie bedeutet Leben. Und solange sie im Körper der Frau ist, also in der Dunkelheit, ist sie schwarz. Die Kraft ist da, aber man sieht sie nicht. Und man übersieht sie auch gern. In unserer Gesellschaft wird die Stärke übersehen, die eine Frau in sich trägt.“ (Uisenma Borchu in Gespräch mit Carolin Weidner, TAZ 25.02.20)

„SCHWARZE MILCH ist ein rauer und schöner Film, dessen sinnliche Wucht sich aber nie gänzlich überträgt. Nachhallend ist dieses stolze Portrait einer Frau und ihrer Suche nach Geborgenheit und Freiheit dennoch. Ebenso wie die Erkenntnis des Films, dass sich Heimat letztendlich vielleicht nur im eigenen Körper, in jedem Fall aber nicht abseits von ihm finden lässt.“ (Lucia Wiedergrün, kino-zeit.de)

Schwarze Milch, OmdU
So 26.07.

Als wir tanzten – And Then We Danced / Da chven vitsek’vet, OmdU

Levan Akin
Mehr infos Schliessen

Als wir tanzten (And Then We Danced / და ჩვენ ვიცეკვეთ))

Schweden / Georgien/ Frankreich 2019, 113 min, Georgische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Levan Akin

Der fröhlich-verträumte Merab ist ein leidenschaftlicher Tänzer, doch etwas zu weich, findet sein Trainer. Im traditionellen georgischen Tanz verkörpern die Männer schliesslich Stärke. Als eines Tages der so mysteriöse wie begabte Tänzer Irakli im Unterricht auftaucht, zieht dieser nicht nur die Aufmerksamkeit des Trainers auf sich. Während Merab und Irakli um einen begehrten Platz im Staatsballett konkurrieren, keimt zwischen den beiden eine Zuneigung auf, die immer schwerer zu unterdrücken wird. (zff.com)

„Als wir tanzten funktioniert einerseits durch einen sublimen Realismus und andererseits über die heimlichen, viel sagenden Blicke des famosen Hauptdarstellers Levan Gelbakhiani, der in den Tanzdarbietungen schlichtweg hinreißt und auch sonst mit ebenso nuanciertem, unaufdringlich-authentischen Spiel begeistert wie einst Timothée Chalamet in Call Me By Your Name. Auch ist es, wie schon in Luca Guadagninos Film(en), die eindringliche Inszenierung von Körperlichkeit, die zum dramaturgischen Brennpunkt avanciert. Dies passiert mittels großartiger Tanzsequenzen; Tänzen, in denen sich die inneren Aufrühre des Protagonisten deutlich widerspiegeln und zu desperaten, hoffnungsvollen und schlussendlich befreienden Ausdrucks- und Kommunikationsakten werden.” (Nathanael Brohammer, programmkino.de)

“In Georgien sind bei Protesten gegen einen Film über die Liebe zweier schwuler Tänzer 27 Menschen festgenommen worden. Zwei Polizisten seien verletzt worden, als sie die Premiere des Dramas AND THEN WE DANCED (ALS WIR TANZTEN) schützten, teilte das Innenministerium in der Hauptstadt Tiflis mit. Gegner des Films riefen nach Berichten georgischer Medien vor Kinos ‚Schande‘ und setzten Feuerwerk ein. Der Film des schwedischen Regisseurs Levan Akin wurde in fünf unter Polizeischutz stehenden Kinos in Georgien gezeigt. Nach Angaben der Organisatoren waren alle Tickets im Vorfeld ausverkauft. (…) AND THEN WE DANCED feierte in diesem Jahr bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes Premiere. (…) Zu den Protesten hatten Nationalisten aufgerufen. Sie behaupteten, der Film verstoße gegen georgische Traditionen. Außerdem gebe es im Nationaltheater keine schwulen Tänzer. Die Orthodoxe Kirche in dem Land bezeichnete das Liebesdrama als inakzeptabel, distanzierte sich Berichten zufolge aber von Gewalt.“ (spiegel.de)

Als wir tanzten – And Then We Danced / Da chven vitsek’vet, OmdU
Mo 27.07.

Schwarze Milch, OmdU

Uisenma Borchu
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Schwarze Milch

Deutschland 2020, 91 min, OmdU

Regie: Uisenma Borchu

In der mongolischen Wüste Gobi verbringen zwei Schwestern die ersten Jahre ihrer Kindheit gemeinsam, dann werden sie getrennt. Die Eine wächst in Deutschland auf, während die Andere in der Mongolei bleibt und dort das traditionelle Leben der Nomaden lebt. Doch auch noch Jahre später sehnen sich die beiden Schwestern nacheinander. Es kommt zu einem emotionalen Wiedersehen in der Wüste. Zwei Welten treffen aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten, zwei Menschen, die einander brauchen, aber nicht wissen, wie sie miteinander umgehen sollen. Wird die frühere Vertrautheit die Kluft überwinden können? Es ist eine Suche nach Anerkennung und Liebe, manifestiert als Kampf der Kulturen…

Uisenma Borchu gelingt es, ein authentisches, fast dokumentarisches Bild des Lebens von Nomaden in der Wüste zu zeichnen und zugleich einen visuell und erzählerisch außergewöhnlichen Spielfilm mit eigenständiger Handschrift zu schaffen, ein Werk der Kunst – oft atemlos, immer atemberaubend, radikal und sinnlich.

„Ich habe in meinem Film versucht, die Kraft der Frau auszudrücken. Die Milch, die durch unsere Brust fließt, ist so etwas Starkes. Sie bedeutet Leben. Und solange sie im Körper der Frau ist, also in der Dunkelheit, ist sie schwarz. Die Kraft ist da, aber man sieht sie nicht. Und man übersieht sie auch gern. In unserer Gesellschaft wird die Stärke übersehen, die eine Frau in sich trägt.“ (Uisenma Borchu in Gespräch mit Carolin Weidner, TAZ 25.02.20)

„SCHWARZE MILCH ist ein rauer und schöner Film, dessen sinnliche Wucht sich aber nie gänzlich überträgt. Nachhallend ist dieses stolze Portrait einer Frau und ihrer Suche nach Geborgenheit und Freiheit dennoch. Ebenso wie die Erkenntnis des Films, dass sich Heimat letztendlich vielleicht nur im eigenen Körper, in jedem Fall aber nicht abseits von ihm finden lässt.“ (Lucia Wiedergrün, kino-zeit.de)

Mo 27.07.

Als wir tanzten – And Then We Danced / Da chven vitsek’vet, OmdU

Levan Akin
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Als wir tanzten (And Then We Danced / და ჩვენ ვიცეკვეთ))

Schweden / Georgien/ Frankreich 2019, 113 min, Georgische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Levan Akin

Der fröhlich-verträumte Merab ist ein leidenschaftlicher Tänzer, doch etwas zu weich, findet sein Trainer. Im traditionellen georgischen Tanz verkörpern die Männer schliesslich Stärke. Als eines Tages der so mysteriöse wie begabte Tänzer Irakli im Unterricht auftaucht, zieht dieser nicht nur die Aufmerksamkeit des Trainers auf sich. Während Merab und Irakli um einen begehrten Platz im Staatsballett konkurrieren, keimt zwischen den beiden eine Zuneigung auf, die immer schwerer zu unterdrücken wird. (zff.com)

„Als wir tanzten funktioniert einerseits durch einen sublimen Realismus und andererseits über die heimlichen, viel sagenden Blicke des famosen Hauptdarstellers Levan Gelbakhiani, der in den Tanzdarbietungen schlichtweg hinreißt und auch sonst mit ebenso nuanciertem, unaufdringlich-authentischen Spiel begeistert wie einst Timothée Chalamet in Call Me By Your Name. Auch ist es, wie schon in Luca Guadagninos Film(en), die eindringliche Inszenierung von Körperlichkeit, die zum dramaturgischen Brennpunkt avanciert. Dies passiert mittels großartiger Tanzsequenzen; Tänzen, in denen sich die inneren Aufrühre des Protagonisten deutlich widerspiegeln und zu desperaten, hoffnungsvollen und schlussendlich befreienden Ausdrucks- und Kommunikationsakten werden.” (Nathanael Brohammer, programmkino.de)

“In Georgien sind bei Protesten gegen einen Film über die Liebe zweier schwuler Tänzer 27 Menschen festgenommen worden. Zwei Polizisten seien verletzt worden, als sie die Premiere des Dramas AND THEN WE DANCED (ALS WIR TANZTEN) schützten, teilte das Innenministerium in der Hauptstadt Tiflis mit. Gegner des Films riefen nach Berichten georgischer Medien vor Kinos ‚Schande‘ und setzten Feuerwerk ein. Der Film des schwedischen Regisseurs Levan Akin wurde in fünf unter Polizeischutz stehenden Kinos in Georgien gezeigt. Nach Angaben der Organisatoren waren alle Tickets im Vorfeld ausverkauft. (…) AND THEN WE DANCED feierte in diesem Jahr bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes Premiere. (…) Zu den Protesten hatten Nationalisten aufgerufen. Sie behaupteten, der Film verstoße gegen georgische Traditionen. Außerdem gebe es im Nationaltheater keine schwulen Tänzer. Die Orthodoxe Kirche in dem Land bezeichnete das Liebesdrama als inakzeptabel, distanzierte sich Berichten zufolge aber von Gewalt.“ (spiegel.de)

Als wir tanzten – And Then We Danced / Da chven vitsek’vet, OmdU
Di 28.07.

Schwarze Milch, OmdU

Uisenma Borchu
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Schwarze Milch

Deutschland 2020, 91 min, OmdU

Regie: Uisenma Borchu

In der mongolischen Wüste Gobi verbringen zwei Schwestern die ersten Jahre ihrer Kindheit gemeinsam, dann werden sie getrennt. Die Eine wächst in Deutschland auf, während die Andere in der Mongolei bleibt und dort das traditionelle Leben der Nomaden lebt. Doch auch noch Jahre später sehnen sich die beiden Schwestern nacheinander. Es kommt zu einem emotionalen Wiedersehen in der Wüste. Zwei Welten treffen aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten, zwei Menschen, die einander brauchen, aber nicht wissen, wie sie miteinander umgehen sollen. Wird die frühere Vertrautheit die Kluft überwinden können? Es ist eine Suche nach Anerkennung und Liebe, manifestiert als Kampf der Kulturen…

Uisenma Borchu gelingt es, ein authentisches, fast dokumentarisches Bild des Lebens von Nomaden in der Wüste zu zeichnen und zugleich einen visuell und erzählerisch außergewöhnlichen Spielfilm mit eigenständiger Handschrift zu schaffen, ein Werk der Kunst – oft atemlos, immer atemberaubend, radikal und sinnlich.

„Ich habe in meinem Film versucht, die Kraft der Frau auszudrücken. Die Milch, die durch unsere Brust fließt, ist so etwas Starkes. Sie bedeutet Leben. Und solange sie im Körper der Frau ist, also in der Dunkelheit, ist sie schwarz. Die Kraft ist da, aber man sieht sie nicht. Und man übersieht sie auch gern. In unserer Gesellschaft wird die Stärke übersehen, die eine Frau in sich trägt.“ (Uisenma Borchu in Gespräch mit Carolin Weidner, TAZ 25.02.20)

„SCHWARZE MILCH ist ein rauer und schöner Film, dessen sinnliche Wucht sich aber nie gänzlich überträgt. Nachhallend ist dieses stolze Portrait einer Frau und ihrer Suche nach Geborgenheit und Freiheit dennoch. Ebenso wie die Erkenntnis des Films, dass sich Heimat letztendlich vielleicht nur im eigenen Körper, in jedem Fall aber nicht abseits von ihm finden lässt.“ (Lucia Wiedergrün, kino-zeit.de)

Schwarze Milch, OmdU
Di 28.07.

Als wir tanzten – And Then We Danced / Da chven vitsek’vet, OmdU

Levan Akin
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Als wir tanzten (And Then We Danced / და ჩვენ ვიცეკვეთ))

Schweden / Georgien/ Frankreich 2019, 113 min, Georgische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Levan Akin

Der fröhlich-verträumte Merab ist ein leidenschaftlicher Tänzer, doch etwas zu weich, findet sein Trainer. Im traditionellen georgischen Tanz verkörpern die Männer schliesslich Stärke. Als eines Tages der so mysteriöse wie begabte Tänzer Irakli im Unterricht auftaucht, zieht dieser nicht nur die Aufmerksamkeit des Trainers auf sich. Während Merab und Irakli um einen begehrten Platz im Staatsballett konkurrieren, keimt zwischen den beiden eine Zuneigung auf, die immer schwerer zu unterdrücken wird. (zff.com)

„Als wir tanzten funktioniert einerseits durch einen sublimen Realismus und andererseits über die heimlichen, viel sagenden Blicke des famosen Hauptdarstellers Levan Gelbakhiani, der in den Tanzdarbietungen schlichtweg hinreißt und auch sonst mit ebenso nuanciertem, unaufdringlich-authentischen Spiel begeistert wie einst Timothée Chalamet in Call Me By Your Name. Auch ist es, wie schon in Luca Guadagninos Film(en), die eindringliche Inszenierung von Körperlichkeit, die zum dramaturgischen Brennpunkt avanciert. Dies passiert mittels großartiger Tanzsequenzen; Tänzen, in denen sich die inneren Aufrühre des Protagonisten deutlich widerspiegeln und zu desperaten, hoffnungsvollen und schlussendlich befreienden Ausdrucks- und Kommunikationsakten werden.” (Nathanael Brohammer, programmkino.de)

“In Georgien sind bei Protesten gegen einen Film über die Liebe zweier schwuler Tänzer 27 Menschen festgenommen worden. Zwei Polizisten seien verletzt worden, als sie die Premiere des Dramas AND THEN WE DANCED (ALS WIR TANZTEN) schützten, teilte das Innenministerium in der Hauptstadt Tiflis mit. Gegner des Films riefen nach Berichten georgischer Medien vor Kinos ‚Schande‘ und setzten Feuerwerk ein. Der Film des schwedischen Regisseurs Levan Akin wurde in fünf unter Polizeischutz stehenden Kinos in Georgien gezeigt. Nach Angaben der Organisatoren waren alle Tickets im Vorfeld ausverkauft. (…) AND THEN WE DANCED feierte in diesem Jahr bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes Premiere. (…) Zu den Protesten hatten Nationalisten aufgerufen. Sie behaupteten, der Film verstoße gegen georgische Traditionen. Außerdem gebe es im Nationaltheater keine schwulen Tänzer. Die Orthodoxe Kirche in dem Land bezeichnete das Liebesdrama als inakzeptabel, distanzierte sich Berichten zufolge aber von Gewalt.“ (spiegel.de)

Als wir tanzten – And Then We Danced / Da chven vitsek’vet, OmdU
Mi 29.07.

Schwarze Milch, OmdU

Uisenma Borchu
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Schwarze Milch

Deutschland 2020, 91 min, OmdU

Regie: Uisenma Borchu

In der mongolischen Wüste Gobi verbringen zwei Schwestern die ersten Jahre ihrer Kindheit gemeinsam, dann werden sie getrennt. Die Eine wächst in Deutschland auf, während die Andere in der Mongolei bleibt und dort das traditionelle Leben der Nomaden lebt. Doch auch noch Jahre später sehnen sich die beiden Schwestern nacheinander. Es kommt zu einem emotionalen Wiedersehen in der Wüste. Zwei Welten treffen aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten, zwei Menschen, die einander brauchen, aber nicht wissen, wie sie miteinander umgehen sollen. Wird die frühere Vertrautheit die Kluft überwinden können? Es ist eine Suche nach Anerkennung und Liebe, manifestiert als Kampf der Kulturen…

Uisenma Borchu gelingt es, ein authentisches, fast dokumentarisches Bild des Lebens von Nomaden in der Wüste zu zeichnen und zugleich einen visuell und erzählerisch außergewöhnlichen Spielfilm mit eigenständiger Handschrift zu schaffen, ein Werk der Kunst – oft atemlos, immer atemberaubend, radikal und sinnlich.

„Ich habe in meinem Film versucht, die Kraft der Frau auszudrücken. Die Milch, die durch unsere Brust fließt, ist so etwas Starkes. Sie bedeutet Leben. Und solange sie im Körper der Frau ist, also in der Dunkelheit, ist sie schwarz. Die Kraft ist da, aber man sieht sie nicht. Und man übersieht sie auch gern. In unserer Gesellschaft wird die Stärke übersehen, die eine Frau in sich trägt.“ (Uisenma Borchu in Gespräch mit Carolin Weidner, TAZ 25.02.20)

„SCHWARZE MILCH ist ein rauer und schöner Film, dessen sinnliche Wucht sich aber nie gänzlich überträgt. Nachhallend ist dieses stolze Portrait einer Frau und ihrer Suche nach Geborgenheit und Freiheit dennoch. Ebenso wie die Erkenntnis des Films, dass sich Heimat letztendlich vielleicht nur im eigenen Körper, in jedem Fall aber nicht abseits von ihm finden lässt.“ (Lucia Wiedergrün, kino-zeit.de)

Schwarze Milch, OmdU
Mi 29.07.

Als wir tanzten – And Then We Danced / Da chven vitsek’vet, OmdU

Levan Akin
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Schweden / Georgien/ Frankreich 2019, 113 min, Georgische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Levan Akin

Der fröhlich-verträumte Merab ist ein leidenschaftlicher Tänzer, doch etwas zu weich, findet sein Trainer. Im traditionellen georgischen Tanz verkörpern die Männer schliesslich Stärke. Als eines Tages der so mysteriöse wie begabte Tänzer Irakli im Unterricht auftaucht, zieht dieser nicht nur die Aufmerksamkeit des Trainers auf sich. Während Merab und Irakli um einen begehrten Platz im Staatsballett konkurrieren, keimt zwischen den beiden eine Zuneigung auf, die immer schwerer zu unterdrücken wird. (zff.com)

„Als wir tanzten funktioniert einerseits durch einen sublimen Realismus und andererseits über die heimlichen, viel sagenden Blicke des famosen Hauptdarstellers Levan Gelbakhiani, der in den Tanzdarbietungen schlichtweg hinreißt und auch sonst mit ebenso nuanciertem, unaufdringlich-authentischen Spiel begeistert wie einst Timothée Chalamet in Call Me By Your Name. Auch ist es, wie schon in Luca Guadagninos Film(en), die eindringliche Inszenierung von Körperlichkeit, die zum dramaturgischen Brennpunkt avanciert. Dies passiert mittels großartiger Tanzsequenzen; Tänzen, in denen sich die inneren Aufrühre des Protagonisten deutlich widerspiegeln und zu desperaten, hoffnungsvollen und schlussendlich befreienden Ausdrucks- und Kommunikationsakten werden.” (Nathanael Brohammer, programmkino.de)

“In Georgien sind bei Protesten gegen einen Film über die Liebe zweier schwuler Tänzer 27 Menschen festgenommen worden. Zwei Polizisten seien verletzt worden, als sie die Premiere des Dramas AND THEN WE DANCED (ALS WIR TANZTEN) schützten, teilte das Innenministerium in der Hauptstadt Tiflis mit. Gegner des Films riefen nach Berichten georgischer Medien vor Kinos ‚Schande‘ und setzten Feuerwerk ein. Der Film des schwedischen Regisseurs Levan Akin wurde in fünf unter Polizeischutz stehenden Kinos in Georgien gezeigt. Nach Angaben der Organisatoren waren alle Tickets im Vorfeld ausverkauft. (…) AND THEN WE DANCED feierte in diesem Jahr bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes Premiere. (…) Zu den Protesten hatten Nationalisten aufgerufen. Sie behaupteten, der Film verstoße gegen georgische Traditionen. Außerdem gebe es im Nationaltheater keine schwulen Tänzer. Die Orthodoxe Kirche in dem Land bezeichnete das Liebesdrama als inakzeptabel, distanzierte sich Berichten zufolge aber von Gewalt.“ (spiegel.de)

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Do 30.07.

Tir na nOg – in Anwesenheit des Regisseurs Jörg Foth VORBESTELLUNG EMPFOHLEN!

Jörg Foth
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Tir na nOg

D 1994, 16mm, 90 min

in Anwesenheit des Regisseurs Jörg Foth

Regie: Jörg Foth           Tír na nÓg, übersetzt etwa „Land der ewigen Jugend“, ist ein Ort der irischen Mythologie. Ende des letzten Jahrhunderts war für 15.000 deutsche Auswanderer Irland dieser Sehnsuchtsort. Regisseur Jörg Foth hat fünf Familien an der Westküste besucht. Die einen zog der Traum vom eigenen Grund und Boden; die anderen der Wunsch nach Unabhängigkeit, wieder andere trieb die Enttäuschung über die verlorenen Träume der 68er auf die grüne Insel. (Indiekino)

„Der Westen Deutschlands, das war in den 1960er Jahren aus jugendlicher Sicht: Aufbegehren und Beat-Club, Ostermarsch und Flower Power und die immer klarer werdende Absage der 1964er Gammler und 1967er Hippies an ihren Still- und Wohlstandsstaat. In jener Street Fighting Time war eine linke Veränderbarkeit der Welt nicht nur wie in der DDR monotone Feiertagsfloskel und unerschütterliches Selbstbestätigungszitat, hier wurde sie geträumt und von vielen unter 30 auch gewagt. Hessische Rebellionen, schwäbische Blumen und linke Zirkel Niedersachsens verbanden die ProtagonistInnen dieses Films miteinander, um das Selbstvertrauen ihrer Generation zu bewahren. Und die vermeintliche Greifbarkeit einer Utopie. Sie blieben Forever young.“ (Jörg Foth, Tangentiale A3Z2 Startband)

Vollständiger Tangentiale-Text:

TIR NA NOG_Zeitunsgseite_A3_00_kleiner

Do 30.07.

Als wir tanzten – And Then We Danced / Da chven vitsek’vet, OmdU

Levan Akin
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Schweden / Georgien/ Frankreich 2019, 113 min, Georgische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Levan Akin

Der fröhlich-verträumte Merab ist ein leidenschaftlicher Tänzer, doch etwas zu weich, findet sein Trainer. Im traditionellen georgischen Tanz verkörpern die Männer schliesslich Stärke. Als eines Tages der so mysteriöse wie begabte Tänzer Irakli im Unterricht auftaucht, zieht dieser nicht nur die Aufmerksamkeit des Trainers auf sich. Während Merab und Irakli um einen begehrten Platz im Staatsballett konkurrieren, keimt zwischen den beiden eine Zuneigung auf, die immer schwerer zu unterdrücken wird. (zff.com)

„Als wir tanzten funktioniert einerseits durch einen sublimen Realismus und andererseits über die heimlichen, viel sagenden Blicke des famosen Hauptdarstellers Levan Gelbakhiani, der in den Tanzdarbietungen schlichtweg hinreißt und auch sonst mit ebenso nuanciertem, unaufdringlich-authentischen Spiel begeistert wie einst Timothée Chalamet in Call Me By Your Name. Auch ist es, wie schon in Luca Guadagninos Film(en), die eindringliche Inszenierung von Körperlichkeit, die zum dramaturgischen Brennpunkt avanciert. Dies passiert mittels großartiger Tanzsequenzen; Tänzen, in denen sich die inneren Aufrühre des Protagonisten deutlich widerspiegeln und zu desperaten, hoffnungsvollen und schlussendlich befreienden Ausdrucks- und Kommunikationsakten werden.” (Nathanael Brohammer, programmkino.de)

“In Georgien sind bei Protesten gegen einen Film über die Liebe zweier schwuler Tänzer 27 Menschen festgenommen worden. Zwei Polizisten seien verletzt worden, als sie die Premiere des Dramas AND THEN WE DANCED (ALS WIR TANZTEN) schützten, teilte das Innenministerium in der Hauptstadt Tiflis mit. Gegner des Films riefen nach Berichten georgischer Medien vor Kinos ‚Schande‘ und setzten Feuerwerk ein. Der Film des schwedischen Regisseurs Levan Akin wurde in fünf unter Polizeischutz stehenden Kinos in Georgien gezeigt. Nach Angaben der Organisatoren waren alle Tickets im Vorfeld ausverkauft. (…) AND THEN WE DANCED feierte in diesem Jahr bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes Premiere. (…) Zu den Protesten hatten Nationalisten aufgerufen. Sie behaupteten, der Film verstoße gegen georgische Traditionen. Außerdem gebe es im Nationaltheater keine schwulen Tänzer. Die Orthodoxe Kirche in dem Land bezeichnete das Liebesdrama als inakzeptabel, distanzierte sich Berichten zufolge aber von Gewalt.“ (spiegel.de)

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Fr 31.07.

Schwarze Milch, OmdU

Uisenma Borchu
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Schwarze Milch

Deutschland 2020, 91 min, OmdU

Regie: Uisenma Borchu

In der mongolischen Wüste Gobi verbringen zwei Schwestern die ersten Jahre ihrer Kindheit gemeinsam, dann werden sie getrennt. Die Eine wächst in Deutschland auf, während die Andere in der Mongolei bleibt und dort das traditionelle Leben der Nomaden lebt. Doch auch noch Jahre später sehnen sich die beiden Schwestern nacheinander. Es kommt zu einem emotionalen Wiedersehen in der Wüste. Zwei Welten treffen aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten, zwei Menschen, die einander brauchen, aber nicht wissen, wie sie miteinander umgehen sollen. Wird die frühere Vertrautheit die Kluft überwinden können? Es ist eine Suche nach Anerkennung und Liebe, manifestiert als Kampf der Kulturen…

Uisenma Borchu gelingt es, ein authentisches, fast dokumentarisches Bild des Lebens von Nomaden in der Wüste zu zeichnen und zugleich einen visuell und erzählerisch außergewöhnlichen Spielfilm mit eigenständiger Handschrift zu schaffen, ein Werk der Kunst – oft atemlos, immer atemberaubend, radikal und sinnlich.

„Ich habe in meinem Film versucht, die Kraft der Frau auszudrücken. Die Milch, die durch unsere Brust fließt, ist so etwas Starkes. Sie bedeutet Leben. Und solange sie im Körper der Frau ist, also in der Dunkelheit, ist sie schwarz. Die Kraft ist da, aber man sieht sie nicht. Und man übersieht sie auch gern. In unserer Gesellschaft wird die Stärke übersehen, die eine Frau in sich trägt.“ (Uisenma Borchu in Gespräch mit Carolin Weidner, TAZ 25.02.20)

„SCHWARZE MILCH ist ein rauer und schöner Film, dessen sinnliche Wucht sich aber nie gänzlich überträgt. Nachhallend ist dieses stolze Portrait einer Frau und ihrer Suche nach Geborgenheit und Freiheit dennoch. Ebenso wie die Erkenntnis des Films, dass sich Heimat letztendlich vielleicht nur im eigenen Körper, in jedem Fall aber nicht abseits von ihm finden lässt.“ (Lucia Wiedergrün, kino-zeit.de)

Fr 31.07.

Als wir tanzten – And Then We Danced / Da chven vitsek’vet, OmdU

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Schweden / Georgien/ Frankreich 2019, 113 min, Georgische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Levan Akin

Der fröhlich-verträumte Merab ist ein leidenschaftlicher Tänzer, doch etwas zu weich, findet sein Trainer. Im traditionellen georgischen Tanz verkörpern die Männer schliesslich Stärke. Als eines Tages der so mysteriöse wie begabte Tänzer Irakli im Unterricht auftaucht, zieht dieser nicht nur die Aufmerksamkeit des Trainers auf sich. Während Merab und Irakli um einen begehrten Platz im Staatsballett konkurrieren, keimt zwischen den beiden eine Zuneigung auf, die immer schwerer zu unterdrücken wird. (zff.com)

„Als wir tanzten funktioniert einerseits durch einen sublimen Realismus und andererseits über die heimlichen, viel sagenden Blicke des famosen Hauptdarstellers Levan Gelbakhiani, der in den Tanzdarbietungen schlichtweg hinreißt und auch sonst mit ebenso nuanciertem, unaufdringlich-authentischen Spiel begeistert wie einst Timothée Chalamet in Call Me By Your Name. Auch ist es, wie schon in Luca Guadagninos Film(en), die eindringliche Inszenierung von Körperlichkeit, die zum dramaturgischen Brennpunkt avanciert. Dies passiert mittels großartiger Tanzsequenzen; Tänzen, in denen sich die inneren Aufrühre des Protagonisten deutlich widerspiegeln und zu desperaten, hoffnungsvollen und schlussendlich befreienden Ausdrucks- und Kommunikationsakten werden.” (Nathanael Brohammer, programmkino.de)

“In Georgien sind bei Protesten gegen einen Film über die Liebe zweier schwuler Tänzer 27 Menschen festgenommen worden. Zwei Polizisten seien verletzt worden, als sie die Premiere des Dramas AND THEN WE DANCED (ALS WIR TANZTEN) schützten, teilte das Innenministerium in der Hauptstadt Tiflis mit. Gegner des Films riefen nach Berichten georgischer Medien vor Kinos ‚Schande‘ und setzten Feuerwerk ein. Der Film des schwedischen Regisseurs Levan Akin wurde in fünf unter Polizeischutz stehenden Kinos in Georgien gezeigt. Nach Angaben der Organisatoren waren alle Tickets im Vorfeld ausverkauft. (…) AND THEN WE DANCED feierte in diesem Jahr bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes Premiere. (…) Zu den Protesten hatten Nationalisten aufgerufen. Sie behaupteten, der Film verstoße gegen georgische Traditionen. Außerdem gebe es im Nationaltheater keine schwulen Tänzer. Die Orthodoxe Kirche in dem Land bezeichnete das Liebesdrama als inakzeptabel, distanzierte sich Berichten zufolge aber von Gewalt.“ (spiegel.de)

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