So 01.08.

keine Vorstellung

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Mo 02.08.

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Di 03.08.

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Mi 04.08.

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Do 05.08.

Anmaßung

Chris Wright & Stefan Kolbe
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Anmaßung

Deutschland 2021, 110 min, deutsche Originalfassung

Regie: Chris Wright, Stefan Kolbe

Wie begegnet man einem Mörder? Stellen sie sich eine solche Begegnung vor. Was fühlen Sie? Können Sie sich auf einen solchen Menschen einlassen? Oder wäre da zwischen Ihnen und ihm immer die Tat? Genauer: Ihre Vorstellung der Tat? Wer beschäftigt sich gern mit einem Verbrecher? Die Macher von ANMASSUNG sehen hin, obwohl sich der Täter Stefan S. entzieht. Ersatz für das abwesende Tätergesicht finden sie, indem sie einer Handpuppe und zwei Handpuppenspielerinnen das Feld überlassen. Hinzu kommen Masken, Spiegelungen und Projektionen. Das Motiv der Fäden und Schnüre hält den Film zusammen, und der Kommentar aus dem Off hat die Courage, die Zweifel am eigenen Tun auszusprechen.

„Was sehen wir, wenn wir nichts sehen können?“ Diese Frage stellt Chris Wright, einer der beiden Regisseure, am Anfang aus dem Off. Es ist eine große Frage, eine, mit der Wright in ein zentrales Dilemma dokumentarischen Filmemachens vordringt. Was man in ANMASSUNG nicht sieht, ist das Gesicht des wichtigsten Akteurs, Stefan S. Er sitzt in einem Brandenburger Gefängnis, lebenslang, Freigang ist möglich, die Entlassung auf Bewährung eine Perspektive, obwohl die Schuld schwer wiegt. Nachdem er sie gestalkt hatte, tötete Stefan S. eine Arbeitskollegin.

„Inhaltlich wie formal ist Stefan Kolbe und Chris Wright mit ANMASSUNG ein dichter Dokumentarfilm gelungen (…). Seine Stärke liegt entschieden in der Komplexität seiner Aussage, die weder in einer naiven Verharmlosung der beschriebenen Straftat noch in einem Pamphlet für strengere Strafverfolgung mündet. Vom Zuschauer fordert er ein konstantes Ausloten der eigenen Überzeugungen und Empfindungen.“ (Teresa Vena, kino-zeit.de)

„Wir hatten schon sehr unterschiedliche Wahrnehmungen und Toleranzgrenzen. Wir hatten eine bewusste Entscheidung am Anfang, Stefan so kennenzulernen, wie er sich uns anbietet, und nicht nach ihm zu recherchieren. Nach drei Jahren habe ich (Wright) das aber trotzdem gemacht und im Internet gesehen, dass sein Mord damals ein Riesenfall war. Das hat für mich dann den Umgang mit ihm sehr erschwert.

Bei mir (Kolbe) war es komischerweise genau andersrum. Was ich über ihn gelesen hatte, hatte mit meiner Beziehung zu Stefan nichts zu tun. Mein Interesse bezog sich auf seine Biografie vor der Tat. (…)

Wir haben auch bemerkt, dass unsere unterschiedlichen Erfahrungen sich auch in Widersprüchen im Rechtssystem widerspiegeln. Als Außenstehende möchte man glauben, dass dieses auf Objektivität beruht. Doch je tiefer wir uns damit beschäftigt haben, desto schärfer haben wir erkannt, dass es so etwas nicht gibt. Das System beruht auf subjektiven Blicken auf eine Person. (…) Die Idee, dass wir durch das Leben gehen mit einem Plan und Absichten, die wir klar definieren können, basteln wir uns doch im Nachhinein im Kopf zusammen, damit wir unser Tun irgendwie begründen können.“ (Interview mit den Filmemachern von Silvia Hallensleben, TAZ 09.06.21)

Do 05.08.

Nebenan

Daniel Brühl
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Nebenan

Deutschland 2021, 92 min, deutsche Originalfassung

Regie: Daniel Brühl

Daniel, vielbeschäftigter Filmschauspieler, führt ein Jetset-Leben. Die Luxuswohnung in Berlin-Prenzlauer Berg dient als Basis für ihn und seine deutsch-spanische Familie. Auf dem Weg nach London zu einem wichtigen Vorsprechen macht er kurz Halt in der Kneipe um die Ecke. Über seine Kopfhörer telefoniert er mit seinem Agenten, läuft dabei mechanisch hin und her und bestellt nonchalant einen Kaffee. Mit seiner aalglatten Art, dem gestriegelten Anzug und seinen Telefongesprächen auf Englisch wirkt er fehl am Platz. Außer ihm sind noch zwei andere Gäste da. Der eine, bereits betrunken, sabbert vor sich hin, den Kopf auf die Arme gelegt. Der zweite hört ihm aber ganz genau zu. Und schon bald stellen die beiden fest, dass sie Nachbarn sind. (kino-zeit.de)

„Als der Schauspieler Daniel kurz vor einem Casting in seiner Stammkneipe noch auf einen Kaffee hereinschaut, ahnt er noch nicht, was ihn erwartet. Denn der Mann, der sich zu ihm setzt, weiß scheinbar alles über ihn. Und was als unschuldiges Geplänkel beginnt, entwickelt sich schon bald zu einem irrwitzigen Katz- und Maus-Spiel. Unter der Oberfläche pointierter Dialoge behandelt das Regiedebüt von Daniel Brühl hochrelevante Themen und hält als kluge Milieustudie der künstlerisch intellektuellen Arroganz einen bitterbös reflektierenden Spiegel vor.

Mit der Figur des Schauspielers Daniel und des Ur-Berliners Bruno lassen Regisseur Brühl und Drehbuchautor Kehlmann zwei Archetypen in einem Katz- und Maus-Kammerspiel gegeneinander antreten. Und auch wenn die Stimmung bis zum Bersten angespannt ist, so ist doch das Hin und Her zwischen beiden Protagonisten ein leichtes und hoch amüsantes Vergnügen. Nicht nur sind die Dialoge mit einem großen Gespür für Timing und Effizienz gesetzt. Es liegt auch und vor allen Dingen an dem lustvollen Spiel von Peter Kurth und Daniel Brühl, dass NEBENAN nicht eine Minute zu lang erscheint. Brühl ist mutig genug, seine eigene Persona mit der Maske des blasierten und in anderen Atmosphären schwebenden Künstlers zu vermischen, der behauptet, die urige Stammkneipe sei ihm, genau wie das Haus, für dessen Penthouse er sich einen eigenen Lift einbauen ließ, ja so sehr ans Herz gewachsen. Stück für Stück fällt diese Maske, und Brühl verkörpert diese Wandlung glaubwürdig. Und Peter Kurth ist als sein fast schon meditativ ruhiges und allwissendes Gegenüber ein ebenbürtiger Sparringspartner. Mit all seiner Kraft und Größe, die Kurth schon in so vielen Rollen unter Beweis stellen konnte, bleibt sein Bruno den ganzen Film über ein sphinxartiges Rätsel.“ (FBW)

„Das Drehbuch von NEBENAN hat Daniel Kehlmann geschrieben und es ist so gut, dass man jeden Satz, jede Geste von Daniel beschreiben möchte: Wie er durch dieses erzbodenständige Terrain schreitet und glaubt es dominieren zu können mit seiner Business-Straffheit, seinen englischen Telefonaten mit Hollywood-Agentinnen und der Kumpelei mit der Altostberliner Wirtin. Daniel ist nämlich auch das: ein Klischee-Wessi, der alles dafür tut, nicht als solcher gesehen zu werden.“ (Kathleen Hildebrand, sueddeutsche.de)

 

Nebenan
Fr 06.08.

Nebenan

Daniel Brühl
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Nebenan

Deutschland 2021, 92 min, deutsche Originalfassung

Regie: Daniel Brühl

Daniel, vielbeschäftigter Filmschauspieler, führt ein Jetset-Leben. Die Luxuswohnung in Berlin-Prenzlauer Berg dient als Basis für ihn und seine deutsch-spanische Familie. Auf dem Weg nach London zu einem wichtigen Vorsprechen macht er kurz Halt in der Kneipe um die Ecke. Über seine Kopfhörer telefoniert er mit seinem Agenten, läuft dabei mechanisch hin und her und bestellt nonchalant einen Kaffee. Mit seiner aalglatten Art, dem gestriegelten Anzug und seinen Telefongesprächen auf Englisch wirkt er fehl am Platz. Außer ihm sind noch zwei andere Gäste da. Der eine, bereits betrunken, sabbert vor sich hin, den Kopf auf die Arme gelegt. Der zweite hört ihm aber ganz genau zu. Und schon bald stellen die beiden fest, dass sie Nachbarn sind. (kino-zeit.de)

„Als der Schauspieler Daniel kurz vor einem Casting in seiner Stammkneipe noch auf einen Kaffee hereinschaut, ahnt er noch nicht, was ihn erwartet. Denn der Mann, der sich zu ihm setzt, weiß scheinbar alles über ihn. Und was als unschuldiges Geplänkel beginnt, entwickelt sich schon bald zu einem irrwitzigen Katz- und Maus-Spiel. Unter der Oberfläche pointierter Dialoge behandelt das Regiedebüt von Daniel Brühl hochrelevante Themen und hält als kluge Milieustudie der künstlerisch intellektuellen Arroganz einen bitterbös reflektierenden Spiegel vor.

Mit der Figur des Schauspielers Daniel und des Ur-Berliners Bruno lassen Regisseur Brühl und Drehbuchautor Kehlmann zwei Archetypen in einem Katz- und Maus-Kammerspiel gegeneinander antreten. Und auch wenn die Stimmung bis zum Bersten angespannt ist, so ist doch das Hin und Her zwischen beiden Protagonisten ein leichtes und hoch amüsantes Vergnügen. Nicht nur sind die Dialoge mit einem großen Gespür für Timing und Effizienz gesetzt. Es liegt auch und vor allen Dingen an dem lustvollen Spiel von Peter Kurth und Daniel Brühl, dass NEBENAN nicht eine Minute zu lang erscheint. Brühl ist mutig genug, seine eigene Persona mit der Maske des blasierten und in anderen Atmosphären schwebenden Künstlers zu vermischen, der behauptet, die urige Stammkneipe sei ihm, genau wie das Haus, für dessen Penthouse er sich einen eigenen Lift einbauen ließ, ja so sehr ans Herz gewachsen. Stück für Stück fällt diese Maske, und Brühl verkörpert diese Wandlung glaubwürdig. Und Peter Kurth ist als sein fast schon meditativ ruhiges und allwissendes Gegenüber ein ebenbürtiger Sparringspartner. Mit all seiner Kraft und Größe, die Kurth schon in so vielen Rollen unter Beweis stellen konnte, bleibt sein Bruno den ganzen Film über ein sphinxartiges Rätsel.“ (FBW)

„Das Drehbuch von NEBENAN hat Daniel Kehlmann geschrieben und es ist so gut, dass man jeden Satz, jede Geste von Daniel beschreiben möchte: Wie er durch dieses erzbodenständige Terrain schreitet und glaubt es dominieren zu können mit seiner Business-Straffheit, seinen englischen Telefonaten mit Hollywood-Agentinnen und der Kumpelei mit der Altostberliner Wirtin. Daniel ist nämlich auch das: ein Klischee-Wessi, der alles dafür tut, nicht als solcher gesehen zu werden.“ (Kathleen Hildebrand, sueddeutsche.de)

 

Fr 06.08.

Grenzland (Pogranicze), OmdU

Andreas Voigt
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Grenzland

Deutschland / Polen 2020, 100 min, Englisch | Deutsch | Polnisch mit deutschen UT

Regie: Andreas Voigt

Eine Reise entlang der Oder und der Neiße, entlang der deutsch polnischen Grenze. Begegnungen auf beiden Seiten der Flüsse. Erkundungen. Geschichten vom Rand – doch aus der Mitte Europas. Arbeit, Heimat, Liebe. Menschen, ihre Geschichte und ihre Landschaft. Im Süden Niederschlesien – dort, wo Polen Deutschland und Tschechien einander treffen, in der Mitte das flache Land an der Oder, im Norden, das Stettiner Haff. Eine Reise im Grenzland.

Bewegungen und Geschichten im Grenzland zwischen Polen und Deutschland – mit seinem neuen Film knüpft Andreas Voigt thematisch an seine Arbeit Grenzland – Eine Reise von 1992 an.

„Das aufgeladene Wort ‚Heimat‘ treibt sein (Un-)wesen in den Köpfen und Herzen der Leute: was sie einmal war und was aus ihr geworden ist! Sicher, in der täglichen Agenda hat das nicht oberste Priorität. Aber wie Menschen dieses Wort besetzen und wie das wiederum ihre Haltungen strukturiert, das bestimmt auch, wie sie sich selbst den Geschmack des Lebens im Hier und Jetzt von Europa zusammenreimen.“ (Ralph Eue, DOK Leipzig 2020)

Grenzland (Pogranicze), OmdU
Fr 06.08.

Nebenan

Daniel Brühl
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Nebenan

Deutschland 2021, 92 min, deutsche Originalfassung

Regie: Daniel Brühl

Daniel, vielbeschäftigter Filmschauspieler, führt ein Jetset-Leben. Die Luxuswohnung in Berlin-Prenzlauer Berg dient als Basis für ihn und seine deutsch-spanische Familie. Auf dem Weg nach London zu einem wichtigen Vorsprechen macht er kurz Halt in der Kneipe um die Ecke. Über seine Kopfhörer telefoniert er mit seinem Agenten, läuft dabei mechanisch hin und her und bestellt nonchalant einen Kaffee. Mit seiner aalglatten Art, dem gestriegelten Anzug und seinen Telefongesprächen auf Englisch wirkt er fehl am Platz. Außer ihm sind noch zwei andere Gäste da. Der eine, bereits betrunken, sabbert vor sich hin, den Kopf auf die Arme gelegt. Der zweite hört ihm aber ganz genau zu. Und schon bald stellen die beiden fest, dass sie Nachbarn sind. (kino-zeit.de)

„Als der Schauspieler Daniel kurz vor einem Casting in seiner Stammkneipe noch auf einen Kaffee hereinschaut, ahnt er noch nicht, was ihn erwartet. Denn der Mann, der sich zu ihm setzt, weiß scheinbar alles über ihn. Und was als unschuldiges Geplänkel beginnt, entwickelt sich schon bald zu einem irrwitzigen Katz- und Maus-Spiel. Unter der Oberfläche pointierter Dialoge behandelt das Regiedebüt von Daniel Brühl hochrelevante Themen und hält als kluge Milieustudie der künstlerisch intellektuellen Arroganz einen bitterbös reflektierenden Spiegel vor.

Mit der Figur des Schauspielers Daniel und des Ur-Berliners Bruno lassen Regisseur Brühl und Drehbuchautor Kehlmann zwei Archetypen in einem Katz- und Maus-Kammerspiel gegeneinander antreten. Und auch wenn die Stimmung bis zum Bersten angespannt ist, so ist doch das Hin und Her zwischen beiden Protagonisten ein leichtes und hoch amüsantes Vergnügen. Nicht nur sind die Dialoge mit einem großen Gespür für Timing und Effizienz gesetzt. Es liegt auch und vor allen Dingen an dem lustvollen Spiel von Peter Kurth und Daniel Brühl, dass NEBENAN nicht eine Minute zu lang erscheint. Brühl ist mutig genug, seine eigene Persona mit der Maske des blasierten und in anderen Atmosphären schwebenden Künstlers zu vermischen, der behauptet, die urige Stammkneipe sei ihm, genau wie das Haus, für dessen Penthouse er sich einen eigenen Lift einbauen ließ, ja so sehr ans Herz gewachsen. Stück für Stück fällt diese Maske, und Brühl verkörpert diese Wandlung glaubwürdig. Und Peter Kurth ist als sein fast schon meditativ ruhiges und allwissendes Gegenüber ein ebenbürtiger Sparringspartner. Mit all seiner Kraft und Größe, die Kurth schon in so vielen Rollen unter Beweis stellen konnte, bleibt sein Bruno den ganzen Film über ein sphinxartiges Rätsel.“ (FBW)

„Das Drehbuch von NEBENAN hat Daniel Kehlmann geschrieben und es ist so gut, dass man jeden Satz, jede Geste von Daniel beschreiben möchte: Wie er durch dieses erzbodenständige Terrain schreitet und glaubt es dominieren zu können mit seiner Business-Straffheit, seinen englischen Telefonaten mit Hollywood-Agentinnen und der Kumpelei mit der Altostberliner Wirtin. Daniel ist nämlich auch das: ein Klischee-Wessi, der alles dafür tut, nicht als solcher gesehen zu werden.“ (Kathleen Hildebrand, sueddeutsche.de)

 

Sa 07.08.

Grenzland (Pogranicze), OmdU

Andreas Voigt
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Grenzland

Deutschland / Polen 2020, 100 min, Englisch | Deutsch | Polnisch mit deutschen UT

Regie: Andreas Voigt

Eine Reise entlang der Oder und der Neiße, entlang der deutsch polnischen Grenze. Begegnungen auf beiden Seiten der Flüsse. Erkundungen. Geschichten vom Rand – doch aus der Mitte Europas. Arbeit, Heimat, Liebe. Menschen, ihre Geschichte und ihre Landschaft. Im Süden Niederschlesien – dort, wo Polen Deutschland und Tschechien einander treffen, in der Mitte das flache Land an der Oder, im Norden, das Stettiner Haff. Eine Reise im Grenzland.

Bewegungen und Geschichten im Grenzland zwischen Polen und Deutschland – mit seinem neuen Film knüpft Andreas Voigt thematisch an seine Arbeit Grenzland – Eine Reise von 1992 an.

„Das aufgeladene Wort ‚Heimat‘ treibt sein (Un-)wesen in den Köpfen und Herzen der Leute: was sie einmal war und was aus ihr geworden ist! Sicher, in der täglichen Agenda hat das nicht oberste Priorität. Aber wie Menschen dieses Wort besetzen und wie das wiederum ihre Haltungen strukturiert, das bestimmt auch, wie sie sich selbst den Geschmack des Lebens im Hier und Jetzt von Europa zusammenreimen.“ (Ralph Eue, DOK Leipzig 2020)

Grenzland (Pogranicze), OmdU
Sa 07.08.

Nebenan

Daniel Brühl
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Nebenan

Deutschland 2021, 92 min, deutsche Originalfassung

Regie: Daniel Brühl

Daniel, vielbeschäftigter Filmschauspieler, führt ein Jetset-Leben. Die Luxuswohnung in Berlin-Prenzlauer Berg dient als Basis für ihn und seine deutsch-spanische Familie. Auf dem Weg nach London zu einem wichtigen Vorsprechen macht er kurz Halt in der Kneipe um die Ecke. Über seine Kopfhörer telefoniert er mit seinem Agenten, läuft dabei mechanisch hin und her und bestellt nonchalant einen Kaffee. Mit seiner aalglatten Art, dem gestriegelten Anzug und seinen Telefongesprächen auf Englisch wirkt er fehl am Platz. Außer ihm sind noch zwei andere Gäste da. Der eine, bereits betrunken, sabbert vor sich hin, den Kopf auf die Arme gelegt. Der zweite hört ihm aber ganz genau zu. Und schon bald stellen die beiden fest, dass sie Nachbarn sind. (kino-zeit.de)

„Als der Schauspieler Daniel kurz vor einem Casting in seiner Stammkneipe noch auf einen Kaffee hereinschaut, ahnt er noch nicht, was ihn erwartet. Denn der Mann, der sich zu ihm setzt, weiß scheinbar alles über ihn. Und was als unschuldiges Geplänkel beginnt, entwickelt sich schon bald zu einem irrwitzigen Katz- und Maus-Spiel. Unter der Oberfläche pointierter Dialoge behandelt das Regiedebüt von Daniel Brühl hochrelevante Themen und hält als kluge Milieustudie der künstlerisch intellektuellen Arroganz einen bitterbös reflektierenden Spiegel vor.

Mit der Figur des Schauspielers Daniel und des Ur-Berliners Bruno lassen Regisseur Brühl und Drehbuchautor Kehlmann zwei Archetypen in einem Katz- und Maus-Kammerspiel gegeneinander antreten. Und auch wenn die Stimmung bis zum Bersten angespannt ist, so ist doch das Hin und Her zwischen beiden Protagonisten ein leichtes und hoch amüsantes Vergnügen. Nicht nur sind die Dialoge mit einem großen Gespür für Timing und Effizienz gesetzt. Es liegt auch und vor allen Dingen an dem lustvollen Spiel von Peter Kurth und Daniel Brühl, dass NEBENAN nicht eine Minute zu lang erscheint. Brühl ist mutig genug, seine eigene Persona mit der Maske des blasierten und in anderen Atmosphären schwebenden Künstlers zu vermischen, der behauptet, die urige Stammkneipe sei ihm, genau wie das Haus, für dessen Penthouse er sich einen eigenen Lift einbauen ließ, ja so sehr ans Herz gewachsen. Stück für Stück fällt diese Maske, und Brühl verkörpert diese Wandlung glaubwürdig. Und Peter Kurth ist als sein fast schon meditativ ruhiges und allwissendes Gegenüber ein ebenbürtiger Sparringspartner. Mit all seiner Kraft und Größe, die Kurth schon in so vielen Rollen unter Beweis stellen konnte, bleibt sein Bruno den ganzen Film über ein sphinxartiges Rätsel.“ (FBW)

„Das Drehbuch von NEBENAN hat Daniel Kehlmann geschrieben und es ist so gut, dass man jeden Satz, jede Geste von Daniel beschreiben möchte: Wie er durch dieses erzbodenständige Terrain schreitet und glaubt es dominieren zu können mit seiner Business-Straffheit, seinen englischen Telefonaten mit Hollywood-Agentinnen und der Kumpelei mit der Altostberliner Wirtin. Daniel ist nämlich auch das: ein Klischee-Wessi, der alles dafür tut, nicht als solcher gesehen zu werden.“ (Kathleen Hildebrand, sueddeutsche.de)

 

Nebenan
Sa 07.08.

Bad Luck Banging or Loony Porn (Babardeală cu bucluc sau porno balamuc), OmdU

Radu Jude
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Bad Luck Banging or Loony Porn (Babardeală cu bucluc sau porno balamuc)                                              Goldener Bär 2021

Rumänien/ L/ CZ/ KH 2021, 106 min, rumänische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Radu Jude

Lustvoll, zügellos, explizit: Emi und ihr Mann haben großartigen und ausschweifenden Sex. Leider auch auf Video. Ihr sehr privater Pornofilm gerät irgendwie ins Internet und geht viral. Weil Emi eine Lehrerin an einer renommierten Schule ist, haben darüber sehr viele Leute eine Meinung. Wahrheitsgrad egal, Begründung überflüssig. Von moralisch empört über aggressiv anklagend bis vulgär beleidigend ist alles dabei. Emi muss antreten zu einem Elternabend der besonderen Art. Sie macht sich auf den Weg durch die groteske Alltagsbrutalität auf den Straßen von Bukarest. Über diesen Porno möchte seltsamerweise niemand einen Shitstorm verbreiten. In der Hoffnung auf eine Verbündete stattet Emi der Schuldirektorin einen Besuch ab – doch weit gefehlt. Man muss doch den Eltern die Gelegenheit zur Aussprache geben. Doch die „Debatte“ gerät zum Tribunal – über konsensualen Sex, Pornografie, die Nazis, Wahrheit, Bildungstheorie und vieles mehr. Emi verlebt einen wahrlich schrillen Abend zwischen archaischen Affekten und manischem Meinungsfuror. Die Lehrerin wird plötzlich nicht nur für ihr Sexleben verantwortlich gemacht, sondern auch für die rumänische Geschichte des 20. Jahrhunderts, die Psychologie der Kinder im Allgemeinen und für die Emanzipation sowieso natürlich auch. Die Moral der Elternschicht? Man ist sich einig, dass man in Kürze bald wieder anderer Meinung sein wird. Ein Goldener Bär für ein überwältigendes Meisterwerk: BAD LUCK BANGING OR LOONY PORN von Radu Jude ist glückliches Fragment, Enzyklopädie unserer Zeit und die gnadenlose Versuchsanordnung einer völlig zersplitterten Gemeinschaft, die nur noch in der Feindseligkeit zusammenfinden kann. Radu Jude treibt den Irrwitz auf die Spitze und lässt uns erahnen, zu welch bitterböser Farce unsere Zeit geworden ist, die man den Untergang der Demokratie nennen könnte. Eine filmische Erfahrung zwischen totaler Finsternis und grell erleuchteter Humorzone.

BAD LUCK BANGING OR LOONY PORN ist bestimmt kein perfekter Film — zu deutlich trägt er (nicht ohne Stolz) das Skizzenhafte und Improvisierte, das auch seinen Zeitpunkt des Entstehens im Sommer 2020 inmitten einer Pandemie nicht schamvoll verschweigt, sondern vielmehr geschickt mit einbaut, vor sich her und stellt es aus. Einen ‚Entwurf für einen populären Film‘ nennt Radu Jude selbst diesen räudigen Bastard von einem Film — und trifft damit genau das Lebensgefühl vieler Menschen zu Zeiten einer Pandemie: Es ist gerade nicht die Zeit für das über alles erhabene Meisterwerk. Zu brüchig und fragil ist diese Welt gerade geworden, zu fragwürdig sind ihre Grundlagen, zu morsch ihre Pfeiler, auf denen sie eigentlich ruhen sollte. Und wenn diese Welt gerade in ihre Bestandteile zerfällt, dann sind Improvisation und Wut auf die bestehenden Verhältnisse sicherlich nicht die schlechtesten Begleiter in dem anstehenden Überlebenskampf. Denn wie anders lässt sich dem Wahnsinn der Welt da draußen sonst noch begegnen? Und vermutlich liegt gerade hierin die große Meisterschaft dieses wüsten Films — dies zu erkennen und so unverblümt, wild und frei auf die ‚Leinwand‘ zu bringen. Selbst wenn diese wie im Falle der gerade stattfindenden Online-Berlinale nur aus einem kleinen Computerscreen besteht. Radu Judes Film besitzt jedenfalls die Kraft, dies für eine Stunde und 46 Minuten vergessen zu machen.“ (Joachim Kurz, kino-zeit.de)

„Radu Judes Berlinale-Gewinner über das Verhältnis von Pornos und posttotalitärer Gesellschaft lässt sich auch vor dem Hintergrund dieser besessenen Formensuche verstehen: als streckenweise wild montierter ‚Skizzenfilm‘ (Radu Jude), eine symbolische Demaskierung unter Corona-Bedingungen.“ (Katja Nicodemus, DIE ZEIT Nr. 11/2021)

 

Bad Luck Banging or Loony Porn (Babardeală cu bucluc sau porno balamuc), OmdU
Sa 07.08.

Nebenan

Daniel Brühl
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Nebenan

Deutschland 2021, 92 min, deutsche Originalfassung

Regie: Daniel Brühl

Daniel, vielbeschäftigter Filmschauspieler, führt ein Jetset-Leben. Die Luxuswohnung in Berlin-Prenzlauer Berg dient als Basis für ihn und seine deutsch-spanische Familie. Auf dem Weg nach London zu einem wichtigen Vorsprechen macht er kurz Halt in der Kneipe um die Ecke. Über seine Kopfhörer telefoniert er mit seinem Agenten, läuft dabei mechanisch hin und her und bestellt nonchalant einen Kaffee. Mit seiner aalglatten Art, dem gestriegelten Anzug und seinen Telefongesprächen auf Englisch wirkt er fehl am Platz. Außer ihm sind noch zwei andere Gäste da. Der eine, bereits betrunken, sabbert vor sich hin, den Kopf auf die Arme gelegt. Der zweite hört ihm aber ganz genau zu. Und schon bald stellen die beiden fest, dass sie Nachbarn sind. (kino-zeit.de)

„Als der Schauspieler Daniel kurz vor einem Casting in seiner Stammkneipe noch auf einen Kaffee hereinschaut, ahnt er noch nicht, was ihn erwartet. Denn der Mann, der sich zu ihm setzt, weiß scheinbar alles über ihn. Und was als unschuldiges Geplänkel beginnt, entwickelt sich schon bald zu einem irrwitzigen Katz- und Maus-Spiel. Unter der Oberfläche pointierter Dialoge behandelt das Regiedebüt von Daniel Brühl hochrelevante Themen und hält als kluge Milieustudie der künstlerisch intellektuellen Arroganz einen bitterbös reflektierenden Spiegel vor.

Mit der Figur des Schauspielers Daniel und des Ur-Berliners Bruno lassen Regisseur Brühl und Drehbuchautor Kehlmann zwei Archetypen in einem Katz- und Maus-Kammerspiel gegeneinander antreten. Und auch wenn die Stimmung bis zum Bersten angespannt ist, so ist doch das Hin und Her zwischen beiden Protagonisten ein leichtes und hoch amüsantes Vergnügen. Nicht nur sind die Dialoge mit einem großen Gespür für Timing und Effizienz gesetzt. Es liegt auch und vor allen Dingen an dem lustvollen Spiel von Peter Kurth und Daniel Brühl, dass NEBENAN nicht eine Minute zu lang erscheint. Brühl ist mutig genug, seine eigene Persona mit der Maske des blasierten und in anderen Atmosphären schwebenden Künstlers zu vermischen, der behauptet, die urige Stammkneipe sei ihm, genau wie das Haus, für dessen Penthouse er sich einen eigenen Lift einbauen ließ, ja so sehr ans Herz gewachsen. Stück für Stück fällt diese Maske, und Brühl verkörpert diese Wandlung glaubwürdig. Und Peter Kurth ist als sein fast schon meditativ ruhiges und allwissendes Gegenüber ein ebenbürtiger Sparringspartner. Mit all seiner Kraft und Größe, die Kurth schon in so vielen Rollen unter Beweis stellen konnte, bleibt sein Bruno den ganzen Film über ein sphinxartiges Rätsel.“ (FBW)

„Das Drehbuch von NEBENAN hat Daniel Kehlmann geschrieben und es ist so gut, dass man jeden Satz, jede Geste von Daniel beschreiben möchte: Wie er durch dieses erzbodenständige Terrain schreitet und glaubt es dominieren zu können mit seiner Business-Straffheit, seinen englischen Telefonaten mit Hollywood-Agentinnen und der Kumpelei mit der Altostberliner Wirtin. Daniel ist nämlich auch das: ein Klischee-Wessi, der alles dafür tut, nicht als solcher gesehen zu werden.“ (Kathleen Hildebrand, sueddeutsche.de)

 

So 08.08.

Nebenan

Daniel Brühl
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Nebenan

Deutschland 2021, 92 min, deutsche Originalfassung

Regie: Daniel Brühl

Daniel, vielbeschäftigter Filmschauspieler, führt ein Jetset-Leben. Die Luxuswohnung in Berlin-Prenzlauer Berg dient als Basis für ihn und seine deutsch-spanische Familie. Auf dem Weg nach London zu einem wichtigen Vorsprechen macht er kurz Halt in der Kneipe um die Ecke. Über seine Kopfhörer telefoniert er mit seinem Agenten, läuft dabei mechanisch hin und her und bestellt nonchalant einen Kaffee. Mit seiner aalglatten Art, dem gestriegelten Anzug und seinen Telefongesprächen auf Englisch wirkt er fehl am Platz. Außer ihm sind noch zwei andere Gäste da. Der eine, bereits betrunken, sabbert vor sich hin, den Kopf auf die Arme gelegt. Der zweite hört ihm aber ganz genau zu. Und schon bald stellen die beiden fest, dass sie Nachbarn sind. (kino-zeit.de)

„Als der Schauspieler Daniel kurz vor einem Casting in seiner Stammkneipe noch auf einen Kaffee hereinschaut, ahnt er noch nicht, was ihn erwartet. Denn der Mann, der sich zu ihm setzt, weiß scheinbar alles über ihn. Und was als unschuldiges Geplänkel beginnt, entwickelt sich schon bald zu einem irrwitzigen Katz- und Maus-Spiel. Unter der Oberfläche pointierter Dialoge behandelt das Regiedebüt von Daniel Brühl hochrelevante Themen und hält als kluge Milieustudie der künstlerisch intellektuellen Arroganz einen bitterbös reflektierenden Spiegel vor.

Mit der Figur des Schauspielers Daniel und des Ur-Berliners Bruno lassen Regisseur Brühl und Drehbuchautor Kehlmann zwei Archetypen in einem Katz- und Maus-Kammerspiel gegeneinander antreten. Und auch wenn die Stimmung bis zum Bersten angespannt ist, so ist doch das Hin und Her zwischen beiden Protagonisten ein leichtes und hoch amüsantes Vergnügen. Nicht nur sind die Dialoge mit einem großen Gespür für Timing und Effizienz gesetzt. Es liegt auch und vor allen Dingen an dem lustvollen Spiel von Peter Kurth und Daniel Brühl, dass NEBENAN nicht eine Minute zu lang erscheint. Brühl ist mutig genug, seine eigene Persona mit der Maske des blasierten und in anderen Atmosphären schwebenden Künstlers zu vermischen, der behauptet, die urige Stammkneipe sei ihm, genau wie das Haus, für dessen Penthouse er sich einen eigenen Lift einbauen ließ, ja so sehr ans Herz gewachsen. Stück für Stück fällt diese Maske, und Brühl verkörpert diese Wandlung glaubwürdig. Und Peter Kurth ist als sein fast schon meditativ ruhiges und allwissendes Gegenüber ein ebenbürtiger Sparringspartner. Mit all seiner Kraft und Größe, die Kurth schon in so vielen Rollen unter Beweis stellen konnte, bleibt sein Bruno den ganzen Film über ein sphinxartiges Rätsel.“ (FBW)

„Das Drehbuch von NEBENAN hat Daniel Kehlmann geschrieben und es ist so gut, dass man jeden Satz, jede Geste von Daniel beschreiben möchte: Wie er durch dieses erzbodenständige Terrain schreitet und glaubt es dominieren zu können mit seiner Business-Straffheit, seinen englischen Telefonaten mit Hollywood-Agentinnen und der Kumpelei mit der Altostberliner Wirtin. Daniel ist nämlich auch das: ein Klischee-Wessi, der alles dafür tut, nicht als solcher gesehen zu werden.“ (Kathleen Hildebrand, sueddeutsche.de)

 

So 08.08.

Anmaßung

Chris Wright & Stefan Kolbe
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Anmaßung

Deutschland 2021, 110 min, deutsche Originalfassung

Regie: Chris Wright, Stefan Kolbe

Wie begegnet man einem Mörder? Stellen sie sich eine solche Begegnung vor. Was fühlen Sie? Können Sie sich auf einen solchen Menschen einlassen? Oder wäre da zwischen Ihnen und ihm immer die Tat? Genauer: Ihre Vorstellung der Tat? Wer beschäftigt sich gern mit einem Verbrecher? Die Macher von ANMASSUNG sehen hin, obwohl sich der Täter Stefan S. entzieht. Ersatz für das abwesende Tätergesicht finden sie, indem sie einer Handpuppe und zwei Handpuppenspielerinnen das Feld überlassen. Hinzu kommen Masken, Spiegelungen und Projektionen. Das Motiv der Fäden und Schnüre hält den Film zusammen, und der Kommentar aus dem Off hat die Courage, die Zweifel am eigenen Tun auszusprechen.

„Was sehen wir, wenn wir nichts sehen können?“ Diese Frage stellt Chris Wright, einer der beiden Regisseure, am Anfang aus dem Off. Es ist eine große Frage, eine, mit der Wright in ein zentrales Dilemma dokumentarischen Filmemachens vordringt. Was man in ANMASSUNG nicht sieht, ist das Gesicht des wichtigsten Akteurs, Stefan S. Er sitzt in einem Brandenburger Gefängnis, lebenslang, Freigang ist möglich, die Entlassung auf Bewährung eine Perspektive, obwohl die Schuld schwer wiegt. Nachdem er sie gestalkt hatte, tötete Stefan S. eine Arbeitskollegin.

„Inhaltlich wie formal ist Stefan Kolbe und Chris Wright mit ANMASSUNG ein dichter Dokumentarfilm gelungen (…). Seine Stärke liegt entschieden in der Komplexität seiner Aussage, die weder in einer naiven Verharmlosung der beschriebenen Straftat noch in einem Pamphlet für strengere Strafverfolgung mündet. Vom Zuschauer fordert er ein konstantes Ausloten der eigenen Überzeugungen und Empfindungen.“ (Teresa Vena, kino-zeit.de)

„Wir hatten schon sehr unterschiedliche Wahrnehmungen und Toleranzgrenzen. Wir hatten eine bewusste Entscheidung am Anfang, Stefan so kennenzulernen, wie er sich uns anbietet, und nicht nach ihm zu recherchieren. Nach drei Jahren habe ich (Wright) das aber trotzdem gemacht und im Internet gesehen, dass sein Mord damals ein Riesenfall war. Das hat für mich dann den Umgang mit ihm sehr erschwert.

Bei mir (Kolbe) war es komischerweise genau andersrum. Was ich über ihn gelesen hatte, hatte mit meiner Beziehung zu Stefan nichts zu tun. Mein Interesse bezog sich auf seine Biografie vor der Tat. (…)

Wir haben auch bemerkt, dass unsere unterschiedlichen Erfahrungen sich auch in Widersprüchen im Rechtssystem widerspiegeln. Als Außenstehende möchte man glauben, dass dieses auf Objektivität beruht. Doch je tiefer wir uns damit beschäftigt haben, desto schärfer haben wir erkannt, dass es so etwas nicht gibt. Das System beruht auf subjektiven Blicken auf eine Person. (…) Die Idee, dass wir durch das Leben gehen mit einem Plan und Absichten, die wir klar definieren können, basteln wir uns doch im Nachhinein im Kopf zusammen, damit wir unser Tun irgendwie begründen können.“ (Interview mit den Filmemachern von Silvia Hallensleben, TAZ 09.06.21)

So 08.08.

Nebenan

Daniel Brühl
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Nebenan

Deutschland 2021, 92 min, deutsche Originalfassung

Regie: Daniel Brühl

Daniel, vielbeschäftigter Filmschauspieler, führt ein Jetset-Leben. Die Luxuswohnung in Berlin-Prenzlauer Berg dient als Basis für ihn und seine deutsch-spanische Familie. Auf dem Weg nach London zu einem wichtigen Vorsprechen macht er kurz Halt in der Kneipe um die Ecke. Über seine Kopfhörer telefoniert er mit seinem Agenten, läuft dabei mechanisch hin und her und bestellt nonchalant einen Kaffee. Mit seiner aalglatten Art, dem gestriegelten Anzug und seinen Telefongesprächen auf Englisch wirkt er fehl am Platz. Außer ihm sind noch zwei andere Gäste da. Der eine, bereits betrunken, sabbert vor sich hin, den Kopf auf die Arme gelegt. Der zweite hört ihm aber ganz genau zu. Und schon bald stellen die beiden fest, dass sie Nachbarn sind. (kino-zeit.de)

„Als der Schauspieler Daniel kurz vor einem Casting in seiner Stammkneipe noch auf einen Kaffee hereinschaut, ahnt er noch nicht, was ihn erwartet. Denn der Mann, der sich zu ihm setzt, weiß scheinbar alles über ihn. Und was als unschuldiges Geplänkel beginnt, entwickelt sich schon bald zu einem irrwitzigen Katz- und Maus-Spiel. Unter der Oberfläche pointierter Dialoge behandelt das Regiedebüt von Daniel Brühl hochrelevante Themen und hält als kluge Milieustudie der künstlerisch intellektuellen Arroganz einen bitterbös reflektierenden Spiegel vor.

Mit der Figur des Schauspielers Daniel und des Ur-Berliners Bruno lassen Regisseur Brühl und Drehbuchautor Kehlmann zwei Archetypen in einem Katz- und Maus-Kammerspiel gegeneinander antreten. Und auch wenn die Stimmung bis zum Bersten angespannt ist, so ist doch das Hin und Her zwischen beiden Protagonisten ein leichtes und hoch amüsantes Vergnügen. Nicht nur sind die Dialoge mit einem großen Gespür für Timing und Effizienz gesetzt. Es liegt auch und vor allen Dingen an dem lustvollen Spiel von Peter Kurth und Daniel Brühl, dass NEBENAN nicht eine Minute zu lang erscheint. Brühl ist mutig genug, seine eigene Persona mit der Maske des blasierten und in anderen Atmosphären schwebenden Künstlers zu vermischen, der behauptet, die urige Stammkneipe sei ihm, genau wie das Haus, für dessen Penthouse er sich einen eigenen Lift einbauen ließ, ja so sehr ans Herz gewachsen. Stück für Stück fällt diese Maske, und Brühl verkörpert diese Wandlung glaubwürdig. Und Peter Kurth ist als sein fast schon meditativ ruhiges und allwissendes Gegenüber ein ebenbürtiger Sparringspartner. Mit all seiner Kraft und Größe, die Kurth schon in so vielen Rollen unter Beweis stellen konnte, bleibt sein Bruno den ganzen Film über ein sphinxartiges Rätsel.“ (FBW)

„Das Drehbuch von NEBENAN hat Daniel Kehlmann geschrieben und es ist so gut, dass man jeden Satz, jede Geste von Daniel beschreiben möchte: Wie er durch dieses erzbodenständige Terrain schreitet und glaubt es dominieren zu können mit seiner Business-Straffheit, seinen englischen Telefonaten mit Hollywood-Agentinnen und der Kumpelei mit der Altostberliner Wirtin. Daniel ist nämlich auch das: ein Klischee-Wessi, der alles dafür tut, nicht als solcher gesehen zu werden.“ (Kathleen Hildebrand, sueddeutsche.de)

 

Mo 09.08.

Courage, OmdU

Aliaksei Paluyan
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Courage

Deutschland 2021, 90 min, Russisch | Belarussisch mit deutschen UT

Regie: Aliaksei Paluyan

Im Zuge der Präsidentschaftswahlen in Weißrussland im Sommer 2020 geraten drei Schauspieler des Belarus Free Theatre aus Minsk in den Sog der Massenproteste, der sie auf die Straße zieht, um lautstark für freie Meinungsäußerung und den langersehnten Machtwechsel zu demonstrieren. Doch ihr friedlicher Protest wird vom Sicherheitsapparat des Regimes brutal niedergeschlagen. Mitglieder der Theatergruppe und viele andere Menschen werden verhaftet. Das Land steht am Rande eines Bürgerkriegs. COURAGE begleitet den mutigen und friedlichen Widerstand von Maryna, Pavel und Denis vor und während der Proteste. Der Film wirft einen sehr persönlichen Blick auf die Ereignisse, gibt hautnah und packend Einblick in das Leben der Menschen im heutigen Belarus, die für ihre Freiheit und das Recht auf Demokratie kämpfen. Pavel und Denis wurden Anfang 2021 verhaftet und flüchteten nach ihrer Freilassung nach Kiew.

Courage, OmdU
Mo 09.08.

Nebenan

Daniel Brühl
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Nebenan

Deutschland 2021, 92 min, deutsche Originalfassung

Regie: Daniel Brühl

Daniel, vielbeschäftigter Filmschauspieler, führt ein Jetset-Leben. Die Luxuswohnung in Berlin-Prenzlauer Berg dient als Basis für ihn und seine deutsch-spanische Familie. Auf dem Weg nach London zu einem wichtigen Vorsprechen macht er kurz Halt in der Kneipe um die Ecke. Über seine Kopfhörer telefoniert er mit seinem Agenten, läuft dabei mechanisch hin und her und bestellt nonchalant einen Kaffee. Mit seiner aalglatten Art, dem gestriegelten Anzug und seinen Telefongesprächen auf Englisch wirkt er fehl am Platz. Außer ihm sind noch zwei andere Gäste da. Der eine, bereits betrunken, sabbert vor sich hin, den Kopf auf die Arme gelegt. Der zweite hört ihm aber ganz genau zu. Und schon bald stellen die beiden fest, dass sie Nachbarn sind. (kino-zeit.de)

„Als der Schauspieler Daniel kurz vor einem Casting in seiner Stammkneipe noch auf einen Kaffee hereinschaut, ahnt er noch nicht, was ihn erwartet. Denn der Mann, der sich zu ihm setzt, weiß scheinbar alles über ihn. Und was als unschuldiges Geplänkel beginnt, entwickelt sich schon bald zu einem irrwitzigen Katz- und Maus-Spiel. Unter der Oberfläche pointierter Dialoge behandelt das Regiedebüt von Daniel Brühl hochrelevante Themen und hält als kluge Milieustudie der künstlerisch intellektuellen Arroganz einen bitterbös reflektierenden Spiegel vor.

Mit der Figur des Schauspielers Daniel und des Ur-Berliners Bruno lassen Regisseur Brühl und Drehbuchautor Kehlmann zwei Archetypen in einem Katz- und Maus-Kammerspiel gegeneinander antreten. Und auch wenn die Stimmung bis zum Bersten angespannt ist, so ist doch das Hin und Her zwischen beiden Protagonisten ein leichtes und hoch amüsantes Vergnügen. Nicht nur sind die Dialoge mit einem großen Gespür für Timing und Effizienz gesetzt. Es liegt auch und vor allen Dingen an dem lustvollen Spiel von Peter Kurth und Daniel Brühl, dass NEBENAN nicht eine Minute zu lang erscheint. Brühl ist mutig genug, seine eigene Persona mit der Maske des blasierten und in anderen Atmosphären schwebenden Künstlers zu vermischen, der behauptet, die urige Stammkneipe sei ihm, genau wie das Haus, für dessen Penthouse er sich einen eigenen Lift einbauen ließ, ja so sehr ans Herz gewachsen. Stück für Stück fällt diese Maske, und Brühl verkörpert diese Wandlung glaubwürdig. Und Peter Kurth ist als sein fast schon meditativ ruhiges und allwissendes Gegenüber ein ebenbürtiger Sparringspartner. Mit all seiner Kraft und Größe, die Kurth schon in so vielen Rollen unter Beweis stellen konnte, bleibt sein Bruno den ganzen Film über ein sphinxartiges Rätsel.“ (FBW)

„Das Drehbuch von NEBENAN hat Daniel Kehlmann geschrieben und es ist so gut, dass man jeden Satz, jede Geste von Daniel beschreiben möchte: Wie er durch dieses erzbodenständige Terrain schreitet und glaubt es dominieren zu können mit seiner Business-Straffheit, seinen englischen Telefonaten mit Hollywood-Agentinnen und der Kumpelei mit der Altostberliner Wirtin. Daniel ist nämlich auch das: ein Klischee-Wessi, der alles dafür tut, nicht als solcher gesehen zu werden.“ (Kathleen Hildebrand, sueddeutsche.de)

 

Nebenan
Di 10.08.

Courage, OmdU

Aliaksei Paluyan
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Courage

Deutschland 2021, 90 min, Russisch | Belarussisch mit deutschen UT

Regie: Aliaksei Paluyan

Im Zuge der Präsidentschaftswahlen in Weißrussland im Sommer 2020 geraten drei Schauspieler des Belarus Free Theatre aus Minsk in den Sog der Massenproteste, der sie auf die Straße zieht, um lautstark für freie Meinungsäußerung und den langersehnten Machtwechsel zu demonstrieren. Doch ihr friedlicher Protest wird vom Sicherheitsapparat des Regimes brutal niedergeschlagen. Mitglieder der Theatergruppe und viele andere Menschen werden verhaftet. Das Land steht am Rande eines Bürgerkriegs. COURAGE begleitet den mutigen und friedlichen Widerstand von Maryna, Pavel und Denis vor und während der Proteste. Der Film wirft einen sehr persönlichen Blick auf die Ereignisse, gibt hautnah und packend Einblick in das Leben der Menschen im heutigen Belarus, die für ihre Freiheit und das Recht auf Demokratie kämpfen. Pavel und Denis wurden Anfang 2021 verhaftet und flüchteten nach ihrer Freilassung nach Kiew.

Courage, OmdU
Di 10.08.

Nebenan

Daniel Brühl
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Nebenan

Deutschland 2021, 92 min, deutsche Originalfassung

Regie: Daniel Brühl

Daniel, vielbeschäftigter Filmschauspieler, führt ein Jetset-Leben. Die Luxuswohnung in Berlin-Prenzlauer Berg dient als Basis für ihn und seine deutsch-spanische Familie. Auf dem Weg nach London zu einem wichtigen Vorsprechen macht er kurz Halt in der Kneipe um die Ecke. Über seine Kopfhörer telefoniert er mit seinem Agenten, läuft dabei mechanisch hin und her und bestellt nonchalant einen Kaffee. Mit seiner aalglatten Art, dem gestriegelten Anzug und seinen Telefongesprächen auf Englisch wirkt er fehl am Platz. Außer ihm sind noch zwei andere Gäste da. Der eine, bereits betrunken, sabbert vor sich hin, den Kopf auf die Arme gelegt. Der zweite hört ihm aber ganz genau zu. Und schon bald stellen die beiden fest, dass sie Nachbarn sind. (kino-zeit.de)

„Als der Schauspieler Daniel kurz vor einem Casting in seiner Stammkneipe noch auf einen Kaffee hereinschaut, ahnt er noch nicht, was ihn erwartet. Denn der Mann, der sich zu ihm setzt, weiß scheinbar alles über ihn. Und was als unschuldiges Geplänkel beginnt, entwickelt sich schon bald zu einem irrwitzigen Katz- und Maus-Spiel. Unter der Oberfläche pointierter Dialoge behandelt das Regiedebüt von Daniel Brühl hochrelevante Themen und hält als kluge Milieustudie der künstlerisch intellektuellen Arroganz einen bitterbös reflektierenden Spiegel vor.

Mit der Figur des Schauspielers Daniel und des Ur-Berliners Bruno lassen Regisseur Brühl und Drehbuchautor Kehlmann zwei Archetypen in einem Katz- und Maus-Kammerspiel gegeneinander antreten. Und auch wenn die Stimmung bis zum Bersten angespannt ist, so ist doch das Hin und Her zwischen beiden Protagonisten ein leichtes und hoch amüsantes Vergnügen. Nicht nur sind die Dialoge mit einem großen Gespür für Timing und Effizienz gesetzt. Es liegt auch und vor allen Dingen an dem lustvollen Spiel von Peter Kurth und Daniel Brühl, dass NEBENAN nicht eine Minute zu lang erscheint. Brühl ist mutig genug, seine eigene Persona mit der Maske des blasierten und in anderen Atmosphären schwebenden Künstlers zu vermischen, der behauptet, die urige Stammkneipe sei ihm, genau wie das Haus, für dessen Penthouse er sich einen eigenen Lift einbauen ließ, ja so sehr ans Herz gewachsen. Stück für Stück fällt diese Maske, und Brühl verkörpert diese Wandlung glaubwürdig. Und Peter Kurth ist als sein fast schon meditativ ruhiges und allwissendes Gegenüber ein ebenbürtiger Sparringspartner. Mit all seiner Kraft und Größe, die Kurth schon in so vielen Rollen unter Beweis stellen konnte, bleibt sein Bruno den ganzen Film über ein sphinxartiges Rätsel.“ (FBW)

„Das Drehbuch von NEBENAN hat Daniel Kehlmann geschrieben und es ist so gut, dass man jeden Satz, jede Geste von Daniel beschreiben möchte: Wie er durch dieses erzbodenständige Terrain schreitet und glaubt es dominieren zu können mit seiner Business-Straffheit, seinen englischen Telefonaten mit Hollywood-Agentinnen und der Kumpelei mit der Altostberliner Wirtin. Daniel ist nämlich auch das: ein Klischee-Wessi, der alles dafür tut, nicht als solcher gesehen zu werden.“ (Kathleen Hildebrand, sueddeutsche.de)

 

Nebenan
Mi 11.08.

Augstākā tiesa / Высший суд (The Last Judgement), OmeU – mit Vorfilm

Herz Frank
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Augstākā tiesa / Высший суд (The Last Judgement)

SU (lett. SSR) 1987, 68 min, russische Originalfassung mit engl. UT

VORFILM: Varjoja Radalla (Schatten auf den Schienen)

Regie: Herz Frank

Am 26. Mai 1984 wurde in Riga ein Verbrechen begangen, das die ganze Stadt in Aufruhr versetzte. Busilina, eine bekannte Gewerkschaftsführerin, wurde in ihrem Haus zusammen mit einem Freund erschossen. Der Mörder wurde schnell gefasst und zum Tode verurteilt. Er ist die Hauptfigur dieses synkopisch strukturierten Films und der unerbittlichen Auseinandersetzung mit der moralischen Frage der Todesstrafe. Im Grunde genommen gleicht der von Dolgow, dem Verurteilten, eingeschlagene Weg vielen anderen. Das in Plattenbauten aufgewachsene Kind war schon sehr früh auf sich allein gestellt, kam mit dem Schwarzmarkt und durch Spekulation in Berührung und tat schließlich den alles entscheidenden Schritt in Richtung Verbrechen. Warum? Es gelingt ihm nicht eine klare Antwort zu geben, aber das ist nicht unbedingt das Wesentliche. (Visions du Réel 1987)

In seinem stark gesellschaftskritischen Film THE LAST JUDGEMENT / DER OBERSTE GERICHT (1987) begleitet der lettische Dokumentarist Herz Frank die verbliebene Lebenszeit eines wegen Doppelmordes zum Tod verurteilten jungen Mannes. Ohne die Übeltat rechtfertigen zu wollen, hinterfragt der Regisseur, inwieweit die Todesstrafe von gesellschaftlichem Nutzen in Bezug auf die Vorbeugung von Kriminaltaten sei bzw. zu welchem Grad die Erziehung und die gesellschaftlichen Bedingungen zur Entwicklung von individuellem Fehlverhalten beitragen können. Mit dem Thema der sowjetischen Straf- und Besserungspolitik hatte sich Herz Frank – einer der Mitbegründer der Rigaer Schule des poetischen Dokumentarfilms – bereits in den 1970er Jahren auseinandergesetzt. In einem in der Zeit entstandenen Dokumentarfilm – SAPRETNAJA SONA / DIE VERBOTENE ZONE (1975) porträtierte er einige Jugendliche, die ihre Strafe wegen Diebstahls oder Rowdytums in einer Besserungsanstalt absaßen. Der Film war nicht offensichtlich subversiv, offenbarte dennoch Schattenseiten der Umerziehungspolitik, die in der Öffentlichkeit vorher immer tabuisiert worden waren. Während der Film in Lettland in den Kinos laufen durfte, wurde er in Russland nur in geschlossenen Kreisen gezeigt. So z.B. an der Moskauer Filmhochschule WGIK, wo er allerdings nicht als Dokumentarfilm, sondern als Spielfilm ausgegeben wurde.

„Ich wage nicht darüber zu urteilen, ob eine Gesellschaft des entwickelten Sozialismus die Todesstrafe braucht. Ich habe nicht die Kühnheit, Vorschläge zur Durchführung der Todesstrafe zu machen. Doch eines kann ich mit Bestimmtheit sagen: Das, was mit Dolgov geschieht, erniedrigt unsere Gesellschaft insgesamt. Und wir sind dem Regisseur dankbar für diese aufrüttelnde filmische Ohrfeige, die uns vielleicht wenigstens teilweise das Gefühl der Selbstachtung und elementarer Menschlichkeit wiedergibt.“ (R. Viksninš, Rigas Balss, 15.07.1987)

Augstākā tiesa / Высший суд (The Last Judgement), OmeU – mit Vorfilm
Mi 11.08.

VORFILM: Varjoja Radalla / Shadows On The Rails (Schatten auf den Schienen), OmdU

Elias Kahla
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Varjoja Radalla (Schatten auf den Schienen)

Finnland 2021, 22 min, finnische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Elias Kahla

SHADOWS ON THE RAILS begleitet den Wochenendausflug einer Gruppe Lokführer: Bowling, Angeln, Sauna, Biertrinken in idyllischer Naturkulisse. Doch die scheinbar unbekümmert, fröhliche Männerrunde vereint eine tragische Erfahrung. Sie alle haben mit Zügen schon unfreiwillig Menschen überrollt. Behutsam fängt der Film die Gespräche der vier Männer ein, die es dank therapeutischer Unterstützung und dem Austausch mit anderen Betroffenen langsam geschafft haben, aus dem Kreislauf von Sprachlosigkeit, Wut, Ohnmacht- und Schuldgefühlen herauszufinden.

VORFILM: Varjoja Radalla / Shadows On The Rails (Schatten auf den Schienen), OmdU
Mi 11.08.

Nebenan

Daniel Brühl
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Nebenan

Deutschland 2021, 92 min, deutsche Originalfassung

Regie: Daniel Brühl

Daniel, vielbeschäftigter Filmschauspieler, führt ein Jetset-Leben. Die Luxuswohnung in Berlin-Prenzlauer Berg dient als Basis für ihn und seine deutsch-spanische Familie. Auf dem Weg nach London zu einem wichtigen Vorsprechen macht er kurz Halt in der Kneipe um die Ecke. Über seine Kopfhörer telefoniert er mit seinem Agenten, läuft dabei mechanisch hin und her und bestellt nonchalant einen Kaffee. Mit seiner aalglatten Art, dem gestriegelten Anzug und seinen Telefongesprächen auf Englisch wirkt er fehl am Platz. Außer ihm sind noch zwei andere Gäste da. Der eine, bereits betrunken, sabbert vor sich hin, den Kopf auf die Arme gelegt. Der zweite hört ihm aber ganz genau zu. Und schon bald stellen die beiden fest, dass sie Nachbarn sind. (kino-zeit.de)

„Als der Schauspieler Daniel kurz vor einem Casting in seiner Stammkneipe noch auf einen Kaffee hereinschaut, ahnt er noch nicht, was ihn erwartet. Denn der Mann, der sich zu ihm setzt, weiß scheinbar alles über ihn. Und was als unschuldiges Geplänkel beginnt, entwickelt sich schon bald zu einem irrwitzigen Katz- und Maus-Spiel. Unter der Oberfläche pointierter Dialoge behandelt das Regiedebüt von Daniel Brühl hochrelevante Themen und hält als kluge Milieustudie der künstlerisch intellektuellen Arroganz einen bitterbös reflektierenden Spiegel vor.

Mit der Figur des Schauspielers Daniel und des Ur-Berliners Bruno lassen Regisseur Brühl und Drehbuchautor Kehlmann zwei Archetypen in einem Katz- und Maus-Kammerspiel gegeneinander antreten. Und auch wenn die Stimmung bis zum Bersten angespannt ist, so ist doch das Hin und Her zwischen beiden Protagonisten ein leichtes und hoch amüsantes Vergnügen. Nicht nur sind die Dialoge mit einem großen Gespür für Timing und Effizienz gesetzt. Es liegt auch und vor allen Dingen an dem lustvollen Spiel von Peter Kurth und Daniel Brühl, dass NEBENAN nicht eine Minute zu lang erscheint. Brühl ist mutig genug, seine eigene Persona mit der Maske des blasierten und in anderen Atmosphären schwebenden Künstlers zu vermischen, der behauptet, die urige Stammkneipe sei ihm, genau wie das Haus, für dessen Penthouse er sich einen eigenen Lift einbauen ließ, ja so sehr ans Herz gewachsen. Stück für Stück fällt diese Maske, und Brühl verkörpert diese Wandlung glaubwürdig. Und Peter Kurth ist als sein fast schon meditativ ruhiges und allwissendes Gegenüber ein ebenbürtiger Sparringspartner. Mit all seiner Kraft und Größe, die Kurth schon in so vielen Rollen unter Beweis stellen konnte, bleibt sein Bruno den ganzen Film über ein sphinxartiges Rätsel.“ (FBW)

„Das Drehbuch von NEBENAN hat Daniel Kehlmann geschrieben und es ist so gut, dass man jeden Satz, jede Geste von Daniel beschreiben möchte: Wie er durch dieses erzbodenständige Terrain schreitet und glaubt es dominieren zu können mit seiner Business-Straffheit, seinen englischen Telefonaten mit Hollywood-Agentinnen und der Kumpelei mit der Altostberliner Wirtin. Daniel ist nämlich auch das: ein Klischee-Wessi, der alles dafür tut, nicht als solcher gesehen zu werden.“ (Kathleen Hildebrand, sueddeutsche.de)

 

Do 12.08.

Nebenan

Daniel Brühl
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Nebenan

Deutschland 2021, 92 min, deutsche Originalfassung

Regie: Daniel Brühl

Daniel, vielbeschäftigter Filmschauspieler, führt ein Jetset-Leben. Die Luxuswohnung in Berlin-Prenzlauer Berg dient als Basis für ihn und seine deutsch-spanische Familie. Auf dem Weg nach London zu einem wichtigen Vorsprechen macht er kurz Halt in der Kneipe um die Ecke. Über seine Kopfhörer telefoniert er mit seinem Agenten, läuft dabei mechanisch hin und her und bestellt nonchalant einen Kaffee. Mit seiner aalglatten Art, dem gestriegelten Anzug und seinen Telefongesprächen auf Englisch wirkt er fehl am Platz. Außer ihm sind noch zwei andere Gäste da. Der eine, bereits betrunken, sabbert vor sich hin, den Kopf auf die Arme gelegt. Der zweite hört ihm aber ganz genau zu. Und schon bald stellen die beiden fest, dass sie Nachbarn sind. (kino-zeit.de)

„Als der Schauspieler Daniel kurz vor einem Casting in seiner Stammkneipe noch auf einen Kaffee hereinschaut, ahnt er noch nicht, was ihn erwartet. Denn der Mann, der sich zu ihm setzt, weiß scheinbar alles über ihn. Und was als unschuldiges Geplänkel beginnt, entwickelt sich schon bald zu einem irrwitzigen Katz- und Maus-Spiel. Unter der Oberfläche pointierter Dialoge behandelt das Regiedebüt von Daniel Brühl hochrelevante Themen und hält als kluge Milieustudie der künstlerisch intellektuellen Arroganz einen bitterbös reflektierenden Spiegel vor.

Mit der Figur des Schauspielers Daniel und des Ur-Berliners Bruno lassen Regisseur Brühl und Drehbuchautor Kehlmann zwei Archetypen in einem Katz- und Maus-Kammerspiel gegeneinander antreten. Und auch wenn die Stimmung bis zum Bersten angespannt ist, so ist doch das Hin und Her zwischen beiden Protagonisten ein leichtes und hoch amüsantes Vergnügen. Nicht nur sind die Dialoge mit einem großen Gespür für Timing und Effizienz gesetzt. Es liegt auch und vor allen Dingen an dem lustvollen Spiel von Peter Kurth und Daniel Brühl, dass NEBENAN nicht eine Minute zu lang erscheint. Brühl ist mutig genug, seine eigene Persona mit der Maske des blasierten und in anderen Atmosphären schwebenden Künstlers zu vermischen, der behauptet, die urige Stammkneipe sei ihm, genau wie das Haus, für dessen Penthouse er sich einen eigenen Lift einbauen ließ, ja so sehr ans Herz gewachsen. Stück für Stück fällt diese Maske, und Brühl verkörpert diese Wandlung glaubwürdig. Und Peter Kurth ist als sein fast schon meditativ ruhiges und allwissendes Gegenüber ein ebenbürtiger Sparringspartner. Mit all seiner Kraft und Größe, die Kurth schon in so vielen Rollen unter Beweis stellen konnte, bleibt sein Bruno den ganzen Film über ein sphinxartiges Rätsel.“ (FBW)

„Das Drehbuch von NEBENAN hat Daniel Kehlmann geschrieben und es ist so gut, dass man jeden Satz, jede Geste von Daniel beschreiben möchte: Wie er durch dieses erzbodenständige Terrain schreitet und glaubt es dominieren zu können mit seiner Business-Straffheit, seinen englischen Telefonaten mit Hollywood-Agentinnen und der Kumpelei mit der Altostberliner Wirtin. Daniel ist nämlich auch das: ein Klischee-Wessi, der alles dafür tut, nicht als solcher gesehen zu werden.“ (Kathleen Hildebrand, sueddeutsche.de)

 

Do 12.08.

VORFILM: Varjoja Radalla / Shadows On The Rails (Schatten auf den Schienen), OmdU

Elias Kahla
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Varjoja Radalla (Schatten auf den Schienen)

Finnland 2021, 22 min, finnische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Elias Kahla

SHADOWS ON THE RAILS begleitet den Wochenendausflug einer Gruppe Lokführer: Bowling, Angeln, Sauna, Biertrinken in idyllischer Naturkulisse. Doch die scheinbar unbekümmert, fröhliche Männerrunde vereint eine tragische Erfahrung. Sie alle haben mit Zügen schon unfreiwillig Menschen überrollt. Behutsam fängt der Film die Gespräche der vier Männer ein, die es dank therapeutischer Unterstützung und dem Austausch mit anderen Betroffenen langsam geschafft haben, aus dem Kreislauf von Sprachlosigkeit, Wut, Ohnmacht- und Schuldgefühlen herauszufinden.

VORFILM: Varjoja Radalla / Shadows On The Rails (Schatten auf den Schienen), OmdU
Do 12.08.

Crime and Punishment (Rikos ja rangaistus), OmdU – mit Vorfilm

Aki Kaurismäki
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Rikos ja rangaistus (Crime and Punishment)

Finnland 1983, 92 min, finnische Originalfassung mit deutschen UT

„Wer ein Gewissen hat, soll leiden, wenn er seine Schuld bekennt. Er soll leiden, wenn er Mitleid mit dem Opfer empfindet. Das ist seine Strafe“ (Filmzitat)

Regie: Aki Kaurismäki

CRIME AND PUNISHMENT ist eine Adaption des Klassikers „Schuld und Sühne” von Fjodor Dostojewski, angesiedelt im modernen Helsinki. Rahikanen, ehemaliger Jura-Student und jetzt Arbeiter in einer Schlachterei, begeht einen kaltblütigen Mord. Das Motiv scheint Rache, in Wahrheit ist es nur Verachtung. Vollkommen indifferent steht der Täter dem sich immer dichter schließenden Netz gegenüber, das ein kluger Inspektor ausgeworfen hat.

Nur einer jungen Frau, die zufällig Zeugin der Tat wurde, gelingt es, sich ihm zu nähern. Die Hauptfigur in Aki Kaurismäkis Regie-Erstling bewegt sich zwischen den verwirrten jungen Männern Dostojewskis und den traumwandelnd Suchenden Bressons, dessen Film „Pickpocket” Kaurismäki in seiner Schluss-Sequenz zitiert. „Eine Hommage an die goldenen Zeiten, als ein Mord für einen Kriminalfilm noch ausreichte.” (Aki Kaurismäki)

„In einer Fleischfabrik beginnt Kaurismäkis Erstling, mit einem Blick in eine kalte Hölle, wo der Tod so nah und doch so fern ist. Im Grunde fühlen sich die Helden des Finnen wie Rinderhälften, die leblos den Weg allen Fleisches gehen. In dieser Welt ohne Mitleid besitzt der Tod keinen Schrecken mehr und das Leben keine Hoffnung. Es kann allerdings sein, dass eine Frau auftaucht, die die Helden aus ihrer Hölle erlöst.“ (Michael Althen, SZ 27.06.1992)

Crime and Punishment (Rikos ja rangaistus), OmdU – mit Vorfilm
Fr 13.08.

Nebenan

Daniel Brühl
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Nebenan

Deutschland 2021, 92 min, deutsche Originalfassung

Regie: Daniel Brühl

Daniel, vielbeschäftigter Filmschauspieler, führt ein Jetset-Leben. Die Luxuswohnung in Berlin-Prenzlauer Berg dient als Basis für ihn und seine deutsch-spanische Familie. Auf dem Weg nach London zu einem wichtigen Vorsprechen macht er kurz Halt in der Kneipe um die Ecke. Über seine Kopfhörer telefoniert er mit seinem Agenten, läuft dabei mechanisch hin und her und bestellt nonchalant einen Kaffee. Mit seiner aalglatten Art, dem gestriegelten Anzug und seinen Telefongesprächen auf Englisch wirkt er fehl am Platz. Außer ihm sind noch zwei andere Gäste da. Der eine, bereits betrunken, sabbert vor sich hin, den Kopf auf die Arme gelegt. Der zweite hört ihm aber ganz genau zu. Und schon bald stellen die beiden fest, dass sie Nachbarn sind. (kino-zeit.de)

„Als der Schauspieler Daniel kurz vor einem Casting in seiner Stammkneipe noch auf einen Kaffee hereinschaut, ahnt er noch nicht, was ihn erwartet. Denn der Mann, der sich zu ihm setzt, weiß scheinbar alles über ihn. Und was als unschuldiges Geplänkel beginnt, entwickelt sich schon bald zu einem irrwitzigen Katz- und Maus-Spiel. Unter der Oberfläche pointierter Dialoge behandelt das Regiedebüt von Daniel Brühl hochrelevante Themen und hält als kluge Milieustudie der künstlerisch intellektuellen Arroganz einen bitterbös reflektierenden Spiegel vor.

Mit der Figur des Schauspielers Daniel und des Ur-Berliners Bruno lassen Regisseur Brühl und Drehbuchautor Kehlmann zwei Archetypen in einem Katz- und Maus-Kammerspiel gegeneinander antreten. Und auch wenn die Stimmung bis zum Bersten angespannt ist, so ist doch das Hin und Her zwischen beiden Protagonisten ein leichtes und hoch amüsantes Vergnügen. Nicht nur sind die Dialoge mit einem großen Gespür für Timing und Effizienz gesetzt. Es liegt auch und vor allen Dingen an dem lustvollen Spiel von Peter Kurth und Daniel Brühl, dass NEBENAN nicht eine Minute zu lang erscheint. Brühl ist mutig genug, seine eigene Persona mit der Maske des blasierten und in anderen Atmosphären schwebenden Künstlers zu vermischen, der behauptet, die urige Stammkneipe sei ihm, genau wie das Haus, für dessen Penthouse er sich einen eigenen Lift einbauen ließ, ja so sehr ans Herz gewachsen. Stück für Stück fällt diese Maske, und Brühl verkörpert diese Wandlung glaubwürdig. Und Peter Kurth ist als sein fast schon meditativ ruhiges und allwissendes Gegenüber ein ebenbürtiger Sparringspartner. Mit all seiner Kraft und Größe, die Kurth schon in so vielen Rollen unter Beweis stellen konnte, bleibt sein Bruno den ganzen Film über ein sphinxartiges Rätsel.“ (FBW)

„Das Drehbuch von NEBENAN hat Daniel Kehlmann geschrieben und es ist so gut, dass man jeden Satz, jede Geste von Daniel beschreiben möchte: Wie er durch dieses erzbodenständige Terrain schreitet und glaubt es dominieren zu können mit seiner Business-Straffheit, seinen englischen Telefonaten mit Hollywood-Agentinnen und der Kumpelei mit der Altostberliner Wirtin. Daniel ist nämlich auch das: ein Klischee-Wessi, der alles dafür tut, nicht als solcher gesehen zu werden.“ (Kathleen Hildebrand, sueddeutsche.de)

 

Nebenan
Fr 13.08.

Crime and Punishment (Rikos ja rangaistus), OmdU

Aki Kaurismäki
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Rikos ja rangaistus (Crime and Punishment)

Finnland 1983, 92 min, finnische Originalfassung mit deutschen UT

„Wer ein Gewissen hat, soll leiden, wenn er seine Schuld bekennt. Er soll leiden, wenn er Mitleid mit dem Opfer empfindet. Das ist seine Strafe“ (Filmzitat)

Regie: Aki Kaurismäki

CRIME AND PUNISHMENT ist eine Adaption des Klassikers „Schuld und Sühne” von Fjodor Dostojewski, angesiedelt im modernen Helsinki. Rahikanen, ehemaliger Jura-Student und jetzt Arbeiter in einer Schlachterei, begeht einen kaltblütigen Mord. Das Motiv scheint Rache, in Wahrheit ist es nur Verachtung. Vollkommen indifferent steht der Täter dem sich immer dichter schließenden Netz gegenüber, das ein kluger Inspektor ausgeworfen hat.

Nur einer jungen Frau, die zufällig Zeugin der Tat wurde, gelingt es, sich ihm zu nähern. Die Hauptfigur in Aki Kaurismäkis Regie-Erstling bewegt sich zwischen den verwirrten jungen Männern Dostojewskis und den traumwandelnd Suchenden Bressons, dessen Film „Pickpocket” Kaurismäki in seiner Schluss-Sequenz zitiert. „Eine Hommage an die goldenen Zeiten, als ein Mord für einen Kriminalfilm noch ausreichte.” (Aki Kaurismäki)

„In einer Fleischfabrik beginnt Kaurismäkis Erstling, mit einem Blick in eine kalte Hölle, wo der Tod so nah und doch so fern ist. Im Grunde fühlen sich die Helden des Finnen wie Rinderhälften, die leblos den Weg allen Fleisches gehen. In dieser Welt ohne Mitleid besitzt der Tod keinen Schrecken mehr und das Leben keine Hoffnung. Es kann allerdings sein, dass eine Frau auftaucht, die die Helden aus ihrer Hölle erlöst.“ (Michael Althen, SZ 27.06.1992)

Crime and Punishment (Rikos ja rangaistus), OmdU
Fr 13.08.

Nebenan

Daniel Brühl
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Nebenan

Deutschland 2021, 92 min, deutsche Originalfassung

Regie: Daniel Brühl

Daniel, vielbeschäftigter Filmschauspieler, führt ein Jetset-Leben. Die Luxuswohnung in Berlin-Prenzlauer Berg dient als Basis für ihn und seine deutsch-spanische Familie. Auf dem Weg nach London zu einem wichtigen Vorsprechen macht er kurz Halt in der Kneipe um die Ecke. Über seine Kopfhörer telefoniert er mit seinem Agenten, läuft dabei mechanisch hin und her und bestellt nonchalant einen Kaffee. Mit seiner aalglatten Art, dem gestriegelten Anzug und seinen Telefongesprächen auf Englisch wirkt er fehl am Platz. Außer ihm sind noch zwei andere Gäste da. Der eine, bereits betrunken, sabbert vor sich hin, den Kopf auf die Arme gelegt. Der zweite hört ihm aber ganz genau zu. Und schon bald stellen die beiden fest, dass sie Nachbarn sind. (kino-zeit.de)

„Als der Schauspieler Daniel kurz vor einem Casting in seiner Stammkneipe noch auf einen Kaffee hereinschaut, ahnt er noch nicht, was ihn erwartet. Denn der Mann, der sich zu ihm setzt, weiß scheinbar alles über ihn. Und was als unschuldiges Geplänkel beginnt, entwickelt sich schon bald zu einem irrwitzigen Katz- und Maus-Spiel. Unter der Oberfläche pointierter Dialoge behandelt das Regiedebüt von Daniel Brühl hochrelevante Themen und hält als kluge Milieustudie der künstlerisch intellektuellen Arroganz einen bitterbös reflektierenden Spiegel vor.

Mit der Figur des Schauspielers Daniel und des Ur-Berliners Bruno lassen Regisseur Brühl und Drehbuchautor Kehlmann zwei Archetypen in einem Katz- und Maus-Kammerspiel gegeneinander antreten. Und auch wenn die Stimmung bis zum Bersten angespannt ist, so ist doch das Hin und Her zwischen beiden Protagonisten ein leichtes und hoch amüsantes Vergnügen. Nicht nur sind die Dialoge mit einem großen Gespür für Timing und Effizienz gesetzt. Es liegt auch und vor allen Dingen an dem lustvollen Spiel von Peter Kurth und Daniel Brühl, dass NEBENAN nicht eine Minute zu lang erscheint. Brühl ist mutig genug, seine eigene Persona mit der Maske des blasierten und in anderen Atmosphären schwebenden Künstlers zu vermischen, der behauptet, die urige Stammkneipe sei ihm, genau wie das Haus, für dessen Penthouse er sich einen eigenen Lift einbauen ließ, ja so sehr ans Herz gewachsen. Stück für Stück fällt diese Maske, und Brühl verkörpert diese Wandlung glaubwürdig. Und Peter Kurth ist als sein fast schon meditativ ruhiges und allwissendes Gegenüber ein ebenbürtiger Sparringspartner. Mit all seiner Kraft und Größe, die Kurth schon in so vielen Rollen unter Beweis stellen konnte, bleibt sein Bruno den ganzen Film über ein sphinxartiges Rätsel.“ (FBW)

„Das Drehbuch von NEBENAN hat Daniel Kehlmann geschrieben und es ist so gut, dass man jeden Satz, jede Geste von Daniel beschreiben möchte: Wie er durch dieses erzbodenständige Terrain schreitet und glaubt es dominieren zu können mit seiner Business-Straffheit, seinen englischen Telefonaten mit Hollywood-Agentinnen und der Kumpelei mit der Altostberliner Wirtin. Daniel ist nämlich auch das: ein Klischee-Wessi, der alles dafür tut, nicht als solcher gesehen zu werden.“ (Kathleen Hildebrand, sueddeutsche.de)

 

Sa 14.08.

Grenzland (Pogranicze), OmdU

Andreas Voigt
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Grenzland

Deutschland / Polen 2020, 100 min, Englisch | Deutsch | Polnisch mit deutschen UT

Regie: Andreas Voigt

Eine Reise entlang der Oder und der Neiße, entlang der deutsch polnischen Grenze. Begegnungen auf beiden Seiten der Flüsse. Erkundungen. Geschichten vom Rand – doch aus der Mitte Europas. Arbeit, Heimat, Liebe. Menschen, ihre Geschichte und ihre Landschaft. Im Süden Niederschlesien – dort, wo Polen Deutschland und Tschechien einander treffen, in der Mitte das flache Land an der Oder, im Norden, das Stettiner Haff. Eine Reise im Grenzland.

Bewegungen und Geschichten im Grenzland zwischen Polen und Deutschland – mit seinem neuen Film knüpft Andreas Voigt thematisch an seine Arbeit Grenzland – Eine Reise von 1992 an.

„Das aufgeladene Wort ‚Heimat‘ treibt sein (Un-)wesen in den Köpfen und Herzen der Leute: was sie einmal war und was aus ihr geworden ist! Sicher, in der täglichen Agenda hat das nicht oberste Priorität. Aber wie Menschen dieses Wort besetzen und wie das wiederum ihre Haltungen strukturiert, das bestimmt auch, wie sie sich selbst den Geschmack des Lebens im Hier und Jetzt von Europa zusammenreimen.“ (Ralph Eue, DOK Leipzig 2020)

Sa 14.08.

Nebenan

Daniel Brühl
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Nebenan

Deutschland 2021, 92 min, deutsche Originalfassung

Regie: Daniel Brühl

Daniel, vielbeschäftigter Filmschauspieler, führt ein Jetset-Leben. Die Luxuswohnung in Berlin-Prenzlauer Berg dient als Basis für ihn und seine deutsch-spanische Familie. Auf dem Weg nach London zu einem wichtigen Vorsprechen macht er kurz Halt in der Kneipe um die Ecke. Über seine Kopfhörer telefoniert er mit seinem Agenten, läuft dabei mechanisch hin und her und bestellt nonchalant einen Kaffee. Mit seiner aalglatten Art, dem gestriegelten Anzug und seinen Telefongesprächen auf Englisch wirkt er fehl am Platz. Außer ihm sind noch zwei andere Gäste da. Der eine, bereits betrunken, sabbert vor sich hin, den Kopf auf die Arme gelegt. Der zweite hört ihm aber ganz genau zu. Und schon bald stellen die beiden fest, dass sie Nachbarn sind. (kino-zeit.de)

„Als der Schauspieler Daniel kurz vor einem Casting in seiner Stammkneipe noch auf einen Kaffee hereinschaut, ahnt er noch nicht, was ihn erwartet. Denn der Mann, der sich zu ihm setzt, weiß scheinbar alles über ihn. Und was als unschuldiges Geplänkel beginnt, entwickelt sich schon bald zu einem irrwitzigen Katz- und Maus-Spiel. Unter der Oberfläche pointierter Dialoge behandelt das Regiedebüt von Daniel Brühl hochrelevante Themen und hält als kluge Milieustudie der künstlerisch intellektuellen Arroganz einen bitterbös reflektierenden Spiegel vor.

Mit der Figur des Schauspielers Daniel und des Ur-Berliners Bruno lassen Regisseur Brühl und Drehbuchautor Kehlmann zwei Archetypen in einem Katz- und Maus-Kammerspiel gegeneinander antreten. Und auch wenn die Stimmung bis zum Bersten angespannt ist, so ist doch das Hin und Her zwischen beiden Protagonisten ein leichtes und hoch amüsantes Vergnügen. Nicht nur sind die Dialoge mit einem großen Gespür für Timing und Effizienz gesetzt. Es liegt auch und vor allen Dingen an dem lustvollen Spiel von Peter Kurth und Daniel Brühl, dass NEBENAN nicht eine Minute zu lang erscheint. Brühl ist mutig genug, seine eigene Persona mit der Maske des blasierten und in anderen Atmosphären schwebenden Künstlers zu vermischen, der behauptet, die urige Stammkneipe sei ihm, genau wie das Haus, für dessen Penthouse er sich einen eigenen Lift einbauen ließ, ja so sehr ans Herz gewachsen. Stück für Stück fällt diese Maske, und Brühl verkörpert diese Wandlung glaubwürdig. Und Peter Kurth ist als sein fast schon meditativ ruhiges und allwissendes Gegenüber ein ebenbürtiger Sparringspartner. Mit all seiner Kraft und Größe, die Kurth schon in so vielen Rollen unter Beweis stellen konnte, bleibt sein Bruno den ganzen Film über ein sphinxartiges Rätsel.“ (FBW)

„Das Drehbuch von NEBENAN hat Daniel Kehlmann geschrieben und es ist so gut, dass man jeden Satz, jede Geste von Daniel beschreiben möchte: Wie er durch dieses erzbodenständige Terrain schreitet und glaubt es dominieren zu können mit seiner Business-Straffheit, seinen englischen Telefonaten mit Hollywood-Agentinnen und der Kumpelei mit der Altostberliner Wirtin. Daniel ist nämlich auch das: ein Klischee-Wessi, der alles dafür tut, nicht als solcher gesehen zu werden.“ (Kathleen Hildebrand, sueddeutsche.de)

 

Sa 14.08.

Bad Luck Banging or Loony Porn (Babardeală cu bucluc sau porno balamuc), OmdU

Radu Jude
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Bad Luck Banging or Loony Porn (Babardeală cu bucluc sau porno balamuc)                                              Goldener Bär 2021

Rumänien/ L/ CZ/ KH 2021, 106 min, rumänische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Radu Jude

Lustvoll, zügellos, explizit: Emi und ihr Mann haben großartigen und ausschweifenden Sex. Leider auch auf Video. Ihr sehr privater Pornofilm gerät irgendwie ins Internet und geht viral. Weil Emi eine Lehrerin an einer renommierten Schule ist, haben darüber sehr viele Leute eine Meinung. Wahrheitsgrad egal, Begründung überflüssig. Von moralisch empört über aggressiv anklagend bis vulgär beleidigend ist alles dabei. Emi muss antreten zu einem Elternabend der besonderen Art. Sie macht sich auf den Weg durch die groteske Alltagsbrutalität auf den Straßen von Bukarest. Über diesen Porno möchte seltsamerweise niemand einen Shitstorm verbreiten. In der Hoffnung auf eine Verbündete stattet Emi der Schuldirektorin einen Besuch ab – doch weit gefehlt. Man muss doch den Eltern die Gelegenheit zur Aussprache geben. Doch die „Debatte“ gerät zum Tribunal – über konsensualen Sex, Pornografie, die Nazis, Wahrheit, Bildungstheorie und vieles mehr. Emi verlebt einen wahrlich schrillen Abend zwischen archaischen Affekten und manischem Meinungsfuror. Die Lehrerin wird plötzlich nicht nur für ihr Sexleben verantwortlich gemacht, sondern auch für die rumänische Geschichte des 20. Jahrhunderts, die Psychologie der Kinder im Allgemeinen und für die Emanzipation sowieso natürlich auch. Die Moral der Elternschicht? Man ist sich einig, dass man in Kürze bald wieder anderer Meinung sein wird. Ein Goldener Bär für ein überwältigendes Meisterwerk: BAD LUCK BANGING OR LOONY PORN von Radu Jude ist glückliches Fragment, Enzyklopädie unserer Zeit und die gnadenlose Versuchsanordnung einer völlig zersplitterten Gemeinschaft, die nur noch in der Feindseligkeit zusammenfinden kann. Radu Jude treibt den Irrwitz auf die Spitze und lässt uns erahnen, zu welch bitterböser Farce unsere Zeit geworden ist, die man den Untergang der Demokratie nennen könnte. Eine filmische Erfahrung zwischen totaler Finsternis und grell erleuchteter Humorzone.

BAD LUCK BANGING OR LOONY PORN ist bestimmt kein perfekter Film — zu deutlich trägt er (nicht ohne Stolz) das Skizzenhafte und Improvisierte, das auch seinen Zeitpunkt des Entstehens im Sommer 2020 inmitten einer Pandemie nicht schamvoll verschweigt, sondern vielmehr geschickt mit einbaut, vor sich her und stellt es aus. Einen ‚Entwurf für einen populären Film‘ nennt Radu Jude selbst diesen räudigen Bastard von einem Film — und trifft damit genau das Lebensgefühl vieler Menschen zu Zeiten einer Pandemie: Es ist gerade nicht die Zeit für das über alles erhabene Meisterwerk. Zu brüchig und fragil ist diese Welt gerade geworden, zu fragwürdig sind ihre Grundlagen, zu morsch ihre Pfeiler, auf denen sie eigentlich ruhen sollte. Und wenn diese Welt gerade in ihre Bestandteile zerfällt, dann sind Improvisation und Wut auf die bestehenden Verhältnisse sicherlich nicht die schlechtesten Begleiter in dem anstehenden Überlebenskampf. Denn wie anders lässt sich dem Wahnsinn der Welt da draußen sonst noch begegnen? Und vermutlich liegt gerade hierin die große Meisterschaft dieses wüsten Films — dies zu erkennen und so unverblümt, wild und frei auf die ‚Leinwand‘ zu bringen. Selbst wenn diese wie im Falle der gerade stattfindenden Online-Berlinale nur aus einem kleinen Computerscreen besteht. Radu Judes Film besitzt jedenfalls die Kraft, dies für eine Stunde und 46 Minuten vergessen zu machen.“ (Joachim Kurz, kino-zeit.de)

„Radu Judes Berlinale-Gewinner über das Verhältnis von Pornos und posttotalitärer Gesellschaft lässt sich auch vor dem Hintergrund dieser besessenen Formensuche verstehen: als streckenweise wild montierter ‚Skizzenfilm‘ (Radu Jude), eine symbolische Demaskierung unter Corona-Bedingungen.“ (Katja Nicodemus, DIE ZEIT Nr. 11/2021)

 

Sa 14.08.

Nebenan

Daniel Brühl
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Nebenan

Deutschland 2021, 92 min, deutsche Originalfassung

Regie: Daniel Brühl

Daniel, vielbeschäftigter Filmschauspieler, führt ein Jetset-Leben. Die Luxuswohnung in Berlin-Prenzlauer Berg dient als Basis für ihn und seine deutsch-spanische Familie. Auf dem Weg nach London zu einem wichtigen Vorsprechen macht er kurz Halt in der Kneipe um die Ecke. Über seine Kopfhörer telefoniert er mit seinem Agenten, läuft dabei mechanisch hin und her und bestellt nonchalant einen Kaffee. Mit seiner aalglatten Art, dem gestriegelten Anzug und seinen Telefongesprächen auf Englisch wirkt er fehl am Platz. Außer ihm sind noch zwei andere Gäste da. Der eine, bereits betrunken, sabbert vor sich hin, den Kopf auf die Arme gelegt. Der zweite hört ihm aber ganz genau zu. Und schon bald stellen die beiden fest, dass sie Nachbarn sind. (kino-zeit.de)

„Als der Schauspieler Daniel kurz vor einem Casting in seiner Stammkneipe noch auf einen Kaffee hereinschaut, ahnt er noch nicht, was ihn erwartet. Denn der Mann, der sich zu ihm setzt, weiß scheinbar alles über ihn. Und was als unschuldiges Geplänkel beginnt, entwickelt sich schon bald zu einem irrwitzigen Katz- und Maus-Spiel. Unter der Oberfläche pointierter Dialoge behandelt das Regiedebüt von Daniel Brühl hochrelevante Themen und hält als kluge Milieustudie der künstlerisch intellektuellen Arroganz einen bitterbös reflektierenden Spiegel vor.

Mit der Figur des Schauspielers Daniel und des Ur-Berliners Bruno lassen Regisseur Brühl und Drehbuchautor Kehlmann zwei Archetypen in einem Katz- und Maus-Kammerspiel gegeneinander antreten. Und auch wenn die Stimmung bis zum Bersten angespannt ist, so ist doch das Hin und Her zwischen beiden Protagonisten ein leichtes und hoch amüsantes Vergnügen. Nicht nur sind die Dialoge mit einem großen Gespür für Timing und Effizienz gesetzt. Es liegt auch und vor allen Dingen an dem lustvollen Spiel von Peter Kurth und Daniel Brühl, dass NEBENAN nicht eine Minute zu lang erscheint. Brühl ist mutig genug, seine eigene Persona mit der Maske des blasierten und in anderen Atmosphären schwebenden Künstlers zu vermischen, der behauptet, die urige Stammkneipe sei ihm, genau wie das Haus, für dessen Penthouse er sich einen eigenen Lift einbauen ließ, ja so sehr ans Herz gewachsen. Stück für Stück fällt diese Maske, und Brühl verkörpert diese Wandlung glaubwürdig. Und Peter Kurth ist als sein fast schon meditativ ruhiges und allwissendes Gegenüber ein ebenbürtiger Sparringspartner. Mit all seiner Kraft und Größe, die Kurth schon in so vielen Rollen unter Beweis stellen konnte, bleibt sein Bruno den ganzen Film über ein sphinxartiges Rätsel.“ (FBW)

„Das Drehbuch von NEBENAN hat Daniel Kehlmann geschrieben und es ist so gut, dass man jeden Satz, jede Geste von Daniel beschreiben möchte: Wie er durch dieses erzbodenständige Terrain schreitet und glaubt es dominieren zu können mit seiner Business-Straffheit, seinen englischen Telefonaten mit Hollywood-Agentinnen und der Kumpelei mit der Altostberliner Wirtin. Daniel ist nämlich auch das: ein Klischee-Wessi, der alles dafür tut, nicht als solcher gesehen zu werden.“ (Kathleen Hildebrand, sueddeutsche.de)

 

Nebenan
So 15.08.

Nebenan

Daniel Brühl
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Nebenan

Deutschland 2021, 92 min, deutsche Originalfassung

Regie: Daniel Brühl

Daniel, vielbeschäftigter Filmschauspieler, führt ein Jetset-Leben. Die Luxuswohnung in Berlin-Prenzlauer Berg dient als Basis für ihn und seine deutsch-spanische Familie. Auf dem Weg nach London zu einem wichtigen Vorsprechen macht er kurz Halt in der Kneipe um die Ecke. Über seine Kopfhörer telefoniert er mit seinem Agenten, läuft dabei mechanisch hin und her und bestellt nonchalant einen Kaffee. Mit seiner aalglatten Art, dem gestriegelten Anzug und seinen Telefongesprächen auf Englisch wirkt er fehl am Platz. Außer ihm sind noch zwei andere Gäste da. Der eine, bereits betrunken, sabbert vor sich hin, den Kopf auf die Arme gelegt. Der zweite hört ihm aber ganz genau zu. Und schon bald stellen die beiden fest, dass sie Nachbarn sind. (kino-zeit.de)

„Als der Schauspieler Daniel kurz vor einem Casting in seiner Stammkneipe noch auf einen Kaffee hereinschaut, ahnt er noch nicht, was ihn erwartet. Denn der Mann, der sich zu ihm setzt, weiß scheinbar alles über ihn. Und was als unschuldiges Geplänkel beginnt, entwickelt sich schon bald zu einem irrwitzigen Katz- und Maus-Spiel. Unter der Oberfläche pointierter Dialoge behandelt das Regiedebüt von Daniel Brühl hochrelevante Themen und hält als kluge Milieustudie der künstlerisch intellektuellen Arroganz einen bitterbös reflektierenden Spiegel vor.

Mit der Figur des Schauspielers Daniel und des Ur-Berliners Bruno lassen Regisseur Brühl und Drehbuchautor Kehlmann zwei Archetypen in einem Katz- und Maus-Kammerspiel gegeneinander antreten. Und auch wenn die Stimmung bis zum Bersten angespannt ist, so ist doch das Hin und Her zwischen beiden Protagonisten ein leichtes und hoch amüsantes Vergnügen. Nicht nur sind die Dialoge mit einem großen Gespür für Timing und Effizienz gesetzt. Es liegt auch und vor allen Dingen an dem lustvollen Spiel von Peter Kurth und Daniel Brühl, dass NEBENAN nicht eine Minute zu lang erscheint. Brühl ist mutig genug, seine eigene Persona mit der Maske des blasierten und in anderen Atmosphären schwebenden Künstlers zu vermischen, der behauptet, die urige Stammkneipe sei ihm, genau wie das Haus, für dessen Penthouse er sich einen eigenen Lift einbauen ließ, ja so sehr ans Herz gewachsen. Stück für Stück fällt diese Maske, und Brühl verkörpert diese Wandlung glaubwürdig. Und Peter Kurth ist als sein fast schon meditativ ruhiges und allwissendes Gegenüber ein ebenbürtiger Sparringspartner. Mit all seiner Kraft und Größe, die Kurth schon in so vielen Rollen unter Beweis stellen konnte, bleibt sein Bruno den ganzen Film über ein sphinxartiges Rätsel.“ (FBW)

„Das Drehbuch von NEBENAN hat Daniel Kehlmann geschrieben und es ist so gut, dass man jeden Satz, jede Geste von Daniel beschreiben möchte: Wie er durch dieses erzbodenständige Terrain schreitet und glaubt es dominieren zu können mit seiner Business-Straffheit, seinen englischen Telefonaten mit Hollywood-Agentinnen und der Kumpelei mit der Altostberliner Wirtin. Daniel ist nämlich auch das: ein Klischee-Wessi, der alles dafür tut, nicht als solcher gesehen zu werden.“ (Kathleen Hildebrand, sueddeutsche.de)

 

So 15.08.

Anmaßung

Chris Wright & Stefan Kolbe
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Anmaßung

Deutschland 2021, 110 min, deutsche Originalfassung

Regie: Chris Wright, Stefan Kolbe

Wie begegnet man einem Mörder? Stellen sie sich eine solche Begegnung vor. Was fühlen Sie? Können Sie sich auf einen solchen Menschen einlassen? Oder wäre da zwischen Ihnen und ihm immer die Tat? Genauer: Ihre Vorstellung der Tat? Wer beschäftigt sich gern mit einem Verbrecher? Die Macher von ANMASSUNG sehen hin, obwohl sich der Täter Stefan S. entzieht. Ersatz für das abwesende Tätergesicht finden sie, indem sie einer Handpuppe und zwei Handpuppenspielerinnen das Feld überlassen. Hinzu kommen Masken, Spiegelungen und Projektionen. Das Motiv der Fäden und Schnüre hält den Film zusammen, und der Kommentar aus dem Off hat die Courage, die Zweifel am eigenen Tun auszusprechen.

„Was sehen wir, wenn wir nichts sehen können?“ Diese Frage stellt Chris Wright, einer der beiden Regisseure, am Anfang aus dem Off. Es ist eine große Frage, eine, mit der Wright in ein zentrales Dilemma dokumentarischen Filmemachens vordringt. Was man in ANMASSUNG nicht sieht, ist das Gesicht des wichtigsten Akteurs, Stefan S. Er sitzt in einem Brandenburger Gefängnis, lebenslang, Freigang ist möglich, die Entlassung auf Bewährung eine Perspektive, obwohl die Schuld schwer wiegt. Nachdem er sie gestalkt hatte, tötete Stefan S. eine Arbeitskollegin.

„Inhaltlich wie formal ist Stefan Kolbe und Chris Wright mit ANMASSUNG ein dichter Dokumentarfilm gelungen (…). Seine Stärke liegt entschieden in der Komplexität seiner Aussage, die weder in einer naiven Verharmlosung der beschriebenen Straftat noch in einem Pamphlet für strengere Strafverfolgung mündet. Vom Zuschauer fordert er ein konstantes Ausloten der eigenen Überzeugungen und Empfindungen.“ (Teresa Vena, kino-zeit.de)

„Wir hatten schon sehr unterschiedliche Wahrnehmungen und Toleranzgrenzen. Wir hatten eine bewusste Entscheidung am Anfang, Stefan so kennenzulernen, wie er sich uns anbietet, und nicht nach ihm zu recherchieren. Nach drei Jahren habe ich (Wright) das aber trotzdem gemacht und im Internet gesehen, dass sein Mord damals ein Riesenfall war. Das hat für mich dann den Umgang mit ihm sehr erschwert.

Bei mir (Kolbe) war es komischerweise genau andersrum. Was ich über ihn gelesen hatte, hatte mit meiner Beziehung zu Stefan nichts zu tun. Mein Interesse bezog sich auf seine Biografie vor der Tat. (…)

Wir haben auch bemerkt, dass unsere unterschiedlichen Erfahrungen sich auch in Widersprüchen im Rechtssystem widerspiegeln. Als Außenstehende möchte man glauben, dass dieses auf Objektivität beruht. Doch je tiefer wir uns damit beschäftigt haben, desto schärfer haben wir erkannt, dass es so etwas nicht gibt. Das System beruht auf subjektiven Blicken auf eine Person. (…) Die Idee, dass wir durch das Leben gehen mit einem Plan und Absichten, die wir klar definieren können, basteln wir uns doch im Nachhinein im Kopf zusammen, damit wir unser Tun irgendwie begründen können.“ (Interview mit den Filmemachern von Silvia Hallensleben, TAZ 09.06.21)

So 15.08.

Nebenan

Daniel Brühl
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Nebenan

Deutschland 2021, 92 min, deutsche Originalfassung

Regie: Daniel Brühl

Daniel, vielbeschäftigter Filmschauspieler, führt ein Jetset-Leben. Die Luxuswohnung in Berlin-Prenzlauer Berg dient als Basis für ihn und seine deutsch-spanische Familie. Auf dem Weg nach London zu einem wichtigen Vorsprechen macht er kurz Halt in der Kneipe um die Ecke. Über seine Kopfhörer telefoniert er mit seinem Agenten, läuft dabei mechanisch hin und her und bestellt nonchalant einen Kaffee. Mit seiner aalglatten Art, dem gestriegelten Anzug und seinen Telefongesprächen auf Englisch wirkt er fehl am Platz. Außer ihm sind noch zwei andere Gäste da. Der eine, bereits betrunken, sabbert vor sich hin, den Kopf auf die Arme gelegt. Der zweite hört ihm aber ganz genau zu. Und schon bald stellen die beiden fest, dass sie Nachbarn sind. (kino-zeit.de)

„Als der Schauspieler Daniel kurz vor einem Casting in seiner Stammkneipe noch auf einen Kaffee hereinschaut, ahnt er noch nicht, was ihn erwartet. Denn der Mann, der sich zu ihm setzt, weiß scheinbar alles über ihn. Und was als unschuldiges Geplänkel beginnt, entwickelt sich schon bald zu einem irrwitzigen Katz- und Maus-Spiel. Unter der Oberfläche pointierter Dialoge behandelt das Regiedebüt von Daniel Brühl hochrelevante Themen und hält als kluge Milieustudie der künstlerisch intellektuellen Arroganz einen bitterbös reflektierenden Spiegel vor.

Mit der Figur des Schauspielers Daniel und des Ur-Berliners Bruno lassen Regisseur Brühl und Drehbuchautor Kehlmann zwei Archetypen in einem Katz- und Maus-Kammerspiel gegeneinander antreten. Und auch wenn die Stimmung bis zum Bersten angespannt ist, so ist doch das Hin und Her zwischen beiden Protagonisten ein leichtes und hoch amüsantes Vergnügen. Nicht nur sind die Dialoge mit einem großen Gespür für Timing und Effizienz gesetzt. Es liegt auch und vor allen Dingen an dem lustvollen Spiel von Peter Kurth und Daniel Brühl, dass NEBENAN nicht eine Minute zu lang erscheint. Brühl ist mutig genug, seine eigene Persona mit der Maske des blasierten und in anderen Atmosphären schwebenden Künstlers zu vermischen, der behauptet, die urige Stammkneipe sei ihm, genau wie das Haus, für dessen Penthouse er sich einen eigenen Lift einbauen ließ, ja so sehr ans Herz gewachsen. Stück für Stück fällt diese Maske, und Brühl verkörpert diese Wandlung glaubwürdig. Und Peter Kurth ist als sein fast schon meditativ ruhiges und allwissendes Gegenüber ein ebenbürtiger Sparringspartner. Mit all seiner Kraft und Größe, die Kurth schon in so vielen Rollen unter Beweis stellen konnte, bleibt sein Bruno den ganzen Film über ein sphinxartiges Rätsel.“ (FBW)

„Das Drehbuch von NEBENAN hat Daniel Kehlmann geschrieben und es ist so gut, dass man jeden Satz, jede Geste von Daniel beschreiben möchte: Wie er durch dieses erzbodenständige Terrain schreitet und glaubt es dominieren zu können mit seiner Business-Straffheit, seinen englischen Telefonaten mit Hollywood-Agentinnen und der Kumpelei mit der Altostberliner Wirtin. Daniel ist nämlich auch das: ein Klischee-Wessi, der alles dafür tut, nicht als solcher gesehen zu werden.“ (Kathleen Hildebrand, sueddeutsche.de)

 

Mo 16.08.

Grenzland (Pogranicze), OmdU

Andreas Voigt
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Grenzland

Deutschland / Polen 2020, 100 min, Englisch | Deutsch | Polnisch mit deutschen UT

Regie: Andreas Voigt

Eine Reise entlang der Oder und der Neiße, entlang der deutsch polnischen Grenze. Begegnungen auf beiden Seiten der Flüsse. Erkundungen. Geschichten vom Rand – doch aus der Mitte Europas. Arbeit, Heimat, Liebe. Menschen, ihre Geschichte und ihre Landschaft. Im Süden Niederschlesien – dort, wo Polen Deutschland und Tschechien einander treffen, in der Mitte das flache Land an der Oder, im Norden, das Stettiner Haff. Eine Reise im Grenzland.

Bewegungen und Geschichten im Grenzland zwischen Polen und Deutschland – mit seinem neuen Film knüpft Andreas Voigt thematisch an seine Arbeit Grenzland – Eine Reise von 1992 an.

„Das aufgeladene Wort ‚Heimat‘ treibt sein (Un-)wesen in den Köpfen und Herzen der Leute: was sie einmal war und was aus ihr geworden ist! Sicher, in der täglichen Agenda hat das nicht oberste Priorität. Aber wie Menschen dieses Wort besetzen und wie das wiederum ihre Haltungen strukturiert, das bestimmt auch, wie sie sich selbst den Geschmack des Lebens im Hier und Jetzt von Europa zusammenreimen.“ (Ralph Eue, DOK Leipzig 2020)

Grenzland (Pogranicze), OmdU
Mo 16.08.

Nebenan

Daniel Brühl
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Nebenan

Deutschland 2021, 92 min, deutsche Originalfassung

Regie: Daniel Brühl

Daniel, vielbeschäftigter Filmschauspieler, führt ein Jetset-Leben. Die Luxuswohnung in Berlin-Prenzlauer Berg dient als Basis für ihn und seine deutsch-spanische Familie. Auf dem Weg nach London zu einem wichtigen Vorsprechen macht er kurz Halt in der Kneipe um die Ecke. Über seine Kopfhörer telefoniert er mit seinem Agenten, läuft dabei mechanisch hin und her und bestellt nonchalant einen Kaffee. Mit seiner aalglatten Art, dem gestriegelten Anzug und seinen Telefongesprächen auf Englisch wirkt er fehl am Platz. Außer ihm sind noch zwei andere Gäste da. Der eine, bereits betrunken, sabbert vor sich hin, den Kopf auf die Arme gelegt. Der zweite hört ihm aber ganz genau zu. Und schon bald stellen die beiden fest, dass sie Nachbarn sind. (kino-zeit.de)

„Als der Schauspieler Daniel kurz vor einem Casting in seiner Stammkneipe noch auf einen Kaffee hereinschaut, ahnt er noch nicht, was ihn erwartet. Denn der Mann, der sich zu ihm setzt, weiß scheinbar alles über ihn. Und was als unschuldiges Geplänkel beginnt, entwickelt sich schon bald zu einem irrwitzigen Katz- und Maus-Spiel. Unter der Oberfläche pointierter Dialoge behandelt das Regiedebüt von Daniel Brühl hochrelevante Themen und hält als kluge Milieustudie der künstlerisch intellektuellen Arroganz einen bitterbös reflektierenden Spiegel vor.

Mit der Figur des Schauspielers Daniel und des Ur-Berliners Bruno lassen Regisseur Brühl und Drehbuchautor Kehlmann zwei Archetypen in einem Katz- und Maus-Kammerspiel gegeneinander antreten. Und auch wenn die Stimmung bis zum Bersten angespannt ist, so ist doch das Hin und Her zwischen beiden Protagonisten ein leichtes und hoch amüsantes Vergnügen. Nicht nur sind die Dialoge mit einem großen Gespür für Timing und Effizienz gesetzt. Es liegt auch und vor allen Dingen an dem lustvollen Spiel von Peter Kurth und Daniel Brühl, dass NEBENAN nicht eine Minute zu lang erscheint. Brühl ist mutig genug, seine eigene Persona mit der Maske des blasierten und in anderen Atmosphären schwebenden Künstlers zu vermischen, der behauptet, die urige Stammkneipe sei ihm, genau wie das Haus, für dessen Penthouse er sich einen eigenen Lift einbauen ließ, ja so sehr ans Herz gewachsen. Stück für Stück fällt diese Maske, und Brühl verkörpert diese Wandlung glaubwürdig. Und Peter Kurth ist als sein fast schon meditativ ruhiges und allwissendes Gegenüber ein ebenbürtiger Sparringspartner. Mit all seiner Kraft und Größe, die Kurth schon in so vielen Rollen unter Beweis stellen konnte, bleibt sein Bruno den ganzen Film über ein sphinxartiges Rätsel.“ (FBW)

„Das Drehbuch von NEBENAN hat Daniel Kehlmann geschrieben und es ist so gut, dass man jeden Satz, jede Geste von Daniel beschreiben möchte: Wie er durch dieses erzbodenständige Terrain schreitet und glaubt es dominieren zu können mit seiner Business-Straffheit, seinen englischen Telefonaten mit Hollywood-Agentinnen und der Kumpelei mit der Altostberliner Wirtin. Daniel ist nämlich auch das: ein Klischee-Wessi, der alles dafür tut, nicht als solcher gesehen zu werden.“ (Kathleen Hildebrand, sueddeutsche.de)

 

Di 17.08.

Exemplary Behaviour (Pavyzdingas Elgesys), OmeU

Audrius Mickevičius & Nerijus Milerius
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Exemplary Behaviour (Pavyzdingas Elgesys)

Litauen / Italien/ Bulgarien / Slovenien 2019, 85 min, litauisch | französisch mit engl. UT

Regie: Audrius Mickevičius, Nerijus Milerius

„In unseren dunkelsten Stunden erkennen wir, wer wir wirklich sind, und das Licht der Menschlichkeit strahlt am hellsten. Elegant und respektvoll erzählen die Filmemacher eine unerwartete Geschichte von Wiedergutmachung.“ (Jurybegründung, DOK Leipzig 2019 – Goldene Taube, Preis der Interreligiösen Jury und FIPRESCI Preis)

Getrieben vom Verlust seines ermordeten Bruders, besuchte Regisseur Audrius Mickevičius das Gefängnis Lukiškės, um dort das Paradoxon der „guten Führung” zu erforschen. Er traf auf Rimas und Rolandas, die beide zu lebenslanger Haft verurteilt sind, aber von der Hoffnung auf ein neues Leben getrieben werden. Noch während Audrius dabei war, seinen Zorn loszulassen und zu vergeben, ereilte ihn eine unheilbare Krankheit. (Litauisches Kino Goes Berlin 2020)

„Das grässlich entstellte Gesicht seines ermordeten Bruders stellt Audrius Mickevičius an den Beginn seines Films. (…) Mickevičius bleibt allerdings nicht bei dem individuellen Fall, sondern hebt seinen Film auf eine allgemeinere Ebene: EXEMPLARY BEHAVIOUR ist beinahe so etwas wie eine Meditation über die Frage, ob sich in einer zeitlichen Ordnung eine endgültige Tat wie ein Mord sühnen lässt – und ob die verstreichende Zeit es den Hinterbliebenen des Opfers erlaubt zu verzeihen.“ (Bert Rebhandl, DOK Leipzig 2019)

„Regisseur Audrius Mickevičius berichtet zu Beginn, dass seine Mutter das Geschehene verdrängen, die Existenz ihres ermordeten Sohnes vergessen möchte. Er selbst versucht das Erlebte mit offenen Augen zu verarbeiten, es zu verstehen und den Zuschauer auf diese mitunter poetische Reise mitzunehmen.“ (Heiko Straehler-Pohl, berliner-filmfestivals.de)

Exemplary Behaviour (Pavyzdingas Elgesys), OmeU
Di 17.08.

Nebenan

Daniel Brühl
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Deutschland 2021, 92 min, deutsche Originalfassung

Regie: Daniel Brühl

Daniel, vielbeschäftigter Filmschauspieler, führt ein Jetset-Leben. Die Luxuswohnung in Berlin-Prenzlauer Berg dient als Basis für ihn und seine deutsch-spanische Familie. Auf dem Weg nach London zu einem wichtigen Vorsprechen macht er kurz Halt in der Kneipe um die Ecke. Über seine Kopfhörer telefoniert er mit seinem Agenten, läuft dabei mechanisch hin und her und bestellt nonchalant einen Kaffee. Mit seiner aalglatten Art, dem gestriegelten Anzug und seinen Telefongesprächen auf Englisch wirkt er fehl am Platz. Außer ihm sind noch zwei andere Gäste da. Der eine, bereits betrunken, sabbert vor sich hin, den Kopf auf die Arme gelegt. Der zweite hört ihm aber ganz genau zu. Und schon bald stellen die beiden fest, dass sie Nachbarn sind. (kino-zeit.de)

„Als der Schauspieler Daniel kurz vor einem Casting in seiner Stammkneipe noch auf einen Kaffee hereinschaut, ahnt er noch nicht, was ihn erwartet. Denn der Mann, der sich zu ihm setzt, weiß scheinbar alles über ihn. Und was als unschuldiges Geplänkel beginnt, entwickelt sich schon bald zu einem irrwitzigen Katz- und Maus-Spiel. Unter der Oberfläche pointierter Dialoge behandelt das Regiedebüt von Daniel Brühl hochrelevante Themen und hält als kluge Milieustudie der künstlerisch intellektuellen Arroganz einen bitterbös reflektierenden Spiegel vor.

Mit der Figur des Schauspielers Daniel und des Ur-Berliners Bruno lassen Regisseur Brühl und Drehbuchautor Kehlmann zwei Archetypen in einem Katz- und Maus-Kammerspiel gegeneinander antreten. Und auch wenn die Stimmung bis zum Bersten angespannt ist, so ist doch das Hin und Her zwischen beiden Protagonisten ein leichtes und hoch amüsantes Vergnügen. Nicht nur sind die Dialoge mit einem großen Gespür für Timing und Effizienz gesetzt. Es liegt auch und vor allen Dingen an dem lustvollen Spiel von Peter Kurth und Daniel Brühl, dass NEBENAN nicht eine Minute zu lang erscheint. Brühl ist mutig genug, seine eigene Persona mit der Maske des blasierten und in anderen Atmosphären schwebenden Künstlers zu vermischen, der behauptet, die urige Stammkneipe sei ihm, genau wie das Haus, für dessen Penthouse er sich einen eigenen Lift einbauen ließ, ja so sehr ans Herz gewachsen. Stück für Stück fällt diese Maske, und Brühl verkörpert diese Wandlung glaubwürdig. Und Peter Kurth ist als sein fast schon meditativ ruhiges und allwissendes Gegenüber ein ebenbürtiger Sparringspartner. Mit all seiner Kraft und Größe, die Kurth schon in so vielen Rollen unter Beweis stellen konnte, bleibt sein Bruno den ganzen Film über ein sphinxartiges Rätsel.“ (FBW)

„Das Drehbuch von NEBENAN hat Daniel Kehlmann geschrieben und es ist so gut, dass man jeden Satz, jede Geste von Daniel beschreiben möchte: Wie er durch dieses erzbodenständige Terrain schreitet und glaubt es dominieren zu können mit seiner Business-Straffheit, seinen englischen Telefonaten mit Hollywood-Agentinnen und der Kumpelei mit der Altostberliner Wirtin. Daniel ist nämlich auch das: ein Klischee-Wessi, der alles dafür tut, nicht als solcher gesehen zu werden.“ (Kathleen Hildebrand, sueddeutsche.de)

 

Mi 18.08.

Space Dogs (Спейс догс / Космические собаки), OmdU

Elsa Kremser & Levin Peter
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Space Dogs (Спейс догс / Космические собаки)

AT/ D 2019, 91 min, russische Originalfassung mit deutschen Untertiteln

Regie: Elsa Kremser, Levin Peter

Die streunende Hündin Laika wurde als erstes Lebewesen ins All geschickt – und damit in den sicheren Tod. Einer Legende nach kehrte sie als Geist zur Erde zurück und streift seither durch die Straßen von Moskau. Laikas Spuren folgend und aus Perspektive der Hunde gedreht, begleitet Space Dogs die Abenteuer ihrer Nachfahren: zweier Straßenhunde im heutigen Moskau. Deren Geschichte handelt von inniger Gefolgschaft, unerbittlicher Brutalität und schließlich von ihrem Blick auf uns Menschen. Verwoben mit bisher unveröffentlichtem Filmmaterial aus der Ära der sowjetischen Raumfahrt formt sich eine magische Erzählung über die Moskauer Straßenhunde – vom Aufstieg in den Weltraum bis zum Leben am Erdboden.

„Space Dogs ist ein filmisches Wagnis, das in zwei verschiedene Richtungen verläuft. Die erste führt entlang der Ränder des heutigen Moskau. Die zweite holt jene Zeit der Sowjetunion zurück in die Gegenwart, in der die Ära des Space Race Fahrt aufzunehmen begann. Beide Stränge lehren uns, dass, bevor sich die Menschen selbst in den Weltraum wagten, das Space Race ein Wettlauf der Tierrassen war: zwischen Hunden auf sowjetischer Seite und Schimpansen auf Seiten der ‚freien Welt‘ Unzählige weitere Tierarten sollten folgen. Im Intro des Films erinnert ein auktorialer Erzähler daran, wie die legendäre Kosmonautenhündin Laika in den Straßen von Moskau gefangen und ins All geschickt wurde. Und wie die Hitze während des Wiedereintritts in die Erdatmosphäre ihren toten Körper verglühen und sich in Asche auflösen ließ. Einer ‚Legende‘ zufolge, hört man die Stimme sagen, kehrte Laikas Geist zurück auf die Straßen von Moskau. Von Beginn an trägt Space Dogs damit den Charakter einer mystischen Suche nach Laika und den Seelen anderer Kosmonautenhunde in sich. Doch zugleich bildet der Film ein äußerst realistisches und dokumentarisches Werk, das einem Rudel tatsächlicher Straßenhunde auf ihren tagtäglichen, meist nächtlichen Streifzügen durch die Straßen von Moskau folgt. (…)

Von den ersten Bildern in einem Moskauer Wohnviertel an scheint es keine natürlichere, zweckmäßigere Aufgabe für eine Filmkamera zu geben, als Hunden zu folgen. Doch diese Natürlichkeit ist nicht unbedingt heiter oder idyllisch. Was an einer Stelle des Films ein ruhiger Morgenspaziergang zu werden scheint, kippt plötzlich in eine brutale Jagdszene, die den Betrachter im traumatischen Zustand des Staunens zurücklässt, ähnlich einem Voyeur, der unvermutet Zeuge eines Mordes wird. Die Kamera selbst gibt eine Form ‚wilden‘ Verhaltens wieder. Diese Protagonisten fordern den Film dazu heraus, so unvorhersehbar wie ein wildes Tier zu sein und sich wie dieses auf vier Beinen weiterzubewegen, streunend zwischen Dokument und Märchen, Vergangenheit und Gegenwart.“ (Eugenio Renzi, Essay, Juli 2019)

Es kommen noch weitere Tiere im Film vor: ein Schimpanse und zwei Schildkröten. Wie kam es zu dieser Konstellation? L.P.: Diese Tiere kamen erst spät in unsere Erzählung, weil wir erst sehr spät erfahren haben, dass ein Jahr vor der Mondlandung zwei Landschildkröten um den Mond gekreist sind. In der Recherche kamen immer wieder kleine märchenhafte Geschichten auf uns eingeprasselt und wir versuchten, sie ins heutige Moskau einzubauen. E.K.: Es war spannend herauszufinden, welche anderen Tierarten ebenfalls ins All geschickt worden sind. Von Schimpansen wussten wir, es gab aber auch Ratten, Vögel, Spinnen, Salamander, Hasen, Katzen… Es sollte auch ein märchenhafter Film werden. Es hat uns eine Art Arche-Noah-Gefühl beschäftigt, das wir transportieren wollten. In unserer Recherche nach Schimpansen in Moskau kam heraus, dass Schimpansen häufig als Attraktion auf Kindergeburtstagen oder privaten Partys verwendet werden. So haben wir einen Schimpansen mit seinem Showtrainer entdeckt und festgestellt, dass auch der Schimpanse ein Stadttier geworden ist.“ (Levin Peter und Elsa Kremser im Gespräch mit Karin Schiefer, Auszug, Juli 2019)

Mi 18.08.

Nebenan

Daniel Brühl
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Nebenan

Deutschland 2021, 92 min, deutsche Originalfassung

Regie: Daniel Brühl

Daniel, vielbeschäftigter Filmschauspieler, führt ein Jetset-Leben. Die Luxuswohnung in Berlin-Prenzlauer Berg dient als Basis für ihn und seine deutsch-spanische Familie. Auf dem Weg nach London zu einem wichtigen Vorsprechen macht er kurz Halt in der Kneipe um die Ecke. Über seine Kopfhörer telefoniert er mit seinem Agenten, läuft dabei mechanisch hin und her und bestellt nonchalant einen Kaffee. Mit seiner aalglatten Art, dem gestriegelten Anzug und seinen Telefongesprächen auf Englisch wirkt er fehl am Platz. Außer ihm sind noch zwei andere Gäste da. Der eine, bereits betrunken, sabbert vor sich hin, den Kopf auf die Arme gelegt. Der zweite hört ihm aber ganz genau zu. Und schon bald stellen die beiden fest, dass sie Nachbarn sind. (kino-zeit.de)

„Als der Schauspieler Daniel kurz vor einem Casting in seiner Stammkneipe noch auf einen Kaffee hereinschaut, ahnt er noch nicht, was ihn erwartet. Denn der Mann, der sich zu ihm setzt, weiß scheinbar alles über ihn. Und was als unschuldiges Geplänkel beginnt, entwickelt sich schon bald zu einem irrwitzigen Katz- und Maus-Spiel. Unter der Oberfläche pointierter Dialoge behandelt das Regiedebüt von Daniel Brühl hochrelevante Themen und hält als kluge Milieustudie der künstlerisch intellektuellen Arroganz einen bitterbös reflektierenden Spiegel vor.

Mit der Figur des Schauspielers Daniel und des Ur-Berliners Bruno lassen Regisseur Brühl und Drehbuchautor Kehlmann zwei Archetypen in einem Katz- und Maus-Kammerspiel gegeneinander antreten. Und auch wenn die Stimmung bis zum Bersten angespannt ist, so ist doch das Hin und Her zwischen beiden Protagonisten ein leichtes und hoch amüsantes Vergnügen. Nicht nur sind die Dialoge mit einem großen Gespür für Timing und Effizienz gesetzt. Es liegt auch und vor allen Dingen an dem lustvollen Spiel von Peter Kurth und Daniel Brühl, dass NEBENAN nicht eine Minute zu lang erscheint. Brühl ist mutig genug, seine eigene Persona mit der Maske des blasierten und in anderen Atmosphären schwebenden Künstlers zu vermischen, der behauptet, die urige Stammkneipe sei ihm, genau wie das Haus, für dessen Penthouse er sich einen eigenen Lift einbauen ließ, ja so sehr ans Herz gewachsen. Stück für Stück fällt diese Maske, und Brühl verkörpert diese Wandlung glaubwürdig. Und Peter Kurth ist als sein fast schon meditativ ruhiges und allwissendes Gegenüber ein ebenbürtiger Sparringspartner. Mit all seiner Kraft und Größe, die Kurth schon in so vielen Rollen unter Beweis stellen konnte, bleibt sein Bruno den ganzen Film über ein sphinxartiges Rätsel.“ (FBW)

„Das Drehbuch von NEBENAN hat Daniel Kehlmann geschrieben und es ist so gut, dass man jeden Satz, jede Geste von Daniel beschreiben möchte: Wie er durch dieses erzbodenständige Terrain schreitet und glaubt es dominieren zu können mit seiner Business-Straffheit, seinen englischen Telefonaten mit Hollywood-Agentinnen und der Kumpelei mit der Altostberliner Wirtin. Daniel ist nämlich auch das: ein Klischee-Wessi, der alles dafür tut, nicht als solcher gesehen zu werden.“ (Kathleen Hildebrand, sueddeutsche.de)

 

Mi 18.08.

Crime and Punishment (Rikos ja rangaistus), OmdU

Aki Kaurismäki
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Rikos ja rangaistus (Crime and Punishment)

Finnland 1983, 92 min, finnische Originalfassung mit deutschen UT

„Wer ein Gewissen hat, soll leiden, wenn er seine Schuld bekennt. Er soll leiden, wenn er Mitleid mit dem Opfer empfindet. Das ist seine Strafe“ (Filmzitat)

Regie: Aki Kaurismäki

CRIME AND PUNISHMENT ist eine Adaption des Klassikers „Schuld und Sühne” von Fjodor Dostojewski, angesiedelt im modernen Helsinki. Rahikanen, ehemaliger Jura-Student und jetzt Arbeiter in einer Schlachterei, begeht einen kaltblütigen Mord. Das Motiv scheint Rache, in Wahrheit ist es nur Verachtung. Vollkommen indifferent steht der Täter dem sich immer dichter schließenden Netz gegenüber, das ein kluger Inspektor ausgeworfen hat.

Nur einer jungen Frau, die zufällig Zeugin der Tat wurde, gelingt es, sich ihm zu nähern. Die Hauptfigur in Aki Kaurismäkis Regie-Erstling bewegt sich zwischen den verwirrten jungen Männern Dostojewskis und den traumwandelnd Suchenden Bressons, dessen Film „Pickpocket” Kaurismäki in seiner Schluss-Sequenz zitiert. „Eine Hommage an die goldenen Zeiten, als ein Mord für einen Kriminalfilm noch ausreichte.” (Aki Kaurismäki)

„In einer Fleischfabrik beginnt Kaurismäkis Erstling, mit einem Blick in eine kalte Hölle, wo der Tod so nah und doch so fern ist. Im Grunde fühlen sich die Helden des Finnen wie Rinderhälften, die leblos den Weg allen Fleisches gehen. In dieser Welt ohne Mitleid besitzt der Tod keinen Schrecken mehr und das Leben keine Hoffnung. Es kann allerdings sein, dass eine Frau auftaucht, die die Helden aus ihrer Hölle erlöst.“ (Michael Althen, SZ 27.06.1992)

Do 19.08.

Contemporary Past (Teraźniejszość przeszłości / Die Gegenwart der Vergangenheit), OmdU – in Anwesenheit des Regisseurs Kamil Majchrzak

Kamil Majchrzak
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Contemporary Past (Teraźniejszość przeszłości / Die Gegenwart der Vergangenheit)

Polen / Deutschland 2019, 59 min, OmdU

Regie: Kamil Majchrzak

Im ehemaligen deutschen Konzentrationslager Buchenwald treffen sich mehrere Schülerinnen und Schüler aus Rumänien, Polen und Deutschland, um die Geschichte des Holocaust der Sinti und Roma zu erforschen. Was wissen sie über die jahrhundertelange Diskriminierung von Sinti und Roma in ihren Ländern? Haben Minderheiten einen Platz in ihren nationalen Erinnerungs- und Gedenkkulturen? Welchen Beitrag kann aktive Zeugenschaft in der Erinnerungsarbeit leisten? Sinti und Roma gehören zu der größten Minderheit in Europa, die seit Jahrhunderten hier leben und nach wie vor Ziel sozialer Ausgrenzung und Gewalt werden. Der filmische Essay verweist auf eine ethische Archäologie der Vergangenheit, in der zeitgenössisches Gedenken die Art und Weise offenbart, wie wir uns selbst und unsere Gesellschaft betrachten und Verantwortung für das Gegenüber übernehmen müssen. Die Musik für den Dokumentarfilm wurde von dem slowakischen Roma Miroslav Rác komponiert, der ähnlich wie der Regisseur des Films zur dritten Generation von Überlebenden gehört.

„Behutsam tastet sich der aus Polen stammende, seit längerem in Deutschland lebende Regisseur Kamil Majchrzak an sein Thema heran, beobachtet anfangs die Schüler bei ihrem Besuch in Buchenwald, bei Projekten, die mittels unmittelbarer Konfrontation mit Objekten die Abstraktion des Unvorstellbaren zu überwinden suchen. Bald jedoch öffnet sich der Blick des Films, schwenken auch die Gedanken der Schüler in Formen der Diskriminierung der Gegenwart. In Flüchtlingsunterkünften, Baracken und notdürftigen Behausungen in Rumänien und Deutschland kommen Sinti und Roma zu Wort, die Nachkommen derjenigen sein könnten, die vor so vielen Jahrzehnten in Buchenwald interniert waren, bevor sie nach Osten transportiert wurden, mit dem Ziel Auschwitz.

Die gegenwärtige Diskriminierung ist einerseits kaum mit der zu vergleichen, die im Dritten Reich herrschte, andererseits sind Parallelen nicht zu übersehen. Wiederholt sich hier Geschichte? (Michael Meyns, programmkino.de)

“CONTEMPORARY PAST (ist) mehr als nur die Auflistung von vergangenem und aktuellem Leid. Vielmehr sucht der Film, suchen die jungen Menschen nach einem Weg in die Zukunft, in dem solche Gräueltaten vielleicht kein Thema mehr sind. Gerade das Thema des Rassismus beschäftigt viele der Teilnehmenden, dem sie mehr Offenheit und Toleranz entgegenbringen wollen. Die eine bessere Welt wollen, als ihnen ihre Vorfahren zurückgelassen haben. Ob sie die am Ende finden werden, ist dabei zwangsläufig noch offen, ob die Wünsche und guten Absichten verfolgt werden, anstatt nur momentaner naiver Idealismus zu sein. Dem dokumentarischen Essay gelingt es jedoch gut, beides in eine Balance zu bringen: das Bewusstsein für das Grauen der Vergangenheit und die Hoffnung auf eine Zukunft, in der es für jeden Menschen einen Platz gibt, woher er auch kommen, wie auch immer er aussehen mag.” (Oliver Armknecht, film-rezensionen.de)

 

Contemporary Past (Teraźniejszość przeszłości / Die Gegenwart der Vergangenheit), OmdU – in Anwesenheit des Regisseurs Kamil Majchrzak
Do 19.08.

Der Masseur (Śniegu Już Nigdy Nie Będzie), OmdU

Małgorzata Szumowska & Michał Englert
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Der Masseur (Śniegu Już Nigdy Nie Będzie)

Polen / Deutschland 2020, 113 min, polnische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Małgorzata Szumowska, Michał Englert

Aus dem Nebel scheint er zu kommen, geht mit bestimmten Schritten durch den Wald, überquert Brücken und schließlich die Grenze zwischen der Ukraine und Polen. Dabei trägt Zhenia sein Arbeitsutensil mit sich herum: Eine Massageliege. Einige Zeit später betritt er eine von Mauern und Wachpersonal beschützte Siedlung in einem Vorort Warschaus, in der die neureichen Polens in einförmigen Einfamilienhäusern leben und ihren Wohlstand genießen sollten. Doch genauso wenig wie dies den Bewohnern von Vorstädten in Amerika, Frankreich oder anderen Ländern der westlichen Welt gelingen mag (zumindest im Kino nicht), gelingt es den polnischen Familien. Redlich bemühen sie sich, alle Ingredienzien des westlichen Lebensstils zu präsentieren, von überdimensionalen Fernsehern, über glitzernde Küchen, bis zu ausladenden Couchgarnituren, doch glücklich wirken sie in dieser Umgebung nicht. Zumindest für kurze Zeit soll eine Massage von Zhenia Abhilfe schaffen, doch bald werden die Wünsche von Klientin wie der gelangweilten Hausfrau Maria, der Witwe Ewa, die sich mit Drogen beruhigen will oder einem krebskranken Mann und seiner Frau expliziter. Unverhohlen machen sie den gut gebauten, aber schweigsamen Zhenia an, dessen Hände fast spirituelle Fähigkeiten zu haben scheinen. Unter der Massage geraten seine Patienten in Hypnose, traumartige Sequenzen lassen ihre Phantasien mit Zhenias Erinnerungen an seine Kindheit in Tschernobyl verschwimmen. (…) Die Sehnsucht nach Sinn, nach Spiritualität, scheint sich dabei durch den mysteriösen Zhenia zu erfüllen, doch der hat in den Augen weiter Teile der polnischen Gesellschaft schwerwiegende Makel: Er ist Fremder und möglicherweise auch noch homosexuell.

Einmal mehr erweist sich Małgorzata Szumowska auch in NEVER GONNA SNOW AGAIN als scharfe Beobachterin der Entwicklungen ihrer Heimat, die sie diesmal nicht mehr so speziell zeigt wie etwa noch in IM NAMEN DES… oder DIE MASKE, sondern in universellere Gefilde überhöht, die andeuten, dass sich Polen im Guten wie im Schlechten zunehmend zu einem westlichen Land entwickelt. (Michael Meyns, programmkino.de)

Der Masseur (Śniegu Już Nigdy Nie Będzie), OmdU
Fr 20.08.

Courage, OmdU

Aliaksei Paluyan
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Courage

Deutschland 2021, 90 min, Russisch | Belarussisch mit deutschen UT

Regie: Aliaksei Paluyan

Im Zuge der Präsidentschaftswahlen in Weißrussland im Sommer 2020 geraten drei Schauspieler des Belarus Free Theatre aus Minsk in den Sog der Massenproteste, der sie auf die Straße zieht, um lautstark für freie Meinungsäußerung und den langersehnten Machtwechsel zu demonstrieren. Doch ihr friedlicher Protest wird vom Sicherheitsapparat des Regimes brutal niedergeschlagen. Mitglieder der Theatergruppe und viele andere Menschen werden verhaftet. Das Land steht am Rande eines Bürgerkriegs. COURAGE begleitet den mutigen und friedlichen Widerstand von Maryna, Pavel und Denis vor und während der Proteste. Der Film wirft einen sehr persönlichen Blick auf die Ereignisse, gibt hautnah und packend Einblick in das Leben der Menschen im heutigen Belarus, die für ihre Freiheit und das Recht auf Demokratie kämpfen. Pavel und Denis wurden Anfang 2021 verhaftet und flüchteten nach ihrer Freilassung nach Kiew.

Courage, OmdU
Fr 20.08.

Nebenan

Daniel Brühl
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Nebenan

Deutschland 2021, 92 min, deutsche Originalfassung

Regie: Daniel Brühl

Daniel, vielbeschäftigter Filmschauspieler, führt ein Jetset-Leben. Die Luxuswohnung in Berlin-Prenzlauer Berg dient als Basis für ihn und seine deutsch-spanische Familie. Auf dem Weg nach London zu einem wichtigen Vorsprechen macht er kurz Halt in der Kneipe um die Ecke. Über seine Kopfhörer telefoniert er mit seinem Agenten, läuft dabei mechanisch hin und her und bestellt nonchalant einen Kaffee. Mit seiner aalglatten Art, dem gestriegelten Anzug und seinen Telefongesprächen auf Englisch wirkt er fehl am Platz. Außer ihm sind noch zwei andere Gäste da. Der eine, bereits betrunken, sabbert vor sich hin, den Kopf auf die Arme gelegt. Der zweite hört ihm aber ganz genau zu. Und schon bald stellen die beiden fest, dass sie Nachbarn sind. (kino-zeit.de)

„Als der Schauspieler Daniel kurz vor einem Casting in seiner Stammkneipe noch auf einen Kaffee hereinschaut, ahnt er noch nicht, was ihn erwartet. Denn der Mann, der sich zu ihm setzt, weiß scheinbar alles über ihn. Und was als unschuldiges Geplänkel beginnt, entwickelt sich schon bald zu einem irrwitzigen Katz- und Maus-Spiel. Unter der Oberfläche pointierter Dialoge behandelt das Regiedebüt von Daniel Brühl hochrelevante Themen und hält als kluge Milieustudie der künstlerisch intellektuellen Arroganz einen bitterbös reflektierenden Spiegel vor.

Mit der Figur des Schauspielers Daniel und des Ur-Berliners Bruno lassen Regisseur Brühl und Drehbuchautor Kehlmann zwei Archetypen in einem Katz- und Maus-Kammerspiel gegeneinander antreten. Und auch wenn die Stimmung bis zum Bersten angespannt ist, so ist doch das Hin und Her zwischen beiden Protagonisten ein leichtes und hoch amüsantes Vergnügen. Nicht nur sind die Dialoge mit einem großen Gespür für Timing und Effizienz gesetzt. Es liegt auch und vor allen Dingen an dem lustvollen Spiel von Peter Kurth und Daniel Brühl, dass NEBENAN nicht eine Minute zu lang erscheint. Brühl ist mutig genug, seine eigene Persona mit der Maske des blasierten und in anderen Atmosphären schwebenden Künstlers zu vermischen, der behauptet, die urige Stammkneipe sei ihm, genau wie das Haus, für dessen Penthouse er sich einen eigenen Lift einbauen ließ, ja so sehr ans Herz gewachsen. Stück für Stück fällt diese Maske, und Brühl verkörpert diese Wandlung glaubwürdig. Und Peter Kurth ist als sein fast schon meditativ ruhiges und allwissendes Gegenüber ein ebenbürtiger Sparringspartner. Mit all seiner Kraft und Größe, die Kurth schon in so vielen Rollen unter Beweis stellen konnte, bleibt sein Bruno den ganzen Film über ein sphinxartiges Rätsel.“ (FBW)

„Das Drehbuch von NEBENAN hat Daniel Kehlmann geschrieben und es ist so gut, dass man jeden Satz, jede Geste von Daniel beschreiben möchte: Wie er durch dieses erzbodenständige Terrain schreitet und glaubt es dominieren zu können mit seiner Business-Straffheit, seinen englischen Telefonaten mit Hollywood-Agentinnen und der Kumpelei mit der Altostberliner Wirtin. Daniel ist nämlich auch das: ein Klischee-Wessi, der alles dafür tut, nicht als solcher gesehen zu werden.“ (Kathleen Hildebrand, sueddeutsche.de)

 

Nebenan
Fr 20.08.

Der Masseur (Śniegu Już Nigdy Nie Będzie), OmdU

Małgorzata Szumowska & Michał Englert
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Der Masseur (Śniegu Już Nigdy Nie Będzie)

Polen / Deutschland 2020, 113 min, polnische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Małgorzata Szumowska, Michał Englert

Aus dem Nebel scheint er zu kommen, geht mit bestimmten Schritten durch den Wald, überquert Brücken und schließlich die Grenze zwischen der Ukraine und Polen. Dabei trägt Zhenia sein Arbeitsutensil mit sich herum: Eine Massageliege. Einige Zeit später betritt er eine von Mauern und Wachpersonal beschützte Siedlung in einem Vorort Warschaus, in der die neureichen Polens in einförmigen Einfamilienhäusern leben und ihren Wohlstand genießen sollten. Doch genauso wenig wie dies den Bewohnern von Vorstädten in Amerika, Frankreich oder anderen Ländern der westlichen Welt gelingen mag (zumindest im Kino nicht), gelingt es den polnischen Familien. Redlich bemühen sie sich, alle Ingredienzien des westlichen Lebensstils zu präsentieren, von überdimensionalen Fernsehern, über glitzernde Küchen, bis zu ausladenden Couchgarnituren, doch glücklich wirken sie in dieser Umgebung nicht. Zumindest für kurze Zeit soll eine Massage von Zhenia Abhilfe schaffen, doch bald werden die Wünsche von Klientin wie der gelangweilten Hausfrau Maria, der Witwe Ewa, die sich mit Drogen beruhigen will oder einem krebskranken Mann und seiner Frau expliziter. Unverhohlen machen sie den gut gebauten, aber schweigsamen Zhenia an, dessen Hände fast spirituelle Fähigkeiten zu haben scheinen. Unter der Massage geraten seine Patienten in Hypnose, traumartige Sequenzen lassen ihre Phantasien mit Zhenias Erinnerungen an seine Kindheit in Tschernobyl verschwimmen. (…) Die Sehnsucht nach Sinn, nach Spiritualität, scheint sich dabei durch den mysteriösen Zhenia zu erfüllen, doch der hat in den Augen weiter Teile der polnischen Gesellschaft schwerwiegende Makel: Er ist Fremder und möglicherweise auch noch homosexuell.

Einmal mehr erweist sich Małgorzata Szumowska auch in NEVER GONNA SNOW AGAIN als scharfe Beobachterin der Entwicklungen ihrer Heimat, die sie diesmal nicht mehr so speziell zeigt wie etwa noch in IM NAMEN DES… oder DIE MASKE, sondern in universellere Gefilde überhöht, die andeuten, dass sich Polen im Guten wie im Schlechten zunehmend zu einem westlichen Land entwickelt. (Michael Meyns, programmkino.de)

Sa 21.08.

Bad Luck Banging or Loony Porn (Babardeală cu bucluc sau porno balamuc), OmdU

Radu Jude
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Bad Luck Banging or Loony Porn (Babardeală cu bucluc sau porno balamuc)                                              Goldener Bär 2021

Rumänien/ L/ CZ/ KH 2021, 106 min, rumänische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Radu Jude

Lustvoll, zügellos, explizit: Emi und ihr Mann haben großartigen und ausschweifenden Sex. Leider auch auf Video. Ihr sehr privater Pornofilm gerät irgendwie ins Internet und geht viral. Weil Emi eine Lehrerin an einer renommierten Schule ist, haben darüber sehr viele Leute eine Meinung. Wahrheitsgrad egal, Begründung überflüssig. Von moralisch empört über aggressiv anklagend bis vulgär beleidigend ist alles dabei. Emi muss antreten zu einem Elternabend der besonderen Art. Sie macht sich auf den Weg durch die groteske Alltagsbrutalität auf den Straßen von Bukarest. Über diesen Porno möchte seltsamerweise niemand einen Shitstorm verbreiten. In der Hoffnung auf eine Verbündete stattet Emi der Schuldirektorin einen Besuch ab – doch weit gefehlt. Man muss doch den Eltern die Gelegenheit zur Aussprache geben. Doch die „Debatte“ gerät zum Tribunal – über konsensualen Sex, Pornografie, die Nazis, Wahrheit, Bildungstheorie und vieles mehr. Emi verlebt einen wahrlich schrillen Abend zwischen archaischen Affekten und manischem Meinungsfuror. Die Lehrerin wird plötzlich nicht nur für ihr Sexleben verantwortlich gemacht, sondern auch für die rumänische Geschichte des 20. Jahrhunderts, die Psychologie der Kinder im Allgemeinen und für die Emanzipation sowieso natürlich auch. Die Moral der Elternschicht? Man ist sich einig, dass man in Kürze bald wieder anderer Meinung sein wird. Ein Goldener Bär für ein überwältigendes Meisterwerk: BAD LUCK BANGING OR LOONY PORN von Radu Jude ist glückliches Fragment, Enzyklopädie unserer Zeit und die gnadenlose Versuchsanordnung einer völlig zersplitterten Gemeinschaft, die nur noch in der Feindseligkeit zusammenfinden kann. Radu Jude treibt den Irrwitz auf die Spitze und lässt uns erahnen, zu welch bitterböser Farce unsere Zeit geworden ist, die man den Untergang der Demokratie nennen könnte. Eine filmische Erfahrung zwischen totaler Finsternis und grell erleuchteter Humorzone.

BAD LUCK BANGING OR LOONY PORN ist bestimmt kein perfekter Film — zu deutlich trägt er (nicht ohne Stolz) das Skizzenhafte und Improvisierte, das auch seinen Zeitpunkt des Entstehens im Sommer 2020 inmitten einer Pandemie nicht schamvoll verschweigt, sondern vielmehr geschickt mit einbaut, vor sich her und stellt es aus. Einen ‚Entwurf für einen populären Film‘ nennt Radu Jude selbst diesen räudigen Bastard von einem Film — und trifft damit genau das Lebensgefühl vieler Menschen zu Zeiten einer Pandemie: Es ist gerade nicht die Zeit für das über alles erhabene Meisterwerk. Zu brüchig und fragil ist diese Welt gerade geworden, zu fragwürdig sind ihre Grundlagen, zu morsch ihre Pfeiler, auf denen sie eigentlich ruhen sollte. Und wenn diese Welt gerade in ihre Bestandteile zerfällt, dann sind Improvisation und Wut auf die bestehenden Verhältnisse sicherlich nicht die schlechtesten Begleiter in dem anstehenden Überlebenskampf. Denn wie anders lässt sich dem Wahnsinn der Welt da draußen sonst noch begegnen? Und vermutlich liegt gerade hierin die große Meisterschaft dieses wüsten Films — dies zu erkennen und so unverblümt, wild und frei auf die ‚Leinwand‘ zu bringen. Selbst wenn diese wie im Falle der gerade stattfindenden Online-Berlinale nur aus einem kleinen Computerscreen besteht. Radu Judes Film besitzt jedenfalls die Kraft, dies für eine Stunde und 46 Minuten vergessen zu machen.“ (Joachim Kurz, kino-zeit.de)

„Radu Judes Berlinale-Gewinner über das Verhältnis von Pornos und posttotalitärer Gesellschaft lässt sich auch vor dem Hintergrund dieser besessenen Formensuche verstehen: als streckenweise wild montierter ‚Skizzenfilm‘ (Radu Jude), eine symbolische Demaskierung unter Corona-Bedingungen.“ (Katja Nicodemus, DIE ZEIT Nr. 11/2021)

 

Sa 21.08.

Nebenan

Daniel Brühl
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Nebenan

Deutschland 2021, 92 min, deutsche Originalfassung

Regie: Daniel Brühl

Daniel, vielbeschäftigter Filmschauspieler, führt ein Jetset-Leben. Die Luxuswohnung in Berlin-Prenzlauer Berg dient als Basis für ihn und seine deutsch-spanische Familie. Auf dem Weg nach London zu einem wichtigen Vorsprechen macht er kurz Halt in der Kneipe um die Ecke. Über seine Kopfhörer telefoniert er mit seinem Agenten, läuft dabei mechanisch hin und her und bestellt nonchalant einen Kaffee. Mit seiner aalglatten Art, dem gestriegelten Anzug und seinen Telefongesprächen auf Englisch wirkt er fehl am Platz. Außer ihm sind noch zwei andere Gäste da. Der eine, bereits betrunken, sabbert vor sich hin, den Kopf auf die Arme gelegt. Der zweite hört ihm aber ganz genau zu. Und schon bald stellen die beiden fest, dass sie Nachbarn sind. (kino-zeit.de)

„Als der Schauspieler Daniel kurz vor einem Casting in seiner Stammkneipe noch auf einen Kaffee hereinschaut, ahnt er noch nicht, was ihn erwartet. Denn der Mann, der sich zu ihm setzt, weiß scheinbar alles über ihn. Und was als unschuldiges Geplänkel beginnt, entwickelt sich schon bald zu einem irrwitzigen Katz- und Maus-Spiel. Unter der Oberfläche pointierter Dialoge behandelt das Regiedebüt von Daniel Brühl hochrelevante Themen und hält als kluge Milieustudie der künstlerisch intellektuellen Arroganz einen bitterbös reflektierenden Spiegel vor.

Mit der Figur des Schauspielers Daniel und des Ur-Berliners Bruno lassen Regisseur Brühl und Drehbuchautor Kehlmann zwei Archetypen in einem Katz- und Maus-Kammerspiel gegeneinander antreten. Und auch wenn die Stimmung bis zum Bersten angespannt ist, so ist doch das Hin und Her zwischen beiden Protagonisten ein leichtes und hoch amüsantes Vergnügen. Nicht nur sind die Dialoge mit einem großen Gespür für Timing und Effizienz gesetzt. Es liegt auch und vor allen Dingen an dem lustvollen Spiel von Peter Kurth und Daniel Brühl, dass NEBENAN nicht eine Minute zu lang erscheint. Brühl ist mutig genug, seine eigene Persona mit der Maske des blasierten und in anderen Atmosphären schwebenden Künstlers zu vermischen, der behauptet, die urige Stammkneipe sei ihm, genau wie das Haus, für dessen Penthouse er sich einen eigenen Lift einbauen ließ, ja so sehr ans Herz gewachsen. Stück für Stück fällt diese Maske, und Brühl verkörpert diese Wandlung glaubwürdig. Und Peter Kurth ist als sein fast schon meditativ ruhiges und allwissendes Gegenüber ein ebenbürtiger Sparringspartner. Mit all seiner Kraft und Größe, die Kurth schon in so vielen Rollen unter Beweis stellen konnte, bleibt sein Bruno den ganzen Film über ein sphinxartiges Rätsel.“ (FBW)

„Das Drehbuch von NEBENAN hat Daniel Kehlmann geschrieben und es ist so gut, dass man jeden Satz, jede Geste von Daniel beschreiben möchte: Wie er durch dieses erzbodenständige Terrain schreitet und glaubt es dominieren zu können mit seiner Business-Straffheit, seinen englischen Telefonaten mit Hollywood-Agentinnen und der Kumpelei mit der Altostberliner Wirtin. Daniel ist nämlich auch das: ein Klischee-Wessi, der alles dafür tut, nicht als solcher gesehen zu werden.“ (Kathleen Hildebrand, sueddeutsche.de)

 

Sa 21.08.

Der Masseur (Śniegu Już Nigdy Nie Będzie), OmdU

Małgorzata Szumowska & Michał Englert
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Der Masseur (Śniegu Już Nigdy Nie Będzie)

Polen / Deutschland 2020, 113 min, polnische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Małgorzata Szumowska, Michał Englert

Aus dem Nebel scheint er zu kommen, geht mit bestimmten Schritten durch den Wald, überquert Brücken und schließlich die Grenze zwischen der Ukraine und Polen. Dabei trägt Zhenia sein Arbeitsutensil mit sich herum: Eine Massageliege. Einige Zeit später betritt er eine von Mauern und Wachpersonal beschützte Siedlung in einem Vorort Warschaus, in der die neureichen Polens in einförmigen Einfamilienhäusern leben und ihren Wohlstand genießen sollten. Doch genauso wenig wie dies den Bewohnern von Vorstädten in Amerika, Frankreich oder anderen Ländern der westlichen Welt gelingen mag (zumindest im Kino nicht), gelingt es den polnischen Familien. Redlich bemühen sie sich, alle Ingredienzien des westlichen Lebensstils zu präsentieren, von überdimensionalen Fernsehern, über glitzernde Küchen, bis zu ausladenden Couchgarnituren, doch glücklich wirken sie in dieser Umgebung nicht. Zumindest für kurze Zeit soll eine Massage von Zhenia Abhilfe schaffen, doch bald werden die Wünsche von Klientin wie der gelangweilten Hausfrau Maria, der Witwe Ewa, die sich mit Drogen beruhigen will oder einem krebskranken Mann und seiner Frau expliziter. Unverhohlen machen sie den gut gebauten, aber schweigsamen Zhenia an, dessen Hände fast spirituelle Fähigkeiten zu haben scheinen. Unter der Massage geraten seine Patienten in Hypnose, traumartige Sequenzen lassen ihre Phantasien mit Zhenias Erinnerungen an seine Kindheit in Tschernobyl verschwimmen. (…) Die Sehnsucht nach Sinn, nach Spiritualität, scheint sich dabei durch den mysteriösen Zhenia zu erfüllen, doch der hat in den Augen weiter Teile der polnischen Gesellschaft schwerwiegende Makel: Er ist Fremder und möglicherweise auch noch homosexuell.

Einmal mehr erweist sich Małgorzata Szumowska auch in NEVER GONNA SNOW AGAIN als scharfe Beobachterin der Entwicklungen ihrer Heimat, die sie diesmal nicht mehr so speziell zeigt wie etwa noch in IM NAMEN DES… oder DIE MASKE, sondern in universellere Gefilde überhöht, die andeuten, dass sich Polen im Guten wie im Schlechten zunehmend zu einem westlichen Land entwickelt. (Michael Meyns, programmkino.de)

So 22.08.

Bad Luck Banging or Loony Porn (Babardeală cu bucluc sau porno balamuc), OmdU

Radu Jude
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Bad Luck Banging or Loony Porn (Babardeală cu bucluc sau porno balamuc)                                              Goldener Bär 2021

Rumänien/ L/ CZ/ KH 2021, 106 min, rumänische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Radu Jude

Lustvoll, zügellos, explizit: Emi und ihr Mann haben großartigen und ausschweifenden Sex. Leider auch auf Video. Ihr sehr privater Pornofilm gerät irgendwie ins Internet und geht viral. Weil Emi eine Lehrerin an einer renommierten Schule ist, haben darüber sehr viele Leute eine Meinung. Wahrheitsgrad egal, Begründung überflüssig. Von moralisch empört über aggressiv anklagend bis vulgär beleidigend ist alles dabei. Emi muss antreten zu einem Elternabend der besonderen Art. Sie macht sich auf den Weg durch die groteske Alltagsbrutalität auf den Straßen von Bukarest. Über diesen Porno möchte seltsamerweise niemand einen Shitstorm verbreiten. In der Hoffnung auf eine Verbündete stattet Emi der Schuldirektorin einen Besuch ab – doch weit gefehlt. Man muss doch den Eltern die Gelegenheit zur Aussprache geben. Doch die „Debatte“ gerät zum Tribunal – über konsensualen Sex, Pornografie, die Nazis, Wahrheit, Bildungstheorie und vieles mehr. Emi verlebt einen wahrlich schrillen Abend zwischen archaischen Affekten und manischem Meinungsfuror. Die Lehrerin wird plötzlich nicht nur für ihr Sexleben verantwortlich gemacht, sondern auch für die rumänische Geschichte des 20. Jahrhunderts, die Psychologie der Kinder im Allgemeinen und für die Emanzipation sowieso natürlich auch. Die Moral der Elternschicht? Man ist sich einig, dass man in Kürze bald wieder anderer Meinung sein wird. Ein Goldener Bär für ein überwältigendes Meisterwerk: BAD LUCK BANGING OR LOONY PORN von Radu Jude ist glückliches Fragment, Enzyklopädie unserer Zeit und die gnadenlose Versuchsanordnung einer völlig zersplitterten Gemeinschaft, die nur noch in der Feindseligkeit zusammenfinden kann. Radu Jude treibt den Irrwitz auf die Spitze und lässt uns erahnen, zu welch bitterböser Farce unsere Zeit geworden ist, die man den Untergang der Demokratie nennen könnte. Eine filmische Erfahrung zwischen totaler Finsternis und grell erleuchteter Humorzone.

BAD LUCK BANGING OR LOONY PORN ist bestimmt kein perfekter Film — zu deutlich trägt er (nicht ohne Stolz) das Skizzenhafte und Improvisierte, das auch seinen Zeitpunkt des Entstehens im Sommer 2020 inmitten einer Pandemie nicht schamvoll verschweigt, sondern vielmehr geschickt mit einbaut, vor sich her und stellt es aus. Einen ‚Entwurf für einen populären Film‘ nennt Radu Jude selbst diesen räudigen Bastard von einem Film — und trifft damit genau das Lebensgefühl vieler Menschen zu Zeiten einer Pandemie: Es ist gerade nicht die Zeit für das über alles erhabene Meisterwerk. Zu brüchig und fragil ist diese Welt gerade geworden, zu fragwürdig sind ihre Grundlagen, zu morsch ihre Pfeiler, auf denen sie eigentlich ruhen sollte. Und wenn diese Welt gerade in ihre Bestandteile zerfällt, dann sind Improvisation und Wut auf die bestehenden Verhältnisse sicherlich nicht die schlechtesten Begleiter in dem anstehenden Überlebenskampf. Denn wie anders lässt sich dem Wahnsinn der Welt da draußen sonst noch begegnen? Und vermutlich liegt gerade hierin die große Meisterschaft dieses wüsten Films — dies zu erkennen und so unverblümt, wild und frei auf die ‚Leinwand‘ zu bringen. Selbst wenn diese wie im Falle der gerade stattfindenden Online-Berlinale nur aus einem kleinen Computerscreen besteht. Radu Judes Film besitzt jedenfalls die Kraft, dies für eine Stunde und 46 Minuten vergessen zu machen.“ (Joachim Kurz, kino-zeit.de)

„Radu Judes Berlinale-Gewinner über das Verhältnis von Pornos und posttotalitärer Gesellschaft lässt sich auch vor dem Hintergrund dieser besessenen Formensuche verstehen: als streckenweise wild montierter ‚Skizzenfilm‘ (Radu Jude), eine symbolische Demaskierung unter Corona-Bedingungen.“ (Katja Nicodemus, DIE ZEIT Nr. 11/2021)

 

So 22.08.

Nebenan

Daniel Brühl
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Nebenan

Deutschland 2021, 92 min, deutsche Originalfassung

Regie: Daniel Brühl

Daniel, vielbeschäftigter Filmschauspieler, führt ein Jetset-Leben. Die Luxuswohnung in Berlin-Prenzlauer Berg dient als Basis für ihn und seine deutsch-spanische Familie. Auf dem Weg nach London zu einem wichtigen Vorsprechen macht er kurz Halt in der Kneipe um die Ecke. Über seine Kopfhörer telefoniert er mit seinem Agenten, läuft dabei mechanisch hin und her und bestellt nonchalant einen Kaffee. Mit seiner aalglatten Art, dem gestriegelten Anzug und seinen Telefongesprächen auf Englisch wirkt er fehl am Platz. Außer ihm sind noch zwei andere Gäste da. Der eine, bereits betrunken, sabbert vor sich hin, den Kopf auf die Arme gelegt. Der zweite hört ihm aber ganz genau zu. Und schon bald stellen die beiden fest, dass sie Nachbarn sind. (kino-zeit.de)

„Als der Schauspieler Daniel kurz vor einem Casting in seiner Stammkneipe noch auf einen Kaffee hereinschaut, ahnt er noch nicht, was ihn erwartet. Denn der Mann, der sich zu ihm setzt, weiß scheinbar alles über ihn. Und was als unschuldiges Geplänkel beginnt, entwickelt sich schon bald zu einem irrwitzigen Katz- und Maus-Spiel. Unter der Oberfläche pointierter Dialoge behandelt das Regiedebüt von Daniel Brühl hochrelevante Themen und hält als kluge Milieustudie der künstlerisch intellektuellen Arroganz einen bitterbös reflektierenden Spiegel vor.

Mit der Figur des Schauspielers Daniel und des Ur-Berliners Bruno lassen Regisseur Brühl und Drehbuchautor Kehlmann zwei Archetypen in einem Katz- und Maus-Kammerspiel gegeneinander antreten. Und auch wenn die Stimmung bis zum Bersten angespannt ist, so ist doch das Hin und Her zwischen beiden Protagonisten ein leichtes und hoch amüsantes Vergnügen. Nicht nur sind die Dialoge mit einem großen Gespür für Timing und Effizienz gesetzt. Es liegt auch und vor allen Dingen an dem lustvollen Spiel von Peter Kurth und Daniel Brühl, dass NEBENAN nicht eine Minute zu lang erscheint. Brühl ist mutig genug, seine eigene Persona mit der Maske des blasierten und in anderen Atmosphären schwebenden Künstlers zu vermischen, der behauptet, die urige Stammkneipe sei ihm, genau wie das Haus, für dessen Penthouse er sich einen eigenen Lift einbauen ließ, ja so sehr ans Herz gewachsen. Stück für Stück fällt diese Maske, und Brühl verkörpert diese Wandlung glaubwürdig. Und Peter Kurth ist als sein fast schon meditativ ruhiges und allwissendes Gegenüber ein ebenbürtiger Sparringspartner. Mit all seiner Kraft und Größe, die Kurth schon in so vielen Rollen unter Beweis stellen konnte, bleibt sein Bruno den ganzen Film über ein sphinxartiges Rätsel.“ (FBW)

„Das Drehbuch von NEBENAN hat Daniel Kehlmann geschrieben und es ist so gut, dass man jeden Satz, jede Geste von Daniel beschreiben möchte: Wie er durch dieses erzbodenständige Terrain schreitet und glaubt es dominieren zu können mit seiner Business-Straffheit, seinen englischen Telefonaten mit Hollywood-Agentinnen und der Kumpelei mit der Altostberliner Wirtin. Daniel ist nämlich auch das: ein Klischee-Wessi, der alles dafür tut, nicht als solcher gesehen zu werden.“ (Kathleen Hildebrand, sueddeutsche.de)

 

So 22.08.

Der Masseur (Śniegu Już Nigdy Nie Będzie), OmdU

Małgorzata Szumowska & Michał Englert
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Der Masseur (Śniegu Już Nigdy Nie Będzie)

Polen / Deutschland 2020, 113 min, polnische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Małgorzata Szumowska, Michał Englert

Aus dem Nebel scheint er zu kommen, geht mit bestimmten Schritten durch den Wald, überquert Brücken und schließlich die Grenze zwischen der Ukraine und Polen. Dabei trägt Zhenia sein Arbeitsutensil mit sich herum: Eine Massageliege. Einige Zeit später betritt er eine von Mauern und Wachpersonal beschützte Siedlung in einem Vorort Warschaus, in der die neureichen Polens in einförmigen Einfamilienhäusern leben und ihren Wohlstand genießen sollten. Doch genauso wenig wie dies den Bewohnern von Vorstädten in Amerika, Frankreich oder anderen Ländern der westlichen Welt gelingen mag (zumindest im Kino nicht), gelingt es den polnischen Familien. Redlich bemühen sie sich, alle Ingredienzien des westlichen Lebensstils zu präsentieren, von überdimensionalen Fernsehern, über glitzernde Küchen, bis zu ausladenden Couchgarnituren, doch glücklich wirken sie in dieser Umgebung nicht. Zumindest für kurze Zeit soll eine Massage von Zhenia Abhilfe schaffen, doch bald werden die Wünsche von Klientin wie der gelangweilten Hausfrau Maria, der Witwe Ewa, die sich mit Drogen beruhigen will oder einem krebskranken Mann und seiner Frau expliziter. Unverhohlen machen sie den gut gebauten, aber schweigsamen Zhenia an, dessen Hände fast spirituelle Fähigkeiten zu haben scheinen. Unter der Massage geraten seine Patienten in Hypnose, traumartige Sequenzen lassen ihre Phantasien mit Zhenias Erinnerungen an seine Kindheit in Tschernobyl verschwimmen. (…) Die Sehnsucht nach Sinn, nach Spiritualität, scheint sich dabei durch den mysteriösen Zhenia zu erfüllen, doch der hat in den Augen weiter Teile der polnischen Gesellschaft schwerwiegende Makel: Er ist Fremder und möglicherweise auch noch homosexuell.

Einmal mehr erweist sich Małgorzata Szumowska auch in NEVER GONNA SNOW AGAIN als scharfe Beobachterin der Entwicklungen ihrer Heimat, die sie diesmal nicht mehr so speziell zeigt wie etwa noch in IM NAMEN DES… oder DIE MASKE, sondern in universellere Gefilde überhöht, die andeuten, dass sich Polen im Guten wie im Schlechten zunehmend zu einem westlichen Land entwickelt. (Michael Meyns, programmkino.de)

Der Masseur (Śniegu Już Nigdy Nie Będzie), OmdU
Mo 23.08.

Contemporary Past (Teraźniejszość przeszłości / Die Gegenwart der Vergangenheit), OmdU

Kamil Majchrzak
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Contemporary Past (Teraźniejszość przeszłości / Die Gegenwart der Vergangenheit)

Polen / Deutschland 2019, 59 min, OmdU

Regie: Kamil Majchrzak

Im ehemaligen deutschen Konzentrationslager Buchenwald treffen sich mehrere Schülerinnen und Schüler aus Rumänien, Polen und Deutschland, um die Geschichte des Holocaust der Sinti und Roma zu erforschen. Was wissen sie über die jahrhundertelange Diskriminierung von Sinti und Roma in ihren Ländern? Haben Minderheiten einen Platz in ihren nationalen Erinnerungs- und Gedenkkulturen? Welchen Beitrag kann aktive Zeugenschaft in der Erinnerungsarbeit leisten? Sinti und Roma gehören zu der größten Minderheit in Europa, die seit Jahrhunderten hier leben und nach wie vor Ziel sozialer Ausgrenzung und Gewalt werden. Der filmische Essay verweist auf eine ethische Archäologie der Vergangenheit, in der zeitgenössisches Gedenken die Art und Weise offenbart, wie wir uns selbst und unsere Gesellschaft betrachten und Verantwortung für das Gegenüber übernehmen müssen. Die Musik für den Dokumentarfilm wurde von dem slowakischen Roma Miroslav Rác komponiert, der ähnlich wie der Regisseur des Films zur dritten Generation von Überlebenden gehört.

„Behutsam tastet sich der aus Polen stammende, seit längerem in Deutschland lebende Regisseur Kamil Majchrzak an sein Thema heran, beobachtet anfangs die Schüler bei ihrem Besuch in Buchenwald, bei Projekten, die mittels unmittelbarer Konfrontation mit Objekten die Abstraktion des Unvorstellbaren zu überwinden suchen. Bald jedoch öffnet sich der Blick des Films, schwenken auch die Gedanken der Schüler in Formen der Diskriminierung der Gegenwart. In Flüchtlingsunterkünften, Baracken und notdürftigen Behausungen in Rumänien und Deutschland kommen Sinti und Roma zu Wort, die Nachkommen derjenigen sein könnten, die vor so vielen Jahrzehnten in Buchenwald interniert waren, bevor sie nach Osten transportiert wurden, mit dem Ziel Auschwitz.

Die gegenwärtige Diskriminierung ist einerseits kaum mit der zu vergleichen, die im Dritten Reich herrschte, andererseits sind Parallelen nicht zu übersehen. Wiederholt sich hier Geschichte? (Michael Meyns, programmkino.de)

“CONTEMPORARY PAST (ist) mehr als nur die Auflistung von vergangenem und aktuellem Leid. Vielmehr sucht der Film, suchen die jungen Menschen nach einem Weg in die Zukunft, in dem solche Gräueltaten vielleicht kein Thema mehr sind. Gerade das Thema des Rassismus beschäftigt viele der Teilnehmenden, dem sie mehr Offenheit und Toleranz entgegenbringen wollen. Die eine bessere Welt wollen, als ihnen ihre Vorfahren zurückgelassen haben. Ob sie die am Ende finden werden, ist dabei zwangsläufig noch offen, ob die Wünsche und guten Absichten verfolgt werden, anstatt nur momentaner naiver Idealismus zu sein. Dem dokumentarischen Essay gelingt es jedoch gut, beides in eine Balance zu bringen: das Bewusstsein für das Grauen der Vergangenheit und die Hoffnung auf eine Zukunft, in der es für jeden Menschen einen Platz gibt, woher er auch kommen, wie auch immer er aussehen mag.” (Oliver Armknecht, film-rezensionen.de)

 

Contemporary Past (Teraźniejszość przeszłości / Die Gegenwart der Vergangenheit), OmdU
Mo 23.08.

Der Masseur (Śniegu Już Nigdy Nie Będzie), OmdU

Małgorzata Szumowska & Michał Englert
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Der Masseur (Śniegu Już Nigdy Nie Będzie)

Polen / Deutschland 2020, 113 min, polnische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Małgorzata Szumowska, Michał Englert

Aus dem Nebel scheint er zu kommen, geht mit bestimmten Schritten durch den Wald, überquert Brücken und schließlich die Grenze zwischen der Ukraine und Polen. Dabei trägt Zhenia sein Arbeitsutensil mit sich herum: Eine Massageliege. Einige Zeit später betritt er eine von Mauern und Wachpersonal beschützte Siedlung in einem Vorort Warschaus, in der die neureichen Polens in einförmigen Einfamilienhäusern leben und ihren Wohlstand genießen sollten. Doch genauso wenig wie dies den Bewohnern von Vorstädten in Amerika, Frankreich oder anderen Ländern der westlichen Welt gelingen mag (zumindest im Kino nicht), gelingt es den polnischen Familien. Redlich bemühen sie sich, alle Ingredienzien des westlichen Lebensstils zu präsentieren, von überdimensionalen Fernsehern, über glitzernde Küchen, bis zu ausladenden Couchgarnituren, doch glücklich wirken sie in dieser Umgebung nicht. Zumindest für kurze Zeit soll eine Massage von Zhenia Abhilfe schaffen, doch bald werden die Wünsche von Klientin wie der gelangweilten Hausfrau Maria, der Witwe Ewa, die sich mit Drogen beruhigen will oder einem krebskranken Mann und seiner Frau expliziter. Unverhohlen machen sie den gut gebauten, aber schweigsamen Zhenia an, dessen Hände fast spirituelle Fähigkeiten zu haben scheinen. Unter der Massage geraten seine Patienten in Hypnose, traumartige Sequenzen lassen ihre Phantasien mit Zhenias Erinnerungen an seine Kindheit in Tschernobyl verschwimmen. (…) Die Sehnsucht nach Sinn, nach Spiritualität, scheint sich dabei durch den mysteriösen Zhenia zu erfüllen, doch der hat in den Augen weiter Teile der polnischen Gesellschaft schwerwiegende Makel: Er ist Fremder und möglicherweise auch noch homosexuell.

Einmal mehr erweist sich Małgorzata Szumowska auch in NEVER GONNA SNOW AGAIN als scharfe Beobachterin der Entwicklungen ihrer Heimat, die sie diesmal nicht mehr so speziell zeigt wie etwa noch in IM NAMEN DES… oder DIE MASKE, sondern in universellere Gefilde überhöht, die andeuten, dass sich Polen im Guten wie im Schlechten zunehmend zu einem westlichen Land entwickelt. (Michael Meyns, programmkino.de)

Di 24.08.

Contemporary Past (Teraźniejszość przeszłości / Die Gegenwart der Vergangenheit), OmdU

Kamil Majchrzak
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Contemporary Past (Teraźniejszość przeszłości / Die Gegenwart der Vergangenheit)

Polen / Deutschland 2019, 59 min, OmdU

Regie: Kamil Majchrzak

Im ehemaligen deutschen Konzentrationslager Buchenwald treffen sich mehrere Schülerinnen und Schüler aus Rumänien, Polen und Deutschland, um die Geschichte des Holocaust der Sinti und Roma zu erforschen. Was wissen sie über die jahrhundertelange Diskriminierung von Sinti und Roma in ihren Ländern? Haben Minderheiten einen Platz in ihren nationalen Erinnerungs- und Gedenkkulturen? Welchen Beitrag kann aktive Zeugenschaft in der Erinnerungsarbeit leisten? Sinti und Roma gehören zu der größten Minderheit in Europa, die seit Jahrhunderten hier leben und nach wie vor Ziel sozialer Ausgrenzung und Gewalt werden. Der filmische Essay verweist auf eine ethische Archäologie der Vergangenheit, in der zeitgenössisches Gedenken die Art und Weise offenbart, wie wir uns selbst und unsere Gesellschaft betrachten und Verantwortung für das Gegenüber übernehmen müssen. Die Musik für den Dokumentarfilm wurde von dem slowakischen Roma Miroslav Rác komponiert, der ähnlich wie der Regisseur des Films zur dritten Generation von Überlebenden gehört.

„Behutsam tastet sich der aus Polen stammende, seit längerem in Deutschland lebende Regisseur Kamil Majchrzak an sein Thema heran, beobachtet anfangs die Schüler bei ihrem Besuch in Buchenwald, bei Projekten, die mittels unmittelbarer Konfrontation mit Objekten die Abstraktion des Unvorstellbaren zu überwinden suchen. Bald jedoch öffnet sich der Blick des Films, schwenken auch die Gedanken der Schüler in Formen der Diskriminierung der Gegenwart. In Flüchtlingsunterkünften, Baracken und notdürftigen Behausungen in Rumänien und Deutschland kommen Sinti und Roma zu Wort, die Nachkommen derjenigen sein könnten, die vor so vielen Jahrzehnten in Buchenwald interniert waren, bevor sie nach Osten transportiert wurden, mit dem Ziel Auschwitz.

Die gegenwärtige Diskriminierung ist einerseits kaum mit der zu vergleichen, die im Dritten Reich herrschte, andererseits sind Parallelen nicht zu übersehen. Wiederholt sich hier Geschichte? (Michael Meyns, programmkino.de)

“CONTEMPORARY PAST (ist) mehr als nur die Auflistung von vergangenem und aktuellem Leid. Vielmehr sucht der Film, suchen die jungen Menschen nach einem Weg in die Zukunft, in dem solche Gräueltaten vielleicht kein Thema mehr sind. Gerade das Thema des Rassismus beschäftigt viele der Teilnehmenden, dem sie mehr Offenheit und Toleranz entgegenbringen wollen. Die eine bessere Welt wollen, als ihnen ihre Vorfahren zurückgelassen haben. Ob sie die am Ende finden werden, ist dabei zwangsläufig noch offen, ob die Wünsche und guten Absichten verfolgt werden, anstatt nur momentaner naiver Idealismus zu sein. Dem dokumentarischen Essay gelingt es jedoch gut, beides in eine Balance zu bringen: das Bewusstsein für das Grauen der Vergangenheit und die Hoffnung auf eine Zukunft, in der es für jeden Menschen einen Platz gibt, woher er auch kommen, wie auch immer er aussehen mag.” (Oliver Armknecht, film-rezensionen.de)

 

Di 24.08.

Der Masseur (Śniegu Już Nigdy Nie Będzie), OmdU

Małgorzata Szumowska & Michał Englert
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Der Masseur (Śniegu Już Nigdy Nie Będzie)

Polen / Deutschland 2020, 113 min, polnische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Małgorzata Szumowska, Michał Englert

Aus dem Nebel scheint er zu kommen, geht mit bestimmten Schritten durch den Wald, überquert Brücken und schließlich die Grenze zwischen der Ukraine und Polen. Dabei trägt Zhenia sein Arbeitsutensil mit sich herum: Eine Massageliege. Einige Zeit später betritt er eine von Mauern und Wachpersonal beschützte Siedlung in einem Vorort Warschaus, in der die neureichen Polens in einförmigen Einfamilienhäusern leben und ihren Wohlstand genießen sollten. Doch genauso wenig wie dies den Bewohnern von Vorstädten in Amerika, Frankreich oder anderen Ländern der westlichen Welt gelingen mag (zumindest im Kino nicht), gelingt es den polnischen Familien. Redlich bemühen sie sich, alle Ingredienzien des westlichen Lebensstils zu präsentieren, von überdimensionalen Fernsehern, über glitzernde Küchen, bis zu ausladenden Couchgarnituren, doch glücklich wirken sie in dieser Umgebung nicht. Zumindest für kurze Zeit soll eine Massage von Zhenia Abhilfe schaffen, doch bald werden die Wünsche von Klientin wie der gelangweilten Hausfrau Maria, der Witwe Ewa, die sich mit Drogen beruhigen will oder einem krebskranken Mann und seiner Frau expliziter. Unverhohlen machen sie den gut gebauten, aber schweigsamen Zhenia an, dessen Hände fast spirituelle Fähigkeiten zu haben scheinen. Unter der Massage geraten seine Patienten in Hypnose, traumartige Sequenzen lassen ihre Phantasien mit Zhenias Erinnerungen an seine Kindheit in Tschernobyl verschwimmen. (…) Die Sehnsucht nach Sinn, nach Spiritualität, scheint sich dabei durch den mysteriösen Zhenia zu erfüllen, doch der hat in den Augen weiter Teile der polnischen Gesellschaft schwerwiegende Makel: Er ist Fremder und möglicherweise auch noch homosexuell.

Einmal mehr erweist sich Małgorzata Szumowska auch in NEVER GONNA SNOW AGAIN als scharfe Beobachterin der Entwicklungen ihrer Heimat, die sie diesmal nicht mehr so speziell zeigt wie etwa noch in IM NAMEN DES… oder DIE MASKE, sondern in universellere Gefilde überhöht, die andeuten, dass sich Polen im Guten wie im Schlechten zunehmend zu einem westlichen Land entwickelt. (Michael Meyns, programmkino.de)

Mi 25.08.

Der Masseur (Śniegu Już Nigdy Nie Będzie), OmdU

Małgorzata Szumowska & Michał Englert
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Der Masseur (Śniegu Już Nigdy Nie Będzie)

Polen / Deutschland 2020, 113 min, polnische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Małgorzata Szumowska, Michał Englert

Aus dem Nebel scheint er zu kommen, geht mit bestimmten Schritten durch den Wald, überquert Brücken und schließlich die Grenze zwischen der Ukraine und Polen. Dabei trägt Zhenia sein Arbeitsutensil mit sich herum: Eine Massageliege. Einige Zeit später betritt er eine von Mauern und Wachpersonal beschützte Siedlung in einem Vorort Warschaus, in der die neureichen Polens in einförmigen Einfamilienhäusern leben und ihren Wohlstand genießen sollten. Doch genauso wenig wie dies den Bewohnern von Vorstädten in Amerika, Frankreich oder anderen Ländern der westlichen Welt gelingen mag (zumindest im Kino nicht), gelingt es den polnischen Familien. Redlich bemühen sie sich, alle Ingredienzien des westlichen Lebensstils zu präsentieren, von überdimensionalen Fernsehern, über glitzernde Küchen, bis zu ausladenden Couchgarnituren, doch glücklich wirken sie in dieser Umgebung nicht. Zumindest für kurze Zeit soll eine Massage von Zhenia Abhilfe schaffen, doch bald werden die Wünsche von Klientin wie der gelangweilten Hausfrau Maria, der Witwe Ewa, die sich mit Drogen beruhigen will oder einem krebskranken Mann und seiner Frau expliziter. Unverhohlen machen sie den gut gebauten, aber schweigsamen Zhenia an, dessen Hände fast spirituelle Fähigkeiten zu haben scheinen. Unter der Massage geraten seine Patienten in Hypnose, traumartige Sequenzen lassen ihre Phantasien mit Zhenias Erinnerungen an seine Kindheit in Tschernobyl verschwimmen. (…) Die Sehnsucht nach Sinn, nach Spiritualität, scheint sich dabei durch den mysteriösen Zhenia zu erfüllen, doch der hat in den Augen weiter Teile der polnischen Gesellschaft schwerwiegende Makel: Er ist Fremder und möglicherweise auch noch homosexuell.

Einmal mehr erweist sich Małgorzata Szumowska auch in NEVER GONNA SNOW AGAIN als scharfe Beobachterin der Entwicklungen ihrer Heimat, die sie diesmal nicht mehr so speziell zeigt wie etwa noch in IM NAMEN DES… oder DIE MASKE, sondern in universellere Gefilde überhöht, die andeuten, dass sich Polen im Guten wie im Schlechten zunehmend zu einem westlichen Land entwickelt. (Michael Meyns, programmkino.de)

Mi 25.08.

Nebenan

Daniel Brühl
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Nebenan

Deutschland 2021, 92 min, deutsche Originalfassung

Regie: Daniel Brühl

Daniel, vielbeschäftigter Filmschauspieler, führt ein Jetset-Leben. Die Luxuswohnung in Berlin-Prenzlauer Berg dient als Basis für ihn und seine deutsch-spanische Familie. Auf dem Weg nach London zu einem wichtigen Vorsprechen macht er kurz Halt in der Kneipe um die Ecke. Über seine Kopfhörer telefoniert er mit seinem Agenten, läuft dabei mechanisch hin und her und bestellt nonchalant einen Kaffee. Mit seiner aalglatten Art, dem gestriegelten Anzug und seinen Telefongesprächen auf Englisch wirkt er fehl am Platz. Außer ihm sind noch zwei andere Gäste da. Der eine, bereits betrunken, sabbert vor sich hin, den Kopf auf die Arme gelegt. Der zweite hört ihm aber ganz genau zu. Und schon bald stellen die beiden fest, dass sie Nachbarn sind. (kino-zeit.de)

„Als der Schauspieler Daniel kurz vor einem Casting in seiner Stammkneipe noch auf einen Kaffee hereinschaut, ahnt er noch nicht, was ihn erwartet. Denn der Mann, der sich zu ihm setzt, weiß scheinbar alles über ihn. Und was als unschuldiges Geplänkel beginnt, entwickelt sich schon bald zu einem irrwitzigen Katz- und Maus-Spiel. Unter der Oberfläche pointierter Dialoge behandelt das Regiedebüt von Daniel Brühl hochrelevante Themen und hält als kluge Milieustudie der künstlerisch intellektuellen Arroganz einen bitterbös reflektierenden Spiegel vor.

Mit der Figur des Schauspielers Daniel und des Ur-Berliners Bruno lassen Regisseur Brühl und Drehbuchautor Kehlmann zwei Archetypen in einem Katz- und Maus-Kammerspiel gegeneinander antreten. Und auch wenn die Stimmung bis zum Bersten angespannt ist, so ist doch das Hin und Her zwischen beiden Protagonisten ein leichtes und hoch amüsantes Vergnügen. Nicht nur sind die Dialoge mit einem großen Gespür für Timing und Effizienz gesetzt. Es liegt auch und vor allen Dingen an dem lustvollen Spiel von Peter Kurth und Daniel Brühl, dass NEBENAN nicht eine Minute zu lang erscheint. Brühl ist mutig genug, seine eigene Persona mit der Maske des blasierten und in anderen Atmosphären schwebenden Künstlers zu vermischen, der behauptet, die urige Stammkneipe sei ihm, genau wie das Haus, für dessen Penthouse er sich einen eigenen Lift einbauen ließ, ja so sehr ans Herz gewachsen. Stück für Stück fällt diese Maske, und Brühl verkörpert diese Wandlung glaubwürdig. Und Peter Kurth ist als sein fast schon meditativ ruhiges und allwissendes Gegenüber ein ebenbürtiger Sparringspartner. Mit all seiner Kraft und Größe, die Kurth schon in so vielen Rollen unter Beweis stellen konnte, bleibt sein Bruno den ganzen Film über ein sphinxartiges Rätsel.“ (FBW)

„Das Drehbuch von NEBENAN hat Daniel Kehlmann geschrieben und es ist so gut, dass man jeden Satz, jede Geste von Daniel beschreiben möchte: Wie er durch dieses erzbodenständige Terrain schreitet und glaubt es dominieren zu können mit seiner Business-Straffheit, seinen englischen Telefonaten mit Hollywood-Agentinnen und der Kumpelei mit der Altostberliner Wirtin. Daniel ist nämlich auch das: ein Klischee-Wessi, der alles dafür tut, nicht als solcher gesehen zu werden.“ (Kathleen Hildebrand, sueddeutsche.de)

 

Do 26.08.

Grenzland (Pogranicze), OmdU

Andreas Voigt
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Grenzland

Deutschland / Polen 2020, 100 min, Englisch | Deutsch | Polnisch mit deutschen UT

Regie: Andreas Voigt

Eine Reise entlang der Oder und der Neiße, entlang der deutsch polnischen Grenze. Begegnungen auf beiden Seiten der Flüsse. Erkundungen. Geschichten vom Rand – doch aus der Mitte Europas. Arbeit, Heimat, Liebe. Menschen, ihre Geschichte und ihre Landschaft. Im Süden Niederschlesien – dort, wo Polen Deutschland und Tschechien einander treffen, in der Mitte das flache Land an der Oder, im Norden, das Stettiner Haff. Eine Reise im Grenzland.

Bewegungen und Geschichten im Grenzland zwischen Polen und Deutschland – mit seinem neuen Film knüpft Andreas Voigt thematisch an seine Arbeit Grenzland – Eine Reise von 1992 an.

„Das aufgeladene Wort ‚Heimat‘ treibt sein (Un-)wesen in den Köpfen und Herzen der Leute: was sie einmal war und was aus ihr geworden ist! Sicher, in der täglichen Agenda hat das nicht oberste Priorität. Aber wie Menschen dieses Wort besetzen und wie das wiederum ihre Haltungen strukturiert, das bestimmt auch, wie sie sich selbst den Geschmack des Lebens im Hier und Jetzt von Europa zusammenreimen.“ (Ralph Eue, DOK Leipzig 2020)

Do 26.08.

Gunda

Wiktor Kossakowski
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Gunda

Norwegen / USA 2020, 93 min, ohne Dialog

Regie: Wiktor Kossakowski

In glänzend schwarz-weißen Kamerafahrten erkundet GUNDA das Leben seiner Hauptfiguren, immer aus ihrer Augenhöhe und in respektvoller Distanz, die zugleich intime Nähe zu den Tieren schafft: Wann bietet sich schon die Zeit und Gelegenheit, einer Gruppe Ferkel und ihrer Mutter in Ruhe dabei zuschauen zu können, wie sie durch das Unterholz streifen? Wie oft kommt es vor, dass man einem Schwein tief in die Augen blicken kann, jede Borste auf seiner Stirn wahrnimmt, gemeinsam einen kurzen Augenblick bei ihm voller Wärme verweilt? GUNDA ist kein Film nur für Stadtkinder, um „den Bauernhof“ und seine Bewohner zu vermitteln, ebenso wie er kein aktivistischer Film über Vegetarismus ist, der den Weg zur gegenseitigen Achtung über schockierende Szenen von Schlachtungen und Folter wählt. Stattdessen lässt GUNDA sich auf die Tiere als seine Gegenüber ein, als Lebewesen mit eigenem Wahrnehmen und Fühlen, eigenen Gedanken und Träumen, die wir für einen kurzen Moment vielleicht teilen können. (Lars Dolkemeyer, kino-zeit.de)

Gunda
Do 26.08.

Der Masseur (Śniegu Już Nigdy Nie Będzie), OmdU

Małgorzata Szumowska & Michał Englert
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Der Masseur (Śniegu Już Nigdy Nie Będzie)

Polen / Deutschland 2020, 113 min, polnische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Małgorzata Szumowska, Michał Englert

Aus dem Nebel scheint er zu kommen, geht mit bestimmten Schritten durch den Wald, überquert Brücken und schließlich die Grenze zwischen der Ukraine und Polen. Dabei trägt Zhenia sein Arbeitsutensil mit sich herum: Eine Massageliege. Einige Zeit später betritt er eine von Mauern und Wachpersonal beschützte Siedlung in einem Vorort Warschaus, in der die neureichen Polens in einförmigen Einfamilienhäusern leben und ihren Wohlstand genießen sollten. Doch genauso wenig wie dies den Bewohnern von Vorstädten in Amerika, Frankreich oder anderen Ländern der westlichen Welt gelingen mag (zumindest im Kino nicht), gelingt es den polnischen Familien. Redlich bemühen sie sich, alle Ingredienzien des westlichen Lebensstils zu präsentieren, von überdimensionalen Fernsehern, über glitzernde Küchen, bis zu ausladenden Couchgarnituren, doch glücklich wirken sie in dieser Umgebung nicht. Zumindest für kurze Zeit soll eine Massage von Zhenia Abhilfe schaffen, doch bald werden die Wünsche von Klientin wie der gelangweilten Hausfrau Maria, der Witwe Ewa, die sich mit Drogen beruhigen will oder einem krebskranken Mann und seiner Frau expliziter. Unverhohlen machen sie den gut gebauten, aber schweigsamen Zhenia an, dessen Hände fast spirituelle Fähigkeiten zu haben scheinen. Unter der Massage geraten seine Patienten in Hypnose, traumartige Sequenzen lassen ihre Phantasien mit Zhenias Erinnerungen an seine Kindheit in Tschernobyl verschwimmen. (…) Die Sehnsucht nach Sinn, nach Spiritualität, scheint sich dabei durch den mysteriösen Zhenia zu erfüllen, doch der hat in den Augen weiter Teile der polnischen Gesellschaft schwerwiegende Makel: Er ist Fremder und möglicherweise auch noch homosexuell.

Einmal mehr erweist sich Małgorzata Szumowska auch in NEVER GONNA SNOW AGAIN als scharfe Beobachterin der Entwicklungen ihrer Heimat, die sie diesmal nicht mehr so speziell zeigt wie etwa noch in IM NAMEN DES… oder DIE MASKE, sondern in universellere Gefilde überhöht, die andeuten, dass sich Polen im Guten wie im Schlechten zunehmend zu einem westlichen Land entwickelt. (Michael Meyns, programmkino.de)

Fr 27.08.

Nebenan

Daniel Brühl
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Nebenan

Deutschland 2021, 92 min, deutsche Originalfassung

Regie: Daniel Brühl

Daniel, vielbeschäftigter Filmschauspieler, führt ein Jetset-Leben. Die Luxuswohnung in Berlin-Prenzlauer Berg dient als Basis für ihn und seine deutsch-spanische Familie. Auf dem Weg nach London zu einem wichtigen Vorsprechen macht er kurz Halt in der Kneipe um die Ecke. Über seine Kopfhörer telefoniert er mit seinem Agenten, läuft dabei mechanisch hin und her und bestellt nonchalant einen Kaffee. Mit seiner aalglatten Art, dem gestriegelten Anzug und seinen Telefongesprächen auf Englisch wirkt er fehl am Platz. Außer ihm sind noch zwei andere Gäste da. Der eine, bereits betrunken, sabbert vor sich hin, den Kopf auf die Arme gelegt. Der zweite hört ihm aber ganz genau zu. Und schon bald stellen die beiden fest, dass sie Nachbarn sind. (kino-zeit.de)

„Als der Schauspieler Daniel kurz vor einem Casting in seiner Stammkneipe noch auf einen Kaffee hereinschaut, ahnt er noch nicht, was ihn erwartet. Denn der Mann, der sich zu ihm setzt, weiß scheinbar alles über ihn. Und was als unschuldiges Geplänkel beginnt, entwickelt sich schon bald zu einem irrwitzigen Katz- und Maus-Spiel. Unter der Oberfläche pointierter Dialoge behandelt das Regiedebüt von Daniel Brühl hochrelevante Themen und hält als kluge Milieustudie der künstlerisch intellektuellen Arroganz einen bitterbös reflektierenden Spiegel vor.

Mit der Figur des Schauspielers Daniel und des Ur-Berliners Bruno lassen Regisseur Brühl und Drehbuchautor Kehlmann zwei Archetypen in einem Katz- und Maus-Kammerspiel gegeneinander antreten. Und auch wenn die Stimmung bis zum Bersten angespannt ist, so ist doch das Hin und Her zwischen beiden Protagonisten ein leichtes und hoch amüsantes Vergnügen. Nicht nur sind die Dialoge mit einem großen Gespür für Timing und Effizienz gesetzt. Es liegt auch und vor allen Dingen an dem lustvollen Spiel von Peter Kurth und Daniel Brühl, dass NEBENAN nicht eine Minute zu lang erscheint. Brühl ist mutig genug, seine eigene Persona mit der Maske des blasierten und in anderen Atmosphären schwebenden Künstlers zu vermischen, der behauptet, die urige Stammkneipe sei ihm, genau wie das Haus, für dessen Penthouse er sich einen eigenen Lift einbauen ließ, ja so sehr ans Herz gewachsen. Stück für Stück fällt diese Maske, und Brühl verkörpert diese Wandlung glaubwürdig. Und Peter Kurth ist als sein fast schon meditativ ruhiges und allwissendes Gegenüber ein ebenbürtiger Sparringspartner. Mit all seiner Kraft und Größe, die Kurth schon in so vielen Rollen unter Beweis stellen konnte, bleibt sein Bruno den ganzen Film über ein sphinxartiges Rätsel.“ (FBW)

„Das Drehbuch von NEBENAN hat Daniel Kehlmann geschrieben und es ist so gut, dass man jeden Satz, jede Geste von Daniel beschreiben möchte: Wie er durch dieses erzbodenständige Terrain schreitet und glaubt es dominieren zu können mit seiner Business-Straffheit, seinen englischen Telefonaten mit Hollywood-Agentinnen und der Kumpelei mit der Altostberliner Wirtin. Daniel ist nämlich auch das: ein Klischee-Wessi, der alles dafür tut, nicht als solcher gesehen zu werden.“ (Kathleen Hildebrand, sueddeutsche.de)

 

Fr 27.08.

Gunda

Wiktor Kossakowski
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Gunda

Norwegen / USA 2020, 93 min, ohne Dialog

Regie: Wiktor Kossakowski

In glänzend schwarz-weißen Kamerafahrten erkundet GUNDA das Leben seiner Hauptfiguren, immer aus ihrer Augenhöhe und in respektvoller Distanz, die zugleich intime Nähe zu den Tieren schafft: Wann bietet sich schon die Zeit und Gelegenheit, einer Gruppe Ferkel und ihrer Mutter in Ruhe dabei zuschauen zu können, wie sie durch das Unterholz streifen? Wie oft kommt es vor, dass man einem Schwein tief in die Augen blicken kann, jede Borste auf seiner Stirn wahrnimmt, gemeinsam einen kurzen Augenblick bei ihm voller Wärme verweilt? GUNDA ist kein Film nur für Stadtkinder, um „den Bauernhof“ und seine Bewohner zu vermitteln, ebenso wie er kein aktivistischer Film über Vegetarismus ist, der den Weg zur gegenseitigen Achtung über schockierende Szenen von Schlachtungen und Folter wählt. Stattdessen lässt GUNDA sich auf die Tiere als seine Gegenüber ein, als Lebewesen mit eigenem Wahrnehmen und Fühlen, eigenen Gedanken und Träumen, die wir für einen kurzen Moment vielleicht teilen können. (Lars Dolkemeyer, kino-zeit.de)

Fr 27.08.

Der Masseur (Śniegu Już Nigdy Nie Będzie), OmdU

Małgorzata Szumowska & Michał Englert
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Der Masseur (Śniegu Już Nigdy Nie Będzie)

Polen / Deutschland 2020, 113 min, polnische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Małgorzata Szumowska, Michał Englert

Aus dem Nebel scheint er zu kommen, geht mit bestimmten Schritten durch den Wald, überquert Brücken und schließlich die Grenze zwischen der Ukraine und Polen. Dabei trägt Zhenia sein Arbeitsutensil mit sich herum: Eine Massageliege. Einige Zeit später betritt er eine von Mauern und Wachpersonal beschützte Siedlung in einem Vorort Warschaus, in der die neureichen Polens in einförmigen Einfamilienhäusern leben und ihren Wohlstand genießen sollten. Doch genauso wenig wie dies den Bewohnern von Vorstädten in Amerika, Frankreich oder anderen Ländern der westlichen Welt gelingen mag (zumindest im Kino nicht), gelingt es den polnischen Familien. Redlich bemühen sie sich, alle Ingredienzien des westlichen Lebensstils zu präsentieren, von überdimensionalen Fernsehern, über glitzernde Küchen, bis zu ausladenden Couchgarnituren, doch glücklich wirken sie in dieser Umgebung nicht. Zumindest für kurze Zeit soll eine Massage von Zhenia Abhilfe schaffen, doch bald werden die Wünsche von Klientin wie der gelangweilten Hausfrau Maria, der Witwe Ewa, die sich mit Drogen beruhigen will oder einem krebskranken Mann und seiner Frau expliziter. Unverhohlen machen sie den gut gebauten, aber schweigsamen Zhenia an, dessen Hände fast spirituelle Fähigkeiten zu haben scheinen. Unter der Massage geraten seine Patienten in Hypnose, traumartige Sequenzen lassen ihre Phantasien mit Zhenias Erinnerungen an seine Kindheit in Tschernobyl verschwimmen. (…) Die Sehnsucht nach Sinn, nach Spiritualität, scheint sich dabei durch den mysteriösen Zhenia zu erfüllen, doch der hat in den Augen weiter Teile der polnischen Gesellschaft schwerwiegende Makel: Er ist Fremder und möglicherweise auch noch homosexuell.

Einmal mehr erweist sich Małgorzata Szumowska auch in NEVER GONNA SNOW AGAIN als scharfe Beobachterin der Entwicklungen ihrer Heimat, die sie diesmal nicht mehr so speziell zeigt wie etwa noch in IM NAMEN DES… oder DIE MASKE, sondern in universellere Gefilde überhöht, die andeuten, dass sich Polen im Guten wie im Schlechten zunehmend zu einem westlichen Land entwickelt. (Michael Meyns, programmkino.de)

Sa 28.08.

Nebenan

Daniel Brühl
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Nebenan

Deutschland 2021, 92 min, deutsche Originalfassung

Regie: Daniel Brühl

Daniel, vielbeschäftigter Filmschauspieler, führt ein Jetset-Leben. Die Luxuswohnung in Berlin-Prenzlauer Berg dient als Basis für ihn und seine deutsch-spanische Familie. Auf dem Weg nach London zu einem wichtigen Vorsprechen macht er kurz Halt in der Kneipe um die Ecke. Über seine Kopfhörer telefoniert er mit seinem Agenten, läuft dabei mechanisch hin und her und bestellt nonchalant einen Kaffee. Mit seiner aalglatten Art, dem gestriegelten Anzug und seinen Telefongesprächen auf Englisch wirkt er fehl am Platz. Außer ihm sind noch zwei andere Gäste da. Der eine, bereits betrunken, sabbert vor sich hin, den Kopf auf die Arme gelegt. Der zweite hört ihm aber ganz genau zu. Und schon bald stellen die beiden fest, dass sie Nachbarn sind. (kino-zeit.de)

„Als der Schauspieler Daniel kurz vor einem Casting in seiner Stammkneipe noch auf einen Kaffee hereinschaut, ahnt er noch nicht, was ihn erwartet. Denn der Mann, der sich zu ihm setzt, weiß scheinbar alles über ihn. Und was als unschuldiges Geplänkel beginnt, entwickelt sich schon bald zu einem irrwitzigen Katz- und Maus-Spiel. Unter der Oberfläche pointierter Dialoge behandelt das Regiedebüt von Daniel Brühl hochrelevante Themen und hält als kluge Milieustudie der künstlerisch intellektuellen Arroganz einen bitterbös reflektierenden Spiegel vor.

Mit der Figur des Schauspielers Daniel und des Ur-Berliners Bruno lassen Regisseur Brühl und Drehbuchautor Kehlmann zwei Archetypen in einem Katz- und Maus-Kammerspiel gegeneinander antreten. Und auch wenn die Stimmung bis zum Bersten angespannt ist, so ist doch das Hin und Her zwischen beiden Protagonisten ein leichtes und hoch amüsantes Vergnügen. Nicht nur sind die Dialoge mit einem großen Gespür für Timing und Effizienz gesetzt. Es liegt auch und vor allen Dingen an dem lustvollen Spiel von Peter Kurth und Daniel Brühl, dass NEBENAN nicht eine Minute zu lang erscheint. Brühl ist mutig genug, seine eigene Persona mit der Maske des blasierten und in anderen Atmosphären schwebenden Künstlers zu vermischen, der behauptet, die urige Stammkneipe sei ihm, genau wie das Haus, für dessen Penthouse er sich einen eigenen Lift einbauen ließ, ja so sehr ans Herz gewachsen. Stück für Stück fällt diese Maske, und Brühl verkörpert diese Wandlung glaubwürdig. Und Peter Kurth ist als sein fast schon meditativ ruhiges und allwissendes Gegenüber ein ebenbürtiger Sparringspartner. Mit all seiner Kraft und Größe, die Kurth schon in so vielen Rollen unter Beweis stellen konnte, bleibt sein Bruno den ganzen Film über ein sphinxartiges Rätsel.“ (FBW)

„Das Drehbuch von NEBENAN hat Daniel Kehlmann geschrieben und es ist so gut, dass man jeden Satz, jede Geste von Daniel beschreiben möchte: Wie er durch dieses erzbodenständige Terrain schreitet und glaubt es dominieren zu können mit seiner Business-Straffheit, seinen englischen Telefonaten mit Hollywood-Agentinnen und der Kumpelei mit der Altostberliner Wirtin. Daniel ist nämlich auch das: ein Klischee-Wessi, der alles dafür tut, nicht als solcher gesehen zu werden.“ (Kathleen Hildebrand, sueddeutsche.de)

 

Sa 28.08.

Space Dogs (Спейс догс / Космические собаки), OmdU

Elsa Kremser & Levin Peter
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Space Dogs (Спейс догс / Космические собаки)

AT/ D 2019, 91 min, russische Originalfassung mit deutschen Untertiteln

Regie: Elsa Kremser, Levin Peter

Die streunende Hündin Laika wurde als erstes Lebewesen ins All geschickt – und damit in den sicheren Tod. Einer Legende nach kehrte sie als Geist zur Erde zurück und streift seither durch die Straßen von Moskau. Laikas Spuren folgend und aus Perspektive der Hunde gedreht, begleitet Space Dogs die Abenteuer ihrer Nachfahren: zweier Straßenhunde im heutigen Moskau. Deren Geschichte handelt von inniger Gefolgschaft, unerbittlicher Brutalität und schließlich von ihrem Blick auf uns Menschen. Verwoben mit bisher unveröffentlichtem Filmmaterial aus der Ära der sowjetischen Raumfahrt formt sich eine magische Erzählung über die Moskauer Straßenhunde – vom Aufstieg in den Weltraum bis zum Leben am Erdboden.

„Space Dogs ist ein filmisches Wagnis, das in zwei verschiedene Richtungen verläuft. Die erste führt entlang der Ränder des heutigen Moskau. Die zweite holt jene Zeit der Sowjetunion zurück in die Gegenwart, in der die Ära des Space Race Fahrt aufzunehmen begann. Beide Stränge lehren uns, dass, bevor sich die Menschen selbst in den Weltraum wagten, das Space Race ein Wettlauf der Tierrassen war: zwischen Hunden auf sowjetischer Seite und Schimpansen auf Seiten der ‚freien Welt‘ Unzählige weitere Tierarten sollten folgen. Im Intro des Films erinnert ein auktorialer Erzähler daran, wie die legendäre Kosmonautenhündin Laika in den Straßen von Moskau gefangen und ins All geschickt wurde. Und wie die Hitze während des Wiedereintritts in die Erdatmosphäre ihren toten Körper verglühen und sich in Asche auflösen ließ. Einer ‚Legende‘ zufolge, hört man die Stimme sagen, kehrte Laikas Geist zurück auf die Straßen von Moskau. Von Beginn an trägt Space Dogs damit den Charakter einer mystischen Suche nach Laika und den Seelen anderer Kosmonautenhunde in sich. Doch zugleich bildet der Film ein äußerst realistisches und dokumentarisches Werk, das einem Rudel tatsächlicher Straßenhunde auf ihren tagtäglichen, meist nächtlichen Streifzügen durch die Straßen von Moskau folgt. (…)

Von den ersten Bildern in einem Moskauer Wohnviertel an scheint es keine natürlichere, zweckmäßigere Aufgabe für eine Filmkamera zu geben, als Hunden zu folgen. Doch diese Natürlichkeit ist nicht unbedingt heiter oder idyllisch. Was an einer Stelle des Films ein ruhiger Morgenspaziergang zu werden scheint, kippt plötzlich in eine brutale Jagdszene, die den Betrachter im traumatischen Zustand des Staunens zurücklässt, ähnlich einem Voyeur, der unvermutet Zeuge eines Mordes wird. Die Kamera selbst gibt eine Form ‚wilden‘ Verhaltens wieder. Diese Protagonisten fordern den Film dazu heraus, so unvorhersehbar wie ein wildes Tier zu sein und sich wie dieses auf vier Beinen weiterzubewegen, streunend zwischen Dokument und Märchen, Vergangenheit und Gegenwart.“ (Eugenio Renzi, Essay, Juli 2019)

Es kommen noch weitere Tiere im Film vor: ein Schimpanse und zwei Schildkröten. Wie kam es zu dieser Konstellation? L.P.: Diese Tiere kamen erst spät in unsere Erzählung, weil wir erst sehr spät erfahren haben, dass ein Jahr vor der Mondlandung zwei Landschildkröten um den Mond gekreist sind. In der Recherche kamen immer wieder kleine märchenhafte Geschichten auf uns eingeprasselt und wir versuchten, sie ins heutige Moskau einzubauen. E.K.: Es war spannend herauszufinden, welche anderen Tierarten ebenfalls ins All geschickt worden sind. Von Schimpansen wussten wir, es gab aber auch Ratten, Vögel, Spinnen, Salamander, Hasen, Katzen… Es sollte auch ein märchenhafter Film werden. Es hat uns eine Art Arche-Noah-Gefühl beschäftigt, das wir transportieren wollten. In unserer Recherche nach Schimpansen in Moskau kam heraus, dass Schimpansen häufig als Attraktion auf Kindergeburtstagen oder privaten Partys verwendet werden. So haben wir einen Schimpansen mit seinem Showtrainer entdeckt und festgestellt, dass auch der Schimpanse ein Stadttier geworden ist.“ (Levin Peter und Elsa Kremser im Gespräch mit Karin Schiefer, Auszug, Juli 2019)

Sa 28.08.

Gunda

Wiktor Kossakowski
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Gunda

Norwegen / USA 2020, 93 min, ohne Dialog

Regie: Wiktor Kossakowski

In glänzend schwarz-weißen Kamerafahrten erkundet GUNDA das Leben seiner Hauptfiguren, immer aus ihrer Augenhöhe und in respektvoller Distanz, die zugleich intime Nähe zu den Tieren schafft: Wann bietet sich schon die Zeit und Gelegenheit, einer Gruppe Ferkel und ihrer Mutter in Ruhe dabei zuschauen zu können, wie sie durch das Unterholz streifen? Wie oft kommt es vor, dass man einem Schwein tief in die Augen blicken kann, jede Borste auf seiner Stirn wahrnimmt, gemeinsam einen kurzen Augenblick bei ihm voller Wärme verweilt? GUNDA ist kein Film nur für Stadtkinder, um „den Bauernhof“ und seine Bewohner zu vermitteln, ebenso wie er kein aktivistischer Film über Vegetarismus ist, der den Weg zur gegenseitigen Achtung über schockierende Szenen von Schlachtungen und Folter wählt. Stattdessen lässt GUNDA sich auf die Tiere als seine Gegenüber ein, als Lebewesen mit eigenem Wahrnehmen und Fühlen, eigenen Gedanken und Träumen, die wir für einen kurzen Moment vielleicht teilen können. (Lars Dolkemeyer, kino-zeit.de)

Sa 28.08.

Der Masseur (Śniegu Już Nigdy Nie Będzie), OmdU

Małgorzata Szumowska & Michał Englert
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Der Masseur (Śniegu Już Nigdy Nie Będzie)

Polen / Deutschland 2020, 113 min, polnische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Małgorzata Szumowska, Michał Englert

Aus dem Nebel scheint er zu kommen, geht mit bestimmten Schritten durch den Wald, überquert Brücken und schließlich die Grenze zwischen der Ukraine und Polen. Dabei trägt Zhenia sein Arbeitsutensil mit sich herum: Eine Massageliege. Einige Zeit später betritt er eine von Mauern und Wachpersonal beschützte Siedlung in einem Vorort Warschaus, in der die neureichen Polens in einförmigen Einfamilienhäusern leben und ihren Wohlstand genießen sollten. Doch genauso wenig wie dies den Bewohnern von Vorstädten in Amerika, Frankreich oder anderen Ländern der westlichen Welt gelingen mag (zumindest im Kino nicht), gelingt es den polnischen Familien. Redlich bemühen sie sich, alle Ingredienzien des westlichen Lebensstils zu präsentieren, von überdimensionalen Fernsehern, über glitzernde Küchen, bis zu ausladenden Couchgarnituren, doch glücklich wirken sie in dieser Umgebung nicht. Zumindest für kurze Zeit soll eine Massage von Zhenia Abhilfe schaffen, doch bald werden die Wünsche von Klientin wie der gelangweilten Hausfrau Maria, der Witwe Ewa, die sich mit Drogen beruhigen will oder einem krebskranken Mann und seiner Frau expliziter. Unverhohlen machen sie den gut gebauten, aber schweigsamen Zhenia an, dessen Hände fast spirituelle Fähigkeiten zu haben scheinen. Unter der Massage geraten seine Patienten in Hypnose, traumartige Sequenzen lassen ihre Phantasien mit Zhenias Erinnerungen an seine Kindheit in Tschernobyl verschwimmen. (…) Die Sehnsucht nach Sinn, nach Spiritualität, scheint sich dabei durch den mysteriösen Zhenia zu erfüllen, doch der hat in den Augen weiter Teile der polnischen Gesellschaft schwerwiegende Makel: Er ist Fremder und möglicherweise auch noch homosexuell.

Einmal mehr erweist sich Małgorzata Szumowska auch in NEVER GONNA SNOW AGAIN als scharfe Beobachterin der Entwicklungen ihrer Heimat, die sie diesmal nicht mehr so speziell zeigt wie etwa noch in IM NAMEN DES… oder DIE MASKE, sondern in universellere Gefilde überhöht, die andeuten, dass sich Polen im Guten wie im Schlechten zunehmend zu einem westlichen Land entwickelt. (Michael Meyns, programmkino.de)

Der Masseur (Śniegu Już Nigdy Nie Będzie), OmdU
So 29.08.

Bad Luck Banging or Loony Porn (Babardeală cu bucluc sau porno balamuc), OmdU

Radu Jude
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Bad Luck Banging or Loony Porn (Babardeală cu bucluc sau porno balamuc)                                              Goldener Bär 2021

Rumänien/ L/ CZ/ KH 2021, 106 min, rumänische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Radu Jude

Lustvoll, zügellos, explizit: Emi und ihr Mann haben großartigen und ausschweifenden Sex. Leider auch auf Video. Ihr sehr privater Pornofilm gerät irgendwie ins Internet und geht viral. Weil Emi eine Lehrerin an einer renommierten Schule ist, haben darüber sehr viele Leute eine Meinung. Wahrheitsgrad egal, Begründung überflüssig. Von moralisch empört über aggressiv anklagend bis vulgär beleidigend ist alles dabei. Emi muss antreten zu einem Elternabend der besonderen Art. Sie macht sich auf den Weg durch die groteske Alltagsbrutalität auf den Straßen von Bukarest. Über diesen Porno möchte seltsamerweise niemand einen Shitstorm verbreiten. In der Hoffnung auf eine Verbündete stattet Emi der Schuldirektorin einen Besuch ab – doch weit gefehlt. Man muss doch den Eltern die Gelegenheit zur Aussprache geben. Doch die „Debatte“ gerät zum Tribunal – über konsensualen Sex, Pornografie, die Nazis, Wahrheit, Bildungstheorie und vieles mehr. Emi verlebt einen wahrlich schrillen Abend zwischen archaischen Affekten und manischem Meinungsfuror. Die Lehrerin wird plötzlich nicht nur für ihr Sexleben verantwortlich gemacht, sondern auch für die rumänische Geschichte des 20. Jahrhunderts, die Psychologie der Kinder im Allgemeinen und für die Emanzipation sowieso natürlich auch. Die Moral der Elternschicht? Man ist sich einig, dass man in Kürze bald wieder anderer Meinung sein wird. Ein Goldener Bär für ein überwältigendes Meisterwerk: BAD LUCK BANGING OR LOONY PORN von Radu Jude ist glückliches Fragment, Enzyklopädie unserer Zeit und die gnadenlose Versuchsanordnung einer völlig zersplitterten Gemeinschaft, die nur noch in der Feindseligkeit zusammenfinden kann. Radu Jude treibt den Irrwitz auf die Spitze und lässt uns erahnen, zu welch bitterböser Farce unsere Zeit geworden ist, die man den Untergang der Demokratie nennen könnte. Eine filmische Erfahrung zwischen totaler Finsternis und grell erleuchteter Humorzone.

BAD LUCK BANGING OR LOONY PORN ist bestimmt kein perfekter Film — zu deutlich trägt er (nicht ohne Stolz) das Skizzenhafte und Improvisierte, das auch seinen Zeitpunkt des Entstehens im Sommer 2020 inmitten einer Pandemie nicht schamvoll verschweigt, sondern vielmehr geschickt mit einbaut, vor sich her und stellt es aus. Einen ‚Entwurf für einen populären Film‘ nennt Radu Jude selbst diesen räudigen Bastard von einem Film — und trifft damit genau das Lebensgefühl vieler Menschen zu Zeiten einer Pandemie: Es ist gerade nicht die Zeit für das über alles erhabene Meisterwerk. Zu brüchig und fragil ist diese Welt gerade geworden, zu fragwürdig sind ihre Grundlagen, zu morsch ihre Pfeiler, auf denen sie eigentlich ruhen sollte. Und wenn diese Welt gerade in ihre Bestandteile zerfällt, dann sind Improvisation und Wut auf die bestehenden Verhältnisse sicherlich nicht die schlechtesten Begleiter in dem anstehenden Überlebenskampf. Denn wie anders lässt sich dem Wahnsinn der Welt da draußen sonst noch begegnen? Und vermutlich liegt gerade hierin die große Meisterschaft dieses wüsten Films — dies zu erkennen und so unverblümt, wild und frei auf die ‚Leinwand‘ zu bringen. Selbst wenn diese wie im Falle der gerade stattfindenden Online-Berlinale nur aus einem kleinen Computerscreen besteht. Radu Judes Film besitzt jedenfalls die Kraft, dies für eine Stunde und 46 Minuten vergessen zu machen.“ (Joachim Kurz, kino-zeit.de)

„Radu Judes Berlinale-Gewinner über das Verhältnis von Pornos und posttotalitärer Gesellschaft lässt sich auch vor dem Hintergrund dieser besessenen Formensuche verstehen: als streckenweise wild montierter ‚Skizzenfilm‘ (Radu Jude), eine symbolische Demaskierung unter Corona-Bedingungen.“ (Katja Nicodemus, DIE ZEIT Nr. 11/2021)

 

So 29.08.

Gunda

Wiktor Kossakowski
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Gunda

Norwegen / USA 2020, 93 min, ohne Dialog

Regie: Wiktor Kossakowski

In glänzend schwarz-weißen Kamerafahrten erkundet GUNDA das Leben seiner Hauptfiguren, immer aus ihrer Augenhöhe und in respektvoller Distanz, die zugleich intime Nähe zu den Tieren schafft: Wann bietet sich schon die Zeit und Gelegenheit, einer Gruppe Ferkel und ihrer Mutter in Ruhe dabei zuschauen zu können, wie sie durch das Unterholz streifen? Wie oft kommt es vor, dass man einem Schwein tief in die Augen blicken kann, jede Borste auf seiner Stirn wahrnimmt, gemeinsam einen kurzen Augenblick bei ihm voller Wärme verweilt? GUNDA ist kein Film nur für Stadtkinder, um „den Bauernhof“ und seine Bewohner zu vermitteln, ebenso wie er kein aktivistischer Film über Vegetarismus ist, der den Weg zur gegenseitigen Achtung über schockierende Szenen von Schlachtungen und Folter wählt. Stattdessen lässt GUNDA sich auf die Tiere als seine Gegenüber ein, als Lebewesen mit eigenem Wahrnehmen und Fühlen, eigenen Gedanken und Träumen, die wir für einen kurzen Moment vielleicht teilen können. (Lars Dolkemeyer, kino-zeit.de)

So 29.08.

Der Masseur (Śniegu Już Nigdy Nie Będzie), OmdU

Małgorzata Szumowska & Michał Englert
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Der Masseur (Śniegu Już Nigdy Nie Będzie)

Polen / Deutschland 2020, 113 min, polnische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Małgorzata Szumowska, Michał Englert

Aus dem Nebel scheint er zu kommen, geht mit bestimmten Schritten durch den Wald, überquert Brücken und schließlich die Grenze zwischen der Ukraine und Polen. Dabei trägt Zhenia sein Arbeitsutensil mit sich herum: Eine Massageliege. Einige Zeit später betritt er eine von Mauern und Wachpersonal beschützte Siedlung in einem Vorort Warschaus, in der die neureichen Polens in einförmigen Einfamilienhäusern leben und ihren Wohlstand genießen sollten. Doch genauso wenig wie dies den Bewohnern von Vorstädten in Amerika, Frankreich oder anderen Ländern der westlichen Welt gelingen mag (zumindest im Kino nicht), gelingt es den polnischen Familien. Redlich bemühen sie sich, alle Ingredienzien des westlichen Lebensstils zu präsentieren, von überdimensionalen Fernsehern, über glitzernde Küchen, bis zu ausladenden Couchgarnituren, doch glücklich wirken sie in dieser Umgebung nicht. Zumindest für kurze Zeit soll eine Massage von Zhenia Abhilfe schaffen, doch bald werden die Wünsche von Klientin wie der gelangweilten Hausfrau Maria, der Witwe Ewa, die sich mit Drogen beruhigen will oder einem krebskranken Mann und seiner Frau expliziter. Unverhohlen machen sie den gut gebauten, aber schweigsamen Zhenia an, dessen Hände fast spirituelle Fähigkeiten zu haben scheinen. Unter der Massage geraten seine Patienten in Hypnose, traumartige Sequenzen lassen ihre Phantasien mit Zhenias Erinnerungen an seine Kindheit in Tschernobyl verschwimmen. (…) Die Sehnsucht nach Sinn, nach Spiritualität, scheint sich dabei durch den mysteriösen Zhenia zu erfüllen, doch der hat in den Augen weiter Teile der polnischen Gesellschaft schwerwiegende Makel: Er ist Fremder und möglicherweise auch noch homosexuell.

Einmal mehr erweist sich Małgorzata Szumowska auch in NEVER GONNA SNOW AGAIN als scharfe Beobachterin der Entwicklungen ihrer Heimat, die sie diesmal nicht mehr so speziell zeigt wie etwa noch in IM NAMEN DES… oder DIE MASKE, sondern in universellere Gefilde überhöht, die andeuten, dass sich Polen im Guten wie im Schlechten zunehmend zu einem westlichen Land entwickelt. (Michael Meyns, programmkino.de)

Der Masseur (Śniegu Już Nigdy Nie Będzie), OmdU
So 29.08.

Nebenan

Daniel Brühl
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Nebenan

Deutschland 2021, 92 min, deutsche Originalfassung

Regie: Daniel Brühl

Daniel, vielbeschäftigter Filmschauspieler, führt ein Jetset-Leben. Die Luxuswohnung in Berlin-Prenzlauer Berg dient als Basis für ihn und seine deutsch-spanische Familie. Auf dem Weg nach London zu einem wichtigen Vorsprechen macht er kurz Halt in der Kneipe um die Ecke. Über seine Kopfhörer telefoniert er mit seinem Agenten, läuft dabei mechanisch hin und her und bestellt nonchalant einen Kaffee. Mit seiner aalglatten Art, dem gestriegelten Anzug und seinen Telefongesprächen auf Englisch wirkt er fehl am Platz. Außer ihm sind noch zwei andere Gäste da. Der eine, bereits betrunken, sabbert vor sich hin, den Kopf auf die Arme gelegt. Der zweite hört ihm aber ganz genau zu. Und schon bald stellen die beiden fest, dass sie Nachbarn sind. (kino-zeit.de)

„Als der Schauspieler Daniel kurz vor einem Casting in seiner Stammkneipe noch auf einen Kaffee hereinschaut, ahnt er noch nicht, was ihn erwartet. Denn der Mann, der sich zu ihm setzt, weiß scheinbar alles über ihn. Und was als unschuldiges Geplänkel beginnt, entwickelt sich schon bald zu einem irrwitzigen Katz- und Maus-Spiel. Unter der Oberfläche pointierter Dialoge behandelt das Regiedebüt von Daniel Brühl hochrelevante Themen und hält als kluge Milieustudie der künstlerisch intellektuellen Arroganz einen bitterbös reflektierenden Spiegel vor.

Mit der Figur des Schauspielers Daniel und des Ur-Berliners Bruno lassen Regisseur Brühl und Drehbuchautor Kehlmann zwei Archetypen in einem Katz- und Maus-Kammerspiel gegeneinander antreten. Und auch wenn die Stimmung bis zum Bersten angespannt ist, so ist doch das Hin und Her zwischen beiden Protagonisten ein leichtes und hoch amüsantes Vergnügen. Nicht nur sind die Dialoge mit einem großen Gespür für Timing und Effizienz gesetzt. Es liegt auch und vor allen Dingen an dem lustvollen Spiel von Peter Kurth und Daniel Brühl, dass NEBENAN nicht eine Minute zu lang erscheint. Brühl ist mutig genug, seine eigene Persona mit der Maske des blasierten und in anderen Atmosphären schwebenden Künstlers zu vermischen, der behauptet, die urige Stammkneipe sei ihm, genau wie das Haus, für dessen Penthouse er sich einen eigenen Lift einbauen ließ, ja so sehr ans Herz gewachsen. Stück für Stück fällt diese Maske, und Brühl verkörpert diese Wandlung glaubwürdig. Und Peter Kurth ist als sein fast schon meditativ ruhiges und allwissendes Gegenüber ein ebenbürtiger Sparringspartner. Mit all seiner Kraft und Größe, die Kurth schon in so vielen Rollen unter Beweis stellen konnte, bleibt sein Bruno den ganzen Film über ein sphinxartiges Rätsel.“ (FBW)

„Das Drehbuch von NEBENAN hat Daniel Kehlmann geschrieben und es ist so gut, dass man jeden Satz, jede Geste von Daniel beschreiben möchte: Wie er durch dieses erzbodenständige Terrain schreitet und glaubt es dominieren zu können mit seiner Business-Straffheit, seinen englischen Telefonaten mit Hollywood-Agentinnen und der Kumpelei mit der Altostberliner Wirtin. Daniel ist nämlich auch das: ein Klischee-Wessi, der alles dafür tut, nicht als solcher gesehen zu werden.“ (Kathleen Hildebrand, sueddeutsche.de)

 

Nebenan
Mo 30.08.

Gunda

Wiktor Kossakowski
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Gunda

Norwegen / USA 2020, 93 min, ohne Dialog

Regie: Wiktor Kossakowski

In glänzend schwarz-weißen Kamerafahrten erkundet GUNDA das Leben seiner Hauptfiguren, immer aus ihrer Augenhöhe und in respektvoller Distanz, die zugleich intime Nähe zu den Tieren schafft: Wann bietet sich schon die Zeit und Gelegenheit, einer Gruppe Ferkel und ihrer Mutter in Ruhe dabei zuschauen zu können, wie sie durch das Unterholz streifen? Wie oft kommt es vor, dass man einem Schwein tief in die Augen blicken kann, jede Borste auf seiner Stirn wahrnimmt, gemeinsam einen kurzen Augenblick bei ihm voller Wärme verweilt? GUNDA ist kein Film nur für Stadtkinder, um „den Bauernhof“ und seine Bewohner zu vermitteln, ebenso wie er kein aktivistischer Film über Vegetarismus ist, der den Weg zur gegenseitigen Achtung über schockierende Szenen von Schlachtungen und Folter wählt. Stattdessen lässt GUNDA sich auf die Tiere als seine Gegenüber ein, als Lebewesen mit eigenem Wahrnehmen und Fühlen, eigenen Gedanken und Träumen, die wir für einen kurzen Moment vielleicht teilen können. (Lars Dolkemeyer, kino-zeit.de)

Gunda
Mo 30.08.

Der Masseur (Śniegu Już Nigdy Nie Będzie), OmdU

Małgorzata Szumowska & Michał Englert
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Der Masseur (Śniegu Już Nigdy Nie Będzie)

Polen / Deutschland 2020, 113 min, polnische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Małgorzata Szumowska, Michał Englert

Aus dem Nebel scheint er zu kommen, geht mit bestimmten Schritten durch den Wald, überquert Brücken und schließlich die Grenze zwischen der Ukraine und Polen. Dabei trägt Zhenia sein Arbeitsutensil mit sich herum: Eine Massageliege. Einige Zeit später betritt er eine von Mauern und Wachpersonal beschützte Siedlung in einem Vorort Warschaus, in der die neureichen Polens in einförmigen Einfamilienhäusern leben und ihren Wohlstand genießen sollten. Doch genauso wenig wie dies den Bewohnern von Vorstädten in Amerika, Frankreich oder anderen Ländern der westlichen Welt gelingen mag (zumindest im Kino nicht), gelingt es den polnischen Familien. Redlich bemühen sie sich, alle Ingredienzien des westlichen Lebensstils zu präsentieren, von überdimensionalen Fernsehern, über glitzernde Küchen, bis zu ausladenden Couchgarnituren, doch glücklich wirken sie in dieser Umgebung nicht. Zumindest für kurze Zeit soll eine Massage von Zhenia Abhilfe schaffen, doch bald werden die Wünsche von Klientin wie der gelangweilten Hausfrau Maria, der Witwe Ewa, die sich mit Drogen beruhigen will oder einem krebskranken Mann und seiner Frau expliziter. Unverhohlen machen sie den gut gebauten, aber schweigsamen Zhenia an, dessen Hände fast spirituelle Fähigkeiten zu haben scheinen. Unter der Massage geraten seine Patienten in Hypnose, traumartige Sequenzen lassen ihre Phantasien mit Zhenias Erinnerungen an seine Kindheit in Tschernobyl verschwimmen. (…) Die Sehnsucht nach Sinn, nach Spiritualität, scheint sich dabei durch den mysteriösen Zhenia zu erfüllen, doch der hat in den Augen weiter Teile der polnischen Gesellschaft schwerwiegende Makel: Er ist Fremder und möglicherweise auch noch homosexuell.

Einmal mehr erweist sich Małgorzata Szumowska auch in NEVER GONNA SNOW AGAIN als scharfe Beobachterin der Entwicklungen ihrer Heimat, die sie diesmal nicht mehr so speziell zeigt wie etwa noch in IM NAMEN DES… oder DIE MASKE, sondern in universellere Gefilde überhöht, die andeuten, dass sich Polen im Guten wie im Schlechten zunehmend zu einem westlichen Land entwickelt. (Michael Meyns, programmkino.de)

Di 31.08.

Der Masseur (Śniegu Już Nigdy Nie Będzie), OmdU

Małgorzata Szumowska & Michał Englert
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Der Masseur (Śniegu Już Nigdy Nie Będzie)

Polen / Deutschland 2020, 113 min, polnische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Małgorzata Szumowska, Michał Englert

Aus dem Nebel scheint er zu kommen, geht mit bestimmten Schritten durch den Wald, überquert Brücken und schließlich die Grenze zwischen der Ukraine und Polen. Dabei trägt Zhenia sein Arbeitsutensil mit sich herum: Eine Massageliege. Einige Zeit später betritt er eine von Mauern und Wachpersonal beschützte Siedlung in einem Vorort Warschaus, in der die neureichen Polens in einförmigen Einfamilienhäusern leben und ihren Wohlstand genießen sollten. Doch genauso wenig wie dies den Bewohnern von Vorstädten in Amerika, Frankreich oder anderen Ländern der westlichen Welt gelingen mag (zumindest im Kino nicht), gelingt es den polnischen Familien. Redlich bemühen sie sich, alle Ingredienzien des westlichen Lebensstils zu präsentieren, von überdimensionalen Fernsehern, über glitzernde Küchen, bis zu ausladenden Couchgarnituren, doch glücklich wirken sie in dieser Umgebung nicht. Zumindest für kurze Zeit soll eine Massage von Zhenia Abhilfe schaffen, doch bald werden die Wünsche von Klientin wie der gelangweilten Hausfrau Maria, der Witwe Ewa, die sich mit Drogen beruhigen will oder einem krebskranken Mann und seiner Frau expliziter. Unverhohlen machen sie den gut gebauten, aber schweigsamen Zhenia an, dessen Hände fast spirituelle Fähigkeiten zu haben scheinen. Unter der Massage geraten seine Patienten in Hypnose, traumartige Sequenzen lassen ihre Phantasien mit Zhenias Erinnerungen an seine Kindheit in Tschernobyl verschwimmen. (…) Die Sehnsucht nach Sinn, nach Spiritualität, scheint sich dabei durch den mysteriösen Zhenia zu erfüllen, doch der hat in den Augen weiter Teile der polnischen Gesellschaft schwerwiegende Makel: Er ist Fremder und möglicherweise auch noch homosexuell.

Einmal mehr erweist sich Małgorzata Szumowska auch in NEVER GONNA SNOW AGAIN als scharfe Beobachterin der Entwicklungen ihrer Heimat, die sie diesmal nicht mehr so speziell zeigt wie etwa noch in IM NAMEN DES… oder DIE MASKE, sondern in universellere Gefilde überhöht, die andeuten, dass sich Polen im Guten wie im Schlechten zunehmend zu einem westlichen Land entwickelt. (Michael Meyns, programmkino.de)

Di 31.08.

Über Deutschland – in Anwesenheit des Regisseurs Bernhard Sallmann / Deutschland-Premiere!

Bernhard Sallmann
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Über Deutschland

Essayistischer Dokumentarfilm nach dem Text „Über Deutschland – О Германии“ von Marina Zwetajewa

Deutschland 2021, 80 min, deutsche Originalfassung

(nach Bedarf mit russischen UT!!!)

am 31.08. Deutschland-Premiere in Anwesenheit des Regisseurs

Regie: Bernhard Sallmann

Die 17jährige Russin Marina Zwetajewa verbringt den Sommer 1910 im Sanatoriumsort Loschwitz bei Dresden. Im Russland des Kriegskommunismus erinnert sie 1919 diese Zeit und überblendet sie in ihrem Text „Über Deutschland“ mit einem Lobpreis der deutschen Kultur. Sie ist auf dem Sprung, eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts zu werden. Der Film denkt mit Zwetajewas Text als Hauptstimme Varianten von und über Deutschland.

„Der Film ist im März 2020 gedreht. Er blickt mit seiner Hauptfigur in eine vom Winter ausgelaugte Vorfrühlingslandschaft mit wenig Kontur und Farbe. Am 11. März 2020 stuft die WHO die Verbreitung des neuartigen Coronavirus als Pandemie ein, das öffentliche Leben wird weitgehend stillgelegt. Von unten aufsteigend, mischt sich ungewöhnlich leises Verkehrsrauschen auf der Tonspur mit ersten Vogelstimmen, die ihr Revier für den Sommer markieren. Auch das erzeugt eine eigenartige Resonanz mit dem Text. Sein Fluchtpunkt ist ein Luftkurort, gleichzeitig werden ‚Miasmen‘ erwähnt, krankheitsverursachende Materie. Die schwärmerisch fliegende Seele ist an die Festungen der Bürger gebunden. Der Film findet im heutigen Dresden die Artefakte deutscher Schwärmereien vor, Dresdner Barock und Romantik, in Skulpturen gehauene und gegossene Mischwesen (der „Kentaur Chiron“, die „Stürmischen Wogen“), in Heine Ausgaben Illustrationen von Dichtern und Wanderern, die zu Undine, Poseidon, zum Meer und zum Fluss sprechen. Vermitteltes, gefiltertes Schwarm-Material, das Zwetajewa zur Verfügung stand, heute blickt die Sprecherin auf ein Freiluftmuseum und auf die Home Offices, die sich in Dr. Lahmanns ehemaligem physiatrischen Sanatorium befinden mögen. Reizvoller Stillstand, von oben betrachtet.“ (Jan Künemund, 13.03.2021)

 

Über Deutschland – in Anwesenheit des Regisseurs Bernhard Sallmann / Deutschland-Premiere!
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