ČSSR 1970, 77 min, OmeU
R: Jaromil Jireš, B: Jaromil Jireš, Ester Krumbachová, nach dem Roman von Vítězslav Nezval, K: Jan Čuřík, D: Jaroslava Schallerová, Helena Anýžová, Petr Kopřiva, Jiří Prýmek, Jan Klusák
Der surrealistische Roman von Vítězslav Nezval aus dem Jahr 1935 dient hier als Fundament für eine filmpoetische Großtat!
Jaromil Jireš entfaltet in seiner Verfilmung eine betörende, traumgleiche Parabel über das Erwachsenwerden. Im Zentrum steht die dreizehnjährige Waise Valerie, deren erste Menstruation eine phantasmagorische Metamorphose in Gang setzt. Begleitet von magischen Ohrringen navigiert sie durch eine Welt voller Bedrohungen – von lüsternen Priestern bis hin zu vampirischen Verwandlungskünstlern. Jireš inszeniert diesen Übergang vom Kind zur Frau als fließendes Geflecht aus erotischem Erwachen, dem Verlust von Unschuld und weiblicher Autonomie.
Die damals erst dreizehnjährige Jaroslava Schallerová verleiht der Titelfigur eine unschuldige, aber bemerkenswert furchtlose Präsenz, die dem rauschhaften Treiben einen emotionalen Anker gibt. Besondere Erwähnung verdient die Kamera von Jan Čuřík: Seine lichtdurchfluteten, weichgezeichneten Bilder fangen die historische Kulisse von Slavonice im Wechselspiel aus gotischer Schauerromantik und lyrischem Naturerleben ein. Zusammen mit dem gleichermaßen unschuldigen, wie magisch-bedrohlichen Soundtrack von Luboš Fišer entstand ein Werk, das weit über spezialisierte Genrezuschreibungen hinausweist.
Als eines der späten visuellen Meisterwerke der tschechoslowakischen Neuen Welle feierte Valerie a týden divů 1970 seine Premiere beim Festival in Bergamo, wo der Film den Hauptpreis gewann. 2026 erlebte die aufwändige Restaurierung des Films durch das Narodni Filmovy archiv seine Wiederaufführung bei den Filmfestspielen von Venedig. Berliner Premiere. (Linda Söffker)