Do 18.07.

Kino Wien Film

Paul Rosdy
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Paul Rosdy – drei Dokumentarfilme:

Kino Wien Film

AT 2018, 97 min, deutsch | engl. mit dt UT

Regie: Paul Rosdy

KINO WIEN FILM ist eine Kinoreise durch Wien von 1896 bis heute. Sie erzählt mittels Gesprächen mit Kinobetreibern, Filmvorführern und Technikern, Kinobesuchern und einem Historiker sowie zahlreichen Film-, Foto- und Textdokumenten eine Kinogeschichte Wiens – vom ersten Kino auf der Kärntner Straße bis zur heutigen Multiplexwelt.

Zu Wort kommen ausgewiesene Kinoenthusiastinnen und -enthusiasten – von Anna Nitsch-Fitz, die unter größtem persönlichen Einsatz die Breitenseer Lichtspiele betreibt (…) über Christian und Herbert Dörfler vom Haydn English Cinema bis hin zu Christof Papousek, dem Geschäftsführer der Cineplexx Kinobetriebe, Marktführer in Österreich und Südosteuropa. Er und Michael Stejskal vom Votiv Kino erzählen unter anderem, wie die nicht vorhandene Standortpolitik der Stadt Wien Ende der neunziger Jahre zum Wildwuchs an Multiplexen führte. Kinohistoriker Klaus Christian Vögl berichtet von den Schattenseiten der Wiener Kinogeschichte, der Zwangsarisierung von Betrieben und der nicht erfolgten Rückgabe, Stefan Nehez, Erbe einer traditionsreichen Wiener Kinofamilie, von der Unmöglichkeit, 1966 das Zentral Kino in Ottakring weiterzuführen. (…) Alles in allem ergibt das eine reichhaltige und faszinierende Tour durch Geschichte und Gegenwart der Wiener Kinos, ein wenig naiv vielleicht, aber ohne verklärenden Blick und doch auch mit einem gewissen Optimismus, was die Zukunft des Mediums betrifft.“ (Andreas Ungerböck, Ray Magazin 03/19)

Kino Wien Film
Do 18.07.

Wien Retour

Ruth Beckermann
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Ruth Beckermann – drei Dokumentarfilme:

Wien Retour

AT 1983, 91 min

Regie: Ruth Beckermann, Josef Aichholzer

Franz West (1909-85) erinnert sich an seine Jugend in Wien: an die vielfältige jüdische Bevölkerung der Mazzesinsel, an sein Engagement in der Arbeiterbewegung des Roten Wien und an den Aufstieg von Austrofaschismus und Nationalsozialismus. Seine meisterhafte Erzählung und das eindrückliche Archivmaterial verdeutlichen Zusammenhänge in der österreichischen Geschichte der Zwischenkriegszeit.

„Im persönlichen Leben haben so Stadien gewechselt. Eine Periode: Fußball über alles. Jeden Sonntag zum Match, hat selbst gespielt. Dann kam eine Periode- Politik. Starkes Interesse dafür. Der Versuch, einmal diese Welt kennen zu lernen, die man bisher nur als Parteienbezeichnungen kannte. Zum Unterschied von heute haben die Leute eine sehr gute Nase gehabt, oder einen Erkennungsblick gehabt, für das, was ein Jud ist. Heute ist das bei der geringen jüdischen Bevölkerung nicht mehr so eindeutig. Aber so Typen wie ich es war mit schwarzem Haar und einer nicht ganz griechisch- römischen Nase, hat man sofort als Jude agnosziert und man musste nur auf der Straßenbahn einen unfreundlichen Mitfahrer rempeln, dass der sofort den Juden raus gespien hat. Das war da.” (Franz West)

„In diesem grandiosen Filmdokument schildert Franz West, Jude, Sozialdemokrat, Emigrant, Kommunist, Exkommunist, seine zehn Kindheits- und Jugendjahre in Wien von 1924 bis 1934 mit dem schüchternen Lächeln eines Augenzeugen, der nur erzählen will, wie es war, ohne seinem persönlichen Schicksal eine besondere Bedeutung beizumessen – und es ballt sich Weltgeschichte um den alten Herrn!“ (Fritz Walden, Arbeiterzeitung, 11.11.1983)

„Für mich gab es zwei wesentliche Anliegen, diesen Film zu machen: Jemandem das Wort zu geben, der in der heutigen gesellschaftlichen Situation in Österreich nur ungern gehört wird – für die einen ist West ein Linker, für die anderen ein ehemaliger Kommunist und für die Kommunisten ein Abtrünniger. Und Jude ist er überdies. Und den Zusammenhang herzustellen zwischen der Zerschlagung der Arbeiterbewegung und dem Schicksal der Juden, die Verknüpfung von Minderheiten mit den fortschrittlichen Bewegungen zu zeigen.“ (Ruth Beckermann, 1983)

Wien Retour
Do 18.07.

Erde, OmdU

Nikolaus Geyrhalter
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Erde

AT 2019, 115 min, OmdU

Regie: Nikolaus Geyrhalter

Mehrere Milliarden Tonnen Erde werden durch Menschen jährlich bewegt – mit Baggern, Bohrern oder Dynamit. Nikolaus Geyrhalter beobachtet in Minen und Steinbrüchen, an Großbaustellen und Kohleabbaugebieten die Menschen bei ihrem ständigen Bestreben sich den Planeten untertan zu machen und sich seine Rohstoffe anzueignen: Eine Bestandsaufnahme der Menschheit als wichtigster Einflussfaktor auf die fundamentalen und unwiderruflichen Veränderungen ihres Heimatplaneten.

„ERDE ist der schönste Film über das Ende der Menschheit seit Lars von Triers MELANCHOLIA. In sieben Kapiteln zeigt Regisseur Nikolaus Geyrhalter die enormen Veränderungen, die jeden Tag durch den Menschen an der Erde vorgenommen werden. Dabei beginnt der Film trügerisch idyllisch. Jedes der Kapitel wird mit einer Aufnahme aus der Vogelperspektive auf ein geologisches Terrain eröffnet, in der die Landschaft zu einem abstrakten Kunstwerk wird. Erst dann zeigt sich aus Perspektive der Menschen und Maschinen, wie kalifornische Berge eingeebnet werden, um Baufläche für zukünftige Städte zu schaffen, oder am Brennerpass der Weltrekord im Tunnelbohren aufgestellt wird. (…) Bei allem Fortschrittsglauben steht immer das Gespenst eines drohenden Endes im Raum, der abgebauten Rohstoffe, aber auch der Menschheit als Ganzes. Im atomaren Endlager Wolfenbüttel lässt Geyrhalter einen Film aus den 1970ern laufen, der die ewige Sicherheit des Lagers auch im Katastrophenfall anpreist, während die Anlage 2019 diese Sicherheit bereits nicht mehr garantieren kann. Bei einer nuklearen Halbwertszeit, die der gesamten bisherigen Menschheitsgeschichte entspricht, ist so eine Garantie ohnehin schwierig. (…) der rote Faden des Films ist, dass die Menschheit sich beharrlich weigert, aus der Geschichte zu lernen. Diese an sich pessimistische Aussage fasst Geyrhalter in spektakuläre Bilder, in denen selbst Kipplader eine Schönheit bekommen, und die zumindest auf der individuellen Ebene zum Umdenken anregen.“ (Christian Klose, Indiekino)

Erde, OmdU
Fr 19.07.

Erde, OmdU

Nikolaus Geyrhalter
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Erde

AT 2019, 115 min, OmdU

Regie: Nikolaus Geyrhalter

Mehrere Milliarden Tonnen Erde werden durch Menschen jährlich bewegt – mit Baggern, Bohrern oder Dynamit. Nikolaus Geyrhalter beobachtet in Minen und Steinbrüchen, an Großbaustellen und Kohleabbaugebieten die Menschen bei ihrem ständigen Bestreben sich den Planeten untertan zu machen und sich seine Rohstoffe anzueignen: Eine Bestandsaufnahme der Menschheit als wichtigster Einflussfaktor auf die fundamentalen und unwiderruflichen Veränderungen ihres Heimatplaneten.

„ERDE ist der schönste Film über das Ende der Menschheit seit Lars von Triers MELANCHOLIA. In sieben Kapiteln zeigt Regisseur Nikolaus Geyrhalter die enormen Veränderungen, die jeden Tag durch den Menschen an der Erde vorgenommen werden. Dabei beginnt der Film trügerisch idyllisch. Jedes der Kapitel wird mit einer Aufnahme aus der Vogelperspektive auf ein geologisches Terrain eröffnet, in der die Landschaft zu einem abstrakten Kunstwerk wird. Erst dann zeigt sich aus Perspektive der Menschen und Maschinen, wie kalifornische Berge eingeebnet werden, um Baufläche für zukünftige Städte zu schaffen, oder am Brennerpass der Weltrekord im Tunnelbohren aufgestellt wird. (…) Bei allem Fortschrittsglauben steht immer das Gespenst eines drohenden Endes im Raum, der abgebauten Rohstoffe, aber auch der Menschheit als Ganzes. Im atomaren Endlager Wolfenbüttel lässt Geyrhalter einen Film aus den 1970ern laufen, der die ewige Sicherheit des Lagers auch im Katastrophenfall anpreist, während die Anlage 2019 diese Sicherheit bereits nicht mehr garantieren kann. Bei einer nuklearen Halbwertszeit, die der gesamten bisherigen Menschheitsgeschichte entspricht, ist so eine Garantie ohnehin schwierig. (…) der rote Faden des Films ist, dass die Menschheit sich beharrlich weigert, aus der Geschichte zu lernen. Diese an sich pessimistische Aussage fasst Geyrhalter in spektakuläre Bilder, in denen selbst Kipplader eine Schönheit bekommen, und die zumindest auf der individuellen Ebene zum Umdenken anregen.“ (Christian Klose, Indiekino)

Erde, OmdU
Fr 19.07.

Der letzte Jude von Drohobytsch, OmdU

Paul Rosdy
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Paul Rosdy – drei Dokumentarfilme:

Der letzte Jude von Drohobytsch

AT 2001, 98 min, deutsch | ukrainisch | russisch mit deutschen UT

Regie: Paul Rosdy

Alfred Schreyer (1922-2015) erzählt die Geschichte seiner Familie – über ein Jahrhundert voller Tragik und Lebensmut. Als einziger aus seiner Familie überlebte er den Holocaust und kehrte in seine Heimatstadt Drohobytsch in der heutigen Ukraine zurück. Viele Jahre war er Sänger und Violinist im örtlichen Kinofoyer-Orchester. Das einzige Lied, das er je selbst komponierte, heißt Bronitza Wald. In diesem Wald wurden über 11.000 Juden erschossen, unter ihnen Schreyers Mutter.

„- ‚Wie haben Sie Alfred Schreyer kennengelernt?‘ – ‚Ursprünglich wollte ich einen anderen Film machen, aber als ich im Zuge meiner Recherchen in Drohobytsch Alfred Schreyer begegnete, wurde mir schnell klar, dass ich diesen Film über und mit ihm machen musste. Alfred Schreyer zeigte mir Fotos und begann zu erzählen. Bis auf die KZ- und Nachkriegszeit in Deutschland hat er sein ganzes Leben lang nur in Drohobytsch gelebt, aber alles Erdenkliche mitgemacht, was einem im Laufe eines Lebens geschehen kann – im Bösen wie im Guten. (…)‘ – ‚Was betrachten Sie als das Böse im Kontext von A.Schreyers Leben?‘ – ‚Das Böse widerfährt ihm durch die Naziherrschaft, die Zwangsarbeit und die Unfassbarkeit dessen, was in Drohobytsch geschah. Im Wald von Bronitza, wo sich diese großen Massengrabplatten befinden, da bekommt die Hölle ein Gesicht. (…)‘ – ‚Und das Gute?‘ – ‚Diese wahrhaft einzigartige Tradition der KinofoyerOrchester und dass Alfred seinen Optimismus nie verloren hat. Ich bewundere das. Hier war einst dieser junge Mann, der alles verloren hat, was es zu verlieren gibt. Außer mit viel Glück sein Leben, das er der Tatsache verdankt, dass er vor dem Einschlafen im KZ Lieder sang und damit auf sich aufmerksam machte. Nach dem Krieg entschied er sich spontan, in seine Heimatstadt zurückzukehren, wo niemand und nichts mehr war. Gar nichts. (…) Jeder von uns hat irgendwann einmal eine Entscheidung getroffen, die den weiteren Verlauf seines Lebens bestimmt hat. Man merkt es zumeist erst viel später und muss sich damit abfinden und weitermachen. Das ist gut so und Alfred Schreyer hat das auf eine wunderbare Weise getan. Er erzählt und führt uns heute in die Hölle seiner Heimatstadt, aber ruft auch diese spannende Institution des KinofoyerOrchesters in Erinnerung, wo er trotz allem sein Glück fand. Für mich ist das Kinofoyer-Orchester ein Traum von dem ich nie träumen konnte, denn z.B. in Wien, da gab es vor den Filmvorführungen eher langweilige Modeschauen. Ich erinnere mich an meine Jugend, wo fast alles, was man mit der Sowjetunion in Verbindung brachte, schlecht gemacht worden ist. Aber im Kinofoyer, da gab es Romantik, wenn das Orchester spielte. Davon träumen heute noch viele ältere Leute in der ehemaligen Sowjetunion und ich jetzt auch. Ich bin Alfred Schreyer dafür sehr dankbar.‘“ (Interview mit Paul Rosdy)

Der letzte Jude von Drohobytsch, OmdU
Fr 19.07.

Kaviar – Икра, OmdU

Elena Tichonowa
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Kaviar (Икра)

Österreich 2019,100 min, Russisch | Deutsch mit deutschen und russischen Untertiteln!

Regie: Elena Tichonowa          “Publikumspreis” 40. Max Ophüls Preis 2019

Ein russischer Oligarch will sich in Wien einkaufen, um einen verrückten Plan zu verwirklichen und lässt reichlich Schmiergeld fließen. Ein zwielichtiger Stadtrat hält da nur allzu gern die Hände auf und auch ein paar andere windige Gesellen sind mit von der Partie, weil sie das große Geld wittern.

„Die Politik Österreichs bietet derzeit genug Anlass zur Sorge, aber auch viel Potential für Spott. Gerade in einem solchen Klima gedeihen Satiren prächtig. Elena Tikhonovas KAVIAR setzt auf politische Seilschaften und Korruption und übersteigert sie ins Groteske.“ (Lars Tunçay, Indiekino)

„Bereits im März 2019, bei der Diagonale, feierte ein Kinofilm Premiere, der dieses unerträgliche Spiel mit Macht und Geld in einer Komödie zeigte. KAVIAR heißt dieser Film, der unter der russischen Regisseurin Elena Tikhonova entstand, die gemeinsam mit dem Österreicher Robert Buchschwenter das Drehbuch verfasste. Was man im Frühjahr 2019 noch als unrealistisch überspitzte Satire glaubte zu sehen, wurde nur wenige Monate später von der Realität beinhart rechts überholt. Während sich einem sämtliche Haare vor dem TV-Apparat sträubten, biegt man sich im Kinosessel vor Lachen. Und einmal mehr stellt sich eine weitere Frage, nämlich, was muss die Satire noch alles tun, damit sie nicht von der Realität eingeholt wird? Dabei machte die in der sowjetischen Wissenschaftsstadt Obninsk geborene und aufgewachsene Elena Tikhonova mit ihrem ersten Kinospielfilm ja „nur“ einen Film, der auf ihren eigenen Einsichten in die russische Community in Wien basiert. „Im Kern“, so Elena Tikhonova, „ist Kaviar ein Film über Migration und über die Überwindung der Einsamkeit, die sie mit sich bringt. […] Vieles im Film ist von eigenen Beobachtungen inspiriert, die ich machte, seit ich vor 19 Jahren ohne ein Wort Deutsch zu können nach Österreich gekommen bin und mich per trial & error in meiner neuen Umgebung zurechtfinden musste.“ (Manfred Horak, kulturwoche.at)

Kaviar – Икра, OmdU
Sa 20.07.

Erde, OmdU

Nikolaus Geyrhalter
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Erde

AT 2019, 115 min, OmdU

Regie: Nikolaus Geyrhalter

Mehrere Milliarden Tonnen Erde werden durch Menschen jährlich bewegt – mit Baggern, Bohrern oder Dynamit. Nikolaus Geyrhalter beobachtet in Minen und Steinbrüchen, an Großbaustellen und Kohleabbaugebieten die Menschen bei ihrem ständigen Bestreben sich den Planeten untertan zu machen und sich seine Rohstoffe anzueignen: Eine Bestandsaufnahme der Menschheit als wichtigster Einflussfaktor auf die fundamentalen und unwiderruflichen Veränderungen ihres Heimatplaneten.

„ERDE ist der schönste Film über das Ende der Menschheit seit Lars von Triers MELANCHOLIA. In sieben Kapiteln zeigt Regisseur Nikolaus Geyrhalter die enormen Veränderungen, die jeden Tag durch den Menschen an der Erde vorgenommen werden. Dabei beginnt der Film trügerisch idyllisch. Jedes der Kapitel wird mit einer Aufnahme aus der Vogelperspektive auf ein geologisches Terrain eröffnet, in der die Landschaft zu einem abstrakten Kunstwerk wird. Erst dann zeigt sich aus Perspektive der Menschen und Maschinen, wie kalifornische Berge eingeebnet werden, um Baufläche für zukünftige Städte zu schaffen, oder am Brennerpass der Weltrekord im Tunnelbohren aufgestellt wird. (…) Bei allem Fortschrittsglauben steht immer das Gespenst eines drohenden Endes im Raum, der abgebauten Rohstoffe, aber auch der Menschheit als Ganzes. Im atomaren Endlager Wolfenbüttel lässt Geyrhalter einen Film aus den 1970ern laufen, der die ewige Sicherheit des Lagers auch im Katastrophenfall anpreist, während die Anlage 2019 diese Sicherheit bereits nicht mehr garantieren kann. Bei einer nuklearen Halbwertszeit, die der gesamten bisherigen Menschheitsgeschichte entspricht, ist so eine Garantie ohnehin schwierig. (…) der rote Faden des Films ist, dass die Menschheit sich beharrlich weigert, aus der Geschichte zu lernen. Diese an sich pessimistische Aussage fasst Geyrhalter in spektakuläre Bilder, in denen selbst Kipplader eine Schönheit bekommen, und die zumindest auf der individuellen Ebene zum Umdenken anregen.“ (Christian Klose, Indiekino)

Erde, OmdU
Sa 20.07.

Der letzte Jude von Drohobytsch, OmdU

Paul Rosdy
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Paul Rosdy – drei Dokumentarfilme:

Der letzte Jude von Drohobytsch

AT 2001, 98 min, deutsch | ukrainisch | russisch mit deutschen UT

Regie: Paul Rosdy

Alfred Schreyer (1922-2015) erzählt die Geschichte seiner Familie – über ein Jahrhundert voller Tragik und Lebensmut. Als einziger aus seiner Familie überlebte er den Holocaust und kehrte in seine Heimatstadt Drohobytsch in der heutigen Ukraine zurück. Viele Jahre war er Sänger und Violinist im örtlichen Kinofoyer-Orchester. Das einzige Lied, das er je selbst komponierte, heißt Bronitza Wald. In diesem Wald wurden über 11.000 Juden erschossen, unter ihnen Schreyers Mutter.

„- ‚Wie haben Sie Alfred Schreyer kennengelernt?‘ – ‚Ursprünglich wollte ich einen anderen Film machen, aber als ich im Zuge meiner Recherchen in Drohobytsch Alfred Schreyer begegnete, wurde mir schnell klar, dass ich diesen Film über und mit ihm machen musste. Alfred Schreyer zeigte mir Fotos und begann zu erzählen. Bis auf die KZ- und Nachkriegszeit in Deutschland hat er sein ganzes Leben lang nur in Drohobytsch gelebt, aber alles Erdenkliche mitgemacht, was einem im Laufe eines Lebens geschehen kann – im Bösen wie im Guten. (…)‘ – ‚Was betrachten Sie als das Böse im Kontext von A.Schreyers Leben?‘ – ‚Das Böse widerfährt ihm durch die Naziherrschaft, die Zwangsarbeit und die Unfassbarkeit dessen, was in Drohobytsch geschah. Im Wald von Bronitza, wo sich diese großen Massengrabplatten befinden, da bekommt die Hölle ein Gesicht. (…)‘ – ‚Und das Gute?‘ – ‚Diese wahrhaft einzigartige Tradition der KinofoyerOrchester und dass Alfred seinen Optimismus nie verloren hat. Ich bewundere das. Hier war einst dieser junge Mann, der alles verloren hat, was es zu verlieren gibt. Außer mit viel Glück sein Leben, das er der Tatsache verdankt, dass er vor dem Einschlafen im KZ Lieder sang und damit auf sich aufmerksam machte. Nach dem Krieg entschied er sich spontan, in seine Heimatstadt zurückzukehren, wo niemand und nichts mehr war. Gar nichts. (…) Jeder von uns hat irgendwann einmal eine Entscheidung getroffen, die den weiteren Verlauf seines Lebens bestimmt hat. Man merkt es zumeist erst viel später und muss sich damit abfinden und weitermachen. Das ist gut so und Alfred Schreyer hat das auf eine wunderbare Weise getan. Er erzählt und führt uns heute in die Hölle seiner Heimatstadt, aber ruft auch diese spannende Institution des KinofoyerOrchesters in Erinnerung, wo er trotz allem sein Glück fand. Für mich ist das Kinofoyer-Orchester ein Traum von dem ich nie träumen konnte, denn z.B. in Wien, da gab es vor den Filmvorführungen eher langweilige Modeschauen. Ich erinnere mich an meine Jugend, wo fast alles, was man mit der Sowjetunion in Verbindung brachte, schlecht gemacht worden ist. Aber im Kinofoyer, da gab es Romantik, wenn das Orchester spielte. Davon träumen heute noch viele ältere Leute in der ehemaligen Sowjetunion und ich jetzt auch. Ich bin Alfred Schreyer dafür sehr dankbar.‘“ (Interview mit Paul Rosdy)

Der letzte Jude von Drohobytsch, OmdU
Sa 20.07.

Kaviar – Икра, OmdU

Elena Tichonowa
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Kaviar (Икра)

Österreich 2019,100 min, Russisch | Deutsch mit deutschen und russischen Untertiteln!

Regie: Elena Tichonowa          “Publikumspreis” 40. Max Ophüls Preis 2019

Ein russischer Oligarch will sich in Wien einkaufen, um einen verrückten Plan zu verwirklichen und lässt reichlich Schmiergeld fließen. Ein zwielichtiger Stadtrat hält da nur allzu gern die Hände auf und auch ein paar andere windige Gesellen sind mit von der Partie, weil sie das große Geld wittern.

„Die Politik Österreichs bietet derzeit genug Anlass zur Sorge, aber auch viel Potential für Spott. Gerade in einem solchen Klima gedeihen Satiren prächtig. Elena Tikhonovas KAVIAR setzt auf politische Seilschaften und Korruption und übersteigert sie ins Groteske.“ (Lars Tunçay, Indiekino)

„Bereits im März 2019, bei der Diagonale, feierte ein Kinofilm Premiere, der dieses unerträgliche Spiel mit Macht und Geld in einer Komödie zeigte. KAVIAR heißt dieser Film, der unter der russischen Regisseurin Elena Tikhonova entstand, die gemeinsam mit dem Österreicher Robert Buchschwenter das Drehbuch verfasste. Was man im Frühjahr 2019 noch als unrealistisch überspitzte Satire glaubte zu sehen, wurde nur wenige Monate später von der Realität beinhart rechts überholt. Während sich einem sämtliche Haare vor dem TV-Apparat sträubten, biegt man sich im Kinosessel vor Lachen. Und einmal mehr stellt sich eine weitere Frage, nämlich, was muss die Satire noch alles tun, damit sie nicht von der Realität eingeholt wird? Dabei machte die in der sowjetischen Wissenschaftsstadt Obninsk geborene und aufgewachsene Elena Tikhonova mit ihrem ersten Kinospielfilm ja „nur“ einen Film, der auf ihren eigenen Einsichten in die russische Community in Wien basiert. „Im Kern“, so Elena Tikhonova, „ist Kaviar ein Film über Migration und über die Überwindung der Einsamkeit, die sie mit sich bringt. […] Vieles im Film ist von eigenen Beobachtungen inspiriert, die ich machte, seit ich vor 19 Jahren ohne ein Wort Deutsch zu können nach Österreich gekommen bin und mich per trial & error in meiner neuen Umgebung zurechtfinden musste.“ (Manfred Horak, kulturwoche.at)

Kaviar – Икра, OmdU
So 21.07.

Der letzte Jude von Drohobytsch, OmdU

Paul Rosdy
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Paul Rosdy – drei Dokumentarfilme:

Der letzte Jude von Drohobytsch

AT 2001, 98 min, deutsch | ukrainisch | russisch mit deutschen UT

Regie: Paul Rosdy

Alfred Schreyer (1922-2015) erzählt die Geschichte seiner Familie – über ein Jahrhundert voller Tragik und Lebensmut. Als einziger aus seiner Familie überlebte er den Holocaust und kehrte in seine Heimatstadt Drohobytsch in der heutigen Ukraine zurück. Viele Jahre war er Sänger und Violinist im örtlichen Kinofoyer-Orchester. Das einzige Lied, das er je selbst komponierte, heißt Bronitza Wald. In diesem Wald wurden über 11.000 Juden erschossen, unter ihnen Schreyers Mutter.

„- ‚Wie haben Sie Alfred Schreyer kennengelernt?‘ – ‚Ursprünglich wollte ich einen anderen Film machen, aber als ich im Zuge meiner Recherchen in Drohobytsch Alfred Schreyer begegnete, wurde mir schnell klar, dass ich diesen Film über und mit ihm machen musste. Alfred Schreyer zeigte mir Fotos und begann zu erzählen. Bis auf die KZ- und Nachkriegszeit in Deutschland hat er sein ganzes Leben lang nur in Drohobytsch gelebt, aber alles Erdenkliche mitgemacht, was einem im Laufe eines Lebens geschehen kann – im Bösen wie im Guten. (…)‘ – ‚Was betrachten Sie als das Böse im Kontext von A.Schreyers Leben?‘ – ‚Das Böse widerfährt ihm durch die Naziherrschaft, die Zwangsarbeit und die Unfassbarkeit dessen, was in Drohobytsch geschah. Im Wald von Bronitza, wo sich diese großen Massengrabplatten befinden, da bekommt die Hölle ein Gesicht. (…)‘ – ‚Und das Gute?‘ – ‚Diese wahrhaft einzigartige Tradition der KinofoyerOrchester und dass Alfred seinen Optimismus nie verloren hat. Ich bewundere das. Hier war einst dieser junge Mann, der alles verloren hat, was es zu verlieren gibt. Außer mit viel Glück sein Leben, das er der Tatsache verdankt, dass er vor dem Einschlafen im KZ Lieder sang und damit auf sich aufmerksam machte. Nach dem Krieg entschied er sich spontan, in seine Heimatstadt zurückzukehren, wo niemand und nichts mehr war. Gar nichts. (…) Jeder von uns hat irgendwann einmal eine Entscheidung getroffen, die den weiteren Verlauf seines Lebens bestimmt hat. Man merkt es zumeist erst viel später und muss sich damit abfinden und weitermachen. Das ist gut so und Alfred Schreyer hat das auf eine wunderbare Weise getan. Er erzählt und führt uns heute in die Hölle seiner Heimatstadt, aber ruft auch diese spannende Institution des KinofoyerOrchesters in Erinnerung, wo er trotz allem sein Glück fand. Für mich ist das Kinofoyer-Orchester ein Traum von dem ich nie träumen konnte, denn z.B. in Wien, da gab es vor den Filmvorführungen eher langweilige Modeschauen. Ich erinnere mich an meine Jugend, wo fast alles, was man mit der Sowjetunion in Verbindung brachte, schlecht gemacht worden ist. Aber im Kinofoyer, da gab es Romantik, wenn das Orchester spielte. Davon träumen heute noch viele ältere Leute in der ehemaligen Sowjetunion und ich jetzt auch. Ich bin Alfred Schreyer dafür sehr dankbar.‘“ (Interview mit Paul Rosdy)

Der letzte Jude von Drohobytsch, OmdU
So 21.07.

Kino Wien Film

Paul Rosdy
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Paul Rosdy – drei Dokumentarfilme:

Kino Wien Film

AT 2018, 97 min, deutsch | engl. mit dt UT

Regie: Paul Rosdy

KINO WIEN FILM ist eine Kinoreise durch Wien von 1896 bis heute. Sie erzählt mittels Gesprächen mit Kinobetreibern, Filmvorführern und Technikern, Kinobesuchern und einem Historiker sowie zahlreichen Film-, Foto- und Textdokumenten eine Kinogeschichte Wiens – vom ersten Kino auf der Kärntner Straße bis zur heutigen Multiplexwelt.

Zu Wort kommen ausgewiesene Kinoenthusiastinnen und -enthusiasten – von Anna Nitsch-Fitz, die unter größtem persönlichen Einsatz die Breitenseer Lichtspiele betreibt (…) über Christian und Herbert Dörfler vom Haydn English Cinema bis hin zu Christof Papousek, dem Geschäftsführer der Cineplexx Kinobetriebe, Marktführer in Österreich und Südosteuropa. Er und Michael Stejskal vom Votiv Kino erzählen unter anderem, wie die nicht vorhandene Standortpolitik der Stadt Wien Ende der neunziger Jahre zum Wildwuchs an Multiplexen führte. Kinohistoriker Klaus Christian Vögl berichtet von den Schattenseiten der Wiener Kinogeschichte, der Zwangsarisierung von Betrieben und der nicht erfolgten Rückgabe, Stefan Nehez, Erbe einer traditionsreichen Wiener Kinofamilie, von der Unmöglichkeit, 1966 das Zentral Kino in Ottakring weiterzuführen. (…) Alles in allem ergibt das eine reichhaltige und faszinierende Tour durch Geschichte und Gegenwart der Wiener Kinos, ein wenig naiv vielleicht, aber ohne verklärenden Blick und doch auch mit einem gewissen Optimismus, was die Zukunft des Mediums betrifft.“ (Andreas Ungerböck, Ray Magazin 03/19)

Kino Wien Film
So 21.07.

Kaviar – Икра, OmdU

Elena Tichonowa
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Kaviar (Икра)

Österreich 2019,100 min, Russisch | Deutsch mit deutschen und russischen Untertiteln!

Regie: Elena Tichonowa          “Publikumspreis” 40. Max Ophüls Preis 2019

Ein russischer Oligarch will sich in Wien einkaufen, um einen verrückten Plan zu verwirklichen und lässt reichlich Schmiergeld fließen. Ein zwielichtiger Stadtrat hält da nur allzu gern die Hände auf und auch ein paar andere windige Gesellen sind mit von der Partie, weil sie das große Geld wittern.

„Die Politik Österreichs bietet derzeit genug Anlass zur Sorge, aber auch viel Potential für Spott. Gerade in einem solchen Klima gedeihen Satiren prächtig. Elena Tikhonovas KAVIAR setzt auf politische Seilschaften und Korruption und übersteigert sie ins Groteske.“ (Lars Tunçay, Indiekino)

„Bereits im März 2019, bei der Diagonale, feierte ein Kinofilm Premiere, der dieses unerträgliche Spiel mit Macht und Geld in einer Komödie zeigte. KAVIAR heißt dieser Film, der unter der russischen Regisseurin Elena Tikhonova entstand, die gemeinsam mit dem Österreicher Robert Buchschwenter das Drehbuch verfasste. Was man im Frühjahr 2019 noch als unrealistisch überspitzte Satire glaubte zu sehen, wurde nur wenige Monate später von der Realität beinhart rechts überholt. Während sich einem sämtliche Haare vor dem TV-Apparat sträubten, biegt man sich im Kinosessel vor Lachen. Und einmal mehr stellt sich eine weitere Frage, nämlich, was muss die Satire noch alles tun, damit sie nicht von der Realität eingeholt wird? Dabei machte die in der sowjetischen Wissenschaftsstadt Obninsk geborene und aufgewachsene Elena Tikhonova mit ihrem ersten Kinospielfilm ja „nur“ einen Film, der auf ihren eigenen Einsichten in die russische Community in Wien basiert. „Im Kern“, so Elena Tikhonova, „ist Kaviar ein Film über Migration und über die Überwindung der Einsamkeit, die sie mit sich bringt. […] Vieles im Film ist von eigenen Beobachtungen inspiriert, die ich machte, seit ich vor 19 Jahren ohne ein Wort Deutsch zu können nach Österreich gekommen bin und mich per trial & error in meiner neuen Umgebung zurechtfinden musste.“ (Manfred Horak, kulturwoche.at)

Kaviar – Икра, OmdU
Mo 22.07.

keine Vorstellung

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Di 23.07.

Erde, OmdU

Nikolaus Geyrhalter
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Erde

AT 2019, 115 min, OmdU

Regie: Nikolaus Geyrhalter

Mehrere Milliarden Tonnen Erde werden durch Menschen jährlich bewegt – mit Baggern, Bohrern oder Dynamit. Nikolaus Geyrhalter beobachtet in Minen und Steinbrüchen, an Großbaustellen und Kohleabbaugebieten die Menschen bei ihrem ständigen Bestreben sich den Planeten untertan zu machen und sich seine Rohstoffe anzueignen: Eine Bestandsaufnahme der Menschheit als wichtigster Einflussfaktor auf die fundamentalen und unwiderruflichen Veränderungen ihres Heimatplaneten.

„ERDE ist der schönste Film über das Ende der Menschheit seit Lars von Triers MELANCHOLIA. In sieben Kapiteln zeigt Regisseur Nikolaus Geyrhalter die enormen Veränderungen, die jeden Tag durch den Menschen an der Erde vorgenommen werden. Dabei beginnt der Film trügerisch idyllisch. Jedes der Kapitel wird mit einer Aufnahme aus der Vogelperspektive auf ein geologisches Terrain eröffnet, in der die Landschaft zu einem abstrakten Kunstwerk wird. Erst dann zeigt sich aus Perspektive der Menschen und Maschinen, wie kalifornische Berge eingeebnet werden, um Baufläche für zukünftige Städte zu schaffen, oder am Brennerpass der Weltrekord im Tunnelbohren aufgestellt wird. (…) Bei allem Fortschrittsglauben steht immer das Gespenst eines drohenden Endes im Raum, der abgebauten Rohstoffe, aber auch der Menschheit als Ganzes. Im atomaren Endlager Wolfenbüttel lässt Geyrhalter einen Film aus den 1970ern laufen, der die ewige Sicherheit des Lagers auch im Katastrophenfall anpreist, während die Anlage 2019 diese Sicherheit bereits nicht mehr garantieren kann. Bei einer nuklearen Halbwertszeit, die der gesamten bisherigen Menschheitsgeschichte entspricht, ist so eine Garantie ohnehin schwierig. (…) der rote Faden des Films ist, dass die Menschheit sich beharrlich weigert, aus der Geschichte zu lernen. Diese an sich pessimistische Aussage fasst Geyrhalter in spektakuläre Bilder, in denen selbst Kipplader eine Schönheit bekommen, und die zumindest auf der individuellen Ebene zum Umdenken anregen.“ (Christian Klose, Indiekino)

Erde, OmdU
Di 23.07.

Kaviar – Икра, OmdU

Elena Tichonowa
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Kaviar (Икра)

Österreich 2019,100 min, Russisch | Deutsch mit deutschen und russischen Untertiteln!

Regie: Elena Tichonowa          “Publikumspreis” 40. Max Ophüls Preis 2019

Ein russischer Oligarch will sich in Wien einkaufen, um einen verrückten Plan zu verwirklichen und lässt reichlich Schmiergeld fließen. Ein zwielichtiger Stadtrat hält da nur allzu gern die Hände auf und auch ein paar andere windige Gesellen sind mit von der Partie, weil sie das große Geld wittern.

„Die Politik Österreichs bietet derzeit genug Anlass zur Sorge, aber auch viel Potential für Spott. Gerade in einem solchen Klima gedeihen Satiren prächtig. Elena Tikhonovas KAVIAR setzt auf politische Seilschaften und Korruption und übersteigert sie ins Groteske.“ (Lars Tunçay, Indiekino)

„Bereits im März 2019, bei der Diagonale, feierte ein Kinofilm Premiere, der dieses unerträgliche Spiel mit Macht und Geld in einer Komödie zeigte. KAVIAR heißt dieser Film, der unter der russischen Regisseurin Elena Tikhonova entstand, die gemeinsam mit dem Österreicher Robert Buchschwenter das Drehbuch verfasste. Was man im Frühjahr 2019 noch als unrealistisch überspitzte Satire glaubte zu sehen, wurde nur wenige Monate später von der Realität beinhart rechts überholt. Während sich einem sämtliche Haare vor dem TV-Apparat sträubten, biegt man sich im Kinosessel vor Lachen. Und einmal mehr stellt sich eine weitere Frage, nämlich, was muss die Satire noch alles tun, damit sie nicht von der Realität eingeholt wird? Dabei machte die in der sowjetischen Wissenschaftsstadt Obninsk geborene und aufgewachsene Elena Tikhonova mit ihrem ersten Kinospielfilm ja „nur“ einen Film, der auf ihren eigenen Einsichten in die russische Community in Wien basiert. „Im Kern“, so Elena Tikhonova, „ist Kaviar ein Film über Migration und über die Überwindung der Einsamkeit, die sie mit sich bringt. […] Vieles im Film ist von eigenen Beobachtungen inspiriert, die ich machte, seit ich vor 19 Jahren ohne ein Wort Deutsch zu können nach Österreich gekommen bin und mich per trial & error in meiner neuen Umgebung zurechtfinden musste.“ (Manfred Horak, kulturwoche.at)

Kaviar – Икра, OmdU
Mi 24.07.

Zuflucht in Shanghai, OmdU

Paul Rosdy
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Paul Rosdy – drei Dokumentarfilme:

Zuflucht in Shanghai

AT 1998, 16mm, 79 min, tw. OmdU

Regie: Paul Rosdy

Der Dokumentarfilm rekonstruiert die jüdische Emigration nach Shanghai mit bisher noch nie öffentlich gezeigtem Filmmaterial aus den dreißiger und vierziger Jahren, Zitaten aus bewegenden Briefen und Schriften von Flüchtlingen sowie durch vier Interviews mit Zeitzeugen. Siegmar Siemons Familie musste fluchtartig Deutschland verlassen und lebte in den überfüllten Flüchtlingsheimen der Hilfskomitees. Mit vierzehn Jahren machte er sich auf die Suche nach Arbeit und konkurrierte dabei, zu niedrigsten Löhnen, mit der chinesischen Bevölkerung. Fred Fields flüchtete Ende 1938 als Achtzehnjähriger, konnte bei der ‘Gelben Post’ und später beim ‘Shanghai Jewish Chronicle’ arbeiten und lernte als junger Zeitungsmann die intellektuelle Seite der Emigration kennen. Ernest Heppner erzählt, wie seine Mutter einen Reisebüroangestellten mit einem impressionistischen Gemälde bestach und bald darauf den Bescheid bekam, daß aufgrund des Selbstmordes eines jüdischen Ehepaares zwei Kabinenplätze auf dem Dampfer Potsdam frei wären. Illo Heppner reiste im Jahre 1940 zusammen mit ihrer Mutter mit der Transsibirischen Eisenbahn nach Shanghai, wo sie mit ihrem Vater zusammentrafen. Zunächst konnten sie es sich noch leisten, im internationalen Viertel Shanghais in europäischen Verhältnissen zu leben. Dort lernte sie Ernest Heppner kennen.

„Am Ende des Films sieht man, wie am Anfang, Amateuraufnahmen einer Schiffsreise. Mai 1947. Annie Witting, unterwegs in die neue Heimat Australien, beschreibt das stahlblaue Meer und die fliegenden Fische. Hatte sie nach der Ankunft in Shanghai berichtet, daß sie glücklich seien, nun wieder freie Menschen zu sein, so schreibt sie nun das nämliche: ‚Man kommt sich wieder als Mensch vor und nicht mehr wie ein Flüchtling.‘ Und hierin kommt das Paradox Shanghai, das für die Flüchtlinge Heimat auf Zeit, Fremde und Rettung zugleich war, oszillierend zwischen dem Gefühl von Abenteuer und Überlebensängsten, sehr deutlich zum Ausdruck. Shanghai war eine Sackgasse, eine Zwischenstation des Exils. Kaum jemand ging nach Europa zurück.“ (Kirstin Breitenfellner, in: Blimp. Nr. 39, Graz, Oktober 1998)

Zuflucht in Shanghai, OmdU
Mi 24.07.

Kino Wien Film

Paul Rosdy
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Paul Rosdy – drei Dokumentarfilme:

Kino Wien Film

AT 2018, 97 min, deutsch | engl. mit dt UT

Regie: Paul Rosdy

KINO WIEN FILM ist eine Kinoreise durch Wien von 1896 bis heute. Sie erzählt mittels Gesprächen mit Kinobetreibern, Filmvorführern und Technikern, Kinobesuchern und einem Historiker sowie zahlreichen Film-, Foto- und Textdokumenten eine Kinogeschichte Wiens – vom ersten Kino auf der Kärntner Straße bis zur heutigen Multiplexwelt.

Zu Wort kommen ausgewiesene Kinoenthusiastinnen und -enthusiasten – von Anna Nitsch-Fitz, die unter größtem persönlichen Einsatz die Breitenseer Lichtspiele betreibt (…) über Christian und Herbert Dörfler vom Haydn English Cinema bis hin zu Christof Papousek, dem Geschäftsführer der Cineplexx Kinobetriebe, Marktführer in Österreich und Südosteuropa. Er und Michael Stejskal vom Votiv Kino erzählen unter anderem, wie die nicht vorhandene Standortpolitik der Stadt Wien Ende der neunziger Jahre zum Wildwuchs an Multiplexen führte. Kinohistoriker Klaus Christian Vögl berichtet von den Schattenseiten der Wiener Kinogeschichte, der Zwangsarisierung von Betrieben und der nicht erfolgten Rückgabe, Stefan Nehez, Erbe einer traditionsreichen Wiener Kinofamilie, von der Unmöglichkeit, 1966 das Zentral Kino in Ottakring weiterzuführen. (…) Alles in allem ergibt das eine reichhaltige und faszinierende Tour durch Geschichte und Gegenwart der Wiener Kinos, ein wenig naiv vielleicht, aber ohne verklärenden Blick und doch auch mit einem gewissen Optimismus, was die Zukunft des Mediums betrifft.“ (Andreas Ungerböck, Ray Magazin 03/19)

Kino Wien Film
Do 25.07.

keine Vorstellung

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Fr 26.07.

Der letzte Jude von Drohobytsch, OmdU

Paul Rosdy
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Paul Rosdy – drei Dokumentarfilme:

Der letzte Jude von Drohobytsch

AT 2001, 98 min, deutsch | ukrainisch | russisch mit deutschen UT

Regie: Paul Rosdy

Alfred Schreyer (1922-2015) erzählt die Geschichte seiner Familie – über ein Jahrhundert voller Tragik und Lebensmut. Als einziger aus seiner Familie überlebte er den Holocaust und kehrte in seine Heimatstadt Drohobytsch in der heutigen Ukraine zurück. Viele Jahre war er Sänger und Violinist im örtlichen Kinofoyer-Orchester. Das einzige Lied, das er je selbst komponierte, heißt Bronitza Wald. In diesem Wald wurden über 11.000 Juden erschossen, unter ihnen Schreyers Mutter.

„- ‚Wie haben Sie Alfred Schreyer kennengelernt?‘ – ‚Ursprünglich wollte ich einen anderen Film machen, aber als ich im Zuge meiner Recherchen in Drohobytsch Alfred Schreyer begegnete, wurde mir schnell klar, dass ich diesen Film über und mit ihm machen musste. Alfred Schreyer zeigte mir Fotos und begann zu erzählen. Bis auf die KZ- und Nachkriegszeit in Deutschland hat er sein ganzes Leben lang nur in Drohobytsch gelebt, aber alles Erdenkliche mitgemacht, was einem im Laufe eines Lebens geschehen kann – im Bösen wie im Guten. (…)‘ – ‚Was betrachten Sie als das Böse im Kontext von A.Schreyers Leben?‘ – ‚Das Böse widerfährt ihm durch die Naziherrschaft, die Zwangsarbeit und die Unfassbarkeit dessen, was in Drohobytsch geschah. Im Wald von Bronitza, wo sich diese großen Massengrabplatten befinden, da bekommt die Hölle ein Gesicht. (…)‘ – ‚Und das Gute?‘ – ‚Diese wahrhaft einzigartige Tradition der KinofoyerOrchester und dass Alfred seinen Optimismus nie verloren hat. Ich bewundere das. Hier war einst dieser junge Mann, der alles verloren hat, was es zu verlieren gibt. Außer mit viel Glück sein Leben, das er der Tatsache verdankt, dass er vor dem Einschlafen im KZ Lieder sang und damit auf sich aufmerksam machte. Nach dem Krieg entschied er sich spontan, in seine Heimatstadt zurückzukehren, wo niemand und nichts mehr war. Gar nichts. (…) Jeder von uns hat irgendwann einmal eine Entscheidung getroffen, die den weiteren Verlauf seines Lebens bestimmt hat. Man merkt es zumeist erst viel später und muss sich damit abfinden und weitermachen. Das ist gut so und Alfred Schreyer hat das auf eine wunderbare Weise getan. Er erzählt und führt uns heute in die Hölle seiner Heimatstadt, aber ruft auch diese spannende Institution des KinofoyerOrchesters in Erinnerung, wo er trotz allem sein Glück fand. Für mich ist das Kinofoyer-Orchester ein Traum von dem ich nie träumen konnte, denn z.B. in Wien, da gab es vor den Filmvorführungen eher langweilige Modeschauen. Ich erinnere mich an meine Jugend, wo fast alles, was man mit der Sowjetunion in Verbindung brachte, schlecht gemacht worden ist. Aber im Kinofoyer, da gab es Romantik, wenn das Orchester spielte. Davon träumen heute noch viele ältere Leute in der ehemaligen Sowjetunion und ich jetzt auch. Ich bin Alfred Schreyer dafür sehr dankbar.‘“ (Interview mit Paul Rosdy)

Der letzte Jude von Drohobytsch, OmdU
Fr 26.07.

Die papierene Brücke, OmdU

Ruth Beckermann
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Ruth Beckermann – drei Dokumentarfilme:

Die papierene Brücke

AT 1987, 95 min, tw. OmdU

Regie: Ruth Beckermann

Ruth Beckermanns Reise durch ihre eigene Familiengeschichte erzählt zugleich die Geschichte der mitteleuropäischen Juden und die Geschichte einer Region. Die Reise führt sie von Wien, wo ihre Großmutter den Krieg als U-Boot überlebte, indem sie sich stumm stellte, und wohin ihre Mutter aus Israel zurückkehrte, in die Landschaft Osteuropas, die von der Verfolgung und Vernichtung der Juden zeugt.

„Beckermann erzählt aus der Perspektive eines Mitglieds des stark geschrumpften jüdischen Bevölkerungsteils und als Vertreter der zweiten Generation, als Nachgeborene, die die Entscheidung ihrer Eltern sich in Wien niederzulassen hinterfragt. ‚Jüdische Kinder im Wien der fünfziger Jahre. Jedes Kind ein Wunder‘, schreibt sie über ein Foto, das bei der Feier zu ihrem dritten Geburtstag aufgenommen wurde. ‚Wunderlicherweise‘, schreibt sie später, sei sie hier geboren und aufgewachsen, ständig antisemitischen Schikanen ausgesetzt, während sich das offizielle Österreich so sehr in der Opferrolle gefiel, dass Aufarbeitung nicht als notwendig angesehen wurde.“ (Rainer Kienböck, 2017)

„Die Erlebnisberichte sind ebenso fesselnd, wie Ruth Beckermanns Kamerafahrten durch die heutige Bukowina und ihre Suche nach den Überresten einer einstmals blühenden jüdischen Gemeinde beeindruckend sind. Sie hat den richtigen Rhythmus gefunden, um dem Beobachter eine scheinbar zeitlose Landschaft nahezubringen.“ (Berliner Tagesspiegel, 3.3.1987)

„Es wäre gut, sagt die dringliche Erzählstimme von Beckermann, wenn man von manchen Dingen keine Bilder hätte. So würden sie Erinnerung bleiben. Ihr treibender Filmessay allerdings arbeitet auf einer verlorenen Heimatsuche gegen das Vergessen an.“ (Patrick Holzapfel, DOK Leipzig 2018)

Die papierene Brücke, OmdU
Fr 26.07.

Kaviar – Икра, OmdU

Elena Tichonowa
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Kaviar (Икра)

Österreich 2019,100 min, Russisch | Deutsch mit deutschen und russischen Untertiteln!

Regie: Elena Tichonowa          “Publikumspreis” 40. Max Ophüls Preis 2019

Ein russischer Oligarch will sich in Wien einkaufen, um einen verrückten Plan zu verwirklichen und lässt reichlich Schmiergeld fließen. Ein zwielichtiger Stadtrat hält da nur allzu gern die Hände auf und auch ein paar andere windige Gesellen sind mit von der Partie, weil sie das große Geld wittern.

„Die Politik Österreichs bietet derzeit genug Anlass zur Sorge, aber auch viel Potential für Spott. Gerade in einem solchen Klima gedeihen Satiren prächtig. Elena Tikhonovas KAVIAR setzt auf politische Seilschaften und Korruption und übersteigert sie ins Groteske.“ (Lars Tunçay, Indiekino)

„Bereits im März 2019, bei der Diagonale, feierte ein Kinofilm Premiere, der dieses unerträgliche Spiel mit Macht und Geld in einer Komödie zeigte. KAVIAR heißt dieser Film, der unter der russischen Regisseurin Elena Tikhonova entstand, die gemeinsam mit dem Österreicher Robert Buchschwenter das Drehbuch verfasste. Was man im Frühjahr 2019 noch als unrealistisch überspitzte Satire glaubte zu sehen, wurde nur wenige Monate später von der Realität beinhart rechts überholt. Während sich einem sämtliche Haare vor dem TV-Apparat sträubten, biegt man sich im Kinosessel vor Lachen. Und einmal mehr stellt sich eine weitere Frage, nämlich, was muss die Satire noch alles tun, damit sie nicht von der Realität eingeholt wird? Dabei machte die in der sowjetischen Wissenschaftsstadt Obninsk geborene und aufgewachsene Elena Tikhonova mit ihrem ersten Kinospielfilm ja „nur“ einen Film, der auf ihren eigenen Einsichten in die russische Community in Wien basiert. „Im Kern“, so Elena Tikhonova, „ist Kaviar ein Film über Migration und über die Überwindung der Einsamkeit, die sie mit sich bringt. […] Vieles im Film ist von eigenen Beobachtungen inspiriert, die ich machte, seit ich vor 19 Jahren ohne ein Wort Deutsch zu können nach Österreich gekommen bin und mich per trial & error in meiner neuen Umgebung zurechtfinden musste.“ (Manfred Horak, kulturwoche.at)

Kaviar – Икра, OmdU
Sa 27.07.

Der letzte Jude von Drohobytsch, OmdU

Paul Rosdy
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Paul Rosdy – drei Dokumentarfilme:

Der letzte Jude von Drohobytsch

AT 2001, 98 min, deutsch | ukrainisch | russisch mit deutschen UT

Regie: Paul Rosdy

Alfred Schreyer (1922-2015) erzählt die Geschichte seiner Familie – über ein Jahrhundert voller Tragik und Lebensmut. Als einziger aus seiner Familie überlebte er den Holocaust und kehrte in seine Heimatstadt Drohobytsch in der heutigen Ukraine zurück. Viele Jahre war er Sänger und Violinist im örtlichen Kinofoyer-Orchester. Das einzige Lied, das er je selbst komponierte, heißt Bronitza Wald. In diesem Wald wurden über 11.000 Juden erschossen, unter ihnen Schreyers Mutter.

„- ‚Wie haben Sie Alfred Schreyer kennengelernt?‘ – ‚Ursprünglich wollte ich einen anderen Film machen, aber als ich im Zuge meiner Recherchen in Drohobytsch Alfred Schreyer begegnete, wurde mir schnell klar, dass ich diesen Film über und mit ihm machen musste. Alfred Schreyer zeigte mir Fotos und begann zu erzählen. Bis auf die KZ- und Nachkriegszeit in Deutschland hat er sein ganzes Leben lang nur in Drohobytsch gelebt, aber alles Erdenkliche mitgemacht, was einem im Laufe eines Lebens geschehen kann – im Bösen wie im Guten. (…)‘ – ‚Was betrachten Sie als das Böse im Kontext von A.Schreyers Leben?‘ – ‚Das Böse widerfährt ihm durch die Naziherrschaft, die Zwangsarbeit und die Unfassbarkeit dessen, was in Drohobytsch geschah. Im Wald von Bronitza, wo sich diese großen Massengrabplatten befinden, da bekommt die Hölle ein Gesicht. (…)‘ – ‚Und das Gute?‘ – ‚Diese wahrhaft einzigartige Tradition der KinofoyerOrchester und dass Alfred seinen Optimismus nie verloren hat. Ich bewundere das. Hier war einst dieser junge Mann, der alles verloren hat, was es zu verlieren gibt. Außer mit viel Glück sein Leben, das er der Tatsache verdankt, dass er vor dem Einschlafen im KZ Lieder sang und damit auf sich aufmerksam machte. Nach dem Krieg entschied er sich spontan, in seine Heimatstadt zurückzukehren, wo niemand und nichts mehr war. Gar nichts. (…) Jeder von uns hat irgendwann einmal eine Entscheidung getroffen, die den weiteren Verlauf seines Lebens bestimmt hat. Man merkt es zumeist erst viel später und muss sich damit abfinden und weitermachen. Das ist gut so und Alfred Schreyer hat das auf eine wunderbare Weise getan. Er erzählt und führt uns heute in die Hölle seiner Heimatstadt, aber ruft auch diese spannende Institution des KinofoyerOrchesters in Erinnerung, wo er trotz allem sein Glück fand. Für mich ist das Kinofoyer-Orchester ein Traum von dem ich nie träumen konnte, denn z.B. in Wien, da gab es vor den Filmvorführungen eher langweilige Modeschauen. Ich erinnere mich an meine Jugend, wo fast alles, was man mit der Sowjetunion in Verbindung brachte, schlecht gemacht worden ist. Aber im Kinofoyer, da gab es Romantik, wenn das Orchester spielte. Davon träumen heute noch viele ältere Leute in der ehemaligen Sowjetunion und ich jetzt auch. Ich bin Alfred Schreyer dafür sehr dankbar.‘“ (Interview mit Paul Rosdy)

Der letzte Jude von Drohobytsch, OmdU
Sa 27.07.

Erde, OmdU

Nikolaus Geyrhalter
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Erde

AT 2019, 115 min, OmdU

Regie: Nikolaus Geyrhalter

Mehrere Milliarden Tonnen Erde werden durch Menschen jährlich bewegt – mit Baggern, Bohrern oder Dynamit. Nikolaus Geyrhalter beobachtet in Minen und Steinbrüchen, an Großbaustellen und Kohleabbaugebieten die Menschen bei ihrem ständigen Bestreben sich den Planeten untertan zu machen und sich seine Rohstoffe anzueignen: Eine Bestandsaufnahme der Menschheit als wichtigster Einflussfaktor auf die fundamentalen und unwiderruflichen Veränderungen ihres Heimatplaneten.

„ERDE ist der schönste Film über das Ende der Menschheit seit Lars von Triers MELANCHOLIA. In sieben Kapiteln zeigt Regisseur Nikolaus Geyrhalter die enormen Veränderungen, die jeden Tag durch den Menschen an der Erde vorgenommen werden. Dabei beginnt der Film trügerisch idyllisch. Jedes der Kapitel wird mit einer Aufnahme aus der Vogelperspektive auf ein geologisches Terrain eröffnet, in der die Landschaft zu einem abstrakten Kunstwerk wird. Erst dann zeigt sich aus Perspektive der Menschen und Maschinen, wie kalifornische Berge eingeebnet werden, um Baufläche für zukünftige Städte zu schaffen, oder am Brennerpass der Weltrekord im Tunnelbohren aufgestellt wird. (…) Bei allem Fortschrittsglauben steht immer das Gespenst eines drohenden Endes im Raum, der abgebauten Rohstoffe, aber auch der Menschheit als Ganzes. Im atomaren Endlager Wolfenbüttel lässt Geyrhalter einen Film aus den 1970ern laufen, der die ewige Sicherheit des Lagers auch im Katastrophenfall anpreist, während die Anlage 2019 diese Sicherheit bereits nicht mehr garantieren kann. Bei einer nuklearen Halbwertszeit, die der gesamten bisherigen Menschheitsgeschichte entspricht, ist so eine Garantie ohnehin schwierig. (…) der rote Faden des Films ist, dass die Menschheit sich beharrlich weigert, aus der Geschichte zu lernen. Diese an sich pessimistische Aussage fasst Geyrhalter in spektakuläre Bilder, in denen selbst Kipplader eine Schönheit bekommen, und die zumindest auf der individuellen Ebene zum Umdenken anregen.“ (Christian Klose, Indiekino)

Erde, OmdU
Sa 27.07.

Kaviar – Икра, OmdU

Elena Tichonowa
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Kaviar (Икра)

Österreich 2019,100 min, Russisch | Deutsch mit deutschen und russischen Untertiteln!

Regie: Elena Tichonowa          “Publikumspreis” 40. Max Ophüls Preis 2019

Ein russischer Oligarch will sich in Wien einkaufen, um einen verrückten Plan zu verwirklichen und lässt reichlich Schmiergeld fließen. Ein zwielichtiger Stadtrat hält da nur allzu gern die Hände auf und auch ein paar andere windige Gesellen sind mit von der Partie, weil sie das große Geld wittern.

„Die Politik Österreichs bietet derzeit genug Anlass zur Sorge, aber auch viel Potential für Spott. Gerade in einem solchen Klima gedeihen Satiren prächtig. Elena Tikhonovas KAVIAR setzt auf politische Seilschaften und Korruption und übersteigert sie ins Groteske.“ (Lars Tunçay, Indiekino)

„Bereits im März 2019, bei der Diagonale, feierte ein Kinofilm Premiere, der dieses unerträgliche Spiel mit Macht und Geld in einer Komödie zeigte. KAVIAR heißt dieser Film, der unter der russischen Regisseurin Elena Tikhonova entstand, die gemeinsam mit dem Österreicher Robert Buchschwenter das Drehbuch verfasste. Was man im Frühjahr 2019 noch als unrealistisch überspitzte Satire glaubte zu sehen, wurde nur wenige Monate später von der Realität beinhart rechts überholt. Während sich einem sämtliche Haare vor dem TV-Apparat sträubten, biegt man sich im Kinosessel vor Lachen. Und einmal mehr stellt sich eine weitere Frage, nämlich, was muss die Satire noch alles tun, damit sie nicht von der Realität eingeholt wird? Dabei machte die in der sowjetischen Wissenschaftsstadt Obninsk geborene und aufgewachsene Elena Tikhonova mit ihrem ersten Kinospielfilm ja „nur“ einen Film, der auf ihren eigenen Einsichten in die russische Community in Wien basiert. „Im Kern“, so Elena Tikhonova, „ist Kaviar ein Film über Migration und über die Überwindung der Einsamkeit, die sie mit sich bringt. […] Vieles im Film ist von eigenen Beobachtungen inspiriert, die ich machte, seit ich vor 19 Jahren ohne ein Wort Deutsch zu können nach Österreich gekommen bin und mich per trial & error in meiner neuen Umgebung zurechtfinden musste.“ (Manfred Horak, kulturwoche.at)

Kaviar – Икра, OmdU
So 28.07.

keine Vorstellung

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Mo 29.07.

keine Vorstellung

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Di 30.07.

Der letzte Jude von Drohobytsch, OmdU

Paul Rosdy
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Paul Rosdy – drei Dokumentarfilme:

Der letzte Jude von Drohobytsch

AT 2001, 98 min, deutsch | ukrainisch | russisch mit deutschen UT

Regie: Paul Rosdy

Alfred Schreyer (1922-2015) erzählt die Geschichte seiner Familie – über ein Jahrhundert voller Tragik und Lebensmut. Als einziger aus seiner Familie überlebte er den Holocaust und kehrte in seine Heimatstadt Drohobytsch in der heutigen Ukraine zurück. Viele Jahre war er Sänger und Violinist im örtlichen Kinofoyer-Orchester. Das einzige Lied, das er je selbst komponierte, heißt Bronitza Wald. In diesem Wald wurden über 11.000 Juden erschossen, unter ihnen Schreyers Mutter.

„- ‚Wie haben Sie Alfred Schreyer kennengelernt?‘ – ‚Ursprünglich wollte ich einen anderen Film machen, aber als ich im Zuge meiner Recherchen in Drohobytsch Alfred Schreyer begegnete, wurde mir schnell klar, dass ich diesen Film über und mit ihm machen musste. Alfred Schreyer zeigte mir Fotos und begann zu erzählen. Bis auf die KZ- und Nachkriegszeit in Deutschland hat er sein ganzes Leben lang nur in Drohobytsch gelebt, aber alles Erdenkliche mitgemacht, was einem im Laufe eines Lebens geschehen kann – im Bösen wie im Guten. (…)‘ – ‚Was betrachten Sie als das Böse im Kontext von A.Schreyers Leben?‘ – ‚Das Böse widerfährt ihm durch die Naziherrschaft, die Zwangsarbeit und die Unfassbarkeit dessen, was in Drohobytsch geschah. Im Wald von Bronitza, wo sich diese großen Massengrabplatten befinden, da bekommt die Hölle ein Gesicht. (…)‘ – ‚Und das Gute?‘ – ‚Diese wahrhaft einzigartige Tradition der KinofoyerOrchester und dass Alfred seinen Optimismus nie verloren hat. Ich bewundere das. Hier war einst dieser junge Mann, der alles verloren hat, was es zu verlieren gibt. Außer mit viel Glück sein Leben, das er der Tatsache verdankt, dass er vor dem Einschlafen im KZ Lieder sang und damit auf sich aufmerksam machte. Nach dem Krieg entschied er sich spontan, in seine Heimatstadt zurückzukehren, wo niemand und nichts mehr war. Gar nichts. (…) Jeder von uns hat irgendwann einmal eine Entscheidung getroffen, die den weiteren Verlauf seines Lebens bestimmt hat. Man merkt es zumeist erst viel später und muss sich damit abfinden und weitermachen. Das ist gut so und Alfred Schreyer hat das auf eine wunderbare Weise getan. Er erzählt und führt uns heute in die Hölle seiner Heimatstadt, aber ruft auch diese spannende Institution des KinofoyerOrchesters in Erinnerung, wo er trotz allem sein Glück fand. Für mich ist das Kinofoyer-Orchester ein Traum von dem ich nie träumen konnte, denn z.B. in Wien, da gab es vor den Filmvorführungen eher langweilige Modeschauen. Ich erinnere mich an meine Jugend, wo fast alles, was man mit der Sowjetunion in Verbindung brachte, schlecht gemacht worden ist. Aber im Kinofoyer, da gab es Romantik, wenn das Orchester spielte. Davon träumen heute noch viele ältere Leute in der ehemaligen Sowjetunion und ich jetzt auch. Ich bin Alfred Schreyer dafür sehr dankbar.‘“ (Interview mit Paul Rosdy)

Der letzte Jude von Drohobytsch, OmdU
Di 30.07.

Homemad(e)

Ruth Beckermann
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Ruth Beckermann – drei Dokumentarfilme:

Homemad(e)

AT 2001, 84 min

Regie: Ruth Beckermann

Die Marc Aurel-Straße in Wien: Da ist der letzte jüdische Händler im ehemaligen Textilviertel, der iranische Hotelier, das Café Salzgries mit seinen Stammgästen. Von Sommer 1999 bis Frühling 2000 unternahm Ruth Beckermann kleine Reisen vor die eigene Haustüre und erkundete ihre Umgebung mit der Kamera. Der Film ist auch ein Dokument der politischen Wende, die mit der Regierungsbeteiligung der extrem rechten FPÖ eintrat.

„Das Viertel ist ein Refugium am Rande der City, und es trifft sich gut, dass es nach jenem römischen Kaiser benannt ist, der als Philosoph berühmt wurde. Der distanzierte Stil seiner stoischen Selbstbetrachtungen passt gut in jene Gegend rund ums Café Salzgries. In diesem Tonfall, leicht ironisch, plaudern die Menschen, die Beckermann zu Wort kommen lässt. Die schrillen Stimmen sind nicht zu vernehmen. Die Populisten des Ressentiments schwingen hier keine Reden. (D. Rabinovici, Die Presse, 8.9. 01)

„Der Ort, an dem sich Alpha und Omega österreichischer Befindlichkeit materialisieren, ist allen Klischees zum Trotz bis heute das Kaffeehaus. Zwar wollte die Regisseurin eigentlich das Leben in einer ehemaligen Wiener Geschäftsstraße, in der es immerhin zwei Zeitungsredaktionen, ein Hotel und ein Bordell gibt, dokumentieren, schnell stellte sich aber heraus, dass in der Marc-Aurel-Straße der Genius Loci das Café Salzgries ist. Getreu dem Motto Alfred Polgars, dass das Kaffeehaus „eine Weltanschauung ist, und zwar eine, deren innerster Inhalt es ist, die Welt nicht anzuschaun“, gehen hier Frühling, Sommer und Herbst ins Land, ohne dass die Besucher oft von ihrem Kaffee aufschauen. HOMEMAD(E) ist ein Kommentar zu Österreich, in dem man keine Abgründe erkennen kann. Gerade das macht ihn aussagekräftig. Und so wie es zum Wesen der Österreichkritik gehört, Abgründe zu sehen, wo gar keine sind, so tun sich umgekehrt auch welche auf, wo man keine erkennen kann. Die eindrucksvollste Szene des Films ist die Begegnung des alten Textilhändlers Doft mit einer Bekannten. „Fesch bist“ schmeichelt sie. Seine Geschwister seien viel fescher, wiegelt er charmant ab. Später erfährt man, dass er als einziger von seiner Familie Auschwitz überlebt hat. (Verena Mayer, FAZ, 8.2.01)

„Hier geben keine Repräsentanten von etwas Statements ab, sondern Menschen sprechen und erzählen. Gleichzeitig erspart uns Beckermann das anklagende Element, wenn die VP/FP Regierung ihren Schatten bis ins Kaffeehaus wirft. Da wird dann nicht mit fetzigen Einsprengseln gearbeitet, sondern eine leise Skepsis spricht Bände. Und gerade in seinen Auslassungen und Unterlassungen wird HOMEMAD(E) ein relevantes Dokument der so genannten Wende bleiben.“ (C.Philipp, Der Standard, 13.2.01)

Homemad(e)
Di 30.07.

Erde, OmdU

Nikolaus Geyrhalter
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Erde

AT 2019, 115 min, OmdU

Regie: Nikolaus Geyrhalter

Mehrere Milliarden Tonnen Erde werden durch Menschen jährlich bewegt – mit Baggern, Bohrern oder Dynamit. Nikolaus Geyrhalter beobachtet in Minen und Steinbrüchen, an Großbaustellen und Kohleabbaugebieten die Menschen bei ihrem ständigen Bestreben sich den Planeten untertan zu machen und sich seine Rohstoffe anzueignen: Eine Bestandsaufnahme der Menschheit als wichtigster Einflussfaktor auf die fundamentalen und unwiderruflichen Veränderungen ihres Heimatplaneten.

„ERDE ist der schönste Film über das Ende der Menschheit seit Lars von Triers MELANCHOLIA. In sieben Kapiteln zeigt Regisseur Nikolaus Geyrhalter die enormen Veränderungen, die jeden Tag durch den Menschen an der Erde vorgenommen werden. Dabei beginnt der Film trügerisch idyllisch. Jedes der Kapitel wird mit einer Aufnahme aus der Vogelperspektive auf ein geologisches Terrain eröffnet, in der die Landschaft zu einem abstrakten Kunstwerk wird. Erst dann zeigt sich aus Perspektive der Menschen und Maschinen, wie kalifornische Berge eingeebnet werden, um Baufläche für zukünftige Städte zu schaffen, oder am Brennerpass der Weltrekord im Tunnelbohren aufgestellt wird. (…) Bei allem Fortschrittsglauben steht immer das Gespenst eines drohenden Endes im Raum, der abgebauten Rohstoffe, aber auch der Menschheit als Ganzes. Im atomaren Endlager Wolfenbüttel lässt Geyrhalter einen Film aus den 1970ern laufen, der die ewige Sicherheit des Lagers auch im Katastrophenfall anpreist, während die Anlage 2019 diese Sicherheit bereits nicht mehr garantieren kann. Bei einer nuklearen Halbwertszeit, die der gesamten bisherigen Menschheitsgeschichte entspricht, ist so eine Garantie ohnehin schwierig. (…) der rote Faden des Films ist, dass die Menschheit sich beharrlich weigert, aus der Geschichte zu lernen. Diese an sich pessimistische Aussage fasst Geyrhalter in spektakuläre Bilder, in denen selbst Kipplader eine Schönheit bekommen, und die zumindest auf der individuellen Ebene zum Umdenken anregen.“ (Christian Klose, Indiekino)

Erde, OmdU
Mi 31.07.

Erde, OmdU

Nikolaus Geyrhalter
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Erde

AT 2019, 115 min, OmdU

Regie: Nikolaus Geyrhalter

Mehrere Milliarden Tonnen Erde werden durch Menschen jährlich bewegt – mit Baggern, Bohrern oder Dynamit. Nikolaus Geyrhalter beobachtet in Minen und Steinbrüchen, an Großbaustellen und Kohleabbaugebieten die Menschen bei ihrem ständigen Bestreben sich den Planeten untertan zu machen und sich seine Rohstoffe anzueignen: Eine Bestandsaufnahme der Menschheit als wichtigster Einflussfaktor auf die fundamentalen und unwiderruflichen Veränderungen ihres Heimatplaneten.

„ERDE ist der schönste Film über das Ende der Menschheit seit Lars von Triers MELANCHOLIA. In sieben Kapiteln zeigt Regisseur Nikolaus Geyrhalter die enormen Veränderungen, die jeden Tag durch den Menschen an der Erde vorgenommen werden. Dabei beginnt der Film trügerisch idyllisch. Jedes der Kapitel wird mit einer Aufnahme aus der Vogelperspektive auf ein geologisches Terrain eröffnet, in der die Landschaft zu einem abstrakten Kunstwerk wird. Erst dann zeigt sich aus Perspektive der Menschen und Maschinen, wie kalifornische Berge eingeebnet werden, um Baufläche für zukünftige Städte zu schaffen, oder am Brennerpass der Weltrekord im Tunnelbohren aufgestellt wird. (…) Bei allem Fortschrittsglauben steht immer das Gespenst eines drohenden Endes im Raum, der abgebauten Rohstoffe, aber auch der Menschheit als Ganzes. Im atomaren Endlager Wolfenbüttel lässt Geyrhalter einen Film aus den 1970ern laufen, der die ewige Sicherheit des Lagers auch im Katastrophenfall anpreist, während die Anlage 2019 diese Sicherheit bereits nicht mehr garantieren kann. Bei einer nuklearen Halbwertszeit, die der gesamten bisherigen Menschheitsgeschichte entspricht, ist so eine Garantie ohnehin schwierig. (…) der rote Faden des Films ist, dass die Menschheit sich beharrlich weigert, aus der Geschichte zu lernen. Diese an sich pessimistische Aussage fasst Geyrhalter in spektakuläre Bilder, in denen selbst Kipplader eine Schönheit bekommen, und die zumindest auf der individuellen Ebene zum Umdenken anregen.“ (Christian Klose, Indiekino)

Erde, OmdU
Mi 31.07.

Kaviar – Икра, OmdU

Elena Tichonowa
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Kaviar (Икра)

Österreich 2019,100 min, Russisch | Deutsch mit deutschen und russischen Untertiteln!

Regie: Elena Tichonowa          “Publikumspreis” 40. Max Ophüls Preis 2019

Ein russischer Oligarch will sich in Wien einkaufen, um einen verrückten Plan zu verwirklichen und lässt reichlich Schmiergeld fließen. Ein zwielichtiger Stadtrat hält da nur allzu gern die Hände auf und auch ein paar andere windige Gesellen sind mit von der Partie, weil sie das große Geld wittern.

„Die Politik Österreichs bietet derzeit genug Anlass zur Sorge, aber auch viel Potential für Spott. Gerade in einem solchen Klima gedeihen Satiren prächtig. Elena Tikhonovas KAVIAR setzt auf politische Seilschaften und Korruption und übersteigert sie ins Groteske.“ (Lars Tunçay, Indiekino)

„Bereits im März 2019, bei der Diagonale, feierte ein Kinofilm Premiere, der dieses unerträgliche Spiel mit Macht und Geld in einer Komödie zeigte. KAVIAR heißt dieser Film, der unter der russischen Regisseurin Elena Tikhonova entstand, die gemeinsam mit dem Österreicher Robert Buchschwenter das Drehbuch verfasste. Was man im Frühjahr 2019 noch als unrealistisch überspitzte Satire glaubte zu sehen, wurde nur wenige Monate später von der Realität beinhart rechts überholt. Während sich einem sämtliche Haare vor dem TV-Apparat sträubten, biegt man sich im Kinosessel vor Lachen. Und einmal mehr stellt sich eine weitere Frage, nämlich, was muss die Satire noch alles tun, damit sie nicht von der Realität eingeholt wird? Dabei machte die in der sowjetischen Wissenschaftsstadt Obninsk geborene und aufgewachsene Elena Tikhonova mit ihrem ersten Kinospielfilm ja „nur“ einen Film, der auf ihren eigenen Einsichten in die russische Community in Wien basiert. „Im Kern“, so Elena Tikhonova, „ist Kaviar ein Film über Migration und über die Überwindung der Einsamkeit, die sie mit sich bringt. […] Vieles im Film ist von eigenen Beobachtungen inspiriert, die ich machte, seit ich vor 19 Jahren ohne ein Wort Deutsch zu können nach Österreich gekommen bin und mich per trial & error in meiner neuen Umgebung zurechtfinden musste.“ (Manfred Horak, kulturwoche.at)

Kaviar – Икра, OmdU
Mi 07.08.

Свидетели Путина (Putins Zeugen / Putin’s Witnesses), OmdU vorerst letztmalig!

Witalij Manskij
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Свидетели Путина (Putins Zeugen / Putin’s Witnesses)

Lettland / Schweiz / Tschechische Republik 2018, 102 min, russ. Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Witalij Manskij

Die Filmereignisse beginnen am 31. Dezember 1999, als Russland mit dem Interimspräsidenten bekannt wurde. Der Film gründet auf einmaligen und rein dokumentarischen Aussagen über die wahren Ursachen und Folgen der „Operation Nachfolger“, wodurch Russland den Präsidenten erhielt, der heute noch das Land regiert. Die Protagonisten des Films sind Michail Gorbatschow, Boris Jelzin, Wladimir Putin, Witalij Manskij und die russische Nation, die – wie immer – stille Zeugin ihres eigenen Schicksals ist.

„Eine schwerwiegende und weit fortgeschrittene Erkrankung erfordert eine Diagnose und eine Untersuchung der Krankheitsgeschichte. Dies war meine Überlegung bei den Vorbereitungsarbeiten für einen Film über die Ereignisse, die der unerwarteten Resignation des russischen Präsidenten Boris Jelzin und dem Beginn der ‹Operation Nachfolger› vorausgingen. Ich war Zeuge von und Mitbeteiligter an dieser Operation, die Wladimir Putin auf den Moskauer Thron setzte. Mein Erlebnisbericht ist äußerst wichtig. Nicht nur für die russische Gesellschaft – mit dem Ziel, sie von einer weit fortgeschrittenen Krankheit zu heilen –, sondern auch für andere Länder, damit diese ihre Freiheit nicht verlieren.“ (Witalij Manskij)

“In Putin’s Witnesses wird deutlich, dass der Dauerherrscher von Anfang an ein Meister der psychologischen Manipulation der Massen war. Eine seiner schärfsten Waffen dabei: eine auf einem Auge blinde Vergangenheitspolitik.” («Der Standard»)

„Regisseur Witalij Manskij, der zurzeit im selbst auferlegten Exil in Lettland lebt, zeigt ein sehr persönliches und mutiges Werk. Er zeichnet das Bild einer manipulierten Nation, ohne sich selbst als kritischen Denker auszuschließen. (…) Was bleibt, ist ein einsichtiger Manskij. Dessen krasses Eingeständnis macht den Film herausragend: ‚Der Film spiegelt den Preis wider, den ich zahlen muss, weil ich völlig naiv annahm, dass ich nur ein Zeuge war‘, sagt er im Off. ‚Doch die stillschweigende Einwilligung macht aus Zeugen Komplizen.‘“ (Ana Matijssevic, srf Kultur, 4.10.2018)

Свидетели Путина (Putins Zeugen / Putin’s Witnesses), OmdU vorerst letztmalig!
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