So 24.10.

Der Masseur (Śniegu Już Nigdy Nie Będzie), OmdU

Małgorzata Szumowska & Michał Englert
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Der Masseur (Śniegu Już Nigdy Nie Będzie)

Polen / Deutschland 2020, 113 min, polnische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Małgorzata Szumowska, Michał Englert

Aus dem Nebel scheint er zu kommen, geht mit bestimmten Schritten durch den Wald, überquert Brücken und schließlich die Grenze zwischen der Ukraine und Polen. Dabei trägt Zhenia sein Arbeitsutensil mit sich herum: Eine Massageliege. Einige Zeit später betritt er eine von Mauern und Wachpersonal beschützte Siedlung in einem Vorort Warschaus, in der die neureichen Polens in einförmigen Einfamilienhäusern leben und ihren Wohlstand genießen sollten. Doch genauso wenig wie dies den Bewohnern von Vorstädten in Amerika, Frankreich oder anderen Ländern der westlichen Welt gelingen mag (zumindest im Kino nicht), gelingt es den polnischen Familien. Redlich bemühen sie sich, alle Ingredienzien des westlichen Lebensstils zu präsentieren, von überdimensionalen Fernsehern, über glitzernde Küchen, bis zu ausladenden Couchgarnituren, doch glücklich wirken sie in dieser Umgebung nicht. Zumindest für kurze Zeit soll eine Massage von Zhenia Abhilfe schaffen, doch bald werden die Wünsche von Klientin wie der gelangweilten Hausfrau Maria, der Witwe Ewa, die sich mit Drogen beruhigen will oder einem krebskranken Mann und seiner Frau expliziter. Unverhohlen machen sie den gut gebauten, aber schweigsamen Zhenia an, dessen Hände fast spirituelle Fähigkeiten zu haben scheinen. Unter der Massage geraten seine Patienten in Hypnose, traumartige Sequenzen lassen ihre Phantasien mit Zhenias Erinnerungen an seine Kindheit in Tschernobyl verschwimmen. (…) Die Sehnsucht nach Sinn, nach Spiritualität, scheint sich dabei durch den mysteriösen Zhenia zu erfüllen, doch der hat in den Augen weiter Teile der polnischen Gesellschaft schwerwiegende Makel: Er ist Fremder und möglicherweise auch noch homosexuell.

Einmal mehr erweist sich Małgorzata Szumowska auch in NEVER GONNA SNOW AGAIN als scharfe Beobachterin der Entwicklungen ihrer Heimat, die sie diesmal nicht mehr so speziell zeigt wie etwa noch in IM NAMEN DES… oder DIE MASKE, sondern in universellere Gefilde überhöht, die andeuten, dass sich Polen im Guten wie im Schlechten zunehmend zu einem westlichen Land entwickelt. (Michael Meyns, programmkino.de)

So 24.10.

Familienmuster. Die Therapeutin Satuila Stierlin im Gespräch – in Anwesenheit der Filmemacherinnen Bianca Herlo, Helga Kurzchalia

Bianca Herlo & Helga Kurzchalia
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Familienmuster. Die Therapeutin Satuila Stierlin im Gespräch

D 2021, 61 min, deutsche Originalfassung

Regie: Bianca Herlo, Helga Kurzchalia

FAMILIENMUSTER porträtiert die Schweizer Familientherapeutin Satuila Stierlin. In dem einstündigen Dokumentarfilm blickt sie mit den Filmemacherinnen Bianca Herlo und Helga Kurzchalia auf ihr ereignisreiches Leben zurück, das mit der Geschichte des 20. Jahrhunderts eng verbunden ist. Ein zeitgeschichtliches Dokument, in dem die Protagonistin biographische Erinnerung in Familien beispielhaft thematisiert. Als Tochter einer deutschen Jüdin und eines Italieners in der Schweiz aufgewachsen, ist sie heute in Heidelberg zu Hause, wo sie viele Jahre als Familientherapeutin praktiziert hat. An der Seite ihres Mannes, dem bekannten Psychiater und Familientherapeuten Helm Stierlin hat sie als junge Frau auch die Pionierzeit der Familientherapie hautnah miterlebt. Im Film erfahren wir, wie Satus Herkunftsfamilie ihren beruflichen Lebensweg beeinflusst hat und wie familiäre Muster über Generationen wirken. Dabei reflektiert sie auch die Zusammenarbeit mit ihrem Mann und ihre Rolle als weibliche Familientherapeutin.

Familienmuster. Die Therapeutin Satuila Stierlin im Gespräch – in Anwesenheit der Filmemacherinnen Bianca Herlo, Helga Kurzchalia
So 24.10.

Endlich Tacheles, OmdU

Jana Matthes & Andrea Schramm
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Endlich Tacheles

D 2020, 104 min, Deutsch | Hebräisch | Englisch | Polnisch mit deutschen UT

Regie: Jana Matthes, Andrea Schramm

Yaar ist ein junger jüdischer Berliner, der davon träumt, Gamedesigner zu werden. Mit dem Judentum verbindet er nichts als Opfer, die sich zur Schlachtbank führen ließen. Seinem Vater wirft er vor, am Holocaust zu leiden, den er nicht einmal selbst erlebt hat. Aus Rebellion will Yaar ein Computerspiel entwickeln: „Shoah. Als Gott schlief.“ In dem von ihm kreierten Deutschland um 1940 können Juden sich wehren, Nazis menschlich handeln. Yaars Vater ist schockiert. In seinen Freunden Sarah und Marcel findet er Mitstreiter für die Entwicklung seines Computerspiels. Yaar macht seine Oma Rina zum Vorbild für die junge Jüdin im Spiel. Ihr Gegenspieler, ein SS-Offizier, ist von einem realen Vorfahren von Marcel inspiriert. Die drei sind sich einig: die alten Rollenzuschreibungen von Tätern und Opfern stehen ihnen im Weg, und die Vergangenheit soll endlich vorbei sein! Sie reisen zusammen in Rinas Geburtsort Krakau, wo Yaar ein furchtbares Familiengeheimnis aufdeckt. Aus Spiel wird Ernst. Die drei Freunde erkennen, was die Ereignisse der Vergangenheit mit ihnen selbst zu tun haben – als Enkel der damaligen Opfer und Täter. Eine schmerzhafte Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte beginnt, die auch die Beziehung zwischen Vater und Sohn verändert.

ENDLICH TACHELES zeigt, wie sich das Trauma der Überlebenden bis in die dritte Generation frisst und stellt eine hochaktuelle Frage aus der Sicht eines 21-jährigen: Was hat der Holocaust heute noch mit mir zu tun?

„Yaars Großvater Moshe kam 1944 nach Auschwitz Birkenau. Zur gleichen Zeit wurde Georg Schramm, der Großvater der Regisseurin, als Wehrmachtssoldat im KZ Dachau stationiert. Beide Männer standen auf verschiedenen Seiten des Zauns – 71 Jahre, bevor wir Yaar zum ersten Mal trafen. Wir erzählten uns unsere Familiengeschichten und entwickelten als Enkel der Täter- und der Opfergeneration gemeinsam die Idee zu ENDLICH TACHELES.

Schnell merkten wir, dass auf Yaar ein großer Druck lastet. Die Wunden, die Yaars Großeltern als Überlebende bis an ihr Lebensende mit sich herumtragen, sind auch für deren Kinder – Yaars Eltern – noch prägend. Für die dritte Generation scheint das auf den ersten Blick nicht zu gelten. Yaars Gefühl für die Vergangenheit ist diffus. Er trägt an etwas, doch er weiß – anders als sein Vater – nicht woran. Seine Eltern und Großeltern haben kaum etwas erzählt, wovon sollte er also traumatisiert sein? In der Verdrängung der Großeltern, dem Schweigen des Vaters, genau wie in der Rebellion des Enkels zeigen sich unterschiedliche Strategien, die Vergangenheit zu verarbeiten – doch keiner kann ihr entfliehen. Das ist es, was uns an Yaars Geschichte interessiert: die Fragilität einer Sinnsuche, die Coming-of-Age-Geschichte eines jungen Mannes, der noch gar nicht weiß, was ihn umtreibt und manchmal fast zu zerstören droht. Er will es herausfinden und geht mit der Entwicklung des Computerspiels einen provokanten Weg.

In Deutschland und vielen anderen Ländern der Welt können Juden ihre Kippa nicht offen tragen, müssen Menschen in Synagogen wieder um ihr Leben fürchten. Wir als dritte Generation haben eine Verantwortung – gerade in einer Zeit in der die letzten Zeitzeugen sterben. Wir glauben, es ist Zeit für neue Formen der Erinnerung, die auch diejenigen erreichen, für die der Holocaust nur ein Kapitel im Geschichtsbuch ist.“ (Regiekommentar)

Endlich Tacheles, OmdU
So 24.10.

Je suis Karl

Christian Schwochow
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Je suis Karl

D / CZ 2021, 126 min, tw. OmdU

Regie: Christian Schwochow

Irgendwo in Berlin. Nicht irgendwann – heute. Ein Paket im Flur. Alex, ein Ehemann und Vater dreier Kinder. Vergisst den Wein im Auto. Wird von einer Bombe aus der Routine gerissen und findet seinen Halt nicht wieder. Maxi, eine selbstbewusste junge Frau, will sich loslösen von den Eltern und auf eigenen Beinen stehen. Hat sich ihr Abnabeln ganz anders vorgestellt, wird wütend und stellt Fragen. Und hat zum ersten Mal in ihrem Leben Angst. Karl fängt Maxi auf und bietet Antworten. Resolut, blitzgescheit und verführerisch verfolgt er seinen eigenen Plan. Als Teil einer Bewegung. Heute in Berlin. Morgen in Prag. Bald in Straßburg – in ganz Europa.

– „Die Rechten in Ihrem Film sehen smart und cool aus. Gibt es die wirklich?“ – „Das Erscheinungsbild hat sich massiv verändert. Die AfD etwa hat sehr radikales Personal, sehr rassistische Ideen. Aber sie haben auch eine Parteivorsitzende, die offen homosexuell und mit einer Ausländerin zusammen ist, was nicht zu dem passt, was die Partei propagiert. Und wenn man sich die Jugendorganisation des Front National in Frankreich anguckt oder die Identitäre Bewegung – das sind zum Teil absolut hippe junge Menschen, die gebildet sind, mehrere Sprachen sprechen. (…)“

– „Der Titel Ihres Films wendet auch die positive solidarische Losung „Je suis Charlie“ um. Man kann also fast alles benutzen?” – “Ja, total. Wir haben uns auch den rassistischen Rap oder Hiphop, wie er im Film zu hören ist, nicht ausgedacht. Das gibt es alles schon. HipHop ist eine urschwarze Musik. Selbst wenn sie Schwarze jagen, benutzen sie ihre Musik, weil diese Jugendlichen nicht mehr nur ideologisch denken. Sie gucken, welche Inszenierung funktioniert. Und damit wollen sie die, die in der Mitte stehen, zu sich holen. Jemand wie Ihre Protagonistin Maxi, die aus einer linksliberalen Familie kommt, würde ja auch sofort zurückschrecken, wenn diese Bewegung nicht so cool auftreten würde. Man kann sie nicht mehr unterscheiden. Sie sehen aus wie alle. (…)”

– “Trotzdem wirkt manches in Ihrem Film dystopisch. So weit sind wir noch nicht, oder?” – „Wir haben vor fünf Jahren mit dem Film angefangen. Da kam uns vieles im Drehbuch tatsächlich als totale Fiktion vor. Dann kam der Breitscheidplatz, es kam Hanau, Halle, der Mord an Walter Lübcke, Christchurch, Franco A., die Stürmung des Capitols, die versuchte Stürmung des Reichstags durch Aluhüte. Irgendwann wussten wir: Wir erzählen über jetzt.” (Christian Schwochow im Gespräch mit Susanne Lenz, BLZ 14.09.21)

Mo 25.10.

Das Glück zu leben (A létezés eufóriája / The Euphoria Of Being), OmdU

Réka Szabó
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Das Glück zu leben (A létezés eufóriája / The Euphoria Of Being)

HU 2019, 83 min, ungarische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Réka Szabó

Angeregt durch die im Jahre 2005 erschienene Autobiografie mit dem Titel „Anima rerum (Die Seele der Dinge)“ der 1925 geborenen ungarischen Jüdin Éva Pusztai-Fahidi nimmt die Budapester Choreographin Réka Szabó, die künstlerische Leiterin eines der bedeutendsten Ensembles für zeitgenössischen Tanz ihres Landes ist, Kontakt mit der Holocaust-Überlebenden auf und überzeugt diese davon, deren Lebensgeschichte in Form eines Tanzstückes auf die Bühne zu bringen. Allerdings soll die mittlerweile hochbetagte Dame gemeinsam mit der jungen Tänzerin Emese Cuhorka die Performance bewältigen. Und das erweist sich im kommenden Zeitraum der Proben nicht nur als körperlich herausfordernder Prozess, sondern auch als psychisch schmerzende Reise in die Vergangenheit.

Insgesamt 49 Verwandte von Éva Pusztai-Fahidi fielen dem Rassenwahn und dem Terror der Nationalsozialisten zum Opfer. Sie überlebte als einzige einer Familie, die 1936 zum Katholizismus konvertierte, die Vernichtungslager und kehrte schwer traumatisiert zurück. Doch reden konnte sie im Ungarn der Nachkriegszeit über das Erlebte nicht. Vielmehr schloss sie sich den ungarischen Kommunisten an, lebte in Budapest und vermied jede Erinnerung an die Vergangenheit. Erst mit dem Fall des Eisernen Vorhangs begann ihre Erinnerungsarbeit, die durch einen Besuch in Stadtallendorf angestoßen wurde, dem Standort des KZ-Außenlagers Münchmühle, in dem sie überlebte. Und dieser Auslöser brachte sie schließlich dazu, über das Erlebte und Erlittene nicht nur zu sprechen, sondern auch ein Buch zu schreiben. (…)

Seit den Probearbeiten im Jahre 2015 ist die Tanzperformance mit dem Titel Sea Lavender 77 mal aufgeführt worden, in Budapest ebenso wie in Wien und Berlin. THE EUPHORIA OF BEING ist aber weitaus mehr als ein Film über die Entstehungszeit dieses außergewöhnlichen Tanzprojekts — der Film ist ebenso biographisches Fragment, Beobachtung einer Trauerarbeit und Studie über Kreativität als Form der Traumabewältigung sowie ein Werk über eine Freundschaft über Generationen hinweg und gegen das Vergessen. (Joachim Kurz, kino-zeit.de)

Das Glück zu leben (A létezés eufóriája / The Euphoria Of Being), OmdU
Mo 25.10.

Uta

Mario Schneider
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Uta

D 2020, 90 min, deutsche Originalfassung

Regie: Mario Schneider

Uta ist Straßenmusikerin und nahezu blind. Sie und ihr Freund Jens, Musiker und Kabarettist, leben ein spartanisches Leben an der Existenzgrenze – aber sie sind glücklich. Sieht man in Utas Gesicht, um das die Kamera leise kreist, erahnt man ihre ungewöhnliche Lebensgeschichte. In ihren schroffen, fast männlichen Zügen steht jedoch eines geschrieben: Zuversicht. Uta ist ein Original der Stadt. Ihre Lieder erzählen von Liebe und Verlust, von der schnelllebigen Zeit und einer zügellosen Spaßgesellschaft. Taucht man in ihr schweres Leben ein, ist man gebannt und überrascht, denn Uta hat sich der Verbitterung nie hingegeben. Doch jetzt, in ihrem siebzigsten Lebensjahr ereilt sie eine ihrer schwersten Prüfungen.

In matten Schwarz-Weiß-Bildern, die gelegentlich daran erinnern, dass Uta kaum etwas sehen kann, reist Mario Schneider gemeinsam mit ihr in die Vergangenheit. Dabei gelangen sie bis an die Grundmauern ihrer Persönlichkeit. Immer stärker wird der Bezug ihrer Lieder zu einem Leben, das sie oft an ihre Grenzen führte und darüber hinaus. Utas DDR-Vergangenheit wird dabei kaum thematisiert. Kein Wunder – Sie lehnt vermutlich jede Form von Herrschaft ab, egal, welches System dahintersteckt, und ihre Songs sind ein Spiegel dieser Einstellung, irgendwo zwischen Anarchie, Poesie, Wurschtigkeit und Kapitalismuskritik. So liebenswert sie ist, so scharfzüngig kann sie sein. (…)

Mario Schneider setzt dieser ganz besonderen Frau mit seinem Film ein kleines Denkmal, das so ist wie Uta selbst: unauffällig und unprätentiös, bescheiden und bereichernd.“ (Gaby Sikorski, programmkino.de)

 

Mo 25.10.

Endlich Tacheles, OmdU

Jana Matthes & Andrea Schramm
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Endlich Tacheles

D 2020, 104 min, Deutsch | Hebräisch | Englisch | Polnisch mit deutschen UT

Regie: Jana Matthes, Andrea Schramm

Yaar ist ein junger jüdischer Berliner, der davon träumt, Gamedesigner zu werden. Mit dem Judentum verbindet er nichts als Opfer, die sich zur Schlachtbank führen ließen. Seinem Vater wirft er vor, am Holocaust zu leiden, den er nicht einmal selbst erlebt hat. Aus Rebellion will Yaar ein Computerspiel entwickeln: „Shoah. Als Gott schlief.“ In dem von ihm kreierten Deutschland um 1940 können Juden sich wehren, Nazis menschlich handeln. Yaars Vater ist schockiert. In seinen Freunden Sarah und Marcel findet er Mitstreiter für die Entwicklung seines Computerspiels. Yaar macht seine Oma Rina zum Vorbild für die junge Jüdin im Spiel. Ihr Gegenspieler, ein SS-Offizier, ist von einem realen Vorfahren von Marcel inspiriert. Die drei sind sich einig: die alten Rollenzuschreibungen von Tätern und Opfern stehen ihnen im Weg, und die Vergangenheit soll endlich vorbei sein! Sie reisen zusammen in Rinas Geburtsort Krakau, wo Yaar ein furchtbares Familiengeheimnis aufdeckt. Aus Spiel wird Ernst. Die drei Freunde erkennen, was die Ereignisse der Vergangenheit mit ihnen selbst zu tun haben – als Enkel der damaligen Opfer und Täter. Eine schmerzhafte Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte beginnt, die auch die Beziehung zwischen Vater und Sohn verändert.

ENDLICH TACHELES zeigt, wie sich das Trauma der Überlebenden bis in die dritte Generation frisst und stellt eine hochaktuelle Frage aus der Sicht eines 21-jährigen: Was hat der Holocaust heute noch mit mir zu tun?

„Yaars Großvater Moshe kam 1944 nach Auschwitz Birkenau. Zur gleichen Zeit wurde Georg Schramm, der Großvater der Regisseurin, als Wehrmachtssoldat im KZ Dachau stationiert. Beide Männer standen auf verschiedenen Seiten des Zauns – 71 Jahre, bevor wir Yaar zum ersten Mal trafen. Wir erzählten uns unsere Familiengeschichten und entwickelten als Enkel der Täter- und der Opfergeneration gemeinsam die Idee zu ENDLICH TACHELES.

Schnell merkten wir, dass auf Yaar ein großer Druck lastet. Die Wunden, die Yaars Großeltern als Überlebende bis an ihr Lebensende mit sich herumtragen, sind auch für deren Kinder – Yaars Eltern – noch prägend. Für die dritte Generation scheint das auf den ersten Blick nicht zu gelten. Yaars Gefühl für die Vergangenheit ist diffus. Er trägt an etwas, doch er weiß – anders als sein Vater – nicht woran. Seine Eltern und Großeltern haben kaum etwas erzählt, wovon sollte er also traumatisiert sein? In der Verdrängung der Großeltern, dem Schweigen des Vaters, genau wie in der Rebellion des Enkels zeigen sich unterschiedliche Strategien, die Vergangenheit zu verarbeiten – doch keiner kann ihr entfliehen. Das ist es, was uns an Yaars Geschichte interessiert: die Fragilität einer Sinnsuche, die Coming-of-Age-Geschichte eines jungen Mannes, der noch gar nicht weiß, was ihn umtreibt und manchmal fast zu zerstören droht. Er will es herausfinden und geht mit der Entwicklung des Computerspiels einen provokanten Weg.

In Deutschland und vielen anderen Ländern der Welt können Juden ihre Kippa nicht offen tragen, müssen Menschen in Synagogen wieder um ihr Leben fürchten. Wir als dritte Generation haben eine Verantwortung – gerade in einer Zeit in der die letzten Zeitzeugen sterben. Wir glauben, es ist Zeit für neue Formen der Erinnerung, die auch diejenigen erreichen, für die der Holocaust nur ein Kapitel im Geschichtsbuch ist.“ (Regiekommentar)

Endlich Tacheles, OmdU
Di 26.10.

Das Glück zu leben (A létezés eufóriája / The Euphoria Of Being), OmdU

Réka Szabó
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Das Glück zu leben (A létezés eufóriája / The Euphoria Of Being)

HU 2019, 83 min, ungarische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Réka Szabó

Angeregt durch die im Jahre 2005 erschienene Autobiografie mit dem Titel „Anima rerum (Die Seele der Dinge)“ der 1925 geborenen ungarischen Jüdin Éva Pusztai-Fahidi nimmt die Budapester Choreographin Réka Szabó, die künstlerische Leiterin eines der bedeutendsten Ensembles für zeitgenössischen Tanz ihres Landes ist, Kontakt mit der Holocaust-Überlebenden auf und überzeugt diese davon, deren Lebensgeschichte in Form eines Tanzstückes auf die Bühne zu bringen. Allerdings soll die mittlerweile hochbetagte Dame gemeinsam mit der jungen Tänzerin Emese Cuhorka die Performance bewältigen. Und das erweist sich im kommenden Zeitraum der Proben nicht nur als körperlich herausfordernder Prozess, sondern auch als psychisch schmerzende Reise in die Vergangenheit.

Insgesamt 49 Verwandte von Éva Pusztai-Fahidi fielen dem Rassenwahn und dem Terror der Nationalsozialisten zum Opfer. Sie überlebte als einzige einer Familie, die 1936 zum Katholizismus konvertierte, die Vernichtungslager und kehrte schwer traumatisiert zurück. Doch reden konnte sie im Ungarn der Nachkriegszeit über das Erlebte nicht. Vielmehr schloss sie sich den ungarischen Kommunisten an, lebte in Budapest und vermied jede Erinnerung an die Vergangenheit. Erst mit dem Fall des Eisernen Vorhangs begann ihre Erinnerungsarbeit, die durch einen Besuch in Stadtallendorf angestoßen wurde, dem Standort des KZ-Außenlagers Münchmühle, in dem sie überlebte. Und dieser Auslöser brachte sie schließlich dazu, über das Erlebte und Erlittene nicht nur zu sprechen, sondern auch ein Buch zu schreiben. (…)

Seit den Probearbeiten im Jahre 2015 ist die Tanzperformance mit dem Titel Sea Lavender 77 mal aufgeführt worden, in Budapest ebenso wie in Wien und Berlin. THE EUPHORIA OF BEING ist aber weitaus mehr als ein Film über die Entstehungszeit dieses außergewöhnlichen Tanzprojekts — der Film ist ebenso biographisches Fragment, Beobachtung einer Trauerarbeit und Studie über Kreativität als Form der Traumabewältigung sowie ein Werk über eine Freundschaft über Generationen hinweg und gegen das Vergessen. (Joachim Kurz, kino-zeit.de)

Das Glück zu leben (A létezés eufóriája / The Euphoria Of Being), OmdU
Di 26.10.

Uta

Mario Schneider
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Uta

D 2020, 90 min, deutsche Originalfassung

Regie: Mario Schneider

Uta ist Straßenmusikerin und nahezu blind. Sie und ihr Freund Jens, Musiker und Kabarettist, leben ein spartanisches Leben an der Existenzgrenze – aber sie sind glücklich. Sieht man in Utas Gesicht, um das die Kamera leise kreist, erahnt man ihre ungewöhnliche Lebensgeschichte. In ihren schroffen, fast männlichen Zügen steht jedoch eines geschrieben: Zuversicht. Uta ist ein Original der Stadt. Ihre Lieder erzählen von Liebe und Verlust, von der schnelllebigen Zeit und einer zügellosen Spaßgesellschaft. Taucht man in ihr schweres Leben ein, ist man gebannt und überrascht, denn Uta hat sich der Verbitterung nie hingegeben. Doch jetzt, in ihrem siebzigsten Lebensjahr ereilt sie eine ihrer schwersten Prüfungen.

In matten Schwarz-Weiß-Bildern, die gelegentlich daran erinnern, dass Uta kaum etwas sehen kann, reist Mario Schneider gemeinsam mit ihr in die Vergangenheit. Dabei gelangen sie bis an die Grundmauern ihrer Persönlichkeit. Immer stärker wird der Bezug ihrer Lieder zu einem Leben, das sie oft an ihre Grenzen führte und darüber hinaus. Utas DDR-Vergangenheit wird dabei kaum thematisiert. Kein Wunder – Sie lehnt vermutlich jede Form von Herrschaft ab, egal, welches System dahintersteckt, und ihre Songs sind ein Spiegel dieser Einstellung, irgendwo zwischen Anarchie, Poesie, Wurschtigkeit und Kapitalismuskritik. So liebenswert sie ist, so scharfzüngig kann sie sein. (…)

Mario Schneider setzt dieser ganz besonderen Frau mit seinem Film ein kleines Denkmal, das so ist wie Uta selbst: unauffällig und unprätentiös, bescheiden und bereichernd.“ (Gaby Sikorski, programmkino.de)

 

Di 26.10.

Endlich Tacheles, OmdU

Jana Matthes & Andrea Schramm
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Endlich Tacheles

D 2020, 104 min, Deutsch | Hebräisch | Englisch | Polnisch mit deutschen UT

Regie: Jana Matthes, Andrea Schramm

Yaar ist ein junger jüdischer Berliner, der davon träumt, Gamedesigner zu werden. Mit dem Judentum verbindet er nichts als Opfer, die sich zur Schlachtbank führen ließen. Seinem Vater wirft er vor, am Holocaust zu leiden, den er nicht einmal selbst erlebt hat. Aus Rebellion will Yaar ein Computerspiel entwickeln: „Shoah. Als Gott schlief.“ In dem von ihm kreierten Deutschland um 1940 können Juden sich wehren, Nazis menschlich handeln. Yaars Vater ist schockiert. In seinen Freunden Sarah und Marcel findet er Mitstreiter für die Entwicklung seines Computerspiels. Yaar macht seine Oma Rina zum Vorbild für die junge Jüdin im Spiel. Ihr Gegenspieler, ein SS-Offizier, ist von einem realen Vorfahren von Marcel inspiriert. Die drei sind sich einig: die alten Rollenzuschreibungen von Tätern und Opfern stehen ihnen im Weg, und die Vergangenheit soll endlich vorbei sein! Sie reisen zusammen in Rinas Geburtsort Krakau, wo Yaar ein furchtbares Familiengeheimnis aufdeckt. Aus Spiel wird Ernst. Die drei Freunde erkennen, was die Ereignisse der Vergangenheit mit ihnen selbst zu tun haben – als Enkel der damaligen Opfer und Täter. Eine schmerzhafte Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte beginnt, die auch die Beziehung zwischen Vater und Sohn verändert.

ENDLICH TACHELES zeigt, wie sich das Trauma der Überlebenden bis in die dritte Generation frisst und stellt eine hochaktuelle Frage aus der Sicht eines 21-jährigen: Was hat der Holocaust heute noch mit mir zu tun?

„Yaars Großvater Moshe kam 1944 nach Auschwitz Birkenau. Zur gleichen Zeit wurde Georg Schramm, der Großvater der Regisseurin, als Wehrmachtssoldat im KZ Dachau stationiert. Beide Männer standen auf verschiedenen Seiten des Zauns – 71 Jahre, bevor wir Yaar zum ersten Mal trafen. Wir erzählten uns unsere Familiengeschichten und entwickelten als Enkel der Täter- und der Opfergeneration gemeinsam die Idee zu ENDLICH TACHELES.

Schnell merkten wir, dass auf Yaar ein großer Druck lastet. Die Wunden, die Yaars Großeltern als Überlebende bis an ihr Lebensende mit sich herumtragen, sind auch für deren Kinder – Yaars Eltern – noch prägend. Für die dritte Generation scheint das auf den ersten Blick nicht zu gelten. Yaars Gefühl für die Vergangenheit ist diffus. Er trägt an etwas, doch er weiß – anders als sein Vater – nicht woran. Seine Eltern und Großeltern haben kaum etwas erzählt, wovon sollte er also traumatisiert sein? In der Verdrängung der Großeltern, dem Schweigen des Vaters, genau wie in der Rebellion des Enkels zeigen sich unterschiedliche Strategien, die Vergangenheit zu verarbeiten – doch keiner kann ihr entfliehen. Das ist es, was uns an Yaars Geschichte interessiert: die Fragilität einer Sinnsuche, die Coming-of-Age-Geschichte eines jungen Mannes, der noch gar nicht weiß, was ihn umtreibt und manchmal fast zu zerstören droht. Er will es herausfinden und geht mit der Entwicklung des Computerspiels einen provokanten Weg.

In Deutschland und vielen anderen Ländern der Welt können Juden ihre Kippa nicht offen tragen, müssen Menschen in Synagogen wieder um ihr Leben fürchten. Wir als dritte Generation haben eine Verantwortung – gerade in einer Zeit in der die letzten Zeitzeugen sterben. Wir glauben, es ist Zeit für neue Formen der Erinnerung, die auch diejenigen erreichen, für die der Holocaust nur ein Kapitel im Geschichtsbuch ist.“ (Regiekommentar)

Endlich Tacheles, OmdU
Mi 27.10.

Uta

Mario Schneider
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Uta

D 2020, 90 min, deutsche Originalfassung

Regie: Mario Schneider

Uta ist Straßenmusikerin und nahezu blind. Sie und ihr Freund Jens, Musiker und Kabarettist, leben ein spartanisches Leben an der Existenzgrenze – aber sie sind glücklich. Sieht man in Utas Gesicht, um das die Kamera leise kreist, erahnt man ihre ungewöhnliche Lebensgeschichte. In ihren schroffen, fast männlichen Zügen steht jedoch eines geschrieben: Zuversicht. Uta ist ein Original der Stadt. Ihre Lieder erzählen von Liebe und Verlust, von der schnelllebigen Zeit und einer zügellosen Spaßgesellschaft. Taucht man in ihr schweres Leben ein, ist man gebannt und überrascht, denn Uta hat sich der Verbitterung nie hingegeben. Doch jetzt, in ihrem siebzigsten Lebensjahr ereilt sie eine ihrer schwersten Prüfungen.

In matten Schwarz-Weiß-Bildern, die gelegentlich daran erinnern, dass Uta kaum etwas sehen kann, reist Mario Schneider gemeinsam mit ihr in die Vergangenheit. Dabei gelangen sie bis an die Grundmauern ihrer Persönlichkeit. Immer stärker wird der Bezug ihrer Lieder zu einem Leben, das sie oft an ihre Grenzen führte und darüber hinaus. Utas DDR-Vergangenheit wird dabei kaum thematisiert. Kein Wunder – Sie lehnt vermutlich jede Form von Herrschaft ab, egal, welches System dahintersteckt, und ihre Songs sind ein Spiegel dieser Einstellung, irgendwo zwischen Anarchie, Poesie, Wurschtigkeit und Kapitalismuskritik. So liebenswert sie ist, so scharfzüngig kann sie sein. (…)

Mario Schneider setzt dieser ganz besonderen Frau mit seinem Film ein kleines Denkmal, das so ist wie Uta selbst: unauffällig und unprätentiös, bescheiden und bereichernd.“ (Gaby Sikorski, programmkino.de)

 

Mi 27.10.

Endlich Tacheles, OmdU – anschließend Filmgespräch mit den Filmemacherinnen in Kooperation mit AMCHA Deutschland e.V.

Jana Matthes & Andrea Schramm
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Endlich Tacheles

D 2020, 104 min, Deutsch | Hebräisch | Englisch | Polnisch mit deutschen UT

Regie: Jana Matthes, Andrea Schramm

am Mi, 27.10. um 19 Uhr mit  Gästen und Filmgespräch

in Kooperation mit AMCHA Deutschland e.V. im Rahmen des Projektes „Hakara – Transgenerationalem Trauma begegnen“

www.amcha.de

Yaar ist ein junger jüdischer Berliner, der davon träumt, Gamedesigner zu werden. Mit dem Judentum verbindet er nichts als Opfer, die sich zur Schlachtbank führen ließen. Seinem Vater wirft er vor, am Holocaust zu leiden, den er nicht einmal selbst erlebt hat. Aus Rebellion will Yaar ein Computerspiel entwickeln: „Shoah. Als Gott schlief.“ In dem von ihm kreierten Deutschland um 1940 können Juden sich wehren, Nazis menschlich handeln. Yaars Vater ist schockiert. In seinen Freunden Sarah und Marcel findet er Mitstreiter für die Entwicklung seines Computerspiels. Yaar macht seine Oma Rina zum Vorbild für die junge Jüdin im Spiel. Ihr Gegenspieler, ein SS-Offizier, ist von einem realen Vorfahren von Marcel inspiriert. Die drei sind sich einig: die alten Rollenzuschreibungen von Tätern und Opfern stehen ihnen im Weg, und die Vergangenheit soll endlich vorbei sein! Sie reisen zusammen in Rinas Geburtsort Krakau, wo Yaar ein furchtbares Familiengeheimnis aufdeckt. Aus Spiel wird Ernst. Die drei Freunde erkennen, was die Ereignisse der Vergangenheit mit ihnen selbst zu tun haben – als Enkel der damaligen Opfer und Täter. Eine schmerzhafte Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte beginnt, die auch die Beziehung zwischen Vater und Sohn verändert.

ENDLICH TACHELES zeigt, wie sich das Trauma der Überlebenden bis in die dritte Generation frisst und stellt eine hochaktuelle Frage aus der Sicht eines 21-jährigen: Was hat der Holocaust heute noch mit mir zu tun?

„Yaars Großvater Moshe kam 1944 nach Auschwitz Birkenau. Zur gleichen Zeit wurde Georg Schramm, der Großvater der Regisseurin, als Wehrmachtssoldat im KZ Dachau stationiert. Beide Männer standen auf verschiedenen Seiten des Zauns – 71 Jahre, bevor wir Yaar zum ersten Mal trafen. Wir erzählten uns unsere Familiengeschichten und entwickelten als Enkel der Täter- und der Opfergeneration gemeinsam die Idee zu ENDLICH TACHELES.

Schnell merkten wir, dass auf Yaar ein großer Druck lastet. Die Wunden, die Yaars Großeltern als Überlebende bis an ihr Lebensende mit sich herumtragen, sind auch für deren Kinder – Yaars Eltern – noch prägend. Für die dritte Generation scheint das auf den ersten Blick nicht zu gelten. Yaars Gefühl für die Vergangenheit ist diffus. Er trägt an etwas, doch er weiß – anders als sein Vater – nicht woran. Seine Eltern und Großeltern haben kaum etwas erzählt, wovon sollte er also traumatisiert sein? In der Verdrängung der Großeltern, dem Schweigen des Vaters, genau wie in der Rebellion des Enkels zeigen sich unterschiedliche Strategien, die Vergangenheit zu verarbeiten – doch keiner kann ihr entfliehen. Das ist es, was uns an Yaars Geschichte interessiert: die Fragilität einer Sinnsuche, die Coming-of-Age-Geschichte eines jungen Mannes, der noch gar nicht weiß, was ihn umtreibt und manchmal fast zu zerstören droht. Er will es herausfinden und geht mit der Entwicklung des Computerspiels einen provokanten Weg.

In Deutschland und vielen anderen Ländern der Welt können Juden ihre Kippa nicht offen tragen, müssen Menschen in Synagogen wieder um ihr Leben fürchten. Wir als dritte Generation haben eine Verantwortung – gerade in einer Zeit in der die letzten Zeitzeugen sterben. Wir glauben, es ist Zeit für neue Formen der Erinnerung, die auch diejenigen erreichen, für die der Holocaust nur ein Kapitel im Geschichtsbuch ist.“ (Regiekommentar)

Endlich Tacheles, OmdU – anschließend Filmgespräch mit den Filmemacherinnen in Kooperation mit AMCHA Deutschland e.V.
Do 28.10.

Das Glück zu leben (A létezés eufóriája / The Euphoria Of Being), OmdU

Réka Szabó
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Das Glück zu leben (A létezés eufóriája / The Euphoria Of Being)

HU 2019, 83 min, ungarische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Réka Szabó

Angeregt durch die im Jahre 2005 erschienene Autobiografie mit dem Titel „Anima rerum (Die Seele der Dinge)“ der 1925 geborenen ungarischen Jüdin Éva Pusztai-Fahidi nimmt die Budapester Choreographin Réka Szabó, die künstlerische Leiterin eines der bedeutendsten Ensembles für zeitgenössischen Tanz ihres Landes ist, Kontakt mit der Holocaust-Überlebenden auf und überzeugt diese davon, deren Lebensgeschichte in Form eines Tanzstückes auf die Bühne zu bringen. Allerdings soll die mittlerweile hochbetagte Dame gemeinsam mit der jungen Tänzerin Emese Cuhorka die Performance bewältigen. Und das erweist sich im kommenden Zeitraum der Proben nicht nur als körperlich herausfordernder Prozess, sondern auch als psychisch schmerzende Reise in die Vergangenheit.

Insgesamt 49 Verwandte von Éva Pusztai-Fahidi fielen dem Rassenwahn und dem Terror der Nationalsozialisten zum Opfer. Sie überlebte als einzige einer Familie, die 1936 zum Katholizismus konvertierte, die Vernichtungslager und kehrte schwer traumatisiert zurück. Doch reden konnte sie im Ungarn der Nachkriegszeit über das Erlebte nicht. Vielmehr schloss sie sich den ungarischen Kommunisten an, lebte in Budapest und vermied jede Erinnerung an die Vergangenheit. Erst mit dem Fall des Eisernen Vorhangs begann ihre Erinnerungsarbeit, die durch einen Besuch in Stadtallendorf angestoßen wurde, dem Standort des KZ-Außenlagers Münchmühle, in dem sie überlebte. Und dieser Auslöser brachte sie schließlich dazu, über das Erlebte und Erlittene nicht nur zu sprechen, sondern auch ein Buch zu schreiben. (…)

Seit den Probearbeiten im Jahre 2015 ist die Tanzperformance mit dem Titel Sea Lavender 77 mal aufgeführt worden, in Budapest ebenso wie in Wien und Berlin. THE EUPHORIA OF BEING ist aber weitaus mehr als ein Film über die Entstehungszeit dieses außergewöhnlichen Tanzprojekts — der Film ist ebenso biographisches Fragment, Beobachtung einer Trauerarbeit und Studie über Kreativität als Form der Traumabewältigung sowie ein Werk über eine Freundschaft über Generationen hinweg und gegen das Vergessen. (Joachim Kurz, kino-zeit.de)

Das Glück zu leben (A létezés eufóriája / The Euphoria Of Being), OmdU
Do 28.10.

Herr Bachmann und seine Klasse

Maria Speth
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Herr Bachmann und seine Klasse

D 2021, 217 min, deutsche Originalfassung

Regie: Maria Speth

HERR BACHMANN UND SEINE KLASSE porträtiert die Beziehung zwischen einem Lehrer und den Schüler*innen der 6. Jahrgangsstufe. In einnehmender Offenheit begegnet Herr Bachmann den Kindern mit ihren unterschiedlichen sozialen und kulturellen Erfahrungen und schafft damit einen Raum des Vertrauens. Musik ist hier eine allgegenwärtige Sprache, die sich wie selbstverständlich um den zu absolvierenden Unterrichtsstoff legt. Anhand der sozialen Beziehungen in der Klasse erzählt der Film ganz beiläufig von den Strukturen einer kleinen, westdeutschen Industriestadt, deren Geschichte bis zurück in die NS-Zeit von Migration geprägt ist.

„Wo unsere Gesellschaft die Menschen so gern kategorisiert, nach Herkunft, Bildung und sozialer Schicht, und ihnen damit unweigerlich einen Wert zuweist, präsentiert der Film seine jungen Protagonisten als Individuen. Es ist sein vielleicht größtes Verdienst.“ (Jörg Thomann, faz.net)

„Irgendwann ist auch der Zuschauer Teil der Klassengemeinschaft, die für immer auseinandergehen wird. Die Schülerinnen und Schüler sind älter, stolzer und lebendiger geworden, und wenn sie in einem bewegenden Moment ihrem Lehrer Dank abstatten, dann ist dies auch ein Akt der Emanzipation – die Aufgeweckten haben das Lernen gelernt und machen fortan ‚ihr Ding‘. Nun versteht man endlich jene rätselhafte Szene am Anfang des Films, in der Bachmann erzählt, wie sich ein verliebter Tisch und eine Gitarre unterhalten. Und tatsächlich – in dem Augenblick, in dem die verschlafene Klasse in der Morgenfrühe über tote Dinge fantasiert, erwacht sie aus ihrem Dämmer und wird lebendig, und von dieser erwachten Lebendigkeit handelt der ganze Film. Zwischendurch blickt er aus der Ferne kommentarlos auf Stadtallendorf, wo die Schornsteine rauchen, wo es wummert und hämmert. Das ist die große Gesellschaftsmaschine, die nur darauf zu warten scheint, das Lebendige bald wieder zu verschlingen.“ (Thomas Assheuer, DIE ZEIT Nr. 39/2021)

Fr 29.10.

Endlich Tacheles, OmdU

Jana Matthes & Andrea Schramm
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Endlich Tacheles

D 2020, 104 min, Deutsch | Hebräisch | Englisch | Polnisch mit deutschen UT

Regie: Jana Matthes, Andrea Schramm

Yaar ist ein junger jüdischer Berliner, der davon träumt, Gamedesigner zu werden. Mit dem Judentum verbindet er nichts als Opfer, die sich zur Schlachtbank führen ließen. Seinem Vater wirft er vor, am Holocaust zu leiden, den er nicht einmal selbst erlebt hat. Aus Rebellion will Yaar ein Computerspiel entwickeln: „Shoah. Als Gott schlief.“ In dem von ihm kreierten Deutschland um 1940 können Juden sich wehren, Nazis menschlich handeln. Yaars Vater ist schockiert. In seinen Freunden Sarah und Marcel findet er Mitstreiter für die Entwicklung seines Computerspiels. Yaar macht seine Oma Rina zum Vorbild für die junge Jüdin im Spiel. Ihr Gegenspieler, ein SS-Offizier, ist von einem realen Vorfahren von Marcel inspiriert. Die drei sind sich einig: die alten Rollenzuschreibungen von Tätern und Opfern stehen ihnen im Weg, und die Vergangenheit soll endlich vorbei sein! Sie reisen zusammen in Rinas Geburtsort Krakau, wo Yaar ein furchtbares Familiengeheimnis aufdeckt. Aus Spiel wird Ernst. Die drei Freunde erkennen, was die Ereignisse der Vergangenheit mit ihnen selbst zu tun haben – als Enkel der damaligen Opfer und Täter. Eine schmerzhafte Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte beginnt, die auch die Beziehung zwischen Vater und Sohn verändert.

ENDLICH TACHELES zeigt, wie sich das Trauma der Überlebenden bis in die dritte Generation frisst und stellt eine hochaktuelle Frage aus der Sicht eines 21-jährigen: Was hat der Holocaust heute noch mit mir zu tun?

„Yaars Großvater Moshe kam 1944 nach Auschwitz Birkenau. Zur gleichen Zeit wurde Georg Schramm, der Großvater der Regisseurin, als Wehrmachtssoldat im KZ Dachau stationiert. Beide Männer standen auf verschiedenen Seiten des Zauns – 71 Jahre, bevor wir Yaar zum ersten Mal trafen. Wir erzählten uns unsere Familiengeschichten und entwickelten als Enkel der Täter- und der Opfergeneration gemeinsam die Idee zu ENDLICH TACHELES.

Schnell merkten wir, dass auf Yaar ein großer Druck lastet. Die Wunden, die Yaars Großeltern als Überlebende bis an ihr Lebensende mit sich herumtragen, sind auch für deren Kinder – Yaars Eltern – noch prägend. Für die dritte Generation scheint das auf den ersten Blick nicht zu gelten. Yaars Gefühl für die Vergangenheit ist diffus. Er trägt an etwas, doch er weiß – anders als sein Vater – nicht woran. Seine Eltern und Großeltern haben kaum etwas erzählt, wovon sollte er also traumatisiert sein? In der Verdrängung der Großeltern, dem Schweigen des Vaters, genau wie in der Rebellion des Enkels zeigen sich unterschiedliche Strategien, die Vergangenheit zu verarbeiten – doch keiner kann ihr entfliehen. Das ist es, was uns an Yaars Geschichte interessiert: die Fragilität einer Sinnsuche, die Coming-of-Age-Geschichte eines jungen Mannes, der noch gar nicht weiß, was ihn umtreibt und manchmal fast zu zerstören droht. Er will es herausfinden und geht mit der Entwicklung des Computerspiels einen provokanten Weg.

In Deutschland und vielen anderen Ländern der Welt können Juden ihre Kippa nicht offen tragen, müssen Menschen in Synagogen wieder um ihr Leben fürchten. Wir als dritte Generation haben eine Verantwortung – gerade in einer Zeit in der die letzten Zeitzeugen sterben. Wir glauben, es ist Zeit für neue Formen der Erinnerung, die auch diejenigen erreichen, für die der Holocaust nur ein Kapitel im Geschichtsbuch ist.“ (Regiekommentar)

Endlich Tacheles, OmdU
Fr 29.10.

Garagenvolk (Гаражане), OmdU

Natalija Yefimkina
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Garagenvolk (Гаражане)

D 2020, 95 min, russische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Natalija Yefimkina

Im post-sowjetischen Russland gibt es ein Phänomen abseits von Eisfischen, Matrojschkas und Wodka: Die Garagensiedlung. Von außen unwirtliche Blechhütten bieten sie einer Vielzahl von Russen – vorwiegend Männern ein Refugium. Nach eigenem Gusto und abseits aller Regeln, mit Erfindungskraft und Zähigkeit entstehen auf wenigen Quadratmeter alternative Lebensräume. Schrottsammler Ilja nutzt die Garage als Produktionsstätte, Roman für seine Wachtelzucht, Pavel schnitzt kunstfertig Heiligenfiguren und Viktor hat die seine in jahrzehntelanger Arbeit um vier unterirdische Stockwerke ergänzt. Hier gibt es alles, und alles scheint möglich. Die Garagen sind Ausdruck eines Rückzugs ins Private, eine Flucht vor dem Alltag. Hinter dem Polarkreis, in einer rauen Gegend, in der ein Bergbaukonzern der einzige Arbeitgeber ist, bleibt die Garage die letzte Möglichkeit zur Selbstverwirklichung – und kommt so viel fältig daher, wie die Träume ihrer Besitzer.

„Viele der Persönlichkeiten hier werden im Gedächtnis bleiben: der wackere Viktor, der nicht mehr lange zu leben hat, die Mitglieder der Rockband, die sich trennt, weil eigentlich alle hier wegwollen, oder der Wachtelzüchter Roman, der von einer Partnerin träumt. Manchmal wirkt die ganze Szenerie wie eine Theaterkulisse mit inszenierten Tableaus. Dann sehen die Garagen von Weitem aus wie merkwürdig dekorierte Puppenstuben. Jede stellt eine eigene kleine Welt dar, eine wahr gewordene Zukunftsvision. Zusammen bilden sie lauter kleine, isolierte Waben eines großen Ganzen, jede steht für einen einzelnen Menschen. Zusammen, aber nicht gemeinsam, haben sie all das gestaltet, und zwar aus einem unstillbaren Drang zur Betätigung, um etwas zu schaffen, was zu ihnen gehört. Aus all ihren Geschichten, Gesprächen und Erlebnissen ergibt sich ein kaleidoskopartiges, sehr interessantes Bild von Russland und den Menschen, die jenseits des Polarkreises leben und nicht viel mehr als ihre Träume haben.“ (Gaby Sikorski, programmkino.de)

„Die Garagen erscheinen als Zufluchtsorte. Sie sind die Orte derjenigen, die, allen Widrigkeiten zum Trotz, bleiben wollen: die Garage als Heimat. Was für eine schnoddrig-schöne Metapher.” (Jens Balkenborg, epd-film.de)

Fr 29.10.

Der Masseur (Śniegu Już Nigdy Nie Będzie), OmdU

Małgorzata Szumowska & Michał Englert
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Der Masseur (Śniegu Już Nigdy Nie Będzie)

Polen / Deutschland 2020, 113 min, polnische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Małgorzata Szumowska, Michał Englert

Aus dem Nebel scheint er zu kommen, geht mit bestimmten Schritten durch den Wald, überquert Brücken und schließlich die Grenze zwischen der Ukraine und Polen. Dabei trägt Zhenia sein Arbeitsutensil mit sich herum: Eine Massageliege. Einige Zeit später betritt er eine von Mauern und Wachpersonal beschützte Siedlung in einem Vorort Warschaus, in der die neureichen Polens in einförmigen Einfamilienhäusern leben und ihren Wohlstand genießen sollten. Doch genauso wenig wie dies den Bewohnern von Vorstädten in Amerika, Frankreich oder anderen Ländern der westlichen Welt gelingen mag (zumindest im Kino nicht), gelingt es den polnischen Familien. Redlich bemühen sie sich, alle Ingredienzien des westlichen Lebensstils zu präsentieren, von überdimensionalen Fernsehern, über glitzernde Küchen, bis zu ausladenden Couchgarnituren, doch glücklich wirken sie in dieser Umgebung nicht. Zumindest für kurze Zeit soll eine Massage von Zhenia Abhilfe schaffen, doch bald werden die Wünsche von Klientin wie der gelangweilten Hausfrau Maria, der Witwe Ewa, die sich mit Drogen beruhigen will oder einem krebskranken Mann und seiner Frau expliziter. Unverhohlen machen sie den gut gebauten, aber schweigsamen Zhenia an, dessen Hände fast spirituelle Fähigkeiten zu haben scheinen. Unter der Massage geraten seine Patienten in Hypnose, traumartige Sequenzen lassen ihre Phantasien mit Zhenias Erinnerungen an seine Kindheit in Tschernobyl verschwimmen. (…) Die Sehnsucht nach Sinn, nach Spiritualität, scheint sich dabei durch den mysteriösen Zhenia zu erfüllen, doch der hat in den Augen weiter Teile der polnischen Gesellschaft schwerwiegende Makel: Er ist Fremder und möglicherweise auch noch homosexuell.

Einmal mehr erweist sich Małgorzata Szumowska auch in NEVER GONNA SNOW AGAIN als scharfe Beobachterin der Entwicklungen ihrer Heimat, die sie diesmal nicht mehr so speziell zeigt wie etwa noch in IM NAMEN DES… oder DIE MASKE, sondern in universellere Gefilde überhöht, die andeuten, dass sich Polen im Guten wie im Schlechten zunehmend zu einem westlichen Land entwickelt. (Michael Meyns, programmkino.de)

Der Masseur (Śniegu Już Nigdy Nie Będzie), OmdU
Sa 30.10.

Je suis Karl

Christian Schwochow
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Je suis Karl

D / CZ 2021, 126 min, tw. OmdU

Regie: Christian Schwochow

Irgendwo in Berlin. Nicht irgendwann – heute. Ein Paket im Flur. Alex, ein Ehemann und Vater dreier Kinder. Vergisst den Wein im Auto. Wird von einer Bombe aus der Routine gerissen und findet seinen Halt nicht wieder. Maxi, eine selbstbewusste junge Frau, will sich loslösen von den Eltern und auf eigenen Beinen stehen. Hat sich ihr Abnabeln ganz anders vorgestellt, wird wütend und stellt Fragen. Und hat zum ersten Mal in ihrem Leben Angst. Karl fängt Maxi auf und bietet Antworten. Resolut, blitzgescheit und verführerisch verfolgt er seinen eigenen Plan. Als Teil einer Bewegung. Heute in Berlin. Morgen in Prag. Bald in Straßburg – in ganz Europa.

– „Die Rechten in Ihrem Film sehen smart und cool aus. Gibt es die wirklich?“ – „Das Erscheinungsbild hat sich massiv verändert. Die AfD etwa hat sehr radikales Personal, sehr rassistische Ideen. Aber sie haben auch eine Parteivorsitzende, die offen homosexuell und mit einer Ausländerin zusammen ist, was nicht zu dem passt, was die Partei propagiert. Und wenn man sich die Jugendorganisation des Front National in Frankreich anguckt oder die Identitäre Bewegung – das sind zum Teil absolut hippe junge Menschen, die gebildet sind, mehrere Sprachen sprechen. (…)“

– „Der Titel Ihres Films wendet auch die positive solidarische Losung „Je suis Charlie“ um. Man kann also fast alles benutzen?” – “Ja, total. Wir haben uns auch den rassistischen Rap oder Hiphop, wie er im Film zu hören ist, nicht ausgedacht. Das gibt es alles schon. HipHop ist eine urschwarze Musik. Selbst wenn sie Schwarze jagen, benutzen sie ihre Musik, weil diese Jugendlichen nicht mehr nur ideologisch denken. Sie gucken, welche Inszenierung funktioniert. Und damit wollen sie die, die in der Mitte stehen, zu sich holen. Jemand wie Ihre Protagonistin Maxi, die aus einer linksliberalen Familie kommt, würde ja auch sofort zurückschrecken, wenn diese Bewegung nicht so cool auftreten würde. Man kann sie nicht mehr unterscheiden. Sie sehen aus wie alle. (…)”

– “Trotzdem wirkt manches in Ihrem Film dystopisch. So weit sind wir noch nicht, oder?” – „Wir haben vor fünf Jahren mit dem Film angefangen. Da kam uns vieles im Drehbuch tatsächlich als totale Fiktion vor. Dann kam der Breitscheidplatz, es kam Hanau, Halle, der Mord an Walter Lübcke, Christchurch, Franco A., die Stürmung des Capitols, die versuchte Stürmung des Reichstags durch Aluhüte. Irgendwann wussten wir: Wir erzählen über jetzt.” (Christian Schwochow im Gespräch mit Susanne Lenz, BLZ 14.09.21)

Sa 30.10.

Familienmuster. Die Therapeutin Satuila Stierlin im Gespräch

Bianca Herlo & Helga Kurzchalia
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Familienmuster. Die Therapeutin Satuila Stierlin im Gespräch

D 2021, 61 min, deutsche Originalfassung

Regie: Bianca Herlo, Helga Kurzchalia

FAMILIENMUSTER porträtiert die Schweizer Familientherapeutin Satuila Stierlin. In dem einstündigen Dokumentarfilm blickt sie mit den Filmemacherinnen Bianca Herlo und Helga Kurzchalia auf ihr ereignisreiches Leben zurück, das mit der Geschichte des 20. Jahrhunderts eng verbunden ist. Ein zeitgeschichtliches Dokument, in dem die Protagonistin biographische Erinnerung in Familien beispielhaft thematisiert. Als Tochter einer deutschen Jüdin und eines Italieners in der Schweiz aufgewachsen, ist sie heute in Heidelberg zu Hause, wo sie viele Jahre als Familientherapeutin praktiziert hat. An der Seite ihres Mannes, dem bekannten Psychiater und Familientherapeuten Helm Stierlin hat sie als junge Frau auch die Pionierzeit der Familientherapie hautnah miterlebt. Im Film erfahren wir, wie Satus Herkunftsfamilie ihren beruflichen Lebensweg beeinflusst hat und wie familiäre Muster über Generationen wirken. Dabei reflektiert sie auch die Zusammenarbeit mit ihrem Mann und ihre Rolle als weibliche Familientherapeutin.

Familienmuster. Die Therapeutin Satuila Stierlin im Gespräch
Sa 30.10.

Garagenvolk (Гаражане), OmdU

Natalija Yefimkina
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Garagenvolk (Гаражане)

D 2020, 95 min, russische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Natalija Yefimkina

Im post-sowjetischen Russland gibt es ein Phänomen abseits von Eisfischen, Matrojschkas und Wodka: Die Garagensiedlung. Von außen unwirtliche Blechhütten bieten sie einer Vielzahl von Russen – vorwiegend Männern ein Refugium. Nach eigenem Gusto und abseits aller Regeln, mit Erfindungskraft und Zähigkeit entstehen auf wenigen Quadratmeter alternative Lebensräume. Schrottsammler Ilja nutzt die Garage als Produktionsstätte, Roman für seine Wachtelzucht, Pavel schnitzt kunstfertig Heiligenfiguren und Viktor hat die seine in jahrzehntelanger Arbeit um vier unterirdische Stockwerke ergänzt. Hier gibt es alles, und alles scheint möglich. Die Garagen sind Ausdruck eines Rückzugs ins Private, eine Flucht vor dem Alltag. Hinter dem Polarkreis, in einer rauen Gegend, in der ein Bergbaukonzern der einzige Arbeitgeber ist, bleibt die Garage die letzte Möglichkeit zur Selbstverwirklichung – und kommt so viel fältig daher, wie die Träume ihrer Besitzer.

„Viele der Persönlichkeiten hier werden im Gedächtnis bleiben: der wackere Viktor, der nicht mehr lange zu leben hat, die Mitglieder der Rockband, die sich trennt, weil eigentlich alle hier wegwollen, oder der Wachtelzüchter Roman, der von einer Partnerin träumt. Manchmal wirkt die ganze Szenerie wie eine Theaterkulisse mit inszenierten Tableaus. Dann sehen die Garagen von Weitem aus wie merkwürdig dekorierte Puppenstuben. Jede stellt eine eigene kleine Welt dar, eine wahr gewordene Zukunftsvision. Zusammen bilden sie lauter kleine, isolierte Waben eines großen Ganzen, jede steht für einen einzelnen Menschen. Zusammen, aber nicht gemeinsam, haben sie all das gestaltet, und zwar aus einem unstillbaren Drang zur Betätigung, um etwas zu schaffen, was zu ihnen gehört. Aus all ihren Geschichten, Gesprächen und Erlebnissen ergibt sich ein kaleidoskopartiges, sehr interessantes Bild von Russland und den Menschen, die jenseits des Polarkreises leben und nicht viel mehr als ihre Träume haben.“ (Gaby Sikorski, programmkino.de)

„Die Garagen erscheinen als Zufluchtsorte. Sie sind die Orte derjenigen, die, allen Widrigkeiten zum Trotz, bleiben wollen: die Garage als Heimat. Was für eine schnoddrig-schöne Metapher.” (Jens Balkenborg, epd-film.de)

Garagenvolk (Гаражане), OmdU
Sa 30.10.

Bad Luck Banging or Loony Porn (Babardeală cu bucluc sau porno balamuc), OmdU

Radu Jude
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Bad Luck Banging or Loony Porn (Babardeală cu bucluc sau porno balamuc)                                              Goldener Bär 2021

Rumänien/ L/ CZ/ KH 2021, 106 min, rumänische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Radu Jude

Lustvoll, zügellos, explizit: Emi und ihr Mann haben großartigen und ausschweifenden Sex. Leider auch auf Video. Ihr sehr privater Pornofilm gerät irgendwie ins Internet und geht viral. Weil Emi eine Lehrerin an einer renommierten Schule ist, haben darüber sehr viele Leute eine Meinung. Wahrheitsgrad egal, Begründung überflüssig. Von moralisch empört über aggressiv anklagend bis vulgär beleidigend ist alles dabei. Emi muss antreten zu einem Elternabend der besonderen Art. Sie macht sich auf den Weg durch die groteske Alltagsbrutalität auf den Straßen von Bukarest. Über diesen Porno möchte seltsamerweise niemand einen Shitstorm verbreiten. In der Hoffnung auf eine Verbündete stattet Emi der Schuldirektorin einen Besuch ab – doch weit gefehlt. Man muss doch den Eltern die Gelegenheit zur Aussprache geben. Doch die „Debatte“ gerät zum Tribunal – über konsensualen Sex, Pornografie, die Nazis, Wahrheit, Bildungstheorie und vieles mehr. Emi verlebt einen wahrlich schrillen Abend zwischen archaischen Affekten und manischem Meinungsfuror. Die Lehrerin wird plötzlich nicht nur für ihr Sexleben verantwortlich gemacht, sondern auch für die rumänische Geschichte des 20. Jahrhunderts, die Psychologie der Kinder im Allgemeinen und für die Emanzipation sowieso natürlich auch. Die Moral der Elternschicht? Man ist sich einig, dass man in Kürze bald wieder anderer Meinung sein wird. Ein Goldener Bär für ein überwältigendes Meisterwerk: BAD LUCK BANGING OR LOONY PORN von Radu Jude ist glückliches Fragment, Enzyklopädie unserer Zeit und die gnadenlose Versuchsanordnung einer völlig zersplitterten Gemeinschaft, die nur noch in der Feindseligkeit zusammenfinden kann. Radu Jude treibt den Irrwitz auf die Spitze und lässt uns erahnen, zu welch bitterböser Farce unsere Zeit geworden ist, die man den Untergang der Demokratie nennen könnte. Eine filmische Erfahrung zwischen totaler Finsternis und grell erleuchteter Humorzone.

BAD LUCK BANGING OR LOONY PORN ist bestimmt kein perfekter Film — zu deutlich trägt er (nicht ohne Stolz) das Skizzenhafte und Improvisierte, das auch seinen Zeitpunkt des Entstehens im Sommer 2020 inmitten einer Pandemie nicht schamvoll verschweigt, sondern vielmehr geschickt mit einbaut, vor sich her und stellt es aus. Einen ‚Entwurf für einen populären Film‘ nennt Radu Jude selbst diesen räudigen Bastard von einem Film — und trifft damit genau das Lebensgefühl vieler Menschen zu Zeiten einer Pandemie: Es ist gerade nicht die Zeit für das über alles erhabene Meisterwerk. Zu brüchig und fragil ist diese Welt gerade geworden, zu fragwürdig sind ihre Grundlagen, zu morsch ihre Pfeiler, auf denen sie eigentlich ruhen sollte. Und wenn diese Welt gerade in ihre Bestandteile zerfällt, dann sind Improvisation und Wut auf die bestehenden Verhältnisse sicherlich nicht die schlechtesten Begleiter in dem anstehenden Überlebenskampf. Denn wie anders lässt sich dem Wahnsinn der Welt da draußen sonst noch begegnen? Und vermutlich liegt gerade hierin die große Meisterschaft dieses wüsten Films — dies zu erkennen und so unverblümt, wild und frei auf die ‚Leinwand‘ zu bringen. Selbst wenn diese wie im Falle der gerade stattfindenden Online-Berlinale nur aus einem kleinen Computerscreen besteht. Radu Judes Film besitzt jedenfalls die Kraft, dies für eine Stunde und 46 Minuten vergessen zu machen.“ (Joachim Kurz, kino-zeit.de)

„Radu Judes Berlinale-Gewinner über das Verhältnis von Pornos und posttotalitärer Gesellschaft lässt sich auch vor dem Hintergrund dieser besessenen Formensuche verstehen: als streckenweise wild montierter ‚Skizzenfilm‘ (Radu Jude), eine symbolische Demaskierung unter Corona-Bedingungen.“ (Katja Nicodemus, DIE ZEIT Nr. 11/2021)

 

So 31.10.

Je suis Karl

Christian Schwochow
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Je suis Karl

D / CZ 2021, 126 min, tw. OmdU

Regie: Christian Schwochow

Irgendwo in Berlin. Nicht irgendwann – heute. Ein Paket im Flur. Alex, ein Ehemann und Vater dreier Kinder. Vergisst den Wein im Auto. Wird von einer Bombe aus der Routine gerissen und findet seinen Halt nicht wieder. Maxi, eine selbstbewusste junge Frau, will sich loslösen von den Eltern und auf eigenen Beinen stehen. Hat sich ihr Abnabeln ganz anders vorgestellt, wird wütend und stellt Fragen. Und hat zum ersten Mal in ihrem Leben Angst. Karl fängt Maxi auf und bietet Antworten. Resolut, blitzgescheit und verführerisch verfolgt er seinen eigenen Plan. Als Teil einer Bewegung. Heute in Berlin. Morgen in Prag. Bald in Straßburg – in ganz Europa.

– „Die Rechten in Ihrem Film sehen smart und cool aus. Gibt es die wirklich?“ – „Das Erscheinungsbild hat sich massiv verändert. Die AfD etwa hat sehr radikales Personal, sehr rassistische Ideen. Aber sie haben auch eine Parteivorsitzende, die offen homosexuell und mit einer Ausländerin zusammen ist, was nicht zu dem passt, was die Partei propagiert. Und wenn man sich die Jugendorganisation des Front National in Frankreich anguckt oder die Identitäre Bewegung – das sind zum Teil absolut hippe junge Menschen, die gebildet sind, mehrere Sprachen sprechen. (…)“

– „Der Titel Ihres Films wendet auch die positive solidarische Losung „Je suis Charlie“ um. Man kann also fast alles benutzen?” – “Ja, total. Wir haben uns auch den rassistischen Rap oder Hiphop, wie er im Film zu hören ist, nicht ausgedacht. Das gibt es alles schon. HipHop ist eine urschwarze Musik. Selbst wenn sie Schwarze jagen, benutzen sie ihre Musik, weil diese Jugendlichen nicht mehr nur ideologisch denken. Sie gucken, welche Inszenierung funktioniert. Und damit wollen sie die, die in der Mitte stehen, zu sich holen. Jemand wie Ihre Protagonistin Maxi, die aus einer linksliberalen Familie kommt, würde ja auch sofort zurückschrecken, wenn diese Bewegung nicht so cool auftreten würde. Man kann sie nicht mehr unterscheiden. Sie sehen aus wie alle. (…)”

– “Trotzdem wirkt manches in Ihrem Film dystopisch. So weit sind wir noch nicht, oder?” – „Wir haben vor fünf Jahren mit dem Film angefangen. Da kam uns vieles im Drehbuch tatsächlich als totale Fiktion vor. Dann kam der Breitscheidplatz, es kam Hanau, Halle, der Mord an Walter Lübcke, Christchurch, Franco A., die Stürmung des Capitols, die versuchte Stürmung des Reichstags durch Aluhüte. Irgendwann wussten wir: Wir erzählen über jetzt.” (Christian Schwochow im Gespräch mit Susanne Lenz, BLZ 14.09.21)

Je suis Karl
So 31.10.

Familienmuster. Die Therapeutin Satuila Stierlin im Gespräch

Bianca Herlo & Helga Kurzchalia
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Familienmuster. Die Therapeutin Satuila Stierlin im Gespräch

D 2021, 61 min, deutsche Originalfassung

Regie: Bianca Herlo, Helga Kurzchalia

FAMILIENMUSTER porträtiert die Schweizer Familientherapeutin Satuila Stierlin. In dem einstündigen Dokumentarfilm blickt sie mit den Filmemacherinnen Bianca Herlo und Helga Kurzchalia auf ihr ereignisreiches Leben zurück, das mit der Geschichte des 20. Jahrhunderts eng verbunden ist. Ein zeitgeschichtliches Dokument, in dem die Protagonistin biographische Erinnerung in Familien beispielhaft thematisiert. Als Tochter einer deutschen Jüdin und eines Italieners in der Schweiz aufgewachsen, ist sie heute in Heidelberg zu Hause, wo sie viele Jahre als Familientherapeutin praktiziert hat. An der Seite ihres Mannes, dem bekannten Psychiater und Familientherapeuten Helm Stierlin hat sie als junge Frau auch die Pionierzeit der Familientherapie hautnah miterlebt. Im Film erfahren wir, wie Satus Herkunftsfamilie ihren beruflichen Lebensweg beeinflusst hat und wie familiäre Muster über Generationen wirken. Dabei reflektiert sie auch die Zusammenarbeit mit ihrem Mann und ihre Rolle als weibliche Familientherapeutin.

Familienmuster. Die Therapeutin Satuila Stierlin im Gespräch
So 31.10.

Garagenvolk (Гаражане), OmdU

Natalija Yefimkina
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Garagenvolk (Гаражане)

D 2020, 95 min, russische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Natalija Yefimkina

Im post-sowjetischen Russland gibt es ein Phänomen abseits von Eisfischen, Matrojschkas und Wodka: Die Garagensiedlung. Von außen unwirtliche Blechhütten bieten sie einer Vielzahl von Russen – vorwiegend Männern ein Refugium. Nach eigenem Gusto und abseits aller Regeln, mit Erfindungskraft und Zähigkeit entstehen auf wenigen Quadratmeter alternative Lebensräume. Schrottsammler Ilja nutzt die Garage als Produktionsstätte, Roman für seine Wachtelzucht, Pavel schnitzt kunstfertig Heiligenfiguren und Viktor hat die seine in jahrzehntelanger Arbeit um vier unterirdische Stockwerke ergänzt. Hier gibt es alles, und alles scheint möglich. Die Garagen sind Ausdruck eines Rückzugs ins Private, eine Flucht vor dem Alltag. Hinter dem Polarkreis, in einer rauen Gegend, in der ein Bergbaukonzern der einzige Arbeitgeber ist, bleibt die Garage die letzte Möglichkeit zur Selbstverwirklichung – und kommt so viel fältig daher, wie die Träume ihrer Besitzer.

„Viele der Persönlichkeiten hier werden im Gedächtnis bleiben: der wackere Viktor, der nicht mehr lange zu leben hat, die Mitglieder der Rockband, die sich trennt, weil eigentlich alle hier wegwollen, oder der Wachtelzüchter Roman, der von einer Partnerin träumt. Manchmal wirkt die ganze Szenerie wie eine Theaterkulisse mit inszenierten Tableaus. Dann sehen die Garagen von Weitem aus wie merkwürdig dekorierte Puppenstuben. Jede stellt eine eigene kleine Welt dar, eine wahr gewordene Zukunftsvision. Zusammen bilden sie lauter kleine, isolierte Waben eines großen Ganzen, jede steht für einen einzelnen Menschen. Zusammen, aber nicht gemeinsam, haben sie all das gestaltet, und zwar aus einem unstillbaren Drang zur Betätigung, um etwas zu schaffen, was zu ihnen gehört. Aus all ihren Geschichten, Gesprächen und Erlebnissen ergibt sich ein kaleidoskopartiges, sehr interessantes Bild von Russland und den Menschen, die jenseits des Polarkreises leben und nicht viel mehr als ihre Träume haben.“ (Gaby Sikorski, programmkino.de)

„Die Garagen erscheinen als Zufluchtsorte. Sie sind die Orte derjenigen, die, allen Widrigkeiten zum Trotz, bleiben wollen: die Garage als Heimat. Was für eine schnoddrig-schöne Metapher.” (Jens Balkenborg, epd-film.de)

Garagenvolk (Гаражане), OmdU
So 31.10.

Bad Luck Banging or Loony Porn (Babardeală cu bucluc sau porno balamuc), OmdU

Radu Jude
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Bad Luck Banging or Loony Porn (Babardeală cu bucluc sau porno balamuc)                                              Goldener Bär 2021

Rumänien/ L/ CZ/ KH 2021, 106 min, rumänische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Radu Jude

Lustvoll, zügellos, explizit: Emi und ihr Mann haben großartigen und ausschweifenden Sex. Leider auch auf Video. Ihr sehr privater Pornofilm gerät irgendwie ins Internet und geht viral. Weil Emi eine Lehrerin an einer renommierten Schule ist, haben darüber sehr viele Leute eine Meinung. Wahrheitsgrad egal, Begründung überflüssig. Von moralisch empört über aggressiv anklagend bis vulgär beleidigend ist alles dabei. Emi muss antreten zu einem Elternabend der besonderen Art. Sie macht sich auf den Weg durch die groteske Alltagsbrutalität auf den Straßen von Bukarest. Über diesen Porno möchte seltsamerweise niemand einen Shitstorm verbreiten. In der Hoffnung auf eine Verbündete stattet Emi der Schuldirektorin einen Besuch ab – doch weit gefehlt. Man muss doch den Eltern die Gelegenheit zur Aussprache geben. Doch die „Debatte“ gerät zum Tribunal – über konsensualen Sex, Pornografie, die Nazis, Wahrheit, Bildungstheorie und vieles mehr. Emi verlebt einen wahrlich schrillen Abend zwischen archaischen Affekten und manischem Meinungsfuror. Die Lehrerin wird plötzlich nicht nur für ihr Sexleben verantwortlich gemacht, sondern auch für die rumänische Geschichte des 20. Jahrhunderts, die Psychologie der Kinder im Allgemeinen und für die Emanzipation sowieso natürlich auch. Die Moral der Elternschicht? Man ist sich einig, dass man in Kürze bald wieder anderer Meinung sein wird. Ein Goldener Bär für ein überwältigendes Meisterwerk: BAD LUCK BANGING OR LOONY PORN von Radu Jude ist glückliches Fragment, Enzyklopädie unserer Zeit und die gnadenlose Versuchsanordnung einer völlig zersplitterten Gemeinschaft, die nur noch in der Feindseligkeit zusammenfinden kann. Radu Jude treibt den Irrwitz auf die Spitze und lässt uns erahnen, zu welch bitterböser Farce unsere Zeit geworden ist, die man den Untergang der Demokratie nennen könnte. Eine filmische Erfahrung zwischen totaler Finsternis und grell erleuchteter Humorzone.

BAD LUCK BANGING OR LOONY PORN ist bestimmt kein perfekter Film — zu deutlich trägt er (nicht ohne Stolz) das Skizzenhafte und Improvisierte, das auch seinen Zeitpunkt des Entstehens im Sommer 2020 inmitten einer Pandemie nicht schamvoll verschweigt, sondern vielmehr geschickt mit einbaut, vor sich her und stellt es aus. Einen ‚Entwurf für einen populären Film‘ nennt Radu Jude selbst diesen räudigen Bastard von einem Film — und trifft damit genau das Lebensgefühl vieler Menschen zu Zeiten einer Pandemie: Es ist gerade nicht die Zeit für das über alles erhabene Meisterwerk. Zu brüchig und fragil ist diese Welt gerade geworden, zu fragwürdig sind ihre Grundlagen, zu morsch ihre Pfeiler, auf denen sie eigentlich ruhen sollte. Und wenn diese Welt gerade in ihre Bestandteile zerfällt, dann sind Improvisation und Wut auf die bestehenden Verhältnisse sicherlich nicht die schlechtesten Begleiter in dem anstehenden Überlebenskampf. Denn wie anders lässt sich dem Wahnsinn der Welt da draußen sonst noch begegnen? Und vermutlich liegt gerade hierin die große Meisterschaft dieses wüsten Films — dies zu erkennen und so unverblümt, wild und frei auf die ‚Leinwand‘ zu bringen. Selbst wenn diese wie im Falle der gerade stattfindenden Online-Berlinale nur aus einem kleinen Computerscreen besteht. Radu Judes Film besitzt jedenfalls die Kraft, dies für eine Stunde und 46 Minuten vergessen zu machen.“ (Joachim Kurz, kino-zeit.de)

„Radu Judes Berlinale-Gewinner über das Verhältnis von Pornos und posttotalitärer Gesellschaft lässt sich auch vor dem Hintergrund dieser besessenen Formensuche verstehen: als streckenweise wild montierter ‚Skizzenfilm‘ (Radu Jude), eine symbolische Demaskierung unter Corona-Bedingungen.“ (Katja Nicodemus, DIE ZEIT Nr. 11/2021)

 

So 07.11.

Gastspiel Theater der Dinge DIE WELT OHNE UNS: Kurzfilmprogramm: Confetti man + The mind of Lalo Cura + Who’s talking? / mit Gästen und Filmgespräch Ticket-Verkauf NUR online

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Kurzfilm-Programm: Confetti man + The mind of Lalo Cura + Who’s talking?

Figurentheater Anne-Kathrin Klatt, Deutschland + Sebastian Ryser, Deutschland + Çağlar Yiğitoğullari, Deutschland
Dauer: 90 Minuten
10 €, ermäßigt 7 €
Kurzfilme und Künstler*innen-Gespräch

ACHTUNG: 2G Veranstaltung Ticket-Verkauf ausschließlich online unter:

https://schaubude.reservix.de/p/reservix/event/1742849

Theater der Dinge zeigt drei Puppenspiel-Kurzfilme, die während der Theaterschließungen in der vergangenen Spielzeit entstanden sind und auf unterschiedliche Weise die Möglichkeiten der Puppe im Kamerabild austesten. Die Filme werden gerahmt von Künstler*innen-Gesprächen, moderiert von Beate Absalon und Sebastian Köthe.


Confetti man – das Leben ein Fest
Figurentheater Anne-Kathrin Klatt, Deutschland

Puppenspiel-Kurzfilm • in Deutsch

 

„Steht der Mond auch am Himmel, wenn keiner hinschaut? Weiß der Hase, dass er im Universum lebt? Ist der Stuhl nur gedacht? Was ist Realität?“

Ein Mensch lebt sein Leben in sicheren Bahnen. Doch wie reagiert er, wenn plötzlich etwas geschieht, was dieses Weltbild der vermeintlichen Kontrolle ins Wanken bringt? „Confetti man“ ist ein schräges Puppenspiel-Experiment über die Hybris des Menschen zwischen Pseudowissenschaft und Trash. Chaotisch, bunt, elementar.

Regie, Soundcollage: Michael Miensopust
Spiel, Ausstattung: Anne-Kathrin Klatt
Puppe: Gavin Glover
Assistenz: Noemi Fulli
Technische Mitarbeit: Heinrich Hesse

Dank an Joachim Fleischer

Gefördert von: Landesverband Freier Theater Baden-Württemberg e. V. aus Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg

 

http://www.figurentheater-klatt.de/

 

The mind of Lalo Cura
Sebastian Ryser, Deutschland

Puppenspiel-Kurzfilm • in Deutsch

 

Olegario Cura ist auf der Jagd nach seiner Vergangenheit. Die wenigen Erinnerungen, die er noch hat, bringen ihn zurück in die düstere Welt von OLIMPO, einer Pornoproduktionsfirma, die in den 1980er Jahren in Kolumbien unter der Leitung eines seltsamen Deutschen albtraumhafte Kunstfilme produzierte. Olegarios Mutter war einer der drei weiblichen Stars. Der Kurzfilm schickt die Zuschauer*innen auf einen düsteren Trip durch die Welt von OLIMPO und in das Chaos zersplitterter Erinnerungen.

 

Spiel: Sebastian Ryser, Dominique Enz, Andrea Tralles-Barck
Regie, Schnitt: Sebastian Ryser
Design, Gestaltung: Lars Wolfer
Geräusche, Sounddesign: Benjamin Ryser
Musik: Lola & Mauva
Puppen: Fundus der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“

Unterstützt von: Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“

 

Who’s talking?
Çağlar Yiğitoğullari, Deutschland
Kurzfilm • in Englisch mit englischen Untertiteln

 

Spätnachts findet der Diktator keinen Schlaf. Er muss seine Verbrechen gestehen und das Volk um Vergebung bitten. Aus dem Dunkel blicken leblos-lebendige Gesichter in Großaufnahme in die Kamera, während sich die flüchtige Stimme des Diktators vorsichtig vorantastet.

Çağlar Yiğitoğullaris Kurzfilm „Who’s talking?” entstand im Rahmen eines Forschungs- und Ausstellungsprojektes des Lübecker Figurentheatermuseums KOLK17, in dem sich sechs internationale Künstler*innen mit den Sammlungsbeständen auseinandersetzen und alternative, kreative Formen der Wissensproduktion erprobten.

Idee, Performance: Çağlar Yiğitoğullari
Video, Sound, Schnitt: Rasmus Rienecker
Text: Charlie Chaplin

Gefördert von: Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kunst und Medien

 

Es gilt die 2G-Regel. Hinweise zur Barrierefreiheit: Informationen zur baulichen Barrierefreiheit des Spielorts finden Sie hier. Im Film „The mind of Lalo Cura“ werden sehr schnelle Schnitte sowie flackernde und sich überlagernde Bilder eingesetzt und es werden die Themen Pornografie und Sex explizit thematisiert.

Aktuelles Programm unter www.schaubude.berlin.

Unterstützen Sie unsere Arbeit als Produktionshaus und die Zusammenarbeit mit freischaffenden Künstler*innen des Figuren- und Objekttheaters mit einer Spende an unseren Förderverein.

 

 

Gastspiel Theater der Dinge DIE WELT OHNE UNS: Kurzfilmprogramm: Confetti man + The mind of Lalo Cura + Who’s talking? / mit Gästen und Filmgespräch Ticket-Verkauf NUR online
Mo 08.11.

Gastspiel Theater der Dinge DIE WELT OHNE UNS: Die Eigentumshöhle Ticket-Verkauf NUR online

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Die Eigentumshöhle

Pangalaktisches Theater, Deutschland

Dauer:
70 Minuten
in Deutsch
10 €, ermäßigt 7 €
Puppenspiel-Film

ACHTUNG: 2G Veranstaltung

Ticketverkauf nur online unter:

https://schaubude.reservix.de/p/reservix/event/1742851

Das Pangalaktische Theater schlägt zurück: Ausgehend von Recherchen rund um die Themen Wohnen, Gentrifizierung und Immobilienmarkt entwickelt das Kollektiv in seiner zweiten Arbeit eine Weltraum-Oper. Und darum geht es: Lieber Gott macht auf dem Steinzeitplaneten Uggel Urlaub. Als ihn zwei Ur-Uggels stören, schenkt er ihnen das Feuer und löst damit versehentlich eine Blitz-Evolution aus. Gleichzeitig auf dem Planeten Uila: Mtoktok Johannson fühlt sich abgehängt und verlassen. Seine Rente reicht nicht, er kann nur noch mit dem Finger auf der Landkarte reisen. Tochter Meijnen und ihr Lebensgefährte Hans Olo hingegen können sich dank ihrer FeelGood-Platten vor Zaster kaum retten. Nach einem miesen Deal gerät das pangalaktische Gleichgewicht aber gehörig ins Wanken. Ein wilder Weltraum-Trip, erstmalig auf der großen Leinwand.

MO      8.11.    21:00

DI        9.11.    21:00 *

* mit Künstler*innen-Gespräch, moderiert von Beate Absalon und Sebastian Köthe.

Es gilt die 2G-Regel. Hinweise zur Barrierefreiheit: Informationen zur baulichen Barrierefreiheit des Spielorts finden Sie hier. Die Teilnahme am Künstler*innen-Gespräch ist freiwillig.

Spiel: Till Beckmann, Nadia Ihjeij, Patrick Praschma
Regie, Text, Kostüme: Pangalaktisches Theater
Szenografie: Britta Wagner und Pangalaktisches Theater
Lichtdesign: Moritz Bütow
Musik: Moritz Bütow, Tommy Finke, Nadia Ihjeij
Koproduktion mit: FIDENA 2020
Gefördert von: CORRECTIV.ORG, Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW, Kunststiftung NRW, Stadt Herne, Kulturinitiative Herne e. V., Flottmannhallen Herne

Aktuelles Programm unter www.schaubude.berlin.

Unterstützen Sie unsere Arbeit als Produktionshaus und die Zusammenarbeit mit freischaffenden Künstler*innen des Figuren- und Objekttheaters mit einer Spende an unseren Förderverein.

 

Gastspiel Theater der Dinge DIE WELT OHNE UNS: Die Eigentumshöhle Ticket-Verkauf NUR online
Di 09.11.

Gastspiel Theater der Dinge DIE WELT OHNE UNS: Die Eigentumshöhle / mit Gästen und Filmgespräch Ticket-Verkauf NUR online

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Die Eigentumshöhle

Pangalaktisches Theater, Deutschland

Dauer:
70 Minuten
in Deutsch
10 €, ermäßigt 7 €
Puppenspiel-Film

ACHTUNG: 2G Veranstaltung

Ticketverkauf nur online unter:

https://schaubude.reservix.de/p/reservix/event/1742851

Das Pangalaktische Theater schlägt zurück: Ausgehend von Recherchen rund um die Themen Wohnen, Gentrifizierung und Immobilienmarkt entwickelt das Kollektiv in seiner zweiten Arbeit eine Weltraum-Oper. Und darum geht es: Lieber Gott macht auf dem Steinzeitplaneten Uggel Urlaub. Als ihn zwei Ur-Uggels stören, schenkt er ihnen das Feuer und löst damit versehentlich eine Blitz-Evolution aus. Gleichzeitig auf dem Planeten Uila: Mtoktok Johannson fühlt sich abgehängt und verlassen. Seine Rente reicht nicht, er kann nur noch mit dem Finger auf der Landkarte reisen. Tochter Meijnen und ihr Lebensgefährte Hans Olo hingegen können sich dank ihrer FeelGood-Platten vor Zaster kaum retten. Nach einem miesen Deal gerät das pangalaktische Gleichgewicht aber gehörig ins Wanken. Ein wilder Weltraum-Trip, erstmalig auf der großen Leinwand.

MO      8.11.    21:00

DI        9.11.    21:00 *

* mit Künstler*innen-Gespräch, moderiert von Beate Absalon und Sebastian Köthe.

Es gilt die 2G-Regel. Hinweise zur Barrierefreiheit: Informationen zur baulichen Barrierefreiheit des Spielorts finden Sie hier. Die Teilnahme am Künstler*innen-Gespräch ist freiwillig.

Spiel: Till Beckmann, Nadia Ihjeij, Patrick Praschma
Regie, Text, Kostüme: Pangalaktisches Theater
Szenografie: Britta Wagner und Pangalaktisches Theater
Lichtdesign: Moritz Bütow
Musik: Moritz Bütow, Tommy Finke, Nadia Ihjeij
Koproduktion mit: FIDENA 2020
Gefördert von: CORRECTIV.ORG, Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW, Kunststiftung NRW, Stadt Herne, Kulturinitiative Herne e. V., Flottmannhallen Herne

Aktuelles Programm unter www.schaubude.berlin.

Unterstützen Sie unsere Arbeit als Produktionshaus und die Zusammenarbeit mit freischaffenden Künstler*innen des Figuren- und Objekttheaters mit einer Spende an unseren Förderverein.

 

Fr 12.11.

Gastspiel Theater der Dinge DIE WELT OHNE UNS: Coltan-Fieber: Connecting people, OmdU Ticket-Verkauf NUR online

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Coltan-Fieber: Connecting people

peaches&rooster, Yves Ndagano und Jan-Christoph Gockel, Deutschland/DR Kongo

Dauer:
70 Minuten
in Lingala, Swahili, Maschi, Deutsch und Französisch

mit deutschen Untertiteln(12.11.)

und englischen Untertiteln (13.11.)

Globaler Theaterfilm

ACHTUNG: 2G Veranstaltung

Ticketverkauf nur online unter:

https://schaubude.reservix.de/p/reservix/event/1742855

„Coltan-Fieber: Connecting People“ begibt sich auf die Spuren der Geschichte des kongolesischen Künstlers Yves Ndagano, einem ehemaligen Kindersoldaten und Minenarbeiter einer Coltan-Mine im Osten der DR Kongo, dessen Vision es ist, durch Kunst die Lebensrealität in seiner Heimat zum Positiven zu verändern. In „Coltan-Fieber: Connecting People“ reist Ndagano erstmals zurück an die Orte seiner Kindheit und erzählt mittels einer Holzpuppe seine Geschichte an Originalschauplätzen: in seiner Schule, am Ort seiner Entführung und in den Coltan-Minen um Goma und Bukavu. Er sucht die Konfrontation mit der eigenen Biografie, schreibt sie um und weiter.

Doch hier endet die Geschichte nicht. Während Grenzen für Menschen in der Zeit der Lockdowns vielerorts geschlossen blieben, folgte die Puppe dem globalen Strom der Waren, wurde selbst als „Ware“ mittransportiert und landete dabei immer wieder in den Händen von Kindern. Unter meist ausbeuterischen Bedingungen halten diese den globalen Warenstrom am Fließen. In „Coltan-Fieber: Connecting People“ erzählen sie ihre Geschichten.

Für blinde oder sehbehinderte Besucher*innen bieten wir eine deutschsprachige Audiodeskription mit der App GRETA an. Weitere Informationen in Kürze.

Es gilt die 2G-Regel. Hinweise zur Barrierefreiheit: Informationen zur baulichen Barrierefreiheit des Spielorts finden Sie hier. Der Film verhandelt Gewalterfahrungen und Kinderarbeit. Die Teilnahme am Künstler*innen-Gespräch ist freiwillig.

FR       12.11.  19:00   mit deutschen Untertiteln

SA       13.11   19:00   mit englischen Untertiteln

Ein Film von Yves Ndagano und Jan-Christoph Gockerl
Mit: Yves Ndagano, Ernestine M’Kajabika, Léontine M’Kajabika, Lena Slachmuijlder, Esperence, Ghislain Chimanuka, Julio, Juvenal Muderwa, Ladisi Kajabika Mukabaha, Michael Pietsch, Gianni La Rocca, Patrick Joseph, Laurenz Leky
Sprecher*innen: Patrick Joseph, Leoni Schulz, Edmund Telgenkämper
Regie: Jan-Christoph Gockel, TD Jack Mahamba Muhindo
Kamera: TD Jack Mahamba Muhindo, Eike Zuleeg
Ton: Tavis Jean-Batiste
Montage und Dramaturgie: Christoph Otto
Puppenbau: Michael Pietsch
Musik: Matthias Grübel
Licht und Kamera-Assistenz: Shabani Abdalah
Schnitt-Assistenz: Kim Lêa Sakkal
Tonmischung: Thomas Ostermann
Farbkorrektur: Eike Zuleeg

Internationale Teams:
Bangladesch: Tanvir Nahid Khan, Asaduzzaman Farid, Hossain Jibon, Probaho, Asif, Nahian Azad Shashi, Jidni, Ishtiaq
Bangladesch: Anonnya Banik & Mohamad Rasel
Belgien: Gianni La Rocca, Marynka Seron, Clelia Robaye, Riccardo Mazzetto
Berlin: Chao Liu, Oscar Linders, Veronika Vorobiova
China: HUA Dong
Ghana: Bernard Akoi-Jackson & Elolo Bosoka
Kolumbien: Tiago Seither Afonso
Lesbos: Atifa Akbari, Yaser Akbari, Refocus Media Lab
Niger: Maman Iro Abdoul Aziz, Abdoulaye Abdoul Rachid, Mohamed Abdoulaye, Fatoumata Koyta, Gonga Son
Ruanda: Yves Kijyana Peter, Nyatanyi Gael, Irakunda Liliane, Justin, Uwajambo Prince Oleg
Set-Assistenz DR Kongo: Muhindo Nathalie
Set-Assistenz Deutschland: Claudia Kaunzner

Unter Verwendung des Dokumentarfilms „COLTAN-FIEBER“ von Christian Hennecke

Basierend auf dem Theater-Projekt „COLTAN-FIEBER“ von Jan-Christoph Gockel & Ensemble, eine Koproduktion des Theater im Bauturm – Freies Schauspiel Köln mit dem Theater FALINGA und dem Festival Récréâtrales, Ouagadougou/Burkina Faso, dem Tarmac des Auteurs, Kinshasa/DR Kongo und dem Goethe-Institut Kigali/Rwanda. Mit Patrick Joseph, Gianni La Rocca, Laurenz Leky/Michael Pietsch, Yves Ndagano, Regie: Jan-Christoph Gockel, Puppenbau: Michael Pietsch, Dramaturgie: Kerstin Ortmeier, Künstlerische Mitarbeit: Patrick Joseph

Produktion/Produzent: Jan-Christoph Gockel/peaches&rooster
Producer: Kathrin K. Liess
Produktionsleitung DR Kongo: TD Jack Mahamba Muhindo
Koproduktion mit: africologneFESTIVAL, R.O.D.Fi. Goma, Theater im Bauturm Köln, Schauspielhaus Graz

Aktuelles Programm unter www.schaubude.berlin.

Unterstützen Sie unsere Arbeit als Produktionshaus und die Zusammenarbeit mit freischaffenden Künstler*innen des Figuren- und Objekttheaters mit einer Spende an unseren Förderverein.

 

Gastspiel Theater der Dinge DIE WELT OHNE UNS: Coltan-Fieber: Connecting people, OmdU Ticket-Verkauf NUR online
Sa 13.11.

Gastspiel Theater der Dinge DIE WELT OHNE UNS: Coltan-Fieber: Connecting people, OmeU Ticket-Verkauf NUR online

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Coltan-Fieber: Connecting people

peaches&rooster, Yves Ndagano und Jan-Christoph Gockel, Deutschland/DR Kongo

Dauer:
70 Minuten
in Lingala, Swahili, Maschi, Deutsch und Französisch

mit deutschen Untertiteln(12.11.)

und englischen Untertiteln (13.11.)

Globaler Theaterfilm

ACHTUNG: 2G Veranstaltung

Ticketverkauf nur online unter:

https://schaubude.reservix.de/p/reservix/event/1742856

„Coltan-Fieber: Connecting People“ begibt sich auf die Spuren der Geschichte des kongolesischen Künstlers Yves Ndagano, einem ehemaligen Kindersoldaten und Minenarbeiter einer Coltan-Mine im Osten der DR Kongo, dessen Vision es ist, durch Kunst die Lebensrealität in seiner Heimat zum Positiven zu verändern. In „Coltan-Fieber: Connecting People“ reist Ndagano erstmals zurück an die Orte seiner Kindheit und erzählt mittels einer Holzpuppe seine Geschichte an Originalschauplätzen: in seiner Schule, am Ort seiner Entführung und in den Coltan-Minen um Goma und Bukavu. Er sucht die Konfrontation mit der eigenen Biografie, schreibt sie um und weiter.

Doch hier endet die Geschichte nicht. Während Grenzen für Menschen in der Zeit der Lockdowns vielerorts geschlossen blieben, folgte die Puppe dem globalen Strom der Waren, wurde selbst als „Ware“ mittransportiert und landete dabei immer wieder in den Händen von Kindern. Unter meist ausbeuterischen Bedingungen halten diese den globalen Warenstrom am Fließen. In „Coltan-Fieber: Connecting People“ erzählen sie ihre Geschichten.

Für blinde oder sehbehinderte Besucher*innen bieten wir eine deutschsprachige Audiodeskription mit der App GRETA an. Weitere Informationen in Kürze.

Es gilt die 2G-Regel. Hinweise zur Barrierefreiheit: Informationen zur baulichen Barrierefreiheit des Spielorts finden Sie hier. Der Film verhandelt Gewalterfahrungen und Kinderarbeit. Die Teilnahme am Künstler*innen-Gespräch ist freiwillig.

FR       12.11.  19:00   mit deutschen Untertiteln

SA       13.11   19:00   mit englischen Untertiteln

Ein Film von Yves Ndagano und Jan-Christoph Gockerl
Mit: Yves Ndagano, Ernestine M’Kajabika, Léontine M’Kajabika, Lena Slachmuijlder, Esperence, Ghislain Chimanuka, Julio, Juvenal Muderwa, Ladisi Kajabika Mukabaha, Michael Pietsch, Gianni La Rocca, Patrick Joseph, Laurenz Leky
Sprecher*innen: Patrick Joseph, Leoni Schulz, Edmund Telgenkämper
Regie: Jan-Christoph Gockel, TD Jack Mahamba Muhindo
Kamera: TD Jack Mahamba Muhindo, Eike Zuleeg
Ton: Tavis Jean-Batiste
Montage und Dramaturgie: Christoph Otto
Puppenbau: Michael Pietsch
Musik: Matthias Grübel
Licht und Kamera-Assistenz: Shabani Abdalah
Schnitt-Assistenz: Kim Lêa Sakkal
Tonmischung: Thomas Ostermann
Farbkorrektur: Eike Zuleeg

Internationale Teams:
Bangladesch: Tanvir Nahid Khan, Asaduzzaman Farid, Hossain Jibon, Probaho, Asif, Nahian Azad Shashi, Jidni, Ishtiaq
Bangladesch: Anonnya Banik & Mohamad Rasel
Belgien: Gianni La Rocca, Marynka Seron, Clelia Robaye, Riccardo Mazzetto
Berlin: Chao Liu, Oscar Linders, Veronika Vorobiova
China: HUA Dong
Ghana: Bernard Akoi-Jackson & Elolo Bosoka
Kolumbien: Tiago Seither Afonso
Lesbos: Atifa Akbari, Yaser Akbari, Refocus Media Lab
Niger: Maman Iro Abdoul Aziz, Abdoulaye Abdoul Rachid, Mohamed Abdoulaye, Fatoumata Koyta, Gonga Son
Ruanda: Yves Kijyana Peter, Nyatanyi Gael, Irakunda Liliane, Justin, Uwajambo Prince Oleg
Set-Assistenz DR Kongo: Muhindo Nathalie
Set-Assistenz Deutschland: Claudia Kaunzner

Unter Verwendung des Dokumentarfilms „COLTAN-FIEBER“ von Christian Hennecke

Basierend auf dem Theater-Projekt „COLTAN-FIEBER“ von Jan-Christoph Gockel & Ensemble, eine Koproduktion des Theater im Bauturm – Freies Schauspiel Köln mit dem Theater FALINGA und dem Festival Récréâtrales, Ouagadougou/Burkina Faso, dem Tarmac des Auteurs, Kinshasa/DR Kongo und dem Goethe-Institut Kigali/Rwanda. Mit Patrick Joseph, Gianni La Rocca, Laurenz Leky/Michael Pietsch, Yves Ndagano, Regie: Jan-Christoph Gockel, Puppenbau: Michael Pietsch, Dramaturgie: Kerstin Ortmeier, Künstlerische Mitarbeit: Patrick Joseph

Produktion/Produzent: Jan-Christoph Gockel/peaches&rooster
Producer: Kathrin K. Liess
Produktionsleitung DR Kongo: TD Jack Mahamba Muhindo
Koproduktion mit: africologneFESTIVAL, R.O.D.Fi. Goma, Theater im Bauturm Köln, Schauspielhaus Graz

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Gastspiel Theater der Dinge DIE WELT OHNE UNS: Coltan-Fieber: Connecting people, OmeU Ticket-Verkauf NUR online
Mo 15.11.

SchulKinoWochen Berlin – Programm / Anmeldungen unter: https://www.schulkinowochen-berlin.de/anmeldung/

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Di 16.11.

SchulKinoWochen Berlin – Programm / Anmeldungen unter: https://www.schulkinowochen-berlin.de/anmeldung/

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Mi 17.11.

Spatzenkino – Rot, rot, rot / Nur mit Voranmeldung unter 44 94 750

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Do 18.11.

SchulKinoWochen Berlin – Programm / Anmeldungen unter: https://www.schulkinowochen-berlin.de/anmeldung/

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Fr 19.11.

SchulKinoWochen Berlin – Programm / Anmeldungen unter: https://www.schulkinowochen-berlin.de/anmeldung/

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Mo 22.11.

SchulKinoWochen Berlin – Programm / Anmeldungen unter: https://www.schulkinowochen-berlin.de/anmeldung/

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Di 23.11.

SchulKinoWochen Berlin – Programm / Anmeldungen unter: https://www.schulkinowochen-berlin.de/anmeldung/

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Mi 24.11.

SchulKinoWochen Berlin – Programm / Anmeldungen unter: https://www.schulkinowochen-berlin.de/anmeldung/

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Do 25.11.

SchulKinoWochen Berlin – Programm / Anmeldungen unter: https://www.schulkinowochen-berlin.de/anmeldung/

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Fr 26.11.

SchulKinoWochen Berlin – Programm / Anmeldungen unter: https://www.schulkinowochen-berlin.de/anmeldung/

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Mi 15.12.

Spatzenkino – Es weihnachtet sehr / nur mit Voranmeldung unter 44 94 750

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