Sln­ko v sie­ti (Son­ne im Netz / The Sun in a Net)

ČSSR 1962, 95 min, Slo­wa­kisch mit deut­schen UT

Regie: Šte­fan Uher 

Ein unver­söhn­li­cher Bruch mit den dog­ma­ti­schen Vor­ga­ben des sozia­lis­ti­schen Rea­lis­mus. Die­ses hoch­gra­dig eigen­sin­ni­ge Dra­ma von Šte­fan Uher aus dem Jahr 1962 gilt als Initi­al­werk der tsche­cho­slo­wa­ki­schen Neu­en Wel­le. Basie­rend auf Erzäh­lun­gen von Alfonz Bednár schil­dert der epi­so­disch struk­tu­rier­te Film die Lie­bes­be­zie­hung der bei­den Jugend­li­chen Fajo­lo und Bela im Bra­tis­la­va der frü­hen 1960er-Jah­re. Getrennt durch Fajo­los som­mer­li­chen Land­dienst kreu­zen sich ihre Wege im Span­nungs­feld zwi­schen jugend­li­chem Zynis­mus, fami­liä­rer Enge und den ers­ten gro­ßen Ent­täu­schun­gen. Weit ent­fernt von einem päd­ago­gi­schen Lehr­stück gelingt Regis­seur Šte­fan Uher eine unge­schön­te Moment­auf­nah­me: Er fängt das authen­ti­sche Lebens­ge­fühl einer Jugend ein, die sich hin­ter einer Mas­ke der Gleich­gül­tig­keit gegen die Bevor­mun­dung durch die Erwach­se­nen­welt schützt.

Inhalt­lich und for­mal spie­gelt sich die emo­tio­na­le Ver­un­si­che­rung der Figu­ren in einem dich­ten Netz aus visu­el­len und akus­ti­schen Meta­phern. Die zu Film­be­ginn nur sche­men­haft wahr­nehm­ba­re Son­nen­fins­ter­nis setzt das Leit­mo­tiv von Hell und Dun­kel, Sehen und Blind­heit, wäh­rend Fajo­los obses­si­ve Foto­gra­fie von mensch­li­chen Hän­den zur wort­lo­sen Suche nach Nähe und Wahr­heit wird. Eine völ­lig neue nar­ra­ti­ve Ebe­ne zieht zudem das expe­ri­men­tel­le Ton­ge­we­be von Ilja Zel­jen­ka ein: Die Col­la­gen aus All­tags­ge­räu­schen, Tran­sis­tor­ra­dio-Fet­zen und elek­tro­ni­schen Klang­pha­sen ver­stär­ken die inne­re Zer­ris­sen­heit und Iso­la­ti­on der Prot­ago­nis­ten: ein epo­cha­les Werk, das Arthur Rim­bauds Paro­le anhängt, dass man abso­lut modern sein müs­se („Il faut être abso­lu­ment moder­ne!“) und die­sem ästhe­ti­schen Kampf­be­griff zugleich eine spe­zi­fisch slo­wa­ki­sche Fär­bung verleiht.

Obwohl der Film auf­grund sei­ner gesell­schafts­kri­ti­schen Unter­tö­ne zunächst auf hef­ti­gen Wider­stand der staat­li­chen Kul­tur­po­li­tik stieß, gewann er nach sei­ner Pre­mie­re im Früh­jahr 1963 rasch die Aner­ken­nung der inter­na­tio­na­len Kri­tik. Heu­te steht SLN­KO V SIE­TI exem­pla­risch für die Ent­ste­hung eines Kinos, das for­ma­le Expo­niert­heit mit einem genau­en Blick auf die gesell­schaft­li­che Wirk­lich­keit zu ver­bin­den ver­stand. (Lin­da Söffker)