Mi 20.03.

Vom Lokführer, der die Liebe suchte… (The Bra), ohne Dialog

Veit Helmer
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Vom Lokführer, der die Liebe suchte… (The Bra)

Deutschland / Aserbaidschan 2018, 90 min, ohne Dialog

Regie: Veit Helmer

Ein Güterzug rollt durch eine weite Graslandschaft, die sich vor den kaukasischen Bergen entlangzieht. Am Steuer: Nurlan, der Lokführer. Tagein, tagaus lenkt er seinen Zug durch einen dicht besiedelten Vorort Bakus, in dem die Schienen so dicht an die Häuser grenzen, dass Nurlan quasi durch die Vorzimmer und Gärten der Bewohner fährt. Auf seinem täglichen Weg passiert er teetrinkende Männer ebenso wie Frauen, die ihre Wäsche in den sanften Wind hängen. Sobald sich der Zug nähert, bläst der kleine Waisenjunge Aziz in eine Pfeife und die Bewohner des Vorortes bringen sich und ihre Habseligkeiten schnell in Sicherheit. Doch das gelingt nicht immer. Nurlan hat schon so einiges von seiner Lokomotive gepflückt: Hühnerfedern, Spielzeugbälle oder auch Bettbezüge. Am letzten Arbeitstag vor der Pensionierung verheddert sich ein besonderes Abschiedsgeschenk an Nurlans Lok: ein traumhaft schöner, blauer Spitzen-BH. Nurlan nimmt ihn nach seiner Schicht kurzerhand mit in sein Heimatdorf in den Bergen. Seine Neugier ist geweckt: Wem nur mag das kleine Stück Stoff gehören? Getrieben von Einsamkeit beschließt Nurlan, die Suche nach der Besitzerin des Büstenhalters aufzunehmen.

VOM LOKFÜHRER, DER DIE LIEBE SUCHTE… ist eine mit viel Feingefühl und unbeschwert erzählte Geschichte von der Suche nach Liebe. Erneut zieht es Regisseur Veit Helmer in die Berglandschaft Aserbaidschans. In seiner meisterhaft phantasievollen Bildsprache wird er seinem Ruf als moderner Märchenerzähler gerecht und inszeniert die Geschichte VOM LOKFÜHRER, DER DIE LIEBE SUCHTE… als atmosphärische Komödie, die ganz ohne Dialoge auskommt und uns gerade dadurch in ihren Bann zieht.

www.vom-lokfuehrer-der-die-liebe-suchte.de

Mi 20.03.

Twarz – Die Maske, OmdU

Małgorzata Szumowska
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Twarz (Die Maske)                                           

Silberner Bär 2018 – Großer Preis der Jury

Polen 2018, 91 min, polnische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Małgorzata Szumowska

Jacek liebt Heavy Metal, die Spritztouren mit seinem Auto und seinen Hund. Er genießt das Dasein als cooler Außenseiter in einem ansonsten eher spießigen Umfeld. In der Nähe seines Heimatortes an der polnisch-deutschen Grenze soll die größte Jesusstatue der Welt entstehen, und auch Jacek arbeitet auf der Großbaustelle. Doch ein schwerer Arbeitsunfall lässt ihn entstellt zurück. Unter reger Anteilnahme der polnischen Öffentlichkeit wird daraufhin die erste Gesichtstransplantation im Land vollzogen. Jacek wird als Nationalheld und Märtyrer gefeiert, die Jesusstatue wird höher und höher, aber er selbst erkennt sich nicht mehr im Spiegel wieder. Während sein Konterfei zur Maske wird, zeigen die Menschen um ihn herum ihr wahres Gesicht…

“Die Handlung bringt zwei wahre Begebenheiten aus den vergangenen Jahren miteinander in Verbindung, die man als Kuriosa abhaken könnte, würden sie nicht im von Minderwertigkeitskomplexen beseelten Nachwende-Polen als welthistorisch bedeutsame Heldentaten gefeiert: der Bau der weltgrößten Jesus-Statue im Städtchen Świebodzin, die sich wie ein Mahnmal des schlechten Geschmacks von der Landschaft abhebt, und die erste Gesichtstransplantation, die je in Europa gelang. Der junge, ziemlich prollige, langhaarige Metallica-Fan Jacek arbeitet mit am Bau des Christus-Monstrums. Die Großfamilie, aus der er stammt, steht für das derb-slawische Elend, das jeder kennt, der aus dem Osten kommt, und das die Deutschen wegen der zum Ausdruck kommenden Seelentiefe ja so mögen: die Wodka-Abstürze am Küchentisch, restalkoholisierte Kirchenbesuche, hysterisch-fröhliche Xenophobie, der frühzeitige Verfall der Männer, die unerträgliche Religiosität der Mütter, der Schlager- und Heavy-Metal-Kitsch, die Fleischberge zum Abendessen, die Kuschelrock-Liebe der jungen Frauen, die so gut wie nichts anhaben, und so weiter. (…)

Man kann Twarz natürlich vordergründig als Parabel auf die Verlogenheit, den Opportunismus, die Bigotterie der polnischen Provinz interpretieren (und dies auch zu Recht), aber wie immer bei Szumowska erschöpft sich der Film gerade nicht in billiger Gesellschaftskritik, nicht in Opferkult und rechthaberischen Gewissheiten. Dafür sorgt schon ihr Hang zu grotesken, heiteren, auch brutal-burlesken Szenen. Sie gibt damit auch – und vielleicht sogar gerade – jenen, die sich vom Heimkehrer kaltherzig abwenden, ein Gesicht. Der Entstellte war vor seinem Schicksalsschlag doch nie besser als das Dorfvolk, erst als Gefallener wird er zum Homo sacer, zum Verbannten und Heiligen in einem. Die Bildränder haben eine geringe Tiefenschärfe, was dem Film etwas Märchenhaftes gibt. Die Unschärfe ist Programm, stellt die Wahrnehmung auf die Probe, und das ist natürlich völlig plausibel, weil am Ende nicht mehr zu sagen ist, wer in diesem Dorf als Wiederauferstandener gilt: der in den Himmel ragende Beton-Jesus oder der von den Ärzten Zusammengeflickte. Stückwerk sind sie beide, lädierte Heilande, der Zuschauer gerät in die Rolle des ungläubigen Thomas und ist begeistert.” (Adam Soboczynski, DIE ZEIT Nr. 10/2018)20

Twarz – Die Maske, OmdU
Mi 20.03.

Zimna wojna – Cold War. Der Breitengrad der Liebe, OmdU

Pawel Pawlikowski
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Zimna wojna (Cold War – Der Breitengrad der Liebe)

PL/ GB/ F 2018, 89 min, OmdU

Regie: Paweł Pawlikowski

Während des polnischen Wiederaufbaus ist der begabte Komponist Wiktor auf der Suche nach traditionellen Melodien für ein neues Tanz- und Musik-Ensemble. Unter seinen Studentinnen ist auch die Sängerin Zula. Schön, hinreißend und energiegeladen ist Zula schon bald der Mittelpunkt des Ensembles und die beiden verlieben sich ineinander. Ihre brennende Leidenschaft scheint keine Grenzen zu kennen. Doch als das Repertoire des Ensembles zunehmend politisiert wird, nutzt Wiktor einen Auftritt in Ostberlin, um in den Westen zu fliehen. Zula bleibt der verabredeten Flucht fern und doch führt das Schicksal die beiden Liebenden Jahre später erneut zueinander. (Neue Visionen)

„Von Ort zu Ort werden die Liebenden getrieben und von einer Klangwelt in die nächste. Aber weder Volksmusik noch Jazz, weder Chanson noch Rock ’n‘ Roll werden zur Heimat. COLD WAR ist auch eine Studie des Exils, in dem Wiktor zur Mittelmäßigkeit schrumpft und Zula ihre Liebe fast verliert. Das alles ist verführerisch schön, in erlesen komponierten, sehr coolen Schwarz-Weiß-Bildern fotografiert, die COLD WAR schon jetzt wie einen Klassiker wirken lassen.“ (Martina Knoben, SZ 22.11.18)

Zimna wojna – Cold War. Der Breitengrad der Liebe, OmdU
Do 21.03.

Vom Lokführer, der die Liebe suchte… (The Bra), ohne Dialog

Veit Helmer
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Vom Lokführer, der die Liebe suchte… (The Bra)

Deutschland / Aserbaidschan 2018, 90 min, ohne Dialog

Regie: Veit Helmer

Ein Güterzug rollt durch eine weite Graslandschaft, die sich vor den kaukasischen Bergen entlangzieht. Am Steuer: Nurlan, der Lokführer. Tagein, tagaus lenkt er seinen Zug durch einen dicht besiedelten Vorort Bakus, in dem die Schienen so dicht an die Häuser grenzen, dass Nurlan quasi durch die Vorzimmer und Gärten der Bewohner fährt. Auf seinem täglichen Weg passiert er teetrinkende Männer ebenso wie Frauen, die ihre Wäsche in den sanften Wind hängen. Sobald sich der Zug nähert, bläst der kleine Waisenjunge Aziz in eine Pfeife und die Bewohner des Vorortes bringen sich und ihre Habseligkeiten schnell in Sicherheit. Doch das gelingt nicht immer. Nurlan hat schon so einiges von seiner Lokomotive gepflückt: Hühnerfedern, Spielzeugbälle oder auch Bettbezüge. Am letzten Arbeitstag vor der Pensionierung verheddert sich ein besonderes Abschiedsgeschenk an Nurlans Lok: ein traumhaft schöner, blauer Spitzen-BH. Nurlan nimmt ihn nach seiner Schicht kurzerhand mit in sein Heimatdorf in den Bergen. Seine Neugier ist geweckt: Wem nur mag das kleine Stück Stoff gehören? Getrieben von Einsamkeit beschließt Nurlan, die Suche nach der Besitzerin des Büstenhalters aufzunehmen.

VOM LOKFÜHRER, DER DIE LIEBE SUCHTE… ist eine mit viel Feingefühl und unbeschwert erzählte Geschichte von der Suche nach Liebe. Erneut zieht es Regisseur Veit Helmer in die Berglandschaft Aserbaidschans. In seiner meisterhaft phantasievollen Bildsprache wird er seinem Ruf als moderner Märchenerzähler gerecht und inszeniert die Geschichte VOM LOKFÜHRER, DER DIE LIEBE SUCHTE… als atmosphärische Komödie, die ganz ohne Dialoge auskommt und uns gerade dadurch in ihren Bann zieht.

www.vom-lokfuehrer-der-die-liebe-suchte.de

Vom Lokführer, der die Liebe suchte… (The Bra), ohne Dialog
Do 21.03.

Twarz – Die Maske, OmdU

Małgorzata Szumowska
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Twarz (Die Maske)                                           

Silberner Bär 2018 – Großer Preis der Jury

Polen 2018, 91 min, polnische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Małgorzata Szumowska

Jacek liebt Heavy Metal, die Spritztouren mit seinem Auto und seinen Hund. Er genießt das Dasein als cooler Außenseiter in einem ansonsten eher spießigen Umfeld. In der Nähe seines Heimatortes an der polnisch-deutschen Grenze soll die größte Jesusstatue der Welt entstehen, und auch Jacek arbeitet auf der Großbaustelle. Doch ein schwerer Arbeitsunfall lässt ihn entstellt zurück. Unter reger Anteilnahme der polnischen Öffentlichkeit wird daraufhin die erste Gesichtstransplantation im Land vollzogen. Jacek wird als Nationalheld und Märtyrer gefeiert, die Jesusstatue wird höher und höher, aber er selbst erkennt sich nicht mehr im Spiegel wieder. Während sein Konterfei zur Maske wird, zeigen die Menschen um ihn herum ihr wahres Gesicht…

“Die Handlung bringt zwei wahre Begebenheiten aus den vergangenen Jahren miteinander in Verbindung, die man als Kuriosa abhaken könnte, würden sie nicht im von Minderwertigkeitskomplexen beseelten Nachwende-Polen als welthistorisch bedeutsame Heldentaten gefeiert: der Bau der weltgrößten Jesus-Statue im Städtchen Świebodzin, die sich wie ein Mahnmal des schlechten Geschmacks von der Landschaft abhebt, und die erste Gesichtstransplantation, die je in Europa gelang. Der junge, ziemlich prollige, langhaarige Metallica-Fan Jacek arbeitet mit am Bau des Christus-Monstrums. Die Großfamilie, aus der er stammt, steht für das derb-slawische Elend, das jeder kennt, der aus dem Osten kommt, und das die Deutschen wegen der zum Ausdruck kommenden Seelentiefe ja so mögen: die Wodka-Abstürze am Küchentisch, restalkoholisierte Kirchenbesuche, hysterisch-fröhliche Xenophobie, der frühzeitige Verfall der Männer, die unerträgliche Religiosität der Mütter, der Schlager- und Heavy-Metal-Kitsch, die Fleischberge zum Abendessen, die Kuschelrock-Liebe der jungen Frauen, die so gut wie nichts anhaben, und so weiter. (…)

Man kann Twarz natürlich vordergründig als Parabel auf die Verlogenheit, den Opportunismus, die Bigotterie der polnischen Provinz interpretieren (und dies auch zu Recht), aber wie immer bei Szumowska erschöpft sich der Film gerade nicht in billiger Gesellschaftskritik, nicht in Opferkult und rechthaberischen Gewissheiten. Dafür sorgt schon ihr Hang zu grotesken, heiteren, auch brutal-burlesken Szenen. Sie gibt damit auch – und vielleicht sogar gerade – jenen, die sich vom Heimkehrer kaltherzig abwenden, ein Gesicht. Der Entstellte war vor seinem Schicksalsschlag doch nie besser als das Dorfvolk, erst als Gefallener wird er zum Homo sacer, zum Verbannten und Heiligen in einem. Die Bildränder haben eine geringe Tiefenschärfe, was dem Film etwas Märchenhaftes gibt. Die Unschärfe ist Programm, stellt die Wahrnehmung auf die Probe, und das ist natürlich völlig plausibel, weil am Ende nicht mehr zu sagen ist, wer in diesem Dorf als Wiederauferstandener gilt: der in den Himmel ragende Beton-Jesus oder der von den Ärzten Zusammengeflickte. Stückwerk sind sie beide, lädierte Heilande, der Zuschauer gerät in die Rolle des ungläubigen Thomas und ist begeistert.” (Adam Soboczynski, DIE ZEIT Nr. 10/2018)

Twarz – Die Maske, OmdU
Do 21.03.

Голубой экспесс – Der Blaue Express, Stummfilm mit Livemusikbegleitung!

Ilja Trauberg
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Голубой экспесс (Der Blaue Express)

SU 1929, 35mm, 76 min, stumm, russische Zwischentitel

am präparierten Flügel live begleitet von Jürgen Kurz

Regie: Ilja Trauberg

China um 1925. In einem Expresszug revoltieren Gefangene gegen ihre Wärter und verbünden sich mit den Armen. Sie übernehmen die Macht im Zug, der am Schluss – als Symbol der siegreichen chinesischen Revolution – senkrecht durch das Bild in die Sonne fährt. (Ulfilas Meyer)

„Goluboj Ekspress, das Regiedebüt von Il’ja Trauberg, der zuvor Eisenstein bei Oktober assistiert hat, greift auf Stilfiguren des russischen revolutionären Films zurück, wendet sich dabei aber ebenso wie die damalige Politik der Sowjetunion gen Ostasien und wird seinerseits wenig später Josef von Sternberg in Hollywood zu Shanghai Express inspirieren. Ein Expresszug, auf dessen Weg von China in die Sowjetunion die Revolution ausbricht, bestimmt den Rhythmus von Goluboj Ekspress. Kulis erheben sich gegen korrupte Generäle, gegen Ausbeuter und Waffenschieber: ein Potemkin auf Schienen. ‚Ilja Trauberg folgt bei der Inszenierung dieses von größter Spannung erfüllten, gewaltig gesteigerten Dramas aus der Revolution bewusst dem Vorbild Eisensteins. Die Treppe von Odessa taucht hier wieder auf, und sogar das berühmte Montageexperiment der drei hintereinander fotografierten Steinfiguren, die den Eindruck eines sich aufreckenden Löwen ergeben. Trauberg hat aber auch gute eigene Montageideen, wie das Gleichnis zwischen den aufeinanderstoßenden Puffern und dem Aufeinanderplatzen der sozialen Gegensätze im Zuge, oder die Überblendung der Hände des ,Präsidenten‘ in drohend aufgerichtete Kanonenläufe.‘ (…) “ (Fritz Rosenfeld, Viennale 2005)

Голубой экспесс – Der Blaue Express, Stummfilm mit Livemusikbegleitung!
Fr 22.03.

Vom Lokführer, der die Liebe suchte… (The Bra), ohne Dialog

Veit Helmer
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Vom Lokführer, der die Liebe suchte… (The Bra)

Deutschland / Aserbaidschan 2018, 90 min, ohne Dialog

Regie: Veit Helmer

Ein Güterzug rollt durch eine weite Graslandschaft, die sich vor den kaukasischen Bergen entlangzieht. Am Steuer: Nurlan, der Lokführer. Tagein, tagaus lenkt er seinen Zug durch einen dicht besiedelten Vorort Bakus, in dem die Schienen so dicht an die Häuser grenzen, dass Nurlan quasi durch die Vorzimmer und Gärten der Bewohner fährt. Auf seinem täglichen Weg passiert er teetrinkende Männer ebenso wie Frauen, die ihre Wäsche in den sanften Wind hängen. Sobald sich der Zug nähert, bläst der kleine Waisenjunge Aziz in eine Pfeife und die Bewohner des Vorortes bringen sich und ihre Habseligkeiten schnell in Sicherheit. Doch das gelingt nicht immer. Nurlan hat schon so einiges von seiner Lokomotive gepflückt: Hühnerfedern, Spielzeugbälle oder auch Bettbezüge. Am letzten Arbeitstag vor der Pensionierung verheddert sich ein besonderes Abschiedsgeschenk an Nurlans Lok: ein traumhaft schöner, blauer Spitzen-BH. Nurlan nimmt ihn nach seiner Schicht kurzerhand mit in sein Heimatdorf in den Bergen. Seine Neugier ist geweckt: Wem nur mag das kleine Stück Stoff gehören? Getrieben von Einsamkeit beschließt Nurlan, die Suche nach der Besitzerin des Büstenhalters aufzunehmen.

VOM LOKFÜHRER, DER DIE LIEBE SUCHTE… ist eine mit viel Feingefühl und unbeschwert erzählte Geschichte von der Suche nach Liebe. Erneut zieht es Regisseur Veit Helmer in die Berglandschaft Aserbaidschans. In seiner meisterhaft phantasievollen Bildsprache wird er seinem Ruf als moderner Märchenerzähler gerecht und inszeniert die Geschichte VOM LOKFÜHRER, DER DIE LIEBE SUCHTE… als atmosphärische Komödie, die ganz ohne Dialoge auskommt und uns gerade dadurch in ihren Bann zieht.

www.vom-lokfuehrer-der-die-liebe-suchte.de

Fr 22.03.

Twarz – Die Maske, OmdU

Małgorzata Szumowska
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Twarz (Die Maske)                                           

Silberner Bär 2018 – Großer Preis der Jury

Polen 2018, 91 min, polnische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Małgorzata Szumowska

Jacek liebt Heavy Metal, die Spritztouren mit seinem Auto und seinen Hund. Er genießt das Dasein als cooler Außenseiter in einem ansonsten eher spießigen Umfeld. In der Nähe seines Heimatortes an der polnisch-deutschen Grenze soll die größte Jesusstatue der Welt entstehen, und auch Jacek arbeitet auf der Großbaustelle. Doch ein schwerer Arbeitsunfall lässt ihn entstellt zurück. Unter reger Anteilnahme der polnischen Öffentlichkeit wird daraufhin die erste Gesichtstransplantation im Land vollzogen. Jacek wird als Nationalheld und Märtyrer gefeiert, die Jesusstatue wird höher und höher, aber er selbst erkennt sich nicht mehr im Spiegel wieder. Während sein Konterfei zur Maske wird, zeigen die Menschen um ihn herum ihr wahres Gesicht…

“Die Handlung bringt zwei wahre Begebenheiten aus den vergangenen Jahren miteinander in Verbindung, die man als Kuriosa abhaken könnte, würden sie nicht im von Minderwertigkeitskomplexen beseelten Nachwende-Polen als welthistorisch bedeutsame Heldentaten gefeiert: der Bau der weltgrößten Jesus-Statue im Städtchen Świebodzin, die sich wie ein Mahnmal des schlechten Geschmacks von der Landschaft abhebt, und die erste Gesichtstransplantation, die je in Europa gelang. Der junge, ziemlich prollige, langhaarige Metallica-Fan Jacek arbeitet mit am Bau des Christus-Monstrums. Die Großfamilie, aus der er stammt, steht für das derb-slawische Elend, das jeder kennt, der aus dem Osten kommt, und das die Deutschen wegen der zum Ausdruck kommenden Seelentiefe ja so mögen: die Wodka-Abstürze am Küchentisch, restalkoholisierte Kirchenbesuche, hysterisch-fröhliche Xenophobie, der frühzeitige Verfall der Männer, die unerträgliche Religiosität der Mütter, der Schlager- und Heavy-Metal-Kitsch, die Fleischberge zum Abendessen, die Kuschelrock-Liebe der jungen Frauen, die so gut wie nichts anhaben, und so weiter. (…)

Man kann Twarz natürlich vordergründig als Parabel auf die Verlogenheit, den Opportunismus, die Bigotterie der polnischen Provinz interpretieren (und dies auch zu Recht), aber wie immer bei Szumowska erschöpft sich der Film gerade nicht in billiger Gesellschaftskritik, nicht in Opferkult und rechthaberischen Gewissheiten. Dafür sorgt schon ihr Hang zu grotesken, heiteren, auch brutal-burlesken Szenen. Sie gibt damit auch – und vielleicht sogar gerade – jenen, die sich vom Heimkehrer kaltherzig abwenden, ein Gesicht. Der Entstellte war vor seinem Schicksalsschlag doch nie besser als das Dorfvolk, erst als Gefallener wird er zum Homo sacer, zum Verbannten und Heiligen in einem. Die Bildränder haben eine geringe Tiefenschärfe, was dem Film etwas Märchenhaftes gibt. Die Unschärfe ist Programm, stellt die Wahrnehmung auf die Probe, und das ist natürlich völlig plausibel, weil am Ende nicht mehr zu sagen ist, wer in diesem Dorf als Wiederauferstandener gilt: der in den Himmel ragende Beton-Jesus oder der von den Ärzten Zusammengeflickte. Stückwerk sind sie beide, lädierte Heilande, der Zuschauer gerät in die Rolle des ungläubigen Thomas und ist begeistert.” (Adam Soboczynski, DIE ZEIT Nr. 10/2018)

Twarz – Die Maske, OmdU
Fr 22.03.

Лето – Leto / Sommer, OmdU

Kirill Serebrennikow
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Лето (Leto / Sommer)

Russland / Frankreich 2018, 128 min, russische Originalfassung mit deutschen Untertiteln

Regie: Kirill Serebrennikow

Leningrad, ein Sommer zu Beginn der 1980er. Während Alben von Lou Reed und David Bowie heimlich die Besitzer wechseln, brodelt die Underground-Rockszene. Mike und seine Frau Natascha lernen den charismatischen Musiker Viktor Zoi kennen. Ihre unbändige Leidenschaft für die Musik verbindet sie schnell zu einer eigenwilligen Dreieckskonstellation. Als Teil einer neuen Musikbewegung werden sie trotz staatlich kontrollierter Konzerte das Schicksal des Rock ’n‘ Rolls in der Sowjetunion verändern.

Nach der wahren Geschichte um die legendäre russische Rockband Kino fängt LETO das Lebensgefühl einer sich nach Freiheit sehnenden Generation kurz vor der Perestroika ein. Mit verspielter Bilderwelt und pulsierendem Soundtrack von Talking Heads, Iggy Pop bis zu Blondie gelingt Kirill Serebrennikow ein mitreißendes und leichtfüßiges Zeitbild einer Jugend zwischen Rebellion und dem Leben unter Zensur. (weltkino)

„Mike Naumenko (einst Kopf der Band „Zoopark“) ebnet dem jungen Viktor Zoi den Weg in die Leningrader Musikszene, während sich zwischen Viktor und Mikes Frau Natasha eine Romanze anbahnt. Dass Viktor Zoi später zu einer Legende der sowjetischen Rockgeschichte werden sollte, zum Idol einer ganzen Generation, bis heute verehrt und umjubelt, davon ist in LETO noch keine Rede. Aber erahnen lässt sich die unbändige Kreativkraft des jungen Zoi, der intuitiv den richtigen Ton trifft (…). Serebrennikov erzählt in bestechenden Schwarz-Weiβ-Bildern von der Aufbruchsstimmung einer ganzen Generation, die vor Zorn und Leidenschaft zu platzen scheint und – noch namenlos – Gorbatschows Perestroika-Politik herbeisehnt. Und damit ist LETO weitaus mehr, als lediglich die gekonnte Verknüpfung einer komplizierten Liebesgeschichte mit einem berauschenden Soundtrack.“ (Maja Ellmenreich, deutschlandfunk, 10.05.18)

„Serebrennikov balanciert seinen Film gut, er umschifft die Hürden aller Filme über hedonistische KünstlerInnen, die irgendwann in ihrem eigenen Saft baden gehen und sich vollends entleeren. Doch das ist hier nicht der Fall. Im Gegenteil: Unter der sanften Melancholie zeigt sich ein treffsicherer Scharfsinn, der ganz wie die Liedtexte der 1980er-Jahre-Punks nie eindeutig ausdrückt, was er sagen will und doch Bände spricht.“ (B. Behn, kino-zeit.de)

Лето – Leto / Sommer, OmdU
Sa 23.03.

Vom Lokführer, der die Liebe suchte… (The Bra), ohne Dialog

Veit Helmer
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Vom Lokführer, der die Liebe suchte… (The Bra)

Deutschland / Aserbaidschan 2018, 90 min, ohne Dialog

Regie: Veit Helmer

Ein Güterzug rollt durch eine weite Graslandschaft, die sich vor den kaukasischen Bergen entlangzieht. Am Steuer: Nurlan, der Lokführer. Tagein, tagaus lenkt er seinen Zug durch einen dicht besiedelten Vorort Bakus, in dem die Schienen so dicht an die Häuser grenzen, dass Nurlan quasi durch die Vorzimmer und Gärten der Bewohner fährt. Auf seinem täglichen Weg passiert er teetrinkende Männer ebenso wie Frauen, die ihre Wäsche in den sanften Wind hängen. Sobald sich der Zug nähert, bläst der kleine Waisenjunge Aziz in eine Pfeife und die Bewohner des Vorortes bringen sich und ihre Habseligkeiten schnell in Sicherheit. Doch das gelingt nicht immer. Nurlan hat schon so einiges von seiner Lokomotive gepflückt: Hühnerfedern, Spielzeugbälle oder auch Bettbezüge. Am letzten Arbeitstag vor der Pensionierung verheddert sich ein besonderes Abschiedsgeschenk an Nurlans Lok: ein traumhaft schöner, blauer Spitzen-BH. Nurlan nimmt ihn nach seiner Schicht kurzerhand mit in sein Heimatdorf in den Bergen. Seine Neugier ist geweckt: Wem nur mag das kleine Stück Stoff gehören? Getrieben von Einsamkeit beschließt Nurlan, die Suche nach der Besitzerin des Büstenhalters aufzunehmen.

VOM LOKFÜHRER, DER DIE LIEBE SUCHTE… ist eine mit viel Feingefühl und unbeschwert erzählte Geschichte von der Suche nach Liebe. Erneut zieht es Regisseur Veit Helmer in die Berglandschaft Aserbaidschans. In seiner meisterhaft phantasievollen Bildsprache wird er seinem Ruf als moderner Märchenerzähler gerecht und inszeniert die Geschichte VOM LOKFÜHRER, DER DIE LIEBE SUCHTE… als atmosphärische Komödie, die ganz ohne Dialoge auskommt und uns gerade dadurch in ihren Bann zieht.

www.vom-lokfuehrer-der-die-liebe-suchte.de

Vom Lokführer, der die Liebe suchte… (The Bra), ohne Dialog
Sa 23.03.

Twarz – Die Maske, OmdU

Małgorzata Szumowska
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Twarz (Die Maske)                                           

Silberner Bär 2018 – Großer Preis der Jury

Polen 2018, 91 min, polnische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Małgorzata Szumowska

Jacek liebt Heavy Metal, die Spritztouren mit seinem Auto und seinen Hund. Er genießt das Dasein als cooler Außenseiter in einem ansonsten eher spießigen Umfeld. In der Nähe seines Heimatortes an der polnisch-deutschen Grenze soll die größte Jesusstatue der Welt entstehen, und auch Jacek arbeitet auf der Großbaustelle. Doch ein schwerer Arbeitsunfall lässt ihn entstellt zurück. Unter reger Anteilnahme der polnischen Öffentlichkeit wird daraufhin die erste Gesichtstransplantation im Land vollzogen. Jacek wird als Nationalheld und Märtyrer gefeiert, die Jesusstatue wird höher und höher, aber er selbst erkennt sich nicht mehr im Spiegel wieder. Während sein Konterfei zur Maske wird, zeigen die Menschen um ihn herum ihr wahres Gesicht…

“Die Handlung bringt zwei wahre Begebenheiten aus den vergangenen Jahren miteinander in Verbindung, die man als Kuriosa abhaken könnte, würden sie nicht im von Minderwertigkeitskomplexen beseelten Nachwende-Polen als welthistorisch bedeutsame Heldentaten gefeiert: der Bau der weltgrößten Jesus-Statue im Städtchen Świebodzin, die sich wie ein Mahnmal des schlechten Geschmacks von der Landschaft abhebt, und die erste Gesichtstransplantation, die je in Europa gelang. Der junge, ziemlich prollige, langhaarige Metallica-Fan Jacek arbeitet mit am Bau des Christus-Monstrums. Die Großfamilie, aus der er stammt, steht für das derb-slawische Elend, das jeder kennt, der aus dem Osten kommt, und das die Deutschen wegen der zum Ausdruck kommenden Seelentiefe ja so mögen: die Wodka-Abstürze am Küchentisch, restalkoholisierte Kirchenbesuche, hysterisch-fröhliche Xenophobie, der frühzeitige Verfall der Männer, die unerträgliche Religiosität der Mütter, der Schlager- und Heavy-Metal-Kitsch, die Fleischberge zum Abendessen, die Kuschelrock-Liebe der jungen Frauen, die so gut wie nichts anhaben, und so weiter. (…)

Man kann Twarz natürlich vordergründig als Parabel auf die Verlogenheit, den Opportunismus, die Bigotterie der polnischen Provinz interpretieren (und dies auch zu Recht), aber wie immer bei Szumowska erschöpft sich der Film gerade nicht in billiger Gesellschaftskritik, nicht in Opferkult und rechthaberischen Gewissheiten. Dafür sorgt schon ihr Hang zu grotesken, heiteren, auch brutal-burlesken Szenen. Sie gibt damit auch – und vielleicht sogar gerade – jenen, die sich vom Heimkehrer kaltherzig abwenden, ein Gesicht. Der Entstellte war vor seinem Schicksalsschlag doch nie besser als das Dorfvolk, erst als Gefallener wird er zum Homo sacer, zum Verbannten und Heiligen in einem. Die Bildränder haben eine geringe Tiefenschärfe, was dem Film etwas Märchenhaftes gibt. Die Unschärfe ist Programm, stellt die Wahrnehmung auf die Probe, und das ist natürlich völlig plausibel, weil am Ende nicht mehr zu sagen ist, wer in diesem Dorf als Wiederauferstandener gilt: der in den Himmel ragende Beton-Jesus oder der von den Ärzten Zusammengeflickte. Stückwerk sind sie beide, lädierte Heilande, der Zuschauer gerät in die Rolle des ungläubigen Thomas und ist begeistert.” (Adam Soboczynski, DIE ZEIT Nr. 10/2018)

Twarz – Die Maske, OmdU
Sa 23.03.

Лето – Leto / Sommer, OmdU

Kirill Serebrennikow
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Лето (Leto / Sommer)

Russland / Frankreich 2018, 128 min, russische Originalfassung mit deutschen Untertiteln

Regie: Kirill Serebrennikow

Leningrad, ein Sommer zu Beginn der 1980er. Während Alben von Lou Reed und David Bowie heimlich die Besitzer wechseln, brodelt die Underground-Rockszene. Mike und seine Frau Natascha lernen den charismatischen Musiker Viktor Zoi kennen. Ihre unbändige Leidenschaft für die Musik verbindet sie schnell zu einer eigenwilligen Dreieckskonstellation. Als Teil einer neuen Musikbewegung werden sie trotz staatlich kontrollierter Konzerte das Schicksal des Rock ’n‘ Rolls in der Sowjetunion verändern.

Nach der wahren Geschichte um die legendäre russische Rockband Kino fängt LETO das Lebensgefühl einer sich nach Freiheit sehnenden Generation kurz vor der Perestroika ein. Mit verspielter Bilderwelt und pulsierendem Soundtrack von Talking Heads, Iggy Pop bis zu Blondie gelingt Kirill Serebrennikow ein mitreißendes und leichtfüßiges Zeitbild einer Jugend zwischen Rebellion und dem Leben unter Zensur. (weltkino)

„Mike Naumenko (einst Kopf der Band „Zoopark“) ebnet dem jungen Viktor Zoi den Weg in die Leningrader Musikszene, während sich zwischen Viktor und Mikes Frau Natasha eine Romanze anbahnt. Dass Viktor Zoi später zu einer Legende der sowjetischen Rockgeschichte werden sollte, zum Idol einer ganzen Generation, bis heute verehrt und umjubelt, davon ist in LETO noch keine Rede. Aber erahnen lässt sich die unbändige Kreativkraft des jungen Zoi, der intuitiv den richtigen Ton trifft (…). Serebrennikov erzählt in bestechenden Schwarz-Weiβ-Bildern von der Aufbruchsstimmung einer ganzen Generation, die vor Zorn und Leidenschaft zu platzen scheint und – noch namenlos – Gorbatschows Perestroika-Politik herbeisehnt. Und damit ist LETO weitaus mehr, als lediglich die gekonnte Verknüpfung einer komplizierten Liebesgeschichte mit einem berauschenden Soundtrack.“ (Maja Ellmenreich, deutschlandfunk, 10.05.18)

„Serebrennikov balanciert seinen Film gut, er umschifft die Hürden aller Filme über hedonistische KünstlerInnen, die irgendwann in ihrem eigenen Saft baden gehen und sich vollends entleeren. Doch das ist hier nicht der Fall. Im Gegenteil: Unter der sanften Melancholie zeigt sich ein treffsicherer Scharfsinn, der ganz wie die Liedtexte der 1980er-Jahre-Punks nie eindeutig ausdrückt, was er sagen will und doch Bände spricht.“ (B. Behn, kino-zeit.de)

Лето – Leto / Sommer, OmdU
So 24.03.

Gundermann

Andreas Dresen
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Gundermann

Deutschland 2018, 127 min

Regie: Andreas Dresen

GUNDERMANN erzählt von einem Baggerfahrer, der Lieder schreibt. Der ein Poet ist, ein Clown und ein Idealist. Der träumt und hofft und liebt und kämpft. Ein Spitzel, der bespitzelt wird. Ein Weltverbesserer, der es nicht besser weiß. Ein Zerrissener. GUNDERMANN ist Liebes- und Musikfilm, Drama über Schuld und Verstrickung, eine Geschichte vom Verdrängen und Sich-Stellen. GUNDERMANN ist ein Film über Heimat. Er blickt noch einmal neu auf ein verschwundenes Land. Es ist nicht zu spät dafür. Es ist an der Zeit. (Pandora)

Gundermann
So 24.03.

Adam und Evelyn

Andreas Goldstein
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Adam und Evelyn

D 2018, 95 min

Regie: Andreas Goldstein

ADAM UND EVELYN erzählt die Geschichte eines Paares von August bis Winter 1989. Sie beginnt in der ostdeutschen Provinz. Weil Adam Evelyn betrügt, reist Evelyn ohne ihn in den Urlaub nach Ungarn. Adam reist hinterher. Als Ungarn die Grenzen nach Österreich öffnet, will Evelyn über die Grenze. Adam landet wider Willen im Westen.

„(…) was ich und wir nicht wollten, war eine Dramatisierung. Also was ich in Filmen sehe über die Geschichte, ist, dass im Grunde Historisches dramatisiert wird. Das entspricht aber nicht meiner historischen Erfahrung, weil die Leute ihr Leben leben, und dahinter bewegen sich die Dinge, und da bewegt sich die Geschichte, und das ist nicht deckungsgleich.

Was mir eben an dem Roman so gut gefallen hat, das Lakonische der Figuren, die ganz unaufgeregt und mit viel mehr Zweifeln und großer Skepsis. Was übrigens ein Charakteristikum der DDR-Leute war, was man heute völlig vergisst, ist eigentlich eine extreme Skepsis, und die sehe ich eigentlich in diesen Filmen nicht mehr, und das fand ich in dem Roman ganz wunderbar, und das war wichtig, das in den Film zu übersetzen und zu retten.

(…) Ja, das ist die Skepsis. Ich meine, es ist auch eine Kritik an Adam. Das habe ich erst sehr spät verstanden. Am Anfang war die Identifikation größer, dann habe ich verstanden, dass es aber auch eine Kritik ist an einem Nischendasein, was sich nicht aufrechterhalten lässt, und Adam hat ein Gespür vielleicht für das Kommende, weil wenn wir über diese Zeit reden, das war ein wichtiger Punkt oder des Interesses am Stoff, zu verstehen, dass natürlich der Sommer ´89 nicht nur das Ende der DDR war, sondern auch eine Zeitenwende, im Grunde auch das Ende der alten Bundesrepublik, und das war in dem Augenblick aber nicht zu wissen.

(Andreas Goldstein im Gespräch mit Patrick Wellinski, deutschlandfunkkultur.de, 08.09.18)

Adam und Evelyn
So 24.03.

Vom Lokführer, der die Liebe suchte… (The Bra), ohne Dialog

Veit Helmer
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Vom Lokführer, der die Liebe suchte… (The Bra)

Deutschland / Aserbaidschan 2018, 90 min, ohne Dialog

Regie: Veit Helmer

Ein Güterzug rollt durch eine weite Graslandschaft, die sich vor den kaukasischen Bergen entlangzieht. Am Steuer: Nurlan, der Lokführer. Tagein, tagaus lenkt er seinen Zug durch einen dicht besiedelten Vorort Bakus, in dem die Schienen so dicht an die Häuser grenzen, dass Nurlan quasi durch die Vorzimmer und Gärten der Bewohner fährt. Auf seinem täglichen Weg passiert er teetrinkende Männer ebenso wie Frauen, die ihre Wäsche in den sanften Wind hängen. Sobald sich der Zug nähert, bläst der kleine Waisenjunge Aziz in eine Pfeife und die Bewohner des Vorortes bringen sich und ihre Habseligkeiten schnell in Sicherheit. Doch das gelingt nicht immer. Nurlan hat schon so einiges von seiner Lokomotive gepflückt: Hühnerfedern, Spielzeugbälle oder auch Bettbezüge. Am letzten Arbeitstag vor der Pensionierung verheddert sich ein besonderes Abschiedsgeschenk an Nurlans Lok: ein traumhaft schöner, blauer Spitzen-BH. Nurlan nimmt ihn nach seiner Schicht kurzerhand mit in sein Heimatdorf in den Bergen. Seine Neugier ist geweckt: Wem nur mag das kleine Stück Stoff gehören? Getrieben von Einsamkeit beschließt Nurlan, die Suche nach der Besitzerin des Büstenhalters aufzunehmen.

VOM LOKFÜHRER, DER DIE LIEBE SUCHTE… ist eine mit viel Feingefühl und unbeschwert erzählte Geschichte von der Suche nach Liebe. Erneut zieht es Regisseur Veit Helmer in die Berglandschaft Aserbaidschans. In seiner meisterhaft phantasievollen Bildsprache wird er seinem Ruf als moderner Märchenerzähler gerecht und inszeniert die Geschichte VOM LOKFÜHRER, DER DIE LIEBE SUCHTE… als atmosphärische Komödie, die ganz ohne Dialoge auskommt und uns gerade dadurch in ihren Bann zieht.

www.vom-lokfuehrer-der-die-liebe-suchte.de

Vom Lokführer, der die Liebe suchte… (The Bra), ohne Dialog
So 24.03.

Twarz – Die Maske, OmdU

Małgorzata Szumowska
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Twarz (Die Maske)                                           

Silberner Bär 2018 – Großer Preis der Jury

Polen 2018, 91 min, polnische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Małgorzata Szumowska

Jacek liebt Heavy Metal, die Spritztouren mit seinem Auto und seinen Hund. Er genießt das Dasein als cooler Außenseiter in einem ansonsten eher spießigen Umfeld. In der Nähe seines Heimatortes an der polnisch-deutschen Grenze soll die größte Jesusstatue der Welt entstehen, und auch Jacek arbeitet auf der Großbaustelle. Doch ein schwerer Arbeitsunfall lässt ihn entstellt zurück. Unter reger Anteilnahme der polnischen Öffentlichkeit wird daraufhin die erste Gesichtstransplantation im Land vollzogen. Jacek wird als Nationalheld und Märtyrer gefeiert, die Jesusstatue wird höher und höher, aber er selbst erkennt sich nicht mehr im Spiegel wieder. Während sein Konterfei zur Maske wird, zeigen die Menschen um ihn herum ihr wahres Gesicht…

“Die Handlung bringt zwei wahre Begebenheiten aus den vergangenen Jahren miteinander in Verbindung, die man als Kuriosa abhaken könnte, würden sie nicht im von Minderwertigkeitskomplexen beseelten Nachwende-Polen als welthistorisch bedeutsame Heldentaten gefeiert: der Bau der weltgrößten Jesus-Statue im Städtchen Świebodzin, die sich wie ein Mahnmal des schlechten Geschmacks von der Landschaft abhebt, und die erste Gesichtstransplantation, die je in Europa gelang. Der junge, ziemlich prollige, langhaarige Metallica-Fan Jacek arbeitet mit am Bau des Christus-Monstrums. Die Großfamilie, aus der er stammt, steht für das derb-slawische Elend, das jeder kennt, der aus dem Osten kommt, und das die Deutschen wegen der zum Ausdruck kommenden Seelentiefe ja so mögen: die Wodka-Abstürze am Küchentisch, restalkoholisierte Kirchenbesuche, hysterisch-fröhliche Xenophobie, der frühzeitige Verfall der Männer, die unerträgliche Religiosität der Mütter, der Schlager- und Heavy-Metal-Kitsch, die Fleischberge zum Abendessen, die Kuschelrock-Liebe der jungen Frauen, die so gut wie nichts anhaben, und so weiter. (…)

Man kann Twarz natürlich vordergründig als Parabel auf die Verlogenheit, den Opportunismus, die Bigotterie der polnischen Provinz interpretieren (und dies auch zu Recht), aber wie immer bei Szumowska erschöpft sich der Film gerade nicht in billiger Gesellschaftskritik, nicht in Opferkult und rechthaberischen Gewissheiten. Dafür sorgt schon ihr Hang zu grotesken, heiteren, auch brutal-burlesken Szenen. Sie gibt damit auch – und vielleicht sogar gerade – jenen, die sich vom Heimkehrer kaltherzig abwenden, ein Gesicht. Der Entstellte war vor seinem Schicksalsschlag doch nie besser als das Dorfvolk, erst als Gefallener wird er zum Homo sacer, zum Verbannten und Heiligen in einem. Die Bildränder haben eine geringe Tiefenschärfe, was dem Film etwas Märchenhaftes gibt. Die Unschärfe ist Programm, stellt die Wahrnehmung auf die Probe, und das ist natürlich völlig plausibel, weil am Ende nicht mehr zu sagen ist, wer in diesem Dorf als Wiederauferstandener gilt: der in den Himmel ragende Beton-Jesus oder der von den Ärzten Zusammengeflickte. Stückwerk sind sie beide, lädierte Heilande, der Zuschauer gerät in die Rolle des ungläubigen Thomas und ist begeistert.” (Adam Soboczynski, DIE ZEIT Nr. 10/2018)

Twarz – Die Maske, OmdU
Mo 25.03.

Twarz – Die Maske, OmdU

Małgorzata Szumowska
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Twarz (Die Maske)                                           

Silberner Bär 2018 – Großer Preis der Jury

Polen 2018, 91 min, polnische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Małgorzata Szumowska

Jacek liebt Heavy Metal, die Spritztouren mit seinem Auto und seinen Hund. Er genießt das Dasein als cooler Außenseiter in einem ansonsten eher spießigen Umfeld. In der Nähe seines Heimatortes an der polnisch-deutschen Grenze soll die größte Jesusstatue der Welt entstehen, und auch Jacek arbeitet auf der Großbaustelle. Doch ein schwerer Arbeitsunfall lässt ihn entstellt zurück. Unter reger Anteilnahme der polnischen Öffentlichkeit wird daraufhin die erste Gesichtstransplantation im Land vollzogen. Jacek wird als Nationalheld und Märtyrer gefeiert, die Jesusstatue wird höher und höher, aber er selbst erkennt sich nicht mehr im Spiegel wieder. Während sein Konterfei zur Maske wird, zeigen die Menschen um ihn herum ihr wahres Gesicht…

“Die Handlung bringt zwei wahre Begebenheiten aus den vergangenen Jahren miteinander in Verbindung, die man als Kuriosa abhaken könnte, würden sie nicht im von Minderwertigkeitskomplexen beseelten Nachwende-Polen als welthistorisch bedeutsame Heldentaten gefeiert: der Bau der weltgrößten Jesus-Statue im Städtchen Świebodzin, die sich wie ein Mahnmal des schlechten Geschmacks von der Landschaft abhebt, und die erste Gesichtstransplantation, die je in Europa gelang. Der junge, ziemlich prollige, langhaarige Metallica-Fan Jacek arbeitet mit am Bau des Christus-Monstrums. Die Großfamilie, aus der er stammt, steht für das derb-slawische Elend, das jeder kennt, der aus dem Osten kommt, und das die Deutschen wegen der zum Ausdruck kommenden Seelentiefe ja so mögen: die Wodka-Abstürze am Küchentisch, restalkoholisierte Kirchenbesuche, hysterisch-fröhliche Xenophobie, der frühzeitige Verfall der Männer, die unerträgliche Religiosität der Mütter, der Schlager- und Heavy-Metal-Kitsch, die Fleischberge zum Abendessen, die Kuschelrock-Liebe der jungen Frauen, die so gut wie nichts anhaben, und so weiter. (…)

Man kann Twarz natürlich vordergründig als Parabel auf die Verlogenheit, den Opportunismus, die Bigotterie der polnischen Provinz interpretieren (und dies auch zu Recht), aber wie immer bei Szumowska erschöpft sich der Film gerade nicht in billiger Gesellschaftskritik, nicht in Opferkult und rechthaberischen Gewissheiten. Dafür sorgt schon ihr Hang zu grotesken, heiteren, auch brutal-burlesken Szenen. Sie gibt damit auch – und vielleicht sogar gerade – jenen, die sich vom Heimkehrer kaltherzig abwenden, ein Gesicht. Der Entstellte war vor seinem Schicksalsschlag doch nie besser als das Dorfvolk, erst als Gefallener wird er zum Homo sacer, zum Verbannten und Heiligen in einem. Die Bildränder haben eine geringe Tiefenschärfe, was dem Film etwas Märchenhaftes gibt. Die Unschärfe ist Programm, stellt die Wahrnehmung auf die Probe, und das ist natürlich völlig plausibel, weil am Ende nicht mehr zu sagen ist, wer in diesem Dorf als Wiederauferstandener gilt: der in den Himmel ragende Beton-Jesus oder der von den Ärzten Zusammengeflickte. Stückwerk sind sie beide, lädierte Heilande, der Zuschauer gerät in die Rolle des ungläubigen Thomas und ist begeistert.” (Adam Soboczynski, DIE ZEIT Nr. 10/2018)

Twarz – Die Maske, OmdU
Mo 25.03.

Vom Lokführer, der die Liebe suchte… (The Bra), ohne Dialog

Veit Helmer
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Vom Lokführer, der die Liebe suchte… (The Bra)

Deutschland / Aserbaidschan 2018, 90 min, ohne Dialog

Regie: Veit Helmer

Ein Güterzug rollt durch eine weite Graslandschaft, die sich vor den kaukasischen Bergen entlangzieht. Am Steuer: Nurlan, der Lokführer. Tagein, tagaus lenkt er seinen Zug durch einen dicht besiedelten Vorort Bakus, in dem die Schienen so dicht an die Häuser grenzen, dass Nurlan quasi durch die Vorzimmer und Gärten der Bewohner fährt. Auf seinem täglichen Weg passiert er teetrinkende Männer ebenso wie Frauen, die ihre Wäsche in den sanften Wind hängen. Sobald sich der Zug nähert, bläst der kleine Waisenjunge Aziz in eine Pfeife und die Bewohner des Vorortes bringen sich und ihre Habseligkeiten schnell in Sicherheit. Doch das gelingt nicht immer. Nurlan hat schon so einiges von seiner Lokomotive gepflückt: Hühnerfedern, Spielzeugbälle oder auch Bettbezüge. Am letzten Arbeitstag vor der Pensionierung verheddert sich ein besonderes Abschiedsgeschenk an Nurlans Lok: ein traumhaft schöner, blauer Spitzen-BH. Nurlan nimmt ihn nach seiner Schicht kurzerhand mit in sein Heimatdorf in den Bergen. Seine Neugier ist geweckt: Wem nur mag das kleine Stück Stoff gehören? Getrieben von Einsamkeit beschließt Nurlan, die Suche nach der Besitzerin des Büstenhalters aufzunehmen.

VOM LOKFÜHRER, DER DIE LIEBE SUCHTE… ist eine mit viel Feingefühl und unbeschwert erzählte Geschichte von der Suche nach Liebe. Erneut zieht es Regisseur Veit Helmer in die Berglandschaft Aserbaidschans. In seiner meisterhaft phantasievollen Bildsprache wird er seinem Ruf als moderner Märchenerzähler gerecht und inszeniert die Geschichte VOM LOKFÜHRER, DER DIE LIEBE SUCHTE… als atmosphärische Komödie, die ganz ohne Dialoge auskommt und uns gerade dadurch in ihren Bann zieht.

www.vom-lokfuehrer-der-die-liebe-suchte.de

Vom Lokführer, der die Liebe suchte… (The Bra), ohne Dialog
Di 26.03.

Vom Lokführer, der die Liebe suchte… (The Bra), ohne Dialog

Veit Helmer
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Vom Lokführer, der die Liebe suchte… (The Bra)

Deutschland / Aserbaidschan 2018, 90 min, ohne Dialog

Regie: Veit Helmer

Ein Güterzug rollt durch eine weite Graslandschaft, die sich vor den kaukasischen Bergen entlangzieht. Am Steuer: Nurlan, der Lokführer. Tagein, tagaus lenkt er seinen Zug durch einen dicht besiedelten Vorort Bakus, in dem die Schienen so dicht an die Häuser grenzen, dass Nurlan quasi durch die Vorzimmer und Gärten der Bewohner fährt. Auf seinem täglichen Weg passiert er teetrinkende Männer ebenso wie Frauen, die ihre Wäsche in den sanften Wind hängen. Sobald sich der Zug nähert, bläst der kleine Waisenjunge Aziz in eine Pfeife und die Bewohner des Vorortes bringen sich und ihre Habseligkeiten schnell in Sicherheit. Doch das gelingt nicht immer. Nurlan hat schon so einiges von seiner Lokomotive gepflückt: Hühnerfedern, Spielzeugbälle oder auch Bettbezüge. Am letzten Arbeitstag vor der Pensionierung verheddert sich ein besonderes Abschiedsgeschenk an Nurlans Lok: ein traumhaft schöner, blauer Spitzen-BH. Nurlan nimmt ihn nach seiner Schicht kurzerhand mit in sein Heimatdorf in den Bergen. Seine Neugier ist geweckt: Wem nur mag das kleine Stück Stoff gehören? Getrieben von Einsamkeit beschließt Nurlan, die Suche nach der Besitzerin des Büstenhalters aufzunehmen.

VOM LOKFÜHRER, DER DIE LIEBE SUCHTE… ist eine mit viel Feingefühl und unbeschwert erzählte Geschichte von der Suche nach Liebe. Erneut zieht es Regisseur Veit Helmer in die Berglandschaft Aserbaidschans. In seiner meisterhaft phantasievollen Bildsprache wird er seinem Ruf als moderner Märchenerzähler gerecht und inszeniert die Geschichte VOM LOKFÜHRER, DER DIE LIEBE SUCHTE… als atmosphärische Komödie, die ganz ohne Dialoge auskommt und uns gerade dadurch in ihren Bann zieht.

www.vom-lokfuehrer-der-die-liebe-suchte.de

Vom Lokführer, der die Liebe suchte… (The Bra), ohne Dialog
Di 26.03.

Ostře sledované vlaky (Scharf beobachtete Züge / Liebe nach Fahrplan), OmdU

Jiří Menzel
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Ostře sledované vlaky (Scharf beobachtete Züge / Liebe nach Fahrplan)

CSSR 1966, 93 min, OmdU

Regie: Jiří Menzel

Die Geschichte spielt in einer winzigen, verträumten Bahnstation irgendwo in Böhmen in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs. Gemeinsam mit dem Stationsvorsteher, der Kaninchen und Tauben züchtet, und dem Fahrdienstleiter Hubička, der nichts als Frauen im Sinn hat, versieht hier der Hrma als Bahnamtsanwärter seinen recht gemütlichen Dienst. Hrma ist noch sehr unbeholfen und schüchtern. Jede Frau bringt ihn in große Verlegenheit. Deshalb bewundert er das selbstsichere Auftreten von Hubička. Als der Junge von der Schaffnerin Máša zu einem Onkel mitgenommen wird und mit ihr dort gemeinsam die Nacht verbringen soll, versagt er völlig. Nach einem Selbstmordversuch und psychiatrischer Behandlung findet Hrma langsam zu sich selbst. Ein Schäferstündchen mit einer Widerstandskämpferin stärkt so sehr sein Selbstbewusstsein, dass er einen deutschen Munitionszug in die Luft sprengt, wobei er ums Leben kommt. (trigon-film)

„Die nationalsozialistische Besatzungsmacht durchkreuzt den idyllisch abgelegenen Bahnhof in Form ‚scharf beobachteter Züge‘, die Munition transportieren. Umgeben von einem taubenliebenden Bahnvorsteher, einem erotomanen Signalgeber und einem müßiggängerischen Wächter versucht der neue Bahnlehrling Miloš verzweifelt, seine Jungfräulichkeit zu verlieren. Erst die Widerstandskämpferin Viktoria Freie macht Miloš zum Mann. Miloš‘ mit allgegenwärtiger Sinnlichkeit und offener Lüsternheit gespickte ‚éducation sentimentale‘ explodiert dabei regelrecht in einem Akt heldenhafter Kriegssabotage. Knapp 30-jährig erhält Jiří Menzel für sein Debüt 1968 den Oscar. Newsweek verneigt sich vor Menzels ‚Geschmack, Phantasie, Einfachheit und Zartheit‘, die ‚die meisten amerikanischen Regisseure zutiefst beschämen sollte‘, während der bundesdeutsche Filmdienst 1968 entsetzt ist ob des ‚derben, mit schwüler Erotik vollgestopften Volksschwanks‘.“ (Zeughauskino)

Ostře sledované vlaky (Scharf beobachtete Züge / Liebe nach Fahrplan), OmdU
Di 26.03.

Twarz – Die Maske, OmdU

Małgorzata Szumowska
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Twarz (Die Maske)                                           

Silberner Bär 2018 – Großer Preis der Jury

Polen 2018, 91 min, polnische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Małgorzata Szumowska

Jacek liebt Heavy Metal, die Spritztouren mit seinem Auto und seinen Hund. Er genießt das Dasein als cooler Außenseiter in einem ansonsten eher spießigen Umfeld. In der Nähe seines Heimatortes an der polnisch-deutschen Grenze soll die größte Jesusstatue der Welt entstehen, und auch Jacek arbeitet auf der Großbaustelle. Doch ein schwerer Arbeitsunfall lässt ihn entstellt zurück. Unter reger Anteilnahme der polnischen Öffentlichkeit wird daraufhin die erste Gesichtstransplantation im Land vollzogen. Jacek wird als Nationalheld und Märtyrer gefeiert, die Jesusstatue wird höher und höher, aber er selbst erkennt sich nicht mehr im Spiegel wieder. Während sein Konterfei zur Maske wird, zeigen die Menschen um ihn herum ihr wahres Gesicht…

“Die Handlung bringt zwei wahre Begebenheiten aus den vergangenen Jahren miteinander in Verbindung, die man als Kuriosa abhaken könnte, würden sie nicht im von Minderwertigkeitskomplexen beseelten Nachwende-Polen als welthistorisch bedeutsame Heldentaten gefeiert: der Bau der weltgrößten Jesus-Statue im Städtchen Świebodzin, die sich wie ein Mahnmal des schlechten Geschmacks von der Landschaft abhebt, und die erste Gesichtstransplantation, die je in Europa gelang. Der junge, ziemlich prollige, langhaarige Metallica-Fan Jacek arbeitet mit am Bau des Christus-Monstrums. Die Großfamilie, aus der er stammt, steht für das derb-slawische Elend, das jeder kennt, der aus dem Osten kommt, und das die Deutschen wegen der zum Ausdruck kommenden Seelentiefe ja so mögen: die Wodka-Abstürze am Küchentisch, restalkoholisierte Kirchenbesuche, hysterisch-fröhliche Xenophobie, der frühzeitige Verfall der Männer, die unerträgliche Religiosität der Mütter, der Schlager- und Heavy-Metal-Kitsch, die Fleischberge zum Abendessen, die Kuschelrock-Liebe der jungen Frauen, die so gut wie nichts anhaben, und so weiter. (…)

Man kann Twarz natürlich vordergründig als Parabel auf die Verlogenheit, den Opportunismus, die Bigotterie der polnischen Provinz interpretieren (und dies auch zu Recht), aber wie immer bei Szumowska erschöpft sich der Film gerade nicht in billiger Gesellschaftskritik, nicht in Opferkult und rechthaberischen Gewissheiten. Dafür sorgt schon ihr Hang zu grotesken, heiteren, auch brutal-burlesken Szenen. Sie gibt damit auch – und vielleicht sogar gerade – jenen, die sich vom Heimkehrer kaltherzig abwenden, ein Gesicht. Der Entstellte war vor seinem Schicksalsschlag doch nie besser als das Dorfvolk, erst als Gefallener wird er zum Homo sacer, zum Verbannten und Heiligen in einem. Die Bildränder haben eine geringe Tiefenschärfe, was dem Film etwas Märchenhaftes gibt. Die Unschärfe ist Programm, stellt die Wahrnehmung auf die Probe, und das ist natürlich völlig plausibel, weil am Ende nicht mehr zu sagen ist, wer in diesem Dorf als Wiederauferstandener gilt: der in den Himmel ragende Beton-Jesus oder der von den Ärzten Zusammengeflickte. Stückwerk sind sie beide, lädierte Heilande, der Zuschauer gerät in die Rolle des ungläubigen Thomas und ist begeistert.” (Adam Soboczynski, DIE ZEIT Nr. 10/2018)

Twarz – Die Maske, OmdU
Mi 27.03.

Vom Lokführer, der die Liebe suchte… (The Bra), ohne Dialog

Veit Helmer
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Vom Lokführer, der die Liebe suchte… (The Bra)

Deutschland / Aserbaidschan 2018, 90 min, ohne Dialog

Regie: Veit Helmer

Ein Güterzug rollt durch eine weite Graslandschaft, die sich vor den kaukasischen Bergen entlangzieht. Am Steuer: Nurlan, der Lokführer. Tagein, tagaus lenkt er seinen Zug durch einen dicht besiedelten Vorort Bakus, in dem die Schienen so dicht an die Häuser grenzen, dass Nurlan quasi durch die Vorzimmer und Gärten der Bewohner fährt. Auf seinem täglichen Weg passiert er teetrinkende Männer ebenso wie Frauen, die ihre Wäsche in den sanften Wind hängen. Sobald sich der Zug nähert, bläst der kleine Waisenjunge Aziz in eine Pfeife und die Bewohner des Vorortes bringen sich und ihre Habseligkeiten schnell in Sicherheit. Doch das gelingt nicht immer. Nurlan hat schon so einiges von seiner Lokomotive gepflückt: Hühnerfedern, Spielzeugbälle oder auch Bettbezüge. Am letzten Arbeitstag vor der Pensionierung verheddert sich ein besonderes Abschiedsgeschenk an Nurlans Lok: ein traumhaft schöner, blauer Spitzen-BH. Nurlan nimmt ihn nach seiner Schicht kurzerhand mit in sein Heimatdorf in den Bergen. Seine Neugier ist geweckt: Wem nur mag das kleine Stück Stoff gehören? Getrieben von Einsamkeit beschließt Nurlan, die Suche nach der Besitzerin des Büstenhalters aufzunehmen.

VOM LOKFÜHRER, DER DIE LIEBE SUCHTE… ist eine mit viel Feingefühl und unbeschwert erzählte Geschichte von der Suche nach Liebe. Erneut zieht es Regisseur Veit Helmer in die Berglandschaft Aserbaidschans. In seiner meisterhaft phantasievollen Bildsprache wird er seinem Ruf als moderner Märchenerzähler gerecht und inszeniert die Geschichte VOM LOKFÜHRER, DER DIE LIEBE SUCHTE… als atmosphärische Komödie, die ganz ohne Dialoge auskommt und uns gerade dadurch in ihren Bann zieht.

www.vom-lokfuehrer-der-die-liebe-suchte.de

Vom Lokführer, der die Liebe suchte… (The Bra), ohne Dialog
Mi 27.03.

Twarz – Die Maske, OmdU

Małgorzata Szumowska
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Twarz (Die Maske)                                           

Silberner Bär 2018 – Großer Preis der Jury

Polen 2018, 91 min, polnische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Małgorzata Szumowska

Jacek liebt Heavy Metal, die Spritztouren mit seinem Auto und seinen Hund. Er genießt das Dasein als cooler Außenseiter in einem ansonsten eher spießigen Umfeld. In der Nähe seines Heimatortes an der polnisch-deutschen Grenze soll die größte Jesusstatue der Welt entstehen, und auch Jacek arbeitet auf der Großbaustelle. Doch ein schwerer Arbeitsunfall lässt ihn entstellt zurück. Unter reger Anteilnahme der polnischen Öffentlichkeit wird daraufhin die erste Gesichtstransplantation im Land vollzogen. Jacek wird als Nationalheld und Märtyrer gefeiert, die Jesusstatue wird höher und höher, aber er selbst erkennt sich nicht mehr im Spiegel wieder. Während sein Konterfei zur Maske wird, zeigen die Menschen um ihn herum ihr wahres Gesicht…

“Die Handlung bringt zwei wahre Begebenheiten aus den vergangenen Jahren miteinander in Verbindung, die man als Kuriosa abhaken könnte, würden sie nicht im von Minderwertigkeitskomplexen beseelten Nachwende-Polen als welthistorisch bedeutsame Heldentaten gefeiert: der Bau der weltgrößten Jesus-Statue im Städtchen Świebodzin, die sich wie ein Mahnmal des schlechten Geschmacks von der Landschaft abhebt, und die erste Gesichtstransplantation, die je in Europa gelang. Der junge, ziemlich prollige, langhaarige Metallica-Fan Jacek arbeitet mit am Bau des Christus-Monstrums. Die Großfamilie, aus der er stammt, steht für das derb-slawische Elend, das jeder kennt, der aus dem Osten kommt, und das die Deutschen wegen der zum Ausdruck kommenden Seelentiefe ja so mögen: die Wodka-Abstürze am Küchentisch, restalkoholisierte Kirchenbesuche, hysterisch-fröhliche Xenophobie, der frühzeitige Verfall der Männer, die unerträgliche Religiosität der Mütter, der Schlager- und Heavy-Metal-Kitsch, die Fleischberge zum Abendessen, die Kuschelrock-Liebe der jungen Frauen, die so gut wie nichts anhaben, und so weiter. (…)

Man kann Twarz natürlich vordergründig als Parabel auf die Verlogenheit, den Opportunismus, die Bigotterie der polnischen Provinz interpretieren (und dies auch zu Recht), aber wie immer bei Szumowska erschöpft sich der Film gerade nicht in billiger Gesellschaftskritik, nicht in Opferkult und rechthaberischen Gewissheiten. Dafür sorgt schon ihr Hang zu grotesken, heiteren, auch brutal-burlesken Szenen. Sie gibt damit auch – und vielleicht sogar gerade – jenen, die sich vom Heimkehrer kaltherzig abwenden, ein Gesicht. Der Entstellte war vor seinem Schicksalsschlag doch nie besser als das Dorfvolk, erst als Gefallener wird er zum Homo sacer, zum Verbannten und Heiligen in einem. Die Bildränder haben eine geringe Tiefenschärfe, was dem Film etwas Märchenhaftes gibt. Die Unschärfe ist Programm, stellt die Wahrnehmung auf die Probe, und das ist natürlich völlig plausibel, weil am Ende nicht mehr zu sagen ist, wer in diesem Dorf als Wiederauferstandener gilt: der in den Himmel ragende Beton-Jesus oder der von den Ärzten Zusammengeflickte. Stückwerk sind sie beide, lädierte Heilande, der Zuschauer gerät in die Rolle des ungläubigen Thomas und ist begeistert.” (Adam Soboczynski, DIE ZEIT Nr. 10/2018)

Twarz – Die Maske, OmdU
Mi 27.03.

Adam und Evelyn

Andreas Goldstein
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Adam und Evelyn

D 2018, 95 min

Regie: Andreas Goldstein

ADAM UND EVELYN erzählt die Geschichte eines Paares von August bis Winter 1989. Sie beginnt in der ostdeutschen Provinz. Weil Adam Evelyn betrügt, reist Evelyn ohne ihn in den Urlaub nach Ungarn. Adam reist hinterher. Als Ungarn die Grenzen nach Österreich öffnet, will Evelyn über die Grenze. Adam landet wider Willen im Westen.

„(…) was ich und wir nicht wollten, war eine Dramatisierung. Also was ich in Filmen sehe über die Geschichte, ist, dass im Grunde Historisches dramatisiert wird. Das entspricht aber nicht meiner historischen Erfahrung, weil die Leute ihr Leben leben, und dahinter bewegen sich die Dinge, und da bewegt sich die Geschichte, und das ist nicht deckungsgleich.

Was mir eben an dem Roman so gut gefallen hat, das Lakonische der Figuren, die ganz unaufgeregt und mit viel mehr Zweifeln und großer Skepsis. Was übrigens ein Charakteristikum der DDR-Leute war, was man heute völlig vergisst, ist eigentlich eine extreme Skepsis, und die sehe ich eigentlich in diesen Filmen nicht mehr, und das fand ich in dem Roman ganz wunderbar, und das war wichtig, das in den Film zu übersetzen und zu retten.

(…) Ja, das ist die Skepsis. Ich meine, es ist auch eine Kritik an Adam. Das habe ich erst sehr spät verstanden. Am Anfang war die Identifikation größer, dann habe ich verstanden, dass es aber auch eine Kritik ist an einem Nischendasein, was sich nicht aufrechterhalten lässt, und Adam hat ein Gespür vielleicht für das Kommende, weil wenn wir über diese Zeit reden, das war ein wichtiger Punkt oder des Interesses am Stoff, zu verstehen, dass natürlich der Sommer ´89 nicht nur das Ende der DDR war, sondern auch eine Zeitenwende, im Grunde auch das Ende der alten Bundesrepublik, und das war in dem Augenblick aber nicht zu wissen.

(Andreas Goldstein im Gespräch mit Patrick Wellinski, deutschlandfunkkultur.de, 08.09.18)

Adam und Evelyn
Do 28.03.

Twarz – Die Maske, OmdU

Małgorzata Szumowska
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Twarz (Die Maske)                                           

Silberner Bär 2018 – Großer Preis der Jury

Polen 2018, 91 min, polnische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Małgorzata Szumowska

Jacek liebt Heavy Metal, die Spritztouren mit seinem Auto und seinen Hund. Er genießt das Dasein als cooler Außenseiter in einem ansonsten eher spießigen Umfeld. In der Nähe seines Heimatortes an der polnisch-deutschen Grenze soll die größte Jesusstatue der Welt entstehen, und auch Jacek arbeitet auf der Großbaustelle. Doch ein schwerer Arbeitsunfall lässt ihn entstellt zurück. Unter reger Anteilnahme der polnischen Öffentlichkeit wird daraufhin die erste Gesichtstransplantation im Land vollzogen. Jacek wird als Nationalheld und Märtyrer gefeiert, die Jesusstatue wird höher und höher, aber er selbst erkennt sich nicht mehr im Spiegel wieder. Während sein Konterfei zur Maske wird, zeigen die Menschen um ihn herum ihr wahres Gesicht…

“Die Handlung bringt zwei wahre Begebenheiten aus den vergangenen Jahren miteinander in Verbindung, die man als Kuriosa abhaken könnte, würden sie nicht im von Minderwertigkeitskomplexen beseelten Nachwende-Polen als welthistorisch bedeutsame Heldentaten gefeiert: der Bau der weltgrößten Jesus-Statue im Städtchen Świebodzin, die sich wie ein Mahnmal des schlechten Geschmacks von der Landschaft abhebt, und die erste Gesichtstransplantation, die je in Europa gelang. Der junge, ziemlich prollige, langhaarige Metallica-Fan Jacek arbeitet mit am Bau des Christus-Monstrums. Die Großfamilie, aus der er stammt, steht für das derb-slawische Elend, das jeder kennt, der aus dem Osten kommt, und das die Deutschen wegen der zum Ausdruck kommenden Seelentiefe ja so mögen: die Wodka-Abstürze am Küchentisch, restalkoholisierte Kirchenbesuche, hysterisch-fröhliche Xenophobie, der frühzeitige Verfall der Männer, die unerträgliche Religiosität der Mütter, der Schlager- und Heavy-Metal-Kitsch, die Fleischberge zum Abendessen, die Kuschelrock-Liebe der jungen Frauen, die so gut wie nichts anhaben, und so weiter. (…)

Man kann Twarz natürlich vordergründig als Parabel auf die Verlogenheit, den Opportunismus, die Bigotterie der polnischen Provinz interpretieren (und dies auch zu Recht), aber wie immer bei Szumowska erschöpft sich der Film gerade nicht in billiger Gesellschaftskritik, nicht in Opferkult und rechthaberischen Gewissheiten. Dafür sorgt schon ihr Hang zu grotesken, heiteren, auch brutal-burlesken Szenen. Sie gibt damit auch – und vielleicht sogar gerade – jenen, die sich vom Heimkehrer kaltherzig abwenden, ein Gesicht. Der Entstellte war vor seinem Schicksalsschlag doch nie besser als das Dorfvolk, erst als Gefallener wird er zum Homo sacer, zum Verbannten und Heiligen in einem. Die Bildränder haben eine geringe Tiefenschärfe, was dem Film etwas Märchenhaftes gibt. Die Unschärfe ist Programm, stellt die Wahrnehmung auf die Probe, und das ist natürlich völlig plausibel, weil am Ende nicht mehr zu sagen ist, wer in diesem Dorf als Wiederauferstandener gilt: der in den Himmel ragende Beton-Jesus oder der von den Ärzten Zusammengeflickte. Stückwerk sind sie beide, lädierte Heilande, der Zuschauer gerät in die Rolle des ungläubigen Thomas und ist begeistert.” (Adam Soboczynski, DIE ZEIT Nr. 10/2018)

Twarz – Die Maske, OmdU
Do 28.03.

Spreeland. Fontane – Premiere in Anwesenheit des Regisseurs. Vorbestellung empfohlen!

Bernhard Sallmann
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Spreeland. Fontane

D 2018, 79 min

Regie: Bernhard Sallmann

Trotz oder wegen allen Rummels zum Fontanejahr, ein Schriftsteller lässt sich weiter nur durch die Beschäftigung mit seinem OEuvre entdecken. Für SPREELAND FONTANE wählte Bernhard Sallmann zeitgenössische märkische Landschaften und Töne als Echoraum für die sorgsam ausgewählten Texte des Autors. Sein Film ist anregende Herausforderung zur Auseinandersetzung mit Fontane und der Welt damals und heute.

Spreeland. Fontane – Premiere in Anwesenheit des Regisseurs. Vorbestellung empfohlen!
Fr 29.03.

Zimna wojna – Cold War. Der Breitengrad der Liebe, OmdU

Pawel Pawlikowski
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Zimna wojna (Cold War – Der Breitengrad der Liebe)

PL/ GB/ F 2018, 89 min, OmdU

Regie: Paweł Pawlikowski

Während des polnischen Wiederaufbaus ist der begabte Komponist Wiktor auf der Suche nach traditionellen Melodien für ein neues Tanz- und Musik-Ensemble. Unter seinen Studentinnen ist auch die Sängerin Zula. Schön, hinreißend und energiegeladen ist Zula schon bald der Mittelpunkt des Ensembles und die beiden verlieben sich ineinander. Ihre brennende Leidenschaft scheint keine Grenzen zu kennen. Doch als das Repertoire des Ensembles zunehmend politisiert wird, nutzt Wiktor einen Auftritt in Ostberlin, um in den Westen zu fliehen. Zula bleibt der verabredeten Flucht fern und doch führt das Schicksal die beiden Liebenden Jahre später erneut zueinander. (Neue Visionen)

„Von Ort zu Ort werden die Liebenden getrieben und von einer Klangwelt in die nächste. Aber weder Volksmusik noch Jazz, weder Chanson noch Rock ’n‘ Roll werden zur Heimat. COLD WAR ist auch eine Studie des Exils, in dem Wiktor zur Mittelmäßigkeit schrumpft und Zula ihre Liebe fast verliert. Das alles ist verführerisch schön, in erlesen komponierten, sehr coolen Schwarz-Weiß-Bildern fotografiert, die COLD WAR schon jetzt wie einen Klassiker wirken lassen.“ (Martina Knoben, SZ 22.11.18)

Zimna wojna – Cold War. Der Breitengrad der Liebe, OmdU
Fr 29.03.

Vom Lokführer, der die Liebe suchte… (The Bra), ohne Dialog

Veit Helmer
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Vom Lokführer, der die Liebe suchte… (The Bra)

Deutschland / Aserbaidschan 2018, 90 min, ohne Dialog

Regie: Veit Helmer

Ein Güterzug rollt durch eine weite Graslandschaft, die sich vor den kaukasischen Bergen entlangzieht. Am Steuer: Nurlan, der Lokführer. Tagein, tagaus lenkt er seinen Zug durch einen dicht besiedelten Vorort Bakus, in dem die Schienen so dicht an die Häuser grenzen, dass Nurlan quasi durch die Vorzimmer und Gärten der Bewohner fährt. Auf seinem täglichen Weg passiert er teetrinkende Männer ebenso wie Frauen, die ihre Wäsche in den sanften Wind hängen. Sobald sich der Zug nähert, bläst der kleine Waisenjunge Aziz in eine Pfeife und die Bewohner des Vorortes bringen sich und ihre Habseligkeiten schnell in Sicherheit. Doch das gelingt nicht immer. Nurlan hat schon so einiges von seiner Lokomotive gepflückt: Hühnerfedern, Spielzeugbälle oder auch Bettbezüge. Am letzten Arbeitstag vor der Pensionierung verheddert sich ein besonderes Abschiedsgeschenk an Nurlans Lok: ein traumhaft schöner, blauer Spitzen-BH. Nurlan nimmt ihn nach seiner Schicht kurzerhand mit in sein Heimatdorf in den Bergen. Seine Neugier ist geweckt: Wem nur mag das kleine Stück Stoff gehören? Getrieben von Einsamkeit beschließt Nurlan, die Suche nach der Besitzerin des Büstenhalters aufzunehmen.

VOM LOKFÜHRER, DER DIE LIEBE SUCHTE… ist eine mit viel Feingefühl und unbeschwert erzählte Geschichte von der Suche nach Liebe. Erneut zieht es Regisseur Veit Helmer in die Berglandschaft Aserbaidschans. In seiner meisterhaft phantasievollen Bildsprache wird er seinem Ruf als moderner Märchenerzähler gerecht und inszeniert die Geschichte VOM LOKFÜHRER, DER DIE LIEBE SUCHTE… als atmosphärische Komödie, die ganz ohne Dialoge auskommt und uns gerade dadurch in ihren Bann zieht.

www.vom-lokfuehrer-der-die-liebe-suchte.de

Vom Lokführer, der die Liebe suchte… (The Bra), ohne Dialog
Fr 29.03.

Spreeland. Fontane

Bernhard Sallmann
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Spreeland. Fontane

D 2018, 79 min

Regie: Bernhard Sallmann

Trotz oder wegen allen Rummels zum Fontanejahr, ein Schriftsteller lässt sich weiter nur durch die Beschäftigung mit seinem OEuvre entdecken. Für SPREELAND FONTANE wählte Bernhard Sallmann zeitgenössische märkische Landschaften und Töne als Echoraum für die sorgsam ausgewählten Texte des Autors. Sein Film ist anregende Herausforderung zur Auseinandersetzung mit Fontane und der Welt damals und heute.

Spreeland. Fontane
Fr 29.03.

Twarz – Die Maske, OmdU

Małgorzata Szumowska
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Twarz (Die Maske)                                           

Silberner Bär 2018 – Großer Preis der Jury

Polen 2018, 91 min, polnische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Małgorzata Szumowska

Jacek liebt Heavy Metal, die Spritztouren mit seinem Auto und seinen Hund. Er genießt das Dasein als cooler Außenseiter in einem ansonsten eher spießigen Umfeld. In der Nähe seines Heimatortes an der polnisch-deutschen Grenze soll die größte Jesusstatue der Welt entstehen, und auch Jacek arbeitet auf der Großbaustelle. Doch ein schwerer Arbeitsunfall lässt ihn entstellt zurück. Unter reger Anteilnahme der polnischen Öffentlichkeit wird daraufhin die erste Gesichtstransplantation im Land vollzogen. Jacek wird als Nationalheld und Märtyrer gefeiert, die Jesusstatue wird höher und höher, aber er selbst erkennt sich nicht mehr im Spiegel wieder. Während sein Konterfei zur Maske wird, zeigen die Menschen um ihn herum ihr wahres Gesicht…

“Die Handlung bringt zwei wahre Begebenheiten aus den vergangenen Jahren miteinander in Verbindung, die man als Kuriosa abhaken könnte, würden sie nicht im von Minderwertigkeitskomplexen beseelten Nachwende-Polen als welthistorisch bedeutsame Heldentaten gefeiert: der Bau der weltgrößten Jesus-Statue im Städtchen Świebodzin, die sich wie ein Mahnmal des schlechten Geschmacks von der Landschaft abhebt, und die erste Gesichtstransplantation, die je in Europa gelang. Der junge, ziemlich prollige, langhaarige Metallica-Fan Jacek arbeitet mit am Bau des Christus-Monstrums. Die Großfamilie, aus der er stammt, steht für das derb-slawische Elend, das jeder kennt, der aus dem Osten kommt, und das die Deutschen wegen der zum Ausdruck kommenden Seelentiefe ja so mögen: die Wodka-Abstürze am Küchentisch, restalkoholisierte Kirchenbesuche, hysterisch-fröhliche Xenophobie, der frühzeitige Verfall der Männer, die unerträgliche Religiosität der Mütter, der Schlager- und Heavy-Metal-Kitsch, die Fleischberge zum Abendessen, die Kuschelrock-Liebe der jungen Frauen, die so gut wie nichts anhaben, und so weiter. (…)

Man kann Twarz natürlich vordergründig als Parabel auf die Verlogenheit, den Opportunismus, die Bigotterie der polnischen Provinz interpretieren (und dies auch zu Recht), aber wie immer bei Szumowska erschöpft sich der Film gerade nicht in billiger Gesellschaftskritik, nicht in Opferkult und rechthaberischen Gewissheiten. Dafür sorgt schon ihr Hang zu grotesken, heiteren, auch brutal-burlesken Szenen. Sie gibt damit auch – und vielleicht sogar gerade – jenen, die sich vom Heimkehrer kaltherzig abwenden, ein Gesicht. Der Entstellte war vor seinem Schicksalsschlag doch nie besser als das Dorfvolk, erst als Gefallener wird er zum Homo sacer, zum Verbannten und Heiligen in einem. Die Bildränder haben eine geringe Tiefenschärfe, was dem Film etwas Märchenhaftes gibt. Die Unschärfe ist Programm, stellt die Wahrnehmung auf die Probe, und das ist natürlich völlig plausibel, weil am Ende nicht mehr zu sagen ist, wer in diesem Dorf als Wiederauferstandener gilt: der in den Himmel ragende Beton-Jesus oder der von den Ärzten Zusammengeflickte. Stückwerk sind sie beide, lädierte Heilande, der Zuschauer gerät in die Rolle des ungläubigen Thomas und ist begeistert.” (Adam Soboczynski, DIE ZEIT Nr. 10/2018)

Twarz – Die Maske, OmdU
Sa 30.03.

Zimna wojna – Cold War. Der Breitengrad der Liebe, OmdU

Pawel Pawlikowski
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Zimna wojna (Cold War – Der Breitengrad der Liebe)

PL/ GB/ F 2018, 89 min, OmdU

Regie: Paweł Pawlikowski

Während des polnischen Wiederaufbaus ist der begabte Komponist Wiktor auf der Suche nach traditionellen Melodien für ein neues Tanz- und Musik-Ensemble. Unter seinen Studentinnen ist auch die Sängerin Zula. Schön, hinreißend und energiegeladen ist Zula schon bald der Mittelpunkt des Ensembles und die beiden verlieben sich ineinander. Ihre brennende Leidenschaft scheint keine Grenzen zu kennen. Doch als das Repertoire des Ensembles zunehmend politisiert wird, nutzt Wiktor einen Auftritt in Ostberlin, um in den Westen zu fliehen. Zula bleibt der verabredeten Flucht fern und doch führt das Schicksal die beiden Liebenden Jahre später erneut zueinander. (Neue Visionen)

„Von Ort zu Ort werden die Liebenden getrieben und von einer Klangwelt in die nächste. Aber weder Volksmusik noch Jazz, weder Chanson noch Rock ’n‘ Roll werden zur Heimat. COLD WAR ist auch eine Studie des Exils, in dem Wiktor zur Mittelmäßigkeit schrumpft und Zula ihre Liebe fast verliert. Das alles ist verführerisch schön, in erlesen komponierten, sehr coolen Schwarz-Weiß-Bildern fotografiert, die COLD WAR schon jetzt wie einen Klassiker wirken lassen.“ (Martina Knoben, SZ 22.11.18)

Zimna wojna – Cold War. Der Breitengrad der Liebe, OmdU
Sa 30.03.

Vom Lokführer, der die Liebe suchte… (The Bra), ohne Dialog

Veit Helmer
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Vom Lokführer, der die Liebe suchte… (The Bra)

Deutschland / Aserbaidschan 2018, 90 min, ohne Dialog

Regie: Veit Helmer

Ein Güterzug rollt durch eine weite Graslandschaft, die sich vor den kaukasischen Bergen entlangzieht. Am Steuer: Nurlan, der Lokführer. Tagein, tagaus lenkt er seinen Zug durch einen dicht besiedelten Vorort Bakus, in dem die Schienen so dicht an die Häuser grenzen, dass Nurlan quasi durch die Vorzimmer und Gärten der Bewohner fährt. Auf seinem täglichen Weg passiert er teetrinkende Männer ebenso wie Frauen, die ihre Wäsche in den sanften Wind hängen. Sobald sich der Zug nähert, bläst der kleine Waisenjunge Aziz in eine Pfeife und die Bewohner des Vorortes bringen sich und ihre Habseligkeiten schnell in Sicherheit. Doch das gelingt nicht immer. Nurlan hat schon so einiges von seiner Lokomotive gepflückt: Hühnerfedern, Spielzeugbälle oder auch Bettbezüge. Am letzten Arbeitstag vor der Pensionierung verheddert sich ein besonderes Abschiedsgeschenk an Nurlans Lok: ein traumhaft schöner, blauer Spitzen-BH. Nurlan nimmt ihn nach seiner Schicht kurzerhand mit in sein Heimatdorf in den Bergen. Seine Neugier ist geweckt: Wem nur mag das kleine Stück Stoff gehören? Getrieben von Einsamkeit beschließt Nurlan, die Suche nach der Besitzerin des Büstenhalters aufzunehmen.

VOM LOKFÜHRER, DER DIE LIEBE SUCHTE… ist eine mit viel Feingefühl und unbeschwert erzählte Geschichte von der Suche nach Liebe. Erneut zieht es Regisseur Veit Helmer in die Berglandschaft Aserbaidschans. In seiner meisterhaft phantasievollen Bildsprache wird er seinem Ruf als moderner Märchenerzähler gerecht und inszeniert die Geschichte VOM LOKFÜHRER, DER DIE LIEBE SUCHTE… als atmosphärische Komödie, die ganz ohne Dialoge auskommt und uns gerade dadurch in ihren Bann zieht.

www.vom-lokfuehrer-der-die-liebe-suchte.de

Vom Lokführer, der die Liebe suchte… (The Bra), ohne Dialog
Sa 30.03.

Spreeland. Fontane

Bernhard Sallmann
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Spreeland. Fontane

D 2018, 79 min

Regie: Bernhard Sallmann

Trotz oder wegen allen Rummels zum Fontanejahr, ein Schriftsteller lässt sich weiter nur durch die Beschäftigung mit seinem OEuvre entdecken. Für SPREELAND FONTANE wählte Bernhard Sallmann zeitgenössische märkische Landschaften und Töne als Echoraum für die sorgsam ausgewählten Texte des Autors. Sein Film ist anregende Herausforderung zur Auseinandersetzung mit Fontane und der Welt damals und heute.

Spreeland. Fontane
Sa 30.03.

Twarz – Die Maske, OmdU

Małgorzata Szumowska
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Twarz (Die Maske)                                           

Silberner Bär 2018 – Großer Preis der Jury

Polen 2018, 91 min, polnische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Małgorzata Szumowska

Jacek liebt Heavy Metal, die Spritztouren mit seinem Auto und seinen Hund. Er genießt das Dasein als cooler Außenseiter in einem ansonsten eher spießigen Umfeld. In der Nähe seines Heimatortes an der polnisch-deutschen Grenze soll die größte Jesusstatue der Welt entstehen, und auch Jacek arbeitet auf der Großbaustelle. Doch ein schwerer Arbeitsunfall lässt ihn entstellt zurück. Unter reger Anteilnahme der polnischen Öffentlichkeit wird daraufhin die erste Gesichtstransplantation im Land vollzogen. Jacek wird als Nationalheld und Märtyrer gefeiert, die Jesusstatue wird höher und höher, aber er selbst erkennt sich nicht mehr im Spiegel wieder. Während sein Konterfei zur Maske wird, zeigen die Menschen um ihn herum ihr wahres Gesicht…

“Die Handlung bringt zwei wahre Begebenheiten aus den vergangenen Jahren miteinander in Verbindung, die man als Kuriosa abhaken könnte, würden sie nicht im von Minderwertigkeitskomplexen beseelten Nachwende-Polen als welthistorisch bedeutsame Heldentaten gefeiert: der Bau der weltgrößten Jesus-Statue im Städtchen Świebodzin, die sich wie ein Mahnmal des schlechten Geschmacks von der Landschaft abhebt, und die erste Gesichtstransplantation, die je in Europa gelang. Der junge, ziemlich prollige, langhaarige Metallica-Fan Jacek arbeitet mit am Bau des Christus-Monstrums. Die Großfamilie, aus der er stammt, steht für das derb-slawische Elend, das jeder kennt, der aus dem Osten kommt, und das die Deutschen wegen der zum Ausdruck kommenden Seelentiefe ja so mögen: die Wodka-Abstürze am Küchentisch, restalkoholisierte Kirchenbesuche, hysterisch-fröhliche Xenophobie, der frühzeitige Verfall der Männer, die unerträgliche Religiosität der Mütter, der Schlager- und Heavy-Metal-Kitsch, die Fleischberge zum Abendessen, die Kuschelrock-Liebe der jungen Frauen, die so gut wie nichts anhaben, und so weiter. (…)

Man kann Twarz natürlich vordergründig als Parabel auf die Verlogenheit, den Opportunismus, die Bigotterie der polnischen Provinz interpretieren (und dies auch zu Recht), aber wie immer bei Szumowska erschöpft sich der Film gerade nicht in billiger Gesellschaftskritik, nicht in Opferkult und rechthaberischen Gewissheiten. Dafür sorgt schon ihr Hang zu grotesken, heiteren, auch brutal-burlesken Szenen. Sie gibt damit auch – und vielleicht sogar gerade – jenen, die sich vom Heimkehrer kaltherzig abwenden, ein Gesicht. Der Entstellte war vor seinem Schicksalsschlag doch nie besser als das Dorfvolk, erst als Gefallener wird er zum Homo sacer, zum Verbannten und Heiligen in einem. Die Bildränder haben eine geringe Tiefenschärfe, was dem Film etwas Märchenhaftes gibt. Die Unschärfe ist Programm, stellt die Wahrnehmung auf die Probe, und das ist natürlich völlig plausibel, weil am Ende nicht mehr zu sagen ist, wer in diesem Dorf als Wiederauferstandener gilt: der in den Himmel ragende Beton-Jesus oder der von den Ärzten Zusammengeflickte. Stückwerk sind sie beide, lädierte Heilande, der Zuschauer gerät in die Rolle des ungläubigen Thomas und ist begeistert.” (Adam Soboczynski, DIE ZEIT Nr. 10/2018)

Twarz – Die Maske, OmdU
So 31.03.

Zimna wojna – Cold War. Der Breitengrad der Liebe, OmdU

Pawel Pawlikowski
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Zimna wojna (Cold War – Der Breitengrad der Liebe)

PL/ GB/ F 2018, 89 min, OmdU

Regie: Paweł Pawlikowski

Während des polnischen Wiederaufbaus ist der begabte Komponist Wiktor auf der Suche nach traditionellen Melodien für ein neues Tanz- und Musik-Ensemble. Unter seinen Studentinnen ist auch die Sängerin Zula. Schön, hinreißend und energiegeladen ist Zula schon bald der Mittelpunkt des Ensembles und die beiden verlieben sich ineinander. Ihre brennende Leidenschaft scheint keine Grenzen zu kennen. Doch als das Repertoire des Ensembles zunehmend politisiert wird, nutzt Wiktor einen Auftritt in Ostberlin, um in den Westen zu fliehen. Zula bleibt der verabredeten Flucht fern und doch führt das Schicksal die beiden Liebenden Jahre später erneut zueinander. (Neue Visionen)

„Von Ort zu Ort werden die Liebenden getrieben und von einer Klangwelt in die nächste. Aber weder Volksmusik noch Jazz, weder Chanson noch Rock ’n‘ Roll werden zur Heimat. COLD WAR ist auch eine Studie des Exils, in dem Wiktor zur Mittelmäßigkeit schrumpft und Zula ihre Liebe fast verliert. Das alles ist verführerisch schön, in erlesen komponierten, sehr coolen Schwarz-Weiß-Bildern fotografiert, die COLD WAR schon jetzt wie einen Klassiker wirken lassen.“ (Martina Knoben, SZ 22.11.18)

Zimna wojna – Cold War. Der Breitengrad der Liebe, OmdU
So 31.03.

Vom Lokführer, der die Liebe suchte… (The Bra), ohne Dialog

Veit Helmer
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Vom Lokführer, der die Liebe suchte… (The Bra)

Deutschland / Aserbaidschan 2018, 90 min, ohne Dialog

Regie: Veit Helmer

Ein Güterzug rollt durch eine weite Graslandschaft, die sich vor den kaukasischen Bergen entlangzieht. Am Steuer: Nurlan, der Lokführer. Tagein, tagaus lenkt er seinen Zug durch einen dicht besiedelten Vorort Bakus, in dem die Schienen so dicht an die Häuser grenzen, dass Nurlan quasi durch die Vorzimmer und Gärten der Bewohner fährt. Auf seinem täglichen Weg passiert er teetrinkende Männer ebenso wie Frauen, die ihre Wäsche in den sanften Wind hängen. Sobald sich der Zug nähert, bläst der kleine Waisenjunge Aziz in eine Pfeife und die Bewohner des Vorortes bringen sich und ihre Habseligkeiten schnell in Sicherheit. Doch das gelingt nicht immer. Nurlan hat schon so einiges von seiner Lokomotive gepflückt: Hühnerfedern, Spielzeugbälle oder auch Bettbezüge. Am letzten Arbeitstag vor der Pensionierung verheddert sich ein besonderes Abschiedsgeschenk an Nurlans Lok: ein traumhaft schöner, blauer Spitzen-BH. Nurlan nimmt ihn nach seiner Schicht kurzerhand mit in sein Heimatdorf in den Bergen. Seine Neugier ist geweckt: Wem nur mag das kleine Stück Stoff gehören? Getrieben von Einsamkeit beschließt Nurlan, die Suche nach der Besitzerin des Büstenhalters aufzunehmen.

VOM LOKFÜHRER, DER DIE LIEBE SUCHTE… ist eine mit viel Feingefühl und unbeschwert erzählte Geschichte von der Suche nach Liebe. Erneut zieht es Regisseur Veit Helmer in die Berglandschaft Aserbaidschans. In seiner meisterhaft phantasievollen Bildsprache wird er seinem Ruf als moderner Märchenerzähler gerecht und inszeniert die Geschichte VOM LOKFÜHRER, DER DIE LIEBE SUCHTE… als atmosphärische Komödie, die ganz ohne Dialoge auskommt und uns gerade dadurch in ihren Bann zieht.

www.vom-lokfuehrer-der-die-liebe-suchte.de

Vom Lokführer, der die Liebe suchte… (The Bra), ohne Dialog
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Spreeland. Fontane

Bernhard Sallmann
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Spreeland. Fontane

D 2018, 79 min

Regie: Bernhard Sallmann

Trotz oder wegen allen Rummels zum Fontanejahr, ein Schriftsteller lässt sich weiter nur durch die Beschäftigung mit seinem OEuvre entdecken. Für SPREELAND FONTANE wählte Bernhard Sallmann zeitgenössische märkische Landschaften und Töne als Echoraum für die sorgsam ausgewählten Texte des Autors. Sein Film ist anregende Herausforderung zur Auseinandersetzung mit Fontane und der Welt damals und heute.

Spreeland. Fontane
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Twarz – Die Maske, OmdU

Małgorzata Szumowska
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Twarz (Die Maske)                                           

Silberner Bär 2018 – Großer Preis der Jury

Polen 2018, 91 min, polnische Originalfassung mit deutschen UT

Regie: Małgorzata Szumowska

Jacek liebt Heavy Metal, die Spritztouren mit seinem Auto und seinen Hund. Er genießt das Dasein als cooler Außenseiter in einem ansonsten eher spießigen Umfeld. In der Nähe seines Heimatortes an der polnisch-deutschen Grenze soll die größte Jesusstatue der Welt entstehen, und auch Jacek arbeitet auf der Großbaustelle. Doch ein schwerer Arbeitsunfall lässt ihn entstellt zurück. Unter reger Anteilnahme der polnischen Öffentlichkeit wird daraufhin die erste Gesichtstransplantation im Land vollzogen. Jacek wird als Nationalheld und Märtyrer gefeiert, die Jesusstatue wird höher und höher, aber er selbst erkennt sich nicht mehr im Spiegel wieder. Während sein Konterfei zur Maske wird, zeigen die Menschen um ihn herum ihr wahres Gesicht…

“Die Handlung bringt zwei wahre Begebenheiten aus den vergangenen Jahren miteinander in Verbindung, die man als Kuriosa abhaken könnte, würden sie nicht im von Minderwertigkeitskomplexen beseelten Nachwende-Polen als welthistorisch bedeutsame Heldentaten gefeiert: der Bau der weltgrößten Jesus-Statue im Städtchen Świebodzin, die sich wie ein Mahnmal des schlechten Geschmacks von der Landschaft abhebt, und die erste Gesichtstransplantation, die je in Europa gelang. Der junge, ziemlich prollige, langhaarige Metallica-Fan Jacek arbeitet mit am Bau des Christus-Monstrums. Die Großfamilie, aus der er stammt, steht für das derb-slawische Elend, das jeder kennt, der aus dem Osten kommt, und das die Deutschen wegen der zum Ausdruck kommenden Seelentiefe ja so mögen: die Wodka-Abstürze am Küchentisch, restalkoholisierte Kirchenbesuche, hysterisch-fröhliche Xenophobie, der frühzeitige Verfall der Männer, die unerträgliche Religiosität der Mütter, der Schlager- und Heavy-Metal-Kitsch, die Fleischberge zum Abendessen, die Kuschelrock-Liebe der jungen Frauen, die so gut wie nichts anhaben, und so weiter. (…)

Man kann Twarz natürlich vordergründig als Parabel auf die Verlogenheit, den Opportunismus, die Bigotterie der polnischen Provinz interpretieren (und dies auch zu Recht), aber wie immer bei Szumowska erschöpft sich der Film gerade nicht in billiger Gesellschaftskritik, nicht in Opferkult und rechthaberischen Gewissheiten. Dafür sorgt schon ihr Hang zu grotesken, heiteren, auch brutal-burlesken Szenen. Sie gibt damit auch – und vielleicht sogar gerade – jenen, die sich vom Heimkehrer kaltherzig abwenden, ein Gesicht. Der Entstellte war vor seinem Schicksalsschlag doch nie besser als das Dorfvolk, erst als Gefallener wird er zum Homo sacer, zum Verbannten und Heiligen in einem. Die Bildränder haben eine geringe Tiefenschärfe, was dem Film etwas Märchenhaftes gibt. Die Unschärfe ist Programm, stellt die Wahrnehmung auf die Probe, und das ist natürlich völlig plausibel, weil am Ende nicht mehr zu sagen ist, wer in diesem Dorf als Wiederauferstandener gilt: der in den Himmel ragende Beton-Jesus oder der von den Ärzten Zusammengeflickte. Stückwerk sind sie beide, lädierte Heilande, der Zuschauer gerät in die Rolle des ungläubigen Thomas und ist begeistert.” (Adam Soboczynski, DIE ZEIT Nr. 10/2018)

Twarz – Die Maske, OmdU
Mi 10.04.

Der Funktionär – Premiere in Anwesenheit des Regisseurs Andreas Goldstein Vorbestellung empfohlen!

Andreas Goldstein
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Der Funktionär (AT: Bilder meines Vaters)

Deutschland 2018, 72 min

Regie: Andreas Goldstein

„Als mein Vater zwei Jahre alt war, überfiel das deutsche Heer Belgien, der 1. Weltkrieg begann. Als er sechs war, brach das Kaiserreich zusammen. Mit siebzehn sah er vor dem Fenster der elterlichen Wohnung einen erschossenen Arbeiter auf der Straße liegen. Er trat in den kommunistischen Jugendverband und später in die kommunistische Partei ein. Nach 1933 illegale Arbeit, bis ´45 in Berlin. Dann machte er im sozialistischen Deutschland Karriere, Abstürze inbegriffen. Schließlich verschwand das Land. Seitdem er tot ist, erscheint mein Vater in meinen Träumen.
Die Not diese Geschichten zu erzählen erwächst nicht aus der Vergangenheit, sondern aus der Gegenwart. Heute werde die Konflikte der DDR dramatisiert und durchweg auf den Gegensatz von Freiheitswillen und Repression reduziert.  Sie bilden dabei weniger die DDR ab, als vielmehr eine Gegenwart, die sich selbst legitimieren muss und nun in diesen Erzählungen als Erlösung erscheinen kann.
Von einem Kommunisten erwartet man, im Gegensatz zu einem Bankdirektor, Ideale. Und dass er an ihnen scheitert, besser noch zugrunde geht. Schicksale die man einem Bankdirektor nicht verzeihen würde. Der gute Kommunist ist eine tragische Figur, der beste eine Leiche.“ (Andreas Goldstein)

Der Funktionär – Premiere in Anwesenheit des Regisseurs Andreas Goldstein Vorbestellung empfohlen!
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