ČSSR 1972, 65 min, slowakische Originalfassung mit engl. UT
Regie: Dušan Hanák
Inspiriert von den eindringlichen Zyklen des Fotografen Martin Martinček blickt dieser Dokumentarfilm hinter die Fassaden des sozialistischen Fortschrittsmythos, um eine vergessene Generation am Rande der Moderne zu porträtieren. Regisseur Dušan Hanák sucht dafür abgelegene Dörfer in den Regionen Liptov und Orava auf. Im Zentrum stehen weithin isolierte, alte Menschen, deren von Entbehrungen gezeichneter Alltag sich jeder ideologischen Vereinnahmung entzieht. Das Werk begegnet diesen eigenwilligen Charakteren – vom kauzigen Sonderling bis zum bettlägerigen Einsiedler – ohne larmoyantes Mitleid. Ihre Existenz wird stattdessen zum Zeugnis einer inneren Unabhängigkeit und einer tiefen emotionalen Widerstandskraft gegen die Härten des Daseins.
Die gestalterische Dichte erhält der Essay durch die Kameraarbeit von Alojz Hanúsek: In kontrastreichen Schwarz-Weiß-Bildern verschmelzen die tiefen Furchen der Gesichter wechselseitig mit den kargen Texturen der slowakischen Berglandschaft. Die Montage verbindet diese ausdrucksstarken Porträtfotografien, Interviewfragmente und sakrale Musik zu einer vielstimmigen Reflexion über das Altern und die menschliche Würde. Aufgrund seiner ungeschönten Darstellung ländlicher Armut geriet der Film unmittelbar nach der Fertigstellung 1972 in den Fokus der staatlichen Zensur und wurde mit einem langjährigen Aufführungsverbot belegt. Erst im Zuge der politischen Öffnung im Sommer 1988 erlebte OBRAZY STARÉHO SVETA seine offizielle Kinopremiere. (Linda Söffker)