Drak sa vra­cia (Der Dra­che kehrt zurück / Dragon’s Return)

ČSSR 1967, 85 min, Slo­wa­kisch mit engl. UT

Regie: Edu­ard Greč­ner                 nach der Novel­le von Dobros­lav Chrobák

Als zeit­lo­se Para­bel über Vor­ur­tei­le, Aus­gren­zung und die zer­stö­re­ri­sche Kraft kol­lek­ti­ven Has­ses ent­fal­tet sich die­se lite­ra­ri­sche Adap­ti­on einer bekann­ten Novel­le von Dobros­lav Chro­bák. Erzählt wird die Geschich­te des eigen­wil­li­gen Töp­fers Mar­tin Lepiš, genannt „Drak“ (Dra­che), den die dörf­li­che Gemein­schaft einst für Miss­ern­ten und Unglück ver­ant­wort­lich mach­te und ver­trieb. Nach Jah­ren der Iso­la­ti­on kehrt er in sein Hei­mat­dorf zurück. Selbst als er unter Ein­satz sei­nes Lebens das Vieh der Bau­ern aus einem ver­hee­ren­den Wald­brand ret­tet, gelingt es ihm nicht, das tief­sit­zen­de Miss­trau­en der Dorf­be­woh­ner zu überwinden.

Die visu­el­le Gestal­tung bricht bewusst mit den gän­gi­gen Erwar­tun­gen an einen his­to­ri­sie­ren­den Hei­mat­film. Zwar wur­de an Ori­gi­nal­schau­plät­zen wie dem Muse­ums­dorf Vlkolínec gedreht, doch Regis­seur Edu­ard Greč­ner setzt auf eine sti­li­sier­te, moder­nis­ti­sche Insze­nie­rung. Die redu­zier­ten, fast wort­kar­gen schau­spie­le­ri­schen Leis­tun­gen har­mo­nie­ren eng mit den mar­kan­ten, gra­fi­schen Kos­tüm­ent­wür­fen des slo­wa­ki­schen Avant­gar­de-Malers Milan Lal­u­ha. Anstel­le folk­lo­ris­ti­scher Roman­tik domi­nie­ren har­te Schwarz-Weiß-Kon­tras­te und abs­trak­te Bild­geo­me­trien, die das Dorf zu einem beklem­men­den, psy­cho­lo­gi­schen Gefäng­nis machen.

Die Ent­ste­hungs­ge­schich­te des Films war von poli­ti­schen Hin­der­nis­sen geprägt: Ers­te Dreh­buch­ent­wür­fe ent­stan­den unter Mit­ar­beit des bekann­ten Film­theo­re­ti­kers Béla Balázs bereits Ende der 1940er-Jah­re, doch erst im Zuge der kul­tur­po­li­ti­schen Locke­run­gen der 1960er-Jah­re konn­te das Pro­jekt rea­li­siert wer­den. Im Mai 1968 offi­zi­ell in den tsche­cho­slo­wa­ki­schen Kinos gestar­tet, gilt der Film heu­te als ein blei­ben­des Bei­spiel für die for­ma­le Radi­ka­li­tät des slo­wa­ki­schen Kinos jener Epo­che. (Lin­da Söffker)