ČSR 1933, 66 min, OmeU
Regie: Karel Plicka
Karel Plickas kinematographisches Nationalepos holt das traditionelle Leben der slowakischen Landbevölkerung aus der rein wissenschaftlichen Dokumentation direkt in die Arena der filmischen Avantgarde. Als poetisches Monument strukturiert der Film den dörflichen Alltag und jahrhundertealte Bräuche entlang des gesamten Jahreskreises – vom Schmelzen des Eises im späten Winter über das Erwachen des Frühlings bis hin zur harten Feldarbeit und den festlichen Riten im darauffolgenden Sommer und Herbst. Plicka fängt das Leben in den Karpaten nicht bloß als nüchterner Beobachter ein, sondern verdichtet Tänze, Trachten und Musik zu einer schwelgerischen Hymne auf die Einheit von Mensch, Brauchtum und Natur.
Die visuelle Wucht verdankt das Werk der meisterhaften Montage von Alexandr Hackenschmied: Seine dynamischen Schnitte und rhythmischen Bildfolgen befreien das ethnografische Material von jeglicher Musealität und machen die Bewegung selbst zum eigentlichen Mitspieler des Films. In der Synthese aus lyrischer Kameraarbeit und František Škvors moderner, symphonischer Musik verdichtet sich der Dokumentarfilm zu einem Rhythmus- und Formexperiment von zeitloser Modernität.
Nach der Uraufführung am 27. Oktober 1933 in Prag wurde ZEM SPIEVA schnell zum internationalen Erfolg: Bei der folgenden Ausgabe der Filmfestspiele von Venedig im Sommer 1934 wurde das Werk mit dem Regiepreis prämiert. Bis heute gilt dieser Klassiker als ein Schlüsselwerk des tschechoslowakischen Kinos, in dem sich ethnografischer Entdeckergeist und modernistische Formensprache ebenbürtig begegnen. (Linda Söffker)