Him­mel im Brun­nen – Riga­er Schu­le des poe­ti­schen Doku­men­tar­films im Kon­text des inter­na­tio­na­len Kinos

Filmreihe mit begleitender Fotousstellung im Foyer, 20.-30. Mai 2026

Himmel im Brunnen - ein Essay von Nadežda Fedorova

Die Schön­heit der let­ti­schen Land­schaft über­wäl­tigt nicht auf Anhieb. Sie stimmt kon­tem­pla­tiv ein. Mono­to­ne Kie­fern­wäl­der säu­men die fla­chen Fel­der, deren Gren­zen sich im mil­chi­gen Dunst auf­lö­sen. Ruhi­ge Flüs­se und Seen spie­geln über­gro­ße wei­ße Wol­ken­ber­ge und den tief­blau­en Him­mel im Som­mer, und in den kur­zen Win­ter­ta­gen über­zieht ihre Ober­flä­che der zähe, blei­er­ne Glanz. Da Ent­fer­nun­gen hier über­schau­bar sind, läuft die Zeit lang­sa­mer. Man schafft unge­mein viel, und selbst­nach einem vol­len Arbeits­tag in Riga kann man ins Auto […]

Der Poet als Doku­men­ta­rist – Werk­schau Haru­tyun Khachatryan

16.-19. Oktober 2025

Harutyun Khachatryan: Dokumentieren des Windes

Wenn je ein Künst­ler durch einen frü­hen trau­ma­ti­schen Ein­druck geprägt wur­de, dann ist es der arme­ni­sche Fil­me­ma­cher Haru­tyun Khacha­t­ryan. 1955 in Ach­al­ka­la­ki gebo­ren, einer von Arme­ni­ern bewohn­ten Stadt in Sowjet­ge­or­gi­en, nur 29 km von der Gren­ze zur Arme­ni­schen SSR ent­fernt, wuchs er auf zwi­schen Wel­ten – mit der Sehn­sucht nach einer Hei­mat, die uner­reich­bar bleibt und doch bis zum letz­ten Atem­zug zurück­ruft. Die­ses Gefühl durch­zieht unwei­ger­lich fast alle sei­ne Fil­me und beson­ders die sechs Wer­ke, die in […]

Wie lan­ge lebt ein Mensch? Fil­me von Judit Elek

Berlin, 12.-28. September 2025 im Kino Krokodil (KK) und im Collegium Hungaricum Berlin (CHB)
Die Werkschau ist Teil der vom Hauptstadt-Kulturfonds geförderten Veranstaltungsreihe Arsenal on Location.

Interviews mit Judit Elek in Paris 2024 und Budapest 2025 - Von Jörg Taszman

Judit Elek (*1937) ist eine zen­tra­le Figur sowohl des unga­ri­schen Doku­men­tar­films wie auch des Spiel­film­schaf­fens ihres Lan­des. Nach dem Stu­di­um an der Film­hoch­schu­le Buda­pest, das sie 1956 auf­nahm, kurz vor dem unga­ri­schen Volks­auf­stand, ent­stan­den ihre ers­ten kur­zen Fil­me im von ihr mit­be­grün­de­ten Béla Balázs Stu­dio, ein Ort der Expe­ri­men­tier­freu­de und künst­le­ri­schen Frei­heit. Ihr Leben wie ihre Fil­me sind eng ver­knüpft mit den geschicht­li­chen Ereig­nis­sen des 20. Jahr­hun­derts; ihre jüdi­sche Her­kunft fin­det vor allem in ihren […]

Wir wären so ger­ne Hel­den gewesen

Filmvorführung am 21. September 2025, dem ersten Todestag der Fotografin und Filmemacherin Barbara Metselaar Berthold um 17:30 Uhr in Anwesenheit von Freunden im Kino Krokodil.

Text von Matthias Dell

In Memo­ri­am Bar­ba­ra Met­sela­ar Bert­hold Die Foto­gra­fin Bar­ba­ra Met­sela­ar Bert­hold hat vie­le Bil­der gemacht, und eins, das für den Doku­men­tar­film iko­nisch ist. Es zeigt den Kame­ra­mann Tho­mas Ple­nert (1951–2023), der mit Hel­ke Mis­sel­witz und Vol­ker Koepp, Jörg Foth und Jür­gen Bött­cher gear­bei­tet hat, und von dem es, obwohl er selbst dau­ernd Bil­der mach­te, gar nicht so vie­le offi­zi­el­le gibt. Das Bild, das Bar­ba­ra Met­sela­ar Bert­hold von Ple­nert gemacht hat, stammt vom Beginn der 1980er Jahre. […]

Der tsche­chi­sche Regis­seur Fran­tišek Vláčil

František Vláčil Retrospektive zum 100. Geburtstag - Kino Krokodil 04.-12.09.2024

kuratiert von Ralph Eue

Nach dem Alten. Jen­seits des Neu­en Auf das Kon­to des tsche­chi­schen Regis­seurs Fran­tišek Vlá­čil geht eine gan­ze Rei­he inter­na­tio­nal aner­kann­ter Meis­ter­wer­ke, doch obwohl er Vor­läu­fer, Weg­be­rei­ter und Impuls­ge­ber der tsche­chi­schen neu­en Wel­le war, sind sei­ne Fil­me in Deutsch­land so gut wie unbe­kannt. Der 1924 gebo­re­ne Fran­tišek Vlá­čil kam durch Zufall zum Film. Im Kata­log des Fes­ti­vals von Ber­ga­mo, das ihm 1992 eine umfang­rei­che Retro­spek­ti­ve wid­me­te, bezeich­ne­te er sich als den ein­zi­gen Ama­teur des tsche­chi­schen Kinos und […]

Genera­ti­on Černý Petr – die 68er im Osten

Sommer 1968, Perspektive Ost, Erinnerungen

Nächs­ter Halt: … von Dani­el Jurjew

inspiriert von Ruslan Fedotovs Film КУДА МЫ ЕДЕМ / WO GEHT'S HIN?

eine Novelle von Daniel Jurjew

Auf Japa­nisch heißt die U‑Bahn chi­ka­tetsu, wört­lich soviel wie „Unter-der-Erde-Eisen“. Aus der Sicht unse­rer nicht so ent­fern­ten Vor­fah­ren mag es das Glei­che sein, ob ein rie­si­ges Eisen­ge­fährt durch die Luft glei­tet oder durch die Erde. Bei­des wäre nicht ohne die Ein­mi­schung gött­li­cher oder dämo­ni­scher Kräf­te mög­lich. Zwei Sicher­heits­kräf­te der Mos­kau­er U‑Bahn, ein Mann und eine Frau, machen Fei­er­abend und fah­ren zusam­men die Roll­trep­pe hin­un­ter, den Zugang zu wel­cher sie vor­her bewacht haben. Die Frau nimmt […]

Über Ander­son von Peter Wawerzinek

Peter Wawerzinek über Anderson

Essay anlässlich des Films «Anderson» von Annekatrin Hendel

Oh, Mann, ist das alles lan­ge her. Aber es brennt noch in mei­ner Brust. Ob ich es wahr haben will oder ver­drän­ge. Die Ber­li­ner Sze­ne gab es. Die Ber­li­ner Sze­ne war da und extrem über­sicht­lich. Alles so schön hand­ver­le­sen. Wie als woll­ten sie es dem Sicher­heits­dienst extra leicht machen. Was da geheim war, zwit­scher­ten die Regen­bo­gen­pres­se­pfei­fer vor den Spat­zen mun­ter vom Dach her­un­ter. Was bit­te sehr soll­te denn in Ber­lin, wo man sich poli­tisch als […]

Der rand­stän­di­ge Pla­net von Tho­mas Heise

im Rahmen der Reihe „Aus vergangener Zukunft“ anlässlich des 100. Jahrestags der Oktoberrevolution

Thomas Heise anlässlich der Aufführung seiner Filme

VOLKS­PO­LI­ZEI 1985 – am Fr, 27.10.2017 EISEN­ZEIT – am Mi, 22.11. mit Film­ge­spräch im Rah­men der Rei­he „Aus ver­gan­ge­ner Zukunft“ anläss­lich des 100. Jah­res­tags der Okto­ber­re­vo­lu­ti­on – Kino Kro­ko­dil, 19.10.–29.11.2017 Dabei fällt mir eine ganz ande­re Geschich­te ein, eine zu Doku­men­tar­film über­haupt. War­um man das über­haupt macht. Machen muss. Der rand­stän­di­ge Pla­net erwies sich näm­lich als Zumu­tung. Die als riva­li­sie­ren­de Gangs ihn bewoh­nen­den, zot­ti­gen, streng rie­chen­den Affen­ar­ti­gen hat­ten das Raum­schiff auf der Lich­tung im Wald […]

Von drin­nen nach drau­ßen von Chris­toph Dieckmann

Erinnerungen angesichts von Vitaly Manskys Film „Im Strahl der Sonne“

Essay von Christoph Dieckmann

Wie ließ sich die Mau­er ertra­gen? Sie war nor­mal. Alles Tag­täg­li­che ist Nor­ma­li­tät. Ich wuchs hin­ter Mau­ern auf. Die ers­te umgab mein dörf­li­ches Kind­heits­pa­ra­dies am Harz. In des­sen Mit­te stand das väter­li­che Pfarr­haus, ein Fach­­werk-Koloß, 1580 erbaut, umla­gert von Gar­ten und Wald. Die Mau­er um das Pfarr­ge­höft beschirm­te und hielt fern: ein Limes zwi­schen geist­li­chem und bäu­er­li­chem Leben. Sie trenn­te auch vom Staat DDR. Des­sen Jugend­or­ga­ni­sa­tio­nen mied ich, als ein­zi­ger der Klas­se. Die meis­ten Lehrer […]