Di 11.08.

Schwarze Milch, OmdU

Uisenma Borchu
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Schwarze Milch

Deutschland 2020, 91 min, OmdU

Regie: Uisenma Borchu

In der mongolischen Wüste Gobi verbringen zwei Schwestern die ersten Jahre ihrer Kindheit gemeinsam, dann werden sie getrennt. Die Eine wächst in Deutschland auf, während die Andere in der Mongolei bleibt und dort das traditionelle Leben der Nomaden lebt. Doch auch noch Jahre später sehnen sich die beiden Schwestern nacheinander. Es kommt zu einem emotionalen Wiedersehen in der Wüste. Zwei Welten treffen aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten, zwei Menschen, die einander brauchen, aber nicht wissen, wie sie miteinander umgehen sollen. Wird die frühere Vertrautheit die Kluft überwinden können? Es ist eine Suche nach Anerkennung und Liebe, manifestiert als Kampf der Kulturen…

Uisenma Borchu gelingt es, ein authentisches, fast dokumentarisches Bild des Lebens von Nomaden in der Wüste zu zeichnen und zugleich einen visuell und erzählerisch außergewöhnlichen Spielfilm mit eigenständiger Handschrift zu schaffen, ein Werk der Kunst – oft atemlos, immer atemberaubend, radikal und sinnlich.

„Ich habe in meinem Film versucht, die Kraft der Frau auszudrücken. Die Milch, die durch unsere Brust fließt, ist so etwas Starkes. Sie bedeutet Leben. Und solange sie im Körper der Frau ist, also in der Dunkelheit, ist sie schwarz. Die Kraft ist da, aber man sieht sie nicht. Und man übersieht sie auch gern. In unserer Gesellschaft wird die Stärke übersehen, die eine Frau in sich trägt.“ (Uisenma Borchu in Gespräch mit Carolin Weidner, TAZ 25.02.20)

„SCHWARZE MILCH ist ein rauer und schöner Film, dessen sinnliche Wucht sich aber nie gänzlich überträgt. Nachhallend ist dieses stolze Portrait einer Frau und ihrer Suche nach Geborgenheit und Freiheit dennoch. Ebenso wie die Erkenntnis des Films, dass sich Heimat letztendlich vielleicht nur im eigenen Körper, in jedem Fall aber nicht abseits von ihm finden lässt.“ (Lucia Wiedergrün, kino-zeit.de)

Schwarze Milch, OmdU
Di 11.08.

Master Cheng in Pohjanioki (Mestari Cheng), OmdU

Mika Kaurismäki
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Master Cheng in Pohjanjoki (Mestari Cheng)

FIN/ China / UK 2019, 114 min, OmdU

Regie: Mika Kaurismäki

Auf der Suche nach einem alten finnischen Freund reist der chinesische Koch Cheng in ein abgelegenes Dorf in Lappland. Bei der Ankunft scheint niemand im Dorf seinen Freund zu kennen, aber die lokale Cafébesitzerin Sirkka bietet ihm eine Unterkunft an. Im Gegenzug hilft Cheng ihr in der Küche, und bald werden die Einheimischen mit den Köstlichkeiten der chinesischen Küche überrascht. Cheng findet trotz kultureller Unterschiede schnell Anerkennung und neue Freunde unter den Finnen. Als sein Touristenvisum abläuft, schmieden die Dorfbewohner einen Plan, der ihm helfen soll zu bleiben …

„Mika Kaurismäki, Weltreisender in Sachen Film, überrascht mit dieser warmherzigen Komödie, deren Zutaten er fein ausbalanciert hat: viel Humor, etwas Schwermut, romantische Sehnsucht und heiteres Sommerflair fügen sich zur filmkulinarischen Köstlichkeit, bei der finnisches Lokalkolorit auf chinesische Weltweisheit trifft.“ (Nordische Filmtage 2019)

„Kaurismäki verwendet das Erzählmuster von der Integration, die durch den Magen geht, vor allem als Rahmen, um auf entwaffnend mätzchenfreie Art von existenzielleren Dingen zu schwärmen. So entpuppt sich diese finnische »Eat Drink Man Woman«-Variante allmählich als Ode an das Trinken und an die Männerfreundschaft. Denn zu den größten Fans von Cheng und seiner Kochkunst entwickeln sich die leicht verwilderten alten Junggesellen der Gegend. Der Schlüsselmoment der Komödie ist jener Tag, an dem sie den höflichen Chinesen ohne viel Federlesens in die Sauna mitnehmen und ihn mit Wodka dazu animieren, ins kalte Seewasser zu springen. Die Treuherzigkeit, mit der diese maskulinen Verbrüderungen mittels Schweiß, Hochprozentigem und Selbstüberwindung ausgemalt werden, ist einfach bezaubernd.“ (Birgit Roschy, epd-film.de)

Master Cheng in Pohjanioki (Mestari Cheng), OmdU
Di 11.08.

Als wir tanzten – And Then We Danced / Da chven vitsek’vet, OmdU

Levan Akin
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Als wir tanzten (And Then We Danced / და ჩვენ ვიცეკვეთ))

Schweden / Georgien/ Frankreich 2019, 113 min, Georgische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Levan Akin

Der fröhlich-verträumte Merab ist ein leidenschaftlicher Tänzer, doch etwas zu weich, findet sein Trainer. Im traditionellen georgischen Tanz verkörpern die Männer schliesslich Stärke. Als eines Tages der so mysteriöse wie begabte Tänzer Irakli im Unterricht auftaucht, zieht dieser nicht nur die Aufmerksamkeit des Trainers auf sich. Während Merab und Irakli um einen begehrten Platz im Staatsballett konkurrieren, keimt zwischen den beiden eine Zuneigung auf, die immer schwerer zu unterdrücken wird. (zff.com)

„Als wir tanzten funktioniert einerseits durch einen sublimen Realismus und andererseits über die heimlichen, viel sagenden Blicke des famosen Hauptdarstellers Levan Gelbakhiani, der in den Tanzdarbietungen schlichtweg hinreißt und auch sonst mit ebenso nuanciertem, unaufdringlich-authentischen Spiel begeistert wie einst Timothée Chalamet in Call Me By Your Name. Auch ist es, wie schon in Luca Guadagninos Film(en), die eindringliche Inszenierung von Körperlichkeit, die zum dramaturgischen Brennpunkt avanciert. Dies passiert mittels großartiger Tanzsequenzen; Tänzen, in denen sich die inneren Aufrühre des Protagonisten deutlich widerspiegeln und zu desperaten, hoffnungsvollen und schlussendlich befreienden Ausdrucks- und Kommunikationsakten werden.” (Nathanael Brohammer, programmkino.de)

“In Georgien sind bei Protesten gegen einen Film über die Liebe zweier schwuler Tänzer 27 Menschen festgenommen worden. Zwei Polizisten seien verletzt worden, als sie die Premiere des Dramas AND THEN WE DANCED (ALS WIR TANZTEN) schützten, teilte das Innenministerium in der Hauptstadt Tiflis mit. Gegner des Films riefen nach Berichten georgischer Medien vor Kinos ‚Schande‘ und setzten Feuerwerk ein. Der Film des schwedischen Regisseurs Levan Akin wurde in fünf unter Polizeischutz stehenden Kinos in Georgien gezeigt. Nach Angaben der Organisatoren waren alle Tickets im Vorfeld ausverkauft. (…) AND THEN WE DANCED feierte in diesem Jahr bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes Premiere. (…) Zu den Protesten hatten Nationalisten aufgerufen. Sie behaupteten, der Film verstoße gegen georgische Traditionen. Außerdem gebe es im Nationaltheater keine schwulen Tänzer. Die Orthodoxe Kirche in dem Land bezeichnete das Liebesdrama als inakzeptabel, distanzierte sich Berichten zufolge aber von Gewalt.“ (spiegel.de)

Mi 12.08.

Schwarze Milch, OmdU

Uisenma Borchu
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Schwarze Milch

Deutschland 2020, 91 min, OmdU

Regie: Uisenma Borchu

In der mongolischen Wüste Gobi verbringen zwei Schwestern die ersten Jahre ihrer Kindheit gemeinsam, dann werden sie getrennt. Die Eine wächst in Deutschland auf, während die Andere in der Mongolei bleibt und dort das traditionelle Leben der Nomaden lebt. Doch auch noch Jahre später sehnen sich die beiden Schwestern nacheinander. Es kommt zu einem emotionalen Wiedersehen in der Wüste. Zwei Welten treffen aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten, zwei Menschen, die einander brauchen, aber nicht wissen, wie sie miteinander umgehen sollen. Wird die frühere Vertrautheit die Kluft überwinden können? Es ist eine Suche nach Anerkennung und Liebe, manifestiert als Kampf der Kulturen…

Uisenma Borchu gelingt es, ein authentisches, fast dokumentarisches Bild des Lebens von Nomaden in der Wüste zu zeichnen und zugleich einen visuell und erzählerisch außergewöhnlichen Spielfilm mit eigenständiger Handschrift zu schaffen, ein Werk der Kunst – oft atemlos, immer atemberaubend, radikal und sinnlich.

„Ich habe in meinem Film versucht, die Kraft der Frau auszudrücken. Die Milch, die durch unsere Brust fließt, ist so etwas Starkes. Sie bedeutet Leben. Und solange sie im Körper der Frau ist, also in der Dunkelheit, ist sie schwarz. Die Kraft ist da, aber man sieht sie nicht. Und man übersieht sie auch gern. In unserer Gesellschaft wird die Stärke übersehen, die eine Frau in sich trägt.“ (Uisenma Borchu in Gespräch mit Carolin Weidner, TAZ 25.02.20)

„SCHWARZE MILCH ist ein rauer und schöner Film, dessen sinnliche Wucht sich aber nie gänzlich überträgt. Nachhallend ist dieses stolze Portrait einer Frau und ihrer Suche nach Geborgenheit und Freiheit dennoch. Ebenso wie die Erkenntnis des Films, dass sich Heimat letztendlich vielleicht nur im eigenen Körper, in jedem Fall aber nicht abseits von ihm finden lässt.“ (Lucia Wiedergrün, kino-zeit.de)

Schwarze Milch, OmdU
Mi 12.08.

Master Cheng in Pohjanioki (Mestari Cheng), OmdU

Mika Kaurismäki
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Master Cheng in Pohjanjoki (Mestari Cheng)

FIN/ China / UK 2019, 114 min, OmdU

Regie: Mika Kaurismäki

Auf der Suche nach einem alten finnischen Freund reist der chinesische Koch Cheng in ein abgelegenes Dorf in Lappland. Bei der Ankunft scheint niemand im Dorf seinen Freund zu kennen, aber die lokale Cafébesitzerin Sirkka bietet ihm eine Unterkunft an. Im Gegenzug hilft Cheng ihr in der Küche, und bald werden die Einheimischen mit den Köstlichkeiten der chinesischen Küche überrascht. Cheng findet trotz kultureller Unterschiede schnell Anerkennung und neue Freunde unter den Finnen. Als sein Touristenvisum abläuft, schmieden die Dorfbewohner einen Plan, der ihm helfen soll zu bleiben …

„Mika Kaurismäki, Weltreisender in Sachen Film, überrascht mit dieser warmherzigen Komödie, deren Zutaten er fein ausbalanciert hat: viel Humor, etwas Schwermut, romantische Sehnsucht und heiteres Sommerflair fügen sich zur filmkulinarischen Köstlichkeit, bei der finnisches Lokalkolorit auf chinesische Weltweisheit trifft.“ (Nordische Filmtage 2019)

„Kaurismäki verwendet das Erzählmuster von der Integration, die durch den Magen geht, vor allem als Rahmen, um auf entwaffnend mätzchenfreie Art von existenzielleren Dingen zu schwärmen. So entpuppt sich diese finnische »Eat Drink Man Woman«-Variante allmählich als Ode an das Trinken und an die Männerfreundschaft. Denn zu den größten Fans von Cheng und seiner Kochkunst entwickeln sich die leicht verwilderten alten Junggesellen der Gegend. Der Schlüsselmoment der Komödie ist jener Tag, an dem sie den höflichen Chinesen ohne viel Federlesens in die Sauna mitnehmen und ihn mit Wodka dazu animieren, ins kalte Seewasser zu springen. Die Treuherzigkeit, mit der diese maskulinen Verbrüderungen mittels Schweiß, Hochprozentigem und Selbstüberwindung ausgemalt werden, ist einfach bezaubernd.“ (Birgit Roschy, epd-film.de)

Master Cheng in Pohjanioki (Mestari Cheng), OmdU
Mi 12.08.

Als wir tanzten – And Then We Danced / Da chven vitsek’vet, OmdU

Levan Akin
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Als wir tanzten (And Then We Danced / და ჩვენ ვიცეკვეთ))

Schweden / Georgien/ Frankreich 2019, 113 min, Georgische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Levan Akin

Der fröhlich-verträumte Merab ist ein leidenschaftlicher Tänzer, doch etwas zu weich, findet sein Trainer. Im traditionellen georgischen Tanz verkörpern die Männer schliesslich Stärke. Als eines Tages der so mysteriöse wie begabte Tänzer Irakli im Unterricht auftaucht, zieht dieser nicht nur die Aufmerksamkeit des Trainers auf sich. Während Merab und Irakli um einen begehrten Platz im Staatsballett konkurrieren, keimt zwischen den beiden eine Zuneigung auf, die immer schwerer zu unterdrücken wird. (zff.com)

„Als wir tanzten funktioniert einerseits durch einen sublimen Realismus und andererseits über die heimlichen, viel sagenden Blicke des famosen Hauptdarstellers Levan Gelbakhiani, der in den Tanzdarbietungen schlichtweg hinreißt und auch sonst mit ebenso nuanciertem, unaufdringlich-authentischen Spiel begeistert wie einst Timothée Chalamet in Call Me By Your Name. Auch ist es, wie schon in Luca Guadagninos Film(en), die eindringliche Inszenierung von Körperlichkeit, die zum dramaturgischen Brennpunkt avanciert. Dies passiert mittels großartiger Tanzsequenzen; Tänzen, in denen sich die inneren Aufrühre des Protagonisten deutlich widerspiegeln und zu desperaten, hoffnungsvollen und schlussendlich befreienden Ausdrucks- und Kommunikationsakten werden.” (Nathanael Brohammer, programmkino.de)

“In Georgien sind bei Protesten gegen einen Film über die Liebe zweier schwuler Tänzer 27 Menschen festgenommen worden. Zwei Polizisten seien verletzt worden, als sie die Premiere des Dramas AND THEN WE DANCED (ALS WIR TANZTEN) schützten, teilte das Innenministerium in der Hauptstadt Tiflis mit. Gegner des Films riefen nach Berichten georgischer Medien vor Kinos ‚Schande‘ und setzten Feuerwerk ein. Der Film des schwedischen Regisseurs Levan Akin wurde in fünf unter Polizeischutz stehenden Kinos in Georgien gezeigt. Nach Angaben der Organisatoren waren alle Tickets im Vorfeld ausverkauft. (…) AND THEN WE DANCED feierte in diesem Jahr bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes Premiere. (…) Zu den Protesten hatten Nationalisten aufgerufen. Sie behaupteten, der Film verstoße gegen georgische Traditionen. Außerdem gebe es im Nationaltheater keine schwulen Tänzer. Die Orthodoxe Kirche in dem Land bezeichnete das Liebesdrama als inakzeptabel, distanzierte sich Berichten zufolge aber von Gewalt.“ (spiegel.de)

Als wir tanzten – And Then We Danced / Da chven vitsek’vet, OmdU
Do 13.08.

Master Cheng in Pohjanioki (Mestari Cheng), OmdU

Mika Kaurismäki
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Master Cheng in Pohjanjoki (Mestari Cheng)

FIN/ China / UK 2019, 114 min, OmdU

Regie: Mika Kaurismäki

Auf der Suche nach einem alten finnischen Freund reist der chinesische Koch Cheng in ein abgelegenes Dorf in Lappland. Bei der Ankunft scheint niemand im Dorf seinen Freund zu kennen, aber die lokale Cafébesitzerin Sirkka bietet ihm eine Unterkunft an. Im Gegenzug hilft Cheng ihr in der Küche, und bald werden die Einheimischen mit den Köstlichkeiten der chinesischen Küche überrascht. Cheng findet trotz kultureller Unterschiede schnell Anerkennung und neue Freunde unter den Finnen. Als sein Touristenvisum abläuft, schmieden die Dorfbewohner einen Plan, der ihm helfen soll zu bleiben …

„Mika Kaurismäki, Weltreisender in Sachen Film, überrascht mit dieser warmherzigen Komödie, deren Zutaten er fein ausbalanciert hat: viel Humor, etwas Schwermut, romantische Sehnsucht und heiteres Sommerflair fügen sich zur filmkulinarischen Köstlichkeit, bei der finnisches Lokalkolorit auf chinesische Weltweisheit trifft.“ (Nordische Filmtage 2019)

„Kaurismäki verwendet das Erzählmuster von der Integration, die durch den Magen geht, vor allem als Rahmen, um auf entwaffnend mätzchenfreie Art von existenzielleren Dingen zu schwärmen. So entpuppt sich diese finnische »Eat Drink Man Woman«-Variante allmählich als Ode an das Trinken und an die Männerfreundschaft. Denn zu den größten Fans von Cheng und seiner Kochkunst entwickeln sich die leicht verwilderten alten Junggesellen der Gegend. Der Schlüsselmoment der Komödie ist jener Tag, an dem sie den höflichen Chinesen ohne viel Federlesens in die Sauna mitnehmen und ihn mit Wodka dazu animieren, ins kalte Seewasser zu springen. Die Treuherzigkeit, mit der diese maskulinen Verbrüderungen mittels Schweiß, Hochprozentigem und Selbstüberwindung ausgemalt werden, ist einfach bezaubernd.“ (Birgit Roschy, epd-film.de)

Master Cheng in Pohjanioki (Mestari Cheng), OmdU
Do 13.08.

Nationalstraße – Národní třída, OmdU

Štěpán Altrichter
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Nationalstraße (Národní třída)

CZ/ D 2019, 91 min, Tschechische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Štěpán Altrichter      nach dem gleichnamigen Roman von Jaroslav Rudiš

Er ist ein Kind der Vorstadt und die Faust rutscht ihm gerne mal aus. Seine Klappe ist gigantisch und sein Spitzname ist nicht ironisch gemeint: Vandam. Wie Jean-Claude van Damme. Vandam hat seine Neubau-Siedlung nie verlassen und darauf ist er stolz. Sein Leben scheint ein bisschen aus der Zeit gefallen – doch globale Entwicklungen halten sich nicht an Stadtgrenzen. Immobilien-Haie haben es auf seine Lieblingskneipe abgesehen. Auf sein Revier, seine Heimat, sein Zuhause, auch wenn von seiner Familie nichts mehr übriggeblieben ist. Jetzt soll die Kneipe abgerissen und das Grundstück neu bebaut werden. Aber das ist noch nicht alles: Die Kneipe gehört einer Frau, die er liebt. Irgendwie. Heimlich. Und ein wenig breitbeinig. Lucka heißt sie. Lucka und die Kneipe sind wie ein Licht im Dunkeln für ihn – auch wenn er das so nie sagen würde. Aber ein Krieger ist ein Krieger und kämpft für das, was ihm heilig ist.

„Vandam ist nicht immer einfach, ein ambivalenter Typ. Ein Schläger. Ein Bürger, der Wut in sich hat. Gleichzeitig ein Mensch voller Leidenschaft, Suche nach Gerechtigkeit, nach Liebe. Einer, der sagt, was er meint und der sein Wort hält. Nicht gut, nicht schlecht. Ich wollte einen Film machen, der das Leben so zeigt, wie es ist: uneindeutig. Tragisch. Romantisch. Traurig. Und lustig! Nicht schwarz und weiß. So wie das Leben selbst.“ (Štěpán Altrichter)

„Vandam ist ein trauriger Held. Ich habe ihn mal in einer Prager Kneipe getroffen und war fasziniert von seiner brachialen, aber auch sehr poetischen Sprache. Wir haben viel Bier getrunken. Er erzählte mir Geschichten aus seinem Leben. Alles ziemlich düster, alles nicht einfach, aber er mit viel Humor. Ich hoffe, das haben wir auch in den Film übertragen.“ (Jaroslav Rudiš)

„Nun gibt es aber auch gravierende Unterschiede zwischen Roman und Film, die dazu führen, dass der filmische Vandam dem Publikum regelrecht sympathisch wird. Der Glatzkopf prügelt sich zwar, aber seine Brutalität als Schläger bleibt im Film zum Glück ausgespart. Vandam verpasst auch der Kneipenbesitzerin Lucka, die er gerne zu seiner Frau machen würde, keine Ohrfeigen wie der Wirtin Sylva aus dem Buch. Lucka ist noch jung, attraktiv, alle die prolligen Äußerungen Sylvas sind ihr sorgsam ausradiert worden. Vieles ist auf einmal merkwürdig geglättet zu einer nicht mehr ganz neu wirkenden Geschichte über Gentrifizierung und die Machtlosigkeit der Männer, die ihre Stammkneipe verlieren, weil sie den Stadtentwicklern und Investoren weder zeitgemäß noch lukrativ erscheint.

Es wäre vielleicht mal interessant, grundsätzliche Überlegungen anzustellen zur manchmal ausgeprägten Bereitschaft von Romanautoren und -autorinnen, ihr eigenes Werk für ein Drehbuch abzuändern. Rudiš, der mit Altrichter das Drehbuch verfasste, lässt Vandam darin plötzlich genau die gut gemeinten Dinge tun, die er im Roman zu seinem eigenen Bedauern unterlässt. Dort sind es Vandams Versäumnisse und sein selbstgerechtes dumpfes Fehlverhalten, die die Leserschaft glauben lassen, er hätte sich um einen Haufen Chancen gebracht.“ (Bianca Piringer, kino-zeit.de)

Nationalstraße – Národní třída, OmdU
Fr 14.08.

Nationalstraße – Národní třída, OmdU

Štěpán Altrichter
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Nationalstraße (Národní třída)

CZ/ D 2019, 91 min, Tschechische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Štěpán Altrichter      nach dem gleichnamigen Roman von Jaroslav Rudiš

Er ist ein Kind der Vorstadt und die Faust rutscht ihm gerne mal aus. Seine Klappe ist gigantisch und sein Spitzname ist nicht ironisch gemeint: Vandam. Wie Jean-Claude van Damme. Vandam hat seine Neubau-Siedlung nie verlassen und darauf ist er stolz. Sein Leben scheint ein bisschen aus der Zeit gefallen – doch globale Entwicklungen halten sich nicht an Stadtgrenzen. Immobilien-Haie haben es auf seine Lieblingskneipe abgesehen. Auf sein Revier, seine Heimat, sein Zuhause, auch wenn von seiner Familie nichts mehr übriggeblieben ist. Jetzt soll die Kneipe abgerissen und das Grundstück neu bebaut werden. Aber das ist noch nicht alles: Die Kneipe gehört einer Frau, die er liebt. Irgendwie. Heimlich. Und ein wenig breitbeinig. Lucka heißt sie. Lucka und die Kneipe sind wie ein Licht im Dunkeln für ihn – auch wenn er das so nie sagen würde. Aber ein Krieger ist ein Krieger und kämpft für das, was ihm heilig ist.

„Vandam ist nicht immer einfach, ein ambivalenter Typ. Ein Schläger. Ein Bürger, der Wut in sich hat. Gleichzeitig ein Mensch voller Leidenschaft, Suche nach Gerechtigkeit, nach Liebe. Einer, der sagt, was er meint und der sein Wort hält. Nicht gut, nicht schlecht. Ich wollte einen Film machen, der das Leben so zeigt, wie es ist: uneindeutig. Tragisch. Romantisch. Traurig. Und lustig! Nicht schwarz und weiß. So wie das Leben selbst.“ (Štěpán Altrichter)

„Vandam ist ein trauriger Held. Ich habe ihn mal in einer Prager Kneipe getroffen und war fasziniert von seiner brachialen, aber auch sehr poetischen Sprache. Wir haben viel Bier getrunken. Er erzählte mir Geschichten aus seinem Leben. Alles ziemlich düster, alles nicht einfach, aber er mit viel Humor. Ich hoffe, das haben wir auch in den Film übertragen.“ (Jaroslav Rudiš)

„Nun gibt es aber auch gravierende Unterschiede zwischen Roman und Film, die dazu führen, dass der filmische Vandam dem Publikum regelrecht sympathisch wird. Der Glatzkopf prügelt sich zwar, aber seine Brutalität als Schläger bleibt im Film zum Glück ausgespart. Vandam verpasst auch der Kneipenbesitzerin Lucka, die er gerne zu seiner Frau machen würde, keine Ohrfeigen wie der Wirtin Sylva aus dem Buch. Lucka ist noch jung, attraktiv, alle die prolligen Äußerungen Sylvas sind ihr sorgsam ausradiert worden. Vieles ist auf einmal merkwürdig geglättet zu einer nicht mehr ganz neu wirkenden Geschichte über Gentrifizierung und die Machtlosigkeit der Männer, die ihre Stammkneipe verlieren, weil sie den Stadtentwicklern und Investoren weder zeitgemäß noch lukrativ erscheint.

Es wäre vielleicht mal interessant, grundsätzliche Überlegungen anzustellen zur manchmal ausgeprägten Bereitschaft von Romanautoren und -autorinnen, ihr eigenes Werk für ein Drehbuch abzuändern. Rudiš, der mit Altrichter das Drehbuch verfasste, lässt Vandam darin plötzlich genau die gut gemeinten Dinge tun, die er im Roman zu seinem eigenen Bedauern unterlässt. Dort sind es Vandams Versäumnisse und sein selbstgerechtes dumpfes Fehlverhalten, die die Leserschaft glauben lassen, er hätte sich um einen Haufen Chancen gebracht.“ (Bianca Piringer, kino-zeit.de)

Nationalstraße – Národní třída, OmdU
Fr 14.08.

Master Cheng in Pohjanioki (Mestari Cheng), OmdU

Mika Kaurismäki
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Master Cheng in Pohjanjoki (Mestari Cheng)

FIN/ China / UK 2019, 114 min, OmdU

Regie: Mika Kaurismäki

Auf der Suche nach einem alten finnischen Freund reist der chinesische Koch Cheng in ein abgelegenes Dorf in Lappland. Bei der Ankunft scheint niemand im Dorf seinen Freund zu kennen, aber die lokale Cafébesitzerin Sirkka bietet ihm eine Unterkunft an. Im Gegenzug hilft Cheng ihr in der Küche, und bald werden die Einheimischen mit den Köstlichkeiten der chinesischen Küche überrascht. Cheng findet trotz kultureller Unterschiede schnell Anerkennung und neue Freunde unter den Finnen. Als sein Touristenvisum abläuft, schmieden die Dorfbewohner einen Plan, der ihm helfen soll zu bleiben …

„Mika Kaurismäki, Weltreisender in Sachen Film, überrascht mit dieser warmherzigen Komödie, deren Zutaten er fein ausbalanciert hat: viel Humor, etwas Schwermut, romantische Sehnsucht und heiteres Sommerflair fügen sich zur filmkulinarischen Köstlichkeit, bei der finnisches Lokalkolorit auf chinesische Weltweisheit trifft.“ (Nordische Filmtage 2019)

„Kaurismäki verwendet das Erzählmuster von der Integration, die durch den Magen geht, vor allem als Rahmen, um auf entwaffnend mätzchenfreie Art von existenzielleren Dingen zu schwärmen. So entpuppt sich diese finnische »Eat Drink Man Woman«-Variante allmählich als Ode an das Trinken und an die Männerfreundschaft. Denn zu den größten Fans von Cheng und seiner Kochkunst entwickeln sich die leicht verwilderten alten Junggesellen der Gegend. Der Schlüsselmoment der Komödie ist jener Tag, an dem sie den höflichen Chinesen ohne viel Federlesens in die Sauna mitnehmen und ihn mit Wodka dazu animieren, ins kalte Seewasser zu springen. Die Treuherzigkeit, mit der diese maskulinen Verbrüderungen mittels Schweiß, Hochprozentigem und Selbstüberwindung ausgemalt werden, ist einfach bezaubernd.“ (Birgit Roschy, epd-film.de)

Master Cheng in Pohjanioki (Mestari Cheng), OmdU
Sa 15.08.

Schwarze Milch, OmdU

Uisenma Borchu
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Schwarze Milch

Deutschland 2020, 91 min, OmdU

Regie: Uisenma Borchu

In der mongolischen Wüste Gobi verbringen zwei Schwestern die ersten Jahre ihrer Kindheit gemeinsam, dann werden sie getrennt. Die Eine wächst in Deutschland auf, während die Andere in der Mongolei bleibt und dort das traditionelle Leben der Nomaden lebt. Doch auch noch Jahre später sehnen sich die beiden Schwestern nacheinander. Es kommt zu einem emotionalen Wiedersehen in der Wüste. Zwei Welten treffen aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten, zwei Menschen, die einander brauchen, aber nicht wissen, wie sie miteinander umgehen sollen. Wird die frühere Vertrautheit die Kluft überwinden können? Es ist eine Suche nach Anerkennung und Liebe, manifestiert als Kampf der Kulturen…

Uisenma Borchu gelingt es, ein authentisches, fast dokumentarisches Bild des Lebens von Nomaden in der Wüste zu zeichnen und zugleich einen visuell und erzählerisch außergewöhnlichen Spielfilm mit eigenständiger Handschrift zu schaffen, ein Werk der Kunst – oft atemlos, immer atemberaubend, radikal und sinnlich.

„Ich habe in meinem Film versucht, die Kraft der Frau auszudrücken. Die Milch, die durch unsere Brust fließt, ist so etwas Starkes. Sie bedeutet Leben. Und solange sie im Körper der Frau ist, also in der Dunkelheit, ist sie schwarz. Die Kraft ist da, aber man sieht sie nicht. Und man übersieht sie auch gern. In unserer Gesellschaft wird die Stärke übersehen, die eine Frau in sich trägt.“ (Uisenma Borchu in Gespräch mit Carolin Weidner, TAZ 25.02.20)

„SCHWARZE MILCH ist ein rauer und schöner Film, dessen sinnliche Wucht sich aber nie gänzlich überträgt. Nachhallend ist dieses stolze Portrait einer Frau und ihrer Suche nach Geborgenheit und Freiheit dennoch. Ebenso wie die Erkenntnis des Films, dass sich Heimat letztendlich vielleicht nur im eigenen Körper, in jedem Fall aber nicht abseits von ihm finden lässt.“ (Lucia Wiedergrün, kino-zeit.de)

Schwarze Milch, OmdU
Sa 15.08.

Als wir tanzten – And Then We Danced / Da chven vitsek’vet, OmdU

Levan Akin
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Als wir tanzten (And Then We Danced / და ჩვენ ვიცეკვეთ))

Schweden / Georgien/ Frankreich 2019, 113 min, Georgische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Levan Akin

Der fröhlich-verträumte Merab ist ein leidenschaftlicher Tänzer, doch etwas zu weich, findet sein Trainer. Im traditionellen georgischen Tanz verkörpern die Männer schliesslich Stärke. Als eines Tages der so mysteriöse wie begabte Tänzer Irakli im Unterricht auftaucht, zieht dieser nicht nur die Aufmerksamkeit des Trainers auf sich. Während Merab und Irakli um einen begehrten Platz im Staatsballett konkurrieren, keimt zwischen den beiden eine Zuneigung auf, die immer schwerer zu unterdrücken wird. (zff.com)

„Als wir tanzten funktioniert einerseits durch einen sublimen Realismus und andererseits über die heimlichen, viel sagenden Blicke des famosen Hauptdarstellers Levan Gelbakhiani, der in den Tanzdarbietungen schlichtweg hinreißt und auch sonst mit ebenso nuanciertem, unaufdringlich-authentischen Spiel begeistert wie einst Timothée Chalamet in Call Me By Your Name. Auch ist es, wie schon in Luca Guadagninos Film(en), die eindringliche Inszenierung von Körperlichkeit, die zum dramaturgischen Brennpunkt avanciert. Dies passiert mittels großartiger Tanzsequenzen; Tänzen, in denen sich die inneren Aufrühre des Protagonisten deutlich widerspiegeln und zu desperaten, hoffnungsvollen und schlussendlich befreienden Ausdrucks- und Kommunikationsakten werden.” (Nathanael Brohammer, programmkino.de)

“In Georgien sind bei Protesten gegen einen Film über die Liebe zweier schwuler Tänzer 27 Menschen festgenommen worden. Zwei Polizisten seien verletzt worden, als sie die Premiere des Dramas AND THEN WE DANCED (ALS WIR TANZTEN) schützten, teilte das Innenministerium in der Hauptstadt Tiflis mit. Gegner des Films riefen nach Berichten georgischer Medien vor Kinos ‚Schande‘ und setzten Feuerwerk ein. Der Film des schwedischen Regisseurs Levan Akin wurde in fünf unter Polizeischutz stehenden Kinos in Georgien gezeigt. Nach Angaben der Organisatoren waren alle Tickets im Vorfeld ausverkauft. (…) AND THEN WE DANCED feierte in diesem Jahr bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes Premiere. (…) Zu den Protesten hatten Nationalisten aufgerufen. Sie behaupteten, der Film verstoße gegen georgische Traditionen. Außerdem gebe es im Nationaltheater keine schwulen Tänzer. Die Orthodoxe Kirche in dem Land bezeichnete das Liebesdrama als inakzeptabel, distanzierte sich Berichten zufolge aber von Gewalt.“ (spiegel.de)

Als wir tanzten – And Then We Danced / Da chven vitsek’vet, OmdU
Sa 15.08.

Master Cheng in Pohjanioki (Mestari Cheng), OmdU

Mika Kaurismäki
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Master Cheng in Pohjanjoki (Mestari Cheng)

FIN/ China / UK 2019, 114 min, OmdU

Regie: Mika Kaurismäki

Auf der Suche nach einem alten finnischen Freund reist der chinesische Koch Cheng in ein abgelegenes Dorf in Lappland. Bei der Ankunft scheint niemand im Dorf seinen Freund zu kennen, aber die lokale Cafébesitzerin Sirkka bietet ihm eine Unterkunft an. Im Gegenzug hilft Cheng ihr in der Küche, und bald werden die Einheimischen mit den Köstlichkeiten der chinesischen Küche überrascht. Cheng findet trotz kultureller Unterschiede schnell Anerkennung und neue Freunde unter den Finnen. Als sein Touristenvisum abläuft, schmieden die Dorfbewohner einen Plan, der ihm helfen soll zu bleiben …

„Mika Kaurismäki, Weltreisender in Sachen Film, überrascht mit dieser warmherzigen Komödie, deren Zutaten er fein ausbalanciert hat: viel Humor, etwas Schwermut, romantische Sehnsucht und heiteres Sommerflair fügen sich zur filmkulinarischen Köstlichkeit, bei der finnisches Lokalkolorit auf chinesische Weltweisheit trifft.“ (Nordische Filmtage 2019)

„Kaurismäki verwendet das Erzählmuster von der Integration, die durch den Magen geht, vor allem als Rahmen, um auf entwaffnend mätzchenfreie Art von existenzielleren Dingen zu schwärmen. So entpuppt sich diese finnische »Eat Drink Man Woman«-Variante allmählich als Ode an das Trinken und an die Männerfreundschaft. Denn zu den größten Fans von Cheng und seiner Kochkunst entwickeln sich die leicht verwilderten alten Junggesellen der Gegend. Der Schlüsselmoment der Komödie ist jener Tag, an dem sie den höflichen Chinesen ohne viel Federlesens in die Sauna mitnehmen und ihn mit Wodka dazu animieren, ins kalte Seewasser zu springen. Die Treuherzigkeit, mit der diese maskulinen Verbrüderungen mittels Schweiß, Hochprozentigem und Selbstüberwindung ausgemalt werden, ist einfach bezaubernd.“ (Birgit Roschy, epd-film.de)

Master Cheng in Pohjanioki (Mestari Cheng), OmdU
So 16.08.

Wagenknecht

Sandra Kaudelka
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Wagenknecht

D 2020, 100 min, deutsche Originalfassung

Regie: Sandra Kaudelka

Der Terminkalender von Sahra Wagenknecht platzt aus allen Nähten. Zum Arbeitsalltag der populären Linken-Politikerin gehören Interviews und Krisengespräche, Pressekonferenzen und Fotoshootings. Ein Leben mit Beifall und Bewunderung, aber auch extremem Druck und Zweifeln – ja sogar Intrigen und offenen Anfeindungen. Wagenknechts stärkster Antrieb ist der Kampf gegen das Erstarken der Neuen Rechten in Parlament und Gesellschaft. Regisseurin Sandra Kaudelka hat die Politikerin über zwei Jahre mit der Kamera begleitet und zeigt sie bei öffentlichen Auftritten, bei Besprechungen mit den engsten Mitarbeitern und in privaten Momenten. Eine dichte Beobachtung in einer nervenaufreibenden Zeit: Im Frühjahr 2017, ein halbes Jahr vor der Bundestagswahl, besteht noch die Möglichkeit, dass die Linke erstmals Teil der Bundesregierung werden könnte; Anfang 2019 kündigt Wagenknecht ihren Rückzug aus der Spitzenpolitik als Folge von Erschöpfung an.

WAGENKNECHT ist ein vielschichtiger Film über politische Machtmechanismen, den engagierten Kampf für die eigenen Überzeugungen, über ein Leben mit und in der Politik – und den gesundheitlichen Preis, den es dafür allzu oft zu zahlen gilt.

„Dramaturgisch ist der Rückzug Wagenknecht aus ihrem Amt fraglos ein Glücksfall für Sandra Kaudelka und ihre Dokumentation. Ein organischer Bogen ergibt sich dadurch von selbst, an dem entlang Momente des Politikeralltags stehen. Viele Interviews mit großen und kleinen Medien sind das, viele Fahrten im Auto, von Veranstaltung zu Veranstaltung. Vom Bundestag zum Bahnhof, wenige Momente mit ihrem Ehemann Oskar Lafontaine, der immer mal wiederauftaucht, aber in dieser Politiker-Beziehung eindeutig nur noch die zweite Geige spielt.

Ein klassischer Porträtfilm ist WAGENKNECHT nicht, Rückblicke auf Karriere und Leben gibt es kaum, eine Einordnung von Wagenknechts politischen Ansichten und Haltungen findet nicht statt. Kaudelka bleibt ganz im Moment, beobachtet, versucht auch die Absurdität des politischen Geschäfts anzudeuten, wenn etwa ein Fotograf zur Bebilderung eines Artikels für die Bunte gerne ein Foto auf einer Picknickdecke hätten, ein Anliegen, das Wagenknecht und ihr Pressesprecher abzublocken wissen.

So interessant der Blick hinter die Kulissen des Politikbetriebs auch oft ist: Wagenknecht ist nach Jahrzehnten der Erfahrung vielleicht schon zu professionell, um wirkliche Blicke hinter die Fassade zuzulassen. So streng ihr Äußeres wirkt, so sehr versucht sie auch ihr Bild in der Öffentlichkeit zu kontrollieren, denn auch wenn sie Sandra Kaudelka augenscheinlich viel Raum zum Filmen gegeben hat: am Ende zeigt WAGENKNECHT ein Bild der Politikerin, das ganz im Sinne von Sahra Wagenknecht ist.“ (Michael Meyns, programmkino.de)

Wagenknecht
So 16.08.

Als wir tanzten – And Then We Danced / Da chven vitsek’vet, OmdU

Levan Akin
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Als wir tanzten (And Then We Danced / და ჩვენ ვიცეკვეთ))

Schweden / Georgien/ Frankreich 2019, 113 min, Georgische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Levan Akin

Der fröhlich-verträumte Merab ist ein leidenschaftlicher Tänzer, doch etwas zu weich, findet sein Trainer. Im traditionellen georgischen Tanz verkörpern die Männer schliesslich Stärke. Als eines Tages der so mysteriöse wie begabte Tänzer Irakli im Unterricht auftaucht, zieht dieser nicht nur die Aufmerksamkeit des Trainers auf sich. Während Merab und Irakli um einen begehrten Platz im Staatsballett konkurrieren, keimt zwischen den beiden eine Zuneigung auf, die immer schwerer zu unterdrücken wird. (zff.com)

„Als wir tanzten funktioniert einerseits durch einen sublimen Realismus und andererseits über die heimlichen, viel sagenden Blicke des famosen Hauptdarstellers Levan Gelbakhiani, der in den Tanzdarbietungen schlichtweg hinreißt und auch sonst mit ebenso nuanciertem, unaufdringlich-authentischen Spiel begeistert wie einst Timothée Chalamet in Call Me By Your Name. Auch ist es, wie schon in Luca Guadagninos Film(en), die eindringliche Inszenierung von Körperlichkeit, die zum dramaturgischen Brennpunkt avanciert. Dies passiert mittels großartiger Tanzsequenzen; Tänzen, in denen sich die inneren Aufrühre des Protagonisten deutlich widerspiegeln und zu desperaten, hoffnungsvollen und schlussendlich befreienden Ausdrucks- und Kommunikationsakten werden.” (Nathanael Brohammer, programmkino.de)

“In Georgien sind bei Protesten gegen einen Film über die Liebe zweier schwuler Tänzer 27 Menschen festgenommen worden. Zwei Polizisten seien verletzt worden, als sie die Premiere des Dramas AND THEN WE DANCED (ALS WIR TANZTEN) schützten, teilte das Innenministerium in der Hauptstadt Tiflis mit. Gegner des Films riefen nach Berichten georgischer Medien vor Kinos ‚Schande‘ und setzten Feuerwerk ein. Der Film des schwedischen Regisseurs Levan Akin wurde in fünf unter Polizeischutz stehenden Kinos in Georgien gezeigt. Nach Angaben der Organisatoren waren alle Tickets im Vorfeld ausverkauft. (…) AND THEN WE DANCED feierte in diesem Jahr bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes Premiere. (…) Zu den Protesten hatten Nationalisten aufgerufen. Sie behaupteten, der Film verstoße gegen georgische Traditionen. Außerdem gebe es im Nationaltheater keine schwulen Tänzer. Die Orthodoxe Kirche in dem Land bezeichnete das Liebesdrama als inakzeptabel, distanzierte sich Berichten zufolge aber von Gewalt.“ (spiegel.de)

So 16.08.

Master Cheng in Pohjanioki (Mestari Cheng), OmdU

Mika Kaurismäki
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Master Cheng in Pohjanjoki (Mestari Cheng)

FIN/ China / UK 2019, 114 min, OmdU

Regie: Mika Kaurismäki

Auf der Suche nach einem alten finnischen Freund reist der chinesische Koch Cheng in ein abgelegenes Dorf in Lappland. Bei der Ankunft scheint niemand im Dorf seinen Freund zu kennen, aber die lokale Cafébesitzerin Sirkka bietet ihm eine Unterkunft an. Im Gegenzug hilft Cheng ihr in der Küche, und bald werden die Einheimischen mit den Köstlichkeiten der chinesischen Küche überrascht. Cheng findet trotz kultureller Unterschiede schnell Anerkennung und neue Freunde unter den Finnen. Als sein Touristenvisum abläuft, schmieden die Dorfbewohner einen Plan, der ihm helfen soll zu bleiben …

„Mika Kaurismäki, Weltreisender in Sachen Film, überrascht mit dieser warmherzigen Komödie, deren Zutaten er fein ausbalanciert hat: viel Humor, etwas Schwermut, romantische Sehnsucht und heiteres Sommerflair fügen sich zur filmkulinarischen Köstlichkeit, bei der finnisches Lokalkolorit auf chinesische Weltweisheit trifft.“ (Nordische Filmtage 2019)

„Kaurismäki verwendet das Erzählmuster von der Integration, die durch den Magen geht, vor allem als Rahmen, um auf entwaffnend mätzchenfreie Art von existenzielleren Dingen zu schwärmen. So entpuppt sich diese finnische »Eat Drink Man Woman«-Variante allmählich als Ode an das Trinken und an die Männerfreundschaft. Denn zu den größten Fans von Cheng und seiner Kochkunst entwickeln sich die leicht verwilderten alten Junggesellen der Gegend. Der Schlüsselmoment der Komödie ist jener Tag, an dem sie den höflichen Chinesen ohne viel Federlesens in die Sauna mitnehmen und ihn mit Wodka dazu animieren, ins kalte Seewasser zu springen. Die Treuherzigkeit, mit der diese maskulinen Verbrüderungen mittels Schweiß, Hochprozentigem und Selbstüberwindung ausgemalt werden, ist einfach bezaubernd.“ (Birgit Roschy, epd-film.de)

Master Cheng in Pohjanioki (Mestari Cheng), OmdU
Mo 17.08.

Nationalstraße – Národní třída, OmdU

Štěpán Altrichter
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Nationalstraße (Národní třída)

CZ/ D 2019, 91 min, Tschechische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Štěpán Altrichter      nach dem gleichnamigen Roman von Jaroslav Rudiš

Er ist ein Kind der Vorstadt und die Faust rutscht ihm gerne mal aus. Seine Klappe ist gigantisch und sein Spitzname ist nicht ironisch gemeint: Vandam. Wie Jean-Claude van Damme. Vandam hat seine Neubau-Siedlung nie verlassen und darauf ist er stolz. Sein Leben scheint ein bisschen aus der Zeit gefallen – doch globale Entwicklungen halten sich nicht an Stadtgrenzen. Immobilien-Haie haben es auf seine Lieblingskneipe abgesehen. Auf sein Revier, seine Heimat, sein Zuhause, auch wenn von seiner Familie nichts mehr übriggeblieben ist. Jetzt soll die Kneipe abgerissen und das Grundstück neu bebaut werden. Aber das ist noch nicht alles: Die Kneipe gehört einer Frau, die er liebt. Irgendwie. Heimlich. Und ein wenig breitbeinig. Lucka heißt sie. Lucka und die Kneipe sind wie ein Licht im Dunkeln für ihn – auch wenn er das so nie sagen würde. Aber ein Krieger ist ein Krieger und kämpft für das, was ihm heilig ist.

„Vandam ist nicht immer einfach, ein ambivalenter Typ. Ein Schläger. Ein Bürger, der Wut in sich hat. Gleichzeitig ein Mensch voller Leidenschaft, Suche nach Gerechtigkeit, nach Liebe. Einer, der sagt, was er meint und der sein Wort hält. Nicht gut, nicht schlecht. Ich wollte einen Film machen, der das Leben so zeigt, wie es ist: uneindeutig. Tragisch. Romantisch. Traurig. Und lustig! Nicht schwarz und weiß. So wie das Leben selbst.“ (Štěpán Altrichter)

„Vandam ist ein trauriger Held. Ich habe ihn mal in einer Prager Kneipe getroffen und war fasziniert von seiner brachialen, aber auch sehr poetischen Sprache. Wir haben viel Bier getrunken. Er erzählte mir Geschichten aus seinem Leben. Alles ziemlich düster, alles nicht einfach, aber er mit viel Humor. Ich hoffe, das haben wir auch in den Film übertragen.“ (Jaroslav Rudiš)

„Nun gibt es aber auch gravierende Unterschiede zwischen Roman und Film, die dazu führen, dass der filmische Vandam dem Publikum regelrecht sympathisch wird. Der Glatzkopf prügelt sich zwar, aber seine Brutalität als Schläger bleibt im Film zum Glück ausgespart. Vandam verpasst auch der Kneipenbesitzerin Lucka, die er gerne zu seiner Frau machen würde, keine Ohrfeigen wie der Wirtin Sylva aus dem Buch. Lucka ist noch jung, attraktiv, alle die prolligen Äußerungen Sylvas sind ihr sorgsam ausradiert worden. Vieles ist auf einmal merkwürdig geglättet zu einer nicht mehr ganz neu wirkenden Geschichte über Gentrifizierung und die Machtlosigkeit der Männer, die ihre Stammkneipe verlieren, weil sie den Stadtentwicklern und Investoren weder zeitgemäß noch lukrativ erscheint.

Es wäre vielleicht mal interessant, grundsätzliche Überlegungen anzustellen zur manchmal ausgeprägten Bereitschaft von Romanautoren und -autorinnen, ihr eigenes Werk für ein Drehbuch abzuändern. Rudiš, der mit Altrichter das Drehbuch verfasste, lässt Vandam darin plötzlich genau die gut gemeinten Dinge tun, die er im Roman zu seinem eigenen Bedauern unterlässt. Dort sind es Vandams Versäumnisse und sein selbstgerechtes dumpfes Fehlverhalten, die die Leserschaft glauben lassen, er hätte sich um einen Haufen Chancen gebracht.“ (Bianca Piringer, kino-zeit.de)

Mo 17.08.

Master Cheng in Pohjanioki (Mestari Cheng), OmdU

Mika Kaurismäki
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Master Cheng in Pohjanjoki (Mestari Cheng)

FIN/ China / UK 2019, 114 min, OmdU

Regie: Mika Kaurismäki

Auf der Suche nach einem alten finnischen Freund reist der chinesische Koch Cheng in ein abgelegenes Dorf in Lappland. Bei der Ankunft scheint niemand im Dorf seinen Freund zu kennen, aber die lokale Cafébesitzerin Sirkka bietet ihm eine Unterkunft an. Im Gegenzug hilft Cheng ihr in der Küche, und bald werden die Einheimischen mit den Köstlichkeiten der chinesischen Küche überrascht. Cheng findet trotz kultureller Unterschiede schnell Anerkennung und neue Freunde unter den Finnen. Als sein Touristenvisum abläuft, schmieden die Dorfbewohner einen Plan, der ihm helfen soll zu bleiben …

„Mika Kaurismäki, Weltreisender in Sachen Film, überrascht mit dieser warmherzigen Komödie, deren Zutaten er fein ausbalanciert hat: viel Humor, etwas Schwermut, romantische Sehnsucht und heiteres Sommerflair fügen sich zur filmkulinarischen Köstlichkeit, bei der finnisches Lokalkolorit auf chinesische Weltweisheit trifft.“ (Nordische Filmtage 2019)

„Kaurismäki verwendet das Erzählmuster von der Integration, die durch den Magen geht, vor allem als Rahmen, um auf entwaffnend mätzchenfreie Art von existenzielleren Dingen zu schwärmen. So entpuppt sich diese finnische »Eat Drink Man Woman«-Variante allmählich als Ode an das Trinken und an die Männerfreundschaft. Denn zu den größten Fans von Cheng und seiner Kochkunst entwickeln sich die leicht verwilderten alten Junggesellen der Gegend. Der Schlüsselmoment der Komödie ist jener Tag, an dem sie den höflichen Chinesen ohne viel Federlesens in die Sauna mitnehmen und ihn mit Wodka dazu animieren, ins kalte Seewasser zu springen. Die Treuherzigkeit, mit der diese maskulinen Verbrüderungen mittels Schweiß, Hochprozentigem und Selbstüberwindung ausgemalt werden, ist einfach bezaubernd.“ (Birgit Roschy, epd-film.de)

Master Cheng in Pohjanioki (Mestari Cheng), OmdU
Di 18.08.

Nationalstraße – Národní třída, OmdU

Štěpán Altrichter
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Nationalstraße (Národní třída)

CZ/ D 2019, 91 min, Tschechische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Štěpán Altrichter      nach dem gleichnamigen Roman von Jaroslav Rudiš

Er ist ein Kind der Vorstadt und die Faust rutscht ihm gerne mal aus. Seine Klappe ist gigantisch und sein Spitzname ist nicht ironisch gemeint: Vandam. Wie Jean-Claude van Damme. Vandam hat seine Neubau-Siedlung nie verlassen und darauf ist er stolz. Sein Leben scheint ein bisschen aus der Zeit gefallen – doch globale Entwicklungen halten sich nicht an Stadtgrenzen. Immobilien-Haie haben es auf seine Lieblingskneipe abgesehen. Auf sein Revier, seine Heimat, sein Zuhause, auch wenn von seiner Familie nichts mehr übriggeblieben ist. Jetzt soll die Kneipe abgerissen und das Grundstück neu bebaut werden. Aber das ist noch nicht alles: Die Kneipe gehört einer Frau, die er liebt. Irgendwie. Heimlich. Und ein wenig breitbeinig. Lucka heißt sie. Lucka und die Kneipe sind wie ein Licht im Dunkeln für ihn – auch wenn er das so nie sagen würde. Aber ein Krieger ist ein Krieger und kämpft für das, was ihm heilig ist.

„Vandam ist nicht immer einfach, ein ambivalenter Typ. Ein Schläger. Ein Bürger, der Wut in sich hat. Gleichzeitig ein Mensch voller Leidenschaft, Suche nach Gerechtigkeit, nach Liebe. Einer, der sagt, was er meint und der sein Wort hält. Nicht gut, nicht schlecht. Ich wollte einen Film machen, der das Leben so zeigt, wie es ist: uneindeutig. Tragisch. Romantisch. Traurig. Und lustig! Nicht schwarz und weiß. So wie das Leben selbst.“ (Štěpán Altrichter)

„Vandam ist ein trauriger Held. Ich habe ihn mal in einer Prager Kneipe getroffen und war fasziniert von seiner brachialen, aber auch sehr poetischen Sprache. Wir haben viel Bier getrunken. Er erzählte mir Geschichten aus seinem Leben. Alles ziemlich düster, alles nicht einfach, aber er mit viel Humor. Ich hoffe, das haben wir auch in den Film übertragen.“ (Jaroslav Rudiš)

„Nun gibt es aber auch gravierende Unterschiede zwischen Roman und Film, die dazu führen, dass der filmische Vandam dem Publikum regelrecht sympathisch wird. Der Glatzkopf prügelt sich zwar, aber seine Brutalität als Schläger bleibt im Film zum Glück ausgespart. Vandam verpasst auch der Kneipenbesitzerin Lucka, die er gerne zu seiner Frau machen würde, keine Ohrfeigen wie der Wirtin Sylva aus dem Buch. Lucka ist noch jung, attraktiv, alle die prolligen Äußerungen Sylvas sind ihr sorgsam ausradiert worden. Vieles ist auf einmal merkwürdig geglättet zu einer nicht mehr ganz neu wirkenden Geschichte über Gentrifizierung und die Machtlosigkeit der Männer, die ihre Stammkneipe verlieren, weil sie den Stadtentwicklern und Investoren weder zeitgemäß noch lukrativ erscheint.

Es wäre vielleicht mal interessant, grundsätzliche Überlegungen anzustellen zur manchmal ausgeprägten Bereitschaft von Romanautoren und -autorinnen, ihr eigenes Werk für ein Drehbuch abzuändern. Rudiš, der mit Altrichter das Drehbuch verfasste, lässt Vandam darin plötzlich genau die gut gemeinten Dinge tun, die er im Roman zu seinem eigenen Bedauern unterlässt. Dort sind es Vandams Versäumnisse und sein selbstgerechtes dumpfes Fehlverhalten, die die Leserschaft glauben lassen, er hätte sich um einen Haufen Chancen gebracht.“ (Bianca Piringer, kino-zeit.de)

Di 18.08.

Master Cheng in Pohjanioki (Mestari Cheng), OmdU

Mika Kaurismäki
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Master Cheng in Pohjanjoki (Mestari Cheng)

FIN/ China / UK 2019, 114 min, OmdU

Regie: Mika Kaurismäki

Auf der Suche nach einem alten finnischen Freund reist der chinesische Koch Cheng in ein abgelegenes Dorf in Lappland. Bei der Ankunft scheint niemand im Dorf seinen Freund zu kennen, aber die lokale Cafébesitzerin Sirkka bietet ihm eine Unterkunft an. Im Gegenzug hilft Cheng ihr in der Küche, und bald werden die Einheimischen mit den Köstlichkeiten der chinesischen Küche überrascht. Cheng findet trotz kultureller Unterschiede schnell Anerkennung und neue Freunde unter den Finnen. Als sein Touristenvisum abläuft, schmieden die Dorfbewohner einen Plan, der ihm helfen soll zu bleiben …

„Mika Kaurismäki, Weltreisender in Sachen Film, überrascht mit dieser warmherzigen Komödie, deren Zutaten er fein ausbalanciert hat: viel Humor, etwas Schwermut, romantische Sehnsucht und heiteres Sommerflair fügen sich zur filmkulinarischen Köstlichkeit, bei der finnisches Lokalkolorit auf chinesische Weltweisheit trifft.“ (Nordische Filmtage 2019)

„Kaurismäki verwendet das Erzählmuster von der Integration, die durch den Magen geht, vor allem als Rahmen, um auf entwaffnend mätzchenfreie Art von existenzielleren Dingen zu schwärmen. So entpuppt sich diese finnische »Eat Drink Man Woman«-Variante allmählich als Ode an das Trinken und an die Männerfreundschaft. Denn zu den größten Fans von Cheng und seiner Kochkunst entwickeln sich die leicht verwilderten alten Junggesellen der Gegend. Der Schlüsselmoment der Komödie ist jener Tag, an dem sie den höflichen Chinesen ohne viel Federlesens in die Sauna mitnehmen und ihn mit Wodka dazu animieren, ins kalte Seewasser zu springen. Die Treuherzigkeit, mit der diese maskulinen Verbrüderungen mittels Schweiß, Hochprozentigem und Selbstüberwindung ausgemalt werden, ist einfach bezaubernd.“ (Birgit Roschy, epd-film.de)

Master Cheng in Pohjanioki (Mestari Cheng), OmdU
Mi 19.08.

Schwarze Milch, OmdU

Uisenma Borchu
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Schwarze Milch

Deutschland 2020, 91 min, OmdU

Regie: Uisenma Borchu

In der mongolischen Wüste Gobi verbringen zwei Schwestern die ersten Jahre ihrer Kindheit gemeinsam, dann werden sie getrennt. Die Eine wächst in Deutschland auf, während die Andere in der Mongolei bleibt und dort das traditionelle Leben der Nomaden lebt. Doch auch noch Jahre später sehnen sich die beiden Schwestern nacheinander. Es kommt zu einem emotionalen Wiedersehen in der Wüste. Zwei Welten treffen aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten, zwei Menschen, die einander brauchen, aber nicht wissen, wie sie miteinander umgehen sollen. Wird die frühere Vertrautheit die Kluft überwinden können? Es ist eine Suche nach Anerkennung und Liebe, manifestiert als Kampf der Kulturen…

Uisenma Borchu gelingt es, ein authentisches, fast dokumentarisches Bild des Lebens von Nomaden in der Wüste zu zeichnen und zugleich einen visuell und erzählerisch außergewöhnlichen Spielfilm mit eigenständiger Handschrift zu schaffen, ein Werk der Kunst – oft atemlos, immer atemberaubend, radikal und sinnlich.

„Ich habe in meinem Film versucht, die Kraft der Frau auszudrücken. Die Milch, die durch unsere Brust fließt, ist so etwas Starkes. Sie bedeutet Leben. Und solange sie im Körper der Frau ist, also in der Dunkelheit, ist sie schwarz. Die Kraft ist da, aber man sieht sie nicht. Und man übersieht sie auch gern. In unserer Gesellschaft wird die Stärke übersehen, die eine Frau in sich trägt.“ (Uisenma Borchu in Gespräch mit Carolin Weidner, TAZ 25.02.20)

„SCHWARZE MILCH ist ein rauer und schöner Film, dessen sinnliche Wucht sich aber nie gänzlich überträgt. Nachhallend ist dieses stolze Portrait einer Frau und ihrer Suche nach Geborgenheit und Freiheit dennoch. Ebenso wie die Erkenntnis des Films, dass sich Heimat letztendlich vielleicht nur im eigenen Körper, in jedem Fall aber nicht abseits von ihm finden lässt.“ (Lucia Wiedergrün, kino-zeit.de)

Schwarze Milch, OmdU
Mi 19.08.

Master Cheng in Pohjanioki (Mestari Cheng), OmdU

Mika Kaurismäki
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Master Cheng in Pohjanjoki (Mestari Cheng)

FIN/ China / UK 2019, 114 min, OmdU

Regie: Mika Kaurismäki

Auf der Suche nach einem alten finnischen Freund reist der chinesische Koch Cheng in ein abgelegenes Dorf in Lappland. Bei der Ankunft scheint niemand im Dorf seinen Freund zu kennen, aber die lokale Cafébesitzerin Sirkka bietet ihm eine Unterkunft an. Im Gegenzug hilft Cheng ihr in der Küche, und bald werden die Einheimischen mit den Köstlichkeiten der chinesischen Küche überrascht. Cheng findet trotz kultureller Unterschiede schnell Anerkennung und neue Freunde unter den Finnen. Als sein Touristenvisum abläuft, schmieden die Dorfbewohner einen Plan, der ihm helfen soll zu bleiben …

„Mika Kaurismäki, Weltreisender in Sachen Film, überrascht mit dieser warmherzigen Komödie, deren Zutaten er fein ausbalanciert hat: viel Humor, etwas Schwermut, romantische Sehnsucht und heiteres Sommerflair fügen sich zur filmkulinarischen Köstlichkeit, bei der finnisches Lokalkolorit auf chinesische Weltweisheit trifft.“ (Nordische Filmtage 2019)

„Kaurismäki verwendet das Erzählmuster von der Integration, die durch den Magen geht, vor allem als Rahmen, um auf entwaffnend mätzchenfreie Art von existenzielleren Dingen zu schwärmen. So entpuppt sich diese finnische »Eat Drink Man Woman«-Variante allmählich als Ode an das Trinken und an die Männerfreundschaft. Denn zu den größten Fans von Cheng und seiner Kochkunst entwickeln sich die leicht verwilderten alten Junggesellen der Gegend. Der Schlüsselmoment der Komödie ist jener Tag, an dem sie den höflichen Chinesen ohne viel Federlesens in die Sauna mitnehmen und ihn mit Wodka dazu animieren, ins kalte Seewasser zu springen. Die Treuherzigkeit, mit der diese maskulinen Verbrüderungen mittels Schweiß, Hochprozentigem und Selbstüberwindung ausgemalt werden, ist einfach bezaubernd.“ (Birgit Roschy, epd-film.de)

Master Cheng in Pohjanioki (Mestari Cheng), OmdU
Mi 19.08.

Als wir tanzten – And Then We Danced / Da chven vitsek’vet, OmdU

Levan Akin
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Als wir tanzten (And Then We Danced / და ჩვენ ვიცეკვეთ))

Schweden / Georgien/ Frankreich 2019, 113 min, Georgische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Levan Akin

Der fröhlich-verträumte Merab ist ein leidenschaftlicher Tänzer, doch etwas zu weich, findet sein Trainer. Im traditionellen georgischen Tanz verkörpern die Männer schliesslich Stärke. Als eines Tages der so mysteriöse wie begabte Tänzer Irakli im Unterricht auftaucht, zieht dieser nicht nur die Aufmerksamkeit des Trainers auf sich. Während Merab und Irakli um einen begehrten Platz im Staatsballett konkurrieren, keimt zwischen den beiden eine Zuneigung auf, die immer schwerer zu unterdrücken wird. (zff.com)

„Als wir tanzten funktioniert einerseits durch einen sublimen Realismus und andererseits über die heimlichen, viel sagenden Blicke des famosen Hauptdarstellers Levan Gelbakhiani, der in den Tanzdarbietungen schlichtweg hinreißt und auch sonst mit ebenso nuanciertem, unaufdringlich-authentischen Spiel begeistert wie einst Timothée Chalamet in Call Me By Your Name. Auch ist es, wie schon in Luca Guadagninos Film(en), die eindringliche Inszenierung von Körperlichkeit, die zum dramaturgischen Brennpunkt avanciert. Dies passiert mittels großartiger Tanzsequenzen; Tänzen, in denen sich die inneren Aufrühre des Protagonisten deutlich widerspiegeln und zu desperaten, hoffnungsvollen und schlussendlich befreienden Ausdrucks- und Kommunikationsakten werden.” (Nathanael Brohammer, programmkino.de)

“In Georgien sind bei Protesten gegen einen Film über die Liebe zweier schwuler Tänzer 27 Menschen festgenommen worden. Zwei Polizisten seien verletzt worden, als sie die Premiere des Dramas AND THEN WE DANCED (ALS WIR TANZTEN) schützten, teilte das Innenministerium in der Hauptstadt Tiflis mit. Gegner des Films riefen nach Berichten georgischer Medien vor Kinos ‚Schande‘ und setzten Feuerwerk ein. Der Film des schwedischen Regisseurs Levan Akin wurde in fünf unter Polizeischutz stehenden Kinos in Georgien gezeigt. Nach Angaben der Organisatoren waren alle Tickets im Vorfeld ausverkauft. (…) AND THEN WE DANCED feierte in diesem Jahr bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes Premiere. (…) Zu den Protesten hatten Nationalisten aufgerufen. Sie behaupteten, der Film verstoße gegen georgische Traditionen. Außerdem gebe es im Nationaltheater keine schwulen Tänzer. Die Orthodoxe Kirche in dem Land bezeichnete das Liebesdrama als inakzeptabel, distanzierte sich Berichten zufolge aber von Gewalt.“ (spiegel.de)

Do 20.08.

Exil, tw. OmdU

Visar Morina
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Exil

Deutschland / Belgien  Kosovo 2019, 121 min, Deutsch |  tw. Albanisch mit dt. UT

Regie: Visar Morina

Der im Kosovo geborene Xhafer ist Pharmaingenieur, verheiratet, hat drei Kinder und lebt seit Jahren ein bürgerliches Leben in einer mittelgroßen deutschen Stadt. Nach und nach beschleicht ihn jedoch das Gefühl, dass er an seinem Arbeitsplatz diskriminiert und schikaniert wird. Dieser Eindruck verstärkt sich zusehends, und als er eines Tages eine tote Ratte an seinem Gartentor findet ist für ihn endgültig klar: seine Kollegen haben hier ein rassistisches Statement gesetzt. Von da an wird jedes Ereignis, jedes Wort, jede Geste zu einem Anhaltspunkt, ja gar zu einem Beweis für seine These. Xhafers Unbehagen wächst tagtäglich. Seine deutsche Frau Nora hingegen ist es leid, dass ihr Mann hinter jeder Schwierigkeit Mobbing vermutet. Mögen seine Kollegen ihn womöglich einfach nur nicht? Oder steckt doch mehr hinter den Anfeindungen? Die Vorfälle, die Xhafers Ansichten bestätigen, häufen sich. Doch geschieht dies wirklich oder bildet er sich alles nur ein?

„Mit EXIL ist Visar Morina ein überaus sehenswerter, atmosphärisch dichter Film gelungen, dem es geschickt gelingt, die Mechanismen und Wirkungsweisen eines alltäglich gewordenen Rassismus einzufangen, ohne ihn dabei auf eine eindeutige Lesart festzulegen: Während für Xhafer zweifelsfrei feststeht, dass er von seinem Kollegen (oder vielleicht sind es ja auch mehrere) systematisch gemobbt wird, stellt sich die Sache von außen schon differenzierter dar, ohne das Geschehene und Erlebte eindeutig zu beurteilen. (…) Morinas feinfühlige Inszenierung rückt immer wieder Bildhintergründe in die Unschärfe und sorgt so dafür, dass ähnlich wie in der Gefühlswelt seines Protagonisten die Konturen verschwimmen und das Gesamtbild schwer deutlich zu erfassen ist. Zudem sieht man förmlich, wie es in dem von Mišel Matičević herausragend verkörperten Xhafer arbeitet und brodelt, wenn sein Gesicht äußerlich unbewegt bleibt, man aber dennoch in seine Seele hineinzuschauen vermag. Die von Sandra Hüller gleichfalls eindrucksvoll gespielte Nora versucht anfangs ihren Ehemann zu beruhigen, reagiert dann aber zunehmend genervt auf den vermeintlichen Wahn Xhafers, seine nächtlichen Albträume von Ratten und seine sich steigernde Wut und Unbeherrschtheit.

Die sommerliche Hitze, die allen Beteiligten die Schweißperlen auf die Stirn und ins Gesicht treibt, tut ihr Übriges dazu, dass die Situation buchstäblich immer wieder hochkocht und in einer eher unbestimmte Bedrohlichkeit einzelne Schockmomente immer wieder aufrütteln.“ (Joachim Kurz, kino-zeit.de)

„ … Regisseur Visar Morina lässt das Publikum eindrucksvoll in die Atmosphären der verschiedenen Settings eintauchen, macht die Beklemmungen und Ängste Xhafers fühlbar, sodass man sich gemeinsam mit ihm fragen muss: Wer ist verantwortlich für diese persönlichen Attacken und was sind die Motive? Tatsächlich fällt auf, dass Xhafer – neben der kosovarischen Putzfrau – der einzige ausländische Mitarbeiter seiner Firma ist. Dass jemand seinen Hass gegen ihn richtet, bleibt schon deshalb unverkennbar, weil es nicht nur bei Ratten am Gartenzaun bleibt. Aber vielleicht zielt all das gar nicht so sehr auf seine Herkunft, sondern vielmehr auf seine Person? (…) Was die Zuschauer beobachten können, ist ein langsames Entgleisen des Familienvaters, der sich von anfänglichen Zweifeln immer mehr in heftige Anschuldigungen verstrickt. (…)

Bis zuletzt lässt der Film offen, ob Xhafers Wahrnehmung der Realität entspricht oder wahnhaft ist. Damit wirft Morina auch beklemmende Fragen auf: Lässt sich innere Wahrnehmung von äußerem Geschehen trennen? Hat das, was ich fühle einen Platz in der Außenwelt? Und wer entscheidet überhaupt, ob die Ungerechtigkeiten, die mir widerfahren, anerkannt werden?“ (Nina Sabo, perlentaucher.de)

 

Exil, tw. OmdU
Do 20.08.

Master Cheng in Pohjanioki (Mestari Cheng), OmdU

Mika Kaurismäki
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Master Cheng in Pohjanjoki (Mestari Cheng)

FIN/ China / UK 2019, 114 min, OmdU

Regie: Mika Kaurismäki

Auf der Suche nach einem alten finnischen Freund reist der chinesische Koch Cheng in ein abgelegenes Dorf in Lappland. Bei der Ankunft scheint niemand im Dorf seinen Freund zu kennen, aber die lokale Cafébesitzerin Sirkka bietet ihm eine Unterkunft an. Im Gegenzug hilft Cheng ihr in der Küche, und bald werden die Einheimischen mit den Köstlichkeiten der chinesischen Küche überrascht. Cheng findet trotz kultureller Unterschiede schnell Anerkennung und neue Freunde unter den Finnen. Als sein Touristenvisum abläuft, schmieden die Dorfbewohner einen Plan, der ihm helfen soll zu bleiben …

„Mika Kaurismäki, Weltreisender in Sachen Film, überrascht mit dieser warmherzigen Komödie, deren Zutaten er fein ausbalanciert hat: viel Humor, etwas Schwermut, romantische Sehnsucht und heiteres Sommerflair fügen sich zur filmkulinarischen Köstlichkeit, bei der finnisches Lokalkolorit auf chinesische Weltweisheit trifft.“ (Nordische Filmtage 2019)

„Kaurismäki verwendet das Erzählmuster von der Integration, die durch den Magen geht, vor allem als Rahmen, um auf entwaffnend mätzchenfreie Art von existenzielleren Dingen zu schwärmen. So entpuppt sich diese finnische »Eat Drink Man Woman«-Variante allmählich als Ode an das Trinken und an die Männerfreundschaft. Denn zu den größten Fans von Cheng und seiner Kochkunst entwickeln sich die leicht verwilderten alten Junggesellen der Gegend. Der Schlüsselmoment der Komödie ist jener Tag, an dem sie den höflichen Chinesen ohne viel Federlesens in die Sauna mitnehmen und ihn mit Wodka dazu animieren, ins kalte Seewasser zu springen. Die Treuherzigkeit, mit der diese maskulinen Verbrüderungen mittels Schweiß, Hochprozentigem und Selbstüberwindung ausgemalt werden, ist einfach bezaubernd.“ (Birgit Roschy, epd-film.de)

Master Cheng in Pohjanioki (Mestari Cheng), OmdU
Fr 21.08.

Schwarze Milch, OmdU

Uisenma Borchu
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Schwarze Milch

Deutschland 2020, 91 min, OmdU

Regie: Uisenma Borchu

In der mongolischen Wüste Gobi verbringen zwei Schwestern die ersten Jahre ihrer Kindheit gemeinsam, dann werden sie getrennt. Die Eine wächst in Deutschland auf, während die Andere in der Mongolei bleibt und dort das traditionelle Leben der Nomaden lebt. Doch auch noch Jahre später sehnen sich die beiden Schwestern nacheinander. Es kommt zu einem emotionalen Wiedersehen in der Wüste. Zwei Welten treffen aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten, zwei Menschen, die einander brauchen, aber nicht wissen, wie sie miteinander umgehen sollen. Wird die frühere Vertrautheit die Kluft überwinden können? Es ist eine Suche nach Anerkennung und Liebe, manifestiert als Kampf der Kulturen…

Uisenma Borchu gelingt es, ein authentisches, fast dokumentarisches Bild des Lebens von Nomaden in der Wüste zu zeichnen und zugleich einen visuell und erzählerisch außergewöhnlichen Spielfilm mit eigenständiger Handschrift zu schaffen, ein Werk der Kunst – oft atemlos, immer atemberaubend, radikal und sinnlich.

„Ich habe in meinem Film versucht, die Kraft der Frau auszudrücken. Die Milch, die durch unsere Brust fließt, ist so etwas Starkes. Sie bedeutet Leben. Und solange sie im Körper der Frau ist, also in der Dunkelheit, ist sie schwarz. Die Kraft ist da, aber man sieht sie nicht. Und man übersieht sie auch gern. In unserer Gesellschaft wird die Stärke übersehen, die eine Frau in sich trägt.“ (Uisenma Borchu in Gespräch mit Carolin Weidner, TAZ 25.02.20)

„SCHWARZE MILCH ist ein rauer und schöner Film, dessen sinnliche Wucht sich aber nie gänzlich überträgt. Nachhallend ist dieses stolze Portrait einer Frau und ihrer Suche nach Geborgenheit und Freiheit dennoch. Ebenso wie die Erkenntnis des Films, dass sich Heimat letztendlich vielleicht nur im eigenen Körper, in jedem Fall aber nicht abseits von ihm finden lässt.“ (Lucia Wiedergrün, kino-zeit.de)

Schwarze Milch, OmdU
Fr 21.08.

Exil, tw. OmdU

Visar Morina
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Exil

Deutschland / Belgien  Kosovo 2019, 121 min, Deutsch |  tw. Albanisch mit dt. UT

Regie: Visar Morina

Der im Kosovo geborene Xhafer ist Pharmaingenieur, verheiratet, hat drei Kinder und lebt seit Jahren ein bürgerliches Leben in einer mittelgroßen deutschen Stadt. Nach und nach beschleicht ihn jedoch das Gefühl, dass er an seinem Arbeitsplatz diskriminiert und schikaniert wird. Dieser Eindruck verstärkt sich zusehends, und als er eines Tages eine tote Ratte an seinem Gartentor findet ist für ihn endgültig klar: seine Kollegen haben hier ein rassistisches Statement gesetzt. Von da an wird jedes Ereignis, jedes Wort, jede Geste zu einem Anhaltspunkt, ja gar zu einem Beweis für seine These. Xhafers Unbehagen wächst tagtäglich. Seine deutsche Frau Nora hingegen ist es leid, dass ihr Mann hinter jeder Schwierigkeit Mobbing vermutet. Mögen seine Kollegen ihn womöglich einfach nur nicht? Oder steckt doch mehr hinter den Anfeindungen? Die Vorfälle, die Xhafers Ansichten bestätigen, häufen sich. Doch geschieht dies wirklich oder bildet er sich alles nur ein?

„Mit EXIL ist Visar Morina ein überaus sehenswerter, atmosphärisch dichter Film gelungen, dem es geschickt gelingt, die Mechanismen und Wirkungsweisen eines alltäglich gewordenen Rassismus einzufangen, ohne ihn dabei auf eine eindeutige Lesart festzulegen: Während für Xhafer zweifelsfrei feststeht, dass er von seinem Kollegen (oder vielleicht sind es ja auch mehrere) systematisch gemobbt wird, stellt sich die Sache von außen schon differenzierter dar, ohne das Geschehene und Erlebte eindeutig zu beurteilen. (…) Morinas feinfühlige Inszenierung rückt immer wieder Bildhintergründe in die Unschärfe und sorgt so dafür, dass ähnlich wie in der Gefühlswelt seines Protagonisten die Konturen verschwimmen und das Gesamtbild schwer deutlich zu erfassen ist. Zudem sieht man förmlich, wie es in dem von Mišel Matičević herausragend verkörperten Xhafer arbeitet und brodelt, wenn sein Gesicht äußerlich unbewegt bleibt, man aber dennoch in seine Seele hineinzuschauen vermag. Die von Sandra Hüller gleichfalls eindrucksvoll gespielte Nora versucht anfangs ihren Ehemann zu beruhigen, reagiert dann aber zunehmend genervt auf den vermeintlichen Wahn Xhafers, seine nächtlichen Albträume von Ratten und seine sich steigernde Wut und Unbeherrschtheit.

Die sommerliche Hitze, die allen Beteiligten die Schweißperlen auf die Stirn und ins Gesicht treibt, tut ihr Übriges dazu, dass die Situation buchstäblich immer wieder hochkocht und in einer eher unbestimmte Bedrohlichkeit einzelne Schockmomente immer wieder aufrütteln.“ (Joachim Kurz, kino-zeit.de)

„ … Regisseur Visar Morina lässt das Publikum eindrucksvoll in die Atmosphären der verschiedenen Settings eintauchen, macht die Beklemmungen und Ängste Xhafers fühlbar, sodass man sich gemeinsam mit ihm fragen muss: Wer ist verantwortlich für diese persönlichen Attacken und was sind die Motive? Tatsächlich fällt auf, dass Xhafer – neben der kosovarischen Putzfrau – der einzige ausländische Mitarbeiter seiner Firma ist. Dass jemand seinen Hass gegen ihn richtet, bleibt schon deshalb unverkennbar, weil es nicht nur bei Ratten am Gartenzaun bleibt. Aber vielleicht zielt all das gar nicht so sehr auf seine Herkunft, sondern vielmehr auf seine Person? (…) Was die Zuschauer beobachten können, ist ein langsames Entgleisen des Familienvaters, der sich von anfänglichen Zweifeln immer mehr in heftige Anschuldigungen verstrickt. (…)

Bis zuletzt lässt der Film offen, ob Xhafers Wahrnehmung der Realität entspricht oder wahnhaft ist. Damit wirft Morina auch beklemmende Fragen auf: Lässt sich innere Wahrnehmung von äußerem Geschehen trennen? Hat das, was ich fühle einen Platz in der Außenwelt? Und wer entscheidet überhaupt, ob die Ungerechtigkeiten, die mir widerfahren, anerkannt werden?“ (Nina Sabo, perlentaucher.de)

Fr 21.08.

Master Cheng in Pohjanioki (Mestari Cheng), OmdU

Mika Kaurismäki
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Master Cheng in Pohjanjoki (Mestari Cheng)

FIN/ China / UK 2019, 114 min, OmdU

Regie: Mika Kaurismäki

Auf der Suche nach einem alten finnischen Freund reist der chinesische Koch Cheng in ein abgelegenes Dorf in Lappland. Bei der Ankunft scheint niemand im Dorf seinen Freund zu kennen, aber die lokale Cafébesitzerin Sirkka bietet ihm eine Unterkunft an. Im Gegenzug hilft Cheng ihr in der Küche, und bald werden die Einheimischen mit den Köstlichkeiten der chinesischen Küche überrascht. Cheng findet trotz kultureller Unterschiede schnell Anerkennung und neue Freunde unter den Finnen. Als sein Touristenvisum abläuft, schmieden die Dorfbewohner einen Plan, der ihm helfen soll zu bleiben …

„Mika Kaurismäki, Weltreisender in Sachen Film, überrascht mit dieser warmherzigen Komödie, deren Zutaten er fein ausbalanciert hat: viel Humor, etwas Schwermut, romantische Sehnsucht und heiteres Sommerflair fügen sich zur filmkulinarischen Köstlichkeit, bei der finnisches Lokalkolorit auf chinesische Weltweisheit trifft.“ (Nordische Filmtage 2019)

„Kaurismäki verwendet das Erzählmuster von der Integration, die durch den Magen geht, vor allem als Rahmen, um auf entwaffnend mätzchenfreie Art von existenzielleren Dingen zu schwärmen. So entpuppt sich diese finnische »Eat Drink Man Woman«-Variante allmählich als Ode an das Trinken und an die Männerfreundschaft. Denn zu den größten Fans von Cheng und seiner Kochkunst entwickeln sich die leicht verwilderten alten Junggesellen der Gegend. Der Schlüsselmoment der Komödie ist jener Tag, an dem sie den höflichen Chinesen ohne viel Federlesens in die Sauna mitnehmen und ihn mit Wodka dazu animieren, ins kalte Seewasser zu springen. Die Treuherzigkeit, mit der diese maskulinen Verbrüderungen mittels Schweiß, Hochprozentigem und Selbstüberwindung ausgemalt werden, ist einfach bezaubernd.“ (Birgit Roschy, epd-film.de)

Sa 22.08.

Master Cheng in Pohjanioki (Mestari Cheng), OmdU

Mika Kaurismäki
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Master Cheng in Pohjanjoki (Mestari Cheng)

FIN/ China / UK 2019, 114 min, OmdU

Regie: Mika Kaurismäki

Auf der Suche nach einem alten finnischen Freund reist der chinesische Koch Cheng in ein abgelegenes Dorf in Lappland. Bei der Ankunft scheint niemand im Dorf seinen Freund zu kennen, aber die lokale Cafébesitzerin Sirkka bietet ihm eine Unterkunft an. Im Gegenzug hilft Cheng ihr in der Küche, und bald werden die Einheimischen mit den Köstlichkeiten der chinesischen Küche überrascht. Cheng findet trotz kultureller Unterschiede schnell Anerkennung und neue Freunde unter den Finnen. Als sein Touristenvisum abläuft, schmieden die Dorfbewohner einen Plan, der ihm helfen soll zu bleiben …

„Mika Kaurismäki, Weltreisender in Sachen Film, überrascht mit dieser warmherzigen Komödie, deren Zutaten er fein ausbalanciert hat: viel Humor, etwas Schwermut, romantische Sehnsucht und heiteres Sommerflair fügen sich zur filmkulinarischen Köstlichkeit, bei der finnisches Lokalkolorit auf chinesische Weltweisheit trifft.“ (Nordische Filmtage 2019)

„Kaurismäki verwendet das Erzählmuster von der Integration, die durch den Magen geht, vor allem als Rahmen, um auf entwaffnend mätzchenfreie Art von existenzielleren Dingen zu schwärmen. So entpuppt sich diese finnische »Eat Drink Man Woman«-Variante allmählich als Ode an das Trinken und an die Männerfreundschaft. Denn zu den größten Fans von Cheng und seiner Kochkunst entwickeln sich die leicht verwilderten alten Junggesellen der Gegend. Der Schlüsselmoment der Komödie ist jener Tag, an dem sie den höflichen Chinesen ohne viel Federlesens in die Sauna mitnehmen und ihn mit Wodka dazu animieren, ins kalte Seewasser zu springen. Die Treuherzigkeit, mit der diese maskulinen Verbrüderungen mittels Schweiß, Hochprozentigem und Selbstüberwindung ausgemalt werden, ist einfach bezaubernd.“ (Birgit Roschy, epd-film.de)

Master Cheng in Pohjanioki (Mestari Cheng), OmdU
Sa 22.08.

Als wir tanzten – And Then We Danced / Da chven vitsek’vet, OmdU

Levan Akin
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Als wir tanzten (And Then We Danced / და ჩვენ ვიცეკვეთ))

Schweden / Georgien/ Frankreich 2019, 113 min, Georgische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Levan Akin

Der fröhlich-verträumte Merab ist ein leidenschaftlicher Tänzer, doch etwas zu weich, findet sein Trainer. Im traditionellen georgischen Tanz verkörpern die Männer schliesslich Stärke. Als eines Tages der so mysteriöse wie begabte Tänzer Irakli im Unterricht auftaucht, zieht dieser nicht nur die Aufmerksamkeit des Trainers auf sich. Während Merab und Irakli um einen begehrten Platz im Staatsballett konkurrieren, keimt zwischen den beiden eine Zuneigung auf, die immer schwerer zu unterdrücken wird. (zff.com)

„Als wir tanzten funktioniert einerseits durch einen sublimen Realismus und andererseits über die heimlichen, viel sagenden Blicke des famosen Hauptdarstellers Levan Gelbakhiani, der in den Tanzdarbietungen schlichtweg hinreißt und auch sonst mit ebenso nuanciertem, unaufdringlich-authentischen Spiel begeistert wie einst Timothée Chalamet in Call Me By Your Name. Auch ist es, wie schon in Luca Guadagninos Film(en), die eindringliche Inszenierung von Körperlichkeit, die zum dramaturgischen Brennpunkt avanciert. Dies passiert mittels großartiger Tanzsequenzen; Tänzen, in denen sich die inneren Aufrühre des Protagonisten deutlich widerspiegeln und zu desperaten, hoffnungsvollen und schlussendlich befreienden Ausdrucks- und Kommunikationsakten werden.” (Nathanael Brohammer, programmkino.de)

“In Georgien sind bei Protesten gegen einen Film über die Liebe zweier schwuler Tänzer 27 Menschen festgenommen worden. Zwei Polizisten seien verletzt worden, als sie die Premiere des Dramas AND THEN WE DANCED (ALS WIR TANZTEN) schützten, teilte das Innenministerium in der Hauptstadt Tiflis mit. Gegner des Films riefen nach Berichten georgischer Medien vor Kinos ‚Schande‘ und setzten Feuerwerk ein. Der Film des schwedischen Regisseurs Levan Akin wurde in fünf unter Polizeischutz stehenden Kinos in Georgien gezeigt. Nach Angaben der Organisatoren waren alle Tickets im Vorfeld ausverkauft. (…) AND THEN WE DANCED feierte in diesem Jahr bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes Premiere. (…) Zu den Protesten hatten Nationalisten aufgerufen. Sie behaupteten, der Film verstoße gegen georgische Traditionen. Außerdem gebe es im Nationaltheater keine schwulen Tänzer. Die Orthodoxe Kirche in dem Land bezeichnete das Liebesdrama als inakzeptabel, distanzierte sich Berichten zufolge aber von Gewalt.“ (spiegel.de)

Als wir tanzten – And Then We Danced / Da chven vitsek’vet, OmdU
Sa 22.08.

Exil, tw. OmdU

Visar Morina
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Exil

Deutschland / Belgien  Kosovo 2019, 121 min, Deutsch |  tw. Albanisch mit dt. UT

Regie: Visar Morina

Der im Kosovo geborene Xhafer ist Pharmaingenieur, verheiratet, hat drei Kinder und lebt seit Jahren ein bürgerliches Leben in einer mittelgroßen deutschen Stadt. Nach und nach beschleicht ihn jedoch das Gefühl, dass er an seinem Arbeitsplatz diskriminiert und schikaniert wird. Dieser Eindruck verstärkt sich zusehends, und als er eines Tages eine tote Ratte an seinem Gartentor findet ist für ihn endgültig klar: seine Kollegen haben hier ein rassistisches Statement gesetzt. Von da an wird jedes Ereignis, jedes Wort, jede Geste zu einem Anhaltspunkt, ja gar zu einem Beweis für seine These. Xhafers Unbehagen wächst tagtäglich. Seine deutsche Frau Nora hingegen ist es leid, dass ihr Mann hinter jeder Schwierigkeit Mobbing vermutet. Mögen seine Kollegen ihn womöglich einfach nur nicht? Oder steckt doch mehr hinter den Anfeindungen? Die Vorfälle, die Xhafers Ansichten bestätigen, häufen sich. Doch geschieht dies wirklich oder bildet er sich alles nur ein?

„Mit EXIL ist Visar Morina ein überaus sehenswerter, atmosphärisch dichter Film gelungen, dem es geschickt gelingt, die Mechanismen und Wirkungsweisen eines alltäglich gewordenen Rassismus einzufangen, ohne ihn dabei auf eine eindeutige Lesart festzulegen: Während für Xhafer zweifelsfrei feststeht, dass er von seinem Kollegen (oder vielleicht sind es ja auch mehrere) systematisch gemobbt wird, stellt sich die Sache von außen schon differenzierter dar, ohne das Geschehene und Erlebte eindeutig zu beurteilen. (…) Morinas feinfühlige Inszenierung rückt immer wieder Bildhintergründe in die Unschärfe und sorgt so dafür, dass ähnlich wie in der Gefühlswelt seines Protagonisten die Konturen verschwimmen und das Gesamtbild schwer deutlich zu erfassen ist. Zudem sieht man förmlich, wie es in dem von Mišel Matičević herausragend verkörperten Xhafer arbeitet und brodelt, wenn sein Gesicht äußerlich unbewegt bleibt, man aber dennoch in seine Seele hineinzuschauen vermag. Die von Sandra Hüller gleichfalls eindrucksvoll gespielte Nora versucht anfangs ihren Ehemann zu beruhigen, reagiert dann aber zunehmend genervt auf den vermeintlichen Wahn Xhafers, seine nächtlichen Albträume von Ratten und seine sich steigernde Wut und Unbeherrschtheit.

Die sommerliche Hitze, die allen Beteiligten die Schweißperlen auf die Stirn und ins Gesicht treibt, tut ihr Übriges dazu, dass die Situation buchstäblich immer wieder hochkocht und in einer eher unbestimmte Bedrohlichkeit einzelne Schockmomente immer wieder aufrütteln.“ (Joachim Kurz, kino-zeit.de)

„ … Regisseur Visar Morina lässt das Publikum eindrucksvoll in die Atmosphären der verschiedenen Settings eintauchen, macht die Beklemmungen und Ängste Xhafers fühlbar, sodass man sich gemeinsam mit ihm fragen muss: Wer ist verantwortlich für diese persönlichen Attacken und was sind die Motive? Tatsächlich fällt auf, dass Xhafer – neben der kosovarischen Putzfrau – der einzige ausländische Mitarbeiter seiner Firma ist. Dass jemand seinen Hass gegen ihn richtet, bleibt schon deshalb unverkennbar, weil es nicht nur bei Ratten am Gartenzaun bleibt. Aber vielleicht zielt all das gar nicht so sehr auf seine Herkunft, sondern vielmehr auf seine Person? (…) Was die Zuschauer beobachten können, ist ein langsames Entgleisen des Familienvaters, der sich von anfänglichen Zweifeln immer mehr in heftige Anschuldigungen verstrickt. (…)

Bis zuletzt lässt der Film offen, ob Xhafers Wahrnehmung der Realität entspricht oder wahnhaft ist. Damit wirft Morina auch beklemmende Fragen auf: Lässt sich innere Wahrnehmung von äußerem Geschehen trennen? Hat das, was ich fühle einen Platz in der Außenwelt? Und wer entscheidet überhaupt, ob die Ungerechtigkeiten, die mir widerfahren, anerkannt werden?“ (Nina Sabo, perlentaucher.de)

So 23.08.

Als wir tanzten – And Then We Danced / Da chven vitsek’vet, OmdU

Levan Akin
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Als wir tanzten (And Then We Danced / და ჩვენ ვიცეკვეთ))

Schweden / Georgien/ Frankreich 2019, 113 min, Georgische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Levan Akin

Der fröhlich-verträumte Merab ist ein leidenschaftlicher Tänzer, doch etwas zu weich, findet sein Trainer. Im traditionellen georgischen Tanz verkörpern die Männer schliesslich Stärke. Als eines Tages der so mysteriöse wie begabte Tänzer Irakli im Unterricht auftaucht, zieht dieser nicht nur die Aufmerksamkeit des Trainers auf sich. Während Merab und Irakli um einen begehrten Platz im Staatsballett konkurrieren, keimt zwischen den beiden eine Zuneigung auf, die immer schwerer zu unterdrücken wird. (zff.com)

„Als wir tanzten funktioniert einerseits durch einen sublimen Realismus und andererseits über die heimlichen, viel sagenden Blicke des famosen Hauptdarstellers Levan Gelbakhiani, der in den Tanzdarbietungen schlichtweg hinreißt und auch sonst mit ebenso nuanciertem, unaufdringlich-authentischen Spiel begeistert wie einst Timothée Chalamet in Call Me By Your Name. Auch ist es, wie schon in Luca Guadagninos Film(en), die eindringliche Inszenierung von Körperlichkeit, die zum dramaturgischen Brennpunkt avanciert. Dies passiert mittels großartiger Tanzsequenzen; Tänzen, in denen sich die inneren Aufrühre des Protagonisten deutlich widerspiegeln und zu desperaten, hoffnungsvollen und schlussendlich befreienden Ausdrucks- und Kommunikationsakten werden.” (Nathanael Brohammer, programmkino.de)

“In Georgien sind bei Protesten gegen einen Film über die Liebe zweier schwuler Tänzer 27 Menschen festgenommen worden. Zwei Polizisten seien verletzt worden, als sie die Premiere des Dramas AND THEN WE DANCED (ALS WIR TANZTEN) schützten, teilte das Innenministerium in der Hauptstadt Tiflis mit. Gegner des Films riefen nach Berichten georgischer Medien vor Kinos ‚Schande‘ und setzten Feuerwerk ein. Der Film des schwedischen Regisseurs Levan Akin wurde in fünf unter Polizeischutz stehenden Kinos in Georgien gezeigt. Nach Angaben der Organisatoren waren alle Tickets im Vorfeld ausverkauft. (…) AND THEN WE DANCED feierte in diesem Jahr bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes Premiere. (…) Zu den Protesten hatten Nationalisten aufgerufen. Sie behaupteten, der Film verstoße gegen georgische Traditionen. Außerdem gebe es im Nationaltheater keine schwulen Tänzer. Die Orthodoxe Kirche in dem Land bezeichnete das Liebesdrama als inakzeptabel, distanzierte sich Berichten zufolge aber von Gewalt.“ (spiegel.de)

Als wir tanzten – And Then We Danced / Da chven vitsek’vet, OmdU
So 23.08.

Master Cheng in Pohjanioki (Mestari Cheng), OmdU

Mika Kaurismäki
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Master Cheng in Pohjanjoki (Mestari Cheng)

FIN/ China / UK 2019, 114 min, OmdU

Regie: Mika Kaurismäki

Auf der Suche nach einem alten finnischen Freund reist der chinesische Koch Cheng in ein abgelegenes Dorf in Lappland. Bei der Ankunft scheint niemand im Dorf seinen Freund zu kennen, aber die lokale Cafébesitzerin Sirkka bietet ihm eine Unterkunft an. Im Gegenzug hilft Cheng ihr in der Küche, und bald werden die Einheimischen mit den Köstlichkeiten der chinesischen Küche überrascht. Cheng findet trotz kultureller Unterschiede schnell Anerkennung und neue Freunde unter den Finnen. Als sein Touristenvisum abläuft, schmieden die Dorfbewohner einen Plan, der ihm helfen soll zu bleiben …

„Mika Kaurismäki, Weltreisender in Sachen Film, überrascht mit dieser warmherzigen Komödie, deren Zutaten er fein ausbalanciert hat: viel Humor, etwas Schwermut, romantische Sehnsucht und heiteres Sommerflair fügen sich zur filmkulinarischen Köstlichkeit, bei der finnisches Lokalkolorit auf chinesische Weltweisheit trifft.“ (Nordische Filmtage 2019)

„Kaurismäki verwendet das Erzählmuster von der Integration, die durch den Magen geht, vor allem als Rahmen, um auf entwaffnend mätzchenfreie Art von existenzielleren Dingen zu schwärmen. So entpuppt sich diese finnische »Eat Drink Man Woman«-Variante allmählich als Ode an das Trinken und an die Männerfreundschaft. Denn zu den größten Fans von Cheng und seiner Kochkunst entwickeln sich die leicht verwilderten alten Junggesellen der Gegend. Der Schlüsselmoment der Komödie ist jener Tag, an dem sie den höflichen Chinesen ohne viel Federlesens in die Sauna mitnehmen und ihn mit Wodka dazu animieren, ins kalte Seewasser zu springen. Die Treuherzigkeit, mit der diese maskulinen Verbrüderungen mittels Schweiß, Hochprozentigem und Selbstüberwindung ausgemalt werden, ist einfach bezaubernd.“ (Birgit Roschy, epd-film.de)

Master Cheng in Pohjanioki (Mestari Cheng), OmdU
So 23.08.

Exil, tw. OmdU

Visar Morina
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Exil

Deutschland / Belgien  Kosovo 2019, 121 min, Deutsch |  tw. Albanisch mit dt. UT

Regie: Visar Morina

Der im Kosovo geborene Xhafer ist Pharmaingenieur, verheiratet, hat drei Kinder und lebt seit Jahren ein bürgerliches Leben in einer mittelgroßen deutschen Stadt. Nach und nach beschleicht ihn jedoch das Gefühl, dass er an seinem Arbeitsplatz diskriminiert und schikaniert wird. Dieser Eindruck verstärkt sich zusehends, und als er eines Tages eine tote Ratte an seinem Gartentor findet ist für ihn endgültig klar: seine Kollegen haben hier ein rassistisches Statement gesetzt. Von da an wird jedes Ereignis, jedes Wort, jede Geste zu einem Anhaltspunkt, ja gar zu einem Beweis für seine These. Xhafers Unbehagen wächst tagtäglich. Seine deutsche Frau Nora hingegen ist es leid, dass ihr Mann hinter jeder Schwierigkeit Mobbing vermutet. Mögen seine Kollegen ihn womöglich einfach nur nicht? Oder steckt doch mehr hinter den Anfeindungen? Die Vorfälle, die Xhafers Ansichten bestätigen, häufen sich. Doch geschieht dies wirklich oder bildet er sich alles nur ein?

„Mit EXIL ist Visar Morina ein überaus sehenswerter, atmosphärisch dichter Film gelungen, dem es geschickt gelingt, die Mechanismen und Wirkungsweisen eines alltäglich gewordenen Rassismus einzufangen, ohne ihn dabei auf eine eindeutige Lesart festzulegen: Während für Xhafer zweifelsfrei feststeht, dass er von seinem Kollegen (oder vielleicht sind es ja auch mehrere) systematisch gemobbt wird, stellt sich die Sache von außen schon differenzierter dar, ohne das Geschehene und Erlebte eindeutig zu beurteilen. (…) Morinas feinfühlige Inszenierung rückt immer wieder Bildhintergründe in die Unschärfe und sorgt so dafür, dass ähnlich wie in der Gefühlswelt seines Protagonisten die Konturen verschwimmen und das Gesamtbild schwer deutlich zu erfassen ist. Zudem sieht man förmlich, wie es in dem von Mišel Matičević herausragend verkörperten Xhafer arbeitet und brodelt, wenn sein Gesicht äußerlich unbewegt bleibt, man aber dennoch in seine Seele hineinzuschauen vermag. Die von Sandra Hüller gleichfalls eindrucksvoll gespielte Nora versucht anfangs ihren Ehemann zu beruhigen, reagiert dann aber zunehmend genervt auf den vermeintlichen Wahn Xhafers, seine nächtlichen Albträume von Ratten und seine sich steigernde Wut und Unbeherrschtheit.

Die sommerliche Hitze, die allen Beteiligten die Schweißperlen auf die Stirn und ins Gesicht treibt, tut ihr Übriges dazu, dass die Situation buchstäblich immer wieder hochkocht und in einer eher unbestimmte Bedrohlichkeit einzelne Schockmomente immer wieder aufrütteln.“ (Joachim Kurz, kino-zeit.de)

„ … Regisseur Visar Morina lässt das Publikum eindrucksvoll in die Atmosphären der verschiedenen Settings eintauchen, macht die Beklemmungen und Ängste Xhafers fühlbar, sodass man sich gemeinsam mit ihm fragen muss: Wer ist verantwortlich für diese persönlichen Attacken und was sind die Motive? Tatsächlich fällt auf, dass Xhafer – neben der kosovarischen Putzfrau – der einzige ausländische Mitarbeiter seiner Firma ist. Dass jemand seinen Hass gegen ihn richtet, bleibt schon deshalb unverkennbar, weil es nicht nur bei Ratten am Gartenzaun bleibt. Aber vielleicht zielt all das gar nicht so sehr auf seine Herkunft, sondern vielmehr auf seine Person? (…) Was die Zuschauer beobachten können, ist ein langsames Entgleisen des Familienvaters, der sich von anfänglichen Zweifeln immer mehr in heftige Anschuldigungen verstrickt. (…)

Bis zuletzt lässt der Film offen, ob Xhafers Wahrnehmung der Realität entspricht oder wahnhaft ist. Damit wirft Morina auch beklemmende Fragen auf: Lässt sich innere Wahrnehmung von äußerem Geschehen trennen? Hat das, was ich fühle einen Platz in der Außenwelt? Und wer entscheidet überhaupt, ob die Ungerechtigkeiten, die mir widerfahren, anerkannt werden?“ (Nina Sabo, perlentaucher.de)

Exil, tw. OmdU
Mo 24.08.

Master Cheng in Pohjanioki (Mestari Cheng), OmdU

Mika Kaurismäki
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Master Cheng in Pohjanjoki (Mestari Cheng)

FIN/ China / UK 2019, 114 min, OmdU

Regie: Mika Kaurismäki

Auf der Suche nach einem alten finnischen Freund reist der chinesische Koch Cheng in ein abgelegenes Dorf in Lappland. Bei der Ankunft scheint niemand im Dorf seinen Freund zu kennen, aber die lokale Cafébesitzerin Sirkka bietet ihm eine Unterkunft an. Im Gegenzug hilft Cheng ihr in der Küche, und bald werden die Einheimischen mit den Köstlichkeiten der chinesischen Küche überrascht. Cheng findet trotz kultureller Unterschiede schnell Anerkennung und neue Freunde unter den Finnen. Als sein Touristenvisum abläuft, schmieden die Dorfbewohner einen Plan, der ihm helfen soll zu bleiben …

„Mika Kaurismäki, Weltreisender in Sachen Film, überrascht mit dieser warmherzigen Komödie, deren Zutaten er fein ausbalanciert hat: viel Humor, etwas Schwermut, romantische Sehnsucht und heiteres Sommerflair fügen sich zur filmkulinarischen Köstlichkeit, bei der finnisches Lokalkolorit auf chinesische Weltweisheit trifft.“ (Nordische Filmtage 2019)

„Kaurismäki verwendet das Erzählmuster von der Integration, die durch den Magen geht, vor allem als Rahmen, um auf entwaffnend mätzchenfreie Art von existenzielleren Dingen zu schwärmen. So entpuppt sich diese finnische »Eat Drink Man Woman«-Variante allmählich als Ode an das Trinken und an die Männerfreundschaft. Denn zu den größten Fans von Cheng und seiner Kochkunst entwickeln sich die leicht verwilderten alten Junggesellen der Gegend. Der Schlüsselmoment der Komödie ist jener Tag, an dem sie den höflichen Chinesen ohne viel Federlesens in die Sauna mitnehmen und ihn mit Wodka dazu animieren, ins kalte Seewasser zu springen. Die Treuherzigkeit, mit der diese maskulinen Verbrüderungen mittels Schweiß, Hochprozentigem und Selbstüberwindung ausgemalt werden, ist einfach bezaubernd.“ (Birgit Roschy, epd-film.de)

Master Cheng in Pohjanioki (Mestari Cheng), OmdU
Mo 24.08.

Exil, tw. OmdU

Visar Morina
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Exil

Deutschland / Belgien  Kosovo 2019, 121 min, Deutsch |  tw. Albanisch mit dt. UT

Regie: Visar Morina

Der im Kosovo geborene Xhafer ist Pharmaingenieur, verheiratet, hat drei Kinder und lebt seit Jahren ein bürgerliches Leben in einer mittelgroßen deutschen Stadt. Nach und nach beschleicht ihn jedoch das Gefühl, dass er an seinem Arbeitsplatz diskriminiert und schikaniert wird. Dieser Eindruck verstärkt sich zusehends, und als er eines Tages eine tote Ratte an seinem Gartentor findet ist für ihn endgültig klar: seine Kollegen haben hier ein rassistisches Statement gesetzt. Von da an wird jedes Ereignis, jedes Wort, jede Geste zu einem Anhaltspunkt, ja gar zu einem Beweis für seine These. Xhafers Unbehagen wächst tagtäglich. Seine deutsche Frau Nora hingegen ist es leid, dass ihr Mann hinter jeder Schwierigkeit Mobbing vermutet. Mögen seine Kollegen ihn womöglich einfach nur nicht? Oder steckt doch mehr hinter den Anfeindungen? Die Vorfälle, die Xhafers Ansichten bestätigen, häufen sich. Doch geschieht dies wirklich oder bildet er sich alles nur ein?

„Mit EXIL ist Visar Morina ein überaus sehenswerter, atmosphärisch dichter Film gelungen, dem es geschickt gelingt, die Mechanismen und Wirkungsweisen eines alltäglich gewordenen Rassismus einzufangen, ohne ihn dabei auf eine eindeutige Lesart festzulegen: Während für Xhafer zweifelsfrei feststeht, dass er von seinem Kollegen (oder vielleicht sind es ja auch mehrere) systematisch gemobbt wird, stellt sich die Sache von außen schon differenzierter dar, ohne das Geschehene und Erlebte eindeutig zu beurteilen. (…) Morinas feinfühlige Inszenierung rückt immer wieder Bildhintergründe in die Unschärfe und sorgt so dafür, dass ähnlich wie in der Gefühlswelt seines Protagonisten die Konturen verschwimmen und das Gesamtbild schwer deutlich zu erfassen ist. Zudem sieht man förmlich, wie es in dem von Mišel Matičević herausragend verkörperten Xhafer arbeitet und brodelt, wenn sein Gesicht äußerlich unbewegt bleibt, man aber dennoch in seine Seele hineinzuschauen vermag. Die von Sandra Hüller gleichfalls eindrucksvoll gespielte Nora versucht anfangs ihren Ehemann zu beruhigen, reagiert dann aber zunehmend genervt auf den vermeintlichen Wahn Xhafers, seine nächtlichen Albträume von Ratten und seine sich steigernde Wut und Unbeherrschtheit.

Die sommerliche Hitze, die allen Beteiligten die Schweißperlen auf die Stirn und ins Gesicht treibt, tut ihr Übriges dazu, dass die Situation buchstäblich immer wieder hochkocht und in einer eher unbestimmte Bedrohlichkeit einzelne Schockmomente immer wieder aufrütteln.“ (Joachim Kurz, kino-zeit.de)

„ … Regisseur Visar Morina lässt das Publikum eindrucksvoll in die Atmosphären der verschiedenen Settings eintauchen, macht die Beklemmungen und Ängste Xhafers fühlbar, sodass man sich gemeinsam mit ihm fragen muss: Wer ist verantwortlich für diese persönlichen Attacken und was sind die Motive? Tatsächlich fällt auf, dass Xhafer – neben der kosovarischen Putzfrau – der einzige ausländische Mitarbeiter seiner Firma ist. Dass jemand seinen Hass gegen ihn richtet, bleibt schon deshalb unverkennbar, weil es nicht nur bei Ratten am Gartenzaun bleibt. Aber vielleicht zielt all das gar nicht so sehr auf seine Herkunft, sondern vielmehr auf seine Person? (…) Was die Zuschauer beobachten können, ist ein langsames Entgleisen des Familienvaters, der sich von anfänglichen Zweifeln immer mehr in heftige Anschuldigungen verstrickt. (…)

Bis zuletzt lässt der Film offen, ob Xhafers Wahrnehmung der Realität entspricht oder wahnhaft ist. Damit wirft Morina auch beklemmende Fragen auf: Lässt sich innere Wahrnehmung von äußerem Geschehen trennen? Hat das, was ich fühle einen Platz in der Außenwelt? Und wer entscheidet überhaupt, ob die Ungerechtigkeiten, die mir widerfahren, anerkannt werden?“ (Nina Sabo, perlentaucher.de)

Di 25.08.

Master Cheng in Pohjanioki (Mestari Cheng), OmdU

Mika Kaurismäki
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Master Cheng in Pohjanjoki (Mestari Cheng)

FIN/ China / UK 2019, 114 min, OmdU

Regie: Mika Kaurismäki

Auf der Suche nach einem alten finnischen Freund reist der chinesische Koch Cheng in ein abgelegenes Dorf in Lappland. Bei der Ankunft scheint niemand im Dorf seinen Freund zu kennen, aber die lokale Cafébesitzerin Sirkka bietet ihm eine Unterkunft an. Im Gegenzug hilft Cheng ihr in der Küche, und bald werden die Einheimischen mit den Köstlichkeiten der chinesischen Küche überrascht. Cheng findet trotz kultureller Unterschiede schnell Anerkennung und neue Freunde unter den Finnen. Als sein Touristenvisum abläuft, schmieden die Dorfbewohner einen Plan, der ihm helfen soll zu bleiben …

„Mika Kaurismäki, Weltreisender in Sachen Film, überrascht mit dieser warmherzigen Komödie, deren Zutaten er fein ausbalanciert hat: viel Humor, etwas Schwermut, romantische Sehnsucht und heiteres Sommerflair fügen sich zur filmkulinarischen Köstlichkeit, bei der finnisches Lokalkolorit auf chinesische Weltweisheit trifft.“ (Nordische Filmtage 2019)

„Kaurismäki verwendet das Erzählmuster von der Integration, die durch den Magen geht, vor allem als Rahmen, um auf entwaffnend mätzchenfreie Art von existenzielleren Dingen zu schwärmen. So entpuppt sich diese finnische »Eat Drink Man Woman«-Variante allmählich als Ode an das Trinken und an die Männerfreundschaft. Denn zu den größten Fans von Cheng und seiner Kochkunst entwickeln sich die leicht verwilderten alten Junggesellen der Gegend. Der Schlüsselmoment der Komödie ist jener Tag, an dem sie den höflichen Chinesen ohne viel Federlesens in die Sauna mitnehmen und ihn mit Wodka dazu animieren, ins kalte Seewasser zu springen. Die Treuherzigkeit, mit der diese maskulinen Verbrüderungen mittels Schweiß, Hochprozentigem und Selbstüberwindung ausgemalt werden, ist einfach bezaubernd.“ (Birgit Roschy, epd-film.de)

Master Cheng in Pohjanioki (Mestari Cheng), OmdU
Di 25.08.

Exil, tw. OmdU

Visar Morina
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Exil

Deutschland / Belgien  Kosovo 2019, 121 min, Deutsch |  tw. Albanisch mit dt. UT

Regie: Visar Morina

Der im Kosovo geborene Xhafer ist Pharmaingenieur, verheiratet, hat drei Kinder und lebt seit Jahren ein bürgerliches Leben in einer mittelgroßen deutschen Stadt. Nach und nach beschleicht ihn jedoch das Gefühl, dass er an seinem Arbeitsplatz diskriminiert und schikaniert wird. Dieser Eindruck verstärkt sich zusehends, und als er eines Tages eine tote Ratte an seinem Gartentor findet ist für ihn endgültig klar: seine Kollegen haben hier ein rassistisches Statement gesetzt. Von da an wird jedes Ereignis, jedes Wort, jede Geste zu einem Anhaltspunkt, ja gar zu einem Beweis für seine These. Xhafers Unbehagen wächst tagtäglich. Seine deutsche Frau Nora hingegen ist es leid, dass ihr Mann hinter jeder Schwierigkeit Mobbing vermutet. Mögen seine Kollegen ihn womöglich einfach nur nicht? Oder steckt doch mehr hinter den Anfeindungen? Die Vorfälle, die Xhafers Ansichten bestätigen, häufen sich. Doch geschieht dies wirklich oder bildet er sich alles nur ein?

„Mit EXIL ist Visar Morina ein überaus sehenswerter, atmosphärisch dichter Film gelungen, dem es geschickt gelingt, die Mechanismen und Wirkungsweisen eines alltäglich gewordenen Rassismus einzufangen, ohne ihn dabei auf eine eindeutige Lesart festzulegen: Während für Xhafer zweifelsfrei feststeht, dass er von seinem Kollegen (oder vielleicht sind es ja auch mehrere) systematisch gemobbt wird, stellt sich die Sache von außen schon differenzierter dar, ohne das Geschehene und Erlebte eindeutig zu beurteilen. (…) Morinas feinfühlige Inszenierung rückt immer wieder Bildhintergründe in die Unschärfe und sorgt so dafür, dass ähnlich wie in der Gefühlswelt seines Protagonisten die Konturen verschwimmen und das Gesamtbild schwer deutlich zu erfassen ist. Zudem sieht man förmlich, wie es in dem von Mišel Matičević herausragend verkörperten Xhafer arbeitet und brodelt, wenn sein Gesicht äußerlich unbewegt bleibt, man aber dennoch in seine Seele hineinzuschauen vermag. Die von Sandra Hüller gleichfalls eindrucksvoll gespielte Nora versucht anfangs ihren Ehemann zu beruhigen, reagiert dann aber zunehmend genervt auf den vermeintlichen Wahn Xhafers, seine nächtlichen Albträume von Ratten und seine sich steigernde Wut und Unbeherrschtheit.

Die sommerliche Hitze, die allen Beteiligten die Schweißperlen auf die Stirn und ins Gesicht treibt, tut ihr Übriges dazu, dass die Situation buchstäblich immer wieder hochkocht und in einer eher unbestimmte Bedrohlichkeit einzelne Schockmomente immer wieder aufrütteln.“ (Joachim Kurz, kino-zeit.de)

„ … Regisseur Visar Morina lässt das Publikum eindrucksvoll in die Atmosphären der verschiedenen Settings eintauchen, macht die Beklemmungen und Ängste Xhafers fühlbar, sodass man sich gemeinsam mit ihm fragen muss: Wer ist verantwortlich für diese persönlichen Attacken und was sind die Motive? Tatsächlich fällt auf, dass Xhafer – neben der kosovarischen Putzfrau – der einzige ausländische Mitarbeiter seiner Firma ist. Dass jemand seinen Hass gegen ihn richtet, bleibt schon deshalb unverkennbar, weil es nicht nur bei Ratten am Gartenzaun bleibt. Aber vielleicht zielt all das gar nicht so sehr auf seine Herkunft, sondern vielmehr auf seine Person? (…) Was die Zuschauer beobachten können, ist ein langsames Entgleisen des Familienvaters, der sich von anfänglichen Zweifeln immer mehr in heftige Anschuldigungen verstrickt. (…)

Bis zuletzt lässt der Film offen, ob Xhafers Wahrnehmung der Realität entspricht oder wahnhaft ist. Damit wirft Morina auch beklemmende Fragen auf: Lässt sich innere Wahrnehmung von äußerem Geschehen trennen? Hat das, was ich fühle einen Platz in der Außenwelt? Und wer entscheidet überhaupt, ob die Ungerechtigkeiten, die mir widerfahren, anerkannt werden?“ (Nina Sabo, perlentaucher.de)

Exil, tw. OmdU
Mi 26.08.

Exil, tw. OmdU

Visar Morina
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Exil

Deutschland / Belgien  Kosovo 2019, 121 min, Deutsch |  tw. Albanisch mit dt. UT

Regie: Visar Morina

Der im Kosovo geborene Xhafer ist Pharmaingenieur, verheiratet, hat drei Kinder und lebt seit Jahren ein bürgerliches Leben in einer mittelgroßen deutschen Stadt. Nach und nach beschleicht ihn jedoch das Gefühl, dass er an seinem Arbeitsplatz diskriminiert und schikaniert wird. Dieser Eindruck verstärkt sich zusehends, und als er eines Tages eine tote Ratte an seinem Gartentor findet ist für ihn endgültig klar: seine Kollegen haben hier ein rassistisches Statement gesetzt. Von da an wird jedes Ereignis, jedes Wort, jede Geste zu einem Anhaltspunkt, ja gar zu einem Beweis für seine These. Xhafers Unbehagen wächst tagtäglich. Seine deutsche Frau Nora hingegen ist es leid, dass ihr Mann hinter jeder Schwierigkeit Mobbing vermutet. Mögen seine Kollegen ihn womöglich einfach nur nicht? Oder steckt doch mehr hinter den Anfeindungen? Die Vorfälle, die Xhafers Ansichten bestätigen, häufen sich. Doch geschieht dies wirklich oder bildet er sich alles nur ein?

„Mit EXIL ist Visar Morina ein überaus sehenswerter, atmosphärisch dichter Film gelungen, dem es geschickt gelingt, die Mechanismen und Wirkungsweisen eines alltäglich gewordenen Rassismus einzufangen, ohne ihn dabei auf eine eindeutige Lesart festzulegen: Während für Xhafer zweifelsfrei feststeht, dass er von seinem Kollegen (oder vielleicht sind es ja auch mehrere) systematisch gemobbt wird, stellt sich die Sache von außen schon differenzierter dar, ohne das Geschehene und Erlebte eindeutig zu beurteilen. (…) Morinas feinfühlige Inszenierung rückt immer wieder Bildhintergründe in die Unschärfe und sorgt so dafür, dass ähnlich wie in der Gefühlswelt seines Protagonisten die Konturen verschwimmen und das Gesamtbild schwer deutlich zu erfassen ist. Zudem sieht man förmlich, wie es in dem von Mišel Matičević herausragend verkörperten Xhafer arbeitet und brodelt, wenn sein Gesicht äußerlich unbewegt bleibt, man aber dennoch in seine Seele hineinzuschauen vermag. Die von Sandra Hüller gleichfalls eindrucksvoll gespielte Nora versucht anfangs ihren Ehemann zu beruhigen, reagiert dann aber zunehmend genervt auf den vermeintlichen Wahn Xhafers, seine nächtlichen Albträume von Ratten und seine sich steigernde Wut und Unbeherrschtheit.

Die sommerliche Hitze, die allen Beteiligten die Schweißperlen auf die Stirn und ins Gesicht treibt, tut ihr Übriges dazu, dass die Situation buchstäblich immer wieder hochkocht und in einer eher unbestimmte Bedrohlichkeit einzelne Schockmomente immer wieder aufrütteln.“ (Joachim Kurz, kino-zeit.de)

„ … Regisseur Visar Morina lässt das Publikum eindrucksvoll in die Atmosphären der verschiedenen Settings eintauchen, macht die Beklemmungen und Ängste Xhafers fühlbar, sodass man sich gemeinsam mit ihm fragen muss: Wer ist verantwortlich für diese persönlichen Attacken und was sind die Motive? Tatsächlich fällt auf, dass Xhafer – neben der kosovarischen Putzfrau – der einzige ausländische Mitarbeiter seiner Firma ist. Dass jemand seinen Hass gegen ihn richtet, bleibt schon deshalb unverkennbar, weil es nicht nur bei Ratten am Gartenzaun bleibt. Aber vielleicht zielt all das gar nicht so sehr auf seine Herkunft, sondern vielmehr auf seine Person? (…) Was die Zuschauer beobachten können, ist ein langsames Entgleisen des Familienvaters, der sich von anfänglichen Zweifeln immer mehr in heftige Anschuldigungen verstrickt. (…)

Bis zuletzt lässt der Film offen, ob Xhafers Wahrnehmung der Realität entspricht oder wahnhaft ist. Damit wirft Morina auch beklemmende Fragen auf: Lässt sich innere Wahrnehmung von äußerem Geschehen trennen? Hat das, was ich fühle einen Platz in der Außenwelt? Und wer entscheidet überhaupt, ob die Ungerechtigkeiten, die mir widerfahren, anerkannt werden?“ (Nina Sabo, perlentaucher.de)

Mi 26.08.

Unter Vorbehalt: Nosferatu Open-Air stumm mit Livemusikbegleitung EINTRITT FREI

Friedrich Wilhelm Murnau
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Nosferatu                                                  Open-Air vor dem Kino!

D 1922, 35mm, 90 min, stumm

am präparierten Flügel live begleitet von Jürgen Kurz

ACHTUNG: Termin unter Vorbehalt!

Für die Aufführung des Films NOSFERATU am 26. August vor den Toren des Kinos in der eigens gesperrten Greifenhagener Straße haben wir noch keine Genehmigung erhalten. Über Genehmigung oder Absage informieren wir, sobald dies vorliegen, an dieser Stelle.

Regie: Friedrich Wilhelm Murnau

Thomas Hutter ist Sekretär eines Maklers in Wisborg und lebt dort glücklich mit seiner Frau. Eines Tages schickt ihn sein Chef auf eine Dienstreise nach Transsylvanien, um mit dem Grafen Orlok über den Kauf eines Hauses zu verhandeln. Ellen, seine Frau, ahnt nichts Gutes, sie spürt die Gefahr, in die ihr Mann sich begibt, kann ihn aber nicht zurückhalten. In einem Gasthaus in den Karpaten warnt ihn der Wirt ebenfalls vor dem Grafen, und die Wirtin gibt ihm ein Buch über Nosferatu, den blutsaugenden Vampir… Der Graf empfängt Hutter in seiner Burg zu einem nächtlichen Abendessen, und er unterzeichnet den Kaufvertrag. Als Hutter aber am nächsten Morgen im Schloß erwacht, entdeckt er kleine rote Male an seinem Hals und ahnt, welchem Grauen er gegenübersteht: Orlok ist ein Vampir. In der zweiten Nacht überfällt Orlok ihn in seinem Schlafzimmer – und am nächsten Morgen belädt der Graf einen Pferdewagen mit Särgen und eilt davon. Da verläßt auch Hutter fluchtartig das Schloß, denn er hat Angst, daß das Gespenst auf dem Weg zu seiner Frau ist. Eines Tages legt ein führerloses Geisterschiff in Wisborg an, dessen Fracht Pest, Tod und Verderben über die Bewohner bringt. Graf Orlok ist angekommen, und mit ihm wütet die Pest in der Stadt. Ellen erkennt die Herausforderung, und um das unheilvolle Schicksal aufzuhalten, opfert sie sich und gibt sich dem Vampir hin. In den ersten Sonnenstrahlen des neuen Morgens löst sich die mysteriöse Gestalt in Nichts auf. (Murnau Stiftung)

Unter Vorbehalt: Nosferatu Open-Air stumm mit Livemusikbegleitung EINTRITT FREI
Do 27.08.

Exil, tw. OmdU

Visar Morina
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Exil

Deutschland / Belgien  Kosovo 2019, 121 min, Deutsch |  tw. Albanisch mit dt. UT

Regie: Visar Morina

Der im Kosovo geborene Xhafer ist Pharmaingenieur, verheiratet, hat drei Kinder und lebt seit Jahren ein bürgerliches Leben in einer mittelgroßen deutschen Stadt. Nach und nach beschleicht ihn jedoch das Gefühl, dass er an seinem Arbeitsplatz diskriminiert und schikaniert wird. Dieser Eindruck verstärkt sich zusehends, und als er eines Tages eine tote Ratte an seinem Gartentor findet ist für ihn endgültig klar: seine Kollegen haben hier ein rassistisches Statement gesetzt. Von da an wird jedes Ereignis, jedes Wort, jede Geste zu einem Anhaltspunkt, ja gar zu einem Beweis für seine These. Xhafers Unbehagen wächst tagtäglich. Seine deutsche Frau Nora hingegen ist es leid, dass ihr Mann hinter jeder Schwierigkeit Mobbing vermutet. Mögen seine Kollegen ihn womöglich einfach nur nicht? Oder steckt doch mehr hinter den Anfeindungen? Die Vorfälle, die Xhafers Ansichten bestätigen, häufen sich. Doch geschieht dies wirklich oder bildet er sich alles nur ein?

„Mit EXIL ist Visar Morina ein überaus sehenswerter, atmosphärisch dichter Film gelungen, dem es geschickt gelingt, die Mechanismen und Wirkungsweisen eines alltäglich gewordenen Rassismus einzufangen, ohne ihn dabei auf eine eindeutige Lesart festzulegen: Während für Xhafer zweifelsfrei feststeht, dass er von seinem Kollegen (oder vielleicht sind es ja auch mehrere) systematisch gemobbt wird, stellt sich die Sache von außen schon differenzierter dar, ohne das Geschehene und Erlebte eindeutig zu beurteilen. (…) Morinas feinfühlige Inszenierung rückt immer wieder Bildhintergründe in die Unschärfe und sorgt so dafür, dass ähnlich wie in der Gefühlswelt seines Protagonisten die Konturen verschwimmen und das Gesamtbild schwer deutlich zu erfassen ist. Zudem sieht man förmlich, wie es in dem von Mišel Matičević herausragend verkörperten Xhafer arbeitet und brodelt, wenn sein Gesicht äußerlich unbewegt bleibt, man aber dennoch in seine Seele hineinzuschauen vermag. Die von Sandra Hüller gleichfalls eindrucksvoll gespielte Nora versucht anfangs ihren Ehemann zu beruhigen, reagiert dann aber zunehmend genervt auf den vermeintlichen Wahn Xhafers, seine nächtlichen Albträume von Ratten und seine sich steigernde Wut und Unbeherrschtheit.

Die sommerliche Hitze, die allen Beteiligten die Schweißperlen auf die Stirn und ins Gesicht treibt, tut ihr Übriges dazu, dass die Situation buchstäblich immer wieder hochkocht und in einer eher unbestimmte Bedrohlichkeit einzelne Schockmomente immer wieder aufrütteln.“ (Joachim Kurz, kino-zeit.de)

„ … Regisseur Visar Morina lässt das Publikum eindrucksvoll in die Atmosphären der verschiedenen Settings eintauchen, macht die Beklemmungen und Ängste Xhafers fühlbar, sodass man sich gemeinsam mit ihm fragen muss: Wer ist verantwortlich für diese persönlichen Attacken und was sind die Motive? Tatsächlich fällt auf, dass Xhafer – neben der kosovarischen Putzfrau – der einzige ausländische Mitarbeiter seiner Firma ist. Dass jemand seinen Hass gegen ihn richtet, bleibt schon deshalb unverkennbar, weil es nicht nur bei Ratten am Gartenzaun bleibt. Aber vielleicht zielt all das gar nicht so sehr auf seine Herkunft, sondern vielmehr auf seine Person? (…) Was die Zuschauer beobachten können, ist ein langsames Entgleisen des Familienvaters, der sich von anfänglichen Zweifeln immer mehr in heftige Anschuldigungen verstrickt. (…)

Bis zuletzt lässt der Film offen, ob Xhafers Wahrnehmung der Realität entspricht oder wahnhaft ist. Damit wirft Morina auch beklemmende Fragen auf: Lässt sich innere Wahrnehmung von äußerem Geschehen trennen? Hat das, was ich fühle einen Platz in der Außenwelt? Und wer entscheidet überhaupt, ob die Ungerechtigkeiten, die mir widerfahren, anerkannt werden?“ (Nina Sabo, perlentaucher.de)

Do 27.08.

Master Cheng in Pohjanioki (Mestari Cheng), OmdU

Mika Kaurismäki
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Master Cheng in Pohjanjoki (Mestari Cheng)

FIN/ China / UK 2019, 114 min, OmdU

Regie: Mika Kaurismäki

Auf der Suche nach einem alten finnischen Freund reist der chinesische Koch Cheng in ein abgelegenes Dorf in Lappland. Bei der Ankunft scheint niemand im Dorf seinen Freund zu kennen, aber die lokale Cafébesitzerin Sirkka bietet ihm eine Unterkunft an. Im Gegenzug hilft Cheng ihr in der Küche, und bald werden die Einheimischen mit den Köstlichkeiten der chinesischen Küche überrascht. Cheng findet trotz kultureller Unterschiede schnell Anerkennung und neue Freunde unter den Finnen. Als sein Touristenvisum abläuft, schmieden die Dorfbewohner einen Plan, der ihm helfen soll zu bleiben …

„Mika Kaurismäki, Weltreisender in Sachen Film, überrascht mit dieser warmherzigen Komödie, deren Zutaten er fein ausbalanciert hat: viel Humor, etwas Schwermut, romantische Sehnsucht und heiteres Sommerflair fügen sich zur filmkulinarischen Köstlichkeit, bei der finnisches Lokalkolorit auf chinesische Weltweisheit trifft.“ (Nordische Filmtage 2019)

„Kaurismäki verwendet das Erzählmuster von der Integration, die durch den Magen geht, vor allem als Rahmen, um auf entwaffnend mätzchenfreie Art von existenzielleren Dingen zu schwärmen. So entpuppt sich diese finnische »Eat Drink Man Woman«-Variante allmählich als Ode an das Trinken und an die Männerfreundschaft. Denn zu den größten Fans von Cheng und seiner Kochkunst entwickeln sich die leicht verwilderten alten Junggesellen der Gegend. Der Schlüsselmoment der Komödie ist jener Tag, an dem sie den höflichen Chinesen ohne viel Federlesens in die Sauna mitnehmen und ihn mit Wodka dazu animieren, ins kalte Seewasser zu springen. Die Treuherzigkeit, mit der diese maskulinen Verbrüderungen mittels Schweiß, Hochprozentigem und Selbstüberwindung ausgemalt werden, ist einfach bezaubernd.“ (Birgit Roschy, epd-film.de)

Master Cheng in Pohjanioki (Mestari Cheng), OmdU
Fr 28.08.

Exil, tw. OmdU

Visar Morina
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Exil

Deutschland / Belgien  Kosovo 2019, 121 min, Deutsch |  tw. Albanisch mit dt. UT

Regie: Visar Morina

Der im Kosovo geborene Xhafer ist Pharmaingenieur, verheiratet, hat drei Kinder und lebt seit Jahren ein bürgerliches Leben in einer mittelgroßen deutschen Stadt. Nach und nach beschleicht ihn jedoch das Gefühl, dass er an seinem Arbeitsplatz diskriminiert und schikaniert wird. Dieser Eindruck verstärkt sich zusehends, und als er eines Tages eine tote Ratte an seinem Gartentor findet ist für ihn endgültig klar: seine Kollegen haben hier ein rassistisches Statement gesetzt. Von da an wird jedes Ereignis, jedes Wort, jede Geste zu einem Anhaltspunkt, ja gar zu einem Beweis für seine These. Xhafers Unbehagen wächst tagtäglich. Seine deutsche Frau Nora hingegen ist es leid, dass ihr Mann hinter jeder Schwierigkeit Mobbing vermutet. Mögen seine Kollegen ihn womöglich einfach nur nicht? Oder steckt doch mehr hinter den Anfeindungen? Die Vorfälle, die Xhafers Ansichten bestätigen, häufen sich. Doch geschieht dies wirklich oder bildet er sich alles nur ein?

„Mit EXIL ist Visar Morina ein überaus sehenswerter, atmosphärisch dichter Film gelungen, dem es geschickt gelingt, die Mechanismen und Wirkungsweisen eines alltäglich gewordenen Rassismus einzufangen, ohne ihn dabei auf eine eindeutige Lesart festzulegen: Während für Xhafer zweifelsfrei feststeht, dass er von seinem Kollegen (oder vielleicht sind es ja auch mehrere) systematisch gemobbt wird, stellt sich die Sache von außen schon differenzierter dar, ohne das Geschehene und Erlebte eindeutig zu beurteilen. (…) Morinas feinfühlige Inszenierung rückt immer wieder Bildhintergründe in die Unschärfe und sorgt so dafür, dass ähnlich wie in der Gefühlswelt seines Protagonisten die Konturen verschwimmen und das Gesamtbild schwer deutlich zu erfassen ist. Zudem sieht man förmlich, wie es in dem von Mišel Matičević herausragend verkörperten Xhafer arbeitet und brodelt, wenn sein Gesicht äußerlich unbewegt bleibt, man aber dennoch in seine Seele hineinzuschauen vermag. Die von Sandra Hüller gleichfalls eindrucksvoll gespielte Nora versucht anfangs ihren Ehemann zu beruhigen, reagiert dann aber zunehmend genervt auf den vermeintlichen Wahn Xhafers, seine nächtlichen Albträume von Ratten und seine sich steigernde Wut und Unbeherrschtheit.

Die sommerliche Hitze, die allen Beteiligten die Schweißperlen auf die Stirn und ins Gesicht treibt, tut ihr Übriges dazu, dass die Situation buchstäblich immer wieder hochkocht und in einer eher unbestimmte Bedrohlichkeit einzelne Schockmomente immer wieder aufrütteln.“ (Joachim Kurz, kino-zeit.de)

„ … Regisseur Visar Morina lässt das Publikum eindrucksvoll in die Atmosphären der verschiedenen Settings eintauchen, macht die Beklemmungen und Ängste Xhafers fühlbar, sodass man sich gemeinsam mit ihm fragen muss: Wer ist verantwortlich für diese persönlichen Attacken und was sind die Motive? Tatsächlich fällt auf, dass Xhafer – neben der kosovarischen Putzfrau – der einzige ausländische Mitarbeiter seiner Firma ist. Dass jemand seinen Hass gegen ihn richtet, bleibt schon deshalb unverkennbar, weil es nicht nur bei Ratten am Gartenzaun bleibt. Aber vielleicht zielt all das gar nicht so sehr auf seine Herkunft, sondern vielmehr auf seine Person? (…) Was die Zuschauer beobachten können, ist ein langsames Entgleisen des Familienvaters, der sich von anfänglichen Zweifeln immer mehr in heftige Anschuldigungen verstrickt. (…)

Bis zuletzt lässt der Film offen, ob Xhafers Wahrnehmung der Realität entspricht oder wahnhaft ist. Damit wirft Morina auch beklemmende Fragen auf: Lässt sich innere Wahrnehmung von äußerem Geschehen trennen? Hat das, was ich fühle einen Platz in der Außenwelt? Und wer entscheidet überhaupt, ob die Ungerechtigkeiten, die mir widerfahren, anerkannt werden?“ (Nina Sabo, perlentaucher.de)

Fr 28.08.

Als wir tanzten – And Then We Danced / Da chven vitsek’vet, OmdU

Levan Akin
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Als wir tanzten (And Then We Danced / და ჩვენ ვიცეკვეთ))

Schweden / Georgien/ Frankreich 2019, 113 min, Georgische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Levan Akin

Der fröhlich-verträumte Merab ist ein leidenschaftlicher Tänzer, doch etwas zu weich, findet sein Trainer. Im traditionellen georgischen Tanz verkörpern die Männer schliesslich Stärke. Als eines Tages der so mysteriöse wie begabte Tänzer Irakli im Unterricht auftaucht, zieht dieser nicht nur die Aufmerksamkeit des Trainers auf sich. Während Merab und Irakli um einen begehrten Platz im Staatsballett konkurrieren, keimt zwischen den beiden eine Zuneigung auf, die immer schwerer zu unterdrücken wird. (zff.com)

„Als wir tanzten funktioniert einerseits durch einen sublimen Realismus und andererseits über die heimlichen, viel sagenden Blicke des famosen Hauptdarstellers Levan Gelbakhiani, der in den Tanzdarbietungen schlichtweg hinreißt und auch sonst mit ebenso nuanciertem, unaufdringlich-authentischen Spiel begeistert wie einst Timothée Chalamet in Call Me By Your Name. Auch ist es, wie schon in Luca Guadagninos Film(en), die eindringliche Inszenierung von Körperlichkeit, die zum dramaturgischen Brennpunkt avanciert. Dies passiert mittels großartiger Tanzsequenzen; Tänzen, in denen sich die inneren Aufrühre des Protagonisten deutlich widerspiegeln und zu desperaten, hoffnungsvollen und schlussendlich befreienden Ausdrucks- und Kommunikationsakten werden.” (Nathanael Brohammer, programmkino.de)

“In Georgien sind bei Protesten gegen einen Film über die Liebe zweier schwuler Tänzer 27 Menschen festgenommen worden. Zwei Polizisten seien verletzt worden, als sie die Premiere des Dramas AND THEN WE DANCED (ALS WIR TANZTEN) schützten, teilte das Innenministerium in der Hauptstadt Tiflis mit. Gegner des Films riefen nach Berichten georgischer Medien vor Kinos ‚Schande‘ und setzten Feuerwerk ein. Der Film des schwedischen Regisseurs Levan Akin wurde in fünf unter Polizeischutz stehenden Kinos in Georgien gezeigt. Nach Angaben der Organisatoren waren alle Tickets im Vorfeld ausverkauft. (…) AND THEN WE DANCED feierte in diesem Jahr bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes Premiere. (…) Zu den Protesten hatten Nationalisten aufgerufen. Sie behaupteten, der Film verstoße gegen georgische Traditionen. Außerdem gebe es im Nationaltheater keine schwulen Tänzer. Die Orthodoxe Kirche in dem Land bezeichnete das Liebesdrama als inakzeptabel, distanzierte sich Berichten zufolge aber von Gewalt.“ (spiegel.de)

Sa 29.08.

Als wir tanzten – And Then We Danced / Da chven vitsek’vet, OmdU

Levan Akin
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Als wir tanzten (And Then We Danced / და ჩვენ ვიცეკვეთ))

Schweden / Georgien/ Frankreich 2019, 113 min, Georgische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Levan Akin

Der fröhlich-verträumte Merab ist ein leidenschaftlicher Tänzer, doch etwas zu weich, findet sein Trainer. Im traditionellen georgischen Tanz verkörpern die Männer schliesslich Stärke. Als eines Tages der so mysteriöse wie begabte Tänzer Irakli im Unterricht auftaucht, zieht dieser nicht nur die Aufmerksamkeit des Trainers auf sich. Während Merab und Irakli um einen begehrten Platz im Staatsballett konkurrieren, keimt zwischen den beiden eine Zuneigung auf, die immer schwerer zu unterdrücken wird. (zff.com)

„Als wir tanzten funktioniert einerseits durch einen sublimen Realismus und andererseits über die heimlichen, viel sagenden Blicke des famosen Hauptdarstellers Levan Gelbakhiani, der in den Tanzdarbietungen schlichtweg hinreißt und auch sonst mit ebenso nuanciertem, unaufdringlich-authentischen Spiel begeistert wie einst Timothée Chalamet in Call Me By Your Name. Auch ist es, wie schon in Luca Guadagninos Film(en), die eindringliche Inszenierung von Körperlichkeit, die zum dramaturgischen Brennpunkt avanciert. Dies passiert mittels großartiger Tanzsequenzen; Tänzen, in denen sich die inneren Aufrühre des Protagonisten deutlich widerspiegeln und zu desperaten, hoffnungsvollen und schlussendlich befreienden Ausdrucks- und Kommunikationsakten werden.” (Nathanael Brohammer, programmkino.de)

“In Georgien sind bei Protesten gegen einen Film über die Liebe zweier schwuler Tänzer 27 Menschen festgenommen worden. Zwei Polizisten seien verletzt worden, als sie die Premiere des Dramas AND THEN WE DANCED (ALS WIR TANZTEN) schützten, teilte das Innenministerium in der Hauptstadt Tiflis mit. Gegner des Films riefen nach Berichten georgischer Medien vor Kinos ‚Schande‘ und setzten Feuerwerk ein. Der Film des schwedischen Regisseurs Levan Akin wurde in fünf unter Polizeischutz stehenden Kinos in Georgien gezeigt. Nach Angaben der Organisatoren waren alle Tickets im Vorfeld ausverkauft. (…) AND THEN WE DANCED feierte in diesem Jahr bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes Premiere. (…) Zu den Protesten hatten Nationalisten aufgerufen. Sie behaupteten, der Film verstoße gegen georgische Traditionen. Außerdem gebe es im Nationaltheater keine schwulen Tänzer. Die Orthodoxe Kirche in dem Land bezeichnete das Liebesdrama als inakzeptabel, distanzierte sich Berichten zufolge aber von Gewalt.“ (spiegel.de)

Als wir tanzten – And Then We Danced / Da chven vitsek’vet, OmdU
Sa 29.08.

Master Cheng in Pohjanioki (Mestari Cheng), OmdU

Mika Kaurismäki
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Master Cheng in Pohjanjoki (Mestari Cheng)

FIN/ China / UK 2019, 114 min, OmdU

Regie: Mika Kaurismäki

Auf der Suche nach einem alten finnischen Freund reist der chinesische Koch Cheng in ein abgelegenes Dorf in Lappland. Bei der Ankunft scheint niemand im Dorf seinen Freund zu kennen, aber die lokale Cafébesitzerin Sirkka bietet ihm eine Unterkunft an. Im Gegenzug hilft Cheng ihr in der Küche, und bald werden die Einheimischen mit den Köstlichkeiten der chinesischen Küche überrascht. Cheng findet trotz kultureller Unterschiede schnell Anerkennung und neue Freunde unter den Finnen. Als sein Touristenvisum abläuft, schmieden die Dorfbewohner einen Plan, der ihm helfen soll zu bleiben …

„Mika Kaurismäki, Weltreisender in Sachen Film, überrascht mit dieser warmherzigen Komödie, deren Zutaten er fein ausbalanciert hat: viel Humor, etwas Schwermut, romantische Sehnsucht und heiteres Sommerflair fügen sich zur filmkulinarischen Köstlichkeit, bei der finnisches Lokalkolorit auf chinesische Weltweisheit trifft.“ (Nordische Filmtage 2019)

„Kaurismäki verwendet das Erzählmuster von der Integration, die durch den Magen geht, vor allem als Rahmen, um auf entwaffnend mätzchenfreie Art von existenzielleren Dingen zu schwärmen. So entpuppt sich diese finnische »Eat Drink Man Woman«-Variante allmählich als Ode an das Trinken und an die Männerfreundschaft. Denn zu den größten Fans von Cheng und seiner Kochkunst entwickeln sich die leicht verwilderten alten Junggesellen der Gegend. Der Schlüsselmoment der Komödie ist jener Tag, an dem sie den höflichen Chinesen ohne viel Federlesens in die Sauna mitnehmen und ihn mit Wodka dazu animieren, ins kalte Seewasser zu springen. Die Treuherzigkeit, mit der diese maskulinen Verbrüderungen mittels Schweiß, Hochprozentigem und Selbstüberwindung ausgemalt werden, ist einfach bezaubernd.“ (Birgit Roschy, epd-film.de)

Master Cheng in Pohjanioki (Mestari Cheng), OmdU
Sa 29.08.

Exil, tw. OmdU

Visar Morina
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Exil

Deutschland / Belgien  Kosovo 2019, 121 min, Deutsch |  tw. Albanisch mit dt. UT

Regie: Visar Morina

Der im Kosovo geborene Xhafer ist Pharmaingenieur, verheiratet, hat drei Kinder und lebt seit Jahren ein bürgerliches Leben in einer mittelgroßen deutschen Stadt. Nach und nach beschleicht ihn jedoch das Gefühl, dass er an seinem Arbeitsplatz diskriminiert und schikaniert wird. Dieser Eindruck verstärkt sich zusehends, und als er eines Tages eine tote Ratte an seinem Gartentor findet ist für ihn endgültig klar: seine Kollegen haben hier ein rassistisches Statement gesetzt. Von da an wird jedes Ereignis, jedes Wort, jede Geste zu einem Anhaltspunkt, ja gar zu einem Beweis für seine These. Xhafers Unbehagen wächst tagtäglich. Seine deutsche Frau Nora hingegen ist es leid, dass ihr Mann hinter jeder Schwierigkeit Mobbing vermutet. Mögen seine Kollegen ihn womöglich einfach nur nicht? Oder steckt doch mehr hinter den Anfeindungen? Die Vorfälle, die Xhafers Ansichten bestätigen, häufen sich. Doch geschieht dies wirklich oder bildet er sich alles nur ein?

„Mit EXIL ist Visar Morina ein überaus sehenswerter, atmosphärisch dichter Film gelungen, dem es geschickt gelingt, die Mechanismen und Wirkungsweisen eines alltäglich gewordenen Rassismus einzufangen, ohne ihn dabei auf eine eindeutige Lesart festzulegen: Während für Xhafer zweifelsfrei feststeht, dass er von seinem Kollegen (oder vielleicht sind es ja auch mehrere) systematisch gemobbt wird, stellt sich die Sache von außen schon differenzierter dar, ohne das Geschehene und Erlebte eindeutig zu beurteilen. (…) Morinas feinfühlige Inszenierung rückt immer wieder Bildhintergründe in die Unschärfe und sorgt so dafür, dass ähnlich wie in der Gefühlswelt seines Protagonisten die Konturen verschwimmen und das Gesamtbild schwer deutlich zu erfassen ist. Zudem sieht man förmlich, wie es in dem von Mišel Matičević herausragend verkörperten Xhafer arbeitet und brodelt, wenn sein Gesicht äußerlich unbewegt bleibt, man aber dennoch in seine Seele hineinzuschauen vermag. Die von Sandra Hüller gleichfalls eindrucksvoll gespielte Nora versucht anfangs ihren Ehemann zu beruhigen, reagiert dann aber zunehmend genervt auf den vermeintlichen Wahn Xhafers, seine nächtlichen Albträume von Ratten und seine sich steigernde Wut und Unbeherrschtheit.

Die sommerliche Hitze, die allen Beteiligten die Schweißperlen auf die Stirn und ins Gesicht treibt, tut ihr Übriges dazu, dass die Situation buchstäblich immer wieder hochkocht und in einer eher unbestimmte Bedrohlichkeit einzelne Schockmomente immer wieder aufrütteln.“ (Joachim Kurz, kino-zeit.de)

„ … Regisseur Visar Morina lässt das Publikum eindrucksvoll in die Atmosphären der verschiedenen Settings eintauchen, macht die Beklemmungen und Ängste Xhafers fühlbar, sodass man sich gemeinsam mit ihm fragen muss: Wer ist verantwortlich für diese persönlichen Attacken und was sind die Motive? Tatsächlich fällt auf, dass Xhafer – neben der kosovarischen Putzfrau – der einzige ausländische Mitarbeiter seiner Firma ist. Dass jemand seinen Hass gegen ihn richtet, bleibt schon deshalb unverkennbar, weil es nicht nur bei Ratten am Gartenzaun bleibt. Aber vielleicht zielt all das gar nicht so sehr auf seine Herkunft, sondern vielmehr auf seine Person? (…) Was die Zuschauer beobachten können, ist ein langsames Entgleisen des Familienvaters, der sich von anfänglichen Zweifeln immer mehr in heftige Anschuldigungen verstrickt. (…)

Bis zuletzt lässt der Film offen, ob Xhafers Wahrnehmung der Realität entspricht oder wahnhaft ist. Damit wirft Morina auch beklemmende Fragen auf: Lässt sich innere Wahrnehmung von äußerem Geschehen trennen? Hat das, was ich fühle einen Platz in der Außenwelt? Und wer entscheidet überhaupt, ob die Ungerechtigkeiten, die mir widerfahren, anerkannt werden?“ (Nina Sabo, perlentaucher.de)

Exil, tw. OmdU
So 30.08.

Als wir tanzten – And Then We Danced / Da chven vitsek’vet, OmdU

Levan Akin
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Als wir tanzten (And Then We Danced / და ჩვენ ვიცეკვეთ))

Schweden / Georgien/ Frankreich 2019, 113 min, Georgische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Levan Akin

Der fröhlich-verträumte Merab ist ein leidenschaftlicher Tänzer, doch etwas zu weich, findet sein Trainer. Im traditionellen georgischen Tanz verkörpern die Männer schliesslich Stärke. Als eines Tages der so mysteriöse wie begabte Tänzer Irakli im Unterricht auftaucht, zieht dieser nicht nur die Aufmerksamkeit des Trainers auf sich. Während Merab und Irakli um einen begehrten Platz im Staatsballett konkurrieren, keimt zwischen den beiden eine Zuneigung auf, die immer schwerer zu unterdrücken wird. (zff.com)

„Als wir tanzten funktioniert einerseits durch einen sublimen Realismus und andererseits über die heimlichen, viel sagenden Blicke des famosen Hauptdarstellers Levan Gelbakhiani, der in den Tanzdarbietungen schlichtweg hinreißt und auch sonst mit ebenso nuanciertem, unaufdringlich-authentischen Spiel begeistert wie einst Timothée Chalamet in Call Me By Your Name. Auch ist es, wie schon in Luca Guadagninos Film(en), die eindringliche Inszenierung von Körperlichkeit, die zum dramaturgischen Brennpunkt avanciert. Dies passiert mittels großartiger Tanzsequenzen; Tänzen, in denen sich die inneren Aufrühre des Protagonisten deutlich widerspiegeln und zu desperaten, hoffnungsvollen und schlussendlich befreienden Ausdrucks- und Kommunikationsakten werden.” (Nathanael Brohammer, programmkino.de)

“In Georgien sind bei Protesten gegen einen Film über die Liebe zweier schwuler Tänzer 27 Menschen festgenommen worden. Zwei Polizisten seien verletzt worden, als sie die Premiere des Dramas AND THEN WE DANCED (ALS WIR TANZTEN) schützten, teilte das Innenministerium in der Hauptstadt Tiflis mit. Gegner des Films riefen nach Berichten georgischer Medien vor Kinos ‚Schande‘ und setzten Feuerwerk ein. Der Film des schwedischen Regisseurs Levan Akin wurde in fünf unter Polizeischutz stehenden Kinos in Georgien gezeigt. Nach Angaben der Organisatoren waren alle Tickets im Vorfeld ausverkauft. (…) AND THEN WE DANCED feierte in diesem Jahr bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes Premiere. (…) Zu den Protesten hatten Nationalisten aufgerufen. Sie behaupteten, der Film verstoße gegen georgische Traditionen. Außerdem gebe es im Nationaltheater keine schwulen Tänzer. Die Orthodoxe Kirche in dem Land bezeichnete das Liebesdrama als inakzeptabel, distanzierte sich Berichten zufolge aber von Gewalt.“ (spiegel.de)

So 30.08.

Master Cheng in Pohjanioki (Mestari Cheng), OmdU

Mika Kaurismäki
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Master Cheng in Pohjanjoki (Mestari Cheng)

FIN/ China / UK 2019, 114 min, OmdU

Regie: Mika Kaurismäki

Auf der Suche nach einem alten finnischen Freund reist der chinesische Koch Cheng in ein abgelegenes Dorf in Lappland. Bei der Ankunft scheint niemand im Dorf seinen Freund zu kennen, aber die lokale Cafébesitzerin Sirkka bietet ihm eine Unterkunft an. Im Gegenzug hilft Cheng ihr in der Küche, und bald werden die Einheimischen mit den Köstlichkeiten der chinesischen Küche überrascht. Cheng findet trotz kultureller Unterschiede schnell Anerkennung und neue Freunde unter den Finnen. Als sein Touristenvisum abläuft, schmieden die Dorfbewohner einen Plan, der ihm helfen soll zu bleiben …

„Mika Kaurismäki, Weltreisender in Sachen Film, überrascht mit dieser warmherzigen Komödie, deren Zutaten er fein ausbalanciert hat: viel Humor, etwas Schwermut, romantische Sehnsucht und heiteres Sommerflair fügen sich zur filmkulinarischen Köstlichkeit, bei der finnisches Lokalkolorit auf chinesische Weltweisheit trifft.“ (Nordische Filmtage 2019)

„Kaurismäki verwendet das Erzählmuster von der Integration, die durch den Magen geht, vor allem als Rahmen, um auf entwaffnend mätzchenfreie Art von existenzielleren Dingen zu schwärmen. So entpuppt sich diese finnische »Eat Drink Man Woman«-Variante allmählich als Ode an das Trinken und an die Männerfreundschaft. Denn zu den größten Fans von Cheng und seiner Kochkunst entwickeln sich die leicht verwilderten alten Junggesellen der Gegend. Der Schlüsselmoment der Komödie ist jener Tag, an dem sie den höflichen Chinesen ohne viel Federlesens in die Sauna mitnehmen und ihn mit Wodka dazu animieren, ins kalte Seewasser zu springen. Die Treuherzigkeit, mit der diese maskulinen Verbrüderungen mittels Schweiß, Hochprozentigem und Selbstüberwindung ausgemalt werden, ist einfach bezaubernd.“ (Birgit Roschy, epd-film.de)

Master Cheng in Pohjanioki (Mestari Cheng), OmdU
So 30.08.

Exil, tw. OmdU

Visar Morina
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Exil

Deutschland / Belgien  Kosovo 2019, 121 min, Deutsch |  tw. Albanisch mit dt. UT

Regie: Visar Morina

Der im Kosovo geborene Xhafer ist Pharmaingenieur, verheiratet, hat drei Kinder und lebt seit Jahren ein bürgerliches Leben in einer mittelgroßen deutschen Stadt. Nach und nach beschleicht ihn jedoch das Gefühl, dass er an seinem Arbeitsplatz diskriminiert und schikaniert wird. Dieser Eindruck verstärkt sich zusehends, und als er eines Tages eine tote Ratte an seinem Gartentor findet ist für ihn endgültig klar: seine Kollegen haben hier ein rassistisches Statement gesetzt. Von da an wird jedes Ereignis, jedes Wort, jede Geste zu einem Anhaltspunkt, ja gar zu einem Beweis für seine These. Xhafers Unbehagen wächst tagtäglich. Seine deutsche Frau Nora hingegen ist es leid, dass ihr Mann hinter jeder Schwierigkeit Mobbing vermutet. Mögen seine Kollegen ihn womöglich einfach nur nicht? Oder steckt doch mehr hinter den Anfeindungen? Die Vorfälle, die Xhafers Ansichten bestätigen, häufen sich. Doch geschieht dies wirklich oder bildet er sich alles nur ein?

„Mit EXIL ist Visar Morina ein überaus sehenswerter, atmosphärisch dichter Film gelungen, dem es geschickt gelingt, die Mechanismen und Wirkungsweisen eines alltäglich gewordenen Rassismus einzufangen, ohne ihn dabei auf eine eindeutige Lesart festzulegen: Während für Xhafer zweifelsfrei feststeht, dass er von seinem Kollegen (oder vielleicht sind es ja auch mehrere) systematisch gemobbt wird, stellt sich die Sache von außen schon differenzierter dar, ohne das Geschehene und Erlebte eindeutig zu beurteilen. (…) Morinas feinfühlige Inszenierung rückt immer wieder Bildhintergründe in die Unschärfe und sorgt so dafür, dass ähnlich wie in der Gefühlswelt seines Protagonisten die Konturen verschwimmen und das Gesamtbild schwer deutlich zu erfassen ist. Zudem sieht man förmlich, wie es in dem von Mišel Matičević herausragend verkörperten Xhafer arbeitet und brodelt, wenn sein Gesicht äußerlich unbewegt bleibt, man aber dennoch in seine Seele hineinzuschauen vermag. Die von Sandra Hüller gleichfalls eindrucksvoll gespielte Nora versucht anfangs ihren Ehemann zu beruhigen, reagiert dann aber zunehmend genervt auf den vermeintlichen Wahn Xhafers, seine nächtlichen Albträume von Ratten und seine sich steigernde Wut und Unbeherrschtheit.

Die sommerliche Hitze, die allen Beteiligten die Schweißperlen auf die Stirn und ins Gesicht treibt, tut ihr Übriges dazu, dass die Situation buchstäblich immer wieder hochkocht und in einer eher unbestimmte Bedrohlichkeit einzelne Schockmomente immer wieder aufrütteln.“ (Joachim Kurz, kino-zeit.de)

„ … Regisseur Visar Morina lässt das Publikum eindrucksvoll in die Atmosphären der verschiedenen Settings eintauchen, macht die Beklemmungen und Ängste Xhafers fühlbar, sodass man sich gemeinsam mit ihm fragen muss: Wer ist verantwortlich für diese persönlichen Attacken und was sind die Motive? Tatsächlich fällt auf, dass Xhafer – neben der kosovarischen Putzfrau – der einzige ausländische Mitarbeiter seiner Firma ist. Dass jemand seinen Hass gegen ihn richtet, bleibt schon deshalb unverkennbar, weil es nicht nur bei Ratten am Gartenzaun bleibt. Aber vielleicht zielt all das gar nicht so sehr auf seine Herkunft, sondern vielmehr auf seine Person? (…) Was die Zuschauer beobachten können, ist ein langsames Entgleisen des Familienvaters, der sich von anfänglichen Zweifeln immer mehr in heftige Anschuldigungen verstrickt. (…)

Bis zuletzt lässt der Film offen, ob Xhafers Wahrnehmung der Realität entspricht oder wahnhaft ist. Damit wirft Morina auch beklemmende Fragen auf: Lässt sich innere Wahrnehmung von äußerem Geschehen trennen? Hat das, was ich fühle einen Platz in der Außenwelt? Und wer entscheidet überhaupt, ob die Ungerechtigkeiten, die mir widerfahren, anerkannt werden?“ (Nina Sabo, perlentaucher.de)

Mo 31.08.

Master Cheng in Pohjanioki (Mestari Cheng), OmdU

Mika Kaurismäki
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Master Cheng in Pohjanjoki (Mestari Cheng)

FIN/ China / UK 2019, 114 min, OmdU

Regie: Mika Kaurismäki

Auf der Suche nach einem alten finnischen Freund reist der chinesische Koch Cheng in ein abgelegenes Dorf in Lappland. Bei der Ankunft scheint niemand im Dorf seinen Freund zu kennen, aber die lokale Cafébesitzerin Sirkka bietet ihm eine Unterkunft an. Im Gegenzug hilft Cheng ihr in der Küche, und bald werden die Einheimischen mit den Köstlichkeiten der chinesischen Küche überrascht. Cheng findet trotz kultureller Unterschiede schnell Anerkennung und neue Freunde unter den Finnen. Als sein Touristenvisum abläuft, schmieden die Dorfbewohner einen Plan, der ihm helfen soll zu bleiben …

„Mika Kaurismäki, Weltreisender in Sachen Film, überrascht mit dieser warmherzigen Komödie, deren Zutaten er fein ausbalanciert hat: viel Humor, etwas Schwermut, romantische Sehnsucht und heiteres Sommerflair fügen sich zur filmkulinarischen Köstlichkeit, bei der finnisches Lokalkolorit auf chinesische Weltweisheit trifft.“ (Nordische Filmtage 2019)

„Kaurismäki verwendet das Erzählmuster von der Integration, die durch den Magen geht, vor allem als Rahmen, um auf entwaffnend mätzchenfreie Art von existenzielleren Dingen zu schwärmen. So entpuppt sich diese finnische »Eat Drink Man Woman«-Variante allmählich als Ode an das Trinken und an die Männerfreundschaft. Denn zu den größten Fans von Cheng und seiner Kochkunst entwickeln sich die leicht verwilderten alten Junggesellen der Gegend. Der Schlüsselmoment der Komödie ist jener Tag, an dem sie den höflichen Chinesen ohne viel Federlesens in die Sauna mitnehmen und ihn mit Wodka dazu animieren, ins kalte Seewasser zu springen. Die Treuherzigkeit, mit der diese maskulinen Verbrüderungen mittels Schweiß, Hochprozentigem und Selbstüberwindung ausgemalt werden, ist einfach bezaubernd.“ (Birgit Roschy, epd-film.de)

Master Cheng in Pohjanioki (Mestari Cheng), OmdU
Mo 31.08.

Exil, tw. OmdU

Visar Morina
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Exil

Deutschland / Belgien  Kosovo 2019, 121 min, Deutsch |  tw. Albanisch mit dt. UT

Regie: Visar Morina

Der im Kosovo geborene Xhafer ist Pharmaingenieur, verheiratet, hat drei Kinder und lebt seit Jahren ein bürgerliches Leben in einer mittelgroßen deutschen Stadt. Nach und nach beschleicht ihn jedoch das Gefühl, dass er an seinem Arbeitsplatz diskriminiert und schikaniert wird. Dieser Eindruck verstärkt sich zusehends, und als er eines Tages eine tote Ratte an seinem Gartentor findet ist für ihn endgültig klar: seine Kollegen haben hier ein rassistisches Statement gesetzt. Von da an wird jedes Ereignis, jedes Wort, jede Geste zu einem Anhaltspunkt, ja gar zu einem Beweis für seine These. Xhafers Unbehagen wächst tagtäglich. Seine deutsche Frau Nora hingegen ist es leid, dass ihr Mann hinter jeder Schwierigkeit Mobbing vermutet. Mögen seine Kollegen ihn womöglich einfach nur nicht? Oder steckt doch mehr hinter den Anfeindungen? Die Vorfälle, die Xhafers Ansichten bestätigen, häufen sich. Doch geschieht dies wirklich oder bildet er sich alles nur ein?

„Mit EXIL ist Visar Morina ein überaus sehenswerter, atmosphärisch dichter Film gelungen, dem es geschickt gelingt, die Mechanismen und Wirkungsweisen eines alltäglich gewordenen Rassismus einzufangen, ohne ihn dabei auf eine eindeutige Lesart festzulegen: Während für Xhafer zweifelsfrei feststeht, dass er von seinem Kollegen (oder vielleicht sind es ja auch mehrere) systematisch gemobbt wird, stellt sich die Sache von außen schon differenzierter dar, ohne das Geschehene und Erlebte eindeutig zu beurteilen. (…) Morinas feinfühlige Inszenierung rückt immer wieder Bildhintergründe in die Unschärfe und sorgt so dafür, dass ähnlich wie in der Gefühlswelt seines Protagonisten die Konturen verschwimmen und das Gesamtbild schwer deutlich zu erfassen ist. Zudem sieht man förmlich, wie es in dem von Mišel Matičević herausragend verkörperten Xhafer arbeitet und brodelt, wenn sein Gesicht äußerlich unbewegt bleibt, man aber dennoch in seine Seele hineinzuschauen vermag. Die von Sandra Hüller gleichfalls eindrucksvoll gespielte Nora versucht anfangs ihren Ehemann zu beruhigen, reagiert dann aber zunehmend genervt auf den vermeintlichen Wahn Xhafers, seine nächtlichen Albträume von Ratten und seine sich steigernde Wut und Unbeherrschtheit.

Die sommerliche Hitze, die allen Beteiligten die Schweißperlen auf die Stirn und ins Gesicht treibt, tut ihr Übriges dazu, dass die Situation buchstäblich immer wieder hochkocht und in einer eher unbestimmte Bedrohlichkeit einzelne Schockmomente immer wieder aufrütteln.“ (Joachim Kurz, kino-zeit.de)

„ … Regisseur Visar Morina lässt das Publikum eindrucksvoll in die Atmosphären der verschiedenen Settings eintauchen, macht die Beklemmungen und Ängste Xhafers fühlbar, sodass man sich gemeinsam mit ihm fragen muss: Wer ist verantwortlich für diese persönlichen Attacken und was sind die Motive? Tatsächlich fällt auf, dass Xhafer – neben der kosovarischen Putzfrau – der einzige ausländische Mitarbeiter seiner Firma ist. Dass jemand seinen Hass gegen ihn richtet, bleibt schon deshalb unverkennbar, weil es nicht nur bei Ratten am Gartenzaun bleibt. Aber vielleicht zielt all das gar nicht so sehr auf seine Herkunft, sondern vielmehr auf seine Person? (…) Was die Zuschauer beobachten können, ist ein langsames Entgleisen des Familienvaters, der sich von anfänglichen Zweifeln immer mehr in heftige Anschuldigungen verstrickt. (…)

Bis zuletzt lässt der Film offen, ob Xhafers Wahrnehmung der Realität entspricht oder wahnhaft ist. Damit wirft Morina auch beklemmende Fragen auf: Lässt sich innere Wahrnehmung von äußerem Geschehen trennen? Hat das, was ich fühle einen Platz in der Außenwelt? Und wer entscheidet überhaupt, ob die Ungerechtigkeiten, die mir widerfahren, anerkannt werden?“ (Nina Sabo, perlentaucher.de)

Exil, tw. OmdU
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